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Die Inhaltsübersicht

- Ibiza - Scout bietet Hilfe
- Lido di Jesolo - Badeort mit den Art Deco Flair
an der Adria

- Zu Standardzielen und versteckten Plätzen
der Maremma (Italien)
- Indien – Abenteuer Ganges
Diavortrag von Andreas Pröve
- Auszug aus dem Buch: "Mein Traum von Indien" von Andreas Pröve
- Indien: Informationen für Reisende
- Indonesien
- Iran

Ibiza - Scout bietet Hilfe

29.11.2004 - Auch auf Ibiza ist nicht alles auf die Bedürfnisse Reisender mit Behinderungen eingestellt. Hier gibt es allerdings Hilfe. Von der Auswahl des Hotel, die Vorbereitung der Anreise, über das Beschaffen von Zugangsinformation zu Sehenswürdigkeiten, Strände, Attraktionen und dem Nachtleben hilft Ibiza - Scout dabei, richtige Entscheidungen zu treffen und so einen unvergesslichen Urlaub auf Ibiza zu verleben. Weitere Information zu den einzelnen Hilfen finden sich im Internet unter www.Ibizascout.de beziehungsweise sind erhältlich unter Telefon 0173-5327685 oder E-Mail: Info@Ibizascout.de


Quelle: Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V.


Lido di Jesolo - Badeort mit den Art Deco  Flair an der Adria

22.04.2004 - Ein Geheimtipp für einen Urlaub an der nördlichen Adria ist Lido di Jeselo, eine Stadt mit besonderem Flair. Mit einer 14 Kilometer langen, gut mit dem Rollstuhl zu befahrenden Standpromenade und mit Matten ausgelegte Wege zum Strand bietet sie auch dem Besucher im Rollstuhl die seltene Möglichkeit, Das Meer unmittelbar zu spüren. Eine 12 km-Flaniermeile mit unzähligen Geschäften, Einkaufsmärkten, Kneipen, Bars, Pizzerias, Eisdielen und Restaurants befindet sich parallel zum Strand und ist mit diesem durch unzählige kleine Strassen und Gassen verbunden - nur wenige Wege sind nicht mit dem Rollstuhl zu befahren. Die gesamte Einkaufszone kann sehr gut berollt werden und ab 20 Uhr ist jeder Autoverkehr aus der Innenstadt verbannt. Das Nachtleben ist ein Erlebnis aber auch am Tag lohnt sich hier ein Bummel. Weitere Information ist dazu erhältlich von:
Netzwerk Barrierefrei Reisen
Hendrik Grützner
Kleiner Damm 7
07407 Rudolstadt
Telefon: 03672-427414
E-Mail: hgruetzner@gmx.de


Zu Standardzielen und versteckten Plätzen der Maremma (Italien)

In den Monaten Mai und August diesen Jahres bieten die „amici d’Italia“ – die Freunde Italiens wieder Reisen zu einem barrierefreien Aufenthalt in der Toskana an. Neben der gesunden Mischung aus Sonne, Meer, einer bezaubernder Landschaft und kulinarischen Genüssen der Toskana, die jede für sich allein unvergesslich machen können sind, neben Besuchen in Florenz und Pisa auch Besuche der Abtei San Galgano und bei den Cowboys der Maremma vorgesehen. Einzelheiten zu dies­em Angebot finden sich im Internet unter www.amici-d-italia.com oder sind erhältlich von:

Elisabeth Amolsch - Loc. Canonica - I–58020 Scarlino (GR)
Tel. / Fax 0039 - 0566 – 38046 / E-Mail: info@amici-d-italia.com



Indien


© by A. Pröve

Indien – Abenteuer Ganges
Diavortrag von Andreas Pröve

»Abenteuer Ganges« ist die spannende Geschichte einer 2500 km langen Reise zu den Quellen des heiligen Flusses. Was das Lebensziel eines jeden Hindu ist, unternimmt Andreas Pröve im Rollstuhl.
Auf seiner achten Reise durch den Subkontinent rollt er in Eisenbahnen, Bussen und mehr als 1000 km »Handarbeit« zur Wiege des Buddhismus, zu den heiligsten Orten der Hindus und durch das versunkene Reich der Moguln.
Mit dem Lauf des Ganges gerät er ins alljährlich stattfindende Holi-Fest. Niemand kann sich der Flut der Farben entziehen, wenn von Balkonen und Dächern, aus Fenstern und Türen alles in eine riesige Dunstwolke aus Farbpulver gehüllt wird.
Einmal in 12 Jahren hat der Strom in Hardwar am Oberlauf die seltene Fähigkeit, die Menschen von ihren Sünden zu befreien. Dann kommen mehr als 10 Millionen Pilger zur Kumbh Mela, dem großen heiligen Bad. Hautnah erlebt er die tiefe Religiösität, die Freude und das Glück der Menschen.
Weiter reist Andreas Pröve flußaufwärts, bis er schließlich in einer abenteuerlichen Trekkingexpedition sein Ziel, das Quellgebiet im Himalaja, erreicht.

Andreas Pröve, geboren 1957, bekannter Fotoreporter, verunglückte als 23jähriger mit seinem Motorrad und ist seitdem querschnittsgelähmt. Schon drei Jahre nach seinem Unfall brach er im Rollstuhl zu seiner ersten Indienreise auf und tourte später monatelang durch Asien, wo er u.a. für terres des hommes über Kinderarbeit berichtete. Mit seiner Familie lebt Pröve heute in der Lüneburger Heide.

Andreas Pröve
Mein Traum von Indien

Mit dem Rollstuhl von Kalkutta bis zur Quelle des Ganges
Mit einem Vorwort von Rüdiger Nehberg
Ca. 320 Seiten mit 16 Seiten Farbbildteil
Gebunden
€ 21.90

Rezensionsexemplare und Buchinfos:
HANDICAP-NETWORK Presseabteilung
Tel. 0821 2527970

oder Sie können auch direkt in unserem Shop bestellen




© by A. Pröve

Auszug aus dem Buch: "Mein Traum von Indien" von Andreas Pröve

Die Menschenmenge auf dem Bahnsteig wird langsam unruhig. Einige stehen auf, nehmen ihr Gepäck in die Hand, andere schälen sich aus ihren Decken, unter denen sie die vergangenen zehn Stunden geschlafen haben. Die Kälte steckt mir jetzt tief in den Knochen. Meine Knie sind eisig kalt, die Beine fühlen sich wie ein Stück Eisen an. Es ist Anfang März und es regnet in Strömen. Offensichtlich wurde bei der letzten Lautsprecherdurchsage endlich das Einlaufen des Orient-Express angekündigt. Auch bei mir kommt Unruhe auf. Der Adrenalinspiegel steigt und ich bekomme Herzklopfen, denn ich habe keine Platzreservierung und das bedeutet Stress. Der Bahnsteig ist so überfüllt, dass mir klar wird, ich habe keine Chance. Und tatsächlich: nur drei Waggons des Zuges gehen nach Istanbul und die sind bereits bei der Einfahrt halb gefüllt. Das Schauspiel, das sich mir bietet wäre ein Foto wert und normalerweise würde ich mich köstlich darüber amüsieren. Doch mir ist nicht zum Lachen, denn, ich weiß nicht wie, muss ich auch in den Zug.
Während durch die Lautsprecher ein ohrenbetäubendes Gekrächze in jugoslawischer Sprache ertönt, dessen Sinn mir ein Rätsel bleibt, gibt es regelrechte Kämpfe an den Zugtüren. Wahrscheinlich hat keiner eine Reservierung und jeder weiß, wer keinen Sitzplatz bekommt, muss die kommenden vierundzwanzig Stunden stehen oder auf der Erde sitzen.
Nur Männer drängen in den Zug. Ihre Familien und Gepäckstücke stehen in sicherem Abstand auf dem Bahnsteig. Erst wird ein Abteil okkupiert und dann Kinder und Gepäck durch die Fenster hinein geschoben.
Von außen sehe ich, dass es kein freies Abteil mehr gibt und auch in den Gängen lässt man sich bereits häuslich nieder. Immer wieder rolle ich an den drei Waggons entlang, auf der Suche nach etwas Platz und Reisenden, die mir helfen könnten. Wieder sehe ich zwei junge kräftige Jugoslawen, die in der Tür stehen. Mit Engelszungen bitte ich zum zehnten Mal in englischer Sprache: "Würden Sie mir in den Zug helfen?" Doch erneut erhalte ich als Antwort ein Achselzucken oder abweisende Handbewegungen. "Nein, hier ist kein Platz", bekomme ich zu hören. Das ist die Höhe, ich muss meinem Frust ein Ventil geben und brülle die Breitseite der Waggons an: "Was seid Ihr für ein blödes Volk!" Fragend und etwas mitleidig schaut man mich aus den Fenstern heraus an. Wahrscheinlich gebe ich in diesem Moment ein ziemlich jämmerliches Bild ab. Bestimmt habe ich den Jugoslawen damit großes Unrecht getan. Es gibt sicher auch hier hilfsbereite Menschen, aber von denen wollte an diesem Tag wohl keiner nach Istanbul.

Ich schaue mich um und stelle bestürzt fest, dass außer mir nur noch der Schaffner auf dem Bahnsteig steht. Er ist meine letzte Rettung. Ich rolle auf ihn zu und versuche ihm klar zu machen, dass ich auch noch in den Zug muss. Während ich wild gestikulierend mit dem Ticket nach Istanbul in der Hand vor seiner Nase herumwedele, steckt er seine Pfeife in den Mund, hebt den Arm mit der Kelle in der Hand und will gerade pusten.
Nein, ich will nicht auf dem Bahnhof von Belgrad in strömenden Regen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zurück bleiben, ich will nach Indien! Kurzentschlossen entreiße ich ihm die Pfeife und während er, verblüfft über diesen Affront, mit offenem Mund da steht, flehe ich ihn auf Deutsch an: „Bitte, nur eine Minute!"
Gleichzeitig höre ich hinter mir, wie eine Tür nach der anderen ins Schloss fällt. Ich rolle zur erstbesten Tür und weiß innerlich, Es ist zu spät. Mit aller Gewalt reiße ich die Tür wieder auf. Fast fallen mir die Menschen, die sich angelehnt hatten entgegen. Der Zug ist einfach voll. Plötzlich kommt noch ein verspäteter Fahrgast den Bahnsteig entlang gerannt. Genau auf mich zu. Er steckt in einem makellosen Nadelstreifenanzug, hat eine kräftige Statur und dunkle, gegerbte Haut. Zwischen Hakennase und Oberlippe prangt ein riesiger Schnauzer. In der Hand trägt er keinen Aktenkoffer, wie es zu seinem Äußeren gepasst hätte, sondern eine Plastiktüte von Aldi. Er ist Türke und meine letzte Chance. Bevor ich ihn fragen kann, sagt er zu mir in feinstem rheinländischen Dialekt: „soll isch disch reintrache?" Mir fällt ein Stein vom Herzen. Mit energischen Worten schiebt er die Menschen an der Tür um einen Meter zusammen, während ich den Schaffner auffordere den Rolli vorne zu heben. Dort, wo Ali (es scheinen die Hälfte der Männer zwischen Istanbul und Karachi den Namen Ali zu tragen) Platz geschaffen hatte, stehe ich nun für die nächsten zwölf Stunden. Links die Toilette, mit Ausdünstungen, die mir bereits jetzt den Atem stocken lassen. Rechts die Kupplung, von der ohrenbetäubender Lärm und feuchtkalte Zugluft kommt. Tatsächlich habe ich mir die Fahrt mit dem legendären Orient-Express anders vorgestellt.

Seit acht Stunden sitze ich hier und kann keinen Meter vor oder zurück. Wer auf die Toilette will, muss über meinen Schoß klettern. In der übrigen Zeit dient das stille Örtchen als Sitzplatz. Das bedeutet ständiges Hin und Her. Zum Glück habe ich meinen Stuhl immer dabei, sonst müsste ich jetzt stehen. Das sieht Ali auch so. Er hat seine Regenjacke auf meinen Reifen gelegt und nutzt meinen Rolli als Sitz. Wir sind wie zwei Verbündete: Hätte ich dem Schaffner nicht die Pfeife aus dem Mund genommen, hätte Ali den Zug verpasst und ohne Ali würde ich jetzt wohl auf dem Bahnsteig ziemlich dumm aus der Wäsche gucken. Schnell kommen wir ins Gespräch. "Du bist bestimmt auf Heimaturlaub", vermute ich. "Ja, ich will nach Izmir, da leben meine Eltern und die besuche ich einmal im Jahr." „Bist du nicht verheiratet?" „Doch, aber mein ältester Sohn ist krank geworden. Jetzt ist meine Frau zu Hause geblieben. Normalerweise fahren wir alle mit dem Auto in die Türkei." Überrascht ist er über mein Reiseziel erstaunlich wenig. Aber mit großer Begeisterung sagt er sofort: "Dann musst du mich in Izmir besuchen. Ich lade dich ein, du kannst bei uns schlafen", kramt einen Kuli und Zettel heraus und schreibt mir seine Adresse auf.
"Hast du nicht mehr Gepäck?" Ich deute dabei auf seine Plastiktüte. „Nein, mehr brauche ich für die drei Tage Fahrt nicht." Er hebt die Tüte, zieht eine zwei Literflasche Cola und zwei belegte Brötchen heraus, von denen er mir eines anbietet. Ich spendiere Kekse und Erdnusskerne und im Nu ist es fast wieder gemütlich hier. Wenn nicht ständig Mitreisende zur Toilette müssten, könnte ich es durchaus vierundzwanzig Stunden aushalten. Wenn ich selbst den Sitzplatz in der Toilette benötige, hängt Ali diskret sein Jackett so gut es geht vor die Tür. Der Raum ist so klein, dass ich nicht einmal die Tür hinter mir schließen kann.
Der arme Ali tut mir richtig leid. Auf meinem Rollirad ist es nicht allzu gemütlich und so rutscht er immer hin und her. In Nis steigen endlich viele Passagiere aus und bevor eine große Gruppe derb aussehender Russen in den Zug stürzt, hat Ali seine Chance genutzt und einen Sitzplatz im Gang ergattert. Auch ich kann meine Situation verbessern und entferne mich aus meiner zugigen Ecke. Jetzt bin ich umringt von Russen, von denen ich sofort in ein Gespräch verwickelt werde. Sie haben etwas vor, das spüre ich. Und tatsächlich, bei dem Krach aus der Kupplung beugt sich eine der Frauen zu mir herunter und flüstert in gebrochenem Deutsch: „Können Sie helfen, wir wollen nach Deutschland, aber bekommen Visum nur mit Einladung. Können Sie Einladung schreiben? Wir bringen auch Kaviar mit!" Die Ehemänner stehen dahinter und schauen mich erwartungsvoll an. Unter normalen Umständen würde ich ablehnen, denn mit einer solchen Einladung ist auch eine Bürgschaft verbunden. Aber ich bin umringt von ihnen; eindeutig in der Minderheit und daher der Meinung, dass es meine jetzige Situation erfordert die Adressen aufzuschreiben und ein Versprechen zu geben, das ich nicht einhalten kann.
Endlich kann ich meine Beine hoch legen. Viele Passagiere sind inzwischen ausgestiegen, auch die Russen sind nur bis Sofia gefahren und Ali hat uns ein freies Abteil organisiert. Es ist mitten in der Nacht und ich habe es tatsächlich geschafft einen Moment zu schlafen. Doch plötzlich wache ich auf, erkenne auch ohne die Augen zu öffnen, dass es wohl die leichte Spastik in meinen Beinen sein muss, die mich stört. Ich versuche wieder einzuschlafen, doch die Bewegungen werden immer stärker, bis ich doch die Augen aufschlage, um zu sehen was los ist. Neben mir steht ein Mann in Uniform und tippt die ganze Zeit auf meinem Knie herum. Aber davon habe ich wegen der fehlenden Sensibilität nichts gespürt. Nur die dadurch verursachte Bewegung ließ mich aufwachen. Das Abteil ist völlig leer, Ali scheint sich die Beine zu vertreten. Der Beamte deutet sichtlich ungeduldig und unfreundlich auf mein Reisetasche im Gepäckfach über mir. Offensichtlich sind wir an einer Grenze. Mein Rolli ist zusammengeklappt unter dem Sitz verstaut und ich versuche dem Mann klar zu machen, dass ich nicht aufstehen kann. Er begreift nichts, sieht nur, dass ich seinem Befehl nicht folge und wird immer ungeduldiger. Ich deute auf meine Beine und mache eine Handbewegung, die bezeichnen soll, dass ich nicht aufstehen kann. Aber darauf achtet er nicht, fordert immer nur das Gepäck zu sehen. Um Zeit zu gewinnen biete ich ihm meinen Pass an und hoffe, dass Ali bald zurückkommt. Ein paar Minuten habe ich dadurch gewonnen.
Wieder richtet sich seine Aufmerksamkeit auf meine Tasche. Jetzt reicht es mir. Ich nehme ihn am Arm und ziehe mit der anderen Hand den Rolli unter dem Sitz hervor. Jetzt begreift er endlich und ist augenblicklich wie ausgewechselt, macht entschuldigende Handzeichen, rennt aus dem Abteil den Gang hinunter und kommt kurze Zeit später mit einer Tasse Tee zurück.
Endlich liegen Jugoslawien und Bulgarien hinter mir, und ich habe die türkische Grenze erreicht.

Entscheidung in der iranischen Botschaft

Das Hotel ist eine furchtbare Kaschemme mit Toiletten auf dem Flur, die diesen Namen nicht verdienen. Aber das stört mich nicht, denn mit meinem Rolli passe ich da sowieso nicht hinein. Dafür liegen in der Nähe das Hilton und das Sheraton Hotel, die im Foyer immer eine schöne, mit Marmor verkleidete, rolligerechte Toilette haben. Duftende Seife, warmes Wasser und Handtücher gibt es alles gratis in luxuriöser Umgebung. Weil mein Äußeres nicht der Kleiderordnung hier entspricht, fragt mich der Portier nach meiner Zimmernummer. Ohne ihn anzuschauen nenne ich im Vorbeirollen eine Zahl zwischen hundert und fünfhundert, womit sein Misstrauen verflogen ist.
Istanbul ist eine der wichtigsten Stationen auf meiner Reise nach Indien. Hier entscheidet es sich, wie die Weiterreise verlaufen wird. Alles dreht sich um das Iranische Visum. Ich hatte es in den Botschaften mehrerer europäischer Städte versucht und überall bekam ich eine Ablehnung mit dem Hinweis auf die Iranische Botschaft in Istanbul, wo es noch eine Chance gäbe. Nun stehe ich vor dem Konsulat auf der anderen Straßenseite und bereite mich mental auf alle Eventualitäten vor. Ich bin frisch rasiert und habe die sauberste Hose, die ich finden konnte, angezogen (die Wahl war nicht schwer, ich habe nur zwei dabei). Noch einmal kontrolliere ich meine Papiere: Reisepass, Visumantrag mit Passbildern, und das Bittschreiben in Farsi, (die Übersetzung hat in Bremen sechzig Mark gekostet) alles in sauberen Klarsichthüllen. Mit ein bisschen Herzklopfen rolle ich auf den bewaffneten Soldaten am Tor zu. Ich weiß, ich habe etwas vergessen. Plötzlich fällt es mir siedend heiß ein. Schnell drehe ich wieder um, ziehe einen neuen zehn Dollar Schein aus meinem Geldgurt und lege ihn in die erste Seite meines Passes. Auf ein Neues, jetzt muss es klappen. Der Soldat lässt mich tatsächlich passieren, die erste Hürde ist überwunden.
Schnell orientiere ich mich im Innenhof, rechts steht eine Gruppe Männer und daneben sehe ich ein Loch in der Wand, das durch die vielen schmutzigen Hände einen dunklen Rand aufweist. Ich stecke mir den Koran, in den ich seit Wochen immer wieder hineinschaue, in die Brusttasche meiner Jacke, lasse den Titel auffällig herausschauen. Ich denke, das muss einen guten Eindruck machen und rolle auf den Schalter zu. "Ich möchte in den Iran und ein Visum beantragen." Dabei reiche ich meine Mappe durch das Loch. Ohne etwas zu sagen, nimmt der Beamte sie entgegen. Wieder ist eine Hürde überwunden; ich sehe mich fast am Ziel. Doch dann schiebt er meine Unterlagen zurück, schaut mich böse an und sagt: „Kein Visum! - geh", und weist dabei zum Ausgang. Ich schiebe alles wieder zurück und sage: "Nur ein Transitvisum bitte." Wieder nimmt er es, gibt mir nur den Pass zurück und sagt: "Wir schicken Ihren Antrag nach Teheran. Kommen Sie in drei Monaten zurück." Ich bin geschockt. In drei Monaten will ich wieder zu Hause sein. So viel Zeit hier in Istanbul zu verbringen und dann vielleicht eine Ablehnung aus Teheran zu erhalten. Das will ich nicht riskieren. So muss ich mir wider Willen ein Flugticket nach Pakistan besorgen. Schweren Herzens sage ich ihm: „Ich kann nicht so lange warten. Bitte geben Sie mir meine Papiere zurück." Ohne Kommentar schiebt er mir alles herüber. Das Geld ist natürlich weg.

Indien




© mit freundlicher Genehmigung von Andreas Pröve



Indien: Informationen für Reisende


Die Republik Indien grenzt im Norden an die Volksrepublik China und Nepal, im Süden an den Golf von Manar, im Westen an das Arabische Meer, im Nordwesten an Pakistan und im Osten an Myanmar und den Golf von Bengalen. Gleichzeitig wird Bangladesch im Osten von Indien umschlungen.

Fläche: 3 287 263 km² mit Kaschmir und Sikkim.

Einwohner: Bevölkerung ca. 950 Mill. Einwohner.

Städte:
New Delhi (Hauptstadt) ca. 302 000 Einwohner
Groß-Delhi ca. 10 Millionen Einwohner
Mumbai (Bombay) ca. 12,6 Millionen Einwohner
Calcutta ca. 11 Millionen Einwohner
Chennai (Madras) ca. 5,4 Millionen Einwohner
Bangalore ca. 4,3 Millionen Einwohner
Hyderabad ca. 4,3 Millionen Einwohner
Ahmedabad ca. 3,3 Millionen Einwohner
Kanpur ca. 2 Millionen Einwohner
Nagpur ca. 1,7 Millionen Einwohner
Lucknow (Lakhnau) ca. 1,7 Millionen Einwohner
Poona (Pune) ca. 2,5 Millionen Einwohner
Surat ca. 1,5 Millionen Einwohner
Jaipur ca. 1,5 Millionen Einwohner
Indore ca. 1,2 Millionen Einwohner
Bhopai, Vadodara (Baroda), Ludhiana, Varanasi (Benares) alle ca. 1 Millionen Einwohner
Agra ca. 900 000 Einwohner

Sprache:
Hauptsprache Hindi, Amtssprachen Englisch sowie ca. 24 weitere selbständige Sprachen.

Zeitverschiebung:
Mitteleuropäische Zeit (MEZ) +4 1/2 Std. (während der europäischen Sommerzeit +3 1/2 Std.).

Klimainformationen:
Indien besitzt subtropisches bis tropisches, vom Monsun geprägtes Klima. Vom tropischen immergrünen Regenwald an der Malabarküste und den Monsunregenwäldern des nordindischen Tieflands bis hin zu den Trockenwäldern und Savannen des Dekhan reichen die Vegetationsformen. Von Mitte April bis Mitte Juni ist die heißeste Zeit, zwischen Juni und September ist in den meisten Regionen Monsun (Regenzeit). Auf diese Zeit folgt meist September/Oktober eine wieder eine kurze Hitzeperiode. Die erträglichste Reisezeit sind die Monate November bis März. Mitte Oktober bis Ende November ist im Südosten Regenzeit. Während der heißen Jahreszeit herrscht im Binnenland (z.B. Delhi, Agra, Hyderabad) eine trockene Hitze. Dagegen findet man an der Küste (z.B. Mumbai, Calcutta, Chennai) feuchtheißes Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Schwierig ist das Reisen von Anfang Juni bis September/Oktober aufgrund der großen Niederschlagsmengen, verbunden mit häufigen Überschwemmungen, besonders entlang den Küstengebieten. Keine Probleme gibt es in den Hochlagen. Für Menschen mit Atmungs- und Kreislaufproblemen kann die hohe Luftverschmutzung in Delhi belastend sein. (laut WHO an vierter Stelle aller Großstädte der Welt).

Kleidung:
Leichte Kleidung innerhalb der kühlen Jahreszeit (Oktober bis März); Wärmere Kleidung, insbesondere abends für den Norden angebracht. Tagsüber leichte Kleidung entlang der Küste empfehlenswert. In der wärmeren Jahreszeit sehr leichte Kleidung tragen. Wäschereien und Reinigungsanstalten arbeiten im allgemeinen rasch und billig (für empfindliche Kleidung jedoch nicht zu empfehlen - auch nicht in Hotels).

Stromspannung:
220 Volt Wechselstrom, 50 Hz; in einigen Gegenden auch Gleichstrom. Außerhalb von Mumbai muß mit starken Spannungsschwankungen gerechnet werden. Meist englische Rundstecker, jedoch auch andere Steckdosen; Mitnahme von Adaptern notwendig.

Telefon:
direkt ins Ausland auch nach Übersee: Von Hotels oberer Preisklasse möglich.

Sonst Verbindung über einen Operator (die Nummer im Hotel erfragen). Gespräche von privaten Service-Stationen sind günstiger (ISD/STD). Bei der Aufschrift ISD kann eine internationale Verbindung hergestellt werden.

Feiertage:
1. und 26. Januar, 1. April, Karfreitag, 15. August, 30. September, 2. Oktober, 25. Dezember.
wenigstens weitere 10 jährlich wechselnde Feiertage. In den einzelnen indischen Bundesstaaten noch weitere Feiertage, welche sich ebenfalls jährlich ändern. Konsularische Vertretungen geben Auskunft über die jeweiligen Feiertage, welche bei längerem Aufenthalt eingeholt werden sollten.

Öffnungszeiten:
Banken - Mo bis Fr 11-15 Uhr (Abweichungen möglich), teilweise auch Sa 11-13 Uhr; Büros - Mo bis Fr 9.30-17 Uhr, Sa 9.30-13 Uhr; Regierungsstellen - im allgemeinen Mo bis Fr 10-17 Uhr (Mittagszeit unterschiedlich, mind. 13-14 Uhr); Läden - Mo bis Sa ca. 9.30-19 Uhr (kleinere Läden von frühmorgens bis spätabends).

Verhalten/Sicherheit:
Nicht erlaubt ist das Fotografieren und Filmen von: Bahnhöfen, Brücken, Militär und militär. Anlagen. Das Filmmaterial ist sehr teuer, deshalb besser schon vorab in Deutschland einkaufen. Eine Gebühr wird in Wildreservaten verlangt. Für Stativ-/Blitzaufnahmen benötigt man bei einigen archäologischen Denkmäler eine Genehmigung.

INNERE SICHERHEIT:
Es kann vorkommen, dass kurzfristig bestimmte Sehenswürdigkeiten wie das Tadsch Mahal gesperrt werden, da immer wieder innerpolitischer Probleme vorkommen. Auch Ausgangssperren (z.B. im Punjab) werden verhängt oder es werden besondere Kontrollmaßnahmen (z.B. in Kaschmir) durchgeführt.

Geschichte/Politik:
Dunkelheit über die politische Geschichte Indiens breitet sich nach der Eroberung der Draviden 3000 v. Chr. für mehrere Jahrhunderte aus. Die nordindische Ebene eroberten um ca. 1200 v. Chr. Die eingewanderten Hirtenkrieger: Sie errichteten das Kastensystem. Budda wirkte im heutigen Bihar um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr.. Alexander der Große führte 326 v. Chr. eine Expedition nach Nordindien. Es entstanden mehrere Großreiche, u.a. die Maurya-Dynastie und das Gupta Reich. Sind wurde 732 von den Arabern unterworfen, aber zu einer islamischen Staatenbildung kam es erst um 1200. Fast das ganze Indien wurde unter dem größten Mogulherrscher Akbars, zu einem Reich vereint. Dazu gehörten Regionen wie der Punjab, Rajputana (der heutige Bundesstaat Rajasthan) und Gujarat, Kashmir, Bengalen, Sind sowie eine Reihe von muslimischen Königreichen im Hochland von Dekkan. Die kulturelle Blüte wurde erreicht, geprägt von der indisch-sarazenische Architektur (Taj Mahal). Veränderungen in den Machtverhältnisse wurden erst durch das Eindringen afghanischer Eroberer sowie der Europäer (Portugiesen, Niederländer, Franzosen, Briten) im 18./19. Jahrhundert möglich. Indien wurde 1858 direkt der britischen Krone unterstellt. Die Kolonialmacht wurde durch die Verwaltung ausgebaut und ein Verkehrsnetz (Eisenbahn) angelegt. Im Großen Indischen Aufstand von 1857/58 ging es um Unabhängigkeitsbestrebungen, es folgten Perioden brutaler Unterdrückung durch britische Truppen. Die Bildung des Indian National Congress konnte 1885 in Puna nicht verhindert werden. Mahatma Gandi führte nach dem Ersten Weltkrieg (an dem indische Einheiten an der Seite Großbritannien teilnahmen) eine Bewegung des zivilen Ungehorsams an und rief zum Boykott britischer Waren auf. Indien und Pakistan (seit 1940 geteilt) wurden 1947 in die Selbständigkeit entlassen wurden. Um die Provinz Kashmir gab es 1947-49 und 1965Streitigkeiten zwischen Indien und Pakistan. Indien unterstützte in den 70er Jahren die staatliche Verselbständigung Ostpakistans zu Bangladesch. Nachfolgend kam es immer wieder zu auflebenden religiösen Konflikte wie z.B. die Autonomiebestrebungen radikaler Sikhs im Punjab, die blutig niedergeschlagen wurden. Zu blutigen Unruhen kam es 1992/93 aufgrund des Dauerkonflikts zwischen Hindus und Moslems. In der Beziehung zu Pakistan kommt es immer wieder zu Streitigkeiten.

Soziale Spannungen:
Probleme mit denen Indien zu kämpfen hat, ist die Überbevölkerung (die Geburtenrate beträgt 28 %, sodass die Bevölkerung jährlich um ca. 17 Mio Menschen wächst), das Analphabetentum, deformierte wirtschaftliche Strukturen aufgrund des Kolonialismus und ein starres Kastensystem. Diese Schwierigkeiten haben dazu geführt, dass Indien zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Täglich wachsende Slumgebiete sind in den Städten durch starke Zuwanderung der ländlichen Bevölkerung entstanden. Schwierig ist auch die Koexistenz größerer religiöser Minderheiten mit der Mehrheit der Hindus. Streitigkeiten zwischen Hindus und Muslimen sowie zwischen Hindus und Sikhs (die oft auch durch nichtreligiöse Gründe angefacht wurden) haben in der Vergangenheit zu vielen Todesopfern geführt. Die Geburt einer Tochter wird in Indien als Unglück angesehen, da die Familien bei der Heirat eine hohe Mitgift zur Verfügung stellen müssen. Die führt die Familien oft in den finanziellen Absturz. Frauen bekommen eine geringe Ausbildung und vernachlässigte medizinische Versorgung und werden unterbezahlt.

Wirtschaft:
Von der Landwirtschaft leben mehr als zwei Drittel der indischen Bevölkerung. Bis zu drei Ernten kann es im Jahr auf fruchtbarem Boden geben. Charakteristisch sind sehr kleine Höfe. Hauptnahrungsmittel und wichtigstes Anbauprodukt ist Reis. Gleichzeitig gehört Indien zu den weltgrößten Produzenten von Zuckerrohr, Tee, Baumwolle und Jute. Andere Anbauprodukte sind u.a. Kaffee, Sorghum, Hirse, Mais, Gerste, Kichererbsen, Bananen, Mangos, Gummi, Leinsamen, Erdnüsse und verschiedene Gewürze. Für die Landwirtschaft ist die Viehzucht (Büffel, Pferde und Esel) von großer Bedeutung. Die wichtigsten Lasttiere in den Trockengebieten des Punjab und Rajasthans sind die Kamele. Schafe und Ziegen werden hauptsächlich wegen der Wolle gezüchtet. Regionale Bedeutung hat der Fischfang. Die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung Indiens bildeten nach der Unabhängigkeit die vielfältigen Bodenschätze. Indien gehört zu den weltweit führenden Produzenten von Eisenerz, Kohle und Bauxit. Die Textilindustrie ist immer noch die älteste und wichtigste Industrie- Branche Indiens (hauptsächlich Baumwollstoffe). Folgend sind die Eisen- und Stahlindustrie sowie die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte wie Tee, Getreide, Ölsamen, Zucker und Tabak. Einen gewaltigen Aufschwung hat in den letzten Jahren die Computerindustrie, insbesondere der Softwarebereich, erlebt. Die südindische Stadt Bangalore gilt als das "Silicon Valley" Indiens.

Religion:
Drei von vier Inder, also etwa 85 % sind Anhänger des Hinduismus, 11 % sind Muslime, 3,5% sind Christen und zwei Prozent sind Sikhs (Mischung aus Islam und Hinduismus). Außerdem gibt es kleinere Gruppen von Buddhisten (Buddha verkündet ebenfalls die Wiedergeburt, es gibt keine Götter, sondern durch die Befolgung von Regeln kann man dem Kreislauf entrinnen). Zu den ältesten Religionen der Welt zählt der Hinduismus, ist mehr eine Lebensweise als eine Religion. In seinen verschiedenen Ausprägungen ist er unwahrscheinlich vielfältig. Die zyklische Vorstellung von Geburt, Tod und Wiedergeburt ist der Schwerpunkt. Die Seele wandert von einem Leben zum nächsten, der Hindu muss, um die Erlösung zu erlangen, den Pflichten, die ihm durch seine Kaste vorgegeben sind, nachkommen. Im Hinduismus werden eine Menge Gottheiten verehrt, denen im persönlichen Haus und auch in Tempeln Verehrung entgegengebracht wird. Fester Bestandteil der Glaubenspraxis sind Wallfahrten zu heiligen Plätzen. Weitere in Indien vertretene Glaubensrichtungen sind der Janaismus (die Wiedergeburt schließt auch Tiere und Pflanzen ein, hohe Bedeutung der Meditation, Achtung vor Lebendigem) und der Zoroastrismus (persischen Ursprungs, der Mensch wird nach seinen Gedanken und Taten gut/böse am Ende des Lebens beurteilt).

Vegetation:
Nur noch in wenigen Landesteilen ist der klassische indische Dschungel anzutreffen. Der größte Teil des Landes ist Kulturland geworden. Rhododendron und Wacholder trifft man im Himalaya unterhalb der Schneegrenze (5000 m) an. In tieferen Lagen liegen die Wälder. Es ist möglich, Mais bis ca. 3000 m anzubauen, Getreide bis unter 2600m angebaut werden und Reis bis unter 2000 m ü. d. M. Je nach Niederschlagshäufigkeit findet man in den anderen Regionen Indiens Palmen (Kokos, Datteln, Betelnuss), dazu Tee und Kaffee, Sandelholz, Baumwolle, Zuckerrohr, Erdnüsse, Tabak und viele andere Wirtschaftspflanzen. Bambus ist überall anzutreffen.

Tierwelt:
Überall ist bekannt, die indische Kuh ist heilig. Zurückzuführen ist dies auf die herausragende Bedeutung der Rinder beim Ackerbau, wo sie wichtig sind zur Bodenbestellung. Durch den buddhistischen Einfluss der Nichtverletzung des Lebens wurde diese wichtige lebenserhaltende Funktion in ein Tötungsverbot für Rinder umgewandelt. Jagdverbote bestehen für den bengalischen Tiger, dessen Bestand auf ca. 6000 Tiere in Indien zurück gegangen ist. Reservate zum Schutz der Tiere und ihres Lebensraumes wurden errichtet. Großkatzen wie darunter Löwen, Leoparden und Geparden finden auch ihren Lebensraum in Indien. Im westindischen Gir-Reservat oder im Kumbhalgarh-Schutzgebiet kann man mit etwas Glück Lippenbären beobachten. Elefanten werden nach wie vor zur Waldarbeit eingesetzt. Affen vieler Art kann man in Indien beobachten. Besonderen Schutz genießen einige Rhesusaffen in Tempeln, sie leben zum Teil sogar in den Städten. Der indische Nationalvogel ist der Pfau ist und wird gerne als Haustier gehalten. Der Beo wird oft in Gefangenschaft gehalten, da er bemerkenswert gut sprechen kann, mit seiner durchdringenden Stimme kann er sämtliche Geräusche täuschend nachahmen. Findet man rostrote Hügel, sind das meist die Heimat von Termiten. In diesem komplizierten Konstrukt aus Lehm, Holzresten und Speichel leben bis zu 3 Mio Termiten. Mit ihrer Farbigkeit machen die Insekten Indiens diesem tropischen Land alle Ehre. Besonders schön sind die Schmetterlinge, deren größter Vertreter eine Spannweite bis zu 20 cm aufweisen kann.

Kulinarisches:
Kulinarisch hat Indien sehr viel zu bieten. Die Küche Südindiens ist leicht, oft vegetarisch und scharf. Im Norden Indiens ist sie fetthaltig, nicht so scharf gewürzt, Brot wird oft als Beilage gereicht. Man trinkt Tee, anders im Süden, wo Kaffee bevorzugt wird. Spezialitäten der nordindischen Küche sind beispielsweise Tandoori-Gerichte. Hier wird Gemüse und Fleisch in einer Joghurt-Gewürzmarinade in einem speziellen Backofen gebacken. Die Südindische Küche bietet sogenannte "Thalis", eine Platte mit Gemüsen, Joghurt und Chutney an. Dazu wird Reis gereicht. Schmackhaft sind auch die Snacks in den südindischen Restaurants sowie die süßen und leckeren Desserts. Probiert sollte unbedingt "Barfi", ein Milchdessert mit Gewürzen und Nüssen oder "Kulfi", indisches Eis mit Kardamom- oder Pistanziengeschmack. Neben Tee und Kaffee werden Softdrinks wie Cola, Lime Soda oder Kokosnussmilch angeboten. Alkohol wird in Bars und Restaurants mit "Permit" ausgeschenkt. Aufgrund der ungewissen Hygiene der regionalen Biere, sollte man sich an die bekannten Sorten halten.

Sitten und Gebräuche:
Bettler gehören in Indien zum allgegenwärtigen Straßenbild. Ein soziales Netz für Bedürftige oder Alte gibt es nicht, sodass viele auf Almosen angewiesen sind. Nach dem Besuch eines Tempels oder einer Moschee sind Gaben für Mittellose gängig. Auch hier werden allerdings Kinder oft dafür benutzt, um mehr Geld rauszuschlagen, besonders in den Städten sind die Bettler so organisiert. Es kann vorkommen, dass die Bettler in den Touristengebieten oft sehr aufdringlich sind, was neben Mitleid auch zu Verärgerung führen kann. Man kann sich sicher sein, das alte Menschen wirklich notleidend sind, während Kinder oft eher zum Betteln als zur Schule geschickt werden.

Souvenirs:
Beliebt sind hier in aller Welt die zahlreichen Seiden- und Baumwollstoffe. Als Souvenir sind auch Stickereiarbeiten mit kleinen Spiegeln sehr bevorzugt. Edel sind Schals aus Kashmirwolle, aber auch andere Wollschals können erworben werden. In allen Touristenzentren zu finden sind die Teppichknüpfereien, gleichzeitig berühmt und umstritten. Hersteller, die bei ihrem Teppichen das Label "rugmark" verwenden, verzichten auf Kinderarbeit. Besonders günstig sind in Hyderabad Schmuckstücke aus echten Perlen, aber auch Silberarbeiten aller Art. Teuer ist aufgrund der 22 Karat (hohe Besteuerung) Goldschmuck. Weiterhin sind beliebt Holz- und Einlegearbeiten oder auch Götterfiguren aus Stein. Größere Objekte werden auch problemlos verschickt. Ins Rückreisegepäck eines Hobbykochs dürfen Lebensmittel wie Pickles, Gewürze oder auch Tee nicht fehlen. Einfach die vielen Märkte durchstöbern!



Indonesien

Die Republik Indonesien stellt mit seinen rund 13 700 Inseln (von denen ca. 6000 bewohnt sind) die Verbindung zwischen Asien und Australien her und ist der größte Inselstaat der Welt. Indonesien besteht aus vier Hauptinseln Java, Sumatra, Kalimantan und Sulawesi. Hinzu kommt noch Irian- Jaya (westlicher Teil von Neuguinea), welches einen Sonderstatus genießt. Der Inselstaat Indonesien liegt beiderseits des Äquators, überwiegend südlich des Äquators.

Fläche: 1.919.443 km2, davon entfallen auf Irian-Jaya 412.781 km2, auf Timor-Timur 14.925 km2.

Bevölkerung: Ca. 190 Millionen Einwohner, von denen 65-70% auf Java leben.

Städte:
Insel Java
Jakarta (Hauptstadt) ca. 9,3 Mill. Einwohner,
Surabaya ca. 2,5 Mill. E.,
Bandung ca. 1,7 Mill. E.,
Semarang ca. 1,5 Mill. E.,
Malang ca. 650 000 E.,
Solo ca. 450000 E.,
Jogjakarta 500 000 E.
Insel Sumatra

Medan ca. 2 Mill. E.,
Palembang ca. 900 000 E.,
Padang ca. 500 000 E.;
Insel Sulawesi

Ujung Pandang ca. 750 000 E.

Sprache:
Amtssprache Bahasa Indonesia (lateinische Buchstaben), weitere zahlreiche Regionalsprachen; als Handels- und Geschäftssprache auch Englisch.

Feiertage:
1. Januar, Karfreitag, Himmelfahrt, 17. August, 25. Dezember, außerdem jährlich wechselnde islamische, hinduistische und buddhistische Feiertage.

Zeit:
Westzone (Sumatra, Java, Madura, Bali) MEZ + 6 Std.; Zentralzone (Kalimantan, Sulawesi, Bali usw.) MEZ + 7 Std., östliche Zone (Molukken, Irian-Jaya) MEZ + 8 Std. (während der europ. Sommerzeit beträgt der Zeitunterschied jeweils eine Stundeweniger).

Klima:
Das Klima Indonesiens wird von den Monsunen geprägt uns ist überwiegend tropisch. Die Temperaturen sind gleichmäßig hoch, bei einem Jahresdurchschnitt über 27°C, welche aber durch die Seewinde etwas gemildert werden. In den Küstengebieten liegen die Temperaturen bei 24-35°C, im Lnadesinneren 20-30°C und im Bergland 16-26°C. Ebenfalls umfangreich sind die jährlichen Niederschlagsmengen, daher liegt die Luftfeuchtigkeit ständig bei rund 80 Prozent. Größere Abkühlung nur nachts in den Bergen. Der Ost- und West- Monsun bestimmt die Regen- und Trockenzeiten des Landes. Auch in Jakarta ist es fast ganzjährig heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit und wenig Luftbewegung (Smog kommt vor). Die Monate Mai bis September sind die beste Reisezeit für Indonesien, dann ist fast überall Trockenzeit.

Für die Hauptinseln gilt folgendes:

Sumatra: Die Monate Oktober bis April sind die Haupt- Regenzeit an der Westküste und im gebirgigen Hinterland, teilweise auch bis Juni oder August, mit 12-21 Regentagen im Monat; Eine Trockenzeit im eigentlichen Sinne existiert nicht. Etwas ähnliches gibt es von Juni bis August im Nordwesten und inneren Teil der Nordhälfte mit nur ganz geringfügigen Niederschlägen. Von Oktober bis Januar ist hier die Hauptregenzeit mit ca. 17 Regentagen im Monat.
Kleine Sunda Insen (auch BALI): Von Dezember bis März ist hier Regenzeit mit 11-18 Regentagen im Monat, in Berggebieten bis 24 Tage. Die Monate April bis Oktober sind die, mit dem geringsten Niederschlag.
Java/Madura: charakteristisch sind unterschiedliche Regenverhältnisse. Nur ganz geringe Niederschläge von Juni bis Oktober (im Westen von Java meist Juli bis September). Die Trockenzeit dauert auf der Nordseite von Java 1 bis 3 Monate, südöstlich von Surabaya 6 Monate und auf Madura 4 bis 5 Monate. Von November bis mindestens März, in der sommerlichen Regenzeit, regnet es oft an 14-20 Tagen im Monat.
Kalimantan: Von November bis Mai sind die häufigsten Regenfälle, von Juli bis September der geringste Niederschlag.
Irian-Jaya: Mit wenigen Ausnahmen verteilen sich die Niederschläge gleichmäßig über das ganze Jahr, im Monat etwa 8-20 Regentage. Der wenigste Regen fällt von Juni bis Oktober, im äußersten Nordwesten von November bis Februar.
Bekleidung
Das ganze Jahr über atmungsaktive, gut waschbare, leichte, Sommerkleidung. wird auf geachtet. Sehr förmlich ist die Kleidung bei festlichen Anlässen. Korrekte Kleidung sollte im Geschäftsleben getragen werden. Indonesien ist sehr konservativ, dem sollte man Respekt begegnen und außerhalb der Strände und Hotelbereiche dezente Kleidung tragen. Oft muß mehrmals am Tage wegen des Klimas speziell wegen der hohen Luftfeuchtigkeit die Wäsche gewechselt werden. Die Wäsche wird im Hotel schnell und billig gewaschen. Leichte Wollsachen ist in den Bergen am Abend erforderlich. Im Gepäck sollte auch Regenschutz und eine gute Sonnenbrille zu finden sein.

Bedienung/Trinkgeld:
15,5% Bedienung und Steuer kommen in den meisten Hotels und Restaurants noch mit auf die Rechnung. Trinkgelder nach eigenen Ermessen. Ist kein Servicezuschlag auf der Rechnung, sind 5-10% Trinkgeld üblich. Gepäckträger ca. 1000 Rp. pro Gepäckstück. Taxifahrer erhalten kein Trinkgeld. Möglichst immer genügend Wechselgeld mit sich führen.

Nahverkehr:
Klimatisierte TAXEN mit Taxameter findet man nur in Jakarta, Bandung, Surabaya. Diese kosten etwa 1000 Rp. pro km. Man sollte darauf achten, daß der Taxameter eingeschaltet ist! Die besten Taxen sind die blauen "Blue Birds". Die komfortablen "Silver Birds" (Jakarta) haben einen Grundpreis von ca. 2500 Rp. Für kürzere Entfernungen kann man auch BEJAKS (eine Art Fahrrad-Rikscha, außerhalb Jakarta), Fahrpreis ca. 750 Rp.;BAJAJsbar) benutzen. In öffentlichen, meist sehr vollen Stadtbussen sollte man aufgrund der hohen Diebstahlgefahr achtsam sein. Wenn möglich auf andere Verkehrsmittel zurück greifen.

Öffnungszeiten:
Banken: Mo bis Fr 8/8.30-12/14 Uhr, teilweise Sa 8-13 Uhr (unterschiedlich, je nach Bankengruppe);
Läden: Mo bis Sa 9/10-21/22 Uhr (teilweise auch nur bis 17.30 Uhr);
Büros: Mo bis Fr 7/9 bis 15/17 Uhr (vereinzelt auch Samstagvormittag).
Stromspannung
220 Volt Wechselstrom, 50 Hz (2poligeStecker) in den meisten Hotels. Vereinzelt aber auch 110 Volt, 50 Hz. Immer einen Adapter mitnehmen! Zu starken Schwankungen der Stromspannung kommt es fast immer n den Abendstunden.

Hinweise Gesundheit:
Wasser nur aus original - verschlossenen Flaschen trinken. Ansonsten muß Wasser grundsätzlich abgekocht werden. Auf Eiswürfel in Getränken verzichten, wenn nicht garantiert ist, daß sie mit abgekochtem Wasser hergestellt wurden.

Hauptsehenswürdigkeiten:
Jakarta: Nationalmuseum, Taman Mini Indah (Indonesia Miniatur), Pasar Ikan (Fischmarkt), Ancol, Sunda Kelapa;
Bogor (Java), 56 km von Jakarta: Präsidentenpalast, Puncak Pass, Botanischer Garten;
Jogjakarta: Batik-Manufakturen Sultanspalast; Ausgangspunkt für Besichtigungsfahrten zu den Tempeln von Borobudur und Prambanan;;
Bali: Ferieninsel; sehenswert: Barong-Tanz, Kecak-Tanz, Legong-Tanz, , Volkskunst in Ubud, zahlreiche Tempelbezirke usw. Ausflüge durch Hotels oder Reisebüros organisiert.

Drogenbesitz:
Der Besitz oder der Handel mit Drogen aller Art wird schwer bestraft (in gravierenden Fällen sogar Todesstrafe möglich). Selbst die "Kenntnis" von Drogenbenutzern kann bestraft werden.



Iran

In acht Stunden durch Teheran

Ein glitzerndes Lichtermeer steht über mir und scheint zum Greifen nah. Hier in der Wüste ist die Luft glasklar und kalt, die Dunkelheit vollkommen und die Stille überwältigend. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass am Himmel so viele Sterne stehen. Ich liege im Schlafsack auf meiner Luftmatratze und kann von dieser Szenerie gar nicht genug bekommen. Der Kontrast zu Teheran ist riesig und mit Schaudern denke ich an eine die Metropole zurück.

Der Atem unter meiner Maske kondensierte zu Wassertropfen, die mir am Hals herunterliefen, sich dort mit dem Ruß aus der Luft vereinten und einen schwarzen Dreckstreifen zurückließen. Meine Hände in den Handschuhen waren schweißnass, aber sie auszuziehen wäre wegen der Verletzungsgefahr bei einer Kollision zu groß. Die Partikel in der Luft brachten meine Augen trotz Sonnenbrille zum Tränen und ließen alles verschwimmen.

Ich hatte erst 5 Kilometer hinter mir, aber schon drei Außenspiegel mit meiner Handkurbel verbogen und vier Fahrzeuge mit meinen Greifreifen touchiert. In Deutschland hätte ich damit einen Schaden von mindestens 5000 € verursacht. Hier in den Straßenschluchten von Teheran wurde ich dagegen von den Autofahrern nur angelächelt. Aber der Schein trügt. Wenn sich ein Bewohner Teherans in sein Auto setzt, dann lässt er die berühmte Gastfreundschaft und Rücksichtnahme zurück und mutiert zu einem Rallyefahrer, der nur eines im Kopf hat: schnellstmöglich unter Umgehung sämtlicher Regeln des Anstands von A nach B zu kommen.

Dagegen empfand ich den Verkehr in Mexiko City als harmlos, Delhi raubte mir nur die Nerven und Bangkok war einfach gefährlich. Aber wer lebensmüde ist, der muss nur in Teheran im Rollstuhl eine vierspurige Strasse bei grüner Fußgängerampel überqueren. Hier herrschen die Gesetze des Dschungels: wer weiter kommen will, muss sich durchbeißen oder er geht unter. Es dauerte eine Weile, bis ich mich dieser Welt mit ihren eigenen Gesetzen unterwerfen konnte. Teheran ist voll von Ampeln, die Tag und Nacht von Rot auf Grün springen und irgendwie ein bemitleidenswertes Dasein führen, denn niemand beachtet sie. Ich musste mich zwingen sie auch zu ignorieren und statt dessen herausfinden, was wohl in den Köpfen der Fahrer links und rechts, vor und hinter mir vor geht, ob sie mich mit meiner Kopfhöhe von 1,30 m bemerkt haben und welche Fahrtrichtung sie wohl im nächsten Moment einschlagen werden. Gleichzeitig musste ich aufpassen nicht in die falsche Richtung zu geraten und versuchte während der Fahrt die Hinweisschilder in Farsi zu entziffern.

Etwas unkonzentriert beging ich den Fehler und stoppte an einer Ampelkreuzung bei Rot. Plötzlich ertönte hinter mir ein ohrenbetäubendes Hupkonzert, das mir durch Mark und Bein ging. „Ruhig bleiben“, redete ich mir ein, wechselte in den ersten Gang und versuchte mich über die Kreuzung zu kurbeln, auf die von allen Himmelsrichtungen Fahrzeuge fuhren. Doch überholende Autos drängten mich nach links. Keine Chance, ich musste mich dem Strom beugen und fuhr, ob ich wollte oder nicht, in die falsche Richtung. Mein Stadtplan war keine große Hilfe, viele Straßennamen wurden seit der Revolution umbenannt oder sind nur in Farsi beschriftet. Einzig ein Kompass würde mir weiterhelfen. Mein Ziel, den Holy Shrine, das Mausoleum des Ayatollah Khomeini 30 km südlich von Teheran zu erreichen, konnte mir nur gelingen, wenn ich meinen Sinn für die Himmelsrichtungen weckte.

Ich beobachtete die Sonne, die durch die Smogglocke nur schemenhaft zu erkennen war und orientierte mich Richtung Süden. Doch es ging nicht weiter. Ich war eingekesselt von Fahrzeugen, die so eng standen, dass selbst mit meinem Rolli von 50 cm Breite kein Durchkommen war. Vor mir ein Lkw, der mir mit seinen Rußschwaden den Atem nahm. Rechts ein Stadtbus, in dem Männer von schwarz gekleideten Frauen, durch ein Gitter getrennt, etwas neugierig und mitleidig auf mich herabsahen. Geschlagene 10 Minuten ging es keinen Schritt weiter. Als der Verkehr wieder rollte, drängelte ich mich an den rechten Straßenrand auf der Suche nach einem Übergang auf den Bürgersteig. Ich nahm den Mundschutz ab und atmete erleichtert tief durch, denn die Luft erschien mir hier unter den Fußgängern geradezu frisch und rein.

Ich suchte die nächstbeste Garküche auf - im Schaufenster 5 durchgekochte Hammelköpfe - und bestellte eine fette kräftige Hammelbouillon. Vor mir stand eine Flasche Coca Cola, die täuschend echt nach dem Original schmeckte. Selbst die Aufschrift „registered trade mark“ wurde kopiert. Dabei fiel mein Blick hinaus auf ein riesiges haushohes Wandbild das die amerikanische Flagge darstellte, mit der Aufschrift „down with USA“. Ein freundlich dreinschauender Herr, der mich beobachtet hat, seit ich hier war, näherte sich mit der Frage, woher ich komme. Ich bot ihm den Platz vor mir an und freute mich über den Kontakt. :“Warum fahren so viele Iraner amerikanische Schlitten, rauchen Marlboro und trinken Coca Cola, wenn Amerika so verteufelt wird?“, fragte ich ihn. Als hätte er diese Frage erwartet, antwortete er:“ Wir verteufeln Amerika nicht, es sind die religiösen Führer und ihre Anhänger. Sie glauben die amerikanische Wirtschaft schädigen zu können, wenn sie die geschützten Marken kopieren und billig verkaufen und wir freuen uns, wenn wir in den Genuss dieser Waren kommen. So einfach ist das“.

Ich stürzte mich wieder ins Verkehrsgewühl und versuchte aus der Stadt herauszukommen. Zum Glück ging es leicht bergab und der Verkehr lichtete sich, da sich die Fahrzeuge auf immer mehr Spuren verteilten. Fast unbemerkt landete ich auf der Autobahn. Ampeln wurden seltener und die Autos schneller. Ich hielt mich ganz rechts und nun ging es flott voran, denn die vorbeidonnernden Lkw gaben mir guten Rückenwind.
Ich passierte eine Polizeikontrolle und wusste genau, jetzt gibt es Ärger, denn Rollstühle haben auch in Iran nichts auf der Autobahn zu suchen. Ich schaute gar nicht auf, sah nur einen Augenblick lang die verwunderten Gesichter der Ordnungshüter, mit ihren Trillerpfeifen im Mund. Erst als ich längst vorbei war, ertönt das längst erwartete Pfeifen. „Zu spät“, sagte ich mehr zu mir selbst, „jetzt müsst ihr mich schon holen“, und ignorierte einfach das Rufen und Schreien hinter mir, in der Hoffnung nicht belangt zu werden. Sie ließen mich ziehen.

Endlich ein Hinweisschild, das auch in englischer Sprache beschriftet war:“ Holy Shrine, South Expressway“, ich musste rechts raus, kam an ein Autobahnkreuz und fuhr unter der Brücke hindurch. Schon hier konnte ich die vier Minarette und dazwischen eine golden glänzende Kuppel sehen, unter der der Sarg des Ayatollah Khomeini steht, und doch waren es noch 10 km bis dahin.

Schon wieder eine Kontrolle. Jetzt aber kam ich nicht so leicht davon: Zwei böse aussehende Polizisten in makelloser Uniform; mit großen Mützen bauten sich vor mir auf und begannen in Farsi auf mich einzureden, zeigten auf mein Gefährt und machten eine abweisende Handbewegung. Obwohl ich kein Wort verstand, wusste ich genau, was sie sagten. Als ich ihnen klar machen konnte, dass ich zum Schrein des großen Ayatollah Khomeini, Gott hab ihn selig, will, erhellten sich ihre Gesichter:„Aha“, dachte ich, „das war schon die halbe Miete“. Nun setzte ich noch eins drauf und behauptete, dass die letzte Kontrollstelle mir die Fahrt auf der Autobahn erlaubt hat. Ich hoffte inständig, dass sie nicht ihr Funkgerät in die Hand nahmen um meine Angaben zu überprüfen. Doch wahrscheinlich war ich so überzeugend, dass sie auf diese Idee gar nicht gekommen sind. Freundlich lächelnd traten sie beiseite und ließen mich passieren.

Langsam näherte ich mich dem Heiligtum. Vor mir erhob sich eine riesige goldene Kuppel mit einem großen Platz davor, der erahnen ließ, welche Atmosphäre hier herrscht, wenn zum Todestag Hunderttausende von Pilgern dem Begründer der islamischen Revolution die Ehre erweisen.

Ich nahm den Mundschutz und die Brille ab, zog die Handschuhe aus und spürte beim betasten des Gesichtes, dass ich vollkommen verdreckt war. So konnte ich da unmöglich hinein. In der Küche des Restaurants am Eingangstor unterbrach ich die Arbeit des Abwäschers und konnte mir an seinem Arbeitsplatz Gesicht und Arme reinigen.
Dieses Gebäude war gleichzeitig Mausoleum und Moschee doch wider Erwarten musste ich nicht meine Schuhe ausziehen, wie es alle Besucher befolgten. Ich kam in eine riesige Halle unter der von Säulen getragenen Kuppel und war freudig überrascht: wo ich auch hinsah, Rampen für Rollifahrer. Das hätte ich mir in den Straßen von Teheran auch gewünscht. Der Iran-Irak Krieg mit über 300000 Toten und unzähligen Verletzten, die von Staats wegen heroisiert werden, bewog die Behörden alle in Betrieb befindlichen Moscheen des Landes mit Rampen auszustatten.

Der ganze Boden war mit Marmor ausgelegt, den ich mit meinen schmutzigen Reifen gar nicht berollen mochte, doch da wurde ich von der Aufsicht freundlich hereingebeten. Es war gerade Gebetsstunde und ca 200 Gläubige knieten, den Kopf auf kleine runde Gebetssteine gesenkt, Richtung Mekka. An der linken Seite der Halle sah ich einen mit Silber vergitterten Schrein, in dem der Sarg, verhüllt mit grünen Tüchern, aufgebahrt war. Jeder Besucher küsste das Gitter, murmelte dabei Gebete und warf zum Schluss einen 10000 Rial-Schein durch die Öffnungen, so dass sich eine Schicht von ca. einen Meter Geld im Innern angehäuft hat. Unweigerlich wurde ich bei diesem Anblick an Dagobert Duck erinnert und tatsächlich entdeckte ich unter den Scheinen mehrere Dollar-Noten.

Da, eine Sternschnuppe jagt über den gesamten Sternenhimmel, mit einem Schweif, der in meinen Augen noch lange sichtbar ist. Meine Sinne warten auf ein Geräusch, irgend einen Ton von diesem rasend schnellen Geschoss, das in der Erdumlaufbahn verglüht. Doch ich höre nichts außer einer großen Stille.

© mit freundlicher Genehmigung von Andreas Pröve


 

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