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Schmerzbremse im Rückenmark
22.05.2006 - Die Nervenzellen unseres Rückenmarks verfügen über einen bisher unbekannten Schutzmechanismus gegen starke Schmerzen. Das konnten Anke Tappe und ihre Kollegen in einer im Universitätsklinikum Heidelberg koordinierten Forschungsgruppe unter Federführung von Privatdozentin Dr. Rohini Kuner vom Pharmakologischen Institut nachweisen. Ihre Entdeckung eröffnet völlig neue Perspektiven für die Therapie chronischer Schmerzen. Sie wurde jetzt in der online-Ausgabe des Fachmagazins "Nature Medicine" veröffentlicht.
Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Proteinen, die vor neun Jahren in einem Bereich des Großhirns, dem limbischen System, das für die Verarbeitung von Emotionen, aber auch für die Schmerzempfindung zuständig ist, entdeckt worden sind. Sie tragen den willkürlich gewählten, klangvollen Familiennamen Homer und fungieren quasi als Adapterproteine, die Nervensignale verknüpfen. Im flüssigen Medium der Zelle gleichen sie schwimmenden Brücken, die zwei Ufer verbinden: Auf der einen Seite die Empfangsstationen für Signale aus dem Körper; auf der anderen Seite Zellsysteme zur Verarbeitung dieser Signale. "Wir haben nun zum ersten Mal bewiesen", erklärt Dr. Kuner, "dass Homer Proteine auch im Rückenmark vorkommen und dort an der Schmerzverarbeitung beteiligt sind."
Schmerzen werden vom Ort der Entstehung über elektrische Nervensignale ins Rückenmark geleitet. Dort werden sie über spezielle Verbindungsstellen (Synapsen) umgeschaltet und ans Gehirn weitergeleitet. Dabei wandelt sich der elektrische Reiz in einen chemischen Boten um, der den Zwischenraum zwischen den Nervenzellen überquert, um in der Rückenmarkszelle einen elektrischen Reiz auszulösen.
Für diesen zweiten Schritt sind Homer Proteine essentiell: Sie bauen die Brücke zwischen der chemischen Botschaft und deren elektrischer Weiterleitung - verbinden über ein molekulares Gerüst die Rezeptorproteine für den Botenstoff Glutamat mit den Schleusen für Kalzium in der Zellwand.
Protein verhindert die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses
Eines der Homer Proteine, 1a genannt, das nur halb so groß wie die anderen ist, widersetzt sich und versucht, das Gerüst ständig zum Einsturz zu bringen. Sobald die Homer Proteine beginnen, die Schmerzbrücke zu bauen, legt sich Sprössling Homer 1a quer. Tatsächlich wird das kleine Protein bei chronischen Entzündungen vom Körper reichlich produziert. Gerade bei chronischen Schmerzen trägt nämlich der Rest der Homer Proteine dazu bei, dass ein Schmerzgedächtnis aufgebaut wird und der Schmerz chronisch wird.
"Bisher kannten wir nur Rückkopplungsmechanismen, die den Schmerz verstärken", sagt Rohini Kuner. Als endogene Hemmstoffe von Schmerzen galten bislang ausschließlich Endorphine oder Cannabis-Abkömmlinge. "Mit Homer 1a haben wir erstmals einen negativen Rückkopplungsmechanismus der Schmerzverarbeitung identifiziert." Für akute Schmerzen, die sinnvolle Warnsignale sind, hat das wenig Bedeutung. Chronische Schmerzen aber, die ihren Sinn und Warncharakter weitgehend verloren haben, wären ohne den Schutz der körpereigenen Notbremse Homer 1a noch weniger zu ertragen.
Möglicher Ansatz für Gentherapie oder neues Medikament
In ihrer Arbeit zeigt die Forschungsgruppe, die sich über Wissenschaftler aus Heidelberg über Neuseeland, New York (Cornell), Zürich und Wien spannt, dass Schmerzen umso schwächer empfunden werden, je höher die Konzentration von Homer 1a im Rückenmark ist. Das ließe sich möglicherweise therapeutisch nutzen, indem man in einer Gentherapie den Bauplan für dieses Protein in die betroffenen Zellen einschleust. Leichter wäre es jedoch vermutlich, kleine Teile von Homer 1a, die Hebel gewissermaßen, mit denen er die Schmerzbrücke abbaut, nachzuformen und zum Medikament zu entwickeln.
Literatur:
Anke Tappe, Matthias Klugmann, Ceng Luo, David Hirlinger, Nitin Agarwal, Justus Benrath, Markus U Ehrengruber, Matthew J During & Rohini Kuner:
Synaptic scaffolding protein Homer 1a protects against chronic inflammatory pain
In: Nature Medicine, Advance Online Publication
Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg
Schmerzgrenze als Erbteil
06.04.2006 - Zwei Mäuse, eine mit hellem, die andere mit dunklem Fell, spüren am Hinterfuß denselben Hitzestrahl. Welche von beiden zieht schneller die Pfote weg, die schwarze oder die weiße? Die Frage ist nicht etwa als Scherz gemeint, denn das Beispiel von Inzuchtmäusen lehrt, dass die Schmerzgrenze nicht für alle Individuen gleich hoch liegt und dass höhere Empfindlichkeit zumindest teilweise erblich ist. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vier Nationen, darunter Prof. Dr. Peter Reeh vom Institut für Physiologie der Universität Erlangen-Nürnberg, erforschen im europäischen Projekt Paingenes die genetischen Grundlagen der Schmerzwahrnehmung. Nicht das Zusammenwirken mehrerer Gene, so lautet bisher die Vermutung, regelt das Hitzeschmerzempfinden. Der Verdacht richtet sich gegen ein einziges Gen, auf das schon Hinweise vorliegen.
In dem EU-Projekt geht es darum, den Schmerz an der Wurzel zu packen. Bekanntermaßen schmerzhafte Krankheiten sind deshalb nicht Gegenstand der Untersuchungen; das Interesse gilt Schmerzen, deren Ursachen schwer greifbar sind, wie beispielsweise bei Migräne, Nervenleiden, Reizdarmsyndrom oder anhaltendem Wundschmerz nach Operationen. In solchen Fällen werden häufig psychische Faktoren zur Erklärung herangezogen. Physiologische und pharmakologische Forschungen lassen aber darauf schließen, dass genetisch gesteuerte Kreisläufe verantwortlich sind, wenn Schmerzreaktionen, statt abzuklingen, sich immer weiter fortsetzen oder sogar steigern.
An der Universität von Jerusalem, dem Karolinska-Institut in Stockholm und der Universität von Pecs in Ungarn sind Projektgruppen von Paingenes seit Mitte 2004 an der Arbeit. In Deutschland beteiligt sich neben der Universität Erlangen-Nürnberg die Sanofi-Aventis Pharma AG in Frankfurt. Insgesamt knapp 1,8 Millionen Euro an Fördergeldern der Europäischen Union fließen in das auf drei Jahre angesetzte Projekt. In Erlangen wird davon mehr als eine Viertel Million verwaltet. Prof. Reeh leitet die für zellbiologische Abläufe zuständige Gruppe. Hier wird an Präparaten von Nervenendigungen der Haut nachvollzogen, was geschieht, wenn ein schmerzhafter Reiz weitergeleitet wird, und was dabei auf erbliche Ursachen verweist.
Verstärkerkreislauf der Nervenzelle
Auf die Spur führte zunächst der Versuch mit dem Hitzestrahl. Die getesteten Mäuse unterscheiden sich weit mehr als nur farblich; es sind Stämme, die u. a. für die Genforschung gezüchtet wurden. In ihrem Erbmaterial stimmen die Tiere eines Stammes ebenso überein wie Klone. Deutlich andersartiges Verhalten beim Vergleich mit einem anderen Inzucht-Stamm lässt vermuten, dass auch die Genome entsprechend voneinander abweichen. Dass die schwarzen Mäuse schon nach durchschnittlich sechs Sekunden zurückzucken, weiße Mäuse dagegen bis zu 14 Sekunden lang ungerührt sitzen bleiben, legt also eine genetisch bedingte unterschiedliche Schmerzempfindlichkeit nahe.
Die Reaktion der Nozizeptoren, der "Außenposten" der neuronalen Schmerzleitung, bestätigt diese Vermutung. Nervenendigungen in der Haut besonders hitzesensibler Mäuse werden bei Temperaturen aktiv, die um 4 Grad niedriger liegen als die, welche die Neuronen ihrer weniger empfindlichen Artgenossen in Erregung versetzen. Hitzeaktivierte Ionenkanäle der Zellen öffnen sich dann für positiv geladene Ionen, was Erregung und eine Kette von Prozessen auslöst. Unter anderem setzen die alarmierten Nervenzellen ein Neuropeptid mit der Bezeichnung CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) frei, das sich nach der Absonderung an der Zelloberfläche anlagert und auf die Einlasskanäle zurückwirkt. Diese Substanz ist nach den Forschungen des Teams von Prof. Reeh ein aussichtsreicher Kandidat für einen Verstärker des Schmerz-Signals bei Hitzeeinwirkung und könnte auch Menschen den Schmerz intensiver spüren lassen.
Mehrere Tests sind durchgeführt worden, um zu überprüfen, ob tatsächlich ein direkter Zusammenhang zwischen der CGRP-Absonderung und den Verhaltensunterschieden bei den Tieren besteht. In den Hautpräparaten des weißen Mäuse-Inzuchtstamms ist nach einem Hitzereiz von diesem Zellsekret weit weniger aufzufinden, obwohl die Anzahl der Schmerz-Nervenendigungen nicht niedriger liegt. Wird CGRP per Injektion zugeführt, nehmen die zuvor eher langsam reagierenden Mäuse sehr viel schneller vor dem heißen Strahl Reißaus, während bei ohnehin empfindsamen Tieren kein Unterschied festzustellen ist. Gebremst werden kann die Schmerzreaktion durch eine Blockierung der CGPR-Rezeptoren oder durch ein spiegelverkehrtes Bindemolekül ("Spiegelmer"), das mit dem freigesetzten CGRP eine dauerhafte Bindung eingeht, wodurch es wirkungslos wird.
Kreuzungen der beiden Mäusestämme halfen dabei, im Erbmaterial die Region einzugrenzen, die mit der Höhe der Hitzeempfindlichkeit korreliert. Das Gen selbst, der CGPR-Bauplan, zeigt jedoch keine Auffälligkeiten, wohl aber seine Aktivität. Die Unterschiede sind in den genetischen Steuerungsmechanismen zu suchen, den Promotoren, die das Ablesen eines Gens veranlassen, und den Enhancern, die die Produktion erhöhen. Bei Menschen ist diese Region, wenn auch große Ähnlichkeit zum Maus-Genom besteht, komplizierter gestaltet. Hier gibt es drei Ansatzpunkte für Mutationen, die zu unterschiedlicher Hitzeschmerzwahrnehmung führen könnten. Bis darüber mehr bekannt ist, bleibt die Blockade von CGPR als neue Möglichkeit für schmerzlindernde Medikamente interessant und hat sich bereits bei Migräne bewährt.
Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Mehr Vorsicht mit Schmerzpflastern gefordert
Schmerztherapeut: Pflaster gelten irrtümlicherweise als sanft
Baierbrunn/München - 17.03.2006 - Mehr Sorgfalt beim Einsatz stark wirksamer Schmerzpflaster mit Opioiden als Wirkstoff fordert der Göppinger Schmerzexperte Dr. Gerhard Müller Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie und Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga. Solche Schmerzpflaster gelten nur "irrtümlicherweise als sanft", sagt er im Gesundheitsmagazin Apotheken Umschau. In Wirklichkeit seien sie hochwirksame, schwer steuerbare Medikamente. Nirgendwo auf der Welt würden mehr Arzneipflaster verwendet als in Deutschland. Müller-Schwefe rät, opioidhaltige Schmerzpflaster viel seltener einzusetzen. Er hält sie für gut geeignet bei konstanten Schmerzen ohne Schmerzspitzen und bei Krebspatienten, die nicht schlucken können. Eine Schmerztherapie solle außerdem nie mit Pflastern begonnen werden. In den USA untersucht die staatliche Arzneimittelbehörde zur Zeit 120 Todesfälle im Zusammenhang mit fentanylhaltigen Schmerzpflastern.
Quelle: Wort und Bild Verlag
Rückschlag für Schmerztherapie - Schmerzexperte: Kassenpatienten werden kaum noch Spezialpraxen finden
Baierbrunn - 22.12 2005 (ots) - Neue Leistungsberechnungen für Schmerztherapeutische Praxen werden zu einer Verringerung des Angebots für Kassenpatienten führen. Das beklagt in einem Interview mit dem Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, Dr. Gerhard Müller-Schwefe. Kosten von 250 bis 300 Euro im Quartal für einen Schmerzpatienten stünden Erstattungssätze von 40 bis 60 Euro gegenüber. Der Zeitaufwand sei so hoch, dass ein Arzt „maximal 300 Patienten im Quartal“ behandeln könne. Damit seien Schmerzpraxen nicht mehr wirtschaftlich zu führen.
Bild: Photocase
Müller-Schwefe sieht für neue Patienten das Problem kommen, „überhaupt einen Schmerztherapeuten zu finden“. Nach neueren wissenschaftlichen Untersuchungen erhalten in Deutschland ohnehin nur 20 Prozent der schätzungsweise 15 Millionen Schmerzkranken eine qualifizierte Versorgung.
Quelle:
Wort und Bild - Apotheken Umschau
Laufen gegen den Schmerz - Regelmäßiges Joggen mindert Altersbeschwerden
Baierbrunn - 21.12.2005 (ots) - Wer regelmäßig die Laufschuhe schnürt, klagt im Alter weniger über Schmerzen in Muskeln und Gelenken als Stubenhocker. Das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“ berichtet über eine große Studie von US-Wissenschaftlern von der Stanford University, die 866 Ruheständler über 14 Jahre lang beobachteten.

Bild: Photocase
Alle Teilnehmer gaben mit zunehmendem Alter Schmerzen im Bewegungsapparat an. Doch wer regelmäßig gejoggt hatte, berichtete zumeist von leichteren Beschwerden, obwohl es in dieser Gruppe häufiger zu Verletzungen kam, als bei den Sportmuffeln. Vermutung der Forscher: Das Training der Muskulatur schützt vor Schmerzen.
Quelle:
Wort und Bild - Senioren Ratgeber
Starke Schmerzmittel für den Notfall: Nur in jeder fünften Notdienst-Apotheke
07.12.2005 - Nicht einmal jede fünfte Apotheke in Nordrhein-Westfalen hält im Notdienst stark wirksame Schmerzmittel z.B. gegen Akutschmerzen bei Tumorpatienten bereit. Zu diesem Ergebnis führte eine telefonische Befragung bei 74 zufällig ausgewählten Notdienstapotheken in Nordrhein-Westfalen, die das Palliativnetz Bochum am 30. November 2005 durchführte. Die Befragung ergab auch ansonsten ein schwaches Bild: 33 der diensthabenden Apotheken wurden mit zwei Versuchen nicht erreicht, nur eine Apotheke war in der Lage, eine sinnvolle Alternative für das fehlende Schmerzmittel zu nennen. "Für einen Tumorpatienten ist die Tatsache, dass ein notwendiges Schmerzmittel erst in 24 Stunden besorgt wird, wirklich unerträglich", kommentiert Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), und mit Blick auf vorgeschlagene Änderungen der Regeln zur Vorratshaltung der Apotheken: "Ich wünsche keinem Politiker, dass er eine solche Verordnung einmal selber kennen lernt."
Tumorschmerzpatienten brauchen jederzeit Hilfe

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Die Notwendigkeit der Versorgung von Tumorpatienten mit stark wirksamen Schmerzmitteln ist unumstritten, die mangelnde Versorgungssituation derzeit Gegenstand großer öffentlicher Aufmerksamkeit. Zur Versorgung der Patienten außerhalb der Geschäftszeiten (z. B. am Wochenende) sind in allen Gemeinden Notdienstapotheken ausgewiesen. Sie müssen laut Apothekenbetriebsordnung eine Reihe von Arzneimitteln stets vorrätig halten, darunter auch zwei stark wirksame Schmerzmittel, die in der Tumorschmerztherapie unverzichtbar sind: Morphin in Tropfenform bzw. als Injektionslösung.
Knapp die Hälfte der Notdienstapotheken nicht erreichbar
Erreicht wurden bei der telefonischen Befragung nur 41 von 74 Notdienst-Apotheken (55,41%). Nur acht von ihnen, weniger als 20%, hatten beide Medikamente vorrätig. "Insgesamt war die Vorhaltung von Morphintropfen noch am günstigsten, hier teilten dreizehn Apotheken (32%) mit, sie zu führen oder sehr kurzfristig besorgen zu können", so Dr. Matthias Thöns vom Bochumer Palliativnetz. Nur ein einziger Apotheker war in der Lage, eine medizinisch sinnvolle Alternative für Morphin zu benennen, zwei weitere hatten zwar stark wirksame Schmerzmittel vorrätig, gaben aber fälschlicherweise an, die angegebenen Medikamente seien zur Akutschmerzbehandlung geeignet. Das Wissen um starkwirksame Schmerzmittel in den Apotheken ist oft erschreckend gering, wiederholt berichten meine Patienten auch über Vorurteile von Apothekern gegenüber diesen notwendigen Medikamenten, so Dr. Thöns.
"Wochenbedarf" muss verfügbar oder schnell zu besorgen sein
Die Apotheker, die die beiden Mittel nicht in ihrem Bestand haben, verstoßen zwar nicht gegen die Apothekenbetriebsordnung, die die Vorratshaltung von Apotheken regelt. Hier heißt es: "Der Apothekenleiter hat die zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung notwendigen Arzneimittel, insbesondere die in der Anlage 2 aufgeführten ... in einer Menge vorrätig zu halten, die mindestens dem durchschnittlichen Bedarf für eine Woche entspricht." In Anlage 2 sind stark wirksame Schmerzmittel (z.B. Morphin) aufgeführt. Aus der Formulierung "Wochenbedarf" wird von den Apothekerkammern gefolgert und empfohlen, es reiche, wenn diese Medikamente innerhalb von 24 Stunden besorgt werden könnten. Eine gleichartige Aussage ist von der Bundesopiumstelle bekannt.
Tumorschmerzpatienten sollten nicht 24 Stunden warten müssen
"Ein Tumorpatient mit stärksten Schmerzen sollte aber nicht 24 Stunden auf eine wirksame Therapie warten müssen", unterstreicht Prof. Zenz. "Die Vorschrift ist völlig obsolet." Man gehe heute davon aus, dass von den 250.000 Tumorpatienten in Deutschland 50-80% unter stärksten Schmerzen leiden. Insofern müsse mit einem hohen Versorgungsbedarf auch zu Zeitpunkten außerhalb normaler Geschäftszeiten gerechnet werden. Über 90% dieser Patienten kann mit stark wirksamen Schmerzmitteln in Form von Tabletten, Tropfen oder Pflastern schnell geholfen werden. "Dazu müssen solche Substanzen aber kurzfristig flächendeckend zur Verfügung stehen", so Prof. Zenz.
Verbesserungsvorschläge für Betäubungsmittelversorgung
Die DGSS unterstützt daher die Forderungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz zur Verbesserung der Betäubungsmittelversorgung.
Darin heißt es unter anderem:
Jede Dienst habende Notfallapotheke muss jederzeit (ohne Latenzzeiten) einen ausreichenden Opiatvorrat zur ambulanten Versorgung Schwerstkranker und Sterbender vorhalten und zur Verfügung stellen können.
Stationäre Hospize dürfen einen Pool von Opioiden zur Versorgung der Gäste vorhalten, sodass Opioide nicht nur personengebunden und zweckgebunden vorhanden sind.
Altenheime sollten in diesem Sinne den Stationären Hospizen gleichgestellt werden.
Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes
Gerichtsurteil stärkt die Rechte von Schmerz-Patienten
11 Millionen Menschen betroffen - jetzt muss Versicherung zahlen
Bad Mergentheim - 07.12.2005 - Es ist eine unvorstellbare Qual für Körper und Seele: Eine Schmerzerkrankung bedeutet für die Betroffenen meist einen jahrelangen Leidensweg. Für das Recht der Patienten auf eine fachärztliche Behandlung setzt sich das Schmerztherapie-Zentrum Bad Mergentheim http://www.schmerzklinik.com ein. Viele Rentenversicherungen und Krankenkassen verweigern den Patienten nach wie vor eine angemessene und gezielte Therapie. Nur allzu oft werden Erkrankte aus Kostengründen an gewöhnliche Reha-Einrichtungen verwiesen, die nicht auf Schmerztherapien spezialisiert sind. Erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland brachte nun eine Betroffene den Mut auf, vor Gericht Klage zu erheben und ihr Recht auf eine geeignete Behandlung einzufordern - mit Erfolg: Das Sozialgericht Kassel urteilte zu Gunsten der Patientin und sprach ihr eine adäquate Therapie in einer schmerztherapeutischen Klinik zu. Die Patientin wählte daraufhin die Schmerzklinik Bad Mergentheim. Inzwischen liegt dort die schriftliche Kostenübernahme-Erklärung der Rentenversicherung vor. (Urteil s. http://www.schmerzklinik.com/sozialgericht1/urteil )

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Jetzt amtlich: Rentenversicherung übernimmt Therapie-Kosten für die Patientin
Ursprünglich und gemäß dem Willen der deutschen Rentenversicherung hätte die Frau in einer nicht schmerztherapeutisch ausgerichteten Klinik behandelt werden sollen. Doch die Patientin bestand vor Gericht auf eine angemessene Behandlung. Ein Präzedenzfall, der mit großer Wahrscheinlichkeit noch für Furore in der Gesundheitspolitik sorgen wird. Dennoch - viel zu viele Schmerzpatienten leiden nach wie vor unter Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen und fühlen sich von den Kassen im Stich gelassen. Unnötiges Leid und meist jahrelange Pein sind die Folgen. Wenn der Schmerz ein ständiger Begleiter ist, wird die Lebensqualität der Betroffenen stark eingeschränkt. Zahlreiche Patienten leiden nicht nur körperlich, sondern auch psychisch stark unter chronischen oder immer wiederkehrenden Schmerzen.
Die Ironie der Situation: Gerade durch das Kostendenken seitens der Kassen entsteht ein Schaden für Wirtschaft und Sozialsystem, der die Milliardengrenze bereits übersteigen dürfte.
Kein Schicksal, sondern eine behandelbare Krankheit
Die Schmerzerkrankung ist kein Schicksal - viele unnötige Qualen könnten heute durch die Erkenntnisse der modernen Schmerztherapie erspart werden. "Eine ausführliche Schmerzanalyse mit anschließender individueller und intensiver Therapie kann den betroffenen Patienten helfen, wieder in ein annehmbares Leben und einen normalen (Arbeits-)Alltag zurückzufinden", so Angelika Wicker-Leeser, Geschäftsführerin der Schmerzklinik Bad Mergentheim. Mit ein paar Spritzen ist es nicht getan - eine angemessene Behandlung ist eine Notwendigkeit, um einem Erkrankten einen zermürbenden Leidensweg zu ersparen. Zudem handelt es sich bei einer geeigneten Therapie nicht um Luxus, sondern um ein Grundrecht der Erkrankten: Nach dem Sozialgesetzbuch V hat in Deutschland jeder Patient das Recht, entsprechend seiner Krankheit fachgebietsbezogen behandelt zu werden.
Die Schmerzerkrankung ist keineswegs eine seltene, exotische Krankheit: Über 11 Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen.
Quelle: Schmerztherapie-Zentrum Bad Mergentheim
Neurostimulation soll das "Schmerzgedächtnis" löschen
02.12.2005 - Häufige Schmerzattacken können zu langfristigen Veränderungen der neuronalen Schmerzverarbeitung führen: Dieses Schmerzgedächtnis durch elektrische Neurostimulation zu schwächen oder gar auszulöschen, ist Ziel der Studien zur "Langzeithemmung der Schmerzverarbeitung beim Menschen" der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jens Ellrich (Universitätsklinikum Aachen). Für ihre Arbeiten wurde die Gruppe jetzt mit dem Europäischen Preis für Schmerzforschung 2005 ausgezeichnet. Der sog. EFIC Grünenthal Grant wird von der European Federation of IASP Chapters (EFIC, deutsche Sektion ist die DGSS) verliehen und gestiftet von der Grünenthal GmbH. Im Experiment konnten Ellrich und seine Mitarbeiter bereits zeigen, dass eine elektrische Niederfrequenzstimulation das Schmerzempfinden für Stunden reduziert. Mittels elektrophysiologischer, psychophysischer und bildgebender Methoden soll die schmerzlindernde Wirkung beim Menschen untersucht werden.

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Steter Tropfen höhlt den Stein
So wie der stete Tropfen sprichwörtlich den Stein höhlt, führen wiederholte Reize zu dauerhaften Veränderungen der Funktionsweise unseres Gehirns. Diese Fähigkeit des Zentralnervensystems auf äußere Einflüsse zu reagieren, bildet die Grundlage für Lernen und Gedächtnis. Experimente an Nervenzellen der Hippokampusregion zeigen, dass wiederholte, starke elektrische Reize dauerhaft die Übertragung von Informationen an den Schaltstellen zwischen den Nervenzellen, den Synapsen, verstärken (Langzeitpotenzierung). "Diese plastischen Veränderungen der Signalübertragung an Synapsen werden durch eine niederfrequente elektrische Stimulation aufgehoben und in den Ausgangszustand versetzt, was als Langzeithemmung definiert ist", erklärt Prof. Ellrich seinen Ansatz. Aktuelle Experimente weisen die Phänomene Langzeitpotenzierung und Langzeithemmung auch in Nervenzellen nach, die speziell für die Verarbeitung von Schmerzen verantwortlich sind. "So wie wir uns durch mehrmaliges Wiederholen Telefonnummern oder den Hochzeitstag merken, können vermutlich wiederholte Schmerzattacken Spuren in Rückenmark und Gehirn hinterlassen und eine Chronifizierung verursachen im Sinne einer Langzeitpotenzierung", erklärt Ellrich, "deswegen spricht man auch vom Schmerzgedächtnis."
Niederfrequente Ströme hemmen die Schmerzverarbeitung
Ausgehend von den Experimenten im Hippokampus sollte es möglich sein, das Schmerzgedächtnis durch niederfrequente elektrische Stimulation auch wieder zu löschen. Tatsächlich konnte man bei gesunden Versuchspersonen die Schmerzverarbeitung durch eine 20minütige elektrische Stimulation mehr als eine Stunde lang signifikant hemmen. "Vor einem möglichen Einsatz der Langzeithemmung am Schmerzpatienten steht natürlich die Aufklärung des Mechanismus'", so Prof. Ellrich. So soll die geänderte Verarbeitung schmerzhafter Reize im Gehirn von Versuchspersonen mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie und der Elektroenzephalografie untersucht werden. Die Kombination dieser Methoden ermöglicht die Identifizierung derjenigen Hirnareale, deren Aktivität bei Schmerzen moduliert wird und die aktiv an dem Effekt der Langzeithemmung beteiligt sind. Die geplanten Experimente sollen helfen, neue effektive Therapien für Patienten mit chronischen Schmerzen zu erarbeiten.
Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS)
Schmerzinformation mit Gütesiegel zertifiziert
Marburg - 17.10.2005 (ots) - Die medizinischen Informationen im Internet-Angebot des Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e. V. entsprechen strengen Anforderungen an Neutralität und Transparenz. Das bestätigte jetzt die "Health On the Net-Foundation" (HON) in Genf.
Das Forum Schmerz darf als erstes deutsches Internet-Schmerzportal (www.forum-schmerz.de) und als einer von wenigen Gesundheits-Informationsanbietern in Deutschland das HON-Code-Logo führen. Weltweit sind rund 5.000 Anbieter von HON zertifiziert, 80 Prozent davon in den USA. Mit der Verleihung des international anerkannten Siegels sind die Bestrebungen der Schmerzsektion im Deutschen Grünen Kreuz e. V. honoriert worden, ein verlässliches und qualitativ hochwertiges Schmerzportal anzubieten. Gerade in Zeiten, in denen die Zahl von Informationsanbietern im Bereich Medizin und Gesundheit stetig zunimmt, ist das HON-Code-Logo für den Nutzer ein wichtiger Hinweis auf die Qualität der Inhalte.
Angebote des Forum Schmerz Den umfangreichen Service des Forum Schmerz finden Interessierte unter www.forum-schmerz.de. Neben ausführlichen krankheitsbezogenen Inhalten zu häufigen Schmerzerkrankungen bietet das Forum außerdem konkrete Hilfen. Bewegungsprogramme und Entspannungsübungen sollen Betroffene motivieren, aktiv gegen ihre Schmerzen vorzugehen. Ein Online-Kopfschmerztest hilft Interessierten bei der Einschätzung, an welchem Kopfschmerz-Typ sie leiden. Außerdem sind Vordrucke für Kopfschmerztagebücher für Erwachsene und Kinder herunterzuladen. Patienten finden hier eine nach Postleitzahlen geordnete Datenbank mit Adressen von Schmerztherapeuten, Schmerzorganisationen und Verbänden sowie Anschriften von Selbsthilfekontaktstellen. Den Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen soll das Patienten-Forum
fördern.
Quelle: Deutsches
Grünes Kreuz
Aktion Schmerz 60+: Adäquate Schmerztherapie bei mehreren Grunderkrankungen
14.10.2005 - Wissenschaftlicher Beirat fordert mehr Beachtung von Arzneimittelwechselwirkungen bei Älteren / Lebensqualität und Therapieakzeptanz wichtig / Studie bestätigt gute Wirksamkeit und Verträglichkeit von Hydromorphon

Bild: Photocase
"Altersforscher warnen im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA) vor dem strikten Einhalten medizinischer Leitlinien, wenn es um die Behandlung älterer Patienten mit mehreren Grunderkrankungen geht", sagt Dr. Uwe Junker, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der neu gegründeten Aktion Schmerz 60+ auf einem Pressegespräch des Unternehmens Mundipharma in München. "Die Leitlinien sind nur auf die Therapie einzelner Krankheiten zugeschnitten", ergänzt Professor Hardt aus Mainz, "eine strikte Einhaltung würde deshalb zu einer oft absurden und kaum praktikablen Verschreibung zu vieler Medikamente führen und möglicherweise sogar gefährlich für den Patienten sein." Deshalb muss auch die Schmerztherapie für ältere Patienten spezifische Anforderungen berücksichtigen, damit der Patient nicht aus Angst vor Wechselwirkungen auf ein effektives Schmerzmittel verzichtet.
"Ziel unserer Aktion ist es daher, der Generation 60+ durch fundierte Aufklärung den Zugang zu einer wirksamen und nebenwirkungsarmen Schmerztherapie zu erleichtern", sagt Hardt. Das Problem: Viele Substanzen werden in der Leber durch dasselbe Enzymsystem namens Cytochrom P450 abgebaut. Werden mehrere Medikamente zugeführt, konkurrieren sie um diesen Abbauweg und es entsteht ein Engpass. Laut Dr. Thomas Nolte aus Wiesbaden ist das starke Retard-Opioid Hydromorphon das ideale Schmerzmittel für diese Patientengruppe. Dies belegt eine Studie an 1.895 Patienten. "Das Stufe III- Opioid wird unabhängig vom Cytochrom P450 verstoffwechselt (CYP-neutral) und Wechselwirkungen sind nahezu ausgeschlossen", so Nolte. Hilfreich ist die vom Beirat entwickelte Arzneimittel-Interaktionsliste, die auf der Internetseite www.schmerz60plus.de für Ärzte zur Verfügung steht.
Sie unterstützt die Mediziner bei der Auswahl des geeigneten Mittels. Patienten finden auf der Website Informationen rund um die Schmerztherapie älterer Menschen. Kooperationspartner der Aktion sind die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie, Deutsche Gesellschaft für Geriatrie, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Deutsche Schmerzliga und Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz.
Quellen: Aktion Schmerz 60+ / Pressegespräch " Schmerz 60+ = Eine Aktion gegen Schmerzen im Alter - Trotz Multimorbidität und Polymedikation Schmerzen effektiv lindern und Wechselwirkungen minimieren", veranstaltet von Mundipharma am 13. Oktober 2005 in München
Neue Option für Patienten mit Bewegungsschmerzen -
Niedrig dosierte, starke Opioide
Frankfurt/Main (ots) - 26.08.2005 - Expertenumfrage bestätigt hohe Patientenzufriedenheit / Vorteile starker Opioide früher nutzen Die Diskussion um Schmerzmittel hat viele verunsichert. Welches Medikament ist für mich jetzt richtig? Was kann ich ohne Bedenken einnehmen, um meine Schmerzen zu lindern? Denn seitdem Schmerzmittel in Zusammenhang mit Herzinfarkt gebracht werden, steht der gesamte Produktmarkt auf dem Prüfstand. "Eine Lösung dafür sind starke Opioide", sagt Dr. Oliver Emrich, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS). Er wurde zusammen mit anderen führenden Schmerzexperten in Deutschland interviewt, um Risiken und Chancen in der Therapie chronischer Schmerzen aufzuzeigen. Denn problematisch ist, dass viele Patienten selbst bei starken Schmerzen nur schwache Schmerzmittel wie Nichtsteroidale Antirheumtika (NSAR wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac) bekommen. "Statt diese schwach wirksamem Mittel in hoher Dosierung zu verabreichen, sollten Patienten mit Bewegungsschmerzen besser sofort starke Opioide wie Oxycodon erhalten, dafür aber mit einer geringen Anfangsdosis von 5 mg", so die befragten Experten unisono. Da sie sehr gut verträglich sind, eignen sie sich optimal für die Langzeittherapie. Von einem starken Opioid in niedriger Dosierung profitieren alle Patienten mit akuten und chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates. Diese entstehen etwa bei Erkrankungen der Wirbelsäule oder der Rückenmuskulatur, bei Osteoporose, Arthrose oder rheumatischen Erkrankungen. Der rasche Wirkungseintritt innerhalb nur einer Stunde bei gleichzeitig langer Wirkdauer ist laut der befragten Experten dabei der wichtigste Vorteil. Da der Arzt das Opioid einfach an die aktuelle Schmerzstärke anpassen kann, muss es bei stärkeren Schmerzen nicht gewechselt werden.
Quelle: presseportal
„Kein Schmerzmittel ist ohne Risiko“ -
Arzneiforscher: Ältere Mittel ähnlich risikoreich wie Vioxx
Baierbrunn (ots) - 24.08.2005 - Die Marktrücknahme von Rofecoxib – Markenname Vioxx –, war vorschnell, sagt der Erlanger Pharmakologe Prof. Dr. Kay Brune im Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“. Er verbindet diese Aussage allerdings mit einer Forderung, bei Schmerzmedikamenten grundsätzlich vorsichtiger zu sein. Es habe sich gezeigt, dass „als bewährt bezeichnete Arzneistoffe, wie zum Beispiel Diclofenac und Ibuprofen unter ähnlichen Bedingungen vergleichbare Herz-Kreislauf- Probleme verursachen“, so Brune. Immer wenn ein neues Schmerzmittel auf den Markt komme, hofften Patienten auf Hilfe, ohne irgendwann dafür zahlen zu müssen. „Ich halte das für ausgeschlossen“, sagt der Arzneimittelexperte. Unter Beachtung strenger Auflagen hält er es für sinnvoll, den Wirkstoff den Patienten wieder zugänglich zu machen. Er dürfe aber keinesfalls über Jahre hinweg genommen werden.
Quelle: Wort und Bild - Apotheken Umschau
Familientherapie hilft Kindern mit Kopfschmerzen
19.08.2005 -
Beinahe alle Kinder und Jugendlichen haben Erfahrungen mit "primären" Kopfschmerzen, die nicht von anderen Erkrankungen oder einem Unfall herrühren. Behandelt werden diese Schmerzen in Deutschland bisher meist nur mit Medikamenten, selten mit Entspannungstraining oder Verhaltenstherapie; ein "familienorientiertes Vorgehen" ist fast nie anzutreffen. Der in diesem Jahr erstmals vergebene Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) zeichnet jetzt eine Arbeit aus, die aufzeigt, dass der Familie eine entscheidende Rolle für die Bewältigung von Kopfschmerzen bei Kindern zukommen kann.
Die Veränderung von familiären Beziehungsmustern - wie Überfürsorglichkeit oder Reizüberflutung - durch Familiengespräche und Elternabende erhöht den Behandlungserfolg bei Kinderkopfschmerz wesentlich. Dies ist ein Ergebnis verschiedener Studien, die Preisträger Matthias Ochs im Rahmen seiner Promotionsarbeit "Kindliche Kopfschmerzen im Familienleben" durchgeführt hat. Die innerhalb eines Forschungsprojekts am Universitätsklinikum in Heidelberg erhobenen Daten zeigen, dass Eltern von Kopfschmerzkindern mit ihrer Partnerschaft deutlich weniger zufrieden sind als Eltern von Kindern ohne Kopfschmerzen. Sowohl die Kopfschmerzkinder als auch deren Väter und Mütter bewerteten ihren Körper weniger positiv als Kinder und Eltern aus einer gesunden Vergleichsstichprobe. Zudem hatten sie ein geringeres Maß an "innerer Körperaufmerksamkeit".
Im Rahmen der Promotionsarbeit wurde außerdem eine "lösungs- und ressourcenorientierte Familienkurzzeitberatung" bei Fällen von leichtem bis mittlerem Kinderkopfschmerz entwickelt und erfolgreich erprobt. Bei dieser Beratung über nur drei Sitzungen geht es beispielsweise um "gute Gründe" für Kopfschmerzen oder die Anregung einer "familiären Entspannungskultur" und eigener kreativer Wege zur Bewältigung der Schmerzen. Bei schweren Schmerzen wurden gute Erfolge erzielt mit einer längeren Familientherapie. Da die Wahrscheinlichkeit eines nachhaltigen Therapieerfolgs bei Kinderkopfschmerzen steigt, wenn sich "kopfschmerzassoziierte familiäre Beziehungsmuster" parallel verändern, empfiehlt Ochs eine systematische Berücksichtigung der "familienmedizinischen Perspektive" in der Kopfschmerztherapie bei Kindern.
Quelle:
Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie
Schmerzfreie Tumorbehandlung mit Robotertechnologie -
München eröffnet ein Cyberknife-Zentrum zur Präzisionsbestrahlung
München (pte) - 28.06.2005- Ein neues Kompetenzzentrum in München ermöglicht die schmerzfreie und patientenfreundliche Behandlung von Tumoren mit Robotertechnologie und Präzisionsbestrahlung. Das Cyberknife-System ist die modernste derzeit verfügbare Technologie für radiochirurgische Behandlungen. Es vereint digitale bildgeführte Robotertechnologie mit einem Hochpräzisionsbestrahlungsgerät. Ab 1. Juli 2005 entsteht unmittelbar am Klinikum der Universität München http://www.klinikum.uni-muenchen.de/ das Europäische Cyberknife Zentrum-Großhadern http://www.cyber-knife.net als erste Einrichtung dieser Art in Deutschland.
Mit der Cyberknife-Radiochirurgie werden Tumore in Kopf, Gehirn, Wirbelsäule und Rückenmark schonend und effektiv ausgeschalten. Zahlreiche hochenergetische Strahlen werden aus verschiedenen Richtungen von außen auf ein Ziel innerhalb des Körpers ausgerichtet, um dort durch die Konzentration der Strahlung eine Tumor zerstörende Wirkung zu entfalten. Wobei jedoch gesundes Gewebe in der Umgebung des Tumors geschont wird.
Das Cyberknife ist ein leichtes und kompaktes Hochpräzisionsbestrahlungsgerät, welches von einem Roboter kontrolliert und gesteuert wird. Dieser kann sich in sechs Freiheitsgeraden bewegen. Dadurch können alle Körperregionen für eine optimale Behandlung erreicht werden. Mittels eines Computer gesteuerten Bildortungssystems kann das Cyberknife jeden Tumor während der gesamten Behandlung erfassen, kontrollieren und kleinere Patientenbewegungen automatisch ausgleichen. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Systemen entfällt die Notwendigkeit den Körper des Patienten zu fixieren oder die Behandlung in Narkose durchzuführen.
Für Patienten ist die Cyberknife-Behandlung schmerzfrei, nicht belastend, ambulant und in der Regel auf eine Sitzung von wenigen Stunden beschränkt. Der Patient ist nur einen Tag arbeitsunfähig, er wird in seiner Lebensqualität nicht eingeschränkt und es fallen keine Kosten für Krankenhausaufenthalte, Anschlussheilbehandlungen oder Rehabilitationsmaßnahmen an.
Quelle: pte
Körper eigenes Cannabis hilft gegen Schmerzen -
Bedeutung der Endocannabinoide erstmals erforscht
Irvine/Athens (pte) - 23.06.2005 - Wissenschafter der University of California http://www.uci.edu und der University of Georgia http://www.uga.edu haben nachgewiesen, dass eine Cannabis ähnliche im Gehirn natürlich produzierte Substanz dem Körper bei der Schmerzlinderung hilft. Diese Forschungsergebnisse sollen zur Entwicklung neuer Medikamente führen, die diese natürliche Reaktion anregen können. Bisher hatte sich die Wissenschaft auf die Umwandlung von Cannabisbestandteilen in Medikamente konzentriert. Die Wissenschafter schreiben in Nature, http://www.nature.com dass das neue Wissen um die Funktionen der Gehirnchemie Medikamente mit geringeren Nebenwirkungen ermöglichen sollte.
Tritt Schmerz unter stressigen Bedingungen wie durch eine Verletzung beim Sport oder durch eine Schussverletzung auf, ist der Körper eine Zeitlang durch die so genannte stressinduzierte Analgesie geschützt. Die aktuelle Studie erforschte erstmals an Ratten, welche Rolle die Endocannabinoide in diesem Prozess spielen. Es zeigte sich, dass die Produktion eines Cannabinoidbestandteils, 2-AG, durch mit Stress in Zusammenhang stehenden Schmerz ausgelöst wird. In der Folge suchten die Wissenschafter laut BBC nach einer Möglichkeit diese natürliche Reaktion zu verstärken. Normalerweise stoppt das Enzym Monoacylglycerol Lipase die Produktion von 2-AG. Das Team um Danielle Piomelli von der University of California entwickelte eine Chemikalie, die die Reaktion des Enzyms blockierte. Das bedeutete, dass der Körper theoretisch die Produktion von 2-AG fortsetzen könnte. "Diese Studie zeigt erstmals, dass natürliche Marihuana ähnliche Chemikalien im Gehirn mit der Schmerzunterdrückung in Zusammenhang stehen."
Quelle: pte
Toughe Männer - softe Frauen?

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16.06.2005 - Schmerz lass nach! - das wünschen sich rund 15 Millionen Deutsche, die unter chronischen Schmerzen leiden. Und nicht nur die. Denn die Zahl all jener, die hin und wieder von Schmerzattacken geplagt werden, ist dabei noch gar nicht erfasst. Nach den Ergebnissen einer im Auftrag von ratiopharm aktuell durchgeführten Online-Umfrage leidet fast jeder Dritte ein- bis zweimal im Monat unter Kopfschmerzen. Mehr als 40 Prozent der 50-Jährigen klagen über Rückenschmerzen. Derlei schmerzhafte Zustände können den Alltag nahezu unerträglich machen und chronisch werden, wenn sie nicht behandelt werden. Vor allem Männern, die Schmerzen häufig ignorieren, wird daher ein verantwortungsvoller Umgang mit schmerzhaften Erkrankungen empfohlen.
Wie die Umfrage ergab, verstehen sich über 40 Prozent der Herren als immun gegen Schmerzen - unter Frauen schätzt sich nur jede Dritte als schmerzunempfindlich ein. Zwei Drittel der Damen greifen indes zu freiverkäuflichen Arzneimitteln aus der Apotheke, wie ASS, Paracetamol oder Ibuprofen, wenn sie Kopfschmerzen plagen (www.ratiopharm.de - dort kann auch ein Schmerzratgeber angefordert werden). Experten raten Patienten beiderlei Geschlechts, Körpersignale genau zu beachten und nur leichte bis mittelstarke Schmerzen in Eigenregie zu behandeln. Bei starken Schmerzen sollten Männer wie Frauen den Arzt konsultieren.
Quelle: djd
Wenn Medikamente versagen -
Implantat zur Schmerzlinderung macht Patienten unabhängiger
Düsseldorf (ots) - 15.06.2005 - Der neue wieder aufladbare implantierbare Neurostimulator RESTORE(TM) von Medtronic ist der erste seiner Art in Europa und ermöglicht Menschen mit medikamentös nicht beherrschbaren neuropathischen Schmerzen eine bessere Lebensqualität.
Tausende Europäer, die unter komplexen und schweren chronischen Schmerzen leiden, könnten von einer bewährten Behandlungsmöglichkeit profitieren, für die nun ein neues implantierbares medizinisches Gerät von Medtronic, der wieder aufladbare Neurostimulator RESTORE(TM), zur Verfügung steht.
Das Gerät wurde Schmerzspezialisten beim Kongress der International Neuromodulation Society an der Katholischen Universität Rom vorgestellt und gleichzeitig in ganz Europa eingeführt. Er enthält die leistungsstärksten und langlebigsten wieder aufladbaren Batterien, die derzeit weltweit erhältlich sind. Das neue Gerät ist zur Behandlung von chronischen, komplexen Schmerzen des Rumpfes und/oder der Extremitäten indiziert und gehört zu einem umfassenden System, das es Patienten ermöglicht, ihre Therapie selbst anzupassen.
Der Neurostimulator ist etwa so groß wie eine Stoppuhr und wird unter die Haut am Bauch implantiert. Er wird an einen oder zwei isolierte Drähte (Elektroden) angeschlossen, die die therapeutischen elektrischen Impulse direkt zum Ziel leiten. An der Spitze dieser Elektroden befinden sich jeweils acht gleichmäßig verteilte Stimulationsflächen.
Quelle: presseportal
Schneckengift gegen Nervenschmerzen -
Meerestier liefert effizientes Analgetikum
Melbourne (pte) - 14.06.2005 - Wissenschaftlern der Universität von Melbourne ist es nun gelungen, aus dem Gift einer tropischen Meeresschnecke ein Schmerzmittel zu entwickeln. In vorklinischen Tests hat das Pharmaunternehmen Metabolic Pharmaceuticals http://www.metabolic.com.au jedenfalls von Erfolg gesprochen. Nun soll das Gift ACV1 auch auf seine Sicherheit hin überprüft werden, berichtet das Wissenschaftsmagazin Science Daily http://www.sciencedaily.com .
Der Biochemiker Bruce Livett von der Universität Melbourne beschäftigt sich schon seit Jahren mit den Giften der Kegelschnecken (Conidae) (pte berichtete: http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=010205030 ). Die Meeresschnecken, die zum Großteil in den tropischen Gewässern des Indischen und Pazifischen Ozeans leben, haben einen komplexen Giftapparat mit dem sie ihre Beute töten. Das Nervengift besteht aus einem Eiweißmolekül namens Ziconotid, das gezielt gewisse Kalziumkanäle blockiert und dadurch Schmerzen hemmt. ACV1 hat das Potenzial Schmerzzustände bei multipler Sklerose, Herpes zoster oder Ischiasbeschwerden zu lindern.
Livett berichtet, dass in zahlreichen Tierversuchen menschliche Schmerzreaktionen mit Hilfe von ACV gestoppt werden konnten. "Zusätzlich dazu hat das Gift die Eigenschaft nach einer Verletzung Nerven schneller zu heilen", erklärt der Biochemiker. Schmerzen bei Nervenleiden sind die am schwierigsten zu heilenden. Meist sprechen konventionelle Schmerzmittel wie Morphine nicht darauf an.
Quelle: pte
Nicht heilen, aber lindern - Fibromyalgie
Foto: djd
13.06.2005 - Früher sprach man schlicht von "Anstellerei". Inzwischen haben rätselhafte Schmerzen, die scheinbar grundlos durch den Körper ziehen, einen Namen: Fibromyalgie. Rund 140 verschiedene Symptome werden der bislang wenig erforschten Krankheit zugeschrieben - der Grund, warum viele Betroffene oft jahrelang ergebnislos von Arzt zu Arzt gehen, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Methoden zur Heilung der quälenden Muskelfaserschmerzen, die vor allem bei Frauen zwischen 35 Jahren und dem Beginn der Wechseljahre auftreten, gibt es bislang nicht.
Auch die Ursachen sind weitgehend unbekannt. Starke Emotionen, Operationen, Traumata, Schilddrüsenerkrankungen und Infektionen können mögliche Auslöser sein. Daher setzt eine Therapie die Einbeziehung aller Organe und der Psyche voraus. Nicht zuletzt geht es darum, Körper und Seele in Einklang zu bringen, mögliche Stressfaktoren zu mindern und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Ein derart umfassendes Behandlungskonzept liegt der dreiwöchigen Fibromyalgie-Kompakt-Kur zugrunde, die seit 2004 in Bad Meinberg (www.staatsbad-meinberg.de) angeboten wird. Ziel der Therapie in dem historischen Mineral- und Moorheilbad ist es, neben der akuten Schmerzlinderung auch den Medikamentenbedarf dauerhaft zu senken. Den Patienten sollen Strategien an die Hand gegeben werden, die ihnen im Alltag den Umgang mit ihren Beschwerden erleichtern.
Quelle: djd
Rückenschmerzen: Viel bewegen, wenig krank schreiben -
Experten-Workshop in Basel legt Grundstein für optimale Rückenschmerztherapie
Hamburg (ots) - 27.05.2005 - Viele Millionen Menschen leiden unter akuten und chronischen Kreuzschmerzen. Jeder dritte krank geschriebene Arbeitnehmer ist ein Rückenpatient - Tendenz steigend. Für die Gesellschaft stellen Rückenschmerzen inzwischen einen immensen Kostenfaktor dar. Bisher sind Ärzte das komplexe Krankheitsbild sehr unterschiedlich angegangen, mit ebenso unterschiedlichem Erfolg. Deshalb kamen Experten aus ganz Europa am vergangenen Wochenende in Basel zusammen: Auf einem Workshop der P.A.I.N. Initiative erarbeiteten sie praktische Handlungsempfehlungen für den Allgemeinarzt. Diese internationalen Standards dienen der Optimierung und der Qualitätssicherung von Diagnose und Behandlung akuter und chronischer Kreuzschmerzen - zum Wohle des Patienten.
"In der Regel ist bei akuten Rückenschmerzen Bettruhe nicht zu empfehlen. Die Betroffenen sollten sich zwar schonen, aber trotzdem aktiv bleiben", weiß Dr. Gabriel Yihune, Leiter des 7. P.A.I.N. Workshops. "Aus diesem Grund ist auch von Krankschreibungen abzuraten". Die 30 Experten betonten übereinstimmend, dass nur in fünf Prozent der Fälle bildgebene Verfahren (Röntgen, CT, Kernspin) zur Diagnose beitragen. Alle Ergebnisse des Workshops sind heute in einem Konsensuspapier auf der Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin (SGIM) in Basel veröffentlicht worden.
Hintergrund für den bisherigen Mangel an internationalen Standards ist die oftmals fehlende Vernetzung und der zu geringe Austausch unter Medizinern. "Neue Erkenntnisse und Spezialwissen aus evidenzbasierter Medizin müssen den direkten Weg zum Allgemeinarzt finden. Nur so kann ein wirklich optimales Schmerzmanagement gelingen", so Prof. Diego Beltrutti, Präsident der World Society of Pain Clinicians (WSPC).
Genau hier setzt die unabhängige P.A.I.N. Initiative an, die 2002 von der Firma Grünenthal ins Leben gerufen wurde. Zentrales Anliegen ist es, das Expertenwissen zu bündeln, praktikabel aufzubereiten und in die richtigen Kanäle zu leiten. Ärzte, Patienten und Angehörige werden so bei der Schmerzversorgung unterstützt. Ziel ist, die Schmerzbekämpfung in der alltäglichen Praxis kontinuierlich zu verbessern. Als Informations- und Kommunikationsplattform dienen die Websites www.pain-workshop.com und www.pain-initiative.com. Das Angebot umfasst einen speziellen Bereich für das Fachpublikum ebenso wie die Beratung von Betroffenen.
Quelle: presseportal
Fachübergreifende Schmerzkonferenzen: mhplus BKK bietet interdisziplinäre Schmerzbehandlung
Ludwigsburg - 18.05.2005 (ots) - Millionen Menschen leiden unter chronischen Schmerzen. Schmerzen, die nicht nur Symptom einer Erkrankung sind, sondern sich zu einer eigenständigen Krankheit verselbstständigt haben. Diesen Patienten bietet die mhplus Betriebskrankenkasse in Ludwigsburg jetzt neue Behandlungsperspektiven: Seit März 2005 ist die mhplus Vertragspartner der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. Ziel der Vereinbarung ist es, so genannte Interdisziplinäre Schmerzkonferenzen (ISK) zu etablieren und zu erproben. Dabei schließen sich Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammen, um gemeinsam Empfehlungen zur Therapie chronisch kranker Patienten zu erarbeiten. Die Kosten übernimmt die mhplus. Spielräume für direkte Verträge zwischen gesetzlichen Krankenkassen, Ärzten und Gesundheitseinrichtungen zur Verbesserung der integrierten Versorgung hat die letzte Gesundheitsreform eröffnet.
Das Prinzip der Schmerzkonferenzen: Weiß ein Haus- oder Facharzt bei der Behandlung eines Schmerzpatienten allein nicht weiter, kann er den Patienten künftig zu einer interdisziplinären Schmerzkonferenz anmelden. Anspruchsberechtigt sind alle mhplus Versicherten, die unter chronischen Rücken- oder Kopfschmerzen leiden sowie als chronisch krank eingestuft sind. Die Anmeldung erfolgt über einen Moderator, der sowohl Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie als auch Vertragsarzt sein muss. Allein in Baden-Württemberg gibt es 15 dieser Moderatoren. Sie entscheiden, welcher Patient an welcher der monatlichen Schmerzkonferenzen teilnimmt. Veranstaltungsort ist die Praxis des jeweiligen Moderators, der die Konferenz auch leitet. Außer ihm und dem Patienten sind dessen behandelnder Arzt und wenigstens drei weitere Vertragsärzte anwesend. Mindestens drei verschiedene Fachgebiete müssen vertreten sein - welche das sind, richtet sich nach den Anforderungen des Patienten. Gemeinsam untersuchen und befragen die Ärzte den Kranken, dessen aktive Mitarbeit auch darüber hinaus gefragt ist: So führt er etwa regelmäßig ein "Schmerztagebuch", das den Ärzten wichtige Hinweise für Diagnose und Therapieplan liefert und es ermöglicht, den Behandlungserfolg kontinuierlich zu verfolgen und zu überprüfen. Damit bieten interdisziplinäre Schmerzkonferenzen nicht nur chronischen Schmerzpatienten neue Chancen auf Linderung und Heilung. Auch der Ärzteschaft eröffnen sich neue Wege, zu kooperieren und vom Wissen ihrer Kollegen zu profitieren.
Quelle:
mhplus Betriebskrankenkasse
Rückenschulen: Muss der Rücken wirklich in die Schule?
Gütersloh, 17.05.2005 - Traditionelle Rückenschulen helfen Patienten nur wenig dabei, Bewegungsangst abzubauen und eine positive Einstellung zum eigenen Rücken zu entwickeln. Anstatt zu Aktivität zu ermuntern, legen sie zu viel Wert auf die Schulung "rückengerechten" Verhaltens und können damit Bewegungsangst und übertriebene Aufmerksamkeit fördern. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Erstellt wurde sie von Klaus Pfeifer, Professor am Sportwissenschaftlichen Institut der Universität Erlangen. In der Studie wurden zehn der am weitesten verbreiteten Rückenschulkonzepte analysiert und bewertet.

Bild: Philipp Bender / Pixelquelle
Die Analyse zeigt: Rückenschmerzen und ihre Chronifizierung können am ehesten durch solche Konzepte vermieden werden, die Patienten an regelmäßige körperliche Aktivität heranführen, sie gezielt informieren und "Positivbotschaften" vermitteln. Auch Entspannungstechniken sind wichtige Elemente einer wirkungsvollen Rückenschule. Von den untersuchten Konzepten erfüllt das der Volkshochschulen diese Anforderungen am ehesten. Das VHS-Programm "Rückhalt - die Wirbelsäule trainieren, den Rücken stärken" baut darauf auf, dass Menschen einen aktiveren und optimistischeren Umgang mit ihrer Wirbelsäule lernen. Damit positive Beispiele wie dieses kompetent in die Praxis umgesetzt werden könnten, sei es notwendig, die Kursleiter umfassend zu schulen, so Eckhard Volbracht, Projektmanager bei der Bertelsmann Stiftung: "Patienten aufklären, aktivieren und ermuntern - das sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine wirksame Prävention von Rückenschmerzen."
Erfreulicherweise bewege sich auf diesem Gebiet in Deutschland inzwischen einiges, so Volbracht: Seit Jahresanfang würden im Rahmen einer intensiven Kooperation aller Rückenschulverbände die Rückenschulkonzeptionen überarbeitet und an den aktuellen Wissensstand angepasst. Wenn die Konzepte entsprechend ausgerichtet und durchgeführt würden, sei ein erheblicher Beitrag zur Prävention von Rückenschmerzen zu erwarten.
Rückenschmerzen sind in Deutschland mittlerweile der zweithäufigste bis häufigste Grund für den Arztbesuch oder eine stationäre Rehabilitation und die häufigste chronische Erkrankung im Altersbereich bis 64 Jahren. Nach Untersuchungen leiden ungefähr 62 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer in Deutschland im Verlauf eines Jahres an Rückenschmerzen.
Quelle: Bertelsmann Stiftung
Europäer sind schmerzgeplagt
Chronische Schmerzen bescheren der Wirtschaft saftige Einbußen in Milliardenhöhe
Mailand -10.05.2005 - Bereits 75 Mio. Menschen in Europa leiden über Jahre hinweg unter chronischen Schmerzen. Jeder fünfte Erwachsene wird über einen Zeitraum von 20 Jahren von chronischen Schmerzen heimgesucht. Der unkurierte Schmerz schränkt jedoch nicht nur die persönliche Lebensqualität der Betroffenen ein, sondern bringt auch der Wirtschaft ein saftiges Defizit. Denn jährlich gehen durch schmerzbedingte Arbeitsabsenz 500 Mio. Arbeitstage verloren, was einen wirtschaftlichen Verlust von 34 Mrd. Euro nach sich zieht. Diese Zahlen sind heute, Dienstag, in einer aktuellen Studie des European Pain Networks http://www.painineurope.com/ publiziert worden.
Chronische Schmerzen haben einen weit reichenden Einfluss auf das Leben der Betroffenen, denn bei 20 Prozent der Patienten verursacht der Schmerz in weiterer Folge Depressionen. Jeder fünfte Betroffene verliert den Arbeitsplatz und 30 Prozent sind nicht mehr fähig einen unabhängigen Lebensstil aufrechtzuerhalten. 40 Prozent der Patienten haben Schwierigkeiten bei den einfachsten alltäglichen Aktivitäten wie Einkaufen, Bewegung oder Schlafen.
Derzeit findet nur wenig Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Schmerztherapie statt, erklären die Experten. Darüber hinaus schenken viele europäische Mediziner dem Thema Schmerz nur geringe Aufmerksamkeit. Viele Patienten leiden unnötig aufgrund unsachgemäßer Diagnosen und fehlerhafter Behandlungs- und Therapiemaßnahmen. "Die spärliche Aufmerksamkeit für die Thematik und das fehlende Bewusstsein verschlimmern die Problematik", erklärte Marco Filippini, der Initiator des European Pain Networks.
Quelle: pressetext.austria
Trance lenkt von Schmerzen ab
Eschborn - 15.04.2005 (ots) - Die Zeiten, in denen Hypnose als Hokuspokus angesehen wurde, sind vorbei. Dass diese uralte Heilmethode nichts mit »willenloser Hingabe« zu tun hat, wie man in Trance Krankheiten erkennen sowie heilen kann, und wie man einen guten Therapeuten findet, darüber informiert die »Neue Apotheken Jllustrierte« in ihrer aktuellen Ausgabe vom 15. April.
Psychologen und Ärzte versetzen Patienten in Trance - in diesem Zustand lassen sich Wege finden, unbewältigte Probleme zu lösen und Krankheiten zu mildern. Dabei haben die verschiedenen Formen der modernen, klinischen Hypnose eines gemeinsam: In eine Trance zu gehen und wieder aus ihr herauszukommen, ist ein vollkommen freiwilliger Vorgang, bei dem der eigene Wille, etwas zu tun oder es zu unterlassen, in keiner Weise eingeschränkt wird. Der Patient ist während der Hypnose wach, ansprechbar und kann aktiv in die Behandlung einbezogen werden. Außerdem ist er jederzeit in der Lage, seine Augen aufzuschlagen und die Trance abzubrechen. Wenn der Therapeut erfahren ist, ist bei den meisten Menschen für das angestrebte Therapieziel eine Hypnotherapie möglich. Warum Hypnotisierte weniger Schmerzen verspüren beziehungsweise die erlebten Schmerzen aus emotionaler Distanz erleben, ist noch ungeklärt: Doch Forscher vermuten, dass Hypnose die Kommunikation zwischen einzelnen Hirnzentren stört, in denen eingehende Reize abgeglichen und verarbeitet werden.
Quelle:
Neue Apotheken Illustrierte
Neuentdeckung des Schmerzes
24.03.2005 - Dass sich Philosophie auch als Geschichte der Verdrängung und Ausgrenzung bestimmter Phänomene lesen lässt, macht ein neues Buch von Dr. Christian Grüny deutlich, der in der Fakultät für das Studium fundamentale der Universität Witten/Herdecke Philosophie lehrt: "Zerstörte Erfahrung. Eine Phänomenologie des Schmerzes" nähert sich einem weitgehend blinden Fleck. Denn das Phänomen des Schmerzes, obgleich jeder davon betroffen, ist bisher allenfalls am Rande Gegenstand philosophischer Betrachtungen geworden. Das möchte der Autor ändern. In diesem Impuls folgt er gleichsam einer Aufforderung Hanna Arendts: "Es wäre (?) an der Zeit, die philosophische Dignität der Schmerzerfahrung zu entdecken, auf die die zeitgenössische Philosophie heute noch mit der gleichen geheimen Verachtung sieht, wie die akademische Philosophie vor dreißig oder vierzig Jahren auf die Todeserfahrung sah."
Grüny betritt philosophisches Neuland; sein Anspruch ist kein geringerer, als die "welterschließende Kraft" des Schmerzes offen zu legen. Er unterscheidet dabei mehrere Ebenen: Die Erfahrung im Schmerz und eine Erfahrung am Schmerz. Der Autor will damit andeuten, dass der Schmerz "keine stumme, in sich verharrende Gegebenheit ist", sondern auch Weltzugang ist.
In seiner für Laien wie Experten gleichermaßen interessanten Untersuchung kommt es dem Philosophen dabei von vornherein darauf an, den Untersuchungsbereich nicht zu überdehnen: Er beschränkt sich ausschließlich auf das Phänomenfeld des "körperlichen Schmerzes", wohl wissend, dass sich Schmerz "bereits auf elementarer Ebene nicht auf einen körperlichen Vorgang reduzieren lässt."
In Anlehnung an phänomenologische Autoren formuliert Grüny ein theoretisches Modell der Erfahrung des Schmerzes, das zu medizinischen Untersuchungen und philosophisch-theologischen Sinnzuschreibungen gleichermaßen Distanz hält, ohne sie ganz auszublenden. Das Buch versucht eine Antwort auf die Frage zu finden, wie es ist, Schmerzen zu haben.
Christian Grüny: "Zerstörte Erfahrung. Eine Phänomenologie des Schmerzes", Würzburg September 2004 (Königshausen & Neumann ), ISBN 3826028775, Preis 39,90 Euro
Schmerztherapeuten lehnen einstimmig die neuen Leistungsverzeichnisse für gesetzlich Versicherte ab
Frankfurt - 11.03.2005 (ots) - Auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, der größten europäischen Schmerzfachgesellschaft, haben die Mitglieder der Gesellschaft am 9. März auf dem Deutschen Schmerztag in Frankfurt beschlossen: »Aus Sorge um die Versorgung der chronisch schmerzkranken Patienten in Deutschland lehnt die Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie die Abbildung der Schmerztherapie in den Leistungsverzeichnissen für gesetzlich Versicherte (EBM 2000plus) in ihrer aktuellen Form ab. Diese Leistungsverzeichnisse sollen am 1. April in Kraft treten. Die Mitgliederversammlung beauftragt den Vorstand mit Krankenkassen und der kassenärztlichen Bundesvereinigung zu verhandeln. Das Ziel ist, schmerztherapeutische Leistungen entsprechend dem Versorgungsbedarf in die Leistungsverzeichnisse aufzunehmen.«

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Diesen Beschluss fasste die Mitgliederversammlung der Gesellschaft einstimmig.
Sollten keine adäquaten Lösungen bis zum 1. April gefunden werden, empfiehlt die Mitgliederversammlung darüber hinaus, bundesweit die schmerztherapeutischen Praxen vom 1.-9. April urlaubsbedingt zu schließen und in dieser Zeit die notwendige Umstrukturierung vorzunehmen. Wenn die neuen Leistungsverzeichnisse unverändert in Kraft treten, werden die Schmerztherapeuten ihre hochqualifizierte Therapie für Schmerzpatienten nicht mehr erbringen können. Da die Schmerztherapie bislang kein eigenständiges Fachgebiet ist, werden die Ärzte unter diesen Umständen wieder in ihrem ursprünglichen Fachgebiet arbeiten, etwa als Anästhesisisten, Allgemeinmediziner, Orthopäden oder Internisten.
Quelle:
Dt.Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.
Neue Prothese bietet Hunderttausenden von Patienten mit Handgelenkschmerzen Kraft und Mobilität
11.03.2005 - Der weltweit angesehene Handchirurg Dr. Luis R. Scheker hat die erste Prothese zur vollständigen Ersetzung des distalen Radio-Ulnargelenks implantiert. Der Eingriff wurde am MAZ-Krankenhaus in Saragossa von dem Team unter der Leitung von Dr. Pedro Marquina Sola vorgenommen.

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Die von Aptis Medical aus Louisville im US-Bundesstaat Kentucky patentierte Prothese bietet Patienten Abhilfe, die aufgrund einer Verletzung oder degenerativer bzw. entzündlicher Arthritis das distalen Radio-Ulnargelenks verloren haben. Die Prothese ersetzt das Gelenk zwischen den langen Knochen des Unterarms im Bereich des Handgelenks.
Das revolutionäre Design bietet Patienten in Kombination mit einer entsprechenden Rehabilitation grössere Kraft, Bewegungsspielraum und Schmerzfreiheit. Das Ersatzgelenk ist eine modulare Prothese, halbbeschränkt und nichtzementiert. Es unterstützt und stabilisiert den distalen Radius am Ende der Elle und bietet im Gegensatz zu bisher verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten reproduzierbar Funktion und Wohlbefinden.
Dr. Luis Scheker bemerkte: "Es gibt einen grossen Bedarf nach schmerzlosem Bewegungsspielraum und erhöhter Hebekraft des Unterarms. Bei meinen Forschungsarbeiten habe ich mit Patienten mit Schmerzen im Handgelenk und dem Unterarm gearbeitet und habe beobachten können, wie Patienten mit dieser neuen Prothese ihre Kraft wiedergewinnen. Meine Patienten sind nun in der Lage, einfache Tätigkeiten durchzuführen, zu denen sie vorher nicht in der Lage waren: sich ein Glas Milch einzuschütten, beispielsweise, oder Türen zu öffnen, ganz zu schweigen von persönlicher Hygiene. Im Lauf der Zeit sind sie mit zunehmender Mobilität wieder in der Lage, Aufgaben wie z.B. das Heben schwerer Gegenstände auszuführen und sind somit wieder arbeitsfähig. Ich bin sehr dankbar, dass ich in der Lage war, meinen Patienten Bewegungsfreiheit und Stabilität bieten zu können, und freue mich, meine Vorgehensweise mit der Weltöffentlichkeit zu teilen."
Aptis Medical hatte die Prothese zusammen mit Dr. Scheker entwickelt und hart daran gearbeitet, die CE-Kennzeichnung in Europa und die Zustimmung der FDA in den USA zu erlangen. Aptis wird mit Ärzten weltweit zusammenarbeiten, um diesen medizinischen Durchbruch in anderen Ländern einzuführen. Bill Sandbach, CEO von Aptis, bemerkte: "Zunächst einmal arbeiten wir mit dem Kleinert Kutz Fellowship Program, an dem über 1000 Ärzte in aller Welt teilnehmen. Wir haben Kollegen in Spanien, Grossbritannien, Schweden, Deutschland, Brasilien, Griechenland, Puerto Rico, der Dominikanischen Republik und Mexiko identifiziert, die ein grosses Interesse und einen sofortigen Bedarf an der Prothese haben. Wir werden im Laufe der nächsten Monate in diese Länder reisen, um Implantate und Seminare über die Vorgehensweise, wie sie heute in Saragossa eingesetzt wurde, durchzuführen."
Quelle:
Aptis Medical
"Rostendes" Eisenpulver wärmt bei Muskelschmerzen
Bochum - 08.03.2005 (ots) - Als fünftes Produkt überhaupt zeichnet die Stiftung Innovation die Wärmeauflage "ThermaCare" mit dem "Ei des Columbus" aus. Die hohe Auszeichnung der Stiftung würdigt das kürzlich in den Markt eingeführte Produkt der Procter & Gamble GmbH als "besonders vorbildliche, anschauliche Neuerung". Ärzte und Apotheker nominierten das Produkt. Befragte Anwender und eine medizinische Fachjury zeigten sich gleichermaßen überzeugt, dass die Auflage einen deutlichen Fortschritt im Gesundheitswesen bringt.
Bild: Procter & Gamble GmbH
Bei Rücken- und anderen Muskelschmerzen hat sich eine Wärmetherapie seit jeher bewährt. Allerdings gibt Omas Wärmeflasche ihre Energie nur kurze Zeit ab und macht, wie das elektrische Heizkissen auch, weitgehend immobil. Mit der Wärmeauflage "ThermaCare", die praktisch unsichtbar überall getragen werden kann, ist dieser Nachteil jetzt ausgeräumt: kleine, in die Auflage integrierte Zellen erzeugen eine Wärme von ca. 40°C über ca. acht Stunden.
Als besonders pfiffig wertet die Stiftung Innovation die Methode, mit der die wohlige Wärme über die lange Zeit erzeugt wird. In den kleinen Zellen oxydiert kontinuierlich Eisenpulver -ohne jede Nebenwirkung für Patient und Umwelt.
Mit der Auszeichnung "Ei des Columbus" zeichnet die Stiftung Innovation solche Produktneuerungen aus, die unumstritten Nutzen für Kunden und Anbieter bringen. "Durch die öffentliche Würdigung von anschaulichen, vorbildlichen Innovationen soll die gesamte deutsche Wirtschaft zu vermehrten Innovationsanstrengungen ermutigt und eine hierzulande oft zu beobachtende Skepsis vieler Bürger vor Veränderungen jeder Art ausgeräumt werden", kommentiert der Vorsitzende der Stiftung, Prof. Dr. Reinhard Zulauf, die Preisverleihung an die Procter & Gamble GmbH. Nur ständige Innovation erhalte auf Dauer die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Arbeitsplätze in Deutschland.
Quelle:
Stiftung Innovation
Mit Selbsthypnose chronische Schmerzen lindern und Arzneimittel reduzieren
08.03.2005 - Chronische Schmerzpatienten können mittels verhaltenstherapeutischer Selbsthypnose die Stärke ihrer Schmerzattacken deutlich verringern und so auch den Einsatz an Medikamenten spürbar reduzieren. Das ist das Ergebnis einer Folgestudie, die mit 28 Schmerzpatienten an der Universität Göttingen durchgeführt wurde. Nachdem bereits die Wirksamkeit des Verfahrens zur Schmerzreduktion in einer ersten Studie getestet worden war, standen diesmal die Auswirkungen auf den Medikamentenkonsum im Mittelpunkt. Die Patienten lernen, sich bei auftretenden Schmerzattacken autosuggestiv in einen Zustand tiefer Entspannung zu versetzen und mindern dadurch den Schmerz. Als Folge können sie nach Angaben von Dr. Stefan Jacobs vom Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie, der die Studie leitete, dauerhaft auf 60 bis 75 Prozent ihrer Medikamentendosis verzichten.
Nach Angaben des Wissenschaftlers konnte die Dosis bei Analgetica um 60 Prozent, bei Antidepressiva um 63 Prozent und bei Opiaten sogar um 75 Prozent gesenkt werden. Die Verbesserungen bleiben mehrheitlich auch nach Monaten stabil, wie eine Nachuntersuchung drei Monate später zeigte. ?Die Reduzierung des Schmerzes ging bei den untersuchten Patienten auch einher mit einer Steigerung ihres körperlichen und seelischen Wohlbefindens und einer Verminderung depressiver Symptome. Sie konnten soziale und berufliche Aktivitäten wieder aufnehmen", erläutert Dr. Jacobs.
Die Patienten eignen sich die Selbsthypnose unter Anleitung geschulter Therapeuten an. In zehn Sitzungen erlernen sie, sich mit Hilfe einer individuell besprochenen Audiokassette in eine Tiefenentspannung zu versetzen. ?Erstmals steht mit unserem Verfahren eine effektive, hoch wirksame Methode zur Schmerzreduktion zur Verfügung", so Dr. Jacobs. Das Programm mit zehn Sitzungen ist jetzt für Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzte in einem Lehrbuch ?Verhaltenstherapeutische Hypnose bei chronischen Schmerz. Ein Kurzprogramm zur Behandlung chronischer Schmerzen" (Hogrefe & Huber) veröffentlicht worden. Außerdem sind ein Lehrvideo und eine DVD bei der Zentralen Einrichtung Medien der Universität Göttingen erhältlich. Rund 200 Ärzte mit therapeutischer Zusatzausbildung wurden bereits geschult und bieten das Programm in ihren Praxen an. Die Therapeutenliste ist im Internet unter www.psych.uni-goettingen.de/special/tbz abrufbar. abrufbar.
Quelle:
Georg-August-Universität Göttingen
Russische Weltraumtechnologie gegen Nackenschmerzen
02.03.2005 - Ein Wissenschaftlerteam der australischen Macquarie University hat zur Bekämpfung von chronischen Nackenschmerzen mit viel versprechenden Ergebnissen eine Technologie getestet, die ursprünglich für das russische Weltraumprogramm entwickelt wurde. Der Electrode Neuroadaptive Regulator (ENAR) war anfänglich eingesetzt worden, um verletzte Kosmonauten, die bis zu drei Monate im Weltraum verbrachten, behandeln zu können.
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Andrew Vitiello, der bereits maßgeblich an der Entwicklung des weltweit rückenfreundlichsten Rucksacks beteiligt war, hat ENAR in den letzten zwölf Monaten erfolgreich getestet. "Es gab bereits verschiedene Einzelberichte, dass dieses Gerät bei einer Reihe von Krankheiten und Behinderungen Abhilfe schaffen könnte", so der Doktorand der Chiropraktik.
Für die Pilotstudie wählten Vitiello und seine Betreuer Associate Professor Rod Bonello and Dr Henry Pollard ein Leiden das weit verbreitet aber schwer zu behandeln ist - chronische Nackenschmerzen. Vierundzwanzig Probanden, die über drei Monate keinerlei Therapie erhalten hatten, wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe erhielt eine Therapie namens Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation (TENS), eine zweite Gruppe wurde mit ENAR behandelt und eine Kontrollgruppe erhielt ohne ihr Wissen eine Scheinbehandlung.
Die Ergebnisse zeigten, dass Personen die eine TENS Therapie erhalten hatten, sich in keinem besseren Zustand befanden als Personen, die gar keine Therapie erhalten hatten. Im Gegensatz dazu war bei den Probanden, die die ENAR Therapie erhalten hatten, festzustellen, dass nicht nur ihr Schmerzgrad deutlich zurückgegangen war, sondern ihre Funktionswerte und ihre Lebensqualität sich deutlich verbessert hatten.
ENAR arbeitet mit positiven und negativen Elektroden. Das Gerät, das in etwa die Größe eines Mobiltelefons hat, wird angeschaltet und an den schmerzenden Stellen angewendet. "Wir verfolgten die Entwicklung der Testteilnehmer über einen sechswöchigen Zeitraum und nahmen Daten zu Schmerzintensität, Funktionsfähigkeit, allgemeiner Lebensqualität und Beeinträchtigungen am Hals auf", erläutert Vitiello.
"Die bisher gewonnenen Erkenntnisse sind enorm wichtig, beweisen sie doch, dass das Gerät in der Bekämpfung von Schmerzen sehr effektiv ist. Aus klinischer Sicht kann eine Rehabilitation deutlich schneller eingeleitet werden, sobald vorhandene Schmerzen gelindert werden."
Quelle:
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann
Bundesweite Telefonaktion:
30 Experten beraten zum Thema Bewegungsschmerz
Oberursel - 24.02.2005 (ots) - "Arzt macht mobil" - unter diesem Motto veranstaltet die Initiative Schmerz messen am 16. März anlässlich des Deutschen Schmerztages 2005 zum zweiten Mal in Folge eine bundesweite Telefon-Sprechstunde zum Thema "Bewegungsschmerz". Von 16:00 bis 18:00 Uhr werden interessierte Anrufer über die zentrale Rufnummer 0800 - 5 837 837 automatisch und kostenfrei mit einem Spezialisten aus ihrer Region verbunden.

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Insgesamt 30 Schmerzexperten aus allen sechzehn Bundesländern nehmen an der Aktion teil. "Im Mittelpunkt der Beratung steht die Frage, welche schmerztherapeutischen Verfahren der Arzt anwenden kann, um Patienten mit Rückenleiden, Rheuma, Arthritis, Arthrose oder Osteoporose zu mehr Beweglichkeit und Mobilität zu verhelfen", erläutert Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, das Credo der Initiative Schmerz messen. "Denn meist bestimmt nicht die eigentliche Krankheit den Alltag, sondern die mit ihr verbundenen Schmerzzustände." Weitere Informationen unter www.schmerzmessen.de
Quelle:
Initiative Schmerz messen
Neue Wege aus dem Schmerz
23.02.2005 - Wie Schmerzen wirksam und dennoch ohne gefährliche Nebenwirkungen bekämpft werden können, das haben Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg herausgefunden. Die Arbeitsgruppe um den Mediziner Prof. Dr. Hanns Ulrich Zeilhofer vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie hat im Rückenmark von Mäusen einen Rezeptor identifiziert, der eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von Schmerzreizen spielt. Medikamente, die diesen Rezeptor blockieren, sollten ebenso wirksam sein wie herkömmliche Schmerzmittel - darüber hinaus aber besser verträglich, sagen die Erlanger Wissenschaftler.

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Bisher werden zur Behandlung von Schmerzen häufig Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, der Hauptbestandteil von Medikamenten wie Aspirin, oder die Gruppe der Coxibe verordnet. Diese Stoffe hemmen bestimmte Enzyme im Körper und sorgen dafür, dass die Botenstoffe für die Schmerzweiterleitung - die so genannten Prostaglandine - nicht mehr ausgeschüttet werden. Diese Botenstoffe übertragen jedoch nicht nur Schmerzimpulse. Sie schützen den Organismus, und Mediziner vermuten, dass sie zum Beispiel Magengeschwüren vorbeugen sowie Herz- und Hirninfarkte verhindern. Nimmt man Prostaglandin hemmende Medikamente über längere Zeit ein, können gefährliche Nebenwirkungen auftreten: So stehen die Coxibe im Verdacht, für viele Tausende Herzinfarkte verantwortlich zu sein.
Mit der Entdeckung der Erlanger Mediziner können nun neue Medikamente entwickelt werden, die nur den Schmerzrezeptor im Rückenmark blockieren und nicht in die Produktion von Prostaglandinen eingreifen. So bleibt deren schützende Funktion unangetastet und bestimmte Nebenwirkungen können ausgeschlossen werden.
Das Abstract sowie das vollständige Manuskript sind in der Online-Ausgabe des Journal of Clinical Investigation unter http://www.jci.org einzusehen:
Reinold et al.: Spinal Inflammatory Hyperalgesia Is Mediated by Prostaglandin E Receptors of the EP2 Subtype. Journal of Clinical Investigation.
Digital Object Identifier (doi): 10.1172/JCI200523618
Quelle:
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Versinkt Deutschland am 1. April im Schmerz?
Berlin - 17.02.2005 (ots) - Treten im April die neuen Leistungsverzeichnisse für gesetzlich Versicherte unverändert in Kraft, wird eine sachgerechte Schmerztherapie und Palliativmedizin für Kassenpatienten nicht mehr verfügbar sein. "Die Kassen fordern zwar eine Versorgung auf höchstem Niveau, sind aber nicht bereit, diese zu finanzieren", kritisiert Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie bei einer Pressekonferenz in Berlin. Darum fordern die Schmerzfachgesellschaften und Patientenorganisationen entsprechende Korrekturen, damit Schmerztherapeuten die schwerkranken Patienten mit der notwendigen Qualität versorgen können.
In Deutschland leiden etwa 15 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen, etwa zwei Millionen haben schwer behandelbare "problematische" Schmerzzustände. Ihr Schmerz gilt als eigenständige Krankheit. Diese Patientinnen und Patienten benötigen eine Therapie in spezialisierten Einrichtungen.
Die gute Nachricht: Zum ersten Mal wird in einer Vereinbarung von Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung festgehalten, dass es in Deutschland Patienten mit chronischen Schmerzen gibt, die eine hochspezialisierte Diagnostik und Therapie benötigen. Ebenso werden in dieser Qualitätssicherungsvereinbarung die Voraussetzungen und Qualifikationen definiert, die ein Arzt haben muss, um solche Patienten behandeln zu dürfen. Dies bedeutet: Ärzte, die diese Qualifikationen nicht besitzen, können diese schwerkranken Patienten schmerztherapeutisch nicht versorgen.
Die schlechte Nachricht: Diese Versorgung ist aufgrund der konkreten Umsetzung und Verknüpfung der Vereinbarung mit neuen Leistungsverzeichnissen für gesetzlich versicherte Patienten jedoch keineswegs gesichert. Schlimmer noch: Die Versorgungssituation wird sich ab April, wenn diese Regelungen in Kraft treten, dramatisch verschlechtern. Schon heute sind Schmerzpatienten in Deutschland unterversorgt. Müller-Schwefe: "Es fehlen qualifizierte Einrichtungen für eine flächendeckende Versorgung. Nötig wären etwa 2000 Einrichtungen, vorhanden sind aber nur etwa 450. Wenn die neuen Leistungsverzeichnisse für Kassenpatienten (EBM) in Kraft treten, können Schmerztherapeuten aufgrund der Regularien die Patienten nicht mehr mit der nötigen Qualität versorgen.
Erforderliche Leistungen fehlen
So wurden beispielsweise zahlreiche Leistungen, die nach dem Stande der Wissenschaft Bestandteil einer qualifizierten Behandlung sind, nicht in den EBM aufgenommen. Die Kassen waren nicht bereit, diese notwendigen Therapien zu bezahlen. Darüber hinaus wird die Behandlungsdauer auf zwei Jahre begrenzt. Tritt nach sechs Monaten keine Veränderung ein, soll der Spezialist einen Psychiater oder Psychotherapeuten einschalten. Zahlreiche ärztliche Leistungen wurden zu Komplexen gebündelt und sollen pauschal honoriert werden, wobei die Vergütung gleichzeitig reduziert wurde. "Diese deckt nicht mehr den Aufwand, den wir in unseren spezialisierten Einrichtungen betreiben müssen", sagt Müller-Schwefe. Die Vergütung deckt weder Material- und Personalkosten für die Qualitätssicherung und Dokumentation, noch aufwändige personelle und technische Ausstattung der Praxen oder gar die eigentliche Betreuung der Patienten und vor allem die langen Gespräche. Darum dürften sich viele Ärzte aus der Versorgung zurückziehen, da sie unter diesen Bedingungen keine qualifizierte Schmerztherapie mehr erbringen können.
Weiter sinkender Versorgungsgrad
"Damit wird der ohnehin mit etwa 20 Prozent schon heute extrem geringe Versorgungsgrad weiter sinken", klagt der Schmerztherapeut. Unter den Bedingungen der neuen Leistungsverzeichnisse wird es darum für Kassenpatienten keine qualifizierte Schmerztherapie mehr geben, sondern allenfalls eine Sparversion. "Dies katapultiert die Schmerzmedizin zurück zu ihren Anfängen in den achtziger Jahren", erklärt Müller-Schwefe. Darum fordern die Schmerzgesellschaften die Ergänzung der Leistungsverzeichnisse für Kassenpatienten sowie die Anpassung der Vergütung, damit Schmerztherapeuten eine Versorgung mit hoher Qualität erbringen können.
Stiefkind Palliativmedizin
Nicht minder problematisch ist es um die Versorgung schwerkranker Patienten am Lebensende bestellt. Dies ist die Domaine der Palliativmedizin. Sie will nicht mehr heilen, sondern Schmerz und andere Symptome lindern und den Menschen - möglichst zu Hause - ein Leben in Würde bis zuletzt ermöglichen. Doch die Realität sieht anders aus: 70 Prozent der Bürger sterben in Kliniken oder Pflegeheimen, oft allein und unter Schmerzen. Dabei belegen Studien, dass 75 Prozent der Menschen zu Hause sterben können, wenn entsprechende palliativ- und schmerzmedizinische Versorgungssysteme vorhanden sind.
Unnötiger Tumorschmerz
Schätzungen zufolge leiden in Deutschland alleine 200000 Krebspatienten an Schmerzen, die nicht ausreichend gelindert werden, obwohl dieses möglich wäre. Doch an dieser Situation wird sich kaum etwas ändern: Nach dem neuen EBM darf die honorierte palliativmedizinische Versorgung von Patienten mit schweren Erkrankungen ausschließlich von Hausärzten erbracht werden. Diese müssen allerdings weder eine palliativmedizinische Qualifikation nachweisen noch wird eine entsprechende Dokumentation eingefordert. "Dies alleine zeigt, dass die Palliativmedizin hier als Alibi ohne inhaltliche Anforderungen abgehakt wurde, es also eine reine Alibi-Entscheidung war", kritisiert der Schmerz- und Palliativmediziner Dr. Thomas Nolte, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie.
Die etwa 1000 Ärzte, die sich der Defizite in der medizinischen Versorgung und ihres eigenen Unwissens aufgrund der mangelhaften Medizinerausbildung in der Palliativmedizin bewusst sind und darum eine palliativmedizinische Basisqualifikation erlangt haben, oder jene etwa 300 Mediziner, die für die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin qualifiziert sind, können zwar weiterhin palliativmedizinische Leistungen auf hohem Niveau erbringen, es wird nur nicht mehr bezahlt - es sei denn, es sie sind Hausärzte. "Dadurch wird keine strukturelle Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung erreicht", stellt Nolte fest.
Kein Kontrapunkt zum Ruf nach aktiver Sterbehilfe
Durch diese Fehlsteuerung, fürchtet der Palliativmediziner, werde der Zuspruch zur aktiven Sterbehilfe in der Bevölkerung, der zu Recht in politischen Kreisen Sorge bereitet, kaum zu durchbrechen sein. "Nur eine qualifizierte und interdisziplinäre palliativmedizinische Versorgung kann anschaulich und nachvollziehbar machen, dass eine aktive Sterbehilfe keine Option für das Lebensende darstellt." Darum fordern die Spezialisten, dass palliativmedizinische Leistungen nur von entsprechend qualifizierten Ärzten aller Fachrichtungen erbracht werden dürfen, unabhängig von ihrer klinischen Fachrichtung, und dass der Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung endlich an die ständig steigenden Erfordernisse angepasst wird. Denn auch hier bedeutet der neue EBM einen Rückschritt.
Die Defizite sind bei den Verantwortlichen bekannt
Die Schmerzgesellschaften und Patientenorganisationen kennen die Defizite und weisen seit Jahren darauf hin. "In den letzten Jahren haben wir viele Gespräche mit den politisch Verantwortlichen geführt, mit Ministerinnen und Ministern, Vertretern von Kassen und Ärzteverbänden. Stets wurden von diesen Defizite eingeräumt und Besserung versprochen", berichtet Dr. Marianne Koch, die Präsidentin der Deutschen Schmerzliga e.V. Die Bundesregierung räume, so Koch, beispielsweise in Ihrer Antwort vom 22. 12. 2003 auf eine Anfrage von Bundestagsabgeordneten Defizite in der Versorgung von Schmerzpatienten ein: "Die Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen ist in Deutschland nicht überall optimal." Es stünden zu wenige spezialisierte Ärzte für die Behandlung chronisch Schmerzkranker zur Verfügung.
Bereits am 11.10.2003 hatte der KBV-Vorsitzende Dr. Mafred Richter-Reichhelm gesagt: "Schmerzkranke Patienten müssen ausreichend versorgt werden und zwar flächendeckend in ganz Deutschland." Und immer wieder versicherten Kassenvertreter, dass sie die Versorgung von Schmerzpatienten verbessern wollen.
Aber nichts geschieht
"Doch die aktuelle Entwicklung belegt, dass es sich bei den Verlautbarungen eher um Lippenbekenntnisse gehandelt hat. Das ist enttäuschend, erklärt die Internistin. "Wenn Ärzte sich aus der Versorgung von Schmerzpatienten zurückziehen (müssen), haben die Patienten noch größere Probleme als bislang, eine qualifizierte Behandlung zu bekommen, obwohl sie darauf ein Anrecht haben."
Dass die Not hier schon heute groß ist, belegen nicht zuletzt die über 20.000 Anfragen, die jährlich bei der Deutschen Schmerzliga eingehen. Die Suche nach qualifizierten Ärzten führt seit Jahren ungebrochen das Ranking der Fragen an. "Die Behandlungsdauer von Schmerzpatienten bei Spezialisten wurde auf zwei Jahre begrenzt - ohne dass klar ist, wie danach eine Versorgung dieser schwerkranken Menschen sichergestellt werden soll", kritisiert Koch. Schließlich haben diese im Schnitt eine zehnjährige "Patientenkarriere" mit häufig wechselnden Arztkonsultationen hinter sich, ohne dass ihnen geholfen wurde. Dies belegt eindrücklich, dass das Medizinsystem bislang - vor allem aufgrund der Nicht-Ausbildung der Mediziner in Sachen Schmerzmedizin - keine angemessene Versorgung der Patienten sicherstellen und beispielsweise die Chronifizierung von Schmerzzuständen in nennenswertem Umfang verhindern kann.
Schmerzpatienten werden diskriminiert
"Niemand käme auf die Idee, die Behandlung eines Diabetikers bei einem Diabetologen oder die Behandlung eines Herzkranken beim Kardiologen auf zwei Jahre zu begrenzen. Wenn dies bei Schmerzpatienten eingeführt werden soll, kann dieses nur als Diskriminierung interpretiert werden", stellt Koch fest. Dass Schmerztherapeuten verpflichtet werden, Patienten nach sechs Monaten einem Psychiater vorzustellen, wenn sich keine Veränderung abzeichnet, ist eine weitere Diskriminierung, rückt die Betroffenen in die Ecke von Simulanten, schürt längst abgelegte Vorurteile und missachtet damit sämtliche Erkenntnisse der Schmerzforschung. Die Deutsche Schmerzliga fordert die politisch Verantwortlichen daher dazu auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen und ihren Ankündigungen Taten folgen zu lassen. "Wenn keine flächendeckende, bedarfsgerechte, qualitätsgesicherte und wirtschaftliche Versorgung zur Verfügung steht, kommen die Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen ihrer Verpflichtung zur Sicherstellung der Versorgung nicht nach", stellt Koch fest.
Quelle: Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.
Neue Angst um Arthritis-Medikamente
Stanford/Sydney (pte, 15. Feb 2005 14:26) - Die Aufregung um die Gefährlichkeit der Arthritis- und Schmerzmittel scheint kein Ende zu nehmen. Erst jetzt haben australische Wissenschaftler wieder vor den so genannten COX-2-Inhibitoren gewarnt. In den in den Archives of Internal Medicine http://archinte.ama-assn.org publizierten Studien veröffentlichten Forscher ihre Bedenken, dass die Präparate zu Bluthochdruck und Herzinfarkten führen können. An den 19 Einzelstudien haben 45.000 Menschen teilgenommen. Erst im September 2004 war der COX-2-Inhibitor Vioxx vom Markt zurückgezogen worden.
Verglichen mit anderen Schmerzmedikamenten wie Nicht-Steroidalen Antiphlogistika (NSAID) und Placebos schnitten die COX-2-Inhibitoren schlechter ab, da sie eindeutig zu erhöhtem Blutdruck führen. Nach dem Verbot von Vioxx werden aber immer neue erschreckende Details von verschwiegenen Studien bekannt, die eigentlich ein Verbot bereits knapp nach Markteinführung gerechtfertigt hätten. Anfang Februar fanden Wissenschaftler auf der Homepage des US-Pharmaverbandes (PhRMA) http://www.clinicalstudyresults.org die Testergebnisse einer Studie ob der COX-2-Inhibitor Celecoxib (Celebrex) auch Alzheimer heilen könnte. Von den 425 Probanden erhielten 285 eine Tagesdosis von 400 mg des Präparats. Während der 52-wöchigen Behandlung kam es zu 22 Fällen (7,7 Prozent) von Schlaganfall, Herzversagen, Lungenödem, Angina pectoris und Herzrhythmusstörungen. Das Medikament war nicht in der Lage die Demenz aufzuhalten. Im Beipacktext des Medikaments fanden sich allerdings keine Warnhinweise auf eventuelle Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen.
Erst im Januar 2004 ergab eine Studie in den Archives of Internal Medicines, dass zwei Drittel aller COX-2-Verordnungen auf Patienten entfielen, die kein oder nur ein gering erhöhtes Risiko von gastrointestinalen Blutungen hatten und für die deshalb andere NSAIDs geeignet gewesen wären. Die Studienautoren führten die Verordnungs-Praxis auf die direkte Konsumentenwerbung durch den Hersteller und auf die Fehleinschätzung der Medikamentenwirkung durch die Ärzte zurück. Kein Mensch weiß, wie viele durch die Einnahme von Vioxx zu Schaden oder gar zu Tode kamen. Nach einer jüngsten Schätzung des FDA-Mitarbeiters David Graham sollen es allein in den USA 89.000 bis 139.000 Patienten gewesen sein.
Wie mächtig die Pharmakonzerne sind, zeigte sich bereits knapp nach der Markteinführung von Vioxx im Jahr 1999. Das Medikament wurde als "Super-Aspirin" vermarktet, obgleich es nicht stärker wirksam ist als Acetylsalicylsäure (ASS) und andere NSAID. Einziger Vorteil war eine bessere Magenverträglichkeit. Randall Stafford von der kalifornischen Stanford Universität und seine Kollegen glauben, dass ein Grund für den Vioxx-Erfolg darin lag, dass viele Patienten und auch Ärzte der Überzeugung sind, dass ein neues Medikament immer besser wirkt als ein altes. Ein anderer Grund war die intensive und großzügige Konsumentenwerbung, die sich der Hersteller von Vioxx allein im Jahr 2000 ungefähr 161 Mio. Dollar kosten ließ. Der Erfolg war offensichtlich garantiert, obwohl das Medikament sechsmal teurer ist als Ibuprofen und zehn bis 15 Mal teurer als ASS.
Quelle. pressetext.austria
Fatale Langzeitschäden durch rückenmarknahe Katheter - DGSS-Schmerzspezialisten warnen schon länger Bochum, 10.02.2005 Von einer Häufung schwerer Nebenwirkungen bis hin zur bleibenden Querschnittlähmung bei Patienten mit chronischen Schmerzen durch einen speziellen Katheter ("Racz-Katheter") berichtet die Zeitschrift "Der Spiegel" in seiner Ausgabe 5/2005. Diese Nachricht kommt für Schmerzspezialisten nicht überraschend: Sie warnen seit langem vor den Risiken dieser Therapie. Die Schmerzspezialisten Dr. Doris Kindler, Prof. Dr. Christoph Maier und Prof. Dr. Michael Zenz hatten bereits im Mai 2004 in "Der Schmerz", dem offiziellen Organ der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) drei alarmierende Fallberichte publiziert, um auf die extremen Gefahren auch bei der rückenmarknahen Morphintherapie hinzuweisen. Sie fordern einen verantwortungsvollen Umfang mit dieser Therapiemethode und die Behandlung besonders schwerer Fälle in spezialisierten Zentren. Fatale Fehler bei der BehandlungIm Schmerzzentrum der BG-Kliniken Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum wurden in den letzten Jahren 18 Patienten behandelt, bei denen ernste Probleme nach rückenmarknaher Schmerztherapie aufgetreten waren. Die Patienten erhielten hochwirksame Medikamente über einen Katheter direkt in die Rückenmarkflüssigkeit. "Dieses Therapieprinzip kann bei schwersten Schmerzzuständen helfen, etwa bei Krebsschmerzen", so Prof. Maier, "aber es ist nur sehr selten und nur bei wenigen Patienten indiziert." Fatal kann sich vor allem die unsachgemäße Durchführung der Therapie auswirken: Die Bochumer Autoren hatten anhand von Fällen aus ihrer Klinik demonstriert, dass allgemein anerkannte Regeln der Schmerztherapie bei der Anwendung der Methode oft nicht eingehalten werden. Hilflosigkeit der TherapeutenZudem stellten sie fest, dass die Therapie mitunter unbegründet angewendet wurde: In einem Fall hatte ein Patient nach wiederholter Behandlung mittels Katheter eine Rückenmarksschädigung erlitten, obwohl er lediglich an einem einfachen und gut krankengymnastisch therapierbaren Krankheitsbild litt. "Die voreilige Etikettierung solcher Patienten als 'nicht behandelbar' ist oft nur Ausdruck der therapeutischen Hilflosigkeit der primär beteiligten Therapeuten", mussten die Spezialisten feststellen. Sie berichten auch über den Fall eines Patienten, der wegen angeblich unbeeinflussbarer Schmerzen sogar einen Katheter ins Gehirn gelegt bekam, unter dem er jedoch eher mehr als weniger Schmerzen hatte und lebendbedrohliche Zwischenfälle auftraten. In der Bochumer Klinik gelang es später, diesen Patienten auf eine ganz einfache Schmerztherapie mit Tabletten umzustellen. Er ist seit zwei Jahren ohne den Katheter im Kopf gut eingestellt. Patienten gehören in spezialisierte Zentren Die DGSS-Spezialisten weisen darauf hin, dass weder der Racz- Katheter oder noch vergleichbare Verfahren immer falsch sein müssen. "Aber sie gehören in spezialisierte Zentren, die interdisziplinäre Therapiemodelle, also medizinische, krankengymnastische und psychotherapeutische Ansätze gemeinsam realisieren", unterstreicht Prof. Maier. Dies sei in Bochum und einigen anderen Zentren in Deutschland seit Jahren realisiert. "Auch hier wird invasive Schmerztherapie durchgeführt, aber nur bei einem Bruchteil der Patienten." Die Bochumer Ärzte äußern ihre Befürchtung, dass derartige Exzesse, wie auch im Spiegel beschrieben, dazu führen müssen, die Verdienste der Schmerztherapie in Misskredit zu bringen. Diese Erfahrung unterstreicht jedoch erneut die Forderung der DGSS, dass in die Interprofessionalität der Schmerztherapie mehr investiert werden muss. Eine Forderung die von der Politik leider behindert wird. "Auch die neue Gebührenordnung für Ärzte begünstigt Monotherapien mit Spritzen oder Kathetern und begünstigt daher "Exzesse" wie jetzt beschrieben", bedauern die Experten.
Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)
Integrierte Versorgung von Schmerzpatienten: DGSS-Kommission hilft beim Aufbau von Netzwerken
08.02.2005 - Statt Jahre lang auf der Suche nach der richtigen Therapie nun gezielte systematische Betreuung und Therapie von Anfang an - davon können viele Patienten mit chronischem Schmerz heute nur träumen. Ein viel versprechender Ansatz, der in Zukunft die Situation verbessern soll, ist die "Integrierte Versorgung": Netzwerke aus Haus- und Fachärzten, Kliniken, ambulanter und stationärer Rehabilitation, die für die Versorgung von Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern in einer Region gemeinsam zuständig sind. Um entstehende Netzwerke zu unterstützen und zu initiieren, hat die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) zusammen mit der Deutschen Schmerzgesellschaft (DSG) eine Ad-hoc-Kommission gegründet. Sie stellt ihr Know-how zur interdisziplinären Versorgung Schmerzkranker zur Verfügung, sammelt Informationen, vermittelt Ansprechpartner und stellt Kontakte zu Kostenträgern her.
Begrüßenswerte Initiative
"Es gibt derzeit bundesweit Ansätze zur Integrierten Versorgung (IV) für Schmerzpatienten, die sich in unterschiedlichen Antragsstadien befinden", fasst Dr. Gabriele Lindena (Kleinmachnow) den Stand der Dinge zusammen. "Wir begrüßen diese Initiativen, weil darin die gerade für Schmerzpatienten notwendigen interdisziplinären Diagnostik- und Therapieansätze umgesetzt werden können." Die Kommission fungiert als Ansprechpartner für Mitglieder der Schmerzgesellschaften und die Kostenträger. Sie gibt Empfehlungen insbesondere zur Struktur der interdisziplinären Zusammenarbeit in der Schmerztherapie, zu Dokumentationsunterlagen wie Kerndokumentation Schmerz, Verlaufsbeobachtung, Diagnostik- und Therapiecharakterisierung, zur Qualitätssicherung und zur wissenschaftlichen Begleitung der IV-Projekte.
Integrierte Versorgung
Ein zentraler Bestandteil der Umstrukturierung im Gesundheitswesen ist die Integrierte Versorgung, soll sie doch die Kommunikation der Fachrichtungen und Berufsgruppen in der Arbeit am Patienten erleichtern. Dies kommt besonders solchen Patienten zu Gute, deren Erkrankung unterschiedliche Lebensbereiche beeinträchtigt wie beim Schmerz: Die körperliche durch Bewegungseinschränkung, seelische durch Einschränkung in Verhalten und Lebensweise, sowie die soziale Ebene durch Einschränkung in Freizeit und Familie. Diese Einschränkungen sind individuell sehr unterschiedlich, müssen rechtzeitig diagnostiziert werden und können und sollten systematisch angegangen werden. Durch die Integrierte Versorgung für Schmerzpatienten können Maßnahmen gezielt eingesetzt, unnötige Diagnostik und Therapie und langwierige Umwege vermieden werden.
Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)
Krankenkassen lassen Schmerzpatienten im Stich /
Schmerztherapeuten protestieren gegen die neuen Leistungsverzeichnisse für Kassenpatienten
Oberursel – 03.02.2005 (ots) - In einer Resolution fordern Schmerztherapeuten die Nachbesserungen der am 25. Januar beschlossenen Leistungsverzeichnisse für Kassenpatienten, um diese den aktuellen wissenschaftlichen Standards und dem Versorgungsbedarf anzupassen. "Geschieht dies nicht, wird gesetzlich versicherten Schmerzpatienten, von denen heute schon nur 20 Prozent ausreichend versorgt sind, ab April keine qualifizierte Schmerztherapie mehr zur Verfügung stehen, da unter den neuen Vorzeichen keine adäquate Versorgung mehr möglich ist", erklärt Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie.
Niemand käme in Deutschland auf die Idee, die Behandlungsdauer eines chronisch schwerkranken Patienten, der an Diabetes, Herzschwäche oder rheumatoider Arthritis leidet, bei einem Facharzt auf zwei Jahre zu begrenzen. Ebenso wenig ist vorstellbar, dass der Facharzt bei einem chronisch kranken Menschen binnen sechs Monaten eine Besserung des Leidens erzielen muss oder - sollte dies nicht der Fall sein - einen Psychiater oder Psychotherapeuten hinzuziehen soll. Möglich sind solche Maßnahmen hingegen bei Schmerzpatienten.
Nach jahrelangem Tauziehen hat die so genannte Selbstverwaltung - die Spitzenverbände der Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung - am 25. Januar die neuen schmerztherapeutischen Leistungsverzeichnisse für Kassenpatienten verabschiedet. Der neue "Einheitliche Bewertungsmaßstab" (EBM), der regelt, auf welche ärztlichen Leistungen Kassenpatienten Anspruch haben, liegt auf dem Tisch.
Bei Schmerztherapeuten löst dieser Empörung aus. "Eine ursprünglich vernünftige Idee, die Integration schmerztherapeutischer Leistungen in den EBM, wurde durch ihre Umsetzung geradezu ins Gegenteil verkehrt", erklärt Dr. med. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.
Missachtung aller Qualitätsstandards.
Die Abbildung der Schmerztherapie im neuen EBM missachtet nach Meinung der Experten alle wissenschaftlichen Qualitätsstandards und den Versorgungsbedarf von Millionen Patientinnen und Patienten, die unter schwersten Dauerschmerzen leiden.
So wurden eine Vielzahl von Leistungen, die nach dem Stande der Wissenschaft Bestandteil einer qualifizierten Behandlung sind, nicht in den EBM aufgenommen. Der Grund: Die Kassen waren nicht bereit, diese notwendigen Therapien zu bezahlen. Gleichzeitig wird die Behandlungsdauer von Schmerzpatienten bei den Spezialisten auf zwei Jahre begrenzt - ohne dass klar ist, wer sich danach um die Versorgung dieser schwerkranken Menschen kümmert. Schließlich haben diese im Schnitt eine zehnjährige "Patientenkarriere" mit häufig wechselnden Arztkonsultationen hinter sich, ohne dass ihnen geholfen wurde.
Darüber hinaus wurden zahlreiche Leistungen zu Komplexen gebündelt und sollen pauschal honoriert werden, wobei die Vergütung gleichzeitig um 30 bis 50 Prozent reduziert wurde. "Diese Vergütung deckt noch nicht einmal die Materialkosten für die aufwändige Qualitätssicherung und Dokumentation, die wir betreiben, und die nicht minder aufwändige personelle und technische Ausstattung der schmerztherapeutisch spezialisierten Praxen, ganz zu schweigen von der eigentlichen Betreuung der Patienten und den aufwändigen Gesprächen", erklärt Müller-Schwefe.
Gleichzeitig wird in der ebenfalls vorliegenden Qualitätssicherungsvereinbarung, die ab April die bisher gültigen Schmerztherapie-Vereinbarungen zwischen den Schmerztherapeuten und einigen Krankenkassen ersetzen - einige Kassen haben diese Form der Versorgung bis heute ihren Versicherten vorenthalten - die Zahl der zu behandelnden Patienten pro Quartal auf maximal 300 festgeschrieben. "Dies ist absolut korrekt", erklärt Müller-Schwefe, "da eine qualifizierte Schmerztherapie bei größeren Patientenzahlen nicht möglich ist." Voraussetzung ist allerdings eine exakte Beschreibung der notwendigen Leistungen und die Bereitschaft der Kassen, diese auch so zu vergüten, dass Ärzte von dieser Tätigkeit leben können und Schmerztherapie nicht zu einem "Feierabend-Hobby" verkommt.
Es droht der Rückzug der Spezialisten aus der Schmerztherapie.
"Die neuen Regelungen werden dazu führen, dass sich viele Ärztinnen und Ärzte aus der Versorgung von Schmerzpatienten zurück ziehen", erklärt Müller-Schwefe. Die Fortschritte, die in den letzten Jahren in der Versorgung durchaus erzielt wurden, würden so zurückgedreht.
Da Schmerztherapie in der Medizinerausbildung nach wie vor kaum gelehrt wird, hat dies nach Meinung der Spezialisten gravierende Folgen für die betroffenen Patientinnen und Patienten, von denen schon heute nur 20 Prozent sachgerecht versorgt sind.
Schmerzpatienten und Schmerztherapeuten planen einen bundesweiten Aktionstag am 28. Februar.
Quelle: Dt. Gesellschaft für Schmerztherapie e. V.
Deutschland schmerzt das Knie! /
76 % der Deutschen klagen über Gelenkschmerzen - mehr als die Hälfte davon hat Schmerzen im Knie, so eine aktuelle Studie 20.01.2005- Mehr als dreiviertel der Bundesbürger leidet unter Gelenkschmerzen, so eine aktuelle Umfrage der Sanhelios Muschel-Lyprinol(R)-Forschung.

Quelle: Sanhelios
Bei mehr als der Hälfte der Patienten ist das Knie für den Schmerz verantwortlich, so die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage unter 1024 Erwachsenen im Alter ab 25 Jahre. Circa 40 % der Patienten mit Gelenkbeschwerden klagen über Schmerzen an der Wirbelsäule (40,5 %) oder im Nacken (39,8 %). Über ein Drittel der Befragten schmerzt die Schulter. Weniger Schmerzen bereiten den Bundesbürgern Handgelenke (19,9 %), Fußgelenke (17,4 %) und Ellenbogen (13,2 %).
In den meisten Fällen deuten schmerzende Gelenke auf entzündliches Rheuma hin - oft unerkannt. Nach dem Vioxx-Skandal empfehlen Experten eine Behandlung mit wirksamen natürlichen Präparaten. Der Wirkstoff Muschel-Lyprinol(R)aus der neuseeländischen Grünlippmuschel erweist sich bei entzündlichem Rheuma als hochwirksam, wie eine aktuelle Studie beweist. Durch die Einnahme von Muschel-Lyprinol(R) werden die meisten Gelenkschmerzen und Gelenkentzündungen nachhaltig reduziert und bessere Beweglichkeit erreicht - und das Ganze ohne Nebenwirkungen. In Deutschland ist dieser Wirkstoff als Sanhelios Muschel-Lyprinol(R)in der Apotheke erhältlich.
Quelle: Sanhelios Muschel-Lyprinol(R)Forschung
"Schmerzschrittmacher" mit langer Haltbarkeit
Neurochirurgische Universitätsklinik Heidelberg setzt erstmals neuen Neurostimulator-Typ zur Behandlung chronischer Schmerzen ein
12.01.2005 -
An der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg ist erstmals in Deutschland ein Neurostimulator zur Bekämpfung schwerer chronischer Schmerzen eingesetzt worden, der eine besonders lange Haltbarkeit hat. Seine Batterien können von außen aufgeladen werden und müssen deshalb bis zu zehn Jahre lang nicht ausgetauscht werden.

Der Neurostimulator "Restore" ist kaum halb so groß wie eine Handfläche.
Foto: Neurochirurgische Universitätsklinik Heidelberg.
Der Patient ein 37jähriger Kraftfahrzeug-Mechaniker, der nach mehrfachen Bandscheibenoperation unter starken, nicht ausreichend behandelbaren Beinschmerzen litt, wurde im Rahmen einer klinischen Studie behandelt, in der der neue Gerätetyp "Restore" der Firma Medtronic an zehn europäischen Kliniken getestet wird. Seine Schmerzen haben unmittelbar nach dem Eingriff bereits deutlich nachgelassen, ebenso sein Bedarf an schweren Schmerzmitteln.
"Die Neurostimulation ist für Patienten mit schweren chronischen Schmerzen oft die letzte Chance auf ein erträgliches Leben", erklärt Professor Dr. Volker Tronnier, Leitender Oberarzt der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Andreas Unterberg). Die Geräte werden - entweder als vollständiges oder teilweises Implantat - seit den siebziger Jahren zur Behandlung schwerer Dauerschmerzen eingesetzt. Weltweit sind bislang ca. 15.000 Patienten damit versorgt worden.
Vor allem Patienten, die an unerträglichen Schmerzen nach Nervenschädigungen, zum Beispiel nach Bandscheibenoperation, aber auch durch Durchblutungsstörungen leiden, sind Kandidaten für die Stimulationsbehandlung. Das Haupteinsatzgebiet liegt bei sogenannten "radikulären" Schmerzen, d. h. der Schmerz strahlt vor allem in die Arme oder Beine aus. Schmerzen, die durch Abbau der Knochensubstanz in der Wirbelsäule entstehen, oder Rückenschmerzen können mit dieser Behandlungsmethode nicht beeinflusst werden.
Der Patient empfindet statt Schmerzen ein angenehmes Kribbeln
Der "Schmerzschrittmacher" ähnelt in vielerlei Beziehungen einem "Herzschrittmacher":
Er besteht ebenfalls aus zwei Teilen: einem batteriegetriebenen, elektronischem Impulsgeber und einer (oder zwei) damit verbundenen Elektroden. Der Impulsgeber wird im Bauchbereich in eine Hauttasche implantiert; der flexible Draht der Elektrode wird auf die Rückenmarkshaut platziert und beeinflusst durch elektrische Reize die Weiterleitung von Schmerzimpulsen in das Gehirn und damit deren Wahrnehmung.
"Der Patient empfindet im Bereich der Schmerzen ein angenehmes Kribbeln", sagt Dr. Dirk Rasche, Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Heidelberger Neurochirurgischen Klinik. Um Wirksamkeit und Sicherheit des Systems zu ermitteln, wird zunächst für eine Woche eine Testphase mit einem externen Stimulator durchgeführt; erst dann wird die eigentliche Implantation vorgenommen, die ebenfalls reversibel ist. Eine Kernspintomographie ist unter Beachtung bestimmter Sicherheitsmaßnahmen möglich.
Batterien werden von außen aufgeladen und halten bis zu zehn Jahre
Zu dem Neurostimulator-System gehören zwei unterschiedliche externe Programmiergeräte: Der Patient kann damit die Feinabstimmung seiner Therapie vornehmen, der Arzt die vorgenommenen Einstellungen abrufen sowie ändern. Je nach Bedarf kann die Stimulation verstärkt oder verringert werden, um eine optimale Schmerzlinderung zu erzielen.
In der Teststudie erhalten die Patienten zusätzlich ein drittes System, mit dessen Hilfe sie die Batterien des Neurostimulators von außen aufladen können und das am Körper getragen wird. "Bislang müssen die Impulsgeber bei Batterieerschöpfung alle zwei bis fünf Jahre gewechselt, der Stimulator also bei einer kleinen Operation entfernt und durch einen neuen Impulsgeber ersetzt werden", erklärt Dr. Rasche.
"Wir rechnen damit, dass dies bei dem neuen System, ja nach Intensität der Stimulation, erst nach acht bis zehn Jahren erforderlich ist." Für die meisten Patienten wahrscheinlich ein Vorteil - denn für sie ist das Gerät zum unersetzlichen Begleiter geworden.
Quelle: Universítätsklinik Heidelberg
Studie: Informationen zur Prävention von Rückenschmerzen wenig hilfreich
Gütersloh, 10. Januar 2005. Viele Patienteninformationen sind zur Prävention von Rückenschmerzen wenig hilfreich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Untersucht wurden 80 Medien, die innerhalb der vergangenen drei Jahre überwiegend kostenfrei von Krankenversicherungen, Universitäten, Verbänden, Medien, Verlagen und Arzneimittelherstellern verbreitet wurden. Darunter waren Bücher, Broschüren, Zeitschriftenartikel, Fernseh- und Hörfunkbeiträge. Nur ein Fünftel der analysierten Informationen enthalten ausreichende Hinweise, die helfen, Rückenleiden vorzubeugen.
"Patienteninformationen sollten den Betroffenen die Angst vor Bewegung nehmen", sagt Dr. Martin Butzlaff von der Universität Witten-Herdecke, der die Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat: "Patienten sollten zu Aktivität und rückenfreundlichem Verhalten ermuntert werden, jedoch nicht zu absoluter Schonung oder längerer Bettruhe." Die Betroffenen sollten erkennen, dass Bewegung in vielen Fällen nicht schädlich sondern hilfreich sei. Weiterhin seien Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und seelischer Belastung, beispielsweise Stress, Trauer und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, wünschenswert.
Nur wenige der untersuchten Beiträge erfüllen diese Ansprüche: Mehr als zwei Drittel machen nicht darauf aufmerksam, dass einfache Rückenschmerzen meist ungefährlich sind; sie informieren nicht darüber, dass Bettruhe im Krankheitsfall oft ungünstig ist und viele Röntgenaufnahmen nicht notwendig sind. Knapp die Hälfte der Materialien weisen nur unzureichend auf die Bedeutung der aktiven Mitarbeit der Patienten hin, nur ein Drittel der Informationen motivieren zur Anwendung der Ratschläge.
Von den untersuchten Medien schnitten die Bücher am besten ab: Alle erreichten in der Studie mehr als 20 von maximal 42 Punkten. Diesen Wert übertrafen auch 65 Prozent der Informationen von Krankenversicherungen, 58 Prozent der Broschüren von Fachgesellschaften und 17 Prozent der Zeitschriftenartikel. Keine der Informationen aus Radio und Fernsehen und nur eines von neun getesteten Internetportalen erreichte eine Gesamtpunktzahl von über 20 Punkten. "Dies ist besonders bedenklich, da diese Beiträge häufig viel mehr Menschen erreichen als andere", sagt Butzlaff.
Quelle: Bertelsmann Stiftung
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