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Die Inhaltsübersicht

- Familiärer Kleinwuchs
- Konstitutioneller Kleinwuchs
- Hormonaler Kleinwuchs
- Chromosomen-Erkrankungen
- Skelett-Erkrankungen


Formen des Kleinwuchses

1. Familiärer Kleinwuchs

Bei Kindern mit familiärem Kleinwuchs ist keine krankhafte Ursache vorhanden, lediglich die Körpermaße sind unterdurchschnittlich. Dieser Kleinwuchs ist erblich bedingt, ein oder beide Eltern sind meist ebenfalls klein. Die Wachstumsgeschwindigkeit ist geringer, aber meist noch normal. Das Wachstum dieser Kinder verläuft zwar unterhalb, aber stets parallel zu den Durchschnittswerten der Bevölkerung.


2. Konstitutioneller Kleinwuchs

Bei Kindern mit konstitutioneller Entwicklungsverzögerung ist die biologische Reifung verzögert. Die erblich vorgesehene Körperhöhe wird ein bis mehrere Jahre später erreicht als im Durchschnitt der Bevölkerung. Die zu erwartende Endgröße liegt jedoch in dem von den Erbinformationen der Eltern vorgegebenen Bereich. Messbar wird die Verzögerung des Reifungsalters durch die Bestimmung des Knochenalters, das dem biologischen Alter entspricht.


3. Hormonaler Kleinwuchs

Dieser Kleinwuchs beruht darauf, dass ein oder mehrere für das Wachstum notwendige Hormone fehlen oder in wesentlich geringerem Maße vom Körper gebildet werden, als für den normalen Wachstumsverlauf erforderlich. Hierzu gehören hauptsächlich das Wachstumshormon der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und andere übergeordnete stimulierende Hormone dieser Drüse, ferner die Hormone der Schilddrüse, der Bauchspeicheldrüse und bei einsetzender Pubertät die Geschlechtshormone der Nebennierenrinde.

  Ohne entsprechenden medikamentösen Ersatz der dem Körper fehlenden notwendigen Hormone (Substitution) bleiben die Kinder auffällig kleinwüchsig.
Menschen, deren Kleinwuchs auf einen Mangel oder Ausfall von Wachstumshormon zurückzuführen ist, weisen häufig eine schmächtige, aber wohlproportionierte Körpergestalt auf, die sich aus einer ausgewogenen Relation zwischen den Extremitäten und dem Rumpf ergibt. Ohne Therapie erreichen sie eine Größe zwischen 130 und 150 Zentimeter oder etwas mehr. Ihre Intelligenz ist normal.

3.1 Hypophysärer Kleinwuchs

  Hypophysärer Kleinwuchs wird hervorgerufen durch Mangel oder Fehlen von Wachstumshormonen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Gegenüber den meisten anderen Kleinwuchsformen ist bei hypophysärem Kleinwuchs eine Therapie möglich und bei rechtzeitigem Einsetzen praktisch immer erfolgreich.

3.2 Hypothyreose

  Mit Hypothyreose wird eine Unterfunktion der Schilddrüse bezeichnet. Diese Mangelerscheinung kann bei nicht rechtzeitiger Behandlung neben dem Kleinwuchs auch zu einer Intelligenzminderung führen, was bei den anderen Kleinwuchsformen im allgemeinen nicht der Fall ist. Die meisten Fälle werden sofort nach der Geburt entdeckt, da in Deutschland alle Kinder routinemäßig hierauf untersucht werden. In wenigen Fällen kann sich eine Hypothyreose aber auch im späteren Kindesalter entwickeln.

3.3 Kongenitale Nebennierenrindenhyperplasie oder adrenogenitales Syndrom (AGS)

  Bei dieser Form des Kleinwuchses setzt die Geschlechtsreifung verfrüht ein. Die biologische Reifung ist dadurch beschleunigt, so dass die Kinder zunächst auffallend groß sind. Das Wachstum wird aber einige Jahre eher beendet, so dass die Betroffenen kleiner bleiben als es ihren Erbinformationen entspricht. Dies ist zurückzuführen auf eine Überfunktion der Hypophyse, die im Übermaß und zu früh (was das Alter des Kindes angeht) die Nebennierenrinde dazu anregt, Sexualhormone auszuschütten. Aber auch Tumore und andere Ursachen können für diese überschießende Hormonausschüttung in Frage kommen.

3.3.1 Probleme bei der Therapie mit Wachstumshormonen

  Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist, dass möglichst frühzeitig die richtige Diagnose gestellt wird - möglichst schon im Vorschulalter im Zuge der Vorsorgeuntersuchungen, spätestens bei der ersten schulärztlichen Untersuchung. Daher kommt den gesetzlich vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen besondere Bedeutung zu. Auffällige Befunde werden vom Arzt in ein gelbes Heft eingetragen. Dieses Heft erhält die Mutter für jedes Neugeborene von der Hebamme. Auch die Körpergröße wird bei jeder Untersuchung mit Normalwerten verglichen, ein Kleinwuchs sollte daher rechtzeitig erkannt werden.
Bei Kindern mit einem Mangel an Wachstumshormon verläuft die Wachstumsgeschwindigkeit, also der Größenzuwachs, anfänglich normal. Erst im 2. bis 4. Lebensjahr bleibt das Kind im Wachstum zurück. Die Wachstumsauffälligkeit wird aber oft leider erst im 9. oder 10. Lebensjahr, kurz vor Beginn der Pubertät, und damit relativ spät, bemerkt. Ein vollständiges Aufholen des Wachstumsrückstands ist dann oft nicht mehr möglich (obwohl meist die Wachstumsfugen bedingt durch den Wachstumshormonmangel einige Jahre länger geöffnet bleiben).
Entsprechend ausgebildete Fachärzte (Endokrinologen) können einen Wachstumshormonmangel sicher erkennen. Das Hauptproblem besteht jedoch darin, zunächst alle Verdachtsfälle zu erkennen, damit es überhaupt zu den speziellen Untersuchungen kommt. Durch eine einmalig gemessene Körperlänge werden leider immer noch zuerst die schon extrem minderwüchsigen Kinder entdeckt. Zu einer rechtzeitigen Erkennung aller Kinder mit Wachstumshormondefizit gehört aber mehr als eine Längenmessung: Die Wachstumsgeschwindigkeit, berechnet aus zwei genauen Längenmessungen im Abstand von 6 bis 12 Monaten, liefert dem Spezialisten bereits viel früher deutliche Hinweise auf Wachstumsstörungen.
Die Therapie des Wachstumshormonmangels wurde bis vor einigen Jahren mit Hormonen durchgeführt, die aus menschlichen Hirnanhangsdrüsen Verstorbener gewonnen wurden. Seit einiger Zeit stehen nun auch biosynthetisch hergestellte Wachstumshormone zur Verfügung. In vielen Ländern konnten nach der Zulassung bereits gute Erfahrungen mit diesen Präparaten gewonnen werden. Auch in Deutschland sind diese seit Mitte 1987 vom Bundesgesundheitsamt zugelassen.
Bei diesen synthetisch produzierten Hormonen besteht keine Gefahr der Übertragung einer tödlich verlaufenden Infektionskrankheit mehr.


4. Chromosomen-Erkrankungen

4.1 Das Ullrich-Turner-Syndrom

Beim Ullrich-Turner-Syndrom handelt es sich um eine Chromosomen-Erkrankung, die ausschließlich beim weiblichen Geschlecht auftritt. Chromosomen sind die Träger von Erbanlagen in der Körperzelle. Jeder Mensch hat 23 Paar Chromosomen, also 46 Chromosomen. Zwei von ihnen sind die Geschlechtschromosomen. Unter dem Mikroskop betrachtet, sehen sie bei Männern aus wie XY, bei Frauen haben sie die Form von XX. Patientinnen mit Turner-Syndrom haben ein X-Chromosom zu wenig, also insgesamt nur 45 Chromosomen.

Vom äußeren Erscheinungsbild her entwickeln sich die Patientinnen zu Frauen. Bei fast allen sind jedoch bereits vor der Geburt die Eierstöcke verkümmert (bindegewebig umgebaut), so dass diese nicht wie bei gesunden Mädchen Geschlechtshormone bilden können. Neben der Geschlechtsreifung ist auch das Wachstum verzögert. Daraus folgen in erster Linie eine geringe Körpergröße unbehandelter Kinder zwischen 1,30 und 1,50 m, die Entwicklung der weiblichen Brust bleibt aus und die monatliche Regelblutung tritt nicht ein. Da die Eierstöcke der Betroffenen in der Regel keine Eizellen bilden können, bringt auch ein ausreichender Ersatz der Sexualhormone nicht die Fähigkeit, Kinder zu bekommen.

Andere Merkmale, die aber nicht alle Mädchen und nicht alle gleichzeitig aufweisen, sind: Hautfalten an beiden Seiten des Halses, nach der Geburt sind manchmal die Hände und Füße angeschwollen, die Augen stehen weit auseinander, an einem oder beiden Augen hängen die Augenlider herab. Die Fingernägel sind sehr klein und nach oben gebogen. Es besteht eine Neigung zu Herzerkrankungen, weswegen öfter ein EKG erstellt werden sollte. Bedingt durch einen zu hohen Gaumen, leiden die Mädchen in der Kindheit häufig an Ohrenentzündungen, die dringend behandelt werden müssen, will man Hörschäden vermeiden. Gelegentlich stellt sich außerdem eine Wirbelsäulenverbiegung ein.

Die allgemeine Intelligenz ist nicht beeinträchtigt, aber es treten Einschränkungen auf in ganz speziellen Bereichen, wie zum Beispiel der räumlichen Wahrnehmung und Orientierung.

Eine ausgleichende Behandlung, die aber die fehlende Gebärfähigkeit nicht wiederherstellt, ist möglich, indem mit Beginn der Pubertät weibliche Sexualhormone gegeben werden, die eine Brustentwicklung begünstigen und die monatliche Regelblutung hervorrufen.
Bei ausgeprägtem Kleinwuchs kommt auch eine Behandlung mit Wachstumshormon in Frage. Die hierfür erforderliche Genehmigung des Bundesgesundheitsamtes liegt seit Ende 1990 vor.


5. Skeletterkrankungen (Knorpel-Knochenkrankheiten)

Gemeint sind Entwicklungsstörungen des Skelettsystems im Sinne einer Fehlentwicklung des Knochenknorpelgewebes, die zu Kleinwuchs führt. Die Ursachen für diese Wachstumsstörung sind weitestgehend unbekannt, und daher ist auch keine die Ursachen beseitigende Behandlung möglich.
Für diese Kleinwuchsformen sind eine Reihe von Bezeichnungen gebräuchlich, was bei den Betroffenen leicht Verwirrung und Unsicherheit stiftet. So können die Diagnosen lauten: Achondroplasie, Achondro?Dystrophie, Hypochondroplasie oder Chondrodystrophie. Die leichtere Form der Krankheit, bei der z. B. der Kopf nicht so starke Abweichungen zeigt, nennt man Hypochondroplasie.

5.1 Achondroplasie

Als das wesentliche Merkmal der Störung ist die mangelhafte Teilung der an den Knochenenden liegenden Knorpelzellen anzusehen. Diese Teilung ermöglichst die Bildung neuer Knorpelsubstanz, die anschließend verknöchert, mit dem Ergebnis, dass der Knochen wächst. Besonders betroffen sind dabei die Verknöcherungen im Bereich der Wachstumszonen ? der Röhrenknochen ? das sind die Knochen der Arme und Beine mit Fingern und Zehen.
Hauptsymptome sind kurze Arme und Beine, kleine Hände und Füße, relativ langer Rumpf, großer Hirn? und kleiner Gesichtsschädel, vorgewölbte Stirn mit eingezogener Nasenwurzel, Streckhemmung der Ellenbogengelenke, Überstreckbarkeit der Finger?, Knie? und Fußgelenke.

Durch geringere Festigkeit der Knie? und Fußgelenke kann es zu häufigem Umknicken und Hinfallen kommen. Die Reichweite der Arme ist sehr gering, einmal, weil sie ohnehin kurz sind, zum anderen, weil sie nicht bis zur Geraden gestreckt werden können. Es können auch Rückgratverkrümmungen nach vorn und hinten auftreten; häufig ist die Wirbelsäule zum unteren Ende hin verengt, wodurch im Erwachsenenalter Rückenschmerzen auftreten können.

Kleinwüchsige Kinder leiden häufig an ernsthaften Ohrenbeschwerden. Hören und Sprechenlernen sind erschwert, und ohne Behandlung besteht die Gefahr der Ertaubung. Diese Beeinträchtigung hängt vermutlich mit der Besonderheit des Knochenwachstums des Schädels zusammen, wodurch sich häufig auch ein zu hoher Gaumen bildet.
Die Muskulatur ist meistens kräftig, die Intelligenz normal. Die Erwachsenengröße bleibt bei der Achondroplasie meist deutlich unter 130 Zentimetern, bei der Hypochondroplasie kann die Erwachsenengröße zwischen 150 und 160 cm liegen.

5.2 Osteogenesis imperfecta

Unter Osteogenesis imperfecta wird eine Gruppe von angeborenen erblichen Krankheiten verstanden, der eine mangelhafte Entwicklung des Knochen? und Bindegewebes zugrunde liegt. Sie äußert sich in Skelettverbiegungen (Arme, Beine, Wirbelsäule) und einer außergewöhnlichen Knochenbrüchigkeit besonders im Kindesalter, die mit der Pubertät abnimmt. Im späteren Erwachsenenalter treten die Knochenbrüche wieder häufiger auf. Als Folge der verminderten Knochenbildung ist das Wachstum verlangsamt, was häufig zu einem Kleinwuchs führen kann.
Schon die geringsten Verletzungen genügen, um einen Knochenbruch auszulösen, etwa ein Stoß an der Tischkante, eine hastige Bewegung des Kindes oder ein etwas festeres Anfassen.

Neben dem Skelett können auch andere Körperteile in unterschiedlichem Ausmaß geschädigt sein, d. h. nicht bei allen Kindern treten alle genannten Beeinträchtigungen in gleicher Stärke auf.

Zu zusätzlichen Störungen kann es bei den Augen, dem Gehör, der Haut, den Zähnen, den Gelenken und dem Herz?Kreislauf?System kommen. So kann z. B. eine Überstreckbarkeit der Finger?, Ellbogen? und Kniegelenke vorliegen, sich eine Schwerhörigkeit einstellen und die Milchzähne können fehlgebildet und brüchig sein.
Alle diese Fehlentwicklungen bedürfen einer Behandlung, wobei sehr verschiedene Ärzte in Anspruch genommen werden müssen.

Eine grundlegende Behandlung, die das Leiden aufhebt, gibt es nicht. Es ist nur eine Behandlung möglich, die versucht, weitere Komplikationen zu vermeiden, z. B. durch behutsamen Umgang mit dem Kind, die Gestaltung der häuslichen Umwelt in einer Weise, dass das Kind sich möglichst wenig verletzen, durch einige technische Hilfen aber möglichst viel am Familienleben teilhaben und Selbständigkeit entwickeln kann, durch Krankengymnastik, die die Bewegungsfähigkeit fördert und die Muskulatur stärkt, und durch gute medizinische Versorgung, z. B. der Knochenbrüche und der anderen körperlichen Fehlentwicklungen. Die Intelligenz der Betroffenen ist normal.

Quelle: Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V. (BKMF)



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