Krankheiten der Schilddrüse

So unscheinbar die im vorderen Bereich des Halses liegende Schilddrüse dem Laien auch erscheinen mag, für unseren Körper ist sie eine der wichtigsten Drüsen überhaupt. Die von ihr produzierten Schilddrüsenhormone stellen nämlich die Weichen für eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen und bestimmen deren Intensität. Dadurch haben sie entscheidenden Einfluss auf die körperliche und geistige Entwicklung des Organismus, auf seine Leistungsfähigkeit und somit für unsere Gesundheit. Nicht umsonst nennt man die Schilddrüse deshalb auch die „Zündkerze“ des Körpers.

Seefisch und Milch gehören zu den natürlichen Jodlieferanten in unserer Ernährung und sollten deshalb regelmäßig verzehrt werden. Da dies zur Deckung des Jodbedarfs in der Regel jedoch meist nicht ausreicht, empfehlen Ernährungswissenschaftler und Ärzte zudem die Verwendung von Jodsalz im Haushalt und der Gemeinschaftsverpflegung sowie den bevorzugten Kauf von Lebensmitteln, die mit Jodsalz hergestellt sind. Arbeitskreis Jodmangel, Tel.: 06152 – 40021.

Der Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel sind nur einige Stoffwechselvorgänge, die von der Schilddrüse bzw. ihren Hormonen mitgesteuert werden. Darüberhinaus hat die Schilddrüse Einfluss auf die Temperaturregulation des Körpers, den Energieumsatz, die körperliche und geistige Entwicklung bei Kindern sowie deren Intelligenz und Konzentrationsfähigkeit. Bei Erwachsenen können Fehlfunktionen der Schilddrüse zu Leistungseinbußen und einer Reihe von Gesundheitsstörungen führen.

Um diese Steuerungsaufgaben erfüllen zu können, ist die Schilddrüse auf eine regelmäßige Zufuhr von täglich etwa 180 – 200 Mikrogramm (millionstel Gramm) Jod angewiesen. Diese Menge wird ihr mit der Nahrung trotz einer in den letzten Jahren verbesserten Jodzufuhr jedoch nicht zugeführt. Im Durchschnitt fehlt Jugendlichen und Erwachsenen noch etwa ein Drittel der empfohlenen Zufuhrmenge, das sind etwa 60 – 80 Mikrogramm Jod pro Tag.

Mangelt es der Schilddrüse über längere Zeit an Jod, vergrößert sie sich: Es entsteht ein Kropf. Dieser kann im Anfangsstadium noch nicht einmal sichtbar sein, wirkt sich aber bereits nachteilig auf die Gesundheit aus, indem er z. B. auf die Luft-und Speiseröhre drückt und somit zu Atem- und Schluckbeschwerden führt.

Produziert die Schilddrüse im weiteren Verlauf nicht mehr ausreichend Schilddrüsenhormone, kann dies zur Reduzierung der Abwehrkräfte des Organismus, zu ständigem Frieren, zu Müdigkeit, Leistungsschwäche und einer Reihe von Funktionsstörungen führen.

Der naturbedingte Jodmangel in der Nahrung, der daraus entstehende Kropf und die dadurch ausgelösten Schilddrüsenkrankheiten sind aber kein unausweichliches Schicksal. Durch die Verwendung von Jodsalz oder Jodsalz mit Fluorid im Haushalt, den regelmäßigen Verzehr von Seefisch und Milch sowie den bevorzugten Kauf von Lebensmitteln, die mit Jodsalz hergestellt sind (vor allem Brot), kann einer jodmangelbedingten Schilddrüsenvergrößerung wirkungsvoll vorgebeugt werden.

Die breite Verwendung von Jodsalz hat in den letzten Jahren zu einer erfreulichen Verbesserung der Jodversorgung geführt. Dies zeigt sich am deutlichsten bei Schulkindern, bei denen regionalen Untersuchungen zufolge heute erheblich seltener vergrößerte Schilddrüsen als Folge von Jodmangel festgestellt werden als noch vor zehn Jahren.

Nach Professor Peter C. Scriba von der Universitätsklinik München, Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel, gibt es aber immer noch so genannte Risikogruppen, zu denen vor allem Schwangere und Stillende zählen, die einen erhöhten Jodbedarf haben. Sie sollten deshalb neben einer jodreichen Grundnahrung noch täglich etwa 100 (-150) Mikrogramm Jod in Tablettenform zu sich nehmen. Auch Jugendliche in der Pubertät, besonders wenn sie viel Fastfood konsumieren, die zumeist ohne Jodsalz hergestellt ist, sind jodmangelgefährdet. Gleiches gilt für Freizeit- und Leistungssportler, die mit dem Schweiß vermehrt Jod ausscheiden. Auch sie sollten ihrer Jodversorgung besondere Aufmerksamkeit widmen.

Schilddrüse – Stiefkind der Medizin

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das vor der Luftröhre, unterhalb des Kehlkopfs liegt. Sie ist ein lebenswichtiges Organ, da sie sehr viele körperliche Funktionen beeinflusst, z. B. den Stoffwechsel, die Kreislaufaktivität, Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln, Sexualität und Fruchtbarkeit sowie die Aktivität der Verdauungsorgane. Dies geschieht durch die Produktion und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone.Für die Bildung ihrer Hormone benötigt die Schilddrüse Jod. Jod muss mit der Nahrung oder in Tablettenform zugeführt werden. Wird dieser Bedarf nicht gedeckt, hat die Schilddrüse Schwierigkeiten, ihre Arbeit zu verrichten. Auf diese Anstrengungen reagiert sie mit einer Volumenzunahme.Etwa 60 Prozent der Deutschen haben eine vergrößerte Schilddrüse, die umgangssprachlich als Kropf, medizinisch als Struma, bezeichnet wird. Und jeder Dritte davon hat Knoten. Struma, heiße und kalte Knoten sind Jodmangelkrankheiten. Durch eine ausreichende Versorgung mit Jod könnten die Krankheiten verhindert werden.

Kalte und heisse Knoten

Schilddrüsenknoten werden als kalt bezeichnet, wenn in der Szintigraphie die reduzierte Aktivität mit „kalten Farben“ (blau und violett) dargestellt wird. Die korrekte Bezeichnung lautet: “hypofunktioneller Knoten“. Das bedeutet, der Knoten hat im Gegensatz zur gesunden Umgebung einen geringeren Stoffwechsel, z.B. auch eine geringere Jodaufnahme.

Ein „kalter Knoten“ mit weniger als 1 cm Durchmesser muss regelmäßig beobachtet werden.

Ist der kalte Knoten größer als 1 cm, sollte er punktiert werden (das Verfahren ist meist nicht schmerzhaft und ohne gefährliche Komplikationen). 3 bis 6 Prozent der kalten Knoten sind bösartig; liegen Krebszellen vor, muss sofort operiert werden.

“Heisse Knoten” werden in der Szintigraphie durch die Farben gelb oder rot dargestellt. Sie nehmen vermehrt Jod oder Technetium-99-m auf und werden als “hyperfunktionelle Knoten“ bezeichnet.

Heisse Knoten sind so gut wie nie bösartig. Sie können allerdings, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben, zu einer Überfunktion führen. Behandelt werden kann ein isolierter heisser Knoten mit einer Radiojodtherapie oder mit Schilddrüsenhemmern, möglich ist aber auch eine Operation. AutoimmunkrankheitenEine Autoimmunkrankheit wird von Antikörpern hervorgerufen, die gegen körpereigenes Gewebe gerichtet sind. Die Autoimmunkrankheiten der Schilddrüse haben verschiedene, bis heute noch nicht genau identifizierte Ursachen; zum Ausbruch der Krankheiten tragen bei: die Erbanlagen, weibliche Sexualhormone, Umwelteinflüsse, Infektionen, seelische Belastung und Stress.

Jodmangel spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle, im Gegenteil: die Verwendung von zusätzlichem Jod sollte vermieden werden.In der Regel schleicht sich diese Form der Erkrankungen sehr heimlich und langsam ein.Bei der Diagnose spielen auch hier Abtasten, Blutuntersuchung, Ultraschall, Szintigraphie und/ oder Feinnadelpunktion eine wichtige Rolle. Die Behandlung erfolgt durch die Einnahme der dem Körper fehlenden Schilddrüsenhormone oder Schilddrüsenhemmer.Bei der Basedow-Krankheit handelt es sich um eine Überfunktion der Schilddrüse, d.h., die Schilddrüse produziert zu viele Hormone. Eines der belastendsten Symptome für Basedow-Patienten sind die Augenbeschwerden (Endokrine Orbitapathie).Symptome / Überfunktion (Hyperthyreose)

Schwitzen, Haarausfall, Nervosität, Herzrasen, Herzrhytmusstörungen, Gewichtsabnahme.Die Autoimmun-Thyreoditis auch Hashimoto-Thyreoditis genannt, führt in den meisten Fällen zu einer Unterfunktion der Schilddrüse und sogar zur Zerstörung derselben, auch hierbei muss auf Augenbeschwerden geachtet werden (trockene Augen, Endokrine Orbitopathie).

Symptome / Unterfurnktion Hypothyreose

Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Unfruchtbarkeit, Interessenlosigkeit, Haarausfall, Muskelschwäche, Gewichtszunahme.Oft treten bei diesen Patienten auch andere Autoimmunkrankheiten auf. Als Ursache vermuten Wissenschaftler einen gemeinsamen Defekt im Immunsystem.Wenn die Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät und zu wenig oder zu viel Hormone produziert, werden viele Organe in Mitleidenschaft gezogen: Nervensystem, Augen, Haare, Muskeln, Herz, Knochen, Haut und Darm.Die Symptome der Schilddrüsenkrankheiten sind nicht leicht und eindeutig zu erkennen. Daher ist es wichtig, einen auf diesem Gebiet erfahrenen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren.Unterstützung, Rat und Hilfe können auch die Selbsthilfegruppen bieten.

Gesundheitsvorsorge mit fluoridiertem Jodsalz zeigt Erfolge – Schilddrüsenvergrößerungen und Karies bei Schulkindern stark rückläufig

Die Doppelgesundheitsvorsorge mit fluoridiertem Jodsalz hat in den letzten Jahren zu einer wesentlichen Verbesserung der Jodversorgung bei Schulkindern und damit zu einem erfreulichen Rückgang der Kropfhäufigkeit geführt. Gleichzeitig wurde damit die Zahl der an Karies erkrankten Zähne drastisch reduziert. Dies berichten übereinstimmend der Arbeitskreis Jodmangel und die Informationsstelle für Kariesprophylaxe des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde in Groß-Gerau.

Durch die breite Verwendung dieses Kombinationssalzes in etwa zwei Drittel der Haushalte und die zusätzliche Verwendung von Jodsalz in der Gemeinschaftsverpflegung und bei der Herstellung von Brot, Fleischwaren und anderen Lebensmitteln sind Schulkinder regionalen Studien zufolge teilweise bereits optimal mit Jod versorgt. Jodmangelbedingte Schilddrüsenvergrößerungen und -krankheiten treten deshalb bei dieser Altersgruppe nur noch vereinzelt auf.

In gleichem Maße hat sich bei Kindern durch Verwendung von Jodsalz mit Fluorid und durch intensivere Nutzung vorbeugender Maßnahmen aber auch die Zahngesundheit erfreulich verbessert. So ging die Karies bei Schulanfängern der aktuellsten Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. zufolge in den letzten zehn Jahren um 25 Prozent zurück. Bei den 12-Jährigen wurde sogar ein Kariesrückgang von 60 Prozent ermittelt. Diese Altersgruppe hat im Durchschnitt nur noch etwa einen kariösen, fehlenden oder gefüllten Zahn, während es vor zehn Jahren noch etwa zweieinhalb waren.

Auf Grund dieses gesundheitlichen Doppelnutzens fordern Schilddrüsenexperten und Zahnärzte, dass Jodsalz mit Fluorid zum „Standardsalz“ in deutschen Haushalten wird. Selbst bei Personengruppen wie sozial Schwachen, Behinderten oder Migranten, die mit anderen Prophylaxemaßnahmen nicht oder nur unzureichend erreicht werden, kann damit die Jodversorgung und der Kariesschutz erheblich verbessert werden, so die Experten.

Bei Müdigkeit, Leistungsabfall oder Konzentrationsschwäche TSH-Test sinnvoll

Müdigkeit, Leistungsabfall oder Konzentrationsschwäche – nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Emnid führen über 90 Prozent der befragten Hausärzte und Internisten bei Patienten mit diesen Beschwerden einen so genannten TSH-Test durch. Mit dieser Blutuntersuchung lassen sich bereits leichte Fehlfunktionen der Schilddrüse erkennen. Denn für die oft als unabwendbar hingenommenen Stress- oder Alterserscheinungen kann auch eine Unterfunktion dieses kleinen Organs verantwortlich sein. In diesem Fall sind die Beschwerden durch einen Ausgleich der fehlenden Schilddrüsenhormone (zum Beispiel mit Euthyrox) leicht zu beheben.

Das Steuerhormon TSH reguliert die Bildung der Schilddrüsenhormone und ihre Ausschüttung. Bei normaler Schilddrüsenfunktion liegt der TSH-Wert bei 0,4 bis 4 mU/l. Ein erhöhter Wert deutet auf eine Unterfunktion hin. 33 Prozent der befragten Ärzte beginnen dementsprechend ab einem TSH-Wert von 4,0 mU/l eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen. Dem Körper werden hierbei die Hormone zugeführt, die er selbst nicht mehr in ausreichender Menge bilden kann. 21 Prozent der Befragten starten sogar bereits bei einem TSH-Wert von 2,5 mU/l die Hormonbehandlung. „Das ist darauf zurückzuführen, dass aktuelle Studienergebnisse eher für eine obere Grenze des Normbereiches von 2,5 mU/l sprechen,“ erklärt die Schilddrüsenexpertin Professor Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger, München.

„Da Schilddrüsenkrankheiten mit zunehmendem Alter gehäuft auftreten, ist auch ohne konkrete Beschwerden ab einem Alter von 45 Jahren ein TSH-Test auf eigene Kosten sinnvoll,“ führt die Expertin weiter aus. Die Bestimmung des TSH-Wertes im Blut und das dazugehörige Beratungsgespräch kosten etwa 25 Euro. Die befragten Ärzte schätzen, dass durch regelmäßige TSH-Tests bei mehr als 20 Prozent ihrer aktuellen Patienten Schilddrüsenfunktionsstörungen entdeckt werden könnten.

Nicht nur der Knoten zählt – der Alltag mit subklinischen Funktionsstörungen der Schilddrüse

Die Prävelanz pathologischer Schilddrüsenbefunde der Struma und/oder des Schilddrüsenknotens als Folge des Jodmangels ist extrem hoch und ab dem 45. Lebensjahr ist jeder zweite Mensch in der Bundesrepublik betroffen. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, subklinische Schilddrüsenfunktionsstörungen nicht nur als Folge des Jodmangels (Schilddrüsenautonomie) zu sehen, sondern wesentliche Ursachen wie z.B. Autoimmunthyreopatien zu bedenken. In einer Kosten-Nutzen-Analyse konnte festgestellt werden, dass bei Frauen über 35 Jahren die Hälfte des Nutzens auf die Prävention einer manifesten Hypothyreose und der damit verbundenen Morbidität, dabei 30 % auf eine Verbesserung der klinischen Symptome und schliesslich ein kleinerer Vorteil auf die Absenkung des Serumcholesterin und der damit verbundenen Reduktion des koronaren Risikos entfiel.

Im Hinblick auf die inzwischen niedrigen Kosten der Serum-TSH-Bestimmung sind die erheblich höheren Kosten einer breit gestreuten Diagnostik unspezifischer Symptome sowie teure Aufwendungen der Therapie mit z.B. cholesterinsenkenden Medikamenten abzuwägen. Screening-Untersuchungen bei schwangeren Frauen sind mit Nachdruck zu empfehlen, da Störungen der neurophysiologischen Entwicklung des Feten und auch weitere Schwangerschaftskomplikationen einschliesslich des Todes des Feten klar belegt sind.

Die Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V. fordert im Namen aller Betroffenen die Aufnahme eines TSH-Screenings bei der Deutschen Bevölkerung ab dem 35. Lebensjahr; bei Eltern mit Schilddrüsenkrankheiten sollten, unabhängig vom Alter, auch die Kinder dem Screening zugeführt werden.

Kinderlos durch schwache Schilddrüse
Unterfunktion beeinträchtigt die Fruchtbarkeit

Bereits eine milde Unterfunktion der Schilddrüse kann Ursache eines unerfüllten Kinderwunsches sein. Darauf macht der Münchner Schilddrüsenexperte Prof. Fritz Spelsberg im Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ aufmerksam. Diese Folge der Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen sei noch weitgehend unbekannt. Eine erste Beurteilung der Funktion des kleinen Organs unter dem Kehlkopf kann schon eine Blutuntersuchung bringen. Es werden die Blutkonzentration verschiedener Hormone bestimmt.

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