Die Inhaltsübersicht
- Wenn beim Autofahren die Augen zufallen - RUB-Mediziner informieren über Fahrtauglichkeit und Narkolepsie
- Was ist Narkolepsie?
- Begriffserklärungen aus der Schlafmedizin
- Narkolepsie im Kindesalter
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Wenn beim Autofahren die Augen zufallen
RUB-Mediziner informieren über Fahrtauglichkeit und Narkolepsie
31.01.2005 - Ein Unfall oder ein Beinahe-Unfall ist oft der erste Anlass für eine Untersuchung von Patienten mit Narkolepsie: Sie leiden u. a. unter Tagesmüdigkeit, Einschlafattacken und plötzlichem Verlust der Muskelspannung. Beim Autofahren kann das gefährlich werden. Wie man die Narkolepsie von gewöhnlicher Müdigkeit unterscheidet und welche Möglichkeiten es gibt, seine Fahrtüchtigkeit - und seinen Führerschein - trotzdem zu behalten, erläutern Spezialisten der Neurologischen Klinik der RUB in den BG-Kliniken Bergmannsheil beim Seminar "Fahrtauglichkeit und Narkolepsie" am 5. Februar 2005 (10 bis 15 Uhr, Hörsaal 3 des Bergmannsheil), das sie gemeinsam mit der Deutschen Narkolepsie-Gesellschaft anbieten. Interessierte, Patienten und Ärzte sind herzlich willkommen.
Rechtliche und finanzielle Probleme
Der Verdacht auf Narkolepsie kann für Autofahrer erhebliche rechtliche und finanzielle Probleme bedeuten: Patienten, bei denen die Krankheit schon in der Jugend beginnt, haben Probleme, überhaupt einen Führerschein zu beantragen. Kommt der Verdacht erst später durch einen Unfall auf, wird der Führerschein unter Umständen eingezogen, Versicherungen können Zahlungen einschränken. Der betroffene Fahrer muss seine Fahrtüchtigkeit durch ein fachärztliches Gutachten belegen. Zur sicheren Diagnose führen die Ärzte im Bergmannsheil neben üblichen neurologischen Untersuchungen u.a. computergestützte Reaktionstests, Langzeit-EEGs (Hirnstrommessungen) zur Bestimmung des Schlaf-Wach-Rhythmus, Testfahrten im Fahrsimulator und Schlaflaboruntersuchungen in Zusammenarbeit mit der Klinik für Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin durch. "Diese Untersuchungen sind wichtig, weil wir uns in einer Grauzone bewegen", erklärt PD Dr. Sylvia Kotterba von der Neurologie des Bergmannsheil. "Müdigkeit nach der Nachtschicht ist normal. Wenn dadurch die Fahrtauglichkeit beeinträchtigt wird, liegt bereits eine Ordnungswidrigkeit vor. Erst die Tests zeigen sicher, ob es sich um eine krankheitsbedingte Müdigkeit handelt."
Vorzeichen deuten, medikamentös helfen
Ist die Diagnose gesichert, muss das nicht das Ende des Autofahrens bedeuten: Die Symptome lassen sich zum einen mit Medikamenten lindern. Zum anderen ist der Umgang mit der Krankheit für die Fahrtauglichkeit entscheidend. In Seminaren können Patienten lernen, die Vorzeichen einer Einschlafattacke sicher zu deuten und entsprechend zu reagieren. Über diese Angebote können sie sich im Seminar informieren. Außerdem wollen die Spezialisten des Bergmannsheil niedergelassene Kollegen für das Thema sensibilisieren, denn die Dunkelziffer der Betroffenen wird sehr hoch eingeschätzt. Im Bergmannsheil werden jährlich 30 bis 40 Patienten mit gesicherter Narkolepsie behandelt. "Die Anzahl derer, die mit ungeklärter Tagesmüdigkeit in unsere Ambulanz kommen, ist mit drei bis vier pro Woche noch höher", so PD Dr. Kotterba.
Quelle: Ruhr Universität Bochum
Was ist Narkolepsie?
Schlafkrankheit und Schlummersucht
sind landläufige Bezeichnungen der Narkolepsie, deren auffälligstes
Merkmal eine unwiderstehliche Einschlafneigung ist. Sie
äußert sich in Schlafanfällen, die zu jeder Tageszeit
und auch in sehr ungewöhnlichen Situationen auftreten können,
Bei Narkolepsie liegt eine Funktionsstörung der
Schlaf-Wach-regulierenden Zentren vor, welche im
Hirnstamm und Zwischenhirn liegen. Zur Auslösung der Krankheit
ist nach heutiger Sicht eine Veranlagung mit meist gering ausgeprägter Vererbungsneigung
erforderlich. Narkolepsie ist eine chronische
Krankheit, die lebenslang bestehen bleibt und nach heutigem
Kenntnisstand der Medizin nicht heilbar ist.
So wenig die Krankheit die Lebenserwartung beeinträchtigt,
so sehr prägen ihre Symptome oft die Lebensführung
der Betroffenen. Zudem verursacht ein fehlendes
Verständnis der Umwelt häufig erhebliche persönliche, familiäre
und berufliche Probleme. Eine sinnvolle Anpassung
der Lebensweise mit sorgfältig unterstützender, medikamentöser
Dauerbehandlung und eine vernünftige, vorurteilsfreie Einstellung
der Umgebung können das Leben des Betroffenen
jedoch durchaus erträglich machen.
Begriffserklärungen aus der Schlafmedizin
Somnologie:
Schlafmedizin
Somnologe:
Schlafmediziner (Fortbildungsseminare für Mediziner
über die DGSM - Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung
und Schlafmedizin, Schwalmstadt)
Schlafstörungen: Vorübergehende, therapierbare
Erscheinungen
Schlafkrankheiten:
a) körperliche und/oder psychische Auswirkungen des
Schlafverhaltens chronischer Art, über einen Zeitraum
von mehr als sechs Wochen.
b) Schlafkrankheiten aus noch nicht bekannten Ursachen,
zum Teil mit körperlichen Behinderungen.
Internationale
Klassifikation (ICDSD)
Insomnie:
Schlaflosigkeit
Hypersomnie:
- Tagesmüdigkeit (Schlafattacken)
- häufig unterbrochener Nachtschlaf
- zu viel Schlaf
Dyssomnie:
Schlafstörungen verschiedener Art
Parasomnie:
Was neben dem Schlaf einhergeht (Träume, Schlafwandeln
usw.)
Chronobiologie:
a) Schlafstörungen bei organischen und/oder psychiatrischen
Erkrankungen
b) Schlafstörungen unterschiedlicher Genese (Folgen
von Schichtarbeit, Jet-leg, usw.)
Das
System codiert über 80 Erscheinungsformen.
Narkolepsie im Kindesalter
Entgegen
früheren Erkenntnissen können auch Kinder unter
12 Jahren von Narkolepsie betroffen sein. Die Symptome sind
die gleichen, wie unter "Krankheitsbild" beschrieben.
Es kommt vor, dass im Frühstadium nur vereinzelte Symptome
erkennbar sind, beziehungsweise diagnostiziert werden.
Nach
einer 1994 veröffentlichten Studie (Callemel MJ.et
al Sleep 17 517-20) gaben 34% von 215 befragten erwachsenen
Narkolepsie-Betroffenen an, dass sie bereits vor ihrem 15.Lebensjahr
die ersten Symptome gehabt haben.
Nach
einer Studie der Hamburger Universität leidet jedes
5.Kind in Deutschland an einer Schlafkrankheit, Schlafstörung
oder ist durch Folgen von einem falschen Schlafverhalten
(was nicht immer mit zu langem Fernsehn am Abend, zusammen
hängen muss), seelisch belastet (WDR4 07.01).
Die
neuesten Studien besagen, dass 50 bis 60 pro 100.000 Menschen
in Deutschland von Narkolepsie betroffen sind. Gehen wir
davon aus, dass die Dunkelziffer mit 90% mit nicht, - oder
falsch - diagnostizierter Patienten, ungewöhnlich hoch
ist (Mayer,Nark.2000), leben in der Bundesrepublik bei 34%
Anteil, ungefähr 15.000 Kinder mit Narkolepsie. Wir
gehen davon aus, dass bisher nicht mehr als 1 - 2 % aller
Fälle bekannt, beziehungsweise richtig diagnostiziert
wurden.
Am häufigsten tritt zunächst eine Hypersomnie
(Tagesschläfrigkeit) auf.
Diese
Kinder werden in der Regel als hyperkinetisch bezeichnet.
Aufmerksamkeitsstörungen und motorische Hyperaktivität
führen in der Regel zu Entwicklungsbeeinträchtigungen,
sowie zu sozialen Auffälligkeiten in Familie, Schule
und bei Gleichaltrigen.
Erst
nach der Pubertät, manches Mal auch später, entwickeln
sich alle Symptome zur kompletten Narkolepsie.
Äusserst
selten verschwinden im Alter ab ca. 30 Jahren alle Symptome.
Man spricht dann vom "Kleine-Levin-Syndrom".
Quelle:
Deutsche Narkolepsie-Gesellschaft e. V. Landesverband Bayern
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