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Die Inhaltsübersicht

- Depression und Kindheit und Jugend
- Depression und Alter
- Deppression und Geschlecht

- Depression und Wetter

Depression und Kindheit und Jugend

Kleine Kinder können keine schwere Depression entwickeln - von dieser Hypothese gingen Ärzte und Forscher bis in die 1980-er Jahre aus. Heute gilt das nicht mehr. Wenn ein Kind ständig weint, ein negatives Selbstbild hat, seine Aktivität herabgesetzt ist und es davon spricht, nicht mehr leben zu wollen, so handelt es sich um depressive Symptome wie bei einem Erwachsenen auch.

Vor der Pubertät gibt es keinen deutlichen Unterschied in der Depressionshäufigkeit zwischen Mädchen und Jungen. Nach der Pubertät jedoch sind wesentlich mehr Mädchen als Jungen depressiv.

Die 15 - 19-jährigen Frauen haben außerdem die höchste Suizidversuchsrate überhaupt, nämlich 340 je 100 000 Einwohner. Alarmierend ist die in den letzten Jahren in mehreren Ländern zu beobachtende Zunahme der Suizidrate bei männlichen Jugendlichen.

Jugendliche machen während ihres Reifeprozesses zahlreiche neue Erfahrungen: Verliebtsein, Trennung, Ablösung vom Elternhaus. Dies alles bringt eine gewisse Verunsicherung mit sich, die wiederum Depressionen und/oder Suizidgedanken auslösen könnte.

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Depression und Alter

Altern geht mit zahlreichen Verlusterlebnissen einher, etwa dem Verlust der körperlichen, manchmal auch der geistigen Leistungsfähigkeit, dem Verlust des Lebenspartners, des Einflusses im beruflichen und sozialen Bereich, oft auch dem Verlust der eigenen Wohnung.

Man könnte deshalb erwarten, dass alte Menschen deutlich häufiger an Depressionen erkranken. Zumindest bei den schweren Depressionen gibt es jedoch für diese Vermutung keine überzeugenden Belege. Bei jüngeren Erwachsenen wurden sogar häufiger Depressionen diagnostiziert als bei älteren Menschen. Hierbei muss man aber methodische Probleme bedenken. So könnte die Bereitschaft der jüngeren Generation, über depressive Beschwerden zu berichten, größer sein als bei der älteren Generation. Erschreckend ist allerdings die hohe Suizidrate im Alter, besonders bei alten Männern.

Keinesfalls ist höheres Alter mit seinen vielfältigen körperlichen Erkrankungen allein ein ausreichender Grund für depressive Erkrankungen. Depressionen müssen im Alter genauso konsequent wie in jüngeren Jahren behandelt werden, zumal sie bei älteren Menschen besonders leicht einen lebensbedrohlichen Charakter annehmen.

Zitat zum Thema
„Erfolgreiches Altern ist nicht selbstverständlich. Auch Altern will gelernt sein.“

Prof. Dr. Martin Hautzinger

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Depression und Geschlecht

Frauen erkranken zwei- bis dreimal so oft an einer Depression wie Männer. Für diesen Geschlechterunterschied gibt es verschiedene Erklärungen.

• Frauen sprechen eher über ihre Ängste und Stimmungsschwankungen und werden eher als "depressiv" eingeordnet, während bei Männern oft organische Ursachen vermutet werden. Das unterschiedliche Verhalten der Geschlechter und das unterschiedliche Diagnoseverhalten der Ärzte spielen also möglicherweise eine Rolle.

• Die soziokulturelle Erklärung stellt die gesellschaftliche Rolle der Frau in den Mittelpunkt. So wird zum Beispiel die Hausfrauenrolle immer mehr entwertet

und immer weniger honoriert; erwerbstätige Frauen müssen die Mehrfachbelastung von Hausarbeit, Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit tragen. Beides könnte

dazu führen, dass Frauen eher zu Depressionen neigen.

• Der Geschlechterunterschied ist teilweise auch hormonell bedingt. So sind Frauen in Zeiten mit großen Hormonschwankungen anfälliger für eine Depression:

vor der Menstruation oder nach einer Geburt. Beim prämenstruellen Syndrom treten depressive Störungen immer nur vor der Menstruation auf. Die Anfälligkeit scheint genetisch veranlagt zu sein und durch Umwelteinflüsse verstärkt zu werden. Schwere Fälle des prämenstruellen Syndroms werden mit Medikamenten behandelt.

Die postpartale Depression tritt nach der Geburt auf. Viele Frauen leiden im Wochenbett an einer depressiven Verstimmung, doch meistens handelt es sich um eine kurzlebige Erscheinung, den "Baby-Blues". Erst wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum andauern, handelt es sich um eine ernsthafte Wochenbettdepression.

Ob Frauen während oder nach der Menopause (Wechseljahre) anfälliger für eine Depression sind, ließ sich bis jetzt nicht abschließend klären.

Bei der Depression im Rahmen einer bipolaren affektiven Erkrankung gibt es übrigens keinen Geschlechterunterschied.

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Depression und Wetter

Trübes Wetter und dunkle verregnete Herbst-Nachmittage schlagen bei vielen Menschen auf die Stimmung. Bei Einigen erhöht sich saisonal die Vulnerabilität für depressive Erkrankungen. Typische Symptome einer saisonal bedingten Depression sind u.a. anhaltende Müdigkeit, Süßhunger, Gewichtszunahme. Tatsächlich ist in der kalten Jahreszeit ein Anstieg depressiver Erkrankungen um etwa 10 % zu verzeichnen.

Andererseits wird im Frühling eine erhöhte Zahl von Suiziden registriert. Eine eindeutige Zuordnung der Faktoren „schlechtes Wetter“ und Depression ist nicht möglich.

Auch die drei von der Weltgesundheitsorganisation zusammengestellten Erhebungen der Suizidzahlen aus 18 europäischen Ländern ergeben kein einheitliches Bild. Aufgrund des epidemiologischen Befundes lässt sich auf den ersten Blick zwar ein Einfluss des Wetters auf die Stimmung und die psychische Gesundheit vermuten, insofern man tendenziell ein „Nord-Süd Gefälle“ in den europäischen Ländern feststellen kann. So sind die niedrigsten Suizidzahlen eher in den warmen und sonnigen Ländern Griechenland und Italien zu finden, die höheren in den nördlicheren Staaten Dänemark und Finnland mit langen Wintern und kurzen Sommern.

Doch diese Korrelation zwischen Klima und Suizidrisiko ist keineswegs eindeutig. So standen beispielsweise die Staaten der früheren Donaumonarchie Österreich-Ungarn bei Erhebungen durch die Weltgesundheitsorganisation entgegen ihrer geographischen Lage in der Mitte Europas an oberster Stelle. In neueren Erhebungen sind sie jedoch von den baltischen Staaten von den vordersten Plätzen in dieser traurigen Rangliste verdrängt worden.

Auch könnten die relativ niedrigen Suizidzahlen aus den katholischen Ländern Italien, Irland und Polen fehlerhaft sein. Da der Suizid in streng katholischen Gesellschaften als Sünde betrachtet wird, kommt es häufiger zur Verschleierung der Todesursache und fehlerhaft ausgestellten Totenscheinen.

Aber selbst wenn man sonniges und warmes Klima als einen von vielen Faktoren für die unterschiedliche Stimmung und psychische Gesundheit der Bewohner der europäischen Länder in Betracht ziehen wollte, müsste die Interdependenz zu anderen Faktoren wie Mentalität, Tradition, Religiösität, Familiensinn, Gruppenzusammenhalt und Kommunikationsverhalten mit berücksichtigt werden. Das „sonnige Gemüt“ des Südländers beispielsweise ist unter Umständen weniger eine direkte Folge der intensiveren Sonnenbestrahlung als des traditionell intensiveren Kommunikationsverhaltens in Ländern, in denen mehr „nach draußen gelebt“ wird.

Unabhängig vom Klima spielen in allen europäischen Ländern auch soziographische Faktoren, wie die Urbanisierung und die zunehmende Anonymität, eine nicht unbedeutende Rolle. So sind Suizidversuche in städtischen Gebieten häufiger als in ländlichen. Nach einer WHO-Studie werden 70 % aller Suizidversuche in Städten unternommen, obwohl weltweit nur etwa 50 % der Bevölkerung in Städten lebt.

Auch Alkoholmissbrauch und Arbeitslosigkeit sind Faktoren, die die Suizidalität beeinflussen.

Zitat zum Thema:
„Seit langem ist bekannt, dass sich Suizide im Allgemeinen im Frühling und Sommer häufen, wofür aber keine stichhaltigen Erklärungen vorliegen. Die saisonale Variation gibt es sowohl in Ländern der nördlichen als auch in denen der südlichen Hemisphäre.“

Prof. Dr. Thomas Bronisch

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