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Die Inhaltsübersicht

- Bis zu 15 Prozent der Schulkinder sind chronisch krank
- Keine eingebildete Krankheit: Eindeutige biologische Veränderungen beim chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) nachgewiesen
- BAG SELBSTHILFE e.V. zu Gesundheitsreform: Chronisch Kranke und Behinderte schon jetzt über die Maßen belastet
- Bonus-Malus-System: Chronisch Kranke fürchten zu geringe Dosierung
- Arznei-Spargesetz wird die Versorgung chronisch kranker Patienten weiter verschlechtern
- Weitere Belastung der Patienten verhindern
Arzneimittel-Sparpaket macht chronisch Kranke zu Verlierern
- Morgen ist "World COPD Day": Frühzeitige Behandlung kann Lebensqualität verbessern
- Schmerzfrei: Der Blick in den Spiegel trickst das Gehirn aus
- Chronische Erkrankungen fordern Millionen Leben -
WHO fordert weltweite Maßnahmen
- Erfolgsmodell Chronikerprogramme - Schon 1,6 Mio. Diabetiker in „strukturierter Behandlung“

-
Paritätischer Wohlfahrtsverband fordert Kostenerstattung für rezeptfreie Medikamente bei chronisch Kranken
- Heimbewohner von der Zuzahlung befreien
- Chroniker: Kein jährlicher Nachweis - im Zweifelsfall können Kassen neue Bescheinigung verlangen
- Neue Vorschrift soll Leber-, Nieren-, Herz-
und Lungenkranke von angemessener
Ernährung ausschliessen
- Neue Therapie zur Behandlung chronisch
verstopfter Nase

Bis zu 15 Prozent der Schulkinder sind chronisch krank

29.06.2006 - 12 bis 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Schulalter sind chronisch krank. Dies ist die Erkenntnis, die Professor Christoph Ertle, Leiter des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Forschungsprojekts „Chronisch kranke Kinder und Jugendliche in den allgemeinen Schulen“, zieht. Lehrer würden oft mit Unverständnis auf die eingeschränkten Lernmöglichkeiten dieser Kinder reagieren, da sie für diese Situation nicht ausgebildet sind. Ertle fordert: „Der Umgang mit chronisch kranken Kindern gehört in die Lehreraus- und -fortbildung in Deutschland.“ Die Erfahrung aus der Projektförderung nutzt die Robert Bosch Stiftung für einen neuen und übergreifenden Schwerpunkt „Leben mit Krankheit“. Fördermittel gibt es für die Umsetzung von Projektideen, die auf die Verbesserung der Situation von Menschen mit chronischen Erkrankungen in Deutschland abzielen und neue, erfolgversprechende Wege für die Praxis aufzeigen.

Umgang mit chronisch kranken Schulkindern: Verankerung in der Lehrerausbildung gefordert

Bislang gibt es in Deutschland wenig gesichertes Wissen über den Umgang mit chronisch kranken Kindern und Jugendlichen in allgemeinen Schulen, vor allem in Bezug auf deren psychosoziale Situation und auf das Erleben von Lernen und Leistungsanforderungen. Eine Pilots tudie belegt, daß Lehrerinnen und Lehrer auf die Lebens- und Lernsituation dieser Kinder nicht vorbereitet sind. Chronisch kranke Kinder sind nicht nur gehandicapt, sondern müssen oft den Wechsel zwischen Klinik und Schule schaffen und benötigen entsprechende Betreuung. „Die Kinder fühlen sich ausgegrenzt und leiden darunter“, sagt Ertle. Der Pädagoge müsse die Integration in die Klassengemeinschaft schaffen. Um den Lernabstand nicht zu groß werden zu lassen, wurde erfolgreich ein virtuelles Klassenzimmer erprobt, in dem der Schüler Unterricht via Internet zu Hause oder in der Klinik verfolgen kann. Das Projekt beweist, daß in der Kooperation zwischen Medizin und Pädagogik sowie zwischen allgemeinen Schulen und Klinikschulen ein Weg liegt, die Kinder weitgehend in den Schulalltag zu integrieren. In dem dreijährigen Projekt, das am 23. Juni 2006 mit einer Abschlußveranstaltung in Reutlingen beendet wird, erarbeiteten sieben Klinikschulen in drei Bundesländern (Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen) Hilfestellungen für Kollegien aller Schulen. Auf der Grundlage einer Situationsanalyse wurden Materialien und Handlungsempfehlungen für Lehrer für den Umgang mit chronisch kranken Kindern erarbeitet (www.interklinikschule.de).

80 Prozent der Gesundheitskosten für chronische Erkrankungen

Chronische Erkrankungen nehmen in Deutschland stetig zu. Bereits heute verursachen sie, obwohl sie nur 20 Prozent aller Patienten betreffen, 80 Prozent der Kosten im Gesundheitswesen. Dementsprechend bergen chronische Krankheiten, wenn es um die Verhinderung von Begleit- und Folgeerkrankungen geht, auch ein hohes finanzielles Einsparpotential. Deshalb will die Robert Bosch Stiftung im Programm „Leben mit Krankheit“ die Situation von Menschen mit chronischen Erkrankungen in Deutschland verstärkt in den Blick nehmen. „Wir wollen praxisorientierte Vorhaben fördern, die dazu beitragen, Betroffenen neue Wege im Umgang mit ihrer Krankheit aufzuzeigen“, sagt Dr. Almut Satrapa-Schill, Bereichsleiterin Gesundheit und Humanitäre Hilfe der Robert Bosch Stiftung. Es gelte das Fortschreiten der Krankheit oder Folgekrankheiten zu verhindern. Institutionen wie Kindergärten, Schulen und Betriebe sowie das private Umfeld chronisch Kranker müssen lernen, kompetenter damit umzugehen.

www.bosch-stiftung.de
www.interklinikschule.de


Keine eingebildete Krankheit: Eindeutige biologische Veränderungen beim chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) nachgewiesen

Berlin- 12.05.2006 - Die Ergebnisse der internationalen Forschung zum Chronischen Erschöpfungssyndrom müssen endlich auch in Deutschland zur Kenntnis genommen werden“, erklärt die Vorsitzende des Fatigatio e.V., Petra Dönselmann im Sande, anlässlich des 15. Internationalen CFS-Tages am 12. Mai 2006. „In Deutschland findet Forschung zum CFS faktisch nicht statt. Das geht zu Lasten der ca. 300.000 CFS-Kranken, die dringend auf Fortschritte im Verständnis der Erkrankung und bei der Behandlung angewiesen sind.“

CFS ist eine schwerwiegende, chronische Erkrankung, zu der vor allem in den USA seit Mitte der achtziger Jahre geforscht wird. Hierzu wurden in den letzten Jahren erhebliche Mittel bereitgestellt. Wissenschaftler der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta/USA, einer der weltweit führenden medizinischen Forschungseinrichtungen, identifizierten jetzt erstmals in umfassenden Studien an 227 CFS-Patienten messbare Befunde, die eine biologische Grundlage der Störung belegen.

Die Daten wurden während eines zweitägigen Klinikaufenthaltes erhoben. Während dieser Zeit unterzogen sich die CFS-Kranken genauen körperlichen Untersuchungen, Analysen im Schlaflabor, Messungen der kognitiven Funktionen, der Funktionen des vegetativen Nervensystems sowie umfassender Blutuntersuchungen. Außerdem wurde die Aktivität von 20.000 Genen bestimmt. Gesucht wurden Faktoren, die möglicherweise CFS auslösen oder mit der Erkrankung verbunden sind. Die Ergebnisse wurden in der Aprilausgabe der Zeitschrift “Pharmacogenomics” veröffentlicht.

Am 20.04. 2006 stellten die Wissenschaftler ihre Studienergebnisse auf einer Pressekonferenz vor:

Auf Grund genetischer Besonderheiten ist bei CFS die Fähigkeit des Organismus eingeschränkt, sich ausreichend auf Veränderungen einzustellen. „Diese Studie beweist, dass die Physiologie von Menschen mit CFS nicht in der Lage ist, sich vielen Herausforderungen und Belastungen des Lebens anzupassen, wie beispielsweise Infektionen, Verletzungen und anderen widrigen Ereignissen,“ sagte Dr. Williams C. Reeves, der das CFS-Gesundheitsforschungsprogramm der CDC leitet. „Diese Forschungsergebnisse sind wichtig, weil sie uns helfen werden, unsere Forschungsbemühungen zur Identifizierung diagnostischer Verfahren und effektiverer Behandlungsformen zu bündeln und endlich eine Menge Schmerzen und Leiden lindern zu können.“

Der multidisziplinäre Ansatz mit der Bezeichnung „C3“ oder „CFS Computational Challenge“ wurde von Dr. Suzanne Vernon entwickelt, die das Molekularepidemiologie-Team des
CFS-Forschungslabors leitet. Vernon zu den Ergebnissen der Studien: „Es gibt eine eindeutige biologische Grundlage für CFS. Die Kenntnis des molekularen Schadens wird uns helfen, effektive Behandlungsformen und Kontrollstrategien herauszuarbeiten.“

CFS tritt bei Menschen aller sozialen Schichten und Altergruppen auf und ist mit schweren Erschöpfungszuständen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen und weiteren Symptomen verbunden, die oft über Jahre hinweg das Leben der Erkrankten massiv beeinträchtigen. In der Pressekonferenz der CDC wurde hervorgehoben, dass CFS Behinderungen verursacht, die denen bei Multipler Sklerose (MS) oder schwerer Lungenerkrankung wie der COPD vergleichbar sind.

Anders als in den USA, wo die öffentliche Wahrnehmung des Krankheitsbildes CFS in diesem Frühjahr mit einer breit angelegten Medien- und Aufklärungskampagne gefördert werden soll, ist die Erkrankung in Deutschland weitgehend unbekannt. CFS-Kranke sind daher meist ohne angemessene medizinische Versorgung.

Der Fatigatio e.V., die bundesweit arbeitende Selbsthilfeorganisation zum CFS, hat u.a. eine Broschüre „Häufig gestellte Fragen zum CFS“ herausgegeben, die gegen Einsendung von 2 € in Briefmarken beim Verein bestellt werden kann.

Adresse: Fatigatio e.V., Albrechtstr. 15, 10117 Berlin


BAG SELBSTHILFE e.V. zu Gesundheitsreform: Chronisch Kranke und Behinderte schon jetzt über die Maßen belastet

Düsseldorf - 31.03.2006 (ots) - Anlässlich des schwarz-roten Spitzengesprächs zur Gesundheitsreform und der Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Gesundheit wir künftig teurer!" fürchtet die BAG SELBSTHILFE, der Dachverband der Selbsthilfeorganisationen behinderter und chronisch kranker Menschen in Deutschland, dass chronisch kranke und behinderte Patienten noch stärker als bisher zur Kasse gebeten werden.

Tablettendose
Bild: Pixelquelle

"Gerade chronisch kranke und behinderte Menschen, Heimbewohner, Patienten mit Mobilitätseinschränkungen, Menschen, die von seltenen Erkrankungen betroffen sind, werden schon heute über die Maßen belastet", erklärt Dr. Martin Danner, gesundheitspolitischer Referent der BAG SELBSTHILFE. Dagegen würden gesunde Versicherte über Bonustarife und Privatversicherungsmodelle begünstigt.

Die BAG SELBSTHILFE appelliert an die politisch Verantwortlichen die paritätisch finanzierte solidarische Krankenversicherung, unter Einschluss der Familienversicherung, beizubehalten. Sie tritt dafür ein, konsequent Wirtschaftlichkeitsreserven im Gesundheitswesen zu erschließen, beispielsweise über Nutzungsbewertungen medizinischer Leistungen, über eine verbesserte Information von Patientinnen und Patienten zu Fragen der Kosten-Nutzen-Risiko-Abwägung, über den Abbau überflüssiger Verwaltungsstrukturen und über die Stärkung von Prävention und Rehabilitation im Gesundheitswesen.


Quelle: BAG SELBSTHILFE e.V.


Bonus-Malus-System: Chronisch Kranke fürchten zu geringe Dosierung

Düsseldorf - 29.03.2006 (ots) - Chronisch kranke und behinderte Patienten werden zunehmend von ihren Ärzten weggeschickt, weil die Mediziner bei der Verschreibung von Medikamenten Einbußen durch die so genannte "Bonus-Malus"-Regelung fürchten. Rückmeldungen dieser Art erhält derzeit die BAG SELBSTHILFE als Dachverband der Selbsthilfeverbände behinderter und chronisch kranker Menschen in Deutschland. Dabei ist das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) noch gar nicht in Kraft getreten. Stichtag dafür ist der 1. April 2006. Allerdings wird das AVWG am 8. April 2006 erst noch im Vermittlungsausschuss beraten, ehe es verbindlich in Kraft treten kann.

Tabletten
Bild: Pixelquelle

Die Bonus-Malus-Regelung ist eine der geplanten Einsparungsmaßnahmen im Gesundheitswesen und sieht vor, dass bestimmte Medikamente im Rahmen einer Therapie in einer durchschnittlich errechneten Tagesdosis verschrieben werden dürfen. Hält sich der verschreibende Arzt an diese Dosis oder liegt er gar unter der Dosierung, bleibt das ohne Konsequenzen oder wird belohnt. Verschreibt er aber eine höhere Tagesdosis, muss er die Differenz selbst zahlen. "Bestimmte Patienten sind aufgrund ihrer besonderen Erkrankung auf eine besonders hohe Dosierung eines Medikaments angewiesen," erklärt Dr. Martin Danner, gesundheitspolitischer Referent der BAG SELBSTHILFE. "In diesem Fall bleibt den Ärzten nur, die Kosten selbst zu tragen oder den Patienten weniger zu geben, als sie brauchen."

Die BAG SELBSTHILFE e.V. - Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen - ist die Vereinigung der Selbsthilfeverbände behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen in Deutschland. Sie ist Dachverband von 91 bundesweit tätigen Selbsthilfeorganisationen, 14 Landesarbeitsgemeinschaften und drei Fachverbänden. Über ihre Mitgliedsverbände sind in der BAG SELBSTHILFE mehr als eine Million Menschen mit körperlichen, seelischen und geistigen sowie Sinnes-Behinderungen und Menschen mit unterschiedlichsten chronischen Erkrankungen zusammengeschlossen.

Quelle: BAG SELBSTHILFE e.V.


Arznei-Spargesetz wird die Versorgung chronisch kranker Patienten weiter verschlechtern

Frankfurt - 21.03.2006 (ots) - Im Vorfeld des am 23. März in Frankfurt/Main beginnenden 17. Deutschen Schmerztages kritisieren die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie und die Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga das geplante Arznei-Spargesetz. Dieses werde die Versorgung chronisch kranker Menschen weiter verschlechtern.

Wann das neue Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung (AVWG) in Kraft treten wird, ist unklar. Der Bundesrat hat den Vermittlungsausschuss angerufen. »Wir hoffen, dass die Beratungen zu nötigen Korrekturen führen«, erklärt Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie. »Denn Teile des Gesetzes werden eine bedarfsgerechte Arzneimittelversorgung vor allem chronisch kranker Patientinnen und Patienten unterminieren«, betont Dr. Marianne Koch, Präsidentin der Deutschen Schmerzliga.

Insbesondere kritisieren die beiden Schmerzorganisationen die Koppelung der Arzthonorare an das Verordnungsverhalten ( Bonus-Malus-Regelung).. Überschreitet ein Arzt bei bestimmten Indikationen zuvor festgesetzte Tagestherapiekosten um mehr als zehn Prozent, führt dies zu einem Honorarabzug. »Diese Regelung orientiert sich an einer abstrakten Größe, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf des Patienten«, stellt Müller-Schwefe fest. »Schon unter den gegenwärtigen Bedingungen erhalten wir Berichte von Patienten, dass ihnen mit dem Hinweis auf Arzneimittelbudgets teure Therapien verweigert oder ins nächste Quartal verschoben werden«, berichtet Koch. »Wenn die geplante Malus-Regelung kommt, wird das diese Entwicklung weiter verschärfen.«

Nicht beruhigen kann die Experten die Versicherung des Gesundheitsministeriums, dass »für das Bonus-Malus-System nur einige wenige Wirkstoffgruppen in Frage kommen«. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, dass die Regelung ausgeweitet wird, warnen die Schmerzorganisationen. Ebenso fürchten Müller-Schwefe und Koch steigende Arzneimittel-Zuzahlungen für Patienten. Denn auch die so genannten Festbeträge sollen sinken. Diese legen fest, bis zu welcher Höhe die Krankenkassen die Kosten eines Arzneimittels erstatten. Wenn Hersteller angesichts drastisch reduzierter Festbeträge ihre Preise nicht senken, steigt die Zuzahlung für die Patienten.

Quelle: Dt.Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.


Weitere Belastung der Patienten verhindern
Arzneimittel-Sparpaket macht chronisch Kranke zu Verlierern

15.02.2006 - Patienten droht mit dem geplanten Arzneimittelsparpaket eine neue Belastung. Danach müssen Patientinnen und Patienten mit einer erhöhten Zuzahlung von bis zu 65 Prozent der Kosten für bestimmte Arzneimittel rechnen. Diese können sich im Einzelfall auf mehrere Hundert Euro pro Packung belaufen, falls die Betroffenen nicht zu den Härtefällen gehören.

"Patienten, die preisgünstige Arzneimittel wählen, sollten statt dessen von der Zuzahlung befreit werden" , forderte VdK-Präsident Walter Hirrlinger anlässlich der heute stattfindenden abschließenden Beratung im Bundestagsausschuss für Gesundheit zum Arzneimittelsparpaket. Hirrlinger appellierte erneut an Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, eine weitere Belastung der Versicherten nicht zuzulassen.

Der von der Bundesregierung gemeinsam mit Koalitionspolitikern vorgelegte Gesetzentwurf sieht vor, die Festbeträge auf bestimmte Arzneimittel pauschal zu senken. Da anders als früher nicht ein einzelner Hersteller, sondern viele Unternehmen betroffen sind, ist die Gefahr groß, dass sie nicht wie bisher ihre Preise auf das Niveau der Festbeträge absenken. Die Differenz zwischen Festbetrag und Preis muss dann der Patient zahlen.

Zudem ist geplant, Ärzte, die festgelegte Tagestherapiekosten bei bestimmten Erkrankungen überschreiten, mit Strafzahlungen zu belegen. Ein Patient, der ein teureres Medikament nimmt oder mehr als der Durchschnitt verbraucht, wird in Zukunft kaum mehr einen Arzt finden, der ihm entsprechendes verordnet. Der jetzt gefundene Kompromiss, die Strafzahlungen nicht bereits bei einer Überschreitung von fünf Prozent, sondern erst ab zehn Prozent beginnen zu lassen, wird an der Wirkung des Malussystems nichts ändern.

Unter den geplanten Strafzahlungen für Ärzte, die zuviel verordnen, werden vor allem chronisch Kranke leiden. Hirrlinger: "Für Ärzte wächst der Anreiz, vor allem teure Patienten los zu werden, die dann ohne Versorgung dastehen." (Sabine Kohls)

Quelle: VdK


Morgen ist "World COPD Day": Frühzeitige Behandlung kann Lebensqualität verbessern

Ingelheim / Karlsruhe (ots) - 15.11.2005 - 4. World COPD Day am 16. November mit weltweiten Aktionen / Bei Atemwegsinfekten auf Anzeichen einer COPD achten / Besserung der Symptome durch frühe Diagnose und Therapie möglich.

Mann hustet
Foto: obs/ Boehringer Ingelheim und Pfizer

Seit 2002 besteht mit dem "World COPD Day" ein jährlicher Aktionstag zu der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD. In diesem Jahr machen Initiativen am 16. November unter dem Motto "Breathless not Helpless!" darauf aufmerksam, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose und Therapie der Erkrankung für die Lebensqualität der Patienten sind. Atemnot ist das Hauptsymptom der chronischen Lungenerkrankung. Allein in Deutschland leiden bis zu fünf Millionen Menschen an COPD, Tendenz steigend.

Vor allem im Herbst und Winter, wenn sich Atemwegsinfekte und Erkältungskrankheiten in den Arztpraxen häufen, klagen viele Menschen vermehrt über hartnäckigen Husten und Atemnot. Was die meisten nicht wissen: dies kann bereits ein Hinweis auf eine COPD (chronisch obstruktive Bronchitis, englisch Chronic Obstructive Pulmonary Disease) sein. Verstärkt durch Infekte der Atemwege, nehmen typische COPD-Symptome wie Atemnot, Husten und Auswurf zu. Vor allem Raucher mit diesen Anzeichen sollten ihre Lunge auf die chronische Lungenerkrankung untersuchen lassen. Rund 80 bis 90 Prozent aller COPD-Fälle entstehen durch langjähriges Zigarettenrauchen.

Der so genannte "Luftstau" ist eines der Hauptmerkmale der COPD: Eingeatmete Luft bleibt wegen einer chronischen Verengung der Atemwege in der Lunge gefangen und kann nicht mehr vollständig ausgeatmet werden, es bleibt immer etwas "Restluft" zurück. Diese verhindert, dass die Lunge mit frischer, sauerstoffreicher Luft gefüllt wird - dem Körper fehlt damit unter Belastung die Energie für die Bewältigung körperlicher Arbeit. Atemnot ist die Folge dieses Luftstaus und Hauptsymptom der COPD. Sie tritt zunächst nur bei körperlicher Belastung auf und wird oft fälschlicherweise als Folge einer Erkältung oder einfach nur als schlechte Tagesform abgetan und ignoriert.

Frühe Therapie verbessert die Belastbarkeit

Der 4. World COPD Day am 16. November 2005 will verstärkt darauf hinweisen, dass Atemnot nicht nur eine harmlose Begleiterscheinung des Rauchens ist, sondern Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein kann. Weltweit wenden sich Lungenfachärzte, Fachverbände und Patientenorganisationen mit Aufklärungsaktionen an die Öffentlichkeit, um ein besseres Verständnis für die Erkrankung COPD zu erreichen und die Bevölkerung zu informieren. Hierbei wird besonders darauf hingewiesen, wie wichtig eine frühe Diagnose und Therapie für die Lebensqualität der Patienten sind.

"Breathless not Helpless!" - atemlos, aber nicht hilflos - ist auch ein positiver Aufruf an Patienten, bei denen die Diagnose COPD bereits gestellt wurde. Denn neben therapiebegleitenden Maßnahmen, wie Lungensport und gesunder Ernährung, gibt es bronchienerweiternde Medikamente, die eine rasche Besserung der Beschwerden schaffen können. Wirkstoffe können bei nur einmal täglicher Inhalation die verengten Atemwege über 24 Stunden lang öffnen. Je früher eine Therapie einsetzt, desto eher kann die Atemnot gemindert, die Belastbarkeit gesteigert und somit die Lebensqualität der Betroffenen effektiv verbessert werden.

Alles Wissenswerte über Ursachen und Behandlung der COPD erfahren Sie im Internet auf www.copd-aktuell.de.

Quelle: Boehringer Ingelheim und Pfizer


Schmerzfrei: Der Blick in den Spiegel trickst das Gehirn aus

02.11.2005 - Manche Menschen entwickeln nach Stößen oder Knochenbrüchen starke chronische Schmerzen. Die betroffenen Glieder schwellen an, motorische Störungen können auftreten. Das Leiden heißt Komplexes Regionales Schmerzsyndrom ("Complex Regional Pain Syndrome", CRPS). Eine britische Ärztin hat jetzt einen Weg gefunden, Betroffene ohne Schmerzmittel zu helfen.


Quelle: Photocase

Für das CRPS ist vermutlich eine "Fehlschaltung" im Gehirn verantwortlich. Sie bewirkt, dass sich das zentrale Nervensystem auf die Wahrnehmung des Schmerzes konzentriert und ihn so noch verstärkt. Candy McCabe von der University of Bath ist es gelungen, das Gehirn auf einfache Weise auszutricksen.

Die Ärztin experimentierte mit acht CRPS-Patienten vor einem präparierten Spiegel. Die Patienten sahen darin nur ihre gesunde Hälfte, die über die andere mit dem schmerzenden Körperteil gespiegelt wurde. Im Spiegelbild wurde so das schmerzende gegen das gesunde Glied regelrecht ausgetauscht. Die Patienten mussten sich dann auf den Anblick konzentrieren und ihn als ihren wahren Körper annehmen.

"Drei der Teilnehmer waren augenblicklich schmerzfrei, bei den anderen dauerte es nur etwas länger", berichtete McCabe dem Magazin "New Scientist"; "allerdings kehrten nach Entfernung des Spiegels die Schmerzen zurück." Mehrere längere Spiegel-Sitzungen waren nötig, um sechs Patienten schließlich heilen können. Die beiden anderen Patienten litten neben den chronischen Schmerzen noch an weiteren Krankheiten.

Wie leicht sich das Gehirn austricksen lässt, wies McCabe in Versuchen mit weiteren 41 gesunden Teilnehmern nach. Diesen wurde vor ähnlichen Spiegeln die eine Hälfte ihres Körpers überblendet. Dann sollten sie mit jenem Arm, den sie nicht sehen konnten, Bewegungen ausführen. Weil die Teilnehmer sich gleichzeitig am Spiegelbild zu orientieren hatten, bewegten sie den ausgeblendeten Arm nur unkoordiniert. Fast gleichzeitig traten Nervenstörungen auf, die von leichtem Kribbeln bis zu Schmerzen reichten. Mancher Teilnehmer brach den versuch schon nach 20 Sekunden ab. Die Versuche sollen zu Therapien für weitere Nervenkrankheiten führen.

Forschung: Candy McCabe, Royal National Hospital for Rheumatic Diseases


Chronische Erkrankungen fordern Millionen Leben -
WHO fordert weltweite Maßnahmen

Genf (pte) 05.10.2005 - Das Leben von Millionen Menschen könnte durch entsprechende Maßnahmen zur Bekämpfung von chronischen Erkrankungen gerettet werden. Eine neue WHO Studie www.who.int/en geht davon aus, dass 36 Millionen Todesfälle durch Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Krebs und im Erwachsenenalter einsetzende Diabetes innerhalb der nächsten zehn Jahre zu verhindern wären. Nikotin, schlechte Ernährung und mangelnde Bewegung werden für den Großteil dieser Todesfälle verantwortlich gemacht. Die WHO warnt, dass Länder mit Einkommen im niedrigeren und mittleren Bereich am stärksten betroffen sein werden. Die Weltgesundheitsorganisation fordert daher eine Reihe von Maßnahmen zur Erreichung einer zusätzlichen Verringerung der Todeszahlen um zwei Prozent bis zum Jahr 2015. Für die Erreichung dieses Ziels sei jedoch die Zusammenarbeit von Regierungen, privaten Unternehmen und der Bevölkerung erforderlich. Das Fachmagazin The Lancet www.thelancet.com hat einen Schwerpunkt zu chronischen Erkrankungen online gestellt.

Die aktuelle WHO Studie hat die Auswirkungen von chronischen Erkrankungen in Brasilien, Kanada, China, Indien, Nigeria, Pakistan, der Russischen Föderation, Großbritannien und Tansania untersucht. Zu den Hauptursachen für das Ansteigen von chronischen Erkrankungen gehört die Ernährung mit Lebensmitteln die viel Fett und Zucker enthalten, Arbeits- und Lebenssituationen die weniger körperliche Aktivität erfordern und eine Verstärkung der Marketingaktivitäten für Tabakprodukte in Entwicklungsländern. Das Kauen von Tabak wird ebenso wie das Rauchen laut BBC mit Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Einfache Maßnahmen könnten bereits zu einer Verbesserung der Situation führen. Dazu gehören die Verringerung des Salzanteils in verarbeiteten Lebensmitteln, die Verbesserung der an Schulen angebotenen Menüs sowie die Besteuerung von Tabakprodukten. Durch die Senkung der Sterbezahlen profitierte laut WHO auch die Wirtschaft der einzelnen Länder durch die Verringerung der Kosten für die medizinische Versorgung und der verlorenen Produktivität.

Die Studie geht davon aus, dass ohne entsprechende Maßnahmen chronische Erkrankungen innerhalb der nächsten zehn Jahre Kosten in Milliardenhöhe verursachen werden. Für China könnten Kosten in der Höhe von 558 Milliarden Dollar entstehen, für Indien 236 Millionen und für die Russische Föderation 303 Milliarden. Es wird angenommen, dass in Großbritannien innerhalb der nächsten zehn Jahre fast fünf Millionen Menschen an einer chronischen Erkrankung sterben werden. Dadurch werden Kosten in der Höhe von 33 Milliarden Dollar entstehen. WHO Generaldirektor Jong-wook Lee erklärte, dass es sich um ein sehr ernstes Problem für die Volksgesundheit, die betroffenen Gesellschaften und Wirtschaftssysteme handle. "Der Preis für die Untätigkeit ist klar sichtbar und nicht zu akzeptieren."

Quelle: pte


Erfolgsmodell Chronikerprogramme -
Schon 1,6 Mio. Diabetiker in „strukturierter Behandlung“

Baierbrunn (ots) - 22.06.2005 - Die Behandlung chronisch Kranker Patienten nach festgelegten Standards („Chronikerprogramme“ oder „DMP“ – Disease Management Programme - genannt) erweisen sich als Erfolgsmodell der Gesundheitsreform. Wie das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“ berichtet, nehmen zum Beispiel bereits 1,6 Millionen Diabetiker diese Behandlungsform in Anspruch. Sie wählen sich einen „Lotsenarzt“, meistens den Hausarzt, der alle Behandlungsschritte auch mit Spezialisten koordiniert und dokumentiert. Ziel ist eine bessere und letztlich auch kostengünstigere Behandlung. Die Krankenkassen sehen so großes Potential in diesen „Chronikerprogrammen“, dass sie intensiv dafür werben. Manche Ärzte kritisieren allerdings den bürokratischen Aufwand und sehen das Engagement der Kassen durch zusätzliche Einnahmen begründet, die ihnen das Gesetz zugesteht. Der Nutzen einer standardisierten Behandlung ist aber weitgehend unbestritten.

Quelle: Wort und Bild - Senioren Ratgeber



Paritätischer Wohlfahrtsverband fordert Kostenerstattung für rezeptfreie Medikamente bei chronisch Kranken

Berlin - 26.04.2005 (ots) - Der Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) fordert die Rücknahme eines Teils der Gesundheitsreform, der besonders
chronisch kranke Menschen negativ betrifft. Seit der Herausnahme
nicht-verschreibungspflichtiger Medikamente aus dem Leistungskatalog
der gesetzlichen Krankenversicherung könnten sich viele chronisch
Kranke notwendige Arzneimittel nicht mehr leisten, betont der
Verband. Dazu gehörten unter anderem Augentropfen, Nasensprays,
systemische Antihistaminika und harnstoffhaltige Salben.


Bild: photoCase

"Vielen Familien ist es nicht möglich, die hohen Kosten von
Medikamenten etwa gegen rheumatische Erkrankungen oder Allergien
aufzubringen", sagte Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des
DPWV. Besonders betroffen seien Familien mit geringem Einkommen,
Sozialhilfe- und Arbeitslosengeld II-Bezieher. Als Folge einer
Unterversorgung mit Medikamenten seien Dauerschädigungen zu
befürchten. "Chronisch kranke Menschen haben ein Recht darauf, dass
sie notwendige Arzneimittel von der Kasse finanziert bekommen, wenn
diese anerkannten Therapiestandards genügen", sagte Schneider.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband unterstütze daher einen von der
CDU/CSU vorgelegten Gesetzesentwurf, wonach
nicht-verschreibungspflichtige Medikamente für Jugendliche bis zum
Alter von 18 Jahren wieder von den Krankenkassen finanziert werden
sollen. Der Unionsvorstoß gehe jedoch nicht weit genug, schränkte
Schneider ein. Eine Neuregelung müsse alle chronisch Kranken
umfassen.

Quelle: Paritätischer Wohlfahrtsverband



Heimbewohner von der Zuzahlung befreien


31.03.2005 - "Die Lebensqualität von chronisch Kranken und Menschen in Pflegeheimen wird nicht nur durch Zuzahlungen, sondern auch durch Aufwendungen für benötigte nichtverschreibungspflichtige Medikamente eingeschränkt ", erklärte der Präsident des Sozialverbands VdK Deutschland, Walter Hirrlinger. Das ohnehin geringe Budget der Betroffenen werde dadurch zusätzlich belastet. Die Forderung des Präsidenten der Bundesärztekammer ( BÄK ), Jörg-Dietrich Hoppe, Menschen mit geringem Einkommen wie beispielsweise pflegebedürftige Heimbewohner, die von einem Taschengeld leben müssen, von diesen Belastungen zu befreien, sei daher zu begrüßen.

Hirrlinger erinnerte daran, dass der Sozialverband VdK bereits wiederholt darauf hingewiesen habe, dass gerade ältere Menschen und chronisch Kranke insbesondere bei nicht mehr verschreibungspflichtigen Arzneimitteln große Probleme bekämen, wenn sie auf diese aus finanziellen Gründen verzichten müssten. Der VdK-Chef appellierte an die Politik, hier Verbesserungen vorzunehmen.

Quelle: Sozialverband VdK


Chroniker: Kein jährlicher Nachweis - Im Zweifelsfall können Kassen neue Bescheinigung verlangen


Baierbrunn - 31.03.2005 (ots) - Chronisch kranke Menschen – zum Beispiel Diabetiker oder Rheumapatienten – müssen den Nachweis darüber nicht jährlich vom Arzt erneuern lassen, um die Berechtigung für erniedrigte Zuzahlungen zu behalten. Auf diese Änderung der Gesetzeslage weist das Apothekenmagazin „Diabetiker Ratgeber“ hin. Da chronisch Kranke einen erhöhten Bedarf an Medikamenten und medizinischen Dienstleistungen haben, müssen sie höchsten ein statt zwei Prozent ihres Jahreseinkommens an Zuzahlung leisten. In Zweifelsfällen können die Krankenkassen aber einen erneuten Nachweis verlangen.


Quelle: Wort und Bild - Diabetiker Ratgeber


Neue Vorschrift soll Leber-, Nieren-, Herz- und Lungenkranke von angemessener Ernährung ausschließen


Amberg / Homburg - 22.03.2005 (ots) - Wer an körperlicher Auszehrung aufgrund chronischer Herz-, Leber-, Nieren- oder Lungenerkrankungen leidet, ist demnächst wohl nur noch ein Patient zweiter Klasse: Geht es nach dem Gemeinsamen Bundesausschuss, in dem Vertreter von Ärzten und Krankenkassen festlegen, was Kassen den Versicherten noch erstatten, soll diesen Menschen - unabhängig von der Schwere der Erkrankung - künftig keine Trink- und Sondennahrung auf Kosten der Kassen mehr zustehen.

Tritt die Mangelernährung aber infolge anderer Erkrankungen, beispielsweise der Erbkrankheit Mukoviszidose, Aids oder Krebs auf, kann unter bestimmten Bedingungen weiter ernährt werden. "Diese Ungleichbehandlung und Benachteiligung chronisch kranker Menschen ist nicht hinnehmbar", betonte der Vorsitzende der Patientenvertretung Recht auf Essen und Leben e.V., Armin Nentwig, heute in Amberg. "Das betrifft auch Kinder. Auch sie leiden an chronischen Krankheiten", ergänzte Monika Boeckmann, Sprecherin der Elterninitiative SHG "Eltern mit neurologisch kranken und behinderten Kindern" in Homburg.

Dabei ist die künstliche Ernährung nach Meinung vieler Ärzte und Ernährungsexperten etwa bei schweren Fällen von Leberzirrhose nach einer Hepatitis C-Infektion, Herzinsuffizienz, chronischer Nierenversagen oder Lungenerkrankungen oft die einzige Möglichkeit, überhaupt noch das Gewicht und einen befriedigenden Ernährungsstatus zu halten. Mangelernährte Patienten erholen sich langsamer, erleiden häufiger ernste Komplikationen, sind stärker pflege- und intensivpflegebedürftig und bleiben länger im Krankenhaus, mit deutlich höheren Krankheitskosten, war das Ergebnis der kürzlichen Jahreskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin.

Auch eine angebliche Öffnungsklausel für seltene Krankheiten, mit der der Gemeinsame Bundesausschuss sich derzeit zu verteidigen versuche, helfe da nicht weiter, unterstreicht Nentwig. Denn diese Klausel verweise als Zirkelschluss wieder auf die komplizierten Regelungen der 40-seitigen AMR-Neufassung, die zwingend zu beachten seien. Als allgemeine Verordnungsbedingungen für Trink- und Sondennahrung werden darin nur vier Indikationen anerkannt: Koma, eine vollständige Schluckstörung, sowie Schluckprobleme aufgrund von Tumoren oder Fisteln in Hals-Rachenraum oder der Speiseröhre. Für Nentwig und Boeckmann ist das eine bloße Aufzählung von Selbstverständlichkeiten.

Chronisch Kranken helfe das nicht weiter. "Keinem Arzt ist es zuzumuten, zuschauen zu müssen, wie der Patient vor seinen Augen langsam verhungert. Mit den daraus resultierenden ethischen Problemen kommt doch kein Mediziner klar", unterstreicht Nentwig. Wegen all dieser ungeklärten Fragen hoffen der Verein "Recht auf Essen und Leben" und die SHG "Eltern mit neurologisch kranken und behinderten Kindern" auf die Hilfe des Bundesgesundheitsministeriums. "Das Ministerium hat bereits zwei Mal Angriffe der Krankenkassen auf unsere Patientengruppen abgewehrt. Wir appellieren deshalb an Ministerin Ulla Schmidt und ihren Staatssekretär Klaus Theo Schröder, erneut hart zu bleiben!", betonen Nentwig und Boeckmann.

Quelle: Verein Recht auf Essen und Leben



Neue Therapie zur Behandlung chronisch verstopfter Nase

Teltow - 18.03.2005 (ots) - Für Millionen Deutsche bedeuten die ersten Frühlingsboten den Beginn eines alljährlich wiederkehrenden Alptraums: verstärkter Pollenflug verursacht Juckreiz in Augen und Nase, die Augen tränen, die Nase ist zu. Doch was, wenn sich daraus ein Dauerzustand entwickelt?


Bild:photoCase

Die intensive Schleimhautreizung im Nasenraum kann zu krankhaften Veränderungen, wie z.B. einer chronischen Vergrößerung des Gewebes im Inneren der Nase führen, die Nase ist dauerhaft "zu". Nächtliches Schnarchen, Abnahme des Geruchs- und Geschmackssinns sowie eine erhöhte Kopfschmerzneigung können die Folge sein. Ein weiteres ernstes Problem besteht darin, dass Betroffene aufgrund der blockierten Nasenatmung ständig durch den Mund atmen müssen. Dabei trocknen die Rachenschleimhäute aus und können ihre Bakterien abwehrende und filternde Funktion nur noch mangelhaft erfüllen. Das Risiko von Erkältungs- und Infektionskrankheiten steigt.

Meist nehmen die Beschwerden durch längere Verwendung von Nasentropfen oder Nasensprays noch zu. Bisher blieb dann nur die chirurgische Entfernung von Gewebe in der Nase - die konventionelle Verkleinerung der so genannten Nasenmuscheln. Diese nur stationär mögliche Behandlung ist nicht nur äußerst blutig und schmerzhaft, sondern oft auch mit unangenehmen Folgeerscheinungen (trockene Rhinitis) verbunden. Denn durch die Entfernung von Nasenmuschelgewebe inklusive Schleimhaut und Flimmerhärchen wird die körpereigene Reinigungsfunktion der Nase beeinträchtigt, die Infektionsanfälligkeit nimmt zu.

Eine sanfte Verkleinerung der Nasenmuschel ermöglicht ein neues, minimal invasives Verfahren aus dem Bereich der Schlüsselloch-Chirurgie. Mit der so genannten Celon Methode wird das Gewebe mittels Radiofrequenzenergie und einem feinen, nadelförmigen Applikator kurz und gezielt auf Temperaturen über 60 Grad Celsius erhitzt. Das behandelte Gewebe wird innerhalb kurzer Zeit vom Körper automatisch abgebaut und die vergrößerte Nasenmuschel so wieder auf Normalmaß gebracht. Der Eingriff ist ambulant und unter örtlicher Betäubung möglich und dauert nur wenige Minuten. Schleimhaut und Flimmerhärchen werden geschont, und die Nasenfunktion bleibt erhalten. Eine weitere Besonderheit der Celon Methode besteht darin, dass die Hitze dank der bipolaren Applikatoren ganz gezielt im Gewebe platziert werden kann, was gerade im sensiblen Hals-Kopf-Bereich sehr wichtig ist.

Der Eingriff beim Hals-Nasen-Ohrenarzt ist quasi schmerzfrei. Danach kann der Patient wieder nach Hause oder zur Arbeit gehen. Das Tamponieren der Nase ist nicht erforderlich, allenfalls etwas Pflege mit sanften Salben oder Kochsalzsprays - und ein wenig Geduld. Die Zurückbildung des Gewebes ist erst nach einigen Tagen abgeschlossen, dann ist die Nase wieder frei.

Quelle: Celon AG





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