Adipositas

Dicke Kinder wachsen nur selten zu schlanken Jugendlichen heran, haben britische Mediziner bei einer Langzeitstudie mit mehreren Tausend Kindern ermittelt. Im Laufe der Jahre verloren nur wenige übergewichtige Kinder ihren „Babyspeck“, häufig legten sie sogar weiter zu.

„Diese Resultate deuten darauf hin, dass dauerhaftes Übergewicht noch vor dem 11. Lebensjahr festgelegt wird“, schreibt die Gruppe um Jane Wardle vom University College London im „British Medical Journal“. Umso wichtiger sei es, dass Präventionsmaßnahmen schon in frühen Jahren ansetzten.

Wardle und Kollegen verfolgten den Werdegang von 5.863 Kindern, die 36 Schulen im Großraum London besuchten. Vom 11./12. bis zum 16./17. Lebensjahr wurden alljährlich Masse, Größe und Taillenumfang ermittelt. Gemessen an ihrem Body-Mass-Index (BMI), waren 16,9 bis 19,3 Prozent der Schüler übergewichtig und 5,5 bis 6,9 Prozent sogar fettleibig. Mit dem Alter stieg der Anteil der Fettleibigen, gleichzeitig sank jedoch der Anteil der „lediglich“ Übergewichtigen, sodass sich der Anteil der Schüler mit normalem BMI kaum veränderte. Eine detaillierte Analyse bestätigte, dass dicke Schüler im Laufe der Zeit nur selten abspeckten.

Frühere Studien hätten gezeigt, dass Jugendliche mit der Gefahr von Übergewicht häufig auch als Erwachsene mit den Pfunden zu kämpfen hätten, so die Mediziner. Die neuen Ergebnisse ließen vermuten, dass die Grundlagen dafür bereits in der Kindheit gelegt werden.

Hormon senkt Appetit, steigert Aktivität

27.04.2006 – Ein vom Darm produziertes Hormon könnte helfen, Übergewichtige im wahrsten Sinne des Wortes auf Trab zu bringen. Zu diesem Schluss kommen britische Mediziner im „International Journal of Obesity“. Vor den Mahlzeiten injiziert, senkt das Hormon die Kalorienaufnahme und steigert gleichzeitig die körperliche Aktivität.

„Diäthalten führt meistens zu einem Rückgang der Aktivität, vermutlich als evolutionäre Anpassung an Hungerperioden“, erläutert Stephen Bloom vom Imperial College London. „Dies macht es für fettleibige Personen allerdings ganz besonders schwierig, ihr Gewicht zu senken.“ Das Hormon könne diesen Prozess unterstützen, indem es die Motivation zur Bewegung fördere.

In einer früheren Studie hatten Bloom und seine Arbeitsgruppe gezeigt, dass Injektionen von Oxyntomodulin den Appetit zügeln können. Das Hormon wird vom Dünndarm bei der Nahrungsaufnahme ausgeschüttet und scheint zum Sättigungsgefühl beizutragen. An 15 übergewichtigen bis stark fettleibigen Männern und Frauen untersuchten die Forscher nun, ob das kleine Eiweißmolekül auch die Aktivität steigert. Dazu wiesen sie die Teilnehmer an, sich dreimal täglich vor den Mahlzeiten eine Dosis des Moleküls unter die Haut zu spritzen.

Wie die Forscher berichten, nahmen die Teilnehmer bei einem ersten Testmahl rund 17 Prozent weniger Kalorien auf, obgleich es ihnen nach eigenem Bekunden durchaus schmeckte. Messungen über einen Zeitraum von vier Tagen ergaben, dass der Energieumsatz der Teilnehmer durch körperliche Aktivität um gut ein Viertel stieg, während der Ruheumsatz sich nicht veränderte. „Diese Entdeckung könnte Ärzten ein völlig neues Werkzeug zur Behandlung der gegenwärtigen Fettleibigkeits-Epidemie an die Hand geben“, ist Bloom überzeugt.

Fastfood macht Kinder dick

Fastfood macht bereits in jungen Jahren dick. Belege für diesen Zusammenhang haben eine Dortmunder Ernährungswissenschaftlerin und ihre Kollegen vorgelegt. Schon sechsjährige Konsumenten von Hamburger, Pommes & Co. sind deutlich pummeliger als Gleichaltrige, die auf den heißen Imbiss verzichten.

Kinder und Jugendliche in Deutschland gingen derzeit mindestens einmal pro Woche in Fastfood-Restaurant, Frittenbude oder Dönerladen, erläutert Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung, Dortmund. Die Forscherin und ihre Kollegen stützen sich auf Daten ihrer DONALD-Studie, bei der sie seit 1985 die Ernährungsgewohnheiten und die Entwicklung von mehreren hundert Kindern und Jugendlichen verfolgen.

Die Verknüpfung von über 7.400 Ernährungsprotokollen und körperlichen Untersuchungen habe klare Resultate geliefert, so Kersting. „Jungen und Mädchen, die Fastfood verzehren, haben einen höheren Body-Mass-Index als ihre Altersgenossen.“ Der BMI berechnet sich, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern teilt. Je höher der Wert ist, desto stärker tendiert die Statur zu kugelförmig.

Fastfood sei typischerweise sehr energiereich, enthalte jedoch wenige langfristig sättigende Ballaststoffe, erklärt die Forscherin. Vor allem „Menüs“ aus Burger, Pommes und Limonade ließen den Blutzuckerspiegel vorübergehend rasch ansteigen und dann umso stärker fallen, sodass sich rasch erneut ein Hungergefühl einstelle. Dementsprechend hätten die Fastfood-Konsumenten in der Studie täglich bis zu 15 Prozent mehr Kalorien zu sich genommen als ihre Altersgenossen und gleichzeitig weniger Obst und Gemüse verzehrt. Als weiterer Grund für Übergewicht in allen Altersstufen gilt mangelnde Bewegung.

Ein Drittel der Deutschen hält sich für übergewichtig

Mehr als ein Drittel der Deutschen hält sich selbst für zu dick. Bei einer aktuellen GfK-Umfrage im Auftrag der „Apotheken Umschau“ gaben knapp 35 Prozent der Befragten an, leichtes oder starkes Übergewicht zu haben. Sechs Prozent davon bekennen sich gar zur Fettleibigkeit, das wären 3,8 Millionen mit eindeutig zu vielen Pfunden. Selbstkritisch sind vor allem Frauen: Vier von zehn weiblichen Befragten finden sich leicht oder stark übergewichtig.

Männer dagegen schätzen sich eher als normalgewichtig ein. Nahezu zwei Drittel der männlichen Befragten urteilen, ihr Körpergewicht befinde sich im Sollbereich. Wunschdenken und Realität klaffen bei der Selbsteinschätzung der Deutschen allerdings deutlich auseinander: Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) haben tatsächlich 65 Prozent der Männer einen Body-Mass-Index von mehr als 25 und gelten damit als übergewichtig. Bei Frauen sind es 55 Prozent. Die repräsentative Umfrage führte die GfK Marktforschung Nürnberg im Auftrag der „Apotheken Umschau“ bei 2.039 Bundesbürgern ab 14 Jahren durch.

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