Wie soll ich dem Aphasiker in menschlicher Hinsicht begegnen?
- Akzeptieren sie den Aphasiker in seiner Persönlichkeit genauso wie vorher.
- Der Aphasiker sollte so unabhängig sein dürfen, wie er es wünscht.
- Entmündigen sie den Aphasiker nicht. Helfen sie ihm nur dann, wenn es nötig ist, damit er seinen Stolz, für sich selber etwas zu tun, behält.
- Sprechen sie nur an Stelle des Aphasikers, wenn es unbedingt notwendig ist. Sonst leidet sein Selbstvertrauen.
- Seien sie im Hinblick auf die Zukunft hoffnungsvoll und hilfsbereit. Heben sie das Selbstvertrauen des Aphasikers.
Kommentar eines Aphasikers: "Ich kam zur stationären Sprachbehandlung ins Landeskrankenhaus. Alles sträubte sich in mir. Jeder weiß doch, dort werden Geisteskranke behandelt. Bin ich wirklich irre? Will man mich abschieben?"
Wie kann ich den unterschiedlichen Stimmungen des Aphasikers begegnen?
- Haben sie Geduld mit dem Aphasiker.
- Loben sie die Bemühungen des Aphasikers, auch wenn der Fortschritt noch so langsam und mühevoll verläuft. Das steigert seine Motivation.
- Schenken sie dem Aphasiker ihr Mitgefühl.
- Erwarten sie nicht für jede Aufmerksamkeit, die sie dem Aphasiker entgegenbringen, seinen Dank. Wenn sie ihm helfen, tun sie es gerne für ihn.
Belasten sie den Aphasiker nicht mit unnötigen Problemen.
- Stellen sie keine Anforderungen, denen der Aphasiker nicht gewachsen ist. Sie können von ihm nicht die gleichen Fähigkeiten wie vor der Erkrankung erwarten.
- Seien sie dem Aphasiker gegenüber ehrlich.
Ein Aphasiker berichtet über seine emotionalen Reaktionen:
"Als ich vom Krankenhaus zurück nach Hause kam, konnte ich die Fragen meiner Frau nicht beantworten. Immer wieder schrieb sie mir auf einen Zettel
Wörter - oder waren es sogar ganze Sätze? - auf. Wie sollte ich ihr denn nur klarmachen, dass ich auch nicht mehr lesen konnte? Beide waren wir entsetzt, als ich schreiben wollte und nur ein unleserliches Gekritzel zu Papier brachte. Ihre Verzweiflung im Bemühen, mir etwas zu erklären, übertrug sich auch auf meinen seelischen Zustand. Ich wurde immer stiller und reagierte aggressiv."
Welches soziale Umfeld braucht der Aphasiker?
- Der Aphasiker sollte nicht isoliert werden. Um wesentliche Anregungen zu bekommen braucht er Gesellschaft, Hobbys und kulturelle Angebote.
- Das gewohnte Familienleben sollte so weit wie möglich fortgesetzt werden. Denn das ist jetzt für den Aphasiker wichtiger als vorher.
- Der erwachsene Aphasiker möchte als Erwachsener behandelt werden, denn er hat ähnliche Gefühle und Gedanken wie vor seiner Erkrankung.