Bach-Blüten und Homöopathie
von Dr. Angelika Franz
Bach-Blüten und Homöopathie
14.12.2004 - Auf den ersten Blick scheinen Bach-Blüten und Homöopathie nichts miteinander zu tun zu haben, es scheinen zwei verschiedene Heilsysteme zu sein. Doch glaube ich, das dem nicht so ist.
Edward Bach (1886 - 1936), ein englischer Arzt, betrieb zunächst die normale Schulmedizin seiner Zeit. Zuerst arbeitete er in der unfallchirurgischen Klinik der Londoner Universität, später betrieb er am University College Hospital der Londoner Universität bakteriologische Grundlagenforschung, wo er mit John Paterson und T. M. Dishington zusammenarbeitete.
Schwerpunkt seiner Forschungsarbeiten waren die Darmbakterien, für die er auch eine Klassifikation in sieben Gruppen angab. Bei chronisch kranken Patienten fand er eine von der Norm der Gesunden abweichende Darmbesiedlung. Er isolierte die falschen Stämme und entwickelte daraus eine Autovakzine, mit der er die Patienten impfte. Dabei sah er frappante Heilerfolge.
Von der Autovakzine zu den Darmnosoden
Mehrere Schicksalsschläge rissen ihn aus seiner Bahn: einmal der Tod seiner Frau 1917, dann eine nicht genau bekannte schwere eigene Erkrankung ("bösartiger Milztumor"), die er entgegen der Prognose der ihn behandelnden Ärzte um fast zwei Jahrzehnte überlebte. Der dritte wesentliche Einschnitt war sein Wechsel an das London Homoeopathic Hospital, wo er auf die Lehre Hahnemanns und insbesondere auf sein Organon stieß. Hier fand er die lange gesuchten theoretischen Grundlagen, die ihm seine Beobachtungen erklärten: Er hatte gesehen, daß er seine Impfungen nur in einer Einmalgabe verabreichen durfte; eine Wiederholungsgabe war nur bei einem merklichen Rückfall erlaubt. Hatte er mit der Gabe einer Autovakzine keinen Erfolg, so setzte er einen sogenannte polyvalenten Impfstoff ein, der aus Darmbakterien derselben Gruppe mehrer anderer Menschen hergestellt war; er ahnte, daß er damit einen Schritt von der reinen Isopathie in Richtung auf die Homöopathie tat. Er hatte auch die Geistes- und Gemütssymptome als die wichtigsten erkannt und begonnen, seine Vakzinen bevorzugt nach der seelischen Verfassung seiner Patienten zu verschreiben.
1925 veröffentlichte er seine Forschungsergebnisse zusammen mit seinem Kollegen C. E. Wheeler in einem Büchlein mit dem bezeichnenden Titel "Chronic Disease". Diese Schrift, welche unverständlicherweise noch nicht ins Deutsche übersetzt ist, sollte auch heute noch Richtschnur für alle Therapeuten sein, die mit Symbioselenkung bzw. Mikrobiologischer Therapie arbeiten. Wesentliche neue Erkenntnisse dazu wurden in den vergangenen 60 Jahren offensichtlich nicht gewonnen, eher im Gegenteil. Heute üblich ist nämlich die tägliche Verabreichung unpotenzierter beliebiger Bakterienderivate unabhängig von der genauen individuellen Fehlbesiedelung des Darmes, was zu der bekannt niedrigen Erfolgsquote dieser Art von Therapie führt.
Schließlich ging er von der üblichen Vakzine-Injektion ab und begann, aus den pathologischen Darmbakterien potenzierte Nosoden herzustellen, die er in der üblichen homöopathischen Weise verwandte, indem er sie gemäß ihrer Arzneimittelbilder verschrieb und zwar bevorzugt nach den von ihm intuitiv erfaßten Geistes- und Gemütssymptomen. So entstanden die sieben noch heute gebräuchlichen Bach-Paterson-Nosoden. Sein Ziel war, in der Zeit, die ein Patient bräuchte, um von der Sprechzimmertüre zu seinem Schreibtisch zu gehen, dessen Gemütszustand zu erfassen, um ihm dann die entsprechende Nosode verschreiben zu können.
In jenen Jahren ging er sogar soweit, eine pathologische Darmflora mit davon ausgelöster "intestinaler Toxämie" für das körperliche Substrat der Hahnemannschen Psora zu halten. Die meisten Homöopathen können dies wohl nicht nachvollziehen. Doch auch Bachs Zeitgenosse Rudolf Steiner ging davon aus, daß der Zustand der Darmflora das Verhältnis des oberen (bewußten) zum unteren (vegetativen) Menschen widerspiegele. Werde unser Ich schwach, so werde unsere Darmflora pathologisch.
Die in jenen Jahren gebräuchliche organotrope Niedrigpotenz-Homöopathie hatte er kennengelernt, doch schätzte er sie verständlicherweise nicht; sie konnte seinem Ziel einer individuellen Behandlung bevorzugt nach den Geistes- und Gemütssymptomen nicht genügen. Man ist versucht zu behaupten, daß Bach, hätte er die originale Homöopathie Hahnemanns gekannt und nicht die sogenannte "naturwissenschaftlich-kritische" Zerrform, wohl niemals ein neues Heilverfahren entwickelt hätte.
Von den Darmnosoden zu den Blütenessenzen
Wenig später wurde ihm klar, daß aus Darmbakterien hergestellte Nosoden noch nicht der Gipfel der Heilkunst sein können; zunehmend fand er diese Methode unästhetisch. Er suchte nach Pflanzen, die diese Nosoden ersetzen können. Im Herbst 1928 durchwanderte er Wales, das Land seiner Vorfahren, und fand dort die zwei ersten Pflanzen, die er zunächst noch auf die in der Homöopathie üblichen Weise potenzierte.
Im Mai 1930 verließ er endgültig London, das Krankenhaus, seine gutgehende Privatpraxis und damit seine gesicherte wirtschaftliche Existenz. Er zog aufs Land, ins Ungewisse, nur noch geführt von seiner ständig wachsenden Intuition, die sich später zur Hellsichtigkeit steigerte. Beim Wandern durch die englische Naturlandschaft entdeckte er nach und nach 35 weitere Pflanzen und das Wasser einer bestimmten Quelle. Es wird berichtet, er habe in seinen letzten Lebensjahren viele Krankheitszustände entwickelt, für die er die entsprechenden Heilmittel selbst suchen mußte und in diesen Pflanzen fand.
Herstellungsweise der Blütenessenzen
Angeregt vom morgendlichen sonnenbeschienenen Tau entwickelte er eine neue Methode im Einfangen der ätherischen Pflanzenqualitäten in Heilmittel - vergleichbar dem Arcanum des Paracelsus und der geistartigen Wirkung der Arznei von Hahnemann: Er legte Pflanzenblüten auf die Wasseroberfläche einer mit Quellwasser gefüllten Glasschüssel und stellte diese für einige Stunden in die Sonne. Blüten von Pflanzen, die früh im Jahr erblühen, wenn die Sonne noch nicht stark ist, kochte er in Wasser über Holzfeuer, um so die Sonnenenergie der letzten Jahre auszunutzen.
Die so gewonnene Urtinktur wird zum Haltbarmachen mit derselben Menge Brandy versetzt (nicht mit dem in der Homöopathie üblichen Industriealkohol) und zweimal bis auf Gebrauchsstärke verdünnt. Die erste Verdünnungsstufe - 1 Tropfen auf 10 ml Brandy - kann als Vorratsflasche ("stock bottle") käuflich erworben werden. Vor Gebrauch wird diese Essenz noch einmal verdünnt: 1 Tropfen auf 10 ml niedrigprozentigen Alkohol, Essig oder Glycerin. Davon nehmen die Patienten viermal täglich vier Tropfen bzw. dreimal täglich fünf Tropfen ein; für Empfindliche ist eine einmalige Einnahme täglich angemessen. Bei sehr sensiblen Patienten genügt oft eine Einmalgabe. Im Einnahmemodus und von ihrer Wirkqualität her ist eine Bach-Blüte am ehesten mit einer niedrigen homöopathischen LM- bzw. Q-Potenz vergleichbar.
Der Widerstand der Ärzte
Während Bach seine früheren Forschungsergebnisse in schulmedizinischen und homöopathischen Publikationen und Kongreß-Vorträgen der medizinischen Fachwelt mitteilte, fand er mit seinen späteren Erkenntnissen, die die Blüten-Essenzen und ihre Anwendung betrafen, bei seinen ärztlichen Berufskollegen immer weniger Resonanz und wurde sogar massiv angegriffen. Daher wandte er sich in seinen letzten Jahren in seinen Vorträgen und Büchern fast ausschließlich an Laien. Dies verstärkte natürlich die Anfeindungen durch die Ärzteschaft. Als er es schließlich sogar zuließ, daß unter seiner Aufsicht Laien mit den von ihm entdeckten Blüten-Essenzen Patienten behandelten, leitete die englische Ärztekammer ein Verfahren gegen ihn ein. Es verhinderte möglicherweise nur sein früher Tod, daß ihm seine Approbation als Arzt entzogen wurde. Dieses Schicksal der massiven Anfeindungen durch die etablierten Heilberufe teilte er also mit anderen großen ärztlichen Heilern und Neuerern wie Paracelsus und Hahnemann.
Diese Orientierung auf Laien führte dazu, daß sein Heilsystem möglichst einfach sein sollte, weshalb er z. B. die Veröffentlichungen der späteren Zeit in der Alltagssprache verfaßt sind. So erklären sich auch viele andere Eigenheiten in der Überlieferung dieses Heilsystems:
- die alltagsenglischen Bezeichnungen der verwendeten Pflanzen anstelle der lateinischen botanischen Namen,
- die kurze, liebevolle und einfühlsame Beschreibung der intuitiv erfaßten Charaktere und seelischen Zustände, die die Essenzen charakterisieren anstelle exakter Syptomenauflistung und Arzneimittelbilder nach planvoller Arzneimittelprüfung;
- die fast beliebige Mischung der Mittel entsprechend der Symptomenvielfalt eines Patienten anstelle eines Herausarbeiten der zentralen Pathologie eines Kranken in exakter Fallaufnahme und Fallanalyse.
Für viele Homöopathen scheint somit der Zugang zu den Bach-Blüten zunächst versperrt. So kennen sich viele Patienten mit diesen Mittel wesentlich besser aus als die meisten der professionellen Heilkundigen. Für viele gilt die Beschäftigung mit ihnen sogar als esoterisch und unseriös.
Das homöopathische Wirkprinzip der Bach-Blüten
Dabei wirken Bach-Blüten sehr ähnlich wie homöopathische Mittel:
- Sie wirken am besten als Einzelmittel. Die oft empfohlene Mischung mehrerer Mittel führt zu einer nicht hinnehmbaren Wirkungseinbuße.
- Man beobachtet den von LM- (Q-) Potenzen her bekannten Wirkungsverlauf: Erstverschlimmerung - Besserung - Spätverschlimmerung bei zu langer Einnahme. Die oft verbreitete These, Bach-Blüten wirkten primär harmonisierend, indem sie die Patienten mit harmonisierenden Schwingungen durchfluten würden, widerspricht der beobachtbaren Realität. Dies muß auch so sein, da einzig die Stimulierung der Selbstheilungskräfte eines Menschen zu einer wirklichen Heilung führen kann; alles andere wäre eine allopathische Symptomenunterdrückung. Heilung bedeutet immer die Wiedererlangung eines körperlichen rhythmischen Gleichgewichtes, seelische Reifung, geistige Neuorientierung und spirituelle Weiterentwicklung. Dies kann einem Patienten zwar keine Methode abnehmen, doch können homöopathische Mittel oder Bach-Blüten solche Entwicklungen katalysieren.
- Man beobachtet die Gültigkeit der Heringschen Regel, insbesondere können den Patienten alte seelische Verletzungen wieder bewußt werden. Aber auch das Auftreten von Hautausschlägen bei gleichzeitiger Besserung tieferer Krankheitssymptome ist nicht selten zu beobachten.Falsch oder zu lange gegebene Mittel können zu Arzneimittelprüfungen führen. Leider ist dies noch völlig unbekannt, und so existieren keine systematischen Arzneimittelprüfungen wie bei unserer homöopathischen Materia medica, sondern lediglich klinische Symptome. Auch sind kaum Körpersymptome bekannt. Ebenso ist völlig unbekannt, ob und wie sich Arzneimittelbilder von Bach-Blüten und von homöopathischen Potenzen der selben Pflanzenart unterscheiden. Vielleicht könnte dieser derzeit noch bestehende merkliche Nachteil der Bach-Blüten, der in einer großen Verschreibungsunsicherheit resultiert, in Zukunft durch planvoll durchgeführte Arzneimittelprüfungen behoben werden.
- Maßgebend für eine homöopathische Mittelverschreibung sind vor allem § 153-Symptome sowie Geistes- und Gemütssymptome. Bach-Blüten verordnen wir nur nach letzteren,körperliche Leitsymptome für sie sind wie gesagt weitgehend unbekannt.
- Wie in der klassischen Homöopathie gibt es für jeden Menschen ein Konstitutionsmittel, in der Bach-Blüten-Literatur auch Typenmittel genannt.
- Wie in der Homöopathie gibt es "Polychreste" und "kleine Mittel".
Die von Bach selbst beschriebenen Blüten-Essenzen sind fast sämtlich als Polychreste anzusehen. In den letzten Jahren sind viele andere hinzugekommen; am bekanntesten davon sind die kalifornischen Blüten-Essenzen geworden, die u. a. viele altbekannte Arzneipflanzen enthalten.
Es wird oft behauptet, daß die 38 Bach-Blüten ein geschlossenes vollständiges System bilden, welches alle seelischen Zustände, die für Menschen mit Leid verbunden sind, umfasse. Wenn wirdiese Behauptung mit dem bekannt wertvollen Zuwachs an Mitteln der homöopathischen Materia medica vergleichen, unter denen sich immer wieder wichtige Polychreste befinden, wie z. B. Carcinosinum, sind Zweifel daran wohl erlaubt. Der Mensch ist nun einmal kein abgeschlossener Baukasten. Wie schon vor ca. 2500 Jahren Heraklit sagte: "Der Seele Grenzen wirst du auf deiner Wanderung nie entdecken, welche Wege du auch beschreiten magst, solch tiefen Geist birgt sie."
Vorteile der Bach-Blüten-Therapie
Somit fand Bach eine neue Potenzierungsmethode, die ihre eigenen Vorteile hat:
- Bachblüten können mehrmals am Tag genommen werden; ihre Wirkung klingt relativ schnell ab.
- Dennoch erreichen sie die seelische Ebene direkt.
- Sie sind ziemlich unempfindlich gegenüber antagonisierenden Wirkungen anderer Substanzen, wie z. B. Kaffee und Menthol.
- Sie können gut gleichzeitig mit allopathischen Medikamenten eingenommen werden. Eine Verabreichung zusammen mit homöopathischen Heilmitteln sollte jedoch vermieden werden, um die Wirkung beurteilen zu können.
- Es wird immer dieselbe "Potenzhöhe" eingenommen, die Schwierigkeiten der Differenzierung entfallen.
Es ist an der Zeit, daß der Gesetzgeber daraus die Konsequenz zieht und das Bachsche Potenzierverfahren in das amtlich homöopathische Arzneibuch HAB mitaufnimmt, wie es schon mit anderen der Homöopathie vergleichbaren Herstellungsverfahren wie z. B. der Spagyrik geschehen ist.
Es scheint freilich, daß Bach-Blüten bei weitem nicht so tief wirken wie homöopathische Arzneimittel, die nach den Hahnemannschen Potenzierverfahren hergestellt wurden. Auch bei körperbetonten Krankheiten ziehe ich die klassische Homöopathie vor.
Beziehungen zur Alchimie und zu den drei Miasmen Hahnemanns
Es fällt auf, daß sowohl die homöopathische Arzneimittelbereitung als auch die Herstellung der Bach-Blüten vom Prinzip her alchimistische Verfahren sind. Die drei alchimistischen Urprinzipien sind Sulphur, Mercurius und Sal. Sal ist das feste, materielle Prinzip, Sulphur das brennbare, energetisierende und geistige Prinzip, Mercurius das flüssige und verbindende Prinzip. Es leuchtet nun ein, daß bei der homöopathischen Potenzierung die materielle Ausgangssubstanz dem Sal entspricht, das verdünnende Lösungsmittel (Alkohol, Milchzucker oder Glycerin) dem Mercurius und das Dynamisieren (Schütteln oder Verreiben) dem Sulphur. Auch bei den Bach-Blüten sind die Parallelen klar: die Blüten als der materiellen Ausgangssubstanz entsprechen dem Sal, das Quellwasser dem Mercurius und die Sonne bzw. das Herdfeuer dem Sulphur.
Interessanterweise sind Sulfur (nunmehr in lateinischer Schreibweise), Sal (= Natrium muriaticum) und Mercurius sehr wichtige homöopathische Arzneimittel mit paradigmatischem Bezug zu den drei klassischen Miasmen Hahnemanns: Sulfur und Mercurius solubilis wurden schon von Hahnemann für Psora und Syphilinie angegeben; Natrium muriaticum hat meines Erachtens mit seiner seelischen Mauer, die dem Schutz vor weiteren Verletzungen dienen soll, und mit seinem fast maskenhaften Lächeln sehr viel mit der Sycosis zu tun.
Philosophiegeschichtlich bemerkenswert ist darüber hinaus die Strukturähnlichkeit zwischen den alchimistischen Prinzipien und der Hegelschen Dialektik: These (Sulphur), Antithese (Sal) und Synthese (Mercurius).
Die homöopathischen Heilgesetze gelten immer und für alle medizinischen Methoden, da sie ganz offensichtlich biologische Grundgesetze sind, doch den meisten Ärzten sind sie zum Nachteil ihrer Patienten unbekannt. Wir haben sie allerdings als Geschenk erhalten. Nutzen wir dieses Wissen und die in unseren Heilmitteln verborgene Weisheit der Natur selbst zu Gesundung und Heil unserer Patienten.
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Dr. Angelika Franz
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Biochemie nach Dr. Schüssler
Biochemie nach Dr. Schüssler
14.12.2004 - Vor 130 Jahren im norddeutschen Oldenburg: Der 52-jährige Arzt Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler (1821-1898) sitzt an den letzten Korrekturen für sein Buch "Eine abgekürzte Therapie". Auf seinem Eichenschreibtisch stapeln sich medizinische Standardwerke, daneben stehen verschiedene Gläschen mit Pulvern. Im Flackerschein der Petroleumlampe ergänzt er sein handschriftliches Skript mit Federhalter, setzt sich nach einer Weile zufrieden zurück, genießt seine Pfeife und murmelt: "Ja, so soll es in die Welt hinausgehen".
Eine Therapie, die in den nächsten Jahren weltweit Millionen von Anhängern findet, war geschaffen. Heute erleben die Mineralsalze des Oldenburgers, kurz als Schüßler-Salze bezeichnet, einen neuen Boom. Zeitschriften wetteifern um Prominente, die sie anwenden und Buchverlage für Gesundheitsliteratur bemühen sich um erfahrene Ärzte und Heilpraktiker als Autoren.
Von der Homöopathie zur Biochemie
Schüßler, der erst spät mit dem Medizinstudium begann, setzte sich zunächst mit der Homöopathie des deutschen Arztes Samuel Hahnemann auseinander. Als erster homöopathisch arbeitender Arzt im Großherzogtum Oldenburg hatte er keinen leichten Stand, seine Kollegen nahmen ihn als Mediziner nicht ernst - doch Schüßler störte dies wenig, denn die Patienten waren von seiner Heilkunst begeistert. Als die Praxis schließlich florierte, fand er immer weniger Zeit für die aufwendige homöopathische
Mittelsuche (Repertorisation) und setzte sich gedanklich mit einer Therapie, die mit wenigen Heilmitteln auskommt, auseinander.
Arbeiten zweier Professoren beeindrucken Schüßler
Beeinflusst von der Zellforschung des Berliner Professors Rudolf Virchow (Begründer der Zellularpathologie - "jede Krankheit resultiert aus der erkrankten Zelle") und den grundlegenden Mineralstoffanalysen des Niederländer Professors Jacob Moleschott, beschäftigte er sich mit Mineralsalzen. Sein Leitgedanke dabei: Wenn die Mineralstoffe überall im Körper vorkommen, sogar in der kleinsten Lebenseinheit, der menschlichen Zelle, müsste es doch möglich sein, ein Behandlungsverfahren zu schaffen, das mit den natürlich im Organismus vorkommenden Salzen auskommt.
Die von der Homöopathie bekannte hohe Aufschließung von festen Stoffen durch Potenzierung schien ihm das richtige Verfahren, um die Passage durch die Zellmembran zu ermöglichen.
Bei den Schüßler-Salzen sind Dezimal-Potenzen gebräuchlich. Calcium fluoratum in D12 beispielsweise bedeutet, dass es sich um eine Potenzierung handelt, in der noch ein Billionstel Teil des Salzes Kalziumfluorid vorhanden ist.
Im Gegensatz zur Homöopathie ging Schüßer nicht nach der Ähnlichkeitsregel vor, sondern fragte zunächst nach der Wirkungsweise der Salze und nach ihren Aufgaben im Körper. Er probierte sie in potenzierter Form an seinen Patienten aus, wozu er genügend Gelegenheit hatte. Denn als mit Homöopathie arbeitender Arzt hatte er großen Zulauf und im Jahr etwa 12.000 Konsultationen.
Schon bald sah er seine Theorie in der Praxis bestätigt, und ging dazu über, sie zu verfeinern. 25 Jahre lang, von 1873 bis 1898, hat er dann nur noch biochemisch behandelt.
Kristallsalz und Biochemie
Interessant sind Untersuchungen aus dem Jahr 2000; der Biophysiker Peter Ferreira schreibt, dass Salze nur im gelösten Zustand von der Zelle aufgenommen werden können und deshalb eine Größe von unter einem 1/10.000 Gramm aufweisen müssen. Ferreira bezieht sich in seinen Vorträgen und Veröffentlichungen auf Steinsalz, das in Hunderten von Jahren durch den Druck von meterdickem Gestein komprimiert wurde, wodurch sich die Partikel derart verändern, dass sie menschliche und tierische Zellmembranen passieren können.
Die Arbeiten Ferreiras bestätigen Schüßlers Lehre von der Heilwirkung und der Regulation physiologischer Vorgänge im Körper durch homogene (gleichartige) Stoffe. Ferreiras Theorien einer Salz-Therapie können ergänzend zur Schüßler-Therapie gesehen werden und lassen sich in jedes Behandlungskonzept integrieren. Durch reines Kristallsalz, beispielsweise aus dem Himalaja, kann dem Körper nämlich auch der grobstofflichere Anteil von Mineralstoffen auf einfache und kostengünstige Art zugeführt werden.
Mit Schüßler-Salzen kann beispielsweise der Magnesiumbedarf des Körpers nicht aufgefüllt werden, dazu sind nichtpotenzierte, grobstoffliche Salze notwendig; sie werden entweder über die Nahrung oder als Magnesiumtabletten aufgenommen. Da wir aber oft auch andere Mineralstoffe brauchen, die je nach Ernährung nicht oder nur unzureichend zugeführt werden müssen, und im Kristallsalz alle 80 Mineralstoffe enthalten sind, ist Steinsalz für den Körper eine hilfreiche Möglichkeit, um dies zu bewerkstelligen.
Die Praxis zeigt, dass Kristallsalz - als Nahrungsergänzung - heute bei den vielen denaturierten, raffinierten oder chemisch veränderten Nahrungsmitteln eine echte Ergänzung der Schüßler- Biochemie sein kann.
Schwingungen als heilende Faktoren?
Schwingung bedeutet, dass von einem Stoff rhythmische Frequenzen ausgesandt werden, die man in der Einheit Hertz (Hz) misst. Eine Schwingung hören wir beispielsweise, wenn ein Radiosender auf der Frequenz 98.4 Megahertz (MHz) empfangen wird. Auch Computerbildschirme und Fernsehgeräte geben eine kontinuierliche Schwingung ab (160 Hz), wenn sie eingeschaltet sind.
Aus der modernen Physik (Quantenphysik) ist bekannt, dass sich jede Materie in Schwingung verhält: die Erdkruste, ein Stück Holz, die menschlichen Organe und sogar die Zellen. Wir wissen heute, dass die menschliche Grundschwingung zwischen 8 und 10 Hertz liegt, die der Zellen bei 250 Megahertz und das vegetative Nervensystem schwingt mit zehn Kilohertz. Auch die Mineralstoffe haben eine charakteristische Schwingung. Wie jedes Molekül ist das Mineralstoff-Molekül ständig in Bewegung und sendet elektromagnetische Wellen aus. Alle diese Schwingungen können wir messen, haben also den Beweis dafür, dass die Natur, der Mensch und die Mineralstoffe sich in Schwingung verhalten.
Wir wissen heute noch mehr: Physiker fanden heraus, dass die richtige Schwingung auf den menschlichen Organismus normalisierend, regulierend und heilend wirken kann. Dazu ein Beispiel aus der Biophysik: Übertragen wir auf einen menschlichen Körper mit Hilfe eines kleinen Gerätes zum Beispiel dessen normale, physiologische Schwingung, stärken wir ihn. Der Physiker Peter Ferreira und die Ärztin Dr. Barbara Hendel haben im Jahr 2000 Versuche mit Leberkranken beschrieben (Leberschwingung 40 Hz), die sich täglich in einem Salzbergwerk aufhielten (Grundschwingung ebenfalls 40 Hz). Nach einiger Zeit besserten sich Blutlaborwerte und Befinden der Patienten.
Dieses Beispiel belegt, was auch Schüßler entdeckte, dass nämlich Gleiches Gleiches regulieren kann; dass also ein Elektrolyt, ein Salz, mit einer bestimmten Schwingung den Elektrolythaushalt desselben Salzes normalisiert. Nicht zuletzt deshalb hat sich Schüßler später in aller Deutlichkeit von der Homöopathie abgewandt und betont, dass sein Heilverfahren nicht auf der Ähnlichkeitsregel der Homöopathie basiert. Auch wenn der Herstellungsprozess, den er für seine Mittel wählte, um eine höhere Bioverfügbarkeit zu erreichen, derselbe ist wie der für homöopathische Mittel.
Schüßler hat, seiner Zeit weit voraus, ohne jegliche Anhaltspunkte für die heutige Schwingungstheorie seine Vermutung schon vor 130 Jahren einem Freund mitgeteilt:
"Die Schwingungen der Zellensalze sind sicher ein wichtiger Faktor im Leben der Zelle des Mikroorganismus im Körperhaushalt des Menschen."
Vielleicht wird man eines Tages nachweisen, dass nicht zuletzt das Schwingungspotential eines Schüßler-Salzes mit verantwortlich ist für dessen Wirkung im Körper, weil es mit den Organen und den Zellen in Resonanz tritt.
Erste Versuche: Verblüffende Erfolge
Wie ist Dr. Schüßler nun praktisch vorgegangen - um seine Theorien zu beweisen? Er ließ verschiedene Mineralsalze, von denen er die Funktion im Körper kannte, homöopathisch aufbereiten und gab sie seinen Patienten. Die Resultate waren verblüffend: Chronische Kopfschmerzen schienen plötzlich wie weggeblasen, grippale Infekte besserten sich innerhalb von Stunden und Gelenkbeschwerden klangen nach und nach ab. Eine neue und erfolgversprechende Therapie war entstanden. Schüßler nannte sie Biochemie und im Hinblick auf die Homöopathie eine "abgekürzte Therapie". Das Wort Biochemie soll verdeutlichen, dass die natürlichen, biochemischen Funktionsabläufe mit den Salzen zu beeinflussen sind. Die Heilmittel bezeichnete er deshalb als Funktionsmittel .
Im Laufe seines Lebens hat er sich immer mehr von der Homöopathie abgegrenzt und geschrieben:
"Mein Heilverfahren basiert nicht auf der Ähnlichkeitsregel, sondern auf physiologisch-chemische Prozesse. Die Biochemie bezweckt die Korrektion der von der Norm abgewichenen physiologischen Chemie".
12 Salze im Körper
Die Fragen, die jetzt noch zu klären waren: Welche weiteren Mineralsalze benötigt der Körper in den einzelnen Organen und Geweben? Welche Funktionen unterstützen und heilen sie? Auch in der folgenden Erforschung der Wirkungsweise lieferten ihm die Physiologen Bunge und Moleschott teilweise die Antwort. Er begann aber selbst zu forschen, um die noch offenen Fragen zu beantworten, untersuchte mikroskopisch die Asche von Leichen und erhielt so neue Erkenntnisse. So zum Beispiel, dass Natrium phosphoricum die Bauchspeicheldrüsentätigkeit fördert, Kalziumphosphat am Knochenaufbau beteiligt ist und Natriumsulfat im Darm Verdauungsprozesse unterstützt. Schüßler erkannte zunächst 12, später elf Salze für die Therapie als die entscheidenden. Diese sind am stärksten in den einzelnen Organen und Geweben vertreten. Für die Behandlung von Krankheiten wählte er die Salze nach ihrem Vorkommen in den Organen und ihrer Wirkungsweise aus.
Schüßler-Salze - wie sie wirken
Zunächst einmal: Potenzierte Salze verhalten sich im Körper ebenso wie nichtpotenzierte Salze, denn auch sie können Mangelzustände in der Zelle ausgleichen. Der homöopathische Arzt Dr. Julius Mezger schrieb 1951, dass feinstofflich (potenziert) zugeführte Salze sogar noch mehr bewirken: In minimalen Mengen stellen die Mineralstoffe dem Körper nicht nur die benötigten Moleküle zur Verfügung, sondern beeinflussen auch deren Umlauf, kurzum: den Stoffwechsel des entsprechenden Salzes. Die Wirkung der Schüßler-Salze beruht also auf zwei Prinzipien:
1. Der Signal- und Wirkeffekt:
Wird dem Organismus und somit der Zelle das hochaufgeschlossene Salz verabreicht (auch in der Zelle sind die kleinsten Teilchen der Salze), repariert es krankheitsbedingt aufgetretene Funktionsstörungen. Schüßler-Salze aktivieren die im Körper vorhandenen Mineralstoffe und haben so einen normalisierenden Einfluss auf die Bilanz des jeweiligen Stoffes. Denn um die normalen Funktionen im Organismus wieder herzustellen und gestörte Funktionskreise zu normalisieren (Grundregulation), ist es wichtig, mit sanften Therapiemethoden in die körpereigenen Regelsysteme einzugreifen. Dies vermag die Biochemie nach Schüßler auf eindrucksvolle Weise.
2. Der Ergänzungseffekt:
Rein rechnerisch bekommt jede unserer Milliarden von Zellen bei Einnahme einer Tablette, zum Beispiel Natrium chloratum D6 (Nr. 8) 26 Moleküle des Salzes (Molekül = aus Atomen bestehendes kleinstes Teilchen). Das heißt: Mit den Schüßler-Salzen geben Sie dem Körper auch eine geringe Anzahl von heilenden Salzmolekülen.
Magnesiumphosphat-Moleküle beispielsweise benötigen wir bei Krämpfen und Schmerzen hauptsächlich in Muskeln und Nerven. Kaliumchlorid-Moleküle in der Schleimhaut bei Entzündungen und Kaliumsulfat-Moleküle für die Sauerstoffübertragung im Gewebe. Jedoch bedeutet dies nicht, dass Sie den Mineralstoffbedarf Ihres Körpers mit Schüßler-Salzen decken können, wie manchmal fälschlich behauptet.
Die Regelpotenzen
Im Laufe seiner praktischen Tätigkeit war Dr. Schüßler zu dem Schluss gekommen, das neun Salze in der D6-Potenz (= 6. Dezimalpotenz entspricht einer Verdünnung mit dem Trägerstoff von 1:1.000.000) und die drei Salze Calcium fluoratum, Ferrum phosphoricum und Silicea in der D12-Potenz am besten wirken. Die von Schüßler beschriebenen Potenzen sind die Regelpotenzen. Im Einzelfall kann es erforderlich sein, dass höhere oder tiefere Potenzen (D3, D12) - je nach Krankheitszustand erforderlich sind. Dies hat Schüßler selbst in Ausnahmefällen so praktiziert. In den Apotheken, wo die Salze heute ausschließlich erhältlich sind, werden deshalb D3-, D6- und D12-Potenzierungen angeboten.
12 heilende Salze
Aus der nachstehenden Übersicht können Sie die Wirkung und Anwendung bei ausgewählten Beschwerden der einzelnen Salze ersehen. Ausführliche Informationen finden Sie in der Fachliteratur (s. Artikelende).
1. Calcium fluoratum D12 (Kalziumfluorid)
Vorkommen im Körper: Im Schmelz der Zähne, in Knochen, Bändern, Sehnen und Haut.
Typische Beschwerden: Zahnkaries, Haut-, Venen-, und Knochenerkrankungen; schwachen Bändern, Nagelpilzen, zur Glättung bei Narbengewebe.
2. Calicum phosphoricum D6 (Kalziumphosphat)
Vorkommen im Körper: Im Knochengewebe, in Zähnen, der Haut und Muskulatur.
Typische Beschwerden: Knochenerkrankungen wie Knochenbrüche, Aufbaumittel bei Erschöpfungszustände z.B. nach Krankheiten; Krämpfe und Schmerzen wie z. B. Wachstumsschmerzen bei Kindern.
3. Ferrum phosphoricum D12 (Eisenphosphat)
Vorkommen im Körper: In allen Zellen, im Blut, der Muskulatur und der Milz.
Typische Beschwerden: Entzündungen im Anfangsstadium, auch mit leichtem Fieber (z. B. Hals-, Rachenentzündung), leichtere Verletzungen, beim harmlosen Sonnenbrand; bei Abgeschlagenheit und Konzentrationsstörungen.
4. Kalium chloratum D6 (Kaliumchlorid)
Vorkommen im Körper: In Schleimhäuten, in den roten Blutkörperchen.
Typische Beschwerden: Schleimhautentzündungen wie Hals-, Mandel- und Rachenentzündung, Stockschnupfen, Magenschleimhautentzündung; weiche Warzen, Hautausschläge, Bronchitis, Sehnenscheidenentzündung.
5. Kalium phosphoricum D6 (Kaliumphosphat)
Vorkommen im Körper: Vorwiegend in Gehirn-, Nerven- und Muskelzellen.
Typische Beschwerden: Bei körperlichen (z. B. Muskelschwäche), seelischen (z.B. Melancholie) und geistigen Erschöpfungs- und Schwächezuständen; Reizbarkeit, Antriebsschwäche, Gedächtnisschwäche.
6. Kalium sulfuricum D6 (Kaliumsulfat)
Vorkommen im Körper: In Haut- und Schleimhäuten, in Leberzellen.
Typische Beschwerden: Bei chronischen und schlecht ausheilenden Entzündungen wie chronischem Stirnhöhlenkatarrh. Generell bei eitrig-schleimiger Sekretabsonderung, z. B. beim chronischen Schnupfen. Bei chronischen Hautkrankheiten.
7. Magnesium phosphoricum D6 (Magnesiumphosphat)
Vorkommen im Körper: In Knochen und Muskeln, Gehirn, Nerven, den roten Blutkörperchen, in der Leber und Schilddrüse.
Typische Beschwerden: Krampfartige Beschwerden wie zum Beispiel im Bauch, bei Kopfschmerzen, schmerzhaften Regelbeschwerden.
8. Natrium chloratum D6 (Natriumchlorid, Kochsalz)
Vorkommen im Körper: In der Zwischenzellflüssigkeit, in Knochen- und Knorpelgewebe, im Magen und in den Nieren.
Typische Beschwerden: Bei Fließschnupfen, trockener Haut und Schleimhaut (z.B. trockenen Augen); bei generellen Störungen des Flüssigkeitshaushaltes. Bei Verstopfung und rheumatischen Gelenkerkrankungen.
9. Natrium phosphoricum D6 (Natriumphosphat)
Vorkommen im Körper: Im Gehirn, den Nerven und Muskeln, roten Blutkörperchen und im Bindegewebe.
Typische Beschwerden: Bei Störungen des Säure-Basen-Haushaltes und Erkrankungen des Stoffwechsels; Störungen der Fettverdauung, Akne, beginnender Blasenentzündung, Ischiasbeschwerden.
10. Natrium sulfuricum D6 (Natriumsulfat, Glaubersalz)
Vorkommen im Körper: Im Darm und in der Gewebeflüssigkeit.
Typische Beschwerden: Das Ausscheidungs- und Entgiftungsmittel der Biochemie, z.B. bei harmlosen Unterschenkelödemen im Sommer (geschwollene Beine). Wirkt auf die am Verdauungsprozess beteiligten Organe wie Leber, Galle und Darm (z. B. bei Verstopfung).
11. Silicea (Kieselsäure)
Vorkommen im Körper: Im Bindegewebe, Haut, Haaren, Finger- und Fußnägeln sowie im Knorpel.
Typische Beschwerden: Bei Haar-, Haut- und Nagelwachstumsstörungen wie diffuser Haarausfall, brüchigen Finger- und Fußnägeln und unreiner Haut. Außerdem hilft es bei Schwäche des Bindegewebes und chronischer Gelenkentartung (Arthrose).
12. Calcium sulfuricum (Kalziumsulfat)
Vorkommen im Körper: In Leber und Gallenflüssigkeit, in Gelenkknorpeln.
Typische Beschwerden: Rheumatische Erkrankungen wie Arthrose, Entzündungen der Haut mit Eiterungen (z. B. Akne). Dieses Salz zählt zu den Ausscheidungs- und Entgiftungssalzen. Dr. med. Schüßler hatte es kurz vor seinem Tode aus dem Heilmittelschatz gestrichen - seine Nachfolger haben es später wieder aufgenommen, da es die Heilsalze komplettiert und bei bestimmten Erkrankungen berechtigt ist.
Einnahme und Dosierung - so machen Sie es richtig
Wollen Sie sich erfolgreich mit Schüßler-Salzen behandeln, sind neben der Auswahl des richtigen Salzes die Dosierung und die Einnahme wichtig. Die Salze werden in Tablettenform angeboten, von den Salben Nr. 1 bis Nr. 11 gibt es auch Salben für die äußerliche Behandlung.
Die Tabletten lässt man im Mund zergehen - dadurch wird die Resorption (Aufnahme) über die Mundschleimhaut erreicht. Das bedeutet, dass die Salze von der Schleimhaut aufgenommen und direkt an den Blutkreislauf abgegeben werden. Sie wirken dadurch schneller und es treten keine Verluste über den Magen-Darm-Trakt auf.
Die Heiße Sieben:
Bei Magnesium phosphoricum D6 (Nr. 7), dem krampf- und schmerzstillenden Salz der Biochemie, hat sich im Laufe der Jahrzehnte die Auflösung von 5 bis 10 Tabletten in heißem Wasser bewährt. Das warme Wasser sorgt für eine Durchblutungsanregung der Mundschleimhäute und fördert so die Aufnahme. Die höhere Tablettenmenge ist bei heftigen Beschwerden effektiver. Diese Zubereitung ist als "Heiße Sieben" in die Geschichte der Biochemie eingegangen. So machen Sie es richtig: 5 bis 10 Tabletten werden in einem Glas heißem Wasser aufgelöst und verrührt. Alle paar Minuten wird von dieser Lösung ein Schluck genommen, den Sie eine Weile im Mund einspeicheln, um die Aufnahme über die Mundschleimhaut zu erhöhen.
In akuten Fällen nehmen Jugendliche und Erwachsene ¼ stündlich eine Tablette. Bei Kindern genügt ½ bis 1 stündlich 1 Tablette. Bei Säuglingen, die gestillt werden, kann die Mutter die Salze einnehmen.
Bei chronischen Beschwerden genügen über einen längeren Zeitraum (je nach Krankheitsdauer Wochen bis Monate) bei Kindern 2 bis 3 Tabletten und bei Jugendlichen und Erwachsenen 6 Tabletten pro Tag.
In Einzelfällen kann eine höhere Dosierung, meist kurzfristig - notwendig sein. Biochemische Behandler, Ärzte und Heilpraktiker entscheiden dies entweder nach den Beschwerden oder den Antlitzzeichen, die als Mangelzeichen im Gesicht auftreten.
Antlitzdiagnose und Signaturendiagnostik
Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler stellte im Laufe seiner 25-jährigen praktischen Erfahrung mit den Salzen fest, dass im Gesicht/Antlitz bei Mangel an Salzen Struktur- und Farbveränderungen auftreten, die wieder verschwinden, wenn die Salze eingenommen werden. Es handelt sich hierbei um Rötungen, Falten, Schattenbildungen und gelbliche, bräunliche sowie weißliche Veränderungen.
Der heilkundige Sanatoriumsleiter Dr. hc. Kurt Hickethier hat die Antlitzdiagnose aus den nur wenigen von Schüßler überlieferten Hinweisen weiter erforscht, systematisiert und exakt beschrieben. Da die Zeichen aufgrund eines Mangels auch an anderen Körperstellen auftreten, ist die Bezeichnung Signaturendiagnostik (Signatur = Zeichen) nach Ansicht des Autors präziser.
Signaturen: Ein Beispiel
Das folgende Beispiel soll Ihnen die Signaturen- oder Antlitzlehre verdeutlichen. Bei einem Mangel an Ferrum phosphoricum - zum Beispiel bei einer Erkältung, tritt eine schwärzlich-bläuliche Verfärbung an den inneren Augenwinkeln auf, auch als Ferrumschatten bezeichnet. Ist der Mangel stärker, ist zusätzlich eine Rötung an Stirn, Ohren und Wangen zu sehen. Am Körper können struppige, trockene Haare, welke Haut und Längs- und Querrillen an den Fingernägeln auf einen Mangel an Eisenphosphat hinweisen.
Weitere Details zu den Antlitzzeichen lesen Sie in dem Buch "Schüßler-Salze typgerecht", siehe unten).
Grenzen der Biochemie
Die Biochemie ist ebenso wie die Homöopathie oder die Bach-Blüten-Therapie ein Naturheilverfahren, das sich in vielen Erkrankungsfällen, vorwiegend bei chronischen Zuständen bewährt hat. Sie ersetzt aber nicht die herkömmliche Medizin und ist bei akuten, heftigen Symptomen ungeeignet.
Literaturverzeichnis
Heepen, Günther H.: "Schüßler-Salze - 12 Mineralstoffe für die Gesundheit", Gräfe und Unzer Verlag, München 1999 - überarbeitete Neuauflage 2004
Heepen, Günther H.: "Schüßler-Salze - typgerecht", Gräfe und Unzer Verlag, München, 2003
Heepen, Günther H.: "Schüßler-Salze - Kompass, Gräfe und Unzer Verlag, München, 2001
Heepen, Günther H.: "Schüßler-Salze - Der Große GU Kompass", Gräfe und Unzer Verlag, München, 2002
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Günther H. Heepen
Wilhelmstrasse 20
78532 Tuttlingen
Tel.: 07461-14658
Blutegelbehandlung
von Dr. sc. agr. Gabriele Plehn-Anrecht Allgemeines:
14.12.2004 - Die Blutegel-Therapie ist etwa 3000 Jahre alt: sie war schon im antiken Ägypten und Griechenland bekannt. In Deutschland wurde sie erst im 19. Jahrhundert bekannter. Ihren Niedergang erlebte die Blutegeltherapie ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der wissenschaftlichen Medizin.
Der medizinische Blutegel ist ein enger Verwandter unseres ordinären Regenwurms. Er ist braunschwarz, durchschnittlich 5 cm lang, lebt im Wasser und gehört zur Art der Ringelwürmer. Der feingeringelte Körper des Blutegels besitzt am Vorder- und Hinterende je eine Saugscheibe, mit denen er sich spannerraupenartig fortbewegt. In der vorderen Saugscheibe befinden sich drei feinbezahnte Kiefer, mittels derer er die Haut seiner Opfer durchschneidet. Beim Saugen füllen sich die seitlich des Darms befindlichen Blindsäcke mit Blut, wodurch der Egel enorm an Umfang zunehmen kann.
Es entsteht eine stark blutende Wunde in Form eines "Mercedessterns".
Ein evtl. auftretender Juckreiz und eine Rötung der Wunde sind harmlos und verschwinden nach einiger Zeit.
Wirkung:
Die Behandlung mit dem Egel wirkt gerinnungshemmend und antithrombotisch, immunisierend sowie schmerzlindernd.
Die Blutegeltherapie zählt zu den seit der Antike praktizierten ausleitenden Verfahren: doch es wird nicht nur Blut abgelassen wie beim Aderlaß oder beim Schröpfen.
Der Speichel des Kleinen Blutsaugers enthält einige Wirkstoffe, die bei seiner Mahlzeit z.T. in den menschlichen Organismus gelangen:
- Hirudin: hemmt die Blutgerinnung
- Histamin: reguliert die Durchblutung kleiner Blutgefäße (Erweiterung u. damit Hautrötung) und der Herzkranzgefäße (Angina pectoris)
- Eglin: entzündungshemmend
- Calin: wirkt auf Blutgerinnung
- Hyaluronidase: wirkt antibiotisch und gefäßerweiternd
Hirudin wird für Salben gegen Venenleiden und Sportverletzungen verwendet, gentechnisch hergestelltes Hirudin dient in der Herzchirurgie als blutverdünnendes Mittel.
Man kann zwei Phasen beim Blutsaugen unterscheiden:
1. Zunächst spritzt der Egel Histamin ins Gewebe, so daß die Blutgefäße weitgestellt werden und das betroffene Gebiet gut mit Blut versorgt wird.
2. Dann kommt das Hirudin zur Wirkung, das das Blut dünnflüssiger macht.
Anwendungsgebiete:
Die Domäne der Blutegel sind Beinleiden: Thrombosen (Blutpropfen) lösen sich auf, bei Venenentzündungen in den Beinen wird der Blutfluß gefördert, Krampfadern fühlen sich nach einer Blutegeltherapie oft sehr viel weicher an.
Weitere Indikationen:
- Durchblutungsstörungen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Herzinfarkt oder Neigung dazu
- Hämorrhoiden
- alle Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (z.B. Arthrose des Kniegelenks)
- Frauenkrankheiten
- Narbenbeschwerden
- Kopfschmerzen
- Gürtelrose
- Klimakterische Beschwerden
- Blutergüsse
- Bluthochdruck
- Tinnitus
- Erkrankungen der Herzkranzgefäße (z.B. Angina pectoris)
- Entzündungen aller Art (Haut, Mittel-ohr, Augenbereich)
- Schlaganfall
- plastische Chirurgie
- Unfallchirurgie
Die durch die Therapie angeregte Blutneubildung wirkt vertiefend auf den Heilungsprozess. Die Sauerstoffaufnahme der Zellen erhöht sich wesentlich und die Gesamtkonstitution wird gestärkt.
Die Blutegel werden möglichst nahe auf das zu behandelnde Gebiet aufgesetzt. Die Anzahl richtet sich nach der Schwere der Erkrankung, dem Alter und dem Allgemeinzustand des Patienten, wobei max. 10 Blutegel angesetzt werden.
Blutegel werden nicht angesetzt bei:
- Bluter-Patienten
- Patienten, die blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen (eingeschränkt möglich)
- immungeschwächten Patienten
- Blutarmut (Anämie)
Die genaue Wirkungsweise der Blutegel ist noch in vielen Fällen ein Geheimnis. Trotzdem ist die Wirkung dieser Tiere nicht zu bestreiten.
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Dr. sc. agr. Gabriele Plehn-Anrecht
Heilpraktikerin/ Ernährungswissenschaftlerin
Steinweg 74
38518 Gifhorn
Internet: www.heilpraxis-gifhorn.de/
E-Mail: gpa@heilpraxis-gifhorn.de
Buteyko-Methode
von Dr. Silvia Smolka
Was ist eukapnisches Atmen?
14.12.2004 - Viele Gesundheitsprobleme, wie Asthma bronchiale, chronischer Schnupfen und andere Krankheiten mit oft ungeklärten Ursachen können durch eine Verschiebung des natürlichen Atemgleichgewichts verstärkt oder sogar verursacht werden. Diese Störung ist den Betroffenen oft nicht bewußt.
Das eukapnische Atmen nach Buteyko ist eine sehr wirksame Selbsthilfemethode, mit der man sein Atemmuster normalisieren kann. Dadurch werden die vom Blut transportierten Gase, Kohlendioxid und Sauerstoff, in ein normales Gleichgewicht zueinander gebracht
("Eukapnie" = normaler Kohlendioxidgehalt des Blutes).
Woher stammt die Methode?
Die in Deutschland noch fast unbekannte Buteyko-Atemmethode wurde von dem russischen Arzt Dr. Konstantin Pavlovich Buteyko im Verlauf jahrzehntelanger Forschungen zum Zusammenhang zwischen der Atmung und verschiedenen Krankheiten entwickelt. Heute wird sie in vielen Krankenhäusern in Rußland bei Patienten mit Asthma und anderen Gesundheitsproblemen eingesetzt. Die politische Situation in der früheren Sowjetunion und die Sprachbarriere haben dazu geführt, daß die Methode ihren Weg in den "Westen" erst Anfang der Neunzigerjahre gefunden hat.
In den englischsprachigen Ländern wird die Methode zunehmend angewendet. Trotz ihrer hohen Wirksamkeit setzt sie sich aber nur langsam durch, weil es eine Selbsthilfemethode ist, an deren Erforschung und Förderung einerseits niemand ein finanzielles Interesse hat und die andererseits eine persönliche Bereitschaft zur Selbstbeobachtung und zu regelmäßiger Übung verlangt.
Welche Theorie steht dahinter?
In unserem Bewußtsein wird viel atmen mit einer guten Sauerstoffversorgung gleichgesetzt. Wie beim Essen ist aber auch beim Atmen ein Zuviel ungesund und Ursache für viele gesundheitliche Beschwerden. Zu schnelles und zu tiefes Atmen (Hyperventilation) führt zu einem Ungleichgewicht in unseren Blutgasen, besonders einem Mangel an Kohlendioxid. Viel atmen bewirkt entgegen der bei uns verbreiteten Ansicht eine schlechtere Versorgung der Gewebe mit Sauerstoff, weil dieser bei einem Kohlendioxidmangel fester im Blut gebunden wird und weil sich Blutgefäße verengen. Menschen mit der Anlage für Asthma reagieren in der Regel auf ein solches Atemungleichgewicht mit einer Verengung der Bronchien und Atemnot.
Ist die Wirksamkeit der Methode wissenschaftlich bewiesen?
Neben den in Rußland durchgeführten Studien wurde 1994/95 auch in Australien eine Untersuchung (siehe englische Originalarbeit od. deutsche Zusammenfassung) durchgeführt, bei der die Wirksamkeit der Buteyko-Methode bei Asthma-Patienten mit der einer dort üblichen konventionellen Atem- und Asthmaschulung verglichen wurde. Nach drei Monaten hatte die Gruppe, die die Buteyko-Methode angewendet hatte, unter ärztlicher Kontrolle die Dosierung ihrer Medikamente zur Erweiterung der Bronchien um 90% und ihrer Kortikosteroide um 49% reduziert, ohne daß eine Verschlechterung der Lungenfunktion eintrat. Hingegen konnte die Medikation der Kontrollgruppe mit konventioneller Asthmaschulung nur um 6% bzw. 0% vermindert werden.
Für wen eignet sich die Methode und welche Wirkungen hat sie?
Die Methode eignet sich für jeden, der weniger auf Medikamente angewiesen sein möchte und der eine gewisse Bereitschaft zur Selbstbeobachtung und zum Üben mitbringt. Später, wenn man die Übungen beherrscht, kann man sie in seinen normalen Tagesablauf einbauen und mit gewöhnlichen Tätigkeiten kombinieren, ohne Extrazeit dafür aufwenden zu müssen.
Die Methode kann bei vielen Gesundheitsproblemen helfen. Besonders effektiv ist sie aber bei Asthma und Rhinitis , da sie bei auftretenden Symptomen eine Sofortwirkung hat, die der eines bronchienerweiternden Medikamentes oder Nasensprays ähnelt. Bei regelmäßiger Übung bewirkt die Methode eine Umstimmung der Atmung , so daß Beschwerden sich kaum mehr entwickeln.
Die Methode eignet sich auch sehr gut für Kinder ab ca. 5 Jahren. Aber auch für jüngere Kinder gibt die Methode bereits einige Hinweise und Hilfen, die zu einer Besserung des Asthmas führen können.
Gibt es Risiken bei der Anwendung der Methode?
Bei einem sonst gesunden Menschen sind Risiken nicht bekannt. Bei Vorliegen bestimmter sonstiger Krankheitsbilder (Bluthochdruck, Diabetes, Epilepsie, Herzkrankheiten, Nierenkrankheiten u.a. schwere Krankheiten) sieht die Methode besonders angepaßte weniger intensive Übungen vor.
Vor dem Beginn mit den Atemübungen sollten Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin fragen, ob Bedenken dagegen bestehen. Änderungen in der Dosierung Ihrer Medikamente dürfen Sie nur in Absprache mit ihm oder ihr vornehmen.
Veröffentlichung dieses Textes mit freundlicher Genehmigung von
© Dr. Silvia Smolka
Waldstrasse 11
38162 Cremlingen
www.atemweite.de
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