Die
Inhaltsübersicht
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Neues Pupillometer
liefert Hinweise auf Hirnverletzungen
- Fluoreszenzverfahren
macht Hirnoperationen sicherer
- Klinische Studie der Neurochirurgischen Klinik Heidelberg untersucht,
warum Hirnschäden nach einem Trauma auch auf
gesundes Gewebe übergreifen
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Neues Pupillometer
liefert Hinweise auf Hirnverletzungen
20.08.2004 - Zur ersten ärztlichen Untersuchung von Unfallopfern
gehört das Leuchten ins Auge. Am Zusammenziehen der Pupille
kann der Fachmann mögliche Gehirnverletzungen erkennen.
Um diese recht subjektive Diagnosemethode zu verbessern, haben
britische Mediziner ein neuartiges Pupillometer entwickelt.
Das Gerät kann die Daten mehrerer Patienten erfassen
und durch wiederholte Messungen Veränderungen registrieren.Ein
Forscherteam um den Medizintechniker Andrew Clark vom NHS
Trust Newcastle upon Tyne hat die Messtechnik perfektioniert.
Das Pupillometer besitzt eine Digitalkamera und eine kleine
Lampe, die aus zwei bis drei Zentimetern Entfernung zum Auge
des Patienten Lichtblitze aussendet. Die Reaktionen der Pupille
werden innerhalb einer Sekunde von einem Bildverarbeitungsprogramm
erkannt, gespeichert und interpretiert. Durch Mehrfachmessungen
lassen sich geringste Veränderungen erkennen.Im Gegensatz
zu vergleichbaren technischen Verfahren werde das Auge nicht
berührt, sodass hygienisch unbedenkliche Reihenuntersuchungen
mehrerer Personen direkt am Unfallort möglich seien,
erklärten die Entwickler gegenüber dem Magazin "New
Scientist". Die Bildverarbeitung kann zudem bei wiederholten
Untersuchungen der selben Person Reflexionen auf dem Auge
dazu nutzen, Schwankungen im Messabstand zu verrechnen.
Das Pupillometer wird vom künftigen Hersteller "Medical
Device Management" voraussichtlich auf der Fachmesse
"Medica 2004" im November in Düsseldorf vorgestellt.
Forschung: Andrew Clark, Newcastle upon Tyne Hospitals NHS
Trust
Medical Device Management
Quelle: Scienceticker
Fluoreszenzverfahren
macht Hirnoperationen sicherer
Frankfurter
Neurochirurgen entwickeln neues Verfahren
12.08.2004
-Eine neue Methode zur bildlichen Darstellung der Gehirngefäße
(Angiographie) ohne Röntgenstrahlung während der
Operation von Hirngefäßerkrankungen, insbesondere
Hirngefäßaneurysmen, entwickelte Priv.-Doz. Andreas
Raabe, Leitender Oberarzt an der Klinik für Neurochirugie
an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
am Main.
Für
diese Forschungsarbeit wurde Dr. Raabe auf der Jahrestagung
der Amerikanischen Gesellschaft für Neurochirurgie
in Orlando (Florida), dem weltweit größten neurochirurgischen
Kongress, mit dem International Abstract Award ausgezeichnet.
Raabe erhielt den Preis für seine Entwicklungsarbeit
zur technischen Integration einer neuen Angiographiemethode
direkt in das Operationsmikroskop. Neben dem Universitätsklinikum
Frankfurt ist bislang das Barrow Neurological Institute
in Phoenix (Arizona, USA) die einzige Einrichtung weltweit,
die mit dem an der Klinik für Neurochirurgie in Frankfurt
am Main (Direktor: Professor Dr. med. Volker Seifert) entwickelten
Operationsmikroskop arbeiten.
Das
neue Verfahren nutzt dabei die Technik der Indozyaninfluoreszenz.
Dabei wird über spezielles Licht im nicht sichtbaren
Bereich ein Fluoreszenzfarbstoff zum Leuchten angeregt.
Die Neurochirurgen können somit den Blutfluss in den
Gehirngefäßen erstmals direkt durch das Operationsmikroskop
beobachten. "Damit ist eine sofortige Bildkontrolle
des Operationsergebnisses möglich", sagt Priv.-Doz.
Dr. Andreas Raabe.
Das
neue Verfahren wird vor allem zur Behandlung von Aussackungen
der Hirngefäße, sogenannten Aneurysmen, angewandt.
Da Aneurysmen häufig platzen, müssen sie in den
meisten Fällen mit einem Clip verschlossen werden,
um eine Hirnblutung, die bei dieser Erkrankung ohne Behandlung
wiederholt auftreten kann, zu vermeiden.
Zur
Zeit werden etwa 70 Prozent der Aneurysmen über den
Gefäßweg verschlossen, indem eine Platinspirale
in das Aneurysma eingelegt wird (endovaskuläres Coiling).
Bei 30 Prozent der Aneurysmen, darunter oft die komplizierten,
gibt das Team der Neurochirurgen und Neuroradiologen der
Behandlung durch einen operativen Verschluss des Aneurysmas
den Vorzug (mikrochirurgische Klippung).
Für
das bisherige eingesetzte bildgebende Verfahren, die Röntgenangiographie,
musste die Operation für 20 Minuten unterbrochen werden.
Wegen dieser zeitlichen Verzögerungen, der besonderen
technischen Anforderungen und der Nebenwirkungen kam diese
Methode nicht routinemäßig zum Einsatz. Durch
die sofortige Bildkontrolle ist eine Korrektur des Gefäßclips
jedoch unmittelbar möglich. Komplikationen wie Gefäßeinengungen
oder -verschlüsse durch den Clip oder ein ungenügendes
Abklippen des Aneurysmas werden so vermieden.
Professor
Dr. Volker Seifert, Direktor der Klinik für Neurochirurgie,
und die Mediziner der Arbeitsgruppe um Priv.-Doz. Dr. Raabe
erhoffen sich von der routinemäßigen Anwendung
der neuen Angiographiemethode eine weitere Verbesserung
der Sicherheit des operativen Eingriffes. "Für
den Patienten bedeutet das ein höheres Maß an
Sicherheit, da wir jetzt bei allen Aneurysma-Operationen
den Blutfluss sichtbar machen und das Ergebnis der Operation
überprüfen können. Bei besonders komplizierten
Fällen ist die intraoperative Röntgenangiographie
aber weiterhin ein unersetzliches Verfahren", sagt
Raabe.
Die
Neurochirurgische Klinik am Klinikum der Johann-Wolfgang
Goethe Universität Frankfurt ist zusammen mit dem Institut
für Neuroradiologie ein führendes Zentrum der
interdisziplinären Aneurysmatherapie. Eine weitere,
bisher einzigartige Entwicklung aus der gleichen Klink ist
die Verwendung der dreidimensionalen Angiographiebilder
zur Navigation bei der Aneurysmaoperation. Dieses mittlerweile
aus der Tumorchirurgie nicht mehr wegzudenkende Verfahren
der computer- und bildgestützten Operation konnte bisher
für Angiographiebilder nicht eingesetzt werden, da
aus methodischen Gründen die Position des Kopfes während
der Angiographie nicht genau bestimmt werden konnte. Auch
dieses Problem hat die Arbeitsgruppe um und Professor Volker
Seifert und Priv.-Doz. Dr. Raabe gelöst. Nun werden
die Gefäßäste und das gefährliche Aneurysma
für die Neurochirurgen schon vor der Freilegung sichtbar
und die Operation kann schneller und schonender durchgeführt
werden.
Quelle:
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt
a. M.
Klinische
Studie der Neurochirurgischen Klinik Heidelberg untersucht,
warum Hirnschäden nach einem Trauma auch auf gesundes
Gewebe übergreifen
07.07.2004 - In Deutschland erleiden jährlich rund 13.000 Patienten eine massive Kopfverletzung, die zu andauernder Bewusstlosigkeit führt. Die Hälfte der Patienten stirbt an den Folgen des schweren "Schädel-Hirn-Traumas"; von den Überlebenden tragen fast 30 Prozent schwere Behinderungen davon.
Eine klinische Studie an der Neurochirurgische Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Andreas Unterberg) soll nun klären, ob der drohende Untergang von Hirngewebe mit spezifischen Erregungswellen der Nervenzellen einhergeht und Hirnstrommessungen diese Entwicklung vorhersagen können. Die Studie unter Federführung von Dr. Oliver Sakowitz, Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Neurochirurgischen Klinik, wird vom "Kuratorium ZNS" (assoziiert mit der Hannelore-Kohl-Stiftung) mit 48.000 Euro sowie der Medizinischen Fakultät Heidelberg finanziert.
"Unser Ziel ist es, den Zustand des Hirngewebes nach einem Trauma oder einer Blutung möglichst exakt zu untersuchen, um fein abgestimmte therapeutische Maßnahmen ergreifen zu können", sagt Professor Unterberg. Bislang geben vor allem Messungen des Hirndrucks Hinweise auf bedrohliche Entwicklungen - oft zu spät, wie die Neurochirurgen wissen. An einigen neurochirurgischen Zentren wie der Heidelberger Klinik werden neue Messmethoden erforscht und klinisch eingesetzt, die im "intrazerebralen Monitoring" ein genaueres Bild vom aktuellen Zustand des zerstörten und umgebenden Hirnbereichs wiedergeben.
Zustand der Patienten verschlechtert sich mit Verzögerung
"Bei Patienten, die ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben, beobachten wir immer wieder einen typischen Verlauf", erklärt Dr. Sakowitz. Nach einigen Stunden bis Tagen verschlechtert sich ihr Zustand. Gesundes Hirngewebe, das an das geschädigte grenzt, wird in Mitleidenschaft gezogen, der Hirndruck steigt, es drohen bleibende Funktionsausfälle und Behinderungen.
Warum dies passiert, ist bislang ungeklärt. Da bereits geschädigtes Gewebe einer Therapie nicht mehr zugänglich ist, konzentrieren sich die Heidelberger Wissenschaftler, neue Strategien zur Schadensbegrenzung zu entwickeln.
"Bei der Schädigung des gesunden Gewebes spielen elektrische Erregungswellen im Gehirn eine große Rolle", sagt Dr. Sakowitz. Dieses "Cortical Spreading Depression" (CSD) genannte Phänomen, bei der die Nervenzellen ihre Aktivität für maximal drei Minuten auf bis zu 300 Prozent steigern, wird vom gesunden Gehirn ohne weiteres verkraftet. Geschädigte Hirnzellen sind nach diesem Kraftakt jedoch nicht mehr in der Lage, die elektrische Balance wiederzuerlangen und die nötigen Ionenströme dafür in Gang zu setzen, wie Tierversuche gezeigt haben. Ihre Energieversorgung durch Sauerstoffzufuhr und Zuckerstoffwechsel ist zu stark beeinträchtigt. Die Schäden drohen, falls keine Behandlungsmaßnahme ergriffen wird, auf benachbarte Zellen überzugreifen.
Elektrode wird auf der der Hirnoberfläche angebracht
"In der klinischen Studie werden wir bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma die elektrischen Erregungsmuster direkt an der Oberfläche des Gehirns messen", erklärt Dr. Sakowitz. Voraussetzung ist, dass der Schädel wegen einer massiven Steigerung des Hirndrucks aufgrund von Schädelverletzung, Blutung oder einer Durchblutungsstörung (Schlaganfall) eröffnet werden muss. Die etwa sieben Zentimeter lange und einen halben Millimeter dicke Elektrode wird im Rahmen des Eingriffs an der Oberfläche des geschädigten Hirnareals angebracht. Derartige Elektroden sind in der Diagnostik von Epilepsie-Patienten vor neurochirurgischen Eingriffen routinemäßig im Einsatz.
Bislang wurden Mess-Sonden für den Hirndruck und wichtige Stoffwechselwerte zur Beurteilung des Gewebezustandes, etwa für Sauerstoff sowie Nerven-Transmitterstoffe (z.B. Glutamat), die aus geschädigten Zellen austreten, gelegt. Die Wissenschaftler möchten u.a. feststellen, ob die Erregungswellen mit Stoffwechselveränderungen einhergehen, und welche Auswirkungen die therapeutische Beeinflussung dieser Werte haben.
"An
der Studie sollen in den nächsten 18 Monaten 30 Patienten
teilnehmen," sagt Dr. Sakowitz. Wichtiger Partner im
Heidelberger Klinikum ist die Neurologische Universitätsklinik,
die mit einer der größten "Stroke Units"
in Deutschland jährlich mehrere hundert Patienten mit
akutem Schlaganfall betreut. Die Zusammenarbeit mit weiteren
Kliniken in Deutschland und im Ausland, die sich mit dem "intrazerebralen
Monitoring" befassen, ist geplant.