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Zuordnung der Urinteststreifen Roche-Mannheim
- Harnblasenfunktionsstörungen/ Harninkontinenz

Zuordnung der Urinteststreifen Roche-Mannheim

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Harnblasenfunktionsstörungen / Harninkontinenz
Prof. Dr. Walter Ludwig Strohmaier
Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie (zertifiziertes Kontinenzzentrum der GIH) und Ärztlicher Direktor des Klinikums Coburg


Anatomie und Funktionsweise der Harnblase und des Schließmuskelapparates


Zum besseren Verständnis von Harnblasenfunktionsstörungen und Harninkontinenz folgt vorab eine kurze Darstellung der Anatomie und Physiologie von Harnblase und Schließmuskelapparat:
Die Blasenwand besteht aus einem Geflecht von glatter Muskulatur (Detrusor = Blasenmuskel), die von vegetativen Nervenfasern (parasympathisch) versorgt wird. Vegetative Nerven unterliegen nicht der willkürlichen (bewussten) Steuerung.
Zum Verschluss der Harnblase dienen zwei Schließmuskeln: der glattmuskuläre innere Schließmuskel (Sphinkter internus) im Bereich der inneren Harnröhrenöffnung wird von vegetativen Nerven (sympathisch) versorgt. Darunter (Beckenboden) liegt der quergestreifte äußere Schließmuskel (Sphinkter externus), der der willkürlichen Nervensteuerung (Nervus pudendus) unterliegt.
Die Harnblase hat eine Speicher- und Entleerungsfunktion. In der Speicherphase ist der Blasenmuskel entspannt, die Schließmuskeln sind aktiviert. Der Druck steigt bis zum Erreichen der Blasenkapazität nur wenig an, da sich die Blasenwand stark ausdehnen kann. Die Blasenfüllung melden sensible Nervenfasern an das Blasenzentrum im unteren Rückenmark (Segmente S 2–4) und das Gehirn. Bei der Einleitung des Wasserlassens zieht sich der Blasenmuskel zusammen und erzeugt einen Druck von etwa 40–50 cm Wassersäule. Gleichzeitig erschlaffen die beiden Schließmuskeln, so dass die Blase restharnfrei entleert werden kann.

Störungen der Harnblasen- und Schließmuskelfunktion
Aus funktioneller Sicht können Harnblasenfunktionsstörungen eingeteilt werden in Störungen der Speicher- und Entleerungsfunktion.

Störungen der Speicherfunktion
Störungen der Speicherfunktion sind im klinischen Alltag gleichbedeutend mit Harninkontinenz (Unvermögen, den Harn in jeder Situation zu halten). Sie können ihre Ursache in einer Fehlfunktion des Detrusors oder des Verschlußapparates haben. Gemäß der Internationalen Kontinenzgesellschaft (ICS) können wir fünf Formen der Harninkontinenz unterscheiden:
1. Belastungs- (Stress)inkontinenz
2. Drang- (Urge)inkontinenz
3. Reflexinkontinenz
4. Überlaufinkontinenz
5. Extraurethrale Inkontinenz
Unter Belastungsinkontinenz (englisch stress = Anspannung) versteht man unkontrollierten Urinabgang bei Anspannung der Bauchmuskulatur (Husten, Niesen, Pressen, Heben). Das Wort Stress meint hier nicht psychischen Stress! Bei der Belastungsinkontinenz ist der Blasenmuskel intakt, der Verschlussapparat jedoch nicht mehr ausreichend stark. Bei Anspannen der Bauchmuskeln wird der Druck im Bauchraum und damit auch in der Blase erhöht. Bei intaktem Verschlussapparat wird dieser Druck auch auf die Schließmuskeln übertragen, so dass kein Urin abgeht. Ist der Verschlussmechanismus gestört, übersteigt der Blasendruck den Schließmuskeldruck. Dadurch geht Urin ab.

Die Belastungsinkontinenz betrifft überwiegend Frauen. Durch Senkungszustände der Beckenorgane tritt auch die Harnröhrenhinterwand tiefer, während die Vorderwand durch ihre starke Befestigung an der Schambeinfuge weniger nachgibt (hypermobile Harnröhre). Dadurch sinkt der Verschlussdruck der Harnröhre.
Der Verschlussdruck der Harnröhre kann auch durch Alterungsvorgänge (teilweise hormonabhängig) oder neurogene Störungen herabgesetzt sein (hypotone Harnröhre, intrinsische Sphinkterdefizienz). Bei Männern ist die Belastungsinkontinenz selten. Sie ist überwiegend Folge von Prostataoperationen (radikalen Prostatektomien), wobei der Verschlussapparat geschwächt wird.Die Dranginkontinenz ist definiert als unkontrollierter Urinabgang bei gleichzeitigem starkem Harndrang. Hier ist der Verschlussapparat intakt, der Blasenmuskel aber weist eine Überfunktion auf. Er entwickelt spontan so hohe Druckwerte, daß sie den physiologischen Gegendruck der Schließmuskeln übersteigen. Insofern ist hier der landläufig für Inkontinenz gebrauchte Ausdruck „Blasenschwäche“ falsch, da hier die Blase zu stark ist. Betroffene spüren die Blasenmuskelaktion als starken Harndrang. Die Ursachen können vielfältig sein: Entzündungen der Blase aller Art, neurologische Erkrankungen (z.B. nach Schlaganfall, Parkinsonsche Erkrankung), subvesikale Harnabflussbehinderungen aller Art (am häufigsten bei Prostatahyperplasie). Oft lässt sich die Ursache nicht feststellen (idiopathisch).Auch bei der Reflexinkontinenz liegt eine Überaktivität des Blasenmuskels vor. Im Unterschied zur Dranginkontinenz spüren aber Betroffene die Blase nicht. Ursächlich sind schwere neurologische Störungen wie Querschnittlähmungen oberhalb des Blasenzentrums im Rückenmark (S2-S4). Da hierbei auch das Zusammenspiel von Blasen- und Schließmuskeln gestört ist (Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie), liegt gleichzeitig auch eine Entleerungsstörung mit Restharnbildung vor. Unbehandelt kommt es letztlich zur Stauung des oberen Harntrakts bis hin zum Nierenversagen.Die Überlaufinkontinenz ist definiert als passiver Urinabgang bei Unterfunktion (Hypoaktivität) des Blasenmuskels und intaktem Verschlussmechanismus. Durch die Schwäche des Blasenmuskels kann die Blase nicht mehr geregelt entleert werden. Durch zunehmenden Restharn füllt sich die Blase allmählich immer mehr. Da die Dehnbarkeit des Blasenmuskels begrenzt ist, steigt der Druck in der Blase passiv an. Übersteigt er den Schließmuskeldruck, entsteht die Überlaufinkontinenz. Die Überlaufinkontinenz ist also in erster Linie eine Störung der Entleerungsfunktion, die Störung der Speicherfunktion ist sekundär.

Ursachen der Überlaufinkontinenz können muskulär und neurogen sein. Primär muskuläre Störungen sind die Folge von Erschöpfungszuständen des Detrusors bei subvesikaler Abflussbehinderung (z.B. Prostatahyperplasie). Neurogene Ursachen können alle Störungen sein, die das Blasenzentrum im Rückenmark selbst (S2-S4) - z.B. eine Querschnittlähmung im unteren Rückenmark - oder die darunter gelegenen peripheren Nervenstrukturen betreffen, die zur Blase führen (z.B. Polyneuropathie bei Diabetes mellitus, Schädigungen des zur Blase ziehenden Nervengeflechts durch ausgedehnte Operationen im kleinen Becken [Rektumkarzinomoperationen, gynäkologische Totaloperationen]). Auch bestimmte Medikamente mit anticholinerger Wirkung (z.B. Atropin, Psychopharmaka) können eine Schwäche des Blasenmuskels bewirken.
Bei extraurethraler Harninkontinenz sind Detrusor und Schließmuskeln intakt, der Urin geht nicht über die Harnröhre, sondern entweder über angeborene Fehlmündungen des Harnleiters außerhalb des äußeren Schließmuskels oder über Fisteln (krankhaft entstandene Gänge) zwischen Harnblase oder Harnleiter einerseits und Scheide, Gebärmutter oder Haut andererseits zustande. Fisteln können insbesondere nach Strahlentherapie oder Operationen entstehen.

Störungen der Entleerungsfunktion
Störungen der Entleerungsfunktion können ebenfalls durch Fehlfunktion des Blasenmuskels oder aber des Verschlussapparates bzw. Blasenauslasses bedingt sein. Sie können – wie oben beschrieben – mit Störungen der Speicherfunktion kombiniert sein.Eine Schwäche des Blasenmuskels kann muskulär oder neurogen bedingt sein. Siehe hierzu den Abschnitt Überlaufinkontinenz.Der Blasenauslass kann anatomisch behindert sein durch eine Prostatavergrößerung Blasenhalssklerose (narbige Verhärtung des Blasenhalses) oder massive Harnröhrenenge. Funktionelle Störungen (nervenbedingt) finden sich als fehlendes Zusammenspiel des Blasen- mit den Schließmuskeln (Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie bei neurologischen Erkrankungen, die sich oberhalb des Blasenzentrums im Rückenmark) abspielen. Das klassische Beispiel ist die hohe Querschnittlähmung.

Diagnostik
Zur Diagnostik gehören neben einer sorgfältigen Anamnese (Erfragen der Beschwerden und der Vorgeschichte), einer körperlichen Untersuchung (einschließlich neurologischer Untersuchung, bei Frauen vaginaler Untersuchung der Genitalorgane einschließlich Stresstest = Beobachtung des Harnabganges bei voller Blase und Anspannen der Bauchmuskeln), der Sonographie (Restharn, Nieren) insbesondere urodynamische Untersuchungen.
Bei der Belastungsinkontinenz der Frau kommen noch das laterale Zystogramm und die transrektale oder transvaginale Sonographie der Harnblase und Harnröhre zur Erfassung von Senkungszuständen bzw. Hypotonie der Harnröhre hinzu.

Anamnese (Vorgeschichte)
Die Diagnostik jedes Patienten beginnt mit der Erhebung der Anamnese. Dabei macht sich der Arzt ein genaues Bild über die jeweiligen Beschwerden (Dauer, Stärke, Art, Ort, Körperfunktionen). Häufig muss die Schilderung des Patienten durch gezieltes Nachfragen ergänzt werden.
Wichtig sind auch Fragen nach früheren Erkrankungen, Operationen und Unfällen. Außerdem müssen alle Medikamente, die der Patient einnimmt, erfragt werden.

Körperliche Untersuchung
Für die Abklärung urologischer Erkrankungen ist vor allem die Untersuchung des Bauchraumes (Abdomen) und der Genitalorgane wichtig.
Die Untersuchung des Bauchraumes erfolgt durch Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation.
Inspektion bedeutet Betrachten mit den Augen. Der Arzt achtet z.B. auf krankhafte Verfärbungen, Vorwölbungen oder Veränderungen der Schambehaarung.
Palpation meint Tastuntersuchung. Dabei wird auf Schmerzlokalisation, Abwehrspannung der Bauchdecken und krankhaft tastbare Organe bzw. Strukturen geachtet. Bei der Perkussion beurteilt der Arzt mit dem klopfenden Finger den Klopfschall. Damit lässt sich beispielsweise eine gefüllte Blase von luftgeblähten Darmschlingen unterscheiden.
Auskultation bedeutet Abhören mit dem Stethoskop. Im Bauchraum beurteilt man damit vor allem die Darmgeräusche. Beispielsweise sind sie bei einer akuten Harnleiterkolik typischerweise herabgesetzt.
Bei der Untersuchung des männlichen Genitale wird der Penis z.B. auf Hautveränderungen, Ausfluss aus der Harnröhrenmündung oder Fehlmündung der Harnröhre beurteilt. Hoden und Nebenhoden werden auf Größe, Lage, Konsistenz und Druckschmerzhaftigkeit geprüft. Die Prostata wird mittels Tastuntersuchung vom Enddarm aus beurteilt. Der Patient muss dazu entweder in Seitenlage mit angewinkelten Knien, in Steinschnittlage oder im Stehen mit abgestützten Ellbogen untersucht werden. Für die Untersuchung der Harnröhrenmündung und des äußeren Genitales bei der Frau ist Steinschnittlage erforderlich. Insbesondere bei der Abklärung der Harninkontinenz wird auch eine Tast- und Spiegeluntersuchung der Scheide und Gebärmutter durchgeführt.

Urinuntersuchung
Unter Urinstatus versteht man die orientierende Untersuchung des Mittelstrahl- oder Katheterurins. Die Untersuchung erfolgt zunächst mit einem Teststreifen, der zahlreiche Untersuchungsfelder (z.B. pH, Eiweiß, Zucker, rote und weiße Blutkörperchen, Nitrit) enthält. Sind hierbei nur Normalbefunde zu erheben, ist eine weitere Untersuchung nicht erforderlich.
Finden sich dabei krankhafte Befunde (insbesondere weiße und rote Blutköperchen), schließt sich eine mikroskopische Untersuchung an. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sind charakteristisch für Entzündungen des Harntrakts. Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) findet man bei Tumoren, Steinen, Verletzungen und Entzündungen.
Besteht der Verdacht auf eine Harnwegsinfektion, muss der Urin bakteriologisch untersucht werden. Dazu kann Mittelstrahlurin (bei Frauen bedingt), Katheter- oder Blasenpunktionsurin verwendet werden.

Sonographie
Bei der Sonographie werden Ultraschallwellen vom Schallkopf des Sonographiegerätes ausgesandt. Sie werden im Körper von den einzelnen Gewebestrukturen unterschiedlich reflektiert. Daraus wird ein Bild erzeugt. Die Sonographie ist heute ein Standardverfahren in der Urologie. Es hat viele Röntgenuntersuchungen ersetzen können. Schädliche Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt.
Nieren
Mit der Sonographie können die Nieren hinsichtlich Form, Lage, Größe, Atemverschieblichkeit beurteilt werden.
Raumforderungen der Nieren lassen sich besser als mit dem Röntgenbild beurteilen (solider Tumor? Zyste?). Außerdem können die Gewebebeschaffenheit (z.B. chronisch-entzündliche Veränderungen), Harnstauungen und Harnsteine diagnostiziert werden.
Harnblase
Bei ausreichender Füllung können die Kontur und Dicke der Blasenwand, Divertikel, Steine und Tumoren erkannt werden. Kleinere Tumoren entgehen jedoch der Sonographie.
Nach Wasserlassen kann die Entleerung der Harnblase geprüft werden (Restharnbestimmung). Diese Methode ersetzt heute im Wesentlichen die Restharnmessung mittels Katheter.
Mit einem hoch auflösenden Schallkopf, der in den Enddarm oder die Scheide eingeführt wird, lassen sich im Rahmen der Inkontinenzabklärung Senkungszustände der Harnblase und Verschlussdefizite der Harnröhre in Ruhe und Anspannung der Bauchmuskeln abklären.

Prostata
Die Prostata kann insbesondere bei voller Blase mit dem Schallkopf vom Bauch aus untersucht werden. Dabei werden Größe, Form Echomuster und Abgrenzbarkeit beurteilt. Eine genauere Beurteilung erlaubt die Untersuchung mit einem in den Enddarm eingeführten hoch auflösenden Schallkopf. Diese Technik spielt insbesondere in der Krebsdiagnostik eine Rolle.

Laterales Zystogramm (Röntgenuntersuchung)
Diese Untersuchung wird vor allem bei der Belastungsinkontinenz der Frau durchgeführt und dient der genauen Beurteilung von Senkungszuständen der Harnblase bzw. Druckminderung in der Harnröhre (hypotone Harnröhre).Zur Zystographie wird Kontrastmittel über einen Katheter in die Harnblase gefüllt. Die Röntgenaufnahmen werden im Stehen mit und ohne Anspannen der Bauchmuskulatur im seitlichen Strahlengang durchgeführt.

Urodynamik (Funktionsuntersuchungen von Harnblase und Schließmuskeln)Uroflowmetrie (Harnstrahlmessung)
Als Uroflowmetrie wird die Messung der Harnflussrate bezeichnet. Die Harnflussrate wird einerseits vom Druck, den der Blasenmuskel (Detrusor) erzeugt, andererseits vom Widerstand in der Harnröhre (z.B. Prostata, Harnröhrenenge) bestimmt. Die Uroflowmetrie ist eine nicht-invasive Untersuchungsmethode und prinzipiell bei allen Formen der Miktions- bzw. Harnblasenfunktionsstörung angezeigt.
Der Patient wird aufgefordert, innerhalb kurzer Zeit viel zu trinken. Wenn er starken Harndrang verspürt, soll er die Blase in das Uroflowmetriegerät entleeren. Die darin enthaltene Messeinheit registriert die Harnflussrate (y-Achse) pro Zeit (x-Achse). Ferner werden Miktionszeit, Flusszeit, Miktionsvolumen, maximale und durchschnittliche Harnflussrate sowie Zeit bis zum Maximum der Harnflussrate berechnet. Aus diesen Angaben lassen sich bereits wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Störung erhalten.

Harnblasen-/Harnröhrendruckmessung
Eine genauere Analyse der Harnblasen- und Schließmuskelfunktion erlaubt die Harnblasen- und Harnröhrendruckmessung. Diese Messung erfordert allerdings eine Katheterisierung der Harnblase.
Die Harnblasen- und Harnröhrendruckmessung ist in erster Linie bei Verdacht auf nervenbedingte Blasenfunktionsstörung und Harninkontinenz, in besonderen Fällen auch zur Abklärung einer Prostatavergrößerung angezeigt. Zur Registrierung des Harnblasendrucks wird ein transurethraler Messkatheter, zur Messung des Abdominaldrucks eine rektale Messsonde eingeführt. Zur Erfassung der Aktivität des äußeren Schließmuskels werden Klebeelektroden im Dammbereich angebracht (Elektromyogramm). Die genannten Sonden werden an einem speziellen Messgerät angeschlossen.Über den transurethralen Messkatheter wird die Harnblase langsam mit körperwarmer Flüssigkeit gefüllt. Dabei werden fortlaufend die Druckwerte registriert. Wenn der Patient starken Harndrang verspürt, wird die Füllung beendet. Der Patient wird zur Miktion aufgefordert. Auch dabei werden die Druckverhältnisse sowie der Harnstrahl registriert. Da der transurethrale Katheter den Gesamtdruck misst, wird zur Bestimmung des Eigendrucks der Blase (Detrusordruck) vom Messgerät der im Rektum gemessene Abdominaldruck (Bauchpresse) rechnerisch abgezogen (Detrusordruck = Blasendruck – Abdominaldruck).
Anschließend wird der transurethrale Messkatheter mit gleichmäßiger Geschwindigkeit zurückgezogen. Dabei wird das Ruhedruckprofil der hinteren Harnröhre gemessen. Es wird vom inneren und äußeren Schließmuskel bestimmt. Zur Abklärung der Harninkontinenz wird anschließend ein so genanntes Stressprofil gemessen. Während des Rückzugs des Katheters wird der Patient aufgefordert zu husten. Dabei wird der Differenzdruck zwischen Blase und Harnröhre ermittelt. Im Falle einer Belastungsinkontinenz (siehe auch dort) übersteigt der Blasen- den Harnröhrendruck.
Die Harnblasen-/Harnröhrendruckmessung kann auch unter Röntgendurchleuchtung durchgeführt werden. Dann wird zur Blasenfüllung eine Kontrastmittel-Kochsalzlösung benutzt. Dir Durchleuchtung ermöglicht eine Darstellung der Blase und Harnröhre während der Messung und erbringt daher zusätzliche Informationen über deren Funktion.

Therapie (Behandlung)Die Therapie von Harnblasenfunktionsstörungen ist, wenn möglich, ursächlich (kausal). Ist eine kausale Behandlung unmöglich, müssen durch geeignete palliative (lindernde) Maßnahmen die Folgen der Funktionsstörungen (z.B. Nierenversagen) verhindert werden.Leichtere Grade der Belastungsinkontinenz der Frau können durch Beckenbodengymnastik, unterstützt durch Bio-Feedback und Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur behandelt werden. In geeigneten Fällen (z.B. erniedrigter Verschlussdruck infolge hormonell bedingter Schleimhautatrophie) kann die Hormonersatztherapie Besserung bringen. Schwerere Grade bedürfen der operativen Behandlung. Hierfür stehen zahlreiche Operationsverfahren zur Verfügung (Blasenhalssuspensionsplastiken, Schlingen- bzw. Bandoperationen, Kollagen- bzw. Silikonunterspritzung der Harnröhrenschleimhaut, künstlicher Blasenschließmuskel). Nicht jedes Verfahren ist für alle Formen der Stressinkontinenz gleichermaßen geeignet. Die Auswahl hängt von den individuellen Befunden ab, die bei der Diagnostik erhoben wurden.Leichtere Grade der Stressinkontinenz des Mannes können durch Unterspritzung der Harnröhrenschleimhaut im Bereich des Sphinkters externus gebessert werden. In schwerwiegenden Fällen hilft die Implantation eines künstlichen Schließmuskels.

Die Behandlung der Dranginkontinenz hängt von der Ursache ab. Entzündungen sollten saniert werden, eine Prostatahyperplasie je nach Stadium medikamentös oder operativ behandelt werden. Ist eine kausale Therapie nicht möglich, wird medikamentös mit Parasympathikolytika (z.B. Detrusitol?, Spasmex?, Mictonorm? o.ä.) behandelt. Dabei sind Restharnkontrollen angezeigt. Bei neurologischen Ursachen (z.B. nach Schlaganfällen) ist Toilettentraining (Versuch, die Zeiträume zwischen den Blasenentleerungen zu steigern) unterstützend hilfreich.
In der Therapie der Reflexinkontinenz steht im Vordergrund der Schutz des oberen Harntrakts und der Nierenfunktion. Der erhöhte Druck in der Blase muss gesenkt werden. In erster Linie wird die Reflexinkontinenz mittels Parasymthikolytika (siehe oben) behandelt. Um die vollständige Entleerung zu gewährleisten, wird die Blase durch sauberen intermittierenden Einmalkatheterismus (CIC, clean intermittent catheterisation) mehrfach täglich entleert. Die meisten Patienten sind in der Lage, sich selbst zu katheterisieren. Alternativ kann der CIC von Pflegepersonen durchgeführt werden. Unter häuslichen Bedingungen reicht sauberes Arbeiten, eine sterile Vorgehensweise ist nicht erforderlich. Der CIC hat langfristig wesentlich weniger Komplikationen als eine Dauerableitung der Harnblase.
Besonders bei Männern bietet sich als Alternative die Sphinkterotomie an. Dabei werden innerer und äußerer Schließmuskel eingeschnitten. Dadurch resultiert eine komplette Inkontinenz, der Druck in der Blase sinkt ebenfalls. Zur Inkontinenzversorgung werden Kondomurinale angewandt. In ausgewählten Fällen kommt auch die Durchtrennung der Nervenwurzeln, die die Blase versorgen mit Einbau eines Blasenschrittmachers in Frage.

Ist bei der Überlaufinkontinenz eine Harnabflussstörung die Ursache, sollte sie operativ beseitigt werden. Ansonsten besteht die Therapie im CIC. Eine Erfolg versprechende medikamentöse Therapie gibt es derzeit nicht. In Sonderfällen ist die Implantation eines Blasenschrittmachers möglich. Eine Dauerableitung der Harnblase ist keine gute Lösung und sollte nur in Ausnahmefällen angewandt werden.
Die Behandlung der extraurethralen Inkontinenz ist meist operativ. Fehlmündende Harnleiter werden neu in die Harnblase eingepflanzt. Fisteln werden operativ verschlossen, wobei gerade bei strahlenbedingten Fisteln die Heilung problematisch sein kann. In besonders schwierigen Fällen kann eine Harnableitungsoperation (z.B. Pouch) erforderlich sein.

Palliative Inkontinenzversorgung (Versorgung mit Hilfsmitteln)Beim Thema Inkontinenzversorgung sollte man stets daran denken, daß sie jeweils nur palliativen Charakter haben sollte; nach eingehender Ursachenforschung müsste anschließende Therapie folgen, um in den meisten Fällen die Inkontinenzphase zu beenden. Ob nun vorübergehend oder über einen längeren Zeitraum inkontinent zu sein, bedeutet in jedem Fall für beide Geschlechter, ob jung oder alt, einen mehr oder weniger großen Verlust ihrer menschlichen Würde. Wie groß dieser Verlust tatsächlich eingeschätzt wird, hängt einerseits von der psychischen Situation der Person selbst ab, andererseits aber auch davon, wie kompetent und individuell die Versorgung dieser Inkontinenz angegangen wurde. Für die leichteren und schwereren Formen der Inkontinenz gibt es für Frauen und Männer Verschiedenste Versorgungsmöglichkeiten auf dem Markt. Bleibt zu fordern, daß sie möglichst unauffällig sein sollten. Männer:
Handelt es sich um die leichteste Form, bei der ab und an mal nur ein paar Tropfen Urin abgehen, empfiehlt sich der Tropfenfänger, eine Art „Binde“ für den Penis.
Ist die Inkontinenz stärker ausgeprägt, bieten sich entweder Einlagen mit unterschiedlichem Fassungsvermögen an oder man greift zu Penisbändchen /-klemme.
Schwere Inkontinenz ist mit einem Kondomurinal beherrschbar, das an einen Beinbeutel angeschlossen wird; hierbei muss der Penis entsprechend den Herstellervorschriften ausgemessen sowie vorbereitet werden!

Frauen:
Hier sind eigentlich lediglich die verschiedenen Einlagen und Binden einzusetzen, deren Fassungsvermögen und Größe je nach Grad der Inkontinenz ausgesucht werden muss. Tragekomfort steht hierbei heute im Vordergrund. Ob in Unterhosen eingearbeitete Einlagen, waschbar, in verschiedenen Konfektionsgrößen und Farben erhältlich oder eben als Einmalprodukt, die Patientin muss für sich entscheiden. Der Tragekomfort wird zum größten Teil dadurch erzielt, daß die Einlagen mit einem Wirkstoff versetzt sind, der den Geruch des Urins bindet. Die Oberfläche bleibt trocken, dadurch werden die gefürchteten Hautirritationen vermieden. Sie sind relativ klein, aber dennoch extrem saugstark!

© by Prof. Dr. Walter Ludwig Strohmaier
Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie (zertifiziertes Kontinenzzentrum der GIH) und Ärztlicher Direktor des Klinikums Coburg

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