Schnelle Diagnose und richtige Behandlung beim Schlaganfall
13.06.2006- Mitten in der Nacht drückt die Blase. Aufstehen, in die Hausschuhe schlüpfen und schlaftrunken zum Bad laufen. Ein wenig komisch ist der damals 80jährigen Hanna Weil* dieses Mal, was sie zunächst auf den Kreislauf schiebt. Als beim Händewaschen die Koordination nicht klappen will, ist ihr schnell klar: "Ich habe einen Schlag!"
Welche Therapie jetzt in Frage kommt, liegt in der Entscheidung des hoffentlich schnell anwesenden Arztes. Ist die Ursache ein Blutgerinnsel im Gehirn, kann dies durch eine Lyse-Behandlung aufgelöst werden. Sofortiges Erkennen und ohne Zeitverzögerung handeln, möglichst innerhalb der ersten drei Stunden, ist beim Schlaganfall immer unerlässlich. Die notwendige Entscheidungssicherheit haben Ärzte, die sich fachlich immer auf dem aktuellen medizinischen Wissensstand befinden - und praktische Erfahrungen mit Experten austauschen!
Gut fünf Jahre nach ihrem Schlaganfall geht es der Rentnerin heute gesundheitlich wieder blendend. Bereits nach acht Tagen konnte sie das Krankenhaus verlassen. Seit dem Schlaganfall muss Hanna Weil zwar täglich Tabletten zur Vermeidung eines Folgeschlaganfalls einnehmen, aber das stört sie nicht weiter, denn Nebenwirkungen spürt sie keine.
Schlagartig ist alles anders - Der Körper gehorcht nicht mehr
Hanna Weil reagiert schnell und richtig, als sie beim Versuch die Hände zu waschen, immer wieder den Wasserstrahl verfehlt. Die Symptome eines Schlaganfalls sind ihr trotz nächtlicher Stunde präsent. Auch über die Notwendigkeit schnell zu reagieren, um bei einem Schlaganfall innerhalb von drei Stunden behandelt zu werden, weiß sie Bescheid. So ist es der Rentnerin möglich, sofort ihre im Haus lebende Familie zu alarmieren. Diese ruft richtigerweise den Rettungsdienst, der die Frau umgehend in ein Krankenhaus einliefert. Das Sprechen ist anfangs noch möglich. "Aber ich habe gemerkt, wie meine Stimme von Minute zu Minute schwächer wird", so die Patientin. Bei Erreichen des Krankenhauses war Hanna Weil zwar noch bei vollem Bewusstsein, aber sie konnte nicht mehr sprechen. Kommunizieren war nur noch durch Nicken oder Kopfschütteln möglich. Ein enorm belastender Zustand, der drei Tage anhielt. Danach ging es rapide bergauf. Die Stimme kam langsam wieder - das Sprechen musste diese Patientin nicht neu erlernen.
Jeder Schlag ist anders
Um die verschiedenen Ursachen eines Schlaganfalls feststellen zu können, stehen dem Arzt in der Klinik verschiedene bildgebende Verfahren (CT und/oder MRT) zur Verfügung. Damit wird sichtbar, ob ein Blutgerinnsel ein Gefäß verstopft oder ob es sich um eine Hirnblutung handelt. Besteht Klarheit über die Ursache, sind weitere Fragen für die Wahl der Behandlung zu stellen: Wann ereignete sich der Schlaganfall? Hatte dieser Patient bereits einen Schlaganfall? Leidet der Patient unter einer (chronischen) Erkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes? Wie alt ist der Patient? Welche Medikamente werden eingenommen?
Die richtige Behandlung ist entscheidend
Mit ihrer Entscheidung bestimmen Ärzte dann wesentlich über das weitere Schicksal eines Patienten. Um die dafür notwendige Entscheidungssicherheit zu erlangen, sind regelmäßige Fortbildungen, aber auch der Austausch von Meinungen und Erfahrungen mit Spezialisten unerlässlich.
Der heutige Stand der Wissenschaft verschiedener Fachgebiete wurde beispielsweise am 1. April 2006 im Rahmen der Fortbildungsveranstaltung "Management des Schlaganfalls" am Universitätsklinikum Mannheim vermittelt. Insbesondere junge Ärzte wurden hier geschult. Praxisorientiert wurden Fälle aus dem täglichen klinischen Geschehen vorgestellt und die therapeutische Entscheidungssituation gemeinsam diskutiert. Das Ergebnis fasst Prof. Dr. Back, geschäftsführender Oberarzt der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Mannheim, zusammen: "Trotz erheblicher Fortschritte und Verbesserungen, die es in den vergangenen Jahren in der Behandlung des Schlaganfalls gegeben hat, bleibt diese Erkrankung eine große Herausforderung für uns Ärzte. Ein Grund dafür ist, dass die Thrombolyse einer sorgfältigen Indikationsstellung bedarf und rechtzeitig einzusetzen ist. Außerdem werden viele Patienten immer noch viel zu spät in eine Klinik eingeliefert."
Im Fall von Hanna Weil verliefen Patientenreaktion, Diagnose und Therapie nach dem Schlaganfall optimal! * Der Name der Betroffenen wurde geändert.
Quelle: Boehringer Ingelheim
Bessere Kenntnis der Schlaganfallrisiken kann laut führenden Medizinern Millionen das Leben retten
Brüssel - 17.05.2006 (ots/PRNewswire) - Führende internationale Schlaganfall-Spezialisten riefen dazu auf, der Prävention von Schlaganfällen eine dringende Priorität im öffentlichen Gesundheitswesen und in der medizinischen Fachwelt einzuräumen. Mit diesem Plädoyer wandten sich die Experten anlässlich des von der International Stroke Society (ISS) ins Leben gerufenen "Stroke Awareness Day 2006" an die Öffentlichkeit. Zu Beginn der European Stroke Conference in Brüssel erklärten ISS-Mitglieder, ein Grossteil der weltweit 15 Millionen Schlaganfälle pro Jahr hätte mit einer besseren öffentlichen Aufklärung und der Behandlung allgemeiner Risikofaktoren verhindert werden können.
Trotz der Tatsache, dass jährlich fünf Millionen Menschen an Schlaganfällen sterben und weitere fünf Millionen als Folge von Schlaganfällen zu Schwerbehinderten werden, geniessen Schlaganfälle weltweit als Erkrankungsform zu wenig Beachtung. Einst galt der Schlaganfall vor allem als Erkrankung westlicher Länder. Doch nun steigt auch die Zahl der Schlaganfälle in Entwicklungsländern rapide an. Viele Menschen haben ein stark erhöhtes Schlaganfallrisiko aufgrund von Faktoren wie Bluthochdruck (vier- bis sechsmal höheres Risiko), Rauchen (doppeltes Risiko), schlechte Ernährung und mangelnde Bewegung (erhöhtes Risiko um 11 bzw. 50 Prozent). Ein fortgeschrittenes Alter und vorherige gesundheitliche Vorbelastungen wie Herzprobleme oder ein früherer Schlaganfall erhöhen das Risiko ebenfalls. Wer bereits einen Schlaganfall erlitten hat, besitzt ein neunmal höheres Risiko für einen weiteren Schlaganfall. Kommen mehrere dieser Faktoren zusammen, erhöht sich das Risiko um ein weiteres.
Der "Stroke Awareness Day 2006" ist ein Handlungsaufruf an die Öffentlichkeit und insbesondere an diejenigen, die glauben, dass sie ein Schlaganfallrisiko haben, sich langfristig für die Vorbeugung zu engagieren. Betont wird dabei, dass die Prävention nach einem Schlaganfall sogar eine noch grössere Rolle spielt. Deshalb ruft die ISS auch diejenigen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, auf, sich für die Vorbeugung einzusetzen und bittet deren Freunde und Familie um Unterstützung. 15 Prozent der Menschen, die einen Schlaganfall erleiden, sterben daran oder werden innerhalb eines Jahres pflegebedürftig aufgrund von einhergehenden Problemen durch verstopfte Arterien (z. B. Herzinfarkt oder ein weiterer Schlaganfall).
Professor Bo Norrving von der International Stroke Society und dem schwedischen Universitätsklinikum in Lund, erklärt dazu: "Ein Schlaganfall hätte in vielen Fällen vermieden werden können. Wir können die jährlich steigende Zahl an Schlaganfällen signifikant reduzieren, indem wir den Menschen die Risikofaktoren bewusst machen und sie zu relativ einfachen Änderungen ihres Lebensstils bewegen."
Er fügt hinzu: "Wenn jemand einen Schlaganfall hatte, ist die langfristige Prävention eines zweiten Schlaganfalls sogar noch wichtiger, weil ein höheres Risiko besteht. Deshalb bitten wir Ärzte überall auf der Welt, ihre Patienten auf diese Risiken hinzuweisen, sie bei der Führung eines gesunden Lebensstils zu unterstützen und gegebenenfalls entsprechende Medikamente zu verordnen."
Die ISS hat zudem Informationsmaterial für Patienten erarbeitet, das über die Reduzierung des Schlaganfallrisikos aufgeklärt. Darin wird aufgerufen, das persönliche Risiko durch folgende Massnahmen so schnell wie möglich zu verringern:
- Hören Sie mit dem Rauchen auf.
- Ernähren Sie sich gesund: viel Obst, Gemüse und Ballaststoffe - wenig Salz, gesättigte Fette und Cholesterin.
- 30 Minuten körperliche Bewegung, fünfmal die Woche, sind optimal.
- Halten Sie ein gesundes Körpergewicht.
- Vermeiden Sie exzessiven Alkoholkonsum.
- Wenn Sie über 50 sind, sollten Sie Ihren Blutdruck regelmässig kontrollieren.
- Nehmen Sie alle Medikamente, die Ihnen der Arzt verschrieben hat.
Jüngste Studiendaten zeigen, dass viele Menschen, die ein höheres Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Risiko aufweisen, nicht mit geeigneten Medikamenten behandelt werden, die dieses Risiko mindern könnten. Patienten in der grössten Beobachtungsstudie von Menschen mit Atherothrombose (Blutgerinnsel, die die zugrunde liegende Ursache von Herzinfarkten und Schlaganfällen sind) wurden im Allgemeinen mit zu wenig Statinen zur Senkung eines hohen Cholesterinspiegel behandelt und zu selten einer Antiplatelet-Therapie zur Reduzierung von Blutgerinnseln unterzogen. Die Studie ergab zudem eine unzureichende Behandlung von Bluthochdruck (50 Prozent hatten zu Beginn der Studie einen erhöhten Blutdruck), einem der Hauptrisiken für einen Schlaganfall.(6)
Zudem zeigte die Studie sehr deutlich, inwieweit ein Schlaganfall mit anderen Bedingungen einhergeht, die durch die Verstopfung von Arterien durch Blutgerinnsel verursacht werden. Von den 19.000 Patienten mit vorherigem Schlaganfall oder schwächeren Schlaganfällen, die an der Studie teilnahmen, hatten 40 Prozent auch Probleme in anderen vaskulären Bereichen, wie den Arterien, die das Herz oder die Beine versorgen.(5) Diese Bedingungen teilen in grossem Umfang die gleichen Risikofaktoren. Zudem erhöht das Vorliegen von vaskulären Erkrankungen in einem Teil des Körpers stark das Risiko von vaskulären Vorfällen in anderen Organen.
Informationen zum Schlaganfall
Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall. Es besteht sofortiger Handlungsbedarf. Der Rettungsdienst muss sofort verständigt werden, um eine ärztliche Versorgung zu gewährleisten. Die Überlebenschancen bzw. die Chancen für eine erfolgreiche Genesung werden verbessert, wenn die Symptome schnell erkannt werden und eine sofortige medizinische Versorgung geleistet werden kann. Je früher ein Schlaganfallpatient eine medizinische Sofort- bzw. Langzeitbehandlung erhält, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hirnschädigung vermieden werden kann.
Schlaganfälle können entweder durch einen Blutgerinnsel, das den Blutzufluss zum Gehirn hemmt (ischämischer Schlaganfall), oder durch ein geplatztes Blutgefäss, das den Blutzufluss zum Gehirn verhindert (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. Wenn dies passiert ist, werden Teile des Gehirns nicht mehr mit Blut (und Sauerstoff) versorgt und beginnen abzusterben.
Der ischämische Schlaganfall ist die häufigste Form des Schlaganfalls. Jeder, der einmal einen Schlaganfall erlitten hat, besitzt ein erhöhtes Risiko, einen weiteren Schlaganfall und/oder einen Herzanfall zu erleiden. Ohne Sauerstoff und Nährstoffe sterben die Nervenzellen im Gehirn schnell ab. Sobald dies passiert ist, funktioniert der von diesen Nervenzellen kontrollierte Teil des Körpers nicht mehr zuverlässig. Die Ausfälle können dauerhaft sein. Aus diesem Grund ist schnelles Handeln notwendig, um langfristige körperliche und geistige Behinderungen zu minimieren.
Zwar gibt es Risikofaktoren, die nicht beeinflusst werden können, wie etwa die altersbedingte oder familiäre Vorbelastung. Allerdings sind viele Faktoren durch einfache Änderung der Lebensgewohnheiten steuerbar. Das Schlaganfallrisiko kann unter anderem durch Aufgabe des Rauchens, Sport und Bewegung, Gewichtsabnahme, gesunde Ernährung viel Obst und Gemüse oder durch medikamentöse Behandlung mit Blutdruck senkenden Mitteln zur Kontrolle des Bluthochdrucks verringert werden. Bei einigen Patienten reicht allerdings eine Änderung der Lebensgewohnheiten nicht aus, um das Risiko für einen zweiten Schlaganfall zu verringern.
Quelle:
International Stroke Society
Musikmedizinisches Behandlungskonzept für Schlaganfallpatienten
12.05.2006 - Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung hat in einer multizentrischen internationalen Studie die Wirksamkeit von Musiktherapie im Vergleich zu konventioneller Physiotherapie bei Schlaganfallpatienten untersucht. Kooperationspartner waren das Center for Biomedical Research in Music der Colorado State University (USA) und die neurologische Abteilung des SRH-Klinikums Karlsbad-Langensteinbach.

Bild: Photocase
Die mit Musiktherapie behandelten Patienten weisen eine höhere Erfolgsrate bei der Verbesserung von Bewegungsdefiziten auf und sind von Beginn an zufriedener mit der Behandlungsmethode als die Vergleichsgruppe.
In die deutsche Teilstudie wurden 40 Schlaganfallpatienten mit einer halbseitigen Lähmung eingeschlossen. Ein Teil der an einem akuten Mediainfarkt, d. h. einem Schlaganfall im vorderen Hirnkreislauf, leidenden Studienteilnehmer erhielt über einen Zeitraum von drei Wochen täglich eine halbe Stunde ein musikmedizinisches Gangtraining. Der normale Gangrhythmus, oftmals durch den Schlaganfall beeinträchtigt, wurde hierbei durch rhythmisch-akustische Zeitgeber beziehungsweise eine musikalische Stimulation unterstützt. Die Vergleichsgruppe erhielt über den gleichen Zeitraum ein konventionelles physiotherapeutisches Gangtraining. Die Behandlung erfolgte bei beiden Gruppen in der Frühphase der Rehabilitation, d. h. zehn bis 28 Tage nach dem Schlaganfall.
Im Fokus der Studie stand die Frage, inwieweit ein musiktherapeutisches Konzept die funktionale Gehfähigkeit der Schlaganfallpatienten wieder herstellen kann und ob die Behandlungsergebnisse besser sind als bei konventioneller Physiotherapie.
Hierzu wurden bei beiden Gruppen vor und nach der Behandlung Qualität, Dynamik und Ausdauer des Patienten beim Gehen mit einem speziellen Analysegeräte objektiv erfasst, berechnet, grafisch dargestellt und in statistisch auswertbare Daten umgewandelt. Die Forscher untersuchten auch die Zufriedenheit der Patienten mit der jeweiligen Behandlungsmethode.
In der Musiktherapiegruppe ist der Anteil der Patienten mit klinisch signifikanter Verbesserung etwa doppelt so hoch wie in der mit Physiotherapie behandelten Gruppe. Die relative Verbesserung aller Gangparameter ist in der Musiktherapiegruppe höher.
Statistisch signifikant ist dieser Unterschied beim Abrollen des Fußes. Eine statistisch tendenzielle Überlegenheit zeigt sich in dieser Gruppe auch bei der Gehgeschwindigkeit und Schrittfrequenz. Bei der Gangsymmetrie schneiden beide Gruppe in etwa gleich ab. Die Musiktherapiegruppe weist auch eine größere Annäherung an die alters- und geschlechtsspezifische Norm auf als die Kontrollgruppe.
Die Auswertung des Zufriedenheitsfragebogens zeigt, dass die mit Musiktherapie behandelten Schlaganfallpatienten während der gesamten Behandlungsdauer zufriedener mit der Therapie sind als die Patienten der Vergleichsgruppe.
Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache nach Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Deutschland erleiden jedes Jahr fast 350.000 Menschen einen Schlaganfall. 90 % der Betroffenen haben in Folge motorische Defizite, d. h. die Bewegungsabläufe sind stark eingeschränkt. Bei 70 % der Patienten kommt es zu einer halbseitigen Lähmung des Körpers, einer so genannten Hemiparese.
Die anschließende Rehabilitation der Patienten ist von zentraler Bedeutung. Vorwiegend kommen nach einem Schlaganfall konventionelle Krankengymnastik und Ergotherapie zum Einsatz. Immer häufiger werden Patienten in musiktherapeutisch behandelt. Allerdings sind die bisher bestehenden musiktherapeutischen Behandlungskonzepte in der neurologischen Rehabilitation vorrangig psychosozial orientiert. Diese zielen ab auf eine Verbesserung der Lebensqualität und emotionale Stabilisierung der Patienten. Eine landesweite Umfrage aus dem Jahr 2002 ergab, dass von medizinischer Seite eine spezifische, funktionale musiktherapeutische Anwendung im sensorischen und kognitiven Bereich wünschenswert wäre.
Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM das größte musiktherapeutische Forschungsinstitut in Europa und vereint Forschung, Praxis und Lehre unter einem Dach. Das DZM ist ein AN-Institut der Fachhochschule Heidelberg, d. h. das Forschungsinstitut ist wissenschaftlich eng mit der Fachhochschule verbunden, aber privatwirtschaftlich organisiert und damit finanziell unabhängig. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spendengeldern.
Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Psychologen, Mediziner und Musikwissenschaftler in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.
Quelle:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Wie Schlaganfälle das Herz unter Druck setzen
25.04.2006 - Auf einen Schlaganfall folgt bei einigen Patienten binnen Wochen ein Herzinfarkt. Wie es zu dieser Verbindung kommt, glauben amerikanische Mediziner entdeckt zu haben. Das Infarktrisiko steigt demnach auf ein Vielfaches, wenn bei dem Schlaganfall eine Region der Großhirnrinde beschädigt wird, die an der Regulation von Puls und Blutdruck beteiligt ist.
Die neuen Resultate könnten eine noch "passgenauere" Behandlung nach einem Schlaganfall ermöglichen, ist Gregory Sorensen vom Massachusetts General Hospital in Boston überzeugt. "Wir können die Patienten mit einem besonders hohen Risiko bereits bei der Einlieferung identifizieren und ihnen eine schützende Therapie verordnen."
Sorensen und seine Kollegen verglichen Kernspintomogramme der Gehirne von 100 Patienten, die einen Schlaganfall aufgrund einer verschlossenen Gehirnarterie erlitten hatten. Bei 50 dieser Patienten wiesen erhöhte Spiegel eines Herzmuskelproteins im Blut auf einen zusätzlichen Herzinfarkt hin. In diesen Fällen hatte der Schlaganfall besonders häufig den Inselkortex in der rechten Gehirnhälfte betroffen, berichten die Forscher im Fachblatt "Neurology".
Eine Schädigung des rechtsseitigen Inselkortex geht mit einem 15-mal höheren Herzinfarktrisiko einher, schätzt die Gruppe. In der tiefen Falte zwischen Stirn- und Schläfenlappen gelegen, empfängt diese Gehirnregion Signale aus dem Körper und beeinflusst wiederum die Funktion des autonomen Nervensystems.
Forschung: Hakan Ay, Walter J. Koroshetz und A. Gregory Sorensen, Martinos Center for Biomedical Imaging, Department of Radiology, und Stroke Service, Department of Neurology, Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School, Boston; und andere
Veröffentlichung Neurology, DOI 10.1212/01.wnl.0000206077.13705.6d
Quelle: Scienceticker
Neue, schnelle Chancen für Schlaganfall-Patienten - auch auf dem Lande Ingelheim - 27.03.2006 (ots) - Um Schlaganfall-Patienten bestmöglich zu versorgen, sind neben medikamentösen auch organisatorische Maßnahmen unerlässlich. Ging es bei der akuten Phase der Schlaganfall-Behandlung bisher vor allem darum den Patienten am Leben zu erhalten, gilt es heute, Spätfolgen mit Hilfe der so genannten Thrombolyse-Therapie möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen oder so gering wie möglich zu halten.
Ein Kampf gegen die Uhr - denn um irreversible Schäden zu vermeiden, ist es entscheidend, dass der Patient vom Rettungsdienst eingeliefert und innerhalb von drei Stunden behandelt wird. Im optimalen Fall geschieht dies in einer Schlaganfall-Spezialabteilung (Stroke Unit).
Diese Voraussetzung ist in vielen Regionen nicht gegeben, wenn die nächste Stroke Unit 40 Kilometer und mehr entfernt ist. Durch eine moderne telemedizinische Versorgung können Schlaganfallpatienten auch außerhalb von Ballungszentren besser behandelt werden, so dass Sterblichkeit, Folgeschäden und Folgekosten erheblich verringert werden können.
Experten wissen, dass beim Schlaganfall jede Sekunde zählt
Schnell muss geklärt werden, was passiert ist. Ob eine Hirnblutung die Ursache ist oder ein Gerinnsel die Blutbahn verstopft. Die notwenige Kommunikation zwischen allen Beteiligten am erforderlichen Behandlungsprozess wird seit kurzem durch die Telemedizin erleichtert und beschleunigt: Experten können das Arzt-Patienten-Gespräch über Kameras und Monitore führen. Auf dem Bildschirm sieht der Schlaganfall-Experte den viele Kilometer entfernten Patienten, kann mit ihm und seinem behandelnden Arzt kommunizieren und so mit Hilfe der modernen Videotechnik quasi selbst untersuchen. So können Untersuchungsergebnisse begutachtet und dem behandelnden Arzt nächste Therapieschritte zur Behandlung empfohlen werden.
Telemedizin erleichtert zeitnahe adäquate Therapie
Moderne Technik sorgt für eine stabile, klare Kommunikation und einen exzellenten Bildtransfer. Sie liefert eine schnelle diagnostische und therapeutische Unterstützung für regionale und ländliche Kliniken und ist bei den lokalen Benutzern gut akzeptiert - sowohl bei den Ärzten als auch bei den Patienten.
Viele kleinere Krankenhäuser benötigen in schwierigen Fällen die Erfahrung und Unterstützung von Kliniken mit großen neurologischen Abteilungen oder Stroke Units, um schnellstmöglich die gemeinsame Untersuchung des Patienten vor der Kamera durchzuführen und Entscheidungen zum Einleiten einer adäquaten Therapie des akuten Schlaganfalls treffen zu können. Die Sterblichkeits- und die Komplikationsrate kann durch diese gemeinsame Konsultation reduziert werden. (Pflege-) Kosten werden gesenkt, und nicht zuletzt kann das Leid für Betroffene gemindert werden.
Regionale Projekte sind zukunftsträchtig Ein bayerisches Modellprojekt mit dem Namen TEMPiS wird von den Stroke Units des Krankenhauses München-Harlaching und der Neurologie der Uniklinik Regensburg durchgeführt. 12 Krankenhäuser in kleineren Orten oder Städten sind dort per ISDN-Leitungen miteinander verbunden. Mit Hilfe von Experten in den Schlaganfall-Zentren kann in diesen Kliniken ebenfalls die moderne Thrombolyse-Behandlung routinemäßig durchgeführt werden. In dieser Art der Vernetzung sehen die Experten ein Zukunftsmodell. Die guten Erfahrungen aus Bayern machen Schule. So werden derzeit Projekte mit telemedizinischer Unterstützung in den Regionen Heidelberg, Dresden und Berlin geplant.
Quelle:
Boehringer Ingelheim
Häusliche Pflege: Schulungen zahlen sich aus Baierbrunn - 21.03.2006 (ots) - Angehörige, die sich in Seminaren und Pflegekursen darauf vorbereiten, ein Familienmitglied nach einem Schlaganfall zu Hause zu betreuen, verbessern dessen Lebensqualität und Überlebenschancen erheblich. Das Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber" berichtet über eine Studie der Fachklinik Herzogenaurach mit 71 Patienten, die dies belegt. Angehörige von 36 Kranken erhielten entsprechende Schulungen. Nach zweieinhalb Jahren lebten von dieser Gruppe noch 29 Patienten zu Hause, zwei im Pflegeheim, vier waren gestorben. Von den 35 Pflegebedürftigen der Kontrollgruppe wohnten nur noch 19 in den eigenen vier Wänden, fünf im Pflegeheim und elf waren gestorben.
Quelle: Wort und Bild - Senioren Ratgeber
Epo - Eine wundersame Karriere -
Bisher für Nierenkranke und Dopingsünder - jetzt Hoffnung beim Schlaganfall
Baierbrunn (ots) - 06.02.2006 - Erythropoietin - kurz "Epo" - hat bereits eine zweischneidige Karriere als segensreichen Retter bei Blutarmut und berüchtigtes Dopingmittel hinter sich. Sportler kurbelten damit ihre Ausdauer an und brachten sich durch die Nebenwirkung des Thromboserisikos in Lebensgefahr.
Nun, so berichtet das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau", steht der Substanz offenbar ein positiver Karriereschritt bevor. Es hat sich herausgestellt, dass Epo auch zellschützende Eigenschaften besitzt, besonders im Nervensystem. Erste Studien zeigen, dass Schlaganfallpatienten mit Epo bessere Rehabilitationschancen hatten. In Göttingen ist die Substanz zudem mit "viel versprechenden" Ergebnissen bei Schizophrenie getestet worden. Auch Multiple Sklerose, Depressionen und andere Nervenerkrankungen nehmen Wissenschaftler ins Visier. In den USA wird Epo nach Herzinfarkten getestet. Dort arbeiten Forscher auch an Abkömmlingen der Substanz. Diese sollen ausschließlich zellschützende Eigenschaften besitzen und das Thromboserisiko nicht erhöhen.
Quelle: Wort und Bild - Apotheken Umschau
Aspirin schützt Männerherzen und Frauengehirne -
Ursachen für Unterschied bisher nicht bekannt
New York - 18.01.2006 - Aspirin verhindert kardiovaskuläre Ereignisse bei Frauen und Männern, allerdings auf verschiedene Art und Weise. Zu diesem Ergebnis ist eine aktuelle Metastudie der Stony Brook School of Medicine http://www.hsc.stonybrook.edu/som gekommen. Bei Frauen verringert Aspirin die Anzahl der Schlaganfälle, bei Männern die Häufigkeit der Herzanfälle. Andere statistisch relevante Vorteile im genau umgekehrten Sinn gibt es laut der Analyse nicht. Der Kardiologe David Brown, einer der Autoren der Studie erklärte, dass Frauen auf die Verabreichung einer Dosis Aspirin anders zu reagieren scheinen als Männer. "Alle Forschungsergebnisse sagen uns, dass es bei den Geschlechtern einen Unterschied gibt und wir wissen nicht warum." Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of the American Medical Association http://jama.ama-assn.org veröffentlicht.
Quelle: photocase
Bei Personen, die bereits an einer kardiovaskulären Erkrankung leiden, sind die Vorteile von niedrig dosierten Aspiringaben bei beiden Geschlechtern bereits gut erforscht. Die kardiovaskuläre Wirkung des Medikaments beruht auf der Blockierung der Synthese von Thromboxan A2, einer Substanz die für das Gerinnen des Blutes verantwortlich ist. Bereits eine geringe Dosis von 100 Milligramm kann wirksam sein. Bei Menschen mit einem mittelstarken Risiko sind die Ergebnisse weniger eindeutig. Studien scheinen auf eine Verringerung der koronaren Ereignisse hinzudeuten. An den meisten Studien nahmen jedoch, wenn überhaupt, nur wenige Frauen teil. Das Team um David Brown wollte daher wissen, ob Frauen dieser Risikogruppe gleich viele Vorteile von einer Einnahme haben wie Männer.
Die Analyse von sechs Studien, an denen 95.456 Personen, davon 51.342 Frauen, teilnahmen, ergab, dass Aspirin bei Frauen und Männern zu einer Verringerung der kardiovaskulären Ereignisse führte. Bei den Männern verringerte sich das Risiko eines Herzanfalles um 32 Prozent. Bei Frauen hatte das Medikament keine Auswirkungen auf die Häufigkeit der Herzanfälle. Vielmehr verringerte es hauptsächlich das Risiko eines Schlaganfalles um 17 Prozent. Bei den männlichen Teilnehmern konnte keine derartige Wirkung nachgewiesen werden. Die Wissenschafter betonen, dass Männer häufiger zu Herzanfällen tendieren und Frauen eher zu Schlaganfällen neigen. Es sei jedoch laut New Scientist wahrscheinlich, dass es auch einen biologischen Unterschied gibt. Angenommen wird, dass Frauen das Medikament anders abbauen als Männer. Brown erklärte, dass die aktuellen Ergebnisse zeigten, wie wichtig es sei, einen großen Querschnitt der Bevölkerung bei der klinischen Erprobung von Medikamenten zu berücksichtigen.
Quelle: pte
Heilen nach Noten - Musiktherapie bringt nach einem Schlaganfall die Sprache zurück
Baierbrunn (ots) - 12.12.2005 - Erstaunliche Fortschritte ermöglicht eine Musiktherapie gegen den Sprachverlust durch einen Schlaganfall. Das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“ berichtet über eine Studie der Sprachtherapeutin Dr. Monika Jungblut an der Universität Witten- Herdecke, die nachwies, dass nach siebenmonatiger Behandlung sechs von acht Patienten wieder fließender sprechen konnten.
In einer Vergleichsgruppe ohne Musiktherapie blieb das Sprachvermögen dagegen unverändert schlecht. Sprechen wird von einem Sprachzentrum gesteuert, das meistens in der linken Hirnhälfte liegt. Aus der anderen Hirnhälfte wirken aber Zentren für melodisches Empfinden und Tongebung mit. Selten einmal betrifft ein Schlaganfall beide Hirnhälften. Nicht selten ist zu beobachten, dass Patienten zwar nicht mehr sprechen, aber noch singen können. Die Musiktherapie knüpft bei den erhaltenen Fähigkeiten an. Nutzbare Regionen der geschädigten Hirnhälfte werden so wieder zum Leben erweckt.
Quelle: Wort und Bild - Apotheken Umschau
Schadensbegrenzung bei Schlaganfall -
Blockiertes Signal verhindert Absterben beschädigter Gehirnzellen
Heidelberg/Ulm - (pte) 14.11.2005 - Infolge eines Schlaganfalls sterben jährlich Millionen von Menschen. Ebenso viele müssen mit dauerhaften Behinderungen leben, wenn die Blutzufuhr zum Gehirn und damit die Versorgung der Gehirnzellen mit lebenswichtigem Sauerstoff unterbrochen wird. Wissenschaftler an den Universitäten von Heidelberg http://www.med.uni-heidelberg.de und Ulm http://www.uni-ulm.de sowie einer Forschungseinheit des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) http://www.embl.org haben jetzt herausgefunden, dass das endgültige Schicksal dieser Zellen mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Zellsignal abhängt.
"Ausgangspunkt unserer Forschung war die Annahme, dass der so genannte NF-kB-Signalweg beim Absterben von Nervenzellen nach Schlaganfällen oder anderen Hirnschädigungen eine zentrale Rolle spielt, da es in diesen ein Selbstzerstörungsprogramm in Gang setzt", erklärt Forschungsprojektleiter Markus Schwaninger von der Universität Heidelberg. In einem neu entwickelten Modellversuch an Mäusen hat ein Team um Schwaninger daher versucht, den ursächlichen Zusammenhang des NF-kB-Signals mit dem Absterben von Gehirnzellen nach Schlaganfällen zu beweisen.
Dazu wurden genmanipulierte Mäuse, bei denen das besagte Zellsignal durch ein Antibiotikum aktiviert oder deaktiviert werden kann, in einen schlaganfallähnlichen Zustand versetzt. "Die Auswertung hat ergeben, dass die Versuchsgruppe mit blockiertem NF-kB-Signal ein deutlich besseres Resultat aufweist", meint Thomas Wirth von der Universität Ulm im Gespräch mit pressetext. "Geschädigte Zellen blieben länger am Leben und schienen sich sogar zu erholen", so Wirth. Als erfreulich bewertet er auch die Tatsache, dass die positive Wirkung in vielen Fällen auch noch Stunden und Tage nach dem Schlaganfall anhielt. Damit kann laut Wirth das langfristige Überleben von Gehirnzellen in den beschädigten Geweben gewährleistet und die Infarktzone verringert werden.
"Gerade dieser Aspekt ist bei der Behandlung menschlicher Patienten von besonderer Bedeutung, da diese normalerweise erst einige Zeit nach dem Vorfall im Krankenhaus eintreffen", meint Wirth weiter. Die an dem Projekt beteiligten Wisschenschaftler gehen jedenfalls davon aus, dass die Ergebnisse auf die Humanmedizin übertragbar sind, da das NF-kB-Signalnetzwerk von Mäusen dem menschlicher Zellen sehr ähnlich ist. Neben der nun erstmals bewiesenen Auswirkung bei Schlaganfallspatienten, steht das Zellsignal auch im Verdacht bei einer Vielzahl von anderen pathophysiologischen Krankheiten wie Tumormetastasierungen oder rheumatoider Arthritis eine entscheidende Rolle zu spielen.
"Die Pharmaindustrie arbeit schon seit längerem an Lösungen", ist es für Wirth nur mehr eine Frage der Zeit, bis Patienten von den neuen Forschungserkenntnissen profitieren werden. Ein noch ungelöstes Problem sei allerdings, dass Wirkstoffe zur Blockade des Zellsignals derzeit noch intrazerebral, also direkt in das Gehirn injiziert werden müssten, so Wirth gegenüber pressetext abschließend.
Quelle: pte
Grippeimpfung senkt Schlaganfallrisiko - Studie: Risiko für Geimpfte halbiert
Baierbrunn - 17.10.2005 (ots) - Eine Grippeimpfung senkt vermutlich das Risiko für einen Schlaganfall. Das zeigen laut einem Bericht des Apothekenmagazins „Diabetiker Ratgeber“ Ergebnisse einer Studie aus der neurologischen Klinik Ludwigshafen. Eine Forschergruppe um Prof. Armin Grau fand heraus, dass Geimpfte unabhängig von anderen Risikofaktoren und ihrem allgemeinen Gesundheitsverhalten ein um 50 Prozent niedrigeres Risiko hatten, einen Schlaganfall zu erleiden. Am deutlichsten war der Schutzeffekt bei Männern und älteren Menschen. Die jährliche Grippeimpfung wird Personen über 60 Jahren, chronisch Kranken und bei beruflich erhöhtem Ansteckungsrisiko empfohlen.
Quelle: Wort und Bild - Diabetiker Ratgeber
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe fordert effektivere
Blutdruckkontrolle
29.09.2005 - Etwa die Hälfte aller Schlaganfälle könnte bei richtiger Einstellung des Blutdrucks verhindert werden.
Der Hauptrisikofaktor für einen Schlaganfall, der Bluthochdruck, wird in Deutschland zu selten erkannt und zu schlecht behandelt. Darauf weist die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hin. Studien gingen davon aus, dass 60 bis 80 Prozent der Bluthochdruckbetroffenen in Deutschland entweder unerkannt oder unzureichend behandelt werden. "Wichtig ist, dass der Blutdruck kontrolliert wird - dass man sich von seinem Arzt untersuchen und individuell beraten lässt", so Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Stiftung.
Der Bluthochdruck, von Medizinern als Hypertonie bezeichnet, ist der Risikofaktor Nr. 1 für alle Arten des Schlaganfalls - sowohl für die Durchblutungsstörungen als auch für die Blutungen. Der Zusammenhang ist direkt: je höher der Blutdruck, desto größer das Risiko. "Es ist zwar schwierig Zahlen zu nennen, aber ich denke, dass die Hälfte aller Schlaganfälle zu verhindern wäre, wenn der Blutdruck richtig eingestellt ist", bemerkt dazu der Schlaganfall-Experte Prof. Dr. Roman Haberl. Auch der Chefarzt der Abteilung für Neurologie des Klinikums München-Harlaching rät: "Man muss messen. Ich glaube, dass für jeden, der 35 Jahre oder älter ist, eine jährliche Blutdruckmessung absolutes Pflichtprogramm ist." Wenn dann ein erhöhter Blutdruck festgestellt würde, müsse natürlich wesentlich öfter gemessen werden. "Der Hauptfaktor, um einen Schlaganfall zu verhindern, ist frühzeitig seinen eigenen Blutdruck zu kennen und ihn im Normbereich zu halten", empfiehlt Prof. Dr. Haberl.
Es existieren heute verschiedene Möglichkeiten, einen Bluthochdruck gut zu behandeln. So gibt es zahlreiche Medikamente, mit deren Hilfe sich der Blutdruck sehr gut einstellen lässt, aber auch einiges, was der Betroffene selbst tun kann: Regelmäßige körperliche Aktivität, Gewichtsabnahme oder eine geringere Salzaufnahme können den Blutdruck senken.
Der Blutdruck ist in den westlichen Industrienationen bei 20 bis 25 Prozent der Menschen so stark erhöht, dass Mediziner von einem Bluthochdruck sprechen. Nach einer international anerkannten Klassifikation ist ein Blutdruck unter 120/80 mmHg optimal, einer von unter 130/85 mmHg normal, eine Erhöhung auf oder über 140/90 mmHg wird als Bluthochdruck bezeichnet. Um das Schlaganfall-Risiko zu reduzieren, ist ein normaler Blutdruck anzustreben. Kommen andere Risikofaktoren hinzu, sollte ein optimaler Blutdruck das Ziel sein.
Etwa 200 000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall. Andere wichtige Risikofaktoren sind Diabetes mellitus, Herzrhythmusstörungen, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel.
Weitere Informationen gibt es bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe unter der Telefonnummer 01805 093 093 (0,12 EUR/Min.). Ihr persönliches Risiko können Sie im Internet unter www.schlaganfall-hilfe.de testen.
Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Der Teufelskreis erlernter Hilflosigkeit bei Lähmungen -
Durchbruch mit innovativer Behandlungskombination möglich

Quelle: obs/ Biofeedback Reha Wermelskirchen"
Wermelskirchen (ots) -
14.09.2005 - Jeden Tag erleiden in Deutschland etwa 550 Menschen einen
Schlaganfall. Oft mit schlimmen Folgen, wie Halbseitenlähmungen. Die
Rehabilitations-Behandlung dieser Patienten ist meist langwierig.
Durch die neuartige Kombination von Elementen der Forced-use
Therapie mit c-EMG Biofeedback Behandlung kann nun die
Behandlungseffizienz deutlich gesteigert werden.
Forced-use bedeutet erzwungener Gebrauch. Es handelt sich dabei um
ein intensives Therapieprogramm zur Verbesserung der Arm- und
Handfunktionen bei Schlaganfallpatienten. Das zweite Element ist die
c-EMG Biofeedback Behandlung. Diese Trainingsmethode wird eingesetzt,
um überlebende Nervenzellen des Gehirns dazu zu bringen, Funktionen
geschädigter oder abgestorbener Gehirnzellen zu übernehmen.
Klebeelektroden auf der Haut der Patienten messen vom Gehirn
ausgehende elektrische Nervenimpulse und zeigen am Monitor, dass
selbst bei vollständig erscheinender Lähmung die Muskulatur
aktivierbar geblieben ist. Durch konsequentes Training wird zunächst
eine rein elektrische Aktivitätszunahme herbeigeführt. Im weiteren
Behandlungsverlauf kommt es schließlich zu Funktionsveränderungen,
die auch mit bloßem Auge erkennbar sind. Dieses Erkennen motiviert
die Menschen ganz erheblich und trägt wesentlich zum
Behandlungserfolg bei. Auch die Forced-use Therapie setzt auf die
Lernfähigkeit des Gehirns. Allerdings ist sie auf die Rehabilitation
bei Arm- und Handlähmungen beschränkt.
Von der neuen Behandlungs-Kombination profitieren jedoch auch
Patienten mit darüber hinausgehenden Lähmungen. Dafür werden Elemente
aus der Forced-use Therapie und die c-EMG Biofeedback Behandlung in
besonderem Maße aufeinander abgestimmt. Ziel ist es, den Teufelskreis
erlernter Hilflosigkeit zu durchbrechen. Denn die Erfahrung zeigt,
dass Patienten, z.B. nach einem Schlaganfall, über das eigentliche
Maß der Lähmung hinaus den betroffenen Bereich schonen. Durch den
anhaltenden Mindergebrauch werden mögliche Restfunktionen noch weiter
verschlechtert. In der Fachsprache wird dieses Phänomen als
"learned-non-use" bezeichnet.
Als erstes Institut in Deutschland bietet das Biofeedback Reha
Zentrum in Wermelskirchen die Behandlungskombination an. Die in den
USA geschulten Spezialisten haben damit bei Patienten mit Lähmungen,
verursacht durch Erkrankungen und Schädigungen des Gehirns und
Rückenmarks, beeindruckende Behandlungserfolge erzielt.
Quelle: obs/ Biofeedback Reha Wermelskirchen"
Blutdrucksenkung verlangsamt Progression der Hirnschädigung nach Schlaganfall
07.09.2005 - NEW YORK (Reuters Health) – Eine Blutdrucksenkung kann die Progression von Hyperintensitäten der weißen Substanz (WMHs) bei Schlaganfallpatienten laut einer neuen Untersuchung verlangsamen oder sogar aufhalten. Diese Feststellung hat eine wesentliche klinische Bedeutung angesichts des Zusammenhangs dieser Schäden mit der Entwicklung von Demenz und Depression.
„In einigen Studien wurden WMHs mit Hypertonie in Verbindung gebracht, aber es war nicht bekannt, ob eine Blutdrucksenkung die Progression dieser Schädigungen verlangsamen könnte“, erläuterte Letztautor Dr. Christophe Tzourio vom Hôpital La Salpetriere in Paris gegenüber Reuters Health.
Tzourio und sein Kollege untersuchten 192 Personen mit zerebrovaskulärer Erkrankung, die an der Perindopril Protection Against Recurrent Stroke Study (PROGRESS) teilnahmen – einer Studie, in der der Nutzen der Blutdrucksenkung zur Verhinderung wiederholter Schlaganfälle untersucht wurde.
Als Teil der Studie wurden die Teilnehmer randomisiert Perindopril allein oder in Kombination mit Indapamid oder Placebo zugeteilt. Zu Studienbeginn und nach etwa 36 Monaten wurde ein MRT zur Beurteilung und Einstufung der WMHs durchgeführt.
Bei der Nachuntersuchung wiesen die mit aktiv wirkenden Substanzen behandelten Teilnehmer eine Blutdrucksenkung von 11,2/4,3 mmHg auf im Vergleich zu jenen unter Placebo, heißt es in dem Bericht in Circulation vom 13. September.
Die Rate neuer WMHs bei der Nachuntersuchung betrug 12,5%. Durch die Therapie mit Antihypertensiva wurde das Risiko neuer WMHs um 43% gesenkt, außerdem stand sie mit einer Abnahme des Volumens der WMHs in Zusammenhang.
Die Vorteile der blutdrucksenkenden Therapie waren am deutlichsten bei Patienten mit schwergradigen WMHs zu Studienbeginn. Bei diesen Patienten führte die aktive Behandlung nicht zu neuen WMHs, während der Einsatz von Placebo mit WMHs von 7,6 Kubikmillimeter einherging.
„Obwohl wir nicht gezeigt haben, dass Blutdrucksenkung Demenz bei diesen Patienten aufhält, scheint es logisch, dass wenn sie die Progression von WMHs verlangsamt, sie auch helfen müsste, Demenz vorzubeugen", merkte Tzourio an.
In einem begleitenden Leitartikel kommentiert Dr. Ernesto L. Schiffrin vom Clinical Research Institute Montreal, dass die Ergebnisse dieser und anderer Studien „uns eine zusätzliche Grundlage verschaffen, älteren Leuten mit erhöhtem Blutdruck nicht die Anwendung von Antihypertensiva vorzuenthalten, um ein Schlaganfallrezidiv und die Progression hin zu kognitiver Verschlechterung zu verhindern.“
Quelle: Circulation 2005
Ursache für Schlaganfälle geklärt
Fehlendes Stoffwechselenzym häufiger Verursacher von Infarkten
Rostock - 11.08.2005/ - Neurologen der Universität Rostock http://www.med.uni-rostock.de haben die Ursache für Schlaganfälle entdeckt. Demnach ist eine genetisch bedingte Stoffwechselkrankheit namens Morbus Fabry häufig die Ursache von Infarkten bei jüngeren Patienten. Den Betroffenen fehlt ein spezielles Enzym im Stoffwechsel, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin Lancet http://www.thelancet.com . Aufgrund dieser Erkenntnisse lassen sich Schlaganfälle nun teilweise gezielt therapieren. Auch die Gefahr neuerlicher Infarkte lässt sich deutlich vermindern.
"Morbus Fabry ist eigentlich eine seltene Krankheit", so Arndt Rolfs von der Klinik für Neurologie. "Als wir aber jugendliche Schlaganfallpatienten auf diese Krankheit hin untersuchten, stellten wir fest, dass etwa fünf Prozent der Betroffenen diesen Enzymmangel aufwiesen", führt der Mediziner aus. Zwischen 2001 und 2004 hat das Team mehr als 700 jugendliche Patienten im Alter zwischen 18 und 55 Jahren untersucht. "Fünf Prozent aller Ursachen klingt zunächst wenig", so Rolfs. "Es ist aber mit deutlichem Abstand die wichtigste Einzelursache für Schlaganfälle bei jüngeren Patienten insbesondere bei solchen, die nicht die typischen Risikofaktoren wie hoher Blutdruck, Übergewicht und hohe Fette haben, oder rauchen"
Seit etwa zwei Jahren ist das Leiden durch eine so genannte Enzymersatztherapie gezielt therapierbar. Dies bedeute eine Revolution in der Erforschung des Schlaganfalls, da bisher meist gerade bei den jüngeren Patienten kaum Ursachen für den Schlaganfall gefunden wurden, diese Gruppe aber besonders hart von den Konsequenzen eines Schlaganfalls getroffen sind, führt Rolfs aus. "Beim rechtzeitigen Nachweis von Morbus Fabry - insbesondere im Rahmen von Familien, bei denen bereits bei einzelnen jüngeren Mitgliedern ein Schlaganfall aufgetreten ist, könnte dann der Hirnschlag verhindert werden", erklärt der Forscher.
Quelle: pte
Neue Hoffnung bei Schlaganfall -
„Gerinnungsfaktor VII“ stoppt Hirnblutungen wesentlich schneller
Baierbrunn (ots) - 22.07.2005 - Durch die schnelle Verabreichung einer gerinnungsfördernden Substanz können deutlich mehr Schlaganfallpatienten überleben, berichtet das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“. Bei Studien in den USA bekamen Patienten mit Hirnblutung den gentechnisch hergestellten Gerinnungsfaktor VII verabreicht. Er diente bisher dazu, Menschen mit der angeborenen Bluterkrankheit zu behandeln. Deutlich mehr Patienten überlebten den Schlaganfall als nach einer Behandlung mit einem Scheinmedikament. „Die Effekte sind gigantisch“ kommentiert Privatdozent Dr. Darius Nabavi von der Neurologischen Universitätsklinik Münster und Regionalbeauftragter der deutschen Schlaganfallhilfe die Ergebnisse. Hirnblutungen sind Ursache bei etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle. Vor einer Zulassung müssen weitere Studien die Wirkung des Geringungsfaktors VII bestätigen.
Quelle: Wort und Bild - Apotheken Umschau
Operativ
dem Schlaganfall vorbeugen
Eschborn
(ots) - 30.06.2005 - Droht aufgrund einer Verengung der
Halsschlagader
ein Schlaganfall, können Ärzte durch eine neue
Methode das Risiko
mindern und den Schlaganfall möglicherweise verhindern,
berichtet die
»Neue Apotheken Jllustrierte« vom 1. Juli.
Bisher mussten Ärzte die
erkrankte Arterie operativ ausschälen. Eine neue
und möglicherweise
schonendere Therapie steht nun in der Diskussion: die
Aufdehnung der
Halsschlagader unter örtlicher Betäubung mit
Ballonkathetern und
kleinen Drahtröhrchen (so genannten Stents).
Rund 15 Prozent der Schlaganfälle sind auf eine Verengung
der
Halsschlagader, eine so genannte Karotisstenose, zurückzuführen.
Durch die richtige Therapie könnten Menschen mit
einer solchen
Verengung vor einem Schlaganfall geschützt werden.
Die eine Methode
ist die in vielen Fällen anwendbare und seit längerem
bewährte
Thromb-Endarteriektomie, kurz TEA genannt. Dabei kann
durch eine
Ausschälung der durch Kalkablagerung stark verengten
Halsschlagader
das Schlaganfallrisiko deutlich gemindert werden. Die
andere
Möglichkeit der Abhilfe einer Karotisstenose ist
die Erweiterung der
Arterie mit einem Ballon und die Einführung einer
Gefäßstütze (Stent)
die sogenannte stentgestützte PTA. Dieser Eingriff
kann in örtlicher
Betäubung durchgeführt werden und benötigt
keinen Hautschnitt am
Hals. Ob TEA oder PTA: Mit beiden Maßnahmen lässt
sich die
Hirndurchblutung wesentlich verbessern.
Quelle: Neue Apotheken Illustrierte
Die
Hälfte der Schlaganfallpatienten erleidet eine erneute
Attacke - 60 Prozent der
Patienten sterben innerhalb von zehn Jahren nach dem Schlaganfall
Utrecht (pte) - 20.06.2005 - Knapp die Hälfte der Schlaganfallpatienten erleidet innerhalb von zehn Jahren nach der Erkrankung erneut einen Schlaganfall oder bekommt Gefäßerkrankung. Jüngste Forschungsergebnisse des University Medical Centers http://www.umcutrecht.nl/ im niederländischen Utrecht belegen, dass 43 Prozent der Patienten, die einen leichten ischämischen Insult oder eine transiente ischämische Attacke (TIA) erlitten haben, einen erneuten Schlaganfall oder andere Gefäßkomplikationen erleiden. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe des Lancet http://www.thelancet.com publiziert worden.
Die niederländischen Forscher untersuchten die Überlebensrate und das Auftreten von vaskulären Erkrankungen bei über 2.400 Patienten. Dabei konnten sie feststellen, dass in den zehn Jahren nach dem Erleiden eines leichten ischämischen Insults beziehungsweise eines TIA rund 60 Prozent der Patienten verstarben. 54 Prozent der Patienten hatten in diesem Zeitraum mindestens einen neuen Schlaganfall erlitten. Das Risiko einer Gefäßerkrankung war am höchsten kurz nach einem ischämischen Insult und sank dann kontinuierlich ab. "Die Studie zeigt, dass das Sterberisiko besonders in den ersten drei Jahren nach dem Schlaganfall besonders hoch ist. Danach blieb das Schlaganfallsrisiko konstant", erklärte Studienleiter Ale Algra. 48 Prozent der Schlaganfallspatienten überstanden die Dekade nach der Erkrankung ohne weitere Komplikationen.
Quelle: pte
Schlaganfall kann den Stil eines Künstlers verändern
Besonders betroffen sind Farben und Details
Lausanne - 17.05.2005 - Die durch einen leichten Schlaganfall hervorgerufene Schädigung des Gehirns kann dazu führen, dass sich der Stil eines Künstlers verändert. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV) http://www.chuv.ch gekommen. Die Wissenschafter untersuchten die Auswirkungen eines Schlaganfalles auf zwei Berufsmaler. Sie beobachteten deutliche Veränderungen in den verwendeten Farben und den in den Arbeiten dargestellten Details. Die Ergebnisse wurden im Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry http://jnnp.bmjjournals.com veröffentlicht.
Einer der Künstler hatte einen Schlaganfall im linken Occipitallappen erlitten, der mit der Verarbeitung der geistigen Bilderwelt in Zusammenhang gebracht wird. Beim anderen Künstler war der limbische Thalamus in Mitleidenschaft gezogen worden, der mit den Frontallappen verbunden ist, die mit der Kreativität in Zusammenhang gebracht werden. Die Schlaganfälle hatten laut BBC keine Auswirkung auf die Wahl der dargestellten Themen. Die deutlichen Veränderungen des Stils wurden sowohl von einem Kunstkritiker als auch einem Berufskollegen bestätigt.
Beim ersten Künstler, einem 57 Jahre alten Rechtshänder, wurde die Darstellung der menschlichen Gliedmaßen dünner, schärfer und stilisierter. Gleichzeitig kam es zu einer vereinfachten Darstellung der Details. Licht spielte in den Arbeiten, die auch abstrakter wurden, eine stärkere Rolle. Der Maler gab an, dass er früher vor dem Malen die Leinwand eine Stunde lang visualisiert hatte. Jetzt war er dazu nicht mehr in der Lage. Jetzt entstünde die Inspiration nach und nach beim Malen selbst.
Der zweite 71 Jahre alte Maler konnte mit beiden Händen arbeiten. Er nutzte vor dem Schlaganfall die rechte Hand mehr als die linke. Nach dem Schlaganfall hatte sich diese Vorliebe genau umgekehrt. In seinen Arbeiten spielten Struktur und lineare Organisation eine größere Rolle. Die Farbenwahl und die Kontraste wurden kühner. Zusätzlich wechselte er von symbolischen zu mehr realistischen Darstellungen. Andere neurologische Schädigungen können ebenfalls eine Rolle spielen. Bei Demenz und Alzheimer wurde nachgewiesen, dass sich bei manchen Patienten der emotionale Ausdruck und die künstlerische Kreativität veränderten.
Quelle: Pressetext Schweiz
Notruf per SMS senkt Schlaganfall-Risiko: Bonner Studie über Frühwarnsystem bei Vorhofflimmern

Foto: photocase
12.05.2005 - Vorhofflimmern, die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung, birgt neben der Gefahr einer Herzschwäche unter anderem ein hohes Schlaganfall-Risiko. Nur eine sofortige Behandlung kann diese lebensbedrohliche Folgen vermeiden helfen. Die Medizinische Klinik II des Universitätsklinikums Bonn testet jetzt in Kooperation mit dem "Kompetenznetz Vorhofflimmern" - eine Initiative des Bundesministerium für Bildung und Forschung - ein weltweit einzigartiges Frühwarnsystem. Dieses überwacht den Herzschlag von etwa 800 Studienteilnehmern rund um die Uhr und meldet jede Unregelmäßigkeit sofort per SMS. T-Mobile übernimmt für den Studienzeitraum von fünf Jahren die Kosten der SMS-Übertragungen - circa 200.000 bis 300.000 Euro.
In Deutschland leiden über eine Millionen vor allem ältere Menschen an Vorhofflimmern - Tendenz steigend. Dabei kommt es in den Herzvorhöfen zu sehr raschen, unkoordinierten elektrischen Impulsen. Diese bringen das Herz aus seinem Takt. Ferner können sich Blutgerinnsel bilden, die beispielsweise Halsgefäße verschließen und so zum Schlaganfall führen. Eine schnelle Gabe von blutverdünnenden Medikamenten senkt das Schlaganfallrisiko deutlich. Doch oft spüren Betroffene keine Symptome wie Herzrasen, Luftnot, Schmerzen, Übelkeit oder auch Schwindel.
Daher betreut die Medizinische Klinik II des Universitätsklinikums Bonn Patienten mit einem implantierten Herzschrittmacher oder Elektroschockgerät, einem so genannten Defibrillator, die sich im Rahmen der Studie an einem fortlaufenden "Home Monitoring" beteiligen. "Diese Patienten haben aufgrund zusätzlicher Faktoren ein hohes Risiko in den ersten drei Jahren nach Geräteimplantation ein Vorhofflimmern auszubilden", sagt Studienleiter Privatdozent Dr. Thorsten Lewalter.
Die für die Bonner Studie genutzte - derzeit einzigartige - Technologie entwickelte das Berliner Medizintechnikunternehmen Biotronik. Das implantierte Aggregat sendet regelmäßig und im Falle besonderer Ereignisse über eine integrierte Antenne und einem externen Empfänger SMS-Nachrichten an ein Service-Center. Dieses leitet via Fax oder Internet die Informationen weiter an den betreuenden Arzt. So zeigt das Frühwarnsystem das Auftreten von Vorhofflimmern innerhalb von 24 Stunden an. Dadurch ist eine zeitnahe Behandlung möglich. "Das "Home Monitoring" kann die negativen Folgen des Vorhofflimmerns wie beispielweise einen Schlaganfall deutlich senken. Davon profitieren vor allem auch jene Patienten, die ein Vorhofflimmern nicht bemerken", sagt Kardiologe Lewalter.
Quelle: Rheinische Friedrichs-Wilhelm-Universität Bonn
Techniker Krankenkasse rät: Beim Schlaganfall Alarm schlagen!
Hamburg (ots) - 12.05.2005 - Ihren Namen hat die Erkrankung nicht umsonst: Die Symptome eines Schlaganfalls treten "schlagartig" auf und sind, je nach betroffener Hirnregion, unterschiedlich. Sehr häufig erscheinen sie gemeinsam mit starken Kopfschmerzen und Schwindel.
Typische Alarmsignale eines Schlaganfalls können sein: plötzliche halbseitige Lähmungen, Krampfanfälle, Geh- oder Sprachstörungen, verschwommenes Sehen oder Sehen von Doppelbildern und Verwirrtheitszustände.
Selbst wenn sich die Symptome zunächst nicht verschlimmern oder nicht gravierend erscheinen, sollte der Notarzt alarmiert werden. Denn je eher der Schlaganfall behandelt wird, desto besser lassen sich bleibende Schäden begrenzen.
Quelle: presseportal
Schlaganfall - Schnarcher leben riskant -
Nicht diagnostizierte Schlafapnoe erhöht das Schlaganfallrisiko
Martinsried (ots) - 10.05.2005 - 70% aller Schlaganfallpatienten leiden an einer schlafbezogenen Atmungsstörung (SBAS). Die meisten Betroffenen wissen jedoch nichts von dieser Erkrankung.
Schlafbezogene Atmungsstörungen, vor allem die obstruktive Schlafapnoe (OSA), sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Wenn lautes, unregelmäßiges Schnarchen durch Atemstillstände (Apnoen) oder zu geringe Atmung (Hypopnoe) von mehr als zehn Sekunden Dauer unterbrochen wird, spricht man von einer OSA. Das Gaumensegel verschließt dabei die oberen Atemwege, so dass den Betroffenen mindestens fünf Mal pro Stunde die Luft wegbleibt. Die Folge sind schwere Erkrankungen, bei denen OSA als Ursache häufig zu spät erkannt wird. Durch den nächtlichen Sauerstoffmangel sind vornehmlich Organe mit besonders hohem Sauerstoffbedarf betroffen - vor allem Gehirn und Herz. Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Bluthochdruckerkrankungen oder plötzlicher Herztod sind häufig die Folge. Rund 2 % der Frauen und 4 % der Männer zwischen 30 und 60 Jahren leiden unter OSA. In Deutschland kann man von rund 4,0 Millionen Betroffenen ausgehen. Allerdings sind weniger als 5 % dieser Betroffenen als solche diagnostiziert und in therapeutischer Behandlung.
Mit microMESAM® ist die großflächige Identifizierung bislang unerkannter Schlafapnoe-Patienten möglich. Das neue Gerät integriert erstmals Ärzte aller Fachrichtungen in die Diagnostik der Schlafmedizin: Der einfach durchzuführende Screeningtest erfordert keine fundierten schlafmedizinischen Kenntnisse. Anders als die Polysomnographie, die Schlafspezialisten vorbehalten, personalaufwändig und teuer ist, kann der neue Risiko-Screener auch in der Hausarztpraxis angewendet werden. Dieses kleine und einfach zu bedienende Gerät wird dem Patienten eine Nacht zur Verfügung gestellt. Ein spezieller Sensor zeichnet alle relevanten Daten über die Atmung auf, und schon am nächsten morgen wird die Aufzeichnung am praxiseigenen PC ausgewertet. Anhand eines farblich skalierten "Risikoindikators" ermöglicht die ausgedruckte Analyse auch dem Nicht-Somnologen auf einen Blick zu beurteilen, ob eine vertiefte Diagnostik in einem Schlaflabor erforderlich ist.
Quelle:presseportal
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe will Notfallversorgung
beschleunigen -
Eva Luise Köhler und Liz Mohn: Schnelles Handeln kann Leben retten
Gütersloh (ots) - 10.05.2005 - Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe will die Zeit vom Einsetzen der ersten Schlaganfall-Symptome bis zur Therapieentscheidung im Krankenhaus verkürzen. Zum bundesweiten "Tag gegen den Schlaganfall" am 10. Mai 2005 hat sie ihr Projekt "Notfall-Management" vorgestellt, das in seiner Konzeption einzigartig ist.
"Jedes Jahr erleiden über 200 000 Menschen in unserem Land einen Schlaganfall - viele Menschen sterben, viele leiden unter schwerwiegenden körperlichen und seelisch-geistigen Folgen. Wenn die Notfallversorgung beschleunigt wird, können Leben gerettet und die Folgen begrenzt oder sogar vermieden werden", betonte Eva Luise Köhler anlässlich der Vorstellung des Projektes im Rahmen des Berliner Ärztekongresses. Die Ehefrau des Bundespräsidenten lobte das Projekt der Stiftung: "Um bestehende Defizite der Versorgung von Betroffenen auszuräumen sind innovative Konzepte gefragt - wie das der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe."
Das Projekt "Notfall-Management" setzt auf drei zentrale Maßnahmen: Auf gemeinsam mit einem Expertenrat entwickelte Schulungen für die an der Notfallversorgung beteiligten Berufsgruppen, auf Information der Öffentlichkeit über Symptome und das richtige Verhalten im Notfall sowie auf Verbesserung der Prozesse sowohl beim Rettungsdienst als auch im Krankenhaus. Die Maßnahmen werden ab Herbst dieses Jahres in zwei Modellregionen erprobt. Das Einzigartige: Erstmals wird die Wirksamkeit aller drei Maßnahmen in dieser Kombination wissenschaftlich überprüft - das Konzept kann so anschließend angepasst und deutschlandweit umgesetzt werden.
"Schnelles Handeln kann Leben retten und Lebensqualität langfristig sichern. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten. Dementsprechend heißt unser Motto: 112 - Das Leben wählen", sagte die Präsidentin der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Liz Mohn. Sie forderte alle Menschen auf: "Wenn plötzlich die typischen Symptome wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen auf einer Körperseite, Sprach- oder Sprachverständnisstörungen sowie Sehstörungen auftreten, zögern Sie nicht - rufen Sie 112."
Den Hintergrund des Projektes erklärte der Schlaganfall-Experte und Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster, Prof. Dr. Erich Bernd Ringelstein: "Das Therapiespektrum beim Schlaganfall hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Je schneller die richtige Therapie einsetzt, desto höher ist die Chance, dass Gehirnzellen vor dem Absterben gerettet werden." Deshalb sei es wichtig, dass die Betroffenen sofort nach Auftreten der ersten Symptome in eine für die Schlaganfall-Behandlung geeignete Klinik eingeliefert werden.
Der Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für körperliche Behinderungen im Erwachsenenalter. Seit über zehn Jahren engagiert sich die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe für eine Verbesserung der Schlaganfallversorgung und steht als Ansprechpartner für Betroffene und Angehörige zur Verfügung.
Quelle: presseportal
Ultraschall fördert Heilung nach Schlaganfall -
Kombinationstherapie löst Blutgerinnsel schneller auf
Boston/Berlin - 04.05.2005 - Eine Kombinationstherapie aus Medikamenten und Ultraschall kann ein Blutgerinnsel bei einem Schlaganfall schneller auflösen, als die blosse Verabreichung von Arzneimitteln. Zu diesem Schluss kommt eine Studie eines internationalen Forscherteams im Wissenschaftsmagazin New England Journal of Medicine http://content.nejm.org. Die bisher einzige effektive Therapie besteht in einer medikamentösen Auflösung dieser Gerinnsel mittels so genannter "Thrombolytika".
Schlaganfälle entstehen in der Regel als Folge eines Verschlusses einer Hirnarterie durch ein Blutgerinnsel (Thrombus). Bei der Beschallung der verschlossenen Arterie durch den Schädelknochen mit Ultraschall entsteht durch die Freisetzung von Energie im Thrombus möglicherweise eine Zertrümmerung. Dadurch entsteht eine größere Angriffsfläche für das Medikament, so dass der Gefäßverschluss schneller wieder geöffnet wird. Die lebensnotwendige Hirndurchblutung im betroffenen Areal wird dadurch wieder hergestellt, berichtet die Deutsche Schlaganfallgesellschaft (DSG) http://www.dsg-info.de . Eine solche Behandlung trage zur schnelleren Genesung der Patienten bei, meint Martin Grond, Vorstandsmitglied der DSG. "Der kontinuierliche Einsatz von Ultraschall könnte in Zukunft die Therapie mit Thrombolytika ergänzen und die Heilungschancen nach einem Schlaganfall erhöhen".
Ultraschall wurde bisher bei Schlaganfall-Patienten nur zu diagnostischen Zwecken eingesetzt, um die Gefäßverschlüsse zu lokalisieren. Nach den ersten Untersuchungen konnten keine erhöhten Gefahren bei einer Kombinationsbehandlung festgestellt werden. Insbesondere die Hirnblutungsrate war nicht erhöht. Nach den Erfolgen der Pilotstudie mit knapp 130 Patienten in Nordamerika und Europa soll nun die Phase-II-Studie weitere Erkenntnisse liefern.
Zu den dringlichsten Maßnahmen bei einem Schlaganfall gehört die Wiederherstellung der lebensnotwendigen Sauerstoff-Versorgung wichtiger Gehirnareale. Daher erhalten Patienten möglichst frühzeitig ein Medikament zur Blutverdünnung, das das Gerinnungsgleichgewicht des Blutes wiederherstellt und die Gerinnsel in den Blutgefäßen auflöst. Je schneller ein Arterienverschluss aufgelöst wird, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden.
Quelle: pressetext.autria
Symptome des Schlaganfalls - als Notfall erkennen
Ingelheim - 15.04.2005 (ots) - Die Bundesregierung wird die Prävention - die Vorbeugung von Gesundheitsschäden und gesundheitlichen Beeinträchtigungen - im Laufe dieses Jahres mit dem geplanten Präventionsgesetz als vierte Säule im Gesundheitswesen verankern. Zur Prävention gehört insbesondere auch Aufklärungsarbeit. Im Falle eines Schlaganfalls bedeutet das: Betroffene und die Menschen um sie herum müssen die Symptome eines Schlaganfalls nicht nur erkennen und richtig einschätzen, sondern auch rasch und richtig handeln. Vor allem muss bei einem Schlaganfall sofort medizinische Hilfe geholt werden, damit etwa die Lyse-Therapie zur Verhinderung von Folgeschäden innerhalb des kritischen Zeitfensters von drei Stunden zum Einsatz kommen kann. Denn: Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde!
Schlaganfallsymptome erkennen und richtig handeln
Wichtig ist, immer wieder auf Schlaganfall-Symptome hinzuweisen. Patienten und ihre Angehörigen sind ständig zu ermuntern, diese Symptome nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. "Der Notarzt sollte lieber einmal zu oft als einmal zu wenig gerufen werden" bekräftigten Rettungsdienste "insbesondere ältere Menschen verkennen häufig die gefährliche Situation und warten lieber ab, als diese Warnzeichen ernst zu nehmen". Symptome, die die Alarmglocken schrillen lassen sollten, sind etwa halbseitige Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle, herabhängende Mundwinkel, Sprach- und Sprechstörungen oder Sehstörungen wie halbseitige Blindheit oder Gesichtsfeldausfälle.
Aufklärungskampagne in der Region Mainz und Rheinhessen - Nachahmung wünschenswert
Vor 1,5 Jahren übernahm die Landesministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit die Schirmherrschaft für eine Aufklärungsaktion. Gemeinsam mit dem Unternehmen Boehringer Ingelheim, der Klinik für Neurologie der Universität Mainz, der Landeszentrale für Gesundheitsförderung, der KV, Kassen und dem DRK Rettungsdienst sowie mit vielen weiteren Partnern wurde eine Aufklärungskampagne in der Region durchgeführt. Zahlreiche Artikel in der Tageszeitung, informative Plakate an Großflächen, auf öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Rettungsfahrzeugen - immer prominent mit der Notrufnummer - wurden von der Bevölkerung wahrgenommen. Jetzt konnte eine äußerst positive Bilanz gezogen und Fakten präsentiert werden: die Zahl der Früheinweisungen innerhalb des bei einem Schlaganfall kritischen Zeitfensters von drei Stunden konnte um 22 Prozent (auf insgesamt 38 Prozent aller Einweisungen), die Lyserate von vorher zwei auf neun Prozent mehr als vervierfacht werden. "Die Möglichkeiten für eine erfolgreiche Therapie sind durch die breite Öffentlichkeitsarbeit besser geworden" resümieren die Ärzte, dennoch, dürfe man sich auf dem Erreichten nicht ausruhen! Weitere, vergleichbare Schlaganfallkampagnen sind zwischenzeitlich auch in der Region Nahe/Hunsrück, im Raum Bonn/Aachen und im Saarland gestartet. Mehrere Jahre läuft bereits die Aktion "Gesunder Niederrhein gegen den Schlaganfall". Nach dem Motto "Wissen nimmt Angst" sollen alle Aktionen die Bevölkerung sensibilisieren für das schnelle und richtige Handeln beim Auftreten von Schlaganfallsymptomen. Ein erstrebenswertes Ziel wäre die bundesweite Umsetzung - und so hoffen die Beteiligten, weitere "Nachahmer" zu finden.
Frühe Behandlung erhöht die Erfolgsaussichten und vermindert Folgeschäden Jährlich erleiden etwa 200.000 Menschen hierzulande erstmals einen Schlaganfall. Ein Drittel der Betroffenen wird in den nächsten sechs Monaten an den Folgen gestorben sein, ein Drittel trägt mehr oder minder schwere Behinderungen davon, und ein Drittel übersteht den Schlaganfall ohne nennenswerte Folgen. Je früher ein Schlaganfall erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten, die Folgeschäden möglichst gering zu halten. Für den Erfolg einer Lyse-Therapie etwa, die zur Auflösung von Blutgerinnseln eingesetzt wird und irreversible Hirnschädigungen minimieren kann, ist der Therapiebeginn innerhalb der ersten drei Stunden nach dem Schlaganfall unabdingbare Voraussetzung.
Quelle:
Boehringer Ingelheim
Ursache für sekundären Schlaganfall identifiziert
Cincinnati - 29.03.2005 - Wissenschafter der University of Cincinnati http://www.uc.edu haben die Ursache einer tödlichen Form von sekundärem Schlaganfall entdeckt. Beim zerebralen Vasospasmus handelt es sich um eine Verengung der Blutgefäße im Gehirn, die drei bis zehn Tage nach einer massiven Gehirnblutung, dem hämorrhagischen Schlaganfall, auftritt. 60 Prozent der Patienten, die den ersten Schlaganfall überleben, entwickeln einen Vasospasmus. 40 Prozent der Betroffenen sterben an diesem zweiten Schlaganfall. Das Team um Joseph Clark hat jetzt jene Moleküle identifiziert, die einen Vasospasmus auslösen. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Cerebral Blood Flow and Metabolism http://www.nature.com/jcbfm veröffentlicht.
Ein Vasospasmus wird laut dem Wissenschafter Joseph Clark durch eine Ansammlung von Toxinen verursacht, die durch die Blutung während des ersten Schlaganfalles entsteht. Nach einem hämorrhagischen Schlaganfall tragen die von der Blutung abgegebenen Toxine zur Entwicklung spezifischer Moleküle bei. Verschiedene Bestandteile der Rückenmarksflüssigkeit wurden bereits als Verursacher des Vasospasmus angenommen. Dazu gehörten Hämoglobin, Bilirubin und peroxidierte Lipide sowie eine als BOXes bekannte Gruppe von Bilirubin-Oxidationsprodukten.
Aufbauend auf früheren Studien Clarks mit Ratten ermittelten die Wissenschafter die Menge jeder der verdächtigten Substanzen bei zwölf Patienten mit einem hämorrhagischen Schlaganfall. Innerhalb von zehn Tagen erlitten vier der Teilnehmer einen zerebralen Vasospasmus. Bei diesen Patienten konnten erhöhte Bilirubin- und höhere Werte der BOXes festgestellt werden. Einer der zwölf Teilnehmer mit erhöhtem Bilirubin aber kaum BOXes erlitt keinen sekundären Schlaganfall. Der Zusammenhang zwischen erhöhten BOXes, Bilirubin und oxidativem Stress war laut der Wissenschafterin Gail Pyne-Geithman markant.
Quelle: pressetext.austria
"Blinder Fleck" links deutet auf Aufmerksamkeits-Defizit hin -
Britische Forscher finden Analogie von ADHD und Schlaganfällen
Cambridge - 01.03.2005 - Kinder, die Dinge im linken Gesichtsfeld auslassen, könnten nach Ansicht des britischen Medical Research Council am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität (ADHD) leiden. Zu den typischen Beispielen zählen etwa das Vergessen der ersten beiden Buchstaben eines Wortes oder das Malen und Zeichnen ausschließlich am rechten Rand eines Blattes Papier, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk .

Bild: photoCase
Mediziner stellen für das Vergessen oder Auslassen von Buchstaben häufig die Diagnose "Legasthenie". Wissenschaftler kennen jene Einschränkung der linken Seite von Patienten mit Schlaganfällen oder mit Verletzungen auf der rechten Seite des Gehirns. Sie weist nämlich darauf hin, dass der rechte Teil des Gehirns in irgendeiner Art und Weise betroffen ist. Bei Erwachsenen äußert sich das so, als würde eine Hälfte der Welt nicht existieren. Den Forschern der Cognition and Brain Sciences Unit vom Medical Research Council in Cambridge war allerdings aufgefallen, dass einige Kinder, die normale Intelligenz aufwiesen und keinerlei Hirnerkrankungen hatten, dennoch aber am ADHD litten, ähnliche Verhaltensmuster zeigten wie Erwachsene nach Schlaganfällen. Sie negierten die linke Seite.
In weiteren Untersuchungen an gesunden Kindern in Nottingham wollten die Forscher feststellen, ob die zehn Prozent der am meisten zappelnden und unruhigen Kinder verglichen mit den zehn ruhigsten, ebenso die linke Seite ignorieren. Tatsächlich hatten jene Kinder, die am ehesten als "Zappel-Philipp" eingestuft wurden, Probleme, Dinge die sich links befanden, wahrzunehmen, zu bemerken oder zu spüren. "Offensichtlich ist die rechte Gehirnhälfte dafür da, uns wach und aufmerksam zu machen, wenn wir gelangweilt sind", so Studienleiter Tom Manley. "Alle Kinder verlieren Informationen unproportional von links, allerdings passiert dies bei jenen mit ADHD schneller", führt der Forscher aus.
Quelle: pressetext.austria
Flächendeckende Versorgung von Schlaganfallpatienten im Saarland: Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft fordert dies auch für andere Bundesländer
Berlin – 28.01.2005 - Als erstes Bundesland hat das Saarland eine flächendeckende Versorgung von Schlaganfallpatienten mit zertifizierten Stroke Units. Dadurch wird sichergestellt, dass saarländische Schlaganfallpatienten aus jeder Region innerhalb kürzester Zeit in die Spezialeinrichtungen eingeliefert werden können. Stroke Units ermöglichen eine bestmögliche Versorgung der Schlaganfallpatienten. Deshalb fordert die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft die flächendeckende Versorgung in allen Bundesländern nach saarländischem Beispiel.
Das dichte Stroke Unit Netz ermöglicht den Notärzten kurze Anfahrtswege, egal aus welcher Region. Auch die Kommunikation untereinander ist vorbildlich: Falls eine Stroke Unit überfüllt sein sollte, gibt es verbindliche Regelungen, welche Stroke Unit dann alternativ angefahren werden kann. Notärzte und Rettungsdienst werden darüber fortlaufend informiert. Politische Unterstützung erhält dieses Projekt vom Ministerium für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales des Saarlandes. Das Ministerium befürwortet explizit eine vorrangige Behandlung der Betroffenen auf Stroke Units.
Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft setzt sich für die Verbesserung der Schlaganfall-Versorgung in ganz Deutschland ein. Sie fordert die Einrichtung weiterer zertifizierter Stroke Units, um auch in anderen Bundesländern eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Hierfür müssen Krankenhäuser entsprechende Voraussetzungen schaffen, damit eine Zertifizierung erlangt werden kann. Nur so können Schlaganfallpatienten von Anfang an optimal behandelt werden. Denn dadurch steigen die Überlebens- und Heilungschancen deutlich. "Die Qualität der Erstbehandlung entscheidet über das weitere Schicksal des Schlaganfall Patienten", betont Professor Dr. med. Martin Grond, Vorstandsmitglied der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und Chefarzt der Neurologie am Kreiskrankenhaus Siegen. Stroke Units verfügen über die personelle, apparative und strukturelle Ausstattung, mit denen Schlaganfallpatienten optimal behandelt werden können. Nur wer diese Voraussetzungen erfüllt, wird von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe zertifiziert.
Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft wurde im Dezember 2001 gegründet. Ihr Ziel ist es, die Forschung und Weiterbildung zur Behandlung des Schlaganfalls zu koordinieren, zu qualifizieren und zu fördern. Mit ihren Aktivitäten spricht die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft Ärzte aller Fachrichtungen und Leistungserbringer im Gesundheitswesen an, die in die Versorgung von Schlaganfall-Patienten eingebunden sind. Weitere Informationen zur Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft sind im Internet unter www.dsg-info.de abrufbar.
Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Was nach einem Schlaganfall im Gehirn passiert
Wissenschafter erforschen genaue Vorgänge beim Zelltod
Leicester – 28.01.2005 - Wissenschafter des Medical Research Council http://www.mrc.ac.uk haben die genauen Vorgänge beim Tod von Gehirnzellen nach einem Schlaganfall erforscht. Entscheidend ist eine Überlastung mit aufgeladenen Kalziumpartikeln oder -ionen. Ist das Gehirn durch den verringerten Blutfluss arm an Sauerstoff, kommt es zu Vorgängen, die zu gefährlich hohen Mengen von Kalziumionen in den Gehirnzellen führen. Das Team geht davon aus, dass die Korrektur dieses Ungleichgewichts Schlaganfallpatienten Vorteile bringen würde. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Cell http://www.cell.com veröffentlicht.
Experten hatten laut BBC bereits seit einiger Zeit angenommen, dass Kalzium eine entscheidende Rolle spielt. Die Forschung konzentrierte sich jedoch hauptsächlich auf den Versuch, das Eindringen der Kalziumionen in die absterbenden Nervenzellen zu verhindern. Die aktuelle Studie geht jedoch davon aus, dass das Hauptproblem ein Fehler in jenem Mechanismus ist, der die Kalziumionen aus den Nervenzellen entfernt. Das Team um Pierluigi Nicotera untersuchte, was im Gehirn von Ratten passiert, wenn diese Tiere einen Schlaganfall erleiden. Wurde die Blutzufuhr zum Gehirn unvermittelt gestoppt, setzten die Nervenzellen Chemikalien frei, die sie zur Kommunikation untereinander einsetzen. Eine dieser Chemikalien, Glutamat, verursacht durch das Auslösen der Freisetzung einer Flut von Kalziumionen in die betroffenen und benachbarten Nervenzellen umfangreiche Schäden. Dieser Kalziumzustrom aktiviert Enzyme, so genannte Calpains, die ein Protein in der äußeren Membran der Nervenzellen abbauen, das normalerweise Kalzium aus den Zellen entfernen würde.
Quelle: pressetext.austria
Ein Vampir, der Leben rettet - Tierische Blutsauger besitzen Substanz gegen Blutgerinnung
Baierbrunn (ots) 28.12.2004 - Die im Speichel einer in Mexiko lebenden
Vampir-Fledermaus vorkommende Substanz „Desmoteplase“ könnte bald
Schlaganfallpatienten bessere Chancen bieten, die Erkrankung mit
weniger Folgeschäden zu überstehen, berichtet das Gesundheitsmagazin
"Apotheken Umschau". Desmoteplase verzögert die Blutgerinnung. Die
blutsaugende Fledermaus kann so ihr Beutetier bis zu einer halben
Stunde lang aussaugen.
Nach Schlaganfällen ist es wichtig, möglichst
bald wieder eine ausreichende Durchblutung des Gehirns herzustellen.
Das einzige bisher verfügbare Medikament wirkt nur bis zu drei
Stunden nach dem Ereignis. Desmoteplase konnte bei ersten Tests noch
neun Stunden nach einem Schlaganfall dessen Folgen lindern. Die
US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA überzeugten die Ergebnisse
der von der deutschen Pharmafirma „Paion“ zum Medikament entwickelten
Substanz so sehr, dass sie eine beschleunigte Zulassung in Aussicht
gestellt hat.
Quelle:
Wort und Bild - Apotheken Umschau
Frauen in den Wechseljahren - Schlaganfallgefahr durch Hormonersatztherapie
Gütersloh (ots) 15.10.2004 - Hitzewallungen, Schlafstörungen oder
Depressionen - mit diesen Symptomen haben viele Frauen während der
Wechseljahre zu kämpfen. Wenn die Patientinnen unter den Beschwerden
leiden, raten Ärzte häufig zu einer kurzfristigen Hormontherapie -
die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe rät zur Vorsicht! Denn was
viele Frauen nicht wissen: Mit der Einnahme von Hormonen steigt das
Risiko einen Schlaganfall zu erleiden.
Erst kürzlich wurde in den USA eine Hormonersatzstudie wegen
erhöhter Schlaganfallgefahr abgebrochen. Fast 11 000 Frauen hatten an
der so genannten WHI-Studie (Women' s Health Initiative)
teilgenommen. Sie erhielten ausschließlich Östrogene. Bereits ein
Jahr zuvor war eine große Studie vorzeitig beendet worden, in der
Frauen eine Hormonkombination aus Gestagenen und Östrogenen bekamen.
Grund: Auch hier stieg das Schlaganfallrisiko.
"Wir verschreiben eine Hormonersatztherapie nur noch in absoluten
Ausnahmefällen", sagt der Neurologe Dr. Heinrich Audebert, Oberarzt
am Städtischen Krankenhaus München-Harlaching und
Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. "Nur
wenn die Patientinnen unter massiven Beschwerden leiden, raten wir zu
einer kurzfristigen Hormongabe."
Auch der Regionalbeauftragte Dr. Thomas Günnewig, Neurologe am
Elisabeth Krankenhaus in Recklinghausen, empfiehlt einen vorsichtigen
Umgang: "Leiden die Patientinnen unter schweren
Wechseljahrsbeschwerden, rate ich ihnen zu einer niedrig dosierten
Therapie. Allerdings frage ich zuvor nach anderen Risikofaktoren, die
einen Schlaganfall begünstigen. Zum Beispiel Raucherinnen müssen
selbst entscheiden, ob sie das Risiko einer zusätzlichen
Hormonersatztherapie eingehen wollen."
Um mögliche Risikofaktoren herauszufinden, hat die Stiftung
Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Gütersloh einen auf
medizinisch-wissenschaftlichen Grundlagen basierenden Risiko-Test
entwickelt. Anhand eines leicht verständlichen Fragebogens kann jeder
das eigene Schlaganfallrisiko ermitteln. Bei der Stiftung gibt es
außerdem vielfältige Informationen zum Krankheitsbild Schlaganfall,
den Risikofaktoren, Warnzeichen und Symptomen.
Der Risiko-Test kann über das Service- und Beratungszentrum der
Stiftung unter der Telefonnummer 01805 093 093 (0,12 EUR/Min.)
bezogen werden.
ots Originaltext: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Wenn Gehen neu gelernt werden muss
Pilotstudie der Europa Fachhochschule Fresenius in der Neurologischen Rehabilitationsklinik Bad Camberg
14.09.04 - Idstein. Jährlich erkranken in Deutschland rund 500.000 Bürger an einem Schlaganfall, wobei das Risiko von Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand und Lebensweise abhängt. Etwa zwei Drittel der Betroffenen erleiden Gangstörungen aufgrund des Hirninfarkts. Die Europa Fachhochschule Fresenius (EFF) untersuchte in einer Pilotstudie, die mit Patientinnen und Patienten der Neurologischen Rehabilitationsklinik Bad Camberg durchgeführt wurde, wie Gangstörungen möglichst effektiv behandelt werden können. Das Gangbild von Schlaganfallpatienten weicht vom normalen Gangbild ab - wie stark, das hängt zum einen vom Schweregrad des Infarkts ab, zum anderen von der körperlichen und psychischen Verfassung. Das gestörte Gangbild ist vor allem durch Asymmetrien gekennzeichnet, denn viele Patienten haben (halbseitige) Lähmungserscheinungen. Folgen sind oft große Unsicherheiten, erhöhte Sturzgefahr oder gar Bewegungsunfähigkeit.
Nervenverbindungen aktivieren
Die Forschung konzentriert sich seit einigen Jahren auf neuronale Verbindungen im Rückenmark, die für zyklische Bewegungen wie zum Beispiel für das Gehen verantwortlich sind. Um diese Verbindung zu aktivieren, sind aufgabenspezifische häufig wiederkehrende Übungen notwendig. Die EFF-Studie beschäftigte sich mit der Frage, inwiefern die Ganggeschwindigkeit bei der Laufbandtherapie den Regenerierungsprozess der neuronalen Verbindungen beeinflusst. Das Ergebnis: Insbesondere für schwerer betroffene Patienten erzielt eine vergleichsweise langsame, kontinuierliche Laufbandtherapie die größten Erfolge. Patienten, die trotz des Schlaganfalls etwas schneller zu Fuß sind (d.h. die mehr als einen halben Meter pro Sekunde zurücklegen), profitieren hingegen von einer entsprechend schnelleren Therapieform. "Um diese ersten Ergebnisse zu überprüfen, läuft derzeit eine Fortsetzung des Forschungsprojektes an", so EFF-Forschungsprojektleiter Christian Grüneberg, der die Studie betreute, die in Zusammenarbeit mit Frau Anke Greb aus der physiotherapeutischen Abteilung der Neurologischen Rehabilitationsklinik Bad Camberg und deren Team durchgeführt wurde.
Quelle: Europa Fachhochschule Fresenius
Nach
dem Schlaganfall ist vor dem Schlaganfall!
Nationale und internationale Leitlinien medizinischer
Gesellschaften geben klare Empfehlungen, wie man dem so
genannten »Folge-Schlaganfall« vorbeugen sollte.
27.08.2004 - Nahezu jeder vierte Patient, der einen Schlaganfall überlebt,
erleidet in den ersten drei Jahren danach einen zweiten.
Dieser endet häufig tödlich oder zieht eine
schwere Pflegebedürftigkeit nach sich. Die Vorbeugung
beginnt unmittelbar nach dem ersten "Schlag"
und beinhaltet neben einer gesunden Lebensweise auch die
richtige medikamentöse Therapie.
Bisher versuchen die betreuenden Ärzte in der Regel
mit einer Gabe von ASS (Acetylsalicylsäure - die
Substanz hemmt die Blutgerinnung) den Folge-Schlaganfall
zu verhindern. Dieses Vorgehen entspricht nun nicht mehr
den neuesten medizinischen Erkenntnissen, wie die Schlussfolgerung
aus einer der größten Studien zur Verhinderung
des Folge-Schlaganfalls, ESPS-2, lautet.
Die Substanz-Kombi rettet mehr Leben
Deutsche und internationale medizinische Fachgesellschaften
empfehlen in ihren Leitlinien 2003 als Sekundär-Präventionsmaßnahme
der ersten Wahl jetzt auch eine fixe Kombination der Substanzen
ASS und Dipyridamol retard. In einem zweijährigen
Studienzeitraum wurde der Nachweis erbracht, dass mit
dieser Kombination doppelt so viele Schlaganfälle
verhindert werden konnten wie mit ASS allein.
Während die alleinige Gabe von ASS die Gefahr eines
Folge-Schlaganfalls um etwa 18 Prozent verringert, erreichen
ASS plus Dipyridamol retard gemeinsam eine Risikoreduktion
von 37 Prozent. In Patientenzahlen ausgedrückt heißt
das: Über die Studiendauer von zwei Jahren konnten
durch ASS alleine 29, durch ASS plus Dipyridamol 58 Patienten
von 1.000 vor einem Folgeschlaganfall geschützt werden.
Dagegen erlitten 152 Patienten, die nicht medikamentös
behandelt wurden, einen zweiten Schlaganfall.
Quelle:
Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG
Haben
Internetnutzer mittelfristig ein größeres Schlaganfall-Risiko?
Der Risiko-Test "Ich doch nicht!" erreicht überwiegend
Internet-Teilnehmer - erschreckend geringe Kenntnis über
Risikofaktoren
23.08.2004 - Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
und der forschende Arzneimittelhersteller Pfizer haben
eine erste Bilanz aus der Aufklärungs-kampagne "Ich
doch nicht"! gezogen. Auf der Basis eines wissenschaftlich
ausgearbeiteten Fragebogens hat jeder seit letztem Jahr
die Möglichkeit, sein individuelles Herz-Kreislauf-Risiko
zu testen. Von 30.000 Personen liegen die
Auswertungen vor. Der als Print- und Online-Version in
Umlauf gebrachte Risiko-Test, erreichte bisher überwiegend
Internet-Teilnehmer jüngeren und mittleren Alters
- mit dem Ergebnis: Die jüngeren Online-User sind
nur ungenügend über Gefäßkrankheiten
informiert und unterschätzen ihr Schlaganfall-Risiko.
Internetnutzer - im Durchschnittsalter von 45 Jahren -
leben im Vergleich zu den ca. 12 Jahre älteren Printteilnehmern
wesentlich ungesünder!
Insbesondere die lebensstilabhängigen Risikofaktoren
Rauchen und Bewegungsmangel sind unter ihnen weit verbreitet.
Knapp die Hälfte der Zielgruppe bewegen sich weniger
als 2 Stunden pro Woche. Alarmierend ist das geringe Wissen
über Risikofaktoren bei einer gleichzeitig subjektiven
hohen Gesundheitseinschätzung. Nur ein Viertel der
befragten Internet-Teilnehmer hat den eigenen Gesamtcholesterinwert
gekannt. 23 % wussten weder einen
Cholesterinwert noch einen der beiden Blutdruckwerte zu
beziffern.
Diese sorglose Haltung gegenüber der eigenen Gesundheit
darf nicht unterschätzt werden, das bestätigen
aktuelle epidemiologische Studien. Prognosen zeigen, dass
sich die in den letzten 20 Jahren erreichte Senkung der
kardiovaskulären Todesfälle in den Industrienationen
wieder umkehrt. Grund: der Anstieg des "tödlichen
Trios" Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und Diabetes.
Nehmen diese Riskofaktoren sowie das Rauchen in der heranwachsenden
Generation weiterhin zu, könnten zukünftige
Elterngenerationen erstmals ihre eigenen Kinder überleben!
Studien belegen weiter, dass durch eine konsequente Senkung
der wichtigsten Risikofaktoren - sei es durch eine Änderung
des Lebensstils und/oder durch eine medikamentöse
Behandlung - ein großer Teil der Erkrankungen vermieden
werden kann.
Der Risiko-Test der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
ermöglicht es den Teilnehmern, sich mit einfachen
Mitteln eine verlässliche Orientierung über
ihr Herz-Kreislauf-Risiko zu verschaffen. Der Arzt kann
dann die Diagnose stellen und Behandlungsempfehlungen
geben.
ots
Originaltext: Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Gehirn
hat nach Schlaganfall "jugendliches Muster"
Neurologen
der Universität Jena ermitteln verbesserte Lernfähigkeit
des Gehirns nach Schlaganfall

Der Schlaganfall im MRT-Bild. Links: Weiß
das Hirngewebe, das geschädigt ist; Rechts: Rot ist
der Bereich, der nicht genug Blut enthält. (Foto:
Neurologie der FSU)
Jena - 06.08.04 - Beim Schlaganfall sind im Gehirn die
Blutgefäße verschlossen oder gerissen. Diese
Gehirnverletzungen führen in der Folge oftmals zu
geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen,
Arme oder Beine können schlecht bis gar nicht mehr
bewegt werden. "Der Schlaganfall ist die häufigste
Ursache für Invalidität in höherem Alter",
weiß Prof. Dr. Otto W. Witte von der Universität
Jena. Doch der Direktor der Klinik für Neurologie
hat mit seinem Team jetzt auch herausgefunden, dass das
Gehirn kurz nach einem Schlaganfall eine höhere Lernfähigkeit
aufweist. Diese Erkenntnis gilt es, so Witte, nun für
die Rehabilitation der Betroffenen zu nutzen.
Die
Jenaer Neurologen, die ihre Ergebnisse jüngst in
der Fachliteratur publiziert haben, fanden heraus, dass
auch das Gehirn nach einem Schlaganfall wieder neue Verbindungen
zwischen Gehirnzellen aufbaut, in Einzelfällen gar
neue Zellen bildet. Diese Erkenntnisse, die durch Experimente
und dank verbesserter Bildgebungsmethoden, deren Entwicklung
ein Forschungsschwerpunkt am Jenaer Universitätsklinikum
ist, möglich wurden, sind vom unverletzten Hirn bekannt.
Wenn der Mensch lernt, passieren diese Vorgänge üblicherweise
im Gehirn - selbst bei Erwachsenen. Diese Prozesse finden
aber auch im gesamten Gehirn nach einem Schlaganfall statt.
Das so geschädigte Hirn zeigt insgesamt ein verändertes
Verhalten. Es weist eine erhöhte Erregbarkeit auf,
was im ärgsten Fall zu Anfällen führt.
Es offenbart aber zugleich eine erhöhte Lernfähigkeit,
die medikamentös und durch spezifische Trainings
genutzt werden kann, um die aufgetretenen körperlichen
und geistigen Einschränkungen - zumindest zum Teil
- zu kompensieren.
Ursache
für dieses Verhalten sind so genannte GABA-Rezeptoren,
deren Zusammensetzung im Gehirn sich nach einem Schlaganfall
verändert, wie die Jenaer Neurologen entdeckt haben.
Diese Botenstoffe, die in einem Drittel des Gehirns die
Nachrichten weitergeben, gehen nach einem Schlaganfall
"in ein jugendliches Muster zurück", macht
Witte den überraschenden Befund deutlich. Das Gehirn
fällt für wenige Monate in ein jugendliches
und damit lernfähigeres Stadium seiner Entwicklung
zurück. Einher geht damit "eine veränderte
Repräsentation im Gehirn", sagt Witte. Das Hirn
reagiert auch in den Teilen, die nicht verletzt sind,
anders. "Bestimmte Lernmechanismen sind für
eine gewisse Zeit - bis etwa sechs Monate nach dem Schlaganfall
- verbessert", fasst Prof. Witte zusammen. Daher
können gewisse Funktionen aus den betroffenen Gehirnarealen
durch benachbarte Gehirnregionen übernommen werden.
Diese Erkenntnis nutzt z. B. das Taub'sche Bewegungstraining,
das der Psychologe Prof. Dr. Wolfgang H. R. Miltner an
der Uni Jena weiterentwickelt hat und das inzwischen an
der Klinik für Neurologie in der Rehabilitation routinemäßig
eingesetzt wird.
Das
verletzte Gehirn, so das Fazit der Jenaer Forscher, erhält
für eine gewisse Zeit Fähigkeiten, die es vorher
nicht hatte. "Es gibt ein Zeitfenster, das man nutzen
sollte", plädiert Prof. Witte für den raschen
Beginn von Reha-Maßnahmen. Allerdings weiß
der erfahrene Neurologe auch, dass diese verletzungsbedingte
Lernfähigkeit nicht künstlich hervorgerufen
werden sollte. Der regelmäßige Schlag auf den
Hinterkopf fördert nicht, sondern schädigt.
Denn auf Dauer führen die Verletzungen des Gehirns
auch zu seinem beschleunigten Altern. Diese Demenzentwicklung,
die oft mit depressiven Entwicklungen einhergeht, ist
deutlich erhöht. Die Jenaer Neurologen forschen nun
an Gegenmitteln, um diese schnell verlaufenden Alterungsprozesse
zu verzögern und im Idealfall sogar zu stoppen. "Doch
bis dahin ist es noch ein langer Weg", dämpft
Prof. Witte Hoffnungen auf eine schnelle Lösung.
Geschwindigkeit
allerdings, da ist sich Witte sicher, spielt bei der Schlaganfallbehandlung
eine bedeutende Rolle. Nach einem Schlaganfall - "der
in der Regel nicht weh tut", so Witte - sollen die
Betroffenen umgehend ohne Umwege eine Spezialklinik aufsuchen.
Wer nach drei bis höchstens sechs Stunden dort behandelt
wird, hat beste Chancen ohne große Schädigungen
davon zu kommen. Auch bei Schlaganfallpatienten mit Ausfällen
kommt es auf die Zeit an. "Im besten Fall sollte
nach wenigen Wochen mit der Rehabilitation begonnen werden",
drängt Prof. Witte, die neuen Forschungsergebnisse
auch zügig in den klinischen Alltag umzusetzen, wie
dies im Jenaer Universitätsklinikum bereits der Fall
ist.
Mehr
über die neuen Jenaer und viele weitere neurologische
Forschungsergebnisse ist auch beim Kongress "Hirndisfunktion"
zu erfahren. Die 49. Jahrestagung der "Deutschen
Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle
Bildgebung" (DGKN) findet unter diesem Motto vom
15.-19. September an der Universität Jena statt.
Kongressorganisator Witte, der gleichzeitig DGKN-Präsident
ist, hat den Schlaganfall neben dem alternden Nervensystem,
der funktionellen Bildgebung sowie der Epilepsie und zerebralen
Plastizität zu einem Schwerpunktthema der Tagung
erhoben. Denn "time is brain", so Witte, "das
müssen wir den Menschen verdeutlichen".
Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena
Schlagartig
ist alles anders / Wenn Kinder einen Schlaganfall erleiden
- Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe organisiert Familienseminar
Gütersloh/Much
(ots) 03.08.04 - Carolin aus Gelsenkirchen war sechs Jahre
alt, als sie einen Schlaganfall erlitt. Heute sitzt die
mittlerweile
Elfjährige im Rollstuhl und hat geistige Beeinträchtigungen,
kann
sich aber gut mit den Eltern und ihrer dreizehnjährigen
Schwester
Ann-Katrin verständigen. Ab diesem Sommer geht sie,
unterstützt von
einem Zivildienstleistenden, auf die örtliche Hauptschule.
Ob Carolin, Lisa (13) aus Marburg, Torben (4) aus Göttingen
oder
Julia (12) aus Lippstadt: sie alle gehören zu den rund
300 Kindern im
Jahr in Deutschland, die einen Schlaganfall erlitten. In
den meisten
Fällen stellten die Ärzte die Diagnose Schlaganfall
erst Monate
später. Über die Art der Behandlung herrscht Unklarheit:
manche Ärzte
raten, abzuwarten. Andere schicken die Kinder sofort in
die Reha.
90 Mütter, Väter und Kinder trafen sich am Wochenende
in Much im
Rhein-Sieg Kreis zu einem Familienseminar. Unterstützt
von
Psychologen und Pädagogen tauschten sie ihre Erfahrungen
zum Thema
Kinder und Schlaganfall aus. Schnell wurde dabei klar: alle
Eltern
sind mittlerweile Fachleute, was Behandlungsmöglichkeiten,
Therapieformen oder Rechtsfragen in Bezug auf die Krankenkassen
angeht. "Oft sind es Bauchentscheidungen, die wir treffen",
erklärt
eine Mutter. "Denn jeder Arzt empfiehlt eine andere
Behandlungsmethode."
Der ständige Druck, auch immer das Richtige zu machen,
belastet
viele Eltern. Aus diesem Grund stand das Thema Beziehungen
im
Mittelpunkt des Seminars. Mütter und Väter diskutierten
unter der
Anleitung von Psychologen und Pädagogen Themen wie
Partnerschaftsprobleme, Zukunftsängste oder Schuldgefühle.
In
Interaktionsspielen hatten Eltern die Möglichkeit,
gemeinsam mit
ihren Kindern spielerisch Probleme zu erkennen und gemeinsam
Lösungen
zu finden.
Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe organisiert regelmäßig
Eltern und Kind-Treffen zum Thema Kinder und Schlaganfall.
Seit
vergangenem Jahr gibt es zudem einen regelmäßigen
Elternbrief mit
neuen Informationen über den kindlichen Schlaganfall.
Während einer
mehrtägigen Experten Hotline mit Fachleuten im Frühjahr
nutzten viele
Eltern und Interessierte die Möglichkeit, Antworten
auf ihre Fragen
zu bekommen. Weitere Aktionen und Treffen sind in Planung.
In Much wurden nun die Weichen gestellt für die Gründung
von
Selbsthilfegruppen. Aufgeteilt in Regionen werden sich die
Eltern in
den folgenden Monaten regelmäßig treffen. Nach
und nach soll so das
Thema Kinder und Schlaganfall immer präsenter werden:
in der
Öffentlichkeit und unter den Medizinern. Und die Eltern
betroffener
Kinder wissen: wir sind nicht allein, gegenseitig können
wir uns
unterstützen.
ots Originaltext: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
"Mitten
aus dem Leben gerissen!"
Gütersloh
(ots) – 28.07.04 - Bereits zum zweiten Mal organisierte
die
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ein Treffen von
Schlaganfall-Betroffenen zwischen 18 und 45 Jahren. Gemeinsam
mit ihren Partnern kamen sie zum Erfahrungsaustausch "Junger
Mensch und Schlaganfall" im hessischen Hohenroda.
Plötzlich ist alles anders: als Katja und Frank Brücher
aus dem oberbergischem Land vor fünf Jahren in ihr
neu gebautes Haus zogen, waren sie einfach nur glücklich.
Mehr Platz, ein großer Garten, die Finanzierung
stand. Doch kurz danach, im November 2002, erlitt der
40-jährige Frank Brücher einen Schlaganfall.
Zwei Wochen lang lag er im künstlichen Koma, dann
wurde er langsam wach, konnte weder schlucken noch sprechen,
zeitweise erkannte er seine Familie nicht mehr. Plötzlich
stand Katja Brücher ganz allein mit den drei Kindern
da. Ihr Ehemann erholte sich nur langsam während
der 1 1/2 jährigen Rehabilitation.
Heute kann Frank Brücher laufen und sprechen. Er
lebt inzwischen wieder bei seiner Familie. Doch ganz hat
er sich nie von seinem Schlaganfall erholt. Er leidet
unter kognitiven Störungen wie z.B. Gedächtnisverlust
und kann bestimmte Informationen nur sehr schwer verarbeiten.
"Manchmal sagt mein Mann, er wäre jetzt wohl
das vierte Kind in der Familie", erzählt Katja
Brücher. Die Kinder sind mittlerweile sieben, zehn
und elf Jahre alt. "Unsere Älteste akzeptiert
längst nicht mehr alles, was wir ihr sagen. Ich merke,
dass sie meinen Mann weniger als Autorität anerkennt.
Es fällt ihr schwer, seine Krankheit zu akzeptieren.
Da sind Streitereien vorprogrammiert."
Vieles, was vor dem Schlaganfall gemeinsam besprochen
wurde, muss Katja Brücher nun allein entscheiden.
Wie z.B. die wirtschaftliche Situation der Familie. Ursprünglich
war Frank Brücher Rechtspfleger beim Amtsgericht.
In seinen Beruf kann der 42-Jährige aber aufgrund
seiner kognitiven Störungen nicht mehr zurück.
"Genau an diesem Punkt standen wir, als wir zum Erfahrungsaustausch
"Junger Mensch und Schlaganfall" gekommen sind",
erklärt Katja Brücher. "Mein Mann möchte
wirklich wieder gerne arbeiten, doch wir beiden wissen
einfach nicht, wie er wieder aktiv ins Berufsleben einsteigen
kann."
Erleichternd für die Brüchers war aber vor allem,
ähnlichne betroffene Schlaganfall-Patienten und ihre
Partner kennen zu lernen. Menschen, die mitten im Leben
standen, glücklich in ihren Berufen arbeiteten und
nun nicht wissen, wie es weiter gehen kann.
Doch neben den Berichten der Betroffenen gab es auch viel
zu erfahren: z.B. über Technikangebote für Behinderte
wie Kommunikationshilfen und PC-Zugang.
Hilfestellungen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz
kam von der Firma Salo + Partner. Das Dienstleistungsunternehmen
ist Partner der Arbeitsämter, Versicherungsanstalten
und anderen Institutionen und vermittelt berufliche Rehabilitationsangebote.
Die Firma hat Erfahrungen bei der beruflichen Rehabilitation
mit Schlaganfall-Geschädigten und Schädelhirnverletzten.
"Nach dem Seminar habe ich mich mit den verantwortlichen
Stellen in Verbindung gesetzt, um herauszufinden, welche
finanziellen Fördermöglichkeiten es gibt",
beschreibt Katja Brücher die momentane Situation.
"Wir stehen zwar noch ganz am Anfang unserer Suche
nach einem neuen Arbeitsplatz, haben aber neuen Mut gefasst.
Außerdem haben wir auf dem Seminar ein Paar kennen
gelernt, dass ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hat
wie wir".
Ein Treffen mit dem Paar aus Dortmund ist schon geplant.
Gemeinsam wollen sie dann ihre Möglichkeiten beim
Schopfe packen.
ots Originaltext: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Dem Schlaganfall auf der Spur
- Internationales Symposium der Universität Marburg
21.07.04 - Über 200.000 Schlaganfälle pro Jahr
allein in Deutschland – das heißt neben dem
gesundheitlichen Schaden zugleich ein jährlicher
Kostenaufwand von vier bis fünf Milliarden Euro zur
Therapie und Pflege der Betroffenen. Da ist Handlungsbedarf
geboten, zumal bislang noch keine überzeugende Therapie
vorhanden ist.
Deshalb findet vom 25. bis 28. Juli 2004 in der Universität
Marburg erneut ein internationaler Kongress zum Schlaganfall
statt. Sechzig handverlesene Redner, die weltweit zu den
führenden Forschern auf diesem Gebiet zählen,
werden die wissenschaftliche Veranstaltung bestreiten,
zusätzlich informieren zirka 100 Wissenschaftler
über ihre Ergebnisse auf Postern. Die Veranstaltung
unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministers für
Wissenschaft und Kunst, zu der 300 Teilnehmer erwartet
werden, initiierte Universitätsprofessor Dr. Josef
Krieglstein vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie.
„In den letzten Jahren hat sich unser Verständnis
der Vorgänge, die zur Schädigung bis hin zur
Zerstörung von Gehirngewebe durch Schlaganfall (zerebrale
Ischemie) führen, grundlegend erweitert. Die therapeutischen
Fortschritte dagegen sind bislang nicht so bahnbrechend
gewesen“, erklärt Krieglstein, der zum Symposium
neben den Grundlagenforschern auch Kliniker eingeladen
hat. Das Symposium sei eine hervorragende Möglichkeit,
sowohl die Kliniker als auch die Grundlagenforscher in
intensiven Austausch zu bringen, so Krieglstein, der seit
zwanzig Jahren mit diesem hochkarätigen Kongress
Brücken zwischen den beiden Seiten bauen will.
Im Zentrum der Veranstaltung stehen die Mechanismen, die
zur Zerstörung der Zellen führen und die ganze
Teile des Gehirns kaputt machen. Dabei bietet der Schlaganfall
kein einheitliches Bild: Die Durchblutungsstörung
kann sich in ihrer leichtesten Form nur in einer kurzzeitigen
Bewusstlosigkeit äußern ohne Folgeschäden.
Dagegen kann sie in schwerer Form zum Tode führen.
Grundsätzlich gilt es, alle Vorgänge detailliert
zu beschreiben und zu analysieren. Während die Grundlagenforscher
diese Arbeiten übernehmen, arbeiten die Kliniker
daran, mit welchen Stoffen diese Vorgänge aufzuhalten
bzw. zurückzuführen sind, also welche therapeutische
Behandlung angebracht ist. Bei Rückschlägen
ist dann wiederum die Hilfe der Grundlagenforscher gefragt,
so dass ein Austausch untereinander für beide Seiten
Gewinn bringend ist. Wie sehr das Symposium den Austausch
unterstützt, zeigt nicht zuletzt die international
starke Nachfrage.
Quelle:
Uni Marburg
Notfall
"Schlaganfall" - Ausnahmezustand für Patient
und Familie
Boehringer Ingelheim bietet Patienten und Angehörigen
schnelle Orientierung für den Notfall und den "Alltag
danach "
Ingelheim
(ots) – 19.07.04 - Jährlich trifft es etwa 200.000
Menschen in Deutschland. Etwa 130.000 überleben den
Schlaganfall, teilweise mit Behinderungen. Oft genug müssen
sie ihre Alltagsaktivitäten noch einmal ganz von vorne
lernen. Wenn der Schlaganfall früh behandelt
wird, ist die Chance am größten, dass er nur
geringe Schäden hinterläßt - eigentlich
eine Binsenweisheit. Aber noch immer, so die Erfahrung vieler
Notärzte, zögert der überwiegende Teil der
Betroffenen viel zu lange, den Rettungsdienst zu rufen.
Insbesondere allein lebenden, älteren Menschen unterläuft
dieser Fehler viel zu oft. Wer bei Angehörigen lebt,
hat meist die besseren Chancen mit minder schweren Beeinträchtigungen
davon zu kommen.
Vom richtigen Verhalten und vom richtigen Vorbeugen
Für das richtige Verhalten im Ernstfall, während
und nach der Rehabilitation und vor allem im "Alltag
danach" hat Boehringer Ingelheim eine 30seitige Broschüre
für Patienten und deren Angehörige, mit Tipps,
Verhaltensempfehlungen und wichtigen Adressen zusammengestellt,
die im Internet zum Download bereit steht unter:
http://www.medworld.de/gesundheitsratgeber/schlaganfall/broschueren
"Ein Schlaganfall kommt selten allein" - Die abgewandelte
Redensart verdeutlicht drastisch, dass sich niemand, der
einen Schlaganfall halbwegs glimpflich überlebt hat,
auf der sicheren Seite wähnen sollte. Etwa ein Viertel
aller Schlaganfall-Patienten erleidet in den ersten drei
Jahren nach dem Insult einen Folge-Schlaganfall - meist
mit schweren Schädigungen oder Tod als Folge.
Der Vermeidung dieses Folge-Schlaganfalls muss die ganze
Aufmerksamkeit von Patient, betreuendem Arzt und den Angehörigen
dienen. Z. B. moderne Kombinations-Präparate zur Verhinderung
der Blutplättchenaggregation sind für die ärztliche
Therapie Mittel der Wahl. Neueste Studiendaten zeigen, dass
diese Mittel doppelt so viele Schlaganfälle verhindern
können wie die Therapie mit ASS
(Acetylsalicylsäure) allein. Regelmäßige
Blutdruck-Kontrollen, Vermeidung von Übergewicht, Rauchen
und hohen Cholesterinwerten, in Kombination mit einer gesunden,
bewegungsreichen und der Krankheit angemessenen Lebensweise
ergänzen die Therapie sinnvoll.
Risiko-Patienten und deren Angehörige sollten offen
für alle Eventualitäten sein, um im Ernstfall
richtig, schnell und nachhaltig handeln zu können.
Die neue Schlaganfall Patienten-Broschüre kann hierbei
helfen.
ots Originaltext: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH &
Co. KG
Sprachzentrum
dehnt sich aus - Überraschende Entdeckung bei Gehirnuntersuchung
Baierbrunn (ots) – 07.07.2004 - Ab dem 25. Lebensjahr
erweitert das Gehirn die Verarbeitung von Sprache. Bis
zu diesem Alter ist dafür nur eine Hirnhälfte
verantwortlich – bei Rechtshändern die linke,
bei Linkshändern die rechte. Wie das Gesundheitsmagazin
"Apotheken Umschau" berichtet, entdeckten nun
Wissenschaftler der Universität von Cincinnati (USA)
mit Hilfe der Kernspintomographie des Gehirns, dass bei
Erwachsenen auch die jeweils andere Hirnhälfte beteiligt
wird. Dies kann Bedeutung für Menschen nach einem
Schlaganfall haben. Häufig wird dabei das Sprachzentrum
geschädigt, so dass die Betroffenen die Sprache verlieren.
Dann kommt es darauf an, gezielt die unversehrte Seite
zu aktivieren.
ots-Originaltext: Wort und Bild - Apotheken Umschau
Stiftung
Deutsche Schlaganfall-Hilfe informiert über Schlaganfall-Patienten-Pass
Die Angst eines Schlaganfall-Patienten vor einem wiederholten
Schlaganfall bringt den betroffenen Menschen dazu, die
unmittelbare Umgebung (Haus, Wohnung) nur noch ungern
alleine zu verlassen. Diese Angst ist oft ein Grund für
soziale Isolation. Der Betroffene befürchtet, dass
der Notdienst im Fall eines erneuten Schlaganfalls nicht
schnell genug die Dramatik der Situation erkennt, eventuell
falsche Erstmaßnahmen einleitet bzw. nicht in das
gewollte Krankenhaus einliefert.
Um dieser Angst entgegen zu wirken und im Notfall alle
relevanten Daten schnell bei der Hand zu haben, hat die
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe einen Schlaganfall-Patienten-Pass
entwickelt, auf dem alle für den Notarzt/Rettungsdienst
relevanten Daten aufgelistet sind. Auch bei dem "normalen"
Arztbesuch leistet der Schlaganfall-Patienten-Pass seinen
Dienst. Er erleichtert die Anamnese insbesondere bei von
Aphasie betroffenen Patienten.
Quelle:
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
01.06.2004 - Die vorübergehende Schwäche eines
Armes, kurzzeitig verwaschene Sprache oder Gleichgewichtsstörungen,
die bald wieder vergehen – drei Symptome, die ältere
Menschen ernster nehmen sollten. Dahinter steckt häufig
eine „TIA“ (transitorische ischämische
Attacke). „Die Flüchtigkeit macht die TIA so
gefährlich“, sagt der Neurologe Dr. Heinrich
Audebert, Oberarzt am Städtischen Krankenhaus München-
Harlaching im Apothekenmagazin "Diabetiker Ratgeber".
Es handelt sich dabei um einen kleinen Schlaganfall, der
in aller Regel Vorbote schwererer Attacken ist. Eine TIA
zeigt, dass die Durchblutung des Gehirns gestört
ist. Meistens steckt eine Arteriosklerose dahinter, ein
bleibender Gefäßschaden, der oft noch zunimmt.
Jeder zweite der jährlich 200.000 Schlaganfälle
in Deutschland betriff Menschen jenseits der Siebzig.
Senioren sollten deshalb die Symptome der TIA kennen und
sie als Warnung nehmen, Grundkrankheiten wie Diabetes
und Bluthochdruck sorgfältig behandeln zu lassen.
ots-Originaltext: Wort und Bild - Diabetiker Ratgeber
Wenn der Schluckreflex nicht funktioniert
...
Münsterscher
Mediziner erfand spezielle Magensonde für Schlaganfall-Patienten
in der Akutphase
22.
April 2004 - Für betroffene Patienten ist es oft
die reinste Qual: Immer wieder versucht die Schwester
oder der Pfleger durch die Nase eine Magensonde einzuführen,
doch es will einfach nicht klappen. Wenn der Schlauch
dann nach langem Herumprobieren doch irgendwann richtig
platziert ist, sind beide Seiten meistens gleichermaßen
erschöpft. Was im klinischen Alltag normalerweise
reine Routine ist, stellt bei Schlaganfallpatienten in
der Akutphase selbst für die erfahrenste Pflegekraft
oft ein echtes Problem dar. Denn damit die Sonde gezielt
in den Magen vorgeschoben werden kann, ist es wichtig,
dass der Schluckreflex funktioniert. Genau das ist aber
bei 50 bis 80 Prozent aller Schlaganfallpatienten in den
ersten 14 Tagen nicht der Fall.
Als
Assistenzarzt auf der Stroke Unit, der Schlaganfall-Spezialstation
der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums
Münster (UKM), hat Dr. Rainer Dziewas diese mühsame
Prozedur selbst oft genug miterlebt. Bis ihm schließlich
eine zündende Idee kam, wie das Problem elegant zu
lösen ist. Die Idee ist mittlerweile zum Patent angemeldet,
und es gibt bereits eine Medizintechnik-Firma, die die
Erfindung in ein marktreifes Produkt umgesetzt hat. Dieses
im Handel unter der Bezeichnung "Easy-Swallow-Sonde" vertriebene
Produkt sieht von außen im Grunde aus wie eine normale
Magensonde. Nicht erkennbar ist, dass es sich dabei sozusagen
um zwei Schläuche in einem handelt. Im Innern der
Sonde befindet sich nämlich noch eine weitere. Dieser
hauchdünne integrierte Schlauch ist allerdings nicht
dafür da, die Nahrung zu transportieren, sondern
- und genau das war die Idee Dziewas - über ihn soll
der Schluckreflex ausgelöst werden. Dies wird erreicht,
indem man in diese dünne Sonde etwas Flüssigkeit
spritzt, die wiederum bei Erreichen der Rachenhinterwand
eben diesen Reflex auslöst.
Wer
die Magensonde legt, erkennt den Schluckreflex am sich
hebenden Kehlkopf und kann jetzt die Sonde gezielt in
die Speiseröhre und dann weiter in den Magen vorschieben.
Die eigentliche Idee, nämlich über eine zweite
Sonde den Schluckreflex auszulösen, wurde auf der
Stroke Unit schon einige Zeit vor der Entwicklung dieser
speziellen Magensonde in die Tat umgesetzt. Damals war
jedoch alles noch etwas mühsamer, weil dazu zwei
Personen benötigt wurden. Denn es wurden zwei einzelne
Schläuche verwandt, die von den Pflegekräften
oder auch einem hinzugezogenen Arzt parallel in jeweils
eines der Nasenlöcher eingeführt wurden. Bei
dem Schlauch, über den der Schluckreflex ausgelöst
wurde, handelte es sich um eine Säuglingsernährungssonde,
deren Durchmesser mit etwa 1,3 Millimeter weniger als
ein Viertel von dem der eigentlichen Magensonde beträgt.
Obwohl
das Verfahren mit den zwei getrennten Sonden noch nicht
so ganz das Ei des Kolumbus war, stellte es für die
Fachwelt doch schon eine enorme Verbesserung gegenüber
dem herkömmlichen Vorgehen dar. Zumal nachgewiesen
werden konnte, dass Blutdruck und Herzfrequenz der Patienten
bei dem konventionellen Verfahren gegenüber der neuen
Methode deutlich erhöht und damit die Belastung viel
größer ist.
Für
die Erfindung von Rainer Dziewas, an der neben ihm auch
der damalige Oberarzt Dr. Peter Lüdemann und MTA
Salvador Perez-Mengual beteiligt waren, hat das UKM die
PROvendis GmbH eingeschaltet, eine vom NRW-Wissenschaftsministerium
geförderte Patentverwertungsagentur der nordrhein-westfälischen
Hochschulen und Uni-Klinika. Dort läuft sie unter
der Nummer 001, denn es war die erste Erfindung überhaupt,
die bei dieser Agentur eingereicht wurde. Während
über die Patenterteilung noch nicht entschieden ist,
konnte vor kurzem bereits mit der Firma Alpo Technik GmbH
in Süddeutschland, die auch den Prototyp hergestellt
hat, ein Lizenzvertrag abgeschlossen werden.
Was
bedeutet, dass die in Münster entwickelte "Easy-Swallow-Sonde"
jetzt in den Handel kommt und damit auch anderenorts Schlaganfall-Patienten
davon profitieren können. Immerhin erleiden allein
in Deutschland 200.000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall,
wovon mindestens die Hälfte in der Akutphase Schluckstörungen
hat und daher über eine Sonde ernährt werden
muss. Wenn ihnen bei diesem ohnehin schon mit Angst behafteten
Verfahren unnötige Strapazen abgenommen werden können,
hat sich die Erfindung sicher bezahlt gemacht.
Quelle:
Uni Münster
Schlaganfälle
durch Arterienschwäche
Eine
Bindegewebsschwäche ist die Ursache für den
zweithäufigsten Schlaganfall-Typ bei jüngeren
Erwachsenen. Das haben Heidelberger Mediziner gemeinsam
mit Kollegen aus Münster und Minden ermittelt. Allein
in Deutschland kommt es jährlich bei etwa 2.000 Patienten
unter 45 Jahren zu solchen Infarkten aufgrund eingerissener
Arterienwände.
Die Einrisse, im Fachjargon als spontane Dissektion bezeichnet,
treten meist völlig unerwartet auf und können
zum Gefäßverschluss führen. Die Forscher
um Tobias Brandt von der Schmieder-Klink in Heidelberg
untersuchten nun Hautproben von Dissektionspatienten.
Bei 97 von 174 bislang analysierten Proben fanden sie
Unregelmäßigkeiten der Bindegewebsstruktur.
Diese krankhafte Veränderung betrifft auch die Wände
der hirnversorgenden Arterien, berichten die Forscher
auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere
Medizin in Wiesbaden.
Bei Kontrollpatienten ließ sich die Veränderung
nicht nachweisen, umgekehrt jedoch bei fast allen Patienten,
die mehr als eine spontane Dissektion erlitten hatten.
"Das ist ein starker Hinweise darauf, dass die entdeckte
Bindegewebsschwäche ein hohes Risiko für eine
Dissektion darstellt", erläutert Brandt. Die Ergebnisse
könnten einen Ansatz liefern, Risikopatienten anhand
eines Hauttests frühzeitig zu identifizieren und
gezielte Vorsorgemaßnahmen einzuleiten. Solche Patienten
sollten beispielsweise bestimmte Sportarten oder chiropraktische
Behandlungen vermeiden, die mit ruckartigen Bewegungen
des Halses verbunden sind.
Auch für bisher beschwerdefreie Verwandte der Patienten
könnte das Ergebnis von Bedeutung sein. Die Grundlage
der Bindegewebsschwäche scheint nämlich in den
Genen zu liegen. So treten wiederholte spontane Dissektionen
familiär gehäuft auf. Derzeit nehmen Genetiker
des Kompetenznetzes Schlaganfall drei Kandidatengene auf
dem Chromosom 15 unter die Lupe, deren Produkte am Aufbau
der Arterienwände beteiligt sind.
Forschung: Tobias Brandt, Kliniken Schmieder, Heidelberg;
und andere
Präsentation auf dem 110. Kongress der Deutschen
Gesellschaft für Innere Medizin, Wiebaden
WWW:
Kompetenznetz Schlaganfall
Arterien und ihr Aufbau
Quelle:
Scienceticker
Ein
Schlag, der das kindliche Leben verändert
Kinder
und Schlaganfall: bei vielen Ärzten unbekannt
Bei
einem Treffen von Eltern mit betroffenen Kindern am vergangenen
Wochenende in Vechta wurden Erfahrungen und Informationen
ausgetauscht
Carolin
(8) aus Rosenthal bei Marburg turnte für ihr Leben
gern. Doch genau das darf sie nicht mehr. Denn vor gut
einem Jahr erlitt sie beim Turnen einen Schlaganfall.
Die Diagnose kam erst Wochen später: nachdem sie
in der Turnhalle plötzlich umgefallen war, fand der
Hausarzt dafür keine Ursache. Erst auf Drängen
der Eltern kam sie Tage später in die Klinik. Dort
wurde der Schlaganfall nachträglich festgestellt.
Das Schicksal von Carolin ist kein Einzelfall. Experten
gehen davon aus, dass rund 300 Kinder im Jahr in Deutschland
einen Schlaganfall erleiden, manche bereits im Mutterleib.
Die Dunkelziffer liegt allerdings viel höher, denn
ein kindlicher Schlaganfall ist schwer zu diagnostizieren.
"Bei rund einem Drittel der betroffenen Kinder ist
die Ursache des Schlaganfalls unklar", erklärt
Dr. Ronald Sträter von der Uni-Kinderklinik Münster.
Hier entsteht seit 1996 die weltweit größte
Datenbank zum Thema "Kinder und Schlaganfall".
615 Krankengeschichten von Kindern sind bereits erfasst,
so dass jetzt erste Erkenntnisse vorliegen. "Im Gegensatz
zu erwachsenen Schlaganfall Patienten sind nicht Bluthochdruck
oder Arterienverkalkung die Ursache. Bei Kindern sind
es Herz- oder Gefäßerkrankungen zusammen mit
einer Infektion oder Verletzung." Auch ererbte Defekte
bei der Blutgerinnung kommen als Ursache für den
kindlichen Schlaganfall in Frage. Die Forschung steht
erst am Anfang. Das gilt auch für die Diagnose- und
Behandlungsmöglichkeiten. Eine Erfahrung, die fast
alle Eltern von jungen Schlaganfall Patienten machen müssen.
"Auf diesem Erfahrungsaustausch habe ich mehr Informationen
erhalten als in den vergangenen sechs Monaten seit Kevin´s
Diagnosestellung", meint eine Mutter aus Lünen.
Der heute 2 Jahre alte Kevin hatte bereits im Mutterleib
einen Schlaganfall. Das wissen die Eltern aber erst seit
einem halben Jahr. Zwar machten sie sich große Sorgen
über Kevin`s verzögerte Entwicklung - der Junge
konnte z.B. nicht krabbeln - doch die Ärzte beruhigten
sie immer wieder: "Das wird schon." Erst auf
ihr massives Drängen hin fand sich ein Arzt bereit,
Kevin intensiv zu untersuchen. Nach eineinhalb Jahren
wurde der Schlaganfall entdeckt.
" Es besteht ein hoher Fortbildungsbedarf für
Ärzte in Sachen kindlicher Schlaganfall". Dr.
Ronald Sträter formuliert es vorsichtig. Betroffene
Eltern berichten es ihm immer wieder: Manche Ärzte
erkennen den Schlaganfall nicht, weil sie gar nicht wissen,
dass Kinder einen Schlaganfall erleiden können. Oder
sie behandeln falsch: "Die Behandlungskonzepte, die
bei erwachsenen Schlaganfall Patienten erfolgreich sind,
sind nicht unbedingt auf Kinder anwendbar. Hat der Schlaganfall
andere Ursachen, muss auch anders behandelt werden."
Auch nach dem diagnostizierten Schlaganfall geht der Kampf
für die Eltern weiter. Mit Ärzten, Krankenkassen,
Schulen: was ist die richtige Behandlungsmethode? Welche
Krankengymnastik ist notwendig? Kann unser Kind nach monatelanger
Rehabilitation überhaupt wieder in den Kindergarten
oder die Schule?
Viele Eltern haben durch ganz Deutschland oder sogar Europa
telefoniert, um Informationen und Hilfe zu bekommen.
Zum dritten Mal hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
einen Erfahrungsaustausch für betroffene Eltern und
Kinder durchgeführt. In diesem Jahr waren es 66 Mütter,
Väter und Kinder, die nach Vechta gekommen sind.
Auf Grund der hohen Nachfrage wird es auch 2004 einen
Erfahrungsaustausch geben. Zusätzlich wird die Stiftung
Deutsche Schlaganfall-Hilfe ab kommendem Jahr einen regelmäßigen
Elternbrief herausgeben, in dem es Informationen zum kindlichen
Hirninfarkt geben wird. Auch eine Experten-Hotline ist
geplant. Carolin ist mittlerweile auf dem Wege der Besserung.
Sie kann gehen, schreiben, spielen. Allerdings: der Schlaganfall
hat psychische Spuren hinterlassen. Die Achtjährige
kann sich schlecht konzentrieren und ist schnell frustriert.
Wie ein Damoklesschwert hängt die Angst vor einem
weiteren Schlaganfall über ihr und der Familie. Denn
die Ursache ist nach wie vor unbekannt.
"Wir leben mit der Angst und schauen nach vorne,"
meint Carolin`s Mutter. "Was auch immer passiert,
zumindest bekommen wir nun Unterstützung von anderen
betroffenen Eltern".
Infokasten zum Thema:
Eltern
von betroffenen Kindern können sich gerne bei der
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zu diesem Thema melden.
Service- und Beratungszentrum:
Telefon: (0 180 5) 093 093 (0,12 EUR/Min.)
Fax: (0 180 5) 094 094
Spendenkonto: Dresdner Bank Gütersloh
BLZ: 478 800 31
Konto Nr. 50
Stichwort: Kinder und Schlaganfall
Sabine
Dawabi
Nachsorge & Soziales
Stiftung
Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Carl-Bertelsmann-Str. 256
33311 Gütersloh
Fon:
++ 49 52 41 / 97 70-19
Fax: ++ 49 52 41 / 81-68 17 19
E-Mail: sabine.dawabi@bertelsmann.de
Mehr
Informationen unter: www.schlaganfall-hilfe.de
Augen
prophezeien frühzeitig Schlaganfall und Herzinfarkt
Berufsverband der Augenärzte empfiehlt regelmäßige
Kontrolle der Augennetzhaut
250.000 Männer und Frauen in Deutschland erleiden
nach Schätzung der Stiftung Deutsche Schlaganfall
Hilfe jährlich einen Schlaganfall. Oft sind schon
junge Menschen betroffen. Obwohl bekannt ist, dass davon
rund 100.000 Schlaganfälle durch eine rechtzeitige
Behandlung vermieden werden können, bleiben die meisten
Vorsorgemöglichkeiten ungenutzt. Schnell durchführbare,
moderne Diagnosemethoden erlauben jetzt endlich die Kontrolle
der Gehirndurchblutung ohne langwierige und komplizierte
Untersuchungsprozeduren. Augenärzte können mit
einem geschulten Blick durch die Pupille auf die Netzhaut
blicken und anhand der Blutgefäße im Auge Rückschlüsse
ziehen auf das gesamte Gefäßsystem des Körpers.
Die Gefäße auf der Netzhaut werden ebenso wie
das Gehirn über die Halsschlagadern versorgt. Über
diesen Zusammenhang lässt sich eine Schädigung
der Gehirnarterien jetzt problemlos an der Augennetzhaut
ablesen. Prof. Bernd Bertram, zweiter Vorsitzender des
Berufsverbands der Augenärzte (BVA), betont die Notwendigkeit
einer regelmäßigen, vorsorglichen Augenuntersuchung:
"Augenärzte sind nicht nur für die Erkennung
und Behandlung von Augenkrankheiten zuständig, sondern
sie sind auch in der Lage, Hinweise auf schwerwiegende
Erkrankungen des Gesamtorganismus zu erkennen. So kann
die Behandlung von Durchblutungsstörungen rechtzeitig
erfolgen und den Patienten vor einem möglichen Schlaganfall
oder Herzinfarkt bewahren".
Auge in Auge mit dem Herzinfarkt
Hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck
oder Diabetes
sind Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen
und Indizien für einen gefährlichen Schlaganfall
oder Herzinfarkt. Aber keine Blutuntersuchung und keine
Blutdruckmessung gibt so eindeutig Auskunft über
bedrohliche Arterienverengungen wie ein Blick ins Auge.
Erhöhter Blutdruck kann z.B. auch ein Zeichen kurzfristiger
Aufregung oder Anstrengung sein. "Ein solcher stressbedingter
Bluthochdruck würde nicht zu einer sichtbaren Veränderung
der Blutgefäße im Auge führen", weiß
Prof. Bertram. "Finden sich jedoch auf der Netzhaut
des Patienten verengte Arterien, ist dies ein Zeichen
für eine verschlechterte Blutversorgung des Körpers".
Die Netzhautbeobachtung gibt mit einfacher Methode zuverlässig
Auskunft über den Zustand der Blutgefäße.
Die Untersuchung der Augen an einem Mikroskop mit einer
Lupe gehört zu den üblichen Vorsorgemaßnahmen
bei einem Augenarztbesuch. Eine solche Untersuchung der
Augennetzhaut ist im Gegensatz zu einer Röntgendarstellung
der Gefäße mit der Injektion eines Kontrastmittels
schnell durchgeführt und liefert sofort Gewissheit
über den Zustand der Augengefäße, die
wiederum unverzüglich Rückschlüsse auf
die Gesundheit der anderen Gefäße z.B. am Herzen
oder im Gehirn erlaubt.
Im Screening Projekt "T@lking Eyes" kooperieren
die Partner Univ.-Augenklinik Erlangen-Nürnberg,
Public Health Unit der Univ. Erlangen-Nürnberg, Siemens,
eEyeCare, Siemens Betriebskrankenkasse und das Bayerische
Gesundheitsministerium. In diesem Projekt wird eine umfangreiche
Studie zur Vorsorge von Schlaganfall durchgeführt.
Der Patient blickt in die Kamera, es blitzt, fertig. Mit
einer speziellen Non-Mydriatik-Kamera für Netzhautfotografie
kann der Augenarzt in Sekundenschnelle eine Aufnahme machen.
Per digitaler Datenübertragung wird das Bild direkt
im Anschluss an den Computer im Zentrum für Präventive
Augendiagnostik in Erlangen weitergeleitet, auf dem Bildschirm
betrachtet und mit einem Computerprogramm ausgewertet.
Prof. Michelson von der Universitätsaugenklinik Erlangen-Nürnberg
ist von der neuen Untersuchungsmethode überzeugt:
"Das Gefäßsystem der Augennetzhaut, das
mit dieser Methode sichtbar gemacht werden kann, gibt
nicht nur Auskunft über die Durchblutung des Auges
und den Augeninnendruck. Vielmehr lässt der Zustand
der Netzhautgefäße tief blicken - so können
wir damit das Risiko einer gestörten Blutversorgung
von Herz und Gehirn ermitteln". Zeigt das Fundusfoto
z.B. schmale Äderchen mit schwachen Scheidewänden
ist dies ein Anzeichen dafür, dass bereits erste
Gefäßveränderungen durch einen lange bestehenden
und schlecht eingestellten Blutdruck aufgetreten sind.
Da die Netzhautgefäße sich ähnlich verhalten
wie Gehirngefäße, ist davon auszugehen, dass
die Hirngefäße in diesem Fall ebenso durchlässig
sind für Blut und Fette wie die schmalen Äderchen
des Auges. Nach einer solchen Diagnose schlägt der
Augenarzt Alarm. Der Patient sollte dringend sein Gefäßsystem
überprüfen lassen und für eine verbesserte
Blutdruckeinstellung sorgen, um einem Schlaganfall vorzubeugen.
So kann er eine Schädigung des Gehirns rechtzeitig
verhindern - und das alles mit Hilfe eines einzigen Netzhautfotos.
Die Uniklinik Erlangen überprüft derzeit die
Machbarkeit eines nationalen Vorsorgeprojektes gegen Schlaganfall.
In dem derzeit laufenden Präventions-Projekt gegen
Schlaganfall "T@lking Eyes" wurden bisher die
Augen von über 4.000 Versuchspersonen untersucht,
weitere 6.000 sind geplant. Anhand der Ergebnisse dieser
Studie können bevölkerungsübergreifende
Aussagen gemacht und eine überregionale Ausdehnung
dieser Untersuchungsmethode geplant werden. Nach ersten
gesicherten Erkenntnissen werden Augenkontrollen jetzt
immer wichtiger als Vorsorgeuntersuchung für verschiedenste
Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt,
Schlaganfall etc. ...