Fluoreszenz verrät Krebs in der Mundhöhle
11.04.2006 - Tiefblaues Licht kann Zahnärzten auf drohenden Mundhöhlenkrebs aufmerksam machen. Darauf deuten Resultate einer Pilotstudie hin, die kanadische Mediziner im "Journal of Biomedical Optics" vorstellen. Durch das kurzwellige Licht zum Leuchten angeregt, fallen potenziell gefährliche Veränderungen durch eine anormale Fluoreszenz auf.

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Allein in Deutschland wird jedes Jahr bei etwa 10.000 Personen Mundhöhlenkrebs diagnostiziert. Die neue Technik könnte helfen, die Erkrankung bereits im Rahmen zahnärztlicher Kontrolluntersuchungen aufzuspüren, hoffen Pierre Lane vom British Columbia Cancer Research Center in Vancouver und seine Kollegen. Dies sei umso wichtiger, als im frühen Stadium gute Heilungschancen beständen, die Gewebeveränderungen jedoch häufig übersehen oder für harmlos gehalten würden.
Krebszellen unterscheiden sich in ihrem Stoffwechsel und damit häufig auch in ihrer Fluoreszenz von den Zellen in ihrer Umgebung. Mit Licht einer Wellenlänge von 400 bis 460 Nanometern angeregt, senden normale Mundschleimhaut schwach-grünes Licht aus, während Tumoren oder Vorstufen davon dunkelgrün bis schwarz erscheinen.
Lane und Kollegen testeten nun, wie verlässlich dieses Unterscheidungsmerkmal ist. Dazu führten sie eine Fluoreszenz-Musterung bei 44 Personen mit Gewebeauffälligkeiten in der Mundhöhle durch. Alle Teilnehmer unterzogen sich zudem einer Biopsie zur definitiven Abklärung der Veränderungen. Anhand der Fluoreszenz konnten alle Fälle von unbedenklichen Läsionen und bereits bestehendem Krebs identifiziert werden, berichten die Mediziner. In einem Fall sei eine potenzielle Krebsvorstufe fälschlicherweise als unverdächtig eingestuft worden.
Forschung: Pierre M. Lane, Miriam P. Rosin und Calum E. MacAulay, British Columbia Cancer Research Center, Vancouver; und andere
Veröffentlicht in Journal of Biomedical Optics, Vol. 11(2), Artikel 024006, DOI 10.1117/1.2193157
Quelle: Scienceticker
Hoffnungsfalle Mammografie
Umfrage: Zwei von drei untersuchten Frauen glauben, damit Brustkrebs verhindern zu können
Baierbrunn - 15.03.2006 - Bei einem Großteil der deutschen Frauen herrscht eine völlig falsche Vorstellung über die Möglichkeiten der Mammografie. Das muss aus den Ergebnissen einer repräsentativen GfK-Umfrage im Auftrag des Gesundheitsmagazins "Apotheken Umschau" geschlossen werden.
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Fast zwei Drittel der Frauen (62,3 Prozent), die schon einmal eine Mammografie hatten durchführen lassen, gaben als Begründung an: "Weil ich damit Brustkrebs verhindern kann." 75 Prozent der Untersuchten glauben, damit ihr Risiko zu verringern, an Brustkrebs zu erkranken. Die Realität ist anders: Die Mammografie dient dazu, Brustkrebs zu erkennen. Sie kommt zum Einsatz, wenn ein Verdacht, etwa nach einer Tastuntersuchung, besteht. Beim "Mammografie-Screening" handelt es sich um eine Früherkennungs-Methode. Sie steht Frauen zwischen 50 und 69 Jahren auf Krankenkassenkosten zu. Wie die Umfrage zeigt, müssen Ärzte und Institutionen noch viel Arbeit in differenzierte Aufklärung investieren.
Quelle: Zum Thema "Mammografie" führte die GfK Marktforschung Nürnberg im Auftrag der "Apotheken Umschau" eine repräsentative Umfrage bei 1.028 Frauen ab 14 Jahren durch.
Quelle:
Wort und Bild - Apotheken Umschau
Metastasen früh und zuverlässig aufspüren
21.04.2005 - Ein neues Verfahren zur Erkennung von Tumor- und Herzerkrankungen wird nun im klinischen Alltag eingesetzt: Die weltweit ersten SPECT•CT-Systeme von Siemens sind an der Uniklinik in Erlangen und der University of Michigan Health System (UMHS) in Ann Arbor in Betrieb genommen worden. Die Geräte ermöglichen Ärzten frühere, genauere und zuverlässigere Diagnosen, was die Chancen der Patienten auf Heilung erheblich verbessert.

Das System kombiniert erstmals die Empfindlichkeit der SPECT-Technik (Single-Photon Emission Computertomographie), die die Funktionen von Zellen im Körper darstellen kann, mit den detaillierten anatomischen Informationen der Mehrschicht-Computertomographie. Das Gerät heißt Symbia TruePoint SPECT•CT. Das nuklearmedizinische Verfahren SPECT liefert Ärzten Informationen über Organfunktionen, Zellstoffwechsel und andere Vorgänge im menschlichen Körper. Dabei bekommen Patienten sehr geringe Mengen radioaktiver Substanzen verabreicht, die je nach Art der Untersuchung in verschiedenen Organen kurzzeitig gespeichert werden. Die von dieser Substanz (und somit dem Patienten) ausgehende Gammastrahlung (Photonen) wird von einer speziellen Kamera erfasst und daraus ein dreidimensionales Schichtbild erstellt. Durch eine Überlagerung der Daten mit den Schichtbildern eines Computertomographen kann der Arzt erkennen, an welchen Stellen im Körper Erkrankungen vorliegen. Dabei handelt es sich um Bereiche, die weniger als ein Millimeter groß sind.
Das Universitätsklinikum Erlangen setzt die neue Technik unter anderem bei Krebs ein. So werden bei Patienten mögliche Metastasen frühzeitig erkannt. Der Arzt kann dann sofort entscheiden, ob er die bisherige Behandlung fortsetzen muss oder nicht. Dadurch können unnötige Operationen vermieden und Risiken bei Eingriffen gesenkt werden. Innerhalb einer Stunde ist die Untersuchung beendet, die zuvor mit verschiedenen Systemen zwei Tage erforderte. Denn nun können bei einem Untersuchungstermin beide Verfahren angewendet werden.
Auch Herzpatienten profitieren von dem neuen System: Nach Herzinfarkten können die Kardiologen schnell und genau feststellen, wo und in welchem Ausmaß der Herzmuskel des Patienten durch mangelnde Blutversorgung geschädigt wurde.
Quelle: Siemens Innovations News (IN 2005.04.5)
Sanfte Mundkrebsdiagnostik durch Bürstenbiopsie
17.02.2005 - Mundkrebs gehört weltweit zu den zehn häufigsten Tumoren des Menschen. Allein in Deutschland erkranken jährlich 7650 Männer und 2950 Frauen neu an diesem Krebs, wobei innerhalb von fünf Jahren durchschnittlich die Hälfte der erkrankten Patienten verstirbt. Frühzeitig erkannt, ist diese Form des Krebses jedoch heilbar. Nur durch eine frühzeitige Abklärung von Mundschleimhautveränderungen, z.B. in Form von weißlichen oder rötlichen Flecken, wird es möglich sein, die Erkrankungsrate und Sterblichkeit zu senken. Viele Patienten scheuen aber die Gewebeentnahme mit örtlicher Betäubung, Ausschneidung mit dem Skalpell, Naht und Nachkontrolle, die Voraussetzung für eine feingewebliche, histologische Untersuchung ist.

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Die Professoren Alfred Böcking und Jürgen Becker vom Universitätsklinikum Düsseldorf haben jetzt ein unblutiges Verfahren entwickelt, das sich mit der histologischen Beurteilung messen und unnötige Probeexzisionen vermeiden kann. Die Entnahme von Zellen aus der verdächtigen Mundschleimhautregionen geschieht mit einem Bürstchen. Der Zahnarzt überträgt die so gewonnenen Zellen auf einen Glasobjektträger und fixiert sie sofort mit einem alkoholischen Spray. Diese Zellen werden dann vom Pathologen unter dem Mikroskop nach den in der Zytopathologie gebräuchlichen Kriterien begutachtet.
Diese Entnahmetechnik stellt eine einfache, vom behandelnden Arzt schnell durchzuführende und den Patienten nicht belastende Methode zur Mundkrebsfrüherkennung dar. Da mit dem Verfahren Mundkrebs häufiger im Frühstadium erkannt und behandelt werden kann, lässt die Methode signifikant verbesserte Heilungschancen bei Mundkrebs erwarten.
Zahnärzte haben die Möglichkeit, bei Vorliegen einer Leukoplakie jährlich einen Abstrich zur Mundkrebserkennung vorzunehmen. Die Methode ist als Kassenleistung in die Gebührenordnung für Zahnärzte (BEMA) aufgenommen.
Wie bei jeder Anwendung einer neuen Technik ist den Zahnärzten eine individuelle Schulung dringend zu empfehlen. Ebenso wird die "Akademie für Fortbildung in der Morphologie" im Jahr 2005 bundesweit Kurse in "Zytologischer Diagnostik der Mundschleimhaut" für Pathologen und ihr Assistenzpersonal anbieten.
Ärzte und Patienten finden weitere Informationen zu diesem neuen diagnostischen Verfahren unter http://www.Sanfte-Krebsdiagnostik.de .
Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Neuer Ansatz zur Behandlung von viralen Infektionen
03.02.2005 - Wissenschafter des Dana Farber Cancer Institute haben nachgewiesen, dass ein experimentelles Medikament gegen das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen die Vermehrung des Pockenvirus verhindern kann. Im Tierversuch verhinderte das Medikament, dass Mäuse an dem eng verwandten Virus Vaccinia starben. Bisher haben Medikamente gegen virale Infektionen nicht auch nur annähernd so gute Ergebnisse erzielt wie Antibiotika. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Clinical Investigation veröffentlicht.
Viren verbreiten sich durch das Eindringen in eine Zelle und die Übernahme der Funktionen, die von sich aktiv teilenden Zellen zur Vermehrung ihrer eigenen DNA eingesetzt werden. Die am häufigsten Viren ausgesetzten Zellen wie die der Haut oder des Inneren der Lunge teilen sich nicht aktiv und haben diese Funktion daher deaktiviert. Viren wie Pocken haben jedoch gelernt, wie sie diesen Mechanismus durch eigene Kopien der Hormone und Wachstumsfaktoren wieder aktivieren können. Da die zu starke Expression der Rezeptoren für diese Wachstumsfaktoren in Krebszellen eine Ursache für das unkontrollierte Wachstum von Krebs ist, hat sich die Forschung auf die Suche nach Molekülen konzentriert, die diese Rezeptoren blockieren.
Das Team um Ellis Reinherz hatte bereits entdeckt, dass Pocken und verwandte Viren Moleküle produzieren, die jenen Wachstumsfaktoren ähnlich sind, die vom Körper natürlich produziert werden, um diese Rezeptoren, erb-B1, mit Informationen zu versorgen. Sie nutzen diese Faktoren um die Vermehrung der Wirtszellen wieder zu aktivieren. Wenn die stimulierende Aktivität der viralen Faktoren blockiert ist, dann kann das virale Wachstum verringert werden. Die Forscher setzten ein experimentelles Krebsmedikament zur Blockierung des erb-B1 Rezeptors ein. Es zeigte sich in der Zellkultur, dass so die Vermehrung des Pockenvirus bei menschlichen Zellen tatsächlich gestoppt werden konnte.
In der Folge wurde das Medikament Mäusen verabreicht, die mit Vaccinia infiziert wurden. Das Medikament rettete alle behandelten Mäuse bei Dosierungen, die bei unbehandelten Tieren zum Tod führten. Die Wirkung verbesserte sich durch die Kombination mit einem sehr spezifischen Antikörper weiter. Der kombinierte Ansatz erzielte bessere Ergebnisse als der getrennte Einsatz der beiden Substanzen. Verantwortlich dafür könnte laut NewScientist die starke Stimulierung der eigenen Immunreaktion der Mäuse sein. Ein Nachteil bestand laut Reinherz darin, dass die Behandlung nur funktionierte, wenn das Medikament vor dem Virus verabreicht wurde. Eine später einsetzende Behandlung verringerte die Schwere der Infektion. Sie konnte den Tod der Tiere jedoch nicht verhindern. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass bei einer sich langsamer entwickelnden Krankheit, wie Pockeninfektionen beim Menschen, der kombinierte Ansatz bessere Erfolgsaussichten haben könnte. Entscheidend sei jedoch, dass dieser Ansatz nicht auf das Virus selbst abziele.
Quelle: Dana Farber Cancer Institute
Spezifisches Reha-Programm für Patienten mit Multiplem Myelom / Plamozytom
Ganzheitliches medizinisches Konzept zur Linderung der therapie- und krankheitsbedingten Nebenwirkungen
26.01.2005 - Patienten mit Multiplem Myelom, auch Plasmozytom genannt, haben heute dank innovativer und intensivierter Therapieverfahren eine längere Lebenserwartung, leiden jedoch häufig unter gravierenden Krankheits- und Therapiefolgen. Um für die Betroffenen eine Verbesserung der Lebensqualität zu ereichen, wurde an der Klinik für Tumorbiologie Freiburg ein spezielles Rehabilitationsprogramm entwickelt. Ausgehend von einem ganzheitlichen medizinischen Ansatz werden dabei sowohl die krankheitsspezifischen Probleme des Patienten als auch seine gesundheitsfördernden Ressourcen berücksichtigt. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitforschung wird das Reha-Programm im Hinblick auf Prozess- und Ergebniskriterien evaluiert.
Jährlich erkranken 2000 bis 3000 Menschen in Deutschland neu an einem Multiplen Myelom, das nach wie vor als unheilbar gilt. Dank der Entwicklung neuer Therapieverfahren konnten die Behandlungsmöglichkeiten jedoch so erweitert werden, dass das Multiple Myelom heute in vielen Fällen eine chronische Erkrankung ist. Krankheitsverläufe von über zehn Jahren sind keine Seltenheit, häufig aber um den Preis erheblicher therapie- und krankheitsbedingter Einschränkungen. Hier setzt das neue Rehabilitationsprogramm an. Grundlagen sind eine strukturierte, multidisziplinäre Diagnostik (Assessment), spezifische Therapien für Myelompatienten sowie diagnoseübergreifende Therapieangebote. Neben der etablierten Rehabilitationsdiagnostik liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der individuellen Erfassung im Bereich der Physiotherapie, Psychoonkologie und Neuropsychologie. Darauf aufbauend wird gemeinsam mit dem Patienten der Therapieplan erstellt.
Zu den myelomspezifischen Therapieelementen gehören Informations- und Gesprächsangebote rund um das Thema Multiples Myelom. Für Patienten, bei denen die erhöhte Gefahr von Knochenbrüchen besteht, wurde eine onkologisch-orthopädische Konferenz eingerichtet, an der ein rehabilitationserfahrener Orthopäde, ein Orthopädietechniker, ein Physiotherapeut und der behandelnde Arzt teilnehmen. Ziel dieser interdisziplinären Zusammenarbeit ist eine möglichst optimale orthetische Versorgung (orthopädietechnische Stützversorgung zur Verhinderung von Knochenbrüchen), die den Blick nicht nur auf die Muskeln und Knochen des Patienten lenkt, sondern auch dessen individuellen Lebensstil und die individuellen Lebensbedingungen berücksichtigt. Hinzu kommt ein Spektrum von diagnoseübergreifenden Rehabilitationsmaßnahmen aus den Bereichen Physiotherapie, Naturheilkunde, Psychoonkologie und Kunsttherapie.
Das Rehabilitationsprogramm für Patienten mit Multiplem Myelom, Plasmozytom und Morbus Waldenström baut auf langjährigen Erfahrungen in der Rehabilitation komplexer hämato-onkologischer Erkrankungen auf. So wurden in den vergangenen zehn Jahren an der Klinik für Tumorbiologie über 1500 Patienten nach hämatologischen Stammzelltransplantationen in einer Rehabilitation betreut. Die Klinik ist Mitglied im rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsverbund Freiburg - Bad Säckingen und dadurch eingebunden in ein Netz kooperierender Kliniken und Institute.
Stichwort: Multiples Myelom
Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung des höheren Erwachsenenalters, 20 Prozent der Betroffenen sind allerdings unter 60 Jahren. Entartete Zellen des Immunsystems, so genannte B-Lymphozyten beziehungsweise Plasmazellen, produzieren im Übermaß immer das gleiche Immuneiweiß (Antikörper) - mit dem Ergebnis, dass es zu einer Immunschwäche kommt. Regional kann dies mit dem Abbau von Knochen und Einschränkungen der Nierenfunktion einhergehen. Durch die Verstopfungen der Niere mit "falschen" Eiweißen drohen den Betroffenen Einschränkungen der Nierenfunktion. Folgen sind vermehrte Infekte, Knochenbrüche und unter Umständen auch die Notwendigkeit einer Dialysebehandlung (Blutwäsche).
Die dem Ausbruch der Erkrankung zugrunde liegenden molekularen Krankheitsprozesse werden seit einigen Jahren zunehmend besser verstanden. Ursächlich spielen erworbene Gendefekte eine Rolle. Besser als früher ist man heute in der Lage prognostisch ungünstige Myelomerkrankungen von solchen mit günstiger Prognose zu unterscheiden. Die therapeutischen Möglichkeiten können heute gezielter an die individuelle Erkrankungssituation angepasst werden. Zum einen gibt es neue medikamentöse Behandlungsansätze, zum anderen konnte gezeigt werden, dass für einen Teil der Erkrankten durch eine Intensivierung der Therapie unter Einsatz von Blutstammzellen die Lebensqualität und die Lebenserwartung deutlich gesteigert werden kann.
Quelle: Klinik für Tumorbiologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Valproinsäure als Krebsmedikament - Fritz-Acker-Preis 2004 an Professor Dr. Jindrich Cinatl verliehen
29.11.2004 - Die Verdienste von Professor Dr. Jindrich Cinatl, Leiter des Interdisziplinären Labors für Tumor- und Virusforschung am Institut für Medizinische Virologie (Direktor: Prof. Dr. Hans Wilhelm Doerr), Universitätsklinikum Frankfurt am Main, auf dem Gebiete der Krebsforschung sind in jüngster Zeit in zweifacher Hinsicht von unabhängiger Seite gewürdigt worden.
So erhielt Professor Cinatl für seine pädiatrisch-onkologischen Arbeiten den Fritz-Acker-Preis 2004. Der Fritz-Acker-Preis ist mit € 5.000,- dotiert und wird jährlich von der Fritz-Acker-Stiftung an Wissenschaftler verliehen, die sich auf dem Fachgebiet der Krebsforschung oder der Herzleiden besonders verdient gemacht haben.
Die Auszeichnung wurde Professor Cinatl, der darüber hinaus aufgrund seiner Leistungen auf dem Sektor der Onkologie mit Wirkung zum 1. Januar 2005 in das Editorial Board der internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift International Journal of Oncology berufen worden ist, im wesentlichen für seine Untersuchung der Valproinsäure als Krebsmedikament verliehen.
Valproinsäure wird seit den 60er Jahren als Antiepileptikum und zur Behandlung neurologischer Erkrankungen therapeutisch eingesetzt. Professor Cinatl hatte mit seiner Arbeitsgruppe bereits Mitte der 90er Jahre die antitumorale Wirkung therapeutischer Valproinsäure-Konzentrationen gegenüber Neuroblastomzellen weltweit erstmalig erkannt und propagiert (1,2).
Die initialen Ergebnisse des Interdisziplinären Labors führten 1999 zur Aufnahme der Valproinsäure in die HIT-GBM-C-Studie zur Behandlung von malignen Gliomen des Kindesalters durch die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH), der weltweit ersten klinischen Untersuchung von Valproinsäure als antitumoraler Substanz.
Die ersten Auswertungen dieser Studie, in deren Rahmen Valproinsäure zur Behandlung pädiatrischer Gliompatienten eingesetzt wurde, bei denen es nach Operation, Chemotherapie und Bestrahlung zu Rezidiven gekommen war, ergab ein Ansprechen auf die Therapie bei ca. 20 Prozent der Behandelten. Bei ca. 10 Prozent der behandelten Patienten führte die Valproinsäure-Behandlung zu einer Komplett-Remission (3).
In der Zwischenzeit wird Valproinsäure weltweit sowohl experimentell als auch klinisch zur Behandlung unterschiedlicher Krebserkrankungen untersucht. Aktuelle experimentelle Befunde aus Professors Cinatls Arbeitsgruppe zeigen, dass Valproinsäure die Angiogenese, d.h. die Bildung neuer Blutgefäße (4) hemmt.
"Der Befund, dass Valproinsäure die Gefäßbildung hemmt, zeigt einen neuen, bisher unentdeckten potentiellen antitumoralen Wirkmechanismus der Valproinsäure auf. Da Tumoren für ihr Wachstum auf die Ausbildung eines versorgenden Blutgefäßsystems angewiesen sind, wird die Hemmung der Tumorgefäßbildung zur Zeit intensiv als antitumorale Behandlungsstrategie untersucht", äußert sich Professor Cinatl. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen am Mausmodell, dass die Kombination von Valproinsäure mit Interferon-a bei einem Drittel der Tiere zur Heilung von humanen Neuroblastom-Tumoren führt (5).
Referenzen
1. Cinatl J Jr, Cinatl J, Scholz M, Hernáiz Driever P, Henrich D, Kabickova H, Vogel JU, Doerr HW, Kornhuber B. Antitumor activity of sodium valproate in cultures of human neuroblastoma cells. Anticancer Drugs 1996;7:766-73.
2. Cinatl J Jr, Cinatl J, Hernáiz Driever P, Kotchetkov R, Pouckova P, Kornhuber B, Schwabe D. Sodium valproate inhibits in vivo growth of human neuroblastoma cells. Anticancer Drugs 1997;8:958-63.
3. Blaheta RA, Michaelis M, Hernáiz Driever P, Cinatl J Jr. The evolving anticancer drug valproic acid: Insights into the mechanism and clinical studies. Med Res Rev in press
4. Michaelis M, Michaelis UR, Fleming I, Suhan T, Cinatl J, Blaheta RA, Hoffmann K, Kotchetkov R, Busse R, Nau H, Cinatl J Jr. Valproic acid inhibits angiogenesis in vitro and in vivo. Mol Pharmacol 2004;65:520-7.
5. Michaelis M, Suhan T, Cinatl J, Hernáiz Driever P, Cinatl J Jr. Valproic acid and interferon-alpha synergistically inhibit neuroblastoma cell growth in vitro and in vivo. Int J Oncol 2004;25:1795-9.
Quelle: Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.
Krebs und Bildungsniveau
Über die Auswirkungen von Sozialstatus und Lebensgewohnheiten auf das Krebsrisiko
05.07.2004 - Das Risiko an Mundhöhlenkrebs zu erkranken ist im hohen Maße vom sozialen Status der Menschen abhängig: Patienten mit Tumor im Mundraum haben im Vergleich zu Durchschnittsbürgern ein deutlich niedrigeres Bildungsniveau, waren längere Zeit arbeitslos und sind in größerer Zahl alleinstehend. Mundhöhlenkrebs zählt weltweit zu den am häufigsten vorkommenden Krebsarten. Dabei ist diese Erkrankung auch eine der gefährlichsten und tödlichsten: Für circa die Hälfte aller Betroffenen kommt trotz medizinischer Fortschritte jede Hilfe zu spät. Um so wichtiger ist es, Ursachenforschung zu betreiben, damit krebsfördernde Umstände frühzeitig erkannt und nach Möglichkeit beseitigt werden können. Dr. Birgit Imping vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität zu Köln widmet sich genau dieser Aufgabe und kommt dabei in ihrer Studie zu erstaunlichen Ergebnissen.
Neunzig Prozent der von ihr untersuchten Tumorpatienten haben nur eine niedrige Schulbildung (Hauptschulabschluss oder ähnliches). Einen Abschluss mit Abitur können dagegen nur weniger als sechs Prozent der Untersuchungsteilnehmer vorweisen. Ebenfalls auffällig ist die im Vergleich zur Durchschnittsquote doppelt so hohe Arbeitslosigkeit bei den betroffenen Patienten sowie der mit einem Fünftel bemessene Anteil an Personen im Vorruhestand.
Die Kölner Medizinerin sieht in diesen Ergebnissen die These bestätigt, dass eine angemessene berufliche Betätigung die Wertschätzung der eigenen Person steigert, was sich wiederum positiv auf das Gesundheitsverhalten der Menschen auswirkt. Bleibt der soziale und berufliche Erfolg versagt, sinkt das Selbstvertrauen und damit auch häufig die Sorge um die eigene Gesundheit. Ein höheres Krebsrisiko ist die Folge. Im Falle des Mundhöhlenkrebses spiegelt sich dies vor allem in einer mehr als mangelhaften Mundhygiene wider: Regelmäßige Zahnarztbesuche werden genauso vernachlässigt wie tägliches Zähneputzen. Nur ein Fünftel der Untersuchten erfüllte die Kriterien für gute Mundhygiene.
Ein niedriges Selbstwertgefühl geht oft auch einher mit Alkoholmissbrauch und starkem Tabakkonsum. Die übermäßige Einnahme der beiden Substanzen fördert die Ausbreitung bösartiger Tumore im Mundraum. So ist es kein Wunder, dass die von Dr. Imping untersuchten Patienten häufiger und mehr zum Glimmstengel greifen als Durchschnittsdeutsche. Alkohol begünstigt noch zusätzlich die schädliche Wirkung des Rauchens, kann - im Überfluss genossen - aber auch bei Nichtrauchern zu Mundhöhlenkrebs führen: Zwei Drittel aller derartigen Tumore entstehen allein aufgrund von exzessivem Alkoholkonsum.
Mit der Verdeutlichung der Ursachen von Mundhöhlenkrebs glaubt die Kölner Medizinerin Zahnärzten eine nützliche Hilfe für die frühzeitige Erkennung von gefährdeten Personen gegeben zu haben. Ein niedriger sozialer Status verbunden mit schlechter Gesundheitsvorsorge und damit einhergehender mangelhafter Mundhygiene sind erste Alarmzeichen. Gesellen sich noch Alkohol und Tabak hinzu, ist es höchste Zeit zum Handeln.
Quelle: Martin Fritz / Universität zu Köln