Osteoporose Ratgeber – Kinderkrankheit im Alter

Osteoporose – Knochenentkalkung – ist eine Kinderkrankheit, die sich erst im Alter zeigt. In jungen Jahren wird mit viel körperlicher Aktivität, mit toben, rennen und raufen die Grundlage für einen stabilen Knochenbau gelegt – oder nicht. Eine Generation von vorm Fernseher und Computer sitzender Kids legt gerade die Grundlage für große Probleme in späterer Zeit. Konsequenz: „Dem Turnunterricht in Schulen müsste ein größerer Stellenwert eingeräumt werden“, fordert Professor Helmut Minne vom Zentrum für Endokrinologie und Knochenstoffwechsel in Bad Pyrmont im Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“.

Eine finnische Studie habe gezeigt, dass sportliche junge Mädchen 40 Prozent mehr Knochenmasse besitzen als träge Altersgenossinnen. Im Jugendalter kann der allgegenwärtige Schlankheitswahn mit häufigen Diäten, Schönheitsoperationen bis hin zur Mangelernährung die Knochenreifung weiter behindern. Auch Rauchen und übermäßiger Alkoholgenuss gehören zu den Faktoren, die sich im Alter durch erhöhte Knochenbrüchigkeit rächen.

Was ist Osteoporose? – Eine Definition

Die Osteoporose (Knochenschwund) ist eine Erkrankung des gesamten Skeletts, charakterisiert durch eine Verringerung der Knochenmasse und Verschlechterung der Gewebsstruktur. Der Knochen verliert an Stabilität und Elastizität. Infolgedessen nimmt die Brüchigkeit des Knochens zu. In gleichem Maße steigt das Risiko, schon ohne entsprechenden Sturz o.ä. einen Knochenbruch zu erleiden.Die verstärkte Brüchigkeit kann zu einem langsamen, kaum bemerkten, „Zusammensintern“ des Knochens führen. Im Bereich der Wirbelkörper kann sich dadurch ein sogenannter „Witwenbuckel“ ausbilden, und die Körpergröße nimmt ab.

Wie können Sie vorsorgen?

Die erste Regel ist: Ausgewogen kochen ist gut für die Knochen. Calcium ist der wichtigste Grundstoff für den Knochenaufbau. Aus dem Grunde sollten immer calciumreiche Nahrungsmittel ganz oben auf der Speisekarte stehen. Besonders gute Calciumlieferanten sind Milch und Milchprodukte wie Joghurt oder Käse; aber auch viele anderen Nahrungsmittel enthalten Calcium. Optimal versorgt ist der Körper mit 800 mg pro Tag. Ältere Menschen, Schwangere, Stillende und Frauen nach der Menopause haben jedoch einen deutlich erhöhten Bedarf: Empfohlen werden mindestens 1000 mg Calcium täglich.

Weiterhin benötigen Sie Vitamin D in ausreichender Menge, um Calcium aus dem Dünndarm aufzunehmen. Es ist in vielen Nahrungsmitteln enthalten (u.a. Meeresfisch). Die Bildung von Vitamin D im Körper wird durch die ultraviolette Strahlung, also durch Sonnenlicht beeinflußt. Sie können einem Vitamin D – Mangel vorbeugen, indem Sie sich viel an der frischen Luft aufhalten und dabei Arme, Beine und Gesicht der Sonne aussetzen. Insbesondere im Winter kann eine Zugabe von Vitamin D – Produkten angebracht sein. Ein wichtiger Teil der Osteoporose – Vorsorge ist regelmäßige Bewegung. Das Prinzip ist einfach: Bei Bewegung üben die Muskel einen Reiz auf die Knochen aus und aktivieren damit die Knochenbildung. Knochen verhalten sich dabei wie Muskeln. Bei starker Beanspruchung nehmen sie an Substanz zu, bei geringer Beanspruchung vermindert sich die Knochenmasse.

Thema Knochendichtemessung

Entscheidung gegen das frühzeitige Erkennen von Osteoporose ? So scheint es zumindestens vielen Beteiligten im Kampf gegen die Erkrankung Osteoporose. Die Fakten: Am 10. Dezember 1999 hat der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen beschlossen, daß die Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) nur dann noch eine Kassenleistung ist, wenn bereits eine Fraktur vorliegt. Dies bedeutet, daß präventive Knochendichtemessungen nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt werden. Selbst im Falle von sogenannten Hochrisikopatienten wie zum Beispiel bei einer Langzeiteinnahme von Cortison muß erst ein Bruch abgewartet werden, bevor die Knochendichtemessung kostenfrei vorgenommen werden darf.

Die Osteodensitometrie wird jedoch von Wissenschaftlern als derzeit einzige Methode angesehen, die im Zusammenhang mit anderen Untersuchungsmethoden rechtzeitig vor einem Knochenbruch Auskunft geben kann, ob die Diagnose Osteoporose vorliegt. Eine frühzeitige Behandlung könnte eingeleitet werden, die ermöglicht Knochenbrüche zu vermeiden. Wer Osteoporosepatienten mit Brüchen und den damit zusammenhängenden Schmerzen und Leiden gesehen hat, wird verstehen, daß die Vermeidung der Brüche das oberste Ziel der Betroffenen ist. Die Ursache:

Die Entscheidung gegen die Osteodensitometrie hat der Bundesausschuss mit der Argumentation getroffen, daß eine Analyse der Fachliteratur eine klare Belegung durch Daten und Fakten im Hinblick auf den präventiven Nutzen der Knochendichtemessung nicht ergeben habe. Eine Hinterfragung ist derzeit, da die Analyse bisher nicht veröffentlicht wurde, nicht möglich. – 2 – Wissenschaftler, wie Herr Professor Dr. Dr. Keck, Wiesbaden, ebenso wie die IOF (International Osteoporosis Foundation) sehen den präventiven Nutzen der Osteodensitometrie jedoch als erwiesen an und empfehlen die Untersuchungsmethode allen Hochrisikopatienten. Die Forderung: Die Entscheidung des Bundesausschusses geht sogar so weit, daß die Methode nicht einmal auf die sogenannte Igel-Liste gesetzt wird.

Dies bedeutet, die Untersuchungsmethode wird – auch wenn der Patient die Kosten hierfür selber tragen würde – nicht empfohlen. Der Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V. als größte Patientenorganisation in Deutschland fordert daher im Namen von 17.000 Mitgliedern im ersten Schritt die Aufnahme der Osteodensitometrie in die Igel-Liste. Somit bleibt dem Patienten die Möglichkeit zu entscheiden und ggfs. die Kosten selbst zu übernehmen. Im zweiten Schritt sollte die Datenlage des präventiven Nutzen weitreichend überprüft und dokumentiert werden. Erst im vergangenen Jahr wurden Daten des sogenannten EU-Reports veröffentlicht, die eindeutig belegen, daß sich die Zahl der Osteoporose-Patienten in Deutschland bis zum Jahr 2012 verdoppeln wird. Ein frühzeitiges Eingreifen und die Vermeidung von Knochenbrüchen muß also das oberste Ziel sein.

Anläßlich einer Pressekonferenz „Osteoporose: Knochenbrüche vermeiden durch aktive Selbsthilfe“ erläuterte Hildegard Kaltenstadler, Präsidentin des BfO, Würzburg

Der Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose (BfO) – vor 15 Jahren von Betroffenen gegründet – hat es sich zur Aufgabe gemacht, bundesweit den Betroffenen „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu vermitteln. Er gründet und betreut daher örtliche SHG`s (Selbsthilfegruppen). In diesen Gruppen wird zur notwendigen Unterstützung der medizinischen Therapie u.a. auch Rehasport angeboten. Gute Information, ständige gegenseitige Motivation tragen wesentlich zum Erfolg der Therapie bei. Deshalb darf die Bedeutung der Selbsthilfearbeit nicht mehr nur verbal gelobt werden, sondern sie muß auch eine finanzielle Unterstützung – insbesondere auch durch die Krankenkassen – erfahren. Untersuchungen haben ergeben, daß jede in die Selbsthilfe investierte Mark 3-fache Kosten im Gesundheitswesen spart.

Der BfO als einziger bundesweiter Selbsthilfeverband vertritt die Interessen aller Betroffener. Er setzt sich ein für den Erhalt der notwendigen Diagnostik, der individuellen Therapie und der Möglichkeit der Therapiekontrolle durch die Knochendichtemessung. Angeregt durch die Aussagen im EU-Report wird sich der BfO verstärkt der Prävention widmen. Gerade durch die Aufklärung älterer Menschen kann vorbeugend noch einiges erreicht werden. Bitte unterstützen Sie uns durch Ihre Pressearbeit, den Gedanken der Selbsthilfe allen Betroffenen näher zu bringen.

Genaue Messung der Ein- und Auslagerung von Kalzium in Knochen möglich

Osteoporose, ein meist altersbedingter Knochenschwund, ist in Europa ein verbreitetes und weiterhin zunehmendes Gesundheitsproblem. Folgen der Osteoporose sind eine Zunahme von Erkrankungen infolge von Knochenbrüchen sowie eine geringere Lebensqualität der Betroffenen – verbunden mit hohen Kosten für das Gesundheitswesen. Ursache ist u.a. ein Mangel an Kalzium, weshalb es zu einem Abbau der Knochenmasse in Verbindung mit einer Zerstörung in der Knochenarchitektur kommt und schließlich die Stabilität der Knochen insgesamt nachlässt. Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben in den letzten Jahren ein Verfahren entwickelt, mit dem die Ein- und Auslagerung von Kalzium in die Knochen sowie Einflüsse auf den Kalziumaustausch genauestens verfolgt werden können. Im Vergleich zu anderen Verfahren hat die Mainzer Methode den Vorteil, dass nur eine kleine, kompakte Apparatur benötigt wird.

Die Rate der osteoporosebedingten Knochenbrüche steigt in den westlichen Industrieländern rapide an. In der Europäischen Union erleidet etwa jeder achte Europäer in der Gruppe der über 50-Jährigen einen Bruch an der Wirbelsäule oder am Oberschenkelhalsknochen. Hauptbetroffene sind Frauen, insbesondere Mütter, nach der Menopause. Durch das steigende Durchschnittsalter der Risikogruppe werden die Auswirkungen dieses weltweiten Gesundheitsproblems immer stärker ausgeprägt. Zwar ist eine zuverlässige Messung der Knochendichte bereits seit mehr als 20 Jahren möglich. Eine Methode, die eine Änderung im Knochenaufbau umgehend und nicht erst nach einigen Wochen zuverlässig anzeigen würde, existierte jedoch bislang nicht. Damit könnte beispielsweise eine erfolgreiche Beeinflussung der Knochendichte durch Ernährung oder Medikamente dokumentiert werden. Dies leistet das neue am Institut für Physik in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kernchemie entwickelte Verfahren. Es nutzt dabei das im natürlichen Kalzium vorkommende langlebige Radionuklid 41Ca.

Kalzium ist mit einem Massenanteil von etwa vier Prozent das fünfthäufigste Element in der Erdkruste. Das am häufigsten vorkommende Isotop 40Ca hat daran einen Anteil von 97 Prozent. Das radioaktive Isotop 41Ca dagegen ist in der Natur extrem selten. So besteht z.B. das menschliche Skelett zu etwa 1 kg aus Kalzium, 41Ca hat daran nur einen nicht wägbaren Anteil von weniger als 1 Mikrogramm. Weil es so selten vorkommt und weil es nur sehr langsam zerfällt, eignet sich 41Ca hervorragend als Substanz, um die Einlagerung und die Auslagerung von Kalzium in die Knochen über einen Zeitraum von mehreren hundert Tagen verfolgen zu können. „Mit der von uns entwickelten Methode können wir genau messen, ob Kalzium im Knochen eingebaut bzw. überproportional abgebaut wird“, erläutert Dr. Klaus Wendt vom Institut für Physik.

Für die Untersuchungen wird 41Ca künstlich durch Neutronenbeschuss von 40Ca erzeugt und den Testpersonen in kleinsten Mengen verabreicht. Anhand der Kalzium-Ausscheidungen über den Urin wird dann festgestellt, wie viel 41Ca schnell ausgespült und wie viel längerfristig eingelagert wird. Nach einer schnellen „Ausspülungsphase“ der ersten 100 bis 200 Tage sind dann über den 41Ca-Nachweis umfangreiche Untersuchungen möglich, die den Einfluss von unterschiedlicher Ernährung, wie zum Beispiel salzarm und salzreich, oder Arzneimittelgaben auf den Kalzium-Austausch ermitteln. Die Kalzium-Messungen erfolgen mit der hochauflösenden Resonanzionisations-Massenspektrometrie (RIMS), einer Kombination aus Laserspektroskopie und Massenspektrometrie. Dabei verwenden die Mainzer Physiker drei Diodenlaser, vergleichbar den Lasern in einem CD-Spieler, zur Anregung und Ionisation des zu untersuchenden Kalziumisotops, und ein kleines, kommerziell erhältliches Massenspektrometer zur Mengenbestimmung.

„Wir haben jetzt die Methode so weit entwickelt, dass wir bei den Kalzium-Messungen mit diesem Verfahren im weltweiten Vergleich einmalige Resultate erzielen“, erläutert Wendt. Eine andere Methode, die Beschleunigermassenspektrometrie (AMS), liefert zwar ebenfalls gute Messergebnisse, die Apparatur ist jedoch viel aufwändiger als die RIMS-Anlage. Außerdem können mit dem Mainzer Verfahren auch kleine Probenmengen untersucht werden.

Zur Zeit wird die Methode auch für andere Elemente, wie etwa Uran, weiterentwickelt. Die Kalzium-Untersuchungen wurden durch die Unterstützung der Europäischen Union, die im 5. Forschungsrahmenprogramms ein Projekt zur Osteoporose-Prävention unter der Bezeichnung „Osteodiet“ aufgelegt hatte, vorangetrieben. Kalzium-Untersuchungen sind aber nicht nur in der Biomedizin von Bedeutung. Japanische Wissenschaftler interessieren sich für das Verfahren im Hinblick auf den anstehenden Rückbau von Atomanlagen, wo sich im Beton, der etwa zu einem Drittel aus Kalzium besteht, infolge von Neutronenbestrahlung das radioaktive Isotop 41Ca bildet. Auch auf diesem Gebiet haben die Mainzer Forscher erste erfolgreiche Messungen durchgeführt. In Zukunft ist auch ein Einsatz in der Altersdatierung denkbar: „Das übliche C14-Verfahren, mit dem z. B. auch das Alter des Ötzis bestimmt wurde, erlaubt eine Alterdatierung nur bis zu etwa 20.000 Jahren“, so Wendt. „Mit 41Ca könnte es möglich werden, einige 100.000 Jahre in die Vergangenheit zurückzuschauen.“

Video und Hilfen bei Osteoporose

Mechanismus des Knochen-Abbaus im Körper geklärt

Hamburger Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Komplexbildung zweier Proteine ausschlaggebend für den Abbau von Knochensubstanz ist. Solche genetisch bedingten Störungen im Knochenabbau führen zu der Marmorknochen-Krankheit Osteopetrose, bei der sich die Knochen verdicken und aufgrund mangelnder Flexibilität brechen. Diese seltene Erbkrankheit ist sozusagen das Gegenteil der sehr viel häufigeren Knochenschwund-Erkrankung Osteoporose, unter der in Deutschland etwa 30 Prozent der Frauen nach den Wechseljahren leiden. Die Ergebnisse hat das Forscher-Team um Thomas J. Jentsch vom Zentrum für Molekulare Neurobiologie (ZMNH) der Universität Hamburg http://www.uni-hamburg.de in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature http://www.nature.com veröffentlicht.

Die ZMNH-Wissenschaftler konnten zeigen, dass das Protein Ostm1 mit dem Protein CIC-7 einen molekularen Komplex bildet, der Chlorid-Ionen durch die Zellwand transportiert. Dadurch sind die beiden Proteine essenziell dafür, dass die Lysosomen funktionieren, die in der Zelle für den Abbau und das Recycling von Zellabfall zuständig sind. Zusätzlich wirken Ostm1 und CIC-7 in Zellen, die für den Abbau von Knochenmaterial spezialisiert sind. Fehlt Ostm1 als Partner, ist der Transporter CIC-7 so instabil, dass das Zellrecycling ausfällt und die Osteoklasten keine Knochen abbauen können. Deshalb sammelt sich Zellabfall an, worunter die Körperzellen leiden.

Das führt nicht nur zu einer Zunahme der Knochendichte. Bei manchen Patienten sterben auch Gehirn- und Nervenzellen ab, was zur Erblindung führen kann. Die Marmorknochen-Krankheit Osteopetrose tritt etwa im Verhältnis 1:20.000 bis 1:40.000 auf und gehört damit zu den seltenen Erbkrankheiten. „Mit unserem Verständnis, wie der Mechanismus des Knochenauf- und abbau funktioniert, kann man jetzt auch besser eingreifen“, betont Thomas J. Jentsch im pressetext-Interview. Bereits zwei Pharmakonzerne würden Komponenten entwickeln um den Proteinkomplex zu hemmen, was für eine Verdichtung des Knochens führe, so Jentsch weiter. Bei der Knochenschwund-Erkrankung Osteoporose wäre dieser Effekt positiv. „Wir suchen jetzt nach weiteren Interaktionspatnern, um den Komplex auszuschalten“, wirft der ZMNH-Forscher abschließend einen Blick in die Zukunft.

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