ALS: Proteinklumpen lassen Nervenzellen sterben
28.10.2005 - Bei mehreren neurologischen Erkrankungen bilden sich Proteinablagerungen in Nervenzellen. Bei einer Form der amyotrophen Lateralsklerose scheinen diese auch zum Absterben der Nervenzellen beizutragen, haben amerikanische Biochemiker beobachtet. Zellen mit Ablagerungen gehen demnach fast immer unter - möglicherweise, indem die Proteinklumpen die zelluläre Recycling-Maschinerie lahm legen.
Bei der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) kommt es zum Absterben jener Nervenzellen, die die Muskulatur über das Rückenmark mit dem Gehirn verbinden, und in der Folge zu Schwund oder Schwächung der betroffenen Muskeln. Richard Morimoto und seine Arbeitsgruppe von der Northwestern University in Evanston, Illinois, untersuchten nun eine erbliche Form der ALS, die auf Mutationen im Enzym Kupfer/Zink-Superoxiddismutase (SOD1) zurückgeht. Ihre Resultate präsentieren sie im "Journal of Cell Biology".
Die Forscher beobachteten Kulturen von Nervenzellen, die verschiedene Mutationen im SOD1-Gen trugen. Tauchten in den Zellen Ablagerungen einer unlöslichen Proteinvariante auf, starben sie mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit im Laufe der nächsten 48 Stunden. Im Falle löslicher Proteinvarianten, die keine Ablagerungen hervorriefen, überlebten dagegen 70 Prozent der Zellen.
Vor einem Jahr hatte eine andere Forschergruppe berichtet, dass die dichten Proteinablagerungen im Falle der Krankheit Chorea Huntington sogar eine schützende Rolle spielen zu scheinen, indem sie abnorm gefaltete Proteine aus dem Verkehr ziehen. Ganz anders die SOD1-Klumpen, beobachteten Morimoto und Kollegen. "Die Aggregate sind amorph, wie ein Schwamm. Andere Proteine können durch sie hindurchtreten und mit ihnen interagieren, was erklären könnte, warum die mutierte SOD1 so toxisch ist." Tatsächlich beobachteten die Forscher, dass Proteasomen - molekulare "Häcksler" für ausgediente Proteine - nach Kontakt mit den Ablagerungen dauerhaft die Arbeit einstellten.
Forschung: Gen Matsumoto, Aleksandar Stojanovic, Carina I. Holmberg, Soojin Kim und Richard I. Morimoto, Department of Biochemistry, Molecular Biology and Cell Biology, Rice Institute for Biomedical Research, Northwestern University, Evanston, Illinois
Veröffentlicht in Journal of Cell Biology, Vol. 171(1), pp 75-85, DOI 10.1083/jcb.200504050
Fußballer riskieren Muskelschwund
24.02.2005 - Profifußballer weisen ein erhöhtes Risiko auf, an amyotropher Lateralsklerose (ALS) zu erkranken. Entsprechende Vermutungen hat nun eine Studie italienischer Neurologen bestätigt. Die Art des Zusammenhangs ist rätselhaft, berichtet das Magazin "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe.

Bild: PhotoCase
Auch die Ursachen der ALS sind unklar. Bei der Krankheit kommt es zum Untergang jener Nervenzellen, die Gehirnsignale durch das Rückenmark zur Muskulatur leiten. Folge sind Kraftlosigkeit und Lähmungen, die schließlich auch auf die Atemmuskulatur übergreifen. Die meisten Betroffenen sterben wenige Jahre nach Ausbruch der Krankheit.
Adriano Chiò von der Universität Turin und seine Kollegen gingen nun früheren Berichten über häufige ALS-Fälle bei Fußballern nach. Dazu analysierten sie Daten über 7.325 Männer, die im Zeitraum 1970 bis 2001 in der ersten bzw. zweiten italienischen Fußballliga gespielt hatten. Unter normalen Umständen hätten unter diesen Männern 0,77 Erkrankungsfälle auftreten sollen. Tatsächlich erkrankten jedoch fünf Fußballspieler, berichten die Forscher im Fachblatt "Brain".
Die Krankheit trat bei den Fußballern im Durchschnittsalter von 41 Jahren auf - gut 20 Jahre früher als in der Allgemeinbevölkerung. Vielleicht steigerten bestimmte Eigenschaften der motorischen Nerven nicht nur die sportliche Leistungsfähigkeit, sondern auch die Anfälligkeit für ALS, so Ammar Al-Chalabi vom Londoner Institute of Psychiatry gegenüber dem Magazin. Andererseits fanden Chiò und Kollegen, dass das Erkrankungsrisiko mit der Karrieredauer stieg. Daher sei auch denkbar, dass typische Sportverletzungen, Infektionen oder Medikamente den Ausbruch der Krankheit begünstigten.
Forschung: Adriano Chiò und Roberto Mutani, Divisione di Neurologia, Dipartimento di Neuroscienze, Università di Torino; und andere
Veröffentlicht in Brain, Vol. 128(3), pp 472-6, DOI 10.1093/brain/awh373
Quelle: Scienceticker