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- Hightech-Blick ins Nervengewebe
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Hightech-Blick
ins Nervengewebe
Göttinger
Forscher entwickeln neuartige Laser-Mikroskop-Technologie
10.08.2004
- Der Göttinger Neurowissenschaftler Prof. Bernhard
Keller und sein Team wollen die Entwicklung von Medikamenten
gegen Nervenerkrankungen beschleunigen. Um Wirkstoffe etwa
gegen die Parkinson-Erkrankung oder die gefürchtete
amyotrophe Lateralsklerose (ALS) effizienter testen zu können,
entwickeln sie eine neuartige Laser-Mikroskop-Technologie.
Sie soll es ermöglichen, Gewebeproben exakt und unter
möglichst lebensnahen Bedingungen zu analysieren. Das
BioProfil "Funktionelle Genomanalyse" hat das
Projekt zur Förderung durch das Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) empfohlen. Die Fördersumme
beträgt 800 000 Euro.
Das
Projekt soll mehrere hochmoderne Technologien zu einem leistungsfähigen
Gesamtsystem verknüpfen. Damit wollen die Forscher
gewissermaßen "live" verfolgen, wie im Nervengewebe
Signale übertragen werden und wie Wirkstoffe diese
Signalwege beeinflussen. "Entscheidend dafür ist
eine am Physiologischen Institut in Göttingen entwickelte
Methode, Gewebeschnitte so anzufertigen, dass darin enthaltene
Nervenzell-Netzwerke funktionsfähig bleiben",
erklärt Prof. Keller. Weitere Bestandteile des Analysesystems
sind Methoden zur Fluoreszenzmarkierung von Molekülen
sowie hoch auflösende Techniken der Lasermikroskopie.
Kooperationspartner sind das neue DFG-Forschungszentrum
"Center of Molecular Physiology of the Brain"
und die amerikanische Cornell-Universität.
Fast
wie im lebenden Körper
"Mit
neueren Verfahren der Fluoreszenzmarkierung kann man markierte
Moleküle in Zellen einschleusen - beispielsweise in
die Nervenzellen von Mäusen", erklärt Prof.
Keller. "Und mit unserer Gewebeschnitt-Methode präparieren
wir diese Zellen dann so, dass sie zu einem großen
Teil noch miteinander kommunizieren können, fast wie
im lebenden Körper." Die Wissenschaftler bezeichnen
den Zustand dieser Zellverbund-Präparate als "in-vivo-nah".
Um ihr erprobtes Verfahren für möglichst viele
Anwendungsfelder verfügbar zu machen, will Kellers
Arbeitsgruppe ein robotergesteuertes Laborsystem etablieren,
das serienmäßig in-vivo-nahe Gewebeschnitte mit
gleichen Herstellungs-Parametern anfertigt. Als nächste
Komponente der mehrstufigen Technologie folgt dann ein Multiphoton-Lasermikroskop,
das Kellers multidisziplinäres Team für den Blick
ins Nervengewebe optimieren will. Multiphotonen-Lasergeräte
unterscheiden sich von gewöhnlichen Mikroskopen durch
ihr Auflösungsvermögen und die hohe Eindringtiefe
der Lichtwellen in das Gewebe, ergeben also ein genaueres
und plastischeres Bild mit herausragender wissenschaftlicher
Aussagekraft. Die Kombination von automatisiertem Analysesystem
und Multiphotonen-Gerät wird es Wissenschaftlern in
Hochschulen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen ermöglichen,
mit bisher nicht erreichbarer Geschwindigkeit und Auflösung
molekulare Signalwege in Nervenzellen zu analysieren. "Um
diese Innovationen möglichst bald für die Medikamententwicklung
nutzbar zu machen, kooperieren wir bereits intensiv mit
interessierten Biotech-Unternehmen", erklärt Keller.
BioRegioN
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