Ursachen

 
 
Quelle: Tumorzentrum Freiburg / KID Krebsinformationsdienst / Deutsche Krebshilfe
Krebs:

Wer ist gefährdet?

  Tatsache ist, dass wissenschaftliche Untersuchungen- in Fachkreisen spricht man von Untersuchungen zur Krebsepidemiologie- Zusammenhänge z.B. zwischen bestimmten Lebensgewohnheiten und bestimmten Krebsarten festgestellt haben.

  Es ist inzwischen erwiesen, dass 90% aller Bronchialkarzinome auf das Rauchen zurückzuführen sind.

  Auch bei Magen-, Rachen-/ Kehlkopf-, Mund-kiefer-, Nierenbecken-, Blasen- und Gebärmutterkrebs wurde Nikotinmissbrauch als Risiko erkannt. Alkohol, regelmäßig und in großen Mengen zu sich genommen, trägt zur Entstehung von Rachen- und Kehlkopf-, Magen- und Leberkrebs bei. Übermäßige Sonnenbestrahlung und Hautkrebs – beides hängt eng zusammen.  

  Ein anderer Faktor, der Einfluss auf die Entstehung von Krebs haben kann, ist die Ernährung. Ungesunde, wie zu fette und ballaststoffarme Ernährung kann dazu beitragen, dass sich Magen- oder Darmkrebs entwickelt; ein hoher Fettverzehr steht auch im Zusammenhang mit Brustkrebs; Übergewicht begünstigt die Entstehung von Gebärmutterkrebs.  

  Neben den Lebensgewohnheiten, auf die wir selbst Einfluss nehmen können, gibt es aber noch andere Faktoren die das Risiko für einzelne Krebsarten erhöhen, die wir allerdings nicht oder nur zum Teil beeinflussen können: Bestimmte Krankheiten, krebserregende Stoffe, denen man am Arbeitsplatz ausgesetzt ist, und nicht zuletzt eine familiäre Veranlagung, die es z.B. bei Magen-, Darm- und Brustkrebs gibt.

  Ganz wichtig: Lassen sie sich in regelmäßigen Abständen – mindestens einmal jährlich – von ihrem Arzt untersuchen, und weisen sie ihn darauf hin, welche Umstände ihr Krebsrisiko erhöhen  

  Eine solche ständige ärztliche Überwachung kann sie zwar nicht vor dem Ausbruch der Krankheit schützen, sie bietet ihnen aber die Gewähr dafür, dass, wenn sie an Krebs erkranken, er frühzeitig entdeckt und ohne Zeitverlust behandelt werden kann. Dies ist deshalb so wichtig, weil die Heilungsaussichten bei Krebs um so größer sind je früher er erkannt wird.

  Zusätzlich zu den ärztlichen Untersuchungen können sie auch selbst dazu beitragen, ihre Chancen im falle einer Erkrankung zu erhöhen: Beobachten sie ihren Körper auf Veränderungen hin, nehmen sie diese ernst, und lassen sie die Ursache von einem Arzt abklären.

AIDS und Krebs

Warum bekommen viele AIDS-Patienten auch noch Krebs?

  AIDS ist eine Erkrankung des Immunsystems. Dieses wird durch eine Infektion mit HI-Viren (Humanes Immundefizienz-Virus) sehr geschwächt. Dadurch stehen viele körpereigene Abwehrmechanismen nicht mehr zur Verfügung, die normalerweise vor einer Krebserkrankung schützen. Allerdings sind viele dieser Vorgänge noch nicht vollständig geklärt worden, so daß nur für einzelne Krebsarten, z.B. solche, die durch Viren verursacht werden, der Zusammenhang vollständig erklärt werden kann.

Welche Krebsarten treten bei AIDS-Patienten auf?

  AIDS-Patienten leiden häufig unter dem Kaposi-Sarkom, bei dem bösartig veränderte Zellen unter der Haut und Schleimhaut und in anderen Organen auftreten. Auch die verschiedenen Lymphome sind bei ihnen häufiger. Für einige andere Krebsarten wäre zwar ein erhöhtes Risiko bei AIDS-Patienten zu erwarten gewesen, dies hat sich in der Praxis jedoch bislang nicht bestätigt.

  Die Behandlung einer Krebserkrankung paßt sich bei AIDS-Patienten an den individuellen Gesundheitszustand durch ein bei Bedarf sanfteres Vorgehen an. Die Methoden an sich, beispielsweise eine Operation oder Chemotherapie, bleiben meist gleich.
Ausführliche  Informationen für betroffene AIDS-Patienten bietet im Internet beispielsweise ein Leitfaden des HIV-Arbeitskreises Rhein-Main-Neckar und der Deutschen AIDS-Hilfe unter http://www.hivinfo.de/

Hat man andererseits als Krebspatient  auch ein erhöhtes AIDS-Risiko?

  AIDS ist eine Infektionserkrankung. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist für Krebspatienten genauso hoch oder niedrig wie für andere Menschen auch. Eine gemeinsame Ursache für die beiden Erkrankungen, wie manchmal behauptet wird, gibt es nicht.

  Die Wahrscheinlichkeit, durch oder während einer Krebstherapie mit dem HI-Virus angesteckt zu werden, ist heute durch die engmaschige Kontrolle aller Blutprodukte und durch die allgemeinen Hygienevorschriften im Gesundheitswesen extrem gering.


Alkohol und Krebs

  Alkohol ist selbst nur bedingt krebserregend. Trotzdem können Wein, Bier oder Spirituosen das Krebsrisiko steigern.

Welche Krebsarten können durch zu viel Alkohol verursacht werden?

  Ein Gläschen "in Ehren" schadet sicher nicht, zumindest nicht nachweisbar. Wer mehr trinkt oder nicht bei Bier oder Wein bleibt, geht allerdings ein meßbares Risiko ein: Bei Alkoholikern ist der Speiseröhrenkrebs weit häufiger als in der Normalbevölkerung - wer mehr als zwei Liter Bier oder vier Gläser Wein pro Tag konsumiert, hat das 18fache Risiko, an diesem Krebs zu erkranken. Man findet bei Alkoholikern außerdem vermehrt Krebsbildungen in der Mundhöhle, im Rachenraum und im Kehlkopf.

  Alkohol selbst ist zwar nach derzeitigem Wissensstand nur bedingt direkt krebserregend. Er fördert jedoch die Empfindlichkeit für andere Risikofaktoren. Und häufig bleibt es nicht bei einem Genußgift: Zum Wein, zum Bier oder zu härteren Getränken gehört für viele Menschen auch die Zigarette (Rauchen und Passivrauchen). So ist es im Einzelfall schwer, die krebserzeugende Wirkung für Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf dem Alkohol oder dem Tabak zuzuordnen. Auch geht man davon aus, daß die einzelnen Risiken sich möglicherweise nicht einfach addieren, sondern gegenseitig noch verstärken. Gleichwohl ist aber auch bei "Nur-Alkoholikern", die sonst sehr gesund lebten, ein erhöhtes Risiko festgestellt worden.

Wie sieht es mit dem Krebsrisiko durch Leberschäden aus?

  Exzessiver Alkoholkonsum schädigt die Leber auf jeden Fall. Es kommt im Lauf der Jahre häufig zu einer Leberschrumpfung, der Zirrhose, aus der Leberkrebs entstehen kann. In den Industrienationen werden die meisten Leberkrebsfälle auf diese Weise ausgelöst.

  In den letzten Jahren haben sich darüber hinaus die Hinweise gehäuft, daß Alkohol auch bei der Entstehung von Darm- und Brustkrebs eine größere Rolle spielen könnte, als lange Zeit angenommen. In einer Studie der amerikanischen Harvard-Universität konnte gezeigt werden, daß ältere Frauen, die regelmäßig Alkohol konsumierten, erhöhte Werte eines Östrogens im Blut aufwiesen. Am auffälligsten war dieser Anstieg nach den Wechseljahren bei übergewichtigen Frauen. Für Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse ist Alkoholkonsum zumindest ein schwacher Risikofaktor.

Gibt es Empfehlungen, wie viel man gefahrlos trinken darf?

  Wer regelmäßig geringe Mengen trinkt, kommt dabei keineswegs besser weg, als jemand, der gelegentlich zuviel Alkohol konsumiert. Die Grenze zwischen Genuß und Gefahr beim Alkoholkonsum ziehen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) heute wegen der allgemein schädlichen Auswirkung auf die Gesundheit bei 20 Gramm Alkohol pro Tag für Männer. Das entspricht knapp einem halben Liter Bier oder einem Glas Wein pro Tag. Frauen rät die DGE, maximal 10 Gramm Alkohol pro Tag zu konsumieren. Die Gesellschaft weist ausdrücklich darauf hin, daß bei diesen Referenzwerten die möglicherweise herzschützende Wirkung von Alkohol schon berücksichtigt ist (Ernährung in der Prävention).


Arbeitsplatz und Krebsrisiko

  Die Frage nach den Ursachen der eigenen Krebserkrankung bleibt für die meisten Patienten unbeantwortet: Was genau die erste Zelle zur Krebszelle gemacht hat, läßt sich sehr häufig nur auf einen genetischen "Unfall" zurückführen. Gelegentlich kann die Ursache jedoch im Beruf des Patienten gesucht werden.

Wie viele Krebserkrankungen sind beruflich bedingt?

  Die Schätzungen, wie viele Krebserkrankungen heute durch Risiken am Arbeitsplatz verursacht werden, gehen weit auseinander. In Deutschland gab es lange Zeit zu diesem Thema wegen des Fehlens eines Krebsregisters in den alten Bundesländern und der mangelnden Aussagekraft des Krebsregisters der ehemaligen DDR nur die Zahlen der Berufsgenossenschaften. Nach Darstellung des Hauptverbandes der Berufsgenossenschaften war bei knapp der Hälfte der 1994 an den Folgen einer Berufskrankheit verstorbenen Versicherten Krebs die Todesursache. Der Anteil der Krebserkrankungen an den insgesamt anerkannten Fällen von Berufskrankheiten lag von 1978 bis 1994 aber nur bei 4,2%. Das sind je nach Krebsart und vermuteten Auslöser 5-100% der gemeldeten Verdachtsfälle. Der steile Anstieg dieser Zahlen ist auf eine nachträgliche Anerkennung Betroffener aus den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung zurückzuführen, nicht auf eine Veränderung der Zahl der Betroffenen an sich.

  Als Berufskrankheit im gesetzlichen Sinn wird eine Erkrankung definiert, die "durch gesundheits-schädigende Einwirkungen hervorgerufen wurde, denen die Betroffenen in höherem Maß ausgesetzt sind als die gesamte Bevölkerung". Diese Definition ist die Hürde, an der eine klare Aussage zur Abschätzung der beruflich bedingten Belastungen scheitert. In manchen Verdachtsfällen muß ein Zusammenhang erst mühsam recherchiert werden. Es werden Gutachter benötigt, das Privatleben bzw. die persönlichen Risiken des Antragstellers müssen miteinbezogen werden.

Welche Berufe sind laut der offiziellen Statistik besonders belastend?

  Die derzeit anerkannten Krebserkrankungen bzw. vergleichbare Anerkennungsfälle treffen Angehörige verschiedener Berufsgruppen. Da die wenigsten Arbeitsplätze, außer im Bergbau, wirklich vergleichbar sind, geht die Registrierung von belastenden Situationen und nicht vom Beruf aus. Als Berufserkrankung wird ein entsprechend typisches Krankheitsbild bei einem Arbeitnehmer ohne große Umstände anerkannt, wenn er mit einer der folgenden Substanzen ungeschützten Kontakt hatte: Chrom, Cadmium, Arsen, aromatische Amine, Halogenkohlenwasserstoffe wie Vinylchlorid, Benzol, Dioxine, Nickel, Kokereirohgase, Eichen- und Buchenholzstäube, Ruße und Teere bei Hautkontakt sowie - zahlenmäßig am bedeutsamsten - Asbest und ionisierende Strahlung im Bergbau.

  Rein theoretisch können sehr viele Arbeitnehmer diesen Substanzen ausgesetzt sein. In der Regel besonders betroffen sind jedoch Chemieberufe, Schlosser, Bau-, Metall- und Holzberufe, Bergleute, Elektriker, Installateure, Textilberufe, Lager- und Transportberufe, Isolierer, Mineralaufbereiter, Maler und Lackierer, Glas- und Keramikberufe sowie KFZ-Mechaniker. Dies wird sich jedoch mit der Veränderung von Berufsbildern, zunehmendem Kenntnisstand über Krebsrisikofaktoren und der Aufdeckung mangelnder Sicherheitsbedingungen stetig wandeln. Wegen der in der Regel langen Latenzzeit (Zeitraum zwischen dem Einwirken eines Risikofaktors und dem Auftreten einer Erkrankung) spiegeln sich in den anerkannten Fällen Arbeitsplatzbelastungen der letzten 30 Jahre wider.

Es gibt aber doch noch viel mehr Stoffe, deren Gefährlichkeit diskutiert wird oder schon feststeht?

  Hatte ein erkrankter Arbeitnehmer nachweislich mit gefährlichen Stoffen Kontakt, wird die zuständige Berufsgenossenschaft seinen Fall sorgfältig prüfen und gegebenenfalls anerkennen, auch wenn diese Anerkennung dann noch nicht als Präzedenzfall gilt. Ist die entsprechende Datenlage jedoch eindeutig, wird auch eine generelle Anerkennung des jeweiligen Stoffes überprüft. So wurden beispielsweise erkrankte ehemalige Bergleute der SDAG Wismut, die im Uranbergbau der DDR hohen Konzentrationen von Radon (Radioaktivität und Röntgenstrahlen) ausgesetzt waren, sehr schnell in die Anerkennungsverfahren integriert; entsprechende Erkrankungen werden heute im vereinfachten Verfahren als Berufskrankheit anerkannt.

Welche gesetzlichen Regelungen schützen die Arbeitnehmer heute?

  Der Schutz der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz geht in Deutschland auf die Sozialgesetzgebung Otto von Bismarcks Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Seitdem sind Arbeitgeber verpflichtet, ihre Arbeitnehmer gemäß den gesetzlichen Bestimmungen und dem derzeitigem Kenntnisstand vor Schaden zu schützen und ihnen im Schadensfall finanzielle Unterstützung zu gewährleisten. Hauptansprechpartner für die Umsetzung sind die Berufsgenossenschaften (BG).

  Eine große Anzahl gesetzlicher Regelungen sorgt dafür, daß ein Berufstätiger am Arbeitsplatz nicht gefährdet wird. Technischer Schutz (Maschinensicherheit, Vermeiden von Entweichen gefährlicher Substanzen etc.) hat dabei Vorrang vor organisatorischem Schutz (Begrenzung von Arbeitszeiten und persönlichen Maßnahmen (Schutzkleidung etc.)). Die Sicherheitsbestimmungen werden gesetzlich durch die Gefahrstoffverordnung und im gewerblichen Bereich auch durch Richtlinien der Berufsgenossenschaften definiert. Die Richtlinen haben dabei rechtlich den Rang einer Verordnung, weil sie in der Regel gesetzliche Bestimmungen für die einzelnen Branchen umsetzen. In zunehmendem Maß gelten auch Bestimmungen der Europäischen Union (EU).

  Die Vorschriften enthalten neben den Pflichten für den Arbeitgeber Verhaltenspflichten für den Arbeitnehmer, d.h. ein Berufstätiger ist auch zur Einhaltung von Sicherheitsvorschriften verpflichtet.

Wer ist gegen berufliche Belastungen versichert, und wer zahlt diesen Schutz?

  Die Versicherungpflicht gegen Arbeits- und Wegeunfälle, Berufskrankheiten sowie die volle Finanzierung liegt allein beim Arbeitgeber. Jeder Arbeitnehmer, auch bei nur kurzfristiger Beschäftigung, ist automatisch versichert. Das gilt sogar, wenn der Arbeitgeber noch keine Anmeldung bei der zuständigen Berufsgenossenschaft vorgenommen hat. Die Arbeitnehmer aus der ehemaligen DDR, auch wenn sie in der Zwischenzeit nicht mehr berufstätig sind, wurden rückwirkend in vollem Umfang in diese Maßnahmen integriert.

  In anderen Bereichen, z.B. einem Teil des Öffentlichen Dienstes, regeln sogenannte Bundesausführungsbehörden in Zusammenarbeit mit den Versorgungsämtern Schadensfälle und Ansprüche. Auch andere Personengruppen sind in vergleichbarer Weise versichert.

Wie sieht die konkrete Vorgehensweise aus, wenn der Verdacht auf eine beruflich bedingte Erkrankung besteht?

  Melden kann den Verdacht auf eine beruflich bedinge Erkrankung jeder. In der Regel meldet der behandelnde Arzt an die zuständige Berufsgenossenschaft oder das jeweilige Versorgungsamt, wenn keine gewerbliche Tätigkeit vorlag (z.B. Öffentlicher Dienst, Bundeswehr). Ist diese nicht bekannt, kann auch an den Hauptverband der Berufgenossenschaften gemeldet werden. Die Berufsgenossenschaften veranlassen dann alles weitere.

  Es ist kaum möglich, die Dauer eines Anerkennungsverfahrens vorauszusagen. Lehnt die Berufsgenossenschaft beispielsweise im ersten Verfahren die Anerkennung ab, kann Widerspruch eingelegt werden. Dann liegt in der Regel die Beweispflicht beim Antragsteller. Er muß zumindest mit der Vorlage von Kosten rechnen, z.B. für Gutachten oder Anwaltshonorare. Wird positiv entschieden, übernehmen die Berufsgenossenschaften auch diese Kosten. Die Anerkennungsverfahren können sich jedoch unter Umständen über Jahre hinziehen

Was leistet die Versicherung?

  Die Leistungen der Berufsgenossenschaften umfassen medizinische Betreuung, Rehabilitation, Medikamente, Heilmittel etc., Pflege bei Hilflosigkeit und Entschädigungen sowie die Rente, auch für Angehörige. Es gilt der Grundsatz Rehabilitation vor Rente, d.h. einem Antragsteller wird eher eine Kur oder sogar eine Umrüstung seines Arbeitsplatzes als eine Rente bezahlt.



Krebsrisiko Asbest

Wo findet sich heute noch Asbest?

  Das mineralische faserartige Material wurde in der Vergangenheit fast universell eingesetzt. Bis wirklich alle Quellen einer möglichen Gesundheitsgefährdung beseitigt sind, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Da das Mineral nicht brennt, erst bei über 1000°C schmilzt, unempfindlich gegen viele Laugen und Säuren ist und Wärme und Schall schlecht leitet, wurde es vielfach zur Isolierung von Rohren, Heizungen und Elektrogeräten, als Asbestpappe und -einsatz bei Drahtnetzen, Filtern, Dichtungsringen, Gasmasken, Kupplungs- und Bremsbelägen, in feuerfesten Geweben und v.a. als Asbestzement in sehr vielen Gebäuden verwendet.

  Heute ist die Verwendung von Asbest in der Bundesrepublik stark eingeschränkt. Probleme bereitet jetzt der berufliche Kontakt im Rahmen von Sanierungen und die unbemerkte Aufnahme von Fasern durch die Verwitterung von Asbest. Auch im Haushalt gibt es eine Reihe von Asbestquellen. Das Mineral findet sich in Isolierungen, Dämmplatten und der Rückseite von alten Fußböden aus PVC, in manchen alten Haushaltsgeräten als Elektro- und Wärmeisolierung (Fön, Toaster) sowie in alten Nachtspeicherheizungen.

Warum ist das Mineral so gefährlich?

  Asbest kommt in verschiedenen Mineralisationsformen vor. Diese spalten bei Verwitterung Fasern ab, die staubfein sind und eingeatmet werden können. Personen, die mit Asbest in Kontakt kamen, haben nach rund zehn Jahren ein ansteigendes Risiko, an einer Asbestose zu erkranken, einer chronischen Lungenkrankheit, die das elastische Lungengewebe als Reaktion auf den Reiz der Fasern und den daraus resultierenden Entzündungen verhärten läßt. Durch diese bindegeweblichen, narbigen Verdickungen und Verkalkungen wird die Atmung auf Dauer beeinträchtigt und die Gefahr einer zusätzlichen Lungenentzündung erhöht. Das Leitsymptom der Asbestose ist ein kurzer, angestrengter Atem. Die Diagnose wird durch ein Röntgenbild und eine Faseruntersuchung gesichert; ständige ärztliche Betreuung ist bei einer Erkrankung meist notwendig. Die Asbestose wird als Berufskrankheit (Arbeitsplatz und Krebsrisiko) anerkannt.

  Wenn Fasern eingeatmet werden, v.a. solche, die länger als 5 und dünner als 1 Mikrometer sind, verursachen sie nach 15 bis 30 Jahren, eventuell auch noch später, Krebs der Atemwege, der Lunge und/oder des Brustfells, ein sogenanntes Pleuramesotheliom. Für das individuelle Risiko ist außerdem noch die Zahl der Fasern, die Gewebe-, besonders die Lungengängigkeit der Fasern und ihre Beständigkeit im biologischen Milieu entscheidend. Rauchen ist der stärkste bekannte Kofaktor, der eine Krebsentstehung födert. Auch Krebs durch einen nachgewiesenen Asbestkontakt am Arbeitsplatz steht auf der der Liste der anerkannten Berufserkrankungen; Betroffene werden von der jeweils zuständigen Berufsgenossenschaft betreut.

Wie kann eine Asbestschädigung festgestellt werden?

  Beginnender Lungenkrebs oder ein Mesotheliom im Frühstadium machen meist nur unspezifische Beschwerden (Husten, Schleim, eventuell mit Blut, unerklärliche Brustschmerzen), die leicht fehlgedeutet werden, v.a. wenn die Asbestexposition unbekannt ist. Neben der Anamnese ist in der Diagnostik die Anwendung bildgebender Verfahren und einer Biopsie mit Fasernachweis durchzuführen. Eine zuverlässige Früherkennung gibt es leider nicht. Ehemalige Asbestarbeiter und Arbeitnehmer in der Asbestsanierung werden deshalb besonders konsequent betriebsärztlich überwacht.

Wie sehen Vorsichtsmaßnahmen gegen einen Asbestkontakt aus?

  Jeglicher Kontakt soll ausgeschlossen sein! Für Asbestarbeiter, die heute mit dem Material hauptsächlich bei Renovierungs- und Sanierungsarbeiten in Kontakt kommen, ist vorgeschrieben, alle Schutzausrüstungen zu benutzen und alle Arbeitsvorgänge unter den Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen, wie sie die Berufsgenossenschaften vorsehen. Dazu gehören Schutzkleidung, Atemschutz, Absaugvorrichtungen etc. Wichtig ist auch die fachgerechte Entsorgung der Asbestprodukte sowie verunreinigter Gegenstände als Sondermüll unter den entsprechenden Sicherheitsvorschriften.

  Eine wichtige private Maßnahme und der wichtigste Schutz vor Lungenkrebs überhaupt ist der Verzicht auf das Rauchen!
Rauchen erhöht nach Asbestkontakt das Krebsrisiko noch einmal um das Hundertfache.

  Jeglichen Anzeichen von Atemwegserkrankungen sollte nach Asbestkontakt besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Gegebenenfalls muß ein Arzt aufgesucht werden, der über die Asbestexposition informiert wird, damit er dies bei der Diagnosestellung berücksichtigen und das beste Vorgehen wählen kann.

Kann man Asbest im Haushalt selbst entfernen?

  Mieter und Eigentümer einer möglicherweise asbestbelasteten Wohnung sollten zunächst klären, wie hoch das tatsächliche Risiko ist. Das kann z.B. durch eine Messung der Faserzahl in der Raumluft geschehen (über Kosten und Möglichkeiten beraten unter anderem die Baubehörden oder Umweltberatungsstellen der Gemeinden, der TÜV oder die Verbraucherzentralen). Ist die Entfernung einer möglichen Asbestquelle voraussichtlich billiger als die Messung, beispielsweise durch den Austausch eines älteren Haushaltsgerätes, sollte dieses Vorgehen natürlich bevorzugt werden. Für viele ältere Haushaltsgeräte haben die Hersteller, die Verbraucherzentralen oder die Energieversorger der jeweiligen Gemeinden Listen, in denen nachgesehen werden kann, ob überhaupt noch Asbest enthalten ist.

  Vorsichtig sollten Heimwerker bei der Sanierung in Eigeninitiative sein: Beim unsachgemäßen Öffnen und Entfernen einer alten Nachtspeicherheizung oder beim Herausreißen eines PVC-Bodens gelangen Fasern überhaupt erst in die Raumluft. Alle größeren Maßnahmen sollten daher Spezialfirmen überlassen bleiben, auch wenn der finanzielle Aufwand dadurch größer ist.

Stimmt es, daß auch im Trinkwasser Asbestfasern nachgewiesen wurden?

  In den 80er Jahren sind einige Studien (aus den USA, Kanada und Österreich) zur Frage der Krebsrisikoerhöhung durch Asbestfasern im Trinkwasser publiziert worden. Zum Teil handelt es sich um eine natürliche Asbestbelastung aus mineralischen Quellen, zum Teil um eine künstliche Belastung aus Leitungsrohren oder Filtern, in denen Asbest verarbeitet wurde.

  Die Ergebnisse zeigen fast durchgängig keinen Zusammenhang zwischen der Asbestaufnahme und Tumoren des Verdauungstraktes. In Deutschland wurden zwar ebenfalls Asbestfasern im Trinkwasser mancher Gemeinden gefunden, allerdings in sehr geringen Konzentrationen, die kein Gesundheitsrisiko darstellen. Die Gesundheitsbehörden weisen jedoch darauf hin, daß das Trinkwasser nicht zu sauer sein darf, damit keine Fasern aus noch vorhandenen Asbestleitungen gelöst werden.

Wie steht es mit der Gefährdung durch andere Fasern, die als Ersatz für Asbest verwendet werden?

  Steinwolle und andere Mineralfasern sowie Glaswolle galten lange als völlig ungefährlich. Inzwischen deuten die Beobachtungen dahin, daß es weniger auf das Material selbst als auf die Fasergröße ankommt. Fasern, die in Länge und Dicke den Asbestfasern entsprechen, vergrößern unter Umständen auch das Krebsrisiko. Daher empfehlen die Berufsgenossenschaften und andere offizielle Organisationen den weitgehenden Verzicht auf Fasern dieses Größenbereiches oder das Ausweichen auf Ersatzprodukte. Eines von beiden ist meist ohne Einschränkung möglich. Die Hersteller haben einer denkbaren Gesundheitsgefahr durch veränderte Produkte bereits weitgehend Rechnung getragen. Wichtig bleiben Vorsichtsmaßnahmen bei der Verarbeitung, z.B. Staubschutzmasken, bedeckende Kleidung und Handschuhe. Risiken treten bei Glas- und Steinwolle vermutlich nur bei der Verarbeitung auf und nicht mehr danach, solange nicht durch Verwitterung Fasern freigesetzt werden.


Brustkrebs

Wie häufig ist Brustkrebs?

  Brustkrebs, in der medizinischen Fachsprache Mammakarzinom, entsteht im Drüsenanteil der Brust. Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung der Frau. Jährlich erkranken schätzungsweise 43.000 Frauen und etwa 400 Männer. Das Erkrankungsrisiko steigt ab dem vierten Lebensjahrzehnt allmählich an. Weltweit sind die Erkrankungsrisiken sehr unterschiedlich: In USA ist die Wahrscheinlichkeit zu erkranken höher als in Europa, in Japan dagegen merklich niedriger. In Deutschland wird bei etwa jeder zwölften Frau im Laufe ihres Lebens ein Brustkrebs festgestellt.

Welche Bedeutung haben die bekannten Risikofaktoren?

  Für die überwiegende Zahl aller Erkrankungen läßt sich keine einzelne Ursache benennen, die hauptsächlich für die Entstehung verantwortlich ist. Wahrscheinlich tragen viele unterschiedliche Einflüsse gemeinsam dazu bei, daß ein Umwandlungsprozess einer normalen Zelle in eine Krebszelle stattfindet.

Spielt Vererbung eine Rolle?

  Bei 15% der neuerkrankten Frauen ist eine Verwandte ersten Grades, d.h. Mutter oder Schwester, ebenfalls an Brustkrebs erkrankt. In diesen Fällen wird die Beteiligung von vererbten Faktoren vermutet. Wissenschaftler haben in den letzten Jahren herausgefunden, daß tatsächlich bei etwa einem Drittel dieser Patientinnen bestimmte genetische Faktoren eine wesentliche Ursache für die Krankheitsentstehung sind. Für Frauen mit an Brustkrebs erkrankten Verwandten ersten Grades bedeutet dies, daß unter Umständen auch bei ihnen angeborene Faktoren vorhanden sind, die für sich alleine aber noch keine ausschlaggebende Bedeutung für die Entstehung der Erkrankung haben. Es müssen noch andere wichtige Faktoren hinzukommen, damit eine Erkrankung auftritt. Details hierüber sind bisher noch nicht bekannt. Zur Höhe des Erkrankungsrisikos läßt sich generell sagen: Sind die Mutter oder eine Schwester einer Frau an Brustkrebs erkrankt, ist ihr Risiko durchschnittlich zwei- bis dreimal so hoch wie bei einer Frau ohne Brustkrebsfälle in der nahen Verwandtschaft.

  Insgesamt sind vererbte Besonderheiten des Erbmaterials für das Entstehen von etwa 5% aller Brustkrebserkrankungen verantwortlich. In einigen Familien werden bestimmte Veränderungen im Erbmaterial von Generation zu Generation weitergegeben, die die Erkrankungsbereitschaft für Brustkrebs sehr deutlich erhöhen. In diesen Familien (Brustkrebsfamilien) tritt Brustkrebs sehr häufig schon vor dem 40. oder 50. Lebensjahr auf und es können beide Brüste betroffen sein.

  Weiterhin kann das vermehrte Auftreten von Eierstockkrebs, bisweilen auch von anderen bösartigen Erkrankungen, damit verknüpft sein.

  Wahrscheinlich sind noch nicht alle der risikoerhöhenden Veränderungen des Erbmaterials gefunden worden. Als die beiden bedeutendsten werden heute Veränderungen in den Brustkrebsgenen 1 und 2 (BRCA-1 und BRCA-2) angesehen. Da sie nicht auf geschlechtsgebundenen Chromosomen liegen, können sie auch über die männliche Linie einer Familie vererbt werden.

Wodurch sind Brustkrebsfamilien gekennzeichnet?

  Da in Deutschland Familien in der Regel klein sind, wird eine familiäre Veranlagung für Brustkrebs nicht immer durch eine deutliche Krankheitshäufung in der Familie sichtbar. Es helfen dann zusätzliche Indizien weiter: Es kann eine genetische Veränderung dann vermutet werden, wenn in einer Familie zwei nah miteinander verwandte Frauen an Brust und/oder Eierstockkrebs erkrankt sind, und zumindest bei einer von beiden die Erkrankung vor dem 50. Lebensjahr auftrat. Ein weiterer Hinweis ist, wenn eine Frau an mindestens zwei voneinander unabhängigen bösartigen Tumoren (Brustkrebs, Eierstockkrebs) erkrankt ist.

Was bringt ein Gentest?

  Die Beschaffenheit von Genen kann prinzipiell mittels einer Blutentnahme oder durch die Untersuchung des bösartigen Tumors beurteilt werden. Wird bei einer an Brustkrebs erkrankten Frau aus einer Brustkrebsfamilie eine Veränderung in einem dieser Gene gefunden, wird sorgfältig erwogen, ob dies mit der Krankheitsentstehung in deutlichem Zusammenhang steht. Wird die Genveränderung als wesentliche Krankheitsursache angesehen, so besteht für eine gesunde Frau aus dieser Familie, die die gleiche Genveränderung trägt, ein sehr hohes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Krebs zu erkranken. Bei einer Veränderung im Gen BRCA-1 hat sie (unter statistischen Gesichtspunkten und nach heutigem Wissenstand) ein sehr hohes Risiko im Laufe ihres Leben an Brustkrebs und ein hohes Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken. Bei gesunden Frauen mit einer Veränderung im BRCA-2 Gen ist das Risiko für eine Brustkrebserkrankung im Laufe des Lebens ähnlich hoch, für Eierstockkrebs aber deutlich geringer. Auch männliche Träger der Veränderung im Gen BRCA-2 haben ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

  Zur Beratung und gegebenenfalls genetischen Diagnostik von Mitgliedern aus Brustkrebsfamilien wurden in Deutschland mehrere Zentren eingerichtet. Dort arbeiten Fachleute aus verschiedenen Bereichen (Frauenheilkunde, Genetik, Psychologie) zusammen, um eine umfassende Betreuung der Familienmitglieder zu gewährleisten. Maßnahmen zur frühzeitigen Entdeckung und der Vorbeugung der Erkrankungen werden erprobt. Die Adressen der Beratungsstellen können z.B. beim Krebsinformationsdienst erfragt werden.

  Für etwa 95% aller Erkrankungsfälle spielen angeborene Genveränderungen aber keine herausragende Rolle, so daß ein genetischer Test keine Aussage zur Höhe des Erkrankungsrisikos machen kann.

Hat eine Betroffene ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für die gesunde Brust?

  Ist eine Frau bereits an einer Brust bösartig erkrankt, so besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für die andere Brust.

Haben Menstruation und Schwangerschaft eine Bedeutung für die Entstehung von Brustkrebs?

  Die langfristige körpereigene Hormonsituation scheint eine Rolle zu spielen: Frauen mit früher erster Regelblutung, Frauen mit spätem Eintritt der Wechseljahre und Frauen mit später erster oder keiner Geburt erkranken häufiger als der Durchschnitt.

Können gutartige Brusterkrankungen entarten?

  Gutartige Brusterkrankungen sind in der Regel nicht mit erhöhtem Entartungsrisiko verbunden. Eine Ausnahme bildet hierbei die stärker ausgeprägte Form der Mastopathie, eine häufig vorkommende harmlose Veränderung der Brustdrüse. Bei der Mastopathie mit Zellwucherungen (proliferierende Mastopathie), insbesondere wenn die Zellen vom üblichen Aussehen stark abweichen (Atypien), ist das Risiko erhöht.

Spielt die Ernährung eine Rolle?

  Auch die Ernährungsweise kann für das Erkrankungsrisiko eine Rolle spielen. Fettreiche Ernährung wird oft mit einem erhöhten Risiko in Zusammenhang gebracht, aber es gibt auch wissenschaftlichen Untersuchungen, die dem widersprechen. Regelmäßiger Alkoholkonsum ist mit einer erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit verknüpft. Übergewichtige Frauen nach der Menopause erkranken etwas häufiger als der Durchschnitt.

Stellt die Einnahme von Hormonpräparaten ein Risiko dar?

  Es muß zwischen der Einnahme von weiblichen Hormonen, Östrogenen und/oder Gestagenen, zum Zweck der Empfängnisverhütung ("Pille") und jenen zur Behandlung von Wechseljahres-beschwerden unterschieden werden. Die verwendeten Hormone unterscheiden sich sowohl in ihrer chemischen Struktur als auch in den Dosierungen.

  Während der Einnahme der empfängnisverhütenden Pille und bis zu zehn Jahre danach besteht ein geringfügig erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Danach erkranken Frauen, die die Pille genommen haben, genauso häufig wie solche, die sie nicht nahmen. Bei Frauen, die die Pille genommen haben, bleibt ein Brustkrebs häufiger in seinem Wachstum ausschließlich auf die Brust beschränkt als bei Frauen, die nie hormonelle Empfängnisverhütung durchgeführt haben.

  Gegen Wechseljahresbeschwerden werden häufig Östrogene verordnet. Werden Östrogene allein oder in Kombination mit Gestagenen über mehr als fünf Jahre eingenommen, so scheint ein geringfügig erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, vorhanden zu sein. Das möglicherweise leicht erhöhte Brustkrebsrisiko wird der Arzt sorgfältig gegenüber den zu erwartenden nützlichen Wirkungen einer Hormongabe abwägen.

Was kann eine Frau tun?

  Am besten wäre das Vermeiden von Risikofaktoren, was jedoch nur sehr eingeschränkt möglich ist. Prinzipiell sollte jede Frau, aber besonders solche, deren Lebensumstände statistisch gesehen eine Brustkrebserkrankung wahrscheinlicher machen, sorgfältig die Möglichkeiten der Früherkennung wahrnehmen (Mammographie). Es wird derzeit erprobt, ob bei Frauen mit einer deutlich erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit durch die langfristige Einnahme bestimmter Substanzen, insbesondere von Tamoxifen, die Erkrankungshäufigkeit gesenkt werden kann.


Krebsrisiko Elektrosmog

Gibt es einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Wellen und Krebs?

  Ob der sogenannte Elektrosmog an der Krebsentstehung beteiligt ist, kann noch nicht endgültig beantwortet werden. Sowohl das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz wie auch die Nationale Akademie der Wissenschaften der USA halten einen Zusammenhang für derzeit nicht erwiesen. Beide stützen ihre Aussagen auf internationale Studien: In den letzten Jahren wurde weltweit intensiv nach möglichen Mechanismen, tatsächlicher Belastung und Schutzmaßnahmen geforscht. Notwendig geworden war diese intensive Untersuchung des Elektrosmogs, nachdem in den 80er Jahren epidemiologische Studien ein erhöhtes (Leukämie-)Risiko bei Personen, die in der Nähe von Hochspannungsleitungen wohnten, angedeutet hatten.

Welche Gefahrenquellen wurden bislang untersucht?

  Eigentlich alle, die nach physikalischen Erkenntnissen elektromagnetische Felder erzeugen können: Alle Stromerzeuger, Stromüberträger und Stromverbraucher bauen in ihrer Umgebung elektrische und magnetische Streufelder auf, die sich in ihrer Art und Stärke unterscheiden. Einige erzeugen auch im menschlichen Organismus Ströme (auch er enthält leitendes Wasser und Salze, die sogenannten Elektrolyte). Sie sind allerdings so schwach, daß man sie nicht spüren kann und unterscheiden sich auch nicht von der normalen, meßbaren "Bioelektrizität" des menschlichen Körpers. Andere Ströme gehen ohne nennenswerten Effekt glatt durch den Körper hindurch. Einige werden von Häusern, Bäumen etc. abgehalten, andere nicht.

  Durch Hochspannungsleitungen, elektrisch betriebene Maschinen, Haushaltsgeräte etc. entstehen sogenannte niederfrequente Felder, meist mit einer Frequenz von 50 Herz. Der Grenzwert für die Feldstärke liegt bei 100 Mikrotesla (Tesla). Anders sieht es mit hochfrequenten Feldern aus, wie sie von Fernseh- und Radiosendeantennen, Radargeräten, Mobilfunktelefonen und manchen Mikrowellengeräten abgestrahlt werden. Sie haben je nach Leistung eine Frequenz von 30 Kilo- bis 300 Gigahertz; die Energieleistung und Feldstärke schwanken entsprechend. Hier gibt es ebenfalls Grenzwerte; überschreitet sie ein Gerät, ist ein entsprechender Abstand Vorschrift.

  Diese Vorschrift ist jedoch keineswegs auf eine Krebsgefahr zurückzuführen: Leistungsstarke Frequenzen können in Geweben Wärme erzeugen, ähnlich wie ein Mikrowellengerät. Diese Gefahrenquelle ist schon seit langem bekannt. Die Warnschilder um Sendeanlagen und andere Einrichtungen hat sicher jeder schon einmal gesehen.

Gibt es Hinweise Mechanismen, durch die Elektrosmog schädlich sein könnte?

  Was wirklich in Zellen passiert, die elektromagnetischen Feldern verschiedener Stärke ausgesetzt werden, kann derzeit nicht sicher beantwortet werden. Ohne Hinweise auf den biologischen Mechanismus, durch den elektromagnetische Wellen Krebs auslösen könnten, bleiben jedoch alle anderen Aussagen reine Spekulation. Möglicherweise wird die Durchlässigkeit von Zellmembranen durch elektromagnetische Wellen verändert, ohne daß deshalb klar ist, was dies im Körper bewirken würde. Nach den geltenden Theorien entsteht Krebs aber durch eine Veränderung am Zellkern, und dies können elektromagnetische Felder mit großer Sicherheit nicht direkt bewirken, anders als z.B. Röntgenstrahlen.

  Andererseits beeinflussen sehr starke, künstlich erzeugte elektromagnetische Felder im Versuch die Geschwindigkeit und andere Aspekte des Stoffwechsels, z.B. durch die bereits erwähnte Erwärmung. Ein denkbarer Zusammenhang wird deshalb zur Zeit intensiv erforscht. Besonderes Augenmerk gilt dabei der im Gehirn vorkommenden Substanz Melatonin, die beispielsweise bei der Regulation des Schlafrhythmus eine Rolle spielt. Auch ein Einfluß elektromagnetischer Wellen auf zentralnervöse Funktionen, die die Immunabwehr des Körpers regulieren, wäre denkbar, da bestimmte Wellen, wenn sie periodisch geschaltet werden, das Gehirn beeinflussen. Daher gilt das besondere Interesse zur Zeit Situationen und Geräten, die einen direkten Kontakt zu elektromagnetischen Wellen ermöglichen, z.B. Funktelefonen.

  Eine 1996 von der Universität Lübeck veröffentliche Studie beschrieb auch Veränderungen in den Hirnströmen von untersuchten Personen. Kritiker merkten dazu an, die Probanden seien während der Messung schlicht eingeschlafen, wogegen die Untersucher sofort protestierten. Ob es Menschen gibt, die besonders sensibel auf elektromagnetische Ströme und Felder reagieren, ist ebenfalls nicht bewiesen.

Wenn biologischen Veränderungen durch Überwärmung denkbar sind, könnte dann in der Mikrowelle Gegartes gesundheitsschädlich sein?

  Obwohl es in der Presse immer wieder behauptet wird, gibt es bislang keine Anzeichen dafür, daß in der Mikrowelle erhitzte Lebensmittel eine nachteilige Veränderung erfahren. Untersucht wurden dabei mögliche Veränderungen der Eiweiße in Fleisch oder Milch, aber auch anderer Substanzen. Eine Zubereitung durch Grillen oder Braten, bei denen eine teilweise Verkohlung eintritt, die schöne braune Kruste am Fleisch oder Auflauf oder auch das Toasten von Brot, ist vergleichsweise gefährlicher.

  Weiterhin ist durch die deutsche Gesetzgebung vorgeschrieben, daß sich Mikrowellengeschirr oder anderes bei der Zubereitung benutztes Material nicht verändern darf. Besonders geprüft wurden die verwendeten Werkstoffe auf den eventuellen Übertritt von Schadstoffen in die Lebensmittel hin. Auch hier konnte keine nennenswerte nachteilige Veränderung festgestellt werden.

Sind Erdstrahlen oder Wasseradern auch eine Art von Elektrosmog?

  Nein. Intensive wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre ergaben keinen Hinweis hierauf. Natürlich läßt sich nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, daß es Menschen mit einer besonders empfindlichen Wahrnehmung für etwa vorhandene Phänomene gibt; immerhin können manche Tiere den Erdmagnetismus fühlen. Von diesen Beobachtungen leitet sich die Notwendigkeit ab, die Rolle des strahlenempfindlichen Nervensystems in Zukunft bei der Forschung stärker zu beachten. Auf keinen Fall kann nach dem derzeitigen Wissensstand ein Zusammenhang mit lokalen Veränderungen zwischen einer irgendwie gearteten natürlichen Strahlung und Erkrankungen hergestellt werden. Anbieter von "Schutzdecken" oder Abschirmungen gegen Wasseradern und ähnliches haben weder einen Beweis für die Notwendigkeit noch für die Wirksamkeit ihrer Produkte.

Krebsrisiko Fehlernährung

  Man geht heute davon aus, dass nahezu 90 % aller Krebserkrankungen durch äußere Ursachen bedingt bzw. mit verursacht sind. Solche äußeren Ursachen können Rauchen, Alkohol oder auch Belastungen spezieller Art, z.B. am Arbeitsplatz, sein. Ein weiterer wesentlicher Beitrag der Krebsentwicklung liefert die Ernährung, oder genauer ausgedrückt: die Fehlernährung.

  Etwa 35% aller Krebserkrankungen sind auf eine falsche, ungesunde Ernährung zurückzuführen. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich ein enormes Potenzial für die Krebsprävention, d.h. für die Vermeidung von (ernährungsbedingten) Krebserkrankungen: durch veränderte Ernährungsgewohnheiten lassen sich eine Vielzahl von Krebserkrankungen vermeiden.

  Eine einseitige Ernährung, der wichtige Inhaltsstoffe fehlen, kann die Entwicklung von Krebserkrankungen durch die anderen Belastungen weiter begünstigen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen uns immer deutlicher, wie die Ernährung - besonders einzelne Inhaltsstoffe Krebs verhindern bzw. die Krebsbehandlung unterstützen können.

  Die alte Volksweisheit, dass man ist, was man isst, wird hier ganz besonders deutlich. Man ist so gesund, wie man sich gesund ernährt. Dies gilt auch für jene Menschen, die durch eine genetische Veranlagung oder durch eine erhöhte Belastung mit krebsauslösenden Umweltfaktoren besonders gefährdet sind

Krebsrisiko Handy

Ist das Telefonieren mit dem Handy gesundheitsschädlich?

  Waren 1992 erst etwa 200.000 Menschen in Deutschland auch unterwegs erreichbar, werden Ende des Jahres 2000 dagegen schon fast 50 Millionen Menschen in Deutschland von Zeit zu Zeit ein Handy ans Ohr halten. Ob diese Art des Telefonierens gesundheitsschädlich ist, ob sie möglicherweise sogar gut- und bösartige Tumoren des Gehirns auslösen kann, diese Diskussion hat den Fortschritt der Mobilfunk-Technologie von Anfang an begleitet. Auf internationalen Kongressen tendierten die meisten Experten 1999 zu einer vorsichtigen Entwarnung: Derzeit können keine Mechanismen dingfest gemacht werden, über die die Telefone Krebs auslösen könnten.

  Politiker wie Wissenschaftler sind sich jedoch einig darüber, daß weiterer Forschungsbedarf zur möglichen biologischen Wirkung des Mobilfunks besteht, unabhängig davon, ob diese Wirkung dann auch ein Gesundheitsrisiko beinhalten würde. Mit endgültigen Ergebnissen der derzeit durchgeführten und geplanten sogenannten epidemiologischen Studien kann in etwa zwei bis vier Jahren gerechnet werden.

Welche Art von Strahlung könnte problematisch sein?

  Das Stichwort, das im Zusammenhang mit Handys in der Regel als erstes fällt, lautet Elektrosmog - ein Wort, das Fachleuten Unbehagen bereitet, da es sich in Wirklichkeit um sogenannte elektromagnetische Felder bzw. Radiowellen handelt. Zur Übertragung der Gespräche strahlen die Sendemasten der Mobilfunk-Anbieter Funkwellen mit 890 bis 960 Megahertz im D-Netz und mit 1710 bis 1880 Megahertz im E-Netz ab, die Sender haben meist eine Leistung um zehn Watt bis maximal 50 Watt. Die Handys selbst senden und empfangen über eine eingebaute Antenne mit einer Leistung von maximal zwei Watt; moderne Geräte liegen meist darunter. Das Signal wird dabei nicht gleichmäßig gesendet, sondern "gepulst" mit 217 Hertz, also sozusagen aufgeteilt in kleine Portionen.

Arbeiten schnurlose Telefone für zu Hause mit der gleichen Technik wie Handys?

  Ältere Geräte strahlen ein gleichmäßiges schwaches Signal ab. Die modernen schnurlosen Telefone arbeiten jedoch immer häufiger ebenfalls "gepulst" mit einer ähnlichen Technik wie Handys, dem sogenannten DECT-Standard (die Abkürzung steht für Digital European Cordless Telecommunications).

Gibt es Überlegungen zur gesetzlichen Regelung?

  Bereits 1974 beschäftigten sich internationale Gremien mit Grenz- und Richtwerten für elektromagnetische Felder. 1992 wurde eine wissenschaftliche Kommission zum Schutz vor nicht-radioaktiven Strahlen (d.h. auch vor dem "Elektrosmog") gegründet, die International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection ICNIRP. Sie arbeitet als nicht-staatliche Organisation mit der Weltgesundheitsorganisation WHO zusammen und legt wissenschaftliche Ergebnisse und Empfehlungen vor, die als Grundlage für nationale Gesetzte herangezogen werden können.

  Im April 2000 legte das Bundesministerium für Umwelt den Entwurf einer Novelle vor, mit der die deutsche Verordnung über elektromagnetische Felder innerhalb des Bundes-Immissionschutz-Gesetzes überarbeitet werden soll. Die derzeit gültige Fassung der Verordnung stammt von 1997. In ihr sind zum einen Grenzwerte und Vorschriften zur Prüfung aufgenommen, die die Leistung der Sendeanlagen berücksichtigen, zum anderen werden Sicherheitsabstände vorgeschrieben.

  Abstand halten von sehr starken elektromagnetischen Feldern ist notwendig wegen der am längsten bekannte Auswirkung von hochfrequenter Energie auf Gewebe, der Erwärmung. Während ein handelsübliches Mikrowellengerät Lebensmittel aber mit mehreren hundert Watt erhitzt, reicht die Sendeleistung der Mobilfunktürme mit meist weit weniger als 50 Watt schon in wenigen Metern Entfernung nicht mehr aus, um Gewebe meßbar thermisch zu beeinflussen. Auch die Sendeleistung der modernen Handys selbst ist dazu zu schwach. Eine Freisprecheinrichtung, wie sie zum Beispiel im Auto benutzt wird, schafft auf jeden Fall ausreichend Abstand, und die Handyhersteller sind mit der Entwicklung von verbesserten Abschirmungen der Signale zur Kopfseite hin befaßt. Das Wärmegefühl, das Vieltelefonierer am Ohr oder der Wange verspüren können, stammt in aller Regel von den Akkus oder Batterien, mit denen das Gerät betrieben wird, und nicht von der eingebauten Antenne.

Wie sehen die internationalen Studienergebnisse aus?

  Welche anderen biologischen Effekte der Mobilfunk haben kann, ist weitgehend unbekannt, auch wenn bisher nur wenig darauf hindeutet, daß selbst Vieltelefonierer ein größeres Risiko eingehen. Viele der bisher vorliegenden Studienergebnisse sind widersprüchlich, und einige Studien kranken auch daran, daß bereits die Durchführung von Messungen unter Fachleuten unterschiedlich beurteilt und eingesetzt wird. Dadurch können Ergebnisse aus verschiedenen Studien unter Umständen nicht ohne weiteres mit einander verglichen werden. So haben neue Untersuchungen aus Großbritannien beispielsweise gezeigt, daß sich die Signale der Sendetürme keineswegs so gleichmäßig ausbreiten, daß man einfach einen Kreis um den Mast ziehen und alle innerhalb dieses Kreises lebenden Menschen als "exponiert", also der Strahlung ausgesetzt bezeichnen könnte. Schon Zementmauern mit einem vergleichsweise hohen Wassergehalt schwächen das Signal auf ein Niveau ab, das im freien Gelände erst in größeren Entfernungen erreicht wird.

  Und während einige Eigenschaften des Mobilfunks vergleichbar mit schon länger bekannten Technologien sind und daher auch von ihren biologischen Auswirkungen vermutlich ähnlich, ist das gepulste Signal etwas Neues, das daher auch neu erforscht werden muß.

Welche Untersuchungen laufen derzeit, um neue und vergleichbare Daten zu erhalten?

  Die derzeit laufenden und die von der Weltgesundheitsorganisation WHO geplanten Studien konzentrieren sich daher darauf, eine wirklich aussagekräftige Datenbasis zu schaffen. So sollen in der WHO-Studie Menschen, bei denen eine Hirntumorerkrankung festgestellt wurde, möglichst bald nach der Diagnose zu ihren Lebensgewohnheiten befragt werden. Dazu gehört auch das Telefonieren mit dem Handy. Als Vergleichsgruppe dienen gesunde Personen aus der Bevölkerung. In Deutschland sind an dieser internationalen Untersuchung die Universitäten Bielefeld und Mainz und das Deutsche Krebsforschungszentrum beteiligt.

  Vertieft werden muß nach Meinung vieler Experten auch die Suche nach Auswirkungen des Mobilfunks, die vielleicht nicht unmittelbar ein Gesundheitsrisiko darstellen, bereits vorhandene Unregelmäßigkeiten oder Schäden im Gewebe aber verstärken oder den Stoffwechsel beeinflussen und so indirekt zur Bildung einer Krebsgeschwulst beitragen könnten. Im Mai 2000 fand beispielsweise in Köln eine Fachveranstaltung statt, auf der internationale Experten neue Erkenntnisse über die möglichen Zusammenhänge zwischen sichtbarem Licht, niederfrequenten elektromagnetischen Feldern, dem Stoffwechsel des Hormons Melatonin und der Krebsentstehung diskutierten.

Wo kann man sich noch informieren?

  Auch wenn die Forschung zum Thema elektromagnetische Felder noch längst nicht abgeschlossen ist, will das Bundesumweltministerium die Vorsorge zum Schutz der Bevölkerung vor elektromagnetischen Feldern verbessern. Am 19.10.99 startete deshalb ein Bürgerforum Elektrosmog, das den Anstoß zu einem breiten gesellschaftlichen Dialog über das mit Elektrosmog möglicherweise verknüpfte Gesundheitsrisiko geben sollte. Die Ergebnisse sind auf der Internet-Seite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unter "Downloads" nachzulesen. 

  Im Auftrag des Bundesumweltministeriums hat die Programmgruppe Mensch, Umwelt, Techik im Forschungszentrum Jülich einen Leitfaden für Gemeinden und Städte zum Umgang mit dem aus Bürgersicht oft problematisch und kontrovers gesehenen Thema Elektrosmog entwickelt. 

  Ausführliche Informationen zu allen Fragen von ionisierender, d.h. im weitesten radioaktiver, und nicht-ionisierender Strahlung bietet das Bundesamt für Strahlenschutz, auch als Broschüren.

Hautkrebsfrüherkennung

  Krebsfrüherkennung dient Ihrem Schutz. Hautkrebs ist der einzige Krebs, der sichtbar ist. Je eher Hautkrebs erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Nutzen Sie deshalb alle Möglichkeiten zur Vorsorge. Die regelmäßige Selbstkontrolle und die gesetzliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung (KFU) gehören dazu.
Hauttumore entwickeln sich meistens sehr langsam. Zwischen Auslösung und Sichtbarwerden können Jahrzehnte liegen. Gerade die UV-Dosis, die man als Kind und Jugendlicher erhalten hat, ist zum Beispiel ein bestimmender Faktor für die Entstehung von Hautkrebs.
  

 Wer zur Risikogruppe gehört, sollte sich jeden Monat von Kopf bis Fuß selbst genau anschauen und mindestens einmal im Jahr einen Hautarzt aufsuchen.

Krebsrisiko Holzschutzmittel

  Bis vor wenigen Jahren enthielten die meisten Holzschutzmittel Insektizide, in der Regel Lindan und den Pilzhemmer Pentachlorphenol, kurz PCP. In der ehemaligen DDR kamen bis 1990 auch noch Mittel auf den Markt, denen das in Westdeutschland fast vollständig verbotene DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) zugesetzt war. Die Verwendung von Holzschutzmitteln wurde zudem generell für sehr viele Anwendungsbereiche empfohlen. Sowohl DDT, Lindan wie auch PCP "gasen" allerdings noch jahrelang aus. Sie können dann beispielsweise über die Lungen, die Haut und über kontaminierte Nahrung vom Menschen aufgenommen und im Fettgewebe angereichert werden. Auch in die Muttermilch treten sie über. Während der Verarbeitung kommen Heimwerker zudem noch mit Lösemitteln und anderen Inhaltsstoffen zumindest kurzfristig in Kontakt.

  Als Folge lassen sich bei hochbelasteten Personen Schäden des Immun- und Nervensystems, der Fruchtbarkeit und diverse unspezifische Organstörungen feststellen. Symptome einer akuten Vergiftung, die v.a. bei Heimwerkern nach unsachgemäßen Umgang auftraten, waren dagegen Kopfschmerzen, Schwindel, Schweißausbrüche, Atemnot und manchmal Hautschäden. Ob Krebs durch Holzschutzmittel ausgelöst werden kann, gilt immer noch nicht als gesichert.

Wie ist die Situation heute einzuschätzen?

  Die Empfehlungen zur Verwendung von Holzschutzmitteln sehen heute ganz anders aus als etwa in den 70er Jahren. Die meisten bautechnischen Vorschriften für den Innen- und Außenbereich wurden geändert. In fast allen Bereichen kann inzwischen ohne Holzschutzmittel gearbeitet oder auf schadstoffarme Produkte ausgewichen werden. Im privaten Bereich empfiehlt das Umweltbundesamt den völligen Verzicht auf Holzschutzmittel, ganz besonders aber in Saunen und bei Kinderspielzeug.

  Allerdings sind immer noch Produkte auf dem Markt, in der Regel für die professionelle Anwendung im Außenbereich, die Insektizide und Pilzmittel enthalten. Sie unterliegen engmaschigen Prüfungen. PCP wurde jedoch 1989 als Zusatz zu Holzschutzmitteln ganz verboten; die Herstellung und Verwendung von Lindan und anderen potentiell gesundheitsgefährlichen Stoffen in Holzschutzmitteln ist weitgehend eingeschränkt.

  Auf keinen Fall darf bei Sanierungstätigkeiten angefallenes Holz, das mit früheren Holzschutzmitteln behandelt wurde, verbrannt werden, da hierdurch gefährliche Dioxine und andere Giftstoffe freigesetzt werden. Die Gemeindeverwaltungen informieren über die sachgerechte Entsorgung.

Was bringen alternative Mittel mit natürlichen Inhaltsstoffen?

  Die meisten Holzbehandlungsmittel haben eine lange Tradition und dienen nicht nur der Konservierung, sondern vorrangig der Holzbearbeitung und Verschönerung. Dazu gehören beispielsweise Bienenwachszubereitungen und Leinöl. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch ist gegen ihre Verwendung nichts einzuwenden.

  Es gibt jedoch auch spezielle Konservierungsmittel mit dem Zusatz "Biologisch" oder "Öko". Auch hier rät das
Umweltbundesamt zur Vorsicht bei der Verwendung oder zum völligen Verzicht: Der Zusatz "Bio" ist nicht als Garantie für Verträglichkeit und ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe zu werten. Er wird auch bei Produkten verwendet, die lediglich einige biologische Substanzen enthalten, in ihrer Zusammensetzung ansonsten jedoch herkömmlichen Mitteln entsprechen. Das Amt verweist deshalb in seinem Faltblatt "Holzschutz" auf anerkannte Gütesiegel, beispielsweise die des Instituts für Bautechnik in Berlin oder das sogenannte RAL-Siegel.

  Zudem können selbst rein biologische Mittel für empfindliche Menschen zu einer Allergiequelle werden. Dies gilt v.a. für Produkte, die ätherische Öle aus Zitrusfrüchten oder Zeder enthalten.


Was bedeutet Krebsprävention?

  Krebsprävention heißt Krebsvorbeugung. Man unterscheidet dabei die primäre Prävention, also die Vermeidung der Krankheitsentstehung, und die sekundäre Prävention, die Früherkennung. Letztere hat das Ziel, durch gezielte Behandlung von sehr kleinen Tumoren oder von Vorstufen eine dauerhafte Heilung zu erreichen. Sie will damit einem ungünstigen Verlauf und dem Tod durch die Erkrankung vorbeugen. Obwohl beiden Wegen bei Krebs Grenzen gesetzt sind, könnten sie bei konsequenter Umsetzung der bestehenden Möglichkeiten die Krebssterblichkeit drastisch senken. Dies um so mehr, als die sogenannte tertiäre Prävention, d.h. die vollständige Heilung durch medizinische Maßnahmen, bei Krebs weit weniger sicher ist als etwa bei Infektionskrankheiten und in fortgeschrittenen Stadien nur selten gelingt.

Wie kann man Krebserkrankungen vorbeugen?

  Die Ursachen, die zur Entwicklung von Krebs führen können, sind vielfältig. Die "gemeinsame Endstrecke" ist aber in allen Fällen die Veränderung an Genen, die zur Entgleisung der Wachstumskontrolle führt. Solche genetischen Veränderungen können durch äußere Einflüsse verursacht werden, sie können spontan entstehen oder bereits ererbt sein (Vererbung und Risikogene). In seltenen Fällen reicht ein einziger Fehler, um die krebsige Entartung einer Zelle auszulösen, meist aber müssen mehrere genetische Veränderungen zusammenkommen. Weder die spontanen noch die ererbten Genveränderungen lassen sich beeinflussen, wohl aber bis zu einem gewissen Grad diejenigen, die durch äußere schädigende Einflüsse verursacht werden. Zu den prinzipiell vermeidbaren Krebsrisikofaktoren gehören etwa radioaktive Strahlung, krebserzeugende Einflüsse am Arbeitsplatz, aber auch bestimmte persönliche Verhaltensweisen, die mit dem individuellen Lebensstil zu tun haben - und der läßt sich korrigieren, wenn man dazu bereit ist.

  Zu erwarten, dass die Vermeidung solcher "riskanter" Verhaltensweisen einen 100%igen Krebsschutz bedeutet, wäre illusorisch. Aber eine ganz wesentliche Senkung des Erkrankungs-risikos zumindest für einige Krebserkrankungen ist dadurch möglich. Wo die primäre Prävention nicht erfolgreich war, kann unter Umständen die sekundäre Prävention die Gefahr noch abwenden: Früherkennung kann dauerhafte Heilung bedeuten, und deshalb sollte man die bestehenden Möglichkeiten der Krebsfrüherkennung wahrnehmen, so begrenzt sie auch sein mögen.

Welche Verhaltensweisen können die Entstehung von Krebs begünstigen?

  Der wichtigste bekannte Krebsrisikofaktor, den jeder selbst beeinflussen kann, ist das Rauchen von Tabak, meist in Form von Zigaretten (Rauchen und Passivrauchen). Vor allem im Zusammenwirken mit dem Genuß von Tabak ist auch Alkohol an der Entstehung einer Reihe von Tumoren beteiligt. Die Ernährung bzw. ihre Zubereitung spielt wahrscheinlich eine wichtige Rolle in der Verursachung oder Begünstigung von Krebs: Wissenschaftler vermuten, daß Ernährungsfaktoren für einen großen Anteil von Krebserkrankungen verantwortlich sind. Allerdings lassen sich aufgrund der bisher vorliegenden Daten noch keine genauen Zahlen nennen (Ernährung in der Prävention). Umgekehrt gilt, daß bestimmte Ernährungsformen eine Schutzwirkung haben können (Vitamine und Spurenelemente). Auch übermäßiges Sonnenbaden, besonders mit der Folge von Sonnenbränden, birgt ein Krebsrisiko, in diesem Fall an der Haut.

Gibt es konkrete Ratschläge, wie man sich verhalten soll,  um das persönliche Krebsrisiko zu verringern?

  Immer wieder stiften neue Erkenntnisse und Untersuchungsergebnisse zu Krebsrisikofaktoren Verwirrung: Wie soll man sich verhalten, und was soll man tun oder nicht tun, essen oder nicht essen? Auch könnte es so scheinen, als ob gerade die angenehmen Dinge des Lebens sich als schädlich entpuppten und Askese die einzige Lösung wäre. Aber so ist es nun auch wieder nicht. Die einzige klare und uneingeschränkte Verzichtsempfehlung betrifft das Rauchen, das erwiesenermaßen erhebliche Risiken (und nicht nur der Erkrankung an Krebs) birgt. Im übrigen kann gelten, dass eine in jeder Hinsicht maßvolle, vernünftige Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und gemäßigtem Alkoholkonsum, die Vermeidung von Übergewicht und zuviel Sonne schon viel zur persönlichen Gesunderhaltung beiträgt, darüber hinaus natürlich die Vermeidung des Kontakts mit krebserregenden Substanzen in der Arbeitswelt. Eine 100%ige Sicherheit kann es sowieso nicht geben.

  Empfehlungen zur Krebsvorbeugung und zu gesundheitsbewußter Lebensführung sind im "Europäischen Kodex zur Krebsbekämpfung" formuliert, der von europäischen Krebsexperten auf der Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen erarbeitet wurde:

Bestimmte Krebserkrankungen können vermieden werden,  und der allgemeine Gesundheitszustand läßt sich verbessern, wenn Sie gesundheitsbewußter leben.

1. Rauchen Sie nicht! Raucher sollten so schnell wie möglich aufhören und schon gar nicht in Anwesenheit anderer rauchen. Nichtraucher sollten das Rauchen nicht probieren.

2. Verringern Sie Ihren Alkoholkonsum! Dies gilt für Bier, Wein und Spirituosen.

3. Erhöhen Sie Ihren täglichen Verzehr von frischem Obst und Gemüse sowie von ballaststoffreichen Getreideprodukten.

4. Vermeiden Sie Übergewicht, sorgen Sie für mehr körperliche Bewegung und begrenzen Sie die Aufnahme fettreicher Nahrungsmittel.

5. Vermeiden Sie übermäßige Sonnenbestrahlung und Sonnenbrände; dies gilt insbesondere für Kinder.

6. Halten Sie genauestens Vorschriften ein, durch die Sie vor einem Kontakt mit krebserregenden Stoffen geschützt werden sollen. Folgen Sie genau den Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften zu Substanzen, die Krebs verursachen können.

Es ließen sich mehr Krebserkrankungen heilen,  wenn sie früher erkannt würden.

7. Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie eine ungewöhnliche Schwellung bemerken, eine Wunde (auch im Mund), die nicht abheilt, eine Veränderung der Form, Größe oder Farbe an einem Hautmal oder eine abnorme Blutung.

8. Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie andauernde Beschwerden haben wie chronischen Husten oder Heiserkeit, eine Veränderung beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen feststellen oder wenn Sie einen unerklärlichen Gewichtsverlust bemerken.

Für Frauen

 9. Lassen Sie regelmäßig einen Abstrich vom Gebärmutterhals machen. Nutzen Sie die systematischen Früherkennungsuntersuchungen auf Gebärmutterhalskrebs.

10. Untersuchen Sie regelmäßig Ihre Brüste. Nutzen Sie die Früherkennungsuntersuchungen auf Brustkrebs, wenn Sie über 30 Jahre alt sind. Wenn Sie über 50 Jahre alt sind, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Mammographieuntersuchungen für Sie notwendig sind.

  Soweit die Empfehlungen des Kodex. Was die Früherkennung betrifft, geht das deutsche gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm noch etwas weiter.

Gelten diese Empfehlungen auch dann,  wenn jemand bereits an Krebs erkrankt ist?

  Auch wenn jemand schon Krebs hat oder hatte, sind diese allgemeinen Hinweise gültig. Allerdings betrifft dies dann die Vorbeugung der Erkrankung an einem weiteren Tumor. Als Beispiel: Eine Frau, die bereits an Darmkrebs erkrankt ist, sollte weiterhin die Früherkennungsuntersuchungen für Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs wahrnehmen, denn die könnten sich unabhängig von der Darmkrebserkrankung entwickeln. Das gleiche gilt für die Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum in bezug auf Krebserkrankungen der Atemwege und von intensiver Sonnenbestrahlung zur Vorbeugung von Hautkrebs. Gesunde, ausgewogene und vitaminreiche Ernährung ist für Krebspatienten genauso wichtig wie für Gesunde und solche, die es bleiben wollen (Ernährung in der Therapie).

  Wer bereits an Krebs erkrankt ist oder war, sollte allerdings nicht darauf setzen, dass die Einhaltung der Präventionsempfehlungen einen "therapeutischen" Effekt hat, also eventuell einem Rückfall oder dem Auftreten von Metastasen vorbeugen kann. Hier entscheidet sich der weitere Verlauf allein dadurch, ob durch die medizinische Behandlung - je nach Art der Erkrankung Operation, Strahlentherapie und medikamentöse Behandlung allein oder in Kombination - alle Krebszellen zerstört werden konnten. Wenn dies gelungen ist, ist der Patient kein Patient mehr, sondern gesund - und kann dann durch Einhaltung der Empfehlungen das Risiko einer weiteren, neuen Krebserkrankung reduzieren helfen.


Gibt es Lebensmittelzusatzstoffe, die krebserregend sind?

  Nein, jedenfalls nicht nach dem derzeitigen Kenntnisstand. Die verschiedenen Farbstoffe, Konservierungsmittel, Vitamine, Backtriebmittel, Geschmacksverstärker usw. unterliegen einer strengen Prüfung nach deutschen Richtlinien, außerdem gelten inzwischen auch die Vorschriften der Europäischen Union. Selbstverständlich wird keine Substanz zur Beigabe in Nahrungsmitteln, zu Kosmetika oder auch zu Arzneimitteln zugelassen, bei der der Verdacht auf eine Gesundheitsgefährdung besteht.

  Von verschiedenen Seiten wird allerdings kritisiert, dass die Gefahr einer Allergisierung immer noch nicht ausreichend berücksichtigt wird, obwohl es in den letzten Jahren insbesondere bei Farbstoffen einige Einschränkungen gab. Es ist auch immer wieder mit neuen Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen zu rechnen, denen die Zulassung dann angepaßt wird - wenn auch mit einer unvermeidlichen zeitlichen Verzögerung. 

Lebensmittelzusatzstoffe sind kennzeichnungspflichtig. Beim Einkauf kann man auf die sogenannten "E-Nummern" auf der Verpackung achten. Listen, in denen diese E-Nummern "entschlüsselt" werden, sind bei Verbraucherberatungsstellen verschiedener Institutionen erhältlich. Viel Unruhe verursachen immer wieder Kopien einer im Schneeballsystem vertriebenen Liste mit E-Nummern, die angeblich vom nationalen französischen Krebsforschungsinstitut erstellt wurde und auf der einige Substanzen als krebserregend bezeichnet werden. Diese Liste ist nachweislich gefälscht, und das Institut hat bereits mehrfach einen Zusammenhang mit eigenen Forschungen dementiert.

  Es ist eine andere Frage, ob manche Zusatzstoffe im Sinn einer gesunden Ernährung (Ernährung in der Prävention) überhaupt notwendig sind.  So richten Ernährungswissenschaftler ihr Augenmerk beispielsweise durchaus kritisch auf Zusätze, die etwa zur Pökelung von Wurst und Schinken dienen oder für einen Rauchgeschmack sorgen.
Auf einige Lebensmittelzusatzstoffe wird man allerdings kaum verzichten können, wenn man nicht alle entsprechenden Lebensmittel selbst frisch zubereiten möchte.

Gelten die Prüfungen und Vorschriften auch für Süßstoffe?

  Von den verschiedenen im Handel erhältlichen Süßstoffen war vor allem das Saccharin lange umstritten. Ende der 70er Jahre hatten Untersuchungen an Ratten, die mit extrem großen Mengen Saccharin gefüttert worden waren, Hinweise auf ein geringfügig erhöhtes Risiko für Blasenkrebs ergeben. Dieser Befund führte dazu, daß in den USA, nicht aber in den meisten europäischen Ländern, Saccharin den Lebensmitteln nicht mehr direkt zugesetzt werden durfte. Es war jedoch weiterhin in Drogerien frei erhältlich und konnte durch den Verbraucher nach eigenem Belieben verwendet werden.

  Diese Einschränkung ist inzwischen aufgrund neuerer Forschungsergebnisse aufgehoben. Umfangreiche Studien in verschiedenen Teilen der Welt, die vor allem bei Diabetikern mit relativ hohem Süßstoffverbrauch durchgeführt wurden, sprachen auch bei jahrelanger Verwendung von Saccharin nicht für ein erhöhtes Blasenkrebsrisiko. Neuere molekularbiologische Stoffwechseluntersuchungen zeigen zudem, daß Saccharin bei Nagetieren mit einem Eiweiß reagiert, das Menschen überhaupt nicht bilden. Somit scheinen nicht nur Erfahrungswerte sondern auch Laboruntersuchungen zu bestätigen, daß das Krebsrisiko für Menschen durch Saccharin gering bis nicht vorhanden ist.

Wie steht es mit den anderen Süßstoffen?

  Natriumcyclamat, der zweite "ältere" Süßstoff, ist ebenso gut untersucht wie Saccharin und bei normaler Dosierung mit großer Wahrscheinlichkeit unschädlich.

  Die neueren Süßstoffe, z.B. Aspartam und Acesulfam K, sind chemisch ganz anders aufgebaut als die "alten" Süßstoffe. Aspartam besteht aus kleinsten Eiweißbestandteilen, den Aminosäuren. In der Natur kommt Aspartam jedoch nicht vor. Der Süßstoff ist bezüglich seiner Auswirkungen auf die Gesundheit sehr gut untersucht. Möglich ist eine schädigende Wirkung auf Menschen mit der seltenen angeborenen Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie. Aspartamhaltige Lebensmittel sind deshalb mit einem entsprechenden Warnhinweis versehen. Für Unruhe sorgten amerikanische Studien, nach denen die Einführung von Aspartam in den USA direkt mit dem Ansteigen der Hirntumorrate korreliert. Die Folgerung, daß ein Zusammenhang bestünde, wird jedoch nicht international anerkannt, die deutschen Behörden sehen derzeit deshalb keinen Handlungsbedarf.

  Acesulfam, ebenfalls ein neueres künstliches Süßungsmittel, wird vom Menschen unverändert wieder ausgeschieden. Eine schädigende Wirkung ist nicht zu erwarten und ließ sich auch in keiner der durchgeführten Untersuchungen feststellen. Letzteres gilt auch für einige weitere Süßstoffe, die in der nächsten Zeit im Rahmen einer neuen Richtlinie der Europäischen Union wahrscheinlich auch in Deutschland zugelassen werden.

Was sind Zuckeraustauschstoffe?

  Die sogenannten Zuckeraustauschstoffe, z.B. Fructose oder Sorbit, sind natürliche Verwandte des Zuckers. Sie enthalten in der Regel genausoviele Kalorien wie Zucker, werden vom Darm allerdings langsamer aufgenommen und anders verdaut und können deshalb auch von Diabetikern verwendet werden. In größeren Mengen führen sie jedoch zu Verdauungsstörungen und Durchfall.


Gibt es Medikamente, die Krebs auslösen können?

  Tatsächlich gibt es einige offiziell zugelassene Medikamente, die ein Krebsrisiko beinhalten. Trotz einer Gefahr, die möglicherweise aus ihrer Anwendung resultiert, kann aber nicht auf sie verzichtet werden. Im Vergleich zu der Schwere der Erkrankung, gegen die sie wirken sollen, erscheint das Risiko, an Krebs zu erkranken, als tragbar. Am bekanntesten ist wohl die Gefahr einer Zweitkrebserkrankung mehrere Jahre nach einer Chemotherapie. Auch Antiöstrogene, die in der Therapie von Brustkrebs angewendet werden und ein wichtiger Schutz gegen einen Rückfall sind, können ein höheres Risiko für ein Endometriumkarzinom bedeuten. Insgesamt sind gerade die Risiken der verschiedenen Hormonpräparate sehr gut untersucht. Patienten, die diese Medikamente erhalten, wissen jedoch meist Bescheid, daß hier Nutzen und Risiko gegeneinander abgewogen worden sind und sie langfristig Nachuntersuchungen wahrnehmen sollten.

  Auch eine Gruppe von Beruhigungsmitteln, die den Wirkstoff Oxazepam beinhalten, wird von der Internationalen Krebsforschungseinrichtung IARC als mögliches Risiko für Leberkrebs eingestuft. Allerdings stützen sich diese Aussagen nur auf die Studien an Nagetieren, die Übertragung dieser Ergebnisse auf den Menschen ist schwierig. Das größte Risiko bei diesen Medikamenten dürfte durch Mißbrauch entstehen: Sie sind eigentlich nur für eine Therapie von kurzer Dauer gedacht, bei der auch nicht mit negativen Folgen zu rechnen ist. Sie führen jedoch leicht zur Abhängigkeit, was bei vielen Patienten in  eine nicht durch den Arzt kontrollierte Anwendung münden kann.

Wie sieht es mit rezeptfreien Medikamenten aus?

  Fast alle Medikamente, die frei verkäuflich sind, wurden irgendwann auch einmal verdächtigt, Krebs zu verursachen. Am häufigsten genannt werden in diesem Zusammenhang Schmerz- und Abführmittel. Dies begründet sich hauptsächlich dadurch, dass ihr Marktanteil unter den rezeptfreien Medikamenten hoch ist, zum Teil aber auch dadurch, daß es bei einigen inzwischen veralteten Präparaten konkrete Hinweise auf eine schädigende Wirkung gab.

  Von allen derzeit zugelassenen Mitteln ist jedoch kein wirklich ernstzunehmendes Risiko bekannt, was allerdings nur beim bestimmungsgemäßen Gebrauch gilt. Wer beispielsweise über einen langen Zeitraum Abführmittel nimmt, hat oft auch ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Dies wird mit großer Wahrscheinlichkeit jedoch nicht durch die Medikamente, sondern durch die ungesunde Ernährung (Ernährung in der Prävention), die zur chronischen Verstopfung führt, verursacht.

  Kritisch betrachtet werden von Fachleuten dagegen teerhaltige Salben und Shampoos gegen Hauterkrankungen. Die darin enthaltenen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, können rein theoretisch bei längerem Gebrauch Hautkrebs auslösen. Der PAK-Gehalt ist jedoch von Präparat zu Präparat verschieden. Gefordert wird deshalb eine Deklaration des Gehalts an PAK und die Verschreibungspflicht, so daß sie nicht unkontrolliert über einen längeren Zeitraum angewendet werden können. Für die allgemeine Hautpflege sind teerhaltige Mittel auf keinen Fall geeignet

Naturheilmittel sind aber doch harmlos?

  Nicht unbedingt. Auch Kräutertees, andere pflanzliche Zubereitungen oder sogar homöopathische Präparate sollten nicht ohne den Gedanken an mögliche Nebenwirkungen über längere Zeit eingenommen werden. Gerade pflanzliche Mittel enthalten oft wirksame chemische Verbindungen, die in hoher Dosierung gesundheitsschädlich sein können. In der Vergangenheit prüften die Behörden beispielsweise Bronchialtees mit Huflattich auf die mögliche Erzeugung von Leberkrebs. In einem konkreten Verdachtsfall stellte sich jedoch heraus, daß dem Tee auch noch andere Kräuter beigemengt waren und über eine viel zu lange Zeit in hoher Dosierung getrunken worden war. Wer auf "Nummer Sicher" gehen will, sollte sich an den Satz halten: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker".

Haben Raucher "nur" ein höheres Risiko für Lungenkrebs  oder auch für andere Krebsarten?

  Weltweit sind 25-30% aller Krebsfälle mit Todesfolge auf das Rauchen zurückzuführen. Die Beziehung zwischen Rauchen und Lungenkrebs ist zwar besonders auffallend, es ist jedoch heute zweifelsfrei erwiesen, dass Rauchen auch bei der Entstehung von Kehlkopf-, Mundhöhlen-, Magen- und Speiseröhrenkrebs eine wesentliche Rolle spielt. Raucher haben darüber hinaus ein erhöhtes Risiko für Blasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs und wahrscheinlich auch für Nierenkrebs. Sogar beim Gebärmutterhalskrebs der Frau sind die Schadstoffe aus dem Zigarettenrauch neben Viren an der Entstehung mitbeteiligt. Diskutiert wird auch ein Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und Leukämie sowie mit Dickdarmkrebs, dies gilt aber noch nicht als bewiesen. Nicht vergessen werden darf neben dem Krebsrisiko die Gefahr für Herz, Gefäßsystem und Lunge.

Wie hoch ist das Risiko dann insgesamt,  durch das Rauchen zu sterben?

  Von den Teenagern, die mit dem Rauchen beginnen und nicht bald versuchen, wieder damit aufzuhören, wird ein Viertel im Alter von 35-69 Jahren, ein weiteres Viertel im Alter von etwa 70 Jahren an den direkten Folgen des Tabakkonsums sterben. Die Menge der pro Tag gerauchten Zigaretten spielt dabei über die Jahre hinweg gesehen eine weniger wichtige Rolle. Entscheidend ist eher die Gesamtdauer. Im Vergleich zu Nichtrauchern verlieren Raucher bis zu 25 Jahre ihrer Lebenserwartung. Wer aufhört zu rauchen, kann diese Entwicklung zumindest teilweise rückgängig machen. Je früher dies geschieht, desto stärker gleicht sich das Risiko nach mehreren Jahren oder Jahrzehnten wieder an das eines Nichtrauchers an.

Macht es einen Unterschied, ob man Zigaretten,  Zigarren oder Pfeife raucht?

  Je nach Untersuchung gibt es geringe Unterschiede in der Beurteilung des Risikos von anderen Formen des Tabakgenusses. Die Tendenz geht jedoch dahin, Zigarren und Pfeife als ebenso gefährlich zu betrachten wie Zigaretten, da sich die Unterschiede auf die beobachteten Krebsarten beschränken. So ist das Pfeiferauchen mit einem höheren Risiko für Krebsarten am und im Mund sowie im Rachen verbunden, mit einem etwa halb bis gleichgroßen Risiko für Lungenkrebs, aber mit einem niedrigeren Risiko für Blasenkrebs.

  Auch das regelmäßige Tabakkauen oder -schnupfen, das ebenfalls eine Nikotinzufuhr ermöglicht, ist hochgradig krebserregend: Es schädigt die Lippen, Nasen- oder Mundschleimhaut und den Verdauungstrakt.

Ist Passivrauchen ebenfalls gefährlich?

  Das Deutsche Krebsforschungszentrum geht von etwa 400 Krebstodesfällen in Deutschland pro Jahr durch Passivrauchen aus. Studien, aus denen sich diese Zahl errechnen lässt, wurden beispielsweise an nichtrauchenden Familienmitgliedern von Rauchern durchgeführt. Dass diese tatsächlich mitrauchen, lässt sich an Tabak- beziehungsweise Rauchabbauprodukten in ihrem Körper nachweisen. Bei Un- und Neugeborenen von Raucherinnen finden sich entsprechende Stoffwechselprodukte schon im allerersten Urin, der noch vor der Geburt gebildet wird.

  Durch diese Untersuchungsergebnisse werden auch die Anstrengungen vieler Länder verständlich, das Rauchen zumindest an öffentlichen Orten zu verbieten.

  Die Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Prüfung gesundheits-schädlicher Arbeitsstoffe hat das Passivrauchen am Arbeitsplatz deshalb bereits 1985 in die Schrift "Maximale Arbeitsplatzkonzentrationen und Arbeitsstofftoleranzwerte" (die sogenannte MAK-Liste) aufgenommen. Heute wird Passivrauchen in dieser grundlegenden Liste zur Beurteilung einer möglichen Gefährdung im Beruf als eindeutig krebserregend bezeichnet.

Was ist eigentlich so gefährlich am Rauchen,  das Nikotin oder der Teer?

  Nikotin ist nur einer unter einigen tausend Inhaltsstoffen des Tabakrauchs. Diese Substanz ist mit ihrer anregenden und zugleich beruhigenden Wirkung auf das Nervensystem verantwortlich für die suchterzeugende Wirkung des Rauchens. In höherer Dosis gilt Nikotin als giftig. Für ein Kleinkind kann schon eine zerkaute Zigarette tödlich sein. Direkt krebserzeugend sind jedoch überwiegend andere Stoffe. Deshalb wurden Nikotinpflaster und Nikotinkaugummis in Deutschland sogar rezeptfrei als Arzneimittel zur Raucherentwöhnung zugelassen. Rauch, Teer oder Kondensat bergen ganz andere Gefahren:

  Was ein Raucher einatmet oder auspustet und was im Aschenbecher verglimmt, ist in seiner Zusammensetzung nur bedingt vergleichbar mit Rauch, der beim Verbrennen von Holz, Kohle oder Öl entsteht. Allen gemeinsam sind krebserzeugende Produkte einer unvollständigen Verbrennung vom Typ der sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), die sich abhängig von Temperatur und anderen Faktoren in wechselndem Umfang bilden. Die wichtigsten sonstigen bisher nachgewiesenen oder stark verdächtigen krebserzeugenden Substanzen im Tabakrauch sind Nitrosamine, einige Metalle oder Metallsalze, z.B. Nickel oder Cadmium.

Nützt das Umsteigen auf leichte Zigaretten etwas?

  Wahrscheinlich nicht. Die Werte für Nikotin und Kondensat von Fertigzigaretten werden mit Rauchautomaten ermittelt. Der einzelne Raucher hat jedoch seine individuellen Gewohnheiten, was das Inhalieren und die Menge der Lungenzüge aus einer einzelnen Zigarette angeht. Viele Untersuchungen haben ergeben, daß die meisten "Umsteiger" auf Leichtzigaretten einfach nur tiefer inhalieren und an einer Zigarette öfter ziehen, um auf die gleiche Menge Nikotin zu kommen wie mit ihrer gewohnten Marke. Damit steigern sie die Aufnahme entsprechender Schadstoffe enorm. Nur die konsequente Beendigung des Rauchens vermindert das Risiko, durch Tabakkonsum an Krebs zu erkranken. Weitere Informationen, auch für "werdende Nichtraucher", die mit den Zigaretten aufhören möchten, hält das Rauchertelefon des Deutschen Krebsforschungszentrums bereit.

Was sind ultraviolette Strahlen?

  Sonnenlicht enthält neben dem sichtbaren Licht auch unsichtbare Anteile. Dazu zählen zum einen die sogenannten Infrarotstrahlen (Wärmestrahlung) mit geringer Energie und größeren Wellenlängen. Einen wichtigen Anteil haben zum anderen die ultravioletten Strahlen mit höherer Energie und kürzeren Wellenlängen. Man unterteilt die UV-Strahlen in drei Gruppen: A (A1 und A2, Wellenlänge 315-400 Nanometer), B (280-315 Nanometer) und C (100-280 Nanometer). Ein Nanometer (nm) ist der milliardste Teil eines Meters. Die kurzwelligen UVC-Strahlen sind am energiereichsten, sie gelten daher als am schädlichsten. Sie wurden durch die Ozonschicht der Erdatmosphäre bisher fast vollständig aufgehalten, was zumindest für die Polarregionen wegen des sogenannten Ozonlochs nur noch bedingt gilt.

  UVB- und UVA-Strahlen erreichen die Erde. Sie sind langwelliger und energieärmer als UVC und daher auch weniger schädlich. UVB-Strahlen werden allerdings ebenfalls bis auf einen Rest von der Ozonschicht absorbiert und erreichen etwa zehnmal schwächer die Erdoberfläche als UVA. UVB wird größtenteils in der Oberhaut aufgehalten, während das etwas langwelligere UVA tief in die Lederhaut eindringt. Zum Vergleich: Das sichtbare Licht mit seiner größeren Wellenlänge von 400-780 nm erreicht sogar das tieferliegende Unterhautfettgewebe.

Was bewirken UV-Strahlen auf und in der Haut?

  Überschreitet die Bestrahlung, etwa bei einem Sonnenbad, einen individuell unterschiedlichen Grenzwert, die sogenannte "Erythemschwelle", treten akute Schäden auf. Es kommt nach einigen Stunden zu einer Rötung ("Erythem" oder Sonnenbrand) und Schwellung der bestrahlten Haut. Als Faustregel kann gelten, dass die Erythemdosis bei nicht vorgebräunter Haut bei unseren Breitengraden in der Mittagszeit im Sommer nach etwa 30 Minuten erreicht ist, im Mittelmeerraum schon nach etwa 20 Minuten. Die Erythemwirksamkeit ist außerdem von der Strahlenzusammensetzung abhängig. Sie ist im UVB-Bereich (um 300 nm) um ein Vielfaches größer als im UVA-Bereich. UVB führt deshalb zu einer Verdickung der Oberhaut (Akanthose und Hyperkeratose) und zur Ausbildung der sogenannten Lichtschwiele. Diese hat, wie auch die auf einen Sonnenbrand folgende Spätpigmentierung, zwar eine Schutzwirkung bei weiterer Besonnung, kann nach langen Jahren des Sonnenbadens jedoch kosmetisch sehr störend werden.

  Die hautrötende Wirkung von UVA beträgt nur etwa 1/100 bis 1/1000 von derjenigen der UVB-Strahlen. UVA bewirkt innerhalb von Minuten über eine Umwandlung des Hautfarbstoffes Melanin in den tieferen Schichten der Oberhaut eine Sofortpigmentierung. Dieser Effekt führte in den vergangenen Jahren zunächst zu einer günstigeren Bewertung von künstlichen Höhensonnen und Solarien, in denen verstärkt UVA zur Anwendung kam. Inzwischen ist man davon abgerückt.

  In höheren Dosen führt auch UVA zu einer bleibenden Spätpigmentierung. Nach jahrelanger Einwirkung von UV-Strahlen kann es zu dauerhaften Spätfolgen an der Haut kommen. Diese chronischen Lichtschäden treten durch eine vorzeitige Hautalterung in Erscheinung: Trockenheit, Pigmentflecken und vermehrte Faltenbildung aufgrund einer Bindegewebsschädigung ("Landmannshaut").

Kann Sonnenbaden Krebs verursachen?

  Ähnlich wie radioaktive Strahlen verursachen auch die energiereichen UV-Strahlen Schäden an der Erbsubstanz (Radioaktivität und Röntgenstrahlen). Sind diese Veränderungen an der DNS gering, werden sie von speziellen "Reparaturenzymen" (Enzyme) wieder ausgebessert. Bei schwereren und immer wiederkehrenden UV-Überdosierungen können allerdings dauerhafte Schäden an der DNS resultieren, die letztlich die Entartung der betroffenen Zellen und die Entwicklung von Hautkrebs zur Folge haben können. Die häufigsten Formen von Hautkrebs, die Basaliome und Spinaliome, entstehen überwiegend auf chronisch lichtgeschädigter Haut.

  Dies gilt auch für eine Unterform des malignen Melanoms, das Lentigo-maligna-Melanom. Andere Melanomformen treten zwar häufig an bedeckten Körperstellen auf, aber auch hier scheint das Sonnenlicht eine Rolle zu spielen. Das Melanomrisiko hängt möglicherweise weniger mit der Gesamtbestrahlung als eher mit der Häufigkeit und dem Schweregrad von Sonnenbränden zusammen, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Auffällig ist in diesem Zusammenhang das vermehrte Auftreten von melanozytären Nävi (Muttermalen). Außerdem spielen auch der Hauttyp und die "Sonnenbrandneigung" eine entscheidende Rolle.

Was ist von Solarien zu halten?

  Zur Reduzierung der direkt schädigenden Wirkung von UVB lag die Strahlung bei Solarienen bisher überwiegend im UVA-Bereich. Aber auch die Anwendung von UVA-Solarien wird von Dermatologen (Hautärzten) sehr kritisch gesehen. Es können die gleichen akuten und chronischen Strahlenwirkungen auftreten wie bei der Bräunung in der Sonne. Die Bräunungswirksamkeit der UV-Strahlen nimmt mit zunehmender Wellenlänge ab. Im langwelligen UVA-Bereich werden zur Bräunung also große Bestrahlungsstärken benötigt, was wiederum die schädigende Wirkung erhöht. Dies bedingt, dass bei gleicher Bräunung das gleiche Risiko für Spätfolgen besteht - egal, ob bei langer UVA-Bestrahlung hoher Intensität oder kürzerer natürlicher UVB-Bestrahlung. Heute deuten die Beobachtungen darauf hin, dass jede UV-Bestrahlung unabhängig von ihrer Wellenlänge bei Bräunung eine schädliche Wirkung auf die Haut ausübt. Bei Menschen, die während des Sommers nicht braun werden, sondern stets einen Sonnenbrand bekommen, in erster Linie hellhäutige, nordeuropäische Typen, können auch Solarien keine Bräunung erzielen.

Kann eine Vorbräunung im Solarium vor Sonnenbrand  beim Sonnenbaden schützen?

  Nein. Die Lichtschutzwirkung durch die Vorbräunung im Solarium ist gering, da der Eigenschutz der Haut durch die Bestrahlung mit UVA kaum erhöht wird. Dies liegt daran, daß die Sofortpigmentierung durch UVA-Strahlen weder Pigmentschutz bietet noch den Aufbau einer Lichtschwiele fördert.

Gibt es weitere medizinische Einschränkungen für die Benutzung von Solarien oder ausgiebiges Sonnenbaden?

  Bestimmte Medikamente führen zu einer Erhöhung der Lichtempfindlichkeit (Photosensibilisierung). Es kann unter anderem bei Einnahme bzw. äußerlicher Anwendung verschiedener Medikamente zu toxischen oder allergischen Reaktionen kommen (z.B. Antihistaminika, Psychopharmaka, bestimmte Antibiotika und Chemotherapeutika, Sulfonylharnstoffabkömmlinge, Phenothiazine, bestimmte entwässernde Medikamente und Psoralene). Daher sollte man, wenn Medikamente eingenommen oder äußerlich angewendet werden vor Benutzung des Solariums und auch vor intensiven Sonnenbädern grundsätzlich seinen Arzt um Rat fragen. Weiterhin können bestimmte Zusätze zu Parfums, Kosmetika und sogar Sonnenschutzmitteln im Zusammenwirken mit Sonnenstrahlung zu einer Hautschädigung führen. Wenig bekannt ist die photosensibilisierende Wirkung von manchen Pflanzenextrakten, z.B. von Johanniskraut.

Sollte man überhaupt noch in die Sonne gehen?

  Diese Frage wird sich immer nur individuell beantworten lassen, und die meisten Freizeitaktivitäten dürften sich im Sommer wohl im Freien abspielen. Die Schutzempfehlungen des Bundesamtes für Strahlenschutz und des Umweltbundesamtes lassen an Deutlichkeit jedoch nichts zu wünschen übrig: Der beste Sonnenschutz sind demnach Kleidung, Hut und Sonnenbrille; Kinder sind generell vor starker Sonnenstrahlung zu schützen. Ist der sogenannte solare UV-Index, eine international anerkannte Größe zur Bestimmung der sonnenbrandwirksamen Strahlung, besonders hoch (8 und darüber), sollte man zumindest die Mittagssonne ganz meiden. Ohne ein Sonnenschutzmittel, dessen Lichtschutzfaktor mindestens doppelt so hoch ist wie der Index, geht auch zu anderen Zeiten und bei niedrigerem Index gar nichts. Kinder und Menschen mit besonders empfindlicher Haut brauchen von vornherein mindestens Lichtschutzfaktor 15. Erst unter Index 2 ist ein Sonnenbrand unwahrscheinlich. Dies ist ein Wert, der bei wolkenlosem Himmel bei uns schon Ende März überschritten werden kann.

  Informationen über den aktuellen UV-Index in den verschiedenen Meßregionen Deutschlands geben im Sommer die Tageszeitungen oder das Bürgertelefon des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Führt die Umweltbelastung mit Schadstoffen  zu einem erhöhten Krebsrisiko?

  Möglicherweise ja. Doch die Frage, ob das Risiko heute höher ist als beispielsweise vor hundert Jahren und wenn ja, um wieviel, kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Die meisten Tumorarten scheinen allerdings weniger stark als von manchen Menschen befürchtet von einer Umweltbelastung abhängig zu sein. Einige Formen von Krebs sind beispielsweise in den letzten Jahren deutlich seltener geworden.

  "Umweltbelastung" ist zudem ein viel benutzter Begriff; für wissenschaftlich gesicherte Aussagen muss genauer definiert werden, was darunter verstanden wird. Noch vor etwa 20 Jahren schien sich, betrachtete man die Überschriften in den Zeitungen und Zeitschriften, die größte Belastung für den Menschen aus Luftverschmutzung und Smog zu ergeben. Heute berücksichtigen Umweltmediziner bei der Betrachtung eines möglichen Risikos dagegen alle Faktoren, die in der individuellen Umwelt eines Menschen vorkommen können. Wichtig ist auch die Einbeziehung beruflicher Belastungen.

Hat sich am Ausmaß der Luftverschmutzung etwas geändert?

  Der Einfluss von Schadstoffen in der Luft ist relativ gut untersucht und aus den Ergebnissen wurden auch Konsequenzen gezogen. Die "klassische" Luftverschmutzung ist deshalb tatsächlich weniger geworden: Die Schadstoffemission durch Autoverkehr und private Heizungen ging in den letzten Jahren insgesamt dank entsprechender gesetzlicher Bestimmungen stark zurück.

  Abgase aus Kraftfahrzeugen mit Otto- und Dieselmotoren sowie der Rauch von Heizungsanlagen aller Art enthalten allerdings immer noch verschiedene krebsfördernde Substanzen. Benzinmotoren stoßen beispielsweise polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, aus. Sie entstehen, wenn etwas nicht vollständig verbrannt wird. Ein in Tierversuchen stark krebserzeugender Vertreter dieser PAK ist das Benzo(a)pyren. An Dieselrußflöckchen haften ebenfalls PAK. Auch die Gefahren durch das krebserregende Benzol oder verschiedene Schwermetalle wurden im Zusammenhang mit Kraftstoffen viel diskutiert. Deshalb hat man versucht, sie zu minimieren.

  Neuer sind Erkenntnisse darüber, daß auch die Luft in Wohnräumen stark mit Schadstoffen belastet sein kann, die allerdings dann manchmal "hausgemacht" sind. Hierzu zählen beispielsweise Ausgasungen von Holzschutzmitteln, Formaldehyd, Schädlingsbekämpfungs-mitteln, Farben, Lacken etc. Unterschätzt wurde auch lange Zeit, welches Risiko durch Abgase von Holz-, Kohle- oder Öleinzelöfen oder offenen Kaminen entsteht. Nach verschiedenen Studien, darunter einer großen Studie der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Universität Heidelberg, ist das Kochen und Heizen mit diesen Öfen mit einem höheren Risiko für Krebserkrankungen der Atemwege und der Bauchspeicheldrüse verknüpft. Inzwischen besser untersucht ist auch die Gefahr von Radon (Radioaktivität und Röntgenstrahlen). Der wichtigste "Umweltschadstoff" im Innenraum bleibt allerdings der Tabakrauch. Die meisten dieser Risikoquellen lassen sich problemlos beseitigen oder umgehen.

Hat jeder mit einer krankmachenden Belastung  durch Umweltgifte zu rechnen?

  Die Erfahrungen der Umweltambulanzen der Universitäten und anderer spezialisierter Einrichtungen sprechen eher dagegen. Der Großteil der entsprechenden Untersuchungen führt nicht zur Aufdeckung eines Zusammenhangs. Nur die wenigsten Menschen, die verschiedene Beschwerden auf den Kontakt zu Schadstoffen zurückführen, haben meßbar erhöhte Blutwerte oder eine nachweisbare Einlagerung von Giften im Fettgewebe.

  Diese Ergebnisse haben den Institutionen, die sie veröffentlicht haben, zum Teil erhebliche Kritik eingebracht. Es wurde ihnen unterstellt, möglicherweise umweltbedingte Beschwerden nicht ernst zu nehmen und den Betroffenen psychische Labilität zu attestieren. Die Institutionen halten dagegen, dass sie bei Routineuntersuchungen tatsächlich nicht selten meßbare Belastungen feststellen, die Betroffenen aber gar keine Beschwerden haben.

  Ob es tatsächlich Menschen gibt, die besonders empfindlich auf diverse Chemikalien reagieren, ist derzeit noch ungeklärt. Die sogenannte "Vielfache Chemikalienüberempfindlichkeit", engl. "Multiple Chemical Sensitivity" oder MCS, ist ein neues Feld der weltweiten Umweltforschung geworden, an der sich auch das deutsche Umweltbundesamt und das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin beteiligen. Beide Behörden nehmen die Problematik sehr ernst, weisen jedoch in einer Presseerklärung vom Februar 1996 darauf hin, daß die meisten heute angewendeten Untersuchungsverfahren nicht zur Diagnosestellung geeignet sind und warnen vor Spekulationen, die die Bevölkerung verunsichern.

Was bringen Wohnraumuntersuchungen?

  Wenn der konkrete Verdacht auf eine Schadstoffbelastung gegeben ist, gibt es die Möglichkeit einer gezielten Untersuchung. So kann man beispielsweise Raumluft auf Holzschutzmittel untersuchen. Eine ungezielte Untersuchung ist dagegen meist teurer als die komplette Sanierung einer möglicherweise schadstoffbelasteten Wohnung.

  Kritisiert werden von Fachleuten allerdings vor allem die Untersuchungsmethoden der rein kommerziellen Institute: So gibt es beispielsweise den strittigen Punkt, ob Schimmelpilze, Schadstoffe oder Faserstäube (Asbest) , die dicht verschlossen hinter einer Wandverkleidung zu finden sind, überhaupt eine Gesundheitsgefahr darstellen, oder ob diese nur dann gegeben ist, wenn die Stoffe in die Raumluft gelangen und tatsächlich eingeatmet werden.

  Das Risiko und insbesondere das Krebsrisiko durch Umweltbelastungen kann daher pauschal kaum angegeben werden. Insgesamt scheint sich die Schadstoffbelastung der deutschen Bevölkerung durch Umweltschutzmaßnahmen jedoch deutlich reduziert zu haben. So wurden beispielsweise im Herbst 1996 die Empfehlungen zur Schadstoffuntersuchung der Muttermilch nach dem sechsten Lebensmonat des Kindes aufgehoben, da von einem Risiko beim Weiterstillen nicht mehr auszugehen ist. Verringern läßt sich die Belastung vor allem in den eigenen vier Wänden durch gesundheits- und umweltbewusstes Verhalten. Tips dazu finden sich beispielsweise in den Broschüren des Umweltbundesamtes, der entsprechenden Länder-einrichtungen, der Kommunen oder auch der Verbraucherzentralen und Umweltschutzverbände.

Wie sieht es mit der Boden- und Wasserbelastung aus?

  Auch hier ist eine generelle Aussage kaum möglich. Als Belastungen kommen für Böden und Wasser beispielsweise Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln aus der Landwirtschaft und den Privatgärten, Nitrat aus Düngemitteln sowie die verschiedensten Chemikalien, darunter auch Dioxine und Furane sowie Schwermetalle, in Frage. Relevante Gefahr besteht meist nur dann, wenn Obst, Gemüse oder Getreide auf belasteteten Böden gezogen werden oder Vieh mit Futter von kontaminierten Weiden gefüttert wird.

  Reste von Chemikalien sind oft auf die derzeitige oder frühere Nutzung von Flächen als Industriestandort zurückzuführen. Auch mit Müll- und Sondermülldeponien können sie in Zusammenhang stehen. Vor allem in den neuen Bundesländern ist hier zum Teil noch mit erheblichen Belastungen zu rechnen. Allerdings dürfte inzwischen die Mehrzahl der kontaminierten Standorte saniert oder zumindest erfasst worden sein, sodass sich auch hier die Umweltbelastung deutlich reduziert hat. Die Trinkwasserqualität in Deutschland ist auch in den neuen Bundesländern durch aufwendige Sanierung auf sehr hohem Niveau. Immer wieder zeigen Untersuchungen, dass Leitungswasser sogar einige Mineral- und Heilwässer bei weitem an Qualität übertrifft.

  Eine Gefährdung durch radioaktive Substanzen aus dem Kernkraftwerksunfall von Tschernobyl würde sich heute nur noch auf das Element Cäsium beziehen. Die meisten anderen Nuklide sind inzwischen weitgehend abgeklungen. Mit Cäsium waren 1986 fast ausschließlich Böden in Bayern und entlang der Elbe kontaminiert worden. Die Substanz ist inzwischen zwar kaum noch an der Oberfläche zu finden, aber trotzdem noch vorhanden. Eine relevante Rolle als Strahlungsquelle im Alltag spielen nur noch noch gesammelte wilde Pilze..

Gibt es eine Möglichkeit, im Körper gespeicherte Schadstoffe auszuschwemmen?

  Vor allem von alternativen Anbietern wird der Ausleitung und Ausschwemmung von Schadstoffen ein großer Stellenwert beigemessen. Die meisten Verfahren wurden ursprünglich entwickelt, um bei schweren Vergiftungen, z.B. mit Schwermetallen, chemische Substanzen wenigstens ansatzweise aus dem Körper zu entfernen. Zu diesen Methoden gehören beispielsweise die sogenannten Chelatbildner, die bei der unkonventionellen Amalgamsanierung (Amalgam) eingesetzt werden. Alle Verfahren haben jedoch schwere Nebenwirkungen oder sind bei geringer Belastung sogar gefährlicher als die Schadstoffe. Dass bei vielen Verfahren, wenn sie überhaupt wirken, mit "Kanonen auf Spatzen" geschossen wird, verschweigen die meisten Anbieter. Die Kassen zahlen entsprechende Verfahren meist nicht. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz warnt ausdrücklich vor aggressiven Methoden und bezieht sich dabei außer auf die Therapie mit Chelatbildnern beispielsweise auch auf übertriebene Saunabehandlung. Ebenfalls kritisch zu sehen sind radikale Hungerkuren zur Ausleitung von im Fettgewebe gespeicherten Schadstoffen.


Ist Krebs erblich?

  Die Angehörigen der meisten Krebspatienten müssen nach derzeitigem Kenntnisstand nicht mit einem erhöhten Risiko rechnen, ebenfalls zu erkranken. Familien, in denen eine bestimmte Tumorart gehäuft auftritt, gibt es vergleichsweise selten. Auch wenn die gleiche Krebserkrankung unter Verwandten häufiger vorkommt, als statistisch zu erwarten wäre, muss nicht unbedingt ein gemeinsames Erbmerkmal die Ursache sein. Viel häufiger liegt die scheinbare Vererbung in gemeinsamen äußeren Risikofaktoren begründet, beispielsweise in den Ernährungsgewohnheiten.

  Für einige seltene Erkrankungen ist die Rolle der Vererbung jedoch anhand bestimmter Beobachtungen und der Identifikation typischer Gene oder Gendefekte nachgewiesen. Dazu gehört die sogenannte familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), bei der Tausende von Polypen auf der Darmschleimhaut bereits bei Jugendlichen auftreten. Bei einer seltenen Form von familiärem Brustkrebs bei jüngeren Frauen sind zwei bereits identifizierte Gene beteiligt, die sich auch bei Verwandten finden (Brustkrebsrisiko). Bei weiteren Tumorarten wird ein ähnlicher Mechanismus vermutet.

Aber Krebs geht doch immer vom Erbmaterial aus?

  Das entscheidende Ereignis, das der Entwicklung eines Tumors vorausgeht, ist tatsächlich in genetischen Veränderungen der Ausgangszelle zu suchen, also in der ersten Zelle, aus der durch Teilung ein Tumor wird. Da dies aber in der Regel eine Körperzelle und nicht eine Ei- oder Samenzelle ist, wird diese Veränderung nicht vererbt, sondern betrifft nur den jeweiligen Patienten.

  Fast sicher ist, dass eine normale Zelle mehrere voneinander unabhängige Veränderungen durchmachen muss, bevor sie entartet – ein "Fehler" allein reicht also meist nicht aus. So wurden in Beobachtungen an Kulturen, die mit krebsauslösenden Viren infiziert wurden, sieben und mehr einzelne Abwandlungen vom Normalzustand beobachtet, die außerdem in einer bestimmten Reihenfolge auftreten mussten, bis ein Tumor entstand.

  Die Folgen wirken sich dann auf Funktion und Gestalt der Zelle aus. Die auffälligsten Veränderungen sind unkontrolliertes Wachstum, fehlende Weiterentwicklung, fehlende Alterung bzw. fehlender programmierter Zelltod. Aber auch Gestalt, Stoffwechsel und Moleküle auf der Zelloberfläche, die der gegenseitigen Erkennung dienen, können Krebszellen von den Zellen des Gewebetyps unterscheiden, aus dem sie eigentlich stammen.

  Diese Veränderungen lassen sich beispielsweise an Material aus einer
Biopsie beobachten; andere machen sich über bestimmte Produkte veränderter Zellen bemerkbar, die ins Blut abgegeben werden.

Kann man Veränderungen am "Bauplan" der Zelle  direkt beobachten?

  Die Erbsubstanz ist chemisch aus Desoxyribonukleinsäuren (DNS) aufgebaut, riesigen Molekülen, die zu langen strickleiterartigen Ketten verknüpft sind. In der Abfolge dieser Moleküle ist die eigentliche Information kodiert, wie in einem Morsealphabet. Diese Ketten wickeln sich wiederum in einer für jede Art charakteristische Weise auf, die größten, im Mikroskop gut sichtbaren "Knäuel" nennt man Chromosomen.

  Das Morsealphabet der Erbinformation wird in einem komplizierten Mechanismus abgelesen und "übersetzt". Einige Teile enthalten die Bauanleitung von Eiweißen oder Proteinen, aus denen der Körper aufgebaut ist, andere Teile kodieren Eiweiße, die wiederum selbst zu Boten werden oder andere Funktionen steuern. Es gibt aber auch Teile, die Ablesevorgänge selbst steuern, ohne direkt "übersetzt" zu werden, und große Teile, für die bis vor wenigen Jahren keine erkennbare Funktion festzustellen war. Rund 100.000 solcher verschiedenartigen Informationseinheiten, sogenannte Gene, werden beim Menschen vermutet. Durch das weltweite "Humane Genome Project" und dem Wettlauf mit privaten Forschern wurde im Jahr 2000 eine weitgehende "Kartierung" dieses Bauplans erreicht. Noch sind damit die einzelnen Steuerungsvorgänge längst nicht entschlüsselt, auch wenn sich die Forschung deutlich beschleunigen wird.

  Veränderte Chromosomen in Krebszellen beobachtete schon der Zoologe Theodor Boveri um 1910 unter dem Lichtmikroskop. Er konnte sie jedoch noch nicht systematisch zuordnen. Bei einer bestimmten
Leukämieform machten amerikanische Genetiker im Jahr 1960 zum ersten Mal tatsächlich ein verändertes Chromosom dingfest. Mit modernen molekularbiologischen Methoden blicken die Krebsforscher heute noch tiefer: In vielen Tumorzellen fehlt ein Stück vom Erbmaterial, auch Austausch von Material zwischen den Chromosomen kommt vor. Nicht immer muss aber ein Teil der Erbinformation zerstört sein, um Krebs auszulösen – auch ein Zuviel, z.B. eine Verdopplung, bewirkt verhängnisvolles Wachstum. Wie aktiv ein Chromosomenabschnitt ist, ob und wie häufig die darauf kodierte Information überhaupt sinnvoll abgelesen und in der Zelle "übersetzt" wird, ist insgesamt für die Krebsentstehung wohl am wichtigsten: Die Tumorentstehung scheint häufig mit einer gestörten Steuerung dieser Vorgänge verknüpft zu sein.

Sind solche Steuerungsfehler nachweisbar?

  In manchen Krebszellen finden sich in den bereits erwähnten Teilen des Erbmaterials, die nicht direkt in körpereigene Strukturen "übersetzt" werden und daher vermutlich der Steuerung dienen, auffällig aktive Abschnitte. Diese nach ihrer zunächst nur vermuteten Rolle bei der Krebsentstehung Onkogene genannten Einheiten werden bei der Umwandlung einer normalen Zelle in eine Krebszelle aktiviert und unter Umständen vervielfacht. Die (noch) nicht aktivierten Onkogene bezeichnet man als Protoonkogene. Krebsforscher fanden bis heute in menschlichen Tumoren viele Onkogene, die aus gesunden Genen entstanden waren. Einige davon stehen in der Funktionssteuerung der Zelle an sehr zentraler Stelle.

Also sind diese Onkogene die eigentliche Ursache für Krebs?

  Auch andere Protoonkogene, also die weitgehend inaktiven Vorläufer, sind sehr wichtig für die Zelle. Möglicherweise sind sie genau die Teile des Erbmaterials, die das Wachstum in der Embryonalphase und in der Kindheit oder die Regeneration nach Verletzungen steuern und nur zu dieser Zeit gebraucht werden. In "gesunden" Abläufen wurde ein solches Gen nach Erfüllung seiner Aufgabe gestoppt – beispielsweise der Bildung neuer Hautzellen in einer Narbe. Das Produkt eines Onkogens dagegen veranlasst die Zellen zu fortwährendem krebsartigen Wachstum. Allerdings sind auch andere Mechanismen denkbar.

  Die Idee, dass den wachstumssteuernden Erbmerkmalen auch wachstumshemmende Gene entgegenstehen müssten, führte zur Entdeckung sogenannter Tumorsuppressorgene.

  Sie halten eine normale Zelle von unkontrollierter Teilung oder auch weiteren Veränderungen ab. Gehen sie durch einen Fehler im Bauplan verloren, würde sich eine Zelle, bei der alle Signale auf "Wachstum" geschaltet sind, immer weiter vermehren, da das biologische Stopsignal fehlt. Im Tierversuch gelang 1987 der Beweis dafür: Den Larven einer Drosophila-Fruchtfliegenfamilie, die als geschlüpfte Erwachsene unweigerlich an einem für ihre Verhältnisse riesigen Tumor gestorben wären, wurde ein ihnen fehlendes Gen eingepflanzt. Die Tiere entwickelten sich daraufhin normal. Nachweise für die Existenz solcher Abschnitte auch im menschlichen Erbmaterial gibt es inzwischen in ausreichender Zahl.

Kann man die Erkenntnisse der Grundlagenforschung  für die Therapie oder die Vorsorge nutzen?

  Mit dieser Art von direkter Gentherapie und ihrer denkbaren Anwendung in der Krebsbehandlung sind die Forscher noch sehr zurückhaltend. Eine direkte "Reparatur" des Bauplans ist bislang in ersten Versuchen bei einigen Erbkrankheiten probiert worden, bei denen der entsprechende "kranke" oder fehlende Genabschnitt sehr klein ist. Nur sehr kleine Studien bei Lungenkrebspatienten versuchten einen vergleichbaren Ansatz anzuwenden. Alle anderen gentherapeutischen Studien bei Krebs greifen nicht so unmittelbar ins Erbmaterial ein, sondern versuchen im weitesten Sinn das Immunsystem zu beeinflussen.

Gibt es Gentests, durch die man das persönliche Krebsrisiko erfahren kann?

  Für die Testung auf ein erbliches Krebsrisiko hat die Bundesärztekammer 1998 Richtlinien herausgegeben:

  Weniger die technische Seite der Gentestung stellt das Problem dar; hier schreitet die Entwicklung neuer Verfahren sehr schnell fort. Auch die Kartierung des menschlichen Erbmaterials ist abgeschlossen. Noch weiß man aber noch längst nicht genau, welche Folgen von Veränderungen im Genom sich tatsächlich für Betroffene negativ auswirken und mit welcher Wahrscheinlichkeit sie auftreten.

  Deshalb sehen diese Richtlinien vor allem den Schutz möglicher Betroffener vor negativen Folgen vor. Ohne Beratung über medizinische, psychologische und soziale Aspekte darf beispielsweise keiner getestet werden, denn ein zu sorgloser Umgang damit könnte Diskriminierung und andere unerträgliche Auswirkungen auf eine Familie haben. Hinzu kommt die Frage der Konsequenzen einer solchen Testung: Selbst für die Frauen, die das eingangs erwähnte Brustkrebsgen tragen und für die ein hohes Krebsrisiko bekannt ist, können derzeit nur besonders intensive Früherkennungsmaßnahmen angeboten werden. Eine "Reparatur" des Gendefekts ist nicht möglich. Bei den jugendlichen Betroffenen aus Familien mit erblichem
Dickdarmkrebs wird derzeit noch vorsorglich der gesamte Dickdarm entfernt.

  Wie bei allen anderen Tests auf erbliche Erkrankungen müssen vor ihrer Einführung und Anwendung deshalb auch die sozialen, ethischen und psychologischen Folgen eines solchen Wissens diskutiert und bedacht werden.





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