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Schnupperseminar rund um den Führhund

Hannover - 07.01.04 - Der Verein Lichtblicke e.V. veranstaltet im Frühjahr ein Schnupperseminar für all diejenigen, die künftig ihr Leben einem Führhund anvertrauen und sich vorher gründlich mit diesem Thema vertraut machen wollen. «Auch wer in dieser Frage noch unentschieden ist, findet bei diesem Seminar sicherlich unterstützende Entscheidungshilfen und ist herzlich willkommen», mailte der Verein heute an kobinet. Die Entscheidung, sein Leben mit einem Führhund zu teilen, sei von großer Tragweite, müsse wohl überlegt sein und bedürfe gründlicher Vorbereitung. Der in Hannover ansässige Verein
(www.verein-lichtblicke.de) hat Mitglieder in ganz Deutschland und Österreich.

Das Schnupperseminar findet vom Freitag, den 26. März (Anreise), bis Sonntag, den 28. März 2004 (Abreise), im Hotel Berghof in Petersberg bei Fulda statt. Die Unterkunft inklusive Frühstück ist für die TeilnehmerInnen und je eine Begleitperson frei. Für Fahrtkosten und die übrige Verpflegung müssen die TeilnehmerInnen und Begleitpersonen selbst aufkommen.


Augsburger Allgemeine, 13.10.03


Streicheln verboten! Sam ist im Dienst


Ein Hund mit Verantwortung: Der Golden Retriever erleichtert seinem behinderten Herrchen Jens Günther den Alltag

Von Uschi Ernst-Flaskamp

Augsburg/Zusmarshausen

Sam ist ein Hund zum Knuddeln. Sein treuer Blick, sein weiches, hellgelbes Fell, die schwarzglänzende Nase - ein Golden Retriever wie aus dem Bilderbuch. Doch Sam ist im Dienst. Da wird nicht geschmust. Er hat seine grellgrüne Weste an, die schon von weitem signalisiert: Hier kommt ein Hund mit Verantwortung. „Bitte nicht stören.“ Sam ist ein Behindertenbegleithund. Er hat vor kurzem seine Arbeitsstelle bei Jens Günther aus Zusmarshausen (Kreis Augsburg) angetreten.

Endlich hat Jens Günther einen Betreuer an seiner Seite, der mit wahrer Begeisterung bei der Sache ist. Fällt ihm das Handy aus der Hand, braucht er kein schlechtes Gewissen zu haben, einen anderen zu stören. Sams ganzes Hinterteil ist vor Freude in Bewegung, wenn er in Aktion treten kann. Und das muss er oft. Denn Jens Günther leidet an einer spastischen Tetraplexie (seine Arme und Beine sind gelähmt) und er kann sich nur mit Hilfe eines elektrischen Rollstuhls fortbewegen. Der 30-jährige Fachinformatiker ist wohl einer der ersten behinderten Rollstuhlfahrer in Schwaben, der einen vierbeinigen Helfer hat. Sam, meistens aber Sammy genannt, weil er so jung, so elegant und freundlich ist, kann viel. Ein Jahr lang wurde er von Aniko Ebersberger auf seine Aufgabe vorbereitet. Die gebürtige Ungarin reiste mit Sam aus Rostock an und verbrachte die ersten zwei Wochen mit Herr und Hund. Sie begleitete Günther bei sich zu Hause, im Haus seiner Eltern in Zusmarshausen, bei seinem Weg zur Arbeit als Schulungsleiter nach Augsburg bei EDV-Konkret, durch die Augsburger Innenstadt, fuhr mit ihm mit den öffentlichen Verkehrsmittel und führte ihm die Fähigkeiten des Hundes in verschiedenen Situationen vor.

Sam kann Türen öffnen, drückt den Halteknopf in der Straßenbahn, reicht seinem Herrchen heruntergefallene Gegenstände, hilft ihm beim Ausziehen, indem er ganz vorsichtig an Hosen oder Socken zieht, schaltet Licht ein und aus, kann die Waschmaschine ausleeren und könnte sogar im Supermarkt beim Einkaufen behilflich sein. Wenn man ihn einließe. Aniko Ebersberger hofft, dass der Hund bald die bayerische veterinärmedizinische Unbedenklichkeit attestiert bekommt, die für alle Blindenhunde selbstverständlich ist. Doch Behindertenbegleithunde sind hierzulande noch relativ selten.

Jens Günther stieß im Jahr 2000 zufällig darauf. Während eines Urlaubsaufenthalts in Rostock hörte er von der Kynos Stiftung, die dort Hunde zu Begleitern von Behinderten, Blinden und Hörgeschädigten ausbildet. Er meldete sein Interesse an - und wartete. Denn zunächst musste ein Welpe gefunden werden. Die Hundetrainer suchen inzwischen ganz gezielt nach Golden Retrievern oder Labrador Retrievern. „Diese Hunde sind wie für uns erfunden, sie haben ein großes Herz, sind ohne Aggressionen, offen und zutraulich“, sagt Aniko Ebersberger. Ein Jahr lang wächst der Hund in einer geeigneten „Pflegefamilie“ auf. Erst dann geht es an die Arbeit.

Sam hat gelernt, die Person im Rollstuhl als Chef zu akzeptieren, obwohl sie scheinbar schwach ist. Schon in der kurzen Zeit, die Jens Günther mit dem Hund verbracht hat, haben sich die beiden aneinander gewöhnt. Günther strahlt von innen heraus, wenn er Sam betrachtet und sagt glücklich: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Seine spastisch verkrampften Hände öffnen sich, wenn er den Hund zur Belohnung streichelt. Sam hat nämlich auch das Zeug zum Therapeuten für Herz und Seele, sagt Aniko Ebersberger.

Jens Günther hatte sich gewissenhaft auf Sam vorbereitet und einen „Hundeführerschein“ gemacht. Er nimmt seine neue Verantwortung sehr ernst. Auch, weil Sam ihm nicht nur lieb, sondern auch regelrecht teuer ist. 17000 Euro kostet die Ausbildung eines Behindertenbegleithundes. 2555 Euro musste Günther selbst bezahlen, den Rest übernahm die Kynos Stiftung. Als ungerecht bezeichnet er das, denn die Kosten für Blindenbegleithunde übernehmen die Krankenkassen.


Förderverein der Kynos Stiftung
Hunde helfen Menschen e.V.
Am Remelsbach 30
54570 Mürlenbach
Telefon 06594/961051
Mail: info@kynos-stiftung.de

Ouelle: Augsburger Allgemeine Zeitung


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