| |
| |

Tinnitus
Ein praktischer Ratgeber für Betroffene und alle,
die mehr über dieses Leiden wissen möchten
|
Dr.
med. Birgit Mazurek
Prof.
Dr. med. Volker Jahnke
Tinnitus-Zentrum
der Charitè Berlin
Dr.
med. Thomas Stinnesbeck
Wenn
es in den Ohren saust, zischt, klopft, dröhnt oder
klingelt...
|
...dann
ist oft Tinnitus die Ursache. Ein Leiden, das zunächst
mit Geräuschen im Ohr beginnt und schließlich als
chronischer Tinnitus die gesamte Wahrnehmung
beeinflusst. Doch chronischer Tinnitus ist primär keine
Krankheit des Ohres, sondern eine Fehlverarbeitung von akustischen
Signalen im
Gehirn. Ziel jeder Behandlung muss es deshalb sein, das Unterbewusstsein
von der Wahrnehmung lästiger Geräusche abzukoppeln,
also das akustische
System auf die normale Wahrnehmung zurückzuführen.
Dieses Ziel ist heute erreichbar geworden durch die Kombination
modernen Therapiemethoden
und Technologien. Was Sie dazu tun müssen, erfahren Sie
nun...
Tinnitus
Ohrensausen oder mehr?
|
Tinnitus
tritt in den unterschiedlichsten Formen auf. Das Leiden spielt
sich in Form verschiedenster Geräusche scheinbar im Ohr
ab, ohne dass wirklich ein
äußerer Reiz auf das Ohr einwirkt. Das bedeutet,
keine akustischen Stimulation aufzunehmen und trotzdem ständig
lästige Geräusche zu hören
ein
gefährlicher Kreislauf, der da im Kopf eines Betroffenen
angestoßen wird...Tinnitus
ist die medizinische Bezeichnung für die Wahrnehmung von
Geräuschen, die keiner externen Geräuschquelle zugeordnet
werden können. Wahrgenommen
werden solche Geräusche, die wie ein Läuten, Zischen,
Summen oder Rauschen klingen. Diese Geräusche können
schließlich eine so hohe Aufmerksamkeit
erzwingen, dass sie zur alles beherrschenden Wahrnehmung werden.
Ein Zustand, der Wohlbefinden und Lebensqualität deutlich
einschränkt.
Man spricht dann von dekompensierten Tinnitus. Es gibt zahlreiche
Inidzien dafür, dass in der weit überwiegenden Mehrzahl
die Ohrgeräusche ihre
Ursache tatsächlich im Ohr haben (cochleär). Irgendwann
kommt eine Fehlinformation aus dem Ohr, wird über die Gehörbahn
dem Gehirn zugeführt und
löst einen Kreislauf des Hörens auf Geräusche
aus, die tatsächlich im Gehirn produziert werden. Ein Kreislauf,
der sich jedoch schnell tot läuft, wenn
die ursprüngliche Information nur von kurzer Dauer war.
Erfolgt
die Information über längere Zeit bzw. wird der zentrale
Kreislauf immer wieder von neuem angestoßen, kann er sich
durch interne Rückkopplung verselbständigen.
Er läuft auch dann weiter, wenn gar kein weiteres Fehlsignal
an das Gehirn gesendet wird. An dieser Fehlverarbeitung sind
verschiedene Gehirnzentren
beteiligt, u. a. das sogenannte Limbische System,
welches Sitz unserer Gefühlswelt ist. Weil sich die Wahrnehmung
des Tinnitus schließlich
nur noch im Gehirn abspielt, spricht man auch von einem zentralisierten
Ohrengeräusch.
In
diesem Zusammenhang ist interessant, dass völlig normal
hörende Menschen, die im Rahmen eines Experiments in eine
schalldichte Kammer gesetzt wurden,
nach einer Weile einen Tinnitus wahrnahmen. Es scheint sich
bei Tinnitus also um eine Art Grundaktivität unseres Hörsystems
zu handeln, die wegen
ihres geringen Pegels normalerweise nicht wahrgenommen wird.
Nur wenn Tinnitus unsere akustische Aufmerksamkeit
erlangt, wird er für uns zum
Problem.
Beim
akuten Tinnitus: Schnell zum Arzt!
|
Tritt
ein Tinnitus erstmals bei Ihnen auf, insbesondere wenn er mit
einem Hörsturz einhergeht, so muss es heißen: Schnell
zum Arzt. Denn dieser kann fachkundig
klären, wie leicht oder schwer die Erkrankung ist. Das
rechtzeitige Einleiten einer akuten Therapie soll die Entstehung
eines chronischen Tinnitus verhindern.
Es würde den Rahmen dieser Schrift sprengen, die möglichen
Ursachen detailliert zu beschreiben es gibt einfach zu
viele davon. Besteht keine identifzierbare
zugrunde liegende Erkrankung, so sind allgemeine durchblutungsfördernde
und sauerstoffanreichernde Maßnahmen (Infusion, selten
hyperbare Sauerstofftherapie)
angezeigt. Oft verschwindet damit der Tinnitus.
Hartnäckig:
Der chronische Tinnitus
|
Hält
ein neu aufgetretener Tinnitus länger als drei Monate an,
so spricht man von chronischem Tinnitus. Diese Seiten handeln
ausschließlich von ihm. Die
Diagnose Chronischer Tinnitus setzt eingehende Untersuchungen
(u. a. beim HNO-Arzt, Neurologen und Orthopäden) voraus.
Mögliche Ursachen eines chronischen
Tinnitus können neben Schädigungen im Innenohrbereich
(z. B. Schwerhörigkeit im Alter, Hörsturz, Morbus
Menière) auch Verengungen der großen
Halsgefäße, Abnutzung der Halswirbelsäule, Kiefergelenkstörungen
und eine Reihe von internistischen Erkrankungen, wie z. B. Diabetes,
Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck sein.
Tinnitus
eine Schädigung des Ohrs...
|
Die
häufigste Ursache für einen chronischen Tinnitus ist
jedoch eine Schädigung des Innenohres. Typisches Beispiel
ist das Lärm- bzw. Knalltrauma. Dabei findet
sich eine Schädigung der inneren und äußeren
Haarzellen in der Hörschnecke im Innenohr. Viele Betroffene
lokalisieren die Frequenz ihres Tinnitus gerade
dort, wo die Schwelle zwischen normalem Hören und einer
Hörschädigung liegt.
...oder
eine Wahrnehmungsstörung des Gehirns?
|
Selbst
wenn eine Hörschädigung häufig am Anfang eines
Tinnitus-Leidens steht, so handelt es sich doch um einen Prozess,
der sich mit der Zeit verselbständigt.
Dem chronischen Tinnitus liegt nach einer Weile kein Signal
mehr zugrunde, welches vom Ohr an das Gehirn gesendet wird.
Aus diesem Grunde würde
ein Tinnitus selbst dann nicht verschwinden, wenn man den Hörnerv
durchtrennen würde! Vielmehr ist es das Gehirn selbst,
welches nach einiger Zeit
Ihre Aufmerksamkeit so steuert, dass Sie Ihren Tinnitus ständig
bewusst wahrnehmen und sich immer mehr darauf konzentrieren.
Tinnitus wird letztendlich mehr erlebt als gehört.
Haben
Sie das Empfinden, an Tinnitus zu leiden, so ist eine der ersten
Maßnahmen beim HNO-Arzt wie auch später beim Hörgeräteakustiker,
ein Audiogramm aufzunehmen. Zeigt das Audiogramm eine Hörminderung,
lässt sich der Tinnitus fast immer in jenem Frequenzbereich
lokalisieren, in dem das Hörvermögen nachlässt.
Oft jedoch dokumentieren die Audiogramme von Tinnitus-Leidenden
nichts Auffälliges, d. h., es kann ein völlig normales
Gehör vorliegen. Manche Ohrgeräusche sind nachweisbar,
andere nicht. Es gibt bestimmte, sehr seltene Ausprägungen
von Tinnitus (z. B. bei Gefäßanomalien), bei denen
das Ohrgeräusch mit einem Mikrofon hörbar gemacht
werden
kann. Solche sogenannten objektiven Ohrgeräusche können
nicht nur vom Patienten, sondern auch vom Untersucher wahrgenommen
werden. Ansonsten
muss festgestellt werden, dass die meisten Ohrgeräusche
subjektiv sind, also nicht hörbar gemacht werden können.
Zwar kann man aus dem Audiogramm
häufig ersehen, wo jemand seine Tinnitus-Frequenz
hat, nicht aber, ob jemand tatsächlich Tinnitus hat oder
nicht. Es gibt daher auch keine Methode,
den eigenen Tinnitus für Dritte hörbar zu machen.
Tinnitus ist eine Störung, die nur für den Betroffenen
selbst erfahrbar ist.
Messen,
wie laut Geräusche sind...
|
Mit
Hilfe der Audiometrie kann man messen, wie laut ein Mensch ein
Geräusch empfindet. Gleiches gilt für die Bestimmung
der Frequenz. Hierbei handelt es
sich jedoch nicht um eine objektive, d. h. unanfechtbare
Messung, sondern um eine subjektive Beurteilung. Arbeitet der
Betroffene jedoch konstruktiv mit,
lassen sich die Messwerte sehr genau reproduzieren und geben
einen guten Eindruck von den tatsächlich empfundenen Lautheitsveränderungen.
Interessant
ist, dass Betroffene bereits geringste Veränderungen im
Bereich weniger Dezibel (z. B. nach Sport oder Anstrengungen)
als deutlichen Unterschied
in der subjektiv empfundenen Lautheit beschreiben.
...und
wie laut Tinnitus-Geräusche empfunden werden
|
Tinnitus
ist ein sehr leises Geräusch, etwa wie das Blätterrauschen
eines Baumes bei leichtem Wind. Tinnitus ist ein Geräusch,
welches knapp über der iIndividuellen Hörschwelle
liegt (zwischen 5 und 15 dB). Und Sie als Tinnitus-Betroffener
meinen, ein ICE braust mit 200 km/h durch Ihren Kopf! Zum Vergleich:
10 dB entspricht der Geräuschkulisse eines Waldes bei nahezu
Windstille. Interessanterweise ist schon das eigene Schluckgeräusch
sehr viel lauter: ca. 30 dB. Und trotzdem hören Sie Ihr
Schluckgeräusch nicht, es sei denn, Sie hören bewusst
hin!
Andere
Betroffene empfinden ihren Tinnitus anders
|
Da
es sich nicht um eine objektiv messbare Lautstärke handelt,
lässt sich auch das Lautheitsempfinden verschiedener Betroffener
nur schwer beurteilen. Die relative Empfindung divergiert sehr
stark. Soweit messbar (wie oben beschrieben), handelt es sich
um ein Lautheitsempfinden im Bereich 10 bis max. 15 dB über
der Hörschwelle, also um ein leises Geräusch. Gut
80 % aller Betroffenen leiden überhaupt nicht unter ihrem
Tinnitus, bei den übrigen 20% reichen die Beschreibungen
von störend bis unerträgliche.
Tinnitus
bleibt immer leise...
|
Die
messbare Lautstärke wird sich in keinem Fall wesentlich
verändern. Schwankungen liegen in sehr engen Grenzen und
Tinnitus bleibt immer ein leises Geräusch. In besonderen
Fällen bei fortschreitendem Hörverlust kann sich aber
der Tinnitus verstärken.
...auch
wenn Sie manchmal das Gefühl haben, Ihr Tinnitus werde
gelegentlich lauter und leiser.Die Lautstärke eines Tinnitus
kann sich situationsbedingt verändern. So berichten viele
Betroffene, dass ihr Tinnitus zum Beispiel beim Gähnen
oder Kauen leiser wird. Andere wiederum berichten, dass nach
oder während längerer Autofahrten, nach dem Sport,
bei Aufregung und Stress, aber auch nach besonderen geistigen
Anstrengungen der Tinnitus lauter wahrgenommen wird. Die Lautstärke
fällt jedoch sehr schnell wieder auf ihren Ausgangswert
zurück.
Warum
Sie Ihren Tinnitus als so laut wahrnehmen
|
Beim
chronischen Tinnitus scheint es sich, zumindest teilweise, um
eine Art Wahrnehmungs-störung bzw. Überinterpretation
im Gehirn zu handeln. Diese wird nach der heute vorherr-schenden
Lehrmeinung teilweise erlernt. Was folgt, ist ein Teufelskreis:
Das Gehirn erhält in jeder Sekunde viele Eindrücke
von allen unseren Sinnesorganen. Diese Eindrücke kann das
Gehirn gar nicht alle verarbeiten. Es muss filtern. Üblicherweise
geschieht dieses Filtern von Reizen so, dass das Gehirn zwischen
wichtig und unwichtig unterscheidet. Die als unwichtig eingestuften
Reize werden bereits auf einer niedrigen Stufe der Reizverarbeitung,
also noch unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, unterdrückt.
Hierfür kennen Sie viele Beispiele: das Ticken der Uhr
an der Wand, das Kratzen eines Pullovers beim erstmaligen Tragen,
das Summen eines Kühlschranks. Alle diese Eindrücke
nimmt das Gehirn beim erstmaligen Auftritt bewusst wahr, ordnet
sie dann aber als unbedeutend ein und unterdrückt von da
ab deren Wahrnehmung. Das Ticken der Uhr erreicht nicht mehr
unseren Bewusstseinshorizont. Man kann jedoch die bewusste Wahrnehmung
wieder aktivieren wenn Sie wollen, können Sie jederzeit
dem Kühlschrank lauschen und die Uhr wieder ticken hören.
Diese Art der Reizverarbeitung hat uns die Natur mitgegeben
und sie ist sinnvoll. Schließlich bringt es keinen
Überlebensvorteil, etwa das eigene Schluckgeräusch
oder ein monotones Hintergrundgeräusch zu hören. Das
ähnlich leise Knacken eines Astes im Walde dagegen müssen
wir hören, um eine Gefahr rechtzeitig erkennen zu können!
Es geht also darum, Signale im Sinne einer erfolgreichen Überlebensstrategie
zu bewerten. Nicht umsonst ist Hören ein zutiefst emotionaler
Prozess. Kennen wir ein Signal nicht und tritt dieses plötzlich
erstmalig auf, so bewerten wir es hoch und reagieren
meist mit Angst und Anspannung, als Vorbereitung auf eine Fluchtreaktion.
Genau so ist es bei Tinnitus. Wenn Tinnitus erstmals auftritt,
geschieht dies meist plötzlich und häufig in einer
besonderen Stress- oder Anspannungssituation (nicht umsonst
sagt man ...er hat viel um die Ohren!). Sie können
sich dieses Geräusch nicht erklären, andere in Ihrer
Umgebung können es nicht hören. Sie reagieren mit
Angst vielleicht auch mit Wut, denn immerhin nimmt Ihnen
der Tinnitus Ihr Recht auf Stille. Damit ist der
Tinnitus als Empfindung bereits negativ besetzt. Sie beginnen,
auf den Tinnitus zu lauschen, ob er noch da ist
oder ob er lauter geworden ist. Sie konsultieren
einen Arzt oder fragen Freunde. Vielleicht sagt man Ihnen dann
...da kann man nichts machen, ...das kann
Vorbote eines Herzinfarktes oder Gehirnschlages sein oder
dergleichen. Solche Antworten können für
Betroffene vernichtend sein und verstärken bereits vorhandene
Ängste und Sorgen, denn sie zeigen keine Lösungsstrategie
auf. Betroffene erleiden Anspannung ohne
Lösung, negativen Stress. Dies verstärkt wiederum
die Aufmerksamkeit in Bezug auf das Ohrgeräusch. Der Teufelskreis
schließt sich.
Phantomschmerz
und Spinnenphobie
|
Tinnitus
wird gelegentlich mit Phantomschmerz verglichen. Auch der Vergleich
mit einer Arachnophobie (Angst vor Spinnen) erscheint zulässig.
Während sich die
wenigsten unter uns einen Phantomschmerz vorstellen können
(ein Beinamputierter verspürt einen Schmerz im Bein, obwohl
dieses tatsächlich gar nicht mehr
da ist), haben wir doch alle eine Vorstellung von einer Spinnenphobie.
Auch diese Angst steht in keinem Verhältnis zum objektiven
Reiz (wir sind größer als
die Spinne und sie kann uns überhaupt nichts tun), sie
wird irgendwann einmal erlernt (meist in ganz jungen
Jahren im Verlauf von Hänseleien zum Beispiel durch
größere Geschwister), und sie kann sich im Laufe
der Zeit verstärken. Spinnenphobien sind gar nicht selten,
genau wie Tinnitus. Bei manchen geht diese Phobie
so weit, dass sie ihr Leben dominiert und beeinträchtigt.
Tinnitus
ist keine Krankheit...
|
Tinnitus
ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern ein Symptom.
Dieses Symptom besitzt beim chronischen Tinnitus für sich
selbst genommen zunächst keinen Krankheitswert. Tinnitus
kann jedoch zu einer Krankheit führen, wenn er beginnt,
Ihre Wahrnehmung zu dominieren. Dann treten häufig Schlafstörungen,
Ängste,
Depressionen und sozialer Rückzug auf. Es handelt sich
dann um einen dekompensierten Tinnitus.
...und
kein Vorbote einer Krankheit
|
Der
akute Tinnitus wird meistens mit einer Durchblutungsstörung
in Zusammenhang gebracht. Daher ist die zügige Vorstellung
beim Arzt zwingend! Für den chronischen Tinnitus aber gilt:
Weder ist Tinnitus Vorbote eines Herzinfarktes noch eines Schlaganfalles
und dergleichen.
Keine
Angst vor Gehirntumor und Arteriosklerose
|
Ob
ein Tinnitus auf einen Gehirntumor hinweist, wird stets bei
der Abklärung eines akuten (d. h. erstmals aufgetretenen)
und chronischen Tinnitus untersucht. In sehr seltenen Fällen
kann sich hinter einem einseitigen Ohrgeräusch ein gutartiger
Tumor des Hörnerven (Akustikusneurinom) verbergen. Solche
Tumoren sind extrem selten! Diese Erkrankung kann man durch
eine Hörnervvermessung (Hirnstammaudiometrie) oder ein
MRT (ein spezielles bildgebendes Verfahren) ausschließen.
Ebenso ist Tinnitus kein Indiz für eine Arteriosklerose.
Innenohrschädigung:
Nicht operabel
|
Oft
liegt dem Tinnitus eine Schädigung der Haarzellen im Innenohr
zugrunde. Diese Schädigung kann man leider nicht operieren.
Und geschädigte Haarzellen lassen
sich auch nicht regenerieren.
Tinnitus
mit und ohne Hörverlust
|
Häufig
kann ein Tinnitus mit einem Verlust an Hörvermögen
verbunden sein. Dabei sind insbesondere hohe Frequenzen betroffen.
Andererseits gibt es auch viele Tinnitusfälle,
bei denen kein Hörverlust besteht. Tinnitus ist kein Vorbote
einer Taubheit.
Besteht
ein gleichzeitiger Hörverlust, so kann sich der Tinnitus
durchaus bessern, wenn eine Hörgeräteanpassung erfolgt.
Deshalb ist ein Besuch beim Hörgeräte-Akustiker
unbedingt zu empfehlen. Entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung
ist die testweise Anpassung eines Hörgerätes mit keinerlei
Kosten oder Verpflichtungen
verbunden. Daher lohnt der Versuch. Der Hörgeräteakustiker
kann Ihnen auch sagen, ob ein Kombinationsgerät (Hörgerät
plus Tinnitus Control Instrument) sinnvoll ist.
Bei
einem lange bestehenden Tinnitus kommt es gelegentlich vor,
dass der Tinnitus verschwindet. Aber das ist eher selten. Ehrlicher
ist es, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass Sie lernen müssen,
mit dem Tinnitus umzugehen, ohne dass er Ihr Leben dominiert.
Immerhin fühlen sich 80% aller Betroffenen von ihrem Tinnitus
nicht belästigt.
Keine
absolute Heilung aber viele Wege, um das Leiden zu
lindern!
|
Es
gibt derzeit keine Therapie, die Tinnitus heilt, es gibt aber
eine Reihe von Therapieansätzen, die Tinnitus mit gutem
Erfolg deutlich lindern können. Leider sind die Therapiewege
nicht einfach: So gibt es keine Medikamente, keine physikalische
Therapie, keine Diäten und dergleichen, die bei einmaliger
oder kurzzeitiger Anwendung
einen Tinnitus zum Verschwinden bringen. Es gibt also
leider keinen einfachen Weg, der zum Erfolg
führt.
Dies
hat wohl hauptsächlich damit zu tun, dass die ursächlichen
Zusammenhänge der Tinnitus-Entstehung immer noch nicht
völlig erforscht sind. Am Ende wird
man vermutlich erkennen, dass es viele verschiedene Ursachen
für Tinnitus gibt, die ebenso viele unterschiedliche Therapien
bedingen.
Mit
dem Messer gegen den chronischen Tinnitus?
|
Leider
gibt es keine Operationsmethode. Selbst eine Durchtrennung des
Hörnervs, in der Vergangenheit versucht, kann den Tinnitus
nicht zum Verstummen bringen. Dies
stützt die Annahme, dass es sich um eine Wahrnehmungsstörung
in der höheren Verarbeitungskette des Gehirns handelt.
Leider
nur kurzzeitig wirksam: Ein Schmerzmedikament gegen den
Tinnitus
|
Das
Lokalanästhetikum Lidocain kann Tinnitus unterdrücken.
Dieser pharmakologische Effekt ist jedoch vorübergehend
und nur kurzzeitig wirksam.
Medikamente
können Tinnitus auslösen oder verschlimmern
|
Bestimmte
Medikamente können in hoher Dosierung einen Tinnitus auslösen!
Im Zweifelsfalle sollten Sie also stets den Beipackzettel lesen
und ihren Arzt fragen.
Es
gibt sogenannte Tinnitus Control Instrumente (TCI), die im Rahmen
einer Retraining-Methode erfolgreich eingesetzt werden.
Alternative
Heilmethoden: Nur bedingt nützlich
|
Viele
Hilfesuchende haben im Schnitt zehn Therapien hinter sich.
Das zeigt schon: Eine Methode, die Tinnitus nachweislich beseitigt,
gibt es nicht. Viele scheinbar sensationelle Heilerfolge der
Vergangenheit haben sich als nicht reproduzierbar erwiesen.
Wir raten entschieden von allen Therapien ab, die auf magischen
Elementen, unbekannten Phänomenen, nicht-physikalischen
Energieflüssen oder auf der Suggestion oder
dem Charisma des Therapeuten beruhen und nicht selten eine dauerhafte
Abhängigkeit vom Therapeuten schaffen. Jede Methode, die
eine Heilung verspricht oder als einzig wahre Methode
dargestellt wird, ist A
priori unseriös.
Bezahlt
die Krankenkasse meine Therapieversuche?
|
Ob
Ihre Krankenkasse Therapieversuche bezahlt oder nicht, ist nicht
einheitlich geregelt. Viele Kassen übernehmen zum Beispiel
die Kosten für besondere Therapiemaßnahmen
oder leisten Zuschüsse. Klären Sie dies vor Behandlungsbeginn
mit Ihrer Kasse.
Wirkung
fraglich: Die Laser-Gingko-Therapie
|
Diese
Methode wurde vor einigen Jahren sehr propagiert. Wissenschaftliche
Untersuchungen, u. a. an der Universitäts-HNO-Klinik Köln,
konnten jedoch keinen Wirksamkeitsnachweis
erbringen.
Nur
bei akuten Tinnitus zu empfehlen: Durchblutungsfördernde
Medikamente
|
Beim
akuten Tinnitus sollen die Sauerstoffversorgung und Durchblutung
bzw. Mikrozirkulation im Innenohr verbessert werden. Dies geschieht
mit Infusionen und durchblutungsfördernden Medikamenten,
oft mit gutem Erfolg. Beim chronischen Tinnitus geht man nicht
davon aus, dass es sich ursächlich um eine lokale Durchblutungsstörung
des Innenohres handelt. Daher muss hier der Therapieansatz ein
anderer sein. Trotzdem werden sehr gerne durchblutungs-fördernde
Mittel in Tablettenform verordnet oder vom Patienten verlangt.
Ein klarer, wissenschaftlich fundierter Wirkungsnachweis, dass
diese die Innenohrdurchblutung verbessern, fehlt jedoch. Speziell
fehlt ein eindeutiger Wirkungsnachweis bei chronischem Tinnitus.
Nur
bei akuten Tinnitus zu empfehlen: Durchblutungsfördernde
Medikamente
|
Besonders
zu empfehlen sind die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
(PMR), die Körpertherapie nach Feldenkrais, Autogenes Training,
Tai Chi Chuan, Biofeedback,
Atem-therapie, Meditation und Yoga. Eine Aufzählung, die
sicher nicht vollständig ist.
Aussichtsreich:
die Tinnitus-Retraining-Therapie
|
Die
Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) ist ein wissenschaftlich
begründeter Ansatz zur Behandlung von chronisch dekompensiertem
Tinnitus, Grundlage ist das sogenannte Neurophysiologische
Modell nach Prof. Jastreboff (USA). Diese Methode stammt
aus den USA und England und hat in diversen Untersuchungen in
verschiedenen Ländern ergeben, dass sich der Zustand bei
gut 70% der Therapieteilnehmer deutlich verbessert hat. Derzeit
laufen in Deutschland entsprechende Untersuchungen
und Feldversuche, u. a. an der Charitè Berlin. Viele
Tinnitus-Kliniken haben diese Methode ebenfalls übernommen.
Tinnitus
ist, soweit messbar, kein lautes Geräusch. Das heißt,
das subjektive Lautheits-empfinden kann als Ergebnis eines negativen
Lernprozesses angesehen werden,
in dessen Folge sich die Wahrnehmung des Tinnitus immer weiter
in den Vordergrund drängt. Die Tinnitus-Retraining-Therapie
geht deshalb davon aus, dass
man umgekehrt auch lernen kann, den Tinnitus weniger intensiv
wahrzunehmen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan
und setzt ein interdisziplinäres und
intensives Zusammenspiel zwischen Ärzten, Psychologen und
Hörgeräteakustikern voraus.
Tinnitus
keine Einbildung!
|
Die
TRT bestreitet nicht, dass Sie Ihren Tinnitus hören.
Im Gegenteil: Mit neueren Untersuchungsmethoden (PET= Positron-Emissions-Tomographie)
sind sogar tinnitusspezifische
Aktivitäten auf der Großhirnrinde nachweisbar. Es
handelt sich also primär nicht um eine psychische Störung.
Es wird auch nicht bestritten, dass
Tinnitus häufig eine konkrete Ursache hat bzw. hatte (z.
B. ein Lärmtrauma), oft mit Schädigung von Haarzellen
im Innenohr einhergehend. Jedoch muss zu
irgendeinem Zeitpunkt eine Verselbständigung des Tinnitus
und Überbewertung in der individuellen Wahrnehmung erfolgen.
Es gelingt dem Gehirn wie bei anderen,
unwichtigen Hintergrundgeräuschen nicht mehr, den
Tinnitus aus der Wahrnehmung auszublenden. Der Tinnitus kommt
in dieser Phase eindeutig nicht
mehr aus dem Ohr, sondern findet zentral
statt (nämlich im sogenannten Limbischen System, dem Sitz
unseres Gefühlslebens, und im autonomen Nervensystem).
Daher bestünde ein Tinnitus (nach der bisherigen medizinischen
Erfahrung) auch dann weiter, würde man den Hörnerv
durchtrennen, wenn also gar
kein Schallsignal mehr von Ohr zum Gehirn weiter-geleitet werden
kann. Dies erklärt auch das frühere Scheitern vieler
Therapien, die ausschließlich auf das Innenohr
abzielten.
Was
Sie von der Tinnitus-Retraining-Therapie erwarten können
und was nicht
|
Ziel
der Tinnitus-Retraining-Therapie ist die Habituation, also die
Gewöhnung an den Tinnitus und seine Beherrschung im Alltag.
Insofern gibt sie kein Heilungsversprechen ab. Vorteilhaft ist,
dass die Therapie unabhängig von der möglichen Ursache,
die sich ja meistens gar nicht bestimmen lässt, angewendet
werden kann und auf eine Verbesserung der Lebensqualität
zielt, statt eine Heilung zu versprechen. Damit
bietet sie Betroffenen eine klare Perspektive. Ein weiterer
Vorteil ist die Notwendigkeit zur aktiven Mitarbeit des Patienten.
Er wird damit aus der Rolle des passiv Leidenden befreit und
kann den weiteren Prozess aktiv mitgestalten und beeinflussen.
Das verlangt allerdings Einsicht, Zeit, Geduld, und den festen
Willen, etwas erreichen zu wollen. Die Tinnitus-Retraining-Therapie
ist außerdem absolut ungefährlich und nebenwirkungsfrei.
Medikamente werden nicht verabreicht, Hörbeeinträchtigungen
sind nicht bekannt.
Was
sich von anderen Betroffenen lernen lässt
|
In
der recht großen Gruppe der Betroffenen, die nicht unter
ihrem Tinnitus leiden, sind durchaus Patienten, die ihren Tinnitus
als sehr laut empfinden. Das heißt: Das subjektive Lautheitsempfinden
führt eindeutig nicht dazu, dass der Tinnitus als Bedrohung
und Zerstörung des persönlichen Lebensgefüges
empfunden wird. Auch wenn es verständlich ist, dass Sie
Ihren Tinnitus am liebsten vollständig los sein wollen:
Solange das nicht geht, weil es keine ursächliche Behandlungsmethode
gibt, solange sollte es Ihr realistisches Ziel sein, zu den
Betroffenen zu gehören, für die der Tinnitus zwar
immer noch fortbesteht, aber eben als Nebensache.
Von
Counseling bis TCI: Die vier Elemente der Tinnitus-Retraining-Therapie
|
Nach
Prof. Jastreboff (USA), der das Konzept der Tinnitus-Retraining-Therapie
zu Anfang der 90er Jahre formulierte, besteht diese aus den
Elementen Counseling (also der umfassenden Aufklärung und
fortgesetzten Betreuung eines Patienten) sowie der Versorgung
mit Tinnitus Control Instrumenten (TCI): Wie
jede Therapie hat jedoch auch die Tinnitus-Retraining-Therapie
im Laufe der Zeit Änderungen und Erweiterungen erfahren.
Heute spricht man vielfach von einem
Vier-Säulen-Konzept: Counseling, psychologische Betreuung,
Entspannungstechniken und Versorgung mit TCI (Tinnitus Control
Instrumenten). Das
wichtigste Element ist zweifelsohne das sogenannte Counseling.
Counseling ist am ehesten mit Beratung und Aufklärung zu
übersetzen. Ziel ist es, ein umfassendes
Verständnis derjenigen Mechanismen zu vermitteln, die zu
Tinnitus und dessen Verstärkung führen. Nur mit Verständnis
und Wissen können Sie
zu einer Neubewertung gelangen. Nur mit ausreichender Aufklärung
ist ein Abbau von Angstgefühlen möglich. Counseling
ist Ausgangspunkt der Tinnitus-Retraining-Therapie.
Rechnen Sie mit einem längeren Erstgespräch und mit
wiederholten Gesprächsterminen während der Therapie.
Eine weitere Säule ist
die psychologische Betreuung. Stress, innere Anspannung, verdeckte
Konflikte, Partnerschaftsprobleme und depressive Verstimmungen
sind häufig Begleiterscheinungen
oder manchmal sogar ursächliche Elemente im Teufelskreis
Tinnitus. Das psychologische Gespräch hilft, Zusammenhänge
aufzudecken und
Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Dabei ist die Gruppenarbeit
mit Menschen, die man nicht als Leidensgenossen,
sondern als Freunde im gleichen Boot
sieht, oft hilfreich. Entspannungstechniken helfen beim Stressmanagement,
erleichtern die Auseinandersetzung mit dem eigenen Zustand,
machen fit für
die Belastungen des Alltags und erhöhen die Lebensqualität.
Ein Hörtraining sensibilisiert wieder für die Geräuschvielfalt
unserer Umwelt. Ziel ist, die Ohren wieder
nach außen zu klappen! Die
Versorgung mit einem TCI (Tinnitus Control Instrument) schließlich
hilft, Stille zu vermeiden: Hierbei handelt es sich um spezielle
Geräte, die ein permanentes, leises
Therapierauschen erzeugen. Dieses darf den Tinnitus jedoch nicht
überdecken, denn: damit eine Gewöhnung (Habituation)
an den Tinnitus erfolgreich stattfinden
kann, muss dieser wahrnehmbar bleiben.
Häufig
sinnvoll: Die Mitwirkung eines Psychologen
|
Einen
Psychologen zu konsultieren, ist nach Prof. Jastreboff kein
zwingendes Element der Tinnitus-Retraining-Therapie. Dies gilt
speziell für leichtere Fälle. Einen Psychologen einzubeziehen,
ist andererseits häufig sinnvoll, da es um eine Gewöhnungstherapie
geht und der Psychologe helfen kann, Gewohnheiten zu erkennen
und zu durchbrechen, die einem selbst vielleicht noch nicht
einmal bewusst sind. Bedenken Sie Folgendes: Eine Umfrage hat
ergeben, dass in vielen Fällen eine besondere psychische
Belastung am Beginn des Ohrgeräusches stand. Vielleicht
übernimmt der Tinnitus auch Sündenbockfunktion
für geschwundenes
Lebensglück oder nicht gelöste Probleme jeder Art.
Ein Psychologe kann helfen, solche Zusammenhänge zu erkennen.
Nur
von speziellen Teams durchführbar
|
Die
Tinnitus-Retraining-Therapie ist eine Teamleistung und kann
nicht von einem Einzelnen erbracht werden. Jedes Element der
Tinnitus Retraining Therapie ist wichtig und erfordert den jeweiligen
Fachmann, das ärztliche Counseling genauso wie die korrekte
Einstellung eines TCI durch einen erfahrenen Hörgeräteakustiker.
Therapie
ohne Heilungsversprechen
|
Manchmal
verschwindet ein Tinnitus nach einer Tinnitus-Retraining-Therapie,
manchmal nicht: Die TRT gibt kein Heilungsversprechen ab. Ihr
Ziel ist die Habituation, die Gewöhnung an den Tinnitus,
nicht dessen Beseitigung. Viele Teilnehmer einer Tinnitus-Retraining-Therapie
berichten, dass ihr Tinnitus zwar noch da sei, sie
aber nicht mehr störe. Das ist doch ein toller Therapieerfolg,
oder? Manche TRT-Absolventen berichten sogar, dass ihr Tinnitus
verschwunden sei. Hierauf sollte
Ihr ganz persönliches Therapieziel aber nicht ausgerichtet
sein. Setzen Sie sich nicht selbst unter Druck. Die
Tinnitus-Retraining-Therapie ist eine Langzeittherapie und zielt
auf eine langfristig angelegte Besserung des individuellen Zustandes
ab. Daher ist die Tinnitus-Retraining-Therapie
üblicherweise auf eine Dauer von 12 bis 24 Monate ausgerichtet.
Erfolge sind jedoch zumeist schon nach 6 Monaten zu verzeichnen.
Hierbei sind
die Erfolgsaussichten über einen längeren Therapiezeitraum
zu betrachten. Insgesamt berichteten nach einem halben Jahr
bereits viele Teilnehmer, dass sich
ihr Zustand gebessert habe, bei Fortsetzung der Therapie stieg
der Prozentsatz nach 24 Monaten sogar auf Werte um 70
80%. Besserung ist hierbei nicht gleichzusetzen
mit Heilung. Den Tinnitus aus dem Bewusstsein zu
verdrängen, gelang innerhalb der ersten 6 Monate bei immerhin
ca. 30 % der Teilnehmer, nach 24 Monaten stieg dieser Prozentsatz
auf ca. 50 % (Quelle: in.ti Bad Meinberg). Diese Therapieteilnehmer
gaben an, dass ihr Tinnitus ihnen kaum noch bewusst sei
(nur noch Stille bzw. bei Aufregung tagsüber weg)
bzw. sie sprachen von einer deutlichen Linderung.
Tinnitus-Retraining-Therapie-
Therapie mit kleinen Einschränkungen
|
Die
Tinnitus-Retraining-Therapie ist derzeit für viele Mediziner
die Methode der Wahl. Dennoch gibt es wie immer in der
Medizin auch einige kritische Anmerkungen. So ist die
Zahl der nach wissenschaftlichen Kriterien über einen langen
Zeitraum untersuchten Patienten für eine fundierte Aussage
immer noch recht gering. Dies liegt auch daran, dass die Methode
selbst noch sehr jung ist. Weitere Untersuchungen sind zweifelsohne
erforderlich. Die Aussage mein Zustand hat sich gebessert
ist zudem subjektiv und mit wissenschaftlichen Methoden schlecht
messbar. Eine Standardisierung zur exakt reproduzierbaren
Anwendung der Methode von Team zu Team fehlt. Die
genannten Einwände sind berechtigt, leugnen aber nicht
die Erfolge der Tinnitus-Retraining-Therapie.
Tinnitus-Retraining-Therapie
eher ambulant als stationär
|
Die
Tinnitus-Retraining-Therapie ist eine typische ambulante Therapie.
Dennoch kann der Behandlungsbeginn in einer Tinnitus-Klinik
sinnvoll sein, besonders dann, wenn es notwendig erscheint,
den Betroffenen zeitweise aus dem Alltagsstress herauszulösen.
Ein längerer Kuraufenthalt ist in der Regel aber nicht
erforderlich.
Oftmals
entgegenkommend: Ihre Krankenkasse
|
Derzeit
gibt es kein einheitliches Verfahren, ob die Krankenkassen für
die Tinnitus-Retraining-Therapie einstehen, sodass es sich stets
um Einzelfallentscheidungen handelt.
Im Schnitt haben Tinnitus-Betroffene ca. zehn verschiedene Therapien
ausprobiert. Die Kassen beobachten selbstverständlich auch,
dass häufige Arztbesuche
und therapeutische Experimente in der Summe oftmals deutlich
teurer sind als eine Tinnitus-Retraining-Therapie. Daher steigt
derzeit ihre Bereitschaft,
die Therapiekosten zu übernehmen. Die Kosten für die
TCI (Tinnitus Control Instrument) werden hingegen meist kostendeckend
übernommen. Zuzahlungen
sind erforderlich bei individuellen Im-Ohr-Bauweisen und bei
Kombinations-geräten (also Hörgerät + TCI bei
gleichzeitigem teilweisen Hörverlust).
Wie
Tinnitus Control Instrumente helfen, den Tinnitus zu bekämpfen
|
Als
man begann, Tinnitus mit elektronischen Hilfsmitteln zu bekämpfen,
glaubte man, den Tinnitus einfach mit einem anderen, lauteren
Geräusch maskieren, d.h. übertönen zu können.
Daher stammt der Begriff Masker. Dieser Ansatz hat
sich jedoch als Sackgasse erwiesen, denn er ist nicht geeignet,
sich mit dem Tinnitus auseinanderzusetzen im Gegenteil.
Viele Menschen haben festgestellt, dass ihr Tinnitus bei Maskierung
wieder hörbar werden will und lauter wird. Es gibt also
leider keinen einfachen Weg, dem Tinnitus mit einem elektronischen
Hilfsmittel zu begegnen. Die Tinnitus-Retraining-Therapie arbeitet
ebenfalls mit elektronischen Hilfsmitteln jedoch mit
einem völlig anderen Ansatz als die früher verwendeten
Masker:
TCI:
Rauschen, aber nicht Lärmen
|
Ein
Grundpfeiler der Tinnitus-Gewöhnung ist es, Stille zu vermeiden.
Hierzu wird über hörgeräteähnliche Geräte
ein beständiges, leises Rauschen eingespielt. Dieses
Therapierauschen soll nur dann hörbar sein, wenn wenig
Umgebungsgeräusche vorhanden sind. Das Rauschen wird von
vielen als angenehm empfunden und
lenkt die Aufmerksamkeit vom Tinnitus ab. Statt ständig
zu kontrollieren, ob der Tinnitus noch da ist, konzentriert
man sich darauf, ob das Geräusch noch zu
hören ist. Für solche Geräte hat sich der Begriff
Noiser eingebürgert. Das englische Wort Noise
(u. a. in der Bedeutung Lärm) beschreibt jedoch
die Leistungsfähigkeit
moderner Therapiegeräte nur unzureichend, gerade was die
Generierung angenehmer Geräusche angeht. Deswegen bevorzugen
wir für moderne Geräte
den Begriff TCI (Tinnitus Control Instument).
TCI
gibt es auch kombiniert mit Hörgeräten
|
Sind
Sie gleichzeitig tinnitus-betroffen und schwerhörig, so
gibt es heute auch TCI in Kombination mit Hörgeräten,
neuerdings sogar in Digitaltechnik. Hierdurch kann
man eine bessere Sprachverständlichkeit erreichen. Bei
der Auswahl eines solchen Kombi-Gerätes sollten Sie unbedingt
darauf achten, dass die Lautstärke des
TCI unabhängig von der Lautstärke des Hörgeräteanteils
geregelt werden kann.
Walkman
tragen statt eines TCI zum Beispiel mit Meeresrauschen?
|
Im
Prinzip ja. Praktisch
ist dies jedoch nur schlecht durchführbar. Der Walkman
wird sich vielfach gar nicht ständig tragen lassen, sodass
ein auf und ab erforderlich wäre. Auch
beim Gespräch oder im Büro lässt sich der Walkman
schon aus Höflichkeitsgründen kaum tragen.
Und da einer der wesentlichen Grundsätze der Tinnitus-Retrainig-Therapie
ist, die Ohren für Umweltgeräusche zu öffnen,
muss jedwede Versorgung mit Hilfsmitteln gleichzeitig ein offenes
Hören ermöglichen und
darf die Ohren in keinem Falle zudecken.
Noch
einmal zum Thema Kosten: Was Ihre Kasse zum TCI dazuzahlt
|
Die
gesetzlichen Krankenkassen leisten Zuzahlungen für TCI
Geräte, wenn diese von einem Arzt verordnet werden. Hierbei
sind die Zuzahlungen für TCI-Geräte in
der Regel kostendeckend, für die Kombination TCI + Hörgerät
ist meist ein Eigenanteil erforderlich (so wie bei hochwertigen
Hörgeräten üblich). Die jeweiligen Übernahmebeträge
der Krankenkasse sind unterschiedlich und nicht bundeseinheitlich.
Bitte informieren Sie sich vorher bei Ihrer Kasse.
Ihr
Arzt wird eine TCI-Verschreibung nicht aus Kostengründen
ablehnen
|
TCI
sind nicht in der sogenannten Budgetierung, d. h. gesetzlichen
Kostenbegrenzung, enthalten. Wenn also Ihr Arzt kein TCI verschreiben
möchte, so ist das stets
medizinisch begründet.
Die
Verordnung des Arztes: TCI oder Masker?
|
In
der Heil- und Hilfsmittelverordnung sind bisher nur die veralteten
Masker als erstattungsfähig berücksichtigt. Die korrekte
Verschreibungsformulierung lautet Deshalb:
Tinnitus-Masker zur Teilmaskierung. Die geeignete Geräteauswahl
treffen Sie dann zusammen mit Ihrem Hörgeräteakustiker.
Warum
zwei TCI besser sind, auch wenn Ihr Tinnitus nur einseitig
ist
|
Ärztlicherseits
wird die beidseitige Versorgung emfpohlen, weil es ja um ein
Training der zentralen Hörbahn geht, die nicht auf eine
Seite des Gehirns beschränkt ist.
Doch darüber entscheiden Sie selbst. Ihr Akustiker wird
gerne ein beidseitiges Probetragen ermöglichen.
Tinnitus
wird durch TCI nicht lauter...
|
ssUns
ist jedenfalls kein Fall bekannt, in dem der Tinnitus durch
das TCI lauter geworden wäre. Zu bedenken ist hierbei,
dass das Lautheitsempfinden des Tinnitus ohnehin tagezeitlichen
und situationsbedingten Schwankungen unterworfen ist.
TCI
ist sinnvoll wissenschaftliche Studien dokumentieren
es
|
Ja,
es gibt erste Studien (die u. a. an der Tinnitus-Klinik in Bad
Meinberg durchgeführt wurden). In diesen wurde der Erfolg
einer Tinnitus-Retraining-Therapie jeweils mit und ohne begleitende
TCI-Versorgung untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die
Erfolgsquote bei gleichzeitiger TCI-Versorgung deutlich (um
ca. 20%) höher lag. Weitere Studien laufen (u. a. an der
Charitè in Berlin).
Jeden
Tag mindestens 6 bis 8 Stunden...
|
Während
der Tinnitus-Retraining-Therapie sollten Sie das TCI jeden Tag
mindesten 6 bis 8 Stunden (anfangs 2 bis 3 Stunden) tragen
und das während der gesamten
Dauer der Tinnitus-Retraining-Therapie, also unter Umständen
24 Monate und länger.
...selbst
wenn Ihr Tinnitus während des Retrainings nicht mehr
ständig präsent ist...
|
Die
tägliche Tragedauer von 6 bis 8 Stunden sollte nicht unterschritten
werden. Letztlich entscheiden jedoch Sie selbst. Sie sollen
das TCI tragen wollen und nicht
müssen.
...die
Nacht gehört dem Schlaf!
|
Das
Tragen eines TCI wird von vielen Betroffenen gerade beim Einschlafen
als angenehm empfunden. Dies ersetzt aber nicht die notwendige
Tragedauer am Tage.
TCI
nicht für immer und ewig
|
Tragen
Sie Ihr TCI nur so lange, bis die Tinnitus-Retraining-Therapie
abgesetzt wird, und so lange, wie Sie diese als angenehm empfinden.
Entscheidend ist Ihr persönliches Wohlbefinden. Um einen
Habituationserfolg zu erzielen, wird eine Tragezeit von 24 Monaten
empfhohlen.
Das
Weiße Rauschen wie Rauschen im Radio. Und das
Rosa Rauschen wie Meeresrauschen
|
Weißes
Rauschen ist ein Rauschen, welches alle Frequenzen gleich laut
überstreicht. Weißes Rauschen hört sich an wie
ein Radio, welches nicht auf einen Sender eingestellt ist. Beim
Rosa Rauschen dagegen werden die hohen Frequenzen zunehmend
leiser. Dadurch klingt das Therapierauschen tieftoniger, eher
wie Meeresrauschen. Natürlich
ist das noch nicht alles, was uns die Therapietechnik zu bieten
hat. So gibt es weitere Rauschqualitäten, zum Beispiel
ein dezidiertes Tieftonrauschen oder
ein Hochtonrauschen. Für Sie ist wichtig, dass unabhängig
von technischen Details eine Rauschqualität gefunden
wird, die Sie als angenehm empfinden. Eine
Rauschqualität, zum Beispiel ein dezidiertes Tieftonrauschen
oder ein Hochtonrauschen. Für Sie ist wichtig, dass
unabhängig von technischen Details eine
Rauschqualität gefunden wird, die Sie als angenehm empfinden.
Eine Rauschqualität, mit der Sie vielleicht sogar eine
positive Assoziation verbinden (Meeresrauschen).
Wenn Sie Ihr Geräusch nicht mögen, werden
Sie das TCI nicht tragen und der Sinn ist dahin.
Therapierauschen:
eine Differenzierung muss möglich sein
|
Wenn
der Tinnitus selbst wie ein Rauschen klingt, dann ist es wichtig,
ein Therapierauschen einzustellen, welches anders als der Tinnitus
klingt, denn sonstn ist die akustische Differenzierung nicht
möglich. Moderen TCI bieten die Möglichkeit, die Rauschqualität
anzupassen.
Einstellung
des Therapierauschens: Leiser als die Ohrgeräusche!
|
Bei
frühen Geräten ließ sich die Lautstärke
leider nicht sehr gut bzw. nicht fein regulieren. Die Lautstärke
korrekt einzustellen, ist jedoch für das richtige Funktionieren
Ihres
TCI unentbehrlich. Bei den neuen digitalen Geräten kein
Problem. Hier wird die Lautstärke so eingestellt, dass
das Therapiegeräusch andere Umweltgeräusche nicht
verdeckt und vor allem das Sprachverständnis nicht behindert.
Insbesondere muss garantiert sein, dass das Rauschen leiser
ist als das Ohrgeräusch selbst. Wenn
Ohrgeräusch und Therapiegeräusch etwa gleich laut
sind (Mixing Point), dann ist das Rauschen schon zu laut! Die
Einstellung des Gerätes ist also leise! Bei
normal lauten Unterhaltungen soll das Therapierauschen nicht
hörbar sein, sondern jeweils nur in den Sprechpausen. Die
Einstellung ist dann genau richtig, wenn
Sie das Therapiegeräusch gerade noch hören können
und in den Stillephasen aktiv suchen müssen,
um es wieder zu hören. Gleichzeitig müssen Sie jedoch
in der Lage sein, die Lautstärke selbst situationsbedingt
zu regulieren. Die Lautstärkeregelung funktioniert nur
am Ohr. Daher ist die Feinheit und Leichtigkeit
der Lautstärkeregelung ein besonders wichtiges Auswahlkriterium
für TCI-Geräte.
Einfach
den Tinnitus zu übertönen, hilft nicht
|
Der
Wunsch, den Tinnitus einfach zuzudecken, ist bei vielen Betroffenen
sicher sehr stark. Die Maskierung ist jedoch falsch und nicht
geeignet, den Tinnitus zu habituieren, denn nach Abschalten
des Geräusches wird der Tinnitus immer in unverminderter
Lautstärke in Ihrem Bewusstsein präsent sein.
Worauf
Sie bei der Auswahl eines TCI achten sollten
|
Beim
reinen TCI-Gerät sind die Feinregulierbarkeit und das leichte
Einstellen der Lautstärke ein besonders wichtiges Auswahlkriterium.
Die korrekte Ersteinstellung und
jede weitere Veränderung kann nur am Ohr vorgenommen
werden. Daher sind Trimmgeräte mit Schraubenziehereinstellung
nicht zu empfehlen. Wichtig ist
ferner, dass Sie das Therapiegeräusch subjektiv als angenehm
empfinden. Wenn Sie Ihr Geräusch nicht mögen,
werden Sie das TCI später nicht tragen. Ein
TCI mit einer Auswahl von Geräuschen und mit der Möglichkeit,
die Geräuschqualität zu verändern, ist sinnvoll
denn immerhin wird das Rauschen Sie bis zu
zwei Jahre begleiten. Achten Sie bitte bei der Kombination TCI
+ Hörgerät darauf, dass der Hörgeräteanteil
und das Therapiegeräusch unabhängig voneinander eingestellt
werden können. Insbesondere die Lautstärkeregelung
muss für Sie selbst später unabhängig vom Hörgeräteanteil
einstellbar sein.
Ihr
Arzt berät Sie und Ihr Hörgeräteakustiker
unterstützt Sie dabei, das richtige TCI auszuwählen
|
Wenn
Sie sich einfach selbst ein TCI besorgen wollen, so ist das
selbstverständlich möglich. Doch ist die Versorgung
mit TCI nur Teil einer Tinnitus-Retraining-Therapie.
Vielmehr sind Beratung, Diagnostik und Begleitung aus ärztlicher
Sicht unerlässlich. Jedenfalls sollten Sie, wenn Sie sich
zum Tragen eines Gerätes entschlossen
haben, auch dem Hörgeräteakustiker als Partner anvertrauen.
Die vielfältigen Auswahl- und Einstellkriterien verlangen
den Rat eines Fachmannes.
Keine
Zeit für Entspannungsübungen, psychologische Gespräche
und dergleichen? Das längere Tragen eines TCI hilft nicht!
Ein
TCI ist nicht die Lösung für Tinnitus.
Sondern es ist ein technisches Hilfsmittel, um äußere
Stille zu vermeiden. Und das bedeutet, dass Sie gleichzeitig
die
innere Stille suchen müssen. Deshalb sollten Sie Zeit für
Entspannung haben und damit für sich selbst. Entscheidend
für einen Retraining-Erfolg ist nun einmal
Ihr persönliches Wohlbefinden. Eine seelische Grundstimmung,
die nicht vom Himmel fällt, sondern nur mit viel Engagement
erreicht werden kann. Bei
Geräuschüberempfindlichkeit: Mit leiser Einstellung
beginnen: Ein
häufig bei Tinnitus auftretendes Phänomen ist Hyperakusis
(Geräuschüberempfindlichkeit). Das bedeutet manchmal
sogar Schmerzen in den Ohren bei alltäglichen
Umweltgeräuschen. Leiden Sie an Geräuschüberempfindlichkeit,
so besitzt die Desensibilisierung Vorrang. Das bedeutet, dass
Sie mit einer besonders
leisen Einstellung Ihres TCI beginnen, die über den Tag
nicht verändert wird. Mit der Zeit sollte die Einstellung
langsam lauter werden. Geduld ist
wichtig. Denn frühestens nach 2 Monaten spüren Sie,
wie Sie weniger geräuschempfindlich werden. Wichtig
ist, dass ein geeignetes TCI über eine Lautstärkebegrenzung
verfügt, bei der der Ausgangspegel sukzessive nachgeregelt
werden kann. Wichtig ist ferner,
beide Ohren zu versorgen. Dabei darf der Gehörgang nicht
verschlossen werden. Wir sprechen hier von offener Versorgung.
Wissenswertes
rund um den Tinnitus
|
Das
Maß aller Dinge: Der Schalldruck
Alles,
was an der Sprache, Lauten, Geräuschen oder Lärm auf
unser Gehör trifft, kann natürlich auch gemessen werden
als Schalldruck. Das physikalische Maß
dafür ist dB. Es ist die Abkürzung für Dezibel.
Die
dB-Skala ist logarithmisch, wobei jeweils 20 dB mehr einer Verzehnfachung
das Schalldruckes entsprechen. Zwischen dem leisesten, gerade
noch hörbaren Laut
und dem lautesten, noch erträglichen Ton liegt ein Faktor
von 10.000.000! Mit Werten um 10 dB hat Tinnitus die Lautheit
eines Waldes bei Windstille. Selbst
das eigene Schluckgeräusch ist mit 30 dB schon 10 mal lauter,
wird aber meistens nicht bewusst wahrgenommen. Normale Sprache
ereignet sich bei dB-Werten
um 60, die Unbehaglich-keitsschwelle (wo Geräusche als
unangenehm laut empfunden werden) liegt um 100 dB. Interessant
hieran ist, dass bereits ein
elektrischer Rasierapparat in der Nähe des Ohres um 90
dB erzeugen kann. Ein Walkman liegt häufig über 100
dB. Ist
die Unbehaglichkeits-schwelle für Geräusche auf ca.
65 dB herabgesetzt, spricht man von Hyperakusis (Geräuschüberempfindlichkeit).
Da diese Lautstärke im
Bereich menschlicher Sprache liegt, kann man sich leicht vorstellen,
dass Hyperakusis mit einem Rückzug aus dem menschlichen
Gemeinschaftsleben einhergeht.
Zuerst
kommt das Hören dann erst der Augensinn...
|
Das
Gehör ist das Sinnesorgan des Menschen, welches als erstes
funktionsfähig ist. Es ist bereits beim Ungeborenen aktiv
und arbeitet bis zum Tode ununterbrochen, auch nachts. Es ist
nicht bewusst abzuschalten. Sie können zwar bestimmen,
wem Sie Ihre Aufmerksamkeit schenken wollen (z. B. bei Gesprächen
auf einer Party). Sie haben jedoch keinerlei Macht zu bestimmen,
was Sie nicht hören wollen (etwa die Geräuschkulisse
um Sie herum). Was Blindheit bedeutet, lässt sich einigermaßen
erfahren, indem man die Augen verschließt oder verbindet.
Taubheit hingegen lässt sich nicht simulieren, auch der
beste Gehörschutz kann Geräusche nicht wirksam abschirmen.
Selbst Astronauten im Vakuum des Raumes hören immer noch
ihre eigenen Körperfunktionen wie Atmung oder Herzschlag.
Schwerhörigkeit und Taubheit sind zudem (im Gegensatz zu
den meisten anderen Behinderungen einschließlich Blindheit).
Behinderungen, die das Gegenüber nicht erkennen kann. Das
Nicht-Reagieren auf Ansprache wird daher als Unfreundlichkeit
empfunden. Interessanterweise messen die wenigsten Menschen
(außer Musikern und wenigen anderen Berufsgruppen) ihrem
Gehör besondere Bedeutung zu. Die anderen Sinnesleistungen
(Sehen, Schmecken, Riechen, Fühlen) werden regelmäßig
für wichtiger gehalten. Entsprechend sorglos ist der Umgang
mit dem eigenen Gehör, besonders in jungen Jahren. Dabei
verbindet uns gerade das Gehör in besonderer Weise mit
unseren Mitmenschen nicht hören bedeutet meist auch
Isolation und Rückzug aus menschlicher Geselligkeit. Gegenstände
kann man jederzeit immer wieder betrachten und befühlen,
das gesprochene Wort oder Musik hingegen sind unwiederbringlich
fort. Dabei transportiert die Betonung eines Wortes oft mehr
Gefühle von Mensch zu Mensch als die Bedeutung des Wortes
selbst. Gehör und Sprache sind die wichtigsten menschlichen
Kommunikationsträger. Sie sind untrennbar miteinander verbunden
wer nicht hört, lernt meistens auch nicht
sprechen.
Warum
die Brille akzeptiert ist, ein Hörgerät dagegen
kaum
|
Es
mag verwundern, dass Schwerhörigkeit und Sehschwäche
in unserer Gesellschaft grundsätzlich anders bewertet werden.
Dies erklärt vielleicht auch, weshalb viele
Menschen aus kosmetischen Gründen nicht gerne
ein Hörgerät tragen, die Brille dagegen als weithin
sichtbare Manifestation einer anderen Sinnes-Schwäche
allgemein akzeptiert ist und in Form, Farbe und Mode eine persönliche
Note verleiht.
Tinnitus
und Schwerhörigkeit im Alter: Der Lohn
des Lärms
|
Bei
Naturvölkern sind beide weitgehend unbekannt in
unserer zivilisierten Lärmgesellschaft alltäglich:
Schwerhörigkeit im Alter und Tinnitus sind in der Tat keine
Unbekannten. Tinnitus ist eine der häufigsten Diagnosen,
die in einer HNO-ärztlichen Praxis gestellt wird. Lärm-schäden
nehmen mittlerweile eine der ersten Stellen unter den anerkannten
Berufser-krankungen ein. Es ist traurig, dass der Umweltverschmutzung
durch Lärm in unserer Gesellschaft so wenig Aufmerksamkeit
zugemessen wird.
Männer
und Frauen vom chronischen Tinnitus gleichermaßen
betroffen
|
Männer
und Frauen werden in etwa gleich häufig von Tinnitus betroffen.
Während Tinnitus in allen Altersgruppen vorkommt, zeigt
sich die Gruppe der 40- bis 60-jährigen
als besonders anfällig. Die Ursache dafür könnte
in den Belastungen liegen, die speziell in der Lebensmitte auftreten.
Insgesamt geben etwa 25%
aller Bundesbürger an, irgendwann einmal einen meist
nur kurzzeitigen Tinnitus gehabt zu haben. 10% haben
einen chronischen Tinnitus, kommen aber
nach eigenen Angaben gut klar, während 1% berichten,
unter ihrem Tinnitus massiv zu leiden. Dies sind dann in unserem
Lande immerhin fast eine Million
Mitmenschen!
Schon
die alten Ägypter kannten den Tinnitus
|
sDie
ältesten überlieferten schriftlichen Dokumente zu
Tinnitus stammen aus dem alten Ägypten und sind gut 3500
Jahre alt. Mehr als 20 verschiedene Verordnungen, die sich auf
Tinnitus beziehen, sind aus Babylonien bekannt. Umfangreiche
medizinische Berichte stammen auch aus Indien, Arabien, Persien,
Griechenland und Rom. Aus dem Lateinischen stammt der Begriff
Tinnitus (tinire = klingeln). Ähnlich alt sind die Behandlungsversuche.
Die Griechen schlugen erstmals die Maskierung mit einem äußeren
Schallreiz vor. Paracelsus (um 1500) war der erste, der beschrieb,
dass Lärm Tinnitus verursachen kann. (...das Donnern
der Büchsen...). Um 1800 wurden erste Versuche unternommen,
Tinnitus elektrisch zu behandeln. Volta, der Erfinder der Batterie,
hatte sich Elektroden in die Ohren gesteckt und dabei einen
Krach vernommen, als sei etwas zerrissen. Er hat den Versuch
(klugerweise) nie wiederholt. Andere Experimentatoren griffen
den Ansatz jedoch begeistert auf und setzten die Versuchsanordnung
u. a. zur Behandlung von Schwerhörigkeit und Tinnitus ein.
Sogar Beethoven, selbst schwerhörig und tinnitusgeplagt
interessierte sich seinerzeit für diese Methode. Die allgemeine
Begeisterung ebbte allerdings auch ebenso schnell wieder ab,
als überzeugende Erfolge ausblieben.
Berühmtheit
schützt vor Tinnitus nicht
|
Zu
den berühmten Personen der Geschichte, die stark unter
Tinnitus litten, gehören u. a. Matin Luther, Jean-Jaques
Rousseau, Ludwig van Beethoven und Bedrich
Smetana. Wie Beethoven ertaubte auch Smetana völlig. Anders
als Beethoven versuchte er jedoch, seinen Tinnitus auch musikalisch
zu verarbeiten und
für andere darzustellen. Von Beethoven stammt übrigens
der Ausspruch: Nur meine Ohren, die sausen und brausen
Tag und Nacht fort, ich kann sagenich
bringe mein Leben elend zu.
9
Tipps, damit der Stress auf der Strecke bleibt
|
1.
Lernen Sie in Alltag, Freizeit, Sport, mit dem Tinnitus zu leben
Mit
Tinnitus können Sie all das machen, was Sie auch ohne Tinnitus
gerne gemacht hätten. - Gestalten Sie Ihre Freizeit nach
Ihren Bedürfnissen und Interessen
und versuchen Sie, ein erfülltes Leben zu leben.
-
Ziehen Sie sich nicht aus der Gesellschaft zurück!
- Vermeiden
Sie extremen Lärm.
- Wenn
Sie schwerhörig sind, besorgen Sie sich ein Hörgerät.
2.
Wie Sie am sinnvollsten dazu beitragen, dass sich Ihr Tinnitus
bessert
- Vermeiden
Sie Stille.
- Klappen
Sie die Ohren nach draußen.
- Freuen
Sie sich über Geräusche.
- Bei
dekompensiertem Tinnitus: Tragen Sie ein TCI.
- Wenn
Sie den Kontakt zu Gleichgesinnten suchen, dann
bitte nicht als Jammergemeinschaft.
- Lernen
Sie, sich zu entspannen und bewusst zu leben.
3.
Ohrstöpsel und Ohrenschützer sollten Sie nur dann
tragen, wenn auch der Gesunde einen Lärmschutz tragen müsste.
4.
Sie sollten weiterhin unbedingt ein Instrument spielen, wenn
Sie diese Gabe besitzen. Genießen Sie es.
5.
Lassen Sie sich von aufregenden Klängen anheizen
ohne überlautem Gedröhne eine Chance zu geben. Konzerte
besuchen, Kino genießen, Tanzen gehen... kein Problem
mit Tinnitus. Nur zu laut sollte es nicht werden.
6.
Gehen Sie ins Wasser aber ohne TCI
Wenn
Sie weiter schwimmen oder tauchen gehen wollen, viel Spaß!
Vorher allerdings sollten Sie nicht nur Ihre Straßenkleidung,
sondern auch Ihr TCI ablegen.
7.
Heben Sie ab in die weite Welt
Mit
Tinnitus können Sie unbesorgt auf Reisen gehen auch
im Düsenjet. Wie hoch und wie schnell Sie fliegen, hat
überhaupt keinen Einfluss auf einen Tinnitus.
8.
Treiben Sie weiter Sport
Viele
Betroffene berichten zwar, dass sich das Lautstärkeempfinden
ihres Tinnitus nach körperlicher Anstrengung erhöht.
Aber Sie wissen ja jetzt, dass dieses Empfinden subjektiv ist
und nicht eine Verschlimmerung oder dergleichen darstellt. Auch
der Fahrtwind an den Ohren beim Fahrrad fahren schadet nicht.
Jede Aktivität, die Ihr Leben bereichert, ist zu empfehlen.
9.
Auch wenn es für alles Mögliche eine Diät gibt
für Tinnitus gibt es sie nicht
Eigentliche
schade...oder nicht? Ansonsten gilt der allgemeine ärztliche
Rat: Alkohol in Maßen Nikotin nein!
|
|
| |
|
|
| |
|
|
|
|