Qi Gong
von Rainer Werb
15.12.2004 - Qi Gong ist eine Jahrtausende alte ganzheitliche Methode der traditionellen chinesischen Medizin, mit der wir das Qi, die Lebensenergie, die allen körperlichen und geistigen Funktionen zugrunde liegt, aktivieren, nähren und in einer ausgeglichenen Weise in unserem Körper verteilen können. Der Begriff Qi Gong wird erst seit den fünfziger Jahren für Energieübungen in Stille und Bewegung verwendet, in der überlieferten Tradition spricht man von Yangshen (Pflege des Lebens) und Daoyin (Übungen des Dehnens und Leitens). Man unterscheidet "Bewegtes Qi Gong" (Übungen in Bewegung im Sinne von Heilgymnastik, die auf ein verbessertes Körperbewußtsein, verringerten Energieaufwand und größere Vitalität abzielen) als auch Übungen des "Stillen Qi Gong", das sind meditative Übungen in Ruhe, die über das Lenken des Atems und der Vorstellungskraft Qi in bestimmte Regionen des Körpers lenken und auf einen klaren und ruhigen Geist und tiefe Selbstbewußtheit abzielen. Im Gegensatz zur langen Form des Taiji Ch'an beinhaltet Qi Gong mehrere kurze in sich abgeschlossene Übungen, die dadurch etwas leichter zu erlernen sind. Die auf den vorangegangenen Seiten dargestellten Grundprinzipien und Aspekte gelten gleichermaßen für beide Formen, wie z. B. der Begriff Fang Song Gong:
Fang Song Gong - Die Kunst der Entspannung
Aktive Entspannung bedeutet keine Erschlaffung des Körpers, sondern mehr Lebendigkeit durch die Fähigkeit zu Aufmerksamkeit und Ruhe, Mühelosigkeit, Sensibilität, Verwurzelung und Zentrierung. Es geht darum, das angemessene Maß an Kraftaufwand und Spannung (z.B. für eine Körperhaltung) zu finden im Gegensatz zum Versinken in apathischer Schlaffheit. Durch bewußte Wahrnehmung gewohnheitsmäßiger Verspannungen verbunden mit einem Minimum an Energieaufwand steht dem Organismus dann wieder die Energie zur Gesunderhaltung und Krankheitsabwehr zur Verfügung, die bisher durch Streß und durch Verspannungen verursachte Fehlhaltungen blockiert war. Man lernt, keine Vitalität durch unnötige Anspannung zu verschwenden und zum Zustand des Taiji, dem Ruhepunkt inmitten aller Bewegung und der Ausgeglichenheit zwischen Yin und Yang zurückzukehren.
"Der erste und grundlegende Erfolg der Kultivierung beginnt mit dem Fühlen, kehrt zurück zu Fühlen und Wahrnehmung und mündet in einen Zustand der Einswerdung. Es gibt keine Möglichkeit der Kultivierung ohne das Fühlen." (Huia Chin-Nan)
Wu Wei - Absichtsloses Tun
Moshe Feldenkrais verfolgt mit seiner Methode "Bewußtheit durch Bewegung" das selbe Prinzip, an dem sich auch die daoistischen Bewegungskünste orientieren:
"Indem wir unsere Aufmerksamkeit vom Ziel und unserem Erfolgsdrang weg auf die Mittel und Wege unseres Tuns verschieben, wird der Lernprozeß leichter, ruhiger und schneller. Zielstrebigkeit schwächt den Anreiz zum Lernen; wenn wir dagegen ein Handlungsniveau wählen, das ohne weiteres im Bereich unserer Mittel liegt, können wir unsere Handlungsweise verbessern und am Ende ein viel höheres Niveau erreichen.
Lassen Sie beim Lernen jede Absicht weg, es richtig zu machen; tun Sie nichts gut oder schön und eilen Sie nicht, denn Eile stiftet Verwirrung. Gehen Sie langsam vor und wenden Sie lieber weniger Kraft auf als nötig ist. (...) Für uns heißt lernen: Das Unbekannte begreifen. Jede Handlung kann zu Unbekanntem führen. Wenn Sie von Anfang an ausschalten, was Ihnen falsch scheint, könnten Sie jedes Interesse am Lernen verlieren. (...) Bewußtheit durch Bewegung führt zur Selbsterkenntnis und zur Entdeckung bislang ungeahnter Möglichkeiten in uns selbst. Statt Fehler zu vermeiden, verwenden Sie sie lieber absichtlich als Alternativen für das, was Sie zunächst als richtig empfinden. Es könnte sein, das Richtig und Falsch bald die Rollen tauschen."
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Rainer Werb
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97074 Würzburg
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