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+++Querschnittslähmung: In Sachen Therapie tut sich was+++

28.07.03
Bundesweit gibt es etwa 100 000 querschnittsgelähmte Menschen. Jedes Jahr kommen etwa 1000 unfallbedingte Fälle hinzu, mit einer deutlichen Steigerung in den vergangenen zehn Jahren, teilt die Deutsche Stiftung Querschnittlähmung mit. Zugleich haben sich auch die Therapiemöglichkeiten wesentlich verbessert. Dabei bleibe die Rehabilitation nach einem Unfall das A und O der Behandlung, berichtet der Neurologe Andreas Schmitt vom Aachener Forschungszentrum für Querschnittlähmung.

So hat man herausgefunden, dass es möglich ist, buchstäblich ohne Kopf zu laufen, weil sich das Rückenmark auch ohne Verbindung zum Gehirn Bewegungsmuster merken kann. Daher versucht man mit systematischem Gehtraining auf einem Laufband, frisch operierte Patienten so schnell wie möglich zum Laufen zu bringen. Um die Laufbandtherapie flächendeckend umzusetzen, fehlen in Deutschland allerdings noch genügend erfahrene Therapeuten.

Auch die „Funktionelle Elektrosimulation“ ist eine Entwicklung der vergangenen Jahre. Die Neuroprothese wird überwiegend eingesetzt, um Patienten das Greifen zu ermöglichen: Dafür werden Elektroden auf Hand oder Arm geklebt oder direkt unter die Haut gepflanzt. Wenn der Gelähmte einen Becher greifen will, legt er seine Hand darum, drückt mit der anderen auf eine Art Fernsteuerung und löst einen Impuls aus. Seine Muskeln ziehen sich zusammen, die Finger krümmen sich.

Die Elektrosimulation wird heute auch eingesetzt, um Querschnittsgelähmten das Stehen oder sogar Gehen an Krücken zu ermöglichen. Der Erfolg des Gehens unter Strom ist jedoch bescheiden: Jeder Schritt ist äußerst anstrengend, weil nur bestimmte Muskelgruppen angeregt werden, sich zu strecken oder zusammenzuziehen. Sicherlich sei dies nicht die Therapie der Zukunft, sagt Schmitt.

Quelle: www.gesundheitspilot.de


+++ Querschnittslähmung: Rückenmark kann gehen lernen+++

Verletzungen des Rückenmarks haben schwere Behinderungen bis hin zur Querschnittslähmung zur Folge.
Bisher sind diese Verletzungen nicht zu beheben. Ergebnisse aus Tierexperimenten machen aber Hoffnung, unterbrochene Nervenbahnen teilweise wieder herstellen zu können.

  Betroffene können schon heute dank neuartiger Rehabilitationsmethoden ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zurückgewinnen.


  Gerade arbeiten die Paraplegikerzentren fast ausgiebig mit Therapien zur Unterstützung der Restfunktion des Rückenmarks. So wird das menschliche Rückenmark zur Remobilisierung seiner motorischen Programme trainiert. 90 % der Patienten sind nach einem systematischen Gehtraining auf dem Laufband in der Lage, Kurzstrecken an Stöcken zu bewältigen.

  Auch sog. Neuroprothesen setzen bei den Restfunktionen an: Muskeln werden mittels elektrischer Impulse zur Kontraktion veranlasst. Manche Patienten können nach einer Trainingsphase vorher nicht mögliche motorische Leistungen wieder ausführen. Die Lebensqualität der Betroffenen wird durch die Möglichkeit, Schraubverschlüsse zu öffnen oder dasTelefon abzunehmen, massiv erhöht. Das geschädigte Nervensystem stellt sich auch hier als anpassungsfähig heraus.

  Ob die Querschnittslähmung jemals vollständig geheilt werden kann? Der Zürcher Hirnforscher Martin Schwab meint: "Der Schritt dahin ist noch sehr gross." Einmal durchtrennte Nervenfasern des Zentralnervensystems wachsen nicht mehr zusammen, weil die Hüllen der Nervenfasern Substanzen ausscheiden, die das Wachstum hemmen.

  Weltweit sind viele Forschungsteams dabei, dieses Phänomen zur Therapieentwicklung für die Querschnittslähmung zustudieren. In den letzten 15 Jahren hat die Forschung tatsächlich große Fortschritte erzielt: Die Hemmung des Nervenwachstums konnte beispielsweise bei Ratten mittels Antikörpern ausgeschaltet werden; die verletzten Nervenfasern begannen wieder zu wachsen,gleichzeitig wurden auch die motorischen Fähigkeiten markant verbessert.

  In anderen Projekten setzen die Forscher Brücken zwischen die getrennten Nervenstümpfe ein. Sie helfen den Nervenfasern bei der Überwindung des Narbengewebes, welches sich nach der Verletzung bildet. Diese Technik funktioniert am besten mit Materialien, die Wachstumsfaktoren oder sog. neuronale Stamm-zellen enthalten. Obwohl diese Ergebnisse ermutigend sind, darf man sie nicht überbewerten. Noch ist die Forschung nicht so weit.

+++ Neue Behandlungsmethode: Hoffnung für Querschnittsgelähmte +++

London – Querschnittsgelähmte können auf Heilung hoffen. Britischen Forschern ist es nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" gelungen, gelähmte Ratten wieder zum Laufen zu bringen. Die Chancen stehen nach Angaben der Mediziner nicht schlecht, dass die Behandlungs-methode auch auf Menschen übertragbar ist. Normalerweise wachsen durchtrennte Nerven nicht wieder zusammen. Narbengewebe und verschiedene Hemmstoffe verhindern, dass die Nervenfasern neu sprießen. Vor allem Proteine mit langen Ketten von Zuckermolekülen stören das Zusammenwachsen. Die Idee der Wissenschaftler war daher, diese Proteine zu zerstören. Mit Hilfe des Enzyms Chondriotinase ABC gelang es den Forschern, den Ratten einen Teil ihrer Bewegungsfähigkeit zurückzugeben. Bisher ist es noch keinem Arzt gelungen, einen Querschnittsgelähmten vollständig zu heilen. Auf dem Welt-Wirbelsäulen-Kongress in Berlin vor zwei Jahren zum Beispiel sorgte ein italienischer Chirurg mit dem angeblichen Erfolg seiner unkonventionellen Operationen für großes Aufsehen. Doch seine Experimente sind nach wie vor stark umstritten. Der Chirurg hatte von der Schulter aus einen Armnerv zum wichtigsten Hüftmuskel umgeleitet. Einige Ärzte bezeichneten die Operation als "einmalig und sensationell". Andere Experten, darunter der Neurobiologe Martin Schwab von der Universität Zürich, wollten in Berlin jedoch nicht in die Lobeshymnen einstimmen. Sie fürchten vielmehr, dass euphorische Berichte über Operationen bei Patienten falsche Hoffnungen weckten. Denn ähnliche chirurgische Verfahren würden bereits seit Jahren angewandt. Vor allem, so der Hauptkritikpunkt, blieb der italienische Mediziner den Beweis schuldig, dass die Fortschritte seines Patienten tatsächlich ein Operationserfolg sind. Von Heilung kann ohnehin nicht die Rede sein: Außer den Beinmuskeln sind alle anderen Muskeln im unteren Teil seines Körpers gelähmt und taub.
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