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Ibiza - Scout bietet Hilfe
29.11.2004 - Auch auf Ibiza ist nicht alles auf die Bedürfnisse Reisender mit Behinderungen eingestellt. Hier gibt es allerdings Hilfe. Von der Auswahl des Hotel, die Vorbereitung der Anreise, über das Beschaffen von Zugangsinformation zu Sehenswürdigkeiten, Strände, Attraktionen und dem Nachtleben hilft Ibiza - Scout dabei, richtige Entscheidungen zu treffen und so einen unvergesslichen Urlaub auf Ibiza zu verleben. Weitere Information zu den einzelnen Hilfen finden sich im Internet unter www.Ibizascout.de beziehungsweise sind erhältlich unter Telefon 0173-5327685 oder E-Mail: Info@Ibizascout.de
Quelle: Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V.
Lido di Jesolo - Badeort mit den Art Deco Flair an der Adria
22.04.2004 - Ein Geheimtipp für einen Urlaub an der nördlichen Adria ist Lido di Jeselo, eine Stadt mit besonderem Flair. Mit einer 14 Kilometer langen, gut mit dem Rollstuhl zu befahrenden Standpromenade und mit Matten ausgelegte Wege zum Strand bietet sie auch dem Besucher im Rollstuhl die seltene Möglichkeit, Das Meer unmittelbar zu spüren. Eine 12 km-Flaniermeile mit unzähligen Geschäften, Einkaufsmärkten, Kneipen, Bars, Pizzerias, Eisdielen und Restaurants befindet sich parallel zum Strand und ist mit diesem durch unzählige kleine Strassen und Gassen verbunden - nur wenige Wege sind nicht mit dem Rollstuhl zu befahren. Die gesamte Einkaufszone kann sehr gut berollt werden und ab 20 Uhr ist jeder Autoverkehr aus der Innenstadt verbannt. Das Nachtleben ist ein Erlebnis aber auch am Tag lohnt sich hier ein Bummel. Weitere Information ist dazu erhältlich von:
Netzwerk Barrierefrei Reisen
Hendrik Grützner
Kleiner Damm 7
07407 Rudolstadt
Telefon: 03672-427414
E-Mail: hgruetzner@gmx.de
Zu Standardzielen und versteckten Plätzen der Maremma (Italien)
In den Monaten Mai und August diesen Jahres bieten die „amici d’Italia“ – die Freunde Italiens wieder Reisen zu einem barrierefreien Aufenthalt in der Toskana an. Neben der gesunden Mischung aus Sonne, Meer, einer bezaubernder Landschaft und kulinarischen Genüssen der Toskana, die jede für sich allein unvergesslich machen können sind, neben Besuchen in Florenz und Pisa auch Besuche der Abtei San Galgano und bei den Cowboys der Maremma vorgesehen. Einzelheiten zu diesem Angebot finden sich im Internet unter www.amici-d-italia.com oder sind erhältlich von:
Elisabeth Amolsch - Loc. Canonica - I–58020 Scarlino (GR)
Tel. / Fax 0039 - 0566 – 38046 / E-Mail: info@amici-d-italia.com
Indien
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by A. Pröve |
Indien
– Abenteuer Ganges
Diavortrag von Andreas Pröve
»Abenteuer
Ganges« ist die spannende Geschichte einer 2500 km
langen Reise zu den Quellen des heiligen Flusses. Was das
Lebensziel eines jeden Hindu ist, unternimmt Andreas Pröve
im Rollstuhl.
Auf seiner achten Reise durch den Subkontinent rollt er
in Eisenbahnen, Bussen und mehr als 1000 km »Handarbeit«
zur Wiege des Buddhismus, zu den heiligsten Orten der Hindus
und durch das versunkene Reich der Moguln.
Mit dem Lauf des Ganges gerät er ins alljährlich
stattfindende Holi-Fest. Niemand kann sich der Flut der
Farben entziehen, wenn von Balkonen und Dächern, aus
Fenstern und Türen alles in eine riesige Dunstwolke
aus Farbpulver gehüllt wird.
Einmal in 12 Jahren hat der Strom in Hardwar am Oberlauf
die seltene Fähigkeit, die Menschen von ihren Sünden
zu befreien. Dann kommen mehr als 10 Millionen Pilger zur
Kumbh Mela, dem großen heiligen Bad. Hautnah erlebt
er die tiefe Religiösität, die Freude und das
Glück der Menschen.
Weiter reist Andreas Pröve flußaufwärts,
bis er schließlich in einer abenteuerlichen Trekkingexpedition
sein Ziel, das Quellgebiet im Himalaja, erreicht.
Andreas
Pröve, geboren 1957, bekannter Fotoreporter, verunglückte
als 23jähriger mit seinem Motorrad und ist seitdem
querschnittsgelähmt. Schon drei Jahre nach seinem Unfall
brach er im Rollstuhl zu seiner ersten Indienreise auf und
tourte später monatelang durch Asien, wo er u.a. für
terres des hommes über Kinderarbeit berichtete. Mit
seiner Familie lebt Pröve heute in der Lüneburger
Heide.
Andreas
Pröve
Mein Traum von Indien
Mit dem Rollstuhl von Kalkutta bis zur Quelle des Ganges
Mit einem Vorwort von Rüdiger Nehberg
Ca. 320 Seiten mit 16 Seiten Farbbildteil
Gebunden
€ 21.90
Rezensionsexemplare
und Buchinfos:
HANDICAP-NETWORK Presseabteilung
Tel. 0821 2527970
oder Sie können auch direkt in unserem Shop
bestellen

©
by A. Pröve |
Auszug
aus dem Buch: "Mein Traum von Indien" von Andreas
Pröve
Die
Menschenmenge auf dem Bahnsteig wird langsam unruhig. Einige
stehen auf, nehmen ihr Gepäck in die Hand, andere schälen
sich aus ihren Decken, unter denen sie die vergangenen zehn
Stunden geschlafen haben. Die Kälte steckt mir jetzt
tief in den Knochen. Meine Knie sind eisig kalt, die Beine
fühlen sich wie ein Stück Eisen an. Es ist Anfang
März und es regnet in Strömen. Offensichtlich
wurde bei der letzten Lautsprecherdurchsage endlich das
Einlaufen des Orient-Express angekündigt. Auch bei
mir kommt Unruhe auf. Der Adrenalinspiegel steigt und ich
bekomme Herzklopfen, denn ich habe keine Platzreservierung
und das bedeutet Stress. Der Bahnsteig ist so überfüllt,
dass mir klar wird, ich habe keine Chance. Und tatsächlich:
nur drei Waggons des Zuges gehen nach Istanbul und die sind
bereits bei der Einfahrt halb gefüllt. Das Schauspiel,
das sich mir bietet wäre ein Foto wert und normalerweise
würde ich mich köstlich darüber amüsieren.
Doch mir ist nicht zum Lachen, denn, ich weiß nicht
wie, muss ich auch in den Zug.
Während durch die Lautsprecher ein ohrenbetäubendes
Gekrächze in jugoslawischer Sprache ertönt, dessen
Sinn mir ein Rätsel bleibt, gibt es regelrechte Kämpfe
an den Zugtüren. Wahrscheinlich hat keiner eine Reservierung
und jeder weiß, wer keinen Sitzplatz bekommt, muss
die kommenden vierundzwanzig Stunden stehen oder auf der
Erde sitzen.
Nur Männer drängen in den Zug. Ihre Familien und
Gepäckstücke stehen in sicherem Abstand auf dem
Bahnsteig. Erst wird ein Abteil okkupiert und dann Kinder
und Gepäck durch die Fenster hinein geschoben.
Von außen sehe ich, dass es kein freies Abteil mehr
gibt und auch in den Gängen lässt man sich bereits
häuslich nieder. Immer wieder rolle ich an den drei
Waggons entlang, auf der Suche nach etwas Platz und Reisenden,
die mir helfen könnten. Wieder sehe ich zwei junge
kräftige Jugoslawen, die in der Tür stehen. Mit
Engelszungen bitte ich zum zehnten Mal in englischer Sprache:
"Würden Sie mir in den Zug helfen?" Doch
erneut erhalte ich als Antwort ein Achselzucken oder abweisende
Handbewegungen. "Nein, hier ist kein Platz", bekomme
ich zu hören. Das ist die Höhe, ich muss meinem
Frust ein Ventil geben und brülle die Breitseite der
Waggons an: "Was seid Ihr für ein blödes
Volk!" Fragend und etwas mitleidig schaut man mich
aus den Fenstern heraus an. Wahrscheinlich gebe ich in diesem
Moment ein ziemlich jämmerliches Bild ab. Bestimmt
habe ich den Jugoslawen damit großes Unrecht getan.
Es gibt sicher auch hier hilfsbereite Menschen, aber von
denen wollte an diesem Tag wohl keiner nach Istanbul.
Ich
schaue mich um und stelle bestürzt fest, dass außer
mir nur noch der Schaffner auf dem Bahnsteig steht. Er ist
meine letzte Rettung. Ich rolle auf ihn zu und versuche
ihm klar zu machen, dass ich auch noch in den Zug muss.
Während ich wild gestikulierend mit dem Ticket nach
Istanbul in der Hand vor seiner Nase herumwedele, steckt
er seine Pfeife in den Mund, hebt den Arm mit der Kelle
in der Hand und will gerade pusten.
Nein, ich will nicht auf dem Bahnhof von Belgrad in strömenden
Regen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zurück bleiben,
ich will nach Indien! Kurzentschlossen entreiße ich
ihm die Pfeife und während er, verblüfft über
diesen Affront, mit offenem Mund da steht, flehe ich ihn
auf Deutsch an: „Bitte, nur eine Minute!"
Gleichzeitig höre ich hinter mir, wie eine Tür
nach der anderen ins Schloss fällt. Ich rolle zur erstbesten
Tür und weiß innerlich, Es ist zu spät.
Mit aller Gewalt reiße ich die Tür wieder auf.
Fast fallen mir die Menschen, die sich angelehnt hatten
entgegen. Der Zug ist einfach voll. Plötzlich kommt
noch ein verspäteter Fahrgast den Bahnsteig entlang
gerannt. Genau auf mich zu. Er steckt in einem makellosen
Nadelstreifenanzug, hat eine kräftige Statur und dunkle,
gegerbte Haut. Zwischen Hakennase und Oberlippe prangt ein
riesiger Schnauzer. In der Hand trägt er keinen Aktenkoffer,
wie es zu seinem Äußeren gepasst hätte,
sondern eine Plastiktüte von Aldi. Er ist Türke
und meine letzte Chance. Bevor ich ihn fragen kann, sagt
er zu mir in feinstem rheinländischen Dialekt: „soll
isch disch reintrache?" Mir fällt ein Stein vom
Herzen. Mit energischen Worten schiebt er die Menschen an
der Tür um einen Meter zusammen, während ich den
Schaffner auffordere den Rolli vorne zu heben. Dort, wo
Ali (es scheinen die Hälfte der Männer zwischen
Istanbul und Karachi den Namen Ali zu tragen) Platz geschaffen
hatte, stehe ich nun für die nächsten zwölf
Stunden. Links die Toilette, mit Ausdünstungen, die
mir bereits jetzt den Atem stocken lassen. Rechts die Kupplung,
von der ohrenbetäubender Lärm und feuchtkalte
Zugluft kommt. Tatsächlich habe ich mir die Fahrt mit
dem legendären Orient-Express anders vorgestellt.
Seit
acht Stunden sitze ich hier und kann keinen Meter vor oder
zurück. Wer auf die Toilette will, muss über meinen
Schoß klettern. In der übrigen Zeit dient das
stille Örtchen als Sitzplatz. Das bedeutet ständiges
Hin und Her. Zum Glück habe ich meinen Stuhl immer
dabei, sonst müsste ich jetzt stehen. Das sieht Ali
auch so. Er hat seine Regenjacke auf meinen Reifen gelegt
und nutzt meinen Rolli als Sitz. Wir sind wie zwei Verbündete:
Hätte ich dem Schaffner nicht die Pfeife aus dem Mund
genommen, hätte Ali den Zug verpasst und ohne Ali würde
ich jetzt wohl auf dem Bahnsteig ziemlich dumm aus der Wäsche
gucken. Schnell kommen wir ins Gespräch. "Du bist
bestimmt auf Heimaturlaub", vermute ich. "Ja,
ich will nach Izmir, da leben meine Eltern und die besuche
ich einmal im Jahr." „Bist du nicht verheiratet?"
„Doch, aber mein ältester Sohn ist krank geworden.
Jetzt ist meine Frau zu Hause geblieben. Normalerweise fahren
wir alle mit dem Auto in die Türkei." Überrascht
ist er über mein Reiseziel erstaunlich wenig. Aber
mit großer Begeisterung sagt er sofort: "Dann
musst du mich in Izmir besuchen. Ich lade dich ein, du kannst
bei uns schlafen", kramt einen Kuli und Zettel heraus
und schreibt mir seine Adresse auf.
"Hast du nicht mehr Gepäck?" Ich deute dabei
auf seine Plastiktüte. „Nein, mehr brauche ich
für die drei Tage Fahrt nicht." Er hebt die Tüte,
zieht eine zwei Literflasche Cola und zwei belegte Brötchen
heraus, von denen er mir eines anbietet. Ich spendiere Kekse
und Erdnusskerne und im Nu ist es fast wieder gemütlich
hier. Wenn nicht ständig Mitreisende zur Toilette müssten,
könnte ich es durchaus vierundzwanzig Stunden aushalten.
Wenn ich selbst den Sitzplatz in der Toilette benötige,
hängt Ali diskret sein Jackett so gut es geht vor die
Tür. Der Raum ist so klein, dass ich nicht einmal die
Tür hinter mir schließen kann.
Der arme Ali tut mir richtig leid. Auf meinem Rollirad ist
es nicht allzu gemütlich und so rutscht er immer hin
und her. In Nis steigen endlich viele Passagiere aus und
bevor eine große Gruppe derb aussehender Russen in
den Zug stürzt, hat Ali seine Chance genutzt und einen
Sitzplatz im Gang ergattert. Auch ich kann meine Situation
verbessern und entferne mich aus meiner zugigen Ecke. Jetzt
bin ich umringt von Russen, von denen ich sofort in ein
Gespräch verwickelt werde. Sie haben etwas vor, das
spüre ich. Und tatsächlich, bei dem Krach aus
der Kupplung beugt sich eine der Frauen zu mir herunter
und flüstert in gebrochenem Deutsch: „Können
Sie helfen, wir wollen nach Deutschland, aber bekommen Visum
nur mit Einladung. Können Sie Einladung schreiben?
Wir bringen auch Kaviar mit!" Die Ehemänner stehen
dahinter und schauen mich erwartungsvoll an. Unter normalen
Umständen würde ich ablehnen, denn mit einer solchen
Einladung ist auch eine Bürgschaft verbunden. Aber
ich bin umringt von ihnen; eindeutig in der Minderheit und
daher der Meinung, dass es meine jetzige Situation erfordert
die Adressen aufzuschreiben und ein Versprechen zu geben,
das ich nicht einhalten kann.
Endlich kann ich meine Beine hoch legen. Viele Passagiere
sind inzwischen ausgestiegen, auch die Russen sind nur bis
Sofia gefahren und Ali hat uns ein freies Abteil organisiert.
Es ist mitten in der Nacht und ich habe es tatsächlich
geschafft einen Moment zu schlafen. Doch plötzlich
wache ich auf, erkenne auch ohne die Augen zu öffnen,
dass es wohl die leichte Spastik in meinen Beinen sein muss,
die mich stört. Ich versuche wieder einzuschlafen,
doch die Bewegungen werden immer stärker, bis ich doch
die Augen aufschlage, um zu sehen was los ist. Neben mir
steht ein Mann in Uniform und tippt die ganze Zeit auf meinem
Knie herum. Aber davon habe ich wegen der fehlenden Sensibilität
nichts gespürt. Nur die dadurch verursachte Bewegung
ließ mich aufwachen. Das Abteil ist völlig leer,
Ali scheint sich die Beine zu vertreten. Der Beamte deutet
sichtlich ungeduldig und unfreundlich auf mein Reisetasche
im Gepäckfach über mir. Offensichtlich sind wir
an einer Grenze. Mein Rolli ist zusammengeklappt unter dem
Sitz verstaut und ich versuche dem Mann klar zu machen,
dass ich nicht aufstehen kann. Er begreift nichts, sieht
nur, dass ich seinem Befehl nicht folge und wird immer ungeduldiger.
Ich deute auf meine Beine und mache eine Handbewegung, die
bezeichnen soll, dass ich nicht aufstehen kann. Aber darauf
achtet er nicht, fordert immer nur das Gepäck zu sehen.
Um Zeit zu gewinnen biete ich ihm meinen Pass an und hoffe,
dass Ali bald zurückkommt. Ein paar Minuten habe ich
dadurch gewonnen.
Wieder richtet sich seine Aufmerksamkeit auf meine Tasche.
Jetzt reicht es mir. Ich nehme ihn am Arm und ziehe mit
der anderen Hand den Rolli unter dem Sitz hervor. Jetzt
begreift er endlich und ist augenblicklich wie ausgewechselt,
macht entschuldigende Handzeichen, rennt aus dem Abteil
den Gang hinunter und kommt kurze Zeit später mit einer
Tasse Tee zurück.
Endlich liegen Jugoslawien und Bulgarien hinter mir, und
ich habe die türkische Grenze erreicht.
Entscheidung
in der iranischen Botschaft
Das
Hotel ist eine furchtbare Kaschemme mit Toiletten auf dem
Flur, die diesen Namen nicht verdienen. Aber das stört
mich nicht, denn mit meinem Rolli passe ich da sowieso nicht
hinein. Dafür liegen in der Nähe das Hilton und
das Sheraton Hotel, die im Foyer immer eine schöne,
mit Marmor verkleidete, rolligerechte Toilette haben. Duftende
Seife, warmes Wasser und Handtücher gibt es alles gratis
in luxuriöser Umgebung. Weil mein Äußeres
nicht der Kleiderordnung hier entspricht, fragt mich der
Portier nach meiner Zimmernummer. Ohne ihn anzuschauen nenne
ich im Vorbeirollen eine Zahl zwischen hundert und fünfhundert,
womit sein Misstrauen verflogen ist.
Istanbul ist eine der wichtigsten Stationen auf meiner Reise
nach Indien. Hier entscheidet es sich, wie die Weiterreise
verlaufen wird. Alles dreht sich um das Iranische Visum.
Ich hatte es in den Botschaften mehrerer europäischer
Städte versucht und überall bekam ich eine Ablehnung
mit dem Hinweis auf die Iranische Botschaft in Istanbul,
wo es noch eine Chance gäbe. Nun stehe ich vor dem
Konsulat auf der anderen Straßenseite und bereite
mich mental auf alle Eventualitäten vor. Ich bin frisch
rasiert und habe die sauberste Hose, die ich finden konnte,
angezogen (die Wahl war nicht schwer, ich habe nur zwei
dabei). Noch einmal kontrolliere ich meine Papiere: Reisepass,
Visumantrag mit Passbildern, und das Bittschreiben in Farsi,
(die Übersetzung hat in Bremen sechzig Mark gekostet)
alles in sauberen Klarsichthüllen. Mit ein bisschen
Herzklopfen rolle ich auf den bewaffneten Soldaten am Tor
zu. Ich weiß, ich habe etwas vergessen. Plötzlich
fällt es mir siedend heiß ein. Schnell drehe
ich wieder um, ziehe einen neuen zehn Dollar Schein aus
meinem Geldgurt und lege ihn in die erste Seite meines Passes.
Auf ein Neues, jetzt muss es klappen. Der Soldat lässt
mich tatsächlich passieren, die erste Hürde ist
überwunden.
Schnell orientiere ich mich im Innenhof, rechts steht eine
Gruppe Männer und daneben sehe ich ein Loch in der
Wand, das durch die vielen schmutzigen Hände einen
dunklen Rand aufweist. Ich stecke mir den Koran, in den
ich seit Wochen immer wieder hineinschaue, in die Brusttasche
meiner Jacke, lasse den Titel auffällig herausschauen.
Ich denke, das muss einen guten Eindruck machen und rolle
auf den Schalter zu. "Ich möchte in den Iran und
ein Visum beantragen." Dabei reiche ich meine Mappe
durch das Loch. Ohne etwas zu sagen, nimmt der Beamte sie
entgegen. Wieder ist eine Hürde überwunden; ich
sehe mich fast am Ziel. Doch dann schiebt er meine Unterlagen
zurück, schaut mich böse an und sagt: „Kein
Visum! - geh", und weist dabei zum Ausgang. Ich schiebe
alles wieder zurück und sage: "Nur ein Transitvisum
bitte." Wieder nimmt er es, gibt mir nur den Pass zurück
und sagt: "Wir schicken Ihren Antrag nach Teheran.
Kommen Sie in drei Monaten zurück." Ich bin geschockt.
In drei Monaten will ich wieder zu Hause sein. So viel Zeit
hier in Istanbul zu verbringen und dann vielleicht eine
Ablehnung aus Teheran zu erhalten. Das will ich nicht riskieren.
So muss ich mir wider Willen ein Flugticket nach Pakistan
besorgen. Schweren Herzens sage ich ihm: „Ich kann
nicht so lange warten. Bitte geben Sie mir meine Papiere
zurück." Ohne Kommentar schiebt er mir alles herüber.
Das Geld ist natürlich weg.
Indien
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© mit freundlicher Genehmigung von Andreas Pröve
Indien: Informationen für Reisende
Die Republik Indien grenzt im Norden an die Volksrepublik
China und Nepal, im Süden an den Golf von Manar, im Westen
an das Arabische Meer, im Nordwesten an Pakistan und im Osten
an Myanmar und den Golf von Bengalen. Gleichzeitig wird Bangladesch
im Osten von Indien umschlungen.
Fläche:
3 287 263 km² mit Kaschmir und Sikkim.
Einwohner:
Bevölkerung ca. 950 Mill. Einwohner.
Städte:
New
Delhi (Hauptstadt) ca. 302 000 Einwohner
Groß-Delhi ca. 10 Millionen Einwohner
Mumbai (Bombay) ca. 12,6 Millionen Einwohner
Calcutta ca. 11 Millionen Einwohner
Chennai (Madras) ca. 5,4 Millionen Einwohner
Bangalore ca. 4,3 Millionen Einwohner
Hyderabad ca. 4,3 Millionen Einwohner
Ahmedabad ca. 3,3 Millionen Einwohner
Kanpur ca. 2 Millionen Einwohner
Nagpur ca. 1,7 Millionen Einwohner
Lucknow (Lakhnau) ca. 1,7 Millionen Einwohner
Poona (Pune) ca. 2,5 Millionen Einwohner
Surat ca. 1,5 Millionen Einwohner
Jaipur ca. 1,5 Millionen Einwohner
Indore ca. 1,2 Millionen Einwohner
Bhopai, Vadodara (Baroda), Ludhiana, Varanasi (Benares)
alle ca. 1 Millionen Einwohner
Agra ca. 900 000 Einwohner
Sprache:
Hauptsprache Hindi, Amtssprachen Englisch sowie ca. 24 weitere
selbständige Sprachen.
Zeitverschiebung:
Mitteleuropäische Zeit (MEZ) +4 1/2 Std. (während
der europäischen Sommerzeit +3 1/2 Std.).
Klimainformationen:
Indien besitzt subtropisches bis tropisches, vom Monsun
geprägtes Klima. Vom tropischen immergrünen Regenwald
an der Malabarküste und den Monsunregenwäldern
des nordindischen Tieflands bis hin zu den Trockenwäldern
und Savannen des Dekhan reichen die Vegetationsformen. Von
Mitte April bis Mitte Juni ist die heißeste Zeit,
zwischen Juni und September ist in den meisten Regionen
Monsun (Regenzeit). Auf diese Zeit folgt meist September/Oktober
eine wieder eine kurze Hitzeperiode. Die erträglichste
Reisezeit sind die Monate November bis März. Mitte
Oktober bis Ende November ist im Südosten Regenzeit.
Während der heißen Jahreszeit herrscht im Binnenland
(z.B. Delhi, Agra, Hyderabad) eine trockene Hitze. Dagegen
findet man an der Küste (z.B. Mumbai, Calcutta, Chennai)
feuchtheißes Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Schwierig
ist das Reisen von Anfang Juni bis September/Oktober aufgrund
der großen Niederschlagsmengen, verbunden mit häufigen
Überschwemmungen, besonders entlang den Küstengebieten.
Keine Probleme gibt es in den Hochlagen. Für Menschen
mit Atmungs- und Kreislaufproblemen kann die hohe Luftverschmutzung
in Delhi belastend sein. (laut WHO an vierter Stelle aller
Großstädte der Welt).
Kleidung:
Leichte Kleidung innerhalb der kühlen Jahreszeit (Oktober
bis März); Wärmere Kleidung, insbesondere abends
für den Norden angebracht. Tagsüber leichte Kleidung
entlang der Küste empfehlenswert. In der wärmeren
Jahreszeit sehr leichte Kleidung tragen. Wäschereien
und Reinigungsanstalten arbeiten im allgemeinen rasch und
billig (für empfindliche Kleidung jedoch nicht zu empfehlen
- auch nicht in Hotels).
Stromspannung:
220 Volt Wechselstrom, 50 Hz; in einigen Gegenden auch Gleichstrom.
Außerhalb von Mumbai muß mit starken Spannungsschwankungen
gerechnet werden. Meist englische Rundstecker, jedoch auch
andere Steckdosen; Mitnahme von Adaptern notwendig.
Telefon:
direkt ins Ausland auch nach Übersee: Von Hotels oberer
Preisklasse möglich.
Sonst
Verbindung über einen Operator (die Nummer im Hotel
erfragen). Gespräche von privaten Service-Stationen
sind günstiger (ISD/STD). Bei der Aufschrift ISD kann
eine internationale Verbindung hergestellt werden.
Feiertage:
1. und 26. Januar, 1. April, Karfreitag, 15. August, 30.
September, 2. Oktober, 25. Dezember.
wenigstens weitere 10 jährlich wechselnde Feiertage.
In den einzelnen indischen Bundesstaaten noch weitere Feiertage,
welche sich ebenfalls jährlich ändern. Konsularische
Vertretungen geben Auskunft über die jeweiligen Feiertage,
welche bei längerem Aufenthalt eingeholt werden sollten.
Öffnungszeiten:
Banken - Mo bis Fr 11-15 Uhr (Abweichungen möglich),
teilweise auch Sa 11-13 Uhr; Büros - Mo bis Fr 9.30-17
Uhr, Sa 9.30-13 Uhr; Regierungsstellen - im allgemeinen
Mo bis Fr 10-17 Uhr (Mittagszeit unterschiedlich, mind.
13-14 Uhr); Läden - Mo bis Sa ca. 9.30-19 Uhr (kleinere
Läden von frühmorgens bis spätabends).
Verhalten/Sicherheit:
Nicht erlaubt ist das Fotografieren und Filmen von: Bahnhöfen,
Brücken, Militär und militär. Anlagen. Das
Filmmaterial ist sehr teuer, deshalb besser schon vorab
in Deutschland einkaufen. Eine Gebühr wird in Wildreservaten
verlangt. Für Stativ-/Blitzaufnahmen benötigt
man bei einigen archäologischen Denkmäler eine
Genehmigung.
INNERE
SICHERHEIT:
Es kann vorkommen, dass kurzfristig bestimmte Sehenswürdigkeiten
wie das Tadsch Mahal gesperrt werden, da immer wieder innerpolitischer
Probleme vorkommen. Auch Ausgangssperren (z.B. im Punjab)
werden verhängt oder es werden besondere Kontrollmaßnahmen
(z.B. in Kaschmir) durchgeführt.
Geschichte/Politik:
Dunkelheit über die politische Geschichte Indiens breitet
sich nach der Eroberung der Draviden 3000 v. Chr. für
mehrere Jahrhunderte aus. Die nordindische Ebene eroberten
um ca. 1200 v. Chr. Die eingewanderten Hirtenkrieger: Sie
errichteten das Kastensystem. Budda wirkte im heutigen Bihar
um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr.. Alexander der
Große führte 326 v. Chr. eine Expedition nach
Nordindien. Es entstanden mehrere Großreiche, u.a.
die Maurya-Dynastie und das Gupta Reich. Sind wurde 732
von den Arabern unterworfen, aber zu einer islamischen Staatenbildung
kam es erst um 1200. Fast das ganze Indien wurde unter dem
größten Mogulherrscher Akbars, zu einem Reich
vereint. Dazu gehörten Regionen wie der Punjab, Rajputana
(der heutige Bundesstaat Rajasthan) und Gujarat, Kashmir,
Bengalen, Sind sowie eine Reihe von muslimischen Königreichen
im Hochland von Dekkan. Die kulturelle Blüte wurde
erreicht, geprägt von der indisch-sarazenische Architektur
(Taj Mahal). Veränderungen in den Machtverhältnisse
wurden erst durch das Eindringen afghanischer Eroberer sowie
der Europäer (Portugiesen, Niederländer, Franzosen,
Briten) im 18./19. Jahrhundert möglich. Indien wurde
1858 direkt der britischen Krone unterstellt. Die Kolonialmacht
wurde durch die Verwaltung ausgebaut und ein Verkehrsnetz
(Eisenbahn) angelegt. Im Großen Indischen Aufstand
von 1857/58 ging es um Unabhängigkeitsbestrebungen,
es folgten Perioden brutaler Unterdrückung durch britische
Truppen. Die Bildung des Indian National Congress konnte
1885 in Puna nicht verhindert werden. Mahatma Gandi führte
nach dem Ersten Weltkrieg (an dem indische Einheiten an
der Seite Großbritannien teilnahmen) eine Bewegung
des zivilen Ungehorsams an und rief zum Boykott britischer
Waren auf. Indien und Pakistan (seit 1940 geteilt) wurden
1947 in die Selbständigkeit entlassen wurden. Um die
Provinz Kashmir gab es 1947-49 und 1965Streitigkeiten zwischen
Indien und Pakistan. Indien unterstützte in den 70er
Jahren die staatliche Verselbständigung Ostpakistans
zu Bangladesch. Nachfolgend kam es immer wieder zu auflebenden
religiösen Konflikte wie z.B. die Autonomiebestrebungen
radikaler Sikhs im Punjab, die blutig niedergeschlagen wurden.
Zu blutigen Unruhen kam es 1992/93 aufgrund des Dauerkonflikts
zwischen Hindus und Moslems. In der Beziehung zu Pakistan
kommt es immer wieder zu Streitigkeiten.
Soziale
Spannungen:
Probleme mit denen Indien zu kämpfen hat, ist die Überbevölkerung
(die Geburtenrate beträgt 28 %, sodass die Bevölkerung
jährlich um ca. 17 Mio Menschen wächst), das Analphabetentum,
deformierte wirtschaftliche Strukturen aufgrund des Kolonialismus
und ein starres Kastensystem. Diese Schwierigkeiten haben
dazu geführt, dass Indien zu den ärmsten Ländern
der Welt gehört. Täglich wachsende Slumgebiete
sind in den Städten durch starke Zuwanderung der ländlichen
Bevölkerung entstanden. Schwierig ist auch die Koexistenz
größerer religiöser Minderheiten mit der
Mehrheit der Hindus. Streitigkeiten zwischen Hindus und
Muslimen sowie zwischen Hindus und Sikhs (die oft auch durch
nichtreligiöse Gründe angefacht wurden) haben
in der Vergangenheit zu vielen Todesopfern geführt.
Die Geburt einer Tochter wird in Indien als Unglück
angesehen, da die Familien bei der Heirat eine hohe Mitgift
zur Verfügung stellen müssen. Die führt die
Familien oft in den finanziellen Absturz. Frauen bekommen
eine geringe Ausbildung und vernachlässigte medizinische
Versorgung und werden unterbezahlt.
Wirtschaft:
Von der Landwirtschaft leben mehr als zwei Drittel der indischen
Bevölkerung. Bis zu drei Ernten kann es im Jahr auf
fruchtbarem Boden geben. Charakteristisch sind sehr kleine
Höfe. Hauptnahrungsmittel und wichtigstes Anbauprodukt
ist Reis. Gleichzeitig gehört Indien zu den weltgrößten
Produzenten von Zuckerrohr, Tee, Baumwolle und Jute. Andere
Anbauprodukte sind u.a. Kaffee, Sorghum, Hirse, Mais, Gerste,
Kichererbsen, Bananen, Mangos, Gummi, Leinsamen, Erdnüsse
und verschiedene Gewürze. Für die Landwirtschaft
ist die Viehzucht (Büffel, Pferde und Esel) von großer
Bedeutung. Die wichtigsten Lasttiere in den Trockengebieten
des Punjab und Rajasthans sind die Kamele. Schafe und Ziegen
werden hauptsächlich wegen der Wolle gezüchtet.
Regionale Bedeutung hat der Fischfang. Die Grundlage für
die wirtschaftliche Entwicklung Indiens bildeten nach der
Unabhängigkeit die vielfältigen Bodenschätze.
Indien gehört zu den weltweit führenden Produzenten
von Eisenerz, Kohle und Bauxit. Die Textilindustrie ist
immer noch die älteste und wichtigste Industrie- Branche
Indiens (hauptsächlich Baumwollstoffe). Folgend sind
die Eisen- und Stahlindustrie sowie die Verarbeitung landwirtschaftlicher
Produkte wie Tee, Getreide, Ölsamen, Zucker und Tabak.
Einen gewaltigen Aufschwung hat in den letzten Jahren die
Computerindustrie, insbesondere der Softwarebereich, erlebt.
Die südindische Stadt Bangalore gilt als das "Silicon
Valley" Indiens.
Religion:
Drei von vier Inder, also etwa 85 % sind Anhänger des
Hinduismus, 11 % sind Muslime, 3,5% sind Christen und zwei
Prozent sind Sikhs (Mischung aus Islam und Hinduismus).
Außerdem gibt es kleinere Gruppen von Buddhisten (Buddha
verkündet ebenfalls die Wiedergeburt, es gibt keine
Götter, sondern durch die Befolgung von Regeln kann
man dem Kreislauf entrinnen). Zu den ältesten Religionen
der Welt zählt der Hinduismus, ist mehr eine Lebensweise
als eine Religion. In seinen verschiedenen Ausprägungen
ist er unwahrscheinlich vielfältig. Die zyklische Vorstellung
von Geburt, Tod und Wiedergeburt ist der Schwerpunkt. Die
Seele wandert von einem Leben zum nächsten, der Hindu
muss, um die Erlösung zu erlangen, den Pflichten, die
ihm durch seine Kaste vorgegeben sind, nachkommen. Im Hinduismus
werden eine Menge Gottheiten verehrt, denen im persönlichen
Haus und auch in Tempeln Verehrung entgegengebracht wird.
Fester Bestandteil der Glaubenspraxis sind Wallfahrten zu
heiligen Plätzen. Weitere in Indien vertretene Glaubensrichtungen
sind der Janaismus (die Wiedergeburt schließt auch
Tiere und Pflanzen ein, hohe Bedeutung der Meditation, Achtung
vor Lebendigem) und der Zoroastrismus (persischen Ursprungs,
der Mensch wird nach seinen Gedanken und Taten gut/böse
am Ende des Lebens beurteilt).
Vegetation:
Nur noch in wenigen Landesteilen ist der klassische indische
Dschungel anzutreffen. Der größte Teil des Landes
ist Kulturland geworden. Rhododendron und Wacholder trifft
man im Himalaya unterhalb der Schneegrenze (5000 m) an.
In tieferen Lagen liegen die Wälder. Es ist möglich,
Mais bis ca. 3000 m anzubauen, Getreide bis unter 2600m
angebaut werden und Reis bis unter 2000 m ü. d. M.
Je nach Niederschlagshäufigkeit findet man in den anderen
Regionen Indiens Palmen (Kokos, Datteln, Betelnuss), dazu
Tee und Kaffee, Sandelholz, Baumwolle, Zuckerrohr, Erdnüsse,
Tabak und viele andere Wirtschaftspflanzen. Bambus ist überall
anzutreffen.
Tierwelt:
Überall ist bekannt, die indische Kuh ist heilig. Zurückzuführen
ist dies auf die herausragende Bedeutung der Rinder beim
Ackerbau, wo sie wichtig sind zur Bodenbestellung. Durch
den buddhistischen Einfluss der Nichtverletzung des Lebens
wurde diese wichtige lebenserhaltende Funktion in ein Tötungsverbot
für Rinder umgewandelt. Jagdverbote bestehen für
den bengalischen Tiger, dessen Bestand auf ca. 6000 Tiere
in Indien zurück gegangen ist. Reservate zum Schutz
der Tiere und ihres Lebensraumes wurden errichtet. Großkatzen
wie darunter Löwen, Leoparden und Geparden finden auch
ihren Lebensraum in Indien. Im westindischen Gir-Reservat
oder im Kumbhalgarh-Schutzgebiet kann man mit etwas Glück
Lippenbären beobachten. Elefanten werden nach wie vor
zur Waldarbeit eingesetzt. Affen vieler Art kann man in
Indien beobachten. Besonderen Schutz genießen einige
Rhesusaffen in Tempeln, sie leben zum Teil sogar in den
Städten. Der indische Nationalvogel ist der Pfau ist
und wird gerne als Haustier gehalten. Der Beo wird oft in
Gefangenschaft gehalten, da er bemerkenswert gut sprechen
kann, mit seiner durchdringenden Stimme kann er sämtliche
Geräusche täuschend nachahmen. Findet man rostrote
Hügel, sind das meist die Heimat von Termiten. In diesem
komplizierten Konstrukt aus Lehm, Holzresten und Speichel
leben bis zu 3 Mio Termiten. Mit ihrer Farbigkeit machen
die Insekten Indiens diesem tropischen Land alle Ehre. Besonders
schön sind die Schmetterlinge, deren größter
Vertreter eine Spannweite bis zu 20 cm aufweisen kann.
Kulinarisches:
Kulinarisch hat Indien sehr viel zu bieten. Die Küche
Südindiens ist leicht, oft vegetarisch und scharf.
Im Norden Indiens ist sie fetthaltig, nicht so scharf gewürzt,
Brot wird oft als Beilage gereicht. Man trinkt Tee, anders
im Süden, wo Kaffee bevorzugt wird. Spezialitäten
der nordindischen Küche sind beispielsweise Tandoori-Gerichte.
Hier wird Gemüse und Fleisch in einer Joghurt-Gewürzmarinade
in einem speziellen Backofen gebacken. Die Südindische
Küche bietet sogenannte "Thalis", eine Platte
mit Gemüsen, Joghurt und Chutney an. Dazu wird Reis
gereicht. Schmackhaft sind auch die Snacks in den südindischen
Restaurants sowie die süßen und leckeren Desserts.
Probiert sollte unbedingt "Barfi", ein Milchdessert
mit Gewürzen und Nüssen oder "Kulfi",
indisches Eis mit Kardamom- oder Pistanziengeschmack. Neben
Tee und Kaffee werden Softdrinks wie Cola, Lime Soda oder
Kokosnussmilch angeboten. Alkohol wird in Bars und Restaurants
mit "Permit" ausgeschenkt. Aufgrund der ungewissen
Hygiene der regionalen Biere, sollte man sich an die bekannten
Sorten halten.
Sitten
und Gebräuche:
Bettler gehören in Indien zum allgegenwärtigen
Straßenbild. Ein soziales Netz für Bedürftige
oder Alte gibt es nicht, sodass viele auf Almosen angewiesen
sind. Nach dem Besuch eines Tempels oder einer Moschee sind
Gaben für Mittellose gängig. Auch hier werden
allerdings Kinder oft dafür benutzt, um mehr Geld rauszuschlagen,
besonders in den Städten sind die Bettler so organisiert.
Es kann vorkommen, dass die Bettler in den Touristengebieten
oft sehr aufdringlich sind, was neben Mitleid auch zu Verärgerung
führen kann. Man kann sich sicher sein, das alte Menschen
wirklich notleidend sind, während Kinder oft eher zum
Betteln als zur Schule geschickt werden.
Souvenirs:
Beliebt sind hier in aller Welt die zahlreichen Seiden-
und Baumwollstoffe. Als Souvenir sind auch Stickereiarbeiten
mit kleinen Spiegeln sehr bevorzugt. Edel sind Schals aus
Kashmirwolle, aber auch andere Wollschals können erworben
werden. In allen Touristenzentren zu finden sind die Teppichknüpfereien,
gleichzeitig berühmt und umstritten. Hersteller, die
bei ihrem Teppichen das Label "rugmark" verwenden,
verzichten auf Kinderarbeit. Besonders günstig sind
in Hyderabad Schmuckstücke aus echten Perlen, aber
auch Silberarbeiten aller Art. Teuer ist aufgrund der 22
Karat (hohe Besteuerung) Goldschmuck. Weiterhin sind beliebt
Holz- und Einlegearbeiten oder auch Götterfiguren aus
Stein. Größere Objekte werden auch problemlos
verschickt. Ins Rückreisegepäck eines Hobbykochs
dürfen Lebensmittel wie Pickles, Gewürze oder
auch Tee nicht fehlen. Einfach die vielen Märkte durchstöbern!
Indonesien
|
Die
Republik Indonesien stellt mit seinen rund 13 700 Inseln
(von denen ca. 6000 bewohnt sind) die Verbindung zwischen
Asien und Australien her und ist der größte Inselstaat
der Welt. Indonesien besteht aus vier Hauptinseln Java,
Sumatra, Kalimantan und Sulawesi. Hinzu kommt noch Irian-
Jaya (westlicher Teil von Neuguinea), welches einen Sonderstatus
genießt. Der Inselstaat Indonesien liegt beiderseits
des Äquators, überwiegend südlich des Äquators.
Fläche:
1.919.443 km2, davon entfallen auf Irian-Jaya 412.781 km2,
auf Timor-Timur 14.925 km2.
Bevölkerung:
Ca. 190 Millionen Einwohner, von denen 65-70% auf Java leben.
Städte:
Insel
Java
Jakarta
(Hauptstadt) ca. 9,3 Mill. Einwohner,
Surabaya ca. 2,5 Mill. E.,
Bandung ca. 1,7 Mill. E.,
Semarang ca. 1,5 Mill. E.,
Malang ca. 650 000 E.,
Solo ca. 450000 E.,
Jogjakarta 500 000 E.
Insel Sumatra
Medan
ca. 2 Mill. E.,
Palembang ca. 900 000 E.,
Padang ca. 500 000 E.;
Insel Sulawesi
Ujung
Pandang ca. 750 000 E.
Sprache:
Amtssprache Bahasa Indonesia (lateinische Buchstaben), weitere
zahlreiche Regionalsprachen; als Handels- und Geschäftssprache
auch Englisch.
Feiertage:
1. Januar, Karfreitag, Himmelfahrt, 17. August, 25. Dezember,
außerdem jährlich wechselnde islamische, hinduistische
und buddhistische Feiertage.
Zeit:
Westzone (Sumatra, Java, Madura, Bali) MEZ + 6 Std.; Zentralzone
(Kalimantan, Sulawesi, Bali usw.) MEZ + 7 Std., östliche
Zone (Molukken, Irian-Jaya) MEZ + 8 Std. (während der
europ. Sommerzeit beträgt der Zeitunterschied jeweils
eine Stundeweniger).
Klima:
Das Klima Indonesiens wird von den Monsunen geprägt
uns ist überwiegend tropisch. Die Temperaturen sind
gleichmäßig hoch, bei einem Jahresdurchschnitt
über 27°C, welche aber durch die Seewinde etwas
gemildert werden. In den Küstengebieten liegen die
Temperaturen bei 24-35°C, im Lnadesinneren 20-30°C
und im Bergland 16-26°C. Ebenfalls umfangreich sind
die jährlichen Niederschlagsmengen, daher liegt die
Luftfeuchtigkeit ständig bei rund 80 Prozent. Größere
Abkühlung nur nachts in den Bergen. Der Ost- und West-
Monsun bestimmt die Regen- und Trockenzeiten des Landes.
Auch in Jakarta ist es fast ganzjährig heiß mit
hoher Luftfeuchtigkeit und wenig Luftbewegung (Smog kommt
vor). Die Monate Mai bis September sind die beste Reisezeit
für Indonesien, dann ist fast überall Trockenzeit.
Für
die Hauptinseln gilt folgendes:
Sumatra:
Die Monate Oktober bis April sind die Haupt- Regenzeit an
der Westküste und im gebirgigen Hinterland, teilweise
auch bis Juni oder August, mit 12-21 Regentagen im Monat;
Eine Trockenzeit im eigentlichen Sinne existiert nicht.
Etwas ähnliches gibt es von Juni bis August im Nordwesten
und inneren Teil der Nordhälfte mit nur ganz geringfügigen
Niederschlägen. Von Oktober bis Januar ist hier die
Hauptregenzeit mit ca. 17 Regentagen im Monat.
Kleine Sunda Insen (auch BALI): Von Dezember bis März
ist hier Regenzeit mit 11-18 Regentagen im Monat, in Berggebieten
bis 24 Tage. Die Monate April bis Oktober sind die, mit
dem geringsten Niederschlag.
Java/Madura: charakteristisch sind unterschiedliche Regenverhältnisse.
Nur ganz geringe Niederschläge von Juni bis Oktober
(im Westen von Java meist Juli bis September). Die Trockenzeit
dauert auf der Nordseite von Java 1 bis 3 Monate, südöstlich
von Surabaya 6 Monate und auf Madura 4 bis 5 Monate. Von
November bis mindestens März, in der sommerlichen Regenzeit,
regnet es oft an 14-20 Tagen im Monat.
Kalimantan: Von November bis Mai sind die häufigsten
Regenfälle, von Juli bis September der geringste Niederschlag.
Irian-Jaya: Mit wenigen Ausnahmen verteilen sich die Niederschläge
gleichmäßig über das ganze Jahr, im Monat
etwa 8-20 Regentage. Der wenigste Regen fällt von Juni
bis Oktober, im äußersten Nordwesten von November
bis Februar.
Bekleidung
Das ganze Jahr über atmungsaktive, gut waschbare, leichte,
Sommerkleidung. wird auf geachtet. Sehr förmlich ist
die Kleidung bei festlichen Anlässen. Korrekte Kleidung
sollte im Geschäftsleben getragen werden. Indonesien
ist sehr konservativ, dem sollte man Respekt begegnen und
außerhalb der Strände und Hotelbereiche dezente
Kleidung tragen. Oft muß mehrmals am Tage wegen des
Klimas speziell wegen der hohen Luftfeuchtigkeit die Wäsche
gewechselt werden. Die Wäsche wird im Hotel schnell
und billig gewaschen. Leichte Wollsachen ist in den Bergen
am Abend erforderlich. Im Gepäck sollte auch Regenschutz
und eine gute Sonnenbrille zu finden sein.
Bedienung/Trinkgeld:
15,5% Bedienung und Steuer kommen in den meisten Hotels
und Restaurants noch mit auf die Rechnung. Trinkgelder nach
eigenen Ermessen. Ist kein Servicezuschlag auf der Rechnung,
sind 5-10% Trinkgeld üblich. Gepäckträger
ca. 1000 Rp. pro Gepäckstück. Taxifahrer erhalten
kein Trinkgeld. Möglichst immer genügend Wechselgeld
mit sich führen.
Nahverkehr:
Klimatisierte TAXEN mit Taxameter findet man nur in Jakarta,
Bandung, Surabaya. Diese kosten etwa 1000 Rp. pro km. Man
sollte darauf achten, daß der Taxameter eingeschaltet
ist! Die besten Taxen sind die blauen "Blue Birds".
Die komfortablen "Silver Birds" (Jakarta) haben
einen Grundpreis von ca. 2500 Rp. Für kürzere
Entfernungen kann man auch BEJAKS (eine Art Fahrrad-Rikscha,
außerhalb Jakarta), Fahrpreis ca. 750 Rp.;BAJAJsbar)
benutzen. In öffentlichen, meist sehr vollen Stadtbussen
sollte man aufgrund der hohen Diebstahlgefahr achtsam sein.
Wenn möglich auf andere Verkehrsmittel zurück
greifen.
Öffnungszeiten:
Banken:
Mo bis Fr 8/8.30-12/14 Uhr, teilweise Sa 8-13 Uhr (unterschiedlich,
je nach Bankengruppe);
Läden: Mo bis Sa 9/10-21/22 Uhr (teilweise auch nur
bis 17.30 Uhr);
Büros: Mo bis Fr 7/9 bis 15/17 Uhr (vereinzelt auch
Samstagvormittag).
Stromspannung
220 Volt Wechselstrom, 50 Hz (2poligeStecker) in den meisten
Hotels. Vereinzelt aber auch 110 Volt, 50 Hz. Immer einen
Adapter mitnehmen! Zu starken Schwankungen der Stromspannung
kommt es fast immer n den Abendstunden.
Hinweise
Gesundheit:
Wasser
nur aus original - verschlossenen Flaschen trinken. Ansonsten
muß Wasser grundsätzlich abgekocht werden. Auf
Eiswürfel in Getränken verzichten, wenn nicht
garantiert ist, daß sie mit abgekochtem Wasser hergestellt
wurden.
Hauptsehenswürdigkeiten:
Jakarta:
Nationalmuseum, Taman Mini Indah (Indonesia Miniatur), Pasar
Ikan (Fischmarkt), Ancol, Sunda Kelapa;
Bogor (Java), 56 km von Jakarta: Präsidentenpalast,
Puncak Pass, Botanischer Garten;
Jogjakarta: Batik-Manufakturen Sultanspalast; Ausgangspunkt
für Besichtigungsfahrten zu den Tempeln von Borobudur
und Prambanan;;
Bali: Ferieninsel; sehenswert: Barong-Tanz, Kecak-Tanz,
Legong-Tanz, , Volkskunst in Ubud, zahlreiche Tempelbezirke
usw. Ausflüge durch Hotels oder Reisebüros organisiert.
Drogenbesitz:
Der Besitz oder der Handel mit Drogen aller Art wird schwer
bestraft (in gravierenden Fällen sogar Todesstrafe
möglich). Selbst die "Kenntnis" von Drogenbenutzern
kann bestraft werden.
Iran
|
In
acht Stunden durch Teheran
Ein glitzerndes Lichtermeer steht über mir und scheint
zum Greifen nah. Hier in der Wüste ist die Luft glasklar
und kalt, die Dunkelheit vollkommen und die Stille überwältigend.
Nie hätte ich mir träumen lassen, dass am Himmel
so viele Sterne stehen. Ich liege im Schlafsack auf meiner
Luftmatratze und kann von dieser Szenerie gar nicht genug
bekommen. Der Kontrast zu Teheran ist riesig und mit Schaudern
denke ich an eine die Metropole zurück.
Der
Atem unter meiner Maske kondensierte zu Wassertropfen, die
mir am Hals herunterliefen, sich dort mit dem Ruß
aus der Luft vereinten und einen schwarzen Dreckstreifen
zurückließen. Meine Hände in den Handschuhen
waren schweißnass, aber sie auszuziehen wäre
wegen der Verletzungsgefahr bei einer Kollision zu groß.
Die Partikel in der Luft brachten meine Augen trotz Sonnenbrille
zum Tränen und ließen alles verschwimmen.
Ich hatte erst 5 Kilometer hinter mir, aber schon drei Außenspiegel
mit meiner Handkurbel verbogen und vier Fahrzeuge mit meinen
Greifreifen touchiert. In Deutschland hätte ich damit
einen Schaden von mindestens 5000 € verursacht. Hier
in den Straßenschluchten von Teheran wurde ich dagegen
von den Autofahrern nur angelächelt. Aber der Schein
trügt. Wenn sich ein Bewohner Teherans in sein Auto
setzt, dann lässt er die berühmte Gastfreundschaft
und Rücksichtnahme zurück und mutiert zu einem
Rallyefahrer, der nur eines im Kopf hat: schnellstmöglich
unter Umgehung sämtlicher Regeln des Anstands von A
nach B zu kommen.
Dagegen empfand ich den Verkehr in Mexiko City als harmlos,
Delhi raubte mir nur die Nerven und Bangkok war einfach
gefährlich. Aber wer lebensmüde ist, der muss
nur in Teheran im Rollstuhl eine vierspurige Strasse bei
grüner Fußgängerampel überqueren. Hier
herrschen die Gesetze des Dschungels: wer weiter kommen
will, muss sich durchbeißen oder er geht unter. Es
dauerte eine Weile, bis ich mich dieser Welt mit ihren eigenen
Gesetzen unterwerfen konnte. Teheran ist voll von Ampeln,
die Tag und Nacht von Rot auf Grün springen und irgendwie
ein bemitleidenswertes Dasein führen, denn niemand
beachtet sie. Ich musste mich zwingen sie auch zu ignorieren
und statt dessen herausfinden, was wohl in den Köpfen
der Fahrer links und rechts, vor und hinter mir vor geht,
ob sie mich mit meiner Kopfhöhe von 1,30 m bemerkt
haben und welche Fahrtrichtung sie wohl im nächsten
Moment einschlagen werden. Gleichzeitig musste ich aufpassen
nicht in die falsche Richtung zu geraten und versuchte während
der Fahrt die Hinweisschilder in Farsi zu entziffern.
Etwas unkonzentriert beging ich den Fehler und stoppte an
einer Ampelkreuzung bei Rot. Plötzlich ertönte
hinter mir ein ohrenbetäubendes Hupkonzert, das mir
durch Mark und Bein ging. „Ruhig bleiben“, redete
ich mir ein, wechselte in den ersten Gang und versuchte
mich über die Kreuzung zu kurbeln, auf die von allen
Himmelsrichtungen Fahrzeuge fuhren. Doch überholende
Autos drängten mich nach links. Keine Chance, ich musste
mich dem Strom beugen und fuhr, ob ich wollte oder nicht,
in die falsche Richtung. Mein Stadtplan war keine große
Hilfe, viele Straßennamen wurden seit der Revolution
umbenannt oder sind nur in Farsi beschriftet. Einzig ein
Kompass würde mir weiterhelfen. Mein Ziel, den Holy
Shrine, das Mausoleum des Ayatollah Khomeini 30 km südlich
von Teheran zu erreichen, konnte mir nur gelingen, wenn
ich meinen Sinn für die Himmelsrichtungen weckte.
Ich beobachtete die Sonne, die durch die Smogglocke nur
schemenhaft zu erkennen war und orientierte mich Richtung
Süden. Doch es ging nicht weiter. Ich war eingekesselt
von Fahrzeugen, die so eng standen, dass selbst mit meinem
Rolli von 50 cm Breite kein Durchkommen war. Vor mir ein
Lkw, der mir mit seinen Rußschwaden den Atem nahm.
Rechts ein Stadtbus, in dem Männer von schwarz gekleideten
Frauen, durch ein Gitter getrennt, etwas neugierig und mitleidig
auf mich herabsahen. Geschlagene 10 Minuten ging es keinen
Schritt weiter. Als der Verkehr wieder rollte, drängelte
ich mich an den rechten Straßenrand auf der Suche
nach einem Übergang auf den Bürgersteig. Ich nahm
den Mundschutz ab und atmete erleichtert tief durch, denn
die Luft erschien mir hier unter den Fußgängern
geradezu frisch und rein.
Ich suchte die nächstbeste Garküche auf - im Schaufenster
5 durchgekochte Hammelköpfe - und bestellte eine fette
kräftige Hammelbouillon. Vor mir stand eine Flasche
Coca Cola, die täuschend echt nach dem Original schmeckte.
Selbst die Aufschrift „registered trade mark“
wurde kopiert. Dabei fiel mein Blick hinaus auf ein riesiges
haushohes Wandbild das die amerikanische Flagge darstellte,
mit der Aufschrift „down with USA“. Ein freundlich
dreinschauender Herr, der mich beobachtet hat, seit ich
hier war, näherte sich mit der Frage, woher ich komme.
Ich bot ihm den Platz vor mir an und freute mich über
den Kontakt. :“Warum fahren so viele Iraner amerikanische
Schlitten, rauchen Marlboro und trinken Coca Cola, wenn
Amerika so verteufelt wird?“, fragte ich ihn. Als
hätte er diese Frage erwartet, antwortete er:“
Wir verteufeln Amerika nicht, es sind die religiösen
Führer und ihre Anhänger. Sie glauben die amerikanische
Wirtschaft schädigen zu können, wenn sie die geschützten
Marken kopieren und billig verkaufen und wir freuen uns,
wenn wir in den Genuss dieser Waren kommen. So einfach ist
das“.
Ich stürzte mich wieder ins Verkehrsgewühl und
versuchte aus der Stadt herauszukommen. Zum Glück ging
es leicht bergab und der Verkehr lichtete sich, da sich
die Fahrzeuge auf immer mehr Spuren verteilten. Fast unbemerkt
landete ich auf der Autobahn. Ampeln wurden seltener und
die Autos schneller. Ich hielt mich ganz rechts und nun
ging es flott voran, denn die vorbeidonnernden Lkw gaben
mir guten Rückenwind.
Ich passierte eine Polizeikontrolle und wusste genau, jetzt
gibt es Ärger, denn Rollstühle haben auch in Iran
nichts auf der Autobahn zu suchen. Ich schaute gar nicht
auf, sah nur einen Augenblick lang die verwunderten Gesichter
der Ordnungshüter, mit ihren Trillerpfeifen im Mund.
Erst als ich längst vorbei war, ertönt das längst
erwartete Pfeifen. „Zu spät“, sagte ich
mehr zu mir selbst, „jetzt müsst ihr mich schon
holen“, und ignorierte einfach das Rufen und Schreien
hinter mir, in der Hoffnung nicht belangt zu werden. Sie
ließen mich ziehen.
Endlich ein Hinweisschild, das auch in englischer Sprache
beschriftet war:“ Holy Shrine, South Expressway“,
ich musste rechts raus, kam an ein Autobahnkreuz und fuhr
unter der Brücke hindurch. Schon hier konnte ich die
vier Minarette und dazwischen eine golden glänzende
Kuppel sehen, unter der der Sarg des Ayatollah Khomeini
steht, und doch waren es noch 10 km bis dahin.
Schon wieder eine Kontrolle. Jetzt aber kam ich nicht so
leicht davon: Zwei böse aussehende Polizisten in makelloser
Uniform; mit großen Mützen bauten sich vor mir
auf und begannen in Farsi auf mich einzureden, zeigten auf
mein Gefährt und machten eine abweisende Handbewegung.
Obwohl ich kein Wort verstand, wusste ich genau, was sie
sagten. Als ich ihnen klar machen konnte, dass ich zum Schrein
des großen Ayatollah Khomeini, Gott hab ihn selig,
will, erhellten sich ihre Gesichter:„Aha“, dachte
ich, „das war schon die halbe Miete“. Nun setzte
ich noch eins drauf und behauptete, dass die letzte Kontrollstelle
mir die Fahrt auf der Autobahn erlaubt hat. Ich hoffte inständig,
dass sie nicht ihr Funkgerät in die Hand nahmen um
meine Angaben zu überprüfen. Doch wahrscheinlich
war ich so überzeugend, dass sie auf diese Idee gar
nicht gekommen sind. Freundlich lächelnd traten sie
beiseite und ließen mich passieren.
Langsam näherte ich mich dem Heiligtum. Vor mir erhob
sich eine riesige goldene Kuppel mit einem großen
Platz davor, der erahnen ließ, welche Atmosphäre
hier herrscht, wenn zum Todestag Hunderttausende von Pilgern
dem Begründer der islamischen Revolution die Ehre erweisen.
Ich nahm den Mundschutz und die Brille ab, zog die Handschuhe
aus und spürte beim betasten des Gesichtes, dass ich
vollkommen verdreckt war. So konnte ich da unmöglich
hinein. In der Küche des Restaurants am Eingangstor
unterbrach ich die Arbeit des Abwäschers und konnte
mir an seinem Arbeitsplatz Gesicht und Arme reinigen.
Dieses Gebäude war gleichzeitig Mausoleum und Moschee
doch wider Erwarten musste ich nicht meine Schuhe ausziehen,
wie es alle Besucher befolgten. Ich kam in eine riesige
Halle unter der von Säulen getragenen Kuppel und war
freudig überrascht: wo ich auch hinsah, Rampen für
Rollifahrer. Das hätte ich mir in den Straßen
von Teheran auch gewünscht. Der Iran-Irak Krieg mit
über 300000 Toten und unzähligen Verletzten, die
von Staats wegen heroisiert werden, bewog die Behörden
alle in Betrieb befindlichen Moscheen des Landes mit Rampen
auszustatten.
Der ganze Boden war mit Marmor ausgelegt, den ich mit meinen
schmutzigen Reifen gar nicht berollen mochte, doch da wurde
ich von der Aufsicht freundlich hereingebeten. Es war gerade
Gebetsstunde und ca 200 Gläubige knieten, den Kopf
auf kleine runde Gebetssteine gesenkt, Richtung Mekka. An
der linken Seite der Halle sah ich einen mit Silber vergitterten
Schrein, in dem der Sarg, verhüllt mit grünen
Tüchern, aufgebahrt war. Jeder Besucher küsste
das Gitter, murmelte dabei Gebete und warf zum Schluss einen
10000 Rial-Schein durch die Öffnungen, so dass sich
eine Schicht von ca. einen Meter Geld im Innern angehäuft
hat. Unweigerlich wurde ich bei diesem Anblick an Dagobert
Duck erinnert und tatsächlich entdeckte ich unter den
Scheinen mehrere Dollar-Noten.
Da, eine Sternschnuppe jagt über den gesamten Sternenhimmel,
mit einem Schweif, der in meinen Augen noch lange sichtbar
ist. Meine Sinne warten auf ein Geräusch, irgend einen
Ton von diesem rasend schnellen Geschoss, das in der Erdumlaufbahn
verglüht. Doch ich höre nichts außer einer
großen Stille.
© mit freundlicher Genehmigung von Andreas Pröve
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