Heilkunde nach Hildegard von Bingen
von Hildegard Eberwein
15.12.2004 -
Kurze Biographie:
Im Sommer 1098 wurde Hildegard in Bermersheim (zwischen Worms und Mainz) geboren. Mit 8 Jahren kam sie in klösterliche Erziehung. 1147 siedelte sie in das von ihr gegründete Kloster Rupertsberg bei Bingen über und leitete es als Äbtissin.
Schon seit frühester Kindheit war sie eher schwächlich und häufig krank.
Hildegard hatte schon von jungen Jahren an die Sehergabe.
Als sie erkannte, daß sie Dinge wahrnahm, die andere so nicht erkannten, erschrak sie sehr und versuchte diese Gabe zu verbergen.Gott zwang sie auf´s Krankenlager, sie war wie gelähmt. Erst als sie anfing ihre Visionen, Eingebungen, Bilder niederzuschreiben, wurde sie wieder gesund.
Vor ca. gut 50 Jahren wurden diese Schriften durch den Wiederentdecker der Hildegard-Medizin - Dr. med. Hertzka übersetzt. Er leistete die Pionierarbeit in Sachen Hildegard.
Dr. Wighart Strehlow führt seine Arbeit im Kurhaus in Allensbach am Bodensee fort.
Erst im 20 Jahrhundert konnte aufgrund wissenschaftlicher Forschungen erkannt werden, welchen Schatz Hildegard uns hinterlassen hat. Viele ihrer Heilmittel und deren Wirkungsweise konnten entschlüsselt werden.
Andere Heilmittel bewahrheiteten sich aufgrund Erfahrungsmedizin, die seit Jahrzehnten im Kurhaus in Allensbach am Bodensee früher von Dr. Herztka, heute von Dr. Strehlow angewandt werden.
Da wir auch im 21. Jahrhundert noch nicht soweit sind, alle ihre Aussagen wissenschaftlich zu entschlüsseln, sollte dies kein Hindernisgrund sein, von diesen Heilmittelschatz Gebrauch zu machen.
Erst wenn wir verstehen, wie wenig wir verstehen, beginnen wir zu verstehen!
Die Grundlagen ihrer naturheilkundlichen Therapien schrieb sie in 2 großen Werken in lateinischer Sprache nieder:
Causae et Curae (was sich auf deutsch mit Ursachen und Behandlung der Krankheiten übersetzen lässt) und Physica (Naturkunde oder Heilmittel der Natur).
Hildegard schreibt, das in allen Geschöpfen, den Tieren, den Fischen, den Kräutern und den Fruchtbäumen in Edelsteinen geheimnisvolle Heilkräfte verborgen sind....
Auch der Einfluß des Mondes auf Blut und Säfte wird beschrieben, deshalb wird ein Aderlaß nur an bestimmten Mondtagen vorgenommen(die ersten 6 Tage nach Vollmond).
Entstehung von Krankheiten aus der Sicht Hildegards:
Auch der kosmische Bereich ist für die Entstehung von Krankheiten verantwortlich. Der Mensch ist nach dem Bauplan des Kosmos gebaut. Er wird als Mikrokosmos betrachtet, der vom Makrokosmos seine Impulse erfährt. Im Menschen wirken die vier Elemente: Feuer, Luft ,Wasser und Erde.
Vom Feuer haben wir die Körperwärme, von der Luft den Atem, vom Wasser das Blut und von der Erde die Muskeln und die Knochensubstanz. Wirken diese Elemente richtig zusammen so ist der Mensch gesund.
Eine weitere Ursache für Krankheiten wäre, daß die Säfte im Körper durch Krankheitssäfte oder Ernährungsfehler in Disharmonie geraten. Unter anderem wird bei Hildegard als wichtige Ursache für Krankheiten ein psychisches Ungleichgewicht erwähnt, dies wird sehr gut in einem Buch von Dr. Wighard Strehlow - Heilen mit der Kraft der Seele - beschrieben.
Darin werden u.a. 35 Tugend und Lasterpaare , wie z.B .
Geiz - Genügsamkeit
Neid - Nächstenliebe
Lüge - Wahrheitsliebe
Unbarmherzigkeit - Barmherzigkeit
Hochmut - Demut
Verzweiflung - Hoffnung
Wollust - Keuschheit
Feigheit - Gottes Sieg
usw.
genannt.
Fazit
Ein Ungleichgewicht vor allem hin zum Laster hin wirkt auf Dauer negativ auf unsere Gesundheit. Nach Hildegard sind Körper, Seele und Geist eine untrennbare Einheit.
Ein wichtiger Grundsatz nach Hildegard ist deshalb:
das rechte Maß in allen Dingen zu halten.
Außerdem ist wichtig, einen gewissen Lebensrhythmus zu finden: wachen - Schlafen; feste Zeiten für Mahlzeiten, Arbeiten, Ruhen, ein geregelter Lebensrhythmus. Yin und Yang. Ora et labora: bete und arbeite.
Ursachen von Krankheiten sind jedoch nicht nur seelische und körperliche Komponenten.
Krankheiten können auch entstehen, wenn das Verhältnis zu Gott unterbrochen oder gestört wird. Durch die Rückbeziehung auf Gott tun sich ungeahnte Chancen für den Menschen auf, es fließen Energien. Bei manchen Heilmitteln schreibt Hildegard, " ...so wird er gesund oder Gott will nicht!!
Gott ist in uns, wir sind eine untrennbare Einheit mit ihm.
Ziel der Hildegard Heilkunde
ist es, unseren Körper und unser Immunsystem soweit zu mobilisieren, daß der Körper aus eigener Kraft mit den Krankheiten fertig wird. Deshalb ist Hildegard-Medizin bei jeder Art von Krankheit angebracht. Ob Infektanfälligkeit, Allergien, Hautkrankheiten, Autoaggressionskrankheiten, Rheuma, Herz-Kreislauferkrankungen, Frauenkrankheiten etc.
Aderlaß und Schröpftherapie werden als Umstimmungs-maßnahmen angewandt. Heilmittel wie Dinkel, Wein, Chalcedon (Edelstein), Fenchel verhelfen zu positiver Lebenseinstellung. Wasserlinsenelexier hat sich zur Immunstärkung bewährt. Die Bärwurzkur zur Darmreinigung,
die Goldkur bei Rheuma und Infektanfälligkeit. Wermutkur als Frühjahrskur.
Bertram und Quendel sind blutreinigend, Pelargoniengewürz hilft bei Grippe.
Brennessel, Knoblauch, Galgant, Weinraute, Akelei, Salbei, Mutterkraut, Königskerze, Süßholz, und unzählige weiterer Heilmittel ...
Ganzheitliche Gesundung kann nur unter Berücksichtigung von Körper ,Seele und Geist eintreten.
Letzteres bedeutet aber, dass der Mensch die in seinem Lebenswandel begründeten Krankheitsursachen beseitigen muss sonst steht er sich und seiner Heilung selbst im Weg.
Hildegard Medizin ist unsere "chinesische Medizin", - geschaffen für unsere Breitengrade.
Hildegard Medizin beinhaltet einfach alles: Psychotherapie, Heilmittel, Ernährung, Edelsteintherapie.
Original- Zitat zum Dinkel
"Dinkel ist das beste Getreide, er wirkt wärmend und fettend und kräftig, und er ist milder als andere Getreidearten, er bereitet dem, der ihn isst rechtes Fleisch und rechtes Blut, und er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen. Und wie auch immer die Menschen ihn essen, sei es in Brot sei es in anderen Speisen er ist gut und leicht verdaulich."
Mit heutigen wissenschaftlichen Methoden wurde festgestellt:
Dinkel weist im Vergleich zu herkömmlichen Weizen im Bezug auf Vitamin B1 Gehalt, Eiweißgehalt, Aminosäuren, Mineralien und Spurenelementen höhere Werte auf; Dinkel ist relativ resistent gegen Pilze und Schädlinge. Rückstände und Radioaktivitätsbelastung beim Dinkel sind äußerst gering, da der 5- fache Spelz des Dinkelkorns vor Umwelteinflüssen schützt.
Mit Dinkel haben wir zudem eine basische Basisernährung, die sehr vorteilhaft für die Darmflora ist und dadurch immunsystemstärkende Wirkung besitzt (80 % des Immunsystems liegen im Darmbereich).
Ungesättigte Fettsäuren sind für die Nervenzellen wichtig, außerdem ist Dinkel ausreichend mit B-Vitaminen gesättigt und enthält das L-Tryprtophan, eine Vorstufe des Stimmungshormons und Neurotransmitters Serotonin.
Dadurch können wir uns die positive Wirkung auf Nerven und Gemüt erklären!
Dinkel hat gute Bioverfügbarkeit (gute Plasma- und Wasserlöslichkeit), so dass er rasch ins Blut übergeht und schnell Energie liefert.
Man könnte jetzt fortfahren und seitenweise nur über Dinkel schreiben, jedoch will ich noch andere bewährte Heilmittel vorstellen. Auf Orginaltexte gehe ich jetzt nicht näher ein, bei Interesse nachzulesen in o.g. Büchern!
Bewährte Heilmittel
Fenchel roh und gekocht - enthält sehr viel Vitamin C.
Edelkastanien - zur Stärkung der Abwehrkräfte, können auch roh gegessen werden.
Galgant - ein scharfes Gewürz, wirkt antiviral, antibakteriell und entkrampfend; es passt in alle Speisen, die man scharf würzen möchte. Aufgrund seiner entkrampfenden Wirkung ist es auch bei Herz/Kreislauferkrankungen zu empfehlen.
Auch bei Magen- und Darmkrämpfen hat sich Galgant bestens bewährt. (Fenchel-Galgant-Tbl., Fa. JURA-Heilmittel)
Flohsamen ( indische Wegerichart) als Darmregulanz oder
Flohsamenwein bei Allergien.
Pflaumenkerne in Wein bei hartnäckigem, trockenem Husten, bewährt auch bei Keuchhusten.
Bertram - gut für Verdauung, hilft schlechte Säfte zu vermeiden.
Bei Hildegard Ernährung werden dem Körper Nahrungsmittel zugeführt, die positiv auf Körper und Seele wirken.
Hildegard ist die "Subtilität", die Wirkung eines Nahrungsmittels in seiner Gesamtheit auf Körper und Seele wichtig, nicht einzelne Bestandteile wie Vitamine, Kalorien, etc. . Wir wissen ja oft gar nicht, wie sich ein Cocktail aus diesen verschieden Stoffen überhaupt auf unseren Körper auswirkt, wissenschaftliche Fakten in Ehren, aber oft wird nach kurzer Zeit wieder komplett alles wiederlegt.
Rezept für Petersilienhonigwein (Herzwein nach Hildegard)
Dazu braucht man
10 Stengel frische Petersilie mit Blättern
2 Eßlöffel Weinessig
80 -150 g Honig
1 l biologischen Wein (rot)
Petersilie und Wein 5 min lang aufkochen, anschließend Honig und Weinessig hinzu und nochmals 5 min aufkochen. 3 x tgl. 1 Likörglas nach dem Essen.
Das Mittel hat sich bei Herzinsuffizienz, Herzschwäche, nervösen Herzen, Kraftlosigkeit, streßbedingten Herzschmerzen bewährt.
Bei Hildegard kommt auch der Begriff " Viriditas" (Grünkraft) vor: also am besten Gemüse, Getreide, Obst aus biologischen Anbau, natürlich ausgereift, möglichst aus unserem Umfeld und der Jahreszeit angepaßt.
Von vornherein sollten Lebensmittel vermieden werden die sich negativ auf Körper/Seele auswirken.
Die beschriebenen Heilmittel gelten als Prophylaxe für Gesunde wie auch unterstützend für Kranke. Hildegard schreibt: ein Gesunder verträgt jede Art von Nahrung irgendwie. Auch Pflanzen die man meiden sollte, da sie für die Gesundheit nicht vorteilhaft sind, werden beschrieben. Dazu zählen Erdbeeren, Lauch ,Pflaumen und Pfirsiche. Dr. Hertzka bezeichnete diese als "Küchengifte".
Nachtschattengewächse sollten nicht im Übermaß verzehrt werden, da diese eine psychotrope Wirkung haben ( d.h. auf´s Gemüt schlagen, traurig machen). Personen die zu Schwermut, Depression und dergleichen neigen, würde ich empfehlen, Kartoffeln, Auberginen und Tomaten und andere Nachtschattengewächse nicht im Übermaß zu verzehren.
Was wir letztendlich mit diesen Informationen machen, bleibt jedem selber überlassen.
Auf jeden Fall würde ich empfehlen bei ständigen Halsentzündung/Mandelentzündungen, blinddarm-entzündungen und sonstigen Entzündungen im Körper auf Erdbeeren zu verzichten , nicht umsonst gelten diese auch als Allergieauslöser mit an erster Stelle.
Pflaumen sind vor allem nicht für Rheumakranke geeignet.
Bei Immunschwäche und Infektanfälligkeit vor allem auf Lauch und Pfirsiche , aber auch auf die anderen "Küchengifte" verzichten .
Das rechte Maß in allen Dingen - sollte meiner Meinung nach auch in Bezug auf Küchengifte gelten. Man muß aufpassen, nicht in Extreme zu verfallen, sich nicht mit ständigen Verzicht zu kasteien. Was nützt es z.B., Kindern zu verbieten, Erdbeeren zu essen - man wird damit nur das Gegenteil erreichen.
Lieber einmal mit gutem Gewissen zu Saisonzeiten Erdbeeren aus biologischen Anbau oder aus eigenem Garten gegessen.
Zur Marmeladenbereitung oder zum Einfrieren wäre es dann schon vorteilhafter auf die wesentlich leckereren Himbeeren oder Johannisbeeren umzustellen, die nach Hildegard sehr gesund sind.
Himbeersaft mit Galgant ist auch vor allem für Kinder mit Fieber zu empfehlen.
Richtige Ernährung ist ein wichtiger Teil zur Gesundung aber bei weitem nicht alles. "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein"! Jedes Extrem ist schlecht !
Ein Magenkranker wird evtl. keine endgültige Heilung erfahren, wenn er zwar jeden Tag konsequent seinen Dinkelbrei ist, jedoch seinen Ärger und Streß in Beruf beibehält. Wir müssen lernen, selbstverantwortlich unsere Gesundheit in den Griff zu nehmen.
Ich sehe meine Aufgabe darin, meine Patienten in diese Richtung hin aufzuklären und ihnen zusätzlich Heilmittel aus der Hildegard-Medizin zu vermitteln bzw. sie selbst anzuwenden.
Wir müssen wegkommen von dem Denken, dass der menschliche Körper ähnlich wie ein Auto funktioniert, und die Werkstatt (bzw. der Arzt) wird's schon richten.
Wir können selbst sehr viel tun, vorausgesetzt, wir sind uns dessen bewußt. Vor allem können wir vielem vorbeugen.
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Hildegard Eberwein
Agnes- Miegel- Weg 12
93055 Regensburg
Tel.: 0941- 70559988
E-Mail: Hildegard.Eberwein@web.de
Heilpflanzen - Heilige Pflanzen
von Dr. Angelika Franz
22.12.2004 - Die im folgenden aufgeführten Heilpflanzen galten (und gelten) in den verschiedenen Kulturen als "heilige Pflanzen", das heißt als Pflanzen, die in besonderer Weise den Zugang zu den göttlichen Sphären erlauben und die dabei sehr "menschenfreundlich", wohltuend wirken.
Aufgeführt sind in der ersten Spalte die traditionellen lateinischen Namen, unter denen man sie noch heute als sogenannte "homöopathische Urtinkturen" und in anderen Zubereitungen nach dem amtlichen Homöopathischen Arzneibuch (HAB) in jeder Apotheke beziehen kann. Da in der wissenschaftlichen Botanik viele Pflanzen alle paar Jahrzehnte umbenannt werden, haben sich die traditionellen Bezeichnungen in der Homöopathie und vielerorts auch in der Phytotherapie zu recht erhalten, da sonst ältere Schriften und das in ihnen enthaltene wertvolle Erfahrungswissen von Generationen heute nicht mehr verständlich wäre. Die heutigen botanischen Bezeichnungen sind - soweit mir bekannt - in Klammern angefügt. Synonyme werden durch ein Gleichheitszeichen getrennt (=). Bisweilen wurden in der Tradition verschiedene Arten der selben Gattung gemeinsam benannt; dann sind die heutigen botanischen Artbezeichnungen durch ein Pluszeichen getrennt (+) aufgezählt.
In der zweiten Spalte folgt der gängige deutsche Name, wobei gerade sehr geschätzte Heilpflanzen recht viele, landschaftlich unterschiedliche Bezeichnungen tragen. Soweit es mir möglich war, versuchte ich, durch Angabe von Synonymen Klarheit zu schaffen.
Sämtliche aufgeführten Pflanzen können in der Potenz D3 angewandt werden, wobei ich die Globuli (mit der flüssigen Potenzstufe getränkte Rohrzuckerkügelchen) bevorzuge. Gänzlich ungiftige Pflanzen bieten sich auch als Tee oder als Tinktur (alkoholischer Auszug) an. Wo dies nicht möglich ist, wurde es in der dritten Spalte vermerkt. Auch praktische oder juristische Einschränkungen der Erhältlichkeit wurden vermerkt.
Die vierte Spalte vermerkt die Zuordnungen der Pflanzenwirkung auf bestimmte Funktionskreise der chinesischen Medizin. Manchmal besteht ein schwächerer zweiter Wirkungskreis; dieser ist in Klammern angefügt. Obwohl diese Funktionskreise nach bestimmten Organen des Körpers benannt sind, ist damit nicht eine Wirkung auf das körperliche Organ gemeint, sondern lediglich eine "energetische", regulierende auf den entsprechenden Funktionskreis. Bezüglich genauerer Informationen dazu sei auf die umfangreiche Literatur zur chinesischen Medizin verwiesen. Es gibt ein paar Pflanzen mit ausgleichender Wirkung auf alle 5 chinesischen Elemente; früher nannte man solche Pflanzen "Universalheilmittel" ("Eßt Pestwurz und Bibernell', dann sterbt ihr nicht so schnell"; historische Sentenz aus der Pestzeit). Sie sind dennoch nicht für alle Menschen gleichermaßen geeignet.
Wenn Sie eine Tinktur verwenden möchten, empfehle ich Ihnen die nach dem HAB aus Frischpflanzen gewonnenen Urtinkturen (Ø), da sie in hohem Maße den Geist der Pflanze (die Arzneimittelinformation) enthalten. Normale Tinkturen sind im allgemeinen aus getrockneten Pflanzenteilen hergestellt, was einen gewissen Wirkungsverlust zur Folge hat. Fertigpräparate, die mit organischen Lösungsmitteln ausgezogen wurden (zum Beispiel mit Benzol oder Hexan, Stoffen, die sonst nur an der Tankstelle verkauft werden) oder gefriergetrocknete Pflanzenbestandteile in Kapseln und ähnlichem enthalten keinerlei Arzneiinformation mehr, sie sind medizinisch "tot"; von der Verwendung rate ich daher ab.
Die übliche Dosierung von Tinkturen ist 3x täglich 15-20 Tropfen (Urtinkturen der Firma Ceres nur höchstens 3x3 Tropfen). Die flüssige Form der Potenz D3: 3x5 Tropfen; D3-Globuli: 3x5 Globuli; D3-Tabletten: 3x1 Tablette. Diese Dosierungen sind gewissermaßen die Höchstdosen; bei zu starker Reaktion soll niedriger dosiert werden. Alle diese Heilmittel läßt man auf der Zunge zergehen, damit der "Geist der Pflanze", die Arzneimittelinformation von den empfindlichen Nerven der Zunge aufgenommen werden kann.
Zur Anwendungsdauer lassen sich nur Faustregeln mitteilen: im allgemeinen nimmt man ein Heilmittel nur bis zum Verschwinden der Beschwerden, höchstens jedoch 6 Wochen ohne Einnahmepause. Nach einer Pause von 2 Wochen kann die Kur im Bedarfsfalle wiederholt werden.
Die angegebenen Mittel lassen sich alle zur Begleitbehandlung bei einer klassisch-homöopathischen Behandlung verwenden; keine dieser Pflanzen antidotiert eine Hochpotenz. Zwar verläßt man dadurch den strikten Unizismus (nur ein Mittel zur selben Zeit), doch ist dies ein gangbarer pragmatischer Weg.
Arzneimittel sind lediglich zur Heilung bestehender Beschwerden da. Zur Vorbeugung empfehlen sich: gesunde vollwertige Ernährung, Bewegung im rechten Maß, naturheilkundliche Wasseranwendungen (Sauna, Kneippsche Güsse etc.), ein gesunder Lebensrhythmus mit ausreichend regelmäßigem Schlaf, eine erfüllende Arbeit, anregende und seelisch aufbauende Gesellschaft, eine Geborgenheit schenkende Liebesbeziehung, geistige Regsamkeit (Lektüre, Musik), eine naturgemäße spirituelle Verankerung und überhaupt Kontakt zur Natur. Weitere Punkte ließen sich unschwer anfügen.
Die heiligen Pflanzen
Lateinischer Name |
Deutscher Name |
Anwendungseinschränkung |
Chinesischer Funktionskeis |
Agrimonia eupatoria |
Odermenning |
keine |
Dü |
Allium victorialis |
Siegwurz |
in Deutschland nicht erhältlich |
Ma (Ni) |
Angelica archangelica |
Erzengelswurz (Angelika) |
keine |
Ma; wirkt auf alle 5 Elemente! |
Artemisia vulgaris |
Beifuß |
keine |
3E (MP; Menses zu spät oder zu spärlich) |
Asperula odorata (Galium odoratum) |
Waldmeister |
keine |
Ni |
Avena sativa |
Grüner Hafer |
keine |
KS |
Berberis aquifolium (Mahonia aquifolia) |
Mahonie |
keine |
Lu (Psoriasis) |
Betonica (B. alba = B. officinalis = Stachys officinalis) |
Heilziest |
keine |
Lu (Asthma) |
Bryophyllum (B. calycinum = Kalanchoe bryophyllum) |
Brutblatt = Keimzumpe |
keine |
KS (Schlafstörungen) |
Calamus aromaticus (Acorus calamus) |
Kalmus |
keine |
Di |
Carduus marianus |
Mariendistel |
keine |
Le (toxisch bedingte Leberkrankheiten) |
Carica papaya |
Papaya |
Ø oder D3 |
Di |
Cichorium intybus |
Wegwarte |
keine |
MP |
Cinnamomum (C. ceylanicum) |
(Ceylon-) Zimt |
keine |
MP |
Coriandrum sativum |
Koriander |
keine |
3E (Ma) |
Curcuma longa |
Gelbwurz = Kurkuma |
keine |
Le |
Dictamnus albus |
Weißer Diptam |
ab D3 (Globuli) |
Di |
Eleutherococcus senticosus |
Russische Taigawurzel |
keine |
Le |
Ficus religiosa |
Buddhabaum |
ab D3 (Globuli) |
MP |
Galium verum |
Echtes Labkraut |
keine |
Ni |
Gingko biloba |
Japanischer Tempelbaum |
keine |
KS (MP) |
Glechoma hederacea |
Gundelrebe, Gundermann |
keine |
Lu |
Helianthemun numularium |
Sonnenröschen |
keine |
? |
Hypericum perforatum |
Johanniskraut |
Tinktur wirkt photosensibilisierend; daher Sonnenbestrahlung meiden |
Le |
Jonesia asoka (Saraca indica) |
Ashoka-Baum |
keine |
Dü (Ma) |
Juglans regia |
Walnuß |
keine |
Ni (Lu) |
Justicia adhatoda (Adhatoda vasica) |
Basaka, Singhee |
keine |
Lu (Husten) |
Lapacho (Tecoma lapacho = Tabebuia lapacho) |
Lapacho, peruanischer Lebensbaum |
keine; in Deutschland nur als Teedroge erhältlich |
MP (subklinischer Diabetes) |
Lycopus europaeus |
Wolfstrapp |
keine |
3E (sublinische Hyperthyreose) |
Marrubium album (M. vulgare) |
Andorn |
keine |
3E (Lu); wirkt auf alle 5 Elemente! |
Nasturtium aquaticum (N. officinale) |
Brunnenkresse |
keine |
Di |
Nelumbo nucifera |
Lotus |
erst ab D4 erhältlich |
MP |
Nigella sativa |
Schwarzkümmel |
keine |
Gb (Ni) |
Ocimum sanctum |
Tulsi |
in Deutschland als Arzneimittel nicht erhältlich |
Le |
Panax ginseng |
Echter Ginseng |
keine |
Ni (alte Menschen) |
Petasites (P. hybridus) |
Pestwurz |
gänzlich ungiftig, jedoch aus arzneimittelrechtlichen Gründen in Deutschland erst ab D4 (Glob.) bzw. D6 (Dil.) erhältlich |
Di (Bl); wirkt auf alle 5 Elemente! |
Pimpinella alba (P. major + P. saxifraga) |
Große + Kleine Bibernelle |
keine |
Di (Bl, Gb, KS, MP); wirkt auf alle 5 Elemente! |
Pimpinella anisum |
Anis |
keine |
Di, Gb (Bl, KS, MP); wirkt auf alle 5 Elemente! |
Plantago major |
Breitwegerich |
Keine |
MP (Lu, Le) |
Polgonatum multiflorum |
Vielblütige Weißwurz |
ab D3 (Globuli) |
MP |
Polygonatum vulgare (P. odoratum = P. officinale) |
Salomonssiegel, Wohlriechende Weißwurz |
ab D3 (Globuli) |
MP |
Prunella vulgaris |
Kleine Braunelle (englisch: Self Heal) |
keine |
Bl (Dü, Gb, KS; Lu, MP); wirkt auf alle 5 Elemente! |
Scabiosa succisa (Succisa pratensis) |
Teufelsabbiß |
keine |
Lu (Bl; allergisches Ekzem) |
Solidago virgaurea |
Goldrute |
keine |
Ni (3E) |
Spilanthes oleracea (Acmella ciliata) |
Parakresse |
Ø (verdünnt auf 1/2 Glas Wasser nach dem Essen) oder D3 |
Di (Pilzinfektionen, Aphthen) |
Thea sinensis (Camellia sinensis) |
Chinesischer Tee, Grüntee |
keine |
3E (Bl, Le) |
Vanilla planifolia |
Vanille |
keine |
Ma (Bl) |
Verbena officinalis |
Eisenkraut |
keine |
Gb |
Zingiber (Zingiber officinalis) |
Ingwer |
Einnahme nur einmal täglich, da ansonsten zu stark stimulierend |
Dü |
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Dr. Angelika Franz
Wastel- Witt- Strasse 11
80689 München
www.homoeoweb.de
Homöopathie bei Wechseljahresbeschwerden
von Christiana Purol
22.12.2004 - Klimakterium, so können wir es in medizinischen Wörterbüchern nachlesen, stammt aus dem griechischen ( Klimax, Climakterium ) = Wechseljahre der Frau. Das Alter liegt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Durch Reduktion oder Wegfall der Follikelreifung mit Unterbrechung des Feedbacks der Hypophyse und dadurch gesteigerter FSH - Produktion kommt es zu Blutungsunregelmäßigkeiten, Labilität des autonomen Nervensystems ( Depressionen, Manien ), Hitzewallungen, Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen, Dyspareuie, Pruritus, Chondropathie und Osteoporose.
Was hier sehr medizinisch beschrieben wird, ist der ganz natürliche Vorgang des allmählichen Ausbleibens der Menstruation. Dennoch zwingt dieser Vorgang jede Faser einer Frau zur Umstellung. Das Wort " Wechseljahre " beschreibt sehr gut, was hier vor sich geht: Nämlich ein Wechsel. Ein Wechsel auf mehreren Ebenen. Ein Wechsel mit der Chance alt eingelaufene Lebensgewohnheiten zu überprüfen. Viele Frauen empfinden diese Zeit jedoch nicht als Zustand des Wechsels, sondern assoziieren eher einen Abstieg, einen Verlust. Zum einen ist die Zeit des Gebärens nun vorbei. Auch wenn die betroffene Frau gar nicht mehr vorgehabt hat schwanger zu werden, spätestens jetzt wird ihr schmerzlich bewusst, dass dies nun auch gar nicht mehr möglich ist.
Die Altersangaben, wann eine Frau die Wechseljahre erreicht, entsprechen einem Mittelwert. In der Praxis erlebe ich immer wieder, dass auch Frauen vor dem 40. Lebensjahr durchaus die ersten Symptome aufweisen. Aber auch das späte Erreichen des Klimakteriums ist keine Seltenheit. Gerade, wenn die Beschwerden vor dem 40. Lebensjahr auftreten, führt das bei Patientinnen zu großer Unsicherheit und Verwirrung. Oft werden sie mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen oder in den psychosomatischen Bereich gedrängt.
Immer mehr Frauen im Klimakterium wünschen sich eine Behandlung ihrer Beschwerden auf natürliche Weise, ohne die Einnahme von Hormonen oder Anwendung von hormonhaltigen Pflastern. Bei der Substitution von Östrogen zum Beispiel, werden folgende Nebenwirkungen häufig beschrieben:
Spannungsgefühl in der Brust
Mastopathie
Verschlimmerung von Krampfadern und Venenentzündungen
Gefahr der erhöhte Gallensteinbildung
Übelkeit
Hautreizungen oder Kontaktekzeme
uterile Leiomyomen (gutartige Gebärmuttergeschwulst)
Migräne usw.
Hinsichtlich dieser beachtlichen Liste, ist es nicht verwunderlich, dass viele Frauen auf der Suche nach Alternativen sind, um ihre Beschwerden zu behandeln.
Die Palette der Beschwerden ist breit und umfasst sowohl körperliche als auch psychische Symptome. Zu den häufigsten beschriebenen Beschwerden gehören:
Hitzewallungen mit Schweißausbrüchen, besonders auch in der Nacht
Schlafstörungen
Beschwerden bei Gebärmuttersenkung
Krampfschmerzen im Bereich der Geschlechtsorgane
Trockenheit im Scheidenbereich
Entzündungen im Genitalbereich
Änderungen im Behaarungstyp
Emotionale Labilität mit paradoxen Reaktionen
Depressive Verstimmung
Erschöpfungs- und Verstimmungszustände
Gerade die emotionalen und psychischen Probleme lassen sich auch durch eine Hormongabe oft nur unzureichend behandeln, denn ihr Ursprung ist nicht der Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen, sondern es ist an der Zeit einen Lebenswechsel zu akzeptieren. Das dies oft mit Schmerz und Leid einhergeht, liegt in der Natur der Sache, bedeutet für die betroffene Frau aber nicht, dass sich dies nicht ändern lässt. Gerade mit Hilfe der Homöopathie kann diesen Frauen auf ihrem Lebensweg geholfen werden.
Beim Thema Hitzewallungen stehen uns Arzneien wie z.B. Lachesis, Sulfuricum acidum, Sulfur, Glenoinum, Sanguinaria, Jaborandi, Cimicifuga oder Crocus je nach Arzneimittelbild der Patientin zur Verfügung. Aber auch hervorragende Komplexmittel wie etwa Pascofemin oder Sanguinaria Similarplex der Fa. Pascoe oder Ovarial-Hevert sollten nicht unerwähnt bleiben. Auch bei Wallungen mit Schweißen immer wieder bewährt hat sich das regelmäßige trinken von 2-3 Tassen frisch zubereitetem Salbeitee.
Meistens entlockt es den Patientinnen ein Lächeln, wenn ich ihnen rate diese Wallungen als Ausdruck ihrer Hitze, die in Ihrem schönen Körper (noch immer!) wohnt, sehen soll. Denn aus dieser Perspektive haben sie das Symptom meist noch nicht betrachtet.
Das auch die Seele in dieser Zeit einiges an Arbeit zu leisten hat, erfahren wir durch die psychischen Symptome die Frauen in dieser Zeit oft nicht erspart bleiben. Aber auch hier ist die Homöopathie eine starke Verbündete: Arzneien wie z.B. Cimicifuga, Sepia, Caulophyllum, Ignatia, Platinum, Zincum val. oder auch Helonias lassen die Frau gelassener mit ihrer Situation fertig werden.
Bei Blutungen, sowohl Zwischenblutungen als auch unregelmäßige Menstruationen haben sich unter anderem Bovista, Arsenicum album, Kreosotum, Hydrastinum hydr., Hamamelis, Sanguinaria und Agnus castus, als Komplexmittel z.B. Bursa pastoris der Fa. Hevert je nach Arzneimittelbild bewährt.
Entzündungen im Genitalbereich entgegnet man gut mit Crabo vespa, Apis, Heweblas Fa.Hevert oder Lachesis.
Auf die betroffenen Frauen kommen jedoch noch eine Vielzahl anderer Schwierigkeiten in dieser turbulenten Zeit zu. Die körperlichen Symptome stellen dabei oft den geringeren Anteil dar. Oft fällt den Frauen schon vor dem Verlust oder dem unregelmäßigen Auftreten Ihrer Menstruation auf, dass sich etwas verändert. Manchmal ist es auch zuerst die Umwelt, die diese Veränderung wahrnimmt: " Du bist aber zickig geworden " ! " Das hat dir doch früher nichts ausgemacht, seit wann reagierst du denn so egoistisch? " Diese und ähnliche Fragen bekommen Frauen gestellt, wenn sie plötzlich nicht mehr so " pflegeleicht " und aufopfernd auf ihre Mitmenschen reagieren. Auch sie selbst sind oft verwirrt und fragen sich warum sie auf einmal nicht mehr alles so hinnehmen können, sich nicht mehr ein oder unterordnen wollen.
Die Sexualität erhält eine neue Bedeutung. Frauen deren Sexualität bis dahin wenig bis gar nicht befriedigend war, erhalten nun noch einmal die Chance daran etwas zu ändern. Der Körper ist ihnen dabei ein wenig behilflich: Ein oben bereits aufgeführtes Symptom, nämlich die Trockenheit der Scheide zeigt den Frauen deutlich den Wunsch nach Veränderung und deutet auf keinen Fall auf Frigidität hin. Es ist lediglich ein Zeichen dafür, dass sich an der Lust etwas geändert hat. Wenn zwei Menschen sich im reiferen Alter lieben und dies in gegenseitiger Achtung und Hingabe geschieht, erhält die Sexualität eine besondere Tiefe. Hier ist ein liebevoller und verständiger Partner mehr wert als jedes noch so gut gewählte Mittel um (wieder) eine erfüllte Sexualität zu erleben.
Bei Frauen, die Kinder groß gezogen haben, stellt sich noch ein weiteres Problem. Plötzlich sind die Kinder groß und benötigen nicht mehr ihre volle Aufmerksamkeit. Es ist nicht immer so einfach zu akzeptieren, dass dieses Amt der Mutterschaft nun vorüber ist. Häufig hört man Sätze wie: " Jetzt braucht mich keiner mehr ! " oder " Wozu bin ich denn noch gut? " . Hier ist es unerlässlich gemeinsam mit der Patientin eine neue Strategie für die Zukunft zu erarbeiten.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten zur Hormonsubstitution gibt es also genügend um Frauen in dieser wechselnden und spannenden Zeit zu begleiten
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Christiana Purol
Wismarer Strasse 44
12207 Berlin
www.purol.de
Homöopathie rund um Schwangerschaft und Geburt
von Gudrun Barwig / Heilpraktikerin
22.12.2004 - Die feinstoffliche Wirkweise der Homöopathie macht es auf eine wunderbare Weise möglich, während der sensiblen Schwangerschaftszeit sanft und auf effektive Weise zu unterstützen, zu lindern, zu begleiten.
So ist grundsätzlich keine Schädigung der Mutter oder des Kindes durch homöopathische Mittel zu befürchten. Alles, was der Mutter gut tut, bekommt auch dem Kind. In der Frühschwangerschaft besteht damit die sanfte Möglichkeit eventuelle Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden) homöopathisch zu beeinflussen.
Mit fortgeschrittener Schwangerschaft kann es zu den unterschiedlichsten Beschwerden kommen: Wassereinlagerungen, Bluthochdruck, Muskelkrämpfe, Schlafstörungen etc. Diese Symptome werden konstitutionell behandelt. Das heißt: nicht nur die eine akute Beschwerde an sich, sondern die ganze Frau mit all ihren Eigenheiten und Besonderheiten.
Auch seelische oder psychische Beschwerden, wie Ängste oder Depressionen können auf diese Weise behandelt werden.
Eine neue Lebensphase
Die Schwangerschaft stellt den Beginn einer neuen Lebensphase dar. Viele Frauen fühlen sich dabei überfordert, oder sind unsicher, was da auf sie zukommt. Auch durch die hormonelle Umstellung kommt es zu einem anderen Körpergefühl, einer anderen Lebenswahrnehmung. Diese Prozesse, homöopathisch zu begleiten ist sehr hilfreich und wohltuend. Letztendlich geht es nicht um massive Veränderungen, sondern um einen ganz sanften Anstoß.
Risikoschwangerschaften
Bei sogenannten Risikoschwangerschaften besteht die Möglichkeit, die Schwangere zu stützen und zu stärken, ganz unabhängig davon, welche schulmedizinischen Behandlungen parallel notwendig sind. In der Homöopathie geht es in jeder Lebensphase ganz allgemein um die Stärkung der jeweiligen Konstitution und die Anregung der Selbstheilungskräfte.
Die Magie des Neubeginns
So ist auch während der Schwangerschaft und der Geburt ein ganz wichtiger Bestandteil der homöopathischen Begleitung, die Frau in ihrem Selbstvertrauen zu bestärken, die Schwangerschaft zu einem Geschenk zu machen und die Geburt zu einem magischen Erlebnis - der Form von Magie, die jedem Neubeginn innewohnt.
Die eugenische Kur *
In alter - und leider auch immer wieder in neuerer - homöopathischer Literatur findet man die Anleitung zur "eugenischen Kur" während der Schwangerschaft. Diese pauschal verabreichten Nosoden sollen auf das allgemeine Erbgut wirken - und möglichst jegliche Form von Behinderung oder Beeinträchtigung ausschließen. Es geht dabei um das "reine Erbgut". Diese Denkweise ist leider nicht mit dem Ende des Nationalsozialismus hinfällig geworden. Es erwacht seit der Pränataldiagnostik in den '70er Jahren und mit fortgeschrittener Gentechnologie in der Jetztzeit zu neuer Blüte.
Von dieser Form des Denkens und der Schwanger-schaftsbegleitung distanziere ich mich.
Was zu beachten ist
Bei homöopathischer Medikation während der Schwangerschaft ist es wichtig, die richtigen Mittel in der richtigen Potenz zu verabreichen. Es gibt Homöopathika, die in der Frühschwangerschaft blutungsauslösende Wirkung haben können. Deshalb rate ich von einer Eigenmedikation ab. Begeben Sie sich lieber in die professionellen Hände Ihrer Hebamme, Heilpraktikerin oder Ärztin.
* Zur Begriffserklärung:
"Eugenik" ist die Lehre von den guten bzw. schlechten Genen, eine Selektionslehre. Sie geht zurück auf Francis Galton, einen Vetter Darwins, der diese Theorie 1883 auf der Basis des Sozialdarwinismus schuf. Der Sozialdarwinismus ist eine biologische Theorie, die komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge, wie z.B. Armut, auf die Biologie des Menschen reduziert und damit der Legitimierung des jeweiligen Herrschaftssystems dient.
Die "Eugenik" ist keine "deutsche" Spezialität, sie wurde jedoch während dem Nationalsozialismus am "gründlichsten" umgesetzt. Das bedeutete für die als "minderwertig" Etikettierten Asylierung, Zwangssterilisierung und für viele auch die körperliche Vernichtung, die "Ausmerzung" im Rahmen der "Euthanasie". In diesem Zusammenhang ist die Geschichte der eugenischen Indikation bei der Abtreibung sehr interessant, da auch sie auf das Gedankengut der Nationalsozialisten zurückgeht.
Die eugenische Kur in der heutigen Homöopathie ist nach wie vor ein sensibles Thema. Sie fand ihre Wurzeln Anfang des 20. Jahrhunderts, zeitgleich mit der Manifestierung des sozialdarwinistischen Denkens. Die eugenische Kur im Sinne einer Selektion einzusetzen - egal ob positiv oder negativ - ist ethisch gesehen absolut verwerflich!
Und auch die Stabilisierung einer Konstitution ist nicht gleichbedeutend mit der Anpassung eines Gesundheitszustandes an die gesellschaftliche Norm, die auch heute noch die Werte von immerwährender Jugend, Schönheit und Leistungsfähigkeit beinhaltet. Für die homöopathische Sichtweise ist ein ganzheitliches Denken und "Mitleiden" mit dem Patienten / der Patientin Voraussetzung für gute Heilarbeit. Unsere Aufgabe ist es, das Individuum zu sehen, zu unterstützen und zu begleiten. Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, formuliert dazu ganz einfach und deutlich: "Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man heilen nennt" (§1 des Organons)."
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Gudrun Barwig, Hp
Rilkestrasse 13
90419 Nürnberg
www.frauenweise.de
Hormone: Botinnen der Weiblichkeit I
Vom ersten Blut bis zur letzten großen Pause
von Verena Rosar
22.12.2004 - "Ich rege an, ich wecke auf", so lautet die Übersetzung des griechischen Verbs "hormao". Gleichzeitig stehen diese Worte auch für den Versuch, die Wirkung von Hormonen in unserem Körper zu erklären. Denn ihre Konzentration ist nicht immer gleichbleibend, sondern abhängig von unserem Lebensrhythmus. Hormone sind ein Mix chemischer Substanzmengen, dessen Zusammensetzung sich verändern kann bei jeder Laune, jedem Atemzug und Herzschlag, das Mischungsverhältnis wechselt mit den Tageszeiten, den Wetterperioden, bei Gesundheit und Krankheit.
Die Bildungsorte dieser Informationsträger finden sich unter anderem in so genannten übergeordneten Organen und werden von hier an den Blutkreislauf abgegeben, von wo sie wiederum zu bestimmten Zielorganen bewegt werden, die dann auf ihre Ankunft reagieren.
Im Folgenden wird der Mechanismus eines solchen Kreislaufs anhand des weiblichen Zyklus noch verdeutlicht.
Dieser spezielle hormonelle Kreislauf funktioniert reibungslos wenn folgende Organe daran teilnehmen, wie Mitglieder eines Orchesters, die nur gemeinsam harmonisch musizieren können.
Als Dirigent fungiert der Hypothalamus im Gehirn, mit seiner ersten Geige der Hypophyse, die auch als Hirnanhangdrüse bezeichnet wird. Den Hauptanteil der vorgegebenen Melodie tragen dann die Eierstöcke, die mit ihren Hormonen Östrogen und Progesteron (letzteres wird auch als Gestagen bezeichnet) nicht nur die Gebärmutter, sondern auch den Rest des Körpers versorgen. Ob alle erzeugten Töne dann auch zueinander passen, entscheidet der Hypothalamus, wenn sie ihm wieder zu Ohren kommen.
Welche Auswirkungen das Orchester auf unseren Körper hat, wird noch im Einzelnen erläutert.
Die Menarche
Sämtliche Veränderungen, die mit der ersten Regelblutung einhergehen, beruhen auf den Botschaften von Hormonen. Die meisten Mädchen erleben dies im Alter zwischen neun und sechzehn Jahren, der Durchschnitt liegt bei etwa dreizehn Jahren. Zuerst beginnen die Brustknospen sich zu entwickeln, mit einer wachsenden Wölbung, die eventuell auch jucken oder etwas schmerzen kann. Dann folgt die erste Scham- und Achselbehaarung und nach einigen Monaten die erste Blutung. In den folgenden Jahren können die Zyklen noch unrhythmisch verlaufen, bis die weiblichen Organe voll ausgereift sind und jeder Monat mit einem regelmäßigen Eisprung einhergeht. Die meisten Mädchen haben zum Zeitpunkt ihrer Menarche schon ihre spätere Körpergröße erreicht und wachsen danach nur noch wenige Zentimeter.
Verantwortlich für den harmonischen Ablauf des Übergangs vom Mädchen zur Frau ist besonders das Östrogen. Es bewirkt, dass durch das Wachsen der Milchkanäle und durch Fettaufbau die Brüste größer werden. Auch das Erscheinen von Achsel- und Schambehaarung, sowie das Wachsen der inneren weiblichen Organe (Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter) sind darauf zurückzuführen.
Wie funktioniert nun aber genau der hormonelle Kreislauf?
Ausgangspunkt ist der Hypothalamus. Er ist ein Teil des Zwischenhirns und kann als regulierendes Verbindungsglied zwischen dem Gehirn und dem hormonellen System bezeichnet werden. Sein Aufgabenfeld ist weit und schon an dieser Stelle sei gesagt, dass diese Funktionen wichtig sein werden für das Verständnis der Wechseljahresbeschwerden. Der Hypothalamus steuert Körpervorgänge wie die Temperaturregulierung, Hunger, Durst und Sexualtrieb. Er reagiert auch auf Stress und seelische Erschütterungen. Daher erleben viele Frauen in Zeiten starker Belastung, dass ihre Perioden unregelmäßig sind oder zeitweise ganz ausbleiben.
Wahrscheinlich ist dies darauf zurück zu führen, dass der Körper sich in Ausnahmesituationen und Notzeiten vor einer Schwangerschaft schützt.
Seine dirigierende Rolle in der Fortpflanzung hat der Hypothalamus inne, da er derjenige ist, der den Zyklus überwacht.
Funktionieren kann das nur, wenn ihm gewisse "Zustände" im Körper gemeldet werden. Während der Menstruation ist der Hormonspiegel von Östradiol und Progesteron im Blut stark abgesunken. An verschiedenen Stellen im Blutgefäßsystem sitzen nun kleine "Mess- und Meldestationen", sie registrieren den niedrigen Pegel und reichen die Information weiter. Der Hypothalamus empfängt sie und ist nicht damit zufrieden, denn er möchte eine bestimmte Menge von Östradiol und Progesteron im Blut immer aufrecht erhalten. Also gibt er der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) Zeichen wiederum in Form von Hormonen, die als Überbringer dienen. Es handelt sich hierbei um die so genannten Gonadotropin releasing Hormone. Der Hypothalamus befiehlt mit ihnen der Hypophyse ihrerseits tätig zu werden.
Sie wird Gonadotropine ausschütten. Das sind Hormone, die auf die Gonaden, also auf die Keimdrüsen (Eierstöcke) wirken. Damit ein neuer Zyklus beginnen kann und mit ihm ein Eisprung stattfindet, wird nun als erstes Gonadotropin das follikelstimulierende Hormon (FSH) ausgesandt. Es wandert zu den Eierstöcken und sorgt dafür, dass eben dort ein Eizellwachstum einsetzt. Geschützt und ernährt werden Eizellen von den Eibläschen, die sie umgeben. Zusammen werden eine Eizelle und ein Eibläschen als Follikel bezeichnet. Wunderbarerweise können die entstandenen Follikel jetzt den Hypothalamus zufrieden stellen, indem sie Östradiol produzieren, welches ans Blut abgegeben und dort wieder registriert wird. Kurz vor dem Eisprung wird von der Hypophyse das zweite Gonadotropin das luteinisierende Hormon (LH) abgegeben. Wenn die Eizelle gesprungen ist und sich auf ihre Wanderschaft durch den Eileiter begeben hat um dort vielleicht befruchtet zu werden, bleibt ihre Umhüllung im Eierstock zurück. Dieses ehemalige Eibläschen wird zum Gelbkörper (Corpus luteum) und in seinem Dasein vom LH aus der Hypophyse unterstützt, denn er muß neben Östradiol noch Progesteron produzieren. Die Bezeichnung für dieses Gestagen kommt auch aus dem Griechischen und kann übersetzt werden mit: "für eine Schwangerschaft". Kommt es nicht zur Befruchtung der Eizelle und sämtliche hormonelle Vorhaben erweisen sich als sinnlos, die aufgebaute Schleimhaut in der Gebärmutterhöhle wird also gar nicht gebraucht, dann sinkt die Produktion von Östradiol und Progesteron wieder ab. Die Schleimhaut wird nicht mehr ernährt und der Gelbkörper bildet sich zurück. So schließt sich der Kreis, die Blutung setzt ein und das Spiel kann von Neuem beginnen. Gerade die Tatsache, dass der Hypothalamus stets eine bestimmte Menge der weiblichen Eierstockhormone im Blut haben möchte, wird noch wichtig sein für die Zeit der Umstellung in der Menopause.
Wenn Hormone wie die Pille von außen zugeführt werden, wird dem Hypothalamus diese stets gleichbleibend vorhandene Menge vorgaukeln, dass alles in bester Ordnung sei. So unterläßt er seine Botschaften an die Hirnanhangdrüse, diese schickt auch kein follikelstimulierendes Hormon zu den Eierstöcken, also wird hier auch kein Follikel wachsen. Es findet kein Eisprung statt.
Das Ei springt
Die reife Eizelle rückt immer näher mit ihrem Eibläschen zur Oberfläche des Eierstocks hin. Genau hier wird die Oberfläche immer dünner, so weit, dass sie aufreissen kann, wenn der Follikel platzt. Durch die Öffnung gelangt die Eizelle aus dem Eibläschen nach außen. Zur gleichen Zeit bewegen sich die Fransentrichter des Eileiters zu der entstandenen Öffnung hin. Sie fangen die wandernde Eizelle auf und sie braucht nun vier bis sechs Tage bis sie in der Gebärmutter ankommt. |
Botinnen der Weiblichkeit
Ohne Östradiol und Progesteron würde sich die Schleimhaut in der Gebärmutter nicht aufbauen, es käme niemals zu einer Schwangerschaft. Östradiol, das besonders in der ersten Zyklushälfte dominant ist, um die innere Schicht der Gebärmutter auf eine Einnistung vorzubereiten, ist außerdem zuständig für die Fettverteilung, die unsere weiblichen Rundungen ausmacht. Es sorgt für eine ausgewogene vaginale Schleimproduktion, es unterstützt den Körper in den fruchtbaren Tagen in seinem Lustempfinden und es ist Mitspielerin auf der positiven Seite des Knochenstoffwechsels. Progesteron, welches in der zweiten Zyklushälfte größtenteils vorhanden ist, ist die Gegenspielerin, die Östradiol den Zügel anlegt um überschiessende Reaktionen zu vermeiden. Denn sollte Östrogen im Körper überproportional stark vertreten sein, kann es zu Beschwerden wie Wassereinlagerungen, Brustschwellungen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme kommen. Progesteron ist außerdem wichtig für das Überleben des Embryos wenn es zu einer Befruchtung gekommen ist. Die Produktion im Eierstock geht solange weiter, bis ein Mutterkuchen gewachsen ist und selber Hormone abgeben kann, die die Schwangerschaft erhalten. Progesteron schützt auch vor Gebärmutterkrebs und wirkt sich ebenfalls günstig auf den Knochenstoffwechsel aus.
Abgesehen davon, erhöht es die Körpertemperatur. Frauen die eine Basaltemperaturkurve führen, erkennen dies am Ansteigen derselben um 0,4 - 0,6 Grad nach dem Eisprung. Bis zur Menstruation bleibt die Temperatur auf ihrem erhöhten Niveau. Wenn sie sich nicht verändert, hat es keinen Eisprung gegeben. Folgerichtig bildet sich kein Gelbkörper, also wird in dem Fall kein Progesteron ausgeschüttet.
Was passiert wenn diese Hormone nicht mehr in genügender Menge gebildet werden?
In der Zeit der fruchtbaren Jahre kann es allenfalls zu einer Dysbalance der Hormone untereinander kommen, was sich oftmals ausdrückt in Beschwerden wie oben beschrieben, die auf einem Zuviel an Östrogenen beruhen. Ursachen wie beispielsweise eine Gelbkörperschwäche, müssen immer individuell gesucht werden, d.h. auch durch Blutentnahmen, um die exakte Konzentration der Hormone zu ermitteln. Sinnvoll ist dies nur, wenn innerhalb eines Zyklus dreimal das Blut untersucht wird. In der Mitte der ersten Hälfte, zur geschätzten Eisprungzeit und in der Mitte der zweiten Hälfte. Nur so läßt sich ein kompletter Hormonstatus erstellen. Jede Frau sollte darauf bestehen, bevor ihr Hormone verschrieben werden, um angebliche Defizite auszugleichen.
Der Basishormonstatus sollte am Morgen des 3. Zyklustages erfolgen. Er beinhaltet die Hormone Prolaktin, LH, FSH, Östradiol, Progesteron, Testosteron, DHE-A-S, fT3/fT4 und TSH. Zur Eisprungzeit: Östradiol, LH und Progesteron. Eine dritte Progesteronkontrolle um den 21. Tag wird entweder den stattgefundenen oder den ausgebliebenen Eisprung belegen. |
Das Überwiegen von Östrogenen wird allerdings auch interessant auf dem Weg zu den Wechseljahren. Denn hier gibt es eine Zeitspanne, in der diese Dominanz natürlich ist. Die hormonelle Veränderung, die das Ende der weiblichen Gebärfähigkeit markiert, geschieht nicht über Nacht, sie ist Teil einer Übergangsphase, die zehn bis fünfzehn Jahre dauert. Medizinisch betrachtet beginnt sie eigentlich schon im Alter von 35 Jahren. Denn hier beginnt die so genannte Praemenopause, also die Zeit vor den eigentlichen Wechseljahren. Sie wird auf ungefähr zehn Jahre eingegrenzt. Und dies ist der Zeitraum, in dem der übliche Rhythmus des monatlichen Zyklus sich verkürzen kann, manchmal nur drei statt vier Wochen dauert und auch die Blutung selber kann schwächer oder stärker als sonst sein. Der Eisprung tritt womöglich früher auf, vielleicht schon am siebten Tag, aber auch die zweite Phase kann verkürzt sein.
Woran liegt das?
Normalerweise bildet Progesteron ein Gegengewicht zum Östrogen aus, das erste Zeichen für die körperliche Umstellung ist jedoch der Progesteronmangel. Somit ist es das erste Hormon, das uns verlässt. Natürlich nicht bei Nacht und Nebel, sondern langsam aber sicher. Dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass aufgrund der Verschiebung zugunsten von Östrogen, vielerlei Beschwerden auftreten können. Die Brüste können knotiger erscheinen, da sich vielleicht Zysten und Fibroadenome bilden, sie können schmerzen aufgrund von Spannungsgefühlen. Wenn Frauen schon vorher Myome oder Endometriose haben, können diese noch wachsen, da sie östrogenabhängig sind. Die monatliche Blutung kann schmerzhaft sein, da Progesteron normalerweise die aufgebaute Schleimhaut in der Gebärmutter schwammartig auflockert. Wenn das unterbleibt, kann die Ablösung derselben erschwert sein. Nach den Wechseljahren hören solche Beschwerden in den meisten Fällen auf.
Der relative Rückgang von Progesteron in der Praemenopause erklärt auch das Abnehmen der Fruchtbarkeit, eine 40jährige Frau ist nicht mehr so empfängnisbereit wie eine 25jährige Frau.
Bei der jüngeren Frau ist die Gebärmutter, durch das regelmäßig harmonische Wechselspiel von Östradiol und Progesteron wesentlich öfter aufnahmebereit für eine befruchtete Eizelle.
Die Menopause
Eigentlich handelt es sich hier nicht um eine Pause, denn danach kehren wir ja nicht in den vorherigen Zustand zurück. Wie am Begriff der Praemenopause schon sichtbar wurde, werden die Wechseljahre in Stadien eingeteilt und nun folgt die Perimenopause, die Zeit um die Menopause herum. Auch diese umfasst wieder ungefähr zehn Jahre (45 - 55). Wobei natürlich nicht alle Frauen dies zu demselben Zeitpunkt und in derselben Zeitspanne erleben. Das ist individuell sehr unterschiedlich. Gleichzeitig handelt es sich um die Zeit der "berüchtigten" Hitzewallungen. Wie wir wissen erhält der Hypothalamus regelmäßig Bericht über die Hormonsituation. Nun ist es aber so, dass im Alter von 40 Jahren nur noch einige tausend Eizellen in den Eierstöcken sind. (Zum Vergleich: Bei der Geburt sind es drei- bis vierhunderttausend, bei der ersten Menstruation sind es noch 75.000) Und in dem Maße wie die Follikelanzahl abnimmt, werden die ständige Produktion von Östrogen und die zyklische Abgabe von Progesteron unberechenbar. Da der Hypothalamus das nicht tolerieren möchte, schickt er seine Gonadotropin releasing Hormone auf die Reise zur Hypophyse, damit diese verstärkt follikelstimulierendes Hormon (FSH) ausschüttet, um Follikel in den Eierstöcken zum Wachstum anzuregen. Die wenigen verbliebenen Eizellen sind aber irgendwann nicht mehr empfänglich für die chemischen Signale der Hypophyse. Der Hypothalamus weist die Hypophyse an, ständig größere Mengen an die Eierstöcke abzugeben, in dem verzweifelten Bemühen, die Follikel zum Wachstum und zur Hormonproduktion zu motivieren. Wenn Frauen in dieser Phase zur Blutentnahme gehen, wird der FSH-Gehalt sehr hoch sein und ihnen wird gesagt, sie befänden sich in den Wechseljahren. Schließlich reicht selbst ein enorm hoher FSH-Spiegel nicht mehr aus, die wenigen Zellen zur Produktion einer ausreichenden Menge Östrogen zu bewegen. Es findet kein Eisprung statt und die Blutung bleibt aus.
Nun ist es ja so, dass der Hypothalamus noch viele andere Körperfunktionen überwacht, die Schwankungen der weibliche Hormone bringen ihn jedoch aus dem Gleichgewicht. Sie beeinträchtigen seine Arbeit bezüglich der Wärmeregulation, des Blutdrucks, der Atmung, des Schlaf- Wach- Rhythmus und der Schweißabsonderung. Analog dazu empfinden wir vielleicht Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Schlafstörungen, Kurzatmigkeit und vaginale Trockenheit, weil die hier lokalisierten Schleimdrüsen nur auf Östrogen reagieren. All diese Symptome können, müssen aber nicht auftreten. Wichtig ist, dass alle körperlichen Anzeichen der Umstellungsphasen vorüber sind mit dem Stadium der Postmenopause.
Das ist die Zeit nach den Wechseljahren: Wenn ein Jahr nach der letzten Menstruation keine weitere Monatsblutung erfolgt ist, wird davon ausgegangen, dass sich eine Frau in der Postmenopause befindet. Eine Schwangerschaftsverhütung ist auch mindestens noch so lange notwendig.
Danach hat sich der weibliche Körper zur Ruhe gesetzt und auch Myome, Endometriose und Spannungsgefühle in den Brüsten haben keine Chance mehr.
Die amerikanische Gynäkologin Susan Love bezeichnet die Wechseljahre als "umgekehrte Pubertät". So wie wir als Mädchen Hormonschwankungen ausgesetzt sind, um in die fruchtbaren Jahre einzutreten, so verlassen wir sie auf dem umgekehrten Wege. Dass nur die Wechseljahre so stark pathologisiert werden, muß daran liegen, dass unsere Gesellschaft die junge Frau mit derselben Intensität zum Maß aller Dinge hochstilisiert, wie sie die ältere abwertet.
Ungefähr 70% aller Frauen haben nur wenige Beschwerden während der Wechseljahre. Nach einem oder zwei Jahren mit unregelmäßigen Blutungen und einigen Hitzewallungen bleibt die Periode einfach aus. 10 - 20 % haben überhaupt keine Probleme. Der Rest verbleibt mit stärkeren Beeinträchtigungen.
Mögliche Symptome in den Wechseljahren
Hitzewallungen, Erröten, Nachtschweiß, Scheidentrockenheit, Schlaflosigkeit, gestörter Geruchs- und Geschmackssinn, Aufwachen in den frühen Morgenstunden, erstmaliges Auftreten von Allergien, Schwankungen des sexuellen Verlangens, Frösteln, Verdauungsstörungen, plötzliche Pulsbeschleunigungen, grundloses Weinen, Wutausbrüche, Überempfindlichkeit gegen Berührung durch andere, häufiges Wasserlassen, Gewichtszunahme |
Sind Gebärmutter und Eierstöcke jetzt überflüssig?
Nein.
Beide sind Organe die ihre wohlgeordnete Stellung im weiblichen Stoffwechsel haben. Spätestens seitdem klar geworden ist, dass Frauen nach der Entfernung ihrer Gebärmutter vier bis fünf Jahre früher in die Wechseljahre eintreten als normal, ist sicher, dass es eine Interaktion zwischen der Gebärmutter und den Eierstöcken geben muß.
Sie stellt Substanzen her, die einen Einfluss haben auf das Schmerzempfinden, sowie auf Wohl- und Glücksgefühle, ihre Kontraktionen gehören zum Lustempfinden vieler Frauen bei der Sexualität, außerdem entsteht die Feuchtigkeit im Gebärmutterhals.
Auch die Eierstöcke funktionieren weiter, denn sie produzieren, ebenso wie die Nebennierenrinden, männliche Hormone. Bezeichnet werden diese als Androgene, von denen Testosteron das wichtigste ist.
Warum ist das wichtig?
Viele Frauen glauben, dass sie nach den Wechseljahren keine Östrogene mehr produzieren. Das stimmt nicht. Denn die an zwei verschiedenen Orten produzierten männlichen Hormone werden im Fettgewebe umgewandelt. Das geschieht mit der Unterstützung des Enzyms Aromatase. Das Produkt dieser so genannten Aromatisierung ist ein Östrogen. Auch nach der Menopause stellt die Frau dieses körpereigene Hormon her. Das Ansetzen von Fettpölsterchen ist also durchaus sinnvoll. Außerdem beschleunigt auch sportliche Betätigung offensichtlich die Umwandlung in den Fettzellen. Die nach den Wechseljahren hergestellte Östrogenmenge ist normalerweise ausreichend, um weiterhin ihre Aufgabe im Stoffwechsel wahrzunehmen.
Gibt es also verschiedene Östrogene?
Das wirkungsvollste ist das Östradiol, das während der fruchtbaren Zeit im allmonatlichen Zyklus gebildet wird. Wie wir später noch sehen werden, ist es in den meisten Fällen dieses Östradiol, das Frauen in den Wechseljahren in Form von Medikamenten zugeführt wird, obwohl das in dieser Lebensphase nicht mehr den natürlichen Umständen entspricht.
In einer Schwangerschaft wird noch eine andere Form hergestellt, nämlich das Östriol.
Das später in den Fettzellen aromatisierte Östrogen ist das Östron.
Oft werden die verschiedenen Varianten Estradiol, Estriol und Estron genannt, da die englische Sprache internationaler Standard ist.
Vom Progesteron gibt es nur eine Form.
Der Einsatz von Präparaten für die Zufuhr von außen ist mit allen genannten Formen möglich.
Der Sinn und Unsinn von Hormongaben wird auch Gegenstand im zweiten Teil von "Hormone sind Botinnen" sein.
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Verena Rosar
Eschenweg 7
41352 Korschenbroich
www.frauennaturheilpraxis.de
Hormone: Botinnen der Weiblichkeit II
Die lebenswerte Zeit nach den fruchtbaren Jahren
von Verena Rosar
22.12.2004 - Die weiblichen Hormone tanzen. Fröhlich durcheinander in der Jugend, bis das Mädchen zur gebärfähigen Frau gereift ist. Ebenso chaotisch und oftmals wild in der Übergangsphase zur erfahrenen, älteren Frau. Beide Lebenszeiten sind natürliche Zeiten. Nach den Wechseljahren sind die Stürme vorüber, der weibliche Körper findet Ruhe und damit eine neue Freiheit. Es gibt keine Menstruationsbeschwerden mehr, Myome bilden sich zurück und eine möglicherweise vorhandene Endometriose verursacht keine Krämpfe mehr. Es ist vorbei mit der Verhütung von Schwangerschaften. Hygieneartikel für die monatliche Blutung werden vom Einkaufszettel gestrichen.
"Ein Grund, warum die Alten so aus der Gesellschaft ausgegrenzt und verteufelt wurden und auch in den Mythen und Märchen so schlecht wegkommen, ist ihre Erfahrung und ihr Wissen. Wer könnte einer jungen Frau alles erzählen, was sie erwartet, wenn nicht die Alte? Wer kennt die Schwächen und Lügen des Systems so genau? Und wer hat endlich keine Angst mehr, alles auszusprechen? Die Alte braucht sich nicht mehr anzupassen, braucht nicht mehr zu gefallen. Sie kann dasitzen und zuschauen, und wenn sie Lust hat, spricht sie. Die Alte kämpft nicht, sie ist. Der Zustand der Drachengroßmutter ist der der nicht mehr menstruierenden Frau, die den Zyklus des Blutes beendet hat und ihre Weisheit lebt."
Luisa Francia, "Drachenzeit"
Dennoch sehen sich Frauen mit dem Schrecken von Krankhaftigkeit konfrontiert. In Fernseh- und Zeitungsreportagen, die sich den Anstrich von Objektivität geben, während in Wirklichkeit medizinische Aussagen dahinter stehen. die zustande gekommen sind durch eine tiefe Verbeugung vor den eigenen finanziellen Interessen und einer starken Pharmaindustrie.
Frauen wird glaubhaft versichert, dass sie ohne Hormone zu herzkranken, buckeltragenden und faltigen Wesen werden. Kaum überlebensfähig also. Ein selbstbewusster Widerstand kann sich nur durch ausreichend vorhandenes Wissen entwickeln.
Die Hormonersatztherapie
Östrogene und Gestagene (Progesteron) werden in den Eierstöcken produziert. Diese Situation verändert sich mit dem Wechsel in eine neue Lebensphase. Es wachsen keine Eizellen für eine eventuelle Befruchtung mehr heran. Eine mögliche Mutterschaft ist von nun an ausgeschlossen. Da die beiden Hormone jedoch nicht nur ausschließlich die nachwuchsgarantierende Funktion hatten, sondern auch für andere Körperbelange zuständig sind (siehe hierzu Teil 1" Vom ersten Blut bis zur letzten großen Pause") glaubt die Medizin, sie grundsätzlich ersetzen zu müssen.
Die Einnahme solcher Substanzen ist nie natürlich, denn nach der Menopause liegen Hormone einfach nicht mehr in so hohen Konzentrationen im Körper vor, wie sie nun von außen zugeführt werden. Es handelt sich um einen Eingriff in jeweils individuell unterschiedliche Organismen. Viele der eingesetzten Hormone entsprechen nicht den körpereigenen, sie haben eine andere Struktur und setzen sich mengenmäßig anders zusammen. In dieser Form hätte der eigene Stoffwechsel sie nie hergestellt. Es wird also gar nicht etwas ersetzt, was fehlt, sondern etwas wird künstlich dazugegeben, ohne dass danach verlangt worden wäre.
Welche medikamentösen Möglichkeiten der Ersatztherapie gibt es im Einzelnen?
Viele Jahre hat man geglaubt, es sei damit getan, die wichtigste Protagonistin, das Östrogen zu verabreichen. Eine der wesentlichen Aufgaben dieses Hormons ist der monatliche Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Obwohl nach den Wechseljahren unnatürlich, findet dieses Wachstum nun weiterhin dauerhaft durch die Einnahme des entsprechenden Präparates statt. Es stellte sich bald heraus, dass die alleinige Zufuhr von Östrogen zu oft Gebärmutterkrebs hervorruft. Ein Kunstfehler in der heutigen Zeit, einer Frau mit noch vorhandener Gebärmutter nur Östrogen zu verschreiben. Durch das Beifügen von einem Gestagen soll der riskante Effekt dadurch vermieden werden, dass die Gebärmutterschleimhaut regelmäßig abblutet. Gängig sind mittlerweile Kombinationen, die beide Hormone als Wirksubstanz enthalten.
Möglich ist das beispielsweise in einer zyklischen Form. Dabei wird täglich Östrogen eingenommen und in den letzten zwölf Tagen zusätzlich ein Gestagen. Wenn diese Einnahme unterbrochen wird, kommt es zur Blutung. Dabei handelt es sich also um eine Nachahmung der regelmäßigen Menstruation. Nach sieben Tagen beginnt ein neuer Einnahmezeitraum. Frauen mit einer solchen Hormonersatztherapie bluten über Jahre gesehen länger als die Natur vorgesehen hat. Ein offenes Einfallstor für AssistenzärztInnen, um sich an der chirurgischen Entfernung der Gebärmutter zu versuchen. Vorgeschlagen wird Frauen dieser Eingriff wegen ihrer doch so "lästigen" Blutungen. Zugute kommt er eben außerdem KlinikärztInnen, die die Operation noch für den Nachweis innerhalb ihrer Facharztausbildung benötigen.
Welche Östrogene gibt es?
Natürliche Östrogene: 17-ß-Östradiol, Östradiovalerianat, Östron, Östriol
Konjugierte Östrogene: eine Mischung aus Östrogenabkömmlingen, die bei der Frau nicht vorkommen, die an Schwefelsäure gebunden sind
Synthetische Östrogene: auf chemischem Wege künstlich hergestellt
Ein häufig verwendetes Präparat ist beispielsweise "Presomen compositum". Es enthält konjugierte Östrogene und ein Gestagen.
Eine weitere Möglichkeit ist die durchgehende Einnahme von Hormonen. Auch hier sind Östrogen und Gestagen kombiniert, letzteres aber in so niedriger Dosierung, dass dadurch keine Blutung ausgelöst wird, gleichzeitig aber dennoch die wachstumsanregende Wirkung von Östrogen kontrolliert wird. Gänzlich können Blutungen jedoch nicht verhindert werden. Wenn sie dann auftreten, sind sie immer ein Anlass zur Biopsie (Gewebeprobe durch Punktion) wegen dem Verdacht auf ein Gebärmutterkarzinom.
Auch der Östrogengehalt in einem Pflaster regt die Schleimhaut zum Wachstum an, deswegen muß auch hier Gestagen zusätzlich genommen werden, es gibt die Möglichkeit der Kombination in einem Pflaster.
Schon an dieser Stelle sei erwähnt, dass Gestagene die günstige Wirkung, die Östrogene auf unsere Blutgefäße, das Herz und die Fettwerte haben, wieder aufheben. Eine kombinierte Hormonersatztherapie hat also auf diesem Gebiet keinen günstigen Effekt. Und nur Frauen ohne Gebärmutter können alleinig Östrogene einnehmen.
Für alle anderen gilt, dass sie in halbjährlichen Abständen den Zustand ihrer Gebärmutterschleimhaut gynäkologisch überprüfen lassen müssen.
Ein weiterer Abrechnungspunkt.
Mögliche Nebenwirkungen der Hormonersatztherapie
Überempfindlichkeit der Brüste; Prämenstruelles Syndrom; Hautausschlag; verstärktes Wachstum von Gesichts- und Körperbehaarung; Migräne; Schwindel; Kopfschmerzen; Depressionen; fleckige Haut, die dauerhaft bestehen bleiben kann
Ein Abbruch der Therapie ist angezeigt bei:
Anzeichen einer Venenentzündung (müde, schwere, anschwellende Beine); Gelbsucht (ein Zeichen dafür, dass die Leber die Hormone nicht mehr richtig abbauen kann); plötzliche Sehstörungen; migräneartige Kopfschmerzen; Hörstörungen
Ein Spannungsgefühl in den Brüsten und Ausfluß sind übrigens ein Zeichen dafür, dass zuviel Östrogene verabreicht werden. Zwischen- oder Schmierblutungen bedeuten, dass die Gestagenmenge neu angepasst werden muss. Hier zeichnet sich bereits das nächste Problem ab: Die mangelnde individuelle Anpassung. Gerade zu Zeiten des Umbruchs in den Wechseljahren ist die hormonelle Situation nicht gleichbleibend. Für jede Frau müsste mittels Blutentnahmen ihr eigenes Hormondefizit bestimmt werden, um dann die medikamentöse Gabe danach auszurichten. Denn es wirft sich die Frage auf: Wie viele Östrogene kreisen noch in ihrem Blut? Danach richtet sich ganz wesentlich die zu ersetzende Menge. Es wäre von Vorteil, jeweils nur die niedrigstmögliche Dosis zu verabreichen, die kleinste Östrogenmenge also, bei der die individuellen Mangelerscheinungen verschwinden. Empfehlenswert ist gerade in der ersten Zeit der Hormoneinnahme, alle zwei Monate die aktuellen Werte zu untersuchen und dann ungefähr jedes halbe Jahr.
"Es ist praktisch sicher, dass je nach dem individuellen Stoffwechsel einer Frau, ihrer Körpergröße und ihren körpereigenen Hormonspiegeln das Medikament vom Organismus jeweils anders aufgenommen wird. Dennoch wird kaum ein Versuch gemacht, die Dosis individuell anzupassen. ... Einstweilen muß sich jede Frau, die ein Hormonpräparat einnimmt, im klaren sein, dass sie Versuchskaninchen in einem großangelegten Experiment spielt."
Dr.med. Susan Love; "Das Hormonbuch"
Was verbindet uns mit Pferden?
Nichts.
Außer der Tatsache, dass viele Frauen täglich mit ihrer Hormontablette Pferdeurin schlucken. Denn gängige Präparate wie "Presomen" werden aus dem Urin trächtiger Stuten gewonnen. Um die erforderlichen Mengen zu gewinnen, müssen Zehntausende jährlich gedeckt werden. Die Tiere stehen in engen Boxen auf besonderen Farmen und tragen Vorrichtungen, die ihre gewinnbringenden Ausscheidungen auffangen. Da es effizienter ist, wenn der Urin hochkonzentriert vorliegt, bekommen die Stuten wenig zu trinken. Nach der Geburt werden die Fohlen routinemäßig geschlachtet, das Muttertier wird erneut gedeckt.
"Presomen" beispielsweise enthält zwei Pferdeöstrogene, die im menschlichen Körper nicht vorkommen. Sie sind uns fremd. Ihre Konzentration ist wesentlich höher als die üblichen Östrogenspiegel im weiblichen Organismus. Hinzu kommt, dass sie langsamer abgebaut werden und deshalb stärker wirken.
Der Mediziner Wolfgang Gerz hat das bemerkenswerte Buch "Natürliches Progesteron" von J.R.Lee aus dem Amerikanischen übersetzt und schreibt im Vorwort: "Warum sich so viele Frauen mit einem Östrogengemisch aus Pferdeurin behandeln lassen, ist mir unklar. Die darin vorkommenden Östrogene werden aus dem Urin trächtiger Stuten gewonnen und sind sicher natürliche Östrogene - aber eben für Pferde, nicht für Frauen. Auch hier ist wohl die Ursache der Irreführung der Frauen die wohl absichtlich geschaffene Sprachverwirrung durch den medizinisch-industriellen Komplex: (MIK) alles, was östrogenartige Wirkung hat, wird mit dem Wort "Östrogene" bezeichnet - egal, ob es sich um Pferdeöstrogene handelt oder um chemisch veränderte Östrogen-ähnliche Substanzen, die für den MIK aus finanzträchtigen (Patent)gründen lukrativ sind."
Nicht einmal ein Drittel aller Frauen haben starke Beschwerden durch ihre Wechseljahre. Nichts spräche jedoch dagegen, diesen eine gewisse Zeit des Übergangs durch Hormone zu erleichtern, besonders wenn sie ansonsten in ihrer Lebensführung durch die Symptome sehr beeinträchtigt wären. Viele Risiken stehen allerdings gegen eine jahrelang anhaltende Dauereinnahme.
Das Brustkrebsrisiko
Begünstigen Hormone die Krebsentwicklung?
Die WHI-Studie im Jahr 2002 (USA) und die Million Women Study im Jahr 2003 (Großbritannien) haben diesen Verdacht, der viele Jahre lang als unbegründet abgetan wurde, eindrucksvoll durch Zahlen bestätigt. Die WHI-Studie gibt eine Risikozunahme um 26% an bei Frauen, die künstliche Hormone in den Wechseljahren einnehmen. Mittlerweile muss dieser Tatsache beim Auflisten der Nebenwirkungen in den entsprechenden Beipackzetteln der Medikamente Rechnung getragen werden.
Das Brustdrüsengewebe besteht aus den Milchdrüsenläppchen und dazugehörigen Milchgängen. Deren Entwicklung und Wachstum ist von Östrogen und Progesteron abhängig.
Nach den Wechseljahren setzt sich auch die Brust zur Ruhe, das Drüsengewebe bildet sich zurück. Wenn Frauen Hormone einnehmen, bleibt das Gewebe in seiner Struktur und seinem Aufbau erhalten, dadurch erschwert es beispielsweise das Auffinden eines eventuellen Knotens beim Tastbefund. Im Röntgen erscheint das Drüsengewebe weiß und das Fettgewebe dunkel. Da auch Knoten, sowohl gut- als auch bösartig, sich weiß darstellen, sind sie schwerer zu diagnostizieren als in einer Brust, die überwiegend dunkel erscheint, da sie altersentsprechend vorwiegend Fettgewebe aufweist.
"Krebs- und Drüsengewebe haben dieselbe Dichte, für die Mammographie hat dies den Effekt, dass man einen Eisbären im Schnee suchen muß." Dr. med. Susan Love
Im menschlichen Körper können immer wieder Krebszellen entstehen, die vom Abwehrsystem erkannt und beseitigt werden. Sie können sich auch innerhalb einer Struktur aufhalten und dort bleiben ohne jemals auszubrechen, also ohne jemals das Leben zu beeinträchtigen. Möglich ist dies eben auch in einem Milchdrüsenläppchen oder einem Milchgang. Beide reagieren auf die Zufuhr von Östrogen und Progesteron. Sollten sich innerhalb ihrer anatomischen Grenzen bösartige Zellen aufhalten, so können sie nun beginnen zu wachsen, unterstützt durch die Hormone, die wirken wie Dünger.
Pseudoöstrogene und Östrogenisierung der Umwelt
Der weibliche Körper produziert nach den Wechseljahren noch immer eigenes Östrogen, das Östron. Durch Hormongaben entsteht eine zusätzlich unphysiologisch hohe Konzentration. Als würde das noch nicht reichen, gibt es auch noch eine Reihe von Schadstoffen, die sogenannte Pseudoöstrogene enthalten. Der Name entstand, weil bestimmte Substanzen sich im Körper verhalten, wie Östrogene. Das heißt sie lösen Reaktionen aus, die sonst nur auf das echte Hormon entstehen würden. Solche Chemikalien, die in das Hormonsystem eingreifen, sind allgegenwärtig. Vom Benzin bis zur harten Kontaktlinse, von der Zahnfüllung bis zur Innenbeschichtung von Konservendosen, von Klebstoffen bis zur Plastikfolie. Vor allem aber Pestizide, PCB (am höchsten immer noch in küstennah lebenden Fischarten vorhanden), Insektizide und Lösungsmittel. Diese Substanzen werden über Atemluft und Nahrung aufgenommen und im Fettgewebe gespeichert.
Hinzu kommt, dass alle Frauen, die die Pille und Wechseljahreshormone einnehmen, die darin enthaltenen Östrogene ausscheiden. Selbst über mehrere Klärstufen hinweg können diese im Klärwerk nicht abgebaut werden. Sie gelangen wieder zurück in den Haushalt, in unser Trinkwasser. Ein weiterer Rückweg geht über landwirtschaftliche Produkte, die mit östrogenhaltigem Wasser gegossen wurden, was zugleich auch eine Belastung des Grundwassers bedeutet.
Ein Beweis dafür, dass die unnormale Hormonkonzentration das Erbmaterial beeinflussen kann, ist die Verweiblichung mancher Wassertiere. 1989 wurde in Quebec ein toter Belugawal gefunden, der zwei Eierstöcke, eine Gebärmutter und zwei Hoden hatte. Auch die zunehmende Unfruchtbarkeit von Männern ist unter anderem auf das Phänomen der Östrogenisierung in der Umwelt zurückzuführen.
Ein Wort zur Osteoporose
Die Vision des körperlichen Zusammenbruchs ist der Motor für die Hormonersatztherapie.
Nur 25% aller Frauen entwickeln überhaupt jemals eine Osteoporose.
Im Knochenstoffwechsel überwiegen in den ersten 20 - 30 Lebensjahren die Aufbauprozesse. Mit ungefähr 35 Jahren ist die Spitzenknochenmasse erreicht, die gesamte Knochenmasse, über die der Körper jemals verfügen wird. Nach diesem Altersgipfel geht der Knochenaufbau natürlich im Bedarfsfalle weiter. Auch im Knochen findet ein ständiger Auf- und Abbau von Gewebsstrukturen statt. Den üblichen Knochendichtemessungen liegen zwei Normwerte zugrunde. Einmal der einer 35jährigen Frau im Zustand der schönsten Spitzenknochenmasse und einmal der von gleichaltrigen Frauen. Beide werden zum Vergleich herangezogen. Schon den ersten Wert kann eine über 50jährige Frau kaum erreichen, denn es wäre unnormal, hätte sie die Knochenmasse einer 35jährigen Frau. Dieser Vergleich rechtfertigt nicht die Diagnose einer Osteoporose. Zulässig wäre höchstenfalls der Vergleich auf der gleichaltrigen Ebene. Aber auch das alleine reicht nicht aus. Um einen krankhaften Knochenabbau individuell regelrecht zu erkennen, bedarf es mindestens zweier Untersuchungen an derselben Stelle (beispielsweise Wirbelsäule), mit demselben Gerät, nach einer Zeitspanne von zwei Jahren.
Nach nur einer Knochendichtemessung eine vorliegende Osteoporose zu diagnostizieren hat höchstens einen finanziellen Aspekt.
Hinzu kommt, dass die Knochendichte, durch die Osteoporose definiert wird, ziemlich hoch angesetzt wurde. Dadurch fallen die meisten älteren Frauen in die Kategorie: "erkrankt".
Es existiert kein eindeutige und alleinige Ursachenzuweisung zwischen Östrogenmangel und Osteoporose. Sicher ist nur, dass Östrogen einer von vielen Schutzfaktoren für den Knochenstoffwechsel ist. Unabhängig vom Östrogen gibt es Frauen, die schnell Knochenmasse abbauen, welche, die sie langsam abbauen und auch die Stellen, an denen ein Schwund auftritt variieren erheblich. Sogar Frauen unter Östrogentherapie erleiden Knochenbrüche.
Welche Faktoren begünstigen eine Osteoporose?
Mangelhafte Ernährung mit Calcium und Vitamin D; wenig körperliche Bewegung; eine sitzende Lebensweise fördert den Verlust an Knochenmasse; Nikotin, Alkohol, Koffein; Cortison; zierlicher Körperbau; mäßiges Übergewicht kräftigt die Knochen; Gebärmutter- und Eierstockentfernungen; gehäuft Osteoporose in der Familie
Viele Knochenbrüche haben mehr mit der Wahrscheinlichkeit eines Sturzes zu tun, als mit der Knochendichte. Zu nennen wären hier unter anderem Sehprobleme, schwache Beinmuskeln und Stolperfallen wie Teppichkanten und Stufen in der Wohnung, aber damit lässt sich nicht so gut Geld verdienen wie mit einer angeblich verminderten Knochendichte.
"Es wird empfohlen, dass Frauen bald nach der Menopause mit einer Östrogeneinnahme beginnen und diese auf Dauer fortsetzen sollten. Daran ist problematisch, dass diese Einnahme vielleicht 30 Jahre oder länger fortgesetzt werden muß. Welche Risiken das nach sich zieht weiß niemand. Es ist unklar, welche Frauen Knochenbrüche erleiden werden und welche nicht. Und da sollen wir sie vorsorglich der Gefahr all der Erkrankungen aussetzen, die Östrogen hervorrufen kann? Auf diese Weise könnte es sein, dass ein gebrochenes Handgelenk gegen Brustkrebs eingetauscht wird."
(Dr. med. Susan Love)
Sowohl als Vorbeugung gegen eine Abnahme der Knochendichte, als auch gegen die Entwicklung von Brustkrebs haben sich eine gute Ernährung und regelmäßige Bewegung bewährt. Vegetarierinnen scheiden aufgrund ihrer ballaststoffreichen Nahrung mehr Östrogene aus, als Frauen, die sich anders ernähren. Besonders tierische Fette sollten vermieden werden, ebenso Transfettsäuren, die auf Lebensmitteln als gehärtete Fette deklariert sind. Von Vorteil wäre eine Ernährung, die viele Sojaprodukte enthält.
Inhaltsstoffe der Sojabohne
30-40% Eiweiß mit allen acht Aminosäuren, die der Körper nicht selber herstellen kann; 20% Sojaöl mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren; Ballaststoffe; Kalium; Phosphat, Magnesium, Calcium und andere Mineralstoffe, sowie Vitamine
Soja wirkt positiv auf den Cholesterinspiegel ein und es enthält sogenannte Phytoöstrogene.
Die regelmäßige Bewegung sollte an der frischen Luft stattfinden, um Sauerstoff aufzunehmen, als Gegenspieler zu den vielen Säuren, die sich durch Nahrungsmittel und mangelnde Bewegung im Gewebe anhäufen. Außerdem wird auf diesem Wege die Vitamin D Produktion gefördert, die wiederum von den Knochen für ihren Stoffwechsel benötigt wird.
Wohlgemerkt ist es nicht der Leistungssport, der das Immunsystem fördert, sondern wohldosierte körperliche Betätigung, wie ein zügiger Spaziergang für 30 Minuten oder eine Fahrradtour.
Was sind Phytoöstrogene?
Das griechische phytos steht für Pflanze. Die Sojabohne enthält Isoflavone, die aus einer östrogenähnlichen Substanz bestehen. Dort wo der weibliche Körper Östrogene benötigt, nämlich am Knochen, entfalten die Isoflavone ihre östrogenartige Wirkung. Am Brustdrüsengewebe wirken sie jedoch wie Hormonblocker und senken so das Krebsrisiko. Auch die Gebärmutterschleimhaut wird von ihnen nicht stimuliert, so dass keine unerwünschten Blutungen auftreten. Außerdem bergen diese Substanzen keinerlei Thromboserisiko. Je höher der Phytoöstrogengehalt eines Produktes ist, desto weniger Hitzewallungen treten auf. Es gibt mittlerweile einige Präparate, die Soja-Isoflavone enthalten.
Sehr empfehlenswert für Frauen, die sich mit den Phytoöstrogenen beschäftigen wollen ist das Buch "Phyto-Östrogene: Die sanfte Alternative während der Wechseljahre" von Dr. med. Kleine-Gunk. Es setzt sich nicht nur mit diversen Problemstellungen der Wechseljahre auseinander, sondern enthält auch eine Präparateliste und Rezepte.
Zum Schluss ein Tee für die Wechseljahre
100g Frauenmantelkraut mit je 50g Hopfenzapfen, Salbei-, Walnuss- und Weißdornblättern sowie mit je 30g Lavendel- und Rosenblüten mischen. Ein Esslöffel der Mischung mit 200 ml kochendem Wasser überbrühen, abgedeckt ca. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und mit ein wenig Honig süßen; bei Bedarf 2 bis 4 Tassen täglich trinken.
(Margret Madejski "Alchemilla - Eine ganzheitliche Kräuterheilkunde für Frauen")
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Verena Rosar
Eschenweg 7
41352 Korschenbroich
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