Brustkrebs – Mammakarzinom im Fokus

Brustkrebs, in der medizinischen Fachsprache Mammakarzinom, entsteht im Drüsenanteil der Brust. Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung der Frau. Jährlich erkranken schätzungsweise 43.000 Frauen und etwa 400 Männer. Das Erkrankungsrisiko steigt ab dem vierten Lebensjahrzehnt allmählich an. Weltweit sind die Erkrankungsrisiken sehr unterschiedlich: In USA ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken höher als in Europa, in Japan dagegen merklich niedriger. In Deutschland wird bei etwa jeder zwölften Frau im Laufe ihres Lebens ein Brustkrebs festgestellt.

Welche Bedeutung haben die bekannten Risikofaktoren?

Für die überwiegende Zahl aller Erkrankungen lässt sich keine einzelne Ursache benennen, die hauptsächlich für die Entstehung verantwortlich ist. Wahrscheinlich tragen viele unterschiedliche Einflüsse gemeinsam dazu bei, daß ein Umwandlungsprozess einer normalen Zelle in eine Krebszelle stattfindet.

Spielt Vererbung eine Rolle?

Bei 15% der neuerkrankten Frauen ist eine Verwandte ersten Grades, d.h. Mutter oder Schwester, ebenfalls an Brustkrebs erkrankt. In diesen Fällen wird die Beteiligung von vererbten Faktoren vermutet. Wissenschaftler haben in den letzten Jahren herausgefunden, dass tatsächlich bei etwa einem Drittel dieser Patientinnen bestimmte genetische Faktoren eine wesentliche Ursache für die Krankheitsentstehung sind. Für Frauen mit an Brustkrebs erkrankten Verwandten ersten Grades bedeutet dies, daß unter Umständen auch bei ihnen angeborene Faktoren vorhanden sind, die für sich alleine aber noch keine ausschlaggebende Bedeutung für die Entstehung der Erkrankung haben.

Es müssen noch andere wichtige Faktoren hinzukommen, damit eine Erkrankung auftritt. Details hierüber sind bisher noch nicht bekannt. Zur Höhe des Erkrankungsrisikos lässt sich generell sagen: Sind die Mutter oder eine Schwester einer Frau an Brustkrebs erkrankt, ist ihr Risiko durchschnittlich zwei- bis dreimal so hoch wie bei einer Frau ohne Brustkrebsfälle in der nahen Verwandtschaft.

Insgesamt sind vererbte Besonderheiten des Erbmaterials für das Entstehen von etwa 5% aller Brustkrebserkrankungen verantwortlich. In einigen Familien werden bestimmte Veränderungen im Erbmaterial von Generation zu Generation weitergegeben, die die Erkrankungsbereitschaft für Brustkrebs sehr deutlich erhöhen. In diesen Familien (Brustkrebsfamilien) tritt Brustkrebs sehr häufig schon vor dem 40. oder 50. Lebensjahr auf und es können beide Brüste betroffen sein.

Weiterhin kann das vermehrte Auftreten von Eierstockkrebs, bisweilen auch von anderen bösartigen Erkrankungen, damit verknüpft sein.

Wahrscheinlich sind noch nicht alle der risikoerhöhenden Veränderungen des Erbmaterials gefunden worden. Als die beiden bedeutendsten werden heute Veränderungen in den Brustkrebsgenen 1 und 2 (BRCA-1 und BRCA-2) angesehen. Da sie nicht auf geschlechtsgebundenen Chromosomen liegen, können sie auch über die männliche Linie einer Familie vererbt werden.

Wodurch sind Brustkrebsfamilien gekennzeichnet?

Da in Deutschland Familien in der Regel klein sind, wird eine familiäre Veranlagung für Brustkrebs nicht immer durch eine deutliche Krankheitshäufung in der Familie sichtbar. Es helfen dann zusätzliche Indizien weiter: Es kann eine genetische Veränderung dann vermutet werden, wenn in einer Familie zwei nah miteinander verwandte Frauen an Brust und/oder Eierstockkrebs erkrankt sind, und zumindest bei einer von beiden die Erkrankung vor dem 50. Lebensjahr auftrat. Ein weiterer Hinweis ist, wenn eine Frau an mindestens zwei voneinander unabhängigen bösartigen Tumoren (Brustkrebs, Eierstockkrebs) erkrankt ist.

Was bringt ein Gentest?

Die Beschaffenheit von Genen kann prinzipiell mittels einer Blutentnahme oder durch die Untersuchung des bösartigen Tumors beurteilt werden. Wird bei einer an Brustkrebs erkrankten Frau aus einer Brustkrebsfamilie eine Veränderung in einem dieser Gene gefunden, wird sorgfältig erwogen, ob dies mit der Krankheitsentstehung in deutlichem Zusammenhang steht. Wird die Genveränderung als wesentliche Krankheitsursache angesehen, so besteht für eine gesunde Frau aus dieser Familie, die die gleiche Genveränderung trägt, ein sehr hohes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Krebs zu erkranken. Bei einer Veränderung im Gen BRCA-1 hat sie (unter statistischen Gesichtspunkten und nach heutigem Wissenstand) ein sehr hohes Risiko im Laufe ihres Leben an Brustkrebs und ein hohes Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Bei gesunden Frauen mit einer Veränderung im BRCA-2 Gen ist das Risiko für eine Brustkrebserkrankung im Laufe des Lebens ähnlich hoch, für Eierstockkrebs aber deutlich geringer. Auch männliche Träger der Veränderung im Gen BRCA-2 haben ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Zur Beratung und gegebenenfalls genetischen Diagnostik von Mitgliedern aus Brustkrebsfamilien wurden in Deutschland mehrere Zentren eingerichtet. Dort arbeiten Fachleute aus verschiedenen Bereichen (Frauenheilkunde, Genetik, Psychologie) zusammen, um eine umfassende Betreuung der Familienmitglieder zu gewährleisten. Maßnahmen zur frühzeitigen Entdeckung und der Vorbeugung der Erkrankungen werden erprobt. Die Adressen der Beratungsstellen können z.B. beim Krebsinformationsdienst erfragt werden.

Für etwa 95% aller Erkrankungsfälle spielen angeborene Genveränderungen aber keine herausragende Rolle, so daß ein genetischer Test keine Aussage zur Höhe des Erkrankungsrisikos machen kann.

Hat eine Betroffene ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für die gesunde Brust?

Ist eine Frau bereits an einer Brust bösartig erkrankt, so besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für die andere Brust.

Haben Menstruation und Schwangerschaft eine Bedeutung für die Entstehung von Brustkrebs?

Die langfristige körpereigene Hormonsituation scheint eine Rolle zu spielen: Frauen mit früher erster Regelblutung, Frauen mit spätem Eintritt der Wechseljahre und Frauen mit später erster oder keiner Geburt erkranken häufiger als der Durchschnitt.

Können gutartige Brusterkrankungen entarten?

Gutartige Brusterkrankungen sind in der Regel nicht mit erhöhtem Entartungsrisiko verbunden. Eine Ausnahme bildet hierbei die stärker ausgeprägte Form der Mastopathie, eine häufig vorkommende harmlose Veränderung der Brustdrüse. Bei der Mastopathie mit Zellwucherungen (proliferierende Mastopathie), insbesondere wenn die Zellen vom üblichen Aussehen stark abweichen (Atypien), ist das Risiko erhöht.

Spielt die Ernährung eine Rolle?

Auch die Ernährungsweise kann für das Erkrankungsrisiko eine Rolle spielen. Fettreiche Ernährung wird oft mit einem erhöhten Risiko in Zusammenhang gebracht, aber es gibt auch wissenschaftlichen Untersuchungen, die dem widersprechen. Regelmäßiger Alkoholkonsum ist mit einer erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit verknüpft. Übergewichtige Frauen nach der Menopause erkranken etwas häufiger als der Durchschnitt.

Stellt die Einnahme von Hormonpräparaten ein Risiko dar?

Es muss zwischen der Einnahme von weiblichen Hormonen, Östrogenen und/oder Gestagenen, zum Zweck der Empfängnisverhütung („Pille“) und jenen zur Behandlung von Wechseljahres-beschwerden unterschieden werden. Die verwendeten Hormone unterscheiden sich sowohl in ihrer chemischen Struktur als auch in den Dosierungen.

Während der Einnahme der empfängnisverhütenden Pille und bis zu zehn Jahre danach besteht ein geringfügig erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Danach erkranken Frauen, die die Pille genommen haben, genauso häufig wie solche, die sie nicht nahmen. Bei Frauen, die die Pille genommen haben, bleibt ein Brustkrebs häufiger in seinem Wachstum ausschließlich auf die Brust beschränkt als bei Frauen, die nie hormonelle Empfängnisverhütung durchgeführt haben.

Gegen Wechseljahresbeschwerden werden häufig Östrogene verordnet. Werden Östrogene allein oder in Kombination mit Gestagenen über mehr als fünf Jahre eingenommen, so scheint ein geringfügig erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, vorhanden zu sein. Das möglicherweise leicht erhöhte Brustkrebsrisiko wird der Arzt sorgfältig gegenüber den zu erwartenden nützlichen Wirkungen einer Hormongabe abwägen.

Was kann eine Frau tun?

Am besten wäre das Vermeiden von Risikofaktoren, was jedoch nur sehr eingeschränkt möglich ist. Prinzipiell sollte jede Frau, aber besonders solche, deren Lebensumstände statistisch gesehen eine Brustkrebserkrankung wahrscheinlicher machen, sorgfältig die Möglichkeiten der Früherkennung wahrnehmen (Mammographie). Es wird derzeit erprobt, ob bei Frauen mit einer deutlich erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit durch die langfristige Einnahme bestimmter Substanzen, insbesondere von Tamoxifen, die Erkrankungshäufigkeit gesenkt werden kann.

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