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Schwache Verbindungen im Gehirn erklären Autismus
Gesichter führen zu keiner Erhöhung der Gehirnaktivität
London - 10.04.2006 - Die Schwierigkeiten, die Autisten in Beziehungen mit anderen Menschen haben, könnten auf eine schlechte Kommunikation zwischen entscheidenden Bereichen des Gehirns zurückzuführen sein. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University College London http://www.ucl.ac.uk gekommen. Damit könnte erklärt sein, warum Autisten nicht gut interagieren. Schwache Verbindungen im Gehirn bedeuten in diesem Fall, dass diese Menschen aus sozialen Situationen weniger Nutzen ziehen. Früher wurde angenommen, dass der Mangel an sozialen Fähigkeiten auf Anomalien in bestimmten Bereichen des Gehirns zurückzuführen sei. Für die in Neuroimage
veröffentlichte Studie wurden die Gehirnscans von 32 Personen verglichen.
Die Wissenschafter werteten die Gehirnscans von 16 Personen mit Erkrankungen aus dem autistischen Spektrum (ASD) und überdurchschnittlichem Intelligenzquotienten und die Scans von 16 gesunden Freiwilligen aus. Es wurden vier Darstellungen auf einem Bildschirm gezeigt, zwei Häuser und zwei Gesichter. Die Teilnehmer wurden ersucht, sich entweder auf die Gesichter oder auf die Häuser zu konzentrieren und zu entscheiden, ob die ausgewählten Bilder identisch waren. Scans ergaben deutliche Unterschiede in der Gehirnaktivität der beiden Gruppen. Bei der Kontrollgruppe führte die Konzentration auf die Gesichter zu einem deutlichen Anstieg der Gehirnaktivität. Bei Menschen mit ASD führte die Konzentration auf die Gesichter zu keiner Auswirkung auf das Gehirn. Damit ist laut BBC auch ihr mangelndes Interesse an Gesichtern erklärt. Beide Gruppen wiesen die gleichen Reaktionen auf die Darstellungen von Häusern auf.
Der leitende Wissenschafter Geoff Bird vom UCL Institute of Cognitive Neuroscience erklärte, dass die sozialen Probleme bei ASD normalerweise auf Schwierigkeiten in jenem Bereich des Gehirns zurückgeführt werden, in dem die Informationsverarbeitung für Gesichter stattfindet. "Unsere Forschungen legen nahe, dass das Problem wo anders liegt. Es scheint so zu sein, dass der Anblick von Gesichtern zu keiner normalen Erhöhung der Aktivität im Gehirn führt. Verantwortlich dafür ist, dass die entscheidenden Bereiche im Gehirn nicht gut mit jenen Bereichen verbunden sind, die wie die Stirn- oder Scheitelregion die Aufmerksamkeit kontrollieren. Wir alle wissen, dass es schwerer ist, ein Gesicht in einer belebten Menge herauszugreifen. Aber wenn wird das richtige Gesicht gefunden haben und uns darauf konzentrieren, sind wir leicht in der Lage alle anderen Ablenkungen auszublenden. Es scheint für Menschen mit ASD viel schwerer zu sein, sich auf ein Gesicht zu konzentrieren und es hat nicht die gleiche Wirkung."
Quelle: pte
PC hilft Autisten bei sozialer Interaktion
Software erkennt Mimik
Cambridge/Hamburg - 31.03.2006 - Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology http://www.mit.edu haben einen Computer entwickelt, der ein Vibrationssignal aussendet, sobald der Gesprächspartner gelangweilt ist oder den Faden verloren hat. Das System soll Autisten bei der Kommunikation helfen, meldet das Magazin New Scientist http://www.newscientist.com. "Menschen mit Autismus können nonverbale Signale nicht wahrnehmen und erfahren aufgrund der ungewöhnlichen Gesprächssituation oft Ablehnung, da sie keine Gesichter und keine Mimik erkennen können", erklärt Maria Kaminski von Autismus Deutschland http://www.autismus.de im Gespräch mit pressetext. "Ein Autist muss zum Beispiel lernen, was lachen ist. Er wird selbst nie einen Witz erzählen und muss trainieren, dass man über Lustiges lacht."
Das neu entwickelte System besteht aus einer kleinen Kamera, die an einer Brille befestigt und mit einem tragbaren PC verbunden ist. Dieser ist mit einer Software ausgestattet, welche die von der Kamera gesendeten Bilder erkennt und die darin gezeigten Gefühlsausdrücke analysiert. Um die Gefühle erkennen zu können, wurden in das Programm mehr als 100 jeweils acht Sekunden lange Clips eingespeist, in denen Schauspieler verschiedene Gesichtsausdrücke vorführen. Auf diesen Clips basierend analysiert die Software die Bewegungen von Augenbrauen, Lippe und Nase und das Neigen, Schütteln und Nicken des Kopfes und ordnet demnach Gefühlsausdrücken zu. Die Software hat derzeit bei Alltagsgesprächen eine Trefferquote von 64 Prozent. Wird die Mimik sehr deutlich dargestellt, erkennt die Software 90 Prozent richtig. Dabei kann sie zwischen Zustimmung und Ablehnung, konzentriertem Denken, Unsicherheit und Interesse unterscheiden.
Das System befindet sich noch in der Testphase. Neben der Verbesserung der Software arbeiten die US-Forscher auch am Tragekomfort der Kamera. Eine ganz andere Herausforderung ist zudem, die Autisten dazu zu bekommen, ihrem Gegenüber in die Augen zu sehen. "Generell schauen Autisten niemanden ins Gesicht", berichtet Kaminski. "Man kann das zwar trainieren, aber selbst dann hat man das Gefühl, dass sie eher durch einen hindurch sehen." Für Autisten hat das Gesicht keinen Widererkennungswert. Sie erkennen andere Menschen eher am Klang der Stimme, am Geruch und durch abtasten, erläutert Kaminski. " Autisten schrecken zudem vor jeder Art von Berührung zurück und können sich schlecht in andere Menschen hineinversetzen", so die Vorsitzende von Autismus Deutschland. "Auf den ersten Blick erscheinen sie deshalb oft gefühllos."
Das neue Computersystem könne für Menschen mit Autismus eine große Hilfe sein, erklärt Maria Kaminski. "Jedes technische Gerät, das Autisten bei der sozialen Interaktion hilft, hat einen großen Wert", so die Autismus-Expertin. Das Gerät könnte nicht nur Autisten helfen, sondern auch in anderen Bereichen, etwa im Unterricht, eingesetzt werden. "Ich fände es toll, wenn ich ein Computer hätte, der mir sagt, wenn 20 Prozent meiner Studenten gelangweilt sind oder mir nicht mehr folgen können", meint Timothy Bickmore von der Boston University gegenüber New Scientist.
Quelle: pte
Größeres Hirn bei autistischen Kindern
06.12.2005 - Autistische Kinder weisen im Alter von zwei Jahren ein höheres Gehirnvolumen auf als nicht betroffene Kinder. Das haben amerikanische Medizinerinnen ermittelt. Wie sie im Fachblatt "Archives of General Psychiatry" berichten, scheint sich der Unterschied gegen Ende des ersten Lebensjahres herauszubilden.
"Wir wissen nicht, ob die Vergrößerung des Gehirns eine wichtige Rolle beim Autismus spielt oder ob sie eine Folgeerscheinung eines anderen Prozesses ist", betont Heather Cody Hazlett von der University of North Carolina, Chapel Hill. Obwohl Autisten meist nicht weniger intelligent sind als andere Menschen, haben sie Probleme damit, soziale Bindungen zu knüpfen und die Vorgänge in ihrer Umwelt nachzuvollziehen. Als Folge scheinen sie mehr oder weniger stark abgekapselt.
Cody Hazlett und Kolleginnen suchten nun, mehr über die anatomischen Grundlagen der Entwicklungsstörung zu erfahren. Dazu vermaßen sie per Kernspintomographie die Gehirne von 51 autistischen und 25 nicht autistischen Kindern im Alter von zwei Jahren. Es zeigte sich, dass die Volumina von grauer und weißer Substanz der Großhirnrinde bei ersteren um etwa fünf Prozent erhöht waren. Das hauptsächlich für die Bewegungskoordination zuständige Kleinhirn war dagegen nicht vergrößert.
Zusätzlich analysierten die Forscherinnen Daten über 113 autistische und 190 nicht-autistische Kinder, bei denen zwischen Geburt und 3. Lebensjahr mehrmals der Kopfumfang gemessen worden war. Anfangs unterschieden sich die autistischen Kinder demnach nicht von ihren Altersgenossen, ab dem 12. Monat schien ihr Kopf jedoch schneller zu wachsen. Möglicherweise setze zu diesem Zeitpunkt auch die Vergrößerung des Hirns ein, so Cody Hazlett.
Forschung: Heather Cody Hazlett, Michele Poe und Joseph Piven, Neurodevelopmental Disorders Research Center, University of North Carolina, Chapel Hill; und andere
Veröffentlicht in Archives of General Psychiatry, Vol. 62(12), pp 1366-76
Bedeutung der Spiegelneuronen für Autismus nachgewiesen
Ausmaß der Aktivierung der Neuronen entscheidend
Los Angeles - 05.12.2005 - Eine abnorme Aktivität der Neuronen, die Menschen dabei helfen andere zu imitieren, könnte manchen der sozialen Defizite von Autisten zugrunde liegen. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University California http://www.ucla.edu gekommen. Autistische Kinder verfügten in einem bestimmten Bereich über eine geringere Gehirnaktivierung. Dabei handelte es sich um den Bereich, der bei der Erkennung der geistigen Verfassung eines anderen, eine Rolle spielt. Das Ausmaß der Aktivierung der Spiegelneuronen entsprach dabei dem Ausmaß der sozialen Beeinträchtigung. Je geringer die Aktivierung war, desto stärker war die Beeinträchtigung der Kinder. Die Ergebnisse der Studie wurden in Nature Neuroscience http://www.nature.com/neuro veröffentlicht.

Bild: Photocase
Autismus beeinträchtigt die Fähigkeit eines Menschen mit anderen zu kommunizieren und angemessen auf Signale aus der Umwelt zu reagieren. Bei Tieren wurde laut BBC nachgewiesen, dass Spiegelneuronen feuern, wenn Tiere andere bei etwas beobachten und wenn sie in der Folge das gleiche tun. Für die aktuelle Studie untersuchte das Team um Mirella Dapretto die Muster der Gehirnaktivität von zehn autistischen Kindern, während sie entweder einen Gesichtsausdruck imitierten oder ihn passiv beobachteten. Die Gesichtsausdrücke entsprachen Gefühlen wie Angst, Wut, Traurigkeit und Glück. Die Wissenschafter verglichen diese Ergebnisse mit jenen von zehn nichtautistischen Kindern gleichen Alters, die über den gleichen IQ verfügten.
Obwohl die autistischen Kinder in der Lage waren, die gestellten Aufgaben zu lösen, verfügten sie in beiden Fällen über eine geringere Aktivierung in einer Gehirnregion, die die Spiegelneuronen enthält. Dabei handelt es sich um einen Teil der unteren Stirnhirnwindung. Die autistischen Kinder verfügten in den Gefühlszentren des Gehirns, der Insula und der Amygdala, ebenfalls über eine eingeschränkte Aktivität. Dapretto erklärte, dass die aktuellen Ergebnisse gemeinsam mit anderen neuen Forschungsergebnissen jene Theorie unterstützten, wonach ein unzureichendes Funktionieren der Spiegelneuronen mit dem Entstehen von Autismus in Verbindung gebracht wird. Das sei sehr aufregend, da man jetzt endlich über eine Ursache verfüge, die alle entscheidenden Symptome der Erkrankung erklärbar mache. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass die autistischen Kinder andere Bereiche des Gehirns nutzen müssen, um die ihnen gestellten Aufgaben lösen zu können. So sei es zum Beispiel denkbar, dass sie den visuellen und motorischen Anhaltspunkten mehr Aufmerksamkeit schenkten, ohne dabei die emotionale Bedeutung des imitierten Gesichtsausdruckes zu erfahren.
Quelle:
pte
Autismus übertreibt Struktur und Entwicklung männlicher Gehirne
Kontakt mit männlichen Hormonen vor der Geburt entscheidend
Cambridge - 04.11.2005 - Die Gehirnstruktur von Menschen mit Autismus ist eine "Übertreibung" der Struktur eines normalen männlichen Gehirns. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Cambridge Autism Research Centre http://www.autismresearchcentre.com gekommen. Es wurde bereits lange Zeit angenommen, dass es sich bei autistischen Verhalten um eine Übertreibung von männlichen Verhaltensweisen wie dem Erstellen von Listen handelt. Die Wissenschafter argumentieren jetzt, dass die tatsächliche Entwicklung eines autistischen Gehirns ebenfalls übertreibt, was in männlichen Gehirnen stattfindet. Sie schreiben in Science, http://www.sciencemag.org dass die weitere Erforschung dieser Theorie ein besseres Verstehen des Autismus unterstützen wird.

Quelle: Photocase
Das Team um Simon Baron-Cohen wertete Forschungsvorhaben aus, die sich auf das Erklärungsmodell des "extremen männlichen Gehirns" konzentrierten. Sie weisen darauf hin, dass Männer generell über ein größeres frühes Wachstum in bestimmten Gehirnregionen und über weniger hemisphärische Konnektivität als Frauen verfügen. Die Gehirne von Jungen wachsen rascher als die von Mädchen. Bei Menschen mit Autismus, scheint dieses Wachstum in einem noch extremeren Ausmaß stattzufinden. Zusätzlich gibt es spezifische Unterschiede in bestimmten Gehirnregionen. Die Amygdala, die eine entscheidende Rolle bei emotionalen Reaktionen spielt, ist bei autistischen Kleinkindern abnormal groß. Dabei handelt es sich wieder um eine Übertreibung der typischen Entwicklung eines männlichen Gehirns.
Die Wissenschafter erklärten, dass alles darauf hindeute, dass der Kontakt mit männlichen Hormonen wie Testosteron vor der Geburt diese Entwicklungsmuster des Gehirns beeinflusse. Männliche Föten produzieren diese Hormone in ihren Hoden, weibliche in den Nebennieren. Aus diesem Grund können auch Mädchen einem höheren Hormonwert ausgesetzt sein. Baron-Cohen betonte laut BBC, dass die Wissenschafter daran interessiert seien den Autismus zu verstehen. "Es geht nicht darum, wie man intervenieren, Autismus verhindern oder einen pränatalen Test entwickeln kann. Es gibt zwei ethische Bedenken: Ob es sich bei Autismus um eine Krankheit handelt und ob ein möglicher pränataler Test spezifisch oder genau genug wäre."
Quelle: pte
Elterliche Schizophrenie erhöht Autismus-Risiko
18.05.2005 - Neue Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen elterlichen bzw. Umweltfaktoren und dem Risiko für Autismus haben dänische und amerikanische Forscher gefunden. Wie die Gruppe im "American Journal of Epidemiology" berichtet, geht eine Beckenendlage mit einem deutlich erhöhten Erkrankungsrisiko einher. Ein noch stärkerer Risikofaktor scheint allerdings eine psychiatrische Erkrankung eines Elternteils zu sein.
"Dies ist die bislang größte Fallkontrollstudie und die erste, die vermuten lässt, dass Fälle von Schizophrenie in der Familie das Autismus-Risiko erhöhen, unabhängig von geburtsmedizinischen Faktoren", erläutert William Eaton von der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland.
Der Forscher und seine Kollegen hatten die medizinischen Bevölkerungsdatenbanken Dänemarks genutzt, um Familiengeschichte sowie Schwangerschafts- und Geburtsverlauf von 698 autistischen Kindern mit denen von über 17.000 nicht betroffenen Kindern gleichen Geschlechts und Jahrgangs zu vergleichen.
Eine Beckenend- bzw. Steißlage geht demnach mit einem gut zwei Drittel erhöhten Erkrankungsrisiko einher. Bei einem schlechten Zustand des Säuglings, gemessen nach dem AGPAR-Schema, und einer mindestens fünf Wochen verfrühten Geburt ist das Risiko um fast 90 bzw. 145 Prozent erhöht. Mehr als verdreifacht ist das Autismusrisiko, wenn ein Elternteil an einer psychiatrischen Erkrankung wie Schizophrenie oder einer affektiven Störung gelitten hat.
Kein Zusammenhang fand sich dagegen zwischen Erkrankungsrisiko und Alter bzw. sozioökonomischem Status der Eltern, der Zahl der Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft oder dem Geburtsgewicht des Kindes.
Forschung: Heide Jeanet Larsson, Department of Epidemiology and Social Medicine und Department of Clinical Epidemiology, University of Aarhus; William W. Eaton, Department of Mental Health, Bloomberg School of Public Health, Johns Hopkins University, Baltimore, Maryland; und andere
Veröffentlicht in American Journal of Epidemiology, Vol. 161(10), pp 916-25, DOI 10.1093/aje/kwi123
Quelle : Scienceticker
Autismus hängt mit einer Dysfunction der Spiegelneuronen zusammen
San Diego - 30.03.2005 - Bei Autisten funktionieren die Gehirnschaltungen, die Menschen ermöglichen die Aktionen anderer wahrzunehmen und zu verstehen, nicht auf die herkömmliche Art und Weise. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der University of California http://www.ucsd.edu gekommen. Die EEGs von zehn Patienten mit Autismus wiesen eine Dysfunktion des Spiegelneuronensystems auf. Ihre Spiegelneuronen reagieren nur auf ihre eigenen Aktionen und nicht auf die anderer. Bei Spiegelneuronen handelt es sich um Gehirnzellen im prämotorischen Kortex. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Cognitive Brain Research http://www.sciencedirect.com/science/journal/09266410 veröffentlicht.
Heute wird davon ausgegangen, dass das menschliche Spiegelneuronensystem nicht nur bei der Ausführung und Beobachtung von Bewegungen eine Rolle spielt, sondern auch bei höheren kognitiven Prozessen. Dazu gehören zum Beispiel die Sprache, die Fähigkeit andere zu imitieren oder von ihnen zu lernen, ihre Intentionen zu erkennen oder mit ihrem Schmerz zu fühlen. Autismus wird teilweise genau durch Defizite in diesen Bereichen charakterisiert. Frühere Studien legten daher nahe, dass ein dysfunktionales Spiegelneuronensystem die beobachteten Pathologien erklären könnte. Die aktuellen Forschungsergebnisse unterstützen diese Hypothesen in einem entscheidenden Ausmaß.
Die Forscher sammelten EEG Daten von zehn männlichen Autisten, die als "hoch funktionsfähig" eingestuft wurden. Das bedeutet, dass sie über ein ihrem Alter entsprechendes Sprachverständnis und -fähigkeit sowie über einen IQ von über 80 verfügten. Die Kontrollgruppe bestand aus zehn ähnlich alten männlichen Kontrollpersonen. Die Daten wurden auf Unterdrückungen des mu Rhythmus untersucht. Diese Gehirnwellenmuster werden unterdrückt oder blockiert, wenn das Gehirn damit beschäftigt ist, etwas zu tun, zu sehen oder eine Aktion zu imaginieren und korrelieren mit den Aktivitäten des Spiegelneuronensystems. Bei den meisten Menschen wird die mu Welle bei der Reaktion auf eigene Bewegungen und bei der Beobachtung der Bewegungen andere unterdrückt.
Die Teilnehmer wurden gestestet, während sie ihre Hände bewegten und während sie Videos mit weißem Rauschen, springenden Bällen und einer sich bewegenden Hand sahen. Die Spiegelneuronen der autistischen Teilnehmer reagierten nur auf ihre eigenen Bewegungen. Das Team um Lindsay Oberman betont, dass die aktuelle Studie zum Verständnis der neuralen Ursachen des Autismus beitrage. Ein neuer Ansatz für eine frühe Diagnose und potenzielle Ansätze zur Behandlung seien damit gefunden.
Quelle: pressetext.austria
Blickkontakt beunruhigt Autisten
07.03.2005 - Autisten verursacht der Blickkontakt mit anderen Personen offenbar Unbehagen. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Forscher im Fachblatt "Nature Neuroscience". Ihrer Ansicht nach können die Betroffenen durchaus in den Gesichtern anderer lesen, schrecken jedoch davor zurück.

Bild: storm2k / photoCase
Autisten schauen ihrem Gegenüber kaum in die Augen. Tun sie es doch, steigt die Aktivität in ihren Mandelkernen - den auf die Erkennung von Bedrohungen spezialisierten Amygdalae - mit der Blickdauer immer weiter an, ermittelten die Forscher um Richard Davidson von der University of Wisconsin, Madison. "Stellen Sie sich vor, Sie gehen durch die Welt und interpretieren jedes Gesicht als Bedrohung, selbst das der eigenen Mutter", so der Neurowissenschaftler.
Davidson und Kollegen zeigten 30 autistischen Kindern und Jugendlichen Fotografien anderer Personen. Per Kernspintomographie kartierten sie gleichzeitig die Gehirnaktivität der Teilnehmer und verfolgten zudem, welche Regionen der Bilder sie jeweils fixierten. Erwartungsgemäß schauten die Autisten den Fotografierten deutlich kürzer in die Augen als nicht-autistische Altersgenossen. Zudem wiesen sie im Gyrus fusiformis, einer für die Wahrnehmung von Gesichtern zuständigen Region im Hinterhaupt, eine niedrigere Aktivität auf. Diese stieg jedoch ebenfalls mit der Dauer des Blickkontakts.
Die Forscher vermuten, dass Autisten die Gesichtsausdrücke anderer Personen durchaus erkennen können. Da ihnen der Blickkontakt jedoch unangenehm sei, entgingen ihnen "subtile Anhaltspunkte, die von entscheidender Bedeutung für die normale soziale und emotionale Entwicklung sind", so Davidsons Kollege Kim Dalton. Vielleicht könnten diese Betroffenen lernen, "ihrem Gegenüber strategisch in die Augen zu schauen, beispielsweise, wenn die Person sie gerade nicht direkt ansieht."
Quelle: Scienceticker
Mehr Autismus-Diagnosen durch neue Richtlinien
04.01.2005 - Seit mehreren Jahren wird eine Verbindung zwischen Impfungen und einer gestiegenen Häufigkeit von Autismus diskutiert. Im Fachblatt "Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine" präsentieren US-Mediziner nun Befunde, die für eine alternative Erklärung sprechen. Die größere Erkrankungshäufigkeit scheint demnach auf veränderte gesellschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen zurückzugehen.
"Unsere Studie misst erstmals die Inzidenz - das Auftreten neuer Erkrankungsfälle - von Autismus durch Anwendung einheitlicher, moderner Kriterien auf eine bestimmte Population über einen längeren Zeitraum", erläutert William Barbaresi von der Mayo Clinic in Rochester. Nur so könne man die Erkrankungshäufigkeit vor dem Hintergrund neuen Wissens, veränderter Gesetze und gesteigerten öffentlichen Bewusstseins untersuchen.
Barbaresi und Kollegen analysierten Daten des Rochester Epidemiology Project. Im Rahmen dieses Programms werden seit Jahrzehnten die Krankenakten aller Einwohner des Olmsted County im US-Bundesstaat Minnesota ausgewertet und sämtliche in Arztpraxen und Kliniken gestellten Diagnosen erfasst. In den Jahren 1980-83 wurde demnach bei 5,5 von 100.000, im Zeitraum 1995-97 dagegen bei fast 45 von 100.000 Kindern und Jugendlichen Autismus festgestellt.
Der Anstieg war auf nach 1987 geborene Kinder beschränkt, ermittelten die Forscher. Zu dieser Zeit lag die Einführung der Impfpflicht für Schulkinder bereits viele Jahre zurück. Allerdings wurden die Kriterien für Autismus nun weiter gefasst, gleichzeitig stuften neue Bundesgesetze die Störung als Behinderung ein. Vermutlich wurde nun auch bei solchen Kindern Autismus diagnostiziert, die zuvor kaum aufgefallen wären bzw. bei denen man von einer "verzögerten Entwicklung" gesprochen hätte, glauben Barbaresi und seine Kollegen.
Forschung: William J. Barbaresi und Steven J. Jacobsen, Department of Pediatrics and Adolescent Medicine und Department of Health Sciences Research, Mayo Clinic College of Medicine, Rochester, Minnesota
Veröffentlicht in Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine, Vol. 159(1), Januar 2005, pp 37-44
Quelle: Scienceticker
Hirn-Entzündung bei Autisten
22.11.2004 - Bei Autisten sind deutliche Anzeichen von Entzündungsprozessen im Gehirn erkennbar. Das berichtet eine amerikanische Forschergruppe im Fachblatt "Annals of Neurology". Derzeit ist unbekannt, ob diese Prozesse zur Entstehung der Erkrankung beitragen oder lediglich eine Folge sind.
In jedem Falle sprächen "diese Befunde für die Annahme, dass die Aktivierung des Immunsystems im Gehirn bei Autismus eine Rolle spielt", erläutert Carlos Pardo-Villamizar von der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland. "Der Entzündungsprozess war in verschiedenen Gehirnregionen nachzuweisen und ging von Gehirnzellen aus, die als Mikroglia und Astroglia bezeichnet werden."
Pardo-Villamizar und Kollegen untersuchten Gehirngewebe von elf Autisten im Alter von 5 bis 44 Jahren, die bei Unfällen gestorben waren. Dabei fanden die Forscher deutliche Anzeichen für eine Immunaktivierung, darunter anormale Spiegel von Botenstoffen der Körperabwehr. Dies schien jedoch nur für den angeborenen Arm des Immunsystems zu gelten. Gestützt wurde dieses Resultat durch die Analyse des Liquors, der Gehirn und Rückenmark umspülenden Flüssigkeit, bei sechs autistischen Kindern.
Schätzungen zufolge sind 2 bis 5 von 1.000 Kindern von Autismus betroffen. Die Kinder sind stark auf sich selbst bezogen und scheinen andere kaum wahrzunehmen. Jungen sind dreimal häufiger betroffen als Mädchen. Zudem zeigt eine erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit unter Verwandten, dass genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Störung spielen. Pardo-Villamizar und Kollegen wollen nun untersuchen, ob solche Faktoren möglicherweise Entzündungsprozesse im Zentralnervensystem begünstigen können.
Forschung: Diana L. Vargas und Carlos A. Pardo-Villamizar, Department of Neurology, School of Medicine, Johns Hopkins University, Baltimore, Maryland; und andere
Online-Verlöffentlichung Annals of Neurology, 15. November 2004, DOI 10.1002/ana.20315
Quelle: Scienceticker
Erstes Autismus-Gen gefunden
02.04.2004 - US-Mediziner haben erstmals eine Verbindung zwischen häufigen Genvarianten und Autismus herstellen können. Wie sie im "American Journal of Psychiatry" berichten, könnten die Varianten das Erkrankungsrisiko in großen Teilen der Bevölkerung erhöhen. Frühere Untersuchungen hätten einen solchen Zusammenhang nur für einzelne Familien nachweisen können.
Für sich genommen, verursachten die Varianten jedoch weder Autismus noch ähnliche Symptome, betont Joseph Buxbaum von der Mount Sinai School of Medicine in New York. "Eine der Varianten zu tragen, scheint das Erkrankungsrisiko annähernd zu verdoppeln, doch erst die Kombination mehrerer genetischer Faktoren führt zu der Krankheit", so der Mediziner. Ein gründliches Verständnis der Krankheitsmechanismen sei erst dann möglich, wenn alle der schätzungsweise fünf bis zehn verantwortlichen Gene identifiziert seien.
Etwa jeder Tausendste leidet an Autismus oder einer autistischen Störung. Die Krankheit besitzt einen starken genetischen Hintergrund, erkennbar an ihrer familiären Häufung. In früheren Studien hatten Buxbaum und seine Kollegen zeigen können, dass mindestens eines der "Autismus-Gene" in einer Region des Chromosom 2 zu finden ist. Die Untersuchung von Mitgliedern 411 betroffener Familien brachte sie nun auf die Spur eines einzelnen Gens in dieser Region.
Das Gen codiert für ein Protein namens ACG1 (Aspartat/Glutamat-Carrier). Dieses spielt eine wichtige Rolle im Aminosäurestoffwechsel der Mitochondrien und damit in der Energieversorgung der Zellen. Zwei Varianten des Gens kommen bei autistischen Menschen und ihren Verwandten besonders häufig vor, fanden die Forscher. Indem sie zu einer verstärkten Produktion des ACG1-Proteins führen, könnten sie vielleicht die Funktion der besonders energiehungrigen Nervenzellen beeinträchtigen.
Forschung: Jennifer G. Reichert und Joseph D. Buxbaum, Laboratory of Molecular Neuropsychiatry, Department of Psychiatry, Mount Sinai School of Medicine, New York; und andere
Veröffentlicht in American Journal of Psychiatry, Vol. 161, April 2004, pp 662-9
Quelle: Scienceticker
Was
ist Autismus
Nach
der Internationalen Klassikation ICD-10 wird frühkindlicher
Autismus
, Atypischer
Autismus (autistische Züge) und das Asperger-Syndrom
, sowie
Rett-Syndrom und andere desintegrative Störungen
im Kindesalter unter tiefgreifende Entwicklungsstörungen
(F84) klassifiziert.
Frühkindlicher Autismus (Kanner Autismus):
Man
merkt sehr früh, das mit seinem Kind etwas nicht
stimmt. Irgendwie ist das Kind unfähig den Blickkontakt
zu
halten. Es möchte nicht berührt werden. Es spielt
immerzu mit den gleichen Spielzeug und das
unaufhörlich.
Es lacht kaum und zeigt keine Freude.
Wenn andere Kinder anfangen zu sprechen, spricht
es nicht oder sehr unverständlich.
Wiederholt es nur das, was man selbst gesagt hat?
Im Kindergarten spielt es nur für sich, es will
/ kann keine Kontakte zu anderen Kindern knüpfen.
In seelischer Not hat es kein Verlangen nach Trost,
oder doch, dann ganz ungewöhnlich viel?
Und dann auch das noch, es fügt sich selbst Schmerzen
zu. Im nächsten Moment ist es tief in Gedanken
versunken.
Oft wedelt es mit den Armen oder Händen, schaukelt
hin und her.
So könnte sich ein Kind mit frühkindlichen Autismus
verhalten.
Könnte, denn die Symptome können unterschiedlich
stark sein. Und nicht jeder zeigt die gleichen Symptome!
Atypischer
Autismus:
Die
Symptomatik des atypischen Autismus (oft auch psychogener
Autismus genannt) entspricht den des frühkindlichen
Autismus, jedoch ist das Manifestationsalter nach
dem 3. Lebensjahr.
Oder das Kind zeigt nicht alle entsprechenden Störungen,
aus den Diagnosekrtiterien des frühkindlichen Autismus.
Jedoch ist eine auffällige oder beeinträchtigte
Entwicklung, nach dem 3.Lebensjahr, signifikant.
Autistische
Züge:
Es
gibt auch Diagnosen, zum Bespiel bei ADS oder geistigen
Behinderungen, wo auch autistische
Züge diagnostiziert werden. Das
bedeutet, das derjenige einige Symptome aus dem
Diagnosekriterium Autismus oder Asperger zeigt.
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