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 Die Inhaltsübersicht

- zurück zu den aktuellen Nachrichten -
------------------------------------------
- Schmerz- und Rheumamedikamente nicht alle in
einen Topf werfen
- Bandscheibenleiden: Mit Ozon endlich schmerzfrei
- Chronische Schmerzen: Hilfe durch neue Therapien
-
Nationaler Expertenstandard "Schmerzmanagement in der Pflege" am Uniklinikum Jena umgesetzt
- Die weltweit größte Studie beweist: Akupunktur lindert Kreuz- und Knieschmerzen
- Erste Integrierte Versorgung zum Rückenschmerz
-
Rückenschulen verfehlen Hauptzielgruppen
-
Akupunktur wirksam gegen Schmerzen
- Experten mahnen zum Weltschmerztag an: Kenntnisse der Ärzte in der Schmerztherapie unzureichend
- Wie Placebos den Schmerz dämpfen
- Das Schmerzgedächtnis "überschreiben"
Re-learning-Programm gegen chronischen Schmerz
- Deutscher Schmerzkongress 2004: Wenn das Herz dauernd schmerzt
- Neue Internetseite für Patienten mit chronischem Schmerz
- P2Y-Rezeptoren vermindern Schmerzreize
- Jeder Dritte mit chronischem Schmerz
-
Kranke Rücken kosten zwanzig Milliarden - Jeder Zehnte hat ständig Rückenschmerzen
- Rückenschmerzen wegen unterforderter Muskeln
- Krankengymnastik wirksam gegen Spannungskopfschmerz
- Medikament bekämpft Beschwerden, schon bevor
sie entstehen
-
Cayennepfeffer lindert Schmerzen
- Deutscher Schmerzkongress 2004: Rücken-, Kopf- und Nervenschmerz im Fokus der Forschung
- Körpertraining schützt gegen Migräneattacken
-
Herz-Alarm bei Sommerhitze
- RUB-Studie: Körpereigenes Protein lindert
Rückenschmerz nachhaltiger als Kortison
- Schmerzmediziner: Die Diskussion überaktive Sterbehilfe ist eine Gespensterdebatte
-
Wenig Hilfe bei Schmerzen
Mängel in der ambulanten Schmerztherapie

- Zwischenbilanz: Disease Management
Programm Rückenschmerz

- Schmerztherapie erfordert Qualifikation
- Mit Köpfchen gegen den Kreuzschmerz: Disease Management Programm startet
- Hypnotherapeutische Interventionen im Rahmen eines
verhaltentherapeutischen Kurzprogramms zur Behandlung chronischer Schmerzen


 

Schmerz- und Rheumamedikamente nicht alle in einen Topf werfen

25.11.2004 - Vor kurzem wurde das Schmerz- und Rheumamittel
Vioxx, ein sogenanntes Coxib oder Cox2-Hemmer, wegen vermehrten
Auftretens von Herzinfarkten vom Markt genommen. Auf dem Rheumakongress in San Antonio, USA, wurde jetzt erstmals die
APPROVe-Studie vorgestellt, die zur Marktrücknahme geführt hatte.
Diese Daten reichen aber offenbar nicht, um zu klären, ob andere Rheumamedikamente ähnliche Nebenwirkungen zeigen könnten.

Eigentlich waren die Coxibe mit dem Anspruch angetreten, die Therapie sicherer zu machen. Nach Einschätzung von Prof. Dr. med. Hubert Nüßlein, Chefarzt der I. Medizinischen Klinik am Städtischen Klinikum Dresden Friedrichstadt, gilt nach wie vor: "Die Coxibe schneiden vor allem bei der Magen-Darm-Verträglichkeit besser ab, verursachen deutlich seltener Magengeschwüre und Magenblutungen." Das sei deshalb so, weil sie im Gegensatz zu den klassischen nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) den Schutz der Magenschleimhaut durch das Enzym Cox1 nicht beeinträchtigen, sondern ausschließlich das Schmerz- und Entzündungs-Enzym Cox2 hemmen.

Neu sei die Frage nach der Herz-Kreislauf-Verträglichkeit der
Langzeitbehandlung rheumatischer Erkrankungen, dazu gebe es bisher
wenig gesicherte Erkenntnisse: "Richtig ordentliche Studiendaten dazu
mit sehr hohen Patientenzahlen haben wir weder für Coxibe noch für NSAR", so Nüßlein. Für ein anderes Coxib, das Celecoxib, zeigten
allerdings vorläufige experimentelle Daten einen eher entzündungshemmenden, Atherosklerose vermindernden Effekt an den
Blutgefäßen. Und für den neuen Cox2-Hemmer Lumiracoxib habe die
TARGET-Studie an 18.000 Patienten hervorragende kardiovaskuläre
Sicherheit demonstriert. "Diese Studie lief zwar nur über 12 Monate
und nicht wie APPROVe über 18 Monate. Sicherlich liefert aber die TARGET-Studie die besten Daten zur Magen-Darm- und Herz-Kreislauf-Verträglichkeit, die bisher für Coxibe gezeigt wurden", betonte der Rheumatologe.

Nüßlein riet Rheumapatienten und Ärzten zu verstärkter Wachsamkeit, egal, ob Coxibe oder NSAR eingesetzt werden. Besonders bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette, Rauchen etc. und bei älteren Rheumatikern sei erhöhte Aufmerksamkeit geboten. "Was genau in den Katalog von Überwachungsmaßnahmen gehört, muss der Arzt, eventuell der Kardiologe, entscheiden", so Nüßlein.

Quelle: Pressedienst wme


Bandscheibenleiden: Mit Ozon endlich schmerzfrei

18.11.04 - Neue Behandlungsmethode am Uniklinikum Frankfurt eingeführt

Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, die auf einen Bandscheibenvorfall oder degenerative Veränderungen in diesem Bereich zurückzuführen sind, können bei erfolgloser medikamentöser und physikalischer Therapie mit einer neuen minimalinvasiven Behandlungsmethode schmerzfrei gemacht werden. Sie verwendet Ozon - es wandelt sich im Körper in reinen Sauerstoff um - und wird seit ein paar Wochen am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie unter der Leitung von Professor Dr. Thomas J. Vogl angewandt.

Bei der sogenannten 'Chemonukleolyse mit Ozon' wird mit einer dünnen Nadel eine Bandscheibenpunktion durchgeführt und ein Ozon-Sauerstoffgemisch injiziert. Es verbreitet sich sehr rasch im erkrankten Bereich, fördert die Sauerstoffzufuhr sowie die Durchblutung und vermindert Entzündungen. Ozon blockiert über mehrere Monate vor allem jene Schmerzreize, die von den Nerven in den beschädigten Bandscheiben ausgehen. Der Eingriff wird bei lokaler Betäubung durchgeführt, dauert etwa 20 Minuten und ist nur mit einem ambulanten Krankenhausaufenthalt verbunden.

"Gegenüber operativen Methoden hat die Chemonukleolyse mit Ozon den eminenten und entscheidenden Vorteil, dass der Spinalkanal nicht beeinträchtigt wird. Es gibt praktisch keine postoperativen Narben, die sonst häufig Hauptursache für Rückenschmerzen sind", sagt Professor Vogl. Ein weiterer ganz wesentlicher Vorteil dieser Behandlungsmethode liege darin, dass sie auch mehrmals ohne irgendwelche Beeinträchtigungen für den Patienten wiederholt werden kann. Nutzen und Risiko stehen bei dieser Methode in einem ungewohnt optimalen Verhältnis, da durch das Ozon keine Komplikationen zu erwarten sind.

Wissenschaftliche Untersuchungen weisen eine Erfolgsquote von 75 Prozent schmerzfreier Patienten in einem Zeitraum von mindestens drei Monaten auf. "Die Prognosen sind aber durchaus optimistischer. Patienten können auch sechs Monate und darüber hinaus schmerzfrei bleiben. Voraussetzung hierfür ist sowohl eine disziplinierte, physikalisch korrekte Belastung der Wirbelsäule als auch eine moderate sportliche Betätigung", bestätigt Dr. Thomas Lehnert von der Universität Frankfurt.

Normalerweise hält ein fester Faserring (Annulus fibrosus) die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern. Bei zu starker oder einseitiger Belastung kann der Faserring spröde werden, der gallertartige Kern (Nucleus pulposus) kann in den Wirbelkanal austreten. Dies wird als Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung bezeichnet. Diese ausgedrückte Masse kann die benachbarten Nervenwurzeln bedrängen und dabei die typischen, akut ausstrahlenden Schmerzen (Lumbo-Ischialgie) hervorrufen, welche sich bei einem Vorfall in der Lendenwirbelsäule bis in die hintere Wade ausbreiten oder den klassischen Kreuzschmerz verursachen kann. Dieser Vorfall kann schließlich zur totalen Blockade der Wirbelsäule führen (Hexenschuss), in dieser Phase rufen bereits geringste Bewegungen heftigste Schmerzen hervor. In schweren Fällen können sich durch den Druck auf die Nervenwurzeln auch Gefühlsstörungen, Kraftminderung bis hin zur Lähmung entwickeln.

Für weitere Informationen:

Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de
Internet http://www.kgu.de


Chronische Schmerzen: Hilfe durch neue Therapien

16.11.04 - Jeder fünfte Bundesbürger wird von chronischen
Schmerzen gequält. Sie entstehen oft, weil die Betroffenen nicht
rechtzeitig einen Arzt aufsuchen. "Wird ein Akutschmerz nicht
rechtzeitig und ausreichend behandelt, chronifiziert er", warnt Prof.
Hartmut Göbel, Ärztlicher Direktor der Kieler Schmerzklinik, in der
Zeitschrift VITAL. Schon nach sechs Monaten könne das Warnsymptom für eine Krankheit oder Verletzung zu einem eigenständigen Krankheitsbild
werden. Zwar lassen sich chronische Schmerzen nicht immer gänzlich
heilen, es gibt jedoch zahlreiche neue und wirksame Therapien, und
bei einigen werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen.

Dazu zählt beispielsweise die Transkutane Elektrische
Nerven-Stimulation (TENS), bei der mit Elektroden elektrische Impulse
durch die Haut an die Nervenbahnen weitergeleitet werden. TENS
stimuliert körpereigene Hemmsysteme im Bereich des Rückenmarks und
aktiviert Schmerzkontrollsysteme im Gehirn. Besonders geeignet ist
TENS bei Rückenschmerzen und Verschleißerkrankungen in Gelenken wie
Arthrose. In der Regel übernehmen die Kassen die Kosten für die
Behandlung beim Arzt aber auch für ein batteriebetriebenes Gerät für
den Hausgebrauch.

Effektive Hilfe kann auch ein Schmerzbewältigungs-Training bieten.
Dabei geht es vor allem darum, eine aktive Schmerzbewältigung und
-kontrolle zu erlernen. Zum Trainingsprogramm zählen unter anderem
Entspannung, Autosuggestion, Selbsthypnose und ein "Schmerztagebuch".
Das Training eignet sich für alle Patienten, und umfasst in der Regel
sechs Mal 1,5 Gruppenstunden. Die Kosten von 200 Euro tragen einige
Kassen auf Antrag.

Für chronische Kopf-, Rücken-, Knie- und Hüftgelenksschmerzen
eignet sich die Alexander-Technik. Dabei wird mit gezielten und
bewussten Bewegungsabläufen eine neue Motorik trainiert, die Knochen,
Sehnen und Muskeln entlastet und zugleich für mehr Lebensfreude
sorgt. 45 Minuten kosten rund 35 Euro, es gibt auch Kurse an den
Volkshochschulen. Die Kassen übernehmen die Kosten allerdings nicht.

Quelle: VITAL

Nationaler Expertenstandard "Schmerzmanagement in der Pflege" am Uniklinikum Jena umgesetzt

10.11.2004 - Krankheit, Therapie und Schmerz sind eng miteinander verbunden. Im Krankenhaus wird so neben der heilenden Therapie die Linderung der Schmerzen zu einer wichtigen Aufgabe. Schwestern und Pfleger sind dabei oft die ersten Ansprechpartner, wenn Patienten nach Operationen oder während der Therapie unter Schmerzen leiden, und übernehmen so beim Umgang mit Schmerz eine wichtige vermittelnde Rolle zwischen Ärzten, Patienten und Angehörigen.

Das Wissen der Pflegenden im ärztlichen und pflegerischen Schmerzmanagement zu erweitern und ihnen praxisnahe Richtlinien für die tägliche Arbeit zu geben, war daher Ziel des jetzt abgeschlossenen Modellprojektes zur Qualitätssteigerung in der Pflege am Universitätsklinikum Jena.

Seit Dezember 2003 wurden dabei in der Klinik für Urologie von einem Team aus Pflegepersonal, Chirurgen, Anästhesisten und Physiotherapeuten die bereits bestehenden Leitlinien an den neuen nationalen Expertenstandard angepasst und umgesetzt. Damit beteiligte sich das Uniklinikum Jena als eine von bundesweit 20 Einrichtungen an der modellhaften Einführung des Expertenstandards "Schmerzmanagement in der Pflege" des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) mit Sitz in Osnabrück. Die im Jenaer Projekt gesammelten Erfahrungen fließen in die abschließende Bearbeitung des zukünftig bundesweit gültigen Expertenstandards ein, der die qualitative Verbesserung der pflegerischen Versorgung aller Patienten mit Schmerzen oder schmerzbedingten Problemen unterstützt.

"Durch eine frühzeitige und umfassende Information der Patienten über die Möglichkeiten, auf das eigene Schmerzempfinden Einfluss nehmen zu können und es systematisch und fortlaufend einzuschätzen, ist es gelungen, die Behandlung von Schmerzpatienten wesentlich zu unterstützen und zu verbessern," resümiert Projektleiterin Martina Kürbs. Pflegende setzten sich mit dem individuell ganz unterschiedlichem Schmerzempfinden der Patienten intensiv auseinander. Die Patienten fühlten sich durchgängig zufriedener und besser betreut durch den Einsatz der verschiedenen Möglichkeiten, von Medikamenten bis hin zu konventionellen Maßnahmen wie dem Einsatz von Kälte und Wärme zur Schmerzlinderung. Die Initiative ergänzt in idealer Weise die übrigen Jenaer Aktivitäten zur Verbesserung der Schmerztherapie und ist damit ein weiterer Schritt in Richtung "Schmerzfreies Krankenhaus".

Die Pflegedienstdirektion des Universitätsklinikum Jena bereitet jetzt nach Abschluss des Modellprojekts die Einführung der neuen Richtlinien des Schmerzmanagements in weiteren Einrichtungen am Klinikum vor.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena


Die weltweit größte Studie beweist: Akupunktur lindert Kreuz- und Knieschmerzen

Düsseldorf (ots) 04.11.2004 - gerac-Studie veröffentlicht erste Ergebnisse und beweist, dass Nadeln den Schmerz doppelt so wirksam lindern können, wie traditionelle Therapieformen in der Schulmedizin

Wer bereits erfolgreich Akupunktur angewandt hat, den verblüffen
die Ergebnisse der weltweit größten Akupunkturstudie, die jetzt in
Berlin veröffentlicht wurde, nicht. Wer bei Kreuz- und Knieschmerzen
bisher aber auf konventionelle, schulmedizinische Ansätze gebaut hat,
für den werden die Resultate der Initiative Deutsche Akupunktur
(German Acupuncture Trials, kurz gerac) verblüffend sein. Denn die
Studie beweist, dass Akupunktur besser gegen chronische Kreuz- und
Knieschmerzen wirkt als eine normale Standardtherapie.  

Die Studie

Über 1.000 Patienten wurden zunächst in drei Behandlungsgruppen
eingeteilt. Dabei erhielt eine Gruppe das übliche Standardprogramm,
bestehend aus Massagen, Krankengymnastik und Schmerzmedikamenten. Die zweite Gruppe erhielt Akupunktur nach den Regeln der Traditionellen
Chinesischen Medizin (TCM). Die dritte Gruppe wurde mit einer für
gerac neu entwickelten Akupunktur behandelt, bei der in nicht
chinesische Akupunkturpunkte gesetzt wurde. Nicht erlaubt während
dieser Zeit waren Zusatztherapien wie Spritzen oder bei
Kreuzschmerzen Krankengymnastik.

"Unser Ziel war es zunächst, die Akupunktur auf ihre anhaltende,
schmerzlindernde Wirkung zu testen", so Dr. Albrecht Molsberger, der
zum Leitungsstab der gerac-Studie zählt und seit über 20 Jahren
Praxis, Lehre und Forschung erfolgreich verbindet. Nach drei Monaten
Behandlungsdauer hat das Ergebnis selbst die kühnsten Erwartungen
übertroffen. Während die Standardtherapie lediglich bei knapp 30
Prozent der Patienten half, war die Wirkung der Akupunktur nahezu
doppelt so groß.  


Dabei übertrifft in allen Bereichen die Chinesische Akupunktur
zwar nicht signifikant, aber deutlich erkennbar die neue gerac
Akupunktur. "Besonders auffällig ist, dass bei Patienten nach der
Chinesischen Akupunktur der Schmerzmittelverbrauch am geringsten ist.
Dieser Punkt muss jetzt genauer untersucht werden ", sagt der
Düsseldorfer Mediziner.

Dennoch ist Dr. Molsberger, der maßgeblich an der Studie
mitgearbeitet hat und diese unermüdlich vorangetrieben hat, sichtlich
zufrieden mit den ersten Ergebnissen. "Jetzt sind wir erstmal so
weit, dass wir nach 35 Jahren intensiver Forschung in einer der
größten Studien der Welt eine Therapieform gefunden haben, die
praktisch ohne Nebenwirkungen langfristig nahezu doppelt so gut
wirkt, wie ein Schmerzmittel. Das ist schon eine wissenschaftliche
Sensation und dass Akupunktur hilft, das ist erst mal das, was
zählt." Genau das ist auch der Punkt für die Verhandlungen des
Gemeinsamen Bundesausschusses, der im Frühjahr 2005 tagt. Dort werden
Krankenkassen, Vertreter und Ärzte über die Aufnahme der Akupunktur
als Kassen-Regelleistung beraten und die gerac-Studie soll mit ihren
Ergebnissen eine entscheidende Grundlage bieten. "Wir sind gespannt",
so Molsberger. "Denn man sieht ja, dass jeder Nadelstich besser wirkt
als manche Pille."

Quelle: Kafka Kommunikation



Erste Integrierte Versorgung zum Rückenschmerz
Partnerschaft von AOK, Ärzten, Krankenhäusern und Rentenversicherung
Wirksame Prävention durch "AOK-Rücken-Konzept"

03.11.2004 - Für Hunderttausende von Rückenpatienten in
Baden-Württemberg wird ab 2005 eine neue Ära der Behandlung
eingeläutet:

Hausärzteverband, Krankenhausgesellschaft,
Landesversicherungsanstalt und AOK haben ein landesweites Programm
zur Integrierten Versorgung bei Rückenschmerz entwickelt. Die
Vernetzung von Prävention, ambulanter Behandlung, stationärer
Versorgung, Rehabilitation und Nachsorge unter Betreuung und
Koordination des Hausarztes stehen im Mittelpunkt. Die Partner
stellten das bundesweit bisher einmalige Vorhaben am Mittwoch
(03.11.2004) in Stuttgart vor.

"Alle Beteiligten ziehen an einem Strang, das ist das
Erfolgsrezept unseres neuen Programms", so Dr. Rolf Hoberg,
Vorsitzender des Vorstandes der AOK Baden-Württemberg. Allein die
Zahl von rund 70 Prozent Rückenpatienten in der bundesdeutschen
Bevölkerung mache eine solche Integrierte Versorgung, die
wesentliches Gewicht auf die schnelle und zuverlässige
Indikationsstellung sowie eine leitlinienorientierte Behandlung lege,
dringend notwendig.

Hoberg: "Wir wollen bei freiwilliger Teilnahme für unsere
Versicherten die Qualität durch strukturierte und vom Hausarzt
koordinierte Therapieverfahren verbessern, optimale Versorgung bei
Fachärzten sichern und unnötige Operationen ausschließen." Für die
Patienten würden Wartezeiten reduziert und es könnten, so Hoberg
weiter, die durchschnittlichen Fehlzeiten durch Rückenleiden von fast
sechs Tagen pro Jahr und Versicherten sinken. Für eine solche
Entwicklung würde sich laut Hoberg dann auch der jährliche
Finanzaufwand der AOK für das neue Programm von mehreren Millionen
Euro mehr als lohnen.

"Erster Ansprechpartner für den Patienten mit Rückenschmerzen ist
der Hausarzt, der durch seine Behandlungs- und
Koordinationsleistungen die Rolle des Managers in diesem Netzwerk
einnimmt. Er trägt die Verantwortung für eine optimale Behandlung und
sorgt in Kooperation mit den beteiligten Orthopäden, Neurologen und
Kliniken für einen reibungslosen Informationsfluss", so Dr. Berthold
Dietsche, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes
Baden-Württemberg.

Die hausärztliche Diagnostik und Therapie orientiere sich an
international anerkannten Leitlinien zum Rückenschmerz. Darüber
hinaus verpflichten sich laut Dietsche die teilnehmenden Hausärzte zu
einer regelmäßigen Qualitätszirkelarbeit. Wichtiges Element im
Präventionsteil ist das "AOK-Rücken-Konzept", bei dem ein intensives
Trainingsprogramm auf ärztliche Empfehlung im Vordergrund steht. Es
umfasst ein Krafttraining für die Rumpf-, Nacken- und Halsmuskulatur
an speziell entwickelten Geräten.

"Durch die durchgängige Qualitätsoptimierung, der Vernetzung
bestehender Strukturen und durch klare Orientierung des
Behandlungsablaufs wird den Patienten eine oft zeitaufwändige und
leidvolle Odyssee erspart", bringt es Dr. Josef Siebig,
Verbandsdirektor der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft
auf den Punkt.

Ein weiteres Plus für den teilnehmenden Patienten bestehe darin,
dass er vor planbaren Operationen einen Anspruch auf eine
Zweitmeinung durch erfahrene Operateure habe. Abgerundet werde das
Spektrum durch die Einbeziehung verschiedener Fachabteilungen sowie
der Fachambulanzen am Krankenhaus. Komplettiert wird die integrierte
Versorgungskette durch die Rehabilitation nach Operationen
beziehungsweise chronischen Rückenleiden.

"Gerade bei im Erwerbsleben stehenden Versicherten hängt der
Erhalt des Arbeitsplatzes und eine schnelle berufliche
Wiedereingliederung häufig davon ab, ob nach einer Akutbehandlung
eine qualifizierte Rehamaßnahme schnellstmöglichst erfolgt", erklärt
Hubert Seiter, Geschäftsführer der LVA Baden-Württemberg. Durch die
Integrierte Versorgung bei Rückenschmerzen werde zukunftsweisende
Zusammenarbeit praktiziert, weil sie die Partner sektorenübergreifend
zum Wohl von Patienten und Versicherten einbinde.


Quelle: AOK Baden-Württemberg


Rückenschulen verfehlen Hauptzielgruppen Heidelberger Studie belegt einseitige Nutzung der Vorbeugemaßnahme gegen Rückenschmerzen / Prävention erreicht die Risikopersonen häufig nicht 28.10.2004 - Rückenschul-Kurse werden kaum von Personen besucht, die davon profitieren könnten. Nutzer sind vor allem Personen mit einem geringen Risiko für Rückenschmerzen. Dies hat ein Forscherteam der Medizinischen Fakultät Heidelberg erstmals in einer repräsentativen, bundesweiten Untersuchung mit über 6.000 Teilnehmern festgestellt. Der Medizinsoziologe Dr. Sven Schneider und der Orthopäde Professor Dr. med. Marcus Schiltenwolf, beide Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Volker Ewerbeck), wurden im Oktober 2004 auf dem Schmerzkongress in Leipzig für ihre Forschungsarbeit mit dem mit 500 Euro dotierten Posterpreis ausgezeichnet. Rückenschulen bringen ihren Besuchern bei, wie sie durch gezieltes Training, eine kontrollierte Körperhaltung und richtiges Verhalten im Alltag ihre Rückenprobleme frühzeitig vermeiden oder lindern können. Denn neben dem altersbedingten Verschleiß der Wirbelsäule gelten vor allem ungünstige Körperhaltungen sowie stark rückenbelastende Bewegungen als Auslöser für Rückenschmerzen. Zwar klagen zwei von drei Deutschen innerhalb eines Jahres über Rückenschmerzen. Aber nur jeder sechste Deutsche hat mindestens einmal in seinem Leben eine Rückenschule besucht.
Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf ist Leiter der Tagesklinik für orthopädische
Schmerztherapie. / Foto: Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg.
Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf ist Leiter der Tagesklinik für orthopädische Schmerztherapie. / Foto: Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg. Die Heidelberger Wissenschaftler haben den anonymen "Bundesgesundheitssurvey" des Robert-Koch-Instituts, Berlin, ausgewertet, eine repräsentative Stichprobe von 6.159 Bürgern im Alter von 18 bis 79 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Teilnahme an Rückenschul-Kursen unterschiedlicher Anbieter (Arbeitgeber, Volkshochschulen, Krankenkassen etc.) setzten sie in Beziehung zu anderen persönlichen Daten. Typische Nutzer von Rückenschulen sind gesundheitsbewusste Frauen Typische Nutzer von Rückenschulen sind danach weibliche Teilzeitbeschäftigte oder Hausfrauen aus der Mittelschicht, die Sport treiben und sich gesund ernähren. Typische Nichtnutzer sind Männer mit Vollzeitjobs und niedrigem Sozialstatus, die einen passiven, ungesunden Lebensstil pflegen. "Mit ihren Präventionsangeboten erreichen die Krankenkassen oder andere Anbieter nicht die eigentlichen Zielgruppen, sondern häufig gesunde Mitversicherte", erklärt Dr. Sven Schneider. "Natürlich profitieren auch die typischen Teilnehmer von solchen Rückenschulen. Gerade die Hochrisikogruppen wie körperlich schwer belastete Arbeiter mittleren und höheren Alters mit passivem, ungesundem Lebensstil nehmen diese Angebote jedoch nur selten wahr." Eine psychische Barriere für Risikopersonen sei möglicherweise die typische Teilnehmerstruktur der Kurse (meist sportliche, jugendorientierte und mehrheitlich weibliche Teilnehmer), meinen die Heidelberger Wissenschaftler. Die Kurse würden zudem häufig nachmittags angeboten, dann also, wenn die eigentliche Zielgruppe noch arbeitet. Rückenschulen sollten neben gesundheitsbewussten Personen vor allem gefährdete Bevölkerungskreise erreichen. Gefährdete werden aber eher nicht durch die Angebote angesprochen. Hier liegt für die Anbieter ein großes Potential, Rückenschulangebote auf die beschriebenen Risikogruppen zu konzentrieren und diesbezüglich auszuweiten. Die seit Jahren steigenden Krankheitskosten wegen Rückenschmerzen und Wirbelsäulenerkrankungen belegen diese Notwendigkeit.

Der Ort der Rückenschule kann dazu beitragen, dass Risikogruppen erreicht werden. "Als besonders effizient haben sich betriebsinterne Rückenschulkurse für Arbeiter erwiesen, welche neben Kräftigungsübungen auch Bewegungs- und Haltungsschulungen am Arbeitsplatz vermitteln", sagt Professor Schiltenwolf. An solchen Angeboten herrsche derzeit jedoch ein gravierender Mangel.

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg


Akupunktur wirksam gegen Schmerzen

27.10.2004 - Nadeln sind ein effizientes Werkzeug gegen Schmerzen. Das zeigen die Resultate der weltweit größten Akupunktur-Studie. Nach den Regeln der traditionellen chinesischen Medizin gesetzt, bewirken die feinen Nadeln häufiger eine Besserung als eine herkömmliche Therapie. Erstaunlicherweise gilt das jedoch auch, wenn die Nadeln lediglich in die Nähe der klassischen Akupunktur-Punkte gesetzt werden.

Damit sei der wissenschaftliche Beleg für die Wirksamkeit der Akupunktur erbracht, so die beteiligten Mediziner. "Die vergleichbar hohe Wirksamkeit der TCM- und der Sham-Akupunktur wirft jedoch weitere Fragen auf, ohne dass der beobachtete Effekt aus den vorhandenen Ergebnissen erklärt werden kann", erläutert Hanns-Peter Scharf vom Universitätsklinikum Heidelberg, "hierzu wären weitere Studien notwendig."

Im Rahmen der Studie wurden 1162 Patienten mit Kreuzschmerzen und 1039 Patienten mit Knieschmerzen untersucht. Je ein Drittel erhielt die Standardtherapie nach den geltenden Leitlinien, eine traditionelle oder aber eine Schein-Akupunktur, bei der die Nadeln zwar in die gleiche Körperregion, nicht jedoch in die chinesischen Meridian-Punkte gesetzt wurden. Die Behandlung erfolgte in bis zu fünfzehn Sitzungen über einen Zeitraum von sechs bzw. zwölf Wochen. Falls notwendig, waren Schmerzmittel bis zu einem zuvor bestimmten Höchstmaß erlaubt.

Sechs Monate nach Ende der Therapie zeigte sich bei rund 48 Prozent der Kreuzschmerz-Patienten, die allein die TCM-Akupunktur erhalten hatten, eine deutliche Schmerzlinderung bzw. Verbesserung der Beweglichkeit. Die "Schein"-Akupunktur war in etwa 44 Prozent, die Standardtherapie in 27 Prozent der Fälle erfolgreich. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich bei den Knieschmerz-Patienten. "Der über sechs Monate nachweisbare Effekt von Akupunktur führte zu einem geringeren Verbrauch an Medikamenten und weiteren Therapieformen", so Michael Haake von der Universität Regensburg. Die von mehreren Krankenkassen finanzierte Studie war initiiert worden, nachdem der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen im Jahr 2000 beschlossen hatte, dass Akupunktur-Behandlungen generell nicht in den Regelleistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden sollten.


Forschung: Hans-Joachim Trampisch, Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum; Michael Haake, Orthopädische Klinik, Universität Regensburg; und andere

Quelle: Scienceticker


Experten mahnen zum Weltschmerztag an: Kenntnisse der Ärzte in der Schmerztherapie unzureichend 11.10.2004 - Es ist ein Gesundheitsproblem, das das gesamte Leben des Patienten lahm legen kann. Das Spektrum möglicher Auswirkungen reicht vom Verlust des Arbeitsplatzes (65 % der Betroffenen), über Schlafstörungen (64 %), bis hin zur sozialen Isolierung (25 %) und Depression (20 %). Es geht um den chronischen Schmerz: Wenn Schmerz nicht mehr akut als Warn- und Schutzfunktion für den Körper dient sondern nur dauerhafte Qual ist. Der chronische Schmerz ist weit verbreitet. Die Europäische Schmerzstudie aus dem Jahr 2003 deckt die harten Fakten auf: Jeder sechste Erwachsene in Deutschland - das sind 13 Millionen Menschen - hat chronische Schmerzen. Dem gegenüber steht eine unzureichende Versorgungssituation für Schmerzpatienten in Deutschland. Die Zahlen sprechen für sich: Patienten, die mit Rückenschmerzen in eine Schmerzklinik eingewiesen werden, wurden vorher im Schnitt von mehr als sieben Ärzten über einen Zeitraum von durchschnittlich elf Jahren erfolglos behandelt. Bei Migränepatienten sind die Zahlen noch alarmierender: elf Ärzte und 19 Jahre. Die Ursachen sieht Professor Dr. Rolf-Detlef Treede, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), vor allem darin, dass eine hochqualifizierte Schmerztherapie nicht flächendeckend verfügbar ist: "Es ist eine Sache der Ausbildung und des Geldes. Die Kenntnisse der behandelnden Ärzte lassen oft zu wünschen übrig. Doch statt die Schmerztherapie in der Ausbildung der Ärzte stärker zu verankern, taucht sie in der seit einem Jahr gültigen Fassung der Approbationsordnung vom 27. Juni 2002 nur noch als fakultativer Prüfungsgegenstand im Anhang auf. Dabei geht fast jede Erkrankung mit Schmerz einher." Und es gibt zu wenig Spezialisten: Den rund 13 Millionen Menschen in Deutschland, die zum Teil ein kompliziertes Krankheitsbild haben das den hochqualifizierten Spezialisten erfordert, stehen kaum mehr als 1.000 Schmerzspezialisten gegenüber.

Als weitere Probleme sieht Professor Treede die Vergütung der Leistungen an: "Die Diagnostik und Therapie von Patienten mit einem schweren chronischen Schmerzsyndrom ist sehr aufwändig. Die Krankenkassen vergüten die in spezialisierten Zentren ausgeführten Leistungen nicht ihrem Aufwand entsprechend. Und auch in der Forschung fehlen die Mittel: Die experimentelle und die klinische Schmerzforschung sind unterfinanziert."
Dabei würde sich die Investition auch finanziell rechnen, denn der chronische Schmerz ist auch ein ökonomisches Problem. Die Auswirkungen chronischer Schmerzen schlagen in Deutschland alljährlich mit rund 25 Milliarden Euro zu Buche. Ein großer Teil dieses Betrags geht für Arbeitsunfähigkeit und Frührente drauf - ein beträchtlicher Teil aber auch für die falsche Therapie durch Ärzte, die unzureichend für die Schmerztherapie ausgebildet sind.
Das Versorgungsangebot für Schmerzpatienten ist in Mainz aufgrund einer über 40-jährigen Tradition im bundesweiten Vergleich relativ gut. Sowohl im Interdisziplinären Schmerz-Therapiezentrum (IST) des Universitätsklinikums Mainz als auch im DRK Schmerz-Zentrum Mainz treffen Patienten mit chronifiziertem Schmerzsyndrom auf kompetente Spezialisten.
Chronischer Schmerz ist kein Ereignis, das den Patienten plötzlich ereilt. Vielmehr manifestiert sich der Schmerz in einem Prozess in den der Arzt eingreifen kann, wenn er die Anzeichen die auf eine Chronifizierung hinweisen zu deuten weiß und Schmerzpatienten frühzeitig zum Spezialisten überweist. "Die besten Erfolge hat die Schmerztherapie wenn sie frühzeitig ansetzt. Ziel ist es also, dass wir die Patienten nicht erst zu sehen bekommen wenn der Schmerz schon chronifiziert ist, sondern dass der niedergelassene Arzt die Risikofaktoren erkennt und den Patienten frühzeitig in das spezialisierte Zentrum überweist. Die Versorgung von Schmerzpatienten in unserer Region lässt sich nur verbessern, wenn die Kette Hausarzt - Facharzt - Schmerzklinik besser funktioniert", so Professor Dr. Hans-Raimund Casser, Direktor des DRK Schmerz-Zentrums Mainz. Sowohl im DRK Schmerz-Zentrum als auch im Interdisziplinären Schmerz-Therapiezentrum des Universitätsklinikums arbeiten die verschiedenen Fachdisziplinen in der Diagnose-stellung eng zusammen. Nur so können die Ursachen eines Schmerzsyndroms sicher erkannt werden. Denn wenn der Schmerz chronisch wird, sind in der Regel mehrere Faktoren beteiligt. So spielt die Psyche beim langwierigen Krankheitsverlauf oft eine entscheidende Rolle. Nicht immer lässt sich klären, ob sie ursprünglich der Auslöser für die körperlichen Beschwerden war oder ob psychische Probleme eine Konsequenz des anhaltenden Schmerzes sind. Professor Dr. Frank Birklein von der Klinik für Neurologie: "Es ist wichtig, dass der einzelne Patient von den Fachärzten der verschiedenen Disziplinen untersucht wird, um den Ursachen auf die Spur zu kommen und eine individuell zuge-schnittene Therapie entwickeln zu können. Ein einzelner Arzt, sei er auch noch so gut als Schmerztherapeut ausgebildet, ist beim schweren Schmerzsyndrom überfordert." Darüber hinaus ist im IST die Grundlagenforschung eng mit den Klinikern verbunden. Auf diese Weise können die Mechanismen der Schmerzentstehung besser aufgeklärt und neue Therapieformen entwickelt werden.

Der Schmerz spielt eine besondere Rolle in der letzten Lebensphase unheilbar kranker Menschen. Die so genannte Palliativmedizin, die den Menschen in dieser letzten Lebens-phase begleitet, hat in erster Linie die Schmerzlinderung zum Ziel. "Die Qualität der Palliativmedizin entscheidet letztendlich darüber, ob ein Mensch in Würde sterben kann oder nicht. Leider mangelt es in Deutschland an der palliativmedizinischen Ausbildung. Selbst am Universitätsklinikum Mainz gibt es bisher kein palliativmedizinisches Zentrum, an dem die Studenten die Betreuung unheilbar kranker Patienten wahrnehmen und erlernen können", bemängelt Dr. Markus Weber vom Christophorus-Hospiz in Drais. Neben dem Hospiz, in dem unheilbar kranke Patienten stationär aufgenommen werden können, ist der ambulante Palliativ- und Beratungsdienst der Mainzer Hospizgesellschaft auf die Betreuung unheilbar erkrankter Patienten spezialisiert.

Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e. V.


Wie Plazebos den Schmerz dämpfen

11.10.2004 - Auch Mediziner wissen, dass der Glaube Berge versetzen kann. Auf welche Weise das geschieht, haben Hamburger Neurologen jetzt näher untersucht. Hatten ihre Studienteilnehmer ein vermeintliches Schmerzmittel genommen, schien ihr Gehirn aus dem Körper eintreffende Schmerzsignale aktiv zu unterdrücken.

Per Infrarotlaser verabreichten die Mediziner um Jürgen Lorenz von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften ihren Probanden schmerzhafte Hautreize. Mittels der funktionellen Kernspintomographie (fMRI) verfolgten sie, wie sich daraufhin die Durchblutung einzelner Gehirnregionen veränderte - ein Hinweis auf verstärkte oder gedämpfte Aktivität der Nervenzellen.

Erwarteten die Teilnehmer eine schmerzlindernde Wirkung, wurde die Präfrontalregion des Gehirns aktiviert. Gleichzeitig zeigte sich in für die Schmerzwahrnehmung relevanten Regionen wie Thalamus und Insel eine geringere Aktivität, berichtete Lorenz jetzt auf dem Deutschen Schmerzkongress in Leipzig. Eine Schlüsselregion für diesen Plazeboeffekt vermutet der Mediziner im vordersten Abschnitt des Gyrus Cinguli.

Diese tief liegende Gehirnwindung fungiert als eine Art Schnittstelle zwischen Frontalhirn und Schmerzsystem, indem sie sowohl mit der Großhirnrinde als auch mit dem Limbischen System verknüpft ist. Zudem ist ihr vorderer Abschnitt reich an Opiatrezeptoren und ist an Nervenbahnen zu Hirnstamm und Rückenmark gekoppelt - seit langem bekannten Vermittlern der körpereigenen Schmerzhemmung.


Forschung: Christian Büchel und Ulrike Bingel, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, und Jürgen Lorenz, Fachbereich Naturwissenschaftliche Technik, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Präsentation auf dem Deutschen Schmerzkongress 2004, Leipzig


Das Schmerzgedächtnis "überschreiben"
Re-learning-Programm gegen chronischen Schmerz
07.10.2004 - "Chronischer Schmerz ist gelerntes Verhalten, ein in Körper und Geist abgespeichertes "Programm" das mit der richtigen Therapie "überschrieben" werden kann", so Prof. Dr. Walter Zieglgänsberger vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie beim Deutschen Schmerzkongress 2004 in Leipzig. Wichtig sei eine zeitgleiche medikamentöse und Verhaltenstherapie. An der "Krücke" des Schmerzmittels muss der Patient sonst schmerzhafte Bewegungen schmerzfrei ausüben und dabei abspeichern, dass die Bewegung gar nicht weh tut. Er muss Aktivitäten nachgehen, die ihm sonst der Schmerz verwehrt und sehen, wofür es sicht lohnt zu kämpfen. Dieser re-learning-Prozess läuft gleichzeitig auf körperlicher und psychischer Ebene ab. "Viel zu oft werden nur Schmerzmittel verschrieben und Ruhe verordnet - das ist kontraproduktiv!", so der Spezialist. Ängstliche Erwartung ist fast schlimmer als der Schmerz Dass Schmerz Angst auslöst, ist sinnvoll: Schmerzen sollen uns warnen, damit wir aufhören zu tun, was uns schadet, etwa damit wir den Finger schnell von der heißen Herdplatte nehmen. Aber wenn der Schmerz chronisch wird, verliert er seine Warnfunktion und die Angst rückt in den Vordergrund: Der Schmerzpatient weiß, dass eine bestimmte Bewegung weh tut, und er fürchtet diesen Schmerz. Durch die ständige Vorwegnahme des schmerzhaften Reizes empfindet er ihn umso stärker, wenn er dann tatsächlich kommt. Und nicht nur diese sensorische Empfindung ist unangenehm, der Schmerz ist auch ärgerlich und erniedrigend, verursacht unangenehme Emotionen, die mit der Bewegung verknüpft werden. Die Fessel der Vermeidung Binnen kurzer Zeit hat der Patient daraus gelernt: Er wird die schmerzhaften Bewegungen vermeiden, und darüber hinaus alle Situationen, in denen er in die Verlegenheit geraten könnte, sie ausführen zu müssen. Der Rückenschmerzpatient, der schlecht sitzen kann, wird nicht mehr arbeiten, auf Kneipe, Kino und Theater verzichten, sich einigeln. Das tut weder Körper noch Seele gut: Die Kondition leidet, Muskeln erschlaffen, die Laune sinkt, Depressionen können folgen. Wer an diesem Punkt zum Arzt geht, bekommt viel zu oft einfach ein Schmerzmittel verschrieben und die Empfehlung, sich "mal auszuruhen". Doch auf Dauer verbessert das nichts, im Gegenteil fördert es Schonhaltungen und Vermeidungsverhalten. Lässt die Medikamentenwirkung nach, sind Angst und Schmerz wieder zurück als wäre nichts gewesen. "Wenn ich mir für eine Weile eine schwarze Brille aufsetze, merke ich mir das zuvor gesehene Bild natürlich weiterhin, es wird ja derweil durch nichts anderes ersetzt", vergleicht Prof. Zieglgänsberger. Diese Erfahrung bedeutet für den Patienten oft eine große Enttäuschung. Altes Programm überschreiben in den "Schmerzferien" Wirkliche Hilfe können nur Behandlungskonzepte bieten, die die Trennung zwischen Körper und Geist aufgeben. "Bei chronischen Schmerzpatienten ist es längst die Angst, die die dominante Rolle spielt", so Zieglgänsberger, "chronischer Schmerz ist erlernt." Der Schlüssel zum Erfolg gegen die Schmerzkrankheit liegt daher in einer zweiteiligen Therapie aus Schmerzmedikamenten und Verhaltenstherapie. Das Schmerzmittel - gegebenenfalls übergangsweise ein starkes - schaltet den Schmerz zuerst einmal aus. Der Patient macht "Schmerzferien". Zurücklehnen und Nichtstun ist aber nicht angesagt: In dieser Zeit der Schmerzfreiheit muss er aktiv werden, alles tun, was ihm sonst weh tun und merken: Diese Bewegung verursacht ja gar keinen Schmerz. Seine Erwartung war falsch - man spricht vom "prediction error". Solche überraschenden Erfahrungen prägen sich ein, werden abgespeichert und überschreiben die negativen Lerninhalte. Re-learning-Prozess für "Leben vor dem Tod"

Wer an der Krücke des Schmerzmedikaments Beschäftigungen nachgeht, die ihm sonst der Schmerz verwehrt, der sieht plötzlich auch ganz deutlich, was ihm durch den Schmerz entgeht und wofür es sich lohnt zu kämpfen. "Natürlich ist es mitunter schwierig für Patienten, ihre gewohnte Haltung aufzugeben und wieder aktiv zu werden", so Prof. Zieglgänsberger, "aber: Das Leben findet vor dem Tod statt!" Mit dieser Motivation wird das "Programm chronischer Schmerz" nach und nach überschrieben: Bewegungen werden von der Erwartung der mit ihnen verbundenen negativen Empfindungen und Emotionen entkoppelt, man spricht vom Re-learning-Prozess. Die körperliche Kondition und die seelische Verfassung bessern sich. Irgendwann kann die Schmerzmedikation vielleicht ganz abgesetzt werden.

Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e. V. (DGSS)


Wenn das Herz weiter schmerzt
Therapiemöglichkeiten gegen chronische Angina Pectoris
Überraschend viele Patienten, deren Herzkranzgefäßverengung erfolgreich behandelt wurde, leiden trotzdem weiterhin unter ständigen Herzschmerz- und Angstattacken, die vermeintlich nicht therapierbar sind. Es gibt jedoch wirksame, zumeist einfache Mittel dagegen: In den BG-Kliniken Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, kooperieren ärztliche und psychologische Spezialisten der interdisziplinären Abteilung für Schmerztherapie (Ärztlicher Leiter: Prof. Dr. Maier) mit der Klinik für Kardiologie (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mügge) und beraten, diagnostizieren und behandeln Patienten mit chronischer Angina pectoris. Über ihre Behandlungsmethoden und -erfolge berichteten sie beim Deutschen Schmerzkongress 2004 der DGSS in Leipzig. Wie bleibender, "unbehandelbarer" Herzschmerz entsteht Bei Erkrankung der kleinen und großen Herzgefäße (Koronargefäße), selten auch bei anderen Herzerkrankungen, kommt es zu einem kritischen Sauerstoffmangel im Herzen, der dann zu den quälenden, oft mit Todesangst verbundenen typischen Brustschmerzen führen kann. Die moderne Medizin verfügt über ein reichhaltiges Arsenal zur Behandlung der Gefäßverengung: "Neben hoch wirksamen Medikamenten spielen die Erweiterung der Herzkranzgefäße durch geeignete Katheter, der Einbau von bestimmten Röhren (Stents) zur dauerhaften Aufrechterhaltung der Erweiterung der Gefäße und bei einem Teil der Patienten auch die chirurgische Wiederherstellung einer guten Blutversorgung durch entsprechende Bypassoperationen eine Rolle", so Prof. Maier. Diese Maßnahmen führen bei der Mehrzahl der Patienten zu einem weitgehenden Verschwinden der Symptomatik. Allerdings hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass trotz dieser Maßnahmen mehr als 5% der Betroffenen dauerhaft an Angina pectoris leiden. In einer eigenen Untersuchung in der Bochumer Klinik hatten 50% der Patienten noch nach einem Jahr Herzschmerzen. 15% von diesen Patienten hatten sogar starke, ihre Lebensqualität deutlich einschränkende und durch viele Arztbesuche auch entsprechende kostenverursachende, quälende Herzschmerzen. "Hierzu zählen Patienten, bei denen die genannten Therapien nicht möglich sind, aber auch solche, bei denen die Krankheit von vornherein die kleinen Gefäße betroffen hat", erläuterte Prof. Maier. "Insgesamt sprechen die Bochumer Zahlen dafür, dass in Deutschland mehr als 50.000 Patienten jährlich von diesem Problem betroffen sind." Schmerzmatrix im Gehirn Die moderne Forschung hat jetzt gezeigt, dass neben dem Zustand des Herzens auch Gehirnreaktionen der sog. Schmerzmatrix für die Beibehaltung der Schmerzen verantwortlich sind: Bestimmte Hirnregionen, die durch wiederholte heftige Schmerzen aktiviert werden und auch dann stets mit Schmerzen reagieren, wenn die eigentliche Krankheit bereits abgeklungen ist. "Man spricht dann von einer Chronifizierung der Schmerzen, die auch z.B. bei Phantomschmerzen auftritt", so Prof. Maier. Neue Therapiemöglichkeiten Dieser Zusammenhang von Gehirnsensibilisierung und Herzerkrankung eröffnet jedoch auch neue Therapiemöglichkeiten. Im Bergmannsheil Bochum wurden bislang 25 Patienten mit verschiedenen Therapieverfahren erfolgreich behandelt. Beim Deutschen Schmerzkongress konnten die Ärzte der Schmerzabteilung zeigen, dass 80% der an chronischem Herzschmerz leidenden Patienten zum Teil durch sehr einfache Maßnahmen hoch effektiv behandelt werden können. So sank die Zahl der täglichen Angina pectoris Attacken von im Durchschnitt acht auf zwei pro Tag und die Intensität der Schmerzen fiel auf 2/3. Dementsprechend stieg die Lebensqualität. Neben begleitenden verhaltenstherapeutischen Maßnahmen profitieren die Patienten z.B. von Verfahren der transkutanen Nervenstimulation (TENS). "Das ist ein einfaches, billiges und ungefährliches Verfahren, bei dem der Patient durch äußere Klebeelektroden, die er selbst steuern kann, die Herzschmerzen sofort unterdrücken kann. In schwereren Fällen legen wir einen speziellen, elektrisch stimulierbaren Katheter in die Nähe des Rückenmarkes, durch den diese Schmerzen noch effektiver unterdrückt werden", so Prof. Maier. "Unbehandelbarer Herzschmerz bedeutet eben nicht, dass eine Schmerzlinderung und eine Steigerung der Lebensqualität unmöglich sein müssen." Bei einem Patientenseminar am 19. Oktober werden die Herz- und Schmerzspezialisten des Bergmannsheils in Bochum Betroffene über die heutigen Erkenntnisse zur Entstehung chronischer Herzschmerzen und seine Behandelbarkeit informieren.

Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e. V. (DGSS)


Neue Internetseite für Patienten mit chronischen Schmerzen

Düsseldorf (ots) 07.10.2004 - Zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Auf der neuen Internetseite finden sie umfassende Informationen zu Therapiemöglichkeiten und vielen weiteren Themen, die für Schmerzpatienten von Interesse sind.

Der Start von www.lebenohneschmerz.de erfolgt zeitgleich zum
Deutschen Schmerzkongress 2004, der mit 2000 Teilnehmern in dieser
Woche in Leipzig stattfindet und auf dem die neuesten Erkenntnisse
aus Forschung und klinischer Praxis erörtert werden.

Chronische Schmerzen sind definiert als mittelstarke bis starke
Schmerzen, die über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten
bestehen oder wiederholt auftreten. Ihre Ursachen sind vielfältig und
reichen von Verletzungen bis zu Krankheiten und schließen u.a.
Nervenschädigungen und Krebs ein. Nach Angaben der Deutschen
Gesellschaft zum Studium des Schmerzes leiden ca. 12 Prozent der
deutschen Bevölkerung unter chronischen Schmerzen, wobei etwa 40-50
Prozent der Patienten keine ausreichende Behandlung erhalten.
Chronische Schmerzen treten am häufigsten im Rücken und in den
Gliedmaßen auf und erschweren eine normale Lebensführung und die
Alltagsaktivitäten der Patienten. Die jährlichen Kosten, die durch
chronische Schmerzen entstehen werden von der Bundesregierung auf 20
Milliarden Euro geschätzt.

Die Internetseite ist von der NGO Health On the Net organization
(HON) zertifiziert. Sie ist in fünf Sprachen verfügbar und informiert
über:

   - Medikamente

   - Neurostimulation

   - implantierbare Medikamentenpumpen

   - Physiotherapie

   - Schmerzbehandlungsprogramme

   - Psychologische Betreuung

   - Operative Verfahren

   - Alternative Therapien

www.lebenohneschmerz.de wurde von Medtronic entwickelt und enthält
darüber hinaus:

   - ein Verzeichnis spezialisierter Schmerzkliniken

   - die Möglichkeit sich für die Aufklärungskampagne "Leben ohne
     Schmerz" zu registrieren

   - Informationen zur Vorbeugung und Diagnostik von chronischen
     Schmerzen

   - Patientenerfahrungen

   - interessante Links


ots Originaltext: Medtronic GmbH


P2Y-Rezeptoren vermindern Schmerzreize 07.10.2004 - Dr. Zoltan Gerevich vom Rudolph-Boehm-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Leipzig und seine auswärtigen Kooperationspartner Dr. Sebastian J. Borvendeg und Dr. Wolfgang Schröder, entdeckten, dass der P2Y-Rezeptor Schmerzreize vermindern kann. Die Wissenschaftler erhielten dafür auf dem Deutschen Schmerzkongress einen Preis für Schmerzforschung 2004.
Dr. Zoltan Gerevich im Labor


Das Molekül Adenosin-5'-triphosphat (ATP) ist in lebenden Zellen ein wichtiger chemischer Energieträger, der außerdem biologische Signale vermitteln kann. Wenn es aus Körperzellen freigesetzt wird, erregt es "Biosensoren" der Nachbarzellen, die Rezeptoren. Ein bestimmter Typ dieser Rezeptoren ist der sogenannte P2X Rezeptortyp, der an den Endigungen und Zellkörpern der peripheren sensorischen Neuronen platziert ist. Dies führt zum Auslösen eines schmerzhaften Reizes. Dr. Zoltan Gerevich, Dr. Sebastian J. Borvendeg und Dr. Wolfgang Schröder haben jetzt entdeckt, dass ATP an sensorischen Neuronen darüber hinaus einen zweiten, sog. P2Y-Rezeptortyp aktiviert, der im Gegensatz dazu Schmerzreize vermindern kann. Die drei jungen Wissenschaftler wiesen nach, dass die rückenmarksnahe Injektion bestimmter ATP-ähnlicher Verbindungen (z.B. ADP-²-S) in verschiedenen tierexperimentellen Schmerzmodellen schmerzstillende Effekte ausübt. Darüber hinaus gelang es den Wissenschaftlern, den möglichen Wirkmechanismus von ADP-²-S aufzuklären. Diese Substanz vermindert offenbar die Freisetzung des erregenden Neurotransmitters Glutamat im Rückenmark. Damit können die sensorischen Reize nicht zu den höheren neuronalen Zentren des Gehirns weitergeleitet werden, wo schließlich die bewusste Wahrnehmung des Schmerzes erfolgt. Dieses Forschungsergebnis prämiert die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e. V. (DGSS) mit einem der Preise für Schmerzforschung 2004, der vom Präsidenten der DGSS, Prof. Dr. Michael Zenz, zur Eröffnung des Deutschen Schmerzkongresses 2004 gestern übergeben wurde. Stifter des Preises ist die Grünenthal GmbH.

Dr. Zoltan Gerevich ist seit 3 Jahren am Rudolf-Boehm-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Leipzig als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Dr. Wolfgang Schröder arbeitet bei der Grünenthal GmbH in Aachen und Dr. Sebastian J. Borvendeg ist zur Zeit an der Semmelweis Universität in Budapest tätig.

Quelle: Universtiät Leipzig


Jeder Dritte mit chronischem Schmerz

29.09.2004 - Thema 'Schmerz' beim 6. Süddeutschen Pflegetag und weltweiten Schmerztag - Die europäische Schmerzstudie (Oktober 2003) hat gezeigt, dass jeder dritte deutsche Erwachsene chronische Schmerzen hat: 17 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung sind davon betroffen. Deutschland liegt damit im europäischen Mittelfeld (die wenigsten Schmerzkranken leben mit 11 Prozent in Spanien, die meisten mit 27 Prozent in Polen). Frauen sind häufiger von chronischem Schmerz betroffen als Männer. Die meisten Schmerzpatienten sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. Rückenschmerz und Kopfschmerz führen die Liste der häufigsten Schmerzerkrankungen an, gefolgt von Nervenschmerz und Tumorschmerz. Während der akute Schmerz, der bei einer Verletzung des Gewebes auftritt, eine Warn- und Schutzfunktion für den Körper hat, ist der chronische Schmerz physiologisch sinnlos: Schmerzen, die über sechs Monate anhalten, sind eine Krankheit für sich. Chronische Schmerzen kosten in Deutschland rund 25 Milliarden Euro pro Jahr - größtenteils verursacht durch Arbeitsunfähigkeit und Verrentungen.

Im Krankenhaus beschreibt unabhängig von der Schmerzform fast jeder zweite Patient starke bis stärkste Schmerzen.
Grund genug, den Schmerz thematisch in den Mittelpunkt des 6. Süddeutschen Pflegetages zu stellen. Die Veranstaltung findet am 30. September im Klinikum der Universität am Standort Großhadern statt (Leitung Pflegedirektor Peter Jacobs - weitere Infos unter http://pflege.klinikum-grosshadern.de/veranstalt.html.). Referenten wie Dr. Marianne Koch, Dr. Antje Beyer oder Professor Jürgen Osterbrink beleuchten dabei die Schmerzproblematik in der Klinik von allen Seiten. Schon jetzt ist klar, dass vielen Patienten Schmerzen erspart bleiben könnten, wenn die Erkenntnisse der modernen Schmerztherapie konsequent umgesetzt würden. Mangelndes Wissen und falsche Überzeugungen seitens der Pflegenden, Ärzte und Patienten behindern den adäquaten Umgang mit Schmerz. Ein weiterer Grund für ein inadäquates Schmerzmanagement ist, dass eine systematische Einschätzung der Schmerzintensität mittels Schmerzskalen zur genauen Bedarfsermittlung und Erfolgskontrolle selten praktiziert wird. Mit Schmerz beschäftigen sich aber nicht nur Pflegekräfte, sondern auch der "Global Day of Pain" (Welt-Schmerztag) am 11.10.2004. In Deutschland will dabei die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes die Menschen für das Thema sensibilisieren.

VIELFÄLTIGE URSACHEN
Für Schmerz gibt es viele Ursachen: Nach ihrer Einschätzung der Gründe für die Schmerzkrankheit befragt, geben 26 Prozent der Patienten eine Krankheit an, 19 Prozent seelische Belastungen. Weitere Ursachen sind Unfälle (12 Prozent), der Beruf (11 Prozent), Operationen (8 Prozent), Verschleiß (7 Prozent) und Kriegsverletzungen (2 Prozent). Chronische Schmerzen wirken sich auf das gesamte Leben des Patienten aus: Fast drei Viertel (73 Prozent) der Betroffenen klagen über Bewegungseinschränkungen, zwei Drittel (65 Prozent) können nicht mehr außer Haus arbeiten, 19 Prozent müssen ihren Arbeitsplatz wechseln. 64 Prozent haben Schlafstörungen. Ein Viertel der Patienten kann seine Freundschaften nicht mehr pflegen und gerät in soziale Isolierung, 52 Prozent sehen ihre sexuellen Beziehungen eingeschränkt. 20 Prozent der Schmerzpatienten entwickeln Depressionen. Die Suizidgefahr ist bei Schmerzpatienten erhöht.

Die Behandlung chronischer Schmerzpatienten ist in Deutschland in vielerlei Hinsicht unzureichend. So werden Patienten, die mit Rückenschmerzen in eine Schmerzklinik eingewiesen werden, vorher von durchschnittlich mehr als sieben Ärzten erfolglos behandelt. Ihre Suche nach Hilfe dauert durchschnittlich über elf Jahre. Migränepatienten suchen im Durchschnitt mehr als 19 Jahre nach Linderung und werden von elf Ärzten behandelt, selbst Tumorschmerzpatienten durchlaufen in durchschnittlich zwei Jahren fünf Ärzte, bis sie in die Klinik eingewiesen werden.

Diese Zahlen weisen darauf hin, dass die Schmerztherapiekenntnisse der behandelnden Ärzte in der Primärversorgung unzureichend sind. Mitschuld an diesem Missstand hat die Ausbildungsordnung für Ärzte. In der neuesten Fassung der Approbationsordnung vom Oktober 2003 kommen die Begriffe Schmerztherapie und Palliativmedizin nicht vor. Damit hat sich die Ausbildungssituation gegenüber der zuvor gültigen Approbationsordnung, in der die Schmerztherapie Pflichtfach war, weiter verschlechtert.

FEHLENDE SCHMERZTHERAPEUTEN
Auch die Zahl der ausgebildeten Schmerzspezialisten ist in Deutschland unzureichend: Nach der europäischen Schmerzstudie sind etwa 13 Millionen Menschen (17 Prozent der Bevölkerung). Wenn nur 10 Prozent von ihnen komplizierte Fälle sind, brauchen etwa 800.000 bis 1.000.000 Patienten eine Behandlung durch hochqualifizierte Spezialisten. Demgegenüber stehen etwas über 1.000 Schmerzspezialisten, die in Deutschland bisher ausgebildet wurden.

Den Kosten der Schmerzerkrankungen von etwa 25 Milliarden Euro pro Jahr stehen in Deutschland etwa 8 Millionen Euro Fördermittel für die Schmerzforschung entgegen. Das entspricht 0,03 Prozent.
Gegen den allgemeinen Trend hat am Klinikum der Universität München die Therapie von chronischen Schmerzen seit vielen Jahren einen festen Platz. Bayern liegt mit 16 Einrichtungen, die Intensiv- bzw. Gruppenprogramme anbieten, in der Bundesrepublik ohnehin weit an der Spitze. Seit sechs Monaten gibt es hier auch die ASTIB, die Arbeitsgemeinschaft schmerztherapeutischer Einrichtungen in Bayern.

An der LMU wurde 1980 die erste interdisziplinäre Schmerzambulanz Deutschlands gegründet, außerdem existieren hier zwei interdisziplinäre, umfassende Programme für chronische Schmerzpatienten: das Münchner Rückenintensivprogramm für Männer und Frauen mit Rückenschmerzen und das prämierte Münchner naturheilkundliche Schmerzintensivprogramm, bei dem unter anderem Methoden wie Akupunktur zum Zuge kommen.

Quelle: Klinikum der Universität München


Kranke Rücken kosten zwanzig Milliarden - Jeder Zehnte hat ständig Rückenschmerzen

Baierbrunn (ots) 01.09.2004 - Rückenschmerzen stellen für viele Experten
mittlerweile die „Seuche des 21. Jahrhunderts“ dar. 25 Millionen
Deutsche hatten in den vergangenen 12 Monaten damit zu tun, sieben
bis acht Millionen leiden ständig darunter, berichtet das
Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau". Das Volksleiden Nummer eins
geht ins Geld: Behandlung und Rehabilitation, Arbeitsausfall und
vorzeitiger Ruhestand kosten jährlich zwischen 15 und 20 Milliarden
Euro. Nicht nur Bewegungsmangel ist die Ursache, sondern auch
schmerzhafte Verspannungen aus seelischen Gründen. „Die hohen
Leistungsansprüche im Beruf überfordern uns mental“, sagt die
Fachärztin für Orthopädie, physikalische und rehabilitative Medizin,
Dr. Claudia Ludwig. Der Bandscheibenvorfall als eindeutig körperliche
Ursache ist dagegen selten: Nur zwei Prozent aller Rückenschmerzen
gehen darauf zurück.

ots-Originaltext: Wort und Bild - Apotheken Umschau


Rückenschmerzen wegen unterforderter Muskeln

30.08.2004 - Wird die Rückenmuskulatur langfristig unterfordert, entsprechen die Folgen denen einer Verletzung. Das ergaben Versuche der Europäische Weltraumagentur ESA mit Freiwilligen in Berlin. Die 19 jungen, gesunden Testpersonen verbrachten acht Wochen im Bett, um die Passivität des Körpers auf langen Weltraumflügen zu simulieren. Die Ergebnisse der Versuche können auch als Warnung an Couchpotatoes verstanden werden.

Unter mangelnder Aktivität leiden besonders jene Muskeln, die den unteren Bereich des Körpers stützen, so etwa der Rückenmuskel lumbar multifidus und der Bauchmuskel transversus abdominis. Forscher der Universität von Queensland, Australien, entdeckten Parallelen zu Patienten, die über Schmerzen der unteren Wirbelsäule klagen. Bei den Betroffenen sind die entsprechenden Partien oftmals geschädigt oder haben sich zurückgebildet.

Wenn Verletzungen und Überbeanspruchung durch schwere körperliche Arbeit auszuschließen sind, sei möglicherweise die Unterforderung der Muskeln Ursache für die Schmerzen, erklärte die australische Forscherin Julie Hides gegenüber dem Magazin "New Scientist". Wer regelmäßig viele Stunden vor dem Fernseher oder Computerbildschirm verbringe, riskiere eine Rückbildung seiner nicht beanspruchten Muskulatur.

Wie die Langzeitbeobachtung der ESA-Testpersonen über sechs Monate hinweg zeigt, genügen alltägliche Bewegungen nicht, um die schlappen Muskeln wieder auf Vordermann zu bringen. Die Forscher empfehlen Betroffenen regelmäßigen Sport, der gezielt den Rücken stärkt.


Forschung: Julie Hides, University of Queensland

Quelle: Scienceticker



Krankengymnastik wirksam gegen Spannungskopfschmerz

(Kiel) 26.08.2004 - Patienten mit chronischen oder häufigen Spannungskopfschmerzen sollten regelmäßig krankengymnastische Bewegungsübungen für Schulter, Nacken und Rücken durchführen", empfehlen Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Dass betroffene Patienten von einer Bewegungstherapie profitieren, belegt nun erstmals eine Studie an der Universität Parma, die in den "Kopfschmerz-News" der DMKG kommentiert wird. Was Kopfschmerzspezialisten bislang nur aufgrund vereinzelter Untersuchungungen vermuteten, wird nun erstmals durch die wissenschaftliche Studie eines italienisch-dänischen Forscherteams bestätigt: Krankengymnastik bessert chronischen Spannungskopfschmerz. Die Neurologen teilten 26 Patienten mit häufigen und 24 Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen in zwei Gruppen ein. Nach einer vierwöchigen Beobachtungsphase erhielt die erste Gruppe über acht Wochen 16 krankengymnastische Behandlungen, während die andere Hälfte weiter beobachtet wurde und erst nach dieser Beobachtungszeit die Krankengymnastik erhielt.

Das Ergebnis: In der Behandlungsgruppe sanken die Kopfschmerztage pro Monat von 16 auf 12 Tage. Allerdings blieben Intensität und Dauer der Schmerzen gleich.

Vor allem Frauen profitieren

Eine genauere Analyse der Ergebnisse zeigte, dass Patienten mit der chronischen Form dieses Kopfschmerztyps besser auf die Krankengymnastik ansprachen als jene, die unter der episodischen Form leiden. Darüber hinaus war auffallend, dass Frauen deutlicher als Männer von der Krankengymnastik profitierten.

Praktisch gut umsetzbar

Die Patienten wurden zunächst in Gruppen behandelt, sollten die Übungen aber im Verlauf der Untersuchung zu Hause ausführen. Dies erwies sich als praktikabel. "Wir empfehlen daher Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen auch aktive krankengymnastische Übungen ", lautet der Rat der Kopfschmerz-Experten. Die Bewegungsübungen ergänzen die Behandlung mit bestimmten Medikamenten, die in die Schmerzverarbeitung eingreifen aber keine Schmerzmittel sind (siehe "Hintergrund"), sowie Verfahren zur Muskelentspannung.

HINTERGRUND SPANNUNGSKOPFSCHMERZ

Symptomatik

- Der Schmerz ist dumpf-drückend bis ziehend und nicht pulsierend
- Der Schmerz tritt zumeist auf beiden Seiten des Kopfes auf (Er breitet sich häufig vom Nacken zur Stirn oder von der Stirn zum Nacken aus und zieht auch die Augen oder Wangen in Mitleidenschaft.)
- Der Schmerz ist von leichter bis mäßiger Intensität
- Der Schmerz wird bei körperlicher Bewegung nicht stärker
- Migräne-typische Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- Lärm- und Geruchsempfindlichkeit fehlen zumeist
- Allgemeinbefinden und Leistungsfähigkeit sind deutlich weniger eingeschränkt als bei einer Migräne.

Gelegentlicher (episodischer) Spannungskopfschmerz

Bei diesem Typ treten die Kopfschmerzen an höchstens 14 Tagen im Monat auf. Zumeist sind sie jedoch deutlich seltener.

Chronischer Spannungskopfschmerz

Vom chronischen Spannungskopfschmerz sprechen Mediziner, wenn die Kopfschmerzen an mehr als 14 Tagen im Monat oder an mehr als 180 Tagen im Jahr auftreten. WICHTIG: Chronischer Spannungskopfschmerz sollte nicht mit Schmerzmitteln behandelt werden. Wenn mehr als acht bis zehn Mal im Monat Analgetika eingenommen werden, besteht die Gefahr, dass sich ein Schmerzmittelkopfschmerz entwickelt.

Patienten, die länger als drei Monate, jeden zweiten Tag oder sogar täglich Spannungskopfschmerzen haben, brauchen deshalb eine vorbeugende Therapie. Empfohlen werden Medikamente, die normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, zum Beispiel Amitriptylin. Diese verschreibungspflichtigen Medikamente beeinflussen die Schmerzverarbeitung im Gehirn. Hinzukommen sollten Entspannungsverfahren wie beispielsweise die Progrssive Muskelentspannung nach Jacobson.Ausführliche Informationen für Patientinnen und Patienten stehen auf der Homepage der DMKG zum Herunterladen zur Verfügung: www.dmkg.de

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften


Neue Methode: Ein Medikament bekämpft Beschwerden,
schon bevor sie entstehen / Renommierte Yale-Universität nahm die
Vorbehandlung bereits in die verbindlichen Richtlinien der Klinik
auf

24.08.2004 - Der Wirkstoff Rofecoxib hat sich in der Dosierung von 50 mg pro
Tag zu einer höchst wirksamen Waffe zur Bekämpfung von Operations-schmerzen entwickelt: Wird es schon v o r dem Eingriff eingenommen, lindert das Medikament die Qualen der operierten Patienten in eindrucksvoller Weise. Die Zahlen sind gewaltig: Jedes Jahr begeben sich über 16,5 Millionen Frauen und Männer in eines der rund 2.200 Krankenhäuser Deutschlands, um sich dort durchschnittlich 9,8 Tage lang behandeln zu lassen. Wenn sie dabei auch operiert werden müssen, erwartet sie meist ein "schmerzliches Erwachen" - im wahrsten Sinne des Wortes: Wegen des hellen, brennenden Schmerzes in der frischen Operationswunde benötigen sie nach dem Aufwachen aus der Narkose schmerzstillende Medikamente, die häufig als Spritze verabreicht
werden. Die bisher dabei eingesetzten Mittel haben bereits vor einiger Zeit Konkurrenz bekommen. Die sogenannten Coxibe dämpfen die Schmerzen so wirksam wie die herkömmlichen NSAR ("nichtsteroidale Antirheumatika") ASS, Ibuprofen oder Naproxen, schlagen jedoch weniger auf den Magen als ihre Vorgänger. Ein weiterer Vorteil der Coxibe wurde von den operierenden Ärzten erst vor kurzem in seiner ganzen Tragweite entdeckt und stößt nun auf großes Interesse bei Chirurgen, Orthopäden und Kieferchirurgen: Rofecoxib (Handelsname: Vioxx Dolor) hat keine nachteiligen Folgen für die Blutgerinnung. Es kann dem Patienten deshalb bereits v o r dem Eingriff verabreicht werden, ohne dass verstärkte Blutungen während oder nach der Operation befürchtet werden müssen. Die Gabe von Vioxx Dolor vor der Operation hat höchst erfreuliche praktische Konsequenzen: Die so behandelten Patienten haben nach der Operation im Aufwachraum wesentlich geringere Schmerzen und benötigen auch weniger schmerzstillende Spritzen als die übrigen Patienten. Die günstige Wirkung von Rofecoxib ist in Studien bereits mehrfach belegt worden: Menschen, denen Weisheitszähne gezogen werden mussten, profitierten ebenso von der Rofecoxibgabe vor dem Eingriff wie Patienten, die an der Bandscheibe operiert wurden oder ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk bekamen. An der amerikanischen Yale-Universität in New Haven (Connecticut) wurde die Behandlung mit 50 mg Rofecoxib vor Operationen bereits in die verbindlichen Richtlinien der Klinik aufgenommen. Geringfügig divergierende Auffassungen gibt es nur noch in der Wahl des richtigen Einnahmezeitpunkts: Während die amerikanischen Patienten das Coxib eine Stunde vor dem Operationstermin erhalten, bevorzugt der Berliner Orthopäde Prof. Dr. Josef Zacher im Helios-Klinikum Berlin-Buch die Gabe von Rofecoxib zwei Stunden vor der Operation.

ots Originaltext: Stroebel Communications


Cayennepfeffer lindert Schmerzen - Schärfe der Gewürzpflanze für Wirkung mit verantwortlich

Baierbrunn (ots) 18.08.2004 - Cayennepfeffer brennt teuflisch – und gerade
deswegen wirkt er so gut gegen Schmerzen, Muskelverspannungen und
Hexenschuss. Wie das Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber" berichtet,
reizt der Inhaltsstoff der Pflanze, Capsaicin, die Wärme- und
Schmerzfühler in der Haut. Die Stelle rötet und erwärmt sich. Die
Haut wird besser durchblutet, Muskelverspannungen lösen sich.
Capsaicin hemmt zudem die Freisetzung des Schmerzbotenstoffes
„Substanz P“. Schmerzsignale werden nicht mehr übertragen und die
Schmerzempfindung lässt nach. Beim Auftragen von capsaicinhaltigen
Rheumasalben, Tinkturen oder Schmerzpflastern sollte man aber
vorsichtig sein: Überdosierungen oder Kontakt mit offenen Wunden sind
sehr schmerzhaft.

ots-Originaltext: Wort und Bild - Senioren Ratgeber


Deutscher Schmerzkongress 2004: Rücken-, Kopf- und Nervenschmerz im Fokus der Forschung13.08.2004 - Über 2000 Schmerzspezialisten treffen sich von 6. bis 10. Oktober beim Deutschen Schmerzkongress 2004, den die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. gemeinsam mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. im Congress Center der neuen Messe Leipzig veranstaltet. Einer der Höhepunkte des Kongresses wird die Präsentation erster Ergebnisse der drei vom Bundesforschungsministerium geförderten Forschungsverbünde zu Rücken-, Nerven- und Kopfschmerz sein. Neben aktuellen Forschungsergebnissen, neuen Therapiestrategien und kontroversen Fragen zu Diagnostik und Therapie akuter und chronischer Schmerzen steht dieses Jahr die Qualitätssicherung im Mittelpunkt. Therapieerfolge zu verbessern und gleichzeitig Kosten zu senken ist das Ziel. BMBF-Projekte: Von der Epidemiologie bis zur SchmerzgenetikWie genau werden Schmerzen chronisch? Wie lässt sich dieser Prozess früh erkennen und aufhalten? Und wenn es schon passiert ist: Was hilft den Patienten zurück in einen möglichst unbeschwerten Alltag? 14 einzelne Forschungsprojekte an Kliniken und Universitäten in ganz Deutschland widmen sich den verschiedenen Aspekten dieser Fragen. Standardisierte Testverfahren für Nervenschmerzen und eine zentrale Datenbank für die Epidemiologie sind in Arbeit, neue medikamentöse Strategien werden untersucht, der Nutzen bildgebender Verfahren steht auf dem Prüfstand, genetische und psychische Einflussfaktoren werden unter die Lupe genommen. Zwei Jahre nach dem Start der Projekte präsentieren die Forscher nun erste Ergebnisse. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die drei Verbünde seit 2002 mit insgesamt 15 Millionen Euro für sechs Jahre. Akupunkturstudien, Hirnforschung, QualitätssicherungErste Früchte tragen auch die drei aktuellen Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur gegen Schmerzen, deren Ergebnisse beim Schmerzkongress vorgestellt werden. Die Hirnforschung bringt neue Erkenntnisse über die Besonderheiten des "Migränegehirns" und Möglichkeiten der Beeinflussung von Schmerzen durch die Stimulation des Gehirns. Dem Rückenschmerz - mit geschätzten 17 Milliarden Euro verursachten Kosten jährlich eine der teuersten Erkrankungen in Deutschland überhaupt - sind gleich zwei Projekte der Qualitätssicherung gewidmet: Die Pilotphase des Disease Management Programms Rückenschmerz geht erfolgreich zu Ende, die neue EU-Leitlinie Rückenschmerz wird demnächst veröffentlicht. Ziel beider Projekte ist es, nicht nur die Behandlungserfolge zu verbessern, sondern gleichzeitig die Kosten zu senken. Praktikerseminare und Pflegesymposium Großen Stellenwert nimmt neben dem wissenschaftlichen Austausch die Fortbildung von Medizinern, Psychologen und Pflegenden ein: Zahlreiche Praktikerseminare, u. a. zur Akupunktur, zur psychiatrischen Untersuchung und zur Arzt-Patienten-Interaktion sind im Angebot, beim Pflegesymposium können sich Krankenschwestern und -pfleger z. B. über Entlassungsmanagement-Konzepte, alternative Medizin für chronische Schmerzpatienten und die Weiterbildung zur Algesiologischen Fachassistenz informieren. Patientenforum zu Rückenschmerz und Kopfschmerz Frage und Antwort stehen die Spezialisten Patienten und Interessierten am Sonntag (10. Oktober, 10 bis 13 Uhr) im Leipziger Schauspielhaus. Im Mittelpunkt stehen Rücken- und Kopfschmerz, die beiden Spitzenreiter in der Rangliste der Schmerzlokalisationen.

Das vollständige Programm des Kongresses, weitere Informationen und ein Anmeldeformular finden Sie im Internet unter http://www.schmerzkongress.de.

Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)


Körpertraining schützt gegen Migräneattacken

06.08.2004 - Ausdauersport kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken deutlich senken, erklären die Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft in den "Kopfschmerz-News" der Organisation.

Ein Team von Neurologen an der türkischen Universitätsklinik von Erciyes überprüfte an 40 Migränepatienten die prophylaktische Wirkung von Ausdauersport auf Häufigkeit und Schwere der Kopfschmerzattacken. Zunächst mussten die 40 Studienteilnehmer sechs Wochen lang ihre vorbeugenden Medikamente absetzen. Anschließend trainierten sie dreimal pro Woche eine halbe Stunde lang ein aerobes Übungsprogramm.Die Ärzte protokollierten in dieser Zeit nicht nur die Kopfschmerzattacken der Patienten, sondern bestimmten darüber hinaus vor, während und nach der Fitnessschulung die Menge des körpereigenen Schmerzhemmers Beta-Endorphin im Blut der Studienteilnehmer. Der Grund: Die Ärzte vermuteten einen Zusammenhang zwischen der Menge körpereigener Schmerzhemmstoffe und der Häufigkeit von Migräneattacken. Sie gingen davon aus, dass aerobes Körpertraining die Produktion der körpereigenen Schmerzmittel ankurbelt und somit eine Migräneattacke verhindern kann.In sechs Wochen Zahl der Schmerztage halbiertSchon nach sechs Wochen ging es den Patienten deutlich besser: die Anzahl der Migräneattacken sowie die monatlichen Kopfschmerzstunden hatten sich halbiert, die Intensität der Schmerzen war um ein Drittel gesunken. Auch in der Gehirnchemie hatte sich offenkundig etwas geändert: Die Betaendorphinspiegel waren bei der Endauswertung im Schnitt fast dreimal so hoch wie zu Beginn der Studie. Doch welche Rolle die körpereigenen Opiate bei der Entstehung von Migräneattacken spielen, bleibt unklar. Die Forscher konnten keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Endorphine und einer Besserung der Migräne im Einzelfall feststellen.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften


Herz-Alarm bei Sommerhitze

Eschborn (ots) - 15.07.2004 - Sonne und Wärme sind der Seele Balsam, der Körper steht aber gewaltig unter Stress. Vor allem Menschen mit
Herzproblemen müssen im Sommer besonders auf ihre Gesundheit achten.
Die »Neue Apotheken Illustrierte/Gesundheit« empfiehlt in ihrer Ausgabe vom 15. Juli: Richtig trinken, leicht essen, angepasst bewegen und Medikamente richtig dosieren sowie vor Wärme schützen.
Die Zeitschrift gibt mit dem Hitze-ABC viele Ratschläge von »A« wie
Arzneimitteleinnahme und -aufbewahrung bishin zu »Z« wie Zeckenschutz.
  
Herzkranken bereitet im Sommer die Medikamenteneinnahme oft Probleme. Weil die Wärme den Blutdruck senken kann, müssen laut der Herzstiftung blutdrucksenkende Medikamente im Sommer oft etwas reduziert werden, berichtet die »Neue Apotheken Jllustrierte/Gesundheit«. Änderungen sind jedoch mit dem Arzt abzusprechen.
  
Bei Sonnenschein können zum Beispiel das Herzarzneimittel Amiodaron, das Antibiotikum Doxycyclin und Johanniskraut Hautrötungen und -reizungen hervorrufen! Im Schatten aufhalten, gut eincremen und einen Sonnenhut tragen bringt hier Sicherheit. Auch Medikamente leiden bei Temperaturen über 25 Grad Celsius. Beispiele: Zäpfchen schmelzen, Klebstoffe von Arzneipflastern verlieren ihre Haftfähigkeit, die Schutzhülle von Dragees kann erweichen. Deshalb: Arzneimittel nicht im Auto liegen lassen, bei längeren Fahrten in eine Kühltasche packen, bei hohen Temperaturen in der Wohnung im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren.
  
ots Originaltext: Neue Apotheken Illustrierte


RUB-Studie: Körpereigenes Protein lindert Rückenschmerz nachhaltiger als Kortison Im Vergleich zur Standardtherapie mit Kortison wirkt das nebenwirkungsfreie Protein Orthokin genauso gut und darüber hinaus wesentlich länger gegen Rückenschmerzen. "Wir vermuten, dass der körpereigene Stoff zur Selbstheilung beiträgt", so die RUB-Medizinerin Dr. Cordelia Becker zu ihren Studienergebnis, "denn diese gute Wirkung über mehr als sechs Monate ist in der Regel durch eine Medikamentengabe nicht zu erzielen." Bochum, 15.07.2004 - Körpereigenes Protein lindert Rückenschmerz nachhaltig. Nebenwirkungsfreie Alternative zum Kortison RUB-Orthopädin veröffentlicht Studienergebnis Einen völlig neuen Ansatz in der Behandlung von Rückenschmerzen untersuchte Dr. Cordelia Becker (Orthopädische Klinik der RUB im St. Josef Hospital, Direktor: Prof. Dr. Jürgen Krämer): Sie spritzte den vom Schmerz geplagten Patienten ein körpereigenes, entzündungshemmendes Protein (Orthokin) direkt an die betroffene Nervenwurzel. Ihr Ergebnis: Im Vergleich zur Standardtherapie mit Kortison wirkte die nebenwirkungsfreie Orthokinbehandlung genauso gut und darüber hinaus wesentlich länger. "Wir vermuten, dass der körpereigene Stoff zur Selbstheilung beiträgt", so Dr. Becker, "denn diese gute Wirkung über mehr als sechs Monate ist in der Regel durch eine Medikamentengabe nicht zu erzielen." Die Tücken des Kortisons Wenn Rücken und Beine wegen eines eingeklemmten und entzündeten Nervs in der Lendenwirbelsäule weh tun, kommt es vor allem darauf an, den Schmerz zu lindern: "Nur dann kann sich die Muskulatur entspannen, und vorgefallene Bandscheiben haben eine Chance, sich selbst wieder zurückzuziehen", erläutert Dr. Becker. Die bisherige Standardtherapie mit Kortison hat allerdings ihre Tücken: Zwar lindert sie den Schmerz und unterdrückt die Entzündung, aber die Wirkung hält durchschnittlich nicht länger als sechs Wochen an. Wiederholt man die Gabe von Kortison zu häufig, kann es unter Umständen zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen: Hitzewallungen und ein rotes Gesicht (Flush) gehören noch zu den harmloseren, darüber hinaus wird das Immunsystem geschwächt, es kann zu Osteoporose und Wassereinlagerungen ins Bindegewebe kommen, bei Diabetikern verschlechtern sich die Blutzuckerwerte. Eigenes Blut produziert Orthokin Der Einsatz von Orthokin ist in der Behandlung von Arthrose seit Jahren erprobt und ruft keine Nebenwirkungen hervor. Bei dem von dem Düsseldorfer Orthopäden Prof. Dr. med. Peter Wehling und dem Molekularbiologen Dr. Julio Reinecke entwickelten Verfahren wird das Protein aus dem Blut des Patienten gewonnen. Die Ärzte gewinnen das körpereigene Protein, indem sie dem Patienten mit einer speziellen Spritze Blut abnehmen, in der Glaskügelchen mit einer speziellen Oberfläche eine Wunde simulieren. Dies regt die Blutzellen zur Orthokinproduktion an, das nach 24 Stunden in ausreichender Menge aus der Spritze entnommen werden kann. Vergleichende Studie mit drei Patientengruppen 84 Patienten schloss Dr. Becker in ihre Studie ein, die sie in einem eigenen Raum in der orthopädischen Gemeinschaftspraxis Dr. Lauber, Dr. Platzek, Dr. Heidersdorf in Hattingen durchführte. Alle Teilnehmer wurden zunächst gründlich untersucht, unterzogen sich einer Kernspintomografie und füllten verschiedene Fragebögen aus, mit denen sich Schmerzintensität, Funktionseinschränkungen, psychologische Faktoren und Lebensqualität messen lassen. Weder der behandelnde Arzt noch der Patient erfuhren dann, welchen Inhalt die Spritze enthielt, die unter Röntgenkontrolle direkt an die entzündete Nervenwurzel gesetzt wurde: Eine Gruppe wurde mit 10 mg Kortison, die zweite mit 5 mg Kortison und die dritte mit Orthokin behandelt. Jeder Patient kam dreimal im Abstand von je einer Woche in die Praxis, wurde befragt und bekam eine Injektion. Eine, zwei, sechs Wochen, drei und sechs Monate nach der ersten Injektion wurden dann alle Teilnehmer der Studie erneut befragt und nachuntersucht. Während dieser Zeit bekamen sie weder eine andere Therapie, wie z.B. andere Injektionen oder physikalische Anwendungen, noch Schmerzmittel. Einzige Ausnahme war das Schmerzmittel Ibuprofen, das bei Bedarf und nur unter strenger Dokumentation genommen werden durfte.

Orthokin: Nebenwirkungsfrei und länger wirksam als Kortison

Die Ergebnisse: In den ersten sechs Wochen ließ sich zwischen den Therapieformen kein Unterschied in der Schmerzreduktion nachweisen. Alle befragten Patienten gaben eine deutliche Linderung ihrer Schmerzen an: Zwischen 70 und 80 Prozent der Teilnehmer gaben ihre Schmerzintensität mit unter 50 auf der sog. Visuellen Analogskala (VAS) von 0 (schmerzfrei) bis 100 (stärkster vorstellbarer Schmerz) an. Interessanterweise machte es auch keinen Unterschied, ob man 5 mg oder 10 mg Kortison verabreichte. Es traten keine gravierenden Nebenwirkungen auf, die auf die Substanzgabe zurückzuführen waren. "Insgesamt drei Patienten hatten nach der Injektionen starke Kopfschmerzen, unabhängig von der Medikamentengruppe. Diese Beschwerden sind allerdings eine seltene, aber bekannte mögliche Nebenwirkung des Injektionsverfahrens", erläutert Dr. Becker.

Weitere Schmerzreduktion nach sechs Monaten dank Orthokin

Zum fünften Untersuchungstermin, drei Monate nach der ersten Injektion, war das Bild nicht mehr so einheitlich: Die Patienten, welche drei Injektionen mit Orthokin erhalten hatten, gaben eine weitere Schmerzreduktion an, während die anderen beiden Patientengruppen bereits wieder über verstärkte Schmerzen klagten. Der positive Effekt war in der Orthokingruppe auch sechs Monate nach der ersten Injektion noch zu beobachten: 81,3 Prozent der Patienten gaben unter 50 auf der Schmerzskala an, die Hälfte von ihnen war beschwerdefrei (unter 10). Bei den Kortisongruppen gaben je rund 70 Prozent einen Wert unter 50 an, und je ca. ein Drittel von ihnen waren beschwerdefrei. "Diese Ergebnisse sind für Fachkreise wie Patienten von großem Interesse, denn wir konnten erstmals nachweisen, dass es eine wirksame, sehr gut verträgliche Alternative zu Kortison gibt", zieht Dr. Becker Bilanz.


Schmerzmediziner: Die Diskussion überaktive Sterbehilfe ist eine Gespensterdebatte

Oberursel (ots) - 12.07.2004 - "Wir brauchen in Deutschland keine Debatte über Euthanasie und ärztlich assistierten Suizid, sondern eine bessere Ausbildung der Ärzte in Palliativ- und Schmerzmedizin sowie eine
flächendeckende ambulante Versorgung von Patienten am Lebensende",
erklärt Dr. med. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Schmerztherapie e.V..
  
Für die Experten der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie entfaltet sich in Deutschland zur Zeit eine "Gespensterdebatte": "Die
Diskussion über aktive Sterbehilfe  und Euthanasie ist Ausdruck von
Untätigkeit und Hilflosigkeit der Politik angesichts ärztlichen Unwissens", kritisiert der Göppinger Schmerz- und Palliativmediziner Dr. med. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Gesellschaft. "Die Debatte wäre überflüssig", ergänzt Dr. med. Thomas Nolte, Vizepräsident der Gesellschaft, "wenn die Politik ihre Hausaufgaben gemacht hätte." "Wir brauchen", so der Leiter des Wiesbadener Schmerz- und Palliativzentrums  weiter, "weder eine Änderung des Strafrechts noch eine Diskussion über den ärztlich assistierten Selbstmord. Was wir aber brauchen ist eine handelnde Politik, welche endlich die Rahmenbedingungen für eine flächendeckende, palliativ-
und schmerzmedizinische Versorgung schafft." Die Fehlentwicklungen in
den Niederlanden seien das beste Beispiel dafür, wohin es führt,
"wenn das Pferd von hinten aufgezäumt und Euthanasie legalisiert
wird, ohne das Potenzial der Palliativmedizin auszuschöpfen."
  
Erforderlich ist nach Meinung von Müller-Schwefe und Nolte "endlich eine adäquate Ausbildung der Mediziner in Schmerz- und Palliativmedizin". Denn diese sei, trotz gegenteiliger Beteuerungen des Bundesgesundheits- ministeriums, auch nach der neuen Approbationsordnung keineswegs gewährleistet. Diese Ausbildungsdefizite seien dafür verantwortlich, dass Ärzte aus Unsicherheit die seit vielen Jahren etablierten Therapierichtlinien
zur Behandlung von starken Schmerzen kaum umsetzen und wirkungsvolle
Therapiestandards zur Kontrolle schwerwiegender Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitmangel und Atemnot kaum kennen. "Darum
werden Patienten essentielle therapeutische Möglichkeiten
vorenthalten", betonen die Experten.
  
"In Ländern, in denen ambulante Versorgungsstrukturen etabliert wurden, durch die Pflegende und Hausärzte palliativmedizinisch unterstützt werden, können die Menschen in bis zu 70 Prozent der Fälle zu Hause in vertrauter Umgebung sterben", weiß Nolte. In Deutschland fehlen vergleichbare Strukturen in der Regelversorgung, obwohl es durchaus erfolgreiche Modellvorhaben in einigen Bundesländern gab und gibt. Für solche Maßnahmen werden jedoch keine finanziellen Ressourcen zur Verfügung gestellt. "Das Thema eignet sich allerdings auch nicht für Hochglanzbroschüren zur Mitgliederwerbung der Krankenkassen, in denen das Sterben von vornherein nicht thematisiert wird",  kritisiert der
Palliativmediziner. Da der Patient nur das bekommt, was die Kasse zahlt, sieht Müller-Schwefe auch hier dringenden Handlungsbedarf: Palliativ- und
Schmerzmedizin müssen sowohl in den DRGs für die Kliniken als auch in
den Gebührenordnungen für Ärzte adäquat abgebildet werden.
  
Die von der Politik ausdrücklich gewollten Modelle zur integrierten Versorgung bieten, nach Meinung der Schmerzmediziner, eine Chance, ein flächendeckendes palliativmedizinisches Versorgungsnetz aufzubauen. Nolte: "Sowohl unter ethischen wie auch ökonomischen Gesichtspunkten ist eine Weichenstellung in diese Richtung unverzichtbar für die Zukunftssicherung unserer Sozialsysteme." Ohne öffentlichen Druck, so fürchten Müller-Schwefe und Nolte, werde diese allerdings nicht vorangetrieben, da Tod und Sterben ein Thema ist, das niemand gerne anpackt. "Doch diese Verdrängung können wir uns - angesichts der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft  - nicht länger leisten", warnen die beiden Schmerzmediziner.
  
ots Originaltext: ProScientia GmbH


Wenig Hilfe bei Schmerzen
Mängel in der ambulanten Schmerztherapie
Etwa die Hälfte aller Ärzte ist zwar in der Lage einen Tumorschmerz als solchen zu erkennen, aber nur knapp jeder Fünfte kann ihn genauer klassifizieren. Zudem zögern viele Ärzte schmerzlindernde Betäubungsmittel zu verschreiben und setzen nur sehr selten praktische Hilfsmittel zur Schmerzerfassung und Therapiekontrolle ein, wie z.B. ein Schmerztagebuch. Dr. Denise Gendig von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin an der Universität zu Köln stellt dieses Ergebnis im Rahmen einer Studie fest, in der über hundert Ärzte aus Köln und Umgebung hinsichtlich ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten in der Schmerztherapie untersucht werden. Die Behandlung chronisch Schmerzkranker durch niedergelassene Ärzte weist große Defizite auf und begünstigt dadurch unnötiges Leiden der Patienten. Zur Therapie von Tumorschmerzen bspw. ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Stufenschema entwickelt worden, dessen Wirksamkeit international und in Deutschland nachgewiesen wurde. Den von Dr. Gendig befragten Ärzten ist dieser Leitfaden zur Schmerzbekämpfung zwar mehrheitlich bekannt, angewandt jedoch wird er nur von einem Teil der Mediziner. Bei Kopfschmerzen bietet sich ein ähnliches Bild: Zwar wissen hier viele Ärzte von den Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und geben auch alle an, einen entsprechenden Stufenplan zu verwenden. In der genauen Überprüfung stellt sich jedoch heraus, dass die Leitlinien für eine wirklich erfolgreiche Therapie zu wenig beachtet werden. Die für Kopfschmerzpatienten empfohlenen Schmerztagebücher und -fragebögen werden ebenso viel zu selten eingesetzt wie Antidepressiva, die bei Spannungskopfschmerzen eine lindernde Wirkung entfalten. Auch alternative Heilmethoden, wie die Akupunktur, kommen trotz bekannter Heilerfolge bis jetzt nur unzureichend zum Einsatz. Positiv fällt bei den untersuchten Ärzten auf, dass ihnen das Erkennen einer Migräne keine großen Schwierigkeiten bereitet. Handelt es sich allerdings um einen Patienten mit Spannungskopfschmerz oder gar um einen Fall von durch Medikamente verursachten Schmerz, ist nur noch jeder zweite bzw. dritte Arzt in der Lage dies richtig zu diagnostizieren.

Die festgestellten Defizite in der Schmerztherapie führt Dr. Gendig zurück auf ein geringes Interesse und einen daraus resultierenden mangelhaften Kenntnisstand der Ärzte über diesen speziellen Bereich der Medizin. Eine Vergleichsgruppe von interessierten Ärzten - sie schrieben sich für einen schmerztherapeutischen Fortbildungskurs ein - schneidet bei ihrer Untersuchung dann auch deutlich besser ab.

Um die bestehenden Mängel in der Behandlung chronischer Schmerzen zu beheben, schlägt die Kölner Medizinerin vor, Netzwerke zwischen spezialisierten Kliniken und den niedergelassenen Ärzten einzurichten. Ein solches ist z.B. das 1996 für drei Jahre in Köln und Umgebung eingerichtete Schmerztherapeutische Ambulante Netzwerk (STAN). Im Verlauf dieses Projekts verbesserte sich die Bekanntheit der Leitlinien und sonst verschmähte Methoden, wie Antidepressiva oder Schmerztagebücher, wurden häufiger eingesetzt. Diagnosen gewannen an Genauigkeit, Therapien an Wirksamkeit. Trotzdem mahnt Dr. Gendig auch zu Geduld: Kenntnisse und Fähigkeiten der Ärzte lassen sich zwar durch Vernetzung medizinischer Einrichtungen und Fachgebiete, sowie durch Konferenzen und Fortbildungen verbessern. Aber es handelt sich hierbei um einen langwierigen Prozess, in dem weitere Bemühungen erforderlich sind, um die Qualität der ambulanten Schmerztherapie zu sichern.

Quelle: Universität zu Köln



Zwischenbilanz: Disease Management Programm Rückenschmerz
Positive Resonanz in der Pilotphase


07.07.2004 - 80 Prozent aller Deutschen leiden mindestens einmal in ihrem Leben unter starken Rückenschmerzen, die bei den Ursachen von Arbeitsausfalltagen auf dem ersten Platz rangieren. Bei jedem zehnten Betroffenen entwickeln sie sich zu einem chronischen Leiden, das nicht nur die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Es kann auch zum Verlust des Arbeitsplatzes führen und damit den Weg in das soziale Abseits einleiten. Dennoch gibt es bisher keine allgemein anerkannten und angewandten Leitlinien zur Behandlung von Patienten mit Rückenschmerzen, deren Versorgung vielfach ungenügend ist. Wesentliche Fortschritte verspricht das von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) und der Firma Grünenthal initiierte Disease-Management-Programm (DMP) Rückenschmerz, das sich streng auf die Erkenntnisse der evidenzbasierten Medizin gründet und im Dezember letzten Jahr gestartet wurde. Anlässlich einer Pressekonferenz zogen Experten eine Zwischenbilanz der einjährigen Pilotphase des Programms, in dessen Zentrum - neben dem Patienten - der Hausarzt als erster Ansprechpartner steht. Praxistaugliches, leitlinienbasiertes Programm Basis für die Entwicklung des DMP Rückenschmerz war die Analyse der verfügbaren Leitlinien, anhand derer Vorgaben für Diagnostik, Therapie und Kooperation der einzelnen Versorgungsebenen erstellt wurden. Dies erfolgte in interdisziplinärer Zusammenarbeit aller Beteiligten, zu denen neben Hausärzten und Orthopäden auch Physiotherapeuten und Sprechstundenhilfen zählten. "So konnte ein zielgerichtetes und praxistaugliches Programm entwickelt werden, das Ärzte unterstützt und nicht behindert", betonte Prof. Dr. Bertram Häussler, Hohenstein-Ernstthal.

Elektronische Datenerfassung

Ein wesentlicher Unterschied zu anderen DMPs, bei denen die Dokumentation auf Papier erfolgt, besteht in der elektronischen Datenerfassung. Hierdurch konnte nicht nur die Fehlerrate auf Null gesenkt werden. Der Arzt erhält in kritischen Situationen auch umgehend eine Rückmeldung mit Hinweisen, die zu einer Veränderung der Behandlung umgesetzt werden können. Ein weiterer wichtiger Baustein des DMP Rückenschmerz ist die Praxiskarte zum Problem der Schmerzchronifizierung. Auf der einen Seite sind die "Yellow Flags" aufgelistet, die als weiche Indikatoren auf die Möglichkeit einer Chronifizierung hinweisen. Auf der anderen Seite finden sich die "Red Flags", bei denen eine enge Beobachtung des Patienten erforderlich ist.

Neue Frührentner "verhindern" Die Prävention der Schmerzchronifizierung zählt nach Aussage von Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der DGSS, zu den wichtigsten Aufgaben des Hausarztes. "Denn bereits sechs Monate reichen, um den Patienten in eine chronische Erkrankung mit Verlust des Arbeitsplatzes zu bringen", warnte er. Eine bessere Versorgung kann aber nur durch eine leitliniengerechte Aus- und Weiterbildung der Behandler sowie eine professionelle Qualitätssicherung der durchgeführten Maßnahmen erreicht werden. Beide Punkte sieht die DGSS mit dem Pilotprojekt des DMP Rückenschmerz verwirklicht, an dessen Entwicklung sie selbst beteiligt war und das sie über die Pilotphase hinaus begleiten wird. Primäres Ziel des Programms ist es, den Patienten vor den physischen und psychischen Folgen einer chronischen Schmerzkrankheit zu bewahren. Kassen zeigen Interesse

Eine optimale Versorgung von Schmerzpatienten zahlt sich aber auch ökonomisch aus. Denn allein chronische Rückenschmerzen verursachen in Deutschland gesamtwirtschaftliche Kosten in Höhe von 17 Mrd. Euro pro Jahr. Wie Dr. Frank Heinzen, Aachen, berichtete, ist das DMP in mehreren deutschen Ärztenetzen und in Kooperation mit Krankenkassen erfolgreich angelaufen. Weitere Krankenkassen haben bereits ihr Interesse bekundet, das Programm als Basis für Verträge im Rahmen integrierter Versorgungsmodelle zu übernehmen. Derzeit läuft es mit rund 60 Ärzten, durch deren Feedback das DMP weiter an die Bedürfnisse in der Praxis angepasst werden konnte. Nach Abschluss der Pilotphase soll es ab Januar 2005 evaluiert werden, um anschließend in verschiedenen Regionen in den regulären Betrieb zu gehen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e. V. (DGSS)


Schmerztherapie erfordert Qualifikation

19.03.2004 - Die Behandlung von Patienten mit akuten und chronischen Schmerzen ist an besondere Qualifikation der behandelnden Ärzte gebunden. Bei guter Aus- und Weiterbildung der schmerztherapeutisch tätigen Ärztinnen und Ärzte können Patienten von den medikamentösen und nichtmedikamentösen Verfahren der Schmerztherapie optimal profitieren. Unzureichende oder gefährliche Behandlungen können nur so vermieden werden.
Die aktuelle Diskussion um die Gabe von Morphin im Rahmen von Schmerztherapie und Palliativmedizin zeigt deutlich, dass Schmerztherapie gelernt werden muss. Nur, wenn algesiologische Standards eingehalten werden, können ernste Nebenwirkungen vermieden werden. Morphin ist bei Schmerzpatienten oft unverzichtbar. Bei sachgerechter Anwendung, die indiziert und laufend kontrolliert sein muss, wirkt diese Substanz nie lebensverkürzend und ist nie gefährlich.
Schmerztherapie ist für die betroffenen Patientinnen und Patienten ein Segen, wenn sie gelernt wurde und fachgerecht durchgeführt wird. Hierzu gehört die Anwendung algesiologischer Standards, also die Anwendung von Schmerzfragebögen und -tagebüchern, die Schmerzanalyse, die Bestimmung der Art und der Intensität der Schmerzen und deren Dokumentation über den ganzen Behandlungsverlauf.
Gefährlich ist der Einsatz schmerztherapeutischer Verfahren, dazu gehören auch die Opioidanalgetika, nur dann, wenn sie ohne entsprechende Aus- und Weiterbildung eingesetzt werden. In Deutschland herrscht immer noch die Meinung vor, jeder Arzt dürfe alles. Das kann aber nur sinnvoll und sicher sein, wenn der Arzt das, was er anwendet, auch gelernt hat und belegen kann. Immer noch gehört Schmerztherapie nicht zur Pflichtausbildung von Ärzten in Deutschland. Seit über 20 Jahren gibt es von den algesiologischen Fachgesellschaften entwickelte Ausbildungsrichtlinien, seit 1996 die offizielle Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie".
Obwohl die Weiterbildungsinhalte festgelegt wurden, gibt es immer noch sehr viele Ärztinnen und Ärzte, die differenzierte Verfahren der Schmerztherapie anwenden, wozu auch stark wirkende Schmerzmittel gehören, ohne die hierfür notwendigen Kenntnisse zu besitzen.
Wir möchten deutlich machen: Wie in allen anderen Bereichen der Medizin kann auch Schmerztherapie nur sicher sein, wenn die angewandten Methoden nachweisbar beherrscht werden. Patientinnen und Patienten sind gut beraten, wenn sie sich über die Qualifikation von Ärztinnen und Ärzten informieren.
Die Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" und die verbandsinterne Qualifikation "Algesiologin/Algesiologe" bieten Gewähr für eine fachgerechte Behandlung nach dem aktuellen Kenntnisstand.


Quelle: GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG
der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V., der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. und des Verbands Deutscher Ärzte für Algesiologie - Berufsverband Deutscher Schmerztherapeuten e. V.



Mit Köpfchen gegen den Kreuzschmerz: Disease Management Programm startet


Leitlinien für Ärzte, Informationen für Patienten und eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen sollen dem Kreuzschmerz den Schrecken nehmen und dabei Kosten sparen. Die Pilotphase des neuen Disease Management Programms Rückenschmerz startet jetzt mit 60 Praxen.

27. Februar 2004 - Rückenschmerzen kommen und gehen wie eine Erkältung. In den allermeisten Fällen sind sie auch genauso einfach zu diagnostizieren und zu behandeln. Doch unkoordinierte Diagnostik- und Behandlungsansätze sowie verunsicherte Patienten, die sich aufgrund mangelnder Information falsch verhalten, machen den Rückenschmerz zum medizinischen und ökonomischen Problem. Um Abhilfe zu schaffen, haben die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e. V. (DGSS) und die Grünenthal GmbH zusammen mit allen an der Behandlung des Rückenschmerzes Beteiligten und der wissenschaftlichen Begleitung des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) ein Disease Management Programm (DMP) Rückenschmerz entwickelt. Die einfachen und effektiven Mittel zur Kostenersparnis: Leitlinien für Ärzte, Informationen für Patienten und eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen.Zuviel Schonung verlängert das LeidenHexenschuss, Verspannung, Verschleiß: Die Ursachen von Rückenschmerzen sind zwar vielfältig, aber meistens einfach durch Befragung und körperliche Untersuchung des Patienten herauszufinden. Nur in unklaren oder besonders schweren Fällen muss teure Diagnostik wie Röntgen oder Computertomographie zum Einsatz kommen. "Im Augenblick wird aber noch viel zu oft mit Kanonen auf Spatzen geschossen", erklärt Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der DGSS, einen Kostenfaktor. Eine bessere Aufklärung der Ärzte durch die Leitlinien des DMP soll diese unnötigen Kosten verhindern. Auch die Patienten werden besser informiert: Die Schmerzen zwar nicht auf die leichte Schulter nehmen, aber so bald wie möglich wieder in Bewegung kommen, lautet die Devise. Schmerzmittel und Massagen können in der ersten, schmerzhaften Zeit helfen, schnell wieder mobil zu sein. "Zu viel Schonung trägt nur dazu bei, dass der Schmerz chronisch wird", so Prof. Zenz, "und dann wird es für den Patienten erst wirklich schlimm und für die Kostenträger teuer." Symptome lindern und Ursachen beseitigenUm den Verlauf der Therapie beurteilen zu können, wird per Fragebogen das Schmerzempfinden des Patienten regelmäßig überprüft. Auch ist es mit der reinen Bekämpfung der Symptome nicht getan: Arzt und Patient gehen gemeinsam dem Leiden auf den Grund. Ist es vielleicht der Schreibtischstuhl, der den Rücken belastet? Sitzt der Chef im Nacken? Bedrücken emotionale oder psychische Probleme? Bei Bedarf stimmen sich die Ärzte auch mit Betriebsärzten oder Psychologen ab, um den besten Weg zum bleibenden Wohlbefinden für jeden Patienten zu finden. 60 Praxen steigen ins DMP einGrundpfeiler des DMP sind einerseits die strenge Orientierung an den anerkannten Leitlinien zur Behandlung des Rückenschmerzes sowie andererseits auch die Umsetzbarkeit in der täglichen Praxis. Ein Expertenteamaus Vertretern der Wissenschaft, der Ärzte, der Krankenkassen und der Patienten hat gemeinsam einen Leitfaden für die Diagnostik und Therapie des Rückenschmerzes, Schulungen und Hilfestellungen für Ärzte und eine Informationsbroschüre für Patienten entwickelt. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Verbesserung des Austausches zwischen den verschiedenen Behandlern. Eine spezielle Software vernetzt die beteiligten Arztpraxen mit der DMP-Zentrale, in der die Ergebnisse der Pilotphase ausgewertet werden. An der Pilotphase, die jetzt startet, nehmen ca. 60 Praxen teil. Wirkungsvolles Steuerungsinstrument"Disease Management Programme können sehr wirkungsvolle Steuerungsinstrumente im Gesundheitswesen sein", unterstreicht Dr. Frank Heinzen, Leiter der Geschäftseinheit Gesundheitsmanagement bei Grünenthal. "Grünenthal sieht dieses Projekt vor allem als Chance, um DMPs auch jenseits des Risikostrukturausgleichs (RSA) erfolgreich umzusetzen. Die enge Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften gewährt dabei das hohe wissenschaftliche Niveau der medizinischen Maßnahmen im DMP", so Dr. Heinzen. Die Initiatoren des neuen DMP Rückenschmerz erhoffen sich langfristig eine spürbare Kostenersparnis, vor allem aber eine Verbesserung der Versorgung.Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)



Hypnotherapeutische Interventionen im Rahmen eines
verhaltentherapeutischen Kurzprogramms zur Behandlung chronischer Schmerzen.


Stefan Jacobs, Micha Strack ,Gina Bode, Birgit Kröner-Herwig

Zusammenfassung

In einer Studie an 14 chronischen Schmerzpatienten wurden die Effekte eines
verhaltenstherapeutischen Kurzprogramms von neun Sitzungen mit hypnotischen Interventionen untersucht. Als Interventionsmethoden kommen verhaltenstherapeutische Elemente zu Selbstkontrolle schmerzfördernder und -lindernder Aktivitäten sowie hypnotherapeutische Interventionen (Hypnotische Dissoziation) zur Schmerzreduktion zum Einsatz. Eine Kassette mit den schmerzreduzierenden hypnotherapeutischen Interventionen wurde von den Patienten zusätzlich zu den therapeutischen Sitzungen zuHause bei Schmerzattacken eingesetzt.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Reduzierung der Schmerzstärke (Effektgrößen über 1,0) und ähnlich starke Verbesserungen in Depressivität und Funktionsfähigkeit. Die Befunde wurden gegen ein vierwöchiges Eigenwartegruppendesign kontrolliert und in einer Dreimonats-Katamnese bestätigt. Die aktuelle Schmerzreduktion durch Heterohypnose und Autohypnose zeigt in der Intrasplitting-Erhebung Effektgrößen um 2,0 und Korrelationen zum Gesamterfolg.

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