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Die Inhaltsübersicht

- Ambulante Nachsorge
- Zustandserhaltene Pflege, Dauerpflege
- Die Therapeuten
- Ärztlicher Dienst
- Pflege- und Betreuungsdienst
- Krankengymnastik
- Ergotherapie
- Orthoptik
- Sprach- und Sprechtherapie, Logotherapie
- Psychologie
- Musiktherapie, Freizeittherapie
- Sozialpädagogik
- Orthopädietechnik
- Mitwirkung von Angehörigen
- Teamwork
- Ausblicke



Ambulante Nachsorge

Nach der Rehabilitation in der Klinik ist meist die Behandlung noch nicht abgeschlossen. Eine weitere Verbesserung des Zustandes ist in den nächsten Monaten oder sogar Jahren noch möglich. Deswegen bedeutet die anschließende Betreuung des Patienten zu Hause, d. h. die aktivierende Zuwendung der Familie und die gezielte Arbeit von erfahrenen Therapeuten, oft eine große Chance. Diese ambulanten Weiterbehandlung ist nicht nur nach dem vorläufigen Abschluss der Krankenhausbehandlung notwendig, sie kann auch eine sinnvolle Unterbrechung eines längeren Krankenhausaufenthalt sein. Denn trotz regelmäßiger Wochenendbeurlaubungen ist eine langer Krankenhausaufenthalt für manche Patienten nur sehr schwer durchzuhalten.Wenn Angehörige einen pflegebedürftigen Patienten bei sich Zuhause versorgen wollen, bedürfen sie dabei gezielter Hilfe. Ärzte und Krankengymnasten sollten bei der ambulanten Nachsorge zu Hause ständig mitarbeiten. Sozialdienste können mit Beratung helfen. Angehörigengruppen, in denen sich die Betroffenen gegenseitig unterstützen und informieren, können ebenso eine große Hilfe.


Zustandserhaltende Pflege, Dauerpflege

Wenn es sich nach oft langen, intensiven Rehabilitationsbemühungen zeigt, dass ein Patient mit einer dauerhaft gestörten Hirnfunktionen nicht mehr in die Lage versetzt werden kann, sich selbst zu versorgen, braucht er für das weitere Leben eine qualifizierte pflegerische Betreuung. Diese Aufgabe sollte von möglichst wohnortnahen Einrichtungen übernommen werden, deren Personal besonders erfahren im Umgang mit schwer pflegebedürftigen Schädel-Hirn-verletzten Patienten ist. Die Weiterverlegung zur heimatnahen Versorgung, z. B. in geeignete Pflegeheime, wird von den Rehabilitationskliniken organisatorisch vorbereitet. Vor allem können Angehörige, sofern eine Dauerpflege zu Hause angestrebt wird, in solchen Abteilungen auf diese Aufgabe vorbereitet werden.Soweit Angehörige die sehr schwierige Aufgabe übernehmen möchten, ein stark behindertes Familienmitglied bei sich zu Hause weiter zu pflegen, können diese durch verschiedene, für die ambulante Nachsorge zuständige Institutionen unterstützt werden. Es soll die Möglichkeit geboten werden, unter Anleitung des Pflegepersonals die alltäglichen pflegerische und therapeutischen Maßnahmen, z. B. die Lagerungstechniken, Handhabung von Magensonden, Blasenkathetern usw., zu erlernen.Auch zu Hause sollen die Patienten und die Angehörigen mit ihren Problemen nicht allein gelassen werden. Ein interdisziplinäres, in Nachsorgemaßnahmen erfahrenes Team steht weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Wenn sich zu einem späteren Zeitpunkt beim Patienten eine Besserung abzeichnen sollte, die eine erneute intensive Rehabilitation als sinnvoll erscheinen lässt, so kann der Patient erneut stationär behandelt werden.


Die Therapeuten

Wer hilft wie?

Ärztlicher Dienst

Die Behandlung des Patienten wird in der Regel von Neurologen, die auf Schädel-Hirn-Verletzungen spezialisiert sind, durchgeführt. Den Ärzten kommt neben ihren medizinischen Aufgaben vor allem auch eine koordinierende Funktion im Team der Therapeuten aus den verschiedenen Fachrichtungen zu.Der ärztlicher Dienst steht den Angehörigen für Auskünfte und Fragen zur Verfügung. Die Ärzte helfen dabei, die Bemühungen um den Patienten sinnvoll mit dem bestehenden Behandlungskonzept abzustimmen.


Pflege- und Betreuungsdienst

Der Pflegedienst auf der Station - Pfleger, Schwestern, Schwesternhelferinnen und Zivildienstleistende - kümmert sich rund um die Uhr um den Patienten. Ein regelmäßiger Tagesablauf mit Waschen, Anziehen und Essen ist wichtig für den Patienten. Im Sinne einer aktivierenden Pflege achtet das Pflegepersonal darauf, dass eine aktive Mithilfe des Patienten gefördert wird. Es sorgt auch für die richtige Lagerung des Patienten, damit es nicht zum Wund liegen (sog. Dekubitus) kommt. Durch richtige Vorsorge wird das Entstehen einer Lungenentzündung und von Thrombosen verhindert. Der Pflegedienst ist meist in das Therapeutenteam eingebunden. Pflegepersonen können unter Anleitung durch die entsprechenden Fachleute auch in vielen Bereichen der neuropsychologischen Rehabilitation eingesetzt werden. Gerade in der Durchführung und Anpassung von Maßnahmen zur Verhaltensänderung, d. h. bei der Verhaltenstherapie, haben die Pflegekräfte eine wichtige Rolle.


Krankengymnastik

Ziel der Krankengymnastik ist es, die Bewegungsmöglichkeiten des Patienten zu verbessern und so weit wie möglich wiederherzustellen. Gerade in der frühen Behandlungsphase sorgen Krankengymnasten ebenso wie die Pflegekräfte für die korrekte Lagerung des Patienten. Sie achten besonders darauf, alle Therapiemaßnahmen weitgehend schmerzfrei durchzuführen. Die therapeutischen Bewegungsübungen sollen Bewegungen wieder anbahnen und der Verkrampfung der Muskulatur (Spastik) sowie die Versteifung der Gelenke (Kontraktur) entgegenwirken. Fehlstellungen gilt es zu vermeiden oder, wenn sie dennoch eingetreten sein sollten, durch verschiedene Techniken möglichst wieder zu beheben.


Ergotherapie

Von Ergotherapeuten werden die Handlungen des alltäglichen Lebens, wie Waschen, Anziehen, Essen, Benutzung von Gebrauchsgegenständen (Haushaltsgegenständen, Werkzeugen) eingeübt. Dabei wird die Therapie auf die individuellen Anforderungen im Alltag und auf die verbliebenen Fertigkeiten des Patienten zugeschnitten. Der Patient soll schrittweise an ein möglichst selbstständiges Leben mit erträglicher Lebensqualität herangeführt werden.


Orthoptik

Orthoptisten werden in der Rehabilitation bei verletzungsbedingten Sehstörungen eingesetzt. Bei Schädel-Hirn-verletzen Patienten arbeiten Sie auf eine Verbesserung der verschiedenen, über die Augen vermittelten Wahrnehmungsleistungen, wie die Übersicht im Blickfeld oder die Raum- und Objektwahrnehmung, hin.


Sprach- und Sprechtherapie, Logopädie

Sprach- und Sprechtherapeuten, insbesondere Logopäden, sind auf die Erkennung und Behandlung verschiedener Beeinträchtigungen der sprachlichen und nichtsprachlichen Kommunikation, d. h. von Gestik und Mimik, spezialisiert. Beim schwer Schädel-Hirn-Verletzten muss die Fähigkeit zur Kommunikation oftmals mit der Anbahnung einfachster sprachlicher Äußerungen, z. B. dem Wiedererlernen einzelner Laute, beginnen. Das breite Spektrum dieses sehr wichtigen Tätigkeitsbereichs reicht jedoch bis zur Beschäftigung mit äußerst schwierigen sprachlichen Anforderungen, wie dem Lesen und Schreiben oder dem Umgang mit Zahlen. In gewissen Fällen wird es notwendig sein, bestimmte sprachliche Fertigkeiten vorübergehend oder auf Dauer durch andere Kommunikationsmittel zu ersetzen, wie z. B. durch eine einfache Zeigetafel oder auch durch hochspezialisierte, spezielle für die Therapie entwickelte Computersysteme. Aufgaben der Logopäden ist auch die Behandlung von Kau- und Schluckstörungen. Diese Therapien können für die Wiederherstellung eines möglichst selbstständigen Lebens besonders wichtig sein.


Psychologie

Psychologen werden benötigt, wenn bei einem schwer Schädel-Hirn-Verletzten Störungen der " höheren Hirnleistungen "im Vordergrund stehen. Gemeint sind hier vor allem Störungen der Aufmerksamkeit, d. h. der Konzentration, des Gedächtnisses und des problemlösenden Denkens. Zum Aufgabengebiet von Psychologen gehört im Zusammenwirken mit den Ärzten und anderen Therapeuten auch die Beeinflussung verschiedenartiger Verhaltensauffälligkeiten. Dazu gehören z. B. eine erhöhte Aggressivität, Antriebsminderung oder Depression. Selbstverständlich sind Psychologen auch in das Gespräch mit Angehörigen und Bezugspersonen der Patienten eingebunden.


Musiktherapie, Freizeittherapie

Ergänzend zu den bereits genannten Behandlungsmöglichkeiten kann mit Musik- und Freizeittherapie, d. h. mit Spiel, Kunst, Musik, Werken und Sport, der Patient wieder lernen, mit dem täglichen Leben besser zurechtzukommen und einen Bezug zur Realität zu finden.


Sozialpädagogik

In den Krankenhäusern angestellte Sozialpädagogen unterstützen die soziale und berufliche Wiedereingliederung. Ihr umfangreiches Aufgabengebiet reicht von der Hilfe bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises oder der Beratung in Rentenfragen bis zur detailgenauen Arbeitsplatzanalyse und der Begleitung therapeutischer Arbeitsversuche. Sozialpädagogen helfen dem Patienten bei der Bewältigung von Alltagsproblemen. Sie stehen auch den Angehörigen bei Problemen und Fragen zur Verfügung.


Orthopädietechnik

Durch technische Hilfsmittel, die auf den einzelnen Krankheitsfall abgestimmt sind, können gezielt Schwächen des Patienten ausgeglichen und die Behandlungsziele leichter erreicht werden. Zu denken ist hierbei z. B. an den Rollstuhl, an Hebehilfen oder Schaumstofflagerungsschalen für das Richtige liegen im Bett.


Mitwirkung von AngehörigenWas können die Angehörigen tun?

Der Kontakt zu den engsten Bezugspersonen, der Familie, dem Freundeskreis, ist eine wichtige Grundlage für die Genesung des Patienten. Beim langen Krankenhausaufenthalt können vertraute Personen dem Patienten das Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Eine wichtige Hilfe ist der regelmäßige Besuch, soweit er mit der Situation in der Einrichtung vereinbar ist. Wenn Angehörige mit ihrer vertrauten Stimme mit dem Patienten sprechen und ihn an frühere, schöne Erlebnisse seines Lebens erinnern, ist dies ein wichtiger Anreiz zu Wiederorientierung. Auch können ihm persönliche Dinge, die Angehörige von zu Hause mitbringen, helfen. Das ständige Sprechen und Erklären von Situationen erleichtert ihm die Orientierung und das neue Lernen. Er braucht aber immer wieder auch Ruhepausen, um das Neugelernte zu verarbeiten. Es ist positiv, wenn dem Patienten das Gefühl vermittelt werden kann, dass er sich auf jemanden verlassen kann. Dazu ist es wichtig, dass die Bezugspersonen Selbstvertrauen und Hoffnung ausstrahlen, auch wenn dies aufgrund eigener großer Ängste sehr schwierig ist. Mit den Fachleuten der Einrichtung, die sich täglich um den Patienten kümmern, sollte vertrauensvoll zusammengearbeitet werden, denn auch sie sind wichtige Bezugspersonen für den Patienten.Um den Angehörigen möglichst viel Nähe zum Patienten zu ermöglichen, werden die Ärzte je nach den örtlichen Gegebenheiten das " rooming-in " anbieten. " Rooming-in " bedeutet, dass die Angehörigen in räumlicher Nähe mit dem Patienten im Krankenhaus untergebracht werden können. Das " rooming-in " richtet sich nach den persönlichen Möglichkeiten der Bezugspersonen und der Situation des Patienten. Angehörige können nach einer Einarbeitung und unter Anleitung des Pflegepersonals sogar pflegerische Aufgaben übernehmen. Das " rooming-in " soll ermöglichen, für den Patienten eine vertraute Atmosphäre zu schaffen, die seine Angst verringert und ihm die Wiederaufnahme des Kontaktes zu Umwelt erleichtert.


Teamwork

Wie kommt es zu einer guten Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Therapeuten und Angehörigen?Die Behandlung der Hirnschäden und deren Folgen, die ein Unfall in Sekunden ausgelöst hat, benötigt Monate und Jahre. Sie erfordert tägliche Kleinarbeit in den verschiedensten Bereichen. Alle Beteiligten, die Fachleute im Krankenhaus oder in der Rehabilitationseinrichtung sowie die Angehörigen, können und sollen jetzt vertrauensvoll zusammenwirken. Nur die gemeinsame Anstrengung eines Teams von Therapeuten sowie der Angehörigen, die sorgsam abgestimmt über Fach- und Wissensgrenzen hinweg zusammenarbeiten, können letztlich zum Erfolg führen. Angehörige können und sollen eine aktive Funktion im gemeinsamen Therapiekonzepte übernehmen. Dabei kann es je nach Einzelfall gut sein, den Patienten häufig zu besuchen, es kann aber auch manchmal für das Wohl des Patienten besser sein, wenn sich Angehörige zurückziehen. Die jeweils richtige Hilfe durch die Angehörigen sollte in partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Ärzten und Therapeuten herausgefunden werden.


Ausblicke

Wie geht es weiter?

Durch eine intensive Behandlung und Rehabilitation lassen sich in vielen Fällen Erfolge erzielen. Man sollte nicht den Mut verlieren, auch wenn der Weg einer Besserung lange und mühsam ist. Angehörige sollten, auch wenn es schwer fällt, Geduld haben und Verständnis gegenüber Ärzten, Therapeuten und dem Pflegepersonal aufbringen, die eine aufopfernde Tätigkeit verrichten. Wenn die Hinweise der Therapeuten beachtet werden und den Ratschlägen des Pflegepersonals gefolgt wird, können Angehörige mit diesen zusammen an der Wiedergenesung des Patienten arbeiten. Auch in aussichtslos erscheinenden Fällen sind oft noch Teilerfolge möglich. Andererseits gibt es auch Patienten, die infolge des hohen Grades der Hirnschädigung leider keine Chance auf Besserung und Rehabilitation mehr haben. Auch dies ist eine Realität, mit der man zurechtkommen muss.


 

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