Ambulante
Nachsorge
Nach
der Rehabilitation in der Klinik ist meist die Behandlung
noch nicht abgeschlossen. Eine weitere Verbesserung des
Zustandes ist in den nächsten Monaten oder sogar Jahren
noch möglich. Deswegen bedeutet die anschließende Betreuung
des Patienten zu Hause, d. h. die aktivierende Zuwendung
der Familie und die gezielte Arbeit von erfahrenen Therapeuten,
oft eine große Chance. Diese ambulanten Weiterbehandlung
ist nicht nur nach dem vorläufigen Abschluss der Krankenhausbehandlung
notwendig, sie kann auch eine sinnvolle Unterbrechung eines
längeren Krankenhausaufenthalt sein. Denn trotz regelmäßiger
Wochenendbeurlaubungen ist eine langer Krankenhausaufenthalt
für manche Patienten nur sehr schwer durchzuhalten.Wenn
Angehörige einen pflegebedürftigen Patienten bei sich Zuhause
versorgen wollen, bedürfen sie dabei gezielter Hilfe. Ärzte
und Krankengymnasten sollten bei der ambulanten Nachsorge
zu Hause ständig mitarbeiten. Sozialdienste können mit Beratung
helfen. Angehörigengruppen, in denen sich die Betroffenen
gegenseitig unterstützen und informieren, können ebenso
eine große Hilfe.
Zustandserhaltende
Pflege, Dauerpflege
Wenn
es sich nach oft langen, intensiven Rehabilitationsbemühungen
zeigt, dass ein Patient mit einer dauerhaft gestörten Hirnfunktionen
nicht mehr in die Lage versetzt werden kann, sich selbst
zu versorgen, braucht er für das weitere Leben eine qualifizierte
pflegerische Betreuung. Diese Aufgabe sollte von möglichst
wohnortnahen Einrichtungen übernommen werden, deren Personal
besonders erfahren im Umgang mit schwer pflegebedürftigen
Schädel-Hirn-verletzten Patienten ist. Die Weiterverlegung
zur heimatnahen Versorgung, z. B. in geeignete Pflegeheime,
wird von den Rehabilitationskliniken organisatorisch vorbereitet.
Vor allem können Angehörige, sofern eine Dauerpflege zu
Hause angestrebt wird, in solchen Abteilungen auf diese
Aufgabe vorbereitet werden.Soweit
Angehörige die sehr schwierige Aufgabe übernehmen möchten,
ein stark behindertes Familienmitglied bei sich zu Hause
weiter zu pflegen, können diese durch verschiedene, für
die ambulante Nachsorge zuständige Institutionen unterstützt
werden. Es soll die Möglichkeit geboten werden, unter Anleitung
des Pflegepersonals die alltäglichen pflegerische und therapeutischen
Maßnahmen, z. B. die Lagerungstechniken, Handhabung von
Magensonden, Blasenkathetern usw., zu erlernen.Auch
zu Hause sollen die Patienten und die Angehörigen mit ihren
Problemen nicht allein gelassen werden. Ein interdisziplinäres,
in Nachsorgemaßnahmen erfahrenes Team steht weiterhin mit
Rat und Tat zur Seite. Wenn sich zu einem späteren Zeitpunkt
beim Patienten eine Besserung abzeichnen sollte, die eine
erneute intensive Rehabilitation als sinnvoll erscheinen
lässt, so kann der Patient erneut stationär behandelt werden.
Die
Therapeuten
Wer
hilft wie?
Ärztlicher
Dienst
Die
Behandlung des Patienten wird in der Regel von Neurologen,
die auf Schädel-Hirn-Verletzungen spezialisiert sind, durchgeführt.
Den Ärzten kommt neben ihren medizinischen Aufgaben vor
allem auch eine koordinierende Funktion im Team der Therapeuten
aus den verschiedenen Fachrichtungen zu.Der
ärztlicher Dienst steht den Angehörigen für Auskünfte und
Fragen zur Verfügung. Die Ärzte helfen dabei, die Bemühungen
um den Patienten sinnvoll mit dem bestehenden Behandlungskonzept
abzustimmen.
Pflege-
und Betreuungsdienst
Der
Pflegedienst auf der Station - Pfleger, Schwestern, Schwesternhelferinnen
und Zivildienstleistende - kümmert sich rund um die Uhr
um den Patienten. Ein regelmäßiger Tagesablauf mit Waschen,
Anziehen und Essen ist wichtig für den Patienten. Im Sinne
einer aktivierenden Pflege achtet das Pflegepersonal darauf,
dass eine aktive Mithilfe des Patienten gefördert wird.
Es sorgt auch für die richtige Lagerung des Patienten, damit
es nicht zum Wund liegen (sog. Dekubitus) kommt. Durch richtige
Vorsorge wird das Entstehen einer Lungenentzündung und von
Thrombosen verhindert. Der Pflegedienst ist meist in das
Therapeutenteam eingebunden. Pflegepersonen können unter
Anleitung durch die entsprechenden Fachleute auch in vielen
Bereichen der neuropsychologischen Rehabilitation eingesetzt
werden. Gerade in der Durchführung und Anpassung von Maßnahmen
zur Verhaltensänderung, d. h. bei der Verhaltenstherapie,
haben die Pflegekräfte eine wichtige Rolle.
Krankengymnastik
Ziel
der Krankengymnastik ist es, die Bewegungsmöglichkeiten
des Patienten zu verbessern und so weit wie möglich wiederherzustellen.
Gerade in der frühen Behandlungsphase sorgen Krankengymnasten
ebenso wie die Pflegekräfte für die korrekte Lagerung des
Patienten. Sie achten besonders darauf, alle Therapiemaßnahmen
weitgehend schmerzfrei durchzuführen. Die therapeutischen
Bewegungsübungen sollen Bewegungen wieder anbahnen und der
Verkrampfung der Muskulatur (Spastik) sowie die Versteifung
der Gelenke (Kontraktur) entgegenwirken. Fehlstellungen
gilt es zu vermeiden oder, wenn sie dennoch eingetreten
sein sollten, durch verschiedene Techniken möglichst wieder
zu beheben.
Ergotherapie
Von
Ergotherapeuten werden die Handlungen des alltäglichen Lebens,
wie Waschen, Anziehen, Essen, Benutzung von Gebrauchsgegenständen
(Haushaltsgegenständen, Werkzeugen) eingeübt. Dabei wird
die Therapie auf die individuellen Anforderungen im Alltag
und auf die verbliebenen Fertigkeiten des Patienten zugeschnitten.
Der Patient soll schrittweise an ein möglichst selbstständiges
Leben mit erträglicher Lebensqualität herangeführt werden.
Orthoptik
Orthoptisten
werden in der Rehabilitation bei verletzungsbedingten Sehstörungen
eingesetzt. Bei Schädel-Hirn-verletzen Patienten arbeiten
Sie auf eine Verbesserung der verschiedenen, über die Augen
vermittelten Wahrnehmungsleistungen, wie die Übersicht im
Blickfeld oder die Raum- und Objektwahrnehmung, hin.
Sprach-
und Sprechtherapie, Logopädie
Sprach-
und Sprechtherapeuten, insbesondere Logopäden, sind auf
die Erkennung und Behandlung verschiedener Beeinträchtigungen
der sprachlichen und nichtsprachlichen Kommunikation, d.
h. von Gestik und Mimik, spezialisiert. Beim schwer Schädel-Hirn-Verletzten
muss die Fähigkeit zur Kommunikation oftmals mit der Anbahnung
einfachster sprachlicher Äußerungen, z. B. dem Wiedererlernen
einzelner Laute, beginnen. Das breite Spektrum dieses sehr
wichtigen Tätigkeitsbereichs reicht jedoch bis zur Beschäftigung
mit äußerst schwierigen sprachlichen Anforderungen, wie
dem Lesen und Schreiben oder dem Umgang mit Zahlen. In gewissen
Fällen wird es notwendig sein, bestimmte sprachliche Fertigkeiten
vorübergehend oder auf Dauer durch andere Kommunikationsmittel
zu ersetzen, wie z. B. durch eine einfache Zeigetafel oder
auch durch hochspezialisierte, spezielle für die Therapie
entwickelte Computersysteme. Aufgaben der Logopäden ist
auch die Behandlung von Kau- und Schluckstörungen. Diese
Therapien können für die Wiederherstellung eines möglichst
selbstständigen Lebens besonders wichtig sein.
Psychologie
Psychologen
werden benötigt, wenn bei einem schwer Schädel-Hirn-Verletzten
Störungen der " höheren Hirnleistungen "im Vordergrund
stehen. Gemeint sind hier vor allem Störungen der Aufmerksamkeit,
d. h. der Konzentration, des Gedächtnisses und des problemlösenden
Denkens. Zum Aufgabengebiet von Psychologen gehört im Zusammenwirken
mit den Ärzten und anderen Therapeuten auch die Beeinflussung
verschiedenartiger Verhaltensauffälligkeiten. Dazu gehören
z. B. eine erhöhte Aggressivität, Antriebsminderung oder
Depression. Selbstverständlich sind Psychologen auch in
das Gespräch mit Angehörigen und Bezugspersonen der Patienten
eingebunden.
Musiktherapie,
Freizeittherapie
Ergänzend
zu den bereits genannten Behandlungsmöglichkeiten kann mit
Musik- und Freizeittherapie, d. h. mit Spiel, Kunst, Musik,
Werken und Sport, der Patient wieder lernen, mit dem täglichen
Leben besser zurechtzukommen und einen Bezug zur Realität
zu finden.
Sozialpädagogik
In
den Krankenhäusern angestellte Sozialpädagogen unterstützen
die soziale und berufliche Wiedereingliederung. Ihr umfangreiches
Aufgabengebiet reicht von der Hilfe bei der Beantragung
eines Schwerbehindertenausweises oder der Beratung in Rentenfragen
bis zur detailgenauen Arbeitsplatzanalyse und der Begleitung
therapeutischer Arbeitsversuche. Sozialpädagogen helfen
dem Patienten bei der Bewältigung von Alltagsproblemen.
Sie stehen auch den Angehörigen bei Problemen und Fragen
zur Verfügung.
Orthopädietechnik
Durch
technische Hilfsmittel, die auf den einzelnen Krankheitsfall
abgestimmt sind, können gezielt Schwächen des Patienten
ausgeglichen und die Behandlungsziele leichter erreicht
werden. Zu denken ist hierbei z. B. an den Rollstuhl, an
Hebehilfen oder Schaumstofflagerungsschalen für das Richtige
liegen im Bett.
Mitwirkung
von AngehörigenWas
können die Angehörigen tun?
Der
Kontakt zu den engsten Bezugspersonen, der Familie, dem
Freundeskreis, ist eine wichtige Grundlage für die Genesung
des Patienten. Beim langen Krankenhausaufenthalt können
vertraute Personen dem Patienten das Gefühl von Geborgenheit
vermitteln. Eine wichtige Hilfe ist der regelmäßige Besuch,
soweit er mit der Situation in der Einrichtung vereinbar
ist. Wenn Angehörige mit ihrer vertrauten Stimme mit dem
Patienten sprechen und ihn an frühere, schöne Erlebnisse
seines Lebens erinnern, ist dies ein wichtiger Anreiz zu
Wiederorientierung. Auch können ihm persönliche Dinge, die
Angehörige von zu Hause mitbringen, helfen. Das ständige
Sprechen und Erklären von Situationen erleichtert ihm die
Orientierung und das neue Lernen. Er braucht aber immer
wieder auch Ruhepausen, um das Neugelernte zu verarbeiten.
Es ist positiv, wenn dem Patienten das Gefühl vermittelt
werden kann, dass er sich auf jemanden verlassen kann. Dazu
ist es wichtig, dass die Bezugspersonen Selbstvertrauen
und Hoffnung ausstrahlen, auch wenn dies aufgrund eigener
großer Ängste sehr schwierig ist. Mit den Fachleuten der
Einrichtung, die sich täglich um den Patienten kümmern,
sollte vertrauensvoll zusammengearbeitet werden, denn auch
sie sind wichtige Bezugspersonen für den Patienten.Um
den Angehörigen möglichst viel Nähe zum Patienten zu ermöglichen,
werden die Ärzte je nach den örtlichen Gegebenheiten das
" rooming-in " anbieten. " Rooming-in "
bedeutet, dass die Angehörigen in räumlicher Nähe mit dem
Patienten im Krankenhaus untergebracht werden können. Das
" rooming-in " richtet sich nach den persönlichen
Möglichkeiten der Bezugspersonen und der Situation des Patienten.
Angehörige können nach einer Einarbeitung und unter Anleitung
des Pflegepersonals sogar pflegerische Aufgaben übernehmen.
Das " rooming-in " soll ermöglichen, für den Patienten
eine vertraute Atmosphäre zu schaffen, die seine Angst verringert
und ihm die Wiederaufnahme des Kontaktes zu Umwelt erleichtert.
Teamwork
Wie
kommt es zu einer guten Zusammenarbeit zwischen Ärzten,
Therapeuten und Angehörigen?Die
Behandlung der Hirnschäden und deren Folgen, die ein Unfall
in Sekunden ausgelöst hat, benötigt Monate und Jahre. Sie
erfordert tägliche Kleinarbeit in den verschiedensten Bereichen.
Alle Beteiligten, die Fachleute im Krankenhaus oder in der
Rehabilitationseinrichtung sowie die Angehörigen, können
und sollen jetzt vertrauensvoll zusammenwirken. Nur die
gemeinsame Anstrengung eines Teams von Therapeuten sowie
der Angehörigen, die sorgsam abgestimmt über Fach- und Wissensgrenzen
hinweg zusammenarbeiten, können letztlich zum Erfolg führen.
Angehörige können und sollen eine aktive Funktion im gemeinsamen
Therapiekonzepte übernehmen. Dabei kann es je nach Einzelfall
gut sein, den Patienten häufig zu besuchen, es kann aber
auch manchmal für das Wohl des Patienten besser sein, wenn
sich Angehörige zurückziehen. Die jeweils richtige Hilfe
durch die Angehörigen sollte in partnerschaftliche Zusammenarbeit
mit den Ärzten und Therapeuten herausgefunden werden.
Ausblicke
Wie
geht es weiter?
Durch
eine intensive Behandlung und Rehabilitation lassen sich
in vielen Fällen Erfolge erzielen. Man sollte nicht den
Mut verlieren, auch wenn der Weg einer Besserung lange und
mühsam ist. Angehörige sollten, auch wenn es schwer fällt,
Geduld haben und Verständnis gegenüber Ärzten, Therapeuten
und dem Pflegepersonal aufbringen, die eine aufopfernde
Tätigkeit verrichten. Wenn die Hinweise der Therapeuten
beachtet werden und den Ratschlägen des Pflegepersonals
gefolgt wird, können Angehörige mit diesen zusammen an der
Wiedergenesung des Patienten arbeiten. Auch in aussichtslos
erscheinenden Fällen sind oft noch Teilerfolge möglich.
Andererseits gibt es auch Patienten, die infolge des hohen
Grades der Hirnschädigung leider keine Chance auf Besserung
und Rehabilitation mehr haben. Auch dies ist eine Realität,
mit der man zurechtkommen muss.