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 Die Inhaltsübersicht

- Schnelle Diagnose und richtige Behandlung beim Schlaganfall
- Bessere Kenntnis der Schlaganfallrisiken kann laut führenden Medizinern Millionen das Leben retten
- Musikmedizinisches Behandlungskonzept für Schlaganfallpatienten
- Wie Schlaganfälle das Herz unter Druck setzen

- Neue, schnelle Chancen für Schlaganfall-Patienten - auch auf dem Lande
- Häusliche Pflege: Schulungen zahlen sich aus
- Epo - Eine wundersame Karriere -
Bisher für Nierenkranke und Dopingsünder - jetzt Hoffnung beim Schlaganfall
- Aspirin schützt Männerherzen und Frauengehirne -
Ursachen für Unterschied bisher nicht bekannt
- Heilen nach Noten - Musiktherapie bringt nach einem Schlaganfall die Sprache zurück
- Schadensbegrenzung bei Schlaganfall -
Blockiertes Signal verhindert Absterben beschädigter Gehirnzellen
- Grippeimpfung senkt Schlaganfallrisiko - Studie: Risiko für Geimpfte halbiert
-
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe fordert effektivere Blutdruckkontrolle
- Der Teufelskreis erlernter Hilflosigkeit bei Lähmungen -
Durchbruch mit innovativer Behandlungskombination möglich
- Blutdrucksenkung verlangsamt Progression der Hirnschädigung nach Schlaganfall
- Ursache für Schlaganfälle geklärt
Fehlendes Stoffwechselenzym häufiger Verursacher von Infarkten
- Neue Hoffnung bei Schlaganfall -
„Gerinnungsfaktor VII“ stoppt Hirnblutungen wesentlich schneller
- Operativ dem Schlaganfall vorbeugen
- Die Hälfte der Schlaganfallpatienten erleidet eine erneute Attacke - 60 Prozent der Patienten sterben innerhalb von zehn Jahren nach dem Schlaganfall
- Schlaganfall kann den Stil eines Künstlers verändern
Besonders betroffen sind Farben und Details
-
Notruf per SMS senkt Schlaganfall-Risiko: Bonner Studie über Frühwarnsystem bei Vorhofflimmern
- Techniker Krankenkasse rät: Beim Schlaganfall Alarm schlagen!
- Schlaganfall - Schnarcher leben riskant -
Nicht diagnostizierte Schlafapnoe erhöht das Schlaganfallrisiko
- Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe will Notfallversorgung beschleunigen /
Eva Luise Köhler und Liz Mohn: Schnelles Handeln kann Leben retten
-
Ultraschall fördert Heilung nach Schlaganfall -
Kombinationstherapie löst Blutgerinnsel schneller auf

- Symptome des Schlaganfalls - als Notfall erkennen
- Ursache für sekundären Schlaganfall identifiziert
- "Blinder Fleck" links deutet auf Aufmerksamkeits-Defizit hin
- Flächendeckende Versorgung von Schlaganfallpatienten im Saarland: Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft fordert dies auch für andere Bundesländer
-
Was nach einem Schlaganfall im Gehirn passiert
Wissenschafter erforschen genaue Vorgänge beim Zelltod

- Ein Vampir, der Leben rettet - Tierische Blutsauger besitzen Substanz gegen Blutgerinnung
- Frauen in den Wechseljahren - Schlaganfallgefahr durch Hormonersatztherapie
-
Wenn Gehen neu gelernt werden muss
- Nach dem Schlaganfall ist vor dem Schlaganfall!
- Haben Internetnutzer mittelfristig ein größeres Schlaganfall-Risiko?
- Gehirn hat nach Schlaganfall "jugendliches Muster"
- Schlagartig ist alles anders / Wenn Kinder einen Schlaganfall erleiden
- "Mitten aus dem Leben gerissen!"
- Dem Schlaganfall auf der Spur - Internationales Symposium
der Universität Marburg
- Notfall "Schlaganfall" - Ausnahmezustand für Patient
und Familie
-
Sprachzentrum dehnt sich aus - Überraschende Entdeckung bei Gehirnuntersuchung
- Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe informiert über Schlaganfall-Patienten-Pass
- Senioren sollten TIA kennen - Den Vorboten des Schlaganfalls ernster nehmen

- Wenn der Schluckreflex nicht funktioniert ...
Münsterscher Mediziner erfand spezielle Magensonde für Schlaganfall-Patienten in der Akutphase
- Schlaganfälle durch Arterienschwäche
- Ein Schlag, der das kindliche Leben verändert
- Augen prophezeien frühzeitig Schlaganfall und Herzinfarkt
- Wie kommt es zum Schlaganfall?

 

Schnelle Diagnose und richtige Behandlung beim Schlaganfall

13.06.2006- Mitten in der Nacht drückt die Blase. Aufstehen, in die Hausschuhe schlüpfen und schlaftrunken zum Bad laufen. Ein wenig komisch ist der damals 80jährigen Hanna Weil* dieses Mal, was sie zunächst auf den Kreislauf schiebt. Als beim Händewaschen die Koordination nicht klappen will, ist ihr schnell klar: "Ich habe einen Schlag!"

Welche Therapie jetzt in Frage kommt, liegt in der Entscheidung des hoffentlich schnell anwesenden Arztes. Ist die Ursache ein Blutgerinnsel im Gehirn, kann dies durch eine Lyse-Behandlung aufgelöst werden. Sofortiges Erkennen und ohne Zeitverzögerung handeln, möglichst innerhalb der ersten drei Stunden, ist beim Schlaganfall immer unerlässlich. Die notwendige Entscheidungssicherheit haben Ärzte, die sich fachlich immer auf dem aktuellen medizinischen Wissensstand befinden - und praktische Erfahrungen mit Experten austauschen!

Gut fünf Jahre nach ihrem Schlaganfall geht es der Rentnerin heute gesundheitlich wieder blendend. Bereits nach acht Tagen konnte sie das Krankenhaus verlassen. Seit dem Schlaganfall muss Hanna Weil zwar täglich Tabletten zur Vermeidung eines Folgeschlaganfalls einnehmen, aber das stört sie nicht weiter, denn Nebenwirkungen spürt sie keine.

Schlagartig ist alles anders - Der Körper gehorcht nicht mehr

Hanna Weil reagiert schnell und richtig, als sie beim Versuch die Hände zu waschen, immer wieder den Wasserstrahl verfehlt. Die Symptome eines Schlaganfalls sind ihr trotz nächtlicher Stunde präsent. Auch über die Notwendigkeit schnell zu reagieren, um bei einem Schlaganfall innerhalb von drei Stunden behandelt zu werden, weiß sie Bescheid. So ist es der Rentnerin möglich, sofort ihre im Haus lebende Familie zu alarmieren. Diese ruft richtigerweise den Rettungsdienst, der die Frau umgehend in ein Krankenhaus einliefert. Das Sprechen ist anfangs noch möglich. "Aber ich habe gemerkt, wie meine Stimme von Minute zu Minute schwächer wird", so die Patientin. Bei Erreichen des Krankenhauses war Hanna Weil zwar noch bei vollem Bewusstsein, aber sie konnte nicht mehr sprechen. Kommunizieren war nur noch durch Nicken oder Kopfschütteln möglich. Ein enorm belastender Zustand, der drei Tage anhielt. Danach ging es rapide bergauf. Die Stimme kam langsam wieder - das Sprechen musste diese Patientin nicht neu erlernen.

Jeder Schlag ist anders

Um die verschiedenen Ursachen eines Schlaganfalls feststellen zu können, stehen dem Arzt in der Klinik verschiedene bildgebende Verfahren (CT und/oder MRT) zur Verfügung. Damit wird sichtbar, ob ein Blutgerinnsel ein Gefäß verstopft oder ob es sich um eine Hirnblutung handelt. Besteht Klarheit über die Ursache, sind weitere Fragen für die Wahl der Behandlung zu stellen: Wann ereignete sich der Schlaganfall? Hatte dieser Patient bereits einen Schlaganfall? Leidet der Patient unter einer (chronischen) Erkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes? Wie alt ist der Patient? Welche Medikamente werden eingenommen?

Die richtige Behandlung ist entscheidend

Mit ihrer Entscheidung bestimmen Ärzte dann wesentlich über das weitere Schicksal eines Patienten. Um die dafür notwendige Entscheidungssicherheit zu erlangen, sind regelmäßige Fortbildungen, aber auch der Austausch von Meinungen und Erfahrungen mit Spezialisten unerlässlich.

Der heutige Stand der Wissenschaft verschiedener Fachgebiete wurde beispielsweise am 1. April 2006 im Rahmen der Fortbildungsveranstaltung "Management des Schlaganfalls" am Universitätsklinikum Mannheim vermittelt. Insbesondere junge Ärzte wurden hier geschult. Praxisorientiert wurden Fälle aus dem täglichen klinischen Geschehen vorgestellt und die therapeutische Entscheidungssituation gemeinsam diskutiert. Das Ergebnis fasst Prof. Dr. Back, geschäftsführender Oberarzt der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Mannheim, zusammen: "Trotz erheblicher Fortschritte und Verbesserungen, die es in den vergangenen Jahren in der Behandlung des Schlaganfalls gegeben hat, bleibt diese Erkrankung eine große Herausforderung für uns Ärzte. Ein Grund dafür ist, dass die Thrombolyse einer sorgfältigen Indikationsstellung bedarf und rechtzeitig einzusetzen ist. Außerdem werden viele Patienten immer noch viel zu spät in eine Klinik eingeliefert."

Im Fall von Hanna Weil verliefen Patientenreaktion, Diagnose und Therapie nach dem Schlaganfall optimal! * Der Name der Betroffenen wurde geändert.

Quelle: Boehringer Ingelheim


Bessere Kenntnis der Schlaganfallrisiken kann laut führenden Medizinern Millionen das Leben retten

Brüssel - 17.05.2006 (ots/PRNewswire) - Führende internationale Schlaganfall-Spezialisten riefen dazu auf, der Prävention von Schlaganfällen eine dringende Priorität im öffentlichen Gesundheitswesen und in der medizinischen Fachwelt einzuräumen. Mit diesem Plädoyer wandten sich die Experten anlässlich des von der International Stroke Society (ISS) ins Leben gerufenen "Stroke Awareness Day 2006" an die Öffentlichkeit. Zu Beginn der European Stroke Conference in Brüssel erklärten ISS-Mitglieder, ein Grossteil der weltweit 15 Millionen Schlaganfälle pro Jahr hätte mit einer besseren öffentlichen Aufklärung und der Behandlung allgemeiner Risikofaktoren verhindert werden können.

Trotz der Tatsache, dass jährlich fünf Millionen Menschen an Schlaganfällen sterben und weitere fünf Millionen als Folge von Schlaganfällen zu Schwerbehinderten werden, geniessen Schlaganfälle weltweit als Erkrankungsform zu wenig Beachtung. Einst galt der Schlaganfall vor allem als Erkrankung westlicher Länder. Doch nun steigt auch die Zahl der Schlaganfälle in Entwicklungsländern rapide an. Viele Menschen haben ein stark erhöhtes Schlaganfallrisiko aufgrund von Faktoren wie Bluthochdruck (vier- bis sechsmal höheres Risiko), Rauchen (doppeltes Risiko), schlechte Ernährung und mangelnde Bewegung (erhöhtes Risiko um 11 bzw. 50 Prozent). Ein fortgeschrittenes Alter und vorherige gesundheitliche Vorbelastungen wie Herzprobleme oder ein früherer Schlaganfall erhöhen das Risiko ebenfalls. Wer bereits einen Schlaganfall erlitten hat, besitzt ein neunmal höheres Risiko für einen weiteren Schlaganfall. Kommen mehrere dieser Faktoren zusammen, erhöht sich das Risiko um ein weiteres.

Der "Stroke Awareness Day 2006" ist ein Handlungsaufruf an die Öffentlichkeit und insbesondere an diejenigen, die glauben, dass sie ein Schlaganfallrisiko haben, sich langfristig für die Vorbeugung zu engagieren. Betont wird dabei, dass die Prävention nach einem Schlaganfall sogar eine noch grössere Rolle spielt. Deshalb ruft die ISS auch diejenigen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, auf, sich für die Vorbeugung einzusetzen und bittet deren Freunde und Familie um Unterstützung. 15 Prozent der Menschen, die einen Schlaganfall erleiden, sterben daran oder werden innerhalb eines Jahres pflegebedürftig aufgrund von einhergehenden Problemen durch verstopfte Arterien (z. B. Herzinfarkt oder ein weiterer Schlaganfall).

Professor Bo Norrving von der International Stroke Society und dem schwedischen Universitätsklinikum in Lund, erklärt dazu: "Ein Schlaganfall hätte in vielen Fällen vermieden werden können. Wir können die jährlich steigende Zahl an Schlaganfällen signifikant reduzieren, indem wir den Menschen die Risikofaktoren bewusst machen und sie zu relativ einfachen Änderungen ihres Lebensstils bewegen."

Er fügt hinzu: "Wenn jemand einen Schlaganfall hatte, ist die langfristige Prävention eines zweiten Schlaganfalls sogar noch wichtiger, weil ein höheres Risiko besteht. Deshalb bitten wir Ärzte überall auf der Welt, ihre Patienten auf diese Risiken hinzuweisen, sie bei der Führung eines gesunden Lebensstils zu unterstützen und gegebenenfalls entsprechende Medikamente zu verordnen."

Die ISS hat zudem Informationsmaterial für Patienten erarbeitet, das über die Reduzierung des Schlaganfallrisikos aufgeklärt. Darin wird aufgerufen, das persönliche Risiko durch folgende Massnahmen so schnell wie möglich zu verringern:

- Hören Sie mit dem Rauchen auf.

- Ernähren Sie sich gesund: viel Obst, Gemüse und Ballaststoffe - wenig Salz, gesättigte Fette und Cholesterin.

- 30 Minuten körperliche Bewegung, fünfmal die Woche, sind optimal.

- Halten Sie ein gesundes Körpergewicht.

- Vermeiden Sie exzessiven Alkoholkonsum.

- Wenn Sie über 50 sind, sollten Sie Ihren Blutdruck regelmässig kontrollieren.

- Nehmen Sie alle Medikamente, die Ihnen der Arzt verschrieben hat.

Jüngste Studiendaten zeigen, dass viele Menschen, die ein höheres Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Risiko aufweisen, nicht mit geeigneten Medikamenten behandelt werden, die dieses Risiko mindern könnten. Patienten in der grössten Beobachtungsstudie von Menschen mit Atherothrombose (Blutgerinnsel, die die zugrunde liegende Ursache von Herzinfarkten und Schlaganfällen sind) wurden im Allgemeinen mit zu wenig Statinen zur Senkung eines hohen Cholesterinspiegel behandelt und zu selten einer Antiplatelet-Therapie zur Reduzierung von Blutgerinnseln unterzogen. Die Studie ergab zudem eine unzureichende Behandlung von Bluthochdruck (50 Prozent hatten zu Beginn der Studie einen erhöhten Blutdruck), einem der Hauptrisiken für einen Schlaganfall.(6)

Zudem zeigte die Studie sehr deutlich, inwieweit ein Schlaganfall mit anderen Bedingungen einhergeht, die durch die Verstopfung von Arterien durch Blutgerinnsel verursacht werden. Von den 19.000 Patienten mit vorherigem Schlaganfall oder schwächeren Schlaganfällen, die an der Studie teilnahmen, hatten 40 Prozent auch Probleme in anderen vaskulären Bereichen, wie den Arterien, die das Herz oder die Beine versorgen.(5) Diese Bedingungen teilen in grossem Umfang die gleichen Risikofaktoren. Zudem erhöht das Vorliegen von vaskulären Erkrankungen in einem Teil des Körpers stark das Risiko von vaskulären Vorfällen in anderen Organen.

Informationen zum Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall. Es besteht sofortiger Handlungsbedarf. Der Rettungsdienst muss sofort verständigt werden, um eine ärztliche Versorgung zu gewährleisten. Die Überlebenschancen bzw. die Chancen für eine erfolgreiche Genesung werden verbessert, wenn die Symptome schnell erkannt werden und eine sofortige medizinische Versorgung geleistet werden kann. Je früher ein Schlaganfallpatient eine medizinische Sofort- bzw. Langzeitbehandlung erhält, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hirnschädigung vermieden werden kann.

Schlaganfälle können entweder durch einen Blutgerinnsel, das den Blutzufluss zum Gehirn hemmt (ischämischer Schlaganfall), oder durch ein geplatztes Blutgefäss, das den Blutzufluss zum Gehirn verhindert (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. Wenn dies passiert ist, werden Teile des Gehirns nicht mehr mit Blut (und Sauerstoff) versorgt und beginnen abzusterben.

Der ischämische Schlaganfall ist die häufigste Form des Schlaganfalls. Jeder, der einmal einen Schlaganfall erlitten hat, besitzt ein erhöhtes Risiko, einen weiteren Schlaganfall und/oder einen Herzanfall zu erleiden. Ohne Sauerstoff und Nährstoffe sterben die Nervenzellen im Gehirn schnell ab. Sobald dies passiert ist, funktioniert der von diesen Nervenzellen kontrollierte Teil des Körpers nicht mehr zuverlässig. Die Ausfälle können dauerhaft sein. Aus diesem Grund ist schnelles Handeln notwendig, um langfristige körperliche und geistige Behinderungen zu minimieren.

Zwar gibt es Risikofaktoren, die nicht beeinflusst werden können, wie etwa die altersbedingte oder familiäre Vorbelastung. Allerdings sind viele Faktoren durch einfache Änderung der Lebensgewohnheiten steuerbar. Das Schlaganfallrisiko kann unter anderem durch Aufgabe des Rauchens, Sport und Bewegung, Gewichtsabnahme, gesunde Ernährung viel Obst und Gemüse oder durch medikamentöse Behandlung mit Blutdruck senkenden Mitteln zur Kontrolle des Bluthochdrucks verringert werden. Bei einigen Patienten reicht allerdings eine Änderung der Lebensgewohnheiten nicht aus, um das Risiko für einen zweiten Schlaganfall zu verringern.

Quelle: International Stroke Society


Musikmedizinisches Behandlungskonzept für Schlaganfallpatienten

12.05.2006 - Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung hat in einer multizentrischen internationalen Studie die Wirksamkeit von Musiktherapie im Vergleich zu konventioneller Physiotherapie bei Schlaganfallpatienten untersucht. Kooperationspartner waren das Center for Biomedical Research in Music der Colorado State University (USA) und die neurologische Abteilung des SRH-Klinikums Karlsbad-Langensteinbach.

Keyboardtastatur
Bild: Photocase

Die mit Musiktherapie behandelten Patienten weisen eine höhere Erfolgsrate bei der Verbesserung von Bewegungsdefiziten auf und sind von Beginn an zufriedener mit der Behandlungsmethode als die Vergleichsgruppe.

In die deutsche Teilstudie wurden 40 Schlaganfallpatienten mit einer halbseitigen Lähmung eingeschlossen. Ein Teil der an einem akuten Mediainfarkt, d. h. einem Schlaganfall im vorderen Hirnkreislauf, leidenden Studienteilnehmer erhielt über einen Zeitraum von drei Wochen täglich eine halbe Stunde ein musikmedizinisches Gangtraining. Der normale Gangrhythmus, oftmals durch den Schlaganfall beeinträchtigt, wurde hierbei durch rhythmisch-akustische Zeitgeber beziehungsweise eine musikalische Stimulation unterstützt. Die Vergleichsgruppe erhielt über den gleichen Zeitraum ein konventionelles physiotherapeutisches Gangtraining. Die Behandlung erfolgte bei beiden Gruppen in der Frühphase der Rehabilitation, d. h. zehn bis 28 Tage nach dem Schlaganfall.

Im Fokus der Studie stand die Frage, inwieweit ein musiktherapeutisches Konzept die funktionale Gehfähigkeit der Schlaganfallpatienten wieder herstellen kann und ob die Behandlungsergebnisse besser sind als bei konventioneller Physiotherapie.

Hierzu wurden bei beiden Gruppen vor und nach der Behandlung Qualität, Dynamik und Ausdauer des Patienten beim Gehen mit einem speziellen Analysegeräte objektiv erfasst, berechnet, grafisch dargestellt und in statistisch auswertbare Daten umgewandelt. Die Forscher untersuchten auch die Zufriedenheit der Patienten mit der jeweiligen Behandlungsmethode.

In der Musiktherapiegruppe ist der Anteil der Patienten mit klinisch signifikanter Verbesserung etwa doppelt so hoch wie in der mit Physiotherapie behandelten Gruppe. Die relative Verbesserung aller Gangparameter ist in der Musiktherapiegruppe höher.

Statistisch signifikant ist dieser Unterschied beim Abrollen des Fußes. Eine statistisch tendenzielle Überlegenheit zeigt sich in dieser Gruppe auch bei der Gehgeschwindigkeit und Schrittfrequenz. Bei der Gangsymmetrie schneiden beide Gruppe in etwa gleich ab. Die Musiktherapiegruppe weist auch eine größere Annäherung an die alters- und geschlechtsspezifische Norm auf als die Kontrollgruppe.

Die Auswertung des Zufriedenheitsfragebogens zeigt, dass die mit Musiktherapie behandelten Schlaganfallpatienten während der gesamten Behandlungsdauer zufriedener mit der Therapie sind als die Patienten der Vergleichsgruppe.

Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache nach Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Deutschland erleiden jedes Jahr fast 350.000 Menschen einen Schlaganfall. 90 % der Betroffenen haben in Folge motorische Defizite, d. h. die Bewegungsabläufe sind stark eingeschränkt. Bei 70 % der Patienten kommt es zu einer halbseitigen Lähmung des Körpers, einer so genannten Hemiparese.

Die anschließende Rehabilitation der Patienten ist von zentraler Bedeutung. Vorwiegend kommen nach einem Schlaganfall konventionelle Krankengymnastik und Ergotherapie zum Einsatz. Immer häufiger werden Patienten in musiktherapeutisch behandelt. Allerdings sind die bisher bestehenden musiktherapeutischen Behandlungskonzepte in der neurologischen Rehabilitation vorrangig psychosozial orientiert. Diese zielen ab auf eine Verbesserung der Lebensqualität und emotionale Stabilisierung der Patienten. Eine landesweite Umfrage aus dem Jahr 2002 ergab, dass von medizinischer Seite eine spezifische, funktionale musiktherapeutische Anwendung im sensorischen und kognitiven Bereich wünschenswert wäre.

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM das größte musiktherapeutische Forschungsinstitut in Europa und vereint Forschung, Praxis und Lehre unter einem Dach. Das DZM ist ein AN-Institut der Fachhochschule Heidelberg, d. h. das Forschungsinstitut ist wissenschaftlich eng mit der Fachhochschule verbunden, aber privatwirtschaftlich organisiert und damit finanziell unabhängig. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spendengeldern.

Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Psychologen, Mediziner und Musikwissenschaftler in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.

Quelle: Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.

Wie Schlaganfälle das Herz unter Druck setzen

25.04.2006 - Auf einen Schlaganfall folgt bei einigen Patienten binnen Wochen ein Herzinfarkt. Wie es zu dieser Verbindung kommt, glauben amerikanische Mediziner entdeckt zu haben. Das Infarktrisiko steigt demnach auf ein Vielfaches, wenn bei dem Schlaganfall eine Region der Großhirnrinde beschädigt wird, die an der Regulation von Puls und Blutdruck beteiligt ist.

Die neuen Resultate könnten eine noch "passgenauere" Behandlung nach einem Schlaganfall ermöglichen, ist Gregory Sorensen vom Massachusetts General Hospital in Boston überzeugt. "Wir können die Patienten mit einem besonders hohen Risiko bereits bei der Einlieferung identifizieren und ihnen eine schützende Therapie verordnen."

Sorensen und seine Kollegen verglichen Kernspintomogramme der Gehirne von 100 Patienten, die einen Schlaganfall aufgrund einer verschlossenen Gehirnarterie erlitten hatten. Bei 50 dieser Patienten wiesen erhöhte Spiegel eines Herzmuskelproteins im Blut auf einen zusätzlichen Herzinfarkt hin. In diesen Fällen hatte der Schlaganfall besonders häufig den Inselkortex in der rechten Gehirnhälfte betroffen, berichten die Forscher im Fachblatt "Neurology".

Eine Schädigung des rechtsseitigen Inselkortex geht mit einem 15-mal höheren Herzinfarktrisiko einher, schätzt die Gruppe. In der tiefen Falte zwischen Stirn- und Schläfenlappen gelegen, empfängt diese Gehirnregion Signale aus dem Körper und beeinflusst wiederum die Funktion des autonomen Nervensystems.


Forschung: Hakan Ay, Walter J. Koroshetz und A. Gregory Sorensen, Martinos Center for Biomedical Imaging, Department of Radiology, und Stroke Service, Department of Neurology, Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School, Boston; und andere

Veröffentlichung Neurology, DOI 10.1212/01.wnl.0000206077.13705.6d

Quelle: Scienceticker


Neue, schnelle Chancen für Schlaganfall-Patienten - auch auf dem Lande

Ingelheim - 27.03.2006 (ots) - Um Schlaganfall-Patienten bestmöglich zu versorgen, sind neben medikamentösen auch organisatorische Maßnahmen unerlässlich. Ging es bei der akuten Phase der Schlaganfall-Behandlung bisher vor allem darum den Patienten am Leben zu erhalten, gilt es heute, Spätfolgen mit Hilfe der so genannten Thrombolyse-Therapie möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen oder so gering wie möglich zu halten.

Ein Kampf gegen die Uhr - denn um irreversible Schäden zu vermeiden, ist es entscheidend, dass der Patient vom Rettungsdienst eingeliefert und innerhalb von drei Stunden behandelt wird. Im optimalen Fall geschieht dies in einer Schlaganfall-Spezialabteilung (Stroke Unit).

Diese Voraussetzung ist in vielen Regionen nicht gegeben, wenn die nächste Stroke Unit 40 Kilometer und mehr entfernt ist. Durch eine moderne telemedizinische Versorgung können Schlaganfallpatienten auch außerhalb von Ballungszentren besser behandelt werden, so dass Sterblichkeit, Folgeschäden und Folgekosten erheblich verringert werden können.

Experten wissen, dass beim Schlaganfall jede Sekunde zählt

Schnell muss geklärt werden, was passiert ist. Ob eine Hirnblutung die Ursache ist oder ein Gerinnsel die Blutbahn verstopft. Die notwenige Kommunikation zwischen allen Beteiligten am erforderlichen Behandlungsprozess wird seit kurzem durch die Telemedizin erleichtert und beschleunigt: Experten können das Arzt-Patienten-Gespräch über Kameras und Monitore führen. Auf dem Bildschirm sieht der Schlaganfall-Experte den viele Kilometer entfernten Patienten, kann mit ihm und seinem behandelnden Arzt kommunizieren und so mit Hilfe der modernen Videotechnik quasi selbst untersuchen. So können Untersuchungsergebnisse begutachtet und dem behandelnden Arzt nächste Therapieschritte zur Behandlung empfohlen werden.

Telemedizin erleichtert zeitnahe adäquate Therapie

Moderne Technik sorgt für eine stabile, klare Kommunikation und einen exzellenten Bildtransfer. Sie liefert eine schnelle diagnostische und therapeutische Unterstützung für regionale und ländliche Kliniken und ist bei den lokalen Benutzern gut akzeptiert - sowohl bei den Ärzten als auch bei den Patienten.

Viele kleinere Krankenhäuser benötigen in schwierigen Fällen die Erfahrung und Unterstützung von Kliniken mit großen neurologischen Abteilungen oder Stroke Units, um schnellstmöglich die gemeinsame Untersuchung des Patienten vor der Kamera durchzuführen und Entscheidungen zum Einleiten einer adäquaten Therapie des akuten Schlaganfalls treffen zu können. Die Sterblichkeits- und die Komplikationsrate kann durch diese gemeinsame Konsultation reduziert werden. (Pflege-) Kosten werden gesenkt, und nicht zuletzt kann das Leid für Betroffene gemindert werden.

Regionale Projekte sind zukunftsträchtig Ein bayerisches Modellprojekt mit dem Namen TEMPiS wird von den Stroke Units des Krankenhauses München-Harlaching und der Neurologie der Uniklinik Regensburg durchgeführt. 12 Krankenhäuser in kleineren Orten oder Städten sind dort per ISDN-Leitungen miteinander verbunden. Mit Hilfe von Experten in den Schlaganfall-Zentren kann in diesen Kliniken ebenfalls die moderne Thrombolyse-Behandlung routinemäßig durchgeführt werden. In dieser Art der Vernetzung sehen die Experten ein Zukunftsmodell. Die guten Erfahrungen aus Bayern machen Schule. So werden derzeit Projekte mit telemedizinischer Unterstützung in den Regionen Heidelberg, Dresden und Berlin geplant.

Quelle: Boehringer Ingelheim


Häusliche Pflege: Schulungen zahlen sich aus

Baierbrunn - 21.03.2006 (ots) - Angehörige, die sich in Seminaren und Pflegekursen darauf vorbereiten, ein Familienmitglied nach einem Schlaganfall zu Hause zu betreuen, verbessern dessen Lebensqualität und Überlebenschancen erheblich. Das Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber" berichtet über eine Studie der Fachklinik Herzogenaurach mit 71 Patienten, die dies belegt. Angehörige von 36 Kranken erhielten entsprechende Schulungen. Nach zweieinhalb Jahren lebten von dieser Gruppe noch 29 Patienten zu Hause, zwei im Pflegeheim, vier waren gestorben. Von den 35 Pflegebedürftigen der Kontrollgruppe wohnten nur noch 19 in den eigenen vier Wänden, fünf im Pflegeheim und elf waren gestorben.

Quelle: Wort und Bild - Senioren Ratgeber


Epo - Eine wundersame Karriere -
Bisher für Nierenkranke und Dopingsünder - jetzt Hoffnung beim Schlaganfall

Baierbrunn (ots) - 06.02.2006 - Erythropoietin - kurz "Epo" - hat bereits eine zweischneidige Karriere als segensreichen Retter bei Blutarmut und berüchtigtes Dopingmittel hinter sich. Sportler kurbelten damit ihre Ausdauer an und brachten sich durch die Nebenwirkung des Thromboserisikos in Lebensgefahr.

Nun, so berichtet das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau", steht der Substanz offenbar ein positiver Karriereschritt bevor. Es hat sich herausgestellt, dass Epo auch zellschützende Eigenschaften besitzt, besonders im Nervensystem. Erste Studien zeigen, dass Schlaganfallpatienten mit Epo bessere Rehabilitationschancen hatten. In Göttingen ist die Substanz zudem mit "viel versprechenden" Ergebnissen bei Schizophrenie getestet worden. Auch Multiple Sklerose, Depressionen und andere Nervenerkrankungen nehmen Wissenschaftler ins Visier. In den USA wird Epo nach Herzinfarkten getestet. Dort arbeiten Forscher auch an Abkömmlingen der Substanz. Diese sollen ausschließlich zellschützende Eigenschaften besitzen und das Thromboserisiko nicht erhöhen.

Quelle: Wort und Bild - Apotheken Umschau


Aspirin schützt Männerherzen und Frauengehirne -
Ursachen für Unterschied bisher nicht bekannt

New York - 18.01.2006 - Aspirin verhindert kardiovaskuläre Ereignisse bei Frauen und Männern, allerdings auf verschiedene Art und Weise. Zu diesem Ergebnis ist eine aktuelle Metastudie der Stony Brook School of Medicine http://www.hsc.stonybrook.edu/som gekommen. Bei Frauen verringert Aspirin die Anzahl der Schlaganfälle, bei Männern die Häufigkeit der Herzanfälle. Andere statistisch relevante Vorteile im genau umgekehrten Sinn gibt es laut der Analyse nicht. Der Kardiologe David Brown, einer der Autoren der Studie erklärte, dass Frauen auf die Verabreichung einer Dosis Aspirin anders zu reagieren scheinen als Männer. "Alle Forschungsergebnisse sagen uns, dass es bei den Geschlechtern einen Unterschied gibt und wir wissen nicht warum." Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of the American Medical Association http://jama.ama-assn.org veröffentlicht.

Aspirintabletten
Quelle: photocase

Bei Personen, die bereits an einer kardiovaskulären Erkrankung leiden, sind die Vorteile von niedrig dosierten Aspiringaben bei beiden Geschlechtern bereits gut erforscht. Die kardiovaskuläre Wirkung des Medikaments beruht auf der Blockierung der Synthese von Thromboxan A2, einer Substanz die für das Gerinnen des Blutes verantwortlich ist. Bereits eine geringe Dosis von 100 Milligramm kann wirksam sein. Bei Menschen mit einem mittelstarken Risiko sind die Ergebnisse weniger eindeutig. Studien scheinen auf eine Verringerung der koronaren Ereignisse hinzudeuten. An den meisten Studien nahmen jedoch, wenn überhaupt, nur wenige Frauen teil. Das Team um David Brown wollte daher wissen, ob Frauen dieser Risikogruppe gleich viele Vorteile von einer Einnahme haben wie Männer.

Die Analyse von sechs Studien, an denen 95.456 Personen, davon 51.342 Frauen, teilnahmen, ergab, dass Aspirin bei Frauen und Männern zu einer Verringerung der kardiovaskulären Ereignisse führte. Bei den Männern verringerte sich das Risiko eines Herzanfalles um 32 Prozent. Bei Frauen hatte das Medikament keine Auswirkungen auf die Häufigkeit der Herzanfälle. Vielmehr verringerte es hauptsächlich das Risiko eines Schlaganfalles um 17 Prozent. Bei den männlichen Teilnehmern konnte keine derartige Wirkung nachgewiesen werden. Die Wissenschafter betonen, dass Männer häufiger zu Herzanfällen tendieren und Frauen eher zu Schlaganfällen neigen. Es sei jedoch laut New Scientist wahrscheinlich, dass es auch einen biologischen Unterschied gibt. Angenommen wird, dass Frauen das Medikament anders abbauen als Männer. Brown erklärte, dass die aktuellen Ergebnisse zeigten, wie wichtig es sei, einen großen Querschnitt der Bevölkerung bei der klinischen Erprobung von Medikamenten zu berücksichtigen.

Quelle: pte


Heilen nach Noten - Musiktherapie bringt nach einem Schlaganfall die Sprache zurück

Baierbrunn (ots) - 12.12.2005 - Erstaunliche Fortschritte ermöglicht eine Musiktherapie gegen den Sprachverlust durch einen Schlaganfall. Das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“ berichtet über eine Studie der Sprachtherapeutin Dr. Monika Jungblut an der Universität Witten- Herdecke, die nachwies, dass nach siebenmonatiger Behandlung sechs von acht Patienten wieder fließender sprechen konnten.

Musiknoten

In einer Vergleichsgruppe ohne Musiktherapie blieb das Sprachvermögen dagegen unverändert schlecht. Sprechen wird von einem Sprachzentrum gesteuert, das meistens in der linken Hirnhälfte liegt. Aus der anderen Hirnhälfte wirken aber Zentren für melodisches Empfinden und Tongebung mit. Selten einmal betrifft ein Schlaganfall beide Hirnhälften. Nicht selten ist zu beobachten, dass Patienten zwar nicht mehr sprechen, aber noch singen können. Die Musiktherapie knüpft bei den erhaltenen Fähigkeiten an. Nutzbare Regionen der geschädigten Hirnhälfte werden so wieder zum Leben erweckt.

Quelle: Wort und Bild - Apotheken Umschau


Schadensbegrenzung bei Schlaganfall -
Blockiertes Signal verhindert Absterben beschädigter Gehirnzellen

Heidelberg/Ulm - (pte) 14.11.2005 - Infolge eines Schlaganfalls sterben jährlich Millionen von Menschen. Ebenso viele müssen mit dauerhaften Behinderungen leben, wenn die Blutzufuhr zum Gehirn und damit die Versorgung der Gehirnzellen mit lebenswichtigem Sauerstoff unterbrochen wird. Wissenschaftler an den Universitäten von Heidelberg http://www.med.uni-heidelberg.de und Ulm http://www.uni-ulm.de sowie einer Forschungseinheit des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) http://www.embl.org haben jetzt herausgefunden, dass das endgültige Schicksal dieser Zellen mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Zellsignal abhängt.

"Ausgangspunkt unserer Forschung war die Annahme, dass der so genannte NF-kB-Signalweg beim Absterben von Nervenzellen nach Schlaganfällen oder anderen Hirnschädigungen eine zentrale Rolle spielt, da es in diesen ein Selbstzerstörungsprogramm in Gang setzt", erklärt Forschungsprojektleiter Markus Schwaninger von der Universität Heidelberg. In einem neu entwickelten Modellversuch an Mäusen hat ein Team um Schwaninger daher versucht, den ursächlichen Zusammenhang des NF-kB-Signals mit dem Absterben von Gehirnzellen nach Schlaganfällen zu beweisen.

Dazu wurden genmanipulierte Mäuse, bei denen das besagte Zellsignal durch ein Antibiotikum aktiviert oder deaktiviert werden kann, in einen schlaganfallähnlichen Zustand versetzt. "Die Auswertung hat ergeben, dass die Versuchsgruppe mit blockiertem NF-kB-Signal ein deutlich besseres Resultat aufweist", meint Thomas Wirth von der Universität Ulm im Gespräch mit pressetext. "Geschädigte Zellen blieben länger am Leben und schienen sich sogar zu erholen", so Wirth. Als erfreulich bewertet er auch die Tatsache, dass die positive Wirkung in vielen Fällen auch noch Stunden und Tage nach dem Schlaganfall anhielt. Damit kann laut Wirth das langfristige Überleben von Gehirnzellen in den beschädigten Geweben gewährleistet und die Infarktzone verringert werden.

"Gerade dieser Aspekt ist bei der Behandlung menschlicher Patienten von besonderer Bedeutung, da diese normalerweise erst einige Zeit nach dem Vorfall im Krankenhaus eintreffen", meint Wirth weiter. Die an dem Projekt beteiligten Wisschenschaftler gehen jedenfalls davon aus, dass die Ergebnisse auf die Humanmedizin übertragbar sind, da das NF-kB-Signalnetzwerk von Mäusen dem menschlicher Zellen sehr ähnlich ist. Neben der nun erstmals bewiesenen Auswirkung bei Schlaganfallspatienten, steht das Zellsignal auch im Verdacht bei einer Vielzahl von anderen pathophysiologischen Krankheiten wie Tumormetastasierungen oder rheumatoider Arthritis eine entscheidende Rolle zu spielen.

"Die Pharmaindustrie arbeit schon seit längerem an Lösungen", ist es für Wirth nur mehr eine Frage der Zeit, bis Patienten von den neuen Forschungserkenntnissen profitieren werden. Ein noch ungelöstes Problem sei allerdings, dass Wirkstoffe zur Blockade des Zellsignals derzeit noch intrazerebral, also direkt in das Gehirn injiziert werden müssten, so Wirth gegenüber pressetext abschließend.

Quelle: pte


Grippeimpfung senkt Schlaganfallrisiko - Studie: Risiko für Geimpfte halbiert

Baierbrunn - 17.10.2005 (ots) - Eine Grippeimpfung senkt vermutlich das Risiko für einen Schlaganfall. Das zeigen laut einem Bericht des Apothekenmagazins „Diabetiker Ratgeber“ Ergebnisse einer Studie aus der neurologischen Klinik Ludwigshafen. Eine Forschergruppe um Prof. Armin Grau fand heraus, dass Geimpfte unabhängig von anderen Risikofaktoren und ihrem allgemeinen Gesundheitsverhalten ein um 50 Prozent niedrigeres Risiko hatten, einen Schlaganfall zu erleiden. Am deutlichsten war der Schutzeffekt bei Männern und älteren Menschen. Die jährliche Grippeimpfung wird Personen über 60 Jahren, chronisch Kranken und bei beruflich erhöhtem Ansteckungsrisiko empfohlen.

Quelle: Wort und Bild - Diabetiker Ratgeber


Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe fordert effektivere
Blutdruckkontrolle

29.09.2005 - Etwa die Hälfte aller Schlaganfälle könnte bei richtiger Einstellung des Blutdrucks verhindert werden.

Der Hauptrisikofaktor für einen Schlaganfall, der Bluthochdruck, wird in Deutschland zu selten erkannt und zu schlecht behandelt. Darauf weist die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hin. Studien gingen davon aus, dass 60 bis 80 Prozent der Bluthochdruckbetroffenen in Deutschland entweder unerkannt oder unzureichend behandelt werden. "Wichtig ist, dass der Blutdruck kontrolliert wird - dass man sich von seinem Arzt untersuchen und individuell beraten lässt", so Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Stiftung.

Der Bluthochdruck, von Medizinern als Hypertonie bezeichnet, ist der Risikofaktor Nr. 1 für alle Arten des Schlaganfalls - sowohl für die Durchblutungsstörungen als auch für die Blutungen. Der Zusammenhang ist direkt: je höher der Blutdruck, desto größer das Risiko. "Es ist zwar schwierig Zahlen zu nennen, aber ich denke, dass die Hälfte aller Schlaganfälle zu verhindern wäre, wenn der Blutdruck richtig eingestellt ist", bemerkt dazu der Schlaganfall-Experte Prof. Dr. Roman Haberl. Auch der Chefarzt der Abteilung für Neurologie des Klinikums München-Harlaching rät: "Man muss messen. Ich glaube, dass für jeden, der 35 Jahre oder älter ist, eine jährliche Blutdruckmessung absolutes Pflichtprogramm ist." Wenn dann ein erhöhter Blutdruck festgestellt würde, müsse natürlich wesentlich öfter gemessen werden. "Der Hauptfaktor, um einen Schlaganfall zu verhindern, ist frühzeitig seinen eigenen Blutdruck zu kennen und ihn im Normbereich zu halten", empfiehlt Prof. Dr. Haberl.

Es existieren heute verschiedene Möglichkeiten, einen Bluthochdruck gut zu behandeln. So gibt es zahlreiche Medikamente, mit deren Hilfe sich der Blutdruck sehr gut einstellen lässt, aber auch einiges, was der Betroffene selbst tun kann: Regelmäßige körperliche Aktivität, Gewichtsabnahme oder eine geringere Salzaufnahme können den Blutdruck senken.

Der Blutdruck ist in den westlichen Industrienationen bei 20 bis 25 Prozent der Menschen so stark erhöht, dass Mediziner von einem Bluthochdruck sprechen. Nach einer international anerkannten Klassifikation ist ein Blutdruck unter 120/80 mmHg optimal, einer von unter 130/85 mmHg normal, eine Erhöhung auf oder über 140/90 mmHg wird als Bluthochdruck bezeichnet. Um das Schlaganfall-Risiko zu reduzieren, ist ein normaler Blutdruck anzustreben. Kommen andere Risikofaktoren hinzu, sollte ein optimaler Blutdruck das Ziel sein.

Etwa 200 000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall. Andere wichtige Risikofaktoren sind Diabetes mellitus, Herzrhythmusstörungen, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel.

Weitere Informationen gibt es bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe unter der Telefonnummer 01805 093 093 (0,12 EUR/Min.). Ihr persönliches Risiko können Sie im Internet unter www.schlaganfall-hilfe.de testen.

Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe


Der Teufelskreis erlernter Hilflosigkeit bei Lähmungen -
Durchbruch mit innovativer Behandlungskombination möglich


Quelle: obs/ Biofeedback Reha Wermelskirchen"

Wermelskirchen (ots) - 14.09.2005 - Jeden Tag erleiden in Deutschland etwa 550 Menschen einen Schlaganfall. Oft mit schlimmen Folgen, wie Halbseitenlähmungen. Die Rehabilitations-Behandlung dieser Patienten ist meist langwierig.

Durch die neuartige Kombination von Elementen der Forced-use Therapie mit c-EMG Biofeedback Behandlung kann nun die Behandlungseffizienz deutlich gesteigert werden.

Forced-use bedeutet erzwungener Gebrauch. Es handelt sich dabei um ein intensives Therapieprogramm zur Verbesserung der Arm- und Handfunktionen bei Schlaganfallpatienten. Das zweite Element ist die c-EMG Biofeedback Behandlung. Diese Trainingsmethode wird eingesetzt, um überlebende Nervenzellen des Gehirns dazu zu bringen, Funktionen geschädigter oder abgestorbener Gehirnzellen zu übernehmen. Klebeelektroden auf der Haut der Patienten messen vom Gehirn ausgehende elektrische Nervenimpulse und zeigen am Monitor, dass selbst bei vollständig erscheinender Lähmung die Muskulatur aktivierbar geblieben ist. Durch konsequentes Training wird zunächst eine rein elektrische Aktivitätszunahme herbeigeführt. Im weiteren Behandlungsverlauf kommt es schließlich zu Funktionsveränderungen, die auch mit bloßem Auge erkennbar sind. Dieses Erkennen motiviert die Menschen ganz erheblich und trägt wesentlich zum Behandlungserfolg bei. Auch die Forced-use Therapie setzt auf die Lernfähigkeit des Gehirns. Allerdings ist sie auf die Rehabilitation bei Arm- und Handlähmungen beschränkt.

Von der neuen Behandlungs-Kombination profitieren jedoch auch Patienten mit darüber hinausgehenden Lähmungen. Dafür werden Elemente aus der Forced-use Therapie und die c-EMG Biofeedback Behandlung in besonderem Maße aufeinander abgestimmt. Ziel ist es, den Teufelskreis erlernter Hilflosigkeit zu durchbrechen. Denn die Erfahrung zeigt, dass Patienten, z.B. nach einem Schlaganfall, über das eigentliche Maß der Lähmung hinaus den betroffenen Bereich schonen. Durch den anhaltenden Mindergebrauch werden mögliche Restfunktionen noch weiter verschlechtert. In der Fachsprache wird dieses Phänomen als "learned-non-use" bezeichnet.

Als erstes Institut in Deutschland bietet das Biofeedback Reha Zentrum in Wermelskirchen die Behandlungskombination an. Die in den USA geschulten Spezialisten haben damit bei Patienten mit Lähmungen, verursacht durch Erkrankungen und Schädigungen des Gehirns und Rückenmarks, beeindruckende Behandlungserfolge erzielt.

Quelle: obs/ Biofeedback Reha Wermelskirchen"



Blutdrucksenkung verlangsamt Progression der Hirnschädigung nach Schlaganfall


07.09.2005 - NEW YORK (Reuters Health) – Eine Blutdrucksenkung kann die Progression von Hyperintensitäten der weißen Substanz (WMHs) bei Schlaganfallpatienten laut einer neuen Untersuchung verlangsamen oder sogar aufhalten. Diese Feststellung hat eine wesentliche klinische Bedeutung angesichts des Zusammenhangs dieser Schäden mit der Entwicklung von Demenz und Depression.
„In einigen Studien wurden WMHs mit Hypertonie in Verbindung gebracht, aber es war nicht bekannt, ob eine Blutdrucksenkung die Progression dieser Schädigungen verlangsamen könnte“, erläuterte Letztautor Dr. Christophe Tzourio vom Hôpital La Salpetriere in Paris gegenüber Reuters Health.

Tzourio und sein Kollege untersuchten 192 Personen mit zerebrovaskulärer Erkrankung, die an der Perindopril Protection Against Recurrent Stroke Study (PROGRESS) teilnahmen – einer Studie, in der der Nutzen der Blutdrucksenkung zur Verhinderung wiederholter Schlaganfälle untersucht wurde.

Als Teil der Studie wurden die Teilnehmer randomisiert Perindopril allein oder in Kombination mit Indapamid oder Placebo zugeteilt. Zu Studienbeginn und nach etwa 36 Monaten wurde ein MRT zur Beurteilung und Einstufung der WMHs durchgeführt.

Bei der Nachuntersuchung wiesen die mit aktiv wirkenden Substanzen behandelten Teilnehmer eine Blutdrucksenkung von 11,2/4,3 mmHg auf im Vergleich zu jenen unter Placebo, heißt es in dem Bericht in Circulation vom 13. September.

Die Rate neuer WMHs bei der Nachuntersuchung betrug 12,5%. Durch die Therapie mit Antihypertensiva wurde das Risiko neuer WMHs um 43% gesenkt, außerdem stand sie mit einer Abnahme des Volumens der WMHs in Zusammenhang.

Die Vorteile der blutdrucksenkenden Therapie waren am deutlichsten bei Patienten mit schwergradigen WMHs zu Studienbeginn. Bei diesen Patienten führte die aktive Behandlung nicht zu neuen WMHs, während der Einsatz von Placebo mit WMHs von 7,6 Kubikmillimeter einherging.

„Obwohl wir nicht gezeigt haben, dass Blutdrucksenkung Demenz bei diesen Patienten aufhält, scheint es logisch, dass wenn sie die Progression von WMHs verlangsamt, sie auch helfen müsste, Demenz vorzubeugen", merkte Tzourio an.

In einem begleitenden Leitartikel kommentiert Dr. Ernesto L. Schiffrin vom Clinical Research Institute Montreal, dass die Ergebnisse dieser und anderer Studien „uns eine zusätzliche Grundlage verschaffen, älteren Leuten mit erhöhtem Blutdruck nicht die Anwendung von Antihypertensiva vorzuenthalten, um ein Schlaganfallrezidiv und die Progression hin zu kognitiver Verschlechterung zu verhindern.“

Quelle: Circulation 2005



Ursache für Schlaganfälle geklärt
Fehlendes Stoffwechselenzym häufiger Verursacher von Infarkten

Rostock - 11.08.2005/ - Neurologen der Universität Rostock http://www.med.uni-rostock.de haben die Ursache für Schlaganfälle entdeckt. Demnach ist eine genetisch bedingte Stoffwechselkrankheit namens Morbus Fabry häufig die Ursache von Infarkten bei jüngeren Patienten. Den Betroffenen fehlt ein spezielles Enzym im Stoffwechsel, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin Lancet http://www.thelancet.com . Aufgrund dieser Erkenntnisse lassen sich Schlaganfälle nun teilweise gezielt therapieren. Auch die Gefahr neuerlicher Infarkte lässt sich deutlich vermindern.

"Morbus Fabry ist eigentlich eine seltene Krankheit", so Arndt Rolfs von der Klinik für Neurologie. "Als wir aber jugendliche Schlaganfallpatienten auf diese Krankheit hin untersuchten, stellten wir fest, dass etwa fünf Prozent der Betroffenen diesen Enzymmangel aufwiesen", führt der Mediziner aus. Zwischen 2001 und 2004 hat das Team mehr als 700 jugendliche Patienten im Alter zwischen 18 und 55 Jahren untersucht. "Fünf Prozent aller Ursachen klingt zunächst wenig", so Rolfs. "Es ist aber mit deutlichem Abstand die wichtigste Einzelursache für Schlaganfälle bei jüngeren Patienten insbesondere bei solchen, die nicht die typischen Risikofaktoren wie hoher Blutdruck, Übergewicht und hohe Fette haben, oder rauchen"


Seit etwa zwei Jahren ist das Leiden durch eine so genannte Enzymersatztherapie gezielt therapierbar. Dies bedeute eine Revolution in der Erforschung des Schlaganfalls, da bisher meist gerade bei den jüngeren Patienten kaum Ursachen für den Schlaganfall gefunden wurden, diese Gruppe aber besonders hart von den Konsequenzen eines Schlaganfalls getroffen sind, führt Rolfs aus. "Beim rechtzeitigen Nachweis von Morbus Fabry - insbesondere im Rahmen von Familien, bei denen bereits bei einzelnen jüngeren Mitgliedern ein Schlaganfall aufgetreten ist, könnte dann der Hirnschlag verhindert werden", erklärt der Forscher.

Quelle: pte


Neue Hoffnung bei Schlaganfall -
„Gerinnungsfaktor VII“ stoppt Hirnblutungen wesentlich schneller

Baierbrunn (ots) - 22.07.2005 - Durch die schnelle Verabreichung einer gerinnungsfördernden Substanz können deutlich mehr Schlaganfallpatienten überleben, berichtet das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“. Bei Studien in den USA bekamen Patienten mit Hirnblutung den gentechnisch hergestellten Gerinnungsfaktor VII verabreicht. Er diente bisher dazu, Menschen mit der angeborenen Bluterkrankheit zu behandeln. Deutlich mehr Patienten überlebten den Schlaganfall als nach einer Behandlung mit einem Scheinmedikament. „Die Effekte sind gigantisch“ kommentiert Privatdozent Dr. Darius Nabavi von der Neurologischen Universitätsklinik Münster und Regionalbeauftragter der deutschen Schlaganfallhilfe die Ergebnisse. Hirnblutungen sind Ursache bei etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle. Vor einer Zulassung müssen weitere Studien die Wirkung des Geringungsfaktors VII bestätigen.

Quelle: Wort und Bild - Apotheken Umschau


Operativ dem Schlaganfall vorbeugen

Eschborn (ots) - 30.06.2005 - Droht aufgrund einer Verengung der Halsschlagader ein Schlaganfall, können Ärzte durch eine neue Methode das Risiko mindern und den Schlaganfall möglicherweise verhindern, berichtet die »Neue Apotheken Jllustrierte« vom 1. Juli. Bisher mussten Ärzte die erkrankte Arterie operativ ausschälen. Eine neue und möglicherweise schonendere Therapie steht nun in der Diskussion: die Aufdehnung der Halsschlagader unter örtlicher Betäubung mit Ballonkathetern und kleinen Drahtröhrchen (so genannten Stents).

Rund 15 Prozent der Schlaganfälle sind auf eine Verengung der Halsschlagader, eine so genannte Karotisstenose, zurückzuführen. Durch die richtige Therapie könnten Menschen mit einer solchen Verengung vor einem Schlaganfall geschützt werden. Die eine Methode ist die in vielen Fällen anwendbare und seit längerem bewährte Thromb-Endarteriektomie, kurz TEA genannt. Dabei kann durch eine Ausschälung der durch Kalkablagerung stark verengten Halsschlagader das Schlaganfallrisiko deutlich gemindert werden. Die andere Möglichkeit der Abhilfe einer Karotisstenose ist die Erweiterung der
Arterie mit einem Ballon und die Einführung einer Gefäßstütze (Stent) die sogenannte stentgestützte PTA. Dieser Eingriff kann in örtlicher Betäubung durchgeführt werden und benötigt keinen Hautschnitt am Hals. Ob TEA oder PTA: Mit beiden Maßnahmen lässt sich die Hirndurchblutung wesentlich verbessern.

Quelle: Neue Apotheken Illustrierte



Die Hälfte der Schlaganfallpatienten erleidet eine erneute Attacke - 60 Prozent der Patienten sterben innerhalb von zehn Jahren nach dem Schlaganfall

Utrecht (pte) - 20.06.2005 - Knapp die Hälfte der Schlaganfallpatienten erleidet innerhalb von zehn Jahren nach der Erkrankung erneut einen Schlaganfall oder bekommt Gefäßerkrankung. Jüngste Forschungsergebnisse des University Medical Centers http://www.umcutrecht.nl/ im niederländischen Utrecht belegen, dass 43 Prozent der Patienten, die einen leichten ischämischen Insult oder eine transiente ischämische Attacke (TIA) erlitten haben, einen erneuten Schlaganfall oder andere Gefäßkomplikationen erleiden. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe des Lancet http://www.thelancet.com publiziert worden.

Die niederländischen Forscher untersuchten die Überlebensrate und das Auftreten von vaskulären Erkrankungen bei über 2.400 Patienten. Dabei konnten sie feststellen, dass in den zehn Jahren nach dem Erleiden eines leichten ischämischen Insults beziehungsweise eines TIA rund 60 Prozent der Patienten verstarben. 54 Prozent der Patienten hatten in diesem Zeitraum mindestens einen neuen Schlaganfall erlitten. Das Risiko einer Gefäßerkrankung war am höchsten kurz nach einem ischämischen Insult und sank dann kontinuierlich ab. "Die Studie zeigt, dass das Sterberisiko besonders in den ersten drei Jahren nach dem Schlaganfall besonders hoch ist. Danach blieb das Schlaganfallsrisiko konstant", erklärte Studienleiter Ale Algra. 48 Prozent der Schlaganfallspatienten überstanden die Dekade nach der Erkrankung ohne weitere Komplikationen.

Quelle: pte


Schlaganfall kann den Stil eines Künstlers verändern
Besonders betroffen sind Farben und Details

Lausanne - 17.05.2005 - Die durch einen leichten Schlaganfall hervorgerufene Schädigung des Gehirns kann dazu führen, dass sich der Stil eines Künstlers verändert. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV) http://www.chuv.ch gekommen. Die Wissenschafter untersuchten die Auswirkungen eines Schlaganfalles auf zwei Berufsmaler. Sie beobachteten deutliche Veränderungen in den verwendeten Farben und den in den Arbeiten dargestellten Details. Die Ergebnisse wurden im Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry http://jnnp.bmjjournals.com veröffentlicht.

Einer der Künstler hatte einen Schlaganfall im linken Occipitallappen erlitten, der mit der Verarbeitung der geistigen Bilderwelt in Zusammenhang gebracht wird. Beim anderen Künstler war der limbische Thalamus in Mitleidenschaft gezogen worden, der mit den Frontallappen verbunden ist, die mit der Kreativität in Zusammenhang gebracht werden. Die Schlaganfälle hatten laut BBC keine Auswirkung auf die Wahl der dargestellten Themen. Die deutlichen Veränderungen des Stils wurden sowohl von einem Kunstkritiker als auch einem Berufskollegen bestätigt.

Beim ersten Künstler, einem 57 Jahre alten Rechtshänder, wurde die Darstellung der menschlichen Gliedmaßen dünner, schärfer und stilisierter. Gleichzeitig kam es zu einer vereinfachten Darstellung der Details. Licht spielte in den Arbeiten, die auch abstrakter wurden, eine stärkere Rolle. Der Maler gab an, dass er früher vor dem Malen die Leinwand eine Stunde lang visualisiert hatte. Jetzt war er dazu nicht mehr in der Lage. Jetzt entstünde die Inspiration nach und nach beim Malen selbst.

Der zweite 71 Jahre alte Maler konnte mit beiden Händen arbeiten. Er nutzte vor dem Schlaganfall die rechte Hand mehr als die linke. Nach dem Schlaganfall hatte sich diese Vorliebe genau umgekehrt. In seinen Arbeiten spielten Struktur und lineare Organisation eine größere Rolle. Die Farbenwahl und die Kontraste wurden kühner. Zusätzlich wechselte er von symbolischen zu mehr realistischen Darstellungen. Andere neurologische Schädigungen können ebenfalls eine Rolle spielen. Bei Demenz und Alzheimer wurde nachgewiesen, dass sich bei manchen Patienten der emotionale Ausdruck und die künstlerische Kreativität veränderten.


Quelle: Pressetext Schweiz



Notruf per SMS senkt Schlaganfall-Risiko: Bonner Studie über Frühwarnsystem bei Vorhofflimmern


Foto: photocase

12.05.2005 - Vorhofflimmern, die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung, birgt neben der Gefahr einer Herzschwäche unter anderem ein hohes Schlaganfall-Risiko. Nur eine sofortige Behandlung kann diese lebensbedrohliche Folgen vermeiden helfen. Die Medizinische Klinik II des Universitätsklinikums Bonn testet jetzt in Kooperation mit dem "Kompetenznetz Vorhofflimmern" - eine Initiative des Bundesministerium für Bildung und Forschung - ein weltweit einzigartiges Frühwarnsystem. Dieses überwacht den Herzschlag von etwa 800 Studienteilnehmern rund um die Uhr und meldet jede Unregelmäßigkeit sofort per SMS. T-Mobile übernimmt für den Studienzeitraum von fünf Jahren die Kosten der SMS-Übertragungen - circa 200.000 bis 300.000 Euro.

In Deutschland leiden über eine Millionen vor allem ältere Menschen an Vorhofflimmern - Tendenz steigend. Dabei kommt es in den Herzvorhöfen zu sehr raschen, unkoordinierten elektrischen Impulsen. Diese bringen das Herz aus seinem Takt. Ferner können sich Blutgerinnsel bilden, die beispielsweise Halsgefäße verschließen und so zum Schlaganfall führen. Eine schnelle Gabe von blutverdünnenden Medikamenten senkt das Schlaganfallrisiko deutlich. Doch oft spüren Betroffene keine Symptome wie Herzrasen, Luftnot, Schmerzen, Übelkeit oder auch Schwindel.

Daher betreut die Medizinische Klinik II des Universitätsklinikums Bonn Patienten mit einem implantierten Herzschrittmacher oder Elektroschockgerät, einem so genannten Defibrillator, die sich im Rahmen der Studie an einem fortlaufenden "Home Monitoring" beteiligen. "Diese Patienten haben aufgrund zusätzlicher Faktoren ein hohes Risiko in den ersten drei Jahren nach Geräteimplantation ein Vorhofflimmern auszubilden", sagt Studienleiter Privatdozent Dr. Thorsten Lewalter.

Die für die Bonner Studie genutzte - derzeit einzigartige - Technologie entwickelte das Berliner Medizintechnikunternehmen Biotronik. Das implantierte Aggregat sendet regelmäßig und im Falle besonderer Ereignisse über eine integrierte Antenne und einem externen Empfänger SMS-Nachrichten an ein Service-Center. Dieses leitet via Fax oder Internet die Informationen weiter an den betreuenden Arzt. So zeigt das Frühwarnsystem das Auftreten von Vorhofflimmern innerhalb von 24 Stunden an. Dadurch ist eine zeitnahe Behandlung möglich. "Das "Home Monitoring" kann die negativen Folgen des Vorhofflimmerns wie beispielweise einen Schlaganfall deutlich senken. Davon profitieren vor allem auch jene Patienten, die ein Vorhofflimmern nicht bemerken", sagt Kardiologe Lewalter.

Quelle: Rheinische Friedrichs-Wilhelm-Universität Bonn


Techniker Krankenkasse rät: Beim Schlaganfall Alarm schlagen!

Hamburg (ots) - 12.05.2005 - Ihren Namen hat die Erkrankung nicht umsonst: Die Symptome eines Schlaganfalls treten "schlagartig" auf und sind, je nach betroffener Hirnregion, unterschiedlich. Sehr häufig erscheinen sie gemeinsam mit starken Kopfschmerzen und Schwindel.

Typische Alarmsignale eines Schlaganfalls können sein: plötzliche halbseitige Lähmungen, Krampfanfälle, Geh- oder Sprachstörungen, verschwommenes Sehen oder Sehen von Doppelbildern und Verwirrtheitszustände.

Selbst wenn sich die Symptome zunächst nicht verschlimmern oder nicht gravierend erscheinen, sollte der Notarzt alarmiert werden. Denn je eher der Schlaganfall behandelt wird, desto besser lassen sich bleibende Schäden begrenzen.

Quelle: presseportal


Schlaganfall - Schnarcher leben riskant -
Nicht diagnostizierte Schlafapnoe erhöht das Schlaganfallrisiko

Martinsried (ots) - 10.05.2005 - 70% aller Schlaganfallpatienten leiden an einer schlafbezogenen Atmungsstörung (SBAS). Die meisten Betroffenen wissen jedoch nichts von dieser Erkrankung.

Schlafbezogene Atmungsstörungen, vor allem die obstruktive Schlafapnoe (OSA), sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Wenn lautes, unregelmäßiges Schnarchen durch Atemstillstände (Apnoen) oder zu geringe Atmung (Hypopnoe) von mehr als zehn Sekunden Dauer unterbrochen wird, spricht man von einer OSA. Das Gaumensegel verschließt dabei die oberen Atemwege, so dass den Betroffenen mindestens fünf Mal pro Stunde die Luft wegbleibt. Die Folge sind schwere Erkrankungen, bei denen OSA als Ursache häufig zu spät erkannt wird. Durch den nächtlichen Sauerstoffmangel sind vornehmlich Organe mit besonders hohem Sauerstoffbedarf betroffen - vor allem Gehirn und Herz. Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit, Bluthochdruckerkrankungen oder plötzlicher Herztod sind häufig die Folge. Rund 2 % der Frauen und 4 % der Männer zwischen 30 und 60 Jahren leiden unter OSA. In Deutschland kann man von rund 4,0 Millionen Betroffenen ausgehen. Allerdings sind weniger als 5 % dieser Betroffenen als solche diagnostiziert und in therapeutischer Behandlung.

Mit microMESAM® ist die großflächige Identifizierung bislang unerkannter Schlafapnoe-Patienten möglich. Das neue Gerät integriert erstmals Ärzte aller Fachrichtungen in die Diagnostik der Schlafmedizin: Der einfach durchzuführende Screeningtest erfordert keine fundierten schlafmedizinischen Kenntnisse. Anders als die Polysomnographie, die Schlafspezialisten vorbehalten, personalaufwändig und teuer ist, kann der neue Risiko-Screener auch in der Hausarztpraxis angewendet werden. Dieses kleine und einfach zu bedienende Gerät wird dem Patienten eine Nacht zur Verfügung gestellt. Ein spezieller Sensor zeichnet alle relevanten Daten über die Atmung auf, und schon am nächsten morgen wird die Aufzeichnung am praxiseigenen PC ausgewertet. Anhand eines farblich skalierten "Risikoindikators" ermöglicht die ausgedruckte Analyse auch dem Nicht-Somnologen auf einen Blick zu beurteilen, ob eine vertiefte Diagnostik in einem Schlaflabor erforderlich ist.

Quelle:presseportal


Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe will Notfallversorgung
beschleunigen
-
Eva Luise Köhler und Liz Mohn: Schnelles Handeln kann Leben retten

Gütersloh (ots) - 10.05.2005 - Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe will die Zeit vom Einsetzen der ersten Schlaganfall-Symptome bis zur Therapieentscheidung im Krankenhaus verkürzen. Zum bundesweiten "Tag gegen den Schlaganfall" am 10. Mai 2005 hat sie ihr Projekt "Notfall-Management" vorgestellt, das in seiner Konzeption einzigartig ist.

"Jedes Jahr erleiden über 200 000 Menschen in unserem Land einen Schlaganfall - viele Menschen sterben, viele leiden unter schwerwiegenden körperlichen und seelisch-geistigen Folgen. Wenn die Notfallversorgung beschleunigt wird, können Leben gerettet und die Folgen begrenzt oder sogar vermieden werden", betonte Eva Luise Köhler anlässlich der Vorstellung des Projektes im Rahmen des Berliner Ärztekongresses. Die Ehefrau des Bundespräsidenten lobte das Projekt der Stiftung: "Um bestehende Defizite der Versorgung von Betroffenen auszuräumen sind innovative Konzepte gefragt - wie das der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe."

Das Projekt "Notfall-Management" setzt auf drei zentrale Maßnahmen: Auf gemeinsam mit einem Expertenrat entwickelte Schulungen für die an der Notfallversorgung beteiligten Berufsgruppen, auf Information der Öffentlichkeit über Symptome und das richtige Verhalten im Notfall sowie auf Verbesserung der Prozesse sowohl beim Rettungsdienst als auch im Krankenhaus. Die Maßnahmen werden ab Herbst dieses Jahres in zwei Modellregionen erprobt. Das Einzigartige: Erstmals wird die Wirksamkeit aller drei Maßnahmen in dieser Kombination wissenschaftlich überprüft - das Konzept kann so anschließend angepasst und deutschlandweit umgesetzt werden.

"Schnelles Handeln kann Leben retten und Lebensqualität langfristig sichern. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten. Dementsprechend heißt unser Motto: 112 - Das Leben wählen", sagte die Präsidentin der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Liz Mohn. Sie forderte alle Menschen auf: "Wenn plötzlich die typischen Symptome wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen auf einer Körperseite, Sprach- oder Sprachverständnisstörungen sowie Sehstörungen auftreten, zögern Sie nicht - rufen Sie 112."

Den Hintergrund des Projektes erklärte der Schlaganfall-Experte und Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster, Prof. Dr. Erich Bernd Ringelstein: "Das Therapiespektrum beim Schlaganfall hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Je schneller die richtige Therapie einsetzt, desto höher ist die Chance, dass Gehirnzellen vor dem Absterben gerettet werden." Deshalb sei es wichtig, dass die Betroffenen sofort nach Auftreten der ersten Symptome in eine für die Schlaganfall-Behandlung geeignete Klinik eingeliefert werden.

Der Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für körperliche Behinderungen im Erwachsenenalter. Seit über zehn Jahren engagiert sich die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe für eine Verbesserung der Schlaganfallversorgung und steht als Ansprechpartner für Betroffene und Angehörige zur Verfügung.

Quelle: presseportal


Ultraschall fördert Heilung nach Schlaganfall -
Kombinationstherapie löst Blutgerinnsel schneller auf

Boston/Berlin - 04.05.2005 - Eine Kombinationstherapie aus Medikamenten und Ultraschall kann ein Blutgerinnsel bei einem Schlaganfall schneller auflösen, als die blosse Verabreichung von Arzneimitteln. Zu diesem Schluss kommt eine Studie eines internationalen Forscherteams im Wissenschaftsmagazin New England Journal of Medicine http://content.nejm.org. Die bisher einzige effektive Therapie besteht in einer medikamentösen Auflösung dieser Gerinnsel mittels so genannter "Thrombolytika".

Schlaganfälle entstehen in der Regel als Folge eines Verschlusses einer Hirnarterie durch ein Blutgerinnsel (Thrombus). Bei der Beschallung der verschlossenen Arterie durch den Schädelknochen mit Ultraschall entsteht durch die Freisetzung von Energie im Thrombus möglicherweise eine Zertrümmerung. Dadurch entsteht eine größere Angriffsfläche für das Medikament, so dass der Gefäßverschluss schneller wieder geöffnet wird. Die lebensnotwendige Hirndurchblutung im betroffenen Areal wird dadurch wieder hergestellt, berichtet die Deutsche Schlaganfallgesellschaft (DSG) http://www.dsg-info.de . Eine solche Behandlung trage zur schnelleren Genesung der Patienten bei, meint Martin Grond, Vorstandsmitglied der DSG. "Der kontinuierliche Einsatz von Ultraschall könnte in Zukunft die Therapie mit Thrombolytika ergänzen und die Heilungschancen nach einem Schlaganfall erhöhen".

Ultraschall wurde bisher bei Schlaganfall-Patienten nur zu diagnostischen Zwecken eingesetzt, um die Gefäßverschlüsse zu lokalisieren. Nach den ersten Untersuchungen konnten keine erhöhten Gefahren bei einer Kombinationsbehandlung festgestellt werden. Insbesondere die Hirnblutungsrate war nicht erhöht. Nach den Erfolgen der Pilotstudie mit knapp 130 Patienten in Nordamerika und Europa soll nun die Phase-II-Studie weitere Erkenntnisse liefern.

Zu den dringlichsten Maßnahmen bei einem Schlaganfall gehört die Wiederherstellung der lebensnotwendigen Sauerstoff-Versorgung wichtiger Gehirnareale. Daher erhalten Patienten möglichst frühzeitig ein Medikament zur Blutverdünnung, das das Gerinnungsgleichgewicht des Blutes wiederherstellt und die Gerinnsel in den Blutgefäßen auflöst. Je schneller ein Arterienverschluss aufgelöst wird, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden.

Quelle: pressetext.autria


Symptome des Schlaganfalls - als Notfall erkennen

Ingelheim - 15.04.2005 (ots) - Die Bundesregierung wird die Prävention - die Vorbeugung von Gesundheitsschäden und gesundheitlichen Beeinträchtigungen - im Laufe dieses Jahres mit dem geplanten Präventionsgesetz als vierte Säule im Gesundheitswesen verankern. Zur Prävention gehört insbesondere auch Aufklärungsarbeit. Im Falle eines Schlaganfalls bedeutet das: Betroffene und die Menschen um sie herum müssen die Symptome eines Schlaganfalls nicht nur erkennen und richtig einschätzen, sondern auch rasch und richtig handeln. Vor allem muss bei einem Schlaganfall sofort medizinische Hilfe geholt werden, damit etwa die Lyse-Therapie zur Verhinderung von Folgeschäden innerhalb des kritischen Zeitfensters von drei Stunden zum Einsatz kommen kann. Denn: Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde!

Schlaganfallsymptome erkennen und richtig handeln

Wichtig ist, immer wieder auf Schlaganfall-Symptome hinzuweisen. Patienten und ihre Angehörigen sind ständig zu ermuntern, diese Symptome nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. "Der Notarzt sollte lieber einmal zu oft als einmal zu wenig gerufen werden" bekräftigten Rettungsdienste "insbesondere ältere Menschen verkennen häufig die gefährliche Situation und warten lieber ab, als diese Warnzeichen ernst zu nehmen". Symptome, die die Alarmglocken schrillen lassen sollten, sind etwa halbseitige Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle, herabhängende Mundwinkel, Sprach- und Sprechstörungen oder Sehstörungen wie halbseitige Blindheit oder Gesichtsfeldausfälle.

Aufklärungskampagne in der Region Mainz und Rheinhessen - Nachahmung wünschenswert

Vor 1,5 Jahren übernahm die Landesministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit die Schirmherrschaft für eine Aufklärungsaktion. Gemeinsam mit dem Unternehmen Boehringer Ingelheim, der Klinik für Neurologie der Universität Mainz, der Landeszentrale für Gesundheitsförderung, der KV, Kassen und dem DRK Rettungsdienst sowie mit vielen weiteren Partnern wurde eine Aufklärungskampagne in der Region durchgeführt. Zahlreiche Artikel in der Tageszeitung, informative Plakate an Großflächen, auf öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Rettungsfahrzeugen - immer prominent mit der Notrufnummer - wurden von der Bevölkerung wahrgenommen. Jetzt konnte eine äußerst positive Bilanz gezogen und Fakten präsentiert werden: die Zahl der Früheinweisungen innerhalb des bei einem Schlaganfall kritischen Zeitfensters von drei Stunden konnte um 22 Prozent (auf insgesamt 38 Prozent aller Einweisungen), die Lyserate von vorher zwei auf neun Prozent mehr als vervierfacht werden. "Die Möglichkeiten für eine erfolgreiche Therapie sind durch die breite Öffentlichkeitsarbeit besser geworden" resümieren die Ärzte, dennoch, dürfe man sich auf dem Erreichten nicht ausruhen! Weitere, vergleichbare Schlaganfallkampagnen sind zwischenzeitlich auch in der Region Nahe/Hunsrück, im Raum Bonn/Aachen und im Saarland gestartet. Mehrere Jahre läuft bereits die Aktion "Gesunder Niederrhein gegen den Schlaganfall". Nach dem Motto "Wissen nimmt Angst" sollen alle Aktionen die Bevölkerung sensibilisieren für das schnelle und richtige Handeln beim Auftreten von Schlaganfallsymptomen. Ein erstrebenswertes Ziel wäre die bundesweite Umsetzung - und so hoffen die Beteiligten, weitere "Nachahmer" zu finden.

Frühe Behandlung erhöht die Erfolgsaussichten und vermindert Folgeschäden Jährlich erleiden etwa 200.000 Menschen hierzulande erstmals einen Schlaganfall. Ein Drittel der Betroffenen wird in den nächsten sechs Monaten an den Folgen gestorben sein, ein Drittel trägt mehr oder minder schwere Behinderungen davon, und ein Drittel übersteht den Schlaganfall ohne nennenswerte Folgen. Je früher ein Schlaganfall erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten, die Folgeschäden möglichst gering zu halten. Für den Erfolg einer Lyse-Therapie etwa, die zur Auflösung von Blutgerinnseln eingesetzt wird und irreversible Hirnschädigungen minimieren kann, ist der Therapiebeginn innerhalb der ersten drei Stunden nach dem Schlaganfall unabdingbare Voraussetzung.

Quelle: Boehringer Ingelheim



Ursache für sekundären Schlaganfall identifiziert

Cincinnati - 29.03.2005 - Wissenschafter der University of Cincinnati http://www.uc.edu haben die Ursache einer tödlichen Form von sekundärem Schlaganfall entdeckt. Beim zerebralen Vasospasmus handelt es sich um eine Verengung der Blutgefäße im Gehirn, die drei bis zehn Tage nach einer massiven Gehirnblutung, dem hämorrhagischen Schlaganfall, auftritt. 60 Prozent der Patienten, die den ersten Schlaganfall überleben, entwickeln einen Vasospasmus. 40 Prozent der Betroffenen sterben an diesem zweiten Schlaganfall. Das Team um Joseph Clark hat jetzt jene Moleküle identifiziert, die einen Vasospasmus auslösen. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Cerebral Blood Flow and Metabolism http://www.nature.com/jcbfm veröffentlicht.

Ein Vasospasmus wird laut dem Wissenschafter Joseph Clark durch eine Ansammlung von Toxinen verursacht, die durch die Blutung während des ersten Schlaganfalles entsteht. Nach einem hämorrhagischen Schlaganfall tragen die von der Blutung abgegebenen Toxine zur Entwicklung spezifischer Moleküle bei. Verschiedene Bestandteile der Rückenmarksflüssigkeit wurden bereits als Verursacher des Vasospasmus angenommen. Dazu gehörten Hämoglobin, Bilirubin und peroxidierte Lipide sowie eine als BOXes bekannte Gruppe von Bilirubin-Oxidationsprodukten.

Aufbauend auf früheren Studien Clarks mit Ratten ermittelten die Wissenschafter die Menge jeder der verdächtigten Substanzen bei zwölf Patienten mit einem hämorrhagischen Schlaganfall. Innerhalb von zehn Tagen erlitten vier der Teilnehmer einen zerebralen Vasospasmus. Bei diesen Patienten konnten erhöhte Bilirubin- und höhere Werte der BOXes festgestellt werden. Einer der zwölf Teilnehmer mit erhöhtem Bilirubin aber kaum BOXes erlitt keinen sekundären Schlaganfall. Der Zusammenhang zwischen erhöhten BOXes, Bilirubin und oxidativem Stress war laut der Wissenschafterin Gail Pyne-Geithman markant.

Quelle: pressetext.austria


"Blinder Fleck" links deutet auf Aufmerksamkeits-Defizit hin -
Britische Forscher finden Analogie von ADHD und Schlaganfällen


Cambridge - 01.03.2005 - Kinder, die Dinge im linken Gesichtsfeld auslassen, könnten nach Ansicht des britischen Medical Research Council am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität (ADHD) leiden. Zu den typischen Beispielen zählen etwa das Vergessen der ersten beiden Buchstaben eines Wortes oder das Malen und Zeichnen ausschließlich am rechten Rand eines Blattes Papier, berichtet BBC-Online http://news.bbc.co.uk .


Bild: photoCase

Mediziner stellen für das Vergessen oder Auslassen von Buchstaben häufig die Diagnose "Legasthenie". Wissenschaftler kennen jene Einschränkung der linken Seite von Patienten mit Schlaganfällen oder mit Verletzungen auf der rechten Seite des Gehirns. Sie weist nämlich darauf hin, dass der rechte Teil des Gehirns in irgendeiner Art und Weise betroffen ist. Bei Erwachsenen äußert sich das so, als würde eine Hälfte der Welt nicht existieren. Den Forschern der Cognition and Brain Sciences Unit vom Medical Research Council in Cambridge war allerdings aufgefallen, dass einige Kinder, die normale Intelligenz aufwiesen und keinerlei Hirnerkrankungen hatten, dennoch aber am ADHD litten, ähnliche Verhaltensmuster zeigten wie Erwachsene nach Schlaganfällen. Sie negierten die linke Seite.

In weiteren Untersuchungen an gesunden Kindern in Nottingham wollten die Forscher feststellen, ob die zehn Prozent der am meisten zappelnden und unruhigen Kinder verglichen mit den zehn ruhigsten, ebenso die linke Seite ignorieren. Tatsächlich hatten jene Kinder, die am ehesten als "Zappel-Philipp" eingestuft wurden, Probleme, Dinge die sich links befanden, wahrzunehmen, zu bemerken oder zu spüren. "Offensichtlich ist die rechte Gehirnhälfte dafür da, uns wach und aufmerksam zu machen, wenn wir gelangweilt sind", so Studienleiter Tom Manley. "Alle Kinder verlieren Informationen unproportional von links, allerdings passiert dies bei jenen mit ADHD schneller", führt der Forscher aus.

Quelle: pressetext.austria


Flächendeckende Versorgung von Schlaganfallpatienten im Saarland: Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft fordert dies auch für andere Bundesländer

Berlin – 28.01.2005 -  Als erstes Bundesland hat das Saarland eine flächendeckende Versorgung von Schlaganfallpatienten mit zertifizierten Stroke Units. Dadurch wird sichergestellt, dass saarländische Schlaganfallpatienten aus jeder Region innerhalb kürzester Zeit in die Spezialeinrichtungen eingeliefert werden können. Stroke Units ermöglichen eine bestmögliche Versorgung der Schlaganfallpatienten. Deshalb fordert die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft die flächendeckende Versorgung in allen Bundesländern nach saarländischem Beispiel.

Das dichte Stroke Unit Netz ermöglicht den Notärzten kurze Anfahrtswege, egal aus welcher Region. Auch die Kommunikation untereinander ist vorbildlich: Falls eine Stroke Unit überfüllt sein sollte, gibt es verbindliche Regelungen, welche Stroke Unit dann alternativ angefahren werden kann. Notärzte und Rettungsdienst werden darüber fortlaufend informiert. Politische Unterstützung erhält dieses Projekt vom Ministerium für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales des Saarlandes. Das Ministerium befürwortet explizit eine vorrangige Behandlung der Betroffenen auf Stroke Units.

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft setzt sich für die Verbesserung der Schlaganfall-Versorgung in ganz Deutschland ein. Sie fordert die Einrichtung weiterer zertifizierter Stroke Units, um auch in anderen Bundesländern eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Hierfür müssen Krankenhäuser entsprechende Voraussetzungen schaffen, damit eine Zertifizierung erlangt werden kann. Nur so können Schlaganfallpatienten von Anfang an optimal behandelt werden. Denn dadurch steigen die Überlebens- und Heilungschancen deutlich. "Die Qualität der Erstbehandlung entscheidet über das weitere Schicksal des Schlaganfall Patienten", betont Professor Dr. med. Martin Grond, Vorstandsmitglied der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und Chefarzt der Neurologie am Kreiskrankenhaus Siegen. Stroke Units verfügen über die personelle, apparative und strukturelle Ausstattung, mit denen Schlaganfallpatienten optimal behandelt werden können. Nur wer diese Voraussetzungen erfüllt, wird von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe zertifiziert.

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft wurde im Dezember 2001 gegründet. Ihr Ziel ist es, die Forschung und Weiterbildung zur Behandlung des Schlaganfalls zu koordinieren, zu qualifizieren und zu fördern. Mit ihren Aktivitäten spricht die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft Ärzte aller Fachrichtungen und Leistungserbringer im Gesundheitswesen an, die in die Versorgung von Schlaganfall-Patienten eingebunden sind. Weitere Informationen zur Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft sind im Internet unter www.dsg-info.de abrufbar.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Was nach einem Schlaganfall im Gehirn passiert
Wissenschafter erforschen genaue Vorgänge beim Zelltod

Leicester – 28.01.2005 - Wissenschafter des Medical Research Council http://www.mrc.ac.uk haben die genauen Vorgänge beim Tod von Gehirnzellen nach einem Schlaganfall erforscht. Entscheidend ist eine Überlastung mit aufgeladenen Kalziumpartikeln oder -ionen. Ist das Gehirn durch den verringerten Blutfluss arm an Sauerstoff, kommt es zu Vorgängen, die zu gefährlich hohen Mengen von Kalziumionen in den Gehirnzellen führen. Das Team geht davon aus, dass die Korrektur dieses Ungleichgewichts Schlaganfallpatienten Vorteile bringen würde. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Cell http://www.cell.com veröffentlicht.

Experten hatten laut BBC bereits seit einiger Zeit angenommen, dass Kalzium eine entscheidende Rolle spielt. Die Forschung konzentrierte sich jedoch hauptsächlich auf den Versuch, das Eindringen der Kalziumionen in die absterbenden Nervenzellen zu verhindern. Die aktuelle Studie geht jedoch davon aus, dass das Hauptproblem ein Fehler in jenem Mechanismus ist, der die Kalziumionen aus den Nervenzellen entfernt. Das Team um Pierluigi Nicotera untersuchte, was im Gehirn von Ratten passiert, wenn diese Tiere einen Schlaganfall erleiden. Wurde die Blutzufuhr zum Gehirn unvermittelt gestoppt, setzten die Nervenzellen Chemikalien frei, die sie zur Kommunikation untereinander einsetzen. Eine dieser Chemikalien, Glutamat, verursacht durch das Auslösen der Freisetzung einer Flut von Kalziumionen in die betroffenen und benachbarten Nervenzellen umfangreiche Schäden. Dieser Kalziumzustrom aktiviert Enzyme, so genannte Calpains, die ein Protein in der äußeren Membran der Nervenzellen abbauen, das normalerweise Kalzium aus den Zellen entfernen würde.

Quelle: pressetext.austria


Ein Vampir, der Leben rettet - Tierische Blutsauger besitzen Substanz gegen Blutgerinnung

Baierbrunn (ots) 28.12.2004 - Die im Speichel einer in Mexiko lebenden
Vampir-Fledermaus vorkommende Substanz „Desmoteplase“ könnte bald
Schlaganfallpatienten bessere Chancen bieten, die Erkrankung mit
weniger Folgeschäden zu überstehen, berichtet das Gesundheitsmagazin
"Apotheken Umschau". Desmoteplase verzögert die Blutgerinnung. Die
blutsaugende Fledermaus kann so ihr Beutetier bis zu einer halben
Stunde lang aussaugen.

Nach Schlaganfällen ist es wichtig, möglichst
bald wieder eine ausreichende Durchblutung des Gehirns herzustellen.
Das einzige bisher verfügbare Medikament wirkt nur bis zu drei
Stunden nach dem Ereignis. Desmoteplase konnte bei ersten Tests noch
neun Stunden nach einem Schlaganfall dessen Folgen lindern. Die
US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA überzeugten die Ergebnisse
der von der deutschen Pharmafirma „Paion“ zum Medikament entwickelten
Substanz so sehr, dass sie eine beschleunigte Zulassung in Aussicht
gestellt hat.

Quelle: Wort und Bild - Apotheken Umschau


Frauen in den Wechseljahren - Schlaganfallgefahr durch Hormonersatztherapie

Gütersloh (ots) 15.10.2004 - Hitzewallungen, Schlafstörungen oder
Depressionen - mit diesen Symptomen haben viele Frauen während der
Wechseljahre zu kämpfen. Wenn die Patientinnen unter den Beschwerden
leiden, raten Ärzte häufig zu einer kurzfristigen Hormontherapie -
die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe rät zur Vorsicht! Denn was
viele Frauen nicht wissen: Mit der Einnahme von Hormonen steigt das
Risiko einen Schlaganfall zu erleiden.

Erst kürzlich wurde in den USA eine Hormonersatzstudie wegen
erhöhter Schlaganfallgefahr abgebrochen. Fast 11 000 Frauen hatten an
der so genannten WHI-Studie (Women' s Health Initiative)
teilgenommen. Sie erhielten ausschließlich Östrogene. Bereits ein
Jahr zuvor war eine große Studie vorzeitig beendet worden, in der
Frauen eine Hormonkombination aus Gestagenen und Östrogenen bekamen.
Grund: Auch hier stieg das Schlaganfallrisiko.

"Wir verschreiben eine Hormonersatztherapie nur noch in absoluten
Ausnahmefällen", sagt der Neurologe Dr. Heinrich Audebert, Oberarzt
am Städtischen Krankenhaus München-Harlaching und
Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. "Nur
wenn die Patientinnen unter massiven Beschwerden leiden, raten wir zu
einer kurzfristigen Hormongabe."

Auch der Regionalbeauftragte Dr. Thomas Günnewig, Neurologe am
Elisabeth Krankenhaus in Recklinghausen, empfiehlt einen vorsichtigen
Umgang: "Leiden die Patientinnen unter schweren
Wechseljahrsbeschwerden, rate ich ihnen zu einer niedrig dosierten
Therapie. Allerdings frage ich zuvor nach anderen Risikofaktoren, die
einen Schlaganfall begünstigen. Zum Beispiel Raucherinnen müssen
selbst entscheiden, ob sie das Risiko einer zusätzlichen
Hormonersatztherapie eingehen wollen."

Um mögliche Risikofaktoren herauszufinden, hat die Stiftung
Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Gütersloh einen auf
medizinisch-wissenschaftlichen Grundlagen basierenden Risiko-Test
entwickelt. Anhand eines leicht verständlichen Fragebogens kann jeder
das eigene Schlaganfallrisiko ermitteln. Bei der Stiftung gibt es
außerdem vielfältige Informationen zum Krankheitsbild Schlaganfall,
den Risikofaktoren, Warnzeichen und Symptomen.

Der Risiko-Test  kann über das Service- und Beratungszentrum der
Stiftung unter der Telefonnummer 01805 093 093 (0,12 EUR/Min.)
bezogen werden.

ots Originaltext: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe


Wenn Gehen neu gelernt werden muss

Pilotstudie der Europa Fachhochschule Fresenius in der Neurologischen Rehabilitationsklinik Bad Camberg

14.09.04 - Idstein. Jährlich erkranken in Deutschland rund 500.000 Bürger an einem Schlaganfall, wobei das Risiko von Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand und Lebensweise abhängt. Etwa zwei Drittel der Betroffenen erleiden Gangstörungen aufgrund des Hirninfarkts. Die Europa Fachhochschule Fresenius (EFF) untersuchte in einer Pilotstudie, die mit Patientinnen und Patienten der Neurologischen Rehabilitationsklinik Bad Camberg durchgeführt wurde, wie Gangstörungen möglichst effektiv behandelt werden können. Das Gangbild von Schlaganfallpatienten weicht vom normalen Gangbild ab - wie stark, das hängt zum einen vom Schweregrad des Infarkts ab, zum anderen von der körperlichen und psychischen Verfassung. Das gestörte Gangbild ist vor allem durch Asymmetrien gekennzeichnet, denn viele Patienten haben (halbseitige) Lähmungserscheinungen. Folgen sind oft große Unsicherheiten, erhöhte Sturzgefahr oder gar Bewegungsunfähigkeit.

Nervenverbindungen aktivieren

Die Forschung konzentriert sich seit einigen Jahren auf neuronale Verbindungen im Rückenmark, die für zyklische Bewegungen wie zum Beispiel für das Gehen verantwortlich sind. Um diese Verbindung zu aktivieren, sind aufgabenspezifische häufig wiederkehrende Übungen notwendig. Die EFF-Studie beschäftigte sich mit der Frage, inwiefern die Ganggeschwindigkeit bei der Laufbandtherapie den Regenerierungsprozess der neuronalen Verbindungen beeinflusst. Das Ergebnis: Insbesondere für schwerer betroffene Patienten erzielt eine vergleichsweise langsame, kontinuierliche Laufbandtherapie die größten Erfolge. Patienten, die trotz des Schlaganfalls etwas schneller zu Fuß sind (d.h. die mehr als einen halben Meter pro Sekunde zurücklegen), profitieren hingegen von einer entsprechend schnelleren Therapieform. "Um diese ersten Ergebnisse zu überprüfen, läuft derzeit eine Fortsetzung des Forschungsprojektes an", so EFF-Forschungsprojektleiter Christian Grüneberg, der die Studie betreute, die in Zusammenarbeit mit Frau Anke Greb aus der physiotherapeutischen Abteilung der Neurologischen Rehabilitationsklinik Bad Camberg und deren Team durchgeführt wurde.

Quelle: Europa Fachhochschule Fresenius


Nach dem Schlaganfall ist vor dem Schlaganfall!

Nationale und internationale Leitlinien medizinischer Gesellschaften geben klare Empfehlungen, wie man dem so genannten »Folge-Schlaganfall« vorbeugen sollte.

27.08.2004 - Nahezu jeder vierte Patient, der einen Schlaganfall überlebt,
erleidet in den ersten drei Jahren danach einen zweiten. Dieser endet häufig tödlich oder zieht eine schwere Pflegebedürftigkeit nach sich. Die Vorbeugung beginnt unmittelbar nach dem ersten "Schlag" und beinhaltet neben einer gesunden Lebensweise auch die richtige medikamentöse Therapie.

Bisher versuchen die betreuenden Ärzte in der Regel mit einer Gabe von ASS (Acetylsalicylsäure - die Substanz hemmt die Blutgerinnung) den Folge-Schlaganfall zu verhindern. Dieses Vorgehen entspricht nun nicht mehr den neuesten medizinischen Erkenntnissen, wie die Schlussfolgerung aus einer der größten Studien zur Verhinderung des Folge-Schlaganfalls, ESPS-2, lautet.

Die Substanz-Kombi rettet mehr Leben


Deutsche und internationale medizinische Fachgesellschaften empfehlen in ihren Leitlinien 2003 als Sekundär-Präventionsmaßnahme der ersten Wahl jetzt auch eine fixe Kombination der Substanzen ASS und Dipyridamol retard. In einem zweijährigen Studienzeitraum wurde der Nachweis erbracht, dass mit dieser Kombination doppelt so viele Schlaganfälle verhindert werden konnten wie mit ASS allein.

Während die alleinige Gabe von ASS die Gefahr eines Folge-Schlaganfalls um etwa 18 Prozent verringert, erreichen ASS plus Dipyridamol retard gemeinsam eine Risikoreduktion von 37 Prozent. In Patientenzahlen ausgedrückt heißt das: Über die Studiendauer von zwei Jahren konnten durch ASS alleine 29, durch ASS plus Dipyridamol 58 Patienten von 1.000 vor einem Folgeschlaganfall geschützt werden. Dagegen erlitten 152 Patienten, die nicht medikamentös behandelt wurden, einen zweiten Schlaganfall
.

Quelle: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG



Haben Internetnutzer mittelfristig ein größeres Schlaganfall-Risiko?

Der Risiko-Test "Ich doch nicht!" erreicht überwiegend Internet-Teilnehmer - erschreckend geringe Kenntnis über Risikofaktoren

23.08.2004 - Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und der forschende Arzneimittelhersteller Pfizer haben eine erste Bilanz aus der Aufklärungs-kampagne "Ich doch nicht"! gezogen. Auf der Basis eines wissenschaftlich ausgearbeiteten Fragebogens hat jeder seit letztem Jahr die Möglichkeit, sein individuelles Herz-Kreislauf-Risiko zu testen. Von 30.000 Personen liegen die
Auswertungen vor. Der als Print- und Online-Version in Umlauf gebrachte Risiko-Test, erreichte bisher überwiegend Internet-Teilnehmer jüngeren und mittleren Alters - mit dem Ergebnis: Die jüngeren Online-User sind nur ungenügend über Gefäßkrankheiten informiert und unterschätzen ihr Schlaganfall-Risiko. Internetnutzer - im Durchschnittsalter von 45 Jahren - leben im Vergleich zu den ca. 12 Jahre älteren Printteilnehmern wesentlich ungesünder!

Insbesondere die lebensstilabhängigen Risikofaktoren Rauchen und Bewegungsmangel sind unter ihnen weit verbreitet. Knapp die Hälfte der Zielgruppe bewegen sich weniger als 2 Stunden pro Woche. Alarmierend ist das geringe Wissen über Risikofaktoren bei einer gleichzeitig subjektiven hohen Gesundheitseinschätzung. Nur ein Viertel der befragten Internet-Teilnehmer hat den eigenen Gesamtcholesterinwert gekannt. 23 % wussten weder einen
Cholesterinwert noch einen der beiden Blutdruckwerte zu beziffern.

Diese sorglose Haltung gegenüber der eigenen Gesundheit darf nicht unterschätzt werden, das bestätigen aktuelle epidemiologische Studien. Prognosen zeigen, dass sich die in den letzten 20 Jahren erreichte Senkung der kardiovaskulären Todesfälle in den Industrienationen wieder umkehrt. Grund: der Anstieg des "tödlichen Trios" Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und Diabetes. Nehmen diese Riskofaktoren sowie das Rauchen in der heranwachsenden Generation weiterhin zu, könnten zukünftige Elterngenerationen erstmals ihre eigenen Kinder überleben!

Studien belegen weiter, dass durch eine konsequente Senkung der wichtigsten Risikofaktoren - sei es durch eine Änderung des Lebensstils und/oder durch eine medikamentöse Behandlung - ein großer Teil der Erkrankungen vermieden werden kann.

Der Risiko-Test der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ermöglicht es den Teilnehmern, sich mit einfachen Mitteln eine verlässliche Orientierung über ihr Herz-Kreislauf-Risiko zu verschaffen. Der Arzt kann dann die Diagnose stellen und Behandlungsempfehlungen geben.

ots Originaltext: Deutsche Schlaganfall-Hilfe


Gehirn hat nach Schlaganfall "jugendliches Muster"

Neurologen der Universität Jena ermitteln verbesserte Lernfähigkeit des Gehirns nach Schlaganfall


Der Schlaganfall im MRT-Bild. Links: Weiß das Hirngewebe, das geschädigt ist; Rechts: Rot ist der Bereich, der nicht genug Blut enthält. (Foto: Neurologie der FSU)


Jena - 06.08.04 - Beim Schlaganfall sind im Gehirn die Blutgefäße verschlossen oder gerissen. Diese Gehirnverletzungen führen in der Folge oftmals zu geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen, Arme oder Beine können schlecht bis gar nicht mehr bewegt werden. "Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für Invalidität in höherem Alter", weiß Prof. Dr. Otto W. Witte von der Universität Jena. Doch der Direktor der Klinik für Neurologie hat mit seinem Team jetzt auch herausgefunden, dass das Gehirn kurz nach einem Schlaganfall eine höhere Lernfähigkeit aufweist. Diese Erkenntnis gilt es, so Witte, nun für die Rehabilitation der Betroffenen zu nutzen.

Die Jenaer Neurologen, die ihre Ergebnisse jüngst in der Fachliteratur publiziert haben, fanden heraus, dass auch das Gehirn nach einem Schlaganfall wieder neue Verbindungen zwischen Gehirnzellen aufbaut, in Einzelfällen gar neue Zellen bildet. Diese Erkenntnisse, die durch Experimente und dank verbesserter Bildgebungsmethoden, deren Entwicklung ein Forschungsschwerpunkt am Jenaer Universitätsklinikum ist, möglich wurden, sind vom unverletzten Hirn bekannt. Wenn der Mensch lernt, passieren diese Vorgänge üblicherweise im Gehirn - selbst bei Erwachsenen. Diese Prozesse finden aber auch im gesamten Gehirn nach einem Schlaganfall statt. Das so geschädigte Hirn zeigt insgesamt ein verändertes Verhalten. Es weist eine erhöhte Erregbarkeit auf, was im ärgsten Fall zu Anfällen führt. Es offenbart aber zugleich eine erhöhte Lernfähigkeit, die medikamentös und durch spezifische Trainings genutzt werden kann, um die aufgetretenen körperlichen und geistigen Einschränkungen - zumindest zum Teil - zu kompensieren.

Ursache für dieses Verhalten sind so genannte GABA-Rezeptoren, deren Zusammensetzung im Gehirn sich nach einem Schlaganfall verändert, wie die Jenaer Neurologen entdeckt haben. Diese Botenstoffe, die in einem Drittel des Gehirns die Nachrichten weitergeben, gehen nach einem Schlaganfall "in ein jugendliches Muster zurück", macht Witte den überraschenden Befund deutlich. Das Gehirn fällt für wenige Monate in ein jugendliches und damit lernfähigeres Stadium seiner Entwicklung zurück. Einher geht damit "eine veränderte Repräsentation im Gehirn", sagt Witte. Das Hirn reagiert auch in den Teilen, die nicht verletzt sind, anders. "Bestimmte Lernmechanismen sind für eine gewisse Zeit - bis etwa sechs Monate nach dem Schlaganfall - verbessert", fasst Prof. Witte zusammen. Daher können gewisse Funktionen aus den betroffenen Gehirnarealen durch benachbarte Gehirnregionen übernommen werden. Diese Erkenntnis nutzt z. B. das Taub'sche Bewegungstraining, das der Psychologe Prof. Dr. Wolfgang H. R. Miltner an der Uni Jena weiterentwickelt hat und das inzwischen an der Klinik für Neurologie in der Rehabilitation routinemäßig eingesetzt wird.

Das verletzte Gehirn, so das Fazit der Jenaer Forscher, erhält für eine gewisse Zeit Fähigkeiten, die es vorher nicht hatte. "Es gibt ein Zeitfenster, das man nutzen sollte", plädiert Prof. Witte für den raschen Beginn von Reha-Maßnahmen. Allerdings weiß der erfahrene Neurologe auch, dass diese verletzungsbedingte Lernfähigkeit nicht künstlich hervorgerufen werden sollte. Der regelmäßige Schlag auf den Hinterkopf fördert nicht, sondern schädigt. Denn auf Dauer führen die Verletzungen des Gehirns auch zu seinem beschleunigten Altern. Diese Demenzentwicklung, die oft mit depressiven Entwicklungen einhergeht, ist deutlich erhöht. Die Jenaer Neurologen forschen nun an Gegenmitteln, um diese schnell verlaufenden Alterungsprozesse zu verzögern und im Idealfall sogar zu stoppen. "Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg", dämpft Prof. Witte Hoffnungen auf eine schnelle Lösung.

Geschwindigkeit allerdings, da ist sich Witte sicher, spielt bei der Schlaganfallbehandlung eine bedeutende Rolle. Nach einem Schlaganfall - "der in der Regel nicht weh tut", so Witte - sollen die Betroffenen umgehend ohne Umwege eine Spezialklinik aufsuchen. Wer nach drei bis höchstens sechs Stunden dort behandelt wird, hat beste Chancen ohne große Schädigungen davon zu kommen. Auch bei Schlaganfallpatienten mit Ausfällen kommt es auf die Zeit an. "Im besten Fall sollte nach wenigen Wochen mit der Rehabilitation begonnen werden", drängt Prof. Witte, die neuen Forschungsergebnisse auch zügig in den klinischen Alltag umzusetzen, wie dies im Jenaer Universitätsklinikum bereits der Fall ist.

Mehr über die neuen Jenaer und viele weitere neurologische Forschungsergebnisse ist auch beim Kongress "Hirndisfunktion" zu erfahren. Die 49. Jahrestagung der "Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung" (DGKN) findet unter diesem Motto vom 15.-19. September an der Universität Jena statt. Kongressorganisator Witte, der gleichzeitig DGKN-Präsident ist, hat den Schlaganfall neben dem alternden Nervensystem, der funktionellen Bildgebung sowie der Epilepsie und zerebralen Plastizität zu einem Schwerpunktthema der Tagung erhoben. Denn "time is brain", so Witte, "das müssen wir den Menschen verdeutlichen".

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena



Schlagartig ist alles anders / Wenn Kinder einen Schlaganfall erleiden - Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe organisiert Familienseminar

Gütersloh/Much (ots) 03.08.04 - Carolin aus Gelsenkirchen war sechs Jahre alt, als sie einen Schlaganfall erlitt. Heute sitzt die mittlerweile
Elfjährige im Rollstuhl und hat geistige Beeinträchtigungen, kann
sich aber gut mit den Eltern und ihrer dreizehnjährigen Schwester
Ann-Katrin verständigen. Ab diesem Sommer geht sie, unterstützt von
einem Zivildienstleistenden, auf die örtliche Hauptschule.  

Ob Carolin, Lisa (13) aus Marburg, Torben (4) aus Göttingen oder
Julia (12) aus Lippstadt: sie alle gehören zu den rund 300 Kindern im
Jahr in Deutschland, die einen Schlaganfall erlitten. In den meisten
Fällen stellten die Ärzte die Diagnose Schlaganfall erst Monate
später. Über die Art der Behandlung herrscht Unklarheit: manche Ärzte
raten, abzuwarten. Andere schicken die Kinder sofort in die Reha.

90 Mütter, Väter und Kinder trafen sich am Wochenende in Much im
Rhein-Sieg Kreis zu einem Familienseminar. Unterstützt von
Psychologen und Pädagogen tauschten sie ihre Erfahrungen zum Thema
Kinder und Schlaganfall aus. Schnell wurde dabei klar: alle Eltern
sind mittlerweile Fachleute, was Behandlungsmöglichkeiten,
Therapieformen oder Rechtsfragen in Bezug auf die Krankenkassen
angeht. "Oft sind es Bauchentscheidungen, die wir treffen", erklärt
eine Mutter. "Denn jeder Arzt empfiehlt eine andere
Behandlungsmethode."

Der ständige Druck, auch immer das Richtige zu machen, belastet
viele Eltern. Aus diesem Grund stand das Thema Beziehungen im
Mittelpunkt des Seminars. Mütter und Väter diskutierten unter der
Anleitung von Psychologen und Pädagogen Themen wie
Partnerschaftsprobleme, Zukunftsängste oder Schuldgefühle. In
Interaktionsspielen hatten Eltern die Möglichkeit, gemeinsam mit
ihren Kindern spielerisch Probleme zu erkennen und gemeinsam Lösungen
zu finden.

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe organisiert regelmäßig
Eltern und Kind-Treffen zum Thema Kinder und Schlaganfall. Seit
vergangenem Jahr gibt es zudem einen regelmäßigen Elternbrief mit
neuen Informationen über den kindlichen Schlaganfall. Während einer
mehrtägigen Experten Hotline mit Fachleuten im Frühjahr nutzten viele
Eltern und Interessierte die Möglichkeit, Antworten auf ihre Fragen
zu bekommen. Weitere Aktionen und Treffen sind in Planung.

In Much wurden nun die Weichen gestellt für die Gründung von
Selbsthilfegruppen. Aufgeteilt in Regionen werden sich die Eltern in
den folgenden Monaten regelmäßig treffen. Nach und nach soll so das
Thema Kinder und Schlaganfall immer präsenter werden: in der
Öffentlichkeit und unter den Medizinern. Und die Eltern betroffener
Kinder wissen: wir sind nicht allein, gegenseitig können wir uns
unterstützen.

ots Originaltext: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe



"Mitten aus dem Leben gerissen!"

Gütersloh (ots) – 28.07.04 - Bereits zum zweiten Mal organisierte die
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ein Treffen von
Schlaganfall-Betroffenen zwischen 18 und 45 Jahren. Gemeinsam mit ihren Partnern kamen sie zum Erfahrungsaustausch "Junger Mensch und Schlaganfall" im hessischen Hohenroda.
  
Plötzlich ist alles anders: als Katja und Frank Brücher aus dem oberbergischem Land vor fünf Jahren in ihr neu gebautes Haus zogen, waren sie einfach nur glücklich. Mehr Platz, ein großer Garten, die Finanzierung stand. Doch kurz danach, im November 2002, erlitt der 40-jährige Frank Brücher einen Schlaganfall. Zwei Wochen lang lag er im künstlichen Koma, dann wurde er langsam wach, konnte weder schlucken noch sprechen, zeitweise erkannte er seine Familie nicht mehr. Plötzlich stand Katja Brücher ganz allein mit den drei Kindern da. Ihr Ehemann erholte sich nur langsam während der 1 1/2 jährigen Rehabilitation.
  
Heute kann Frank Brücher laufen und sprechen. Er lebt inzwischen wieder bei seiner Familie. Doch ganz hat er sich nie von seinem Schlaganfall erholt. Er leidet unter kognitiven Störungen wie z.B. Gedächtnisverlust und kann bestimmte Informationen nur sehr schwer verarbeiten.
  
"Manchmal sagt mein Mann, er wäre jetzt wohl das vierte Kind in der Familie", erzählt Katja Brücher. Die Kinder sind mittlerweile sieben, zehn und elf Jahre alt. "Unsere Älteste akzeptiert längst nicht mehr alles, was wir ihr sagen. Ich merke, dass sie meinen Mann weniger als Autorität anerkennt. Es fällt ihr schwer, seine Krankheit zu akzeptieren. Da sind Streitereien vorprogrammiert."
  
Vieles, was vor dem Schlaganfall gemeinsam besprochen wurde, muss Katja Brücher nun allein entscheiden. Wie z.B. die wirtschaftliche Situation der Familie. Ursprünglich war Frank Brücher Rechtspfleger beim Amtsgericht. In seinen Beruf kann der 42-Jährige aber aufgrund seiner kognitiven Störungen nicht mehr zurück.
  
"Genau an diesem Punkt standen wir, als wir zum Erfahrungsaustausch "Junger Mensch und Schlaganfall" gekommen sind", erklärt Katja Brücher. "Mein Mann möchte wirklich wieder gerne arbeiten, doch wir beiden wissen einfach nicht, wie er wieder aktiv ins Berufsleben einsteigen kann."
  
Erleichternd für die Brüchers war aber vor allem, ähnlichne betroffene Schlaganfall-Patienten und ihre Partner kennen zu lernen. Menschen, die mitten im Leben standen, glücklich in ihren Berufen arbeiteten und nun nicht wissen, wie es weiter gehen kann.
  
Doch neben den Berichten der Betroffenen gab es auch viel zu erfahren: z.B. über Technikangebote für Behinderte wie Kommunikationshilfen und PC-Zugang.
  
Hilfestellungen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz kam von der Firma Salo + Partner. Das Dienstleistungsunternehmen ist Partner der Arbeitsämter, Versicherungsanstalten und anderen Institutionen und vermittelt berufliche Rehabilitationsangebote. Die Firma hat Erfahrungen bei der beruflichen Rehabilitation mit Schlaganfall-Geschädigten und Schädelhirnverletzten.
  
"Nach dem Seminar habe ich mich mit den verantwortlichen Stellen in Verbindung gesetzt, um herauszufinden, welche finanziellen Fördermöglichkeiten es gibt", beschreibt Katja Brücher die momentane Situation. "Wir stehen zwar noch ganz am Anfang unserer Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, haben aber neuen Mut gefasst. Außerdem haben wir auf dem Seminar ein Paar kennen gelernt, dass ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hat wie wir".
  
Ein Treffen mit dem Paar aus Dortmund ist schon geplant. Gemeinsam wollen sie dann ihre Möglichkeiten beim Schopfe packen.

ots Originaltext: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe



Dem Schlaganfall auf der Spur - Internationales Symposium der Universität Marburg

21.07.04 - Über 200.000 Schlaganfälle pro Jahr allein in Deutschland – das heißt neben dem gesundheitlichen Schaden zugleich ein jährlicher Kostenaufwand von vier bis fünf Milliarden Euro zur Therapie und Pflege der Betroffenen. Da ist Handlungsbedarf geboten, zumal bislang noch keine überzeugende Therapie vorhanden ist.

Deshalb findet vom 25. bis 28. Juli 2004 in der Universität Marburg erneut ein internationaler Kongress zum Schlaganfall statt. Sechzig handverlesene Redner, die weltweit zu den führenden Forschern auf diesem Gebiet zählen, werden die wissenschaftliche Veranstaltung bestreiten, zusätzlich informieren zirka 100 Wissenschaftler über ihre Ergebnisse auf Postern. Die Veranstaltung unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst, zu der 300 Teilnehmer erwartet werden, initiierte Universitätsprofessor Dr. Josef Krieglstein vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie. „In den letzten Jahren hat sich unser Verständnis der Vorgänge, die zur Schädigung bis hin zur Zerstörung von Gehirngewebe durch Schlaganfall (zerebrale Ischemie) führen, grundlegend erweitert. Die therapeutischen Fortschritte dagegen sind bislang nicht so bahnbrechend gewesen“, erklärt Krieglstein, der zum Symposium neben den Grundlagenforschern auch Kliniker eingeladen hat. Das Symposium sei eine hervorragende Möglichkeit, sowohl die Kliniker als auch die Grundlagenforscher in intensiven Austausch zu bringen, so Krieglstein, der seit zwanzig Jahren mit diesem hochkarätigen Kongress Brücken zwischen den beiden Seiten bauen will.

Im Zentrum der Veranstaltung stehen die Mechanismen, die zur Zerstörung der Zellen führen und die ganze Teile des Gehirns kaputt machen. Dabei bietet der Schlaganfall kein einheitliches Bild: Die Durchblutungsstörung kann sich in ihrer leichtesten Form nur in einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit äußern ohne Folgeschäden. Dagegen kann sie in schwerer Form zum Tode führen.

Grundsätzlich gilt es, alle Vorgänge detailliert zu beschreiben und zu analysieren. Während die Grundlagenforscher diese Arbeiten übernehmen, arbeiten die Kliniker daran, mit welchen Stoffen diese Vorgänge aufzuhalten bzw. zurückzuführen sind, also welche therapeutische Behandlung angebracht ist. Bei Rückschlägen ist dann wiederum die Hilfe der Grundlagenforscher gefragt, so dass ein Austausch untereinander für beide Seiten Gewinn bringend ist. Wie sehr das Symposium den Austausch unterstützt, zeigt nicht zuletzt die international starke Nachfrage.

Quelle: Uni Marburg


Notfall "Schlaganfall" - Ausnahmezustand für Patient und Familie

Boehringer Ingelheim bietet Patienten und Angehörigen schnelle Orientierung für den Notfall und den "Alltag danach "

Ingelheim (ots) – 19.07.04 - Jährlich trifft es etwa 200.000 Menschen in Deutschland. Etwa 130.000 überleben den Schlaganfall, teilweise mit Behinderungen. Oft genug müssen sie ihre Alltagsaktivitäten noch einmal ganz von vorne lernen.  Wenn der Schlaganfall früh behandelt wird, ist die Chance am größten, dass er nur geringe Schäden hinterläßt - eigentlich eine Binsenweisheit. Aber noch immer, so die Erfahrung vieler Notärzte, zögert der überwiegende Teil der Betroffenen viel zu lange, den Rettungsdienst zu rufen. Insbesondere allein lebenden, älteren Menschen unterläuft dieser Fehler viel zu oft. Wer bei Angehörigen lebt, hat meist die besseren Chancen mit minder schweren Beeinträchtigungen davon zu kommen.
  
Vom richtigen Verhalten und vom richtigen Vorbeugen
  
Für das richtige Verhalten im Ernstfall, während und nach der Rehabilitation und vor allem im "Alltag danach" hat Boehringer Ingelheim eine 30seitige Broschüre für Patienten und deren Angehörige, mit Tipps, Verhaltensempfehlungen und wichtigen Adressen zusammengestellt, die im Internet zum Download bereit steht unter:
  
http://www.medworld.de/gesundheitsratgeber/schlaganfall/broschueren
  
"Ein Schlaganfall kommt selten allein" - Die abgewandelte Redensart verdeutlicht drastisch, dass sich niemand, der einen Schlaganfall halbwegs glimpflich überlebt hat, auf der sicheren Seite wähnen sollte. Etwa ein Viertel aller Schlaganfall-Patienten erleidet in den ersten drei Jahren nach dem Insult einen Folge-Schlaganfall - meist mit schweren Schädigungen oder Tod als Folge.
  
Der Vermeidung dieses Folge-Schlaganfalls muss die ganze Aufmerksamkeit von Patient, betreuendem Arzt und den Angehörigen dienen. Z. B. moderne Kombinations-Präparate zur Verhinderung der Blutplättchenaggregation sind für die ärztliche Therapie Mittel der Wahl. Neueste Studiendaten zeigen, dass diese Mittel doppelt so viele Schlaganfälle verhindern können wie die Therapie mit ASS
(Acetylsalicylsäure) allein. Regelmäßige Blutdruck-Kontrollen, Vermeidung von Übergewicht, Rauchen und hohen Cholesterinwerten, in Kombination mit einer gesunden, bewegungsreichen und der Krankheit angemessenen Lebensweise ergänzen die Therapie sinnvoll.
  
Risiko-Patienten und deren Angehörige sollten offen für alle Eventualitäten sein, um im Ernstfall richtig, schnell und nachhaltig handeln zu können. Die neue Schlaganfall Patienten-Broschüre kann hierbei helfen.   
  
ots Originaltext: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG




Sprachzentrum dehnt sich aus - Überraschende Entdeckung bei Gehirnuntersuchung

Baierbrunn (ots) – 07.07.2004 - Ab dem 25. Lebensjahr erweitert das Gehirn die Verarbeitung von Sprache. Bis zu diesem Alter ist dafür nur eine Hirnhälfte verantwortlich – bei Rechtshändern die linke, bei Linkshändern die rechte. Wie das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" berichtet, entdeckten nun Wissenschaftler der Universität von Cincinnati (USA) mit Hilfe der Kernspintomographie des Gehirns, dass bei Erwachsenen auch die jeweils andere Hirnhälfte beteiligt wird. Dies kann Bedeutung für Menschen nach einem Schlaganfall haben. Häufig wird dabei das Sprachzentrum geschädigt, so dass die Betroffenen die Sprache verlieren. Dann kommt es darauf an, gezielt die unversehrte Seite zu aktivieren.

ots-Originaltext: Wort und Bild - Apotheken Umschau


Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe informiert über Schlaganfall-Patienten-Pass

Die Angst eines Schlaganfall-Patienten vor einem wiederholten Schlaganfall bringt den betroffenen Menschen dazu, die unmittelbare Umgebung (Haus, Wohnung) nur noch ungern alleine zu verlassen. Diese Angst ist oft ein Grund für soziale Isolation. Der Betroffene befürchtet, dass der Notdienst im Fall eines erneuten Schlaganfalls nicht schnell genug die Dramatik der Situation erkennt, eventuell falsche Erstmaßnahmen einleitet bzw. nicht in das gewollte Krankenhaus einliefert.

Um dieser Angst entgegen zu wirken und im Notfall alle relevanten Daten schnell bei der Hand zu haben, hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe einen Schlaganfall-Patienten-Pass entwickelt, auf dem alle für den Notarzt/Rettungsdienst relevanten Daten aufgelistet sind. Auch bei dem "normalen" Arztbesuch leistet der Schlaganfall-Patienten-Pass seinen Dienst. Er erleichtert die Anamnese insbesondere bei von Aphasie betroffenen Patienten.

Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe


Senioren sollten TIA kennen - Den Vorboten des Schlaganfalls ernster nehmen

01.06.2004 - Die vorübergehende Schwäche eines Armes, kurzzeitig verwaschene Sprache oder Gleichgewichtsstörungen, die bald wieder vergehen – drei Symptome, die ältere Menschen ernster nehmen sollten. Dahinter steckt häufig eine „TIA“ (transitorische ischämische Attacke). „Die Flüchtigkeit macht die TIA so gefährlich“, sagt der Neurologe Dr. Heinrich Audebert, Oberarzt am Städtischen Krankenhaus München- Harlaching im Apothekenmagazin "Diabetiker Ratgeber". Es handelt sich dabei um einen kleinen Schlaganfall, der in aller Regel Vorbote schwererer Attacken ist. Eine TIA zeigt, dass die Durchblutung des Gehirns gestört ist. Meistens steckt eine Arteriosklerose dahinter, ein bleibender Gefäßschaden, der oft noch zunimmt. Jeder zweite der jährlich 200.000 Schlaganfälle in Deutschland betriff Menschen jenseits der Siebzig. Senioren sollten deshalb die Symptome der TIA kennen und sie als Warnung nehmen, Grundkrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck sorgfältig behandeln zu lassen.

ots-Originaltext: Wort und Bild - Diabetiker Ratgeber



Wenn der Schluckreflex nicht funktioniert ...

Münsterscher Mediziner erfand spezielle Magensonde für Schlaganfall-Patienten in der Akutphase

22. April 2004 - Für betroffene Patienten ist es oft die reinste Qual: Immer wieder versucht die Schwester oder der Pfleger durch die Nase eine Magensonde einzuführen, doch es will einfach nicht klappen. Wenn der Schlauch dann nach langem Herumprobieren doch irgendwann richtig platziert ist, sind beide Seiten meistens gleichermaßen erschöpft. Was im klinischen Alltag normalerweise reine Routine ist, stellt bei Schlaganfallpatienten in der Akutphase selbst für die erfahrenste Pflegekraft oft ein echtes Problem dar. Denn damit die Sonde gezielt in den Magen vorgeschoben werden kann, ist es wichtig, dass der Schluckreflex funktioniert. Genau das ist aber bei 50 bis 80 Prozent aller Schlaganfallpatienten in den ersten 14 Tagen nicht der Fall.

Als Assistenzarzt auf der Stroke Unit, der Schlaganfall-Spezialstation der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster (UKM), hat Dr. Rainer Dziewas diese mühsame Prozedur selbst oft genug miterlebt. Bis ihm schließlich eine zündende Idee kam, wie das Problem elegant zu lösen ist. Die Idee ist mittlerweile zum Patent angemeldet, und es gibt bereits eine Medizintechnik-Firma, die die Erfindung in ein marktreifes Produkt umgesetzt hat. Dieses im Handel unter der Bezeichnung "Easy-Swallow-Sonde" vertriebene Produkt sieht von außen im Grunde aus wie eine normale Magensonde. Nicht erkennbar ist, dass es sich dabei sozusagen um zwei Schläuche in einem handelt. Im Innern der Sonde befindet sich nämlich noch eine weitere. Dieser hauchdünne integrierte Schlauch ist allerdings nicht dafür da, die Nahrung zu transportieren, sondern - und genau das war die Idee Dziewas - über ihn soll der Schluckreflex ausgelöst werden. Dies wird erreicht, indem man in diese dünne Sonde etwas Flüssigkeit spritzt, die wiederum bei Erreichen der Rachenhinterwand eben diesen Reflex auslöst.

Wer die Magensonde legt, erkennt den Schluckreflex am sich hebenden Kehlkopf und kann jetzt die Sonde gezielt in die Speiseröhre und dann weiter in den Magen vorschieben. Die eigentliche Idee, nämlich über eine zweite Sonde den Schluckreflex auszulösen, wurde auf der Stroke Unit schon einige Zeit vor der Entwicklung dieser speziellen Magensonde in die Tat umgesetzt. Damals war jedoch alles noch etwas mühsamer, weil dazu zwei Personen benötigt wurden. Denn es wurden zwei einzelne Schläuche verwandt, die von den Pflegekräften oder auch einem hinzugezogenen Arzt parallel in jeweils eines der Nasenlöcher eingeführt wurden. Bei dem Schlauch, über den der Schluckreflex ausgelöst wurde, handelte es sich um eine Säuglingsernährungssonde, deren Durchmesser mit etwa 1,3 Millimeter weniger als ein Viertel von dem der eigentlichen Magensonde beträgt.

Obwohl das Verfahren mit den zwei getrennten Sonden noch nicht so ganz das Ei des Kolumbus war, stellte es für die Fachwelt doch schon eine enorme Verbesserung gegenüber dem herkömmlichen Vorgehen dar. Zumal nachgewiesen werden konnte, dass Blutdruck und Herzfrequenz der Patienten bei dem konventionellen Verfahren gegenüber der neuen Methode deutlich erhöht und damit die Belastung viel größer ist.

Für die Erfindung von Rainer Dziewas, an der neben ihm auch der damalige Oberarzt Dr. Peter Lüdemann und MTA Salvador Perez-Mengual beteiligt waren, hat das UKM die PROvendis GmbH eingeschaltet, eine vom NRW-Wissenschaftsministerium geförderte Patentverwertungsagentur der nordrhein-westfälischen Hochschulen und Uni-Klinika. Dort läuft sie unter der Nummer 001, denn es war die erste Erfindung überhaupt, die bei dieser Agentur eingereicht wurde. Während über die Patenterteilung noch nicht entschieden ist, konnte vor kurzem bereits mit der Firma Alpo Technik GmbH in Süddeutschland, die auch den Prototyp hergestellt hat, ein Lizenzvertrag abgeschlossen werden.

Was bedeutet, dass die in Münster entwickelte "Easy-Swallow-Sonde" jetzt in den Handel kommt und damit auch anderenorts Schlaganfall-Patienten davon profitieren können. Immerhin erleiden allein in Deutschland 200.000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall, wovon mindestens die Hälfte in der Akutphase Schluckstörungen hat und daher über eine Sonde ernährt werden muss. Wenn ihnen bei diesem ohnehin schon mit Angst behafteten Verfahren unnötige Strapazen abgenommen werden können, hat sich die Erfindung sicher bezahlt gemacht.

Quelle: Uni Münster

Schlaganfälle durch Arterienschwäche

Eine Bindegewebsschwäche ist die Ursache für den zweithäufigsten Schlaganfall-Typ bei jüngeren Erwachsenen. Das haben Heidelberger Mediziner gemeinsam mit Kollegen aus Münster und Minden ermittelt. Allein in Deutschland kommt es jährlich bei etwa 2.000 Patienten unter 45 Jahren zu solchen Infarkten aufgrund eingerissener Arterienwände.

Die Einrisse, im Fachjargon als spontane Dissektion bezeichnet, treten meist völlig unerwartet auf und können zum Gefäßverschluss führen. Die Forscher um Tobias Brandt von der Schmieder-Klink in Heidelberg untersuchten nun Hautproben von Dissektionspatienten. Bei 97 von 174 bislang analysierten Proben fanden sie Unregelmäßigkeiten der Bindegewebsstruktur. Diese krankhafte Veränderung betrifft auch die Wände der hirnversorgenden Arterien, berichten die Forscher auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden.

Bei Kontrollpatienten ließ sich die Veränderung nicht nachweisen, umgekehrt jedoch bei fast allen Patienten, die mehr als eine spontane Dissektion erlitten hatten. "Das ist ein starker Hinweise darauf, dass die entdeckte Bindegewebsschwäche ein hohes Risiko für eine Dissektion darstellt", erläutert Brandt. Die Ergebnisse könnten einen Ansatz liefern, Risikopatienten anhand eines Hauttests frühzeitig zu identifizieren und gezielte Vorsorgemaßnahmen einzuleiten. Solche Patienten sollten beispielsweise bestimmte Sportarten oder chiropraktische Behandlungen vermeiden, die mit ruckartigen Bewegungen des Halses verbunden sind.

Auch für bisher beschwerdefreie Verwandte der Patienten könnte das Ergebnis von Bedeutung sein. Die Grundlage der Bindegewebsschwäche scheint nämlich in den Genen zu liegen. So treten wiederholte spontane Dissektionen familiär gehäuft auf. Derzeit nehmen Genetiker des Kompetenznetzes Schlaganfall drei Kandidatengene auf dem Chromosom 15 unter die Lupe, deren Produkte am Aufbau der Arterienwände beteiligt sind.


Forschung: Tobias Brandt, Kliniken Schmieder, Heidelberg; und andere

Präsentation auf dem 110. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Wiebaden

WWW:
Kompetenznetz Schlaganfall
Arterien und ihr Aufbau

Quelle: Scienceticker

Ein Schlag, der das kindliche Leben verändert

Kinder und Schlaganfall: bei vielen Ärzten unbekannt

Bei einem Treffen von Eltern mit betroffenen Kindern am vergangenen Wochenende in Vechta wurden Erfahrungen und Informationen ausgetauscht

Carolin (8) aus Rosenthal bei Marburg turnte für ihr Leben gern. Doch genau das darf sie nicht mehr. Denn vor gut einem Jahr erlitt sie beim Turnen einen Schlaganfall. Die Diagnose kam erst Wochen später: nachdem sie in der Turnhalle plötzlich umgefallen war, fand der Hausarzt dafür keine Ursache. Erst auf Drängen der Eltern kam sie Tage später in die Klinik. Dort wurde der Schlaganfall nachträglich festgestellt.

Das Schicksal von Carolin ist kein Einzelfall. Experten gehen davon aus, dass rund 300 Kinder im Jahr in Deutschland einen Schlaganfall erleiden, manche bereits im Mutterleib. Die Dunkelziffer liegt allerdings viel höher, denn ein kindlicher Schlaganfall ist schwer zu diagnostizieren. "Bei rund einem Drittel der betroffenen Kinder ist die Ursache des Schlaganfalls unklar", erklärt Dr. Ronald Sträter von der Uni-Kinderklinik Münster. Hier entsteht seit 1996 die weltweit größte Datenbank zum Thema "Kinder und Schlaganfall". 615 Krankengeschichten von Kindern sind bereits erfasst, so dass jetzt erste Erkenntnisse vorliegen. "Im Gegensatz zu erwachsenen Schlaganfall Patienten sind nicht Bluthochdruck oder Arterienverkalkung die Ursache. Bei Kindern sind es Herz- oder Gefäßerkrankungen zusammen mit einer Infektion oder Verletzung." Auch ererbte Defekte bei der Blutgerinnung kommen als Ursache für den kindlichen Schlaganfall in Frage. Die Forschung steht erst am Anfang. Das gilt auch für die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Eine Erfahrung, die fast alle Eltern von jungen Schlaganfall Patienten machen müssen. "Auf diesem Erfahrungsaustausch habe ich mehr Informationen erhalten als in den vergangenen sechs Monaten seit Kevin´s Diagnosestellung", meint eine Mutter aus Lünen.

Der heute 2 Jahre alte Kevin hatte bereits im Mutterleib einen Schlaganfall. Das wissen die Eltern aber erst seit einem halben Jahr. Zwar machten sie sich große Sorgen über Kevin`s verzögerte Entwicklung - der Junge konnte z.B. nicht krabbeln - doch die Ärzte beruhigten sie immer wieder: "Das wird schon." Erst auf ihr massives Drängen hin fand sich ein Arzt bereit, Kevin intensiv zu untersuchen. Nach eineinhalb Jahren wurde der Schlaganfall entdeckt.

" Es besteht ein hoher Fortbildungsbedarf für Ärzte in Sachen kindlicher Schlaganfall". Dr. Ronald Sträter formuliert es vorsichtig. Betroffene Eltern berichten es ihm immer wieder: Manche Ärzte erkennen den Schlaganfall nicht, weil sie gar nicht wissen, dass Kinder einen Schlaganfall erleiden können. Oder sie behandeln falsch: "Die Behandlungskonzepte, die bei erwachsenen Schlaganfall Patienten erfolgreich sind, sind nicht unbedingt auf Kinder anwendbar. Hat der Schlaganfall andere Ursachen, muss auch anders behandelt werden." Auch nach dem diagnostizierten Schlaganfall geht der Kampf für die Eltern weiter. Mit Ärzten, Krankenkassen, Schulen: was ist die richtige Behandlungsmethode? Welche Krankengymnastik ist notwendig? Kann unser Kind nach monatelanger Rehabilitation überhaupt wieder in den Kindergarten oder die Schule?

Viele Eltern haben durch ganz Deutschland oder sogar Europa telefoniert, um Informationen und Hilfe zu bekommen.

Zum dritten Mal hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe einen Erfahrungsaustausch für betroffene Eltern und Kinder durchgeführt. In diesem Jahr waren es 66 Mütter, Väter und Kinder, die nach Vechta gekommen sind. Auf Grund der hohen Nachfrage wird es auch 2004 einen Erfahrungsaustausch geben. Zusätzlich wird die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ab kommendem Jahr einen regelmäßigen Elternbrief herausgeben, in dem es Informationen zum kindlichen Hirninfarkt geben wird. Auch eine Experten-Hotline ist geplant. Carolin ist mittlerweile auf dem Wege der Besserung. Sie kann gehen, schreiben, spielen. Allerdings: der Schlaganfall hat psychische Spuren hinterlassen. Die Achtjährige kann sich schlecht konzentrieren und ist schnell frustriert. Wie ein Damoklesschwert hängt die Angst vor einem weiteren Schlaganfall über ihr und der Familie. Denn die Ursache ist nach wie vor unbekannt.
"Wir leben mit der Angst und schauen nach vorne," meint Carolin`s Mutter. "Was auch immer passiert, zumindest bekommen wir nun Unterstützung von anderen betroffenen Eltern".


Infokasten zum Thema:

Eltern von betroffenen Kindern können sich gerne bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zu diesem Thema melden. Service- und Beratungszentrum:
Telefon: (0 180 5) 093 093 (0,12 EUR/Min.)
Fax: (0 180 5) 094 094
Spendenkonto: Dresdner Bank Gütersloh
BLZ: 478 800 31
Konto Nr. 50
Stichwort: Kinder und Schlaganfall

Sabine Dawabi
Nachsorge & Soziales

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Carl-Bertelsmann-Str. 256
33311 Gütersloh

Fon: ++ 49 52 41 / 97 70-19
Fax: ++ 49 52 41 / 81-68 17 19
E-Mail: sabine.dawabi@bertelsmann.de

Mehr Informationen unter: www.schlaganfall-hilfe.de


Augen prophezeien frühzeitig Schlaganfall und Herzinfarkt

Berufsverband der Augenärzte empfiehlt regelmäßige Kontrolle der Augennetzhaut

250.000 Männer und Frauen in Deutschland erleiden nach Schätzung der Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe jährlich einen Schlaganfall. Oft sind schon junge Menschen betroffen. Obwohl bekannt ist, dass davon rund 100.000 Schlaganfälle durch eine rechtzeitige Behandlung vermieden werden können, bleiben die meisten Vorsorgemöglichkeiten ungenutzt. Schnell durchführbare, moderne Diagnosemethoden erlauben jetzt endlich die Kontrolle der Gehirndurchblutung ohne langwierige und komplizierte Untersuchungsprozeduren. Augenärzte können mit einem geschulten Blick durch die Pupille auf die Netzhaut blicken und anhand der Blutgefäße im Auge Rückschlüsse ziehen auf das gesamte Gefäßsystem des Körpers. Die Gefäße auf der Netzhaut werden ebenso wie das Gehirn über die Halsschlagadern versorgt. Über diesen Zusammenhang lässt sich eine Schädigung der Gehirnarterien jetzt problemlos an der Augennetzhaut ablesen. Prof. Bernd Bertram, zweiter Vorsitzender des Berufsverbands der Augenärzte (BVA), betont die Notwendigkeit einer regelmäßigen, vorsorglichen Augenuntersuchung: "Augenärzte sind nicht nur für die Erkennung und Behandlung von Augenkrankheiten zuständig, sondern sie sind auch in der Lage, Hinweise auf schwerwiegende Erkrankungen des Gesamtorganismus zu erkennen. So kann die Behandlung von Durchblutungsstörungen rechtzeitig erfolgen und den Patienten vor einem möglichen Schlaganfall oder Herzinfarkt bewahren".

Auge in Auge mit dem Herzinfarkt

Hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck oder Diabetes sind Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen und Indizien für einen gefährlichen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Aber keine Blutuntersuchung und keine Blutdruckmessung gibt so eindeutig Auskunft über bedrohliche Arterienverengungen wie ein Blick ins Auge. Erhöhter Blutdruck kann z.B. auch ein Zeichen kurzfristiger Aufregung oder Anstrengung sein. "Ein solcher stressbedingter Bluthochdruck würde nicht zu einer sichtbaren Veränderung der Blutgefäße im Auge führen", weiß Prof. Bertram. "Finden sich jedoch auf der Netzhaut des Patienten verengte Arterien, ist dies ein Zeichen für eine verschlechterte Blutversorgung des Körpers". Die Netzhautbeobachtung gibt mit einfacher Methode zuverlässig Auskunft über den Zustand der Blutgefäße. Die Untersuchung der Augen an einem Mikroskop mit einer Lupe gehört zu den üblichen Vorsorgemaßnahmen bei einem Augenarztbesuch. Eine solche Untersuchung der Augennetzhaut ist im Gegensatz zu einer Röntgendarstellung der Gefäße mit der Injektion eines Kontrastmittels schnell durchgeführt und liefert sofort Gewissheit über den Zustand der Augengefäße, die wiederum unverzüglich Rückschlüsse auf die Gesundheit der anderen Gefäße z.B. am Herzen oder im Gehirn erlaubt.

Im Screening Projekt "T@lking Eyes" kooperieren die Partner Univ.-Augenklinik Erlangen-Nürnberg, Public Health Unit der Univ. Erlangen-Nürnberg, Siemens, eEyeCare, Siemens Betriebskrankenkasse und das Bayerische Gesundheitsministerium. In diesem Projekt wird eine umfangreiche Studie zur Vorsorge von Schlaganfall durchgeführt. Der Patient blickt in die Kamera, es blitzt, fertig. Mit einer speziellen Non-Mydriatik-Kamera für Netzhautfotografie kann der Augenarzt in Sekundenschnelle eine Aufnahme machen. Per digitaler Datenübertragung wird das Bild direkt im Anschluss an den Computer im Zentrum für Präventive Augendiagnostik in Erlangen weitergeleitet, auf dem Bildschirm betrachtet und mit einem Computerprogramm ausgewertet. Prof. Michelson von der Universitätsaugenklinik Erlangen-Nürnberg ist von der neuen Untersuchungsmethode überzeugt: "Das Gefäßsystem der Augennetzhaut, das mit dieser Methode sichtbar gemacht werden kann, gibt nicht nur Auskunft über die Durchblutung des Auges und den Augeninnendruck. Vielmehr lässt der Zustand der Netzhautgefäße tief blicken - so können wir damit das Risiko einer gestörten Blutversorgung von Herz und Gehirn ermitteln". Zeigt das Fundusfoto z.B. schmale Äderchen mit schwachen Scheidewänden ist dies ein Anzeichen dafür, dass bereits erste Gefäßveränderungen durch einen lange bestehenden und schlecht eingestellten Blutdruck aufgetreten sind. Da die Netzhautgefäße sich ähnlich verhalten wie Gehirngefäße, ist davon auszugehen, dass die Hirngefäße in diesem Fall ebenso durchlässig sind für Blut und Fette wie die schmalen Äderchen des Auges. Nach einer solchen Diagnose schlägt der Augenarzt Alarm. Der Patient sollte dringend sein Gefäßsystem überprüfen lassen und für eine verbesserte Blutdruckeinstellung sorgen, um einem Schlaganfall vorzubeugen. So kann er eine Schädigung des Gehirns rechtzeitig verhindern - und das alles mit Hilfe eines einzigen Netzhautfotos. Die Uniklinik Erlangen überprüft derzeit die Machbarkeit eines nationalen Vorsorgeprojektes gegen Schlaganfall. In dem derzeit laufenden Präventions-Projekt gegen Schlaganfall "T@lking Eyes" wurden bisher die Augen von über 4.000 Versuchspersonen untersucht, weitere 6.000 sind geplant. Anhand der Ergebnisse dieser Studie können bevölkerungsübergreifende Aussagen gemacht und eine überregionale Ausdehnung dieser Untersuchungsmethode geplant werden. Nach ersten gesicherten Erkenntnissen werden Augenkontrollen jetzt immer wichtiger als Vorsorgeuntersuchung für verschiedenste Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall etc. ...

Optikusneuropathie durch Etambutol-Therapie:

Ansprechpartner:
Priv.- Doz. Dr. med. Georg Michelson
Patienten-Information: 0180 5471471
Untersuchungstermine in Berlin, München und Regensburg
www.onjoph.com


Wie kommt es zum Schlaganfall?

Quelle: schlaganfall-info.de / Boehringer Ingelheim Pharma KG

Als Schlaganfall bezeichnet man Ausfallerscheinungen des Gehirns, die in ihrer Mehrzahl (etwa 80 bis 90 Prozent) die Folge von Durchblutungsstörungen sind. Mangeldurchblutung entsteht durch Gefäßverschlüsse im Gehirn oder im Bereich der Halsgefäße. Ein Gefäß im Halsbereich oder im Schädelinneren wird durch zunehmende Verkalkung, Thrombose oder Embolie (Blutpfropf) ver- schlossen. Ein Teil des Gehirns wird nicht mehr oder nicht mehr ausreichend durchblutet.

Durch diese Mangelversorgung fehlt bestimmten Hirnregionen die Zufuhr lebenswichtiger Nährstoffe. Die Folge davon ist, daß größere oder kleinere Gehirnanteile zugrunde gehen. Dabei ist es für das Ausmaß der Folgeschäden entscheidend, ob ein für den Betroffenen bedeutender oder weniger bedeutender Teil des Gehirns geschädigt ist. Oft führen kleine Gewebsuntergänge zu schwersten Ausfällen während häufig größere Zerstörungen relativ geringe Auswirkungen haben. Hierbei kommt es entscheidend darauf an, ob der Betroffene Gehirnanteil an einer für den Patienten strategisch günstigen Stelle liegt.

Häufig führt der Schlaganfall aber zum Untergang wichtiger Gehirnregionen. Betroffen sind vor allem die höheren Zentren, die wichtige Hemmfunktionen haben und die das Zusammenspiel aller unbewußt ablaufenden Bewegungsprogramme, der Haltung und der Gleichgewichtsreaktionen koordinieren. Gestört sind meist auch die sinnliche Wahrnehmung, die räumliche Orientierung, Gedächtnis, Erkenntnisvermögen und Verhalten.

Der größte Risikofaktor für den Schlaganfall ist die Arteriosklerose.
Die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt ständig zu. Eine entscheidende Rolle bei dieser beängstigenden Entwicklung spielt die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). So hängen auch die Ursachen des Schlaganfalles eng mit der Arteriosklerose zusammen. Fast immer ist eine Verengung der Blutgefäße die Folge einer Verkalkung. Mangelnde Herzleistung und Herzinfarkt haben ebenfalls häufig in einer Gefäßverkalkung ihren Ursprung.

Die Arteriosklerose ist eine relativ rasch fortschreitende Krankheit, die man nicht verhindern, sondern nur aufhalten kann. Im Laufe der Zeit machen Ablagerungen aus Kalk, Fett, Blutgerinnseln die glatten Innenwände der Blutgefäße rauh. Weitere Ablagerungen verengen in zunehmenden Maß den Innendurchmesser der Blutgefäße. Vom Beginn der Verkalkung, die im Frühstadium meist keine Beschwerden verursacht, steigert sich die Gefahr - wenn man ihr nicht rechtzeitig und wirksam begegnet - bis zum Gefäßverschluß. Passiert der Verschluß in einem Gehirngefäß, ist der Schlaganfall die letzte Konsequenz. Der Verschluß in den Herzkranzgefäßen führt zum Herzinfarkt. Schlaganfall und Herzinfarkt haben also ähnliche Risikofaktoren und können gemeinsam auftreten.

Die Arteriosklerose - Hauptursache für 80 bis 90 Prozent aller Schlaganfälle.

Im zirkulierenden Blut befinden sich neben den weißen und roten Blutkörperchen auch Blutplättchen. Ihre Aufgabe ist es, zusammen mit dem Fibrin ("Klebstoff des Blutes"), Verletzungen der Blutgefäße zu kitten, indem sie das Blut gerinnen lassen. Aber diese heilende Wirkung der Blutplättchen kann sich auch ins Gegenteil verkehren. Sie bilden zusammen mit dem Fibrin in den Gefäßen Verklumpungen, die maßgeblich bei der Entstehung und beim Fortschreiten der Arteriosklerose beteiligt sind. Sogenannte Risikofaktoren begünstigen und beschleunigen die Entwicklung der Arteriosklerose. Die Gefahr wird häufig durch das Zusammentreffen mehrerer dieser Faktoren erhöht.

Die Risikofaktoren

Überall, wo durch die Risikofaktoren innerhalb der Gefäße Schäden auftreten, dichten Blutplättchen zusammen mit dem Fibrin die schadhafte Stelle ab. Die Blutplättchen verkleben miteinander. Das führt zur Verdickung der Gefäßwand und damit zur Einengung der Gefäßlichtung. Die Durchblutung verschiedener Organe ist gestört. Jetzt beginnt die Arteriosklerose. Schon kleine Verletzungen in den Gefäßen aktivieren die Blutplättchen, gemeinsam mit der Kittsubstanz Fibrin, den Schaden abzudichten. Dabei bleibt an der Innenwand des Gefäßes eine kleine Verdickung zurück, in die Blutfette eingelagert werden. So ist die Arteriosklerose entstanden. Es kommt erneut zu Schäden an der Gefäßwand. Wieder kitten Blutplättchen die Schadstelle. Die Verklumpung wächst und ist schließlich so groß, daß sie das Gefäß verschließt. Die Folgen eines Gefäßverschlusses sind je nach Lokalisation der Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Maßnahmen, um einem Schlaganfall oder einem zweiten Ereignis wirksam vorzubeugen, müssen also in erster Linie darin bestehen, die Risikofaktoren für die Weiterentwicklung der Arteriosklerose konsequent zu behandeln.

Einen Schlaganfall erkennen

Krankheitszeichen beim Vorliegen einer transienten ischämischen Attacke oder eines Schlaganfalls

Plötzliche Schwäche oder Lähmung einer Körperseite, meist Arm und Bein, oft auch Gesicht

Häufige Beispiele:

Plötzlich fällt ein Arm herunter, der Mundwinkel auf derselben Seite hängt herab, beim Versuch aufzustehen, gehorcht das Bein nicht, es ist kraftlos und knickt ein. Man kann auch mit einem Gefühl der Armschwäche aufwachen und plötzlich merken, dass das Aufsetzen oder Aufstehen durch die Kraftlosigkeit des Beins erschwert ist. Alle Bewegungen mit der betroffenen Hand sind ungeheuer schwierig und erfordern höchste Anstrengung und sind dennoch kraftlos. Jemand anderer beobachtet, dass der Mundwinkel herabhängt, selber hat man es zu diesem Zeitpunkt oft noch nicht bemerkt.
Plötzlicher Sturz ohne fassbare Vorzeichen bei voll erhaltenem Bewusstsein. Beim Versuch aufzustehen gehorcht eine Körperseite nicht, sie ist "wie gelähmt". Es fällt eine Asymmetrie des Gesichts im Spiegel auf, ein Mundwinkel hängt herab, die Hand derselben Seite ist ungeschickt und beim Versuch zu sprechen ist die Sprache verwaschen und undeutlich.
Eine Asymmetrie des Gesichts kann auch ohne Schwäche der Hand auftreten. Verwaschene Sprache kann auch mit einem unerklärlichen Schwindelgefühl oder Gefühl des Verändertseins einhergehen. Bei genauerer Prüfung ist dann oft die feine Geschicklichkeit der Hand beeinträchtigt.

Plötzliche Gefühlsstörung einer Körperhälfte, meist Arm und Bein, oft auch Gesicht

Häufige Beispiele:

Plötzliche Ungeschicklichkeit der Hand bei täglichen Verrichtungen, sie fühlt sich "wie fremd" an, eine geringe Schwäche beim Greifen kann auch vorhanden sein. Ein fremdartiges Gefühl wird auch am Bein bemerkt, ebenso am Mundwinkel ein "Kribbeln". Beim Versuch zu trinken, kann Flüssigkeit wieder aus dem Mundwinkel herausrinnen. Man versucht vergeblich durch "Selbstmassage" oder Einreiben eine Verbesserung zu erzielen.
Plötzlich auftretendes, wiederholtes Danebengreifen, beim Versuch Gegenstände zu fassen werden diese umgestoßen, weil man sie nicht richtig tastet.

Unverständliche Sprache, gestörtes Sprachverständnis

Häufige Beispiele:

Plötzlicher Verlust des Sprachverständnisses, man brabbelt unverständliche Laute, die Kommunikation mit der vertrauten Umwelt ist gestört. Angehörige und Helfer sind durch sprachliche Mitteilungen nicht mehr erreichbar, man versucht es immer wieder, anfangs ist dies für den Betroffenen oft nicht merkbar, Betroffene können dadurch ungehalten reagieren, oftmals sind sie aber ratlos und verwirrt.

Halbseitige Störung des Gesichtsfeldes

Häufige Beispiele:

Beim Gehen stößt man immer wieder in einer Raumhälfte auf Hindernisse, die man nicht sieht. Beim Lesen oder Fernsehen ist plötzlich eine Hälfte des Bildes verschwunden.

Halbseitige Störung der Wahrnehmung

Häufige Beispiele:

In einer Raumhälfte werden die Dinge plötzlich nicht oder unzureichend wahrgenommen. Man wendet sich einer Raumhälfte nicht mehr zu. Man schreibt nur mehr bis zur Mitte eines Blattes. Eine Kombination dieser Störungen kann gemeinsam mit einer einseitigen Schwäche auftreten.

Ungerichteter Schwindel mit zusätzlicben Krankheitszeichen

Häufige Beispiele:

Plötzlicher Schwindel und Fallneigung nach einer Seite. Der Betroffene muss sich anlehnen, damit er nicht umfällt. Plötzlicher Schwindel und man sieht alles doppelt. Plötzlicher Schwindel mit Übelkeit.

WAS KANN MANN TUN ?

Richtlinien für den Laienhelfer

Sofort den Notarzt rufen oder einen Notruf veranlassen!
Fenster öffnen, beengende Kleidungsstücke lockern!
Betroffenen mit dem Oberkörper 30 Grad hochlagern. Bei Übelkeit oder Erbrechen in Seitenlage bringen!
Vorhandene Zahnprothesen entfernen!
Puls- und Herzschlag kontrollieren!
Atemwege freihalten!
Für Ruhe des Betroffenen sorgen!

Richtlinien für den Sanitäter

Erkennen eines Schlaganfalls

Ein Schlaganfall liegt wahrscheinlich dann vor, wenn die Beschwerden plötzlich ("schlagartig") eingetreten sind oder aus dem Schlaf heraus beim Aufwachen schon beobachtet werden, und Krankheitszeichen wie Kraftminderung, Sprachstörung, Sehstörung gefunden werden.

Wie kann man die Krankheitszeichen prüfen?

Prüfung der Kraft:

Aufforderung beide Arme waagrecht nach vorne zu halten. Es geht gar nicht oder nicht vollständig oder der Arm sinkt nach Vorhalten wieder ab. Prüfung des Sprachverständnisses: Aufforderung die Augen zu schließen Die Zunge vorzustrecken Wird die Aufforderung verstanden ? (Die Aufforderung darf nicht durch Gesten vorgezeigt werden !!, man darf sie nur vorsprechen).

Prüfung der Sprachfähigkeit:

Aufforderung einen Satz zu sprechen Kann der Patient einen Satz geordnet sprechen, verwechselt er Wörter oder Silben, ist das Gesprochene unverständlich oder gibt er nur Laute von sich ?

Es muss sich nicht unbedingt um einen Schlaganfall handeln, auf jeden Fall liegt ein Notfall vor. Auch weiß man in den ersten Viertelstunden oder Stunden nicht, ob "nur" eine transiente ischämische Attacke vorliegt, deren Krankheitszeichen sich bald wieder zurückbilden werden, oder ob ein bleibender Schlaganfall mit Gehirninfarkt vorliegt (siehe oben). Auf jeden Fall handelt es sich um einen Notfall.

Kriterien für den "frischen" Schlaganfall

1. Die Krankheitszeichen sind plötzlich aufgetreten JA / NEIN
2. Der Patient ist wach JA / NEIN
3. Eines oder mehrere der folgenden Krankheitszeichen liegen vor

Krankheitszeichen und deren Prüfung

Der Arm kann nicht gehoben werden oder sinkt beim Vorhalten ab
Vorhalten beider Arme mit geschlossenen Augen (45 Grad) im liegen
Behindert oder unfähig, Sätze zu bilden
Einen Satz sprechen lassen
Beeinträchtigung des Sprachverständnisses
Anweisung "Augen schließen" und "Zunge zeigen" (nicht vorzeigen). Beeinträchtigt diese Anweisungen auszuführen
Sehstörungen auf einem Auge oder nach einer Seite
ein Auge zuhalten
JA / NEIN
4. Der Beginn der Krankheitszeichen liegt weniger als 4 Stunden zurück JA / NEIN

Bei JA auf die Fragen 1,2,4 und eine der Fragen von 3:

Beginn des Ereignisses so genau wie möglich dokumentieren Datum/Uhrzeit
Über die Zentrale Kontakt mit der nächsten Schlaganfalleinheit aufnehmen

Was soll der Arzt tun?

Erste Maßnahmen bei einem Schlaganfall vor Ort oder in der Rettung

Notfallanamnese
Notfalluntersuchung
Beurteilung von Blutdruck, Puls, Atmung, Bewusstseinslage
Nur bei sehr hohen Blutdruckwerten (über 220/110) den Blutdruck vorsichtig senken
Blutzucker bestimmen (Blutzuckerstreifen)
Bei erhöhten Blutzuckerwerten Insulingabe
Bei Hypoglykämie Glukosegabe
Intravenöser Zugang für allenfalls notwendigen Flüssigkeitsersatz
Falls notwendig O2-Zufuhr durch Nasenbrille
Eventuell Intubation und Beatmung
Den Betroffenen beruhigen
Möglichst gut dokumentieren (Beginn der Symptomatik, Ausmaß von Ausfallserscheinungen, z.B. Schwäche oder Lähmung, eventuell Glasgow Coma Score)
So rasch wie möglich an Schlaganfalleinheit schicken
Den Patienten an der Schlaganfalleinheit telefonisch ankündigen
Angehörige für Außenanamnese mitschicken.

Die Risikofaktoren

Fettstoffwechselstörungen

Überhöhter Fettstoffgehalt im Blut ist eine der Hauptursachen für das Fortschreiten der Arteriosklerose. Blutfette haben durch ihre Einlagerung in der Arterienwand entscheidenden Anteil an der Entstehung von Gefäßengpässen.

Zur Vorbeugung und Behandlung überhöhter Fettstoffwerte im Blut sind die Diät und der Abbau von Übergewicht die vorrangigen Maßnahmen. Auch wenn kein Übergewicht dazu zwingt, sollte der Patient weitgehend auf Fett und fettreiche Speisen verzichten und vor allem auf den Cholesteringehalt von Lebensmitteln achten.

Sogenannte gesättigte Fettsäuren haben besonders ungünstigen Einfluß auf den Cholesterinspiegel. Deshalb sollte man tierische Fette (wie Butter, Schmalz oder fetten Käse) durch pflanzliche Fette, die mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten (z.B. Sonnenblumen- und Maiskeimöl, Diätmargarine), ersetzen.

Sichtbares Fett kann man leicht vermeiden; man muss aber auch an die "versteckten Fette" denken (z.B. in Wurst, Käse oder Mehlspeisen).

Wenn vom Arzt Medikamente zur Behandlung der Fettstoffwechselstörungen verordnet werden, so ist auf deren regelmäßige und gewissenhafte Einnahme zu achten. Die Blutfettwerte sollten unbedingt vom behandelnden Arzt regelmäßig kontrolliert werden.

Bluthochdruck

Zu hoher Blutdruck ist der Hauptrisikofaktor für Herz und Kreislauf. Damit wird auch das Risiko, einen Schlaganfall oder ein erneutes Ereignis zu erleiden, beträchtlich erhöht. Über 70 % aller Schlaganfallpatienten hatten zu hohen Blutdruck.

Die Auswirkungen von Bluthochdruck sind vielfältig und enden, sofern er unerkannt und unbehandelt bleibt, häufig mit Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Die Schäden, die der Bluthochdruck an den Gefäßwänden verursacht, begünstigen das Entstehen und Fortschreiten der Arteriosklerose in hohem Maß.

Regelmäßige Blutdruckmessungen durch den Arzt - unterstützt durch Blutdruckselbstkontrolle - verringern das Risiko der Arteriosklerose. Weitere wichtige Maßnahmen sind: salzarme Kost, Abbau von Übergewicht, körperliche Bewegung, Entspannungstechniken und vor allem das sofortige Einstellen des Rauchens.

Übergewicht

Als Faustregel für das Normalgewicht gilt die einfache Formel:
kg = Körpergröße in cm minus 100
Geringe Abweichungen nach oben oder unten sind durchaus normal und haben mit der Arteriosklerose nichts zu tun.

Übergewicht im medizinischen Sinn ist die Fettsucht, ein Leiden, das in unserer Wohlstands-gesellschaft zu einem Problem geworden ist.

Falsche Ernährung, gesundheitsschädliche Eßgewohnheiten und Bewegungsmangel führen zu Übergewicht. Das wiederum begünstigt Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen. Außerdem wird durch Übergewicht häufig auch der Bewegungsmangel gefördert. So schließt sich ein gefährlicher Kreis, in dem für den Übergewichtigen die frühzeitige Arteriosklerose oft schon vorprogrammiert ist.

Hier helfen nur Diäten, die sich über einen langen Zeitraum durchhalten lassen und die nicht mit allzu radikalen Einschränkungen verbunden sind. Besser als Gewaltkuren, Fertigdiäten oder Maßnahmen, die nur vorübergehende Gewichtsabnahme bringen, ist immer noch die
"FdH"-Methode.

Oft sind seelische Probleme die Ursache für ein falsches Eßverhalten. In diesen Fällen hat sich das Abnehmen in der Gruppe bewährt. Der gegenseitige Erfahrungsaustausch läßt die Probleme leichter erkennen und stärkt die Motivation.

Bewegungsmangel

Wo keine Leistung gefordert wird, ist die Blutzufuhr gedrosselt, die Sauerstoffversorgung wird reduziert. Bewegung ist wichtiges Gefäßtraining, das die Blutgefäße elastisch erhält.

Körperliche Aktivität vermindert das Risiko der fortschreitenden Arteriosklerose. In jedem Fall sind der Wahl und Ausübung der Sportart Grenzen gesetzt, die von dem Gesundheitszustand des Patienten abhängig sind. Je älter man ist, desto behutsamer sollte man beginnen und das Training allmählich steigern: von milden, passiven Bewegungsübungen, Krankengymnastik und physikalischen Maßnahmen zur Anregung des Kreislaufes über kleinere, dann größere Spaziergänge bis zu vorsichtigem Konditionstraining. Bei der Wahl der körperlichen Aktivitäten sollte man darauf achten, daß diese nicht gleichförmig und einseitig sind und nach Möglichkeit durch regelmäßige Gymnastikübungen unterstützt werden.

Wichtig bei allen sportlichen Betätigungen ist: Langsam beginnen, mit Regelmäßigkeit weiterführen, die körperliche Belastung in Grenzen halten und bei der Ausübung der sportlichen Tätigkeit jemand in der Nähe haben.

Immer muss vorher der behandelnde Arzt informiert werden. Nur mit seiner Erlaubnis, und unter seiner Kontrolle sind körperliche Aktivitäten sinnvoll und ohne Gefahr für den Patienten.

Rauchen

Es ist erwiesen, dass Rauchen die Gefäße schädigt. Es verengt insbesondere die kleinen Gefäße. Dadurch wird die Blutzufuhr zu wichtigen Organen gedrosselt und eine Sauerstoff-Unterversorgung, unter anderem auch des Gehirns, gefördert. Starke Zigarettenraucher riskieren - je nach der täglich konsumierten Stückzahl - dreimal häufiger einen Herzinfarkt zu erleiden als ein Nichtraucher.

Wenn auch ein direkter Zusammenhang zwischen Schlaganfall und starkem Zigarettenkonsum in einigen wissenschaftlichen Studien nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, so ist doch generell die gefäßverengende Wirkung des Nikotins und damit sein hohes Risiko für die Entstehung und das Fortschreiten der Arteriosklerose, mit ihren Folgen Schlaganfall und Herzinfarkt, unbestritten.

Neben dem Nikotin mit seiner gefäßverengenden Wirkung enthält der Tabakrauch noch viele weitere Gifte, u.a. nahezu 50 bekannte krebserzeugende Stoffe. Gute Gründe zu einer klaren Entscheidung der Vernunft: Das Rauchen weitgehend einzuschränken; am besten aber ganz darauf zu verzichten.

Alkohol

Neben dem Rauchen ist Alkohol ein ähnlich starkes und weit verbreitetes Suchtmittel. Übermäßiger Alkoholkonsum und die damit verbundenen gesundheitlichen Schädigungen haben dem Alkoholismus zur "Spitzenposition" unter den Volkskrankheiten verholfen. Allein in der Bundesrepublik hat die Zahl der Alkoholkranken schätzungsweise inzwischen die Eineinhalb-Millionen-Grenze überschritten.

Alkohol erhöht die Blutfettwerte und potenziert - häufig in Kombination mit zu hohem Blutdruck - die Gefahr der Arteriosklerose. So wurde festgestellt, dass Trinker, die regelmäßig Alkohol in großen Mengen konsumieren, durchschnittlich zehn Jahre früher einen Schlaganfall erleiden als Enthaltsame. Aber auch regelmäßiger Alkoholkonsum in kleineren Mengen ist nicht ungefährlich, da Alkohol als Suchtgift zweifach wirkt; einmal als Gift an sich und zum Zweiten als Suchtmittel, das bis zur absoluten Abhängigkeit führen kann.

Trotz des fröhlichen Spruches "ein Gläschen in Ehren kann keiner verwehren", ist meist schon das zweite Glas zuviel. In vielen Fällen kann aber auch schon das erste Glas, speziell für den Schlaganfallpatienten, problematisch werden. Bei entsprechender Veranlagung neigt der Patient parallel zum Alkoholkonsum auch zu Bluthochdruck und Übergewicht. Jetzt wird die Gefahr der Arteriosklerose beachtlich potenziert: "Erhöhte Blutfettwerte + Bluthochdruck + Übergewicht" ergeben eine gefährliche Kombination von Risikofaktoren. Im allgemeinen wird der Arzt sicher ein Gläschen Wein oder ein kleines Bier zum Essen erlauben, wenn es dabei bleibt, und es der Gesundheitszustand des Patienten verträgt. Dagegen ist konzentrierter Alkohol in jeder Form für den Schlaganfallpatienten tabu. Zum Thema "Alkohol ja oder nein" kann der behandelnde Arzt am ehesten die richtige Entscheidung treffen und alle notwendigen Informationen für das Verhalten des Patienten geben.

Stress

Stress ist nicht nur unvermeidbar, sondern - in individuellen Grenzen - sogar notwendiger Bestandteil unseres Lebens. Positiver Stress kann zu ungewöhnlichen Leistungen befähigen oder vor plötzlich auftretenden Gefahren schützen.

Erst ein Zuviel an Stress (Distress oder negativer Stress) ist gesundheitsschädlich und fördert die Arteriosklerose. Dazu gehört jede Form seelischer oder körperlicher Überlastung sowie die ständige Anpassung an scheinbar unvermeidbare, meist negative Situationen. Die Häufigkeit und Intensität kann sich zu einem ständig gleichbleibenden Streß verdichten, der im Laufe der Zeit jede Entspannung, die eigentlich den Phasen der Anspannung folgen müßte, unmöglich macht. Erst wenn es diesen notwendigen Wechsel nicht mehr gibt, ist Stress gesundheitsschädlich. Es gibt gegen Stress kein Patentrezept. Entspannung ist die beste Stressabwehr. Wie man sie erreichen kann, ergibt ganz der persönliche Geschmack. In jedem Fall ist Entspannung lernbar. Es gibt dazu vielfältige Methoden: Autogenes Training, Yoga, Progressive Muskelentspannung, um nur einige zu nennen. Kurse, in denen man solche Techniken erlernen kann, bieten Institutionen der Erwachsenenbildung an.

Zu diesen Entspannungsübungen und zur Teilnahme an Kursen muss der behandelnde Arzt befragt werden. Nur mit seiner Genehmigung und unter seiner Kontrolle kann der Patient daran teilnehmen.

Ständig nagenden Kummer oder Sorgen (eine spezielle Form von Stress) bekämpft man wirkungsvoll mit erlaubter Bewegung an der frischen Luft. Das macht den Körper und die Seele wieder frei. Ärger, Hetze, Terminprobleme, schiefgelaufene Dinge sollte man nicht in sich hineinfressen. Offen darüber zu reden befreit und löst oft manches Problem ganz von allein.

Zuckerkrankheit

Durch erhöhten Blutzucker werden die Gefäßwände nachweislich direkt angegriffen und geschädigt. Die Folge- und Spätschäden der Zuckerkrankheit zeigen sich vor allem in einem Versagen der kleinen Gefäße in den Beinen, den Nieren und den Auge als Folge Gefäßschädigungen. Die durch die Zuckerkrankheit stark beschleunigte Arteriosklerose, die zunächst auf die kleinen Gefäße beschränkt war, greift auf weitere Gefäßbereiche über und steigert bei Zuckerkranken das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt beträchtlich. Deshalb ist der Diabetiker in besonderem Maß ein Risikopatient für den Schlaganfall oder ein zweites Ereignis.

Umweltfaktoren

Nach neuesten Erkenntnissen scheint auch die Belastung durch Umweltgifte das Schlaganfallrisiko zu beeinflussen. Es ist anzunehmen, dass ein großer Teil der Chemikalien, die unsere Umwelt belasten, auch die Arteriosklerose fördern. Gesichert gilt beispielsweise, dass schon ein geringer Bleigehalt im Blut zu Bluthochdruck und damit zu erhöhtem Schlaganfallrisiko führen kann. Blei aber kann auf vielen Wegen in den Körper gelangen: durch Industrieabgase, alte Wasserleitungen, Abgase von bleihaltigem Benzin.

Lärmbelästigung verursacht starken Stress und kann den Bluthochdruck und damit die Arteriosklerose fördern.

Gefährden Sie nicht Ihre wiedergewonnene Selbständigkeit durch die Möglichkeit eines erneuten Schlaganfalles. Tun Sie alles, die Risikofaktoren für ein weiteres Fortschreiten der Arteriosklerose durch Ihre tätige Mithilfe weitgehend zu reduzieren. Achten Sie auf erste Anzeichen, die auf eine Minderversorgung des Gefäßsystems hindeuten.

Oft gehen dem Ereignis Vorboten und Warnsignale voraus. Sie zeigen sich besonders bei Attacken, deren Ursache die Verengung der Blutgefäße ist. Auch als Stadium 1 und 2 des Schlaganfalles bezeichnet, äußern sie sich als kurze, nicht länger als 24 Stunden dauernde, vorübergehende Ausfälle von Körperfunktionen und -fähigkeiten oder auch im Stadium 2 als ebenfalls vorübergehende aber länger als 24 Stunden anhaltende Ausfallerscheinungen.

Diese Alarmzeichen, besonders wenn sie öfter und länger anhaltend auftreten, sind deutliche Hinweise, dass das Gefäßsystem die normale Blutversorgung nicht mehr gewährleisten kann.

In diesen Fällen muss sofort der Arzt aufgesucht werden, der eine genaue Untersuchung durchführt.
Häufig werden jedoch diese Warnsignale vom Patienten selbst negiert oder vergessen. Sie werden oft eher von den Angehörigen oder vom Arzt des Patienten bemerkt. Auch leichte Behinderungen wie häufiges Anstoßen an Möbeln in vertrauter Umgebung oder Schwierigkeiten beim An- und Ausziehen sind oft Hinweise auf eine Minderversorgung der Gefäße.

Warten Sie mit Ihrem Arztbesuch nicht bis sich Ihre Beschwerden mehren und vergrößern. Kontrolluntersuchungen, regelmäßige Überprüfung Ihres Blutdrucks, sorgfältige Beobachtung Ihrer Cholesterinwerte, das offene Gespräch über mögliche, krankheitsbedingte Feststellungen oder Veränderungen, aber auch über seelische Belastungen beruflicher oder privater Art können lebensbedrohende Risiken von Ihnen abwenden.


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