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 Die Inhaltsübersicht


- Stammzellencocktail gegen Wirbelsäulenverletzungen
Zeitpunkt der Transplantation für Erfolg entscheidend
- Neue Therapie bei Verletzungen des Rückenmarks
- Chirurgischer Eingriff zur Blasenkontrolle bei Querschnittgelähmten - Klinik Tübingen bietet
Innovation erstmals auch in Europa an
- Beinbewegung trotz Querschnittlähmung
- Tunnel für Nervenfasern
- Hoffnung auf neuen Behandlungsansatz
- In Sachen Therapie tut sich was
- Rückenmark kann gehen lernen

- Neue Behandlungsmethode: Hoffnung für Querschnittsgelähmte

 

Stammzellencocktail gegen Wirbelsäulenverletzungen
Zeitpunkt der Transplantation für Erfolg entscheidend

Toronto - 29.03.2006 - Stammzellen können helfen, einen Teil der Funktion bei Ratten mit Schädigungen der Wirbelsäule wieder herzustellen. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Toronto Western Research Institute http://www.uhnresearch.ca/institutes/twri gekommen. Das Team um Michael Fehlings setzte dafür Stammzellen ein, die aus Mäusegehirnen entnommen worden waren. Sie injizierten den fein abgestimmten Cocktail bestehend aus Wachstumshormonen, entzündungshemmenden Medikamenten und den Zellen Ratten mit zerstörtem Rückgrat. Obwohl Tiere, die den Cocktail nicht erhielten, zwei Wochen nach der Verletzung einen Teil der Funktion ihrer hinteren Gliedmaßen wiedererlangten, waren sie extrem unkoordiniert. Die Behandlung mit den Stammzellen verbesserte die Funktion der Gliedmaßen, konnte sie aber nicht vollständig wieder herstellen. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Journal of Neuroscience http://www.jneurosci.org veröffentlicht.

Es zeigte sich, dass die spezielle Mischung aus Wachstumshormonen und entzündungshemmenden Bestandteilen die transplantierten Zellen nach der Injektion in die Wirbelsäulen beim Überleben unterstützte. Die Wissenschafter kennzeichneten die Zellen mit fluoreszierenden Markern, damit sie wieder erkennbar waren. Insgesamt überlebte rund ein Drittel der transplantierten neuralen Stammzellen. 80 Prozent dieser Zellen entwickelten sich zu Oligodendrozyten, eine Zellenart, die die Nervenfunktion unterstützt. Laut Fehlings ist diese hohe Umwandlungsrate entscheidend, da die Oligodendrozyten Myelin herstellen können, jene isolierende Schicht rund um die Nervenfasern, die hilft Signale an das Gehirn zu übertragen. Die Myelinproduktion wird durch eine Verletzung der Wirbelsäule unterbrochen.

Die Ratten, die mit Stammzellen behandelt wurden, wiesen eine bessere Koordination ihrer Gliedmaßen auf als jene, die nur Wachstumshormone und entzündungshemmende Medikamente oder keine Behandlung erhielten. 30 Prozent der transplantierten Zellen überlebten, wenn der Eingriff zwei bis drei Wochen nach der Verletzung der Wirbelsäule stattfand. Dieser Wert sank auf 5 Prozent, wenn die Transplantation zwischen sechs und acht Wochen nach der Verletzung stattfand. Fehlings nimmt an, dass die im Laufe der Zeit stattfindende Vernarbung der Wunde den Erfolg der Behandlung beeinträchtigen kann. Den für diese Studie verwendeten Ratten wurde eine Schädigung des Rückenmarks zugefügt, die ungefähr jener entspricht, die ein Mensch bei einem Autounfall erleiden kann.

Phillip Popovich von der Ohio State University erklärte gegenüber New Scienstist, dass dieser spezielle Cocktail eine entscheidende Rolle bei Behandlungsansätzen mit Stammzellen spielen könnte. Er ist jedoch nur vorsichtig optimistisch, da diese Ansatz beim Menschen aufgrund seiner Komplexität schwierig einzusetzen sein könnte. "Den Patienten wird nicht einfach eine Tablette oder eine Injektion verabreicht werden können." Allein in Amerika erleiden jährlich rund 8.000 Menschen vor allem bei Verkehrsunfällen Verletzungen der Wirbelsäule.

Quelle: pte


Neue Therapie bei Verletzungen des Rückenmarks

Worcester, Massachusetts, November 2 (ots/PRNewswire) - Die Total ReCord, Inc. mit Sitz in Massachusetts, ein Early-Stage-Unternehmen, welches speziell zum Zweck der Entwicklung und Vermarktung neuer Therapien für neurodegenerative Krankheiten gegründet wurde, plant Anfang des Jahres 2006 den Beginn klinischer Versuche mit einer neuen Behandlung von Patienten mit Rückenmarksverletzungen.


Bild: Photocase

RMx(TM), das führende Produkt der Total ReCord, ist eine neue nicht-zelluläre, nicht Medikamenten-basierte Klasse der Biotherapeutika, die sich auf die natürlichen regenerativen Prozesse des Körpers zur Stimulierung des Wachstums von neuem Gewebe des zentralen Nervensystems stützt. "RMx ist eine vielversprechende Alternative zu Embryonalstammzellen, die ein erhebliches Potential bei der Behandlung von Rückenmarksverletzungen haben können," sagt Dr. John McDonald, der Executive VP und Direktor des International Center for Spinal Cord Injury beim Kennedy Krieger Institute.

Die regenerative Matrix von RMx stellt eine neue Behandlungsmethode bei Rückenmarksverletzungen dar, sie in vorklinischen Studien an Tiermodellen bereits vielversprechende Ergebnisse gezeigt hat. Total ReCord hat RMx auf der Grundlage des Prinzips der Unterdrückung gewisser Wundheilungsprozesse entwickelt, wodurch die Regeneration des Gewebes des Zentralnervensystems (CNS) beeinträchtigt und gleichzeitig die wünschenswerten Eigenschaften dieser Prozesse verbessert wird.

RMx wirkt zunächst so, dass es die Stelle des geschädigten Gewebes säubert und für neues Zellwachstum sorgt. Danach verlangsamt RMx die Bildung von Narbengewebe, das die Regeneration der überlebenden Axone hemmen kann, während es gleichzeitig die Bildung neuer Blutgefässe fördert. Beide Prozesse sind für die Bildung von neuem, gesundem CNS-Gewebe entscheidend. Weiterhin besitzt RMx bestimmte stimulierende Wirkungen auf die Bildung und Elongation neuer Neuriten. Nachdem sich dieses neue Gewebe gebildet hat, kann es darauf trainiert werden, so im Körper zu wirken, dass die Bewegung wiederhergestellt wird, dass bei Patienten mit Rückenmarksverletzungen sogar Schritte unter Belastung durch das Körpergewicht möglich werden.

In vorklinischen Studien konnten sich Tiere, die eine traumatische Schädigung des Rückenmarks erlitten hatten und anfänglich vollständig gelähmt waren, bald nach der Behandlung mit RMx wieder bewegen. In den meisten Fällen konnten sie Schritte unter Belastung durch das Körpergewicht machen. Total ReCord ist zuversichtlich, dass die in den Tierversuchen erfolgreich angewandten Humanimplantate bei der Behandlung von Patienten mit Rückenmarksverletzungen wirksam sein werden. Das Ausmass der mit Hilfe von RMx möglicherweise erreichten Genesung bei Patienten wird jedoch erst nach den klinischen Studien am Menschen deutlich. RMx hat ausserdem erwiesenermassen keine toxischen Nebenwirkungen bei Tieren gezeigt.

Der Gründer und CEO Jan-Eric Ahlfors ist zuversichtlich, dass RMx nach den ersten Phasen der klinischen Versuche am Menschen mit hoher Priorität zur Genehmigung durch die FDA vorbereitet wird und sogar bald bei Zuständen angewendet werden kann, die Patienten für Jahrzehnte permanent an den Rollstuhl gefesselt haben. Die Innovationen der Total ReCord können möglicherweise die Bewegungsfähigkeit von Opfern von Lähmungen, Schlaganfällen und Multipler Sklerose wiederherstellen.

Quelle: Total ReCord, Inc.


Chirurgischer Eingriff zur Blasenkontrolle bei Querschnittgelähmten - Klinik Tübingen bietet Innovation erstmals auch in Europa an

Tübingen (pte) - 08.09.2005 - Bisher waren Patienten mit einer Querschnittlähmung auf Hilfsmittel wie Katheter oder Windeln angewiesen, da sie zumeist ihre Blasenfunktion nicht kontrollieren konnten. Am Universitätsklinikum Tübingen http://www.medizin.uni-tuebingen.de wird jetzt europaweit zum ersten Mal eine Operation angeboten, die eine Kontrolle der Blasenfunktion wieder möglich macht.

Möglich wird die neuerliche Kontrolle der Blasenfunktion durch die operative Umleitung von Nervenbahnen. Dabei werden Nerven eines Rückenmark-Reflexbogens aus dem Oberschenkel auf den Reflexbogen der Harnblase umgeleitet. Durch die Auslösung eines Reizes am Oberschenkel kann dann über diese Umleitung die Blase wieder gesteuert werden. Nach bisherigen Erfahrungen dauert dies zwischen sechs und 12 Monaten. Der erste Patient, ein 25-jähriger Mann, der vor zwei Jahren bei einem Unfall gelähmt wurde, konnte gestern, Mittwoch, erfolgreich operiert werden. Dabei waren Experten der urologischen Uniklinik, der neurochirurgischen Uniklinik und ein Fachmann für Querschnittgelähmte der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen tätig.

Neu ist diese Methode allerdings nicht, denn der chinesische Mediziner Chuango Xiao entwickelte in den vergangenen Jahren eine neue Operationstechnik im Tiermodell und hatte diese bereits erfolgreich angewendet. Dabei kehrte die Blasenfunktion im Durchschnitt nach 12 bis 18 Monaten bei 67 Prozent der Patienten zurück. An mehr als 100 Patienten, bei manchen lag der Zeitpunkt der Lähmung bis zu 15 Jahre zurück, konnte die Methode erfolgreich angewendet werden. Die Erfolgschancen lagen zuletzt bei 80 Prozent.

"Wir hoffen natürlich auch auf solche hohen Erfolgschancen", erklärt Karl Sievert, Oberarzt der urologischen Klinik am Universitätsklinikum Tübingen zu pressetext. Sievert hat mehr als zehn Jahre Erfahrung in der sakralen Neurostimulation und wurde in der Technik von Xiao persönlich unterrichtet. "Wir wollen die Methode noch weiter verfeinern", erklärt der Mediziner. Eine der wesentlichen Grundvoraussetzungen sei eine gute Kooperation der verschiedenen Spezialisten miteinander. Etwa 30 bis 40 Patienten pro Jahr erwarten die Tübinger Experten. Im Gespräch mit pressetext schließt der Experte auch Operationen an Patienten aus anderen EU-Staaten nicht aus. "Hier geht es letztlich um die finanzielle Abklärung mit den Krankenkassen", meint Sievert. Auch ein Weitergeben des Wissens an andere Kliniken sei vorstellbar.

Da der operative Eingriff sehr komplex und anspruchsvoll ist und verschiedene Spezialisten und auch technisches Equipment erforderlich ist, kann er nur in einer Universitätsklinik durchgeführt werden, gibt der Experte zu bedenken. An der Uniklinik Tübingen soll dieser Eingriff möglichst bald ins "normale Operationsrepertoire" aufgenommen werden. Lediglich bei frisch Rückenmarksverletzten müsse ein Zeit abgewartet werden, da es eventuell zu einer Normaliserung kommen könne. Die fehlfunktionierende Blase verursacht bei Querschnittpatienten ein beträchtliches medizinisches und soziales Problem. Bisher gab es keine befriedigende therapeutische Möglichkeit. Darüber hinaus ist im Vergleich zu den bisherigen Therapieansätzen keine ausgedehnte Nervendurchtrennung oder sehr teures Implantatmaterial notwendig.

Quelle: pte


Beinbewegung trotz Querschnittslaehmung

20.12.04 - Einem jungen Wissenschafter der Technischen Universität Wien ist es gelungen, durch den Nachweis neuronaler Mustergenerationen aufzuzeigen, wie bei Querschnittslähmung Beinbewegungen durch Rückenmarkstimulation ausgelöst werden können.

Wien (TU) Bisher ist es medizinisch nicht möglich, eine komplette Querschnittslähmung so zu überwinden, dass die Beine wie beim natürlichen Gehen wieder vom Rückenmark gesteuert werden können. In Kooperation mit Wissenschaftern aus Houston und Wien hat Karen Minassian im Zuge seiner Dissertation an der Technischen Universität (TU) Wien die neuronalen Muster zur Steuerung der Beinbewegung analysiert und herausgefunden, wieso diese Bewegungen durch relativ simple Neuroprothesen angesprochen werden können. Damit wurde nachgewiesen, dass in unserem Rückenmark neuronale Mustergeneratoren zur Steuerung der Beinbewegung existieren. Für Menschen mit einer Querschnittslähmung besteht ein Hoffnungsschimmer, wieder gehen zu können.

Eine Querschnittslähmung entsteht durch eine Schädigung des Rückenmarkquerschnitts, wodurch Nervenbahnen nicht mehr leiten und motorische, sensible und vegetative Bahnen ausfallen. Die Folge ist, dass die Nerven ab dem geschädigten Rückenmarkbereich über das Gehirn nicht mehr aktiviert werden können, was zum Beispiel die willentliche Steuerung der Beine verhindert.

Eine relativ simple Neuroprothese, die jetzt schon zur Unterdrückung von Spasmen bei Querschnittpatienten verwendet wird, erlaubt es, bei geeigneter Positionierung die neuronalen Mustergeneratoren im Rückenmark anzusprechen. Die Elektrode ist ein Dipol, die im Wirbelkörper, aber außerhalb der Rückenmarksflüssigkeit, implantiert wird. Modellrechnungen und Datenanalysen erklären, dass in den sensorischen Fasern der unteren Extremitäten künstliche neuronale Signale erzeugt werden können. Der gepulste Elektrodenstrom generiert in den Nervenfasern eine gleichmäßige Folge von Nervenimpulsen, die sich ins Rückenmark fortpflanzen. Dort werden nach mono- oder polysynaptischer Verschaltung Mustergeneratoren für die Beinbewegung aktiviert, die im gesunden Menschen über Bahnen vom Gehirn kontrolliert werden. Die Hauptcodierungsmechanismen sind also hier offensichtlich einfacher als man ursprünglich vermutet hat. Alleine durch Ändern des Stimulationsfrequenzbereichs kommt man von einer einfachen Beindurchstreckung zu rhythmischen schrittähnlichen Bewegungsmustern.

Für seine Forschungsergebnisse, die in seiner Dissertation "Modeling of a human spinal pattern generator for locomotion and its activation by electrical epidural stimulation" beschrieben sind, wurde Karen Minassian von der TU Wien mit dem TU-BioMed Preis 2004 ausgezeichnet. Der Preis wird zum dritten Mal verliehen und ist mit einer Dotation von 500,- Euro als Anerkennungspreis für die beste Diplomarbeit oder Dissertation auf dem Gebiet der biomedizinischen Technik zu verstehen. Die Preisverleihung erfolgt am 21. Jänner 2005.

Karen Minassian wurde in Teheran geboren, studierte an der TU Wien Technische Physik und ist derzeit am Ludwig Boltzmann Institut für Elektrostimulation und Physikalische Rehabilitation beschäftigt.

Minassians Dissertation ist eine von vier Dissertationen, die für den heurigen BioMed-Preis nominiert wurde. Frank Rattay, Leiter der Forschungsgruppe TU-BioMed an der TU Wien: "Für den Preis wurden beachtenswerte Arbeiten eingereicht; jede einzelne erschließt ein interessantes Thema und besticht durch die fachliche Qualifikation der jungen Wissenschafterinnen und Wissenschafter. Wegen der hervorragenden bereits international präsentierten Resultate haben wir uns für die Dissertation von Karen Minassian entschieden."

Quelle : Technische Universität Wien


Tunnel für Nervenfasern

17.8.2004 - Patienten mit Verletzungen des Rückenmarks könnten vielleicht von einer Technik profitieren, die zwei kanadische Chemikerinnen ersonnen haben. Im Fachblatt "Biomaterials" präsentieren die Forscherinnen ein von regelrechten Tunneln durchzogenes Gel, das das Wachstum von Nervenfasern in geordnete Bahnen lenken und beschleunigen kann.

"Wir müssen die Zellen dazu bringen, in eine bestimmte Richtung zu wachsen", erläutert Molly Shoichet von der University of Toronto. Auf diese Weise werde die von den sprossenden Nervenfasern zu überbrückende Entfernung minimiert und damit der Heilungsprozess beschleunigt.

Shoichet und ihre Mitarbeiterin Tina Yu stellten ihr Gel durch Polymerisation von 2-Aminoethyl- und 2-Hydroethyl-Methacrylat her. Eingebettet in das Material waren einige Hundertstel Millimeter feine und mehrere Millimeter lange Fäden aus einem weiteren, leicht abbaubaren Polymer. Nach Auflösen dieser Fäden verblieben lang gestreckte Hohlräume in dem Gel. In diese Tunnel injizierten die Forscherinnen schließlich Bruchstücke von Laminin-Proteinen, die die Anlagerung und das Einwachsen von Nervenfasern fördern.

Wie die Chemikerinnen berichten, war ihre Lock-Strategie erfolgreich. "Wenn die Nervenzellen vor den Kanalöffnungen platziert werden, reagieren sie auf die Peptide wie auf Brotkrumen und folgen ihnen", erläutert Shoichet. In diesen Kanälen sei das Wachstum der Nervenfasern deutlich rascher erfolgt als in Kanälen ohne "Lockstoff". Die Forscherin warnt allerdings vor Hoffnungen auf einen baldigen Einsatz des Tunnel-Gels. Nach den Versuchen an Zellkulturen ständen zunächst Tierversuche und erst später eventuell klinische Studien an.


Forschung: T. Tina Yu und Molly S. Shoichet, Department of Chemistry und Department of Chemical Engineering and Applied Chemistry, University of Toronto, Ontario

Online-Veröffentlichung Biomaterials, DOI 10.1016/j.biomaterials.2004.05.012

Quelle: Scienceticker



Hoffnung auf neuen Behandlungsansatz bei Querschnittslähmungen

09.03.2004 - Im Deutschen Krebsforschungszentrum konnten Wissenschaftler kürzlich an Mäusen zeigen, dass eine Querschnitts-lähmung durch Blockade des programmierten Zelltods rückgängig gemacht werden kann. Querschnittslähmungen sind meist die Folge von Verletzungen des Rückenmarks bei Unfällen, können aber auch durch Tumorerkrankungen hervorgerufen werden. Ist das Rückenmark durchtrennt, werden Informationen vom Gehirn nicht mehr an die Gliedmaßen weitergeleitet. Nach der eigentlichen Verletzung der Nervenbahnen laufen biologische Prozesse ab - wie z. B. der programmierte Zelltod (Apoptose) – die das verletzte Gewebe noch weiter zerstören und dadurch zur dauerhaften Lähmung führen. Dr. Ana Martin-Villalba und Mitarbeiter aus der Abteilung Immungenetik unter der Leitung von Professor Dr. Peter Krammer beschreiben in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Medicine*, dass die Blockade eines Schlüsselmoleküls der Apoptose die Fähigkeit zur koordinierten Bewegung der gelähmten Extremitäten wieder herstellt.

Mit spezifischen Antikörpern blockierten die Wissenschaftler das Protein CD95 L, das in Zellen, die das spezifische Rezeptorprotein CD95 tragen, die Selbstmordkaskade auslöst. Nach gezielter Verletzung des Rückenmarks schnitten die antikörperbehandelten Mäuse bei speziellen Geschicklichkeitstests deutlich besser ab als die Kontrolltiere. Im Gewebeschnitt ließen sich bei den behandelten Tieren außerdem wieder auswachsende Nervenfasern jenseits der Stelle der Verletzung nachweisen. Die Antikörperbehandlung verhinderte auch das Absterben der Oligodendrozyten, die die kabelartigen Nervenfasern elektrisch isolieren und so die Signalübertragung erst ermöglichen. Bei unter 40jährigen sind Hirn- und Rückenmarksverletzungen die Hauptursache für Tod und Schwerbehinderung. Die gezielte Blockade der Apoptose könnte in Zukunft eine Möglichkeit darstellen, verletzte Nerven vor weiterer Zerstörung zu schützen und so einer lebenslangen Lähmung vorzubeugen.

*Deana Demjen, Stefan Klussmann et al.: Neutralization of CD95 ligand promotes regeneration and functional recovery after spinal cord injury. Nature Medicine, April 2004

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum


Querschnittslähmung: In Sachen Therapie tut sich was

28.07.03
Bundesweit gibt es etwa 100 000 querschnittsgelähmte Menschen. Jedes Jahr kommen etwa 1000 unfallbedingte Fälle hinzu, mit einer deutlichen Steigerung in den vergangenen zehn Jahren, teilt die Deutsche Stiftung Querschnittlähmung mit. Zugleich haben sich auch die Therapiemöglichkeiten wesentlich verbessert. Dabei bleibe die Rehabilitation nach einem Unfall das A und O der Behandlung, berichtet der Neurologe Andreas Schmitt vom Aachener Forschungszentrum für Querschnittlähmung.

So hat man herausgefunden, dass es möglich ist, buchstäblich ohne Kopf zu laufen, weil sich das Rückenmark auch ohne Verbindung zum Gehirn Bewegungsmuster merken kann. Daher versucht man mit systematischem Gehtraining auf einem Laufband, frisch operierte Patienten so schnell wie möglich zum Laufen zu bringen. Um die Laufbandtherapie flächendeckend umzusetzen, fehlen in Deutschland allerdings noch genügend erfahrene Therapeuten.

Auch die „Funktionelle Elektrosimulation“ ist eine Entwicklung der vergangenen Jahre. Die Neuroprothese wird überwiegend eingesetzt, um Patienten das Greifen zu ermöglichen: Dafür werden Elektroden auf Hand oder Arm geklebt oder direkt unter die Haut gepflanzt. Wenn der Gelähmte einen Becher greifen will, legt er seine Hand darum, drückt mit der anderen auf eine Art Fernsteuerung und löst einen Impuls aus. Seine Muskeln ziehen sich zusammen, die Finger krümmen sich.

Die Elektrosimulation wird heute auch eingesetzt, um Querschnittsgelähmten das Stehen oder sogar Gehen an Krücken zu ermöglichen. Der Erfolg des Gehens unter Strom ist jedoch bescheiden: Jeder Schritt ist äußerst anstrengend, weil nur bestimmte Muskelgruppen angeregt werden, sich zu strecken oder zusammenzuziehen. Sicherlich sei dies nicht die Therapie der Zukunft, sagt Schmitt.

Quelle: www.gesundheitspilot.de


Querschnittslähmung: Rückenmark kann gehen lernen

Verletzungen des Rückenmarks haben schwere Behinderungen bis hin zur Querschnittslähmung zur Folge.

Bisher sind diese Verletzungen nicht zu beheben. Ergebnisse aus Tierexperimenten machen aber Hoffnung, unterbrochene Nervenbahnen teilweise wieder herstellen zu können.

  Betroffene können schon heute dank neuartiger Rehabilitationsmethoden ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zurückgewinnen.


  Gerade arbeiten die Paraplegikerzentren fast ausgiebig mit Therapien zur Unterstützung der Restfunktion des Rückenmarks. So wird das menschliche Rückenmark zur Remobilisierung seiner motorischen Programme trainiert. 90 % der Patienten sind nach einem systematischen Gehtraining auf dem Laufband in der Lage, Kurzstrecken an Stöcken zu bewältigen.

  Auch sog. Neuroprothesen setzen bei den Restfunktionen an: Muskeln werden mittels elektrischer Impulse zur Kontraktion veranlasst. Manche Patienten können nach einer Trainingsphase vorher nicht mögliche motorische Leistungen wieder ausführen. Die Lebensqualität der Betroffenen wird durch die Möglichkeit, Schraubverschlüsse zu öffnen oder dasTelefon abzunehmen, massiv erhöht. Das geschädigte Nervensystem stellt sich auch hier als anpassungsfähig heraus.

  Ob die Querschnittslähmung jemals vollständig geheilt werden kann? Der Zürcher Hirnforscher Martin Schwab meint: "Der Schritt dahin ist noch sehr gross." Einmal durchtrennte Nervenfasern des Zentralnervensystems wachsen nicht mehr zusammen, weil die Hüllen der Nervenfasern Substanzen ausscheiden, die das Wachstum hemmen.

  Weltweit sind viele Forschungsteams dabei, dieses Phänomen zur Therapieentwicklung für die Querschnittslähmung zustudieren. In den letzten 15 Jahren hat die Forschung tatsächlich große Fortschritte erzielt: Die Hemmung des Nervenwachstums konnte beispielsweise bei Ratten mittels Antikörpern ausgeschaltet werden; die verletzten Nervenfasern begannen wieder zu wachsen,gleichzeitig wurden auch die motorischen Fähigkeiten markant verbessert.

  In anderen Projekten setzen die Forscher Brücken zwischen die getrennten Nervenstümpfe ein. Sie helfen den Nervenfasern bei der Überwindung des Narbengewebes, welches sich nach der Verletzung bildet. Diese Technik funktioniert am besten mit Materialien, die Wachstumsfaktoren oder sog. neuronale Stamm-zellen enthalten. Obwohl diese Ergebnisse ermutigend sind, darf man sie nicht überbewerten. Noch ist die Forschung nicht so weit.


Neue Behandlungsmethode: Hoffnung für Querschnittsgelähmte

London – Querschnittsgelähmte können auf Heilung hoffen. Britischen Forschern ist es nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" gelungen, gelähmte Ratten wieder zum Laufen zu bringen. Die Chancen stehen nach Angaben der Mediziner nicht schlecht, dass die Behandlungs-methode auch auf Menschen übertragbar ist. Normalerweise wachsen durchtrennte Nerven nicht wieder zusammen. Narbengewebe und verschiedene Hemmstoffe verhindern, dass die Nervenfasern neu sprießen. Vor allem Proteine mit langen Ketten von Zuckermolekülen stören das Zusammenwachsen. Die Idee der Wissenschaftler war daher, diese Proteine zu zerstören. Mit Hilfe des Enzyms Chondriotinase ABC gelang es den Forschern, den Ratten einen Teil ihrer Bewegungsfähigkeit zurückzugeben. Bisher ist es noch keinem Arzt gelungen, einen Querschnittsgelähmten vollständig zu heilen. Auf dem Welt-Wirbelsäulen-Kongress in Berlin vor zwei Jahren zum Beispiel sorgte ein italienischer Chirurg mit dem angeblichen Erfolg seiner unkonventionellen Operationen für großes Aufsehen. Doch seine Experimente sind nach wie vor stark umstritten. Der Chirurg hatte von der Schulter aus einen Armnerv zum wichtigsten Hüftmuskel umgeleitet. Einige Ärzte bezeichneten die Operation als "einmalig und sensationell". Andere Experten, darunter der Neurobiologe Martin Schwab von der Universität Zürich, wollten in Berlin jedoch nicht in die Lobeshymnen einstimmen. Sie fürchten vielmehr, dass euphorische Berichte über Operationen bei Patienten falsche Hoffnungen weckten. Denn ähnliche chirurgische Verfahren würden bereits seit Jahren angewandt. Vor allem, so der Hauptkritikpunkt, blieb der italienische Mediziner den Beweis schuldig, dass die Fortschritte seines Patienten tatsächlich ein Operationserfolg sind. Von Heilung kann ohnehin nicht die Rede sein: Außer den Beinmuskeln sind alle anderen Muskeln im unteren Teil seines Körpers gelähmt und taub.

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