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Ein Elterninformationsblatt der Orthopädischen Universitätsklinik
der RWTH Aachen
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. F. U. Niethard
Was ist eine Infantile Cerebralparese ?
Die infantile Cerebralparese ( cerebrale Bewegungsstörung, CP, cerebrale
Kinderlähmung, Little'sche Krankheit ) ist eine bleibende aber nicht
unveränderliche Bewegungs- und Haltungsstörung infolge einer Schädigung des
frühkindlichen Gehirns in den frühen Entwicklungsphasen. Neben der Störung der
Haltung und Bewegung kommt es häufig auch zu weiteren Behinderungen wie
Anfallsleiden ( Epilepsie ), mentaler Behinderung ( geistiger Behinderung ),
Sprachstörungen, VerhaltensaußäUigkeiten, Störungen der Sinnesorgane, bzw. der
Weiterverarbeitung von Sinneswahrnehmungen ( Schielen, Gleichgewichtsstörungen
). Auftreten bzw. Ausprägungsgrad dieser Zusatzbehinderungen sind abhängig vom
Ort und der Ausbreitung der Gehirnschädigung.
Wie kommt es zu einer frühkindlichen Hirnschädigung?
Zur Entstehung eines frühkindlichen Hirnschadens können
vielfältige Ursachen beitragen. Schädigungsmöglichkeiten bestehen vor, unter
oder auch nach der Geburt. Die Hirnschädigung tritt am häufigsten während der
Geburt ( 30 - 70 % ) ein. Vorgeburtliche Schädigungsmöglichkeiten bestehen bei
Infektionen wie Röteln, Zytomegalie, Herpes, parasitären und bakteriellen
Infektienen wie Toxoplasmose, Listeriose, Lues. Auch Drogen-, Alkohol- oder
Nikotinkonsum der Mutter während der Schwangerschaft, eine bestehende
Zuckerkrankheit ( Diabetes mellitus ) oder hormonelle Störungen ( EPH-Gestose )
der Mutter, Zwillingsschwangerschaft sowie eine intrauterine Mangelernährung,
d.h. nicht ausreichende Ernährung des Fötus mit Nährstoffen durch den Mutterkuchen,
gelten als Risikofaktoren. Als Hauptursache ist aber der Sauerstoffmangel unter
der Geburt in Verbindung mit kindlicher Unreife ( Frühgeburt ) zu sehen. Nach
der Geburt sind entzündliche Erkrankungen der Hirnhäute und des Gehirns sowie
Hirnblutungen häufig die Ursache einer Cerebralparese. Immer kommt es zu einem
Untergang von Nervenzellen des Gehirns.
Ein Elterninformationsblatt der Orthopädischen
Universitätsklinik der RWTH Aachen
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. F. U. Niethard
Welche Formen der Cerebralparese gibt es ?
Die infantilen Cerebralparesen können in verschiedene
Formen unterteilt werden. Zur Klassifikation sind 2 Einteilungen üblich. Die
erstere unterteilt nach Art der Bewegungsstörung in spastische ( Spastik =
Steifheit der Glieder aufgrund eines erhöhten Muskeltonus mit verlangsamtem
oder eingeschränktem Bewegungsablauf, die sich beim Versuch, die Glieder passiv
durchzubewegen, deutlich zeigt ).
- dyskinetische / dystone ( Dystonie / Dyskinesie /
Athetose = unwillkürliche, langsame, verkrampfte Bewegungsmuster ) und
- ataktische Formen ( Ataxie = Koordinations- und
Gleichgewichtsstörung mit abgehackten Bewegungsabläufen ).
In ca. 1/3 der Fälle treten Mischformen auf, sodass man
sich an der klinisch führenden Komponente orientiert. Zahlenmäßig im
Vordergrund stehen die spastischen Lähmungen. Diese Gruppierung ist
glücklicherweise diejenige, welche am meisten von orthopädischen Maßnahmen
profitieren kann.
Eine weitere geläufige Einteilung beschreibt die
Verteilung der Lähmung bezogen auf den Körper. Hier hat sich die Einteilung in
Hemiparese ( Halbseitenlähmung ),
Diparese ( Befallsmuster mit stärkerer Beteiligung der
Beine ) und
Tetraparese ( Beteiligung der Beine, der Arme, des Rumpfes
und des Kopfes ) durchgesetzt.
Wie äußert sich die Infantile Cerebralparese?
Bei der ICP ist durch den Verlust von Nervenzellen des
Gehirns auch dessen Funktion gestört. Die Symptomatik ist vom Ort und von der
Ausprägung der Schädigung abhängig. Sie kann von einer leichten
Ungeschicklichkeit bis zur schwersten spastischen Tetraparese reichen, welche
alle Körperfunktionen beeinträchtigt.
Von wesentlicher Bedeutung für die Behandlung ist die
Frühdiagnose. Schwer geschädigte Kinder können bereits zum Zeitpunkt der Geburt
auffallen. Bei geringgradigen Schädigungen werden die Mütter häufig durch
Gedeih- und Funktionsstörungen oder Bewegungsarmut aufmerksam. Kennzeichnend
sind &ühzeitige abnorme Haltungen und Bewegungen, die eine abnorme
Steifheit des Säuglings, Schlaffheit und mangelnde Kopfkontrolle, häufige
Überstreckung ( "Kissenbohren"), Ablehnung der Bauchlage, steife
Beugehaltung der Arme mit ständig gefausteten Händen, oft eingeschlagenem
Daumen, steife Streckung und Überkreuzungstendenz der Beine, seltene
Strampelbewegung und erschwerte Abspreizung beim Windeln, Seitendifferenzen in
Haltungen und Bewegungen sowie abnorme, ausfahrende, zappelige Bewegungen.
Weiterhin charakteristisch sind Hemmungen und Stockungen im Bewegungsablauf,
die eine natürliche Leichtigkeit vermissen lassen. Es fehlt ein harmonischer,
fiüssiger, eleganter Bewegungsablauf. Die Meilensteine der motorischen Entwicklung
wie Greifen, Sitzen, Stehen und &eies Laufen werden verzögert durchlaufen
oder gar nicht erreicht. Auch die Sprachentwicklung ist verzögert und es kommt
zu Störungen des Antriebes der Nahrungsaufnahme und der Lautäußerung, so ßndet
sich oft ein ruhiges, apathisches Verhalten oder eine starke Unruhe oder
Schreckhaftigkeit, ein schrilles Schreien oder monotones Wimmern. Zudem stellen
sich Schwierigkeiten beim Trinken, bzw. bei der Löffelfütterung, mangelndes
Interesse am Spielzeug bzw. der Umgebung sowie mangelnde Kontaktaufnahme ein.
Die Schwankungsbreite der kindlichen Entwicklung ist groß. Geringe Ausprägungen
der ICP können daher oft erst nach dem 1.-2. Lebensjahr richtig erkannt werden
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