| |
| ERNÄHRUNGSTIPPS |
| |
| |
|
|
Wie
gefährlich sind Pestizidrückstände in Obst
und Gemüse wirklich?
natur&kosmos geht den Warnungen und Abwiegelungen der
Ernährungswissenschaftler nach
München - 24.02.2004 - Paprika, Salat, Erdbeeren und
Äpfel - sie alle gehören auf den Speiseplan, weil
sie den Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgen.
Doch Vorsicht, viele Früchte und Gemüsesorten
sind mit Pestizidrückständen belastet, wenn auch
meistens unterhalb
der Grenzwerte. 80 Prozent des konventionell erzeugten Obstes
und Gemüses weisen nach einer Studie des Chemischen-
und Veterinär-Untersuchungsamtes Stuttgart Rückstände
von
Pflanzenschutzmitteln auf.
Vor allem Erdbeeren, Paprika und Trauben, aber auch Tomaten
und Salat fallen immer wieder negativ auf, besonders wenn
sie aus Südeuropa kommen.
Die Zeitschrift natur&kosmos geht der Frage nach, wie
gefährlich die Giftrückstände wirklich für
die Gesundheit sind. Denn genau darüber streiten Mediziner
und Ernährungswissenschaftler. Der
Toxikologe Hans Rudolf Glatt etwa hält die Pestizidbelastungen,
selbst wenn sie die Grenzwerte überschreiten, für
irrelevant.
Manfred Krauttner, Chemiexperte bei Greenpeace, gibt zwar
zu, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Lebensmittelrückstände
selten direkt nachweisbar sind. Gleichwohl warnt er vor
allem vor sogenannten Pestizid-Cocktails, die hauptsächlich
auf Tomaten,
Erdbeeren, Paprika und Trauben gefunden worden sind. Teilweise
waren es bis zu 16 unterschiedlicher Chemikalien.
"Die hormonähnlichen Wechselwirkungen solcher
Substanzen sind uns noch nicht bekannt", sagt auch
die Biochemikerin Irene Witte von der Universität Oldenburg.
Deshalb sei Vorsicht geboten.
Der Verbraucher kann sich schützen. Konsumenten sollten
immer saisonales Obst und Gemüse kaufen, also keine
Erdbeeren im Februar und keinen Spargel im Dezember. Vor
allem Familien mit Kindern raten Experten auf Bioware umzusteigen.
Denn die ist nicht oder kaum mit Giftrückständen
belastet. Und nach wie vor gilt: Ziehen Sie heimische Produkte
vor.
Originaltext: natur&kosmos
Obst
und Gemüse - das wahre Functional Food
Fruchtbranche erwartet steigenden Obst- und Gemüsekonsum
aufgrund wissenschaftlicher Studie
10.02.2004
- Gesundheitliche Aspekte der Ernährung finden seit einigen
Jahren angesichts der Zunahme ernährungsabhängiger
Erkrankungen bei vielen Verbrauchern eine stärkere Beachtung.
Bislang profitieren von diesem Trend besonders die funktionellen
Lebensmittel, die zusätzlich zu
ihrem Nährwert einen besonderen gesundheitlichen Nutzen
aufweisen sollen. Nach wie vor zu gering ist hingegen der
Verzehr von Obst und Gemüse, die erwiesenermaßen
eine Fülle funktionell wirksamer Inhaltsstoffe enthalten.
Nur gemeinsame Anstrengungen und die Berücksichtung
aktueller Konsum- und Verzehrsgewohn-heiten können
dazu führen, dass Obst und Gemüse tatsächlich
zu Garanten für mehr Gesundheit werden, so die einhellige
Meinung der Teilnehmer eines Pressegespräches des 5
am Tag
e.V. am 6. Februar in Berlin, an dem unter anderen Dr. Klaus
Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesministerium
für Gesundheit und Soziale Sicherung sowie Professor
Dr. Gerhard Rechkemmer vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan
der TU München teilnahmen.
Bis zu einem Drittel der Gesamtkosten des Gesundheitswesens
werden bereits heute durch ernährungsmitbedingte Erkrankungen
wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes
Typ II sowie bestimmte Krebserkrankungen verursacht - bei
steigender Tendenz. Angesichts dieses Trends schlägt
inzwischen auch die World Health Organisation (WHO) Alarm
und engagiert sich für eine bessere globale Versorgung
mit Obst und Gemüse, um den Anstieg dieser chronischen
Erkrankungen zu stoppen. Auch auf nationaler Ebene ist das
Thema Primärprä- vention auf der politischen Agenda
weit nach oben gerückt. "So hat die Bundesgesundheitsmini-sterin
Ulla Schmidt bereits vor mehr als zwei Jahren die Schirmherrschaft
für die Gesundheits-kampagne 5 am Tag übernommen,
die sich für einen höheren Verzehr von Obst und
Gemüse stark macht", so Staatssekretär Dr.
Klaus Theo Schröder vom Bundesministerium für
Gesundheit und Soziale Sicherung und weiter: "Dabei
haben wir nicht nur die möglichen Kosteneinsparungen
für das Gesundheitswesen im Blick. Jedem muss klar
sein, dass Gesundheit und Vitalität entscheidend zu
hoher Lebensqualität bis ins Alter beitragen."
5
am Tag - mehr Gesundheit für jedermann?
Die 5 am Tag-Kampagne, die von Gesundheitsorganisationen
und Wirtschaftspartnern getragen wird, hat sich das Ziel
gesetzt, die Verbraucher zum Verzehr von 5 Portionen Obst
und Gemüse täglich zu motivieren. Das entspricht
einer Menge von ca. 600 bis 800 Gramm, wobei neben Frischware
auch Säfte sowie verarbeitetes Obst und Gemüse
zum Tragen kommen. "Obst und Gemüse haben einen
hohen Gehalt an bioaktiven Inhaltsstoffen und damit - das
belegen zahlreiche Studien - positive gesundheitliche Wirkungen",
so Professor Dr. Gerhard Rechkemmer vom Wissenschaftszentrum
Weihenstephan der TU München.
Functional
Food auf dem Vormarsch
Gerade gesundheitsbewusste Verbraucher greifen inzwischen
jedoch immer häufiger zu funktionellen Lebensmitteln,
dem sogenannten Functional Food, wie zum Beispiel Energiedrinks,
ACE-Getränken, probiotischen Joghurts oder mit essentiellen
Omega-3-Fettsäuren angereicherten Eiern. Diese Lebensmittel
dienen nicht nur der Sättigung und Nährstoffzufuhr,
sondern versprechen gleichzeitig einen besonderen gesundheitlichen
Nutzen. "Ob jedoch funktionelle
Lebensmittel tatsächlich zu einer Verbesserung der
Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Bevölkerung
beitragen können, ist bisher nur in einzelnen Fällen
wissenschaftlich erwiesen",
führte Rechkemmer in seinem Beitrag weiter aus.
Breitgefächerte
Initiativen vonnöten
Die besten wissenschaftlichen Hinweise auf funktionelle
Wirkungen bestehen bisher für Obst und Gemüse.
Um dieses Wissen und praktikable Ernährungsempfehlungen
an den Verbraucher zu bringen, nutzen der 5 am Tag e.V.
und seine Mitglieder eine ganze Klaviatur an Maßnahmen.
So unterstützt die CMA Centrale Marketing-Gesellschaft
der deutschen Agrarwirtschaft mbH die Kampagne, indem sie
die Ernährungsempfehlung in ihre Informationsarbeit
einbindet. "Darüber
hinaus hat 5 am Tag auch einen Nutzen für die beteiligten
Gruppen innerhalb der Produktions- und Vertriebskette von
Obst und Gemüse, denn ein steigender Obst- und Gemüseverzehr
kommt auch direkt der deutschen und europäischen Obst-
und Gemüseproduktion - sprich: den
Landwirten - zugute", erläuterte Dr. Falk Welzel
von der CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen
Agrarwirtschaft mbH.
Auch Helge Franceschetti von der Initiative für gesunde
undsichere Ernährung e.V., einer Vereinigung deutscher
Fruchtimport- undGroßhandelshäuser betonte, dass
eine vergrößerte Produktionsmenge vonObst und
Gemüse Lebensbasis und Lebensunterhalt für Erzeuger
und
Handel weltweit seien. Das Gründungsmitglied der 5
am Tag-Kampagne weiter: "Darüber hinaus engagieren
wir uns, dem Verbraucher frische, vitamin- und nährstoffreiche
Produkte anzubieten. Unsere Qualitätskontrollen beinhalten
außerdem, dass mittels systematischerlebensmittel-
chemischer Laboruntersuchungen der Einfluss der Chemie auf
Obst und Gemüse während des Aufwuchses und nach
der Ernte im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen
bleibt."
Seite
an Seite: frische und verarbeitete Produkte
Neben Frischware leistet auch verarbeitetes Obst und Gemüse
einen wichtigen Beitrag zu einer gesunden Ernährung
nach der 5 am Tag-Empfehlung - sei es aus der Tiefkühltheke
oder aus
Lebensmitteldosen. "Gerade bei Produkten aus der Dose
können die Verluste an Inhaltsstoffen, speziell Vitaminen,
durch die heutigen modernen Technologien in Grenzen gehalten
werden. Wichtig ist vor allem, dass die Rohware in sehr
frischem Zustand verarbeitet wird,
der Ausgangsvitamingehalt also hoch ist", so die Leiterin
des Instituts für Lebensmittelqualität in Willich,
Dr. Katja Zink, die beim Pressegespräch die Vereinigung
von Herstellern von
Lebensmitteln und Verpackungen "Die Dosenköche"
vertrat. Die staatlich geprüfte Lebensmittelchemikerin
und Sachverständige für Lebensmittelchemie präsentierte
eine neue vergleichende Untersuchung mit Gemüse, die
zeigt, dass im Haushalt verzehrsfertig zubereitete
Produkte sich in ihren Vitamingehalten nicht wesentlich
von in der Lebensmitteldose pasteurisierten oder sterilisierten
Produkten unterscheiden.
Nur
vielfältige Angebote überzeugen den Verbraucher
Damit sich die Empfehlungen der 5 am Tag Kampagne beim Verbraucher
nicht nur im Kopf, sondern auch im Konsum- und Verzehrverhalten
niederschlagen, sind appetitmachende Angebote im Handel
von besonderer Bedeutung. "Wenn wir dem Bundesbürger
gesundes Obst und
Gemüse schmackhafter machen wollen, dann reicht es
nicht, die gängigsten Artikel einfach zu Billigpreisen
ins Regal zu legen", sagte Gisela Schmitt, Mitglied
des Rewe-Vorstands. Vielmehr müsse der Handel eine
große Sortimentsbreite und -tiefe, eine echte Auswahl
aus heimischen Produkten und Exoten aus aller Welt, aus
Öko-Produkten und frisch gefertigten Convenience-Artikeln
bieten, ergänzt durch Informationen zu Herkunft und
Qualität der Ware und
eine kompetente Beratung. "Eine solche Gesamtleistung,
wie sie bei unseren Supermärkten (Rewe, HL, miniMAL,
toom) Konzept ist, kann und will ein Discounter, der mit
einem schmalen Sortiment allein über den Preis verkauft,
schon systembedingt nicht bieten", so Schmitt
weiter. Deshalb engagiere sich die Rewe-Gruppe als einer
der führenden Lebensmittelhändler in Deutschland
und Europa mit ihren Supermärkten und Verbrauchermärkten
für die Gesundheitskampagne 5 am Tag, zu deren Gründungsmitgliedern
das Unternehmen gehört.
Originaltext:
5 am Tag e.V.
Weitere
Informationen zu 5 am Tag finden Sie unter www.5amtag.de
Durch
Kooperation mit dem Ernährungs-Experten Prof. Dr. med.
Hans Konrad Biesalski
Professor
am Institut für Biochemie und Ernährung der Universität
Hohenheim
Leitende Funktionen bei der Deutschen Akademie für Ernährung
und
der Gesellschaft für Vitaminforschung
Wissenschaftlicher Berater der Deutschen Gesellschaft für
Ernährungsmedizin,
des European Journal of Nutrition und der
Zeitschrift Aktuelle Ernährungsmedizin
erhalten Sie hier umfassende Informationen zum Thema Ernährung
bei Krebs
Literatur von Prof. Dr. med. Biesalski erhalten Sie im Handicap
Network Store
Vitamin-A-Stoffwechsel
und Netzhautdegenerationen |
Veröffentlichung
mit freundlicher Genehmigung von
Dr.
M.Seeliger - Universitäts-Augenklinik, Abteilung für
Pathophysiologie des Sehens
und Neuroophtalmologie Tübingen und
von Prof. Dr. med. Biesalksi
Leitthema
Makula-Netzhaut-Degenerationen
Vitamin-A-Stoffwechsel
und Netzhautdegenerationen
Begriffsdefinitionen
Vitamin
A und seine Derivate werden chemisch als Retinoide klassifiziert
(IUPAC). Da allerdings geringe chemische Strukturdifferenzen
bedeutende biologische Funktionsunterschiede bedingen können,
wurde eine biologischfunktionelle Klassifikation vorgeschlagen
[1], die im folgenden verwendet werden soll.
|
Biologisch-funktionelle
Klassifikation von Vitamin A
|
| Substanzgruppe |
Beispielsubstanzen |
Biologisch
Wirkung |
Vitamin
A
Retinoide
karotinoide |
Retinol
Retinsäure
Beta-Karotin, Lutein, Zeaxanthin |
Alle
Vitaminwirkungen
Nicht Spermatogenese, Sehzyklus
Pro-Vitamin A + gewebespezifisch |
Vitamin
A in diesem Sinne sind das Retinol und die durch eine Veresterung
mit Fettsäuren entstehenden Retinylester. Das wichtigste
natürliche Retinoid ist die Retinsäure, die beim
Abbau von Retinol entsteht. Definitionsgemäß
hat sie viele, aber nicht alle Vitamin-A-Wirkungen und kann
aufgrund der Irreversibilität des Abbaus nicht wieder
in Vitamin A überführt werden.
Karotinoide
sind Isoprenoid-Verbindungen und reich an Doppelbindungen.
Sie haben zwar keine direkten Vitamin A-Wirkungen, können
aber meistens durch Spaltung in Vitamin A überführt
werden (Provitamin-A-Aktivität). Die Zahl der Doppelbindungen
korreliert mit der antioxidativen Wirkung dieser Substanzen.
Vorkommen
in der Nahrung
Vitamin
A kann dem Körper über die Ernährung in verschiedenen
Formen zugeführt werden. Retinol wird in der Regel
als Fettsäureester (Retinylester) aus tierischer Nahrung
aufgenommen, während Karotinoide überwiegend in
pflanzlicher Nahrung enthalten sind. Bei normaler Mischkost
wird der Bedarf überwiegend, jedoch mindestens zur
Hälfte Über Retinylester gedeckt, sodass bei dauernder
rein pflanzlicher Ernährung die Gefahr einer Unterversorgung
besteht. Besonders viel Vitamin A enthalten Leber und Leberprodukte
(Rinder- und Schweineleber, Lebertran), gefolgt von Butter
und Milchprodukten. Karotinoide sind in vielen Gemüse-
und Obstsorten enthalten, wobei Gesamtgehalt und Substanzspektrum
stark variieren. Besonders viel Beta-Karotin findet sich
in Möhren, Spinat und rotem Paprika.
Aufnahme
im Darm
Das
Wissen über die Aufnahme von Vitamin A und Karotinoiden
im Darm ist bei weitem noch nicht vollständig, da es
sehr viele unterschiedliche Einflussparameter gibt. Bekannte
Faktoren, die die Aufnahme aus dem Intestinallumen beeinflussen,
sind u. a. die LebensmittelMatrix (vergleichbar mit der
Galenik von Medikamenten), die gleichzeitige Präsenz
fettiger Substanzen sowie die Aktivität bestimmter
Enzyme wie der Pankreas-Lipase. Von den Mukosazellen aufgenommen
werden können Retinol, welches aus der Spaltung der
Retinylester und eines Teils der Karotinoide entsteht, sowie
ein Teil der (fettlöslichen) Karotinoide direkt. In
der Zelle wird, abhängig von der Versorgungslage des
Organismus und anderen Faktoren, ein weiterer Teil der Karotinoide
durch Dioxygenasen in Retinol umgewandelt (Konversion).
Dieses und das aufgenommene Retinol wird schließlich
wieder in Retinylester umgewandelt, die in den Chylomikronen
über die Lymphe, zusammen mit den restlichen Karotinoiden,
in die Blutbahn gelangen. Für Karotinoide wurden Konversionsfaktoren
festgelegt, die deren Pro-Vitamin-A-Aktivität beschreiben.
Beispielsweise beträgt der Faktor für Beta-Karotin
1:12, d.h. unternormalen Bedingungen werden 12 mg zugeführtes
Beta-Karotin in 1 mg Retinol umgewandelt.
Verteilung
im Körper
In
den peripheren Geweben werden die zirkulierenden Chylomikronen
dann zu Chylomikronen-Remnants abgebaut. Dabei kann Vitamin
A entweder in den Remnants verbleiben oder durch Freisetzung
von Retinol aus Retinylester durch die gewebeständige
Lipoprote in Lipase in das Gewebe aufgenommen werden. Die
Bedeutung dieses Stoff-Wechselweges ist noch Gegenstand
laufender Forschungsarbeiten; im Extremfall kann jedoch
vermutlich die gesamte Vitamin-A-Versorgung des Organismus
darüber gewährleistet werden [2, 3]. Der nach
geltender Lehrmeinung vorherrschende Stoffwechselweg beruht
auf der Aufnahme des verbliebenen Vitamin A in die Leber
im Zuge des Abbaus der Chylomikronen-Remnants. Die Leber
speichert einen Großteil (ca. die Hälfte bis
drei Viertel) der körpereigenen Vitamin-A-Reserven,
von denen sich etwa 90% als Retinylester in den perisinusoidalen
Stellatumzellen befinden (Langzeitspeicher). Die Abgabe
von Vitamin A ins Blut wird von den Hepatozyten bewerkstelligt,
die die restlichen 10% als Kurzzeitspeicher enthalten. Dazu
bedarf es der Bildung eines Komplexes aus jeweils einem
Molekül Retinol und Retinol-bindendem Protein (RBP),
dem sogenannten holo-RBP, mit einem Molekül Transthyretin
(TTR).
Der
Retinolspiegel im Plasma wird homöostatisch sehr genau
kontrolliert, sodass es bei normal gefüllten Speichern
selbst nach monatelangem Mangel oder chronischer Überdosierung
nicht zu Veränderungen kommt (Abb. 1). Bei sehr kurzfristigem,
hohem peripheren Bedarf (z. B. bei Infektionen) oder bereits
entleerten Speichern kann es dagegen zu einem Absinken des
Blutspiegels kommen, während dieser bei akuten Intoxikationen
ansteigen kann.
Karotinoide
können, analog zu Vitamin A, im Rahmen des Chylomikronen-Abbaus
von den Zielgeweben aufgenommen werden und dort ihre spezifische
Wirkung entfalten. Sie können aber auch mit den Remnants
zur Leber, gelangen. Dort werden sie entweder in Retinol
umgewandelt oder, wie z. B. das Beta-Karotin, mit den Lipoproteinen
(überwiegend LDL) wieder ausgeschleust und im peripheren
Fettgewebe gespeichert.
Retinale
Vitamin-A-Versorgung
Neben
den wichtigen Funktionen für den Vorderabschnitt des
Auges spielt Vitamin A vor allem für Integrität
und Funktion der Netzhaut eine wesentliche Rolle. Auf die
Bedeutung der Karotinoide wird an anderer Stelle detailliert
eingegangen.
Die
Versorgung der Netzhaut mit Vitamin A erfolgt nach aktuellem
Wissensstand ausschließlich über das retinale
Pigmentepithel (RPE). Sowohl zum Schutz von freiem Retinol
als auch zur Überbrückung von Membranen steht
dazu, wie in vielen anderen Körperzellen auch, ein
Satz von zellulären Transport- und Bindeproteinen zur
Verfügung. Zunächst muss der Komplex aus Retinol,
RBP und TTR aus dem Gefäßsystem aufgenommen werden.
Trotz intensiver Forschungsarbeit ist es weiterhin unklar,
ob dies durch einen spezifischen Rezeptor vermittelt wird
oder nicht. Das aufgenommene Retinol wird jedenfalls sofort
an ein zelluläres Retinol-Bindeprotein (CRBP) gebunden.
An dieser Stelle findet eine Vereinigung mit dem ebenfalls
CRBP-gebundenen Retinol aus dem Rhodopsin-Regenerationskreislauf
statt. Eine Isomerase wandelt das all-trans-Retinol in tt-cis-Retinol
um, welches anschließend, an ein zelluläres Retinal-Bindeprotein
(CRALBP) gebunden, in ii-cis-Retinal umgebaut wird. Dieses
ist der aktive Bestandteil des Rhodopsins und wird durch
die Interphotorezeptor-Matrix zu den Photorezeptoren transportiert.
Dort verbindet sich das u-cis-Retinal mit Opsin zu Rhodopsin,
welches in den Außensegmenten für den Anstoß
der Phototransduktionskaskade bei Belichtung benötigt
wird.
Mehrere
dieser Prozesse sind noch nicht geklärt, insbesondere
was die Funktion und Interaktion der involvierten Proteine
betrifft. So wurde zum Beispiel bei Patienten mit Leberseher
Congenitaler Amaurose (LCA) ein Defekt von RPE65 nachgewiesen,
der einen Ausfall der Isomerase verursacht, obwohl RPE65
selbst nicht die Isomerase ist. Wie RPE65 und Isomerase
interagieren, ist bisher noch unklar. Ebenso unklar ist
die genaue Funktion des Interphotorezeptor Retinol-Bindeproteins
(IRBP), das zunächst als Shuttle für den Transport
vom RPE zu den Photorezeptoren und zurück betrachtet
wurde, nun aber mehr als passiver Puffer für freies
Retinol gesehen wird.
Retinolstoffwechsel
und Netzhautdegenerationen
Degenerationen
der Netzhaut können vielfältige Ursachen haben.
Man kann sie grob unterteilen in erbliche Netzhauterkrankungen
(Beispiel: Retinitis Pigmentosa-Gruppe), Netzhauterkrankungen
mit gesicherter oder wahrscheinlicher erblicher Komponente
(Beispiel: AMD), und erworbene Netzhauterkrankungen (Beispiel:
ChloroquinRetinopathie). Informationen, die Ernährung
und Retinolstoffwechsel betreffen, gibt es - mit Ausnahme
der AMD, die an anderer Stelle behandelt wird -praktisch
nur bei den erblichen Netzhauterkrankungen.
Ausfall
der systemischen Vitamin-A-Versorgung
Ein
Ausfall der systemischen Vitamin-A-Versorgung ist meist
nutritiv bedingt. Wegen der großen Speicherkapazität
der Leber ist es normalerweise schwierig, diesen Zustand
zu erreichen, weshalb solche Fälle außerhalb
der Entwicklungsländer selten auftreten. Der dadurch
bedingte Vitamin-A-Mangel betrifft, insbesondere wegen der
Auswirkung auf die Proliferation von Epithelien, viele Organsysteme
(z. B. Haut, Lunge). Der Symptomenkomplex am Auge wird als
Xerophthalmie bezeichnet [4]. Er umfasst als Hauptmerkmale
Veränderungen der Bindehaut und Kornea (Xerose, Bitot'sche
Flecken), Nachtblindheit durch Rhodopsinmangel der Stäbchen,
sowie typische kleinfleckige RPE-Atrophie („Fundus
xerophthalmicus“, Abb. 3a, c; [5]). Nach Vitamin-A-Supplementierung
bildet sich der Phänotyp auch in fortgeschrittenen
Stadien noch weitgehend zurück (Abb. 3c; [6]).
Eine
erbliche Form von systemischem Retinolmangel aufgrund eines
Defekts im Gen für den Serum-Trans porter (RBP4, OMIM
180 250) konnte kürzlich beschrieben werden [2]. Bei
den betroffenen Patienten war das Plasma-Retinol auf weniger
als 0,2 pmol/L erniedrigt (Normbereich 0,7-1,5 pmol/L).
Interessanterweise beschränken sich die Symptome in
diesem Fall fast ausschließlich auf RPE und Netzhaut.
Das Fundusbild ist mit dem bei nutritivem Mangel identisch
(vgl. Abb. 3a, c und b, d). Wie bei einem schweren nutritiven
Mangel ist auch die Dunkeladaptationsschwelle im Sinne einer
totalen Nachtblindheit erhöht, elektroretinographisch
waren keine Stäbchen, aber noch mäßig bis
gut erhaltene Zapfenantworten messbar, und es kam zu einem
zunächst milden Visusabfall auf 0,8-0,5 (der weitere
Verlauf ist noch nicht bekannt, da es sich um eine Erstbeschreibung
handelt).
Dies
zeigt, dass der direkte, von der Leber unabhängige
Stoffwechselweg (Aufnahme von Retinylestern in die Gewebe
bei Abbau der Chylomikronen, s.o.) in einem solchen Fall
mit wenigen Ausnahmen die gesamte Gewebsversorgung übernehmen
kann. Die selektive Beeinträchtigung von RPE und Netzhaut
- aber nicht des Vorderabschnitts - spricht dagegen für
eine obligat rezeptorvermittelte Aufnahme von holo-RBP durch
das RPE.
Proteinausfall
im RPE
Der
Ausfall von Proteinen im RPE kann sehr unterschiedliche
Auswirkungen haben. Mutationen in RLBP1, dem Gen für
CRALB (cellular retinaldehyde-binding protein), führen
zu einem Retinitis Pigmentosa (RP)-ähnlichen Krankheitsbild
[10]. Ein Defekt im Gen für RPE65 bewirkt auf noch
unklare Weise einen Funktionsverlust der Retinol-Isomerase,
was den Regenerationszyklus für Rhodopsin blockiert
[11]. Dieser Defekt führt zur Leber'schen Congenitalen
Amaurose (LCA; [12, 13]). Die Funktion von RGR (RPE-retinal
G-protein-coupled receptor), einem im RPE und Müllerzellen
exprimierten Protein, ist noch nicht vollständig geklärt.
RGR ist homolog zu Rhodopsin, wandelt aber bei Belichtung
- umgekehrt wie Rhodopsin - all-trans-Retinal in 1t-cis-Retinal
um und trägt daher zur Regeneration von Rhodopsin bei.
Mutationen im Gen für RGR können ein RP-ähnliches
Krankheitsbild hervorrufen [14]. Der Ausfall der 11-cis-Retinol-Dehydrogenase
aufgrund von Mutationen im RDH5-Gen ist dagegen als Ursache
des Fundus Albipunctatus identifiziert worden. Bei dieser
nicht-progredienten Erkrankung, der die typischen weiß-gelblichen
subretinalen Punkte ihren Namen gegeben haben, ist die Dunkeladaptation
extrem verlangsamt [15]. Während Normalpersonen die
Stäbchen-Endschwelle nach etwa 20-30 Minuten in Dunkelheit
erreichen, benötigen die Patienten 2,5-3 Stunden; analoges
gilt für die Antworten im Elektroretinogramm (ERG).
Obwohl also die physiologischen Schwellen erreicht werden,
führt die Verzögerung doch praktisch zu einer
Nachtblindheit.
Ausfall
von Proteinen in der Interphotorezeptor-Matrix
Wie
bereits erwähnt wurde IRBP (Interphotoreceptor retinoid-binding
protein) zunächst als Transporter von Vitamin A zwischen
RPE und Photorezeptoren gesehen [16]. Dies müsste jedoch
im Falle eines Ausfalls zu einer schwerwiegenden Dysfunktion
führen. Ein solches Krankheitsbild ist beim Menschen
aber bisher nicht gefunden worden. Die Analyse von IRBP
knock-out-Mäusen hat im Gegenteil ergeben, dass der
Verlust von IRBP nicht zu einer Veränderung der Rhodopsin-Regeneration
führt [17]. Unabhängig davon kommt es allerdings
zu einer Netzhautdegeneration, sodass man momentan von einer
wichtigen Pufferfunktion in der Interphotorezeptor-Matrix
ausgeht [18].
Ausfall
von Proteinen in den Photorezeptoren
In
den Photorezeptoren gibt es eine große Zahl von Proteinen,
die an Aufnahme, Umwandlung und Transport von Vitamin A
direkt oder indirekt beteiligt sind, und deren Funktionsverlust
entsprechend unterschiedliche Auswirkungen hat, von denen
hier nur Beispiele genannt werden können.
So
führen die meisten Mutationen im Opsin der Stäbchen
(üblicherweise Rhodopsinmutationen genannt) oder gar
dessen kompletter Verlust zu einer Netzhautdegeneration,
die als Retinitis Pigmentosa (RP) bezeichnet wird [19].
Charakteristische Merkmale sind Nachtblindheit von früher
Kindheit an, ein zunehmender Verlust des peripheren Gesichtsfeldes
der zu „Tunnelsehen“ führt und ein stark
vermindertes bis erloschenes Elektroretinogramm (ERG). Befunde
am Auge umfassen typischerweise eine Abblassung des Sehnervenkopfes,
verengte retinale Gefäße, Ablagerung von Pigmenten
in der Retina (sog. Knochenkörperchen) und eine Atrophie
des retinalen Pigmentepithels. Mutationen an bestimmten
Stellen können aber auch mildere Ausprägungen
im Sinne einer CSNB bewirken [20].
Ausfälle
von in vielen Geweben vorhandenen Proteinen wie Myosin VIIA,
das, im Photorezeptor an Rhodopsin-Transportvorgängen
beteiligt ist [21], können zu syndromischen Krankheitsbildern
wie dem UsherSyndrom (RP und Innenohrschwerhörigkeit)
führen [22].
Auch
im Photorezeptor können am Vitamin-A-Transport beteiligte
Proteine wie das ABCR (ATP-binding cassette Tansporter)
sehr unterschiedliche Phänotypen verursachen: Die meisten
Mutationen führen zum Morbus Stargardt, einer der häufigsten
erblichen Makulopathien, bei der nur die zentralen Zapfen
Funktionsdefizite zeigen, es können aber auch Zapfen-StäbchenDystrophien
oder sogar Retinitis Pigmentosa-ähnliche Bilder auftreten
[23]. Dabei scheint es auf den Grad der direkten Schädigung
der Photorezeptoren [24] und einer indirekten Degeneration
durch Akkumulation von A2-E, einem toxischen Vitamin-A-Abbauprodukt,
im RPE [25] anzukommen.
Therapeutische
Optionen
Die
noch unvollständige Aufklärung vieler Transport-
und Stoffwechselprozesse auf dem Weg des Vitamin A von der
Aufnahme in den Körper bis zum Erreichen der retinalen
Zielstrukturen hat bisher gezielte Ansätze zur Prävention
oder Therapie von Netzhauterkrankungen erschwert. In den
wenigen größeren Studien wurde daher meist die
Auswirkung von oral appliziertem Retinol untersucht. Bekanntestes
Beispiel ist die Studie von Berson [26], bei der in einem
heterogenen Kollektiv von Retinitis Pigmentosa-Patienten
eine um 20% geringere Progression der Erkrankung gefunden
wurde. Auf dieser Basis empfehlen einige Kliniken RP-Patienten
die Einnahme von t5.000 IE Retinol per die, während
andere den Effekt für zu gering erachten, um eine solche
Therapie zu rechtfertigen (s. hierzu Stellungnahme in [27]).
Eine andere Studie von Jacobson hat bei der Sorsby’schen
Fundusdystrophie einen stark positiven Effekt von hoch dosiertem
Retinol (5.0000 1E/die) gefunden [7], ohne dass der Wirkmechanismus
bekannt ist. Hier zeigt sich ein Vorteil der oft monogenen
erblichen Netzhauterkrankungen, indem pathophysiologische
Prozesse nach Entdeckung der ursächlichen Mutationen
oft in entsprechenden Mausmodellen nachvollzogen werden
können. Dies wird in der Zukunft sicher zu einem weit
besseren Verständnis der Netzhauterkrankungen selbst,
aber auch der therapeutischen Möglichkeiten führen.
Ein Beispiel dafür ist die genauere Zuordnung des in
dem sehr inhomogenen Kollektiv von RP-Patienten in der Berson-Studie
gefundenen Effekts zu verschiedenen Klassen von Rhodopsinmutationen
[28]. Ein anderes Beispiel zeigt, dass auch der Nutzen und
die Nebenwirkungen synthetischer Substanzen, die bestimmte
Stoffwechselpfade umgehen, vor dem Einsatz beim Menschen
im Modell erprobt werden können [29].
Fazit
für die Praxis
Die
Frage, inwieweit Netzhautdegenerationen durch Vitamin A
bzw. Karotinoide präventiv oder therapeutisch beeinflussbar
sind, lässt sich momentan noch nicht abschließend
beantworten. Bei einigen wenigen Krankheitsbildern wie der
Retinitis Pigmentosa und der Sorsby'schen Fundusdystrophie
wurden mit der Supplementation von Retinol ein positiver
Effekt erzielt. Es ist davon auszugehen, dass die weiteren
Fortschritte bei der Aufklärung sowohl des Vitamin-A-Stoffwechsels
als auch der Pathophysiologie der Netzhauterkrankungen bald
zu spezifischeren und damit effektiveren Therapieansätzen
führen werden.
Zusammenfassung
Vitamin A spielt bei der Pathogene und dem verlauf von Netzhautdegenerationen
eine wichtige Rolle. Nach einer kurzen Übersciht über
den Weg des Vitamin A von der Aufnahme in den Körper
bis zum Erreichen der rentinalen Zielstrukturen werden die
wichtigsten Netzhautdegenerationen vorgestellt, die in einem
zusammenhang mit dem vitamin-A-Stoffwechsel stehen. Ansätze
zur Prävention bzw. Therapie von Netzhauterkrankungen
werden unter Berücksichtigunng der vielfach noch unvollständigen
Aufklärung grundlegender transport- und Stoffwechselprozesse
diskutiert.
Literatur
1.
Biesalski HK, Schrezenmeir J, Weber P, Weiß HE
(1997) Vitamine: Physiologie, Pathophysiologie,
Therapie.Georg Thieme, Stuttgart
2. Seeliger MW Biesalski HK, Wissinger Betal.
(1999) Phenotype in retinol deficiency due to a
hereditary, defectin retinol binding protein
(RBP) synthesis. Invest Ophthalmol Vis Sci
40:3-11
3. BiesalskiHK, Frank, BeckSCetaI. (1999)
Biochemical but rot dinical vitamin A deficiency
results from mutacions in the gene for retinol
binding protein. Am Clin Nutr69: 931-936
4. Oomen HA (1976)Xerophthalmia.
Monogr Ser World Health Organ 62:94-110
5. Uyemura M (1928) Ueber eine merkwürdige
Augenhintergrundsveränderung bei zwei
Fällen von idiopathischerHemeralopie.
Klin Monatsbl Augenheilkd 81:471-473
6. Sommer A,TjakrasudjatmaS,DjunaediE,
Green WR (1978) Vitamin A-responsive
panocular xerophthalmia in a healthy adult.
Arch Ophthalmol96:1630-1634
7. Weber BH,VogtC,PruettRC,StohrH,FelborU
(1994) Mutationsin thetissue inhibitor
of metalloproteinases-3 (TIMP3) in patients
with Sorsby's fundus dystrophy.
8. Jacobson SG,Cidedyan AV, Regunath G,
Rodriguez F),Vandenburgh K, Sheffield vC,
Stone EM (1995) Night blindness in Sorsby's
fundus dystrophy reversed,by vitamin A.
NatGenet 11:27-32
9. Stone EM, Lotery A), Munier FL ei al. (1999)
A single EFEMP1 mutation associated with both
Malatti Leventinese and Doyne honeycomb
retinal dystrophy. Nat Genet 22:199-202
10. Maw MA, Kennedy 8, Knight A ei al. (1997)
Mutation of the gene encoding cellular retinal-
dehyde-binding protein in autosomal recessive
retinitis pigmentosa.Nat Genes 17:198-200
11. Redmond TM, Yu S, Lee E et al.(1998)Rpe65 is
necessary for production of 11-cis-vitamin A in
the retinal visual cycle.Nat Genet 20:344-351
12. Gu SM, Thompson DA, Srikumari CR ei al.
(1997) Mutations in RPE65 cause autosomal
recessive childhood-onset severe retinal
13. Marlhens F, Barel C,Griffoin JM et al. (1997)
Mutations in RPE65 sause Leber's tongenital-
amaurosis. Nat Genet 17:139-141
14. Morimura H, Saindelle-Ribeaudeau F, Berson EL
Dryja TP (1999) Mutations in RGR, encoding
a light-sensitive opsin homologue, in patients
with retinitis pigmentosa. Nat Genet 23:393
15. Yamamoto H, Simon A, Eriksson U, Harris E,
Berson EL, Dryja TP (1999) Mutations in the
gene encoding t 1-cis retinol dehydrogenase
cause delayed dark adaptation and fundus
albipunctatus. Nat Genes 22:188-191
16. Liou GI, Bridges CD, Fpng SL, Alvarez RA,
Gonzalez-Fernandez F (1982) Vitamin A
transport between retina and pigment
epithelium -an interstitial protein carrying
endogenus retinol (interstitial retinol-
binding protein). Vision Res 22:1457-1467
17. Palczewski K,Van Hooser 1P, Garwin GG, Chen J,
Liou GI, Saad JC (1999) Kinetics of visual pigment
regeneration in excised ouse eyes and in
mice wich a targeted disruption of the gene
encoding interphotoreceptor retinoid-binding
protein or arrestin. Biochemistry
18. Ripps H, Peachey NS, Xu X, Nozell SE, Smith SB,
Liou GI (1000) The rhodopsin cycle is preserved
in IRBP"knockout" mice despite abnormalities
in retinal structure and function. Vis Neurosci
17:97-105
19. Dryia TP, McGee TL, Reichel E et al. (1990)
A point mutation of the rhodopsin gene in one
form of rentinis pigmentosq. Nature
343:364-366
20. al-Jandal N, Farrar GJ, Kiang AS et al.(1992)
A novel mutation within the rhodopsin gene
(Thr-94-lle) causing autosomal dominant
congenital stationary night blindness.
Hum Mutat 13:75-81
21. Liu X, Vansant G, Udovichenko IP,Wolfrum U,
Williams DS. Myosin (1997) Vlla, the Product of
the Usher 1 B syndrome gene, is concentradet
in the connecting cilia of photoreceptor cells.
Cell Motil Cytoskeleton 37:240-252
22. Weil D, Blanchard S, Kaplan J et al. (1995)
Defective myosin Vlla gene responsible for
Usher syndrome type 1B. Nature 374:60-61
23. Sun H, Smallwood PM, Nathans (2000)
Biochemical defects in ABCR protein variants
associated with human retinopathies.
Nat Genet 26:242-246
24. Molday LL, Rabin AR, Molday RS (2000) ABCR
expression in foveal cone photoreceptors
and its role in Stargardt macular dysthrophy.
Nat Genet 25:257-258
25. Weng J, Mata NL, Azarian SM, Tzekov RT,
Birch DG, Travis GH (1999) Insights into the
function of Rim protein in photoreceptors
and etiology of Stargardts´s disease from the
phenotype in ABCR knockout mice. Cell 98:13-23
26. Berson EL, Rosner B, Sandberg MA, Hayes KC,
Nicholson BW, Weigel-DiFranco C, Willett W
(1993) A randomized trial of vitamin A and
vitamin E supplementation for rentitis
pigmentosa. Arch Ophthalmol 111:761-72
27. Zrenner E (1999) Aktuelles zur Vitamin A-
Therapie. Retina aktuell Nr. 75, Pro Retina
Deutschland
28. Li T Sandberg MA, Pawlyk BS, Rosner B, Hayes KC,
Dryia TP, Berson EL (1998) Effect of vitamin A
supplementstation on rhodospin mutants
threonine-17methionine and praline-347
- seine in transgenic mice and in cell cultures.
Proc natl Acad Sci USA 95:11933-11938
Van Hooser JP, Aleman TS, He YG et al. (2000)
Rapid restoration of visual pigment and function
with oral retinoid in a mosue model of childhood
blindness. Proc Natl Acad Sci USA 97:8623-8628
Zur
pränataltoxischen Wirkung hoher Vitamin-A-Zufuhren |
Zur
pränataltoxischen Wirkung hoher Vitamin-A-Zufuhren
Hans
Konrad Biesalski, Institut für Biologische Chemie und
Ernährungswissenschaft, Universität Hohenheim
Vitamin
A (Retinol) ist für den Menschen ein essentieller Nährstoff,
der eine Reihe vitaler Wirkungen ausübt und einer adäquaten
Zufuhr bedarf. Insbesondere erforderlich ist Vitamin A,
um den Sehvorgang und normales Wachstum, die Zellstruktur
und -funktion, die epitheliale Gewebeintegrität, die
Zellproliferation und -differenzierung sowie die Knochenentwicklung
und die Fortpflanzung zu gewährleisten. Vitamin-A-Mangel
beeinträchtigt alle diese Funktionen und kann während
der Schwangerschaft zu fetalen Missbildungen führen.
Umgekehrt üben exzessive Zufuhren von Vitamin A toxische
Effekte aus, unter die auch teratogene rechnen [1]. Kürzlich
sind dazu Ergebnisse einer Studie von Kenneth J. ROTHMAN
u. a. publiziert worden [2], die unerwartete Aufmerksamkeit
erregt haben und deshalb einer wissenschaftlichen Bewertung
bedürfen.
Die
Vorgeschichte
Teratogene
Effekte hoher Vitamin-A-Dosierungen sind erstmals 1952 von
COHLAN [3] bei Untersuchungen an der Ratte beschrieben worden.
Nachfolgende pränataltoxische Befunde von Tierexperimenten
sind in einer Übersicht von UNDERWOOD aus dem Jahre
1989 [4] dokumentiert. Die teratogen wirkende minimale Vitamin-A-Dosis
bewegt sich nach heutigem Kenntnisstand bei verschiedenen
Tierarten zwischen 9000 und 165 000 IE/kg Körpermasse.
Hinsichtlich der Art und Häufigkeit auftretender Missbildungen
gilt der Javaneraffe Macaca fascicularis (M. cynomolgus)
als das dem Menschen am ähnlichsten reagierende Tiermodell.
Für
den Menschen stammt ein erster Fallbericht über Zusammenhänge
zwischen mütterlicher Hypervitaminose A und kindlichen
Missbildungen aus dem Jahre 1965 [5]. Im weiteren Verlauf
bis 1986 sind 18 Fälle teratogener Vitamin-A-Wirkung
erfaßt worden. Die betreffenden Mütter hatten
täglich 18000 IE (1 Fall), zumeist indessen mehr als
25 000 IE eingenommen. Den unterschiedlichen Mengen entsprechend,
sind die teratogenen Effekte nicht immer von Symptomen einer
mütterlichen Hypervitaminose A begleitet gewesen. Bis
heute sind weltweit 20 Fälle kongenitaler Missbildungen
registriert worden, die auf eine hochdosierte mütterliche
Vitamin-A-Versorgung (meist über 25 000 IE/Tag) zurückgeführt
werden [7, 8]. Sie alle gehen auf Fallberichte oder retrospektive
epidemiologische Untersuchungen zurück.
Kontrollierte
randomisierte Doppelblind-Interventionsstudien sind aus
ethischen Gründen nicht durchgeführt worden. Die
bislang unternommenen epidemiologischen Untersuchungen und
Fall-Kontroll-Studien [9, 16] sind aus methodologischer
Sicht jedoch nur bedingt schlüssig (unzureichende Zahl
mit Vitamin A hochversorgter Frauen, statistisch nicht repräsentative
Stichproben, Mangel an zuverlässigen Messungen der
Belastung durch Vitamin A, bestehende Vorurteile, dürftige
Kontrolle von Komplikationsfaktoren u. a.). Die zum teratogenen
Potential von Vitamin A beim Menschen vorliegenden Informationen
sind demzufolge begrenzt und nicht überzeugend [8].
Ungeachtet
dessen spricht die Mehrzahl der angeführten Studien
für eine Abnahme des Risikos schwerer Geburtsfehler,
wenn Schwangere moderat dosierte Vitamin-A-Supplemente zu
sich nehmen. Dementsprechend haben nach 1986 erschienene
Übersichtsarbeiten zur Sicherheit von Vitamin A [7,
17, 18] zu dem Schluss geführt, dassß kein teratogenes
Risiko besteht, wenn die Dosierung 10000 IE Vitamin A/Tag
nicht überschreitet. Die bundesdeutsche Arzneimittelgesetzgebung
hat schon 1989 [19] ähnlich reagiert und auf Verpackungen
für Vitamin-A-Präparate Warnhinweise gefordert,
dass Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere Einnahmen von
10000 IE/Tag nicht überschreiten. Inzwischen ist überdies
die Freiverkäuflichkeit von Vitamin-A-Präparaten
auf 5000 IE begrenzt worden.
Tab.
1: Gesamt-Vitamin-A-Aufnahme aus Lebensmitteln und Vitaminpräparaten
| tägliche
Vitamin-A-
Dosis (IE) |
Gesamt-zahl
|
"cranial
neural
crest"
Mißbildungen |
Neuralrohr-
Defekte
|
Muskulatur-,
Skelett-
und Urogenital-
Defekte
|
andere
Geburtsfehler
|
insgesamt
|
| 0-5000
5000-10000
10001-15000
über 15001 |
6410
12688
3150
500 |
0,51
% (33)
0,47 % (59)
0,16 % (20)
0,20 % ( 9) |
0,20
% (13)
0,23 % (29)
0,16 % ( 5)
0,20 % ( 1) |
0,37
% (24)
0,49 % (62)
0,32 % (10)
0,80 % ( 4) |
0,25
% (16)
0,36 % (46)
0,22 % ( 7)
0,20 % ( 1) |
1,3
% ( 86)
1,5 % (196)
1,3 % ( 42)
3,0 % ( 15) |
"prevalence
ratio"
(95 % CI) |
|
1,80:0,51
=3,5
(1,7-7,3) |
|
|
|
3,0:1,3
=2,2
(1,3-3,8) |
Tab. 2: Vitamin-A-AUfnahme nur aus Lebensmitteln
| tägliche
Vitamin-A-
Dosis (IE) |
Gesamt-zahl
|
"cranial
neural
crest"
Mißbildungen |
Neuralrohr-
Defekte
|
Muskulatur-,
Skelett-
und Urogenital-
Defekte
|
andere
Geburtsfehler
|
insgesamt
|
| 0-5000
5000-10000
10001-15000 |
21755
805
188
|
0,52
% (114)
0,62 % ( 5)
1,06 % ( 2)
|
0,20
% (44)
0,37 % ( 3)
0,53 % ( 1)
|
0,44
% (95)
0,37 % ( 3)
1,06 % ( 2)
|
0,31
% (67)
0,37 % ( 3)
|
1,5
% (320)
1,7 % ( 14)
2,7 % ( 5)
|
"prevalence
ratio"
(95 % CI)
|
|
1,06:0,52
=2,0
"statisticaly unstable" |
|
|
|
3,0:1,3
=2,2
(1,3-3,8)
|
Gegen
die offiziell für die tägliche Vitamin-A-Zufuhr
empfohlenen Mengen gibt es keine Bedenken [17]. Eine jüngste
holländische Untersuchung zeigt jedoch, dass diese
Menge von der Hälfte der Frauen mit der üblichen
Nahrung nicht aufgenommen wird [20].
Kritische
Bewertung der Studie „Teratogenicity of high vitamin
A intake” von K. J. Rothman et al. [2]
Die
RaTHMAN-Studie greift auf Daten aus einer zwischen 1984
und 1987 durchgeführten nicht randomisierten prospektiven
Studie zurück, bei der schwangere Frauen ursprünglich
nur auf Risikofaktoren für Neuralrohr-Defekte und deren
Zusammenhang mit der Folsäureversorgung untersucht
werden sollten [12].
Methodik
Das
untersuchte Kollektiv bestand anfangs aus über 24000
Frauen, die nach einer Amniozentese oder einer Alpha-Fetoprotein-Untersuchung
ausgewählt worden waren.
Nachdem
1811 Frauen von der Studie ausgeschlossen worden waren,
da
sie entweder nicht teilnehmen wollten (1068), ihre telefonischen
Interviews unvollständig waren (29), sie zum Zeitpunkt
der follow-up-Erhebung unbekannt verzogen waren (686), keine
Information über das Ergebnis ihrer Schwangerschaft
verfügbar war (21), die Retinol-relevanten Angaben
zur Kost nicht ausreichend waren (6) oder keine Information
über den Konsum von Vitaminsupplementen bestand (1),
blieb ein Studienkollektiv von 22 748 Frauen übrig.
Die
Datenerhebung erfolgte in telefonischen Interviews durch
speziell geschulte Krankenschwestern.
Die
Befragungen bezogen sich auf
-
die Ernährung, Erkrankungen und die Einnahme von Vitaminpräparaten
vor und während des ersten Trimenons,
- die medizinische/familiäre Anamnese sowie
- umweltbedingte und außergewöhnliche Belastungen.
Der
Verlauf der Schwangerschaft und die Gesundheit des Neugeborenen
wurde dokumentiert anhand eines Fragebogens, der meist (77
%) vom betreuenden Arzt oder von der Mutter (23 %) ausgefüllt
wurde. Er informierte über
-
das Auftreten von Geburtsfehlern und
- andere Komplikationen während der Schwangerschaft
und Geburt.
Im
Rahmen der Datenanalyse wurden die Frauen und die aufgetretenen
Missbildungen nach verschiedenen Kriterien klassifiziert:
-
Retinol-Aufnahme aus Multivitamin-Präparaten,
- Retinol-Aufnahme aus Vitamin-A-Supplementen,
- Retinol-Aufnahme aus Lebensmitteln, nach der die Angaben
zum Nahrungsverzehr auf „Haupt- Retinol-Lieferanten“
untersucht wurden: Milch, Käse, Margarine, Butter, Eier,
Kartoffelbrei (wegen der enthaltenen Eier und
Milch), Geflügel, Geflügelleber, Rindfleisch, Rinderleber,
Wurstwaren, Pizza, Fisch und Frühstücksflocken
und
- Art der Missbildungen (bei mehrfachem Auftreten nur einmalige
Zuordnung in die höchste Kategorie):
Gruppe A „cranial neural crest“ (CNC)
Schädel-/Gesichtsanomalien, z.B. Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte,
Mikrotie, Mißbildungen der Augen etc.
Defekte des Zentralnervensystems, z.B. Deformierungen
des Gehirns, Hydrozephalus etc.
Anomalien der Schilddrüse oder des Thymus
Herzfehler
Gruppe B
Neuralrohr-Defekte, z.B. spine bifida, Anenzephalie etc.
Gruppe C
Defekte des Knochen-/Muskelapparates
Urogenitaldefekte
Gruppe D
Defekte des Gastrointestinal-Traktes
andere Mißbildungen
Tab.
3: Vitamin-A-Aufnahme nur aus Vitaminpräparaten
| tägliche
Vitamin-A-
Dosis (IE) |
Gesamt-zahl
|
"cranial
neural
crest"
Mißbildungen |
Neuralrohr-
Defekte
|
Muskulatur-,
Skelett-
und Urogenital-
Defekte
|
andere
Geburtsfehler
|
insgesamt
|
| 0-5000
5000-8000
8001-10000
über 10001 |
11083
10585
763
317 |
0,46
% (51)
0,51 % (54)
1,18 % ( 9)
2,21 % ( 7) |
0,19
% (21)
0,25 % (26)
0,13 % ( 1)
( 0) |
0,40
% (44)
0,49 % (52)
0,26 % ( 2)
0,63 % ( 2) |
0,29
% (32)
0,34 % (36)
0,13 % ( 1)
0,32 % ( 1) |
1,3
% (148)
1,6 % (168)
1,7 % ( 13)
3,2 % ( 10) |
"prevalence
ratio"
(95 % CI) |
|
2,21:0,46
=4,8
(2,2-10,5) |
|
|
|
3,2:1,3
=2,4
(1,3-4,4) |
Ergebnisse
Der
Ergebnisteil der Studie präsentiert in der Hauptsache
3 Kontingenztabellen, die das Auftreten unterschiedlicher
Defekte in Abhängigkeit von der Vitamin-A-Aufnahme
darstellen (Tab. 1-3). Aus der konstanten Zunahme der CNC-Inzidenz
in den 4 Kategorien wurde eine lineare Regression ermittelt,
die einen Anstieg um 0,066 % pro 1000 IE Vitamin A liefert
(Abb. 1). Um die Beeinflussung der Ergebnisse durch andere
Variablen auszuschließen, wurden die Tabellen in Bezug
auf verschiedene, möglicherweise störende Parameter
bereinigt:
-
Alter der Mutter,
- Bildungsstand,
- Rasse und
- familiäre Anamnese bezüglich Geburtsfehlern.
Es
wurden keine störenden Einflüsse festgestellt.
Zur
Kontrolle der Ergebnisse wurde ein nicht näher erklärtes,
„multiple logistic model“ erstellt, welches
das Auftreten von cranial neutral crest (CNC)-Defekten in
Abhängigkeit vom Retinol-Verzehr darstellt und dazu
neben den obengenannten Faktoren noch die folgenden berücksichtigt:
-
Alkoholkonsum,
- Folsäure-Versorgung,
- Herpes-genitalis-Infektionen,
- mütterlicher Diabetes,
- Fieber > 38,3 °C während des ersten Trimenons
sowie
- Einnahme von Hormonpräparaten, Antiepileptika und
Retinsäure.
Aus
diesem Modell wurde für den Konsum von > 10 000
IE ein gegenüber dem Konsum von < 10 000 IE um den
Faktor 4,1 erhöhtes Risiko für CNC-Defekte ermittelt.
Das
Fazit der Studie wird im wesentlichen präsentiert anhand
eines Diagramms, das nun einen quadratischen Zusammenhang
zwischen CNC-Defekten und der Vitamin-A-Aufnahme zeigt (Abb.
2). Anhand dieses Modells glauben die Autoren belegen zu
können, dass die Dosis von 10 000 IE Vitamin A pro
Tag „an aparent threshold“ darstellt; oberhalb
dieses Schwellenwerts steigt das Risiko für CNC-Missbildungen
deutlich an.
Die von den Autoren angegebene Steigung
der Regressionsgerade (mittlere Linie) und ihr
95 %-Vertrauensintervall
Tab. 4 Kongenitale Fehlbildungen
|
|
durschn.
Häufigkeit
(Daten aus
verschiedenen Ländern)
|
Summe |
Auftreten
im vorliegenden
Kollektiv von 22748
Schwangerschaften
|
| Gesichtsspalten
Hydrozephalus
Herzfehler
Anenzephalie
Spina bifida
Klumpfuß
Polydaktylie
Hüftgelenksluxation |
0,08-0,30
%
0,05-0,18 %
0,10-0,90 %
0,06-0,46 %
0,02-0,41 %
0,06-0,40 %
0,06-0,24 %
0,07-0,34 % |
0,23-1,48 %
0,08-0,87 %
0,19-0,30 %
|
zusammen
120 Fälle = 0,53 %
zusammen
48 Fälle = 0,21 %
zusammen
57 Fälle = 0,25 %
|
Insgesamt |
1,0-4,0 %
|
|
1,47 %
|
Wertung
der Ergebnisse
Das
in der Studie untersuchte Kollektiv stellt keine repräsentative
Stichprobe der nord(ost)amerikanischen Bevölkerung
dar. Sie ist vielmehr durch eine vorgeschaltete Negativauswahl
gekennzeichnet. In der vorausgegangenen Studie [12] heißt
es ausdrücklich: „our study population is ...
not statistically representative of the general population,
... and ... the findings can not be generalised to predict
public health effect of folic supplementation in a general
population.” Sowohl Amniozentesen als auch AFP-Messungen
gehören nicht zu den routinemäßigen Schwangerschaftsuntersuchungen,
sondern sind bei Risikoschwangerschaften (erhöhtes
Alter der Eltern, familiäre genetische Defekte, vorausgegangene
Geburt mit geschädigtem Kind) oder einem Verdacht auf
neurale Defekte indiziert.
Die
den Ergebnissen zugrundeliegenden Berechnungen lassen sich
z. T. nur schwer, oft gar nicht nachvollziehen: Der Versuch,
die dargestellte lineare Regression zu rekonstruieren, lieferte
vollkommen andere Ergebnisse (Abb. 3). Die Steigung der
Regressionsgeraden beträgt
0,096 +- 0,016% CNC-Defekte pro 1000 IE Vitamin A, der Bereich
des 95 % Vertrauensintervalls: 0,028%-0,164% pro 1000 IE.
Ergebnis: Die Steigerung ist nur schwach von Null verschieden
(p = 0,0259).
Da
in der Arbeit lediglich der Mittelwert der Vitamin-A-Aufnahme
in der höchsten Dosierungsgruppe mit 21 675 IE angegeben
wird, lässt sich die genaue Verteilung in dieser, für
das Ergebnis der gesamten Studie so wichtigen Gruppe nur
erahnen (Abb. 4).
Wenn
in dieser Dosierungsgruppe, die lediglich durch die untere
Grenze von 10000 IE eindeutig definiert ist (in der gesamten
Studie ist keine Angabe über die größte
tägliche Vitamin-A-Dosis zu finden), der Mittelwert
bei 21 675 IE liegt, dann kann das - vor allem, da mit einem
erneuten Anstieg der Verteilungshäufigkeit im Bereich
> 20 000 IE nicht zu rechnen ist - nur bedeuten, daß
in dieser Gruppe eine nicht unwesentliche Anzahl von Fällen
mit einer täglichen Vitamin-A-Aufnahme von weit über
30000 IE vertreten ist!
Das
gilt auch für die Feststellung der Autoren, dass bei
einer mütterlichen Aufnahme von mehr als 10 000 IE/Tag
auf 57 Geburten eine Missbildung kommt, die mit der Vitamin-A-Versorgung
in Zusammenhang gebracht werden kann.
Um
in Abbildung 2 die Abhängigkeit von Prevalance Ratio
und Retinolverzehr darzustellen, sind im Falle der Supplemente
nur 317 Personen mit täglichen Aufnahmen von über
10 000 IE erfaßt worden. Wie die Aufnahmen dieser
317 Personen über die offen endende Gruppe mit mehr
als 10 000 IE/Tag verteilt sind, ist nicht gesagt worden.
Es wird eben nur die mittlere Retinolaufnahme der Gruppe
von 21 675 IE/Tag mitgeteilt, nicht jedoch, ob sich die
Aufnahmen mehr nach 10 000 IE hin bewegt, oder ob sie eher
ein Mehrfaches von 10 000 IE/Tag betragen haben.
Hinzu
kommt, dass bei den Kindern dieser 317 Mütter tatsächlich
nur 7 (möglicherweise) auf Vitamin A zurückzuführende
Missbildungen für den gesamten Bereich stehen. Trotz
der geringen Fallzahl wird allerdings über Einzelheiten
dazu, z. B. bei welchen aktuellen Dosen die Missbildungen
aufgetreten sind oder ob andere Risikofaktoren bestanden,
nicht informiert.
Die
Interviews über das Ernährungsverhalten (50 verschiedene
Lebensmittel, Häufigkeit ihres Verzehrs), den Verbrauch
von Vitaminpräparaten (Multivitamin- oder Einzelvitaminsupplemente),
andere Medikationen, die Anamnese u. a. wurden alle telephonisch
abgewickelt, und zwar Wochen bis Monate nach dem aktuellen
Vitamin-A-Konsum, z. T. erst nach Ablauf der Schwangerschaft.
Teilweise lag also mehr als ein halbes Jahr zwischen der
beschriebenen Zeit und der Datenerhebung.
Ca.
34 der Berichte über den Verlauf und das Ergebnis der
Schwangerschaft wurden von den Studienteilnehmerinnen selbst
erstellt. Können diese Daten ungeprüft mit den
von Medizinern erstellten Berichten vermischt werden?
Die
Definition des Begriffs Vitamin A scheint nicht ausreichend
geklärt zu sein: Wird evtl. der Begriff Retinol fälschlicherweise
synonym für Retinol-Äquivalente verwendet? Wie
lässt sich erklären, dass Frühstücksflocken
zu den Haupt-Retinol-Lieferanten gerechnet werden? Wurde
hier der Gehalt an ß-Carotin mit Retinol verwechselt,
oder sind diese Lebensmittel in den USA allesamt mit Retinol
angereichert?
Schließlich
zeigt ein Vergleich mit den durchschnittlichen Häufigkeiten
der verschiedenen Missbildungen nochmals die schon durch
die bereits angesprochene Negativauswahl vermutete Verschiebung
des Spektrums (Tab. 4).
Während
die Gesamtzahl der Missbildungen mit 1,47 % im internationalen
Vergleich gering erscheint, liegt die im Studienkollektiv
beobachtete Zahl von CNC-Defekten mit 0,53 % dagegen eher
in der Mitte des von den internationalen Zahlen aufgespannten
Bereichs. (Allerdings muss hier berücksichtigt werden,
dass in der Studie Neuralrohr- und andere Defekte nur dann
gezählt wurden, wenn sie nicht gemeinsam mit einem
Defekt der CNC-Klasse auftraten.)
Abb.
3: Durch GrophPad Prism berechnete Regression (dicke, gestrichelte
Linie + 95% Vertrauensintervall) und die von den Autoren
angegebene Steigung (dünne Linie)
Abb.
4: Verteilung der Gesamt-Vitamin-A-Zufuhr (links) sowie
Verteilung der Vitamin-A-Zufuhr aus Supplementen und Multivitamin-Präparaten
im untersuchten Kollektiv (rechts)
Insgesamt
kann somit festgestellt werden, dass die Ergebnisse der
Studie wegen der Ungewißheiten bezüglich der
Datenbasis und der unangemessenen biologischen Interpretation
statistischer Zahlenwerte von den Autoren überbewertet
worden sind. Dies bedeutet aber, dassß die Aussage,
bereits ab 10 000 IE Vitamin A bestehe ein teratogenes Risiko,
so nicht haltbar ist und eine Revidierung der Sicherheitsgrenzen
nicht erforderlich scheint.
Danksagung:
Ich
danke Herrn J. Borowi und Herrn Prof. B. Gaßmann für
die Unterstützung bei der Erstellung des Manuskriptes.
Anschrift
des Verfassers:
Prof. Dr. H. K. Biesalski
Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft
Fruwirthstraße 12
70599 Stuttgart
Ernährungs-Umschau
43 (1996) Heft 2
Vitamin-A-
Neue Erkenntnisse, Nutzen und Risiken |
Vitamin
A - Neue Erkenntnisse, Nutzen und Risiken
Von
Hans K. Biesalski, Mainz, und Kurt Seelert, Ludwigshafen
Vitamin
A als ein essentieller Nahrungsbestandteil hat in den letzten
Jahren zunehmendes Interesse in der experimentellen Forschung
und klinischen Anwendung gefunden. Dies nicht zuletzt, da
das Spektrum der den Vitamin-A-Derivaten zuzusprechenden
Funktionen durch neuere Forschungsergebnisse immer größer
wurde. Insbesondere die unterschiedlichen Wirkungsweisen
der einzelnen Verbindungen auf Transformation, Differenzierung
und Proliferation normaler und neoplastisch veränderter
Zellen sind sehr komplex. Daraus erklärt sich, weshalb
der Vitamin A-Mangel eine so vielfältige Symptomatik
aufweist, bei der in Abhängigkeit von der Dauer des
Mangels unterschiedliche Organe und Gewebe verschieden stark
betroffen sein können. So kann z. B. die Schleimhaut
des Respirationsepithels bereits bei einem marginalen Vitamin-A-Defizit
betroffen sein, obwohl die typisch klinischen Symptome erst
bei länger bestehendem Vitamin-A-Mangel auftreten.
Während sich die Diagnose des chronischen Vitamin-A-Mangels
aus der klinischen Symptomatik ergibt, kann sich der marginale
Mangel der Diagnostik und damit einer adäquaten Therapie
entziehen.
Bedeutung
der Serumretinolbestimmung zur Diagnose des Vitamin-A-Status
Als
diagnostischer Parameter zur Beurteilung des Vitamin-A-Status
wird die Bestimmung des im Blut zirkulierenden Retinols
(Vitamin A) verwendet. Dieses wird in Verbindung mit seinem
Transportprotein RBP (Retinol-bindendes Protein) aus dem
Hauptspeicher, der Leber, ausgeschleust, im Blut an TTR
(Transthyretin) gebunden und über einen zellulären
Rezeptor von der Targetzelle aufgenommen. Die verfügbaren
Leberspeicher für Vitamin A können je nach Füllungszustand
die Versorgung bei Ausbleiben einer kontinuierlichen Zufuhr
aufrecht erhalten. Im allgemeinen geht man zwar davon aus,
dass bei einem erwachsenen Menschen diese Speicher für
1 bis 2 Jahre ausreichen; diese Annahme ist jedoch, wie
Untersuchungen aus jüngerer Zeit zeigen, nicht mehr
zu halten. Insbesondere kann aus einem normalen Vitamin-A-Plasmaspiegel
nicht auf die noch verfügbaren Leberspeicher geschlossen
werden, da die Retinol-Serumkonzentration homöostatisch
bis zur fast vollständigen Entleerung der Leberspeicher
reguliert wird. Die Geschwindigkeit der Entleerung der Leberspeicher
hängt aber von vielfältigen anderen Faktoren ab,
die den Bedarf, die Verfügbarkeit und den Stoffwechsel
des Vitamins beeinflussen (Hormone, Spurenelemente, Medikamente
u. a.).
Die
deutliche Erniedrigung des Serumretinolwertes unter Normalwerte
(60 wg/dl bei Männern und 50 wg/dl bei Frauen, 25 wg/dl
bei Neugeborenen und Kleinkindern) wird aber erst dann auftreten,
wenn die Leberspeicher (Normalwert 20 bis 300 wg/g Leber)
bis unter einen kritischen Punkt (unter 10 wg/g Leber) entleert
sind (67, 45, 20). Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind
die auch in den peripheren Vitamin-A-abhängigen Geweben
wie Tracheal- und Bronchialschleimhaut, Zunge und Keimdrüsen
vorkommenden Vitamin-A-Speicher (44, 6) weitgehend entleert,
und damit steht Vitamin A für die strukturelle Integrität
dieser Gewebe nicht mehr ausreichend zur Verfügung
(8, 77, 37, 38, 57).
Im marginalen
Mangel ohne ausgeprägte Absenkung des Serumretinolspiegels
können also bereits morphologische und biochemische
Veränderungen vor allem im Bereich der Schleimhäute
des Respirations- und Gastroinstestinaltraktes eingetreten
sein (8, 37, 38). Dann aber kommt bei weiterer Entspeicherung
der Leber der Abfall des Retinol-Serumspiegels als Indikator
zu spät.
Unterstellt
man eine suboptimale Zufuhr an Vitamin A mit der Nahrung,
so kann sich also ein marginaler Mangel über längere
Zeit einer Diagnostik entziehen.
Ätiologie
des Vitamin A-Mangels
1. Ernährungsbedingter
Vitamin-A-Mangel.
In Ländern
der dritten Welt gehört der ausgeprägte Vitamin-A-Mangel
(oft als Folge eines Proteinmangels mit unzureichender RBP-Bildung)
zu den häufigsten Mangelerkrankungen überhaupt
und wird an seiner klinischen Symptomatik - Bitotsche Flecken,
Xerophthalmie - klar erkannt. In Industrienationen ist jedoch
diese Form des Vitamin-A-Mangels bei ausreichendem Nahrungsangebot
eher selten anzutreffen. Vielmehr finden sich marginale
Mangelsituationen, die ohne fassbare klinische Symptomatik
leicht übersehen werden. Die Ursachen hierfür
sind Fehlernährungen oder aber Erkrankungen, die in
unterschiedlicher Weise die Verfügbarkeit des Vitamins
einschränken. Nach Untersuchungen des US-Landwirtschaftsministeriums
(68, 16, 17) über das Ernährungsverhalten von
21 500 US-Amerikanern konsumieren nur 50% der Probanden
100% der erforderlichen täglichen Vitamin-A-Menge (U.S.
Recommanded Daily Allowances = RDA) von 5000 I. E., während
bei Frauen (23 bis 34 Jahre) sogar nur 40% die geforderten
RDA-Werte erreichten. Eine Zufuhr unter 70% der RDA wird
als marginal angesehen (68) und findet sich bei 31% des
untersuchten Gesamtkollektivs und bei 41% der Frauen. Obgleich
die Speicher des Vitamins in der Leber Schwankungen der
Zufuhr weitgehend ausgleichen, kann es jedoch bei unzureichender
Zufuhr auch beim Gesunden langfristig zu einem marginalen
Mangel kommen und damit zu einer Unterversorgung peripherer
Gewebe.
Kommt
es zu verschiedenen Erkrankungen, die entweder die Resorption
des Vitamins beeinflussen oder aber mit einem erhöhten
Verbrauch einhergehen, so wird sich besonders bei geringen
Leberspeichern (Kleinkinder, konsumierende Erkrankungen,
chronischer Alkoholkonsum) noch rascher ein marginaler Mangel
entwickeln können. Dabei kann die wiederholt gemessene
Erniedrigung des Retinolserumwertes unter Normalwerte -
wegen der homöostatischen Regelung - als Indikator
eines marginalen Vitamin-A-Mangel interpretiert werden (20,
45).
2. Erkrankungen,
die einen Vitamin-A-Mangel bewirken können.
Hierbei
müssen Erkrankungen unterschieden werden, die die Aufnahme
des Vitamins behindern, sodass die Zufuhr den Bedarf unterschreitet,
und Krankheiten, die einen verstärkten Verbrauch des
Vitamins bzw. Störungen des Metabolismus des Vitamins
bewirken.
3. Erkrankungen,
die die Resorption des Vitamin A behindern.
Bei
Maldigestions- und Malabsorptionssyndromen, bei Morbus Crohn
wie auch parasitären Darmerkrankungen sind infolge
einer eingeschränkten Resorption des Vitamin A erniedrigte
Retinol- und RBP-Serumwerte beschrieben (61, 69, 59, 39,
54, 7). Über einen besonderen Fall an Vitamin-A-Mangel
durch intestinale Faktoren berichtet Wechsler (71), der
eine 15-jährige Patientin beschreibt, die nach einer
Operation mit Dünndarm-Bypass wegen Fettsucht zwei
Jahre später wegen therapieresistener follikulärer
keratotischer Läsionen der Extremitäten und Nachtblindheit
erneut in Behandlung kam. Obgleich der Vitamin-A-Plasmawert
mit 16 ltg/dl zwar deutlich erniedrigt war, aber nach WHO
noch keinen Mangel (=10 gg/dl) signalisierte, kam es zu
einer spontanen Besserung der Nachtblindheit und der Hauterscheinungen
nach hochdosierter Vitamin-A-Therapie. Dies zeigt, dass
Vitamin-A-Mangelerscheinungen nicht unbedingt mit drastisch
erniedrigten Vitamin-A-Serumwerten einhergehen müssen
und dass bei ausgedehnten Erkrankungen oder Resektionen
des Dünndarms eine Vitamin-A-Substitution mitbedacht
werden muss. Störungen der Resorption fettlöslicher
Substanzen sind vor allem beim fieberhaft erkrankten Säugling
beschrieben (19, 59).
Vor
allem infolge von Maserninfektionen (29, 32), aber auch
bei Windpocken (2) treten erniedrigte Retinol- und RBP-Serumwerte
auf. Ob es sich hierbei um eine gestörte Resorption,
einen erhöhten Bedarf oder aber um Veränderungen
des bisher unbekannten Reglers der Retinolserumhomöostase
handelt, kann nicht sicher gesagt werden. Als Resultat ist
jedoch die periphere Verfügbarkeit des Vitamins eingeschränkt,
was zu Defiziten mit entsprechenden Veränderungen führen
kann. Dafür spricht, dass bei Vitamin-A-Mangel eine
zusätzliche Maserninfektion den Grad Vitamin-A-Mangel
bedingter Veränderungen der Kornea deutlich verstärkt
(29).
4. Verwertungsstörungen.
Bei
Patienten mit Erkrankungen der Leber sind die Plasma-Vitamin-A-
und RBP-Spiegel häufig erniedrigt (55) und daher gelegentlich
mit den klinischen Symptomen (Nachtblindheit) eines Vitamin-A-Mangels
verbunden. Smith und Goodman (60) zeigten in ihrer umfangreichen
Studie, dass die Plasmawerte von Vitamin A, RBP und TTR
bei Zirrhose sowie bei chronischer aktiver und akuter Virushepatitis
signifikant erniedrigt waren. Im bioptischen Material betroffener
Patienten konnten wiederholt niedrigere, aber innerhalb
des Normalbereiches liegende Vitamin-A-Speicher gemessen
werden. Es wird vermutet, daß der geringere Serumspiegel
durch eine geringere Synthese und/oder eine gestörte
Ausschleusung von RBP bedingt ist. Durch chronische Alkoholzufuhr
bei Ratten konnten in einer anderen Studie hingegen erniedrigte
Vitamin-A-Leberwerte bei gleichzeitig erhöhten Retinolserumwerten
festgestellt werden (52, 53). Bei leichter Leberzellstoffwechselstörung
(Fettleber) nach chronischer Alkoholzufuhr wurden beim Menschen
normale Retinolplasmawerte bei fast entspeicherter Leber
gemessen (34, 35). Mobarhan und Mitarbeiter (40) haben darüber
hinaus gezeigt, dass chronischer Alkoholkonsum langfristig
nicht nur zu einer Entleerung der zentralen (Leber), sondern
auch der peripheren Vitamin-A-Speicher führt.
Durch
die vorab geschilderten Erkrankungen bzw. die mangelhafte
Zufuhr an Vitamin A können, wie bereits erörtert,
marginale Mangelzustände entstehen, die sich aufgrund
fehlender Indikatoren einer Diagnostik entziehen. Auch die
bisher vorgestellten Belastungstests sind nur im Fall eines
länger bestehenden marginalen Vitamin-A-Mangels aussagekräftig.
Somit muss davon ausgegangen werden, dass bestimmte unspezifische
Symptome einen Hinweis auf ein peripheres Vitamin-A-Defizit
darstellen und eine entsprechende (prophylaktische) Therapie
notwendig machen können. Zu diesen Symptomen zählen
in erster Linie Erkrankungen des Tracheobronchialtraktes.
5. Vitamin
A und Erkrankungen des Respirationstraktes.
Vor
dem Hintergrund der niedrigen Plasmaretinolwerte und mangelnden
Leberspeicher neugeborener und besonders frühgeborener
Kinder (56) ist eine Erkrankung, die in diesem Alter häufig
zu schweren Komplikationen führt, besonders zu beachten,
da sich hier enge Korrelationen zwischen Vitamin-A-Verfügbarkeit
und typischen im Vitamin-A-Mangel zu beobachtenden Veränderungen
ergeben: die bronchopulmonale Dysplasie.
Vitamin
A beeinflusst das regelrechte Wachstum und die Differenzierung
epithelialer Zellen. Ausgeprägter Vitamin-A-Mangel
verursacht typische Veränderungen des tracheobronchialen
Epithels, wie Basalzellproliferation, die zur Nekrose des
darüberliegenden Gewebes führt und letztlich eine
squamöse Metaplasie zur Folge hat (74, 37). Infolge
der zellulären Veränderungen kommt es zu einem
mehr oder weniger stark ausgeprägten Verlust von Zilien
(8, 24) mit dem Ergebnis gestörter mukoziliärer
Clearance. Dabei korreliert das Ausmaß des Zilienverlustes,
wie Born und Mitarbeiter (12) zeigen konnten, mit dem Grad
des Vitamin-A-Mangels.
Ähnliche
morphologische Veränderungen (nekrotisierende Bronchiolitis
und squamöse Metaplasie des Tracheobronchialepithels)
finden sich bei der als bronchopulmonale Dysplasie (BPD)
bezeichneten Erkrankung, die vor allem bei Frühgeborenen
infolge einer Störung der hyalinen Membranen (Hyaline
membrane deficiency, HMD) zu beobachten ist (43). Die Folge
ist eine Reduktion der mukoziliären Clearance und damit
eine Prädisposition für schwere rezidivierende
Infekte (70, 48).
Aufgrund
dieser morphologischen Gemeinsamkeiten und der besonderen
Situation der Vitamin-A-Versorgung des Frühgeborenen
ist daher die Vermutung geäußert worden, dass
die BPD durch einen Vitamin-A-Mangel mitverursacht oder
aber in ihrem Verlauf mit beeinflusst wird (28, 56). Die
Ätiologie der BPD ist allerdings multifaktoriell, und
es werden sowohl exogene (mechanische Beatmung, zusätzliche
02-Therapie) als auch endogene Faktoren (z. B. HMD) diskutiert
(43, 65, 9).
Nach
Untersuchungen von Shenai et al. (56) könnte Vitamin
A einen protektiven Effekt auf die Heilung der nekrotisierenden
Bronchiolitis und der squamösen Dysplasie haben, die
mit der BPD einhergehen. In den Untersuchungen zeigte sich,
dass Neugeborene mit BPD signifikante niedrigere Plasmaretinolspiegel
aufwiesen als vergleichbare Neugeborene ohne BPD. Während
bei den gesunden Kindern der Plasmaspiegel nach der Geburt
leicht anstieg oder konstant blieb, zeigte sich bei den
an BPD erkrankten in der 1. bis 3. Woche ein deutlicher
Abfall der ohnehin schon erniedrigten Plasmaspiegel. Eine
mögliche Ursache kann hierbei allerdings sowohl in
einem verstärkten Verbrauch oder einer gestörten
Verwertung des Vitamin A bei den erkrankten Kindern liegen,
als auch in der Tatsache, dass die erkrankten Kinder in
der Regel länger künstlich ernährt wurden
als die Gesunden. Verminderte Leberreserven des Neugeborenen
können also als ein Prädispositionsfaktor der
BPD angesehen werden.
Zu ähnlichen
Ergebnissen kommen auch Hustead und Mitarbeiter (28), die
feststellen, dass Neugeborene mit BPD signifikant erniedrigte
Plasmaretinolwerte aufweisen. Als mögliche Ursache
diskutieren sie: geringe Ausgangswerte (bei Geburt), unzureichende
Vitamin-A-Zufuhr (postnatal) und reduzierte Mobilisierung
oder gesteigerte Utilisierung des Vitamins. Geringe Ausgangswerte
im Sinne niedriger Leberspeicher und reaktiv erniedrigter
Serumwerte finden sich durchaus bei Neugeborenen und vor
allem Frühgeborenen, insbesondere dann, wenn die Zufuhr
des während der Schwangerschaft ohnedies gesteigerten
Vitamin-A-Bedarfs deutlich unterschritten wurde, was auch
in Industrienationen beobachtet werden kann (18).
Vitamin
A und Krebs
Metaplastische
Veränderungen und Zilienverlust sind Zeichen einer
Vielzahl tracheobronchialer Erkrankungen. Squamöse
Metaplasie mit Zilienverlust findet sich auch bei nicht
neoplastischen Lungenerkrankungen, wie nach chronischer
Zigarettenrauchinhalation (3), chronischen (51) und akuten
Infekten der Atemwege (75, 49, 27, 25).
Da solche
squamös-metaplastischen Veränderungen, wie sie
bei Vitamin-A-Mangel, aber auch nach chemischen oder physikalischen
Noxen beobachtet werden, gerne mit der Entwicklung von Präkanzerosen
in Zusammenhang gebracht werden (41, 42) und Vitamin A in
vitro wie in vivo deutliche antineelastische Wirkungen zeigt
(63), hat es nicht an Versuchen gefehlt, einen Zusammenhang
zwischen Karzinomentstehung und individueller Vitamin-A-Versorgung
herzustellen.
Epidemiologische
Studien zu Vitamin-A-Mangel und Karzinogenese. Unter Berücksichtigung
der vorab erörterten Unsicherheiten einer Objektivierung
von Retinolplasmawerten sind epidemiologische Untersuchungen
hinsichtlich ihrer Aussage nur mit Vorbehalten zu interpretieren.
Mehr Informationen zu einem hypothetisch angenommenen Zusammenhang
zwischen Vitamin-A-Versorgung und Karzinominzidenz liefern
Untersuchungen zum Ernährungsverhalten. Dabei sind
vor allem solche Untersuchungen interessant, die den Einfluss
einer Vitamin-A- bzw. ß-Carotin-Zufuhr auf die Entwicklung
von Karzinomen in bekannten Risikogruppen, wie z. B. bei
Rauchern, oder aber bei Gruppen mit einer alkoholtoxisch
induzierten Vitamin-A-Stoffwechselstörung untersucht
haben. Werden die Kollektive der einzelnen Untersucher randomisiert,
so zeigt sich, dass die Karzinominzidenz - vor allem die
der Lunge - bei Rauchern, die eine geringe Vitamin-A-Zufuhr
mit der Nahrung aufwiesen, signifikant höher war als
bei solchen, die deutlich mehr Vitamin A konsumierten (13,
22, 23, 31). Das Karzinomrisiko zeigt eine deutliche Abhängigkeit
vom Grad der Gesamtzufuhr an Vitamin A und Provitamin insbesondere
auch bei den Personen, die regelmäßig Alkohol
konsumierten (31). Auch in diesem Kollektiv findet sich
- wie bei Rauchern - eine Korrelation zwischen der relativen
Höhe der Vitaminzufuhr und dem Karzinomrisiko, d. h.
dass eine hohe Vitaminzufuhr trotz Alkoholkonsum das Karzinomrisiko
verringert und eine geringe Vitamin-A-Zufuhr bei chronischem
Alkoholmissbrauch das Risiko erhöht. Daß regelmäßige
Alkoholzufuhr über die dabei unzweifelhaft entstehende
Leberzellstoffwechselstörung zu einem Vitamin-A-Versorgungsdefizit
führt (abhängig vom Ausmaß der Leberschädigung),
scheint die Studie von Kvale und Mitarbeitern (31) zu bestätigen,
die bei der Bestimmung der Serumretinolwerte in allen Gruppen
nur bei dem Kollektiv der Alkoholiker eine deutliche negative
Korrelation zur Karzinominzidenz fanden. Stähelin und
Mitarbeiter (64) fanden ebenfalls eine deutliche Korrelation
zwischen Alkoholkonsum und Lungenkarzinominzidenz bei 4224
untersuchten Männern, während sie beim Gesamtkollektiv
keinen Zusammenhang zwischen Serumretinolwerten und Lungenkarzinominzidenz
feststellen konnten.
In diesem
Zusammenhang ist ein längerfristiges Vitamin-A-Defizit
besonders der peripheren Speicherregionen des Respirationsepithels
denkbar, da Alkohol nicht nur zu einer Depletierung der
Leber, sondern auch der extrahepatischen Speicher führt
(53, 40). Leo und Lieber (35) haben bei unterschiedlichen
Kollektiven mit geringer bis schwerer Leberzellstoffwechselstörung
(chronisch persistierende Hepatitis, alkoholische Fettleber,
alkoholische Hepatitis und Zirrhose) gezeigt, dass es zu
einer Entspeicherung der Leber weit unter Normalwerte kam.
In allen Fällen zeigt sich keine signifikante Erniedrigung
der Plasmaretinolspiegel oder der RBP-Werte, so dass sich
dieses Vitamin-A-Defizit der klinisch-biochemischen Diagnostik
entzieht, was wiederum die fehlende Korrelation zwischen
Plasmawert und Lungenkarzinominzidenz der Untersuchung von
Stähelin und Mitarbeiter (64) erklärt. Dies bedeutet
aber, dass, wie vorab erörtert, in diesem Fall (Alkoholiker)
bereits mit strukturellen Veränderungen des Respirationsepithels
als Folge eines Vitamin-A-Defizits im Sinne einer squamösen
Metaplasie gerechnet werden kann. Die vorliegenden epidemiologischen
Befunde lassen den möglichen Schluss zu, dass der Vitamin-A-Mangel
das Risiko einer Karzinomentstehung erhöht, ohne dass
jedoch damit gesagt ist, dass die Unterversorgung mit Vitamin
A allein ein Neoplasma verursachen kann.
In zahlreichen
experimentellen In-vivo- und In-vitro-Befunden konnte in
den vergangenen Jahren demonstriert werden, dass das Vitamin
A für die Struktur von Haut und Schleimhaut im allgemeinen
und für das Respirationsepithel im besonderen essentiell
ist und darüber hinaus besonders in strukturelle Reparationsvorgänge
eingreift, wenn das Gewebe durch physikalische und chemische
Noxen geschädigt wurde. Dies unterstreicht jedoch die
besondere Rolle des Vitamin A bei der Prävention neoplastischer
Veränderungen des Epithels und hat dazu geführt,
dass eine Vielzahl klinischer Studien sich mit der Wirkungsweise
des Vitamins bei der Therapie von Neoplasmen der Lunge sowie
des Nasen-Rachenraumes, aber auch der Blase, der Zervix
und des Gastrointestinaltraktes befaßthaben.
Die
Darstellung der Beeinflussung des Respirationsepithels vor
dem Hintergrund einer möglichen Wirkung des Vitamin
A bei der Verhinderung einer Präkanzerose oder der
Induktion eines Neoplasmas beschreibt nur einen Teilaspekt
der „antineoplastischen Wirkung“ des Vitamins.
Umfangreiche experimentelle In-vivo- und In-vitro-Untersuchungen
haben deutlich gemacht, dass das Vitamin A direkt in zelluläre
Differenzierungsvorgänge regulierend eingreift, die
mit Induktions- und Wachstumsphasen von Neoplasmen zusammenhängen.
Eine
solche Darstellung wird in Übersichtsarbeiten der letzten
Jahre gegeben (73, 14) und zeigt, dass das Vitamin A durch
Beeinflussung der Genexpression, der Glykoproteinsynthese
und des Immunsystems auf den verschiedensten nukleären
und extranukleären Ebenen in spezifische Differenzierungs-
und Transformierungsvorgänge regulierend eingreift.
Dabei ist vor allem auch gezeigt worden, dass Tumorinduktion
und Wachstum in vitro wie in vivo durch Vitamin A gehemmt
werden kann (63, 5).
Toxikologie
Bei
einmaliger oraler Applikation von 300 000 I. E. in öliger
bzw. wässriger Lösung zur Therapie eines Vitamin-A-Mangels
wird in den meisten beschriebenen Fällen (vorwiegend
Kinder zwischen 1 und 5 Jahren) über keine Nebenwirkungen
berichtet (46, 50, 62). In Einzelfällen traten vorübergehende
Nebenwirkungen wie Schwindel, Kopfschmerzen und Erbrechen
auf (47, 58). Bei Kindern zwischen 9 Monaten und 6 Jahren
beschreibt Bonvier (11) eine leichte Fontanellenschwellung
nach einmaliger Dosis von 300 000 bzw. 900 000 I. E. Marioni
und Panizon (36) beschreiben bei einer Gruppe von 22 Kindern
zwischen 6 Monaten und 7 Jahren nach einmaliger Gabe von
300 000 I. E. bzw. 750 000 I. E. (zusammen mit Vitamin D)
eine Fontanellenschwellung, Kopfschmerzen, Erbrechen und
Schwindel und eine vollständige Rückkehr der Symptomatik
nach 36 Stunden.
Eine
von Bauernfeind (4) durchgeführte umfangreiche Analyse
der Literatur kam zu folgendem Ergebnis: „Eine Untersuchung
von 75 bisher bekannten Berichten chronischer Hypervitaminose
A bei Erwachsenen zeigt, dass die toxischen Erscheinungen
sich rascher bei täglicher Einnahme sehr hoher Dosen
entwickeln. Tägliche Aufnahme von 1 Million I. E. oder
mehr manifestiert sich in toxischen Erscheinungen nach Tagen
oder mehreren Wochen. Zufuhr von 400 000 bis 700 000 i.
E. pro Tag führt nach 1 bis 36 Monaten zu toxischen
Symptomen und 150 000 bis 200 000 I. E. täglich nach
6 bis 85 Monaten.“
Toxische
Erscheinungen hängen in ihrem Auftreten und ihrem Schweregrad
wesentlich von dem Vitamin-A-Status des einzelnen ab, sodass
bei schlechter Versorgung hohe Dosierungen besser toleriert
werden als bei ausreichend gefüllten Leberspeichern.
Wegen
der Abhängigkeit der toxischen Symptome von unterschiedlichen
Randbedingungen wie Leberspeicher, Alter, Proteinversorgung
oder verschiedenen Grunderkrankungen kann kaum eine echte
therapeutische Breite ermittelt werden. Die Untersuchungen
von Goodman und Mitarbeitern (21) haben gezeigt, dass bei
täglicher Zufuhr von 200 000 i. E. pro mz Körperoberfläche
(330 000 I. E. pro Mensch) über einen Zeitraum von
bis zu 4 Monaten keine wesentlichen Nebenwirkungen angegeben
wurden. Anders liegen jedoch die Verhältnisse, wenn
eine Vitamin-A-Therapie oder Substitution bei Schwangeren
oder Frauen im gebärfähigen Alter durchgeführt
wird.
Teratogene
Aktivität des Vitamin A
Deutliche
Unter- und massive Überversorgung mit Vitamin A führt
in Tierversuchen zu teratogenen Schäden. Dabei muss
jedoch streng unterschieden werden zwischen Retinsäurederivaten,
die zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wurden, und Retinol
bzw. Retinylestern, die im Sinne einer Substitution zugeführt
wurden. Bei der hier anstehenden Frage einer Beurteilung
der teratogenen Aktivität als Folge einer Überdosierung
von Vitamin A kann es also nicht um die Beurteilung von
Schäden infolge einer Retinsäuretherapie gehen.
Bei
den Retinsäurederivaten (insbesonders Isotretinoin
= 13-cis-Retinsäure), welche zur Behandlung der schweren
zystischen Akne und chronischer Dermatosen eingesetzt werden
(10), finden sich zahlreiche Beschreibungen teratogener
Wirkungen vor allem bei Tieren (26, 72). Beim Menschen liegen
ebenso Untersuchungen vor, die einen kausalen Zusammenhang
zwischen erhöhter Spontanabortrate sowie Missbildungen
(Retinoidsyndrom) zeigen (33).
Für
Retinol und Retinylester liegen im Tierversuch -ebenfalls
Beschreibungen teratogener Wirkungen vor, die jedoch beim
Menschen bisher nicht verifiziert wurden (30).
Da über
nur sehr wenige Fälle teratogener Wirkungen von Vitamin
A (als Retinol oder Retinylester) beim Menschen berichtet
wurde, gestaltet sich eine epidemiologische Bewertung äußerst
schwierig. So haben Rosa und Mitarbeiter, Food and Drug
Administration (FDA), bis 1986 über 18 Fälle von
Mißbildungen nach hoher Vitamin-A-Zufuhr lange vor
und während der Schwangerschaft berichtet (78). Sie
kommen zu dem Schluss: „Although the data so far do
not provide human dose/risk estimates, findings in laboratory
studies and human experience with other vitamin A analogues
provide reason for cautioning against long term exposures
of 25 000 units per day or more in woman who may become
pregnant.”
Vor
dem Hintergrund von Tierversuchen, Erfahrungen mit Retinoiden
beim Menschen und den wenigen Fällen von Fötus-Schäden,
die mit sehr hohen Vitamin-A-Gaben in Verbindung gebracht
werden, wurden im Laufe des Jahres 1987 Empfehlungen von
verschiedenen Institutionen zur Vitamin-A-Dosierung für
Schwangere gegeben. Schwangere und Frauen, die schwanger
werden könnten, sollten ihre Vitamin-A-Einnahmen bei
der Nahrungsergänzung auf maximal 8000 bis 10 000 i.
E. Vitamin A/Tag begrenzen. 8000 I. E. Vitamin A/Tag empfiehlt
die FDA als tägliche Gesamtaufnahme für Schwangere.
8000 I. E. Vitamin A/Tag nennen die Teratology Society (66)
und das American College of Obstetricians and Gynecologists
(1), 10 000 I. E. das Council of Responsible Nutrition (15)
und die International Vitamin A Consultative Group (IVACG;
30) als obere Grenze für Präparate zur Nahrungsergänzung.
IVACG und WHO sehen 10 000 I. E. Vitamin A/Tag als Ergänzung
für Schwangere als unbedenklich an, raten jedoch zu
dieser Dosis nur dann, wenn eine Unterversorgung mit Vitamin
A angenommen werden kann (30). In einem Workshop der mit
der Teratogenität von Vitamin A in USA befaßten
Institutionen Ende September 1987 in Little Rock, Arkansas,
wurden die bisherigen Empfehlungen bestätigt und neue
notwendige Forschungsziele definiert.
Die
Grenzwerte von 8000 bzw. 10 000 I. E. Vitamin A/Tag für
Schwangere lassen sich wissenschaftlich nicht begründen;
sie ergeben sich aus dem hohen Sicherheitsbewußtsein
aller Verantwortlichen. Die Grenzwerte wurden auch deshalb
so gewählt, weil eine normale Nahrungsergänzung
keine höhere Dosierung erfordert.
Resümee
Vitamin
A ist für Wachstum, Entwicklung und strukturelle Integrität
von Haut und Schleimhäuten essentiell. Fehlt das Vitamin,
so kommt es vor allem im Bereich der Schleimhäute zu
squamösmetaplastischen Veränderungen, wie sie
auch bei anderen Noxen auftreten und allgemein als präkanzeröse
Erscheinungen angesehen werden. Diese Beobachtungen sowie
die Tatsache, dass im tierexperimentellen Vitamin-A-Mangel
gehäuft epitheliale Tumoren beobachtet wurden, hat
zu einer intensiven Untersuchung dieser Zusammenhänge
in tierexperimentellen, klinischen und epidemiologischen
Studien geführt. Es konnte festgestellt werden, dass
- die Vitamin-A-Mangel-bedingte squamöse Metaplasie
durch Zufuhr des Vitamins reversibel ist
- es Hinweise gibt, dass auch bei normaler Vitamin-A-Versorgung
die durch andere Noxen ausgelösten squamösen metaplastischen
Veränderungen vor allem im Bereich des Tracheobronchialepithels
durch Vitamin A wieder in das phänotypische Ursprungsepithel
zurückgeführt werden konnten
- Vitamin A die Induktion chemisch induzierter Neoplasmen
verhindern kann
- Vitamin A das Wachstum von Tumorzellen in vitro und in
vivo hemmt
- Vitamin A die Häufigkeit von Tumorrezidiven nach
chirurgischer, radiologischer oder zytostatischer Therapie
vermindert
- hohe Vitamin-A- und Provitamin-A-Zufuhr mit der Nahrung
zu einer deutlichen Verringerung des Lungenkarzinomrisikos
durch Karzinogene (z. B. Zigarettenrauchinhalation, Benzo(a)pyren
u. a.) zu führen scheint.
Für
die Prävention maligner Neoplasien bedeutet dies aber,
dass auch in Industrienationen neben einer Ernährungsberatung
eine Substitutionsempfehlung zumindest bei den Risikogruppen
gegeben werden kann. Dies nicht zuletzt, da die Beurteilung
der bisher verfügbaren Literatur mehr und mehr starke
Hinweise für die Bedeutung dieses Vitamins in Zusammenhang
mit der Karzinogenese gibt. Überlegungen, die zur Prävention
von Karzinomen eine tägliche Zufuhr von mehr als 10
000 I. E. Vitamin A empfehlen, stützen sich jedoch
mehr auf spekulative Berechnungen als auf wissenschaftlich
fundierte Erkenntnisse. Berücksichtigt man, dass Vitamin
A und ß-Carotin in unterschiedlichen Stadien der Karzinomentwicklung
wirksam zu sein scheinen, so muss die Zufuhr von Vitamin
A und seinen Provitaminen in einem ausgewogenen Verhältnis
stehen. Dabei ist das Problem toxischer Nebenwirkungen im
empfohlenen Bereich der Substitutionen vernachlässigbar,
wenn berücksichtigt wird, dass bei Kindern und Schwangeren
eine tägliche Zufuhr von 10 000 i. E. Vitamin A als
Nahrungsergänzung nicht überschritten werden sollte
(IVACG, 1986).
Literatur
(1)
ACOG The American College of Obstetricians and Gynecologists
(1987): ACOG Committee Statement, Vitamin A Supplementation
During Pregnancy. One East Wacker Drive, Suite 2700, Chicago,
Illinois
(2)
Arroyave, L., M. Calcano: Rescenso de los niveles sericos
de retinol y su protein de enlace (RBP) durante los infecciones.
Arch. Latinoam. Nutr. 29, 233 (1979)
(3)
Auerbach, O., A. P. Stout, E. C. Hammond, L. Garfinkel:
Changes in bronchial epithelium in relation to cigarette
smoking and relation to lung cancer. New Engl. J. Med.,
265, 253 (1961)
(4)
Bauernfeind, J. C.: The Safe use of vitamin A. The Nutrition
Foundation, Washington D. C. 1980
(5)
Bertram, J. S., J. E. Martner: Inhibition by retinoids of
neoplastic transformation in vitro: cellular and biochemical
mechanisms, in: Retinoids in differentiation and disease,
113 Foundation Symposium, Pitman, London 1985
(6)
Biesalski, H. K.: Vitamin A und Innenohr. Entwicklung und
Anwendung biochemischer und elektrophysiologischer Untersuchungen.
Habilitationsschrift 1986
(7)
Biesalski, H. K., G. Hafner, M. Gross, K. H. Bässler:
Vitamin A im Serum gesunder Probanden und klinischer Kollektive.
Infusionstherapie 12, 109-114 (1985)
(8)
Biesalski, H. K., E. Stofft, U. Wellner, U. Niederauer,
K. H. Bässler: Vitamin A and ciliated cells. I. Respiratory
epithelia. Z. Ernährungswissenschaft 25, 114-122 (1986)
(9)
Boat, T. F.: Studies of oxygen toxicity in cultured human
neonatal respiratory epithelium. J. Pediatr. 95, 916 (1979)
(10)
Bollag, W.: Vitamin A and retinoids: from nutrition to pharmacotherapy
in dermatology and oncology. Lancet 1, 860-863 (1983)
(11)
Bonvier, G.: Ricerche Clinico-Sperimentali sull' „Idrocefalo
Acuto Benigno” da Vitamina A. Acta Pediat. Lat. 10,
718-729 (1957)
(12)
Boren, H. G., J. Pauly, E. C. Wright, D. G. Kaufmann, J.
M. Smith, C. C. Harris: Cell population in the hamster tracheal
epithelium in relatidn to vitamin A status. Int. J. Vit.
Nutr. Res. 44, 382 (1974)
(13)
Byers, T., J. Vena, C. Mettlin, M. Swanson, S. Graham: Dietary
vitamin A and lung cancer risk: an analysis by histologic
subtypes. Am. J. Epidemiol. 120, 769-776 (1984)
(14)
Ciba Foundation Symposium 113: Retinoids, differentiation
and disease, Pitman, London 1985
(15)
CRN Council for Responsible Nutrition, 2100 M Street, N.
W., Suite 602, Washington D. C.: Vitamin A Policy. CRN-News:
1-2, (1987)
(16)
Crocetti, A. F., H. E. Guthrie: Eating behavior and associated
nutrient quality of dies. Anarem Systems Research Corporation,
New York 1982
(17)
Dickinson, A, (1987): Benefits of nutritional supplements.
Council for responsible Nutrition, 2100 M Street, Suite
602, Washington D. C. 20037
(18)
Dostalova, L.: Correlation of the vitamin status between
mother and newborn during delivery. Dev. Pharmacol. Ther.
4, 45 (1982)
(19)
Droese, W., H. Stolley: Sekretion und Resorption, in: Die
physiologische Entwicklung des Kindes (Hrsg. F. Linneweh),
Springer, Berlin 1959
(20)
Gerlach, T., H. K. Biesalski, K. H. Bässler: Serum
Vitamin A-Bestimmungen und ihre Aussagekraft zum Vitamin
A-Status. Z. Ernährungswiss. 27, 57-70 (1988)
(21)
Goodman, G. E., D. S. Alberts, D. L. Ernest: Phase 1 trial
of retinol in cancer patients. J. clin. Oncol. 1, 394-399
(1983)
(22)
Graham, S., C. Mettlin, J. Marshall: Dietary factors in
the epidemiology of cancer of the larynx. Am. J. Epidemiol.
113, 675-680 (1981)
(23)
Gregor, A., P. N. Lee, F. J. C. Roe, M. J. Wilson, A. Melton:
Comparison of dietary histories in lung cancer cases and
controls with specific reference to vitamin A. Nutr. Cancer
2, 93 (1980)
(24)
Harris, C. C., T. Silverman, J. M. Smith, F. Jackson, H.
G. Boren: Proliferation of tracheal epithelial cells in
normal and vitamin A deficient Syrian hamsters. J. Natl.
Cancer Inst. 51, 1059 (1974)
(25)
Hartung, W., W. Kissler, K. Teige, H. Thoma: Pathologisch
anatomische Folgen chronischer Bronchitis und deren Beziehung
zur Lungen-Funktion. Progr. Resp. Res. 6, 108-134 (1971)
(26)
Hassell, J. R., J. H. Greenberg, M. C. Johnston: Inhibition
of cranial neural crest cell development in the cultured
chick embryo. J. Embryol. Exp. Morphol. 39, 267-271 (1977)
(27)
Hilding, A. C.: Mucociliary insufficiency and its possible
relation to chronic bronchitis and emphysema, in: Progress
in Research in Em physema and Chronic Bronchitits (ed. R.
S. Mitchell), Karger, Basel 1964
(28)
Hustead, V. A., G. R. Gutcher, S. A. Anderson, R. D. Zachmann:
Relationship of vitamin A (retinol) status to lung disease
in the preterm infant. J. Pediat. 105, 610 (1984)
(29)
Inua, M., M. B. Duggan, C. E. West, H. C. Whittle, O. I.
Kogbe, J. H. Sandfort-Smith, J. Glover: Post-measles corneal
ulceration in children in northern Nigeria: the role of
vitamin A, malnutrition and measles. Arm. Trop. Pediatr.
3, 181 (1983)
(30)
IVACG International Vitamin A Consultative Group: Position
Paper, The safe use of vitamin A by women during the reproductive
years., IVACG Secretariat, ILSI, 1126 Sixteenth Street,
N.W., Washington D. C., April 1986
(31)
Kvale, G., E. Bjelke, J. T. Gart: Dietary habits und lung
cancer risks. Int. J. Cancer 31, 397-405 (1983)
(32)
Laditan, A. A. O., M. Fafunso: Serum levels of vitamin A,
beta-carotene and albumin in children with measles. East
African Med. J. 58, (1981)
(33)
Lammer, E. J., D. T. Chen, R. M. Hoar, et al.: Retinoic
acid embryopathy. New Engl. J. Med. 313, 837-841 (1985)
(34)
Leo, M. A., M. Arai, M. Sato, C. S. Lieber: Hepatotoxicity
of vitamin A and ethanol in the rat. Gastroenterology 82,
194 (1982)
(35)
Leo, M. A., C. S. Lieber: Hepatic vitamin A depletion in
alcoholic liver injury. N. Engl. J. Med. 307, 597-601 (1982)
(36)
Marinoni, J., F. Panizon: Sul Cosidetto Idrocefalo acuto
da Vitamina A. Acta Pediat. Lat. 7, 309-317 (1954)
(37)
McDowell, E. M., K. P. Keenan, M. Huang: Effects of vitamin
A deprivation an hamster tracheal epithelium. Virchows Arch.
(Cell Pathol.) 45, 197-219 (1984)
(38)
McDowell, E. M., K. P. Keenan, M. Huang: Restoration of
mucociliary tracheal epithelium following deprivation of
vitamin A. Virchows Arch. (Cell Pathol.) 45, 221-240 (1984)
(39)
Migasena, S.: A study of serum vitamin A levels in patients
suffering from parasitic disease in Thailand. Proc. 1. S.
E. Asian Seminar an Nutrition (Djakarta 1969)
(40)
Mobarhan, S., T. J. Layden, H. Friedman, A. Kunigkt, P.
Donahue: Depletion of liver and esophageal epithelium vitamin
A after chronic moderate ethanol consumption in rats: Inverse
relation to zinc in nutriture. Hepatology 6, 615-621 (1986)
(41)
Nettesheim, P., R. A. Griesemer: Experimental models for
studies of respiratory tract carcinogenesis, in: Pathogenesis
and Therapy of Lung Cancer (ed. C. C. Harris), Marcel Dekker
Inc., New York 1978
(42)
Nettesheim, P., C. Snyder, J. C. S. Kim: Vitamin A and the
susceptibility of respiratory tract tissues to carcinogenic
insult. Environ Health Perspect 29, 89-93 (1979)
(43)
Northway, W. H., R. C. Rosan, D. Y. Porter: Pulmonary disease
following respiratory therapy of hyalinemembrane disease:
bronchopul monary dysplasia. N. Engl. J. Med. 276, 357 (1967)
(44)
Okabe, T., H. Yorifuji, E. Yamada, F. Takaku: Isolation
and characterization of vitamin A storing lung cells. Exp.
Cell Res 154, 125 (1984)
(45)
Olson, J. A., D. Gunning, R. A. Tilton: Liver concentrations
of vitamin A and carotenoids, as a function of age and other
parameters, of american children who died of various causes.
Am. J. Clin. Nutr. 39, 903 (1984)
(46)
Pereira, S. M., A. Begum: Failure of a massive single oral
dose of vitamin A to prevent defrciency. Arch. Disease Childhood
46, 525-527 (1971)
(47)
Reddy, V.: Vitamin A deficiency and blindness in Indian
children. lud. J. Med. Res. 68, 26-37 (1978)
(48)
Reidl, L., R. Jones: Bronchial mucosal cells. Fed. Proc.
38, 191 (1979)
(49)
Reimer, A., C. Mecklenburg, M. G. Toremalm: The mucociliary
activity of the upper respiratory tract. Acta otolaryng.
Suppl. 355 (1978)
(50)
Samsudan, D., I. G. Karyadi, I. J. Wirya: A study of the
effects of annual administration of 300 000 IU oral vitamin
A and deworming for prevention and treatment of vitamin
A deficiency. Seminar an vitamin A deficiency, Jakarta,
25-29 (1974)
(51)
Santa, C. R., J. Sand, J. Hirsch, M. A. Sackner: Tracheal
mucous velocity in normal man and patients with obstructive
lung disease: effects of terbutaline. Am. Rev. Resp. Dis.
109, 458-464 (1974)
(52)
Sato, M., C. S. Lieber: Hepatic vitamin A depletion after
chronic ethanol consumption. Gastroenterology 79, 1123 (1980)
(53)
Sato, M., C. S. Lieber: Changes in vitamin A status after
aeute ethanol administration in the rat. J. Nutr. 112, 1188
(1982)
(54)
Schölmerich, J., M. S. Becher, P. Hoppe-Seyler, S.
Matern, D. Häussinger, E. Löhle, E. Koettgen,
W. Gerok: Zinc and vitamin A deficiency in Patients with
Crohn's disease is correlated with activity but not with
localization or extent of the disease. Hepato-gastroenterology
32, 34 (1985)
(55)
Schölmerich, J., E. Löhle, E. Köttgen, W.
Gerok: Zinc and vitamin A deficiency in liver cirrhosis.
Hepato-gastroenterol. 30, 119 (1983)
(56)
Shenai, J. P., F. Chytil, M. T. Stahlmann: Vitamin A status
of neonates with bronchopulmonary dysplasia. Pediatr. Res.
19, 185 (1985)
(57)
Sherman, B. S.: The effect of vitamin A an the epithelial
mitosis in vitro and in vivo. J. Invest. Dermatol. 37, 469-480
(1961)
(58)
Sinha, D. P., F. B. Bang: Tbc eüea of a massiv dosis
of vitamin A an the signs of vitamin A deficiency in preschool
children. Am J. Clin. Nutr. 29, 110-115 (1976)
(59)
Sivakumar, B., V. Reddy: Absorption of labellad vitamin
A in children during infections. Brit. J. Nutr. 27, 299
(1972)
Smith,
F. R., D. S. Goodman: The effect of diseases of the tiver,
thyroid, and kidneys an the transport of vitamin A in human
phrsma. J. Clin. Invest. 50, 2426 (1971)
(61)
Smith, F. R., J. Lindenbaum: Human serum retinol transport
in malabsorption. Am. J. Clin. Nutr. 27, 700 (1974)
(62)
Sommer, A., 1. Tarwotjo, M. E. Djunaedi: Oral versus intramuscular
vitamin A in the treatment of xerophthahnia. Lancet 8168,
557-559 (1980)
(63)
Sporn, M. B., A. B. Roberts: Role of retinoids in differentiation
and carcinogenesis. Cancer Research 43, 3034-3040 (1983)
(64)
Stähelin, H. B., F. Rösel, E. Buess, G. Brubaeher:
Cancer, vitamins and plasma lipids: prospective basal study.
JNCI 73, 1463 (1984)
(65)
Stern, L.: The rote of respiratorys in the etiology and
pathogenesis of bronchopulmonary dysplasia. J. Pediatr.
95, 867 (1979)
(66)
Teratology Society Position Paper. Vitamin A during Pregnancy,
Recommendations for Vitamin A use during Pregnancy. Teratology
35, 268-275 (1987)
(67)
Underwood, B.: Vitamin A in animal and human nutrition,
in: The Retinoids 1 (ed. M. Sporn), Academic Press Inc.,
Orlando 1984
(68)
USDA (United States Department of Agriculture) Consumer
Nutrition Division: Nutritient intakes: Individuals in 48
States, year 1977-1978. Nationwide food consumption survey:
Report 1-2, 367-370 (1980)
(69)
Vahlquist, A.: Metabolism of the vitamin A transporting
complex: turnover of retinol hinding protein, prealbumin
and vitamin A in a primate (Macaca irus). Scand. J. Clin.
Lab. Invest. 30, 349 (1972)
(70)
Wanner, A.: Clinical aspects of mucociliary transport. Am.
Rev. Respir. Dis. 116, 73 (1977)
(71)
Wechsler, I.: Vitamin A deficiency following small bowel
bypass surgery for obesity. Arch. Dermatol. 115, 73 (1979)
(72)
Wiley, W. C., M. J. Stamper, B. A. Underwood, J. O. Taylor,
C. H. Hennekens: Vitamins A, E, and carotene: effects of
supplementation an their plasma levels. Am. J. Clin. Nutr.
38, 559-566 (1983)
(73)
Wolf, G.: Multiple functions of vitamin A. Physiol. Review
64, 873 (1984)
(74)
Wong, Y. C., R. C. Buck: An electron microscopic study of
metaplasia of the rat tracheal epithelium in vitamin A deficiency:
Lab. Invest. 24, 55 (1971)
(75)
Woodruff, K. H., E. Schneider, L. Unger, J. J. Coalson:
Ultrastructural changes in hamster tracheal ring cultures
exposed to mycoplasma pneumoniae. Am. J. Pathol. 72, 92-101
(1973)
(76)
Zile, M. H., E. C. Bunge, H. F. DeLuca: DNA labeling of
the rat epithelial tissues in vitamin A deficiency. J. Nutr.
111, 777-788 (1981)
(77)
Zile, M. H., M. Cullum: The function of vitamin A: Current
concepts. Proc. Soc. for exp. Biol. Med. 172, 139-152 (1983)
(78)
Rosa, F. W., A. L. Wilk, F. O. Kelsey: Teratogen Update:
Vitamin A congeners. Teratology 33, 355-364 (1986)
Dieser
Text stammt mit freundlicher Genehmigung der Autoren aus
der
Deutschen Apotheker Zeitung
Unabhängig pharmazeutische Zeitschrift für Wissenschaft
und Praxis
DAZ - Sonderdruck
128. Jahrg. Nr. 32/1988 - Seiten 1662-1667
|
|
|