Schluss mit dem peinlichen Verhalten im Urlaub / travelchannel.de hat den Urlaubs-Knigge für stilbewusste Urlauber und solche, die es werden wollen
25.08.2004 - Gemeinhin kursiert das Bild der Deutschen als ordentlich und sauber, pünktlich und nett. Doch gilt das auch im Urlaub? Eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des Online-Reisebüros travelchannel.de hatte vor kurzem ergeben, dass sich über die Hälfte der Deutschen im Urlaub schon einmal für ihre Landsleute geschämt hat.
"Das brachte uns auf die Idee, einen ausführlichen Urlaubs-Knigge zu erstellen," so Nathalie Thiede, Marketingleiterin bei travelchannel.de, "denn wenn man sich im Urlaub falsch verhält, so liegt es oft daran, dass man mit den Gepflogenheiten des Gastlandes nicht vertraut ist. So stolpert der ahnungslose Tourist von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen, ohne es überhaupt zu merken." Das Online-Reisebüro travelchannel.de fordert daher: Schluss mit dem schlechten Benehmen im Ausland! Ab jetzt kann jeder im Urlaubs-Knigge nachschlagen, wie man sich in den beliebtesten
Urlaubsregionen in Südeuropa, Asien, USA und Südamerika richtig benimmt. Wer weiß schon, dass man in Brasilien bei Tisch keine Zahnstocher benutzt und dass es in Japan eine Beleidigung ist, das Wechselgeld nachzuzählen. In Südafrika dagegen darf man seinen eigenen Wein ins Restaurant mitbringen. In China wird beim Essen munter geschmatzt und gerülpst - ein Fauxpas begeht jedoch der, der sich bei Tisch die Nase schnäuzt. Aber die Unterschiede in Sitten und Bräuchen fangen bereits an Deutschlands Grenzen an. Daher ist es besonders wichtig, sie zu kennen. Bei unseren Nachbarn ist es üblich, Rechnungen im Restaurant gemeinsam zu bezahlen. Bitten um Einzelrechnungen stoßen von Frankreich bis Griechenland nur auf Unverständnis. Bei privaten
Einladungen in Frankreich übergibt man die Blumen zum Beispiel noch im Papier eingewickelt - in Deutschland undenkbar. Die Pünktlichkeit - eine für uns Deutsche so wichtige Eigenschaft - wird zum Beispiel in Spanien nicht unbedingt als Höflichkeit ausgelegt. Zu privaten
Einladungen erscheint man dort eher eine halbe Stunde später, will man einen guten Eindruck machen. Es erwartet natürlich niemand, dass ein Tourist direkt nach der Landung im Gastland zum Franzosen, Japaner oder Inder wird - aber mit ein bisschen Vorbereitung in Bezug auf die landestypischen Sitten, Freundlichkeit und Höflichkeit macht man sich überall Freunde.
Quelle: www.travelchannel.de
Mit Verhinderungspflege in den Urlaub
Personen mit anerkannter Schwerbehinderung, denen eine Pflegestufe zuerkannt wurde, haben die Möglichkeit die damit verbundenen finanziellen Leistungen auch für die Gestaltung eines Urlaubs einzusetzen. Nach § 39 des SGB XI besteht Anspruch auf „Verhinderungspflege“ wenn eine Pflegeperson wegen eigenen Urlaubs, Krankheit oder anderen Gründen nicht in der Lage ist, die Pflege einer Pflegeperson sicherzustellen - die Pflegekasse übernimmt sodann die Kosten für die Pflegevertretung. Voraussetzung für die Gewährung von Verhinderungspflege ist, dass die Pflegekasse für die Pflegeperson für die Dauer von 360 Kalendertagen Pflegegeld bewilligt hat. In dieser Vorpflege kann die Pflegetätigkeit von verschiedenen Personen ausgeführt worden sein. Die Pflege muss nicht ununterbrochen sein, eine Unterbrechungszeit von bis zu vier Wochen innerhalb des Jahres sind unschädlich.
Erfolgt die Verhinderungspflege durch einen Vertragspflegedienst dann werden bis zu 1.432 EURO dafür übernommen. Das trifft auch zu wenn die Verhinderungspflege durch eine selbstbeschaffte erwerbsmäßige Pflegehilfe, die nicht Vertragspartner der Pflegekasse sein muss, übernommen wird.
Wird die Verhinderungspflege von Privatpersonen übernommen dann wird das Pflegegeld anteilig von der Pflegekasse gezahlt. Zusätzlich kann auf Nachweis der Verdienstausfall der Pflegeperson sowie weitere Ausgaben (z.B. Fahrkosten) bis zu einem Gesamtzahlbetrag von 1.432 EURO erstattet werden.
Erfolgt die Pflege als Sachleistung und stellt der Pflegebedürftige die restliche Pflege durch unentgeltlich tätige Personen (Angehörige) sicher, so kommt auch hier bei Ausfall der ehrenamtlich tätigen Pflegeperson Verhinderungspflege zusätzlich zur Pflegesachleistung in Frage, d.h. der Betrag von maximal 1.432 EURO für die Verhinderungspflege wäre neben der Fortzahlung der Pflegesachleistung der jeweiligen Pflegestufe zu zahlen.
Die Verhinderungspflege ist grundsätzlich an die Verhinderung der Pflegeperson gebunden. Allerdings kann der Urlaub der Pflegeperson auch zu Hause erfolgen während der Pflegebedürftige eine Urlaubsreise durchführt (Sozialgericht Lübeck vom 02.07. 1996 Az: S 1 P 19/95). Ebenso kann die Pflegeperson gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen in Urlaub fahren und dort die Pflege einer anderen Person überlassen.
W. Schuren
Reisebericht: Vietnam vom 02.01. bis 18.01.2002 |
3.1.2002:
Das
Gefühl ist einfach ziemlich klasse: Wir sind in Vietnam,
in Saigon (oder, wie es nach der Befreiung durch den Norden
heißt, Ho Chi Minh Stadt!). Allein die Reiseroute
klingt fantastisch: Frankfurt-Paris-Bangkok-Saigon!
Wir,
das sind zwei Reisebegleiter von Weitsprung, und drei Reisende
mit unterschiedlichen Behinderungen.
Nach
einem sehr langen Flug, einer ziemlich spannenden Fahrt
vom Flughafen zum Hotel und eigentlich recht wenig Aufregung
während des Fluges haben wir unseren ersten Ausflug
an den Saigon-Fluss unternommen.
Es
ist bereits gegen 20.00 Uhr Ortszeit, das heißt sechs
Stunden weiter als in Deutschland, und das Gewusel in der
Stadt ist unbeschreiblich. Zunächst brauchen wir etwa
eine Dreiviertelstunde um aus dem Hotel herauszukommen.
Sofort lernen wir Hotelpersonal kennen. Superfreundlich
die Menschen. Dann unser erster Kontakt mit den Straßenhändlern,
die alles Mögliche anzubieten haben, direkt nach fünf
Metern aus dem Hotel.
Eine
exotische Frucht wird uns angeboten. Man kann sie schälen,
und Magda erinnert an die Weisheit zu einer gesunden Ernährung
hier in Vietnam:
-
peel it
-
cook it
-
or forget it
was
soviel bedeutet wie:
-
schäle es
-
koche es
-
oder vergesse es
Die
Frucht ist so groß wie ein Apfel, man kann sie schälen
(das ist gut so!!), und es kommt sehr saftiges, weißes
Fruchtfleisch zum Vorschein. Die Frucht ist lecker, doch
die anschließende Diskussion um die Bezahlung überfordert
uns noch ein wenig, denn wir haben zwar Geld an der Rezeption
umgewechselt, aber wir haben noch nicht die rechte Ahnung,
was das Geld Wert ist.
4.1.2001:
Frühstück
im Hotel und dann geht es ab in die City.
Zunächst
gehen wir zur City-Hall, die ist in unmittelbarer Nähe
unseres Hotels. Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem Vietnamesen,
der uns anspricht. Er bietet seine Dienste als Tourguide
an. Wie sind etwas vorsichtig, wollen erst mal die Preise
für diese Dienstleistung checken und verabreden uns
an gleicher Stelle für Nachmittags mit dem Mann. Hoa
ist sein Name, und es sei bereits hier vorweggenommen, er
wird unser Guide für mehrere spannende Ausflüge
werden. Dann geht es weiter zur katholischen Kirche Notre
Dame. Weiter geht es Richtung Parlamentsgebäude, der
Reunification-Hall. Ein kleines Café lädt zu
einer Pause ein. Das Café hat leider keine Toiletten,
deshalb gehen wir in ein anderes, nahegelegenes Restaurant.
Das
Personal ist superfreundlich und stolz, uns eine beachtliche
Sammlung an Echsen zu zeigen.
Alle
leben so mehr oder weniger. Alle sind zum Verzehr bestimmt!!!!!
Wir
gehen weiter, genießen in vollen Zügen das Schlendern
in der vietnamesischen Metropole mit etwa fünf Millionen
Einwohnern.
Nach
der Stärkung geht es zum Parlamentsgebäude. Davor
ist ein großer, schattiger Platz, auf dem unzählige
Menschen ihre Mittagspause zu genießen scheinen.
Auf
dem Gelände der Reunification-Hall ist ein schöner
Garten mit allerlei exotischen Pflanzen, den schauen wir
uns natürlich besonders genau an.
Dann
geht es in das ehrwürdige Gebäude. Die Architektur
ist zweckmäßig und nicht außergewöhnlich
schön.
Spannend
ist bei unserem Rundgang das Dach, welches als Hubschrauberlandeplatz
dient und einen tollen Rundblick auf die Umgegend gestattet.
Nicht zu vergessen ein Raum, der zur Entspannung dient,
und in dem mehrere typisch vietnamesische Instrumente stehen
und vorgeführt werden.
Auch
wir dürfen mal musizieren, und ein Gefühl für
den Klang der Instrumente entwickeln.
Danach
machen wir noch einen Rundgang durch den schönen Blumengarten
und schauen uns zwei Panzer an, die in diesem Garten stehen.
Es sind die Panzer der Partisanen (der sogenannten Vietcong),
die während des Vietnamkrieges das Tor des Parlamentsgebäudes
durchbrachen und damit eindrucksvoll demonstrierten, dass
sie bereits einen großen Teil der heiß umkämpften
Region kontrollierten.
Wir
gehen wieder Richtung Hotel, und lassen uns in einem Café
nieder. Hier sitzt auf einem Baum ein angeketteter Affe
und in einem Käfig liegen Hunde, und ein Adler schaut
traurig aus seinen Gitterstäben
Sind
die Hunde für den Verzehr gedacht? Na ja, wir werden
hier nicht weiter nachforschen, auf jeden Fall geht man
hier etwas anders mit Tieren um als bei uns. Das ist sehr
gewöhnungsbedürftig!
Straßenhändlerinnen
und Straßenhändler versuchen uns ihre Ware zu
verkaufen. Teilweise fühlen wir uns etwas unwohl, denn
die Armut der auf der Straße lebenden Menschen hat
hier ein für uns sehr unbekanntes Ausmaß.
Um
einen Überblick über die aktuellen Preise für
Tagesausflüge mit Tourguide zu bekommen, schauen wir
bei Saigon-Tourist vorbei. Mit den Informationen gehen wir
zu Hoa, dem Mann, der uns vormittags angesprochen hat, und
uns seine Dienste als Tourguide anbot. Er steht tatsächlich
am vereinbarten Ort, und wir treten in Verhandlungen ein.
Für
den nächsten Tag vereinbaren wir einen Ausflug zum
Tempel von Tai Ninh und den Höhlen von Cu Chi. Der
Preis ist sehr fair, wir werden morgen früh gegen 8.30
Uhr starten und in einem klimatisierten Minibus fahren.
Den
schönen Januarabend bei lauen Temperaturen
genießen wir auf der Dachterrasse des legendären
Rex Hotels. Hier wurden während des Vietnamkrieges
die Pressekonferenzen der Amerikaner abgehalten.
Die
Aussicht ist sehr schön. Der von unten aufsteigende
Lärm ist nichts wirklich neues mehr. Daran haben wir
uns gewöhnt, es gehört einfach zu Saigons Straßenverkehr,
dass man mit der Hupe kommuniziert.
Nach
einem guten Abendessen und einigen Cocktails J gehen wir
zurück ins Hotel und versuchen im Chatroom von Weitsprung
interessierte Gesprächspartner zu erreichen. Wir haben
uns für 15.00 Uhr MEZ angekündigt, das heißt
21.00 Uhr nach Saigoner Zeit. Leider schaffen wir es aufgrund
technischer Probleme nicht, den Chatroom zu betreten. Schade!!
5.1.2002:
Wir
beginnen den Tag mit einem tollen Frühstück im
Hotel und werden um 8.45 Uhr von Hoa erwartet.
Die
erste Station wird uns zur Tempelanlage von Tay Ninh führen.
Hier steht ein großer, buddistischer Tempel, der sehr
bunt und reichhaltig geschmückt ist.
Die
Fahrt nach Tay Ninh ist erst einmal eine Art Feuertaufe
hinsichtlich der hiesigen Fahrgewohnheiten. Hauptunfallursache
in Vietnam sind Frontalzusammenstöße mit überhöhter
Geschwindigkeit. Nun wissen wir, wie das aus einem fahrenden
Auto aussieht...
Die
Fahrt ist aber auch landschaftlich sehr interessant. Es
dauert sehr lange, bis wir das Gefühl haben an den
Stadtrand zu gelangen. Die Straße ist gesäumt
von Geschäften und Händlern. Als wir die ersten
Reisefelder und Wasserbüffel sehen wird es ländlich.
Nach
einer etwa zweistündigen Fahrt erreichen wir Tay Ninh.
Wir kommen rechtzeitig zu einer Prozession, an der wir teilnehmen
können. Es gibt eine Terrasse im Innnern des Tempels,
von der wir das Geschehen unter uns beobachten und andächtig
lauschen.
Im
Anschluss an die Prozession besichtigen wir den schönen
Tempelgarten. Hier sind schöne Blumenbeete angelegt
und überall stehen kleine Gebetstürme.
Bereits
nach kurzer Zeit werden wir begrüßt von drei
kleinen Mädchen, die uns ganz interessiert mustern
und versuchen mit uns zu sprechen.
Nach
dem Aufenthalt in Tay Ninh geht es, durch Gummibaum-Wälder
hindurch, weiter nach Cu Chi. Dieser Ort war während
des Vietnamkrieges sehr bedeutend für den vietnamesischen
Widerstand gegen die Amerikaner. In drei Etagen wurde ein
Höhlensystem errichtet, welches in 20m Tiefe eine Gesamtlänge
von über 200km erreicht, und von der Infrastruktur
eine komplette Stadt ist. Es gab Schulen, Komandozentralen,
Hospitäler und natürlich Wohnräume. Die Höhlen
sind mittlerweile für Touristen zugänglich, und
man bekommt einen guten Eindruck, unter welchen Umständen
die Menschen hier jahrelang lebten.
Am
Ende unserer Besichtigung eines Teils der Anlagen, es führte
uns übrigens ein Soldat durch das Gelände, setzen
wir uns mit Hoa an einen Tisch und reden noch ein wenig
über unsere Eindrücke. Hoa hat uns etwas zu Essen
besorgt. Es sind weiße Früchte, die von der Form
und der Farbe her Bananen ähneln, und etwas nach Kartoffeln
schmecken. Diese Frucht, eine Wurzel wie wir erfahren, war
während des Vietnamkrieges gegen die Amerikaner Hauptnahrungsmittel,
da die Reisfelder in dieser an sich sehr fruchtbaren Gegend
zerstört wurden.
Am
Ausgang der Anlage erwartet uns noch ein kleiner Schock:
Wir werden vorbeigeführt an mehreren Käfigen,
in denen Tiere zur Schau gestellt werden. Leider sind die
Käfige sehr klein und die Ausstattung wirkt nicht sehr
artgerecht. Wieder ein Hinweis darauf, dass man mit Tieren
hier doch etwas anders umgeht, als wir es nachvollziehen
können.
Auf
der Rückfahrt nach Saigon wird es dunkel, und die von
unserem Fahrer gewählte Abkürzung führt uns
mitten durch einen belebten Straßenmarkt. Hätte
nie gedacht, dass man hier mit einem Auto durchkommt!
Zum
krönenden Abschluss dieses schönen Tages führt
uns Hoa in ein typisch vietnamesisches Lokal, und gibt weitere
Anregungen, was es an Leckereien zu entdecken gibt.
6.1.2002:
Es
ist Sonntag, wir beschließen zum katholischen Gottesdienst
in die Kirche Notre Dame zu gehen. Wir schauen uns die Kirche
im Anschluss noch an und sind entzückt über die
Weihnachtskrippe, die an einem Flügel aufgebaut ist.
Sie ist sehr groß, und mit unzähligen bunten
Lichtern geschmückt.
Vor
der Kirche erwarten uns mehrere Menschen, die uns um ein
Almosen bitten. Einigen von ihnen fehlen Gliedmaßen
oder sie wirken sehr gebrechlich. Der Gegensatz zwischen
Arm und Reich ist sehr krass, und wird uns immer wieder
begegnen und beschäftigen.
Neben
der Kirche Notre Dame, sie ist übrigens nicht zu vergleichen
mit ihrer Namensvetterin in Paris, steht ein weiteres gut
erhaltenes Gebäude aus französischer Kolonialzeit,
es ist das Postamt.
In
diesem Gebäude halten wir uns sehr lange auf, denn
es ist sehr schön und es gibt einen gut sortierten
Souvenirshop.
Vorbei
am Parlamentsgebäude, der Reunification Hall, gehen
wir zum Ben Tanh Markt. Unser Weg führt uns entlang
unzähliger spannender Geschäfte und toller Straßenszenen.
Immer wieder bleiben wir fasziniert stehen, wenn zum Beispiel
ein mit drei Wohnungstüren beladenes Fahrrad an uns
vorbeifährt.
Der
Ben Tanh Markt findet täglich in riesigen Markthallen
statt. Hier gibt es alles zu kaufen was das Herz begehrt:
Stoffe, Geschirr, Gebrauchsgüter, Essen und Trinken,
Kleidung und Schmuck.
Nach
über zwei Stunden Bummeln (und wir sind alle fündig
geworden!!!), begeben wir uns auf die Suche nach dem legendären
Sinh-Café. Wir überqueren eine Straße
vor dem Markt, die selbst uns, die wir den Saigoner Straßenverkehr
nun schon etwas gewöhnt sind, schwer beeindruckt. Der
zu überquerende Platz ist sicherlich so groß
wie ein Fußballfeld und voll von sich mehr oder weniger
schnell und laut bewegenden zwei- drei und vierrädrigen
Fahrzeugen.
Das
Sinh-Café ist Lokal und Buchungszentrale zugleich.
Hier findet man viele sogenannte Backpacker,
die mit ihren Rucksäcken das Land erkunden. Da wir
heute sehr viel gelaufen sind, beschließen wir, uns
zu unserem Hotel zurückfahren zu lassen.
Gilda
und Julia nehmen ein Taxi. Magda, Jürgen und Martin
mieten sich ein Cyclo. Das ist ein Fahrrad mit einem Sitzplatz
vorne. Das macht irre Spaß!!
Nach
einer kurzen Erfrischungspause im Hotel, treffen wir Hoa
in der Lounge des Hotels und besprechen unsere weiteren
Ausflugspläne mit ihm. Morgen soll es ins Mekong-Delta
gehen. Darauf freuen wir uns ganz besonders.
Vor
dem Abendessen trinken wir noch einen Cocktail auf der Dachterrasse
des Caravelle-Hotels, welches unweit unseres Hotels ist.
Direkt am Theater ist es gelegen, hat fünf Sterne und
bietet wieder einen fantastischen Blick auf die abendliche
Stadt.
7.1.2002:
Wir
werden von Hoa um 7.30 Uhr in unserem Hotel abgeholt. Wir
quälen uns durch das bereits lange erwachte Saigon
in Richtung Mekong-Delta. Die Provinzhauptstadt Can Tau
ist unser Ziel. Es sind etwa 200 km dorthin, das bedeutet
mindestens fünf Stunden reine Fahrzeit.
Wir
fahren zunächst durch Chinatown (Cholon) und werden
von Hoa aufgeklärt, dass die hier lebenden Menschen
ganz anders seien als die Vietnamesen. Die Chinesen
seien immer beschäftigt, erklärt er uns.
Also viel beschäftigter als die Vietnamesen. Das können
wir uns einfach nicht so recht vorstellen, wie das funktionieren
soll, und wir nehmen diese Information etwas amüsiert
zur Kenntnis. Vielleicht werden wir es besser verstehen,
wenn wir diesen Stadtteil später selbst erkunden.
Bei
Tan An machen wir unsere erste Pause in einem schönen
Lokal an der Straße. Direkt neben dem Lokal ist ein
frisch angelegtes Reisfeld, natürlich gehen wir auch
mal in das bewässerte Feld, und wollen erleben, wie
sich das anfühlt in dem wadentiefen Schlamm.
Unseren
Durst löschen wir, in Hängematten liegend, mit
frischen Kokosnüssen.
Wir
sind außerhalb des Einzugsgebietes von Saigon, und
die Landschaft wird immer traumhafter. Kleine Ortschaften
liegen inmitten grüner Reisfelder wie Oasen und überall
gibt es Palmen.
Das
Land ist hier sehr fruchtbar, an mehreren Stellen reicht
das Wasser bis an die Straße heran. In den Ortschaften
herrscht geschäftiges Treiben. Die Straßen sind
voll von Fahrrädern und Mopeds, an den Straßenrändern
wird gearbeitet, gehandelt, transportiert und Ware angeboten.
Über eine von Australiern gebaute Brücke überqueren
wir den ersten größeren Seitenarm des Mekong.
Er ist riesig und die Brücke entsprechend groß.
Sie erinnert ein wenig an die Golden Gate Bridge in San
Franzisko. Unsere nächste Station ist die Stadt My
Tho. Am Ufer des einfach beeindruckenden Mekong kehren wir
ein in ein Fischlokal und genießen das leckere Essen
direkt am Wasser, völlig fasziniert von dem geschäftigen
Treiben auf der riesigen Wasserfäche vor uns.
Das
Wasser ist rotbraun. Es schwimmen Pflanzen auf der Wasseroberfläche,
und die sichtbaren Ufer sind gesäumt von üppigem
Pflanzenwuchs. Palmen ragen weit über das Wasser, laut
knatternde Boote aller Größen tauchen von irgendwoher
auf, und fahren in jede erdenkliche Richtung.
Den
nächsten Mekongarm überqueren wir per Fähre.
Beim Warten auf das Schiff werden wir von Straßenhändlern
mit allerlei Leckerein versorgt. Wir können wählen
zwischen gekühlten Getränken, Zuckerrohrstückchen
auf Peddigrohrstäbchen frischen Ananas oder allerlei
Kuchenstückchen.
Am
anderen Ufer erwartet uns die Stadt Can Tho. Wir werden
hier über Nacht bleiben, checken in einem kleinen Stadthotel
ein und werden am späten Nachmittag von einem Fischer
namens Han begrüßt. Wir werden bei dessen Familie
auf einer Insel im Mekong zu Abend essen.
Am
Ufer erwartet uns sein Boot, und der Einstieg wird sicherlich
spannend, denn zwei aus unserer Gruppe sind blind und eine
Frau ist auf den Rollstuhl angewiesen. Das Boot ist etwa
12m lang und 80cm breit. In der Mitte ist ein Dach angebracht,
und der Fahrer steht hinten an einem laut dröhnenden
Motor. Der Einstieg erfolgt über einen recht wackeligen
Steg auf einen langen Ausleger vorne am Schiff. Das schafft
ganz schön viel Aufmerksamkeit...
Mit
Einbruch der Dämmerung haben wir Platz genommen in
Han´s Garten und werden von den Nachbarn neugierig
betrachtet und freundlich begrüßt. Die Kinder
der Nachbarschaft belagern uns und versuchen uns tausend
Dinge zu Fragen oder zu erzählen.
Das
Essen ist köstlich und die gesamte Atmosphäre
unbeschreiblich schön. Zwei Stunden später fahren
wir in der Dunkelheit zurück nach Can Tho und bummeln
in der Dunkelheit entlang des Mekong. Überall sitzen
Menschen am Ufer und genießen die Abendstimmung. Auf
dem Fluss fahren bunt geschmückte Ausflugsboote von
denen Musik ans Ufer dringt.
Wir
setzen uns noch ein wenig in einen kleinen Park, schlendern
dann Richtung Hotel und bleiben immer wieder an kleinen
Sraßenständen stehen. Das Obst und die Gewürze
in den Auslagen sind einfach faszinierend.
8.1.2002:
Der
heutige Tag beginnt bereits um 6.00 Uhr. Wir frühstücken
in einem Staßencafé und werden dann wieder
von Han abgeholt.
Er
wird uns heute zu den schwimmenden Märkten fahren.
Die schwimmenden Märkte muss man sich wie einen normalen
Wochenmarkt vorstellen. Es herrscht ein dichtes Gedränge
von Händlern, Produzenten und Käufern sowie ein
tolles Angebot an Obst und Gemüse. Alles wie auf einem
normalen Wochenmarkt, eben nur auf dem Wasser. Han fährt
uns an ein Boot, an dem eine Ananas an einem langen Bambusstab
hängt. Das heiß, das es hier Ananas zu kaufen
gibt. Sie wird uns gleich kunstfertig zubereitet, und während
wir warten, legen andere Kunden an und decken sich mit herrlich
frischen Früchten ein. Ein junger Mann in einem kleinen
Boot hält kurz neben uns an und bietet uns gekühlte
Getränke zum Kauf an.
Die
Bootstour führt uns weiter in immer kleiner werdende
Seitenarme des Mekong. Stellenweise braucht man nur die
Hand zu heben um die Palmwedel zu berühren. Unweigerlich
kommt uns der Vietnamkrieg in Erinnerung. Das Mekong-Delta
war immer wieder Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen
zwischen Amerikanern und vietnamesischen Widerstandskämpfern.
Dieses verzweigte Flussdelta bot nach kurzen Attacken immer
wieder eine geeignete Rückzugsmöglichkeit für
die ortskundigen Widerstandskämpfer.
Unsere
nächste Station ist eine Blumen- und Obstinsel, inmitten
dieses subtropischen Paradieses.
Nach unserem Besuch zählen wir 20 Früchte, die
wir probiert haben.
Unsere
Fahrt führt uns am späten Nachmittag zurück
in unser Hotel in Saigon. Wir genießen die schöne
Landschaft und halten kurz vor Saigon noch mal um uns mit
einer frischen gekühlten Kokosnussmilch zu stärken.
9.1.2002:
Am
heutigen Tag trennen wir uns zunächst. Zwei Reisende
haben Lust mal so richtig shoppen zu gehen. Dazu lädt
eine Straße nahe dem Hotel ein.
Die
anderen haben mehr Lust auf Kultur, und fahren ins Museum
of Arts.
Am
Mittag treffen wir uns auf dem Hoteldach und machen es uns
in luftiger Höhe gemütlich mit allerlei Obst.
Nach
dieser Pause beschließen wir zum Saigon-River zu gehen.
Von dort aus fahren wir im Cyclo zum botanischen Garten.
Hier sehen wir zwar tausende von Blumen und Bäumen,
sind nach der phantastischen Pflanzenwelt im Mekong-Delta
jedoch nicht mehr so richtig zu begeistern. Das hatten wir
alles frei und wild wachsend gesehen!
Mitten
im Berufsverkehr fahren wir im Cyclo zurück zum Hotel.
Es ist wieder sehr abenteuerlich und spaßig.
Abends
sind wir zum vegetarischen Essen von unserem Tourguide Hoa
eingeladen. Er führt uns in ein Lokal in der Nähe
des Saigon-Rivers. Es ist ein sehr einfaches und traditionelles
Lokal und wie üblich ist es sehr laut. Der Eingang
ist weit geöffnet und die vorbeifahrenden Autos veranstalten
einen unbeschreiblichen Lärm. Das Essen ist streng
vegetarisch und das Besondere ist die Art der Zubereitung.
Die Speisen sehen aus wie zubereitete Hähnchenschenkel,
kleine Fische oder sonstige nichtvegetarischen Gerichte.
Wie wir mehrfach zugesichert bekommen ist jedoch alles rein
pflanzlich. Es schmeckt gut, allerdings ist es schwer sich
an den Lärm zu gewöhnen, und deshalb sind wir
doch ganz froh als wir wieder in unserem ruhigen und komfortablen
Hotelzimmer sind.
10.1.2002:
Heute
werden wir einen Ausflug zu den heißen Quellen von
Binh Chau unternehmen. Die Fahrt dorthin führt uns
wieder durch wunderschöne Landschaften. Der Zustand
der Straße lässt allerdings etwas zu wünschen
übrig. Man ist bemüht längere Streckenabschnitte
vor Einsetzen der Regenzeit zu erneuern. Das bedeutet, dass
wir mehrere Baustellen durchfahren mit Schlaglöchern,
die für viel Bewegung sorgen.
An
den heißen Quellen angekommen machen wir zunächst
einen Rundgang durch das Gelände. Es ist ein schön
angelegter Garten mit mehreren Pavillons. An einer Stelle
hängen wir einen Korb mit frischen Eiern in eine dampfende
Quelle. Das Wasser ist über 80°C heiß und
die Eier werden in etwa 20 Minuten gekocht sein. Wir mieten
uns eine große Wanne, die ein Mitarbeiter uns mit
frischem heißem Quellwasser füllt.
Die
Wanne ist eingelassen in den Boden eines Pavillons, den
wir ganz für uns alleine haben. Hoa versorgt uns mit
frischem Obst, und erzählt uns die Geschichte wie die
heißen Quellen entstanden sein sollen.
Der
Sage nach hat sich ein frisch vermähltes Paar hier
niedergelassen. Der Mann ging eines Morgens in den Wald
zur Jagd, und bat seine Frau, am Abend heißes Wasser
bereitzuhalten, um die Beute zuzubereiten. Der Mann kam
allerdings nicht nach Hause, und so schüttete die Frau
das Wasser vorm Schlafengehen weg, kochte jeden Tag neues
Wasser und schüttete es wieder weg. So wartete die
Frau leider vergebens auf die Rückkehr ihres Ehemannes,
der nie wieder aus dem Wald zurückkehrte.
Nach
dem sehr entspannenden Bad setzen wir unsere Fahrt fort
in Richtung Meer. Wir fahren nach Long Hai. Dort ist am
Strand ein romantischer Platz für uns hergerichtet.
Wir essen frische Meeresfrüchte unter eigens für
uns gespannten schattenspendenden Zeltplanen. Das Meer ist
etwa 5 Meter vor uns gelegen und es gibt Liegestühle,
in denen wir es uns gemütlich machen. Die zentrale
Frage, die uns nun beschäftigt ist: Sollen wir zuerst
ins Meer gehen oder erst etwas von dem köstlichen Essen
probieren? Hoa nimmt uns die Entscheidung ab. Er schlägt
uns vor zuerst etwas zu essen, dann etwas ins wasser zu
gehen, dann vielleicht etwas zu trinken und später
das gleiche von vorne. Guter Vorschlag!!
In
unmittelbarer Nähe unserer Idylle versammeln sich immer
mehr Menschen, die uns interessiert beim Essen zusehen und
uns auch eigene Meeresfrüchte anbieten.
Am
Abend im Hotel sind wir uns bei einem Cocktail darüber
einig wieder einen sehr schönen Tag erlebt zu haben.
11.1.2002:
Unser
heutiger Ausflug wird uns nach Chinatown in Saigon führen.
Dieser Stadtteil ist sehr groß. Hoa bemerkt sofort,
das die Chinesen ganz anders seien als die Vietnamesen.
Die Chinesen seien immer sehr beschäftigt,
erklärt er uns. Wir können uns das kaum vorstellen,
gerade hierbei kann es doch gar keine Steigerung des
bislang erlebten geben, denken wir uns. Nun, wir werden
eines besseren belehrt.
Das
erste Ziel, welches wir ansteuern, sind die Markthallen
in Chinatown. Wie auf dem Ben Than Market gibt es einfach
alles zu Kaufen. Die Gänge zwischen den Verkaufsständen
sind etwas schmaler und alles ist wesentlich weniger touristisch
als auf dem Ben Than Market. Es gefällt uns gut hier.
Es gibt einen Innenhof, in dem ein Denkmal an den Gründer
dieses Marktes steht. Er war Chinese, der als Sohn eines
sehr armen Mannes zur Welt kam. Als jugendlicher fand er
einen goldenen Ring im Müll der Stadt und gründete
darauf sein Millionenvermögen.
Im
Anschluss bummeln wir ein wenig durch die Straßen.
Na ja, das was man als bummeln bezeichnen kann. Nun wissen
wir, was Hoa meinte, als er sagte, dass die Chinesen immer
beschäftigt seien. Wir gehen und stehen eigentlich
überall im Weg herum. Nicht das es uns wirklich störte,
denn wir haben gelernt unser eigenes Tempo in unsere Ausflüge
zu bringen. Es ist nur witzig zu erleben, das es plötzlich
von allen Seiten hupt, klingelt ruft oder sonst wie tönt
und lärmt. Manchmal stehen wir eben im Weg, das wird
bemerkt- halt meist etwas später als in der Innenstadt,
und dann werden wir umgangen oder umfahren. Das schult den
Sinn für eine gewisse Lässigkeit im
Umgang mit diesen Erlebnissen. Auf jeden Fall sind wir mitten
drin im pulsierenden Leben. Dieses Pulsieren wird begreifbar
mit allen Sinnen.
Ein
Ort der absoluten Entspannung wird der vietnamesische Tempel
in den wir später gehen. Hier erklärt uns Hoa
einiges zu seiner Religion. Dabei strahlt er über das
gesamte Gesicht. Ein Mönch begrüßt uns,
und findet besonderen Gefallen an dem Gespräch mit
Jürgen, einem Reisenden aus unserer Gruppe. Mit viel
Freude erklärt er verschiedene Gegenstände, die
in dem Tempel stehen. Dann läutet eine Glocke, und
der Mönch verschwindet um zu Mittag zu essen. Wir sehen
ihn an einem langen Tisch sitzen, in seinem orangefarbenen
Gewand, mit fünf anderen Mönchen. Als wir an dem
Tisch vorbeikommen, ist das Mahl gerade beendet, das Schlussgebet
gesprochen und der Mönch schenkt Jürgen seinen
Nachtisch, eine Orange.
Wir
gehen weiter zur tempelinternen Schule, und danach geht
es zur Gruft. Es handelt sich hier um einen großen
Raum, in dem rundum Regale raumhoch angebracht sind. Glasscheiben
schützen die in den Fächern stehenden Urnen.
Als
wir herauskommen aus diesem Raum, werden wir von dem uns
nun schon bestens bekannten Mönch zum Essen eingeladen.
Das ist natürlich eine große Ehre für uns,
und wir nehmen dankend an. Es ist ein sehr einfaches Mahl,
natürlich vegetarisch und wir essen mit Stäbchen.
Das haben wir mittlerweile gelernt.
Völlig
entspannt und beeindruckt verlassen wir den Tempel, um einen
chinesischen Tempel zu besuchen.
Dieser
wirkt wesentlich offener und Hoa erklärt uns weitere
Unterschiede zwischen den vietnamesischen und chinesischen
Tempeln. Insbesondere die Duftspiralen, die an der Decke
hängen, fallen uns sofort auf. Je nach Größe
brenne diese einen Tag, eine Woche oder sogar einen Monat.
Gegen eine kleine Spende wird uns eine Duftspirale angezündet,
die eine Woche brennen wird. Das ist dann genau der Tag,
an dem unsere Traumreise leider zu Ende sein wird. Aber
bis dahin haben wir immer einen Punkt, und ein Ereignis,
welches uns die kommenden Tage begleiten wird. Ein schöner
Gedanke!
An
die Duftspirale wird ein roter Zettel geheftet, auf dem
unsere Namen stehen und ein Wunsch oder eine Bitte.
Wir
decken uns im Tempelshop mit Räucherwaren und Kerzen
ein und lassen uns dann am Nachmittag in unser Hotel fahren.
In
der Hotelhalle nehmen wir Abschied von unserem vietnamesischen
Begleiter Hoa, der sich schon irgendwie zur Gruppe gehörend
fühlt. Er möchte ganz genau wissen, wie unsere
weiteren Pläne aussehen. Wir haben für die letzten
vier Tage Entspannung ohne viel Programm geplant, und wehren
somit all seine Offerten ab, uns in unserem neuen Domizil
zu besuchen. Es war sehr schön verschiedene Ausflüge
mit seiner Hilfe durchzuführen, und nun ist es eben
Zeit sich zu verabschieden. Wir werden seine Hilfe das nächste
Mal sicherlich wieder gerne in Anspruch nehmen.
Am
Abend gehen wir noch mal so richtig schön essen, packen
unsere Koffer und freuen uns auf Morgen. Ein Fahrer wird
uns nach Mui Ne, in die Nähe der Stadt Phan Thiet bringen.
12.1.2002:
Der
erwartete Fahrer ist pünktlich. In einem Minibus verlassen
wir die aufregende Stadt Saigon. Die Fahrt wird etwa vier
Stunden dauern. Zweieinhalb Stunden brauchen wir allein
um aus Saigon herauszukommen.
Das
Einzugsgebiet von Phan Thiet ist sehr ländlich. Am
Horizont sieht man Bergketten. Phan Thiet hat einen recht
großen Fischereihafen.
Mui
Ne ist ein sehr ruhiger Fischerort. Zwischen Mui Ne und
Phan Thiet ist unsere Traumanlage: Ein so genanntes Ressort,
ein traumhafter, paradiesischer Ort der Idylle und Ruhe
mit einer phantastischen Architektur und einer wunderschönen
Gartenanlage.
Die
Zimmer sind einfach toll, alle haben Blick auf das südchinesische
Meer. Man hört entweder das Meeresrauschen oder das
rascheln der Palmblätter, die überall auf dem
Gelände für Schatten sorgen. An den Palmen hängen
Kokosnüsse. Vor dem Haupthaus gibt es einen Swimming-pool
mit einer Poolbar. Liegestühle stehen unter Schatten
spendenden Palmdächern.
Doch
als allererstes werden wir einmal unsere Zimmer so schnell
wie möglich beziehen um dann an den Strand zu kommen.
Leider
fehlt auf dem feinen Sand ein Weg um sich mit dem Rollstuhl
eigenständig bewegen zu können. Das sollte man
hier noch mal bedenken. Ansonsten lässt das, was uns
erwartet keine Wünsche offen: Wellen, feiner Sand,
Wasser warm und alles sehr sauber.
Nach
einem ausgiebigen Bad im Meer gehen wir zurück, um
bald etwas zu essen.
Wir
entscheiden uns heute für die Hotelküche, denn
es ist dunkel geworden, und wir wollen einfach nicht mehr
so weit gehen.
Das
Restaurant ist ganz nett: Die Dekoration ist ein Sammelsurium
verschiedener Einrichtungsstile und es läuft Musik
von den Beatles.
Das
Essen ist ganz in Ordnung, aber etwas anders, als wir es
seit mehr als 12 Tagen gewohnt sind.
Die
Nacht ist so wunderschön, es wird nicht kalt (das kennen
wir ja bereits) und es ist einfach nur ruhig (das ist neu).
Wir
freuen uns sehr auf das, was uns noch erwartet.
13.1.2002:
Wir
frühstücken unter Palmen. Das Buffet steht auf
einer Veranda, und ist wieder hervorragend.
Wir
werden einen kleinen Spaziergang unternehmen, um die nähere
Umgebung kennen zu lernen. Am Nachmittag wollen wir an den
Strand.
Wir
gehen an einer kleinen Straße entlang, und kommen
immer wieder mit netten Menschen in Kontakt. Palmen und
Bananen säumen den Weg. Wir machen Pause in einem netten
Café, und lernen einen jungen Vietnamesen kennen.
Er bringt uns auf die Idee Mopeds auszuleihen. Kurze Besprechung
und dann ist klar: Wir entscheiden uns für einen Probetag
mit Freiheit und Abenteuer auf zwei Mopeds.
Wir nehmen die Mopeds mit und gehen dann erstmal an den
Strand.
Am
Abend probieren wir das Essen in einem kleinen Lokal in
der Nähe des Ressorts aus. Die Küche ist wesentlich
traditioneller und wir fühlen uns sehr wohl. Nach dem
Essen gehen wir an den Pool und bestellen uns leckere Cocktails
in dieser herrlichen tropischen Nacht. Gegen Mitternacht
ruft uns das Meer noch einmal zu sich. Wir kommen! Wieder
ein Gefühl zwischen Traum und Wirklichkeit.
14.1.2002:
Auch
heute nehmen wir uns viel Zeit für das Frühstück
in dieser wunderschönen Atmosphäre. Wir bereiten
uns mental auf unseren Ausflug mit den Mopeds
vor. Ziel sollen die Cham-Türme sein. Der Weg dorthin
ist nicht weit, aber wir werden erst versuchen müssen,
was in unserer Konstellation nicht weit ist.
Da wir zu fünft unterwegs sind und nur zwei Mopeds
haben, müssen auf einem Moped drei Personen fahren.
Das haben wir hier oft gesehen, das macht uns Mut. Die Vietnamesen
haben aber einen wesentlich zierlicheren Körperbau
als wir, das lässt uns zweifeln. Wir werden es probieren,
das steht fest!
Auf
dem Moped, auf dem wir zu dritt sitzen ist es natürlich
alles andere als bequem, doch wir erreichen unser Ausflugsziel
mit viel Spaß!
Die
Überreste der Cham Kultur, die hier in Form der beiden
Türme zu bewundern sind, sind sehr beeindruckend. Wenig
touristisch erschlossen, mit einem hervorragenden Blick
auf die Provinzhauptstadt Phan Thiet.
Nach
kurzer Zeit haben uns Kinder entdeckt und fangen an mit
uns zu spielen. Kurz darauf trauen sich ein paar Jugendliche
dazu, und führen uns ihre neueste Musik mit ihrem mitgebrachten
Kassettenrecorder vor.
Eigentlich
hatten wir ein kleines Problem, denn uns war in einem der
Mopeds der Sprit ausgegangen. Eigentlich, denn
wenn wir dabei sind hier etwas zu lernen, dann ist es das,
das sich manche Probleme einfach ganz von alleine lösen.
Erst einmal keine Aufregung. Und so ist es dann auch, denn
einer der Jugendlichen steigt bei Martin aufs Moped auf
und zeigt ihm den Weg zur nächsten Tankstelle. Es wird
viel geredet und gelacht und dann fahren wir zurück
zum Ressort. Na ja, ein klitzekleines Problem gab es dann
doch noch: Als wir vom Parkplatz des Ausflugszieles losfahren
wollten, versperrte eine Schranke die Straße. Erst
gegen eine Bezahlung wird uns die Schranke geöffnet.
Schlau, denken wir uns, freie Einfahrt
und Ausfahrt nur gegen Bezahlung. Es ist jedoch ein
sehr geringer Betrag und das Erlebnis eher amüsant.
Am
Nachmittag treffen wir uns auf einem der Balkone um aus
unseren schlauen Büchern einiges zu Kultur und Geschichte
zu erfahren. Das Meer lockt danach mit besonders hohen Wellen.
Abends
stoßen zwei Hotelgäste zu uns. Es sind Schweizer.
Sandra und Mario. Sie schließen sich uns zum Abendessen
an und haben allerlei spannende und sehr witzige Geschichten
zu erzählen. Sandra hat drei Wochen lang Kambodscha
bereist. Mario traf sie dann in Hanoi. Von dort sind sie
seit zwei Wochen unterwegs und schwärmen.
Aber
das wäre sicherlich einen eigenen Reisebericht wert.
15.1.2002:
Da
das Mopedfahren gestern so gut geklappt hat, unternehmen
wir auch heute einen Ausflug mit diesen hier sehr üblichen
Fortbewegungsmitteln.
Unser
Ziel werden die Dünen von Mui Ne sein. Eine an die
Sahara erinnernde Dünenlandschaft mit feinstem Sand
in verschiedenen Farben. Die Fahrt führt uns durch
den kleinen und sehr schönen Fischerort Mui Ne. An
der Küste liegen unzählige Fischerboote in allen
Größen. Am Ende der Straße erwartet uns
ein Campingplatz. Wunderschön gelegen, aber nicht unser
Ziel. Wir hätten mitten im Ort abbiegen müssen.
Kein Problem! Wir wenden und werden noch in ein nettes Gespräch
mit einem Vietnamesen verwickelt. Der ist Fotograf und möchte
uns einige seiner Bilder verkaufen. Er spricht einige Sätze
deutsch, und das was er kann ist erstaunlich akzentfrei.
Auch hier wird wieder viel miteinander gescherzt und gelacht.
Wir
setzen unsere Fahrt fort, biegen an der besagten Stelle
ab und machen kurz hinter Mui Ne Rast in einem kleinen Lokal.
Kinder spielen Billard, und wir sitzen auf winzigen Plastikstühlen
an ebenso kleinen Tischen.
Als
wir wenig später weiterfahren, ist es nicht mehr weit.
Wir landen am Ende einer Straße, nachdem wir herrliche
Dünenlandschaften durchfahren haben.
Die
Mopeds parken wir im Sand, der die Küste endlos säumt.
Das Wasser ist natürlich angenehm warm. Der Strand
in der Mittagssonne aber nicht für einen längeren
Aufenthalt geeignet, denn es ist einfach nur heiß.
Magda
wird es zu langweilig und sie wird ein paar Meter mit dem
Moped fahren. Dass sie mit zwei Glasaugen nicht so richtig
gut die Straße sieht stört sie nicht, es macht
halt einfach nur Spaß. Schließlich kann man
sich den Weg ja auch durch Zurufen weisen lassen
Während
der Rückfahrt stellen wir dann doch fest, dass es heute
ein wenig viel Sonne war für unsere empfindliche Haut.
Am Ressort angekommen ist das Strandbad denn auch nur noch
möglich unter den hoteleigenen Schattenspendern.
16.1.2002:
Der
letzte Tag, leider! Wir haben uns einen Minibus bestellt,
der uns in die Provinzhauptstadt Phan Thiet bringen wird.
Hier schlendern wir über einen Markt und decken uns
mit Souvenirs ein. Immer wieder werden wir interessiert
angeschaut, und freundlich angesprochen.
Als
wir an einem Stand etwas länger stehen bleiben, bildet
sich förmlich eine Menschentraube um uns herum. So
muss sich Robbie Williams fühlen, wenn er eine Menschenmenge
durchschreitet (hi, hi
)
Der
Stadtrundgang führt uns weiter vorbei an einladenden
kleinen Lokalen, den verschiedensten Geschäften und
einem reichhaltig sortierten Gewürzhändler.
Am
frühen Nachmittag kehren wir zurück und genießen
noch ein wenig den traumhaften Strand und das Meer.
Zum
Abendessen treffen wir uns mit Sandra und Mario aus der
Schweiz und versuchen nicht an den nahenden Abschied zu
denken.
Es
wird ein wunderbarer Abend. Eine tropische Nacht verabschiedet
sich von ihren europäischen Gästen.
17.1.2002:
Das
Frühstück nehmen wir in aller Ruhe ein und können
sogar noch einmal an das Meer. Unser Fahrer ist für
13.00 Uhr bestellt. Wir haben gelernt, dass Verabredungen
hier pünktlich eingehalten werden und sind deshalb
sehr entspannt das auch diesmal alles klappen wird.
Niemand
kann natürlich ahnen, dass wir ausgerechnet am Rückreisetag
in einem Auto sitzen, dessen Elektrik kurz vor Saigon anfängt
sich zu verabschieden.
Wir
hatten bereits vorher gemerkt, dass etwas nicht stimmt,
denn die Klimaanlage versagte immer wieder mal.
Dann
ging der Motor einfach aus. Irgendwo stehen wir auf einer
belebten Straße und sind sehr gespannt auf das, was
passieren wird. Merkwürdigerweise stellt sich keine
richtige Beunruhigung ein, denn wir haben gelernt, dass
Probleme sich hier irgendwie von alleine zu erledigen scheinen.
Der Fahrer verschwindet kurz, und kehrt mit einem Mechaniker
zurück. Dieser stellt fest, dass eine neue Batterie
her muss. Diese bringt er, baut sie in Windeseile ein und
verabschiedet sich, nachdem der Fahrer mit seiner Armbanduhr
bezahlt hat.
Eine
zweite Batterie wird kurz darauf an einer anderen Stelle
mit dem Personalausweis des Fahrers als Pfand bezahlt. Diese
wird bis zum Flughafen halten, und wir sind tatsächlich
pünktlich. Wir danken unserem Fahrer herzlich, der
uns trotz der Probleme gut und wohlbehalten ans Ziel gebracht
hat, und begeben uns zum Check-in.
Der
Rückflug verläuft ruhig. In Paris erleben wir
leider noch eine etwas unangenehme Überraschung. Fünf
Minuten vor dem Einstieg ins Flugzeug werden wir darüber
informiert, dass unser Flug erst zwei Stunden später
starten wird. Die französischen Fluglotsen streiken.
Es ist nicht wirklich toll, aber Vietnam klingt einfach
so schön in uns nach, dass wir auch dieses Problem
lernen gelassen zu nehmen.
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Weitsprung-Reisen.
Autor: Martin S.
|