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Im Rahmen seiner Ratgeberserie widmet sich der Deutsche Schwerhörigenbund e. V. auch dem überaus wichtigen Thema "Der schwerhörige und ertaubte Mitarbeiter". Dies schon deshalb, weil es nach einer Erhebung des Deutschen Grünen Kreuzes mehr als 14 Millionen Menschen mit messbaren Hörschäden gibt und zu befürchten ist, dass diese Anzahl noch steigen wird. Der DSB will mit diesem Ratgeber einerseits der von einer Hörbehinderung betroffenen Gruppe von Arbeitnehmern Hilfestellung und Anregung geben. Andererseits sollen Arbeitgeber, Hauptfürsorgestellen, Arbeitsämter, aber auch Schwerhörigenschulen damit angesprochen und Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie trotz der Hörbehinderung ein optimaler beruflicher Einsatz erfolgen kann, wenn alle vorhandenen Hilfen auch genutzt werden.

Der Ratgeber soll u. a. Arbeitgebern die Skepsis vor der Einstellung schwerhöriger oder ertaubter Mitarbeiter nehmen. Deshalb werden hier einfache Hinweise zum Umgang mit hörgeschädigten Mitarbeitern gegeben. Schwerhörige oder ertaubte Berufstätige oder Arbeitssuchende finden hier z. B. Hinweise über berufsbegleitende Hilfen am Arbeitsplatz und ein Bewerberspezial.

- dass Arbeitgeber künftig lieber schwerhörige oder ertaubte Arbeitskräfte einstellen, anstatt die Ausgleichsabgabe zu entrichten, weil sie wissen, welche Hilfen und Förderungen sie in Anspruch nehmen können.

- dass Integrationsstellen und Arbeitsämter wissen, mit welchen berufsbe-gleitenden Hilfen die Kommunikationsschwierigkeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, wie auch zwischen den hörbehinderten und hörenden Kollegen gemindert werden können.

- dass Arbeitsämter über den Umgang mit schwerhörigen oder ertaubten Menschen Bescheid wissen, um gezielte Arbeitsvermittlungen vornehmen zu können.



Schwerhörigkeit und ihre Auswirkungen

Die Beurteilung der Persönlichkeit, besonders der geistigen Fähigkeiten eines Gesprächspartners, erfolgt zumeist nach dessen Sprech- und Sprachgewandtheit. Dabei spielen Stimmklang, Flüssigkeit der Rede und Ausdrucksvermögen ein wesentliche Rolle. Eine solche Beurteilungsgrundlage führt bei Schwerhörigen zu Fehlurteilen. Ihre Fähigkeiten, vor allem ihre Intelligenz, werden unterschätzt.

  Der Schwerhörige hört nicht nur leiser als ein Guthörender, er hört auch anders. Sehr oft kann er die hohen Töne nicht mehr wahrnehmen. Damit geht ihm aber die Fähigkeit verloren, manche Sprachlaute zu erkennen. Aus dem gehörten Rest muss er dann auf das gemeinte Wort schließen. Das führt oft zu Missverständnissen.

  Viele Schwerhörige sind lärmempfindlicher als Normalhörende. Deshalb muss besonders in lauter Umgebung die Sprachaufnahme über das Ohr durch das Ablesen der Sprechbewegungen ergänzt werden, wenn Sprache richtig vom Schwerhörigen verstanden werden soll. Die Hörgeräte, auch wenn sie sehr gut angepasst sind, ermöglichen vielen Schwerhörigen nicht, Sprache nur über das Hören zu verstehen. Auch Hörgeräte
träger benötigen in der Regel die Möglichkeit zum Ablesen der Sprechbewegungen. Das Ablesen der Sprache vom Munde, das die Höreindrücke vervollständigt, erfordert vom Sprechenden die Beachtung einiger Verhaltensregeln.

  Ihrer Wichtigkeit wegen werden sie an anderer Stelle (siehe unter Verhaltensregeln im sprachlichen Umgang mit Schwerhörigen) ausführlich dargestellt. Bei
Einhaltung dieser Regeln ist es dem Schwerhörigen fast immer möglich, das ihnen Zugesprochene zu verstehen.

  Das Sprechen haben wir alle dadurch erlernt, dass wir unsere ersten Laute mit den Sprachlauten unserer Bezugspersonen, in der Regel vor allem mit denen unserer Mutter, verglichen und ihnen angeglichen haben. Vergleich und Angleichung sind jedoch nur möglich, wenn das Kleinkind sowohl die eigenen als auch
die Laute der Bezugspersonen hören kann. Wegen der besonderen klanglichen Zusammensetzung der verschiedenen Sprachlaute können die meisten Schwerhörigen Mitlaute sehr viel schlechter wahrnehmen als Selbstlaute. Die nicht oder nur unvollkommen wahrnehmbaren Laute können von schwerhörigen Kindern meistens nur unter Mithilfe von für diese Aufgabe besonders ausgebildeten Lehrern erlernt werden. Aber auch nach Erlernen dieser Lauter führt die ungenügende Möglichkeit zur Selbstkontrolle später bei Jugendlichen und Erwachsenen oft wieder zu sprecherischen Mängeln, die auf den mit den Folgen einer Schwerhörigkeit nicht Vertrauten befremdlich wirken können. Eine Folge der mangelnden Möglichkeit zur Selbstkontrolle des Sprechens ist manchmal auch der ungewöhnliche Stimmklang eines hochgradig Schwerhörigen. Ein Nichtinformierter kann dadurch zu Fehlurteilen über die Persönlichkeit verführt werden. Von seltenen Ausnahmen abgesehen, lernen Schwerhörige jedoch, verständlich zu sprechen.

  Die Muttersprache ist einem Normalhörenden so gut vertraut, dass zum richtigen Verstehen schon die korrekte Wahrnehmung eines Bruchteils der gesprochenen
Laute genügt. Bei einer weniger gut beherrschten Fremdsprache dagegen ergibt sich leicht der Eindruck, dass das Sprechtempo der Ausländer zu schnell sei, um sie richtig verstehen zu können. Das ist natürlich eine Täuschung. In Wirklichkeit benötigen wir beim Verstehen einer Fremdsprache einen sehr viel höheren Anteil richtig wahrgenommener Laute als beim Verstehen der Muttersprache. Uns fehlt bei der Fremdsprache das Eingeübtsein in die Gesetze der anderen Sprache. Diese Situation ist der des von Kindheit an Schwerhörigen ähnlich, weil die Schwerhörigkeit das Erlernen der Muttersprache erheblich behindert. Schwerhörige werden also dazu neigen, sich in einfacher Sprache auszudrücken, und viele haben Schwierigkeiten, komplizierte Satzkonstruktionen oder für sie ungewöhnliche Formulierungen zu verstehen.  

  Die Eingliederung in eine Gruppe kann für Schwerhörige schwierig sein. Diese Schwierigkeiten wachsen mit der Größe der Gruppe und den in der jeweiligen Situation gestellten Anforderungen an das Verstehen gesprochener Sprache. Die Eingliederungsschwierigkeiten am Arbeitsplatz sind jedoch meistens gering, weil bruchstückhaft Verstandenes durch die Arbeitssituation vereindeutigt  wird und weil in der Regel nur wenige Mitarbeiter wichtige Kontaktpersonen
sind, auf die sich der Schwerhörige einstellt und die sich auf den Schwerhörigen einstellen können.
 


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