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Die Inhaltsübersicht

- Diabetes und Auge
- Diabetes und Psyche
- Psychische Probleme
- Akzeptanz
- Probleme im sozialen Bereich
- Ängste und Probleme im Umgang mit Diabetes
- Veränderung von Verhaltensweisen
- Psychologen aufsuchen
- Angst vor Folgeschäden

Diabetes und Auge

HbA1c-der unterschätzte Wert in der Diabetestherapie

Eine der wichtigsten chemischen Kenngrößen zur Beurteilung der Diabeteseinstellung stellt der HbA1c-Wert dar. Neben der Glucosemessung und dem Glucosetoleranztest wurde der HbA1c-Wert schon 1999 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als diagnostischer Parameter für die Manifestation eines Diabetes sowie als Kennwert für die Therapiekontrolle empfohlen. Er stellt somit einen Goldstandard in der Diabetes-Therapie dar.

Die Bedeutung des HbA1c-Wertes für die Einschätzung der Güte einer Diabetes-Therapie erklärt sich durch die Tatsache, dass er die durchschnittlichen Blutzuckerwerte der vergangenen 8-10 Wochen widerspiegelt, unabhängig davon, ob die Werte in der Zwischenzeit stark angestiegen oder gefallen sind. Somit kann er nicht durch kurzfristige diätetische Maßnahmen vom Patienten „geschönt“ werden.

In Studien belegt – in der Praxis vernachlässigt?

Spätestens seit Veröffentlichung der Ergebnisse der UKPD-Studie (United Kingdom Prospective Study, 1998) (1) (UKPDS) ist die Relevanz einer guten Blutzuckereinstellung für die Vorbeugung von diabetesbedingten Folgeschäden unbestritten. So zeigten diese, dass bereits durch eine einprozentige Senkung des HbA1c-Wertes das Risiko für diabetesbedingte Todesfälle, Apoplexien, Herzinfarkte und mikrovaskuläre Komplikationen signifikant gesenkt werden konnte. Im einzelnen zeigte sich dies in einer

21%igen Verminderung des Risikos für diabetesbezogene Komplikationen
25%igen Verminderung der diabetesbezogenen Todesfälle
17%igen Verminderung der Gesamtsterblichkeit
18%igen Verminderung des Risikos, einen Herzinfarkt zu erleiden
15%igen Risiko Verminderung für Schlaganfälle
35%igen Verminderung des Risikos von Folgekrankheiten an Auge und Niere
Noch sieht die Situation der Patienten in Deutschland aber ernüchternd aus, wie die CODE-II-Studie (1999) belegt. 45 Prozent aller dokumentierten Typ-2-Diabetiker waren demnach unter einer oralen Therapie mit einem HbA1c-Wert über 7,5 Prozent unzureichend eingestellt. (2) (CODE II)
Auch bezüglich erhobener Spätkomplikationen ist die Bilanz alarmierend: Laut der CODE-2®-Studie kommt es jährlich in Deutschland zu folgenden diabetischen Neuerkrankungen (Typ-I- und Typ-II-Diabetes) (2) (Code 2 Studie)

Fußgeschwüre: 57.800
Schlaganfälle: 44.400
Amputationen: 27.900
Herzinfarkte: 27.000
Dialysefälle durch Nierenversagen: 8.300
Erblindungen: 6.000
Vor diesem Hintergrund gilt es, Praktiker und Patienten noch stärker über den HbA1c-Wert aufzuklären und für seine Bedeutung als Therapie-Zielwert zu sensibilisieren.

Nationale Versorgungsleitlinien empfehlen Therapieanpassung bei HbA1c

Zur Vorbeugung von diabetesbedingten Folgeerkrankungen empfehlen die Nationalen Versorgungs-Leitlinien Diabetes mellitus Typ 2, die im Mai 2002 veröffentlicht wurden, einen HbA1c-Zielwert von = 6,5 Prozent als ideales Therapieziel und eine Therapieanpassung ab einem HbA1c-Wert über 7 Prozent.

Kann der Zielwert HbA1c < 7 durch diätetische Maßnahmen, körperliche Aktivität und Lebensstiländerung nach drei Monaten nicht erreicht werden, ist eine pharmakologische antihyperglykämische Therapie angezeigt, in der Regel eine oral antidiabetische (OAD) Monotherapie. Ist es nicht mehr möglich, den angestrebten HbA1c-Zielwert unter einer Monotherapie zu erreichen, wird eine Multi-OAD-Behandlung begonnen.

Lässt sich der HbA1c-Wert trotz maximaler diätetischer Bemühung und Multi-OAD nicht unter 7 Prozent senken, empfehlen die Leitlinien, zusätzlich Insulin zu verordnen. Damit lässt sich eine effektive Blutzuckersenkung erzielen und die geschilderten Komplikationen hinauszuzögern oder minimieren.

© diabetes-world.net 10.03.2003
http://www.diabetes-world.net/de/27330

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Diabetes und Psyche

Chefarzt Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl / Diabetes Reha-Zentrum "Fürstenhof" -
97688 Bad Kissingen Bismarckstr. 6

Stress

Vielleicht ist es Ihnen auch schon so ergangen. Obwohl Sie sich  in der letzten Zeit keiner "Ernährungsverstöße" bewusst sind, sich weder weniger bewegt noch gegen die Medikamentenverordnung verstoßen haben, zeigt die Blutzuckermessung beunruhigend hohe Werte. Häufig weiß man als Betroffener in diesem Zusammenhang über Aufregung und Stress zu berichten, über ständige oder immer wieder auftretende Ängste, Sorgen, Nöte, unbefriedigende zwischenmenschliche Beziehungen.

Zur Erläuterung des geschilderten Sachverhaltes sei folgendes bemerkt. Sieht sich der Mensch in seinen Bedürfnissen (z. B. nach Sicherheit, Geselligkeit, Anerkennung, Liebe, Unversehrtheit) kurzfristig oder dauerhaft verletzt oder bedroht, entsteht eine Art alarmierender "Mobilmachung" des Organismus und Unbehagen. So wird etwa bei negativ empfundenen Gefühlslagen ein bestimmter Bereich im Zwischenhirn erregt. Dabei werden psychische Reize bzw. Gefühle in Körperreaktionen umgesetzt, was zur Aktivierung des sympathischen Nervensystems sowie Ausschüttung von Hormonen (z. B. Adrenalin) führt. Dadurch verändern sich wichtige Körperfunktionen. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Aufmerksamkeit erhöht sich und Bewegungen können schneller ausgeführt werden. Nützlich kann dies sein, wenn besonders dringende Aufgaben schnell erledigt werden müssen oder wenn man einem heranjagenden Auto entkommen muss. Auf die Dauer kann dieser Zustand, wenn er nicht von ausreichenden Entspannungsphasen abgelöst wird, aber auch die Gesundheit gefährden und z. B. das Risiko von Herzkrankheiten und Schlag-anfällen erhöhen. Außerdem wird die Leber dabei zur Umsetzung von Glycogen in Glucose veranlasst. Das heißt, auch ohne zusätzliche Nahrungszufuhr erhöht sich der Zuckerspiegel.

Daraus ist zu folgern, dass ein stressgeplagter Mensch, bei dem die medizinische Diabeteseinstellung Probleme bereitet, bedenken sollte, welche dauerhaften starken emotionalen Belastungen mitverantwortlich sein können für die unbefriedigenden Ergebnisse seiner Blutzuckermessung. Sollte er bei solchen Gedanken fündig geworden sein, ist zu überlegen, vielleicht mit Hilfe eines Psychologen, was konkret getan werden kann, um die Stressfaktoren zu entschärfen. Obwohl auch ein Psychologe nicht jede belastende Situation, wie das Steckenbleiben im Verkehrsstau, brüllende Vorgesetzte, quengelnde Babies oder andauernde Lärmbelästigung unter Kontrolle bringen kann, kann man mit ihm lernen. darauf besser als bisher zu reagieren.

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Psychische Probleme

Von schwierigen Lebenssituationen und sogenannten "psychischen Problemen" sind Diabetiker wie Stoffwechselgesunde gleichermaßen betroffen. Beim Diabetiker ist allerdings zu beachten, dass sich z. B. Depressionen, Essstörungen oder Probleme mit Disziplin auch negativ auf die Selbstbehandlung auswirken können.

Nach langer Auseinandersetzung mit dem Diabetes und vor allem als Folge ungünstigen Verhaltens hinsichtlich der diabetes-bedingten Anforderungen entwickeln Diabetiker häufiger psychischer Probleme (Ängstlichkeit, Depressivität, Zwanghaftigkeit) als Nichtdiabetiker. Dadurch kann die Selbstbehandlung erschwert oder verhindert werden, was wiederum zur Verstärkung der emotionalen Probleme beiträgt. Dieser Teufelskreis sollte beizeiten durch psychotherapeutische Maßnahmen durchbrochen werden.

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Akzeptanz

Aus dem Diabetes und seiner Therapie ergeben sich nach Diagnosestellung schlagartig neue Rahmenbedingungen für die Gestaltung des Lebens. Deren Berücksichtigung ist mit Anforderungen verbunden: Stoffwechselselbstkontrolle. Einnahme von Medikamenten bzw. Insulin-Injektion, verändertes Essen, Einschränkung der Spontaneität usw.. Manchmal müssen private und berufliche Zeile aufgegeben oder zurückgeschraubt werden, weil sie mit dem Diabetes und seiner Therapie bei einer selbstverantwortlichen Lebensweise nicht vereinbar sind. Sofern die veränderten Lebensbedingungen und -anforderungen entschieden als Herausforderung angenommen werden können, müssen sie einer aktiven und erfüllten Lebensgestaltung nicht im Wege stehen. Erst der Abschied von seinem Leben als Nichtdiabetiker, das endgültige Annehmen, dass man mit dem Diabetes ein Stück Gesundheit verloren hat und sich lebenslang auf diabetesbedingte Einschränkungen einzulassen hat, ermöglicht es, seinen Frieden mit dem Diabetes zu schließen. Und das heißt nicht, dass man resigniert, sondern beharrlich und zielgerichtet versucht, seine Diabetesführung zu verbessern, mit Ruhe und Gelassenheit und ohne Übertreibungen.

Ein versöhnliches Verhältnis zu seinem Diabetes zu entwickeln ihn als untrennbaren Teil von sich selbst anzunehmen ohne vermindertes Selbstwertgefühl, ohne mit dem Schicksal zu hadern und ohne die mit dem Diabetes verbundene Realität zu leugnen ist eine beachtliche Leistung, die zu erbringen viele Betroffene verständlicherweise ihre Not haben.

Während die Diagnose Typ-1-Diabetes vom Betroffenen häufig als höchst beängstigendes Lebensereignis empfunden wird, neigen Typ II-Diabetiker eher zur Verharmlosung, da die Erkrankung bei ihnen schleichend beginnt und zunächst keine Beschwerden zu spüren sind. Letzteres kann die nötige Motivation zur Änderung grundlegender Verhaltensweisen (gesunde Ernährung, Bewegung und Stoffwechselselbstkontrolle) beeinträchtigen.

Aber wer es dann schafft, da "Problemgebirge Diabetes" zu bewältigen, wird vielleicht auch andere nichtdiabetestypische Problem selbstbewusster, aktiver und erfolgreicher anzugehen wissen. Er wird mit seinen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, seinen (evtl auch noch zu entwickelnden) Fähigkeiten, seiner weiteren Lebenszeit und seiner Gesundheit vielleicht sogar bewusster und verantwortungsvoller umgehen als bisher. Wie z. B. der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, der mit 25 Jahren an Diabetes erkrankte, Bis dahin hatte er als gastronomische Herausforderung seiner Umgebung gegolten. Zwei Flaschen Wien am Abend zu genießen, waren für ihn nicht ungewöhnlich. Am Ende seines bis zuletzt produktiven siebzigjährigen Lebens aus seine Erkrankung angesprochen, meinte er: "Wenn ich nicht Zucker hätte, wäre ich schon lange an meiner Gesundheit gestorben".

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Probleme im sozialen Bereich

Ebenso wie Stoffwechselgesunde können auch Diabetiker Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen haben, in Familie, Beruf und Freizeit. Die diabetes-bedingten Anforderungen können besondere Rücksichtnahme seitens der Mitmenschen erfordern. Um deren Verständnis kann man z. B. werben, indem man sie über seinen Diabetes und die Therapienotwendigkeiten informiert. Zuweilen müssen die eigenen Wünsche und Forderungen (Zwischenmahlzeiten und Testen) auch sehr selbstbewusst vertreten werden. Zu beachten ist allerdings auch, dass man sich bei Leistungsanforderungen nicht allzu bequem mit Hinweis auf seinen Diabetes zu entziehen versucht und somit die Toleranzbereitschaft der anderen überfordert. Die nötigen Fähigkeiten, auf seine Mitmenschen in der gewünschten Form Einfluss zu nehmen, müssen u.U. erst erlernt werden.

Dabei können Rollenspiele unter fachlicher Anleitung, Erfahrungsaustausch und Gruppendiskussionen mit ebenfalls Betroffenen sowie Einzelgespräche mit demPsychologen und anderen Mitgliedern des therapeutischen Teams helfen.

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Ängste und Probleme im Umgang mit Diabetes

Zu Beginn bzw. im Verlauf des Diabetes können emotionale Probleme auftreten, die die Selbstbehandlung erschwerne.

Dazu zählen z. B. Ängste vor:
- den diabetischen Folgeerkrankungen
- dem "Stechen" (für Blutzuckerselbstkontrolle und Insulininjektionen),
- den Unterzuckerungen bzw. deren mangelnder Wahrnehmung,
- Problemen, die mit der Einhaltung einer "Diabetesdiät" verbunden sein können.

Für diese Probleme stehen bewährte psychologische Therapieverfahren zur Verfügung.

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Veränderung von Verhaltensweisen

Besondere Risikofaktoren für die Gesundheit des Diabetikers sind Übergewicht, Rauchen und Alkoholgenuss im Übermaß. Da es sich dabei häufig um langjährige und einge-schliffene Gewohnheiten handelt (z. B. zur vermeintlichen Verminderung von Stress bzw. zur Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts), kann sich der Einzelne schwer tun, diese trotz guter Vorsätze aufzugeben. Meistens kann er schon auf eine Reihe vergeblicher Bemühungen verweisen.

Als besonders wirksam bei der Veränderung von Verhaltensweisen haben sich verhaltenstherapeutische Konzepte erwiesen.

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Psychologen aufsuchen

Als mündiger Patient sollten Sie sich nicht scheuen, im Bedarfsfall einen diabeteserfahrenen Psychologen aufzusuchen und von den vorhandenen psychologischen

Therapieansätzen Gebrauch zu machen. Sie können helfen:
- eine bessere Einstellung zu Ihrem Diabetes zu bekommen,
- die veränderte Rahmenbedingungen und diabetesbedingten Anforderungen zu akzeptieren,
- soziale Kompetenzen zu entwickeln, um Ihre Bedürfnisse gegenüber den Mitmenschen angemessen zu vertreten,
- Verhaltensschwierigkeiten und Lebenskrisen, sowie
- Gefühle der Hilflosigkeit und Mutlosigkeit zu überwinden.

Der erste Schritt zur Überwindung der genannten Schwierigkeiten kann bereits darin bestehen, sie zu erkennen und einzusehen, dass Sie allein mit Ihrer herkömmlichen Art und Weise nicht gut genug zurechtkommen, um Ihren Diabetes in den Griff zu bekommen, Damit geben Sie nicht Ihre Verantwortung für sich selbst auf und Ihr Problem an den Psychologen ab, sondern Sie gehen für eine begrenzte Zeit und um ein bestimmtes Ziel zu erreichen ein Arbeitsbündnis mit ihm ein, um Ihre Selbstbehandlung auf Dauer zu verbessern.

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Angst vor Folgeschäden

(Gedanken eines von Diabetes Typ 1 betroffenen Diplom-Psychologen)

Eine der klar definierten Ängste eines Diabetikers ist die Angst vor Folgeschäden auf Grund seines Diabetes.

Medizinische Ausdrücke wie Retinopathie, Nephropathie, Neuropahtie oder Arteriosklerose "springen" dem angstgeplagten, vielleicht vom Hausarzt noch zusätzlich eingeschüchterten, Patienten entgegen und werden unmittelbar mit Blindheit, Dialyse, Gefühls-losigkeit und Schmerzen gedanklich und emotional verbunden. Allein das Wissen um die möglichen, vielleicht noch gar nicht eingetretenen, Folgen des Diabetes erzeugt nicht selten Angst, Hilflosigkeit und Resignation. Manchmal macht sich auch Verbitterung in einem Maße breit, die es dem Betroffenen unmöglich macht, seine Gedanken von dem seines Erachtens unausweichlichen Schicksal der diabetesbedingten Folgeerkrankungen abzuwenden. Das Leben scheint ungerecht, hart und hoffnungslos.

Warum, so frage ich Sie, gibt es aber dennoch Diabetiker, die - unabhängig davon, ob sie bereits Folgeschäden, z. B. Netzhautveränderungen im Auge haben oder völlig gesund sind - optimistisch und zufrieden durch den Tag gehen? Überlegen Sie mal. Möglicherweise kennen Sie selbst so einen? Wie kommt es, dass dieser Diabetiker sich so anders verhält, fühlt und denkt als vielleicht Sie selbst?

Lassen Sie uns ein wenig darüber nachdenken, woran das liegen könnte?

Fast jeder Diabetiker lebt mit dem Risiko, irgendwann an Folgeschäden zu erkranken. Die Frage ist: Wann? Und gerade diese Ungewissheit kann sehr belastend sein:

Der beste Schutz, keine Folgeschäden zu bekommen oder diese zumindest so weit wie möglich hinauszuzögern, ist nach wie vor eine gute Blutzuckereinstellung. Nach neueren Erkenntnissen wirken aber auch ein normaler Blutdruck und eine reduzierte Eiweißzufuhr gegen ein Fortschreiten der o. g. Folgeerkrankungen. Das bedeutet für manchen Diabetiker eine Neueinstellung seines Diabetes und Schulung. für einige aber auch Akzeptanz ihrer chronischen Erkrankung.

Eine Garantie, später nicht doch zu erkranken, gibt es freilich - auch bei Einhaltung aller Regeln - nicht! Und so kommt es bei vielen Diabetikern zu der Schluss-folgerung: "Irgendwann erwischt es mich doch!"

Nun gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren:

Entweder Sie resignieren und versuchen der Angst dadurch zu begegnen, indem Sie ohne Rücksicht auf Ihren Diabetes alles das tun (vielleicht jetzt erst recht), was nach Ihrer Meinung das Leben schön und lebenswert macht. In diesem Fall wird es, nach Ablauf eines gewissen Zeitraums, massive gesundheitliche Einschnitte in Ihrem Leben geben. Das Leben wird quälend und mühsam. Vieles ist dann nicht mehr möglich. Die organischen Funktionen des Körpers sind eingeschränkt oder gestört - häufig nicht mehr umkehrbar.

Depressionen und psychosomatische Beschwerden (z. B. Magengeschwüre, Durchfälle, Hautprobleme, Kopfschmerzen) sind häufig ein verzweifelter Hilferuf des Körpers, auf die frustrierende physische und psychische Situation zu reagieren. Die psychische Stabilität gerät in Gefahr, ihre natürliche Verankerung zu verlieren.

Oder aber, sie machen sich auf den anfangs vielleicht noch mühevollen Weg und laufen der Angst nicht davon, sondern mobilisieren Ihre Kräfte für eine Bewältigung Ihres Diabetes, welches gleichzeitig zu einer Reduktion Ihrer Angst vor Folgeerkrankungen führt. Mit dieser Strategie sind Sie nicht nur ein "Reagierender", der passiv alles auf sich zukommen lassen muss, sondern ein "Agierender", ein Handelnder, der aktiv und vorausschauend die Möglichkeiten, sein Leben und auch seinen Diabetes zu gestalten, mit allen seinen möglichen Folgen ausschöpft.

Sie selbst sind Anwalt Ihres eigenen Körpers! Sie brauchen sich dem lähmenden Einfluss der aufkommenden Angst nicht auszuliefern! Denn Angst ist ein schlechter Ratgeber. Sie haben es in der Hand, diese vorhandene Energie in gesundheits- und zukunftsorientiertes Verhalten umzusetzen, und zwar unabhängig davon, ob Sie bereits Folgeschäden haben oder nicht.

Für viele Patienten ist es, gerade am Anfang dieses Weges oder wenn sich gesundheitliche Einschnitte ereignet haben, eine große Hilfe, wenn sie nicht allein sind: wenn Menschen da sind, die sie verstehen, vielleicht auch mal trösten, vor allem aber stützen und ermutigen, den Weg weiter zu gehen. Da kann es in einem Fall der Ehepartner oder ein Angehöriger der Familie sein, ein Vertrauter, der stützend eingreift; in einem anderen Fall der verständnisvolle Hausarzt oder die interessierten Mitglieder einer Selbsthilfegruppe. Manchmal kann Ihnen auch ein Gespräch mit dem Psychologen weiterhelfen.

Ziehen Sie sich mit Ihrer Angst keinesfalls zurück. Ein Zuviel an Informationen über Folgeschäden kann genauso erdrücken und Angst machen wie ein Informationsmangel. Deshalb: Bleiben Sie mit Ihren Fragen und Befürchtungen nicht allein. Wählen Sie nicht die Isolation, sondern suchen Sie immer wieder das Gespräch, um die Angst zu überwinden. Trauen Sie sich etwas zu. Andere werden Ihnen dabei helfen.

Sind Sie bereits auf diesem Weg?

Glauben Sie mir, Sie sind nicht allein unterwegs!

Vielleicht gehen wir ein Stück des Wegs zusammen!

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