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Die Auswirkungen

Bild-Aphasie
 
 

Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe

Die Inhaltsübersicht

- Wieso kann bei einer Hirnverletzung zu einer Sprachstörung komme?
- Das Hörverständnis von Aphasikern
- Das Sprechen von Aphasikern
- Welche verschiedene Arten von Aphasie gibt es?
- Globale Aphasie
- Wernicke-Aphasie
- Broca-Aphasie
- Die Amnestische Aphasie
- Lähmungen und Störungen der Wahrnehmung
- Gesichtsfeldeinschränkungen
- Rechenstörung
- Störung der Handlungsausführung
- Reizbarkeit und Gefühlsschwankungen

 

Wieso kann es bei einer Hirnverletzung zu einer Sprachstörung kommen?

Bei einer Aphasie sind Nervenzellen in den Sprachzentren des Gehirns durch die Hirnverletzung zugrunde gegangen.

Das folgende Schaubild zeigt die beiden Sprachzentren des Gehirns. Sie befinden sich bei Rechtshändern in der linken Gehirnhälfte. Links ist die Broca-Region zu sehen. Sie wurde nach dem gleichnamigen französischen Chirurgen (1824-1880) benannt. Paul Broca entdeckte, dass dieses Gehirnareal für die Sprachproduktion zuständig ist. Rechts davon ist die Wernicke-Region eingezeichnet. Sie ist benannt nach dem deutschen Neurologen Carl Wernicke (1848-1905). Er fand heraus, dass diese Region für das Sprachverständnis zuständig ist.

Für die Schwere und die Art der Aphasie (siehe folgendes Kapitel) ist es ganz entscheidend, wie stark die Sprachzentren durch die Hirnverletzung in Mitleidenschaft gezogen wurden und welches Ausmaß die Hirnverletzung hat.

Welche sprachlichen Fähigkeiten sind bei einer Aphasie gestört?

Im folgenden wird gezeigt, welche sprachlichen Fähigkeiten grundsätzlich bei einer Aphasie beeinträchtigt sein können. (Je nach Art der Aphasie können diese Fähigkeiten unterschiedlich stark betroffen sein) Die sprachlichen Fähigkeiten lassen sich einteilen in das Sprachverständnis und die Sprachproduktion. Mit dem Sprachverständnis ist sowohl das Hörverständnis (die Fähigkeit, gesprochene Sprache zu verstehen) als auch das Leseverständnis (die Fähigkeit, Geschriebenes zu verstehen) gemeint. Zur Sprachproduktion zählen das Sprechen und das Schreiben.

Hier wird der Schwerpunkt auf das Hörverständnis und das Sprechen der Aphasiker gelegt, weil diese Aspekte der Sprache im Lebensalltag im Vordergrund stehen: Soziale Beziehungen und alltagspraktische Dinge finden zum großen Teil im Miteinander-Reden statt. Dafür muss man seinen Gesprächspartner verstehen und sich mündlich mitteilen können. Diese Fähigkeiten wieder zu trainieren ist auch vorrangiges Ziel in der Sprachtherapie mit Aphasikern.

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Das Hörverständnis von Aphasikern

Alle Aphasiker haben mehr oder weniger stark ausgeprägte Probleme beim Hörverständnis. Es kommt häufig vor, dass ihnen viele Wörter bekannt vorkommen, sie sie aber nicht sicher einordnen können. Häufig vorkommende Wörter werden besser verstanden als solche, die seltener sind. Einige Aphasiker verstehen auch einfach falsch. Sie verwechseln z. B. Wörter wie "ja" und "nein". Andere Aphasiker haben besondere Schwierigkeiten, grammatikalische Beziehungen zu verstehen. Sie können beispielsweise den Unterschied zwischen dem Subjekt und dem Objekt eines Satzes nicht erfassen. Gerade bei schwer beeinträchtigten Patienten hat man häufig den Eindruck, dass sie besser verstehen, als es tatsächlich der Fall ist. Der Aphasiker erschließt sich viel aus der Situation, dem Zusammenhang und der Gestik, ohne wirklich sprachlich etwas verstanden zu haben.

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Das Sprechen von Aphasikern

Die meisten Aphasiker leiden unter Wortfindungsstörungen. Sie können z, B. einen Gegenstand nicht benennen, obwohl sie ihn genau kennen. Oft werden dann die Wörter, die ihnen nicht mehr einfallen, umschrieben: z. B. anstelle des Wortes "Staubsauger" sagen sie "für den Teppich". Es kann zu Fehlbenennungen kommen, die mit dem gesuchten Wort nur entfernt etwas zu tun haben, z, B. "Greifzeug" für Bleistift oder "Motorsache" für Auto. Manche Fehlbenennungen sind reine Verwechslungen, z. B. "Banane" statt "Apfelsine".

Bei anderen Fehlbenennungen ist das Wort vom Lautbild her verändert: z. B. "Nabane" für "Banane". In schweren Fällen ist die Rede völlig von solchen lautlichen Veränderungen durchsetzt und nicht mehr verständlich. Die Aphasiker haben die Wörter nicht "verlernt", sondern leiden an einer Abrufstörung. Diese macht sich in der Regel bei häufig verwendeten Wörtern weniger stark bemerkbar.

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Welche verschiedenen Arten von Aphasie gibt es? 

Die Auswirkungen der Aphasie auf die Sprachfähigkeit können im einzelnen sehr unterschiedlich sein. Das hängt unter anderem davon ab, an welchen Stellen die Sprachzentren in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das bedeutet:

Jeder Aphasiker hat eine ganz individuelle Form von Aphasie.

Kein Störungsbild gleicht einem anderen völlig. Trotzdem können die verschiedenen Aphasien nach bestimmten Hauptmerkmalen in Gruppen (= Aphasiesyndrome) aufgeteilt werden. Am gebräuchlichsten ist die folgende Einteilung: Globale Aphasie, Wernicke-Aphasie, Broca-Aphasie, Amnestische Aphasie.

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Die Globale Aphasie

Patienten mit einer globalen Aphasie sind die am schwersten beeinträchtigten Aphasiker. Bei ihnen sind alle sprachlichen Fähigkeiten stark betroffen. Sie können sich weder ausdrücken, noch verstehen, noch schreiben oder lesen. Es gibt globale Aphasiker, deren einzige sprachliche Äußerungen in immer wiederkehrenden, sinnlosen Silben oder kürzen Wörtern bestehen, z. B. "dodododo" oder tantantan. Andere globale Aphasiker können oft nur noch "Automatismen" äußern. Darunter versteht man fest eingeschliffene, automatisierte Floskeln, die nicht abgeändert werden können, z. B. "jaja", "nicht wahr", "sag ich doch" oder "guten Tag". Aber ein solcher Automatismus hat inhaltlich nichts mit dem zu tun, was der Patient wirklich sagen will. Es ist lediglich das einzige, was er sprachlich noch hervorbringen kann.

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Die Wernicke-Aphasie

Patienten mit einer Wernicke-Aphasie haben meistens eine schwere Störung des Hörverständnis. Trotzdem sprechen sie selber sehr viel und haben Mühe, ihren Redefluss zu bremsen. Obwohl ihre Sprache sehr flüssig wirkt, ist es schwierig oder unmöglich, den Sinn zu verstehen. Den Patienten fällt es schwer, bei einem Thema zu bleiben und sich genau auszudrücken. Auch Wernicke-Aphasiker benutzen oft Floskeln, die eigentlich inhaltlich nichts bedeuten. Da die Hauptschwierigkeit im Verstehen liegt, meiden sie öfter als früher Radiohören, Fernsehen oder Menschenansammlungen wie z. B. größere Familienfeste.

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Die Broca-Aphasie

Für Broca-Aphasiker ist es oft sehr mühsam, sich sprachlich zu äußern. Sie suchen meistens mit großer Anstrengung nach Worten und bringen sie nur langsam und mit Unterbrechungen hervor. Manchmal sind die Wörter lautlich verändert oder fehlerhaft. Es fällt diesen Patienten schwer, grammatische Beziehungen auszudrücken. Sie setzen die Wörter nicht in die richtige Reihenfolge und lassen viele Wörter aus. Dennoch verstehen sie andere ziemlich gut, vorausgesetzt, dass das Gespräch nicht zu schnell geführt wird.

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Die Amnestische Aphasie

(Amnestie kommt aus dem Griechischem und bedeutet: das Vergessen)

Das auffälligste Merkmal dieser Aphasie ist die Störung bei der Wortfindung. Diese Aphasiker haben kaum Schwierigkeiten beim Verstehen, können oft auch flüssig sprechen, unterbrechen ihre Rede aber häufig, weil ihnen ein gesuchtes Wort nicht mehr einfällt. Diesen Patienten fällt es auch schwer, Gegenstände zu benennen. Wenn sie keine Hilfe bekommen, versuchen sie das entsprechende Wort zu umschreiben, z. B. mit "das Ding da", oder sie ersetzen es durch ein anderes, unpassendes Wort.

Meistens ist die Aphasie am Anfang der Erkrankung eine Mischung aus den zuvor beschriebenen Formen. Erst mit der Zeit kristallisiert sich dann ein bestimmter Typ heraus.

Welche Begleitsymptome (Krankheitszeichen) können neben den sprachlichen Auffälligkeiten auftreten?

Die Aphasie ist nie eine einfache und isolierte Behinderung. Je nachdem, welche Gehirnregionen betroffen sind, können zusätzliche andere Störungen auftreten, die nichts mit der Sprachfähigkeit zu tun haben.

Am häufigsten treten neben der Aphasie folgende Störungen auf:

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Lähmungen und Störungen der Körperwahrnehmung

In der Nachbarschaft der Sprachzentren im Gehirn befinden sich motorische und sensible Zentren. Die motorischen Zentren sind für die Bewegungssteuerung der gesamten Körpermuskulatur zuständig. Die sensiblen Zentren registrieren und verarbeiten Signale der Körperwahrnehmung, z. B. Hautreize. Wurden durch die Hirnverletzung Teile dieser Zentren beschädigt, kommt es zu Ausfällen der Bewegungssteuerung und der Körperwahrnehmung. Da bei einer Aphasie die Zentren der linken Gehirnhälfte betroffen sind, kommt es zu Auswirkungen auf die rechte Körperseite. Der Grund liegt darin, dass motorische und sensible Gehirnzentren der rechten oder linken Gehirnhälfte jeweils für die gegenüberliegende Körperseite zuständig sind.

Nach einer Schädigung dieser Zentren kommt es oft zu Lähmungen der rechten Körperseite. Dabei können sowohl der Arm und die Hand als auch das Bein betroffen sein. Viele Aphasiker leiden auch an der Lähmung einer Gesichtshälfte. Die Mimik wirkt dann verzehrt; der Mund kann nicht mehr fest geschlossen werden, was das Essen und Trinken erschwert. Ausfälle dieser Art werden von Krankengymnasten behandelt.

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Gesichtsfeldeinschränkungen

Das Gesichtsfeld ist der mit unbewegten Augen sichtbare Teil des Raums. Es gibt unterschiedliche Arten von Gesichtsfeldeinschränkungen. Es kann das rechte oder das linke Gesichtsfeld, aber auch lediglich ein kleiner Ausschnitt betroffen sein. Bei einer rechtsseitigen Gesichtsfeldeinschränkung z. B. wird nichts mehr wahrgenommen, was auf der rechten Seite des Gesichtsfeldes liegt. Der Patient hat den Eindruck, dass auf der rechten Seite ein großer blindern Fleck besteht. Tatsächlich ist es so, dass nicht nur das rechte Auge betroffen ist, sondern dass das Gesichtsfeld beider Augen eingeschränkt ist. Die Schädigung betrifft aber nicht die Augen selbst, sondern die Verarbeitung des Geschehen im Gehirn. Deshalb kann diese Beeinträchtigung auch nicht mit einer Brille korrigiert werden. Die meisten Patienten lernen jedoch mit der Zeit, diesen Gesichtsfeldausfall durch bewusste Blickbewegungen und drehen des Kopfes auszugleichen. Ein Blickbewegungs- oder Lesetraining kann dabei helfen.

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Rechenstörungen

Bei manchen Aphasikern ist die Fähigkeit, mit Zahlen umzugehen, sie zu schreiben und zu lesen, beeinträchtigt. Auch wenn die Zahlen selbst beherrscht werden, kann es Schwierigkeiten bei den Grundrechenarten geben.

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Störung der Handlungsausführung

Ein Patient, der an einer Störung der Handlungsausführung leidet, hat Schwierigkeiten, eine Handlungsidee in die Tat umzusetzen. Er kann z. B. Gesten nicht gezielt ausführen oder einzelne Handlungsabschnitte, beispielsweise beim Kaffeekochen, nicht in die richtige Reihenfolge bringen. Dabei versteht der Patient selber nicht, warum ihm die Hand nicht zu "gehorchen" scheint. Solche Störungen werden von Ergotherapeuten (= Beschäftigungstherapeuten) festgestellt und behandelt.

Störungen der Handlungssteuerung kann es auch im Mundbereich geben: Auch wenn keine Lähmungen vorliegen, kann der Betroffene dann z. B. nicht mehr nach Aufforderung den Mund spitzen oder Pfeifen, obwohl ihm das spontan durchaus gelingen mag.

Einige Aphasiker wissen in der Frühphase ihrer Erkrankung lange nicht, wo sie sind und was mit ihnen passiert ist. Viele Patienten sind rasch ermüdet und können sich nicht lange konzentrieren. Außerdem benötigen sie für viele Vorgänge, auch für das Verstehen und Reagieren, mehr Zeit.
Diese Störungen haben aber nichts mit einem Intelligenzverlust zu tun. Sie bessern sich im Laufe der Zeit von allein.

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Reizbarkeit und Gefühlsschwankungen

Für viele Aphasiker ist es jetzt schwieriger, ihre Gefühle zu kontrollieren. Es kann passieren, dass sie schon aus geringem Anlass anfangen zu weinen. Oft fangen sie sich aber schnell wieder und sind selbst über ihre Reaktion erstaunt.

Manche Patienten neigen eher zu ärgerlichen und aggressiven Ausbrüchen als früher. Es kommt auch vor, dass Aphasiker fluchen und schimpfen, ohne dass sie es wollen.

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