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Die Inhaltsübersicht

-
Kinder von Migranten und Alleinerziehenden bewältigen Stress schlechter
- ADHS: Problemlos ins Ausland
Tabletten-Bescheinigung sollte ins Reisegepäck
-
Intermittent Explosive Disorder wird zu selten erkannt
16 Millionen Amerikaner von Wut-Syndrom betroffen
-
Psychisch krank im Job. Was tun?
-
Neurostress - bereits eine Volkskrankheit?
-
Krank vor Neid
-
Gehirn beim Ausschalten des "Ich" beobachtet
Unter Stress funktionieren Menschen wie Roboter

- Wo Männer und Frauen Stress erwarten
- Borderline: US-Gruppenprogramm erobert Europa
Im Fokus stehen Emotions-Management und Kommunikation
- Stresshormon lindert Phobien
- Was tun, wenn Mama psychisch krank ist?
Ein Bilderbuch für betroffene Kinder ist erschienen
- "Bewegungsmelder" für Psychosen
- Persönlichkeit variiert mit Blutfetten
- Mit dem Computer gegen die Angst
Neuartige Behandlungsmöglichkeit von Sozialen Ängsten wird in Mannheim erforscht
- "Mensch im Stress": Grundlagenwerk von Bremer Uni-Biologen und Psychoanalytiker
- Psychotherapie: Senioren bleiben skeptisch /
Die meisten Älteren schämen sich, ihre Seelennot zuzugeben

- Immer wieder Bauchweh: Alles psychisch - oder was?
- Streitereien verlangsamen Wundheilung drastisch
Feindseligkeit führt zu übersteigerten chemischen Reaktionen
- Risikofaktoren für psychische Erkrankung nach Trauma entdeckt
- Alltags-Stress: Wie Sie dem "Hamster-Rad" entkommen
- Rauchen verdoppelt das Risiko vom
posttraumatischem Stress

- Rehabilitation von Unfallopfern -
Therapie hilft schwerverletzten Patienten

- Pendler leben ungesund - Gesundheitsbeschwerden, Partnerkonflikte, weniger Lebensqualität
- Exzentriker sind kreativer
- Bessere Versorgung für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen gefordert
- Neue Therapie hilft Trauernden
- Arbeitsstress: höheres Krankheitsrisiko im Urlaub
- Psychische Erkrankungen steigen dramatisch
- Fast ein Drittel aller IT-Projektmitarbeiter durchleiden eine Burnout-Phase
- Forscher enthüllen Stressmechanismus
- Selbstmordtendenz steigt durch Suizid des Partners
50 Prozent der Männer durch emotionale Defizite betroffen
- Psychische Erkrankungen und ihre Folgen
- Kranke Psyche: Richtige Therapie zu finden, ist Glücksache
- Weibliche Intuition ein Mythos
- Psychotherapie: Probesitzungen nutzen!- Kassen zahlen bis zu fünf Teststunden ohne besondere Genehmigung
- "Verwaiste" Eltern werden psychisch krank
- "Seele und Zähne": Berliner Zahnärzte kooperieren mit Psychotherapeuten
- Psychische Probleme bei Kindern durch nachlässige Sprache
- Psychisch Kranke haben Anspruch auf spezielle häusliche Krankenpflege
- Liebeskrankheit ist eine ernsthafte Krankheit
- Erfolg der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie belegt
- Förderung der seelischen Gesundheit
- Bewegung statt Pharma - Bewegungstherapie für hyperaktive Kinder
- Berufsgenossenschaften: Katastrophenhelfer mit dem Erlebten nicht allein lassen
- Psychisch kranke Patienten werden gemeinsam betreut
- Schülerkongress über seelische Krankheiten ein Riesenerfolg
- Wie Berliner U-Bahnfahrer Fahrgastunfälle bewältigen
- Wenn die Angst vor der Angst krank macht
- Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom
- Mit Alltagsnähe die Psyche ins Gleichgewicht bringen
- Seelische Erkrankungen: Therapiechancen zu wenig genutzt!
- Die EUFAMI und ihre Mitgliedorganisationen haben zum Welttag der psychischen Gesundheit die europäische Zerostigma Kampagne lanciert
- Neue europäische Trainingsprogramme helfen 15 Millionen Angehörigen von psychisch Erkrankten
- Positives aus den neuen Bundesländern: Deutlich sinkende Suizidraten seit der Wiedervereinigung
- Innovatives neues Medikament in Europa für Behandlung von postmenopausaler Osteoporose zur Senkung des Risikos von Wirbel- und Hüftfrakturen genehmigt
- Angststörung häufigste psychische Erkrankung bei Frauen
- Kindern psychisch kranker Eltern frühzeitig helfen
- Vor allem Frauen greifen zu Psycho-Pillen
-
Ergebnisse der ersten epidemiologischen Studie zu Stalking in Deutschland
- SANE - das internetbasierte Stigma-Alarm-Netzwerk
- Bayerische Anti Stigma Aktion "Open the doors" e.V.

Kinder von Migranten und Alleinerziehenden bewältigen Stress schlechter

27.06.2006 - Die große Mehrheit der Jugendlichen kann mit Stress angemessen umgehen. Kinder von Migranten und von Alleinerziehenden haben es dagegen deutlich schwerer. Zu dieser Einschätzung kommt eine Studie, die Inge Seiffge-Krenke vom Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt hat. Die Forscherin untersuchte die Stressbelastung von deutschen Jugendlichen und verglich die Daten mit anderen Ländern.

Jugendliche
Bild: Photocase

Für deutsche Jugendliche, so ergaben die Untersuchungen, ist die Schule der größte Stressfaktor. Mit ihren Eltern haben die befragten Deutschen im Alter von 12 bis 20 Jahren dagegen vergleichsweise wenig Stress. "Das wirklich erfreuliche an unseren Ergebnissen ist aber, dass 70 bis 80 Prozent der Jugendlichen angemessene Bewältigungsstrategien zeigen, um auf Stress zu reagieren", so Seiffge-Krenke. Dies lasse erwarten, dass sie auch künftige Herausforderungen gut meistern würden.

Die Forscherin unterscheidet drei unterschiedliche Bewältigungsstile: problemzugewandte, lösungsorientierte Ansätze, kognitiv-reflektierende Problemlösestrategien sowie Rückzugsstrategien. Letztere seien auf längere Sicht ungeeignet, weil sie Probleme nicht nachhaltig lösten und im schlimmsten Fall bis zur völligen Verweigerung der Jugendlichen führten.

Laut Studie sprechen deutsche Jugendliche im internationalen Vergleich häufiger Probleme offen an und suchen aktiv Hilfe und Unterstützung. Jugendliche aus Ägypten, Estland, Griechenland, Portugal, der Türkei und Südafrika zeigten dagegen recht hohe Rückzugswerte. Rund 9.800 Jugendliche aus 18 Ländern waren zum Thema befragt worden.

Jugendliche, die mit beiden Eltern zusammenleben, berichten über weniger Schulstress, aber auch weniger Elternstress als Jugendliche aus Ein-Eltern-Familien. "In allen Kulturen zeigte sich, dass Kinder von Alleinerziehenden mehr Stress haben und ihn schlechter bewältigen können", so die Autorin der Studie. Dasselbe gelte für Kinder aus Migrantenfamilien, wo die Jugendlichen extrem hohe Stresswerte hätten und sehr schlechte Bewältigungsstrategien: "Das gilt für Deutschland, aber auch für alle anderen Länder in der ganzen Welt", so Seiffge-Krenke.

Die Betroffenen bräuchten nach Auffassung der Psychologin sachkundige Unterstützung. Auch Lehrern müsse geholfen werden, die zunehmend unter der zusätzlichen Last durch erzieherische Aufgaben und anderen belastenden Faktoren litten.

Forschung: Inge Seiffge-Krenke, Psychologisches Institut, Abteilung Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Quelle: Scienceticker


ADHS: Problemlos ins Ausland
Tabletten-Bescheinigung sollte ins Reisegepäck

Neuss - 12.06.2006 (ots) - Endlich Urlaub! Auch Familien mit einem Kind, das an einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leidet, können ihren Auslandsurlaub genießen: ADHS-Medikamente können problemlos mitgenommen werden, wenn eine Medikamenten-Bescheinigung des behandelnden Arztes vorliegt. Eine Übersicht, welches Dokument für welches Reiseland empfehlenswert ist, finden alle interessierten Eltern und Patienten auf der Internetseite http://www.mehr-vom-tag.de. Dort kann auch das entsprechende Formular heruntergeladen werden.

Wie alle Stimulanzien sind auch bestimmte ADHS-Medikamente durch das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) geschützt. Deshalb gelten hier, wenn die Medikamente ins Ausland mitgeführt werden sollen, besondere Anforderungen. Bei Reisen bis zu 30 Tagen durch oder in Länder des Schengener Abkommens (z.B. Spanien, Italien oder Griechenland) reicht ein Formular aus, das durch den behandelnden Arzt ausgefüllt und dann durch das Gesundheitsamt oder die oberste Gesundheitsbehörde des Bundeslandes beglaubigt wird. Bei allen anderen Staaten empfiehlt es sich, ein Dokument in englischer Sprache dabei zu haben. Die Anforderungen der wichtigsten Reiseländer sind unter http://www.mehr-vom-tag.de aufgelistet. In Zweifelsfällen sollten die genauen Bestimmungen vor Reiseantritt bei der Botschaft des jeweiligen Landes erfragt werden.

ADHS ist die häufigste psychiatrische Störung bei Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter. Ein Teil der rund 500.000 Betroffenen in Deutschland benötigt Medikamente, um im Alltag zu Recht zu kommen. Die Medikamente können die Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität reduzieren. Sie können den Betroffenen helfen, sich ihrem Alter gemäß zu verhalten und normal zu entwickeln. Die medikamentöse Behandlung sollte daher auch in den Ferien fortgesetzt werden.

Quelle: Initiative "Mehr vom Tag-mehr vom Leben"


Intermittent Explosive Disorder wird zu selten erkannt
16 Millionen Amerikaner von Wut-Syndrom betroffen

Boston/Chicago (pte/06.06.2006/09:15) - Eine Erkrankung, die Menschen dazu bringt ohne jeden Grund heftig auszurasten, wird laut Wissenschaftern der Harvard Medical School http://hms.harvard.edu/hms und der Chicago University http://www.uchicago.edu viel zu selten korrekt diagnostiziert. 16 Millionen Amerikaner sind von der so genannten Intermittent Explosive Disorder (IED) betroffen, die sich in ungerechtfertigten brutalen Ausbrüchen zeigt. Die in den Archives of General Psychiatry http://archpsyc.ama-assn.org veröffentlichte Studie zeigte, dass vier Prozent der Amerikaner unter einer schweren IED leiden und drei oder mehr schwere Anfälle jährlich haben.

Wütender junger Mann
Bild: Photocase

IED ist im Manual of Mental Disorders (DSM-IV) klar definiert. Laut BBC weiß jedoch niemand genau, wie viele Menschen durch diese Krankheit betroffen sind. Für eine entsprechende Diagnose muss eine Person drei Ausbrüche impulsiver Aggressivität gehabt haben, die in keinem Verhältnis zur Situation in der sie stattfanden standen. Der Betroffene muss die Kontrolle plötzlich verlieren, etwas zerbrechen oder zerstören, jemanden schlagen oder versuchen ihn zu verletzen oder drohen jemanden zu wehzutun. Die Wissenschafter analysierten die Ergebnisse einer zwischen 2001 und 2003 durchgeführten nationalen Umfrage, an der 9.282 erwachsenen Amerikaner teilnahmen. Es zeigte sich, dass 7,3 Prozent der Bevölkerung an IED leiden dürften, da sie zuvor drei oder mehr aggressive Ausbrüche erlitten hatten. Anfänglich war man von einer viel geringeren Anzahl ausgegangen. Rund acht Millionen Erwachsene litten unter der schwersten Form von IED und damit an viel häufigeren Anfällen. Die Studie geht davon aus, dass ein durchschnittlicher IED-Patient rund 43 Angriffe durchführen wird.

IED tritt am häufigsten erstmals in der Jugendzeit auf. Beim ersten Ausbruch sind die Betroffenen durchschnittlich 14 Jahre alt. Obwohl die meisten Teilnehmer aufgrund von emotionalen Problemen professionelle Hilfe gesucht hatten, wurden nur 12 Prozent in den vergangenen Monaten gegen ihre Wut behandelt und nur 29 Prozent erhielten je eine Behandlung für ihre Krankheit. Der leitende Wissenschaftler Ronald Kessler erklärte, dass IED nur wenig bekannt ist. Aufgrund der jetzt veröffentlichten Zahlen sollte jedoch dringend die Verbreitung dieser Krankheit erkannt und entsprechend reagiert werden. Mit-Autor Emil Coccaro ergänzte, dass in der Bevölkerung Aggressivität oder in die Luftgehen allgemein als schlechtes Benehmen gesehen wird. "IED geht darüber hinaus und hat starke genetische und biomedizinische Grundlagen." Eine frühe Diagnose und entsprechend Behandlungsansätze könnten spätere Probleme wie Alkohol- und Drogenabhängigkeit sowie Depressionen verhindern.

Quelle: pte


Psychisch krank im Job. Was tun?

Berlin - 26.05.2006 (ots) - Jeder zwölfte Arbeitsausfalltag in Deutschland ist mittlerweile mit einer psychiatrischen Diagnose verbunden. Dies belegt der jüngste BKK Gesundheitsreport. Die stetige Zunahme der Erkrankungen und der damit verbundenen Fehltage stellt aber nicht nur die betroffenen Beschäftigten sondern auch ihre Kolleginnen und Kollegen und ebenso die Unternehmen vor völlig neue Herausforderungen.

Angstvoller Blick
Bild: Photocase

"Die meisten Unternehmer wissen, dass sie mit betrieblicher Prävention sowohl die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter fördern, als auch die Ausfallzeiten senken können," so K.-Dieter Voß, Vorstand beim BKK Bundesverband. "Die Praxishilfe "Psychisch krank im Job. Was tun?" bietet jetzt Betroffenen wie Führungskräften gleichermaßen Orientierung und kompetente Hilfe". Sie ist gemeinsam von der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie (BApK e.V.) und dem BKK Bundesverband entwickelt worden. Betroffene Mitarbeiter, aber auch deren Kollegen und Personalverantwortliche erfahren hier Wissenswertes zu relevanten psychischen Erkrankungen und erhalten Unterstützung für den Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitern.

"Die Familien psychisch erkrankter Menschen erfahren oft ganz unmittelbar, wie hilfreich ein informiertes und zugewandtes berufliches Umfeld für die Gesundung sein kann, wie verhängnisvoll sich aber auf der anderen Seite auch Stigmatisierung und Unkenntnis auswirken können", berichtet Eva Straub, Vorsitzende des BApK. Die Selbsthilfe hat hierzu das "H-I-L-F-E-Konzept" entwickelt, welches in der Praxishilfe eingehend erläutert wird. Auf dessen Grundlage werden in Unternehmen Schulungen für betriebliche Helfer und Führungskräfte angeboten. Als "Erste-Hilfe" kann es dazu beitragen, den Verantwortlichen Sicherheit im Umgang mit der sensiblen Thematik zu geben und im konkreten Fall Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Krisensituationen zu helfen. Rechtzeitiges Eingreifen hilft größeren Krisen vorzubeugen. Fehlzeiten können verringert werden und das Know-how der betroffenen Mitarbeiter bleibt im Betrieb.

Darüber hinaus schafft die Praxishilfe einen Anlass, um in den Betrieben offener mit psychischen Problemen und Störungen umzugehen; denn nur Mitarbeitern, die sich trauen, frühzeitig psychische Krisen anzusprechen, kann rechtzeitig und langfristig geholfen werden. Betroffene Einzelpersonen oder auch interessierte Verantwortliche aus Unternehmen können die Praxishilfe "Psychisch krank im Job. Was tun?" kostenlos anfordern bei:

Familien-Selbsthilfe Psychiatrie, bapk@psychiatrie.de oder BKK Bundesverband, praevention@bkk-bv.de

Die Familien-Selbsthilfe Psychiatrie (Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.) ist die Selbsthilfeorganisation und Solidargemeinschaft von Familien mit psychisch kranken Menschen in Deutschland. Der 1985 gegründete Bundesverband versteht sich als Interessenvertretung der Angehörigen psychisch Kranker und als Lobby für psychisch kranke Menschen auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen.

Quelle: BKK Bundesverband


Neurostress - bereits eine Volkskrankheit?

Baar - 10.05.2006 - Der Name dieser Erkrankung ist relativ neu. Er bezeichnet ein scheinbares Sammelsurium von Gesundheits- und Befindlichkeitsstörungen. Der medizin-wissenschaftliche Bereich, der sich seit Anfang der Neunziger Jahre damit beschäftigt, nennt sich Psychoneuroendokrinoimmunologie (PNEI), wobei man auch sehr einfach Leib-Seele-Medizin dazu sagen könnte. Die Forschungen und Arbeiten auf diesem Gebiet haben insbesondere in Amerika grosse Erfolge erwirkt und es gibt Mediziner, die behaupten, dass die PNEI für das 21. Jahrhundert eine ähnlich grosse Bedeutung haben wird, wie die Entschlüsselung des Erbmaterials und die Gentechnik im letzten Jahrhundert. Die wichtigsten Erkenntnisse dieser neuen Forschungsrichtung ergaben sich aus den Untersuchungen des Netzwerkes der Neurotransmitter. Dieses sind chemische Botenstoffe und Hormone, die die Verbindung zwischen zwei Nervenzellen herstellen. Das gesamte Nervensystem, das Denken, Fühlen und Handeln basiert auf der elektrischen Reizweiterleitung in den Nerven.

Die neurobiologische Forschung konnte inzwischen zeigen, wie wichtig die Ausgewogenheit dieser Substanzen für Psyche und Verhalten sind. Die Neurotransmitter Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin stellen also das funktionale Regelsystem des Nervensystems in bezug auf Stimmung, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Motivation und Lernen dar.

Wenn diese wichtigen Botenstoffe, die unser Wohlbefinden beeinflussen, zum Beispiel durch großen Stress ins Ungleichgewicht geraten, entstehen Befindlichkeitsstörungen wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Ängste, Hyperaktivität, Panikattacken, Muskelschmerzen, Depression, Kopfschmerz, Migräne, Heißhungerattacken und Übergewicht. Erkrankungen wie z.B. Fybromyalgie, Chronisches Müdigkeitssyndrom (CMI), Burnout-Syndrom, Borreliose, M. Sudeck, Rheumatoide Arthritis, ADS / ADHS und viele mehr stehen in direktem Zusammenhang mit Neurostress.

Nahezu jeder Mensch hat heute Stress und fühlt sich oft ausgebrannt.
Die Folgen sind dann Schlafprobleme, Migräne, Kopfschmerz etc..
Meist werden die ersten Anzeichen einer Stressbedingten Erschöpfung unterschätzt und außer Acht gelassen. Auslöser und Ursachen des Neurostresses können fundamentale Veränderungen in der Lebensweise, zunehmende komplexe Umweltbedingungen, falsche und zu energiereiche Ernährung, Bewegungsmangel, Reizüberflutung, übermässiger TV/PC-Konsum und wachsende schulische, berufliche und Freizeitbelastungen sein. Man geht heute davon aus, dass bei ca. 40-50% der Patienten, die eine Arztpraxis aufsuchen, Störungen im Bereich dieses komplexen Netz- und Regelwerkes vorliegen.

Mittlerweile sind die Erkenntnisse aus den USA auch in der Schweiz (6340 Baar) angekommen, wo ärztliche Fachspezialisten einfache anwendbare Möglichkeiten entwickelt haben, die persönliche Neurostress-Balance zu bestimmen, um dann effektiv Defizite oder Überaktivierungen der Neurotransmitter zu beheben.

Man misst dazu im Speichel und Urin morgens, mittags und abends die wichtigsten Neurotransmitter unter 'häuslichen' Bedingungen. Eine stationäre Aufnahme ist dafür nicht notwendig. Speichelproben sind in diesem Bereich zudem exakter als Blutanalysen. Die Erfolge dieser Diagnostik haben schon manche 'Patientenkarriere' beendet und ein sog. Sabbatical erst gar nicht in Betracht ziehen lassen. Mit einem sog. vierstufigen Behandlungskonzept wird die Neurotransmitterdysbalance nebenwirkungsfrei auf fast natürliche Art und Weise durch den Einsatz von Körperbausteinen behoben.

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wenden Sie sich bitte an die SwissHealthCare GmbH, die eng mit den Spezialisten der Praxisgemeinschaft St. Martin in 6340 Baar (Zug) zusammenarbeitet.


SwissHealthCare GmbH
GF Manfred Gloor, Prof. h.c. Dr. med. K. Schmidt
email: dr.k.schmidt@bluewin.ch
Tel. +41 41 766 05 58
Fax +41 41 766 05 54

Quelle: pts


Krank vor Neid
Umfrage: Magenschmerzen, Herzrasen, Schlaflosigkeit - Neid schadet der Gesundheit

Baierbrunn - 10.05.2006 (ots) - Neid tut nicht nur der Seele weh, sondern auch dem Körper. Wie eine GfK-Umfrage im Auftrag der "Apotheken Umschau" herausgefunden hat, sind viele Menschen buchstäblich krank vor Neid: So leiden fast fünf Prozent der Deutschen bei Neid auf andere unter körperlichen Beschwerden wie Magenschmerzen oder Herzrasen. Fast vier Prozent schlafen schlecht oder kämpfen mit massiven Schlafstörungen. Ebenso viele fühlen sich ohnmächtig und "wie gelähmt". Dieser Typ von Neidern steigert sich in unendliche Trauer, die sie lähmt und zerstört, sagt Dr. Dr. Rolf Haubl, Psychologie-Professor und Direktor des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt in der "Apotheken Umschau": "Das kann in der dramatischen Form zu Depression und Selbstmord führen."

Quelle: Die repräsentative Umfrage führte die GfK Marktforschung Nürnberg im Auftrag der "Apotheken Umschau" bei 1.978 Bundesbürgern ab 14 Jahren durch.

Den vollständigen Artikel "Nur kein Neid" finden Sie in der aktuellen Ausgabe der "Apotheken Umschau" 5/2006 A, die in den meisten Apotheken ausliegt und kostenlos an Kunden abgegeben wird.

Quelle: Wort und Bild - Apotheken Umschau


Gehirn beim Ausschalten des "Ich" beobachtet
Unter Stress funktionieren Menschen wie Roboter

Rehovot/Wien - 20.04.2006 - Das Gefühl, sich vollkommen in einer Tätigkeit zu verlieren und alles um sich herum zu vergessen, ist nun von Forschern lokalisiert worden. Das Team des Weizmann Institute of Science http://www.weizmann.ac.il/neurobiology/ hat durch Experimente herausgefunden, dass die obere frontale Gehirnwindung (gyrus frontalis superior) die Hirnregion für Selbstwahrnehmung ist, die sich abschaltet wenn das Gehirn mit einer besonders anspruchsvollen Tätigkeit beschäftigt ist. Menschen funktionieren dann wie Roboter und werden erst wieder "menschlich" wenn der Stress nachlässt.

Den Teilnehmern des Experiments wurden Bilder gezeigt und mussten auf Knöpfe drücken, wenn Tiere darauf abgebildet waren. Zuerst wurden die Bilder langsam gezeigt, danach schnell und beim dritten Durchlauf sollte durch die Knöpfe eine emotionale Antwort gegeben werden. Danach wurde dasselbe mit kurzen Musikstücken statt Bildern wiederholt.

Wenn eine emotionale Antwort verlangt war, zeigte sich Aktivität in der oberen frontalen Gehirnwindung. Bei den schnellen Durchläufen konnte keine Hirnaktivität in diesem Bereich festgestellt werden. Die Hirnregionen wurden mit der funktionellen Magnetresonanztomographie lokalisiert, die eine sehr genaue räumliche Zuordnung ermöglicht, wie Susanne Asenbaum von der Wiener Universitätsklinik für Neurologie http://www.univie.ac.at/Neurologie/ im Gespräch mit pressetext erklärt.

Das Experiment beweise, dass die Hirnregionen die für die Selbstwahrnehmung und die Sinneswahrnehmung zuständig sind, komplett voneinander getrennt und doch gut verbunden seien, meint der Forschungsleiter Ilan Goldberg. Wenn das Gehirn all seine Ressourcen braucht, wird der selbst bezogene Kortex unterdrückt.

Die Fähigkeit das "Ich" auszuschalten könnte ein Schutzmechanismus gewesen sein, um in gefährlichen Situationen schneller zu reagieren. Die Erkenntnisse sollen nun für ein besseres Verständnis von Krankheiten wie Autismus oder Schizophrenie verwendet werden, bei denen diese Fähigkeit beeinträchtigt sein könnte.

Quelle: pte


Wo Männer und Frauen Stress erwarten

04.04.2006 - Selbst im Ruhezustand weisen die Gehirne von Männern und Frauen unterschiedliche Aktivitätsmuster auf, haben amerikanische Neurowissenschaftler beobachtet. Je nach Geschlecht scheint Bedrohungen signalisierende Information mit unterschiedlicher Schlagseite verarbeitet zu werden, berichtet die Gruppe im Fachblatt "NeuroImage".

"Das Besondere an unseren Beobachtungen ist, dass sie die ersten Hinweise auf eine möglicherweise grundsätzlich unterschiedliche Verdrahtung der Gehirne von Männern und Frauen liefern", erklärt Larry Cahill von der University of California in Irvine. Seiner Ansicht nach könnte dies auch verstehen helfen, warum einige psychiatrische Erkrankungen bei Männern und Frauen unterschiedlich häufig auftreten.

Per Positronen-Emissionstomographie kartierten Cahill und Kollegen die Gehirnaktivität von je 36 gesunden, rechtshändigen Männern und Frauen, während diese sich möglichst entspannten. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf die Mandelkerne, zwei an der Verarbeitung von emotional geprägter Information beteiligte Hirnregionen.

Bei Männern scheint demnach der Mandelkern in der rechten Gehirnhälfte stärker mit anderen Gehirnarealen zu kommunizieren, insbesondere der Sehrinde und dem an der Bewegungskontrolle beteiligten Striatum. Bei Frauen weist dagegen der linke Mandelkern die stärkere Verknüpfung auf - etwa mit der Insula und dem Hypothalamus, zwei eher mit dem inneren Milieu des Körpers befassten Regionen.

Nach Ansicht Cahills deuten die Resultate darauf hin, dass das männliche Gehirn stärker auf externe Reize ausgelegt ist, während das weibliche eher in den Körper hinein lauscht. "Im Laufe der Evolution mussten Frauen mit internen Stressfaktoren wie etwa der Geburt zurechtkommen, die Männer nicht erfahren haben", so der Forscher. "Faszinierenderweise scheint sich das Gehirn an diese unterschiedlichen Stressoren angepasst zu haben."


Forschung: Lisa A. Kilpatrick und Larry F. Cahill, Center for the Neurobiology of Learning and Memory und Department of Neurobiology and Behavior, University of California, Irvine; und andere

Veröffentlicht in NeuroImage, Vol. 30(2), pp 452-61, DOI 10.1016/j.neuroimage.2005.09.065


Quelle: Scienceticker



Borderline: US-Gruppenprogramm erobert Europa
Im Fokus stehen Emotions-Management und Kommunikation

Iowa City - 29.03.2006 - Ein amerikanisches Programm zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung erobert derzeit Norwegen, die Niederlande und andere europäische Länder. Der Export des STEPPS-Programms der Universität von Iowa http://www.uiowa.edu nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz ist jedoch noch nicht geplant. Dort finden Menschen, die an der Persönlichkeitsstörung leiden, bereits ein gut ausgebautes Netzwerk aus Therapieeinrichtungen und Selbsthilfegruppen. Jetzt haben mehrere Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Kooperation in den Annals of Clinical Psychiatry veröffentlicht.

Unter der Borderline-Persönlichkeitsstörung werden verschiedene Störungsbilder zusammengefasst. Hauptsächlich kämpfen die Betroffenen damit, intensive Gefühle zu bewältigen, denken häufig an Suizid und verletzen sich in impulsiven Reaktionen selbst. STEPPS soll diesen Menschen Techniken vermitteln, die das Selbstbewusstsein steigern und den Umgang mit der Störung erleichtern, so Nancee Blum, Projektleiterin des Therapieprogramms von der Universität von Iowa.

"Beim STEPPS-Programm geht es hauptsächlich um das Erlernen des Emotions-Managements", erklärt Blum. Dazu treffen sich die Betroffenen wöchentlich in einer Gruppe und lernen ihre Denkweise über sich selbst und über andere zu verändern. Ein Schwerpunkt wird auch auf die Kommunikation gelegt. Die Borderliner können lernen, sich gegenüber Ärzten, Verwandten, Freunden oder ebenfalls Betroffenen auszudrücken. Die US-Wissenschaftler postulieren, dass ihr Therapieprogramm die Standard-Behandlung von Medikamenten in Verbindung mit individueller Psychotherapie ergänzt. Derzeit werden gerade STEPPS-Gruppen in Norwegen etabliert.

Quelle: pte

Stresshormon lindert Phobien

28.03.2006 - Das Stresshormon Cortisol kann bei Phobikern die Angstreaktion abmildern, haben Züricher Forscherinnern und Forscher entdeckt. Bei Personen mit sozialer Phobie und Spinnenphobie reduzierte das Hormon nicht nur die subjektiv empfundene Furcht, sondern auch deren körperliche Erscheinungen.

"Zwar ist wohlbekannt, dass phobische Reize die Ausschüttung von Cortisol auslösen", schreibt die Gruppe um Leila Soravia und Dominique de Quervain von der Universität Zürich in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Ob und wie sich das Hormon wiederum auf die Angstsymptome auswirke, sei jedoch unklar gewesen.


Bild: Photocase

Frühere Arbeiten hatten gezeigt, dass Cortisol das Abrufen von Information aus dem Gedächtnis hemmt. Soravia und Kollegen testeten nun, ob sich dies auch auf das Angstgedächtnis erstreckt. Dazu ließen sie 40 Männer und Frauen mit sozialer Phobie kurzfristig einen Vortrag vor Publikum halten. Ein Teil der Probanden erhielt zuvor eine Tablette mit 25 Milligramm Cortison, das im Körper rasch zu Cortisol umgewandelt wird. Diese Teilnehmer erlebten die Situation als weniger furchteinflößend und ihr Puls stieg weniger stark an.

Ein ähnlicher Effekt zeigte sich bei 20 Personen mit Spinnenphobie, denen in einem Zeitraum von zwei Wochen sechsmal ein Spinnenfoto präsentiert wurde. In diesem Fall zeigte sich selbst zwei Tage nach der Einnahme der letzten Cortisondosis eine angstlösende Wirkung. Soravia und Kollegen wollen nun untersuchten, ob die Wirkung des Hormons in Kombination mit einer Verhaltenstherapie genutzt werden könnte, um Phobikern zu helfen.


Forschung: Leila M. Soravia, Markus Heinrichs, Ulrike Ehlert und Dominique J.-F. de Quervain, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Psychologisches Institut, und Abteilung für Psychiatrische Forschung, Psychiatrische Universitätsklinik, Universität Zürich; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.0509184103

Quelle: Scienceticker



Was tun, wenn Mama psychisch krank ist?

Ein Bilderbuch für betroffene Kinder ist erschienen

Frankfurt/Main - 15.03.2006 (ots) - Jeder dritte erwachsene Deutsche erkrankt irgendwann an einer psychischen Störung. Dies wirkt sich auch auf die Kinder dieser Menschen aus: Eine Depression oder eine Suchterkrankung von Mutter oder Vater prägen den Alltag stark und stellen Kinder vor schwierige Aufgaben. Doch dringt es erst langsam ins öffentliche Bewusstsein, dass diese Kinder dann Unterstützung benötigen.

Die Pädagogin Schirin Homeier hat nun das Bilderbuch "Sonnige Traurigtage" gestaltet, das Kinder ab dem Grundschulalter anspricht und ihnen Rat und Hilfe geben soll. In dem Buch geht es um das Mädchen Mona. In letzter Zeit ist mit Monas Mama etwas anders: Sie ist so kraftlos und niedergeschlagen. Auf diese "Traurigtage" reagiert Mona wie viele Kinder psychisch kranker Eltern: Sie unterdrückt Gefühle von Wut oder Traurigkeit, übernimmt immer mehr Verantwortung und sehnt sich nach glücklichen "Sonnigtagen". Erst als sich Mona einer Bezugsperson anvertraut, erfährt sie, dass ihre Mutter unter einer psychischen Krankheit leidet und fachkundige Hilfe benötigt.

Im Anschluss wendet sich Mona mit wesentlichen Fragen direkt an das Leserkind: Was ist eine psychische Erkrankung? Bin ich schuld daran? Wer kann Mama oder Papa helfen? Mit wem kann ich reden? Im Ratgeberteil bekommen private und professionelle Bezugspersonen Anregungen, um betroffene Kinder zu unterstützen.

"Sonnige Traurigtage ist nicht nur ein unterhaltsames Kinderbuch mit ansprechenden Illustrationen. Es ist ein konkreter Beitrag zur Überwindung der Tabuisierung psychischer Erkrankungen und ein wissenschaftlich qualifizierter Text, in dem der aktuelle Erkenntnisstand verarbeitet und in vorbildlicher Weise umgesetzt ist." (Prof. Dr. Fritz Mattejat)

Schirin Homeier: Sonnige Traurigtage. Illustriertes Kinderfachbuch für Kinder psychisch kranker Eltern und deren Bezugspersonen. Ab Grundschulalter geeignet. Mabuse-Verlag, Frankfurt a.M., 128 Seiten, Hardcover, farbig illustriert,19,80 Euro, ISBN 3-938304-16-2


Quelle: Mabuse-Verlag GmbH


"Bewegungsmelder" für Psychosen

Bewegungsstörungen sind Biomarker für den Verlauf von schizophrenen Erkrankungen / Heidelberger Wissenschaftler veröffentlichen im "American Journal of Psychiatry"

09.03.2006 - Scheinbar unwichtige Bewegungsstörungen - auch "soft signs" genannt - können wie Seismographen den Ausbruch einer schizophrenen Psychose ankündigen. Auch für deren Verlauf sind diese "sanften Symptome" zuverlässige Indikatoren, wenn sie systematisch erfasst und bewertet werden.

Im "American Journal of Psychiatry" haben Professor Dr. Johannes Schröder, Leiter der Sektion Gerontopsychiatrische Forschung der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg und seine Mitarbeiter jetzt die weltweit erste prospektive Studie zur Bedeutung der "soft signs" publiziert - und darin die Befunde ihrer früheren Untersuchungen bestätigt und erweitert. Die "Heidelberger Skala", die die Geschicklichkeit vor allem bei Bewegungen misst, war von der Arbeitsgruppe schon Anfang der neunziger Jahre entwickelt worden.


Kranke und Gesunde über ein Jahr miteinander verglichen

Schizophrene Psychosen sind häufige Erkrankungen, die weltweit etwa 1 Prozent der Bevölkerung betreffen. Die Erkrankung beginnt meist im frühen Erwachsenenalter und führt bei der Mehrzahl der Patienten zu schweren Einschränkungen der Selbstständigkeit und Arbeitsfähigkeit. Grundlage der Erkrankung ist eine besondere Vulnerabilität (Verletzlichkeit), die wahrscheinlich von Geburt an besteht. Zum späteren Ausbruch der Psychose führen dann weitere, bislang noch unbekannte Faktoren. Bisher können weder der Ausbruch der Psychose noch ihr weiterer Verlauf vorhergesagt werden.

In der Heidelberger Studie wurden eine Gruppe von 39 schizophrenen Patienten (21 Frauen und 18 Männer) über einen Zeitraum von einem Jahr mit einer Gruppe von 22 gesunden Personen (12 Frauen und 10 Männer) verglichen. Die Patienten waren im Durchschnitt 27 Jahre alt und zum ersten Mal in ihrem Leben wegen einer akuten Psychose in stationärer psychiatrischer Behandlung. Das Durchschnittsalter der gesunden Kontrollgruppe, die über Zeitungsanzeigen rekrutiert worden war, betrug 28 Jahre.

Die Heidelberger Skala für neurologische "soft signs" umfasst 16 verschiedene Tests, die Bewegungskoordination und ihre Verknüpfung mit den Sinneswahrnehmungen und der räumlichen Orientierung prüfen, z.B. den Daumen der Fingerreihe gegenüberstellen oder auf einer geraden Linie balancieren.

Bessere Geschicklichkeit spricht für fortschreitende Genesung

Für die in ambulante Behandlung entlassenen Patienten sank der Gesamtwert aller Testergebnisse während eines Jahres signifikant von durchschnittlich 15.7 auf 10.1, während er in der gesunden Kontrollgruppe annähernd konstant blieb (von 4.8 auf 4.6). Innerhalb der Patientengruppe entwickelte sich die Schizophrenie bei 18 Kranken zum chronischen Leiden. Entsprechend änderte sich ihr Wert auf der Heidelberger Skala von 13.8 auf 13.5 kaum. Für die 21 Patienten, deren Zustand sich besserte, sank dieser Wert dagegen von 17.3 auf 7.2.

"In akuten Krankheitsphasen treten diskrete Bewegungsstörungen vermehrt auf, bei günstiger Prognose werden sie seltener", erläutert Professor Schröder diese Ergebnisse. Auch nach positiv verlaufener Therapie blieben die "soft signs" erhöht. Dass sie meist schon vor Ausbruch einer akuten Psychose und der ersten Medikation auftreten, spreche dafür, dass "soft signs" keine Nebenwirkungen von Arzneimitteln, sondern echte "Vulnerabilitätsmarker" seien. Man könne sie als Ausdruck krankheitsbedingter Veränderungen in den Nervenleitungsbahnen zwischen Großhirnrinde, Stammhirn und Kleinhirn interpretieren.


"Nach ihrer Anzahl und Amplitude sind neurologische "soft signs" aussagefähige Biomarker bei schizophrenen Psychosen", betont Professor Schröder. "Ihre Erforschung kann helfen die Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen, aber auch den Krankheitsverlauf der Patienten vorherzusagen. Dies ist für eine genaue Therapieplanung von großer Bedeutung."

Literatur:
Silke Bachmann, Christina Bottmer, Johannes Schröder: Neurological Soft Signs in First-Episode Schizophrenia: A Follow-Up Study.
In. American Journal of Psychiatry 162: 12, December 2005, p. 2337-2343.

Quelle. IDW / Universitätsklinikum Heidelberg



Persönlichkeit variiert mit Blutfetten


07.03.2006 - Neue Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Psyche haben amerikanische Forscherinnen bei einer Studie mit 106 Teilnehmern gefunden. Mit dem Anteil einzelner Fettsäuren an den Blutfetten variiert demnach die Tendenz zu bestimmten Persönlichkeitstypen.

Sarah Conklin von der University of Pittsburgh und ihre Kolleginnen untersuchten Männer und Frauen fortgeschrittenen Alters, die sämtlich erhöhte Cholesterinspiegel aufwiesen, ansonsten jedoch gesund waren. Bei allen wurde im nüchternen Zustand der prozentuelle Anteil dreier Omega-3-Fettsäuren am gesamten Fettsäurepool im Blut bestimmt. Zudem absolvierten die Probanden drei Persönlichkeitstests.

Je höher die Anteile von Eikosapentaen- und Dokosahexaensäure waren, desto weniger tendierten die Teilnehmer zu Depressionen, berichten die Forscherinnen auf der Jahrestagung der American Psychosomatic Society in Denver. Umgekehrt waren bei Probanden mit höheren Anteilen dieser beiden Fettsäuren Neurotizismus und Umgänglichkeit stärker ausgeprägt. Mit dem Anteil von Linolensäure stieg wiederum die Neigung zur Impulsivität.

"Eine Reihe früherer Studien hat niedrige Spiegel von Omega-3-Fettsäuren mit Erkrankungen wie schweren Depressionen, bipolaren Störungen, Schizophrenie, Drogenmissbrauch und Aufmerksamkeitsstörungen in Verbindung gebracht", erklärt Conklin. Die neue Studie belege eine solche Verbindung auch für grundsätzlich gesunde Menschen und eröffne den Weg zur gezielten Einflussnahme via Nahrung.


Forschung: Sarah M. Conklin, Department of Psychiatry, University of Pittsburgh, Pennsylvania; Jennifer I. Harris, Department of Psychiatry, Brown University, Providence, Rhode Island; und andere

Präsentation auf der 64th Annual Scientific Conference of the American Psychosomatic Society, Denver; #1411

Quelle: Scienceticker

Mit dem Computer gegen die Angst
Neuartige Behandlungsmöglichkeit von Sozialen Ängsten wird in Mannheim erforscht


06.03.2006 - Soziale Angst ist nach Depression die zweithäufigste seelische Störung und betrifft ca. 7-10% der Bevölkerung, wobei sowohl Frauen als auch Männer darunter leiden. Das Störungsbild einer Sozialen Angststörung ist gekennzeichnet durch eine anhaltende und ausgeprägte Angst vor einer oder mehreren Situationen, in denen die Betroffenen mit unbekannten Personen konfrontiert sind oder in denen sie von anderen beurteilt werden könnten. Die Angst schränkt das allgemeine Leben der Betroffenen, ihre berufliche Leistung oder ihre zwischenmenschlichen Kontakte erheblich ein. Viele Betroffenen nehmen aufgrund der bestehenden Ängste keine professionellen Hilfsangebote in Anspruch und suchen keine Selbsthilfegruppen auf. Neuartige computergestützte Therapieformen stellen nun eine moderne und erfolgversprechende Alternative dar.

Weinendes Auge
Bild: Photocase

In den letzten Jahren wurden international auf vielen Gebieten der Psychotherapie erstaunliche Erfolge durch computergestützte Formen der Selbstbehandlung erzielt. So fand z.B. eine Arbeitsgruppe um den schwedischen Forscher Per Carlbring im Jahr 2004, dass eine über das Internet angebotene Selbsthilfebehandlung kombiniert mit einem minimalen E-Mail-Kontakt zu einem Therapeuten bei Panikstörungen genauso effektiv sein kann wie die traditionelle Kognitive Verhaltenstherapie. Die zwei Patientengruppen unterschieden sich nicht bedeutsam in ihrem Behandlungserfolg. Beide Behandlungsformen führten zu bedeutsamen Veränderungen in den Hauptsymptomen sowie hinsichtlich der Depressionswerte und der Lebensqualität. Folgeuntersuchungen, die ein Jahr nach Beendigung der Behandlungen erhoben wurden, bestätigten dieses Ergebnis.

Auch eine australische Forschergruppe um Helen Christensen fand im Jahr 2004 in Zusammenhang mit der Behandlung von Depressionen, dass eine Selbsthilfebehandlung, angeleitet über spezielle Internetseiten, wirksam ist. Sowohl eine Internetseite, die Wissen über Depressionen und deren Behandlungsmöglichkeiten anbot, als auch eine Internetseite, die Betroffene zur Selbsthilfebehandlung nach den Prinzipien der Kognitiven Verhaltenstherapie anleitete, konnten dazu beitragen, die Symptome von Depressionen zu verringern. Außerdem kam es zu einer Verringerung negativer Gedanken und gleichzeitig zu einem wichtigen Zuwachs an Wissen über medizinische, psychologische und lebensstilbezogene Behandlungsmöglichkeiten.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die computergestützte Behandlung eine moderne, erfolgsversprechende Alternative zu den herkömmlichen Selbsthilfeangeboten, z.B. in Buchform, ist. Durch interaktive Elemente bietet diese neuartige Form der Selbsthilfebehandlung die Möglichkeit, den Fortschritt der Patienten zu überwachen und gegebenenfalls regulierend einzugreifen. Ein weiterer Vorteil dieser innovativen psychologischen Behandlung ist, dass auch solche Patienten sie nutzen können, für die aus diversen Gründen, z.B. eine zu große räumliche Entfernung, kein herkömmliches Therapieangebot in Frage kommt.

Ausgehend von diesen und weiteren positiven Ergebnissen auf dem Gebiet der internationalen "computer-assisted"- bzw. "computer-guided self-help"-Forschung bietet die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Martin Bohus) am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim ein neu entwickeltes computergestütztes Selbsthilfemodul zur Behandlung von Sozialen Ängsten an.
Von zentraler Bedeutung sind neben der Vermittlung grundlegender Informationen die Anleitungen zu selbstständig durchzuführenden Verhaltensübungen. Diese Bedeutung wird gestützt durch eine Untersuchung zu Phobien und Panikstörungen der englischen Forschungsgruppe um Andreas J. Schneider im Jahr 2005. Diese Studie hat ergeben, dass eine computergestützte Selbsthilfebehandlung, die ebenfalls auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie beruhte und entsprechende Verhaltensübungen beinhaltete, in einer Messung, einen Monat nach Beendigung der Behandlung, in fünf von zehn Einschätzungsverfahren bedeutsam bessere Behandlungsergebnisse erzielte als eine computergestützte Selbsthilfebehandlung, die auf solche Elemente verzichtete.

Unter der Leitung von Dr. Regina Steil wird nun die Wirksamkeit und Wirkweise sowie die Kosteneffektivität eines neuartigen, gestuften Behandlungsprogramms für Soziale Ängste untersucht. Dieses innovative, gestufte Behandlungsprogramm gliedert sich in ein computerbasiertes Selbsthilfemodul und weitere therapeutengeleitete Behandlungsphasen je nach Bedarf. Durch die Behandlungen wird die Verarbeitung angstauslösender Situationen verändert und die Betroffenen lernen, wie sie mit der Angst besser umgehen können, indem sie neue Fertigkeiten für den Umgang mit der Angst erlernen und üben. Dies geschieht entweder gänzlich unter der Anleitung durch einen Therapeuten, oder, in der neuen, etwas abgewandelten Behandlungsmethode, durch die Kombination von einer computergestützten Selbstbehandlung, die der Patient selbstständig zuhause durchführen kann, und therapeutengeleiteter Behandlung.

Das Störungsbild einer Sozialen Angststörung ist gekennzeichnet durch eine anhaltende und ausgeprägte Angst vor einer oder mehreren Situationen, in denen die Betroffenen mit unbekannten Personen konfrontiert sind oder in denen sie von anderen beurteilt werden könnten wie z.B. in Vortragssituationen, bei öffentlichem Schreiben, Trinken oder Essen. Das Aufsuchen einer gefürchteten Situation ruft fast immer eine sofortige Angstreaktion hervor. Die Betroffenen fangen an z.B. zu zittern, schwitzen oder werden rot. Obwohl sie erkennen, dass ihre Angst übertrieben oder unbegründet ist, vermeiden sie die gefürchteten Situationen oder ertragen sie nur unter großer Angst. Dies schränkt ihr allgemeines Leben, ihre berufliche Leistung oder ihre zwischenmenschlichen Kontakte erheblich ein. Soziale Ängste verursachen erhebliches seelisches Leid. Soziale Angst ist nach Depression die zweithäufigste seelische Störung und betrifft ca. 7-10% der Bevölkerung, wobei sowohl Frauen als auch Männer darunter leiden.

Zur Durchführung der Behandlungsstudie werden Personen zwischen 18 und 60 Jahren gesucht, die aktuell unter einer Sozialen Angsterkrankung leiden. Es sollten derzeit keine anderen schwerwiegenden körperlichen oder seelischen Erkrankungen vorliegen. Betroffene zwischen 18 und 60 Jahren, die sich für die neuartige Behandlungsmöglichkeit an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin am ZI interessieren, können unverbindlich Kontakt zu den Projektmitarbeitern aufnehmen. Das ist entweder telefonisch über das Sekretariat unter der Telefonnummer 062/1703-4023 oder per E-Mail an die Adresse sozialephobie@zi-mannheim.de möglich. Hier bekommen Interessierte auch Informationen über ein weiteres Projekt zur Erforschung der Entstehung und Chronifizierung sozialer Ängste, das am Institut für Neuropsychologie und Klinische Psychologie am ZI durchgeführt wird.


Quelle: Zentralinstitut für seelische Gesundheit

"Mensch im Stress": Grundlagenwerk von Bremer Uni-Biologen und Psychoanalytiker

Eine "Volkskrankheit" im Visier der Wissenschaft: Wirkungsketten, Gesundheitsrisiken, Stabilisierungsstrategien

Drei Wissenschaftler der Universität Bremen und ein Mitglied des Psychoanalytischen Instituts Bremen haben jetzt ein grundlegendes Werk zur "Volkskrankheit" Stress geschrieben. Die Biologen Ludger Rensing, Michael Koch, Volkhard Rippe sowie der Psychoanalytiker Bernhard Rippe beleuchten die sehr komplexe Thematik auf 420 Seiten in einem breit angelegten Fachbuch. Verständlich und doch auf hohem Niveau wendet es sich in erster Linie an Mediziner, Biologen, Pharmakologen, Gesundheitswissenschaftler, Psychologen, Psychotherapeuten und Psychoanalytiker sowie Studierende dieser Disziplinen. Es versucht aber zugleich, die Zusammenhänge durch kurze Überblicke auch für interessierte Laien zu erschließen.

Stress erleben wir immer wieder - als Kind, Jugendlicher, Erwachsener und alter Mensch. Mal sind es kurze Momente von Angst, dann wieder langfristige Belastungen in der Familie, am Arbeitsplatz oder durch Krankheit. Kurzer, kontrollierbarer Stress kann stimulieren. Intensive traumatische Ereignisse und Dauerstress hingegen verursachen oft psychische und physische Erkrankungen - Schlaflosigkeit, Depressionen, Angststörungen, chronische Entzündungen oder Arteriosklerose. Unsere Gesundheit wird zudem durch Stressoren gefährdet, die direkt unsere Zellen und Gewebe schädigen: Umweltgifte, Strahlen, Sauerstoffradikale, Bakterien und Viren.

Drei Wissenschaftler der Universität Bremen und ein Mitglied des Psychoanalytischen Instituts Bremen haben jetzt ein grundlegendes Werk zur "Volkskrankheit" Stress geschrieben. Die Biologen Ludger Rensing, Michael Koch, Volkhard Rippe sowie der Psychoanalytiker Bernhard Rippe beleuchten die sehr komplexe Thematik auf 420 Seiten in einem breit angelegten Fachbuch. Verständlich und doch auf hohem Niveau wendet es sich in erster Linie an Mediziner, Biologen, Pharmakologen, Gesundheitswissenschaftler, Psychologen, Psychotherapeuten und Psychoanalytiker sowie Studierende dieser Disziplinen. Es versucht aber zugleich, die Zusammenhänge durch kurze Überblicke auch für interessierte Laien zu erschließen.

"Mensch im Stress" ist insofern ein besonderes Buch, als es versucht, Stress in seinen vielfältigen Formen zu erfassen - vom subjektiven Erleben bis zu zellulären/molekularen Prozessen. Eine solche fachübergreifende Darstellung gibt es zu diesem Thema bisher nicht, obwohl "Stress" ein universelles Thema ist und unsere Lebensqualität in vielfältiger Weise beeinflusst. Das subjektive Erleben von Stress mit Gefühlen von Angst, Wut oder Hilflosigkeit ist individuell verschieden und von den Vorerfahrungen bis in die frühe Kindheit abhängig. Es erschließt sich anderen Menschen nur mühsam über Selbstbeobachtung und Einfühlungsvermögen - etwa im Rahmen einer analytischen Psychotherapie.

Die grundlegenden Prozesse im Gehirn, im Hormonsystem und letzten Endes in den Zellen und Molekülen sind Gegenstand der Neurobiologie, Hormonphysiologie sowie der Zell- und Molekularbiologie/-genetik. Das Verständnis beider Ansätze - der Psychoanalyse und der naturwissenschaftlichen Forschung - wird in dem Band genutzt, um Stress zu verstehen und gegebenenfalls bei Stressfolgeerkrankungen therapeutisch zu beeinflussen. Der gegenwärtige Stand der Erkenntnis auf vielen dazu relevanten Gebieten und auf der Grundlage ihrer eigenen Forschungstätigkeit wird von den Autoren anhand von zahlreichen Beispielen, Abbildungen und Tabellen dargestellt. Es wird auch der Versuch unternommen, dieses Wissen durch Einführungen, Übersichten und Zusammenfassungen zugänglich zu machen.

Die einzelnen Kapitel-Überschriften machen deutlich, dass das Problem "ganzheitlich" angegangen wird. Nach einer Einführung lauten Sie: Was macht uns Stress? - Psychischer Stress - Neurobiologische Grundlagen von Stressreaktionen - Die zentrale Rolle des neuroendokrinen Systems bei der Übermittlung von Stresssignalen - Zellulärer Stress und die Stabilisierungssysteme der Zelle - Das Immunsystem und seine Störungen durch psychosozialen Stress - Stress und Gesundheitsrisiken - Mensch im Stress, ein Überblick.

Quelle: idw

Psychotherapie: Senioren bleiben skeptisch /
Die meisten Älteren schämen sich, ihre Seelennot zuzugeben

Alter Mann allein am Fenster
Bild: Photocase

Baierbrunn - 13.02.2006 (ots) - Mit dem Lebensalter sinkt die Bereitschaft, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, berichtet das Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber". Eine Repräsentativumfrage der Zeitschrift im Jahr 2003 ergab zwar, dass 80 Prozent der über 50-Jährigen eine Psychotherapie als sinnvoll ansehen, aber 43 Prozent von ihnen wäre es peinlich, wenn Nachbarn oder Bekannte davon erführen. Fatal, denn Senioren vergeben sich damit große Chancen. "Psychotherapie bei Älteren ist möglich, sinnvoll, notwendig und erfolgreich", betont der Psychoanalytiker Prof. Hartmut Radebeul aus Kassel. Seine Münchner Kollegin Prof. Almuth Sellschop, die sich besonders der Krankheitsbewältigung von Krebspatienten widmet, erklärt: "Es geht nicht darum, an Unwiderruflichem zu rütteln, sondern Verhaltensmuster zu erkennen, die man noch ändern kann."

Quelle: Wort und Bild - Senioren Ratgeber



Immer wieder Bauchweh: Alles psychisch - oder was?

München (ots) - 05.01.2006 - Reizdarm-Syndrom quält Millionen / Guter Stuhlgang sorgt für Wohlbefinden / Neue Studien: Mit 64 Prozent sind deutlich mehr Patienten von einer Verstopfung betroffen als von Durchfall

Das einst verpönte Wort mit dem Zischlaut "Sch" erregt heute kaum noch Protest - selbst im Fernsehen ist es im täglichen Gebrauch. Der Namensgeber allerdings bleibt weiterhin ein Tabuthema: Über anrüchige Probleme mit Stuhlgang und Darm spricht man selbst mit einem Arzt nur ungern. Dabei geht die Zahl der davon Betroffenen in die Millionen: 20 Prozent aller Deutschen leiden unter den quälenden Beschwerden eines Reizdarm-Syndroms (abgekürzt RDS), darunter zwei- bis dreimal mehr Frauen als Männer, Jüngere häufiger als Ältere.

Die Symptome konzentrieren sich auf den Mittel- und Unterbauch: Anfallsartige oder ständig drückende Bauchschmerzen, Unwohlsein, Blähungen und Krämpfe halten gelegentlich bis zu fünf Tage lang an. Manchmal muss man viele Male am Tag zum stillen Ort, manchmal scheint der Darm mehrere Tage lang zu streiken. Verstopfung und Durchfall geben sich die Klinke in die Hand.

Obwohl die Symptome eindeutig körperbezogen sind, finden die Ärzte trotz Ultraschall, Laboranalysen und endoskopischen Untersuchungen keine fassbare Ursache. Sie bezweifeln zwar nicht die Schwere des immer wiederkehrenden Bauchwehs ihrer Patienten, versuchen es aber oft mit psychischen Ursachen wie Überempfindlichkeit, seelische Anspannung, Sorgen, Angst oder Stress zu erklären.

Das ist jedoch nur eine Seite der Medaille, betont der Verdauungs-Experte Dr. Jürgen Bubeck (Ingelheim): "Hinter dem quälenden Aufruhr im Bauch vermutet man neben einer gesteigerten Sensibilität heute auch eine Störung auf der molekularen Ebene der Botenstoffe (Neurotransmitter), die das komplizierte Gefüge der unwillkürlichen Darmbewegungen steuern. Sie führt zu scheinbar widersprüchlichen Folgen: Im erschlafften Verdauungsorgan staut sich die Nahrung, gleichzeitig führen überschießende Bewegungen der Muskulatur zu krampfartigen Schmerzen."

Neue Studien zeigen, dass beim RDS häufig auch die Darmmotorik gestört ist: Der Stuhl passiert meist nur langsam den Darm. Mit 64 Prozent sind deshalb deutlich mehr Patienten von einer Verstopfung betroffen als von Durchfall. In diesen Fällen kann der Einsatz eines schonenden Abführmittels mit dem Dulcolax-Wirkstoff Bisacodyl eine sinnvolle Hilfe sein. Dazu Dr. Bubeck: "Nach den so genannten Rom-II-Kriterien, einer internationalen Übereinkunft, ist charakteristisch für RDS, dass sich nach einer Darmentleerung die quälenden Beschwerden meist deutlich bessern."

Ebenfalls neu ist die Erkenntnis, dass die Frauenplage Reizdarm auch eine genetische Komponente hat: Oft hatten schon Mutter oder Vater der Betroffenen die Neigung, Stressbelastungen und emotionale Konflikte in Bauch zu projizieren.

Quelle: Stroebel Communications GmbH & Co KG


Streitereien verlangsamen Wundheilung drastisch
Feindseligkeit führt zu übersteigerten chemischen Reaktionen

Columbus - 06.12.2005 - Der Stress, dem ein verheiratetes Paar während einer 30minütigen Streiterei ausgesetzt ist, kann die Wundheilung um mindestens einen Tag verzögern. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Ohio State University College of Medicine. http://pni.psychiatry.ohio-state.edu/jkg Sind Feindseligkeiten in einer Beziehung an der Tagesordnung, kann diese Verzögerung noch weiter ausgedehnt werden. Aus diesem Grund sind laut New Scientist drastische Auswirkungen auf die Wundheilung bei chronischen Erkrankungen wie Geschwüren der Haut zu erwarten. Die Ergebnisse der Studie wurden in den Archives of General Psychiatry http://archpsyc.ama-assn.org veröffentlicht.

Krisensitzung
Bild: Photocase

Die Forscher verursachten bei 42 an sich glücklich verheirateten Paaren kleine Wunden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zwischen 22 und 77 Jahren alt. Jeder Partner wurde am Unterarm mit einem Biopsiegerät verletzt, das acht Hautstücke mit einem Durchmesser von acht Millimetern entfernte. Bevor sich eine Kruste bilden konnte, wurde mit einem anderen Gerät über jeder Wunde eine schützende Blase geschaffen, aus der die Flüssigkeiten entnommen werden konnten, die normalerweise diese Bläschen füllen.

Bei dem ersten Versuch, wurde jeder der Partner abwechselnd über einen Aspekt befragt, den er oder sie gerne an sich verändern würde. Der andere Partner wurde ersucht, mit aufmunternden Bemerkungen zu unterstützen. Diese Diskussionen wurden so angelegt, dass es zu keinem Konflikt kam. Einige Monate später wurde in einer zweiten Sitzung jeder der Partner gebeten, eines der ständigen Themen der Beziehung wie das Geld oder die Schwiegereltern zu thematisieren. Der in der Folge entstehende Stress wurde mit Bluttests und Fragebögen festgestellt. Die meisten Wunden waren nach dem ersten Termin innerhalb von fünf Tagen geheilt. Die eine halbe Stunde dauernden Streitereien beim zweiten Termin verzögerten die Wundheilung um einen Tag.

Es zeigte sich zusätzlich, dass die Wunden bei Paaren, die sich feindseliger gegenüberstanden, langsamer heilten. Bei ihnen dauerte die Wundheilung nach der ersten Verletzung durchschnittlich sechs Tage. Nach der zweiten waren es sogar sieben Tage. Janice Kiecolt-Glaser, die die Studie gemeinsam mit ihrem Ehemann Ronald Glaser leitete, erklärte, dass die Wunden bei feindseligen Paaren nur mit 60 Prozent der Geschwindigkeit heilten, die bei Paaren mit geringen Spannungen festgestellt werden konnten. Das Ausmaß der Feindseligkeit wurde mit Videoanalysen und Fragebögen festgestellt.

Bei den Flüssigkeitsproben konnten ebenfalls Unterschiede festgestellt werden. Bei feindseligen Beziehungen wurde ein deutlicher Unterschied bei einer entscheidenden Chemikalie festgestellt. Bei Interleukin-6 (IL-6) handelt es sich um ein Zytokin, das beim Ausgleichen der Immunreaktion eine Rolle spielt. Erhöhte Werte regen den Heilungsprozess an. Eine zu große Menge scheint ihn jedoch zu beeinträchtigen. Sehr feindselige Paare verfügten über eine übermäßig sensibilisierte IL-6 Reaktion. Ihre normalen IL-6 Werte waren allgemein zu niedrig. In Folge eines Konfliktes kam es jedoch zu einer übersteigerten Reaktion.

Quelle: pte



Risikofaktoren für psychische Erkrankung nach Trauma entdeckt
Persönlichkeitseigenschaften begünstigen psychische und physische Symptome

Zürich - 01.12.2005 - Wissenschaftler der Universität Zürich (UZH) http://www.unizh.ch haben zwei Risikofaktoren entdeckt, die für eine posttraumatische Erkrankung verantwortlich sind. Mit den Erkenntnissen wird eine frühe Erkennung und Prävention von stark belasteten Berufsgruppen möglich. Rund 80 Prozent aller Menschen werden irgendwann in ihrem Leben mit einem traumatischen Ereignis wie Tod und schwere Verletzung, sexueller Missbrauch, Geiselnahmen, Terroranschläge, Naturkatastrophen oder Verkehrsunfälle konfrontiert. Nur etwa vier Prozent der Gesamtbevölkerung erkranken an einer so genannten "posttraumatischen Belastungsstörung".

Unscharfes Foto
Quelle: Photocase

Das Risiko für eine psychische Erkrankung nach einem Trauma scheint individuell sehr unterschiedlich zu sein. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Markus Heinrichs und Ulrike Ehlert vom Psychologischen Institut der Universität Zürich http://www.psychologie.unizh.ch hat nun entdeckt, dass es Risikofaktoren gibt, die bereits vor dem Trauma bestehen und die Entwicklung einer Erkrankung nach einer Traumkonfrontation begünstigen. "Die zwei Risikofaktoren sind Persönlichkeitseigenschaften. Dabei handelt es sich um eine erhöhte Feindseligkeit anderen Menschen gegenüber und ein geringes Vertrauen auf Kontrollierbarkeit und Beeinflussung des eigenen Lebens", erklärt Heinrichs im pressetext-Interview. Personen mit diesem Risiko entwickeln schon bald nach einem traumatischen Erlebnis eine Reihe weiterer psychischer Symptome wie depressive Störungen, Ängste und körperliche Beschwerden, so der Experte.

"Menschen, die diese Persönlichkeitseigenschaften nicht haben, bleiben nach traumatischen Erlebnissen von psychischen Erkrankungen verschont", so Heinrichs. Der Experte meint, dass frühes Konfliktmanagement und soziales Kompetenztraining helfen könnten, diese Persönlichkeitsstörungen früh zu erkennen. "Wir sehen Patienten erst relativ spät, meist erst wenn es zu einer Erkrankung nach dem Extremerlebnis gekommen ist", beklagt der Wissenschaftler. Besonders betroffen sind Berufsgruppen wie Feuerwehr, Polizei, Hilfs- und Rettungskräfte aber auch Militär. "Im Schnitt erleben Angehörige dieser Berufe ein traumatisches Ereignis täglich", so Heinrichs. Eine frühe Prävention, Workshops und Führungstrainings können helfen, dieses Risiko zu verringern. Dazu zähle etwa das Schaffen eines offenen Gesprächs. "Untersuchungen in Deutschland haben gezeigt, dass diese Berufsgruppen im Durchschnitt eine um zehn Jahre geringere Lebenserwartung haben", so Heinrichs.

Obwohl es nicht Gegenstand der Studie war, meint Heinrichs, dass Frauen kompetenter in der Bewältigung von Stresssituationen sind, als Männer. "In den meisten der betroffenen Berufsgruppen ist der Frauenanteil sehr gering", räumt der Experte ein. Das bedeute aber nicht, dass Frauen für diese Berufe weniger geeignet wären. "Besonders auffällig sind etwa die ungünstigen männlichen Bewältigungsregulative wie Alkoholmissbrauch. Die Dunkelziffer liegt hier wesentlich höher als die ohnehin schon bedenklichen bekannten Zahlen", so Heinrichs abschließend.

Die Traumaforschung war bisher ausschließlich auf Untersuchungen nach traumatischen Erlebnissen ausgerichtet. Das Wissenschaftsteam, dem auch Forscher der Universität Trier und des US-Center for Disease Control and Prevention angehörten, haben das Problem umgangen, in dem sie gesunde Feuerwehrmänner über einen Zeitraum von zwei Jahren untersuchten. Das Studienergebnis ist in der jüngsten Ausgabe des Magazins "American Journal of Psychiatry" erschienen.

Quelle: pte


Alltags-Stress: Wie Sie dem "Hamster-Rad" entkommen

München (ots) - 01.12.2005 - Betriebsmediziner gibt Tipps gegen Überlastung und "Burn-out-Syndrom" / 40 Prozent der Berufstätigen "ausgebrannt" / Mehr Gelassenheit und Widerstandsfähigkeit dank Pflanzenkraft aus dem sibirischen Hochgebirge

Fußgänger in Eile

Die Situation ist alarmierend: Laut aktuellen Erhebungen fühlen sich die meisten bundesdeutschen Arbeitnehmer nicht mehr wie früher körperlich geschlaucht - die Firma macht sie heute eher seelisch "fix und fertig". Besonders Frauen müssen sich immer häufiger wegen psychischer Beschwerden krankmelden, vermeldet das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen (WIdO). Fast jeder Dritte fühlt sich durch die soziale Kälte und massiven Druck von oben, durch Angst um den Arbeitsplatz, Mobbing, Überstunden und einen nie da gewesenen Zeitdruck nervös und angespannt. Eine Erholung will sich auch am freien Wochenende nicht so recht einstellen. Mehr als 40 Prozent der Berufstätigen geben an, regelrecht "ausgebrannt" zu sein.

"Früher war das 'Burn-out-Syndrom' praktisch nur in helfenden und sozialen Berufen bekannt, bei Ärzten, Schwestern, Lehrern oder Altenpflegern. Heute gibt es fast keinen Beruf mehr, in dem nicht die Gefahr des 'Ausbrennens' besteht", stellt der Münchner Internist und Betriebsmediziner Dr. Peter Kramer besorgt fest. "Viele ziehen sich in eine 'Pfeif-drauf-Haltung' zurück und haben für ihren ursprünglich geliebten Beruf nur noch Ironie und Sarkasmus übrig. Die Arbeit wird nur noch als 'Hamster-Rad' erlebt: Man rennt und rennt und kommt doch nicht richtig zum Ziel."

Die meisten bekämpfen ihren Stress mit den falschen "Hausmitteln" - mit Alkohol, Kaffee und Zigaretten. Besser wäre es, so Dr. Kramer, mit Bedacht für Ausgleich zu sorgen. Seine Tipps:

- Die Freizeit bewusst genießen: ohne Handy, ohne Mailbox - aber mit Familie und Freunden. Die Grundregel sollte lauten: ein Drittel Arbeit, ein Drittel Freizeit, ein Drittel Schlaf.

- Für körperlichen Ausgleich sorgen: auf dem Fahrrad oder im Garten, beim Schwimmen oder Wandern.

- Bloß keine Beruhigungs- oder Schlafpillen! Dem Stress besser mit natürlichen Mitteln begegnen: Die seltene sibirische Hochgebirgspflanze Rhodiola rosea zum Beispiel entfaltet zusammen mit dem Anti-Stress-Mineral Magnesium und dem Nervenvitamin B1 im Naturstoff-Mix Lentaya (Apotheke) eine nachweislich "adaptogene" Wirkung. Das heißt, sie verbessert die Belastbarkeit in Stress-Situationen und erhöht die natürliche Widerstandskraft. Diese Wirkung ist in wissenschaftlichen Studien bestätigt worden. Dauer-Stress ist übrigens gefährlich. Er kann langfristig die gedächtnisbildenden Areale im Gehirn schädigen!

- Entspannungstechniken erlernen, z.B. Yoga, Autogenes Training oder die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson.

"Wichtig ist auch die intensive Entspannung durch Hobbys", unterstreicht Betriebsarzt Dr. Kramer, fügt aber sogleich mahnend hinzu: "Das gilt in diesem Zusammenhang natürlich nicht für Menschen, die ihre Arbeit für ihr einziges Hobby halten. Sie sollten sich unbedingt Liebhabereien außerhalb des Berufs widmen."

Quelle: Stroebel Communications GmbH & Co KG


Rauchen verdoppelt das Risiko vom posttraumatischem Stress

Cambridge - 09.11.2005 - Raucher leiden zwei Mal so wahrscheinlich ein posttraumatisches Stresssyndrom (PTSD) als Nichtraucher. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der Harvard School of Public Health www.hsph.harvard.edu gekommen, an der Zwillinge teilnahmen, die als Soldaten dienten. Es wird geschätzt, dass mach einem schweren Trauma rund ein Drittel der Menschen an einem posttraumatischem Stresssyndrom leiden. Dabei handelt es sich um eine Geisteskrankheit, die durch Angstgefühle, erneutem Durchleben der Stresssituationen und Panikattacken gekennzeichnet ist. Nikotinabhängigkeit wurde bereits in der Vergangenheit mit PTSD in Zusammenhang gebracht. Die genaue Beschaffenheit dieses Zusammenhanges war bisher jedoch unbekannt. Die aktuelle Studie belegt, dass Rauchen zu den entscheidenden Risikofaktoren gehört, die Menschen für PTSD prädisponieren. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in den Archives of General Psychiatry http://archpsyc.ama-assn.org veröffentlicht.

Frau raucht
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Das Team um Karestan Koenen untersuchte die Gesundheitsakten on 6.744 männlichen Zwillingspaaren, die während des Vietnamkrieges in den amerikanischen Streitkräften dienten. Bei rund der Hälfte der Teilnehmer handelte es sich um eineiige Zwillinge. Gemeinsame genetische Faktoren erklärten eine Überschneidung von 63 Prozent bei der Nikotinabhängigkeit und PTSD. Laut Koenen könnte manche Gene, die das PTSD Risiko beeinflussen auch das Risiko für eine Nikotinabhängigkeit beeinflussen. Eine ähnliche Wechselwirkung sei auch in umgekehrter Richtung denkbar. Die Analyse ergab, dass rauchende Soldaten, die einer traumatischen Erfahrung ausgesetzt waren, über ein doppelt so hohes PTSD Risiko verfügten. Koenen erklärte gegenüber New Scientist, dass Nikotin einige der gleichen neurobiologischen Bahnen stimuliert, die auch mit Stress und Sucht in Verbindung stehen. Rauchen könnte daher diese Bahnen sensibilisieren. Aus diesem Grund könnte ein folgender schwerer Stress das PTSD Risiko erhöhen. Die Wissenschafterin kann derzeit keine Angaben dazu machen, ob eine Änderung der Rauchgewohnheiten das erhöhte Risiko wettmacht. Zusätzlich zeigte sich, dass Menschen nach einer traumatischen Erfahrung mit oder ohne PTSD eher dazu neigten, mit dem Rauchen anzufangen.

Quelle: pte




Rehabilitation von Unfallopfern
Therapie hilft schwerverletzten Patienten

18.10.2005 - Unfallopfer verarbeiten ihr Trauma besser, wenn eine therapeutische Betreuung schon während des stationären Aufenthalts im Krankenhaus erfolgt. Bereits nach der ersten Schockphase, die bis zu einer Woche andauern kann, sollte die psychologische Therapie beginnen. Insbesondere Depressionen und Angstzustände treten bei therapierten Patienten seltener auf als bei denjenigen ohne Betreuung. Zu diesem Ergebnis gelangt Dr. Nicola Pirente in einer kontrollierten Studie der Biochemischen und Experimentellen Abteilung der Universität zu Köln im Zusammenarbeit mit den unfallchirurgischen Universitätskliniken in Köln und Witten-Herdecke (Campus Merheim).

Lastwagen kommt
Bild: Photocase

Die Gründe für ein Trauma sind vielfältig: Verkehrsunfälle mit dem Auto, Fahrrad oder als Fußgänger zählen zu den häufigsten Ursachen neben Arbeitsunfällen sowie Unfälle bei Sport- und Freizeitaktivitäten. Erlebte Traumata zu bewältigen ist nach Auffassung von Dr. Pirente wichtig, weil sonst Schwierigkeiten im alltäglichen Umgang auftreten können. Das Unfallopfer entwickelt Fahrphobien, die das selbständige teilnehmen am Straßenverkehr z.B. mit dem Auto erschweren. Angstzustände in vorher unbeschwerten Situationen oder Depressionen verhindern die Eingliederung in das soziale Umfeld und die Rückkehr in das Berufsleben.

Um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken ist eine frühe therapeutische Behandlung schon im Krankenhaus sinnvoll. Bereits acht psychotherapeutische Sitzungen während des stationären Aufenthalts bringen den gewünschten Erfolg. In der Studie konnte nachgewiesen werden, dass gezielte Techniken der Depressionsbehandlung und der Angstbewältigung sich positiv auf den Patienten auswirken.

Die Wiedereingliederung der Unfallopfer in das Berufsleben hängt jedoch neben der psychologischen Therapie, auch von der Art der Verletzung ab. Verletzungen an den unteren Extremitäten, am Kopf oder an der Wirbelsäule erschweren den Weg zurück ins Berufszuleben. Die Bewegungsfreiheit der Patienten für den Beruf ist unter diesen Umständen zu stark eingeschränkt. Ähnlich ist es bei Patienten, die seit dem Trauma unter starken Schmerzen leiden; auch diese Gruppe rehabilitiert nur selten beruflich. Daher ist es laut Dr. Pirente empfehlenswert, nicht nur die psychologische Betreuung sondern vor allem auch die Akutschmerztherapie zu fördern, um eine Chronifizierung zu vermeiden.

Quelle: Universität zu Köln



Pendler leben ungesund - Gesundheitsbeschwerden, Partnerkonflikte, weniger Lebensqualität

Pendler auf dem Bahnsteig - Zug fährt ein
Bild: Photocase

Baierbrunn - 12.10.2005 (ots) - Zwei Drittel aller Menschen, die regelmäßig lange Strecken zur Arbeit zurücklegen, berichten von psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen. Das ergab laut einem Bericht des Gesundheitsmagazins „Apotheken Umschau“ eine Studie der Universität Mainz. „Pendeln macht zwar nicht direkt krank, aber es erzeugt Stress“, lautet das Fazit von Studienleiter Professor Norbert Schneider. Stress wiederum ist Ursache vielfältiger körperlicher Beschwerden. Gravierend können auch die Probleme mit Partnern und Kindern sein. „Berufsnomaden“ wünschen sich nichts mehr als Ruhe, wenn sie endlich zuhause sind. Die Familienangehörigen aber möchten endlich etwas mit ihnen unternehmen – ein schwer zu bewältigender Dauerkonflikt. Auch materiell entschädigt fühlen sich die wenigsten Pendler für den großen Aufwand. Je länger ein Berufstätiger zu seiner Arbeitsstelle unterwegs ist, desto geringer sind Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden. Eine Pendelzeit von einer Stunde pro einfacher Strecke wird den Untersuchungen zufolge erst durch 40 Prozent mehr Geld wettgemacht.

Quelle: Wort und Bild - Apotheken Umschau


Exzentriker sind kreativer

08.09.2005 - Künstlern und Denkern haftet nicht von ungefähr ein schrulliges Image an. Darauf deuten Versuchsergebnisse hin, die ein amerikanisches Psychologenduo jetzt im Fachblatt "Schizophrenia Research" vorstellt. Sprachlich oder im Umgang mit Anderen eher umständliche Menschen scheinen demnach besonders kreativ zu sein, möglicherweise bedingt durch einen besonders starken Einsatz der rechten Gehirnhälfte.


Vincent Van Gogh, Albert Einstein und anderen berühmten Kreativen werde häufig eine schizotype, durch mangelnden Realitätsbezug geprägte Persönlichkeit zugeschrieben, erläutert Bradley Folley von der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee. "Die Idee, dass Schizotype eine erhöhte Kreativität besitzen, geistert schon seit langem durch die Köpfe", so der Psychologe. Bislang sei diese Vorstellung jedoch kaum experimentell untersucht worden.

Folley und seine Kollegin Sohee Park führten nun ein solches Experiment mit normalen, schizotypen und an Schizophrenie erkrankten Personen durch. Auf einem Bildschirm sahen die Teilnehmer eine Reihe von Haushaltsgegenständen. Dann sollten sie angeben und später auch erläutern, welches dieser Objekte mit einem von den Forschern benannten zu einem neuen Zweck benutzt werden könnte. Dabei erwiesen sich die schizotypen Teilnehmer als besonders findig, während jene in den übrigen zwei Gruppen ähnlich gut abschnitten.

Die gleichzeitige Messung der Gehirndurchblutung mittels Nahinfrarot-Spektroskopie zeigte ebenfalls deutliche Unterschiede. Sobald es um das Denken in neuen Bahnen ging, stieg in allen drei Gruppen die Durchblutung beider Gehirnhälften an. Besonders stark fiel dieser Anstieg in der rechten Gehirnhälfte der schizotypen Teilnehmer aus.


"Die meisten Wissenschaftler halten die verbreitete Ansicht, Kreativität stütze sich auf die rechte Gehirnhälfte, für lächerlich", räumt Folley ein. Offenbar werde die Arbeit bei schizotypen Personen jedoch anders zwischen den Gehirnhälften aufgeteilt als bei unauffälligen Menschen. Vielleicht könnten sie ihre wirr anmutenden Gedanken daher gut zusammenbringen - ganz im Gegensatz zu Menschen mit Schizophrenie.

Forschung: Bradley S. Folley und Sohee Park, Department of Psychology, Vanderbilt University, Nashville, Tennessee

Vorab-Veröffentlichung Schizophrenia Research, DOI
10.1016/j.schres.2005.06.016

Quelle: Scienceticker


Bessere Versorgung für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen gefordert

02.06.2005 - Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) fordert bessere und eindeutigere Versorgungsstrukturen für die Therapie von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. "Unser bisheriges Versorgungssystem zeigt", so der Präsident der DGPPN, Professor Dr. Fritz Hohagen, in seiner Einschätzung der Lage, "entscheidende Mängel in der patientenorientierten Versorgung. Wir haben in Deutschland zwar eine große Anzahl von ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten zur Versorgung von i. d. R. leichter Erkrankten. Dagegen ist aber die Basis-Versorgung der Betroffenen mit schweren chronischen psychischen Erkrankungen völlig unzureichend." Zu diesen Krankheiten sind u.a. die Psychosen, die schweren Persönlichkeitsstörungen und die schweren Depressionen zu zählen.

Die Ursachen dafür liegen vor allem in einer viel zu geringen Anzahl von niedergelassenen Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie sowie in der massiven Unterfinanzierung der psychiatrischen Basisversorgung. So stehen pro Arzt und Patient nur 40 Euro pro Quartal zur Verfügung, was real zwei Patientenkontakte in einem Vierteljahr erlaubt. Besonders schlecht ist die Versorgung in den neuen Bundesländern. Dort kommen auf einen Nervenarzt etwa 20.000 Patienten. Nach Auffassung der DGPPN ist damit eine flächendeckende psychiatrisch-psychotheraputische Versorgung der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet.

Vor allem die Umsetzung der Reform der "Einheitlichen Bewertungsmaßstäbe (EBM)" wird nach Ansicht der DGPPN weiter zu der schlechten Versorgungssituation im Bereich der Fachärzte beigetragen. Professor Hohagen: "De facto ist heute eine Situation zu konstatieren, dass immer weniger Ärzte immer mehr Patienten in kürzerer Zeit zu behandeln haben. Besonders dramatisch wirkt diese Situation sich im Bereich der psychiatrischen Basisversorgung aus. Denn die jetzt geplante Art der Umsetzung des EBM erlaubt in keiner Weise mehr eine adäquate Versorgung von Menschen mit schweren psychiatrischen Störungsbildern."

Hintergrund dieser Forderung der DGPPN ist das aktuelle Gutachten des "Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklungen im Gesundheitswesen" sowie der vor wenigen Wochen erschienene DAK-Gesundheitsreport 2005. Sowohl das Gutachten des Sachverständigenrates als auch der DAK-Gesundheitsreport verweisen auf einen stetig ansteigenden Trend bei den psychischen Erkrankungen: Mittlerweile gehen fast zehn Prozent der Fehltage bei den aktiv Berufstätigen auf seelische Krankheitsursachen zurück. Alarmierend ist vor allem, dass in den jüngeren Altersgruppen ein überproportionaler Anstieg der psychischen Erkrankungen zu verzeichnen ist: Besonders stark betroffen ist die Altergruppe der 15-28 jährigen Frauen sowie der 15-34 jährigen Männer. Experten bezeichnen daher Angststörungen und Depressionen bereits heute als die Volkskrankheiten der Zukunft.

Für unsere Gesellschaft und unser Gesundheitssystem ebenfalls relevant ist die altersbedingte Zunahme bei den Demenz-Erkrankungen, etwa die so genante Alzheimer Krankheit. Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Professor Jörg-Dietrich Hoppe, hat nicht zuletzt wegen dieser Fakten in einer Stellungnahme Demenz und psychische Erkrankungen als "prioritäre Probleme einer alternden Gesellschaft" hervorgehoben und angekündigt, dass der nächste Ärztetag sich eingehend mit diesen Problemen beschäftigen werde.

Fragt man nach den tiefer liegenden Ursachen dieser Zunahme von seelischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft, so sind nach Ansicht der DGPPN eindimensionale Erklärungsmodelle kaum ausreichend. Vielmehr, so Professor Hohagen, ist es notwendig, in dem Verständnis und der Erklärung von Krankheitsursachen sowohl biologische als auch soziale und psychische Aspekte zu berücksichtigen. Allgemein verständlich ist, dass aktuelle Konflikte um so besser gelöst werden können, je positiver und ermutigender eine Kindheit verlaufen ist. Gibt es allerdings familiäre Häufungen von schweren psychischen Störungen, verläuft die Kindheit eventuell durch frühen Tod oder Verlust von Bezugspersonen belastet und kommen aktuelle und scheinbar nicht lösbare Lebenskonflikte und -probleme hinzu, etwa Arbeitslosigkeit oder Trennung vom Partner, dann können diese zu einem Auslöser von schwerwiegenden psychischen Erkrankungen werden. Ferner scheinen geschlechtsspezifische Aspekte im Hilfesuchverhalten ebenfalls eine Rolle zu spielen.

Mit Nachdruck setzt sich die DGPPN daher für integrierte und übergreifende Versorgungssysteme ein, in denen störungsspezifische Therapiemodelle im Vordergrund stehen. Dazu gehört auch die Entwicklung von entsprechenden Leitlinien zur Behandlung von psychischen Erkrankungen wie etwa der Depressionen oder Angststörungen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)


Neue Therapie hilft Trauernden
16 Sitzungen sollen helfen den Schmerz zu überwinden und neuen Mut zu fassen

Pittsburgh - 02.06.2005 - Eine neue Behandlungsmethode verspricht eine schnellere Verbesserung der psychischen Gesundheit von Langzeittrauernden. Diese spezielle und sehr intensive Form der Trauer verursacht nicht nur emotionale und physische Probleme, sondern kann auch zu einem chronischen Zustand werden, der über Jahre dauern kann, jedoch nicht mit einer Depression vergleichbar ist. Durch eine eigene Form der Therapie - dem so genannten Complicated Grief Tretament (CGT) - konnten bei 51 Prozent der Behandelten rasch signifikante Verbesserungen erzielt werden. Die Technik, die von der University of Pittsburgh entwickelt wurde, wird in der aktuellen Ausgabe des Journal of the American Medical Association http://www.jama.ama-assn.org publiziert.

Die Therapie sieht 16 maßgeschneiderte Sitzungen vor, bei denen die klassische interpersonelle Psychotherapie angewendet wird, die dem Patienten zu einer realistischen Sichtweise der Beziehung mit dem Toten verhelfen soll und ihn dazu ermutigt, befriedigende Sozialkontakte und Aktivitäten wieder aufzunehmen. Die Patienten wurden dazu angehalten offen über alles zu sprechen und Pläne für ihre Zukunft anzufertigen, die auch angenehme Aktivitäten, Situationen und Begegnungen beinhalten sollten, die die Betroffenen seit dem Todesfall gemieden hatten. Zusätzlich werden bei der neuen Methode noch Bewältigungsstrategien eingesetzt. Dazu zählen das nochmalige Durchleben und Erzählen der Geschichte des Todesfalls sowie die Aufzeichnung der Übungen um das Erzählte auch später noch einmal anhören zu können. Dadurch soll dem Patienten geholfen werden, die Gefühle über den Tod und den damit verbundenen Schmerz beiseite legen zu können und ihn weniger schmerzvoll zu machen.

An der Studie nahmen 95 Freiwillige teil, von denen mehr als die Hälfte nach Beendigung der Sitzungen von einer signifikanten Verbesserung ihrer Lebenssituation berichteten. Im Gegensatz dazu konnte durch eine herkömmliche Psychotherapie bei einer Kontrollgruppe nur eine Verbesserung von 28 Prozent herbeigeführt werden.

Quelle: pte


Arbeitsstress: höheres Krankheitsrisiko im Urlaub


Hamburg - 17.05.2005 (ots) - Wer sich kurz vor den Ferien im Job stresst, der erhöht das Krankheitsrisiko im Urlaub deutlich. Ist man in den ersten freien Tagen Krankheitserregern ausgesetzt, kommt es leichter zum Infekt, wie die Zeitschrift "VITAL" berichtet. Denn mit Urlaubsbeginn und dem Nachlassen des Stress fällt das Immunsystem in ein Leistungstief. Mediziner kennen diesen Effekt als "Open-Window-Phänomen". Zugleich dauern Erkrankungen in dieser Zeit oft länger als üblich und verlaufen schwerer. Häufigste Ansteckungsquelle ist übrigens der Flug in die Ferien. Mit einer positiven Einstellung zur Stresssituation lässt sich das Immunsystem allerdings vorm Absturz retten. Eine Studie der US-Universität Wisconsin belegt, dass eine optimistische Einstellung zur Stresssituation die linke Gehirnhälfte aktiviert, die für positive Gefühlsreaktionen auf aktuelle Ereignisse zuständig ist. So bilden sich auch in Belastungssituationen ausreichend Antikörper. Wer also kurz vorm Urlaub Stress im Job hat, der sollte die Nerven und seine gute Laune bewahren. Dann haben die Stresshormone Adrenalin und Cortisol keine Chance, die Aktivität der Abwehrzellen zu reduzieren.

Quelle: Vital



Psychische Erkrankungen steigen dramatisch


26.04.2005 - Wie die DAK bekannt gibt, sind die psychischen Erkrankungen seit 1997 um alarmierende 70 Prozent gestiegen. Dies steht einem anderen Trend entgegen, denn insgesamt ließen sich im Vorjahr nur 3,2 Prozent der Arbeitnehmer krankschreiben, ein neuerlicher Tiefstand. Auf seelische Erkrankungen geht etwa jeder zehnte Fehltag zurück.

Grafisches Schema-Gesundheitreport DAK

Der Krankenstand sank 2004 auf 3,2 Prozent (2003: 3,5 Prozent). Gegen den Trend sind jedoch psychische Erkrankungen weiter gestiegen. Fast zehn Prozent der Fehltage bei den aktiv Berufstätigen gehen darauf zurück. Die Analysen der DAK zeigen, dass seit 1997 sowohl die Krankheitsfälle als auch die Krankheitstage alarmierend zugenommen haben. Von 1997 auf 2004 stieg die Zahl der Fälle bei psychischen Erkrankungen um 70 Prozent. “Gesundheitspolitisch müssen wir diese besorgniserregende Entwicklung in den Fokus rücken und Prävention und Versorgungsqualität optimieren”, so der DAK-Vorstandsvorsitzende Herbert Rebscher.

Die DAK beschäftigt sich seit drei Jahren intensiv mit dieser Entwicklung. Andere Kassen haben die Analysen der DAK mittlerweile bestätigt. Der aktuelle DAK-Gesundheitsreport untersucht deswegen die Hintergründe dieser Entwicklung.

Die DAK-Analysen haben ergeben: Die Bevölkerung zeigt sich auf den ersten Blick erstaunlich offen und tolerant gegenüber psychischen Erkrankungen. 82 Prozent meinen, dass diese als Krankheiten akzeptiert werden. In der betrieblichen Realität ergibt sich ein anderes Bild: 30 Prozent der Arbeitnehmer glauben, dass der Vorgesetzte wenig Verständnis hat, wenn ein Mitarbeiter wegen psychischer Probleme nicht am Arbeitsplatz erscheint.

Psychische Erkrankungen: immer noch ein Tabu?
Jeder siebte Berufstätige ist oder war schon einmal wegen eines psychischen Problems in professioneller Behandlung. Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) könnten sich ohne weiteres vorstellen, deshalb einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. 82 Prozent sind der Meinung, dass psychische Krankheiten heute besser akzeptiert werden. Dies ergab eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Berufstätigen, die die DAK im Februar 2005 durchführen ließ.

Das Ergebnis spricht auf den ersten Blick gegen eine fortbestehende Tabuisierung. Doch das gilt nicht ohne Einschränkung: Mehr als der Hälfte (56 Prozent) wäre es gegenüber dem Arbeitgeber unangenehmer, wegen psychischer Probleme am Arbeitsplatz zu fehlen als wegen anderer Krankheiten. Immerhin 26 Prozent meinen, dass psychische Erkrankungen "oft als Vorwand für Blaumacherei missbraucht werden".

Experten bewerten alarmierenden Anstieg
Die DAK hat 22 wissenschaftliche Experten zur Zunahme der psychischen Erkrankungen befragt. Die Mehrheit der Fachleute kommt zu dem Schluss, dass es tatsächlich mehr Fälle gibt. Für wichtig halten sie aber auch, dass psychische Erkrankungen offenbar von den Hausärzten häufiger entdeckt bzw. richtig diagnostiziert werden. Darüber hinaus meinen die Experten, dass Patienten heute wegen psychischer Probleme eher einen Arzt oder Psychologen aufsuchen als früher. Außerdem geht die moderne Arbeitswelt häufig mit schlechteren Rahmenbedingungen für Menschen einher, die anfälliger für eine psychische Erkrankung sind.

Überproportionaler Anstieg psychischer Erkrankungen in den jüngeren Altersgruppen
Gerade in den jüngeren Altersgruppen ist ein überproportionaler Anstieg der psychischen Erkrankungen zu verzeichnen. Hier sind die Altersgruppen der 15- bis 29-Jährigen (bei den Frauen) bzw. der 15- bis 34-Jährigen (bei den Männern) besonders stark betroffen. Zwischen 1997 und 2004 wiesen die jüngeren Altersgruppen zum Teil sogar eine Verdoppelung der Erkrankungsfälle auf. So hatten beispielsweise die Männer im Alter von 25 bis 29 Jahren einen Anstieg um 106 Prozent. Bei den Frauen zwischen 20 und 24 Jahren gab es sogar eine Zunahme um 123 Prozent.

“Angststörungen und Depressionen werden immer mehr zu Volkskrankheiten der Zukunft. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit reagieren offensichtlich auch mehr junge Menschen mit psychischen Problemen auf berufliche und private Anforderungen,” kommentiert DAK-Chef Herbert Rebscher die Ergebnisse.

Angststörungen und Depressionen auf dem Vormarsch
Angststörungen und Depressionen sind die häufigsten psychischen Krankheiten in Deutschland. Gegen den Trend allgemein sinkender Krankenstände stieg seit 2000 die Zahl der Krankheitstage aufgrund depressiver Störungen um 42 Prozent. Bei Angststörungen betrug der Anstieg 27 Prozent. Frauen sind häufiger wegen psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig und von Angststörungen und Depressionen betroffen. Dementsprechend weisen sie auch erheblich mehr Krankheitstage und –fälle auf.

Psychische Erkrankungen: Gesundheitswesen und Öffentliche Verwaltung Spitzenreiter
Insbesondere in den Branchen Gesundheitswesen und Öffentliche Verwaltung gibt es viele Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. So lag die Zahl der Krankheitstage im Gesundheitswesen um 55 Prozent und in der Öffentlichen Verwaltung um 42 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Es folgen die Organisationen und Verbände mit 40 Prozent mehr Krankheitstagen.

Allgemeine Entwicklung des Krankenstandes
An jedem Tag des Jahres 2004 waren von 1000 Arbeitnehmern 32 krankgeschrieben. Mehr als die Hälfte der berufstätigen DAK-Mitglieder war jedoch das ganze Jahr über kein einziges Mal krank. Damit lag der Krankenstand bei den DAK-Versicherten auf dem niedrigsten Wert seit 1998. Dies ergab die Auswertung der Krankschreibungen von 2,6 Millionen erwerbstätigen DAK-Mitgliedern im Jahr 2004.

Insgesamt liegt der Krankenstand in den östlichen Bundesländern über den Werten in den westlichen Bundesländern. In den westlichen Bundesländern (mit Berlin) beträgt er durchschnittlich 3,0 Prozent, in den östlichen Bundesländern 3,8 Prozent.

Der Krankenstand der Männer lag 2004 mit 3,1 Prozent unter dem der weiblichen Versicherten (3,3 Prozent). Männer waren im Durchschnitt 11,2 Tage, Frauen dagegen 12,2 Tage krank.

Die wichtigsten Krankheitsarten
Die prominenteste Rolle im Krankheitsgeschehen spielen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Auf sie entfallen nahezu ein Viertel (22,6 Prozent) aller Krankheitstage. Zweitwichtigste Gruppe sind Erkrankungen des Atmungssystems mit einem Anteil von 15,5 Prozent am Krankenstand.

An dritter Stelle stehen mit 14,4 Prozent die Verletzungen. Die psychischen Erkrankungen sind die viertgrößte Krankheitsart. 9,8 Prozent des Krankenstandes gehen auf psychische Erkrankungen zurück, ihr Anteil ist damit gegenüber dem Vorjahr noch einmal deutlich gestiegen (2002: 8,8 Prozent).

An fünfter und sechster Stelle stehen Erkrankungen des Verdauungssystems und des Kreislaufsystems mit 7,2 und 5,6 Prozent.

Branchenergebnisse
Die Branche mit dem niedrigsten Krankenstand war 2004 erneut die Rechtsberatung/Wirtschaftsprüfung mit 2,1 Prozent, gefolgt von der Datenverarbeitung mit 2,2 Prozent. Unter dem Durchschnitt lagen auch die Krankenstände bei den Banken und Versicherungen mit 2,6 Prozent sowie im Handel mit 2,8 Prozent.

Den höchsten Krankenstand weisen erneut die Branchen Öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen mit 3,8 und 3,7 Prozent auf. Der im Vergleich zur Privatwirtschaft hohe Krankenstand kann teilweise mit dem weit höheren Anteil an Schwerbehinderten im öffentlichen Sektor erklärt werden.

Quelle: DAK

Fast ein Drittel aller IT-Projektmitarbeiter durchleiden eine Burnout-Phase


München, 22. April 2005 – Leistungs- und Zeitdruck durch Mehrarbeit, Informationsüberflutung und die Angst vor Arbeitslosigkeit – immer mehr Berufstätige durchleiden eine Phase des chronischen Erschöpfungszustandes, auch als "Burnout" bezeichnet. Besonders gefährdet sind allerdings IT-Projektmitarbeiter: Rund 30 Prozent von ihnen erkranken, während in andere Berufsgruppen etwa zehn Prozent weniger Arbeitnehmer betroffen sind. Dies berichtet die IT-Wochenzeitung COMPUTERWOCHE in ihrer aktuellen Ausgabe (Heft 16/2005) unter Berufung auf eine Studie des Gelsenkirchner Instituts für Arbeit und Technik. Stärker als bei andere Berufsgruppen klagen IT-Projektmitarbeiter über Müdigkeit (63 Prozent gegenüber 17 Prozent bei der Vergleichsgruppe), 48 Prozent von ihnen über Nervosität und 29 Prozent über Schlafstörungen.

Auge geschlossen
Bild: photoCase

Der Grund für die starke Anfälligkeit unter IT-Projektmitarbeitern: Die besonders hohe Belastung dieser Berufsgruppe durch einerseits besonders widersprüchliche Arbeitsanforderungen, wie Schnelligkeit bei hoher Gründlichkeit, andererseits auch durch zunehmende Arbeitsverdichtung und Überlastung. Zudem ebnen aber auch falscher Ehrgeiz aus Angst vor Arbeitslosigkeit den Weg in die Burnout-Erkrankung, berichtet die COMPUTERWOCHE. Ebenfalls häufig sind restriktive Maßnahmen in IT-Firmen ursächlich. In vielen Unternehmen seien "die Leinen angezogen", so Anja Gerlmaier vom Institut für Arbeit und Technik gegenüber der IT-Wochenzeitung. "Einfachste Erkenntnisse der Personalführung werden missachtet, Mitarbeiter beispielsweise beliebig innerhalb der Projekte ausgetauscht oder wichtige Erholungsphasen gestrichen", berichtet sie.

Mit ihrer Unternehmenspolitik schneiden sich die IT-Firmen allerdings ins eigene Fleisch: "Katastrophal für die Unternehmen ist vor allem, dass Leistungsträger ausfallen", meint Rüdiger Trimpop, Psychologie-Professor an der Universität Jena. Aber trotz des potentiellen Verlusts von qualifizierten Mitarbeitern scheinen viele IT-Firmen den Zusammenhang zwischen ihrer Politik und den Problemen der Beschäftigten nicht zu sehen. Sie "schielen nur nach Zahlen", sagt Gerlmaier. "Die Rahmenbedingungen des Marktes diktieren oft ein Preisdumping, das zu Lasten der Projektmitarbeiter geht." Betroffene sollten möglichst schnell selbst aktiv werden, raten die Experten. Denn bei ärztlicher Behandlung stehen die Chancen auf vollständige Regeneration und Rückkehr in den Job bei über 90 Prozent, berichtet die IT-Wochenzeitung.

Quelle: Computerwoche


Forscher enthüllen Stressmechanismus

19.04.2005 - Französische Forscher der Université de Bordeaux haben einen speziellen molekularen Strom im Gehirn ermittelt, der die negativen Effekte von Stress noch verstärkt. Durch das Blockieren dieses Molekularstrangs konnten die Forscher in einer Versuchsreihe mit Mäusen beweisen, dass die Versuchstiere wesentlich entspannter auf Stresssituationen reagierten. Die Ergebnisse der Studie werden in der kommenden Mai-Ausgabe des Nature Neuroscience publiziert.

Im Gang sitzt am Boden ein Mann
Bild: photoCase

Das Forscherteam fand in einer Versuchsreihe mit Mäusen heraus, dass das durch Stress induzierte Hormon Corticosterone die Freisetzung von Signalmolekülen begünstigt. Diese Signalmoleküle - die so genannten MAP kinase cascade-Moleküle - werden im Hippokampus ausgeschüttet, einem Teil des Gehirns, der vor allem für das Lernen, die Erinnerung und das Gedächtnis zuständig ist. In dem Experiment wurden die Mäuse durch eine unangenehme Erfahrung einer Angstsituation ausgesetzt. Die Forscher konnten ermitteln, dass die Angstreaktion durch stressvolle Umstände oder durch die Injektion von Corticosterone noch verstärkt wurde. "Wir konnten jedoch feststellen, dass die starke Angstreaktion nicht einsetzt, wenn die Ausschüttung von MAP kinase cascade-Moleküle im Hippocampus unterdrückt wird", erklärte Studienleiter Pier Vincenzo Piazza.

Stress hat sehr nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit und das Verhalten und lässt problematische Herausforderungen oft viel schlimmer erscheinen als sie sind. Da sich der Molekularstrang in einer Region des Gehirns befindet, die vor allem für das Gedächtnis und das Lernen zuständig ist, bedeutet dies, dass ein erhöhter Stresspegel vor allem Konsequenzen im Bereich der Konzentrations- und Erinnerungsfähigkeit hat. Dies übt in weiterer Folge einen negativen Einfluss auf das alltägliche Leben aus. Durch die Ergebnisse der Studie erhoffen sich die Forscher nun neue Ansatzpunkte für die Stresstherapie.

Quelle: Université de Bordeaux


Selbstmordtendenz steigt durch Suizid des Partners

50 Prozent der Männer durch emotionale Defizite betroffen

Aarhus, Dänemark 18.04.2005 - Der Partner einer Person, die sich durch Selbstmord das Leben genommen hat, ist selbst von einem signifikant höheren Selbstmordrisiko betroffen. Bei Männern beträgt die Wahrscheinlichkeit durch undiagnostizierte und unbehandelte mentale Krankheiten sogar knapp 50 Prozent. Zudem verdoppeln eine Scheidung oder der Verlust eines Kindes sowohl bei Männern als auch bei Frauen das Selbstmordrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der University of Aarhus http://www.au.dk , die in der derzeitigen Ausgabe des Journal of Epidemiology and Child Health http://jech.bmjjournals.com/ publiziert wird.

Ausgetrockneter Baum
Bild: photoCase

Die Forscher analysierten die Daten einer schwedischen Nationalstudie, an der 457.000 Menschen teilnahmen. Davon hatten 9.000 Menschen im Alter von 25 bis 60 Jahren Selbstmord begangen. Die Experten erfassten zudem noch Hintergrundinformationen wie psychische Erkrankungen, mögliche Auslöser für die Tat, familiäre Situation, Familiengröße und sozioökonomische Lebensumstände.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass knapp jeder zweite Mann ein erhöhtes Selbstmordrisiko hat. "Männer haben größere Schwierigkeiten als Frauen, sich emotionale Hilfe zu beschaffen. Darum sind sie impulsiver, gewalttätiger und haben eine geringere Barriere beim Setzen tödlicher Maßnahmen. Darüber hinaus neigen sie eher zu Medikamentenmissbrauch und haben oft undiagnostizierte und somit unbehandelte mentale Krankheiten", erklärte Studienleiter Esben Agerbo. Scheidung und Trennung sowie der Verlust des eigenen Kindes verdoppeln bei Männern und Frauen das Risiko für einen Selbstmord.

Quelle: pressetext.austria



Psychische Erkrankungen und ihre Folgen

Köln - 14.04.2005 (ots) - Psychische Erkrankungen und deren Folgen im Arbeitsleben waren das Thema eines runden Tisches, zu dem 25 Experten auf Einladung des Ford Disability Management Teams in Köln zusammen kamen. Dieses Treffen war das erste seiner Art in der deutschen Industrie. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass bei generell rückläufigen Krankheits- und Fehlzeiten die Zahl der psychischen Erkrankungen deutlich zunimmt. Problematisch ist dabei die Tatsache, dass Erkrankungen dieser Art immer öfter junge Arbeitnehmer betreffen, lange Fehlzeiten zur Folge haben und die beruflichen Prognosen der Kranken negativ beeinflussen.

Zu den Teilnehmern des Runden Tisches gehörten unter anderen externe Fachärzte, Mediziner aus dem Team des Ford Gesundheitsdienstes, Rainer Ludwig, der innerhalb der Geschäftsführung der Kölner Ford-Werke GmbH für das Ressort Personalwesen zuständig ist, Vertreter einzelner Krankenversicherungen, des Landschaftsverbandes, des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen Nordrhein, der Agentur für Arbeit, der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte sowie eines Berufsförderungswerkes. Ziel der Organisatoren war es, von allen Beteiligten zu erfahren, wie ihr Kenntnisstand ist, welche Probleme und Lösungsansätze existieren und wie man eventuell in Zukunft gemeinsam vorgehen kann. Die hohe Zahl von Teilnehmern zeigte bereits, dass dieses Konzept von allen Beteiligten begrüßt wurde.

Zu den ersten Ergebnissen gehörte, dass der runde Tisch fortgesetzt werden soll. Die beteiligten Fachleute sagten darüber hinaus zu, betriebsnahes psychiatrisches Know How zur Verfügung zu stellen. Und schließlich gibt es eine konkrete Vereinbarung mit den Rentenversicherungsträgern über stationäre Rehabilitationsmaßnahmen.

Bei der Ford-Werke GmbH ist die Auseinandersetzung mit dem Thema ein Teil des Disability-Managements, für dessen vorbildliche Umsetzung Ford bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Mit dem im Jahr 2001 begonnenen Aufbau eines Disability Management-Teams hat die Ford-Werke GmbH einen neuen Ansatz geschaffen, um die Fähigkeiten von Mitarbeitern, die an ihrem bisherigen Arbeitsplatz aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr eingesetzt werden können, sinnvoll weiter zu nutzen. Dieses Konzept ist das erste seiner Art in der gesamten europäischen Industrie. Im Vordergrund stehen bei diesem Prozess nicht wie bisher oft die Behinderungen, sondern das Potenzial dieser Mitarbeiter.

Das Disability Management-Team setzt sich aus interdisziplinären Fachleuten aus der Produktion, Medizinern des Ford-Gesundheitsdienstes, der Schwerbehinderten-Vertretung sowie Mitgliedern des Betriebsrates und der Personalabteilung zusammen und kooperiert mit externen Spezialisten von der Deutschen Sporthochschule Köln und dem Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation. Es hat für seine Arbeit neue, unter anderem computergestützte, Methoden eingesetzt. Gleichzeitig steht auch eine individuelle Betreuung der Mitarbeiter im Vordergrund. So konnten bereits für mehrere hundert Betroffene neue Einsatzmöglichkeiten gefunden werden, in denen sie ihre speziellen Fähigkeiten optimal einsetzen können.

Dr. Erich Knülle, verantwortlicher Arbeitsmediziner im Disability Management-Team bei Ford: "Die Erkenntnis: 'Arbeit macht nicht krank - Nichtarbeit macht krank' war der Leitsatz für unsere Gesprächsrunde, bei der wir erste Anstöße gefunden haben, um in Zukunft jeder auf seinem Gebiet aber auch in weiterer Zusammenarbeit Lösungswege zum Wohl unserer Mitarbeiter zu finden."


Quelle: Ford-Werke GmbH



Kranke Psyche: Richtige Therapie zu finden, ist Glücksache

Baierbrunn - 14.04.2005 (ots) - Mehr als fünf Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich für Fehlbehandlungen psychischer Leiden aufgewendet, berichtet das Apothekenmagazin „Gesundheit“. Die Zahl beruht auf einer gemeinsamen Studie der Angestelltenkrankenkasse (DAK) und der Universität Mannheim.

Auch der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein in Lübeck, Prof. Fritz Hohagen bestätigt: „Manche etablierten Therapieschulen sind häufig nicht auf die konkreten Anforderungen eines Krankheitsbildes ausgerichtet.“ Für Patienten sei der Weg zur richtigen Therapie vor allem Glücksache.

Dabei wird eine zuverlässige Behandlung immer wichtiger, denn seelische Leiden nehmen stark zu. Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufgrund solcher Erkrankungen sind in sechs Jahren um 62 Prozent gestiegen, weist die Statistik der DAK aus.


Quelle: Wort und Bild - Gesundheit



Weibliche Intuition ein Mythos

12.04.2005 - Frauen wischen männliche Zweifel gerne mit dem Hinweis auf weibliche Intuition beiseite. Tatsächlich scheinen die Antennen der Frau nicht empfindlicher zu sein als die des Mannes, zeigt das Experiment eines britischen Psychologen. Von den über 15.000 Teilnehmern schnitten die männlichen sogar etwas besser ab als die weiblichen, wenn es um die Unterscheidung von echtem und falschem Lächeln ging.

"Frühere Studien hatten Hinweise auf weibliche Intuition gefunden", erläutert Richard Wiseman von der University of Hertfordshire in Hatfield. Bei dem jüngsten Versuch, durchgeführt online und vor Ort im Rahmen des Edinburgh International Science Festival, erzielten Frauen eine Erfolgsquote von 71 Prozent, Männer brachten es dagegen auf 72 Prozent. "Vielleicht haben die Männer inzwischen gelernt, auf ihr Bauchgefühl zu hören", so Wiseman.

Bei dem Experiment wurden die Teilnehmer zunächst gebeten, ihre Intuition einzuschätzen. Von den weiblichen Teilnehmern stuften sich 77 Prozent selbst als "sehr intuitiv" ein, verglichen mit 58 Prozent ihrer männlichen Pendants. Zum Test ihrer Fähigkeiten wurden den Probanden dann zehn Paare von Portraitfotos vorgelegt, von denen eines ein echtes Lächeln zeigte, das andere jedoch ein gespieltes.

Die eingehende Analyse der Datenmassen werde noch einige Zeit dauern, so Wiseman, bereits jetzt zeichneten sich jedoch faszinierende Einsichten ab. So versage die weibliche Intuition insbesondere dann, wenn es um die Aufrichtigkeit des anderen Geschlechts gehe: Männer hätten das falsche Lächeln einer Frau in 76 Prozent der Fälle erkannt, Frauen das eines Mannes dagegen nur zu 67 Prozent. Sei auf den Fotos die Mundpartie abgedeckt worden, hätten sich beide Geschlechter dagegen gleichermaßen schwer getan - und das, obwohl sich ein echtes Lächeln vor allem in der Augenpartie von einem falschen unterscheide.


Forschung: Richard Wiseman, Psychology Department, University of Hertfordshire, Hatfield


Quelle: Scienceticker



Psychotherapie: Probesitzungen nutzen!- Kassen zahlen bis zu fünf Teststunden ohne besondere Genehmigung

Baierbrunn (ots) - Wer sich für eine Psychotherapie entscheidet, ist nicht unbedingt an den Therapeuten gebunden, zu dem er zuerst gegangen ist. Bis zu fünf Sitzungen sollte man sich Zeit nehmen, den Behandler kennen zu lernen und zu prüfen, ob ein ausreichendes Vertrauensverhältnis zum Bearbeiten der immer sehr persönlichen Probleme entsteht, rät der Psychotherapeut Wolfgang Siegel, Dortmund, im Gespräch mit dem Apothekenmagazin „ Gesundheit “. In diesem Umfang bezahlen Krankenkassen „Probesitzungen“ auch ohne Genehmigungsverfahren. Siegel rät den Patienten, ihrer inneren Stimme zu vertrauen: „Stellt sich in fünf Sitzungen kein stimmiges Gefühl ein, ist dies wahrscheinlich auch nach 20 nicht der Fall.“

Quelle: Wort und Bild - Gesundheit



"Verwaiste" Eltern werden psychisch krank

30.03.2005 - Eltern haben durch den Tod ihres Kindes ein signifikant höheres Risiko eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Besonders in den ersten fünf Jahren nach dem Tod des Kindes weisen die betroffenen Eltern eine hohe Rate an Schizophrenie- und Depressionserkrankungen auf und neigen zu Alkohol- und Drogenmissbrauch. Zu diesem Ergebnis kommt die derzeit umfangreichste Studie zur mentalen Gesundheit von "verwaisten" Eltern, die vom Danish Epidemiology Science Center http://www.au.dk/index.jsp unter der Leitung von Jiong Li durchgeführt wurde, berichtet die New York Times. "Diese Studie birgt wichtige Einblicke in eine Materie, die bisher nur wenig wissenschaftliche Beachtung fand", erklärte Li.

2 Personen spazieren auf dem Weg
Bild: photoCase

Die Forscher analysierten die medizinischen Daten von mehr als einer Mio. Eltern, die seit 1999 eines oder mehrere Kinder bekommen hatten. Die dänische Datenbank beinhaltet neben umfassenden medizinischen Angaben zu den Familien detaillierte Aufzeichnungen darüber, ob eine medizinische Behandlung auf Grund mentaler Erkrankungen durchgeführt wurde. So konnte das Forscherteam feststellen, dass insgesamt 17.033 Eltern ein Kind unter 18 Jahren verloren hatten und 495 von ihnen in weiterer Folge innerhalb der darauf folgenden fünf Jahre an einer psychischen Störung erkrankten.

Im ersten Jahr nach dem Tod des Kindes war die Wahrscheinlichkeit für die betroffenen Mütter an einer Depression zu erkranken sieben Mal so groß wie bei nicht-trauernden Müttern. Die Wahrscheinlichkeit an Schizophrenie zu erkranken war vier Mal so hoch und ungefähr dreimal so hoch war die Wahrscheinlichkeit für Drogen- und Alkoholmissbrauch.

Bei den Vätern wirkte sich der Verlust im ersten Trauerjahr nicht so stark auf die psychische Gesundheit aus. Trotzdem hatten sie ein sechsfach höheres Risiko an Depressionen zu erkranken und ein doppelt so großes Risiko schizophren zu werden wie nicht-trauernde Väter.

Im Laufe der Zeit korrelierte das Erkrankungsrisiko zwischen den trauernden Elternteilen. Doch nach Ablauf der ersten fünf Jahre war die Erkrankungsrate bei Frauen um 80 Prozent und bei Männern um 40 Prozent höher als bei Eltern, die nicht den Verlust eines Kindes zu beklagen hatten.

Weder das Alter der Kinder noch das Alter der Eltern zum Zeitpunkt des Todes ist ausschlaggebend für eine mögliche Erkrankung. Doch hatten jene Eltern, die ihr einziges Kind verloren, ein höheres Risiko als jene, die eine große Familie haben.

Quelle: pressetext.austria


"Seele und Zähne": Berliner Zahnärzte kooperieren mit Psychotherapeuten


Berlin (pts/30.03.2005/12:37) - Zähne und Seele hängen viel enger zusammen als man meint. Viele Menschen denken dabei vor allen an positive Erfahrungen: Man fühlt sich wohler mit gepflegten Zähnen, man lacht lieber mit schönen Zähnen, man fühlt sich sicherer mit festsitzendem Zahnersatz.
Dabei weiß nicht nur der Volksmund aber auch von der anderen Seite zu berichten: "Zähne zusammenbeißen" heißt es da beispielsweise, und: "Probleme durchkauen", oder "verbissen" an eine Aufgabe herangehen.

Zahngebiß
Bild: Pixelquelle

Dieser Aspekt beschäftigt auch die Zahnärzte - seit rund einhundert Jahren übrigens. Damals bereits wurden Zusammenhänge von Belastungen der Menschen und den Auswirkungen auf ihre Zähne festgestellt und weiter erforscht. 1987 wurde sogar eine eigene Fachgesellschaft gegründet, die sich in der Dachorganisation der zahnärztlichen Wissenschaft in Deutschland mit solchen psychosomatischen Zusammenhängen und Lösungswegen für die Patienten befasst. Psychosomatik bedeutet die Verbindung von Konflikten, die "psychische" Seite, mit den körperlichen, den "somatischen" Auswirkungen.

Zähne können Geschichten von der Seele erzählen - und sie leiden mit.
Wer unter großem Druck steht, bei Prüfungen, bei Lebenssorgen, in Partnerschaftsproblemen, wer Angst um seine Zukunft oder seine Gesundheit hat, der neigt dazu, sich zu verspannen. Das ist ganz normal - und die Anzahl der Menschen, die unter solchen Spannungen stehen, war schon immer nicht klein, heute ist sie offensichtlich größer denn je.
Solche Verspannungen können zu den unterschiedlichsten Folgen führen - auch im Mund.
Ein paar Beispiele von vielen:

"Zähne zusammenpressen":
Wenn man tagsüber, oft aber auch nachts und meist unbewusst, seine Zähne zusammenpresst, wird eine enorme Kraft ausgeübt. Wenn man richtig fest zusammenbeißt, entsteht auf den Backenzähnen leicht ein Druck von bis zu 40 Kilo pro Quadratzentimeter!

Die Folgen: Die Zahnwurzeln im Kiefer werden extrem belastet und drücken auf den Knochen, die Kaumuskulatur verspannt und verhärtet sich. Anhaltende Kiefergelenks, Gesichts- oder Kopfschmerzen können das einzige sein, was der Patient verspürt. Bei einer zahn/ärztlichen Untersuchung wird man - wenn man nicht auf die Ursache und die Wirkung achtet - zunächst möglicherweise erst einmal nichts finden.

"Knirschen"
Viele Menschen verarbeiten den Druck, unter dem sie stehen, auch nachts, indem sie diese Probleme "durchkauen" und mit den Zähnen knirschen. Die Folge: Zuerst werden die Höcker auf den Zähnen, dann die Zahnoberflächen selbst durch den ständigen Knirschprozess abgerieben - Zahnärzte können das an unnatürlich glatt polierten Kauflächen erkennen.

Der Zahnersatz passt nicht
Natürlich kann es vorkommen, dass aus rein technischen Gesichtspunkten der Zahnersatz zunächst nicht gut sitzt - und einfach nachgearbeitet werden muss. Aber es gibt auch Menschen, die bewusst Zahnersatz wollen, um wieder essen und reden und lachen zu können - aber unbewusst ihren Zahnersatz als etwas Fremdes ablehnen. Tief drinnen steckt oft das Gefühl, nun "alt und hinfällig" zu sein, weil bei manchem die "falschen Zähne" mit der Vorstellung von gebrechlichen, alten Menschen verbunden ist. Besonders bei herausnehmbarem Zahnersatz kommt nicht selten dieses Gefühl auf: Jeden Tag beim Zähne- und Prothesenputzen wird einem wieder deutlich, dass man einen Verlust erlitten hat und einen "Ersatz" braucht, für manche Menschen unbewusst eine große Belastung.

Gerade weil die Vernunft eigentlich für den Zahnersatz spricht, fällt es so schwer, den unbewussten Widerwillen zu erkennen. Manche Patienten und ihre Zahnärzte versuchen mehrfach hintereinander, eine technisch gelungene Lösung zu finden - sie werden es aber nicht schaffen können, so lange die Akzeptanz des Fremdkörpers Prothese nicht gelingt.
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Anhaltende und unerklärbare Schmerzen
Hinter dauerhaften und schwer zuzuordnenden Schmerzen, zumal wenn sie nicht auf eine bestimmte Stelle reduziert sind, können rheumatische Erkrankungen stecken - aber auch große Belastungen.
Schmerz ist eigentlich ein faszinierendes biologisches Signal: Da wir nicht alle Vorgänge in unserem Körper sehen und prüfen können, meldet uns der Schmerz, dass etwas nicht in Ordnung ist und behoben werden muss. Eine gerissene Sehne zum Beispiel. Aber auch eine verletzte Seele kann solche Schmerzsignale und damit einen Ruf nach Hilfe aussenden. Kein Zahnarzt wird deshalb eine Lösung finden können, die allein durch zahnärztliche Behandlung diese Art von Schmerzen wirklich beheben kann.

Angst vor der Zahnbehandlung
Zehn und mehr Jahre mit großen gesundheitlichen und seelischen Belastungen durch kaputte und schmerzende Zähne kann es dauern, ehe mancher Patient dann doch notgedrungen zur Behandlung geht. Mindestens ein Unwohlsein vor einer zahnärztlichen Behandlung haben viele Menschen, eine regelrechte Angst, die sie Termine immer wieder verschieben lässt, hat Schätzungen zufolge jeder zehnte Patient.
Viele von ihnen hoffen darauf, dass sie bei einer Behandlung unter Vollnarkose nichts davon mitbekommen. Eine solche Vollnarkose ist aber nicht immer möglich. Trotzdem sollte man seine Zahngesundheit und sein Wohlbefinden nicht aufgeben: Bei entsprechend fortgebildeten
Zahnärzten, vielleicht auch mit kurzzeitiger Unterstützung geschulter Therapeuten, kann diese Angst schrittweise überwunden und durch die Erfahrung ersetzt werden, dass alles "halb so schlimm" ist.

Der Erfolg, diese kritische Situation gemeistert zu haben, ist ein wesentlicher Baustein für das wieder gefundene Selbstwertgefühl.

Weit mehr Patienten - auch viel mehr, als manche Zahnärzte vermuten - haben keine körperlich-krankhaften Ursachen für ihre Zahnprobleme, sondern die Ursache liegt im Bereich des Seelischen. Heute muss man offenbar "groß und stark" sein - viele Menschen schenken ihrer Seele, ihrem gefühlsmäßigen Wohlbefinden oft nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie ihrem Körper.
Wer zu sehr unter Druck steht und nicht weiß, wie er ihn los wird, wer deshalb beispielsweise Zahn-, Kiefer- oder Kopfschmerzprobleme hat, dem wird auch ein mit modernsten Geräten ausgerüsteter Zahnarzt nicht helfen können. Körper und Seele sind eins - deshalb müssen auch Körper und Seele zusammen behandelt werden, wenn das System aus dem Lot ist., Wenn die Seele unter als nicht schön empfundenen Zähnen leidet, ist das unkompliziert zu lösen: Oft schon mit kleinen zahnärztlichen Maßnahmen kann der Zahnarzt z.B. störende Lücken schließen, schiefe Zähne richten oder aus herausnehmbarem Zahnersatz eine festsitzende Lösung machen. Wer bei einer zeitlich befristeten Stresslage wie z.B. einer bevorstehenden Prüfung zu sehr auf die Zähne beißt, dem kann übergangsweise eine Zahnschutzschiene helfen, die nachts getragen wird.

In manchen Fällen aber ist die Körper-Seele-Einheit auf der Seelenseite so sehr aus den Fugen geraten, dass eine zahnärztliche Behandlung keinerlei Lösung bringt. In diesen Fällen ist eine ganzheitliche Zusammenarbeit von Zahnarzt, geschultem Therapeut und Patient oft der einzige Weg, den Druck zu erkennen und abzubauen. Und erst dann können die Zahnprobleme dauerhaft gelöst werden.

Kooperationsmodell startet in Berlin
Wer vermutet, dass seine Zahn- und Mundprobleme vielleicht auch eher ein ganzheitliches Sorgenpaket sind, wird in Berlin nun besser Hilfe finden: Hier ist ein Modell gestartet, das bereits in anderen Bundesländern auf Interesse stößt und Nachahmer findet. Berliner Zahnärzte werden zusammen mit Psychotherapeuten in speziellen Informationsveranstaltungen darin geschult, solche ganzheitlichen Zusammenhänge leichter zu erkennen - das ist der wichtigste erste Schritt, um Patienten die für sie richtige Hilfe zukommen zu lassen. Nicht in jedem Fall sind ja seelische Belastungen und Konflikte an Zahn- und Kauproblemen schuld, manchmal können es auch ungünstig sitzende Brücken und Kronen oder auch Füllungen sein. Wichtig ist es also, zuerst einmal "sehen und fühlen" zu lernen, wann ein Patient mehr als rein zahnärztliche Hilfe benötigt, um seine Mundgesundheitsprobleme wieder loszuwerden.

Nicht jeder Zahnarzt in Berlin soll und wird sich auf dieses Gebiet spezialisieren und entsprechende tiefergehende Kenntnisse erwerben - das ist auch nicht nötig. Durch spezielle Fortbildung ist in Berlin die Anzahl der zahnärztlichen und psychotherapeutischen Praxen, in denen das Thema "Zahnprobleme" ganzheitlich und in Zusammenarbeit angegangen wird, bereits seit einiger Zeit deutlich gewachsen. Zahnarztpraxen, die sich dem Thema Psychosomatik besonders zuwenden, sind zu finden im Internet unter www.zaek-berlin.de unter dem Stichwort Zahnarztsuche. In Zusammenarbeit mit "gesundheit-berlin.de" kann hier bei den Suchbegriffen auf "Psychosomatik" geklickt werden. Auch Psychotherapeuten haben sich darauf spezialisiert, bei zahnmedizinischen Problemen zu helfen - das kann je nach Situation eine ganz kurzzeitige Unterstützung sein, aber auch mehr Zeitaufwand benötigen, ganz nach Situation des Patienten (Kontaktdaten am Ende).

Gemeinsame kostenlose Patientenberatung
Zu den Neuerungen, die die anlaufende Kooperation mit sich bringt, gehört demnächst auch eine kostenlose Beratung: Wenn Zahnärzte oder Psychotherapeuten vermuten, dass hinter den zahnmedizinischen Belastungen des Patienten seelische Konflikte stehen, oder hinter seelischen Belastungen zahnmedizinische Aspekte, kann man sich nach entsprechender Empfehlung seines Behandlers an die kostenlose und unverbindliche, von Zahnärzten und Psychotherapeuten gemeinsam betreute "Patientenberatung" im Zahnärztehaus wenden. Dort können mögliche medizinische und mögliche seelische Belastungen gemeinsam zusammen mit dem Patienten besprochen und entsprechende Wege zur Lösung entwickelt werden. Am Anfang steht oft ein erstes Nachdenken. Ein Gespräch. Eine Erkenntnis.

Kontakthinweise:

Für allgemeine zahnmedizinische Fragen: Patientenberatungsstelle im Zahnärztehaus, Georg-Wilhelm-Str. 16, 10711 Berlin, Terminvereinbarungen unter: 030 / 89004-0
Für psychotherapeutische Fragen (Ansprechpartner-Suche): Servicetelefon der Psychotherapeutenkammer Berlin
dienstags von 14 - 16 Uhr, Rufnummer 030 / 88 714 020

Quelle: basic.dent


Psychische Probleme bei Kindern durch nachlässige Sprache

Rastatt - 22.03.2005 (ots) - Nachlässige Sprachgewohnheiten können bei Kindern zu psychischen Problemen führen. Aussagen wie "Das macht mich verrückt" oder "Ich werde noch wahnsinnig" wirkten sich schlecht auf das Kind aus, warnt Roswitha Defersdorf, Gründerin des Erlanger Instituts für Pädagogik und Bewusste Sprache, in der Vorschul-Zeitschrift "Bummi". Wenn das Kind solche Redewendungen häufig benutze, schaffe es sich auf Dauer psychische Probleme. Dabei sei es egal, ob die Aussagen als Floskel oder ernst gemeint seien. "Wörter wirken immer", sagt Defersdorf.

Zudem bilde sich schon im Kindesalter die Sprache der Gesunden und der Kranken. "Früh lernt ein Kind, ob der Körper etwas ist, das liebevollen Umgang braucht", erläutert die Expertin. So sei eine Bemerkung wie "Mein blöder Rücken tut weh" die Sprache eines zukünftig Kranken. "Der Körper wird als Feind angesehen, und das wird sich im Erwachsenenleben nicht ändern", sagt Defersdorf.

Auch in der Kommunikation zwischen Eltern und Kind spiele die Sprache eine große Rolle. So werde ein Kind auf Aussagen wie "Eigentlich ist es Zeit ins Bett zu gehen" kaum reagieren. Schuld sei das Wort "eigentlich", dass die Mutter für das Kind unklar und unsicher erscheinen lasse. Auch das Wort "man" sollte nicht verwendet werden, wenn "ich" gemeint sei. "Es ist keine genaue Festlegung", sagt Defersdorf. Eltern sollten darauf achten, dass sie das, was sie sagen, auch wirklich meinen. Denn mit ihren Sprachgewohnheiten prägen sie die Grundeinstellung ihres Kindes.

Quelle: Bummi




Psychisch Kranke haben Anspruch auf spezielle häusliche Krankenpflege


Berlin - 18.02.2005 (ots) - Psychisch kranke Menschen, die zu Hause leben, sollen ab 1. Juli 2005 Anspruch auf spezielle Leistungen der häuslichen Krankenpflege haben. Dieses hat der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen. "Wir begrüßen diesen Beschluss" so Bernd Tews vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). "Damit wird eine große Lücke in der ambulanten Versorgung psychisch Kranker geschlossen und eine langjährige Forderung des bpa erfüllt."

Bisher wurde die ambulante psychiatrische Krankenpflege nur ausnahmsweise in wenigen Bundesländern genehmigt, sofern es auf Landesebene entsprechende Verträge gab, die vor dem Jahr 2000 geschlossen wurden. Denn nach den im Februar 2000 beschlossenen Richtlinien zur Verordnung häuslicher Krankenpflege durfte die ambulante psychiatrische Krankenpflege darüber hinaus von den Ärzten nicht mehr verordnet werden.

Damit blieb den meisten psychisch erkrankten Menschen eine spezielle häusliche Krankenpflege verwehrt, die die ärztliche Behandlung unterstützt und Krankenhausaufenthalte vermeidet. Hiergegen hat der bpa - zusammen mit den meisten Bundesverbänden der privaten Pflegedienste und der Wohlfahrtsverbände - Rechtsmittel eingelegt und beim Bundesgesundheitsministerium (BMGS) interveniert. Bereits im Frühjahr 2000 hatte das BMGS den Bundesausschuss auf die Überprüfung der Richtlinien hinsichtlich der Leistungen für psychisch Kranke hingewiesen, wie Ulla Schmidt dem bpa im Mai 2002 mitgeteilt hat. Weiter schrieb die Bundesgesundheitsministerin damals, dass "in absehbarer Zeit mit einer Verbesserung der Versorgung psychisch Kranker Menschen im Bereich der häuslichen Krankenpflege zu rechnen" sei.

Jetzt sind endlich die Richtlinien geändert worden und liegen derzeit dem Bundesgesundheitsministerium zur Prüfung vor. Das Inkrafttreten ist für den 1. Juli 2005 vorgesehen. Die Richtlinien sehen im Wesentlichen drei Leistungen der ambulanten psychiatrischen Krankenpflege vor. Diese können ausschließlich von Patienten beansprucht werden, bei denen i. d. R. ein Facharzt eine Diagnose stellt, die in den Richtlinien aufgeführt ist.

Ziel der ambulanten psychiatrischen Krankenpflege soll es sein, z. B. demente oder schizophrene Patienten bei der Einsicht in die Behandlungsnotwendigkeit und in Krisensituationen zu unterstützen. Ambulante psychiatrische Krankenpflege kann i. d. R. nicht gleichzeitig mit Soziotherapie in Anspruch genommen werden. "Die Ergänzung der Richtlinien ist ein wichtiges Signal an die psychisch Kranken. Das BMGS muss jetzt prüfen, ob die Ausgestaltung der Richtlinien ausreichend ist und ob alle psychischen Erkrankungen hinreichend berücksichtigt wurden" so Bernd Tews abschließend.

Quelle: bpa - priv. Anbieter sozialer Dienste



Liebeskrankheit ist eine ernsthafte Krankheit

London (pte, 07. Feb 2005 13:15) - Der Psychologe Frank Tallis hat nachgewiesen, dass es sich bei der Liebeskrankheit um eine wirkliche Krankheit handelt. Er fordert in The Psychologist,
http://www.bps.org.uk/publications/thepsychologist/the-psychologist_home.cfm
dass diesem Phänomen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Alle jene Symptome, die normalerweise als Hinweise auf eine entstehende Liebe gelten, wie das Kaufen von Geschenken, das Warten auf einen Telefonanruf oder die Vorbereitung einer Verabredung können auch Anzeichen von ernsthaften Problemen sein. Tallis untersuchte laut The Independent http://news.independent.co.uk beginnend mit den alten Griechen die historische Entwicklung der Einstellungen gegenüber Liebe und geistige Erkrankungen.

Vor dem 18. Jahrhundert wurde Liebeskrankheit Tausende Jahre lang als eine Krankheit anerkannt. In den vergangenen 200 Jahren wird dieser Zustand von Ärzten nicht mehr als ernsthafte Diagnose akzeptiert. Laut Tallis zeigten aktuelle Forschungsergebnisse, dass die Auswirkungen der Liebeskrankheit mit den modernsten medizinischen Fachausdrücken diagnostiziert werden können. Zu den Symptomen gehören Manien, wie Hochstimmung, ein überhöhtes Selbstbewusstsein und Depressionen, die sich als Traurigkeit oder Schlafstörungen niederschlagen. Aspekte einer Zwangsneurose können auch bei jenen gefunden werden die liebeskrank sind. Dazu gehört auch das permanente Abrufen von Textnachrichten oder Mails.

Laut Tallis wird dem Psychologen niemanden mit der Diagnose "liebeskrank" überwiesen. Die genaue Überprüfung der benutzten Sprache kann jedoch ergeben, dass eine Liebeskrankheit durchaus das zugrunde liegende Problem ist. "Viele Menschen werden weiter geschickt, die mit der Intensität der Liebe nicht zurecht kommen, die durch das Verlieben aus dem Gleichgewicht geraten oder die leiden, weil ihre Liebe nicht erwidert wird." Eine mögliche Folge sei ein Selbstmordversuch, der die alte Behauptung wahr mache, dass Liebe tödlich sein könne. Tallis argumentiert, dass es viele Studien zur Behandlung von Beziehungsproblemen und psychosexuellen Störungen gäbe, aber nur sehr wenig Beschäftigung mit der Liebeskrankheit an sich.

Quelle: pressetext.austria



Erfolg der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie belegt

17.01.2005 - Dass die psychoanalytisch orientierte Therapie bei der Behandlung einer Vielzahl psychischer Krankheiten wirkt, ist jetzt wissenschaftlich belegt. Dies haben Göttinger Forscher um Prof. Dr. Falk Leichsenring und PD Dr. Eric Leibing in einer hochwertigen Meta-Analyse ermittelt. Darüber hinaus haben sie nachgewiesen, dass die psychoanalytisch orientierte Therapie ebenso wirksam ist wie Verhaltenstherapie. Die Wissenschaftler leiten die Arbeitsgruppe Psychotherapie-Forschung der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen und des Niedersächsischen Landenskrankenhauses Tiefenbrunn. In ihrer neuen Meta-Analyse werteten die Forscher methodisch hochwertige Studien über die Wirksamkeit psychoanalytisch orientierter Therapien zusammenfassend aus. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Dezember-Ausgabe der international renommierten Zeitschrift "Archives of General Psychiatry" veröffentlicht (www.archpsyc.ama-assn.org).

Eine Publikation in den "Archives of General Psychiatry" ist ein besonderer Qualitätsausweis, denn die Zeitschrift besitzt den höchsten "Impact-Faktor" in den Fachgebieten Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Psychologie. Das bedeutet, dass Beiträge dieser Zeitschrift weltweit am häufigsten in der Fachwelt zitiert werden. Nur wenigen Forschern aus dem deutschsprachigen Raum ist es in den letzten Jahren gelungen, ihre Studien in dieser Zeitschrift zu publizieren.

Das Ergebnis einer Meta-Analyse hängt erheblich von der Qualität der einbezogenen Studien ab. Prof. Leichsenring und seine Kollegen haben deshalb in ihre Meta-Analyse nur solche Studien aufgenommen, die hohen methodischen Anforderungen genügen. Dies sind insbesondere randomisierte und kontrollierte Studien, bei denen die Patienten per Zufall den verschiedenen Behandlungen oder Kontrollgruppen zugewiesen werden. Außerdem durfte in den Studien nur jeweils ein spezifisches Krankheitsbild behandelt werden.

Nach den Ergebnissen von Leichsenring und Leibing hilft die psychoanalytisch orientierte Therapie unter anderem bei Patienten mit Angststörungen, depressiven Störungen, post-traumatischen Belastungsstörungen, Essstörungen (Anorexie und Bulimie), Suchterkrankungen (wie Opiat-Abhängigkeiten), Persönlichkeitsstörungen (wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung) sowie bei somatoformen Störungen (das sind körperliche Beschwerden ohne ausreichende organische Erklärung). Die Therapie verringert die Symptome dieser Krankheiten sowie mögliche Begleitsymptome stark. Dies gilt auch für die mit den psychischen Erkrankungen verbundenen sozialen Beeinträchtigungen im Berufs- und Privatleben. Die Therapieerfolge nehmen sogar nach Ende der Therapie weiter zu. Patienten, die gar nicht behandelt werden oder eine psychiatrische Standardbehandlung erhalten haben, zeigen dagegen einen deutlich geringeren Therapieerfolg. Psychoanalytisch orientierte Therapie erwies sich nach den Ergebnissen der Metaanalyse außerdem als ebenso gut wirksam wie beispielsweise Verhaltenstherapie.

Frühere Meta-Analysen der Autoren belegten bereits, dass die psychoanalytisch orientierte Therapie und die Verhaltenstherapie bei der Behandlung depressiver Störungen gleichermaßen wirksam sind. Darüber hinaus hat sich die psychoanalytisch orientierte Therapie als besonders wirksam bei der Behandlung von Patienten mit Persönlichkeitsstörungen erwiesen.

Derzeit untersucht die Göttinger Forschergruppe die Behandlung von Patienten mit Generalisierter Angststörung. Die Betroffenen machen sich über alles und jedes Sorgen und sehen überall Katastrophen auf sich zukommen. Die Studie vergleicht den Erfolg der psychoanalytisch orientierten Therapie mit dem der kognitiven Verhaltenstherapie. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die bisher vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass auch bei der Generalisierten Angststörung beide Therapieformen gleich gut wirksam sind.

Quelle: Bereich Humanmedizin der Universtität Göttingen




Förderung der seelischen Gesundheit


13.01.2005 - "Psychische Erkrankungen sind Europas unsichtbare Todesursachen”, so Markos Kyprianou. Markos Kyprianou, der Europäische Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, hat dazu aufgerufen, der psychischen Gesundheit in Europa einen höheren politischen Stellenwert einzuräumen.

In einer Rede vor der WHO-Konferenz der Gesundheitsminister zum Thema psychische Gesundheit, die heute in Helsinki eröffnet wird, nannte Kyprianou die psychischen Erkrankungen "Europas unsichtbare Killer”, und er betonte seine Entschlossenheit, dafür zu sorgen, dass die EU mehr zur Förderung der seelischen Gesundheit unternimmt.

Schloss Nymphenburg
Foto: pixelquelle.de

Markos Kyprianou wird am 14. Januar auf der Abschlussveranstaltung der Konferenz sprechen und an der Unterzeichnung der Erklärung zur psychischen Gesundheit in Europa teilnehmen. Die Schlüsselrolle der Kommission auf der Konferenz von Helsinki bildet den Höhepunkt langjähriger Zusammenarbeit mit der WHO Europa. Die Kommission ist dabei, eine Strategie zur Förderung der seelischen Gesundheit zu erarbeiten.
Kommissar Kyprianou sagte, "Psychische Erkrankungen können genauso tödlich sein wie körperliche, zum Beispiel wie Krebs. Jedes Jahr sterben mehr Europäer durch Selbsttötung als in Autounfällen oder durch Mord.  Dennoch widmet man der psychischen Gesundheit erstaunlich wenig Aufmerksamkeit – man könnte sagen, dass psychische Erkrankungen Europas unsichtbare Todesursachen sind. Ich bin fest entschlossen, dies zu ändern.” Jedes Jahr sterben etwa 58 000 Menschen in der EU durch Selbstmord oder Selbstschädigungen. Dem stehen etwa 50 700 Todesfälle pro Jahr durch Verkehrsunfälle und etwa 5 350 durch Mord oder Totschlag gegenüber. [1] Die meisten Todesfälle stehen mit psychischen Erkrankungen im Zusammenhang, vor allem mit Depressionen. 15 % der an schweren Depressionen Erkrankten begehen Selbstmord; 56 % versuchen, sich das Leben zu nehmen. Förderung der seelischen Gesundheit Seelische Gesundheit ist einer der Schwerpunkte des Aktionsprogramms der Gemeinschaft im Bereich der öffentlichen Gesundheit 2003-2008 . Die EU finanziert im Rahmen dieses Programms eine Reihe von Projekten, die zum Verständnis der Ursachen psychischer Erkrankungen und zur Ermittlung von Maßnahmen zu deren Prävention beitragen sollen. Ein Überblick über diese Projekte und weitere damit zusammenhängende Tätigkeiten ist einer neuen Broschüre mit dem Titel "Action for Mental Health“ zu entnehmen. Im Jahre 2004 veröffentlichte die Kommission außerdem Berichte über den Stand der psychischen Gesundheit in der Europäischen Union und Depressionsbekämpfung. Diese drei Berichte werden den Delegierten auf der Konferenz von Helsinki vorliegen. Die Ergebnisse aus gemeinschaftlich finanzierten Projekten, die Schlussfolgerungen der Konferenz von Helsinki und frühere politische Erörterungen über die seelische Gesundheit auf EU-Ebene werden in eine EU-Strategie für psychische Gesundheit einfließen, die von der Kommission derzeit erarbeitet wird. Die Kommission hofft, etwa Mitte dieses Jahres eine Anhörung zu dieser Strategie einleiten zu können.

Weitere Informationen
Weitere Informationen über die Konferenz von Helsinki sind von folgender Website abrufbar:
http://www.euro.who.int/mentalhealth2005?language=German
Weitere Informationen über EU-Projekte und Berichte über die psychische Gesundheit finden Sie unter:
http://europa.eu.int/comm/health/ph_determinants/
life_style/mental_health_de.htm

Quelle: Europäische Kommission



Bewegung statt Pharma - Bewegungstherapie für hyperaktive Kinder

05.01.2005 - "mundo" - das Forschungsmagazin der Universität Dortmund berichtet in seiner neuesten Ausgabe über ein Forschungsprojekt, das Alternativen zur medikamentösen Behandlung des "Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndroms", kurz "ADHS", sucht. Das Symptom ist seit Mitte der Achtziger Jahre bekannt, doch die Ursachen liegen noch im Dunkeln. Wirksame Therapien gibt es derzeit nur eine. Sie ist pharmazeutisch und häufig unter dem Markennamen "Ritalin" bekannt, dessen langfristige Nebenwirkungen jedoch noch unerforscht sind. Prof. Dr. Gerd Hölter und Dr. Wolfgang Beudels vom Fachgebiet "Bewegungserziehung und Bewegungstherapie in Rehabilitation und Pädagogik bei Behinderung" der Fakultät Rehabilitationswissenschaften setzen auf vergleichsweise einfache Mittel: auf Bewegung und Training. Als ideales Medium für die Therapie von kleinen ADHS-Patienten haben sie neben Spielen in der Turnhalle das Medium Wasser entdeckt.
"mundo" bietet spannende Reportagen, Portraits und Interviews über Forschungsprojekte an der Universität Dortmund - allgemeinverständlich erklärt für jeden Wissenschaftsinteressierten.
"mundo" ist kostenlos erhältlich bei der

Universität Dortmund
Referat für Öffentlichkeitsarbeit
Baroperstr. 285
44227 Dortmund
Tel.: 02131/755-5524
Fax: 0231/755-4664
Email: cordula.kerkes@uni-dortmund.de

Christoph (Name geändert) ist fast acht Jahre alt. Im November wurde bei ihm das so genannte ADH-Syndrom diagnostiziert. Seitdem nimmt er das Psychopharmakon "Ritalin". Wir sind sehr daran interessiert, dass Christoph an Ihrem Projekt teilnimmt, weil wir der Meinung sind, dass ein Bewegungsprogramm gegen seine motorische Unruhe Erfolg verspricht. Christoph ist ein fröhlicher, aufgeweckter, neugieriger Junge - aber leider ist sein Sozialverhalten überhaupt nicht altersgemäß. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, einen Therapieversuch mit "Ritalin" zu machen. Dennoch möchten wir im Grunde unseres Herzens so schnell wie möglich wieder davon wegkommen. Wir würden uns über eine positive Antwort sehr freuen."

Briefe wie dieser, geschrieben von Eltern irgendwo im Ruhrgebiet, erreichen Gerd Hölter immer wieder. Es ist die pure Verzweiflung von Eltern mit hyperaktiven Kindern, die an dem so genannten "Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom" oder kurz "ADHS" leiden. Die Kinder fühlen sich selbst in ihrer Haut nicht wohl. Ihre Aufmerksamkeit ist sehr schnell erschöpft, sie können sich kaum auf etwas konzentrieren und haben einen ungeheuren Bewegungsdrang. Immerzu sind sie unruhig, rudern oft unkoordiniert mit ihren Armen, düsen aufgeregt durch die Gegend. Das Symptom ist seit Mitte der Achtziger Jahre bekannt, doch die Ursachen liegen noch im Dunkeln. Nur eines steht fest: Das ADHS hat nicht nur eine Ursache. Genetische Veranlagung, Ernährung und soziale Strukturen spielen hier zusammen.

Wirksame Therapien gibt es derzeit nur eine. Sie ist pharmazeutisch und häufig unter dem Markennamen "Ritalin" bekannt. Ritalin ist ein Metylphenidat, das normalerweise aufputschend wirkt, allerdings bei diesen Kindern erstaunlicherweise sedierend und gleichzeitig dämpfend auf den Bewegungsdrang. Den Erfolg in rund 70 Prozent der Fälle belegen so genannte Meta-Analysen. Genauso wie die Ursachen des "ADHS" unklar sind, so ist auch die genaue Wirkung von Medikamenten wie Ritalin nicht bekannt. Fakt ist nur, dass es häufig als ein Wundermittel angesehen wird. Es ist so schön einfach: Pille einwerfen und gut ist es. Doch Medikamente wie Ritalin bekämpfen nur die Symptome, nicht aber die Ursachen. Werden sie abgesetzt, dann stellen sich die alten Erregungszustände bei den Kindern wieder ein. Und die langfristigen Nebenwirkungen sind unerforscht. Könnten eventuell Parkinson-Erkrankungen mit der langjährigen Einnahme von Ritalin zusammenhängen? Bergen Amphetamine wie Ritalin vielleicht ein Suchtpotenzial?

Prof. Dr. Gerd Hölter
Prof. Dr. Gerd Hölter
Foto: Universität Dortmund


An der Universität Dortmund wird nach Alternativen gesucht, das ADHS weniger medikamentös in den Griff zu bekommen. Prof. Dr. Gerd Hölter und Dr. Wolfgang Beudels vom Fachgebiet "Bewegungserziehung und Bewegungstherapie in Rehabilitation und Pädagogik bei Behinderung" der Fakultät Rehabilitationswissenschaften setzen auf vergleichsweise einfache Mittel: auf Bewegung und Training. Als ideales Medium für die Therapie von kleinen ADHS-Patienten haben sie neben Spielen in der Turnhalle das Medium Wasser entdeckt. "Wasser ist für diese Kinder ideal", erläutern sie, denn "es bremst den Bewegungsdrang und wirkt besonders bei höheren Temperaturen entspannend". Im Wasser kann sich niemand so schnell bewegen wie an Land, weil das andere Element jeder Bewegung Widerstand entgegensetzt. Im Wasser "zappeln" geht gar nicht. Dazu kommt, dass warmes Wasser den Körper entspannt, weil es ihn umfängt und trägt. So bietet die rein physikalische Umgebung auch gute physiologische Bedingungen, das nasse Element wird zum "ökologischen Ko-Therapeuten", wie Hölters Mitarbeiterin Christina Koentker es ausdrückt. "Wasser baut schon von sich aus den Bewegungsdrang ab. Wir geben noch spielerische Elemente dazu, um Handlungsplanung und soziale Kompetenz zu entwickeln", erzählt Christina Koentker. Die Diplom-Pädagogin hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit eine Gruppe von sechs Kindern mit ihren Eltern betreut. Mehr als ein Vierteljahr lang trafen sie sich im Sommer an drei Tagen die Woche in einem Warmwasserbecken der Westfälischen Klinik für Psychiatrie in Dortmund-Aplerbeck.
Dort stand eine Stunde praktische Bewegungs- und Verhaltenstherapie auf dem Programm. "Die Kinder sollten sich und ihren Körper besser einschätzen lernen", skizziert Diplom-Pädagogin Koentker die Ziele. "Sie sollten merken: Was passiert, wenn ich schnell schwimme oder langsam?" In Gruppenspielen mussten die Kinder Aufgaben lösen, die eine Planung erfordern, denn sie sollten vorher überlegen, was sie wie machen wollen, bevor sie losstürmten. Dabei mussten klare Regeln eingehalten werden. Wer gegen sie verstieß, erhielt Rote und Gelbe Karten wie beim Fußball. So sollten die Kinder zum Beispiel in einer bestimmten Reihenfolge nach farbigen Ringen im Wasser tauchen, diese an die Oberfläche holen und an Land ablegen. Die Kinder waren eifrig dabei. Spielerisch lernten sie, auch mit Niederlagen umzugehen. "Die Frustrationstoleranz erhöhen", wie es häufig im Fachjargon heißt.

Die Kinder sollten lernen, ihre Impulsivität in geplantes Handeln umzuleiten. Was sie im Wasser spielerisch erfuhren, lernten sie für das Leben draußen: eben nicht gleich jedem Impuls zu folgen, sondern sich vorher Gedanken über die Herangehensweise zu machen. "Wenn Kinder den Sinn von Tätigkeiten erkennen, verhalten sie sich anders", hat Gerd Hölter festgestellt und sieht bei dem Wassertraining aber auch viele Effekte einer körperlichen Ertüchtigung, da in Untersuchungen zur motorischen Leistungsfähigkeit dieser Kinder auch massive motorische Defizite und Fitnessmängel festgestellt wurden.

Während sich die Kinder unter Anleitung von Christina Koentker im Wasser tummelten, kümmerte sich die Diplom-Pädagogin Pilar Sojo Sojo um die Eltern im "Eltern-Café". Dabei leuchtete sie auch den familiären Hintergrund aus, der Rückschlüsse auf das Verhalten der Kinder zulässt. Vorher verteilte Fragebögen wurden besprochen und gemeinsam ausgewertet. Sie sollten dabei helfen, das Eltern-Kind-Verhältnis zu klären. Täglich führten die Eltern ihr "Verhaltenstagebuch", jeden Tag lag ihr Augenmerk auf drei bestimmten Verhaltensweisen ihres Kindes. Sie sollten ihr Kind gezielt beobachten, Veränderungen und besondere Eigenschaften feststellen. Bei der gezielten Beobachtung entdeckten die Eltern überrascht mehr positive Aspekte an dem Verhalten ihrer Kinder, als sie bisher für möglich gehalten hatten. Im Fachjargon würde man dieses Vorgehen "ressourcenorientiert" nennen. "Wir versprechen kein Allheilmittel. Wir können Ritalin auch nicht abschaffen. Aber mit unserer Methode soll es möglich werden, die Dosis zu senken. Mehr Bewegung und Therapie, dafür weniger Ritalin - das ist unser Konzept", stellt Hölter klar, der keine Patentrezepte anbieten will, obwohl er kritische Worte findet: Immer mehr Kinder kommen unter dem Ticket "ADHS" in die Therapie.

"Hausärzte und sogar Zahnärzte attestieren in Deutschland "ADHS"", kritisiert Hölter die zunehmende Zahl von Patienten. Seiner Meinung nach sind die Fallzahlen von ADHS-Patienten in Deutschland um etwa das Zehnfache überhöht. Da müssten einfach viele Verlegenheitsdiagnosen darunter sein, anders könne man sich den drastischen Anstieg der Fallzahlen seit Mitte der Neunziger Jahre nicht erklären. Und: Medikamente wie Ritalin seien eben einfacher und vor allem billiger als Bewegungstherapie oder die noch kostenträchtigere Psychotherapie für Kinder.

Das neue Therapietraining, das derzeit an der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der Universität Dortmund entwickelt wird, könnte hyperaktiven Kindern einmal über die Region hinaus helfen. Spielerisch, kindgerecht und ohne Medikamente, damit die Eltern entlastet und ihnen neue, schöne und sehr liebenswerte Seiten an ihren Kindern aufzeigt werden.

Quelle: Universität Dortmund


Berufsgenossenschaften: Katastrophenhelfer mit dem Erlebten nicht allein lassen

Berlin (ots) 05.01.2005 - Helfer, Retter und Bergungspersonal in Krisengebieten sind enormen physischen und insbesondere psychischen Belastungen ausgesetzt. Darauf weist der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe in Asien hin. "In Deutschland hat die Mehrheit der Beschäftigen in Rettungsberufen eine vergleichbare Katastrophe sicherlich nicht erlebt", sagt Dr. Dirk Windemuth, Arbeitspsychologe am Berufsgenossenschaftlichen Institut Arbeit und Gesundheit in Dresden. Neben einer guten Vorbereitung sei daher auch die psychologische Betreuung nach Hilfseinsätzen von großer Bedeutung, denn "allein das Miterleben menschlichen Leidens kann bei Helfern psychische Reaktionen hervorrufen, als seien sie selbst betroffen."

Als Folge könne eine posttraumatische Belastungsstörung auftreten,
verbunden mit Schlafstörungen und so genannten Flashbacks. "Dabei
erlebt der Betroffene die auslösende Situation immer wieder. Er
erinnert sich nicht nur einfach, sondern zeigt auch dieselben
körperlichen Reaktionen." Windemuth geht davon aus, dass 25 Prozent
aller Fälle ohne psychosoziale Unterstützung chronisch werden können.

Eine im Beruf erlittene Traumatisierung wird als Arbeitsunfall anerkannt. Die Berufsgenossenschaften beschäftigen sich daher intensiv mit den psychischen Folgen traumatischer Erlebnisse. Zurzeit wird beispielsweise in einem Forschungsprojekt zum seilunterstützten Retten untersucht, wie sich Rettungspersonal auf Berg- und Seilbahnunglücke so vorbereiten kann, dass die psychischen Belastungsfolgen während und nach dem Einsatz möglichst gering sind.

Hilfs- und Rettungskräfte, die von deutschen Organisationen in die
Katastrophengebiete entsandt werden, stehen grundsätzlich unter dem
Schutz der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung. Bei einem
Unfall übernimmt der zuständige Träger der Unfallversicherung die im
Gastland entstandenen Kosten. Entsprechende Informationen zum Thema
bietet der HVBG auf seiner Homepage unter:
http://www.hvbg.de/d/pages/intern/index.html

Quelle: Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften


Psychisch kranke Patienten werden gemeinsam betreut 20.12.04 - Fünf Kliniken und Institute des Universitätsklinikums Heidelberg schließen sich zum "Zentrum für Psychosoziale Medizin" (ZPM) zusammen Am Universitätsklinikum Heidelberg ist das "Zentrum für Psychosoziale Medizin" (ZPM) gegründet worden. Dabei handelt es sich um die bundesweit erste Einrichtung, in der alle psychisch kranken Patienten stationär und ambulant über Klinikgrenzen hinweg gemeinsam von Ärzten verschiedener Fachrichtungen (Psychosomatik, Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie) behandelt werden. Gleichzeitig bleibt die enge Verbindung der Psychosomatik zur Inneren Medizin bestehen.

Der Patient profitiert von dieser eng vernetzten Zusammenarbeit, denn für seine Behandlung bringen die Spezialisten ihre verschiedenen Sichtweisen, Methoden und Lösungsansätze psychischer Erkrankungen ein. Geplant ist die Einrichtung einer gemeinsamen Leitstelle, die nach einer ersten Untersuchung den Patienten den geeigneten Spezialisten im ZPM zuweist. "Die Patienten finden künftig schneller die richtige Tür", erklärte Professor Dr. Rolf Verres, Ärztlicher Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie im ZPM bei einer Pressekonferenz am 16. Dezember 2004 anlässlich der Eröffnung des Zentrums.

"Diese Zentrumsbildung hat Modellcharakter für weitere interdisziplinäre Zentren, die wir in naher Zukunft einrichten werden", sagte Professor Dr. Eike Martin, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg und wies auf das bereits bestehende Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) hin, das derzeit eine interdisziplinäre Behandlung von krebskranken Patienten aufgebaut wird. Die Kaufmännische Direktorin Irmtraut Gürkan setzt auf die größeren Gestaltungsmöglichkeiten des neuen ZPM durch das gemeinsame Budget und die effektive Bündelung aller Kräfte.

Behandlungszentrum für Patienten mit Ess-Störungen wird 2005 eingerichtet

Das Zentrum zeichnet sich zudem durch gemeinsame Forschungsschwerpunkte aus. Dazu gehören u.a. die Erforschung der Psychotherapie, Projekte zur Wahrnehmung und Behandlung von Schmerz sowie zur gestörten Entwicklung von Kindern und innerhalb der Familie und ihrer Therapie.

Schon in der Vergangenheit gab es wegweisende Kooperationen über Klinikgrenzen hinweg. So werden seit vergangenem Jahr Patienten im Alter von 12 bis 28 Jahren im gemeinsamen Frühbehandlungszentrum der Kinder- und Jugendpsychiatrie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Franz Resch) und der Erwachsenenpsychiatrie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Christoph Mundt) betreut. Als vorrangiges Projekt ist für das kommende Jahr die Einrichtung eines Behandlungszentrums für Ess-Störungen geplant.

Klinik für Psychosomatische Medizin behält ihre enge Verbindung zur Inneren Medizin

Dem Zentrum gehören die Kliniken und Abteilungen des Heidelberger Klinikums mit ca. 450 Mitarbeitern an. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 2.000 Patienten stationär betreut; dazu kamen rund 12.000 teilstationäre Patientenaufenthalte sowie ca. 19.000 Ambulanzbesuche. Die meisten Kliniken haben ihren Standort im Altklinikum Bergheim oder in der Nähe. Ausnahme ist die Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin, die - eine Heidelberger Besonderheit - neben ihrem Standort im Altklinikum nach wie vor Ambulanzen und Stationen in der Medizinischen Klinik im neuen Klinik-Campus jenseits des Neckars betreibt und dort die gemeinsame Patientenbetreuung mit anderen Fachdisziplinen der Inneren Medizin weiterführt.

Das Zentrum für Psychosoziale Medizin, dessen Leitung dem Klinikumsvorstand unterstellt ist, hat ein eigenes Budget und eine eigene kaufmännische Leitung. Amtierender Zentrumsvorstand sind Professor Dr. Christoph Mundt (Ärztlicher Direktor Allgemeinpsychiatrie), Professor Dr. Wolfgang Herzog (Stellvertreter, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin), Pflegedienstleiter Ronald Eichstädter sowie die künftige kaufmännische Leitung.

Unter dem Dach des neuen Zentrums haben sich folgende fünf Abteilungen des Klinikums zusammengeschlossen:
* Klinik für Allgemeine Psychiatrie mit Poliklinik
(Professor Dr. Christoph Mundt)
* Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie (Professor Dr. Franz Resch)
* Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin
(Professor Dr. Wolfgang Herzog), die aus der Zusammenführung der früheren Abteilungen Innere Medizin II (Schwerpunkt Allgemeine Klinische und Psychosomatische Medizin) und der Abteilung Psychosomatik hervorgegangen ist
* Institut für Medizinische Psychologie (Professor Dr. Rolf Verres)
* Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und
Familientherapie (Professor Dr. Manfred Cierpka).

Fusion der Psychosomatischen Klinik / Forschungsstelle für Psychotherapie wird integriert

Neu ist der Zusammenschluss der bisherigen Abteilung für Psychosomatik, deren Ärztlicher Direktor Professor Dr. Gerd Rudolf vor wenigen Monaten in den Ruhestand getreten ist, mit der Abteilung Allgemeine Klinische und Psychosomatische Medizin der Medizinischen Universitätsklinik, die von Herrn Prof. Dr. Wolfgang Herzog geleitet wurde. Die neue Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin wird von Professor Dr. Wolfgang Herzog geleitet.

Neu ist auch die Integration der Forschungsstelle für Psychotherapie (FOS) in das Zentrum für Psychosoziale Medizin, die in diesem Jahr von Stuttgart nach Heidelberg übergesiedelt ist. Dort ist sie dem Direktor der Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie, Professor Dr. Manfred Cierpka, zugeordnet. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Qualitätssicherung bei der Psychotherapie sowie der Einsatz moderner Kommunikationsmedien wie E-Mail, Internet, SMS für die Betreuung psychisch kranker Menschen nach deren Entlassung aus der Klinik.

Gruppenfoto Professoren und Ärzte

Nahmen teil an der Einweihung des neuen Zentrums für Psychosoziale Medizin:
Obere Reihe von links : Prof. Dr. Franz Resch (Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie), Prof. Dr. Eike Martin (Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg), Prof. Dr. Christoph Mundt (Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Psychiatrie mit Poliklinik und Geschäftsführendender Ärztlicher Direktor des Zentrums), Dr. Hans Kordy (Leiter der Forschungsstelle für Psychotherapie). Untere Reihe von links: Irmtraut Gürkan (Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums), Edgar Reisch (Pflegedirektor des Universitätsklinikums), Prof. Dr. Wolfgang Herzog (Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin), Prof. Dr. Manfred Cierpka (Leiter des Instituts für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie), Prof. Dr. Rolf Verres (Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie), Ronald Eichstädter (Pflegedienstleiter des Zentrums).
Foto: Petra Pflanz, Medienzentrum Universitätsklinikum Heidelberg

Professor Dr. Eike Martin, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg (rechts), überreicht das Statut des neugebildeten Zentrums für Psychosoziale Medizin an den Geschäftsführenden Ärztlichen Direktor, Professor Dr. Christoph Mundt.
Professor Dr. Eike Martin, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg (rechts), überreicht das Statut des neugebildeten Zentrums für Psychosoziale Medizin an den Geschäftsführenden Ärztlichen Direktor, Professor Dr. Christoph Mundt.
Foto: Petra Pflanz, Medienzentrum Universitätsklinikum Heidelberg.


Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg


Schülerkongress über seelische Krankheiten ein Riesenerfolg

24.11.2004 - Mit unerwartet großem Andrang und großem Diskussionsbedürfnis war der Schülerkongress zu seelischen Krankheiten im ICC Berlin ein großer Erfolg. Ein ungewohntes Bild: Über 700 junge Menschen mischten sich zwischen ernst dreinschauende Psychiater und Psychotherpeuten. Der Schülerkongress fand nämlich im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) statt.

Sinn der ersten Veranstaltung dieser Art war es, gerade junge Menschen auf die frühen Zeichen einer beginnenden psychischen Krankheiten hinzuweisen. Denn ähnlich wie bei körperlichen Krankheiten gibt es Symptome, die - rechtzeitig erkannt - gut behandelt werden können, womit dem "Ausbruch" einer ernsthaften psychischen Krankheit vorgebeugt werden kann. Der Schülerkongress hatte drei Beispiele zum Inhalt: Alkohol, Mobbing und Prüfungsangst.

Im ICC Berlin wurde kein "Frontaluntericht" geboten. Vielmehr haben sich ganze Schulklassen intensiv auf die Diskussionen mit Experten vorbereitet. Eine Klasse hat zum Beispiel Interviews an ihrer Schule gemacht, wer Prüfungsängste hat. Bei der "Sitzung" zum Thema Mobbing hat eine Umfrage unter den Schülern im Saal gezeigt, dass sehr viele schon Opfer waren. Erstaunlicherweise haben einige auch zugegeben, selbst schon einmal Täter gewesen zu sein. Die Schüler aber haben sich darauf geeinigt, das Schweigen und Nichtstun die schlechteste Reaktion auf dieses Phänomen ist. Beim Thema Alkohol kamen besonders viele Fragen., zum Beispiel: "Sind 'Alkopops' wirklich so gefährlich?", oder: "Warum saufen viele in immer jüngerem Einstiegsalter?"
Privatdozent Dr. Ulrich Voderholzer aus Freiburg, Mitorganisator des Schülerkongresses, fasste zusammen: "Ich finde es klasse, wie sich die Schüler mit solchen Themen auseinander setzen - da soll noch 'mal jemand sagen, die jungen Menschen seien uninteressiert!" Nach dieser guten Erfahrung, so Voderholzer, wird sich die DGPPN ebenso wie andere Fachgesellschaften überlegen, wie man die Aufklärung über seelische Probleme und Riskofaktoren an Schulen weiter verstärken kann.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften


Wie Berliner U-Bahnfahrer Fahrgastunfälle bewältigen

Die Angst fährt immer mit...

24.11.2004 - Jeden Tag nehmen sich in Berlin ein bis zwei Menschen das Leben. Im Jahr 2002 waren es 466. Etwa sieben Prozent der Selbstmörder werfen sich vor U- oder S-Bahnen. Statistisch gesehen überfährt jeder Zugfahrer während seines Berufslebens mindestens einmal einen Menschen - mit zum Teil dramatischen Folgen für das Fahrpersonal. Viele Lokführer leiden anschließend unter posttraumatischen Belastungsstörungen und sind in ihrer Berufsausübung zeitweise eingeschränkt. Einige Betroffene benötigen Jahre, um den Selbstmord des Fahrgastes zu verarbeiten. Die Psychologin Doris Denis von der Freien Universität hat in ihrer Dissertation erstmals untersucht, wie Berliner U-Bahnfahrer traumatisierende Schienenunfälle bewältigen. Für ihre Studie führte sie Interviews mit 54 Zugführern der Berliner Verkehrsbetriebe und untersuchte, wie die Fahrer die versuchten und vollendeten Selbstmorde von Fahrgästen erlebten und wie sie diese verarbeiteten. Grundlage der Untersuchung waren die 104 Fahrgastunfälle, die sich in der Berliner U-Bahn zwischen 1994 und 1996 ereigneten. Ergebnis: Die Betroffenen verarbeiten das Schockerlebnis ganz unterschiedlich. Die einen ziehen sich aus dem sozialen Leben völlig zurück und sind für Therapieangebote nur schwer erreichbar. Andere stürzen sich in Aktivitäten und lindern ihr Trauma, indem sie darüber reden. Von den Ärzten und von ihrem Arbeitgeber fühlt sich die Mehrheit der Befragten kaum angemessen betreut.

Am belastendsten empfanden die Betroffenen den Moment kurz vor dem Aufprall. Vor allem die Tatsache, dass die Fahrer dem Unfall nicht ausweichen konnten, und der Blickkontakt mit dem Selbstmörder lösten Hilflosigkeit und Panik aus. "Und trotzdem schilderte über die Hälfte der Fahrer den Unfallhergang sachlich distanziert. Auch das ist ein möglicher Hinweis auf die traumatisierende Wirkung", sagt Denis. Doch nicht jeder Fahrer reagiert mit dieser Art psychischer Entfremdung vom Geschehen: "Fast ein Fünftel entwickelt Wut und Ärger gegenüber dem Selbstmörder und fühlt sich selbst als Unfallopfer." Siebzig Prozent der traumatisierten Lokführer wurden durch den Suizidversuch bzw. den Suizid gesundheitlich so schwer beeinträchtigt, dass sie entweder kurzzeitig berufsunfähig waren oder ihre Arbeit langfristig nicht mehr regelmäßig ausüben konnten. Fast ein Viertel erlitt länger anhaltende Beschwerden.

In den ersten vier Wochen nach dem Unfall litten über vierzig Prozent unter mindestens einzelnen Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung. Bei jedem Zehnten wurden die Beschwerden chronisch. Trotzdem nimmt die Mehrzahl der Zugführer den Dienst bereits nach wenigen Tagen wieder auf. "Allerdings sind fast drei Viertel der Fahrer nach dem Unfall bei der Arbeit extrem angespannt", weist die Wissenschaftlerin auf die Langzeitfolgen für das U-Bahn-Personal hin. Aus ihren schmerzhaften Erfahrungen ziehen die Betroffenen aber auch positive Schlüsse. Der Fahrgastunfall wird, so paradox das klingt, als wertvolle Lebenserfahrung wahrgenommen. Einige der Zugführer ändern danach zum Teil ihr Leben und gehen stärker auf Menschen zu.

Die Lokführer verarbeiten ihre Erlebnisse ganz unterschiedlich. "Zwar sprechen sie alle über den Unfall, aber nur die mit einem ausgeprägten Redebedürfnis verarbeiten das Trauma vergleichsweise schnell. Sie nehmen den Fahrdienst früher wieder auf und bauen Ängste mit einer Art Konfrontationstaktik ab", sagt die Psychologin. "Die von Beginn stärker Traumatisierten ziehen sich zurück, meiden Verkehrsmittel und kehren erst später in den Dienst zurück." Die gegensätzlichen Bewältigungsstrategien zeigen sich auch im sozialen Leben. Während manche viel Zeit allein verbringen und sich mit Musik, Naturerlebnissen und Fernsehen ablenken, vermeiden andere unter allen Umständen Ruhephasen und suchen ständig Gesellschaft. Sie reisen zu Angehörigen und Freunden, nehmen Medikamente und beruhigen sich mit Alkohol. "Eine Gemeinsamkeit gibt es allerdings", sagt Doris Denis. "Für die meisten sind Familie, Freunde und Kollegen die wichtigste emotionale Stütze."

Enttäuscht waren die U-Bahnführer mit der Soforthilfe direkt nach dem Fahrgastunfall. Zwar wurden über achtzig Prozent der Fahrer in Krankenhäusern ambulant behandelt, doch nur jeder Zehnte empfand die - meist medikamentöse - Behandlung als ausreichend hilfreich. "Ich finde es alarmierend, dass manche der Fahrer eine Versorgung im Krankenhaus nach einem erneuten Unfall ablehnen würden, weil die Ärzte der Erste-Hilfe-Stationen auf die Akutbehandlung von Trauma-Patienten nicht ausreichend vorbereitet waren", sagt Denis. Die medizinische Nachsorge erfolgte in der Regel durch den Hausarzt. Die Hemmschwelle, psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, war für viele Fahrer zu hoch. Von ihrem Arbeitgeber, der BVG, wünschen sich die Befragten nicht nur mehr Fürsorge nach einem Fahrgastunfall, sondern auch bessere Unterstützung bei der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten. "Dass professionelle Hilfe nicht ausreichend erfolgt", so Denis, "ist die traurige Erkenntnis der Untersuchung."

Die Autorin der Studie empfiehlt, geschulte Notfallhelfer und Krisendienste stärker in die Akutversorgung direkt nach dem Unfall einzubinden, um die Fahrer psychisch zu stabilisieren. Denis weist auf die zentrale Rolle des Hausarztes in der Behandlungskoordination hin. Meist hängt es von ihm oder von betriebinternen Betreuern ab, ob sich der Betroffene zu einer spezifischen Trauma-Therapie entschließt. Zu einer solchen rät die Psychologin dringend. Denn: "Bis zu 90 Prozent der so behandelte Patienten können mit einem Verschwinden ihrer Beschwerden rechnen."

Zur Person:
Dr. Doris Denis ist approbierte Psychotherapeutin. Von 1995 bis 2002 hat sie an der Abteilung für Sozialpsychiatrie der Freien Universität Berlin als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit dem Schwerpunkt posttraumatische Störungen gearbeitet und dort die Ambulante Sprechstunde für psychische Traumafolgen aufgebaut. Seit 1997 ist sie als Gutachterin zu diesbezüglichen sozialrechtlichen Fragestellungen für Sozialgerichte, Berufsgenossenschaften und Unfallkassen tätig. Seit 2003 betreut sie in ihrer eigenen psychotherapeutischen Praxis Patienten mit posttraumatischen Erkrankungen.

Von Anke Assig

Literatur:
Doris Denis, Die Angst fährt immer mit. Wie Lokführer traumatisierende Schienenunfälle bewältigen, Heidelberg und Kröning: Asanger Verlag 2004, ISBN: 3-89334-423-3

Quelle: Freie Universität Berlin


Wenn die Angst vor der Angst krank macht

Psychologen der Uni Münster bieten Sorgenambulanz an

10.11.2004 - Wird das Geld noch bis zum Ende des Monats reichen? Der Chef mit der Arbeit zufrieden sein? Das Kind auch pünktlich nach Hause kommen? Sich Sorgen zu machen ist normal, doch wenn sich die Gedanken im Kreislauf der Sorgen verfangen, dann kann das massive Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben. Körperliche Auswirkungen werden allerdings selten mit den seelischen Belastungen in Verbindung gesetzt, häufig nur die physischen Symptome behandelt, ohne den Ursachen auf den Grund zu gehen. Die Psychotherapie-Ambulanz (PTA) des Fachbereichs Psychologie der Universität Münster hat deshalb vor einigen Monaten die so genannte "Sorgenambulanz" eingerichtet. Hier werden nicht nur Diagnostik und Einzeltherapien angeboten, sondern erstmals in Deutschland auch Gruppenangebote.

"Nehmen die Sorgen überhand und richten sie sich auch auf eigentliche Belanglosigkeiten, kann das das Leben der Betroffenen deutlich beeinträchtigen", erklärt Dr. Alexander Gerlach vom Psychologischen Institut I. Angst, Anspannung, Ruhelosigkeit, Ermüdung und Konzentrationsschwierigkeiten können die Folge sein. Im Fachjargon wird die Erkrankung als "Generalisierte Angststörung" bezeichnet, da sie nicht auf bestimmte Situationen in der Umgebung beschränkt ist. Auftreten kann sie auch zusammen mit spezifischen Phobien oder depressiven Störungen. Etwa fünf Prozent der Menschen, so schätzen die Psychologen, leiden im Laufe ihres Lebens unter einer generalisierten Angststörung.

Die Diplom-Psychologin Tanja Andor von der PTA untersucht zusammen mit Gerlach im Rahmen psychophysiologischer Studien den Zusammenhang zwischen körperlichen Reaktionen und Sorgen. "Die Patienten berichten subjektiv von physischen Beschwerden, die auf körperliche Übererregung hinweisen. In objektiven physiologischen Messungen lässt sich diese jedoch nicht nachwiesen", so Gerlach. "Deshalb untersuchen wir" erklärt Andor, "ob sich die Patienten als übererregt erleben, weil sie über eine besonders sensible Körperwahrnehmung verfügen. Dies könnte wiederum dazu beitragen, dass sie sich immer wieder neu in Sorgen verstricken." Dieser noch wenig erforschte Zusammenhang zwischen Wahrnehmung von Erregung und Sorgen wird aktuell untersucht.

Anders als andere Angststörungen, die wie Angst vor Höhen oder Panikattacken von den Betroffenen als behandlungsbedürftiges Problem erkannt werden, wird das Sorgen häufig nicht als Krankheit, sondern als zur Persönlichkeit gehörend empfunden. Es sind ja keine ungewöhnlichen Sorgen, sondern Probleme, die jeden belasten: Familie, Gesundheit, berufliche Entwicklung. "Doch bei einer generalisierten Angststörung nehmen Häufigkeit und Intensität deutlich zu", erklärt Gerlach. Während es normal sei, dass eine Mutter sich sorge, wenn ihr Kind eine ganze Stunde Verspätung habe, sei Unruhe bei fünf Minuten Verspätung eher ungewöhnlich.

Doch die Erfolgsaussichten bei einer Therapie sind gut. Bei rund 65 Prozent aller Betroffenen können die Symptome vollständig und nachhaltig abgebaut werden. Die Patienten lernen, erfolgreiche Strategien anzuwenden, um Ängste zu überwinden. Betroffene haben häufig wenig Vertrauen in ihre Fähigkeit, Probleme zu lösen. Dieses wird im Rahmen der Therapie gestärkt. Auch Überzeugungen zu Vor- und Nachteilen des Sorgens tragen zur Problematik bei und müssen verändert werden. Mit gezielten Entspannungsübungen wird zudem der berichteten Anspannung und Ruhelosigkeit begegnet.

Patienten mit generalisierter Angststörung überschätzen häufig Risiken. "Sie bleiben in der Vorstellung einer Katastrophe stecken und denken Situationen nicht zu Ende", erklärt Gerlach. "Wir helfen ihnen, ihre Sicht von der Welt wieder geradezurücken und einen realistischeren Ausblick auf die Zukunft zu gewinnen". Das kann in etwa 25 Einzeltherapiestunden oder knapp 20 Gruppen-Doppelsitzungen mit rund sechs Teilnehmern passieren. "Die Auseinandersetzung mit den eigenen Problemen und denen der anderen Gruppenteilnehmer hat einen positiven Effekt. Neben der beruhigenden Erfahrung, nicht der einzige Mensch zu sein, dem die Sorgen über den Kopf wachsen und der Unterstützung benötigt, können die Patienten von Erfolgen der anderen Gruppenmitglieder profitieren und diese auf eigenen Probleme übertragen", so Andor. "Zudem kann Vertrauen in die eigene Kompetenz aufgebaut werden, wenn man hilft, Lösungen für andere zu entwickeln."

Weitere Informationen:

http://www.sorgenambulanz.de

Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster


Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom

08.11.2004 Trierer Wissenschaftler untersuchen hyperaktive Kinder und ihre Eltern, um herauszufinden, welche angeborenen Faktoren (Gene) und welche Umwelteinflüsse für die Störung verantwortlich sind.

Dennis besucht die 4. Klasse der Grundschule. In Mathematik zeigt er gute Leistungen, beim Lesen und Rechtschreiben bleibt er jedoch weit hinter dem Klassendurchschnitt zurück. Dennis ist ein äußerst lebhafter Schüler, dem es sehr schwerfällt, seinen Mitschülern zuzuhören. Er lässt sich durch alles ablenken, was um ihn herum vorgeht, und ist kaum in der Lage, sich länger als fünf Minuten auf eine Sache zu konzentrieren. Ständig muss er auf sich aufmerksam machen. Wenn er nicht gerade mit seinem Stuhl kippelt, werden Stifte, Lineale und Papiere als Spielzeug benutzt. Er plappert ständig unaufgefordert dazwischen und stört auf diese Weise den Unterricht. Dennis leidet unter der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Die Probleme beginnen meist schon im Vorschulalter. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 3-5 % der Schulkinder, vornehmlich Jungen, davon betroffen sind.

Was aber ist tatsächlich der Grund für die Verhaltensauffälligkeiten dieser Kinder? Für ADHS gibt es nicht nur eine einzige Ursache, vielmehr wird eine Vielzahl von Faktoren diskutiert. Die genetische Veranlagung spielt bei der Entstehung eine entscheidende Rolle, Umwelteinflüsse stehen in Zusammenhang mit Schweregrad, Art der Begleitsymptomatik und dem langfristigen Verlauf. Bis zu 50% der betroffenen Kinder zeigen bis ins Erwachsenenalter hinein Verhaltensauffälligkeiten, insbesondere später auftretende Depressionen. Um genauere Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Veranlagung und Umwelteinflüssen zu gewinnen, sollen in einer aktuellen Studie der Abteilung Verhaltensgenetik der Universität Trier und der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Mutterhauses der Borromäerinnen hyperaktive Kinder und ihre Eltern gemeinsam untersucht werden.

Wenn bei einem Kind ADHS diagnostiziert wurde oder wenn das Kind ähnliche Symptome zeigt, wie in der obigen Fallbeschreibung beschrieben, und zwischen 6 und 12 Jahren alt ist dann können Eltern mit Kind an der Studie teilnehmen. Neben interessanten Informationen über ADHS und einer ausführlichen Ergebnisrückmeldung der verwendeten psychologischen Tests und Fragebögen winkt eine Belohnung von 20 Euro für das Kind.

Bei Interesse gibt es weitere Informationen beim zuständigen Studienleiter, Diplom-Psychologe Haukur Palmason, unter der Telefonnummer 0651-201-3734 oder per E-Mail unter
palmason@uni-trier.de.

Quelle: Universität Trier


Mit Alltagsnähe die Psyche ins Gleichgewicht bringen

08.11.2004 - Eine Brücke zu schlagen zwischen der künstlichen Welt einer Krankenhausstation und der Realität des Alltags - das ist das Ziel der Tagesklinik für Psychiatrie des Uni-Klinikums Jena. Statt langer stationärer Aufenthalte bekommen hier Patienten mit psychischen Störungen die Gelegenheit, unter Beibehaltung der individuellen Lebensumstände und der gewohnten Verbindungen zu Familie und Freunden mit therapeutischer Unterstützung wieder aus der Erkrankung zu finden.

Das Team der psychiatrischen Tagesklinik um
Das Team der psychiatrischen Tagesklinik um
Oberarzt Dr. Stefan Smesny (stehend)
verzichtet ganz auf weiße Kittel, um keine "Krankenhaus-Atmosphäre"
in der Tagesklinik aufkommen zu lassen.
Foto: Schumacher/Uniklinikum Jena


"Diese Brückenfunktion unseres Behandlungsangebotes hat sich bisher gut bewährt", zieht Dr. Stefan Smesny, ärztlicher Leiter der Tagesklinik der Psychiatrie am Klinikum Jena, eine erste Bilanz. Seit der Eröffnung im Februar 2004 sind die 15 Behandlungsplätze der Tagesklinik gut ausgelastet, inzwischen ist bereits der 100. Patient aufgenommen worden. Das Jenaer Angebot richtet sich vor allem an Betroffene mit schizophrenen, depressiven und manischen Erkrankungen. Neben der Weiterbehandlung dieser Patienten nach der stationären Akuttherapie hat sich das tagesklinische Angebot teilweise auch als Alternative zur stationären Behandlung etabliert.

"Das Konzept der teilstationären Behandlung wird von den Patienten sehr gut angenommen" so Dr. Smesny, "sicherlich auch, weil die Hemmschwelle für eine Therapie in der Tagesklinik niedriger ist, als für eine vollstationäre Behandlung in der Psychiatrie". Immer noch sind Erkrankungen der Psyche schnell mit einer Stigmatisierung der Betroffenen verbunden. Entsprechend wird die unauffällige und gut erreichbare Lage der Tagesklinik unmittelbar im Stadtzentrum als angenehm und erleichternd empfunden. Zum einen kann auf diese Weise ein langer Aufenthalt in der Klinik oft vermieden werden, zum anderen finden hier auch Patienten Unterstützung, die mit einer unmittelbaren Entlassung aus der vollstationären Behandlung überfordert wären.

Neben einer modernen Psychopharmakotherapie setzt die Tagesklinik dabei mit einem vor allem verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Konzept an - Betroffene können sich in Behandlung begeben, ohne den Kontakt zum gewohnten Umfeld zu verlieren und sich im Abklingen der Erkrankung allmählich wieder in ihre gesunde Realität hineinfinden.

Alltagsfähigkeiten zu erhalten und wiederzuerlangen ist, ebenso wie eine Wiedereingliederung in ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis, oft Hauptziel der Therapie. Die individuellen Voraussetzungen und Erwartungen sind hierbei sehr verschieden: Ein Teil der Patienten sucht Entlastung und psychotherapeutische Unterstützung, um Kräfte zu regenerieren und nach Ressourcen zu suchen. Andere benötigen nach langer Krankheit "gesunde Eindrücke", um sich wieder zurechtzufinden und eine gewisse Eigenständigkeit zu erlangen. "Die Therapeuten gehen dafür mit den Patienten in konkrete Alltagssituationen, wie z. B. Einkauf, Zusammenstellung und Zubereitung von Mahlzeiten oder auch in Gespräche mit Behörden, Konflikte am Arbeitsplatz, in der Familie oder Partnerschaft, um die individuellen Problembereiche am konkreten Beispiel zu bearbeiten", erläutert Stefan Smesny. "Sie vermitteln den Patienten auch Wissen über ihre Erkrankung und helfen ihnen so, sich selbst und den Verlauf ihrer Erkrankung besser zu steuern". Besonders wichtig ist dem Team der Tagesklinik auch die Vorbereitung auf die Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag. "Gemeinsam mit kooperierenden Einrichtungen oder Arbeitgebern von Betroffenen finden unsere Therapeuten meist Wege, die Patienten schrittweise wieder an ihre frühere Belastbarkeit heranzuführen, und bei den Arbeitgebern Verständnis für den Arbeitsausfall zu erwirken und das Arbeitsverhältnis so zu erhalten", berichtet Oberarzt Smesny von den bisherigen positiven Erfahrungen. Insgesamt sei der geglückte Start der Psychiatrischen Tagesklinik in Jena auch Ausdruck des Vertrauens der zuweisenden Kollegen, welches das therapeutische Team auch weiterhin rechtfertigen möchte.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena


Seelische Erkrankungen: Therapiechancen zu wenig genutzt! Welttag Seelische Gesundheit 10. Oktober

11.10.2004 - Die meisten Menschen mit einer psychischen Erkrankung können heute wirksam behandelt werden. Das Stigma der psychischen Krankheit und mangelnde Information verhindern oft, dass gezielte Hilfe in Anspruch genommen wird, die Betroffenen stellen beim Arzt oft die begleitenden körperlichen Symptome in den Vordergrund. Die Folge sind oft Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen.
Die meisten Menschen mit einer psychischen Erkrankung können heute wirksam behandelt und ihr Leid - wenngleich nicht immer beseitigt - doch bei der Mehrzahl der Betroffenen erheblich gemindert werden.

Der diesjährige "Welttag für Seelische Gesundheit" (10. Oktober 2004) steht unter dem Motto "Zusammenspiel von seelischer und körperlicher Gesundheit". Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, (DGPPN) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass weiterhin psychische Erkrankungen auch in hochzivilisierten Ländern einer Stigmatisierung unterliegen. Dabei ist ein besonders Problem, dass die Patienten ihre psychische Erkrankung selber als Stigma beurteilen und in der Folge oft die meist begleitend auftretenden körperlichen Symptome beim Arzt in den Vordergrund stellen. Daraus ergeben sich Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen.

Nur ein konsequenter Abbau des Stigma-Problems, d.h. eine "political correctness" auch gegenüber psychisch Erkrankten wird dieses Problem lösen.
Wenn psychisch Erkrankte sich nicht mehr wegen Ihrer Erkrankung schämen, können sie von den großen Behandlungsfortschritten in Psychiatrie und Psychotherapie profitieren.
Psychische Erkrankungen, allen voran Angsterkrankungen, Depressionen, Alkohol- und andere Suchterkrankungen, sowie in zunehmendem Masse auch Demenzen zählen zu den häufigsten Erkrankungen in unserer Gesellschaft. Sie sind nicht nur mit Leid und Behinderung für die Betroffenen und deren Angehörige verbunden, sondern auch von immer größerer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert. Trotz der verbesserten Therapiechancen nimmt ein großer Teil der Menschen mit psychischen Erkrankungen keine Hilfe in Anspruch; das Stigma der psychischen Krankheit und ihrer Behandlungsinstitutionen sowie Unwissenheit infolge fehlender Aufklärung tragen zu dieser Situation bei.

Am Welttag der Seelischen Gesundheit (10.Oktober) soll auf das mit seelischen Erkrankungen verbundene Leid aufmerksam gemacht werden: Seelische Gesundheit ist nicht selbstverständlich. Ziel unserer Gesellschaft muss sein, die Prävention auf dem Gebiet psychischer Erkrankungen voranzutreiben und den Betroffenen Hoffnung auf Hilfe und Unterstützung durch wirksame Behandlung zu vermitteln.

Besondere Fortschritte konnten auch auf dem Gebiet der der Verhaltensmedizin erzielt werden. Die Verhaltensmedizin als interdisziplinäre Wissenschaft berücksichtigt in besonderer Weise die psychologischen, biologischen und sozialen Aspekte von Krankheit und nutzt empirisch geprüfte Erkenntnisse und Methoden, die in der Prävention, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation eingesetzt werden. Anwendungsbereiche sind nicht nur psychische Erkrankungen im engeren Sinne, sondern auch chronische Schmerzsyndrome sowie Erkrankungen von Herz und Kreislauf, Atemwegen, Magen-Darm-Trakt, sowie Krebs, Hauterkrankungen, Gynäkologische Erkrankungen, Immunerkrankungen, Adipositas, Diabetes Mellitus, Tinnitus und neurologische Erkrankungen.

Psychische Störungen bei körperlich kranken Patienten Körperliche Erkrankungen werden häufig von psychischen Symptomen begleitet. Umgekehrt können körperliche Symptome auf eine psychische Erkrankung, z.B. eine Depression oder eine Angsterkrankung hinweisen, ohne dass eine körperliche Ursache vorhanden ist. Bei Menschen, die wegen körperlichen Erkrankungen in Behandlung sind, besteht ein erhöhtes Risiko, dass auch eine psychische Störung vorliegt. Nach Schätzungen von Experten müsste eigentlich bei ca. jedem siebten Krankenhauspatient ein Psychiater und Psychotherapeut hinzugezogen werden. Nach Untersuchungen von Prof. Volker Arolt aus Münster würden jedoch nur ein Viertel dieser Patienten überwiesen. Meistens liegen die Überweisungsraten an psychiatrisch-psychotherapeutische Konsiliardienste im Allgemeinkrankenhaus nur bei ca. einem Prozent. Dabei sind psychische Erkrankungen nicht nur mit zusätzlichem Leid, sondern auch mit komplizierteren Krankheitsverläufen und längeren Verweildauern verbunden.

Die Zahl der Wiederaufnahmen und ambulanter Arztbesuche ist erhöht, wenn zusätzlich zu einer körperlichen eine psychische Erkrankung besteht. Oft wird die Depression bei Patienten mit einer schweren körperlichen Grunderkrankung - z.B. nach Herzinfarkt oder Schlaganfall - übersehen, oder als normal und damit nicht behandlungsbedürftig angesehen. Zwar klingen depressive Syndrome bei akuten körperlichen Erkrankungen oft spontan wieder ab. Studien zeigten jedoch, dass 28 Prozent derjenigen, die bei Krankenhausaufnahme als depressiv eingestuft wurden, dies auch noch bei Entlassung waren und somit das Risiko von Komplikationen erhöht und die Chancen auf Heilung der körperlichen Krankheit vermindert ist. Ist ein Patient z.B. mehrere Tage nach begonnener Behandlung immer noch weinerlich, niedergeschlagen und hoffnungslos und zeigt wenig Teilnahme bei diagnostischen Untersuchungen und Therapiemaßnahmen, sollte eine Untersuchung durch einen Psychiater und Psychotherapeuten angefordert werden.


Auch Alkoholabhängige Patienten, die sich wegen einer körperlichen Erkrankung auf einer internistischen oder chirurgischen Abteilung befinden, werden nur selten dem Konsiliarpsychiater oder einem Suchttherapeuten vorgestellt. Häufig wird ein Substanzmissbrauch immer noch als moralisches und nicht als medizinisches Problem angesehen und dementsprechend die Einschaltung des Psychiaters und Psychotherapeuten als nutzlos erachtet. Empirische Untersuchungen belegen, dass Früherkennung und Frühintervention von Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit im Allgemeinkrankenhaus zum Erreichen einer Abstinenz und zur Verhinderung von Rückfällen hilfreich sein können.

Bei den sog. Somatisierungsstörungen klagen die Betroffenen über vielfältige körperliche Beschwerden, z.B. über Schmerzen in verschiedenen Bereichen, ohne dass körperliche Ursachen vorliegen, die das Ausmaß dieser Beschwerden erklären könnten. Betroffene gehen von Arzt zu Arzt, fühlen sich angesichts ihres Leids von den Ärzten und von Ihren Angehörigen nicht ernst genommen und werden oft erst zu spät auf Möglichkeiten einer Psychotherapie aufmerksam.

Zusammenarbeit von Psychiatern und Psychotherapeuten mit anderen Fachdisziplinen ist entscheidend Durch die Einrichtung psychiatrisch-psychotherapeutischer Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern in den letzten Jahren sind die modernen psychiatrisch-psychotherapeutischen Methoden transparenter geworden. Umfragen weisen darauf hin, dass die Beratung durch einen Konsiliarpsychiater von der Mehrzahl der anfordernden Ärzte und von den gemeinsam betreuten Patienten als hilfreich angesehen wird.

In den letzten Jahren haben sich spezielle Ansätze in der Kooperation von Psychiatern und anderen Fachdisziplinen entwickelt. Hier wird häufig der Begriff Liaisonpsychiatrie verwendet. Im Vergleich zur klassischen Konsiliartätigkeit ist der Psychiater hier noch stärker in einen Bereich der somatischen Medizin eingebunden, z.B. durch gemeinsame Visiten und Fallbesprechungen. Dies kann die diagnostische Treffsicherheit der nicht-psychiatrischen Ärzte erhöhen und ihre Kompetenz im Umgang mit psychischen Problemen verbessern. Ebenso ist die psychotherapeutische Mitversorgung durch den Psychiater besser möglich.

Sowohl bei gerontopsychiatrischen Patienten, in der Schmerzbehandlung, aber auch im Rahmen psychologischer Vorbereitung von Patienten auf Operationen, haben sich von Spezialisten durchgeführte psychologisch-psychotherapeutische Interventionen als effektiv erwiesen, nicht nur hinsichtlich einer emotionalen Unterstützung der Patienten, sondern auch unter Kosten-Nutzen-Aspekten (z.B. unabhängige Lebenssituation versus Heimunterbringung, Wiedererreichen von Arbeitsfähigkeit, geringerer Medikamentenverbrauch, kürzere postoperative Erholungszeit und kürzerer Krankenhausaufenthalt). Ein Modell, das vor allem in den USA propagiert wird, geht sogar darüber hinaus: Internisten und Psychiater betreiben über Abteilungsgrenzen hinweg gemeinsame Stationen, sog. medical-psychiatric units. Solche Modelle könnten insbesondere für Patienten mit suchtmedizinischen und geriatrisch-gerontopsychiatrischen Problemen nützlich sein

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) .


Die EUFAMI und ihre Mitgliedorganisationen haben zum Welttag der psychischen Gesundheit die europäische Zerostigma Kampagne lanciert

04.10.2004 - In Europa leiden 130 Millionen Menschen (einer von vieren) irgendwann in ihrem Leben an einer psychischen Erkrankung und 83 % der Betroffenen sehen in der Stigmatisierung eine der grössten Barrieren für ihre Gesundung.

Die EUFAMI (European Federation of Associations of Families of Mentally Ill People, Verband der europäischen Vereinigungen von Familienangehörigen psychisch Kranker) schlägt jetzt zurück. Die Zerostigma Kampagne will Vorurteile, Unkenntnis und Angst vor Menschen mit psychischen Problemen in Akzeptanz, Wissen und Verständnis ummünzen. In der Slowakei hat die örtliche Mitgliedorganisation OPORA ihre Mitglieder geschult, damit sie Vorträge halten und Pressearbeit leisten können. Auf Zypern veranstaltet die AGMI eine grössere Konferenz. Die UNAFAM in Frankreich wird sich in erster Linie an die Hausärzte wenden. Insgesamt nehmen 12 Länder aus ganz Europa an der Zerostigma Kampagne der EUFAMI teil.

Null Stigmatisierung, null Unwissenheit, null Entschuldigung, so lautet der Ruf der Familienangehörigen, die aus ganz Europa zusammen kommen, um gegen die Stigmatisierung und Diskriminierung zu kämpfen, die psychisch Kranke und ihre Familien immer noch erleben müssen. Sie rufen die europäischen Medien, Bürger und politischen Entscheidungsträger auf, sich an der Kampagne zu beteiligen und ihren eigenen Beitrag zur Entstigmatisierung zu leisten.

In folgenden Ländern finden Zerostigma Initiativen statt:

    Belgien         Griechenland      Niederlande    Slowakei
    Finnland        Grossbritannien   Österreich     Spanien
    Frankreich      Malta             Schweden       Zypern

Das Programm, das auch die Schulung von Sprecher der EUFAMI umfasst, wird durch die Bristol-Myers Squibb Foundation unterstützt. Bristol-Myers Squibb Europe hat Subventionen für länderspezifische Aktionen von EUFAMI-Mitgliedorganisationen bei der Durchführung der Kampagne bereitgestellt.

ots Originaltext: EUFAMI


Neue europäische Trainingsprogramme helfen
15 Millionen Angehörigen von psychisch Erkrankten


- Bessere Zukunftsaussichten

01.10.2004 - Zwölf europäische Länder haben nun Zugang zu neuen Trainingsprogrammen, die zusammengestellt wurden, um mitzuhelfen, den Zyklus von sozialer Isolation, Behinderungen und Diskriminierung zu brechen, der oftmals im Zusammenhang mit schwerer, dauerhafter psychischer Krankheit auftritt. Die Trainingsprogramme wurden bei einer Tagung in Holland am 1. Oktober lanciert. Entwickelt wurden die PROSPECT Programme von der European Federation of Associations of Families of People with Mental Illness (EUFAMI) und reflektieren die Belange und Vorschläge von sechzehn Partnerorganisationen, sowie von Beauftragten von Menschen mit psychischen Erkrankungen, Familienbeiständen, Sozialarbeitern und Berufstätigen im Bereich der psychischen Krankheiten in 12 europäischen Ländern.

Die PROSPECT Trainingsprogramme ermöglichen es den Betroffenen, sich auf ihren eigenen Weg zur Besserung zu begeben und helfen deren Betreuern, entweder persönlich oder professionell, sie auf diesem Wege zu unterstützen. Die Teilnehmer werden ermutigt, ihre eigenen Erfahrungen mit den anderen zu teilen, um neue Lösungswege zu finden betreffend sozialer Integration, Schulung, oder Ausbildung und Arbeitsmöglichkeiten.

Begoñe Ariño, Vorsitzender des PROSPECT Development Centre
(PROSPECT Entwicklungszentrum), welches das Programm koordinieren wird, und vormaliger Präsident der EUFAMI, sagte: "Diese Programme wurden entwickelt und ausgearbeitet unter Mithilfe der besten europäischen Erfahrungen - nämlich die, von den direkt Betroffenen von psychischen Erkrankungen. Sie werden Familienmitgliedern helfen, besser zu verkraften und den Betroffenen, den Alltag selber zu bewältigen. Die Berufstätigen im Gesundheits- oder Sozialwesen werden sensibilisiert, den Ansprüchen ihrer Patienten besser gerecht zu werden. Dies ist ein riesiger Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Millionen in Europa."

Die Trainingsprogramme sind in den folgenden Ländern erhältlich:

    Holland       Dänemark     Finnland    Frankreich
    Irland        Italien      Portugal    Spanien
    Slowakien     Slowenien    Schweden    England - Schottland

Die Entwicklung, Untersuchung und Produktion der Trainingsmaterialien wurde finanziert von den PROSPECT Projektpartnern The Leonardo da Vinci Programme of the European Community, sowie Eli Lilly and Company.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an www.eufami.org/prospect, ein Internetservice für Menschen mit psychischen Erkrankungen, deren Familien und Freunde, sowie professionellen Betreuern.

ots Originaltext: EUFAMI


Positives aus den neuen Bundesländern: Deutlich sinkende Suizidraten seit der Wiedervereinigung 28.09.2004 - Wie hat sich die Wiedervereinigung mit ihren dramatischen gesellschaftlichen Umwälzungen auf die psychische Gesundheit der Menschen in den neuen Bundesländern ausgewirkt? In manchen Medien wurde der Schluss gezogen, dass die Zahl der psychisch Erkrankten wegen der sozialen Veränderungen und Probleme ansteigen. Nicht berichtet wurde in diesem Zusammenhang über ein erfreuliches Faktum: Die Suizidraten in den neuen Bundesländern zeigten seit der Wiedervereinigung einen in Europa einmaligen deutlichen Rückgang.

Die Menschen in den neuen Bundesländern mussten seit 1989 dramatische gesellschaftliche Veränderungen bewältigen, die alle Lebensbereiche betrafen. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit von null auf 20 Prozent in diesen Jahren ist nur ein Aspekt, die Ängste und Empörung in Verbindung mit "Hartz IV" erklären sich zum Teil aus diesen Erfahrungen. Verstärkt werden diese Emotionen noch durch Medienberichte, die einen Zusammenhang zwischen den Veränderungen in unseren Sozialsystemen und dem vermehrten Auftreten psychischer Erkrankungen und insbesondere Depressionen postulieren. Ausgespart wird in diesen Berichten die erfreuliche Tatsache, dass es in den neuen Bundesländern zu einem deutlichen Rückgang der Suizidraten gekommen ist, trotz des dramatischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit. Dieser Rückgang war nicht nur schneller als in den alten Bundesländern, sondern auch schneller als in allen anderen europäischen Ländern. - Wie könnte dieser deutliche Rückgang erklärt werden?


Suizidraten in Ost- und
Westdeutschland


Arbeitslosigkeit und Suizidalität
in den neuen Bundesländern

 
Quelle: Kompetenznetz „Depression Suizidalität“

Suizide erfolgen am häufigsten im Rahmen
depressiver Erkrankungen
Soziologische Modelle wie das von Emile Durkheim postulieren, dass Prozesse, die zu Instabilität und Auflösung sozialer Bindungen führen, die Suizidraten ansteigen lassen. Diese Modelle stimmen jedoch mit tatsächlichen Beobachtungen nicht überein und stehen in krassem Widerspruch zu den Erfahrungen in Ostdeutschland. Suizide erfolgen zu 90 Prozent im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen, am häufigsten im Rahmen von Depressionen. Durch eine bessere Behandlung von depressiv erkrankten Menschen kann bei vielen ein Suizidversuch oder ein Suizid verhindert werden. Hierfür sprechen unter anderem die Erfahrungen des "Nürnberger Bündnisses gegen Depression". Durch Kooperation mit Ärzten, Medien, Lehrern, Pfarrern, Altenpflegekräften und zahlreichen anderen an der Versorgung depressiver Menschen beteiligter Partner konnte die Zahl suizidaler Handlungen in Nürnberg um circa 25 Prozent gesenkt werden. Viele Betroffene berichteten in Nürnberg, dass sie durch die begleitende PR-Kampagne den Mut fassen konnten, offener mit ihrer Erkrankung umzugehen und sich professionelle Hilfe zu holen. Denkbar wäre, dass sich nach der Wiedervereinigung auch in Ostdeutschland die Situation depressiv Erkrankter und suizidaler Menschen verbessert hat. Im Rahmen der sozialistischen Ideologie hoffte man, dass das Phänomen Suizid im Zuge der Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaft verschwinden würde. Als es dann nach der Gründung der DDR nicht zu einer Abnahme, sondern zu einer deutlichen Zunahme der Suizidraten kam, wurden diese nicht mehr in offiziellen Statistiken publiziert. Inzwischen haben die Suizidraten in den östlichen Bundesländern annähernd wieder das niedrigere Niveau der westlichen Bundesländer erreicht.

Krankenkassen berichten über mehr Diagnosen "Depression", in den Statistiken der Krankenkassen spielen Depressionen als Gründe für stationäre Aufnahmen oder Arbeitsunfähigkeitstage eine zunehmend größere Rolle. Auch dies wurde von einigen Medien mit der Zunahme sozialer Härten und "Hartz IV" in Verbindung gebracht. Die Interpretation dieser Zahlen ist jedoch nicht einfach. So könnte diese Zunahme vor allem Ausdruck der Tatsache sein, dass heute depressive Erkrankungen besser erkannt werden und als solche auch benannt werden. Von manchen Ärzten und Patienten wird bisweilen die Diagnose Depression vermieden und auf unscharfe Krankheitsbezeichnungen wie Burnout Syndrom, Chronisches Ermüdungssyndrom oder Fibromyalgie ausgewichen.

Quelle: Kompetenznetz „Depression Suizidalität“


Innovatives neues Medikament in Europa für Behandlung von postmenopausaler Osteoporose zur Senkung des Risikos von Wirbel- und Hüftfrakturen genehmigt

27.09.2004 - Die Genehmigung zur Vermarktung des neuen Osteoporose-Medikaments Protelos(R) (Strontiumranelat) wurde in 27 europäischen Ländern erteilt. Protelos(R) ist demnächst in ganz Europa für die Behandlung von postmenopausaler Osteoporose erhältlich, um das Risiko von Wirbel- und Hüftfrakturen zu senken (1).

Protelos(R) ist der erste erhältliche Wirkstoff mit einer doppelten Wirkungsweise auf den Knochenmetabolismus, indem gleichzeitig die Knochenbildung gefördert und die Knochenresorption reduziert wird. Dadurch verlagert sich das Gleichgewicht beim Knochenhaushalt zugunsten der Knochenbildung, was eine höhere Knochendichte bedeutet (1)(2)(3).

Protelos(R) erhielt diese Indikation aufgrund der nachgewiesenen Senkung des Risikos von Wirbel- und Hüftfrakturen bei Frauen mit postmenopausaler Osteoporose.

Bei Frauen mit bestehenden Wirbelfrakturen wird das Risiko neuer Wirbelfrakturen um 49 % (P<0,001) nach 1 Jahr und um 41 % (P<0,001) über einen Zeitraum von 3 Jahren gesenkt (1) (4). Diese Wirksamkeit wurde auch bei Frauen ohne bestehende Frakturen nachgewiesen (1).
Protelos(R) ist auch bei Frauen ab 80 Jahren wirksam (1). Darüber hinaus schützt Protelos(R) Frauen mit Osteoporoserisiko (osteopenische Frauen) vor Wirbelfrakturen und senkt das Risiko um 72 % in einem Zeitraum von
3 Jahren (1). Bei Frauen mit einem hohen Risiko senkt Protelos(R) das Risiko von Hüftfrakturen um signifikante 36 % (p=0,046) (1).

Die Vorteile von Protelos(R) hinsichtlich der Verbesserung der Lebensqualität, Wirksamkeit bei klinischen Hüftfrakturen und Verlust der Körperhöhe wurden ebenfalls nachgewiesen (1). Protelos(R) ist sicher und gut verträglich (1) und einfach in der Verabreichung; täglich vor dem Schlafengehen wird eine in Wasser aufgelöste Einheit eingenommen.

Die Genehmigung zur Vermarktung bedeutet, dass Protelos(R) als neue alternative Behandlung für Frauen mit postmenopausaler Osteoporose in den nächsten Monaten in den verschiedenen Ländern der
europäischen Union erhältlich sein wird.

Quellenhinweise:

   1. Europäische Zusammenfassung der Produktmerkmale (European
Summary of Product Characteristics)

   2. Marie PJ, Ammann P, Boivin G, et al. Mechanisms of action and
therapeutic potential of strontium in bone. Calcif Tissue Int. 2001; 69: 121-129.

   3. Ammann P. Strontium ranelate: mode of action and benefits for
bone quality. Osteoporos Int. 2003; 14: S105. Abstract SY21.

   4. Meunier PJ, Roux C, Seeman E, et al. The effects of strontium
ranelate on the risk of vertebral fracture in women with
postmenopausal osteoporosis. N Engl J Med.2004; 350: 459-468.

ots Originaltext: CPR Worldwide


Angststörungen häufigste psychische Erkrankung bei Frauen

Hamburg (ots) 23.08.2004 - Jeder Siebte leidet im Laufe seines Lebens an
einer Angststörung - Frauen doppelt so oft wie Männer. Damit ist sie die häufigste psychische Erkrankung bei Frauen, bei Männern die zweithäufigste. Das meldet die Zeitschrift FÜR SIE in ihrer aktuellen Ausgabe, die am 24. August erscheint. Noch Ende der 90er dauerte es oft Jahre, ehe die richtige Diagnose gestellt wurde. Heutzutage geht das schneller, "weil die Krankheit bekannter geworden ist", sagt Dr. Gabriele Hiller, Oberärztin in der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Roseneck in Prien/Chiemsee.

Angststörungen treten immer zusammen mit körperlichen Symptomen auf: Herzklopfen, Brustschmerz, Atemnot, Schwindel, Schweißausbrüche.
"Die Ursache ist noch unklar, doch es fällt auf, dass der ersten Attacke meist heftiger Stress oder ein Umbruch vorausgeht: der Tod einer nahe stehenden Person, eine Scheidung, aber auch Positives, wie die Geburt eines Babys", so Hiller. Die wenigsten Betroffenen können ihr Problem richtig einordnen. Häufig meinen sie, beispielsweise an einer Herzattacke oder einem Schlaganfall sterben zu müssen, fürchten eine neue Panikattacke und gehen wegen der "Angst vor der Angst" kaum noch aus dem Haus.

Unbehandelt sei eine Angststörung kaum zu überwinden, so Dr. Gabriele Hiller in FÜR SIE, "mit Verhaltenstherapie aber zu 80 Prozent heilbar." Auf Beruhigungsmittel verzichten moderne Therapeuten möglichst, da die Medikamente die Angst nur kurzfristig lindern und abhängig machen. Antidepressiva können begleitend sinnvoll sein. Infos im Internet u.a. auf den Seiten:
www.psychoscout.de
www.angst-zeitschrift.de.

ots Originaltext: FÜR SIE


Kindern psychisch kranker Eltern frühzeitig helfen

Köln/Stuttgart/Berlin, 17.08.2004 - Rund 500.000 Kinder wachsen in Deutschland in Familien auf, in denen ein Elternteil unter schwerwiegenden psychischen Erkrankungen leidet. Diese Kinder benötigen frühzeitig Hilfe, um die damit verbundenen Belastungen zu bewältigen. Andernfalls können sie auffällige Verhaltensweisen oder eigene psychische Störungen entwickeln. Wie Erzieher und Therapeuten die Probleme dieser Kinder erkennen können, ist Thema in mehreren Veranstaltungen auf dem V. Europäischen Kongress für Familientherapie und Systemische Praxis vom 29. September bis 2. Oktober in Berlin. Die psychischen Erkrankungen der Eltern stellen selten eine unmittelbare Gefahr für die Kinder dar. Kinder und Jugendliche reagieren jedoch auf das krankheitsbedingte geänderte Verhalten von Mutter oder Vater mit Angst und Beunruhigung. Sie suchen nicht selten die Schuld bei sich selbst. Da psychische Erkrankungen immer noch ein Tabuthema sind, reden sie häufig nicht mit anderen über ihre Probleme.Das Alter des Kindes sowie die Schwere der psychischen Störung sind entscheidende Faktoren, wie sehr die Krankheit das Leben des Kindes beeinflusst. So können sich betroffene Kinder durchaus "normal" entwickeln, andere beginnen, sich auffällig zu verhalten oder ziehen sich zurück und werden einsam."Rechtzeitig zu helfen ist so wichtig, weil diese Kinder in besonderer Weise gefährdet sind, selbst psychisch zu erkranken", meint Kinderpsychiater Dr. med. Wilhelm Rotthaus, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) und Mitveranstalter des V. EFTA-Kongresses. So sei beispielsweise das Risiko, eine leichtere Form der Depression zu entwickeln um das Zwei- bis Dreifache erhöht, wenn ein Elternteil an depressiven Störungen erkrankt sei. Das Risiko, eine schwere Depression zu bekommen, ist sogar um das Sechsfache erhöht. Sind beide Eltern depressiv, beträgt das Risiko 70 Prozent, dass das Kind im Laufe seines Lebens ebenfalls depressiv wird.
Termine zum Thema im Rahmen des V. Europäischen Kongresses für Familientherapie und Systemische Praxis im ICC Berlin:
Donnerstag, 30. September 2004, 14.30 bis 18.00 Uhr
Kinder unter Risiko
Leitung: Tom Levold
Donnerstag, 30. September 2004, 11.00 bis 13.00 Uhr
Systemische Kindertherapie
Leitung: Arnon Bentovim

Freitag, 1. Oktober 2004, 11.00 bis 13.00 Uhr
Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie
Leitung: Wilhelm Rotthaus

Weitere Informationen zu diesem Thema:

http://www.EFTA2004.de
http://www.dgsf.org
http://www.systemische-gesellschaft.de

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie


Vor allem Frauen greifen zu Psycho-Pillen

Hamburg (ots) 09.08.2004 - Zwei Drittel der Rezepte für Psychopharmaka, also für alle Medikamente, die auf die Seele wirken, werden für Frauen
ausgestellt. Das berichtet die Zeitschrift FÜR SIE in ihrer aktuellen Ausgabe vom 10. August. Grundsätzlich machen Zukunftssorgen und das Gefühl von Leere beiden Geschlechtern zu schaffen. Aber: "Nett sein, nicht Nein sagen dürfen - dieser Druck lastet stärker auf Frauen", sagt Dr. Claudia Sußmann, Leiterin der Suchtberatung im Frauentherapiezentrum München. Darum leiden Frauen übrigens auch stärker unter Stress.
Jedenfalls scheinen Psychopharmaka einen einfachen Ausweg zu bieten: So genannte Benzodiazepine (Tranquilizer, Hypnotika und Schlafmittel) zum Beispiel beruhigen, lösen Spannungen oder fördern Schlaf. Dazu kommt, dass Pillen im Gegensatz zu Alkohol oder Drogen Frauen nicht abschrecken: "Tabletten sind diskret. Wer sie nimmt, fällt nicht aus dem Rahmen", sagt Claudia Sußmann. Rund 800.000 Deutsche greifen täglich zu Psycho-Pillen, meldet FÜR SIE. Gleichzeitig verzichten viele Menschen, deren Seele im Dauergrau versinkt, auf dringend notwendige, sinnvolle Mittel, etwa aus Angst vor Abhängigkeit oder Nebenwirkungen. Doch die Medikamenten für die Seele unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander. FÜR SIE stellt sie vor, Wissenschaftler beantworten die wichtigsten Fragen. Beispiel Schlaf- und Beruhigungsmittel: "Sie können nach längerem Gebrauch süchtig machen. Deswegen sollten sie nur bei akuten Lebenskrisen und am besten nur wenige Tage eingenommen werden", betont Prof. Gregor Laakmann in FÜR SIE. Er leitet den Psychiatrischen Konsiliardienst
am Münchner Klinikum Großhadern.
Anders sieht es bei Antidepressiva aus. "Die Stimmungsaufheller - egal ob pflanzlich oder synthetisch - wirken innerhalb weniger Tage bis Wochen. Erst dann sieht man, ob das Mittel die Depression ausreichend behandelt. Hat das Medikament geholfen, sollte man nach zwei bis sechs Monaten kontinuierlicher Therapie zusammen mit dem Arzt überlegen, wie es weitergeht", so Prof. Laakmann.

Quelle: FÜR SIE


Ergebnisse der ersten epidemiologischen Studie zu Stalking in Deutschland

12.07.2004 - Erste Ergebnisse einer aktuellen Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim zeigen, dass Stalking auch in Deutschland ein erhebliches und ernstzunehmendes Problem darstellt.
In der ersten auf einer Bevölkerungsstichprobe basierenden Untersuchung zum Thema Stalking in Deutschland von Harald Dressing, Christine Kühner und Peter Gass wurden 2000 Männer und Frauen zur Häufigkeit und Ausprägung von Stalking befragt. 78 Personen (12 %) der Mannheimer Stichprobe waren mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Stalking, zum Untersuchungszeitpunkt waren 1,6% aktuell von Stalking betroffen. Bei 68% der Stalkingopfer dauerte die Verfolgung und Belästigung länger als einen Monat, bei 24,4 % sogar länger als ein Jahr. Im Durchschnitt waren die Opfer etwa fünf verschiedenen Methoden der Verfolgung, Beeinträchtigung und Belästigung ausgesetzt. In 34,6 % der Fälle wurden Drohungen ausgesprochen, denen in 30,4% auch tatsächliche Gewalthandlungen seitens des Stalkers folgten. In 75,6 % der Fälle kannte das Opfer seinen Verfolger. Die Stalkingopfer zeigen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine signifikant schlechtere psychische Befindlichkeit.
Was ist Stalking?
Der Begriff Stalking wurde in den 1990er Jahren in den USA für ein komplexes menschliches Verhaltensmuster geprägt. Wörtlich übersetzt bedeutet Stalking "auf die Pirsch gehen", in der psychiatrischen Terminologie charakterisiert man damit ein Verhaltensmuster, bei dem ein Täter einen anderen Menschen ausspioniert, verfolgt, belästigt, bedroht, unter Umständen auch körperlich attackiert und in seltenen Fällen sogar tötet. Durch diese Verhaltensweisen fühlt sich das Opfer des Stalkers, das als Stalkee bezeichnet wird, in Angst versetzt. In den meisten angelsächsischen Ländern wurden mittlerweile auch Gesetze verabschiedet, die Stalking als einen eigenständigen Straftatbestand bezeichnen.
Wie häufig ist Stalking?
Die klinische und forensische Relevanz des Stalkingkonzeptes wird in Deutschland derzeit noch kontrovers diskutiert, wobei zunehmend vorgebracht wird, dass das erst kürzlich verabschiedete Gewaltschutzgesetz keinen hinreichenden Schutz für die Stalkingopfer bietet und nach dem Vorbild angelsächsischer Gesetze ein eigenständiger Straftatbestand für Stalking eingeführt werden sollte. Befürworter einer eigenständigen Antistalkinggesetzgebung gehen von der Annahme aus, dass Stalking in Deutschland ein ähnlich weitverbreitetes Problem darstellt, wie es sich in den wenigen auf repräsentativen Bevölkerungsstichproben basierenden Studien in England, Australien und den USA gezeigt hat. Diese Studien zeigten, dass 12% bis 32% der Frauen und 4% bis 17% der Männern im Laufe ihres Lebens Opfer von Stalking wurden. Dies deutet darauf hin, dass Stalking ein weit verbreitetes Problem darstellt. Untersuchungen von Stalkingopfern zeigten darüber hinaus, dass diese häufig unter erheblichen medizinischen und psychischen Folgewirkungen des Stalking litten. Ein besonderes Problem stellen auch gewalttätige Verhaltensweisen im Kontext von Stalking dar, die mit einer Häufigkeit von 2,7 % bis 55 % berichtet werden.
Für Deutschland und auch die anderen europäischen Länder außerhalb des angelsächsischen Sprachraums gibt es bisher keine auf Bevölkerungsstichproben beruhenden epidemiologischen Studien zur Häufigkeit und Auswirkung von Stalking. Die vorliegende Studie von Harald Dreßing, Peter Gass und Christine Kühner vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim ist die erste auf einer Bevölkerungsstichprobe basierende Untersuchung zum Thema Stalking in Deutschland. Um einen verwertbaren Eindruck von der Häufigkeit von Stalking zu erhalten und die Thematik nicht unkritisch auszuweiten, wurde Stalking in der vorliegenden Studie nur dann angenommen, wenn es zu mindestens zwei unerwünschten Kontaktaufnahmen auf unterschiedliche Weise (also z.B. unerwünschter Telefonanruf und unerwünschtes Herumlungern vor der Wohnung) gekommen war, diese Verhaltensweisen mindestens über zwei Wochen anhielten und bei dem Betroffenen Angst auslösten. Die Mannheimer Studie
Aus der Einwohnermeldekartei der Stadt Mannheim wurden 1000 Frauen und 1000 Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren zufällig ausgewählt. Diesen Personen wurde zusammen mit einem Begleitbrief, in dem das Ziel der Studie erklärt wurde, ein umfangreicher Fragebogen zum Thema Stalking zugeschickt. Der Fragebogen enthält soziodemographische Daten sowie 51 Fragen zu Erlebnissen von Bedrohung, Verfolgung und Belästigung. Befragte, die zumindest Betroffene von einer Form der Bedrohung, Verfolgung oder Belästigung sind oder waren, wurden gebeten, zusätzliche Fragen zur Dauer, Art, und Häufigkeit dieser Erlebnisse, zur persönlichen Beziehung zu dem Verfolger, dessen vermutliche Motive sowie eigene Reaktionen auf diese Verhaltensweisen und mögliche medizinische oder psychologische Folgen daraus zu beantworten. Darüber hinaus füllten alle Befragten einen Fragebogen der WHO zur Einschätzung der psychischen Befindlichkeit aus.
Ergebnisse
Insgesamt antworteten 679 Personen, was einer Rücklaufquote von 34,2 % entspricht.
Die Ergebnisse dieser Studie stützen die Annahme, dass Stalking auch in Deutschland ein relevantes Problem darstellt. 78 Personen (12 %) erfüllten die in der Studie zu Grunde gelegten Stalkingkriterien, d.h. sind einmal in ihrem Leben über eine Zeitspanne von mindestens zwei Wochen mit mindestens zwei unterschiedlichen Methoden verfolgt, belästigt oder bedroht worden und wurden dadurch in Angst versetzt. Zum Untersuchungszeitpunkt waren 1,6 % aktuell von Stalking betroffen. Ähnliche Häufigkeiten fanden sich auch in Studien, die in England und den USA durchgeführt wurden.
Wer wird wie gestalkt?
Unter den Stalkingopfern fand sich ein signifikantes Überwiegen von Frauen (87,2 %), wohingegen 85,5 % der Stalker Männer waren (p< 0,001). Bei 68 % der Stalkingopfer dauerte die Verfolgung und Belästigung länger als einen Monat, bei 24,4 % sogar länger als ein Jahr. Die Stalkingopfer gaben auch eine hohe Intensität der Verfolgung und Beeinträchtigung an. 35,1 % berichteten über mehrmalige wöchentliche Kontakte, 9,1 % über tägliche unerwünschte Kontaktaufnahmen und bei 15,6% war es sogar zu mehrmaligen täglichen unerwünschten Kontaktaufnahmen gekommen. Von den Opfern wurden auch vielfältige Methoden der Verfolgung und Belästigung angegeben. Im Durchschnitt waren die Opfer etwa fünf verschiedenen Methoden der Verfolgung, Beeinträchtigung und Belästigung ausgesetzt. Am häufigsten waren unerwünschte Telefonanrufe (78,2 %), Herumtreiben in der Nähe (62,6%), unerwünschte Briefe, E-Mails, SMS, Faxe (50%), Verfolgen (38,5 %), Kontaktaufnahme über Dritte (35,9 %), vor der Haustür stehen (33,3%), Auflauern (24,4 %) und Beschimpfungen/Verleumdungen (47,4 %).

Die Relevanz der hier erfassten Stalkingverhaltensweisen wird durch den Befund verdeutlicht, dass in 34,6% der Fälle explizite Drohungen ausgesprochen wurden, denen in 30,4 % auch tatsächliche Gewalthandlungen seitens des Stalkers folgten. 24,4 % der Betroffenen berichteten, dass sie von ihrem Stalker gegen ihren Willen mit körperlicher Gewalt festgehalten wurden, 11,5 % wurden geschlagen, 9 % mit Gegenständen attackiert, 42,3 % sexuell belästigt und 19,2 % sexuell genötigt.
In 75,6 % der Fälle kannte das Opfer seinen Verfolger. Die größte Gruppe der Verfolger rekrutierte sich aus ehemaligen Intimpartnern. Frauen wurden in der überwiegenden Zahl der Fälle von Männern verfolgt, wohingegen Männer - die zwar viel seltener von Stalking betroffen sind - etwa gleich häufig von Frauen oder Männern verfolgt werden. Die Folgen des Stalking sind weitreichend
Bei direkter Befragung nach psychosozialen und medizinischen Folgen berichtete die Mehrzahl der Betroffenen über psychische und körperliche Symptome als Folge des Stalking. 56,8 % gaben verstärkte Unruhe an, 43,6% Angstsymptome, 41 % Schlafstörungen, 34,6 % Magenbeschwerden und 28,2 % Depression an. 17,9 % wurden als Folge des Stalking sogar krankgeschrieben.
Die Bedeutung von Stalking wird durch den Befund unterstrichen, dass 73,1 % der Befragten ihr alltägliches Verhalten als Reaktion auf das Stalking veränderten, 16.7 % wechselten gar die Wohnung, 5,1 % den Arbeitsplatz.

Wo wird Hilfe gesucht?
Bemerkenswert ist, dass nur 20,5 % der Betroffenen eine Anzeige bei der Polizei erstatteten und nur 11,5 % einen Rechtsanwalt aufsuchten, obwohl seitens des Stalkers Verhaltensweisen zum Einsatz kamen, die eindeutig Straftatbestände darstellten. Dies bedeutet, dass das Vertrauen in Behörden und Justiz bei Stalkingopfern offensichtlich eher gering ist und von der Justiz auch wenig Unterstützung erwartet wird. Dagegen suchten immerhin 24,4 % der Betroffenen einen Arzt oder Therapeuten wegen gesundheitlicher Probleme auf, die auf das Stalking zurückgeführt wurden. Dies kann einerseits als eine Tendenz der Betroffenen interpretiert werden, sich als hilfloses Opfer zu sehen, das bereit ist, sich mit therapeutischer Hilfe irgendwie mit der Situation zu arrangieren, und aktive Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Stalker weniger in Betracht zieht. Gleichzeitig verdeutlicht die doch relativ häufige Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe den ausgeprägt negativen Einfluss von Stalking auf die Gesundheit der Betroffenen.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass Stalking auch in Deutschland ein erhebliches und ernstzunehmendes Problem darstellt. Die Stalkingopfer zeigen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine signifikant schlechtere psychische Befindlichkeit und suchen auch häufig Ärzte und Therapeuten auf, wohingegen juristische Schritte trotz eindeutig vorliegender Straftatbestände eher selten ergriffen werden. Da Ärzte und Therapeuten offensichtlich häufiger Ansprechpartner von Stalkingopfern sind, sind profunde Kenntnisse über die Stalkingproblematik zwingend notwendig. Interventionstechniken sollten immer aus einem umfassenden Ansatz bestehen, der kompetente Beratung und Information über den Umgang mit dem Stalker, Risikoeinschätzung bezüglich gewalttätigen Verhaltens, juristische Schritte und therapeutische Maßnahmen umfasst. Ein koordiniertes Vorgehen, das Polizei, Rechtsanwälte und Gerichte vor Ort mit einbezieht, ist für ein erfolgreiches Management Voraussetzung.

Quelle: Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim


"Open the doors" e.V.

Aktionen und Projekte der Bayerischen Anti-Stigma Aktion BASTA

SANE - das internetbasierte Stigma-Alarm-Netzwerk

Das internetbasierte "Stigma Alarm Netzwerk", ist ein von der Bayerischen Anti-Stigma Aktion BASTA ins Leben gerufenes Netzwerk aus Psychiatrie- Erfahrenen, Angehörigen und professionellen Helfern.Mit der Hilfe von SANE kann rasch und effizient gegen die Diskriminierung psychisch Kranker vorgegangen werden.Über SANE können Fälle von Diskriminierung psychisch Kranker gemeldet werden.

Nach einer Überprüfung der Fakten durch die Mitglieder der BASTA, wird versucht, durch direkte Kontaktaufnahme mit dem Diskriminierenden die Einstellung dieser Handlungen (z.B. Presseberichte, Werbeartikel, Filme, Anzeigen u.ä.) zu erreichen. Wenn dies nicht gelingt, wird der Fall allen Netzwerkmitgliedern bekannt gemacht, die sich dann direkt an die Institutionen wenden und gegen die Diskriminierung protestieren können.

Dieses an Amnesty international angelehnte Prinzip hat sich in USA als sehr wirksam erwiesen und wird dort mit großem Erfolg von der Betroffenenorganisation NAMI (http://www.nami.org/) praktiziert. Das Netzwerk lebt von der Höhe der Anzahl Ihrer Mitglieder und den Einzelnen, die sich aktiv beteiligen wollen. Je mehr Menschen begeistert ein Teil des Netzwerkes werden, umso mehr kann SANE bewegen.Mittlerweile konnten wir schon viele Diskriminierungsfälle stoppen und unser Netzwerk wächst stetig. Ziel ist es ein europaweites Netzwerk zu schaffen, indem grenzüberschreitend Stigmatisierungen bekämpft werden können.
 

Schul- und Polizeiprojekt

Aufklärungsarbeit in Schulen

 
In Zusammenarbeit mit dem Schul- und Kultusreferat der Landes-hauptstadt München und unterstützt von der Stadtschulrätin Frau Elisabeth Weiß-Söllner hat BASTA ein Lernpaket entwickelt. Die Bausteine des Paketes sind problem- und schülerorientiert konzipiert und können in mehreren Fachbereichen (Ethik, Religion, Deutsch und Sozialkunde) aller Schularten für Jugendliche im Alter von 13-17 Jahren eingesetzt werden. Ziel ist der Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisch Erkrankten und die Entmystifizierung einer Randgruppe. Neben der, für viele Schüler neuen, Erfahrung im direkten Umgang mit psychisch Kranken, liegt der Schwerpunkt dieses Projekts auf der Information über das subjektive Erleben psychischer Erkrankungen und auf einer Sensibilisierung gegenüber den täglichen Diskriminierungen. Das Materialangebot ist so gestaltet, dass es an die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler angepasst werden kann und an Lehrplanzielen orientiert ist. Das Paket beinhaltet verschiedene Unterrichtsbausteine, die als Lehreinheiten benutzt werden können, wobei der letzte Block den Kontakt mit je einem psychiatrischen Patienten, einem Angehörigen und einem professionellen Helfer vorsieht.
 

Kurzinformation zur Bayerische Anti-Stigma Aktion (BASTA)

 
Die Bayerische Anti-Stigma Aktion ist Teil des weltweiten Programms der World Psychiatric Association gegen die Diskriminierung psychisch kranker Menschen. Die mittlerweile 150 aktiven Mitglieder arbeiten gemeinsam mit anderen Aktionsgruppen in Deutschland (Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige, Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Journalisten etc.) an verschiedenen Projekten, so zum Beispiel dem internet-basierten Stigma-Alarm-Netzwerk SANE, Workshops in Schulen und mit der Polizei, Diskussionsgruppen mit den relevanten Zielgruppen (Journalisten, Sanitäter, Sozialarbeiter, Polizisten), Aufklärungsarbeit mittels Plakataktionen und Benefizveranstaltungen.

Die enge Zusammenarbeit von Betroffenen, Angehörigen und professionellen Helfern, die das Thema Stigmatisierung aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten, zeichnet BASTA ebenso aus wie die Nutzung des Internets als schnelles und einfaches Medium zur Aufdeckung von Stigmatisierungs-fällen. 

Aufgaben:

Ziele:

- Information der Öffentlichkeit über psychische Erkrankungen, um       Vorurteile abzubauen
- Konstruktive Kooperation mit Mitarbeitern der Medien
- Organisation von Protestaktionen gegen Diskriminierungsfälle
- Aufbau eines möglichst lückenlosen Netzes von Beobachtern mittels des    internetbasierten Stigma-Alarm-Netzwerkes SANE

Hintergrund
:

Die Diskriminierung von psychisch Kranken hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Sogenannte "Bürgeraktionen" gegen psychotherapeutische Einrichtungen, diskriminierende Werbeanzeigen und Filme sowie Berichte der Patienten über Diskriminierungen durch Behörden und im Alltag haben Betroffene, Angehörige und professionelle Helfer dazu veranlasst, aktiv zu werden. Dabei steht die Nutzung des Internets im Mittelpunkt als Alarm-System zur Aufdeckung von Stigmatisierungsfällen im deutschsprachigen Raum Europas nach dem Vorbild der amerikanischen Betroffenen-Organisation NAMI. 

SANE

Das internetbasierte Alarm-Netzwerk SANE (Stigma Alarm Netzwerk) gegen die Diskriminierung psychisch Kranker ist ein von der Bayerischen Anti-Stigma Aktion BASTA ins Leben gerufenes Netzwerk von psychiatrischen Patienten, Angehörigen und professionellen Helfern. Über SANE können Fälle von Diskriminierung psychisch Kranker gemeldet werden. Nach einer Überprüfung der Fakten durch die Mitglieder der BASTA wird versucht, durch direkte Kontaktaufnahme mit dem Diskriminierenden die Einstellung dieser Handlung zu erreichen. Wenn dies nicht gelingt, wird der Fall allen Netzwerkmitgliedern mitgeteilt, die sich dann direkt an die Institution wenden und gegen die Diskriminierung protestieren können. 

Kontakt:

Bayerische Anti Stigma Aktion BASTA
Möhlstraße 26,
81675 München
Tel. 089 / 41 40 66 74
Fax 089 / 41 40 66 88
E-Mail: kerstin.wundsam@lrz.tum.de
Homepage: www.openthedoors.de



Bayerische Anti Stigma Aktion "Open the doors"   e.V.
Sensibilisierung der Polizei

BASTA arbeitet in diesem Projekt hierbei mit der Bayerischen Beamten-Fachhochschule (Fachbereich Polizei) zusammen.

Wir gestalten gemeinsam mit je einem psychiatrischen Patienten, einem Angehörigen und einem professionellen Helfer einen Projekttag. Ziele dieser Begegnung sind die Verbesserung des Umgangs der Polizisten mit Betroffenen und ein Angstabbau im Kontakt mit psychisch Erkrankten. Durch den persönlichen Kontakt mit Betroffenen sollen die Polizisten für die spezifischen Probleme psychiatrischer Patienten sensibilisiert werden. 

Medien und Psychiatrie

Patienten, die aus der Psychiatrie kommen und zurück in ein normales Leben wollen, haben oft lebenslang mit Vorurteilen, Diskriminierung und Zurückweisung zu kämpfen. Sie werden bei der Wohnungssuche genauso diskriminiert wie bei der Jobsuche und manchmal sogar in der eigenen Familie. Leider tragen auch manche Medien durch pauschalierende, reißerische Berichterstattung zu dieser Diskriminierung bei. Viele Betroffene wagen es deshalb gar nicht mehr, über ihre Erkrankung zu sprechen und werden dadurch noch kränker.

Medienschelte hilft hier aber nicht weiter. Deshalb bieten wir Mitarbeitern der Medien, bei Recherchen und Vermittlung von Interviewpartnern, konstruktive Kooperation an. Wir versuchen zur korrekten Informationsvermittlung anzuregen und gemeinsam mit Journalisten mit Falschdarstellungen und Klischees in Medien aufzuräumen.

Kunst- und Kultur-Projekte

Wir organisieren Lesungen, Vortragsreihen und Podiumsdiskussionen (z.B. zum Kinofilm "Das weisse Rauschen", zum Theaterstück "4.48 Psychose" in den Münchner Kammerspielen, bei den Münchner Filmkunstwochen im August 2002 mit dem Thema "Psychiatrie im Film").

BASTA plant gemeinsam mit Kunsttherapeuten des Klinikums rechts der Isar Ausstellungen von Psychiatrie Erfahrenen Malern und Künstlern.Weitere Benefizveranstaltungen, wie das Benefizkonzert "Orfeo ed Euridice" der Andechser Orchestergemeinschaft in der Grossen LMU-Aula am 02.06 2002 werden auch im Jahr 2003 durchgeführt.




 

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