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Was ist eine Aphasie?

 

Aphasie ist ein medizinischer Fachausdruck und bedeutet „Verlust der Sprache“. Wichtig ist, dass trotz des Sprachverlustes die meisten geistigen Fähigkeiten erhalten geblieben sind. Es handelt sich nicht um einen Intelligenzverlust!

 

Die Aphasie ist eine spezielle Art von Sprachstörung, die durch eine Hirnverletzung hervorgerufen wurde. Die Aphasie trifft also Menschen, die vor ihrer Erkrankung eine völlig normale Sprachfähigkeit hatten.

 

Was sind die Ursachen von Aphasien?

 

1. Schlaganfall

 

Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine Aphasie. Er ist Folge einer plötzlichen Durchblutungsstörung des Gehirns. Diese kann verursacht werden durch eine Mangeldurchblutung eines Hirngefäßes. (Das ist bei 80 % der Schlaganfälle dewr Fall.)

 

Eine Mangeldurchblutung tritt ein, wenn ein zum Gehirn führendes Blutgefäß plötzlich verstopf wird. Ursache für diese Verstopfung kann eine Thrombose oder eine Embolie sein. Bei einer Thrombose verschließt sich eine Arterie durch einen Blutpfropf (Thrombus), der sich in einem größeren oder kleineren Blutgefäß des Gehirns gebildet hat. Solche Gefäßverschlüsse entstehen in Hirngefäßen, deren Wand durch eine Arteriosklerose, d. h. durch Kalk- und Fettablagerungen an den Gefäßwänden, bereits geschädigt ist.

 

Bei einer Embolie kommt es zu Blutgerinnseln, die sich im Herzen (als Folge einer Herzerkrankung) oder in den großen, zum Gehirn führenden Gefäßen (z. B. der Halsschlagader) gebildet haben. Von einem solchen Blutgerinnsel können sich Teile lösen, die durch den Blutstrom in das Gehirn gelangen und dort ein wichtiges Blutgefäß verschließen.

 

Eine weitere Ursache für den Schlaganfall kann eine Blutung im Gehirn sein, die durch den plötzlichen Riss eines Blutgefäßes verursacht wird. Dabei ergießt sich das Blut in das Hirngewebe. Der Hirnblutung geht meistens ein erhöhter Blutdruck voraus, der kleinere Hirngefäße geschädigt und brüchig gemacht hat. (Sie verursachen 5 % der Schlaganfälle.)

 

Auch angeborene Gefäßmissbildungen im Gehirn können zu Hirnblutungen führen. Solche Blutungen treten im jugendlichen oder frühen Erwachsenenalter auf. (Sie verursachen 5 % der Schlaganfälle.

 

2. Schädelhirnverletzungen

 

Bei einer Schädelhirnverletzung (z. B. nach einem Unfall) kommt es zu einer direkten Schädigung des Hirngewebes. 10 % der Aphasien werden durch Schädelhirnverletzungen verursacht.

 

3. Hirntumore

 

Als weitere Ursache für eine Aphasie gibt es Hirnverletzungen, die durch einen Hirntumor bedingt sind. Sie sind ursächlich für 5 % der Aphasien. 

 

4. Entzündliche Prozesse im Gehirn

 

Eine Hirnentzündung kann als Komplikationsfolge von Grunderkrankungen wie z. B. Masern, Mumps oder anderen Viruserkrankungen aufgetreten. Hirnentzündungen bedingen jedoch nur 1 % der Aphasien.

Wieso kann es bei einer Hirnverletzung zu einer Sprachstörung kommen?

 

Bei einer Aphasie sind Nervenzellen in den Sprachzentren des Gehirns durch die Hirnverletzung zugrunde gegangen.

 

Das folgende Schaubild zeigt die beiden Sprachzentren des Gehirns. Sie befinden sich bei Rechtshändern in der linken Gehirnhälfte. Links ist die Broca-Region zu sehen. Sie wurde nach dem gleichnamigen französischen Chirurgen (1824-1880) benannt. Paul Broca entdeckte, dass dieses Gehirnareal für die Sprachproduktion zuständig ist. Rechts davon ist die Wernicke-Region eingezeichnet. Sie ist benannt nach dem deutschen Neurologen Carl Wernicke (1848-1905). Er fand heraus, dass diese Region für das Sprachverständnis zuständig ist.

 

Für die Schwere und die Art der Aphasie (siehe folgendes Kapitel) ist es ganz entscheidend, wie stark die Sprachzentren durch die Hirnverletzung in Mitleidenschaft gezogen wurden und welches Ausmaß die Hirnverletzung hat.

 

Welche sprachlichen Fähigkeiten sind bei einer Aphasie gestört?

 

Im folgenden wird gezeigt, welche sprachlichen Fähigkeiten grundsätzlich bei einer Aphasie beeinträchtigt sein können. (Je nach Art der Aphasie können diese Fähigkeiten unterschiedlich stark betroffen sein) Die sprachlichen Fähigkeiten lassen sich einteilen in das Sprachverständnis und die Sprachproduktion. Mit dem Sprachverständnis ist sowohl das Hörverständnis (die Fähigkeit, gesprochene Sprache zu verstehen) als auch das Leseverständnis (die Fähigkeit, Geschriebenes zu verstehen) gemeint. Zur Sprachproduktion zählen das Sprechen und das Schreiben.

 

Hier wird der Schwerpunkt auf das Hörverständnis und das Sprechen der Aphasiker gelegt, weil diese Aspekte der Sprache im Lebensalltag im Vordergrund stehen: Soziale Beziehungen und alltagspraktische Dinge finden zum großen Teil im Miteinander-Reden statt. Dafür muss man seinen Gesprächspartner verstehen und sich mündlich mitteilen können. Diese Fähigkeiten wieder zu trainieren ist auch vorrangiges Ziel in der Sprachtherapie mit Aphasikern.

 

Das Hörverständnis von Aphasikern

 

Alle Aphasiker haben mehr oder weniger stark ausgeprägte Probleme beim Hörverständnis. Es kommt häufig vor, dass ihnen viele Wörter bekannt vorkommen, sie sie aber nicht sicher einordnen können. Häufig vorkommende Wörter werden besser verstanden als solche, die seltener sind. Einige Aphasiker verstehen auch einfach falsch. Sie verwechseln z. B. Wörter wie „ja“ und „nein“. Andere Aphasiker haben besondere Schwierigkeiten, grammatikalische Beziehungen zu verstehen. Sie können beispielsweise den Unterschied zwischen dem Subjekt und dem Objekt eines Satzes nicht erfassen. Gerade bei schwer beeinträchtigten Patienten hat man häufig den Eindruck, dass sie besser verstehen, als es tatsächlich der Fall ist. Der Aphasiker erschließt sich viel aus der Situation, dem Zusammenhang und der Gestik, ohne wirklich sprachlich etwas verstanden zu haben.

 

Das Sprechen von Aphasikern

 

Die meisten Aphasiker leiden unter Wortfindungsstörungen. Sie können z, B. einen Gegenstand nicht benennen, obwohl sie ihn genau kennen. Oft werden dann die Wörter, die ihnen nicht mehr einfallen, umschrieben: z. B. anstelle des Wortes „Staubsauger“ sagen sie „für den Teppich“. Es kann zu Fehlbenennungen kommen, die mit dem gesuchten Wort nur entfernt etwas zu tun haben, z, B. „Greifzeug“ für Bleistift oder „Motorsache“ für Auto. Manche Fehlbenennungen sind reine Verwechslungen, z. B. „Banane“ statt „Apfelsine“.

 

Bei anderen Fehlbenennungen ist das Wort vom Lautbild her verändert: z. B. „Nabane“ für „Banane“. In schweren Fällen ist die Rede völlig von solchen lautlichen Veränderungen durchsetzt und nicht mehr verständlich. Die Aphasiker haben die Wörter nicht „verlernt“, sondern leiden an einer Abrufstörung. Diese macht sich in der Regel bei häufig verwendeten Wörtern weniger stark bemerkbar.

 

Welche verschiedenen Arten von Aphasie gibt es? 

 

Die Auswirkungen der Aphasie auf die Sprachfähigkeit können im einzelnen sehr unterschiedlich sein. Das hängt unter anderem davon ab, an welchen Stellen die Sprachzentren in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das bedeutet:

 

Jeder Aphasiker hat eine ganz individuelle Form von Aphasie.

 

Kein Störungsbild gleicht einem anderen völlig. Trotzdem können die verschiedenen Aphasien nach bestimmten Hauptmerkmalen in Gruppen (= Aphasiesyndrome) aufgeteilt werden. Am gebräuchlichsten ist die folgende Einteilung: Globale Aphasie, Wernicke-Aphasie, Broca-Aphasie, Amnestische Aphasie.

 

Die Globale Aphasie

 

Patienten mit einer globalen Aphasie sind die am schwersten beeinträchtigten Aphasiker. Bei ihnen sind alle sprachlichen Fähigkeiten stark betroffen. Sie können sich weder ausdrücken, noch verstehen, noch schreiben oder lesen. Es gibt globale Aphasiker, deren einzige sprachliche Äußerungen in immer wiederkehrenden, sinnlosen Silben oder kürzen Wörtern bestehen, z. B. „dodododo“ oder tantantan. Andere globale Aphasiker können oft nur noch „Automatismen“ äußern. Darunter versteht man fest eingeschliffene, automatisierte Floskeln, die nicht abgeändert werden können, z. B. „jaja“, „nicht wahr“, „sag ich doch“ oder „guten Tag“. Aber ein solcher Automatismus hat inhaltlich nichts mit dem zu tun, was der Patient wirklich sagen will. Es ist lediglich das einzige, was er sprachlich noch hervorbringen kann.

 

Die Wernicke-Aphasie

 

Patienten mit einer Wernicke-Aphasie haben meistens eine schwere Störung des Hörverständnis. Trotzdem sprechen sie selber sehr viel und haben Mühe, ihren Redefluss zu bremsen. Obwohl ihre Sprache sehr flüssig wirkt, ist es schwierig oder unmöglich, den Sinn zu verstehen. Den Patienten fällt es schwer, bei einem Thema zu bleiben und sich genau auszudrücken. Auch Wernicke-Aphasiker benutzen oft Floskeln, die eigentlich inhaltlich nichts bedeuten. Da die Hauptschwierigkeit im Verstehen liegt, meiden sie öfter als früher Radiohören, Fernsehen oder Menschenansammlungen wie z. B. größere Familienfeste.

 

Die Broca-Aphasie

 

Für Broca-Aphasiker ist es oft sehr mühsam, sich sprachlich zu äußern. Sie suchen meistens mit großer Anstrengung nach Worten und bringen sie nur langsam und mit Unterbrechungen hervor. Manchmal sind die Wörter lautlich verändert oder fehlerhaft. Es fällt diesen Patienten schwer, grammatische Beziehungen auszudrücken. Sie setzen die Wörter nicht in die richtige Reihenfolge und lassen viele Wörter aus. Dennoch verstehen sie andere ziemlich gut, vorausgesetzt, dass das Gespräch nicht zu schnell geführt wird.

Die Amnestische Aphasie

 

(Amnestie kommt aus dem Griechischem und bedeutet: das Vergessen)

 

Das auffälligste Merkmal dieser Aphasie ist die Störung bei der Wortfindung. Diese Aphasiker haben kaum Schwierigkeiten beim Verstehen, können oft auch flüssig sprechen, unterbrechen ihre Rede aber häufig, weil ihnen ein gesuchtes Wort nicht mehr einfällt. Diesen Patienten fällt es auch schwer, Gegenstände zu benennen. Wenn sie keine Hilfe bekommen, versuchen sie das entsprechende Wort zu umschreiben, z. B. mit „das Ding da“, oder sie ersetzen es durch ein anderes, unpassendes Wort.

 

Meistens ist die Aphasie am Anfang der Erkrankung eine Mischung aus den zuvor beschriebenen Formen. Erst mit der Zeit kristallisiert sich dann ein bestimmter Typ heraus.

 

Welche Begleitsymptome (Krankheitszeichen) können neben den sprachlichen Auffälligkeiten auftreten?

 

Die Aphasie ist nie eine einfache und isolierte Behinderung. Je nachdem, welche Gehirnregionen betroffen sind, können zusätzliche andere Störungen auftreten, die nichts mit der Sprachfähigkeit zu tun haben.

 

Am häufigsten treten neben der Aphasie folgende Störungen auf:

 

Lähmungen und Störungen der Körperwahrnehmung

 

In der Nachbarschaft der Sprachzentren im Gehirn befinden sich motorische und sensible Zentren. Die motorischen Zentren sind für die Bewegungssteuerung der gesamten Körpermuskulatur zuständig. Die sensiblen Zentren registrieren und verarbeiten Signale der Körperwahrnehmung, z. B. Hautreize. Wurden durch die Hirnverletzung Teile dieser Zentren beschädigt, kommt es zu Ausfällen der Bewegungssteuerung und der Körperwahrnehmung. Da bei einer Aphasie die Zentren der linken Gehirnhälfte betroffen sind, kommt es zu Auswirkungen auf die rechte Körperseite. Der Grund liegt darin, dass motorische und sensible Gehirnzentren der rechten oder linken Gehirnhälfte jeweils für die gegenüberliegende Körperseite zuständig sind.

 

Nach einer Schädigung dieser Zentren kommt es oft zu Lähmungen der rechten Körperseite. Dabei können sowohl der Arm und die Hand als auch das Bein betroffen sein. Viele Aphasiker leiden auch an der Lähmung einer Gesichtshälfte. Die Mimik wirkt dann verzehrt; der Mund kann nicht mehr fest geschlossen werden, was das Essen und Trinken erschwert. Ausfälle dieser Art werden von Krankengymnasten behandelt.

 

Gesichtsfeldeinschränkungen

 

Das Gesichtsfeld ist der mit unbewegten Augen sichtbare Teil des Raums. Es gibt unterschiedliche Arten von Gesichtsfeldeinschränkungen. Es kann das rechte oder das linke Gesichtsfeld, aber auch lediglich ein kleiner Ausschnitt betroffen sein. Bei einer rechtsseitigen Gesichtsfeldeinschränkung z. B. wird nichts mehr wahrgenommen, was auf der rechten Seite des Gesichtsfeldes liegt. Der Patient hat den Eindruck, dass auf der rechten Seite ein großer blindern Fleck besteht. Tatsächlich ist es so, dass nicht nur das rechte Auge betroffen ist, sondern dass das Gesichtsfeld beider Augen eingeschränkt ist. Die Schädigung betrifft aber nicht die Augen selbst, sondern die Verarbeitung des Geschehen im Gehirn. Deshalb kann diese Beeinträchtigung auch nicht mit einer Brille korrigiert werden. Die meisten Patienten lernen jedoch mit der Zeit, diesen Gesichtsfeldausfall durch bewusste Blickbewegungen und drehen des Kopfes auszugleichen. Ein Blickbewegungs- oder Lesetraining kann dabei helfen.

 

Rechenstörungen

 

Bei manchen Aphasikern ist die Fähigkeit, mit Zahlen umzugehen, sie zu schreiben und zu lesen, beeinträchtigt. Auch wenn die Zahlen selbst beherrscht werden, kann es Schwierigkeiten bei den Grundrechenarten geben.

 

Störung der Handlungsausführung

 

Ein Patient, der an einer Störung der Handlungsausführung leidet, hat Schwierigkeiten, eine Handlungsidee in die Tat umzusetzen. Er kann z. B. Gesten nicht gezielt ausführen oder einzelne Handlungsabschnitte, beispielsweise beim Kaffeekochen, nicht in die richtige Reihenfolge bringen. Dabei versteht der Patient selber nicht, warum ihm die Hand nicht zu „gehorchen“ scheint. Solche Störungen werden von Ergotherapeuten (= Beschäftigungstherapeuten) festgestellt und behandelt.

 

Störungen der Handlungssteuerung kann es auch im Mundbereich geben: Auch wenn keine Lähmungen vorliegen, kann der Betroffene dann z. B. nicht mehr nach Aufforderung den Mund spitzen oder Pfeifen, obwohl ihm das spontan durchaus gelingen mag.

 

Einige Aphasiker wissen in der Frühphase ihrer Erkrankung lange nicht, wo sie sind und was mit ihnen passiert ist. Viele Patienten sind rasch ermüdet und können sich nicht lange konzentrieren. Außerdem benötigen sie für viele Vorgänge, auch für das Verstehen und Reagieren, mehr Zeit.

Diese Störungen haben aber nichts mit einem Intelligenzverlust zu tun. Sie bessern sich im Laufe der Zeit von allein.

 

Reizbarkeit und Gefühlsschwankungen

 

Für viele Aphasiker ist es jetzt schwieriger, ihre Gefühle zu kontrollieren. Es kann passieren, dass sie schon aus geringem Anlass anfangen zu weinen. Oft fangen sie sich aber schnell wieder und sind selbst über ihre Reaktion erstaunt.

Manche Patienten neigen eher zu ärgerlichen und aggressiven Ausbrüchen als früher. Es kommt auch vor, dass Aphasiker fluchen und schimpfen, ohne dass sie es wollen.

ZUM UMGANG MIT APHASIKERN

 

Mit diesem Abschnitt sollen ihnen, liebe Angehörige und Freunde des Aphasikers, Tipps und Hinweise für den Umgang mit dem Patienten gegeben werden. Da es zu Beginn der Erkrankung für den Aphasiker oft unmöglich ist, sich zu artikulieren, ist er in dieser Situation besonders auf ihre Hilfe und ihr Verständnis angewiesen. Doch auch im späteren Stadium der Krankheit ist ihre Mithilfe von großer Bedeutung.

 

Das Wichtigste:

 

- Sorgen Sie dafür, dass der Aphasiker eine Sprachtherapie erhält und dass er möglichst schnell damit beginnt. Das ist seine große Chance!

- Befolgen sie die Ratschläge des Arztes und der Therapeuten, denn sie können versichert sein, dass jeder der berät und behandelt, die gesundheitliche Besserung des Aphasikers im Auge hat.

 

Wie spreche ich mit einem Aphasiker?

 

- Sprechen sie mit dem Aphasiker in kurzen, einfachen Sätzen und sprechen sie langsam.

- Überfordern sie den Aphasiker nicht. Gespräche in einer Gruppe von mehreren Menschen sind für ihn weitaus schwieriger zu verstehen als solche mit einer einzelnen Person.

- Sie sollten den Aphasiker auf jede erdenkliche Weise zum Sprechen anregen.

- Behalten sie in Gesprächen mit dem Aphasiker immer Blickkontakt zu ihm. Versuchen sie, ihre Beiträge durch passende Gestik zu unterstützen.

- Unterbrechen sie den Aphasiker nicht, wenn er etwas sagen will.

- Beim Sprechen darf der Aphasiker ruhig Fehler machen. Denn zu häufige Kritik macht ihn stumm.

- Geben sie ihm zu Hause die Gelegenheit, Sprache zu hören.

- Beim Gespräch mit dem Aphasiker sollten sie Hintergrundgeräusche wie Radio oder Straßenlärm vermeiden. Sie können von den Aphasikern nur schwer ausgeblendet werden.

Soziale Aspekte bei Aphasie

 

Im folgenden schildern Aphasiker, wie sie Gesprächssituationen erlebt haben:

 

"Schon in der Klinik und zu Hause redeten alle zu mir wie mit einem Kind. Ich bin doch nicht dumm. Wenn ich nicht gelähmt wäre und sprechen könnte, könnte ich meinen Beruf wieder ausüben."

"Sätze kann ich noch nicht sprechen. Was mir leichter fällt, sind Substantive und Verben bzw. Adjektive. Ich meine, man müsste doch verstehen, was ich sagen will. Aber weil ich so spreche, reden die Gesunden genauso mit mir. Sie bilden keine Sätze und sprechen so, wie manche mit Ausländern reden. Warum macht man mir mein Sprechen nach?"

"Ich finde die Worte nicht so schnell. Wenn ich etwas sagen will, nehmen sie (Meine Familie) mir ständig das Wort aus dem Mund. Sie ergänzen ganz schnell meinen begonnen Satz. Um mich zu wehren, sage ich dann `nein`. Ich meine aber, man soll warten, ich komme schon selbst drauf. Sie reagieren aber so, indem sie gleich wieder neue Wörter ergänzen, oft in zu schnellem Tempo."

"Warum schreit ihr nur so, wenn ihr mit mir sprecht? Und wenn ich nicht schnell genug reagiere, wird die Mitteilung oder Frage doppelt so laut wiederholt, oder aber sie sprechen monoton ohne Sprachmelodie. Bitte sprecht langsamer!"

Wie soll ich dem Aphasiker in menschlicher Hinsicht begegnen?

 

- Akzeptieren sie den Aphasiker in seiner Persönlichkeit genauso wie vorher.

- Der Aphasiker sollte so unabhängig sein dürfen, wie er es wünscht.

- Entmündigen sie den Aphasiker nicht. Helfen sie ihm nur dann, wenn es nötig ist, damit er seinen Stolz, für sich selber etwas zu tun, behält.

- Sprechen sie nur an Stelle des Aphasikers, wenn es unbedingt notwendig ist. Sonst leidet sein Selbstvertrauen.

- Seien sie im Hinblick auf die Zukunft hoffnungsvoll und hilfsbereit. Heben sie das Selbstvertrauen des Aphasikers.

 

Kommentar eines Aphasikers: "Ich kam zur stationären Sprachbehandlung ins Landeskrankenhaus. Alles sträubte sich in mir. Jeder weiß doch, dort werden Geisteskranke behandelt. Bin ich wirklich irre? Will man mich abschieben?"

 

Wie kann ich den unterschiedlichen Stimmungen des Aphasikers begegnen?

 

- Haben sie Geduld mit dem Aphasiker.

- Loben sie die Bemühungen des Aphasikers, auch wenn der Fortschritt noch so langsam und mühevoll verläuft. Das steigert seine Motivation.

- Schenken sie dem Aphasiker ihr Mitgefühl.

- Erwarten sie nicht für jede Aufmerksamkeit, die sie dem Aphasiker entgegenbringen, seinen Dank. Wenn sie ihm helfen, tun sie es gerne für ihn.

- Belasten sie den Aphasiker nicht mit unnötigen Problemen.

- Stellen sie keine Anforderungen, denen der Aphasiker nicht gewachsen ist. Sie können von ihm nicht die gleichen Fähigkeiten wie vor der Erkrankung erwarten.

- Seien sie dem Aphasiker gegenüber ehrlich.

 

Ein Aphasiker berichtet über seine emotionalen Reaktionen:

 

"Als ich vom Krankenhaus zurück nach Hause kam, konnte ich die Fragen meiner Frau nicht beantworten. Immer wieder schrieb sie mir auf einen Zettel

Wörter - oder waren es sogar ganze Sätze? - auf. Wie sollte ich ihr denn nur klarmachen, dass ich auch nicht mehr lesen konnte? Beide waren wir entsetzt, als ich schreiben wollte und nur ein unleserliches Gekritzel zu Papier brachte. Ihre Verzweiflung im Bemühen, mir etwas zu erklären, übertrug sich auch auf meinen seelischen Zustand. Ich wurde immer stiller und reagierte aggressiv."


Welches soziale Umfeld braucht der Aphasiker?

 

- Der Aphasiker sollte nicht isoliert werden. Um wesentliche Anregungen zu bekommen braucht er Gesellschaft, Hobbys und kulturelle Angebote.

- Das gewohnte Familienleben sollte so weit wie möglich fortgesetzt werden. Denn das ist jetzt für den Aphasiker wichtiger als vorher.

- Der erwachsene Aphasiker möchte als Erwachsener behandelt werden, denn er hat ähnliche Gefühle und Gedanken wie vor seiner Erkrankung.

Bei diesen Adressen können sie weitere Informationen anfordern:

 

 

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Carl-Bertelsmann-Straße 256

 

33311 Gütersloh

 

Tel: (0 52 41) 97 70-0 Fax: (0 52 41) 70 20 71

 

 

Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V.

Robert-Koch-Straße 34

 

97080 Würzburg

 

Tel: (09 31) 2 50 13 00

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