Lachen verbessert die Durchblutung
Mindestens 15 Minuten lachen täglich
Baltimore/Wien - 19.01.2006 - Lustige Filme sind gut für die Gesundheit. Dies fanden Forscher der University of Maryland http://www.umm.edu heraus. Sie untersuchten die Auswirkungen von Filmsequenzen und kamen zu dem Ergebnis, dass sich lachen positiv auf die Blutgefäße auswirkt und die Durchblutung fördert. Elisabeth Ornauer von den Rote Nasen Clownsdoctors http://www.rotenasen.at überraschen diese Ergebnisse nicht. "Schon mehrere Studien haben nachgewiesen, dass lachen die beste Medizin ist. Lachen senkt den Blutdruck, baut Stress ab und führt zur Ausschüttung der Glückshormone Endorphine. Überall, wo die Clowndoktoren auftreten, entspannt sich sofort die Atmosphäre," so Ornauer im Gespräch mit pressetext.

Bild: Photocase
Die Clowndoktoren helfen nicht nur Kindern, seit 1999 besuchen sie auch ältere Menschen im Krankenhaus und in Rehabilitationskliniken betreuen sie alle Altersgruppen. "Die Patienten vergessen für einen Moment ihre Situation und tauchen ein in eine andere Welt", erklärt Ornauer. "Wir haben auch den Eindruck, dass Schmerzen durch lachen gelindert werden können." Laut der US-Studie verlangsamt sich der Blutfluss in Stresssituationen um 35 Prozent, lachen dagegen verbessert die Durchblutung um rund 22 Prozent.
Die amerikanischen Wissenschaftler zeigten einer Gruppe von 20 Probanden jeweils einen 15-minütigen Filmausschnitt des Dramas "Der Soldat James Ryan" und der Komödie "King Pin". Vor und nach der Filmvorführung maßen die Forscher den Blutfluss in der Oberarm-Arterie der Probanden. Bei 19 Testpersonen hatte sich nach den lustigen Filmszenen der Blutfluss verbessert, bei den schockierenden Szenen war der Effekt umgekehrt: bei 14 von 20 Probanden verschlechterte sich der Blutfluss. Alle Testpersonen waren gesunde Nichtraucher, das Durchschnittsalter lag bei 33 Jahren. Zudem durften die Probanden einen Tag vor der Untersuchung weder Alkohol trinken, noch sich sportlich betätigen und mussten nüchtern zum Test erscheinen. Die Forscher vermuten, dass die Ursache für die Veränderung des Blutflusses in den Endothelzellen, die die Arterienwände auskleiden, zu suchen ist. Je nach Situation dehnen sich diese Zellen aus oder ziehen sich zusammen und beeinflussen damit den Blutfluss.
Bis zu 300 verschiedene Muskeln werden bei einem Lachvorgang aktiviert. Schon auf eine einzige Lachminute folgt eine Körperentspannung von 45 Minuten. Michael Miller, Leiter der US-Studie, empfiehlt, jeden Tag mindestens 15 Minuten zu lachen. In Deutschland werden im Durchschnitt nur sechs Minuten, in Österreich nur drei Minuten täglich gelacht. "Lachen kann man lernen", erklärt Elisabeth Ornauer. "Allein das Hochziehen der Mundwinkel wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus." Seit 2002 gibt es sogar Lachyoga-Workshops http://www.lachyoga.at.
Quelle: pte
EMNID-Befragung zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
(PAVK): Riskant: PAVK wird oft mit Venenschwäche verwechselt
Köln (ots) - 19.09.2005 - Die Deutschen verwechseln die schwer wiegende Durchblutungsstörung periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) häufig mit einer Venenschwäche. Dies brachte eine kürzlich durchgeführte repräsentative EMNID Umfrage unter 1051 Deutschen über 50 Jahre ans Licht. Das ist riskant: Denn unbehandelt kann eine PAVK zu einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt führen! Nur fünf Prozent der Befragten wissen, dass so genannte Thrombozytenfunktionshemmer eine geeignete Therapie der PAVK darstellen. Vor dem Hintergrund, dass jeder Fünfte über 65 an einer PAVK leidet, sind das viel zu wenige!
Die oft so harmlos als "Schaufensterkrankheit" bezeichnete PAVK ist eine schwer wiegende Durchblutungsstörung der Beine oder in der Leistengegend. Jeder Fünfte über 65 Jahre in Deutschland ist davon betroffen, am häufigsten Raucher. Weitere Risikofaktoren sind erhöhte Blutfettwerte, Diabetes und Bluthochdruck. Was sich zunächst durch Schmerzen in den Beinen äußert, kann über Jahre unbehandelt nicht nur zu erheblichen Gewebeschäden bis hin zur Amputation führen, sondern auch zu Schlaganfall und Herzinfarkt.
Verwechslung mit Venenschwäche riskant
Die EMNID-Umfrage zeigt: Zwar assoziieren 77 Prozent der Befragten mit einer PAVK das Symptom "Schmerzen in den Beinen", aber beinahe ebenso viele (60 %) denken, eine PAVK habe etwas mit Krampfadern zu tun, fast die Hälfte (44 %) denkt an Arthrose (Gelenkverschleiß). Doch die Verwechslung der PAVK mit einer Venenschwäche ist riskant, denn so wird das Risiko der schweren Folgeerkrankungen dramatisch unterschätzt.
Eher Bescheid wissen die Befragten über die Folgeerkrankung: Dass Schlaganfall oder ein Herzinfarkt drohen können, ahnen immerhin 77 bzw. 65 Prozent. Umso erstaunlicher, dass die wenigsten geeignete Therapien kennen:Ein wirksames Mittel, um den Blutfluss in Gang zu halten, sind moderne Thrombozytenfunktionshemmer. Sie verhindern die Bildung von Blutgerinnseln, so genannte "Thromben", und damit den gefährlichen Gefäßverschluss. Doch diese kennen nur fünf Prozent der Befragten.
Bekannt - aber gänzlich wirkungslos - dagegen sind etwa Knoblauch- oder Gingko-Dragees, die von 56 bzw. 38 Prozent nennen. 16 Prozent wissen gar nicht, welche Maßnahmen gegen verstopfte Arterien helfen.
PAVK: einfach zu messen
Dabei gibt eine einfache Methode, die so genannte ABI-Messung, Aufschluss darüber, ob eine PAVK vorliegt oder nicht: Der Arzt vergleicht dabei den oberen (systolischen) Blutdruckwert der Arme mit dem der Knöchel. Bei gesunden Gefäßen sind die Werte annähernd gleich, der Quotient (der so genannte Knöchel-Arm-Index, engl. Ankle Brachial Index - ABI) muss bei etwa 1 liegen. Liegt der Quotient unter 0,9, leidet der Patient an einer arteriellen Verschlusskrankheit und ist damit gefährdet, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.
Quelle: obs/Publicis Vital PR
Die VITAE-Studie zeigte, dass jährlich über 500.000 Menschen in der EU an tödlichen Blutgerinnseln aufgrund von Venenthrombosen sterben
Paris (ots/PRNewswire) - 16.09.2005 - Vorbeugungsmassnahmen müssen nun ergriffen werden, da die meisten Todesfälle aufgrund von Blutgerinnseln verhindert werden könnten.
Die Ergebnisse der VITAE-Studie (VTE Impact Assessment Group in Europe) wurden am 5. Jahreskongress der European Federation of Internal Medicine (EFIM) am 3. September bekannt gegeben. Sie zeigen, dass in den EU-Ländern jährlich über 1,5 Millionen Fälle von venöser Thromboembolie (VTE) mit z. T. tödlichem Ausgang gemeldet werden. Darin eingeschlossen sind Fälle von Lungenembolie (PE) und tiefer Venenthrombose (DVT). Diese Gesamtsumme setzt sich zusammen aus 543.500 Todesfällen, 435.000 Lungenembolien und 684.000 gemeldeten Fällen von symptomatischer DVT.
Dr. Alexander Cohen vom King's College Hospital und der Guy's, King's and St. Thomas School of Medicine in London, Grossbritannien, kommentierte: "Die VITAE-Studie zeigte, dass jedes Jahr mehr Europäer an VTE sterben als zusammengezählt an Brustkrebs, Prostatakrebs, HIV/AIDS und Verkehrsunfällen."
Die VITAE-Studie ist der erste gross angelegte Versuch, das tatsächliche Ausmass von VTE in der gesamten EU zu bestimmen. Da VTE in den meisten Fällen übersehen wird und nur schwer zu diagnostizieren ist, standen bisher keine genauen Schätzungen zur Verfügung. Die meisten Lungenembolien mit tödlichem Ausgang bleiben ebenfalls unerkannt, da nur sehr selten Autopsien durchgeführt werden. Dies führt dazu, dass die Bedeutung von VTE als eine häufige Todesursache unterschätzt wird. Die VITAE-Forscher, ein Gremium bestehend aus europäischen und nordamerikanischen Thrombose-Experten, haben das beste Beweismaterial aus klinischen und epidemiologischen Studien sowie Autopsien in einem Modell kombiniert, um dadurch die jährliche Häufigkeit von VTE-Fällen in den 25 EU-Ländern zu schätzen.
"Das wirkliche Problem mit VTE ist, dass die Krankheit oft unerkannt verläuft und der erste Ausbruch bereits tödlich verläuft. Dadurch wird der dringende Bedarf an Vorbeugungsmassnahmen weiter unterstrichen", fügte Dr. Cohen an. "Wenn alle Risikopatienten eine wirksame Behandlung zur Vorbeugung erhalten würden, könnten die meisten dieser Fälle verhindert werden. Deshalb müssen wir alle Patienten regelmässig daraufhin untersuchen und, falls nötig, Prophylaxen einsetzen."
Näheres zu venöser Thromboembolie (VTE)
Venöse Thromboembolie (VTE) bezieht sich auf zwei ernsthafte Krankheiten: tiefe Venenthrombose (DVT) und Lungenembolie (PE).
DVT entsteht aus der Bildung von Blutgerinnseln in einer tiefen Vene, normalerweise im Oberschenkel oder der Wade. Man spricht dann von DVT, wenn das Gerinnsel ganz oder teilweise den Blutstrom in der Vene verhindert.
PE ist eine potenziell lebensgefährliche Komplikation, die entsteht, wenn ein fester Teil eines Blutgerinnsels vom Blutstrom in die Lunge getragen wird.
Bestimmte Menschen unterliegen einem erhöhten Risiko für die Entstehung von VTE, die Krankheit kann aber praktisch alle betreffen. Einige der Situationen, die zu einem erhöhten Risiko führen können, sind: chirurgische Eingriffe, wie z. B. Hüft- und Knieimplantate, sowie akute medizinische Situationen (Schlaganfälle, Herzversagen, Versagen der Atemwege oder Infektionen), speziell dann, wenn die Mobilität des Patienten reduziert ist oder der Patient Risiken unterliegt, wie z. B. fortgeschrittenes Alter, Fettleibigkeit, Krampfadern, frühere Fälle von VTE oder Krebs).
Als vorbeugende Massnahmen gelten für DVT u.a.: früh einsetzende Mobilität, sequenzielle Kompression, Antithrombosestrümpfe zur Vorbeugung von Blutgerinnseln sowie Antikoagulanzien und/oder Blut verdünnende Medikamente.
Näheres zur Thrombose-Studie VITAE
Die Studie benutzte epidemiologische Modelle. Dieses Vorgehen wird zunehmend akzeptiert, falls die Derivation der Krankheitshäufigkeit durch klinische oder epidemiologische Studien unpraktisch erscheint. Die VITAE-Studie ist der erste bedeutsame Versuch, das tatsächliche Ausmass von VTE in der gesamten EU zu bestimmen, sowohl hinsichtlich der Morbidität und Mortalität, als auch den Kosten im Zusammenhang mit dieser Krankheit. Die VITAE-Studie wurde von sanofi-aventis unterstützt.
Das Expertengremium von VITAE bestand aus 13 führenden Experten aus sechs europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden, Grossbritannien) und den USA. Das Gremium bewertete die Kernmodellstruktur, Methodologien und alle länderspezifischen Daten sowie die massgebenden Annahmen im Modell. Umfassende und systematische Bewertungen von Publikationen wurden vorgenommen, um die besten Daten für das Modell zu erhalten. Nationale Patientendatenbanken, wie z. B. die Hospital Episodes Statistics (HES) aus Grossbritannien und das Programme de medicalisation des systemes d'information (PMSI) aus Frankreich, wurden dazu benutzt, die Anzahl der Risikopatienten zu schätzen.
Quelle: presseportal
Wenn das Blut in den Adern stockt
Mechanismen der Blutgerinnung verstehen - Krankheiten kontrollieren / Experten stellen neue Forschungsergebnisse und Therapien vor
23.02.2005 - Lungenembolie, Schlaganfall und Herzinfarkt sowie schwere Blutungen: Wenn die Blutgerinnung nicht mehr funktioniert, kann dies lebensbedrohlich für den Betroffenen sein.
Bei der 49. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) vom 23. bis 26. Februar in Mannheim, stellen Experten neue Forschungsergebnisse und Therapiemethoden bei Gerinnungsstörungen vor und machen dabei die zentrale Bedeutung der Blutgerinnung in der Medizin deutlich.
"Die Blutgerinnung hat eine Schlüsselrolle bei verschiedenen Erkrankungen, die von unterschiedlichen medizinischen Fachdisziplinen behandelt werden", erklärt Kongresspräsident Professor Dr. Peter P. Nawroth, Ärztlicher Direktor der Abteilung Endokrinologie und Stoffwechsel der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Allerdings ist der Mechanismus komplex: Eine Kaskade von Proteinen muss durchlaufen werden, bis das Blut eindickt. Wer die Mechanismen durchschaut, hat allerdings einen Schlüssel zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher schwerer Erkrankungen in der Hand.
Auch bei der Arteriosklerose, der Ablagerung von Bindegewebe und Kalk (so genannte "Plaques") in den Blutgefäßen, spielt die gestörte Blutgerinnung eine wichtige Rolle. So können Entzündungsprozesse in den betroffen Gefäßen ein zentrales Molekül namens NF-kappa B aktivieren, welches wiederum blutgerinnungsfördernde Mechanismen auslöst. Gleichzeitig werden Proteine, die die Gerinnung verhindern können, gehemmt. Dieses Ungleichgewicht fördert die Bildung von Blutgerinnseln, die sich von den Plaques lösen und Gefäße verschließen können, z.B. bei Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Stress kann die Blutgerinnung aktivieren
Sogar psychischer Stress, Ernährung und Sport beeinflussen die Blutgerinnung. So zeigen Arbeiten von Dr. Angelika Bierhaus (Abteilung Endokrinologie und Stoffwechsel der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg) und Professor Nawroth, dass kurzfristiger Stress ausreichend ist, um NF-kappa B und in Folge die Blutgerinnung zu aktivieren und dadurch möglicherweise thrombotische Erkrankungen zu fördern. Eine ausgewogene mediterrane Ernährung, geringe Zufuhr gesättigter Fette und moderate körperliche Bewegung sind hingegen geeignet, das Risiko thrombotischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu mindern.
Mehrere Kliniken und Institute des Universitätsklinikums Heidelberg befassen sich mit verschiedenen Facetten der Blutgerinnung: Am Pharmakologischen Institut konnten Wissenschaftler unter Leitung des Direktors Professor Dr. Stefan Offermanns ein Protein identifizieren, dessen Funktion entscheidend für die Blutstillung sowie die Ausbildung von Thrombosen ist: Der "Signalvermittler" namens G13 beeinflusst die Ausbildung arterieller Gefäßverschlüsse, die durch Zusammenklumpung von Blutplättchen (Thrombozyten) verursacht werden. Das Protein könnte somit ein wichtiger Ansatzpunkt für die Entwicklung effektiver Medikamente gegen Herzinfarkt und Schlaganfall sein.
In Kooperation mit Dr. Matthias Hentze vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL), Heidelberg, erforscht Professor Dr. Andreas Kulozik, Ärztlicher Direktor der Abteilung Hämatologie, Onkologie und Immunologie der Universitäts-Kinderklinik, die molekularen Mechanismen der erblich bedingten Thrombophilie. Bei dieser Krankheit führt eine übermäßige Blutgerinnung zur Ausbildung von gefährlichen Blutgerinnseln. Grund ist eine Genmutation, die dafür sorgt, dass das gerinnungsfördernde Eiweiß Prothrombin im Übermaß produziert wird.
Literatur:
Nawroth PP, Bierhaus A, Marrero M, Yamamoto H, Stern DM: Atherosclerosis and restenosis: is there a role for RAGE? Current Diabetes Reports, 5: 11-16, 2005.
Bierhaus A, Nawroth PP: Gerinnung, Entzündung und Immunantwort - ein phylogenetisches altes Prinzip als Ursache der Verbrauchskoagulopathie? Haemostaseologie 25: 23-32, 2005
Bierhaus A, Humpert PM, Nawroth PP, et. al.: A mechanism converting psychosocial stress into mononuclear cell activation. Proceedings of the National Academy of Sciences, 100: 1920-1925, 2003
Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg
Keine Spritzen mehr: Tabletten beugen Thrombose vor
21.02.2005 - Die erste komfortable Tablette zur Thrombosevorbeugung ist da: Sie heißt Xi-melagatran und wurde von der Firma AstraZeneca in Kooperation mit der Pharmazie der Kieler Universität entwickelt. Das Produkt wurde kürzlich von der europäischen Zulassungsbehörde für die Thromboseprophylaxe nach Operationen anerkannt.

Professor Bernd Clement mit dem HPLC, einem Gerät, das Substanzen voneinander trennt, so auch Melagatran von Ximelagatran
Die von AstraZeneca entwickelte Wirksubstanz Melagatran, kann zwar per Injektion verabreicht werden, erwies sich indes zur oralen Anwendung als nicht wirksam. Deswegen forschten Professor Bernd Clement und sein Team im Pharmazeutischen Institut der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zirka fünf Jahre lang an der Entwicklung eines sogenannten "Prodrugs" - einer oralen Arznei, die den Wirkstoff Melagatran erst im Körper in die eigentliche Wirkform überführt. Die neue Verbindung, das Ximelagatran, gelangt über den Mund in den Magen-Darm-Trakt. Durch ein in die Struktur des Arzneistoffes zusätzlich eingebautes Sauerstoffatom kann das Molekül durch Membranen ins Blut dringen, wo der Sauerstoff durch Enzyme wieder entfernt wird und den blutgerinnungshemmenden Wirkstoff frei setzt. "So wird der Körper überlistet, den Wirkstoff aufzunehmen, den er aus seinem natürlichen Schutz heraus ablehnen würde, weil er fremd ist. Das ist wie mit einem Trojanischen Pferd, aber im positiven Sinne", erklärt Professor Clement.
Ein Blutgerinnsel (Thrombus) kann entstehen, wenn das Blut - und mit ihm die körpereigenen Gerinnungsenzyme - langsamer als üblich durch die Venen fließt, zum Beispiel, wenn ein Mensch längere Zeit liegt oder sitzt. Das Blut gerinnt zu einem Pfropf, der die Versorgung der Organe mit Blut blockieren kann. Diese Thrombosen können zu lebensbedrohlichen Situationen führen - zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungenembolie. Die bisher bekannten Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, haben jedoch erhebliche Nachteile: Heparin - der bekannteste Wirkstoff - lässt sich nur durch Spritzen verabreichen. Cumarinderivate (Blutverflüssiger) dagegen gibt es zwar auch in Tablettenform, sie treten aber in erhebliche Wechselwirkung mit Nahrungsmitteln und anderen Arzneistoffen; wer sie einnimmt, muss sein Blutbild strengstens überwachen. Derartige Probleme gibt es mit dem neuen Medikament nicht, wie mehrere klinische Studien belegen.
Das neue Medikament wird derzeit nur in Krankenhäusern angewandt. "Wir hoffen nun, dass die Zulassung von Ximelagatran für die Langzeitprophylaxe erweitert wird, das heißt, dass sie auch für eine lebenslange Blutverdünnung
angewandt werden kann. Eine alltagstaugliche Alternative zur Spritze wird viele Thrombose-gefährdete Menschen aufatmen lassen", betont Professor Clement.
Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
MHH sucht Teilnehmer für Studie - im Test: Nahrungsbestandteil L-Arginin
03.11.2004 - Wenn Menschen schon nach einem kurzen Spaziergang vor einem Schaufenster stehen bleiben, ist nicht immer die Auslage der Grund: Weil die Blutgefäße in den Beinen verengt sind (periphere arterielle Verschlusskrankheit - PAVK), gelangen zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe in das Muskelgewebe, Schmerzen hindern die Betroffenen daran weiterzugehen. Und nicht nur das: Viele haben Probleme, aufgrund der Krankheit ihren Alltag zu bewältigen. Nach Schätzungen von Experten leiden bundesweit rund fünf Millionen Menschen an der PAVK.
Wissenschaftler fanden vor kurzem heraus, dass ein Eiweiß-Baustein die menschliche Gefäßfunktion deutlich steigern kann: L-Arginin erweitert im Labortest Blutgefäße. Die Aminosäure ist unter anderem in Hülsenfrüchten, Sojabohnen und Nüssen enthalten.
Forscher der Abteilung Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) prüfen nun in Zusammenarbeit mit dem MHH-Institut für Klinische Pharmakologie in einer Studie den Effekt von L-Arginin bei Patienten, die an Durchblutungsstörungen der Beine leiden. Die Ärzte hoffen, dass bei zusätzlicher Einnahme von L-Arginin in Form von Brausetabletten die schmerzfreie Gehstrecke zunimmt. Im Idealfall könnten die Symptome der Durchblutungsstörung vollständig zurückgehen.
Patienten, die an der Studie teilnehmen oder sich darüber informieren möchten, können sich an Dr. Frank Schröder oder Apothekerin Jessica Y. Lachmuth wenden, Telefon: (0511) 532-2724, wochentags zwischen 9 und 16 Uhr.
Quelle: Medizinische Hochschule Hannover
Vereinfachtes
Verfahren zur Behandlung verengter Gefäße
20.08.2004
- Die Aufdehnung verengter Herzkranzgefäße
mit Hilfe eine Ballons an der Spitze eines Herzkatheters
(Ballondilatation) ist seit Jahrzehnten ein Standardverfahren
zur Behandlung bzw. Verhinderung von Herzinfarkten.
Üblicherweise werden seit den 90er Jahren nach
der Dilatation noch sogenannte Stents (sich selbst
entfaltende Metallkörbchen) in das verengte Gefäß
eingesetzt, die es auf Dauer offen halten sollen.
Diese Stents sind zum Teil mit Medikamenten beschichtet,
die die Narbenbildung und damit erneute Verengung
der Gefäße im Bereich der Stents verhindern
sollen. Dies gelingt aber keineswegs immer. Vielmehr
kommt es in 20 bis 40 % der Fälle zu erneuter
Verengung oder gar zum Verschluß des Gefäßes
(Re-Stenose) innerhalb der ersten 6 bis 9 Monate nach
der Behandlung.
Jetzt hat die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Bruno
Scheller von der Universität des Saarlandes in
Homburg und Professor Dr. Ulrich Speck vom "Institut
für Radiologie" der Charité ein neues
vereinfachtes und risikoärmeres Verfahren entwickelt,
das auf Stents und damit auch auf die Risiken im Zusammenhang
mit ihrer Einsetzung, gänzlich verzichtet.
Statt der Stents, wird bei dem neuen Verfahren der
Ballon an der Katheterspitze mit einem Medikament
(Paclitaxel, "Taxol") beschichtet. Während
der relativ kurzen Zeit der Aufdehnung des Gefäßes
gibt die Oberfläche des Ballons einen Großteil
der Wirksubstanz an die Gefäßwand ab, die
sie sehr schnell aufnimmt. Mit dieser Behandlung wird
die Rate der Wiederverschlüsse (Re-stenose-Rate)
in der risikoreichen Zeit von 6 bis 9 Monaten nach
der Dilatation gegenüber der bisherigen Versorgung
mit Stents um bis zu 72 Prozent verringert. Das heißt,
praktisch werden auf diese Weise Re-stenosen fast
vollständig verhindert. Besonders fiel auf, daß
im dilatierten Bereich der Gefäße keine
Neubildung von Narbengewebe (sog. Neo-Intima) auftrat,
die das Gefäß verengen würde.
Die Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse an Schweinen
erhoben und jüngst in der renommierten Fachzeitschrift
"Circulation" (Bruno Scheller, Ulrich Speck
et al. [2004] 110, 810-814) publizieren können.
Zur Zeit wird das neue Verfahren an Patienten mit
Verengungen der Herzkranzgefäße in zahlreichen
Kliniken in Deutschland erprobt. Dazu gehören
nicht nur die kardiologischen Kliniken der Charité
und der Universität des Saarlandes sondern auch
Kliniken in Freiburg und Mannheim.
Die Dilatation mit beschichtetem Ballon eignet sich
aber nicht nur zur Aufdehnung von Herzkranzgefäßen,
sondern prinzipiell auch zur Erweiterung verengter
Gefäße in den Beinen, insbesondere im Knie-
und Unterschenkelbereich, wo Gefäßverengungen
zu schmerzhaften Durchblutungsstörungen (Schaufensterkrankheit)
führen. In Kliniken in Berlin, Bad Krozingen,
Greifswald und Tübingen wird das neue Verfahren
deshalb auch an Patienten mit solchen Durchblutungsstörungen
auf seine Wirksamkeit hin überprüft.
Quelle:
Charitè
Universitätsmedizin Berlin
Durchblutungsstörungen der Beine
Zu diesem Thema referierte Oberarzt Dr. Walter
Wohlgemuth, Klinik für diagnostische Radiologie
bei einer Ärzte-Tagung im Augsburger Klinikum.
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PTA von Verschlüssen
der
Beinarterien -
Wann machbar ? 532 KB
Walter A. Wohlgemuth
Klinik für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie
Klinikum Augsburg
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