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Multiples Myelom: Tumorzellen forcieren Abbau der Knochen
17.01.2005 - Das Multiple Myelom ist eine bösartige Krebserkrankung des Knochenmarks. Fatal für die Patienten: Die Tumorzellen und die knochenabbauenden Zellen treiben sich gegenseitig zu größerer Aktivität an. Diesen Mechanismus erforschen Mediziner von der Uni Würzburg. Ihr Projekt wird von der Wilhelm-Sander-Stiftung (München) finanziell gefördert. Das Multiple Myelom greift die Knochensubstanz an vielen Stellen des Skeletts an, vor allem an Wirbelsäule, Rippen und Schädel. Es kann dadurch zu plötzlichen Knochenbrüchen kommen, die zunächst an eine Osteoporose erinnern. Weitere Symptome sind Gelenk- und Knochenschmerzen sowie auffällige Blut- oder Urinwerte. An dieser Form von Knochenmarkkrebs erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 5.000 Menschen. Die Betroffenen sind vorwiegend über 60 Jahre alt.
Für das bösartige Wachstum des Myeloms spielt dessen Umgebung eine zentrale Rolle, wie Ralf Bargou und Kurt Bommert von der Medizinischen Klinik II der Uni Würzburg erklären. Die Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die so genannten Stromazellen des Knochenmarks die Krebszellen schützen können. Sie verhindern nämlich eine Art Selbstmordprogramm, mit dem sich beschädigte Zellen, wie sie zum Beispiel in Tumoren vorkommen, selber beseitigen können. Außerdem sind die Stromazellen an der Entstehung von Resistenzen beteiligt - die Chemotherapie bleibt dann wirkungslos, weil der Tumor gegen die Medikamente unempfindlich geworden ist.
"Einen noch ausgeprägteren Effekt haben möglicherweise Zellen, die am Knochenabbau beteiligt sind, die so genannten Osteoklasten", sagt Bargou. Diese Zellen werden durch das Aufeinandertreffen mit den Tumorzellen stimuliert und bauen dann verstärkt Knochen ab. Umgekehrt schützen auch die Osteoklasten die Krebszellen wirkungsvoll vor dem "Selbstmord".
"Die zwei Zelltypen scheinen sich also in einer Art Teufelskreis gegenseitig am Leben zu halten: Die bösartigen Zellen breiten sich aus, der Knochen wird immer mehr abgebaut", erklärt Bommert. Die Mechanismen, die dem zu Grunde liegen, seien bislang völlig ungeklärt. Darum wollen die Würzburger Forscher im Detail herausfinden, welche Vorgänge zwischen den Tumorzellen und den Osteoklasten ablaufen. Eine gezielte Blockade dieser Signale könnte womöglich den Teufelskreis durchbrechen und die Therapie verbessern.
Quelle:
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Nebenwirkungen der Chemotherapie zum Teil genetisch bedingt
Bonn (ots) - 08.12.2005 - Im Kampf gegen den Krebs sind Anthrazykline ein effektives Mittel. Allerdings verursachen diese Chemotherapeutika zum Teil erhebliche Nebenwirkungen: Bei einigen Patienten führen die Medikamente zu Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) haben jetzt herausgefunden, dass unsere Gene die Wirkung der Anthrazykline beeinflussen. Patienten mit bestimmten Erbanlagen haben ein besonders hohes Risiko, an einer Herzschwäche zu erkranken, wenn sie mit Anthrazyklinen behandelt werden. Wenn sich das Ergebnis in weiteren Studien bestätigen lässt, könnte in der Zukunft die Gefährdung der Patienten mithilfe eines einfachen genetischen Tests vor Therapiebeginn bestimmt und die Behandlung dementsprechend angepasst werden. Von den etwa 200.000 Krebspatienten, die jährlich mit Anthrazyklinen behandelt werden, entwickeln ungefähr 10.000 bis 12.000 diese Nebenwirkung, die häufig tödlich endet.
Quelle: Photocase
Das Forscherteam aus Pharmakologen, Biologen und Medizinern untersuchte die Gene von insgesamt 1.697 Patienten, die unter einer Form von Lymphdrüsenkrebs, dem Non-Hodgkin Lymphom, leiden. Insgesamt fanden die Wissenschaftler fünf Erbanlagen, die nach Anthrazyklin-Einnahme das Risiko eines Herzversagens erheblich erhöhen. Drei dieser Genveränderungen begünstigen die Entstehung von giftigen Sauerstoffverbindungen in der Zelle, wenn gleichzeitig Anthrazykline vorliegen. Da Herzmuskelzellen kaum Enzyme besitzen, die diese zerstörerischen Sauerstoffverbindungen beseitigen, richten diese Moleküle bei ihnen besonders großen Schaden an. Zwei weitere genetische Varianten betreffen Transport-Proteine in der Außenmembran der Zellen. Anthrazykline, die nicht nur für Krebszellen, sondern auch für normale Körperzellen giftig sind, werden normalerweise über solche Transportproteine schnell aus der Zelle herausbefördert. Die Ergebnisse der NGFN-Wissenschaftler deuten darauf hin, dass dieser Schutzmechanismus bei einigen Menschen nicht optimal funktioniert. Das könnte vor allem die Herzmuskel-Zellen schwächen. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Circulation" veröffentlicht.
Die NGFN-Forscher wollen nun die molekularen Vorgänge genauer analysieren, die zu Schädigungen des Herzmuskels führen, damit die Forschungsergebnisse möglichst bald für die Diagnose eingesetzt werden können. "Unser Ziel ist es, das Risiko für eine Herzinsuffizienz bereits vor der Therapie zu bestimmen. Der Arzt könnte dann die Behandlung individuell auf den Patienten abstimmen, so dass das Herz möglichst wenig geschädigt wird", erklärt Professor Leszek Wojnowski, Leiter der durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie. "Außerdem hoffen wir, auch die herzschädigenden Wirkungen anderer Medikamente und das Herzversagen insgesamt besser zu verstehen". Im Rahmen des NGFN unterstützt das BMBF krankheitsorientierte Genomforschung in Deutschland seit dem Jahr 2001.
Quelle: NGFN
Grenzen der Chemotherapie - Beschwerden lindern, heilen helfen - oder abbrechen
Baierbrunn - 18.03.2005 (ots) - Die Einschätzung über den Stellenwert der Chemotherapie ändert sich. "Die Zeiten, in denen allein zählte, ob der Tumor schrumpft, sind vorbei", sagte der Jenaer Krebsexperte Prof. Dr. Klaus Höffken im Apothekenmagazin "Gesundheit".
Bild: photoCase
Wenn etwa starke Nebenwirkungen den Patienten quälen, ohne dass noch Aussicht auf Heilung besteht, solle die Chemotherapie abgebrochen werden. Höffken warnt aber davor, die Fortschritte zu übersehen, die diese Behandlungsform erlebt hat. Auch lindere die Chemotherapie häufig Beschwerden direkt. Er nennt als Beispiele Schmerzen durch eingeklemmte Nerven oder Atembeschwerden, die durch das Schrumpfen der Tumoren gebessert werden. Dann sei Chemotherapie "oft die effektivste Schmerztherapie". Auch die Möglichkeit einer ambulanten Behandlung, um den Alltag zuhause verbringen zu können, kann ein wichtiges Kriterium für Patienten sein. "Den Ausschlag gibt aber, ob es ihnen mit der Therapie besser oder schlechter geht", resümiert der Jenaer Onkologe.
Quelle:
Wort und Bild - Gesundheit
DER SPIEGEL verunsichert Krebspatienten durch Halbwahrheiten
Chemotherapie ist keine "Giftkur ohne Nutzen"
28.10.2004 - Die Chemotherapie fortgeschrittener Karzinome von Brust, Lunge, Darm und Prostata sei völlig nutzlos, die Überlebenszeit habe sich in den vergangenen 26 Jahren durch diese Medikamente nicht erhöhen lassen. So berichtet der SPIEGEL in seinem Wissenschaftsteil am 4. Oktober 2004. Der Bericht stützt sich wesentlich auf Aussagen des Münchner Epidemiologen Prof. Dr. Dieter Hölzel.
Dieser Artikel bedarf aus fachärztlicher Sicht einer umfassenden Richtigstellung, da er durch unzulässige Verknüpfung von Halbwahrheiten eine destruktive Manipulation des Lesers betreibt. Hierdurch werden Patienten massiv verunsichert und möglicherweise von einer hilfreichen Therapie abgehalten.
Richtig ist, dass die moderne Onkologie bei den häufigsten Tumorerkrankungen wie Brustkrebs, Lungenkrebs, Dickdarmkrebs und Prostatakrebs (nicht zu vergessen die Krebserkrankungen von Speiseröhre, Kehlkopf, Harnblase, Melanom) im fortgeschrittenen Stadium bislang keine breitenwirksame Therapie anbieten kann. Die globalen Mortalitätsstatistiken sind ernüchternd.
Falsch sind sämtliche Folgerungen, die der Autor aus dieser Tatsache in seinem Artikel zieht.
Falsch ist, die onkologische Therapie, insbesondere die Chemotherapie, deshalb global in Frage zu stellen, da sie in der Hand des erfahrenen Onkologen unter strenger Erfolgskontrolle bei selektionierten Patienten spektakuläre Erfolge und langanhaltende symptomatische Verbesserungen bewirken kann.
Falsch ist, zu unterstellen, dass der moderne Tumorpatient ein unbedarftes, wehrloses Subjekt darstellt, mit dem der Arzt alles machen kann. In der modernen Onkologie werden die Patienten umfassend aufgeklärt und sind als mündige Partner bei der Therapieentscheidung ständig maßgeblich beteiligt. Eine unwirksame Therapie wird nach 6-8 Wochen beendet.
Falsch ist die Behauptung, bei der modernen Chemotherapie würden schwere Nebenwirkungen bewusst in Kauf genommen, um diese wieder mit aufwendigen Methoden behandeln zu können. Schwere Nebenwirkungen werden generell nur dann in Kauf genommen, wenn bei der Behandlung potenziell eine Heilungsaussicht besteht. Bei der sogenannten palliativen Chemotherapie stehen Symptomlinderung und hohe Lebensqualität ganz im Vordergrund.
Falsch ist die Erwartung, Auswirkungen neuer Therapieverfahren auf die Mortalitätsstatistik innerhalb kurzer Zeit feststellen zu können. Die teuren neuen Verfahren (z.B. Taxane, Antikörper) wirken sich in der Kohorte bis 2002 sicher noch nicht aus.
Die onkologische Therapie gehört in die Verantwortung erfahrener Spezialisten, die unter Abwägung von Nutzen und Schaden dem einzelnen Patienten die optimale Therapie zukommen lassen und überflüssige, ineffektive Behandlungen vermeiden.
ots Originaltext: POMME-med GmbH
Was versteht man unter Chemotherapie?
Grundsätzlich
versteht man unter Chemotherapie die medikamentöse Behandlung
mit chemischen Substanzen, die Infektionserreger wie Bakterien
oder Pilze und Tumorzellen zu schädigen vermögen. Die verwendeten
Medikamente werden entweder synthetisch hergestellt oder
sind Abkömmlinge von in der Natur vorkommenden Substanzen.
Entscheidend ist, dass sie ihre schädigende Wirkung gezielt
auf bestimmte krankheitsverursachende Zellen bzw. Mikroorganismen
ausüben und diese abtöten oder in ihrem Wachstum hemmen,
während normale Körperzellen weniger oder idealerweise gar
nicht von dieser Wirkung betroffen werden. In der Infektionstherapie
heißen diese Substanzen z.B. Antibiotika, in der Krebsbehandlung
Zytostatika.
Wann kommt eine Chemotherapie bei Krebserkrankungen in Frage?
Bösartige
Tumoren können sich über die Lymph- und Blutbahnen ausbreiten
(lymphogene und hämatogene Metastasierung). Haben sich schon
Metastasen in anderen Organen des Körpers abgesiedelt oder
besteht der Verdacht, daß dies geschehen sein könnte, dann
reichen die lokalen Behandlungsformen Operation und/oder
Bestrahlung allein nicht mehr aus, um die weitere Ausbreitung
der Krebserkrankung zu stoppen. Bösartige Erkrankungen der
Blut- oder Lymphzellen (Leukämien und maligne Lymphome)
breiten sich von Anfang an schnell über den ganzen Körper
aus, sodass hier eine lokale Therapie nur selten sinnvoll
ist. In diesen Fällen muss die Behandlung den gesamten Organismus
erfassen, was durch Verabreichung von speziellen Medikamenten,
nämlich Chemotherapeutika oder Zytostatika, möglich ist.
In manchen Fällen kann eine zusätzliche Chemotherapie nach
der chirurgischen Entfernung des Tumors das Rückfallrisiko
senken (sogenannte ergänzende oder adjuvante Chemotherapie).
Auch vor der Operation kann eine Chemotherapie bei einigen
Krebsformen die Behandlungsergebnisse verbessern, indem
der Tumor vor dem Eingriff verkleinert wird.
Welche Medikamente werden eingesetzt?
Bei
der Krebschemotherapie werden Substanzen eingesetzt, die
das Wachstum von Tumorzellen auf verschiedene Weise hemmen
können. Zytostatika entfalten ihre Wirkung überwiegend im
Zellkern, der Steuerzentrale der Zelle.
Wie wird eine Therapie mit Zytostatika durchgeführt?
Die
Zytostatikatherapie ist in der Regel eine Intervallbehandlung:
Auf eine Behandlungsphase folgt jeweils eine Behandlungspause.
Diese Abfolge nennt man "Zyklus" oder "Kurs".
Wie lange ein solcher Zyklus dauert, ist unterschiedlich
und hängt maßgeblich von den verabreichten Medikamenten
ab. Die Behandlungspause zur "Erholung" und Regeneration
zwischen den Zytostatikagaben ist erforderlich, weil die
Medikamente eben doch nicht so ausschließlich auf Krebszellen
wirken, sondern auch Zellen anderer Körpergewebe schädigen
können, die sich wie Krebszellen besonders schnell teilen.
Dazu gehören in erster Linie die Zellen des Knochenmarks,
die Haarwurzeln und die Schleimhaut im Mund und im Magen-Darm-Trakt.
Die Medikamente werden als Tabletten oder als intravenöse
Injektion bzw. Infusion verabreicht. Man gibt entweder einzelne
Substanzen (Monochemotherapie) oder auch geeignete Kombinationen
verschiedener Zytostatika (Polychemotherapie). In einzelnen
Fällen wird auch die gezielte Einspritzung von Zytostatika
in Körperhöhlen oder in die Blutgefäße der Tumorregion bzw.
des Organs, in dem der Tumor sitzt, angewendet (regionale
Chemotherapie). Dabei können die Medikamente entweder in
Körperhöhlen oder über einen Katheter in die zu den befallenen
Organen oder Körperbereichen führenden Blutgefäße gespritzt
werden. Wird das erkrankte Organ unter Abschluss vom übrigen
Kreislauf mit Zytostatika durchströmt, spricht man von regionaler
Perfusion. Die Medikamente gelangen dann gar nicht in den
übrigen Körper, sondern werden direkt wieder abgeleitet.
Zur Durchführung der Therapie sind manchmal kurzfristige
Krankenhausaufenthalte erforderlich, damit der behandelnde
Arzt die Wirksamkeit der Therapie überprüfen und gleichzeitig
die Nebenwirkungen überwachen und behandeln kann. Sofern
keine sonstigen Gründe einen Krankenhausaufenthalt notwendig
machen, kann die Behandlung jedoch oft auch ambulant durchgeführt
werden.
Wann kommt eine regionale Chemotherapie in Frage?
Die
Gabe von Zytostatika in Körperhöhlen wird in einigen Fällen
bei Wasseransammlungen im Bauch- oder im Brustraum durch
Tumorbefall des Bauch- oder des Lungenfells angewendet.
Um das Rückfallrisiko bei Blasenkarzinomen zu senken, kann
nach der chirurgischen Entfernung des Tumors in bestimmten
zeitlichen Abständen ein Zytostatikum in die Blase gegeben
werden.
Die regionale Perfusion mit Abkopplung des zu durchströmenden
Gebietes vom Kreislauf kommt besonders bei malignen Melanomen
(Hautkrebs) an Armen oder Beinen in Frage, wenn sich bereits
Absiedlungen in der Umgebung gebildet haben. Die regionale
Zytostatikainfusion wird unter anderem zur Behandlung von
Lebermetastasen bei Darmkrebs durchgeführt, aber nur dann,
wenn in anderen Organen keine Metastasen vorliegen. Die
Medikamente werden über ein Kathetersystem direkt in die
Leberarterie gespritzt.
Im Prinzip gibt es für die regionale Chemotherapie eine
große Zahl möglicher Einsatzbereiche. So können z.B. Beispiel
Brusttumoren vor der Operation durch lokale Chemotherapie
so verkleinert werden, so daß danach eine brusterhaltende
Therapie (brusterhaltende Operation bei Brustkrebs) möglich
ist. Auch im Hals-Nasen-Ohren- und im Beckenbereich wird
die lokale Chemotherapie in bestimmten Fällen angewendet.
Welche Vorteile hat die regionale Chemotherapie?
Der
Hauptvorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass eine
wesentlich höhere Dosis an Medikamenten an den Tumor herangebracht
werden kann als bei Gabe in eine Armvene. Damit kann der
Tumor oft wirksamer verkleinert werden. Bei der regionalen
Perfusion werden darüber hinaus auch die unerwünschten Wirkungen
der Zytostatika auf den übrigen Körper vermieden, da die
Medikamente gar nicht in den Kreislauf gelangen. Ob sich
dadurch auch die Heilungsraten verbessern lassen, ist allerdings
in den meisten Fällen bisher nicht erwiesen.
Wie wirksam ist die Chemotherapie bei Krebserkrankungen?
Die
verschiedenen Krebserkrankungen sprechen sehr unterschiedlich
auf eine Chemotherapie an. Beispiele für Tumorarten, bei
denen eine Zytostatikatherapie zu dauerhaften Heilungen
führen können, sind einige maligne Lymphome, Hodentumoren
oder das Chorionkarzinom. Besonders gut sind die Ergebnisse
aber bei der Behandlung von Tumoren im Kindesalter: Hier
sind etwa bei akuten Leukämien, die vor Einführung der Chemotherapie
unausweichlich tödlich verliefen, dauerhafte Heilungen bei
durchschnittlich 70% der Kinder möglich. Bei anderen Tumoren
lässt sich die Tumormasse zumindest vorübergehend verkleinern,
Beschwerden können gut gebessert werden. Das ist z.B. beim
kleinzelligen Bronchialkarzinom, bei Tumoren des Mund- und
Kieferbereichs, bei Brust- und Eierstocktumoren der Fall.
Eine Heilung wird durch die Chemotherapie zwar nicht erreicht,
aber evtl. kann der Verlauf gebremst werden. In diesen Fällen
nennt man die Zytostatikabehandlung "palliativ",
d.h. lindernd. Es gibt jedoch auch verschiedene Krebserkrankungen,
die auf eine Chemotherapie weniger gut ansprechen, beispielsweise
das Nierenzellkarzinom oder einige Tumoren des Verdauungstrakts.
Wie wird entschieden, ob eine Behandlung mit Zytostatika in Frage kommt?
Die
Entscheidung zur Anwendung dieser Therapieform wird immer
individuell getroffen. Wichtige Faktoren sind Art und Stadium
der Tumorerkrankung sowie der körperliche Zustand des Patienten.
Vor Behandlungsbeginn muss stets eine Nutzen-Risiko-Abwägung
erfolgen. Die Belastung des Patienten durch die Behandlung
sollte keinesfalls den Nutzen überwiegen.
Eine Chemotherapie kommt zum einen dann in Frage, wenn man
sich davon eine Erhöhung der Heilungschance verspricht,
zum anderen wenn die chirurgischen und strahlentherapeutischen
Möglichkeiten erschöpft sind und bereits Metastasen in anderen
Organen bestehen. Im letzteren Fall sollte die Behandlung
mit Zytostatika allerdings nur dann zum Einsatz kommen,
wenn sich für den Patienten dadurch ein Nutzen ergibt, etwa
durch Verhinderung von Komplikationen, Besserung von krankheitsbedingten
Beschwerden, Schmerzen und des Allgemeinbefindens. Wenn
durch die Chemotherapie keine Heilung erreicht werden kann,
steht die Erhaltung der Lebensqualität im Vordergrund.
Wie wird der Erfolg einer Chemotherapie beurteilt?
Eine
Chemotherapie wird als erfolgreich angesehen, wenn
- sich
die Tumormasse verkleinert, was durch Röntgenuntersuchungen,
Szintigraphie, Computertomographie oder Sonographie (Ultraschalluntersuchung)
objektiv messbar ist;
- sich
Beschwerden, Schmerzen und das subjektive Befinden des
Patienten bessern, etwa
durch Steigerung der Leistungsfähigkeit und Appetitzunahme.
Welche Nebenwirkungen können bei der Zytostatikatherapie auftreten?
Die
verschiedenen zur Chemotherapie eingesetzten Medikamente
können eine Vielzahl verschiedener unerwünschter Wirkungen
haben. Zu den häufigsten akuten Nebenwirkungen, die bei
sehr vielen Zytostatika auftreten können, zählen Übelkeit
und Erbrechen, Müdigkeit, Schleimhautentzündungen, Haarausfall
und Blutbildveränderungen durch Schädigung des Knochenmarks.
Besonders betroffen sind die weißen Blutkörperchen. Sinkt
ihre Zahl stark ab, macht dies die Patienten vorübergehend
anfällig für Infektionen.
All diese Nebenwirkungen können von Fall zu Fall und je
nach Art der Chemotherapie sehr unterschiedlich ausgeprägt
sein. Heute stehen insbesondere gegen die für die Patienten
sehr belastende Übelkeit und das Erbrechen wirksame Medikamente
zur Verfügung, die prophylaktisch bereits vor Beginn der
Therapie gegeben werden. Wenn es erforderlich ist, kann
auch die Schädigung des Knochenmarks durch die Gabe von
Substanzen, die Blutzellen zum Wachstum anregen, abgemildert
und die Regeneration beschleunigt werden (Wachstumsfaktoren
der Blutbildung). Der Haarausfall lässt sich kaum wirkungsvoll
vermeiden, aber die Haare beginnen schon nach kurzer Zeit
wieder zu wachsen.
Verursacht die Chemotherapie langfristige Schäden?
Die
meisten behandlungsbedingten Nebenwirkungen bilden sich
relativ rasch wieder zurück, aber einige können auch bestehen
bleiben. Dazu zählen z.B. Schädigungen des Nervensystems,
des Herzmuskels oder des Lungengewebes. Bei einigen Medikamenten
weiß man, dass eine Höchstdosis nicht überschritten werden
darf, weil sonst bleibende Störungen die Folge sind. Oft
ist aber auch nicht vorauszusagen, ob und wann sich chronische
Schäden entwickeln.
Zusätzlich haben die Zytostatika selbst ein krebserzeugendes
Potential - die einen mehr, die anderen weniger. Das hat
damit zu tun, daß Zytostatika ihre Wirkung meist durch Schädigung
der DNS, des Trägermoleküls des Erbguts in jeder Zelle,
entfalten. Solche Veränderungen an gesunden Zellen können
noch nach vielen Jahren Ausgangspunkt einer zweiten Krebserkrankung
sein, auch wenn der Patient von seinem ersten Tumor völlig
geheilt ist. Je wirkungsvoller die Chemotherapie heute durchgeführt
werden kann und je mehr Patienten durch sie geheilt werden
bzw. eine deutliche Lebensverlängerung erfahren, desto größer
wird das Risiko, dass irgendwann ein Zweittumor auftritt.
Wie häufig sind Zweitkrebse nach Chemotherapie?
Die
Abschätzung des Risikos ist nicht einfach, weil oft mehrere
Faktoren zusammenspielen und eine zweite Krebserkrankung
dadurch nicht ohne weiteres auf die frühere Chemotherapie
zurückgeführt werden kann. Auch kann man bei vielen neueren
Zytostatika, bei Kombinations-therapien und auch bei den
heute immer häufiger durchgeführten Hochdosischemotherapien
das langfristige Risiko noch gar nicht überblicken.
Am häufigsten sind es akute Leukämien, die innerhalb von
zehn Jahren nach Chemotherapie - vor allem mit Zytostatika,
die die DNS direkt schädigen (besonders bei sog. Alkylanzien)
- auftreten können. Nach noch längerer Zeit können sich
auch verschiedene Organtumoren entwickeln, z.B. in der Lunge.
Bei Patienten, die wegen eines Hodgkin-Lymphoms (Maligne
Lymphome) behandelt wurden, hat man bisher diesbezüglich
die umfangreichsten Erfahrungen gesammelt: Die geheilten
Patienten haben innerhalb der ersten zehn Jahre nach der
Behandlung ein 20- bis 40fach erhöhtes Risiko, an einer
akuten Leukämie zu erkranken. Danach vermindert sich das
Risiko wieder. An einem Organtumor, meist der Lunge, erkranken
bis zu 15% der geheilten Patienten.
Das ist in der Tat nicht wenig. Bei der Bewertung dieser
Zahlen muss man aber berücksichtigen, dass die Menschen,
bei denen eine solcher Zweitkrebs auftritt, ohne die frühere
Chemotherapie mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits vorher
an der ersten Krebserkrankung verstorben wären. Es sind
also gerade die Patienten, die an einem Zweittumor erkranken,
die von der früheren Chemotherapie am meisten profitiert
haben; indem sie nämlich von ihrer ersten Krebserkrankung
geheilt wurden.
Was kann man tun, um die Risiken der Chemotherapie zu verringern?
Um
die Risiken der Chemotherapie so gering wie möglich zu halten,
darf sie nur von besonders ausgebildeten Ärzten durchgeführt
werden, die die Substanzen genau kennen und wissen, wie
Nebenwirkungen vorgebeugt werden kann bzw. wie sie behandelt
werden. Auch müssen individuelle Risikofaktoren beim Patienten
berücksichtigt werden, nach denen man oft abschätzen kann,
wie hoch das Risiko für unerwünschte Wirkungen ist. Ganz
allgemein gilt, dass die Entscheidung für die Anwendung
einer Chemotherapie bei Krebs sehr kritisch getroffen werden
muss. Eine besondere Bedeutung kommt der Nutzen-Risiko-Abwägung
zu. Zytostatika sollten nur dann eingesetzt werden, wenn
Vorteile für den Patienten zu erwarten sind, z.B. Heilung,
Verlängerung der Überlebenszeit, Verhinderung von tumorbedingten
Komplikationen oder Linderung von Schmerzen.
Die Bemühungen der Forschung gelten der Entwicklung
neuer Medikamente mit weniger Nebenwirkungen und gezielterer
Wirkung auf Krebszellen sowie neuen Therapiekonzepten, die
nicht das Erbgut schädigen. Auch nach "Schutzfaktoren",
also Substanzen, die die Nebenwirkungen von Zytostatika
auf Organe verhindern könnten, wird intensiv gesucht.
Chemotherapie: Besser als ihr Ruf
Vom
Status quo einer etablierten Behandlungsmethode
Chemotherapie
- allein das Wort flößt Angst ein. Doch dank dieser Behandlungsmethode
konnten in den vergangenen Jahren die Heilungschancen bei
vielen Krebsarten deutlich verbessert werden. Außerdem sind
die stark belastenden Nebenwirkungen heute viel besser zu
behandeln als früher. Wie stark eine Chemotherapie den Patienten
beeinträchtigt, ist von der Länge der Behandlung und von
der Wahl sowie der Dosierung des Zytostatikums abhängig.
Aber auch der eigene Umgang mit der Krebserkrankung und
die Akzeptanz einer Zytostatika-Therapie haben Auswirkungen
auf die Schwere der begleitenden Belastungen.
"Ich
habe furchtbare Angst vor einer Chemotherapie. Sie soll
doch den Körper ganz kaputt machen", schildert die leukämiekranke
Ulrike P. einer Mitarbeiterin des Informations- und Beratungsdienstes
der Deutschen Krebshilfe. Mit dieser Angst ist Ulrike P.
nicht allein. Doch oftmals helfen grundlegende Informationen,
um die Furcht vor einer Chemotherapie zu lindern.
Krebszellen
teilen sich ohne Kontrolle. Methotrexat, Paclitaxel und
Treosulfan: Hinter diesen Namen verbergen sich chemische
Substanzen, die auf unterschiedliche Weise das Wachstum
bösartiger Zellen hemmen. Diese so genannten Zytostatika
kommen bei einer Chemotherapie zum Einsatz. Doch ihre Anwendung
gleicht meist dem Schuss mit einer Schrotflinte: Sie zerstören
die Tumorzellen, schädigen aber auch gesunde Zellen. Allerdings
können normale Zellen diese Schäden größtenteils wieder
reparieren.
Eine
Chemotherapie ist meist dann nötig, wenn sich ein bösartiger
Tumor über Blutgefäße und Lymphbahnen im ganzen Körper ausgebreitet
und Tochtergeschwülste gebildet hat. "Lokale Maßnahmen wie
Strahlentherapie und Operation reichen dann oft nicht mehr
aus", so Dr. Klaus Klingelhöfer, Facharzt für Innere Medizin
in St. Augustin und Mitglied des Medizinischen Beirates
der Deutschen Krebshilfe. Darüber hinaus werden Zytostatika
bei allen systemischen Krebserkrankungen (Leukämie oder
bösartige Lymphome) verabreicht. Eine Chemotherapie kann
außerdem vor einer geplanten Operation durchgeführt werden,
um den Tumor zu verkleinern und damit den Eingriff zu erleichtern.
Zytostatika können schließlich auch eingesetzt werden, um
der Entstehung von Tochtergeschwülsten vorzubeugen.
Allen Chemotherapeutika ist gemein, dass sie die Zellteilung verhindern. Doch dieses Ziel erreichen die einzelnen Substanzklassen auf unterschiedlichen Wegen: Die Wirkstoff-Gruppe der so genannten Antimetabolite unterbindet die Herstellung bestimmter Grundbausteine der Erbsubstanz (DNA). Dadurch verlieren die Zellen die Fähigkeit, das Erbmaterial zu verdoppeln, und einer der ersten Schritte auf dem Weg zur Zellteilung wird blockiert. Ähnlich früh greifen auch die "Topoisomerase-Hemmer" in den Zellzyklus ein: Sie hemmen ein Protein, das die DNA auf ihre Verdopplung vorbereitet. "Alkylierende Wirkstoffe" verändern die Bausteine der Erbsubstanz dagegen so, dass die DNA auseinander bricht. Die Zelle leitet dann ihren Selbstmord ein. Ein ganz anderes Wirkprinzip verfolgen die "pflanzlichen Alkaloide": Sie hemmen ein Protein, das hilft, die verdoppelten Erbanlagen in der neuen Tochterzelle unterzubringen.
Jede
Krebserkrankung ist anders. Daher sprechen die verschiedenen
Tumorarten auch sehr unterschiedlich auf eine Chemotherapie
an. Einige maligne Lymphome und Hodentumoren können oftmals
allein durch den Einsatz von Zytostatika geheilt werden.
Besonders gut sind die Ergebnisse bei der Behandlung von
Tumoren im Kindesalter: 70 Prozent der Kinder mit akuter
Leukämie können mittlerweile durch eine Chemotherapie dauerhaft
geheilt werden. Bei anderen Krebsarten wie Lungen-, Brust-
oder Eierstocktumoren lässt sich die Geschwulst mittels
Zytostatika zumindest verkleinern. Nierenzellkarzinome,
Prostatakrebs und einige Tumoren des Verdauungstraktes sprechen
dagegen weniger gut auf eine Chemotherapie an.
Es
gibt viele Gründe für eine Chemotherapie. Und so viele Indikationen
es gibt, so unterschiedliche Behandlungskonzepte gibt es
auch: Für die verschiedenen Krebserkrankungen kommen unterschiedliche
Zytostatika zum Einsatz. Es werden einzelne Chemotherapeutika
oder Wirkstoff-Kombinationen angewendet. Die Substanzen
können in Infusionen, Spritzen, Kapseln oder Tabletten enthalten
sein. Sie werden meist ambulant in einer Arztpraxis oder
aber im Rahmen eines Klinikaufenthaltes verabreicht. Nach
der Medikamenten-Gabe folgen zwei bis vier Wochen Pause
bis zur nächsten Anwendung. In dieser Zeit entfalten die
Medikamente ihre Wirkung und der Körper kann sich von möglichen
Nebenwirkungen erholen. Eine Patientin: "Der zweite Tag
nach Verabreichung der Zytostatika war für mich wie die
Hölle. Mir war andauernd übel und ich musste mich sehr häufig
übergeben. Doch mit jedem Tag wurde es besser." Große Unterschiede
gibt es bei der Dauer der Behandlung: Die Verabreichung
der Zytostatika kann einmalig oder über Jahre mehrfach nötig
sein.
Thema Nummer eins:
Die Nebenwirkungen
Abhängig
vom Behandlungsprotokoll unterscheiden sich auch die möglichen
Nebenwirkungen voneinander. Doch die wenigsten Patienten
wissen dies. Eine Mitarbeiterin des Infodienstes der Deutschen
Krebshilfe berichtet: "Für viele Krebspatienten ist Chemotherapie
gleich Chemotherapie - dabei ist die Behandlung einer Leukämie
sehr viel belastender und langwieriger als etwa eine Zytostatikatherapie,
die zur Operationsvorbereitung dient." Allerdings sind mögliche
Nebenwirkungen für jeden einzelnen Patienten nicht genau
voraussagbar. Beispiel Ulrike P.: Die Krebspatientin verbindet
mit einer Chemotherapie mehr Leid als mit der Krebserkrankung
selbst. Sie akzeptiert die Behandlung nicht als mögliche
heilbringende Therapieform. Doch auch diese Einstellung
und der Umgang mit der eigenen Krebserkrankung können Auswirkungen
auf den Schweregrad der begleitenden Belastungen haben.
Unbestritten
ist: Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind sehr unangenehm
und belastend. "Die meiste Angst haben die Patienten vor
Übelkeit und Erbrechen", berichtet Dr. Klingelhöfer. "Doch
gerade gegen diese Nebenwirkungen kann man heute mit Hilfe
von vorbeugenden Medikamenten etwas tun." Schleimhautentzündungen
und Haarausfall treten ebenfalls häufig während der Behandlung
auf. Auch sie liegen in der Wirkungsweise einer Chemotherapie
begründet: Zytostatika greifen Zellen an, die sich häufig
teilen. Dazu zählen neben den Krebszellen auch Schleimhautzellen
und die Zellen des Haarbalges. Schleimhautentzündungen und
Haarausfall sind jedoch nur vorübergehend: Werden die abgestorbenen
Zellen durch neue ersetzt, klingen die Entzündungen ab und
die Haare wachsen wieder nach.
Während
einer Chemotherapie können Übelkeit, Erbrechen, ein veränderter
Geschmackssinn sowie Schleimhautentzündungen zu Appetitlosigkeit
und damit zu Gewichtsverlusten führen. Eine Chemotherapie
kann auch die Abwehrkraft gegenüber Infektionen schwächen.
Der Grund: Die Zahl der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen
verringert sich. Heutzutage gibt es aber Medikamente, die
eine zu starke Verminderung der Blutbestandteile beheben.
Neben diesen häufigen akuten Nebenwirkungen gibt es seltene
Begleiterscheinungen, die abhängig vom jeweiligen Zytostatikum
auftreten können. Hierzu zählen Nervenschädigungen, Allergien,
Herzschäden sowie Nieren- und Blasenstörungen. Doch es gibt
viele Möglichkeiten, auch gegen diese Störungen etwas zu
tun.
Die
moderne Chemotherapie hat die Behandlung bösartiger Erkrankungen
erleichtert und verbessert. Dennoch wollen viele Patienten
nichts mit dem "Teufelszeug" zu tun haben, sie fragen nach
Alternativen wie Enzym- oder Misteltherapie. Diese Behandlungsformen
können eine Chemotherapie aber nicht ersetzen. Dr. Klingelhöfer:
"Vielleicht stellt sich die Frage nach Alternativen nicht
mehr, wenn es den Wissenschaftlern gelingt, die Zytostatika
so zu verändern, dass möglichst viele erwünschte bei möglichst
wenigen unerwünschten Wirkungen erzielt werden können."
Lebenshilfe für den Chemotherapiealltag
-
Kein Alkohol
- Nicht rauchen
- Viel trinken
- Auf säurehaltige, scharf gewürzte Nahrungsmittel verzichten
- Bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenbereich
auf besondere Mundhygiene achten (Mundspülungen, häufiges
Zähneputzen)
- Appetitlosigkeit mit fünf bis sechs kleineren Mahlzeiten
am Tag begegnen
- Auf das Aussehen achten (z.B.: spezielle Schminkkurse
besuchen, Wellness-Angebote nutzen)
- Andere um Hilfe bitten, wenn man selbst erschöpft und
müde ist
- Selbsthilfegruppen aufsuchen
- Entspannen und Stress vermindern
Vorsicht bei "alternativen" Heilmethoden
Stephen Barrett, M. D.
Übersetzung
durch Neurologen & Psychiater des Saarlandes, Berufsverband
der Niedergelassenen e.V.
"Alternative
Medizin" lautet die politisch korrekte Bezeichnung
für fragwürdige Verfahren, die man früher als Quacksalberei
und Betrug bezeichnete. Im Laufe der letzten Jahre war die
Berichterstattung in den Medien zu diesem Thema von fehlender
Evaluation und einer kritiklosen Übernahme der Ansichten
der Befürworter einer solchen Medizin und auch von zufriedenen
Einzelpatienten geprägt.
Um
Verwirrung zu vermeiden, sollten "alternative"
Verfahren dahingehend unterteilt werden, dass man sie als
echte, experimentelle oder fragwürdige Alternativen kennzeichnet.
Echte Alternativen sind Verfahren, die einem Vergleich
mit herkömmlichen Methoden standhalten sowie wissenschaftlichen
Kriterien der Sicherheit und Wirksamkeit Genüge tun. Bei
experimentellen Alternativen fehlt der Nachweis ihrer
Wirksamkeit. Das Verfahren, das ihnen zugrundeliegt, ist
jedoch sinnvoll, und sie werden so erforscht, wie es bei
einem verantwortlichen Umgang mit der Medizin üblich ist.
Am geläufigsten ist der Einsatz einer 10%-Fett-Diät bei
der Behandlung von Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Fragwürdige
Alternativen entbehren jeder Grundlage, auch einer wissenschaftlichen
Erklärung. Das klassische Beispiel ist hier die Homöopathie,
deren Anhänger behaupten, die "Medizin", die so
verdünnt ist, daß sie keinerlei aktive Substanzen enthält,
könne enorme therapeutische Wirkungen entfalten. Manche
Verfahren gehören mehr als einer Kategorie an, je nachdem,
mit welchem Anspruch diejenigen auftreten, die sie befürworten.
Wenn die strikte Abgrenzung jedoch verwässert wird, können
die Befürworter der einen oder anderen Form von Quacksalberei
damit argumentieren, daß, wenn schon einige als "alternativ"
gekennzeichnete Verfahren als wirksam gelten, auch alle
anderen so beurteilt und akzeptiert werden müssen. Man weiß
aber genug, um zu der Überzeugung zu gelangen, daß die meisten
fragwürdigen "Alternativen" ohne jeden Nutzen
sind.
Die
"alternative Bewegung" ist Teil eines gesamtgesellschaftlichen
Trends, die Wissenschaft als Mittel der Wahrheitsfindung
immer mehr abzulehnen. Diese Bewegung stützt sich auch auf
die postmoderne
Doktrin, die besagt, daß die Wissenschaft nicht unbedingt
nützlicher sei als eine Pseudo-Wissenschaft. Mit dieser
Theorie geht die Meinung vieler Befürworter der "alternativen"
Bewegung einher, daß eine Medizin, die Anspruch auf Wissenschaftlichkeit
erhebt (und die sie als "allopathisch", "schulmedizinisch"
oder "herkömmlich" abqualifizieren), nur eine
von vielen Heilmethoden darstellt. Den Befürwortern der
"alternativen Medizin" wird häufig seitens der
Öffentlichkeit Sympathie entgegengebracht, wenn sie sich
als eine bedrohte Minderheit darstellen, die gegen ein selbstherrliches,
geschlossenes "Establishment" kämpft.
Die
Regeln der Wissenschaft verlangen von denjenigen, die Behauptungen
aufstellen, daß sie diese durch Beweise untermauern. Es
liegt an ihnen, geeignete Studien durchzuführen und diese
so detailliert zu dokumentieren, daß sie von anderen bewertet
und bestätigt werden können. Statt ihre Arbeit wissenschaftlichen
Maßstäben anzupassen, möchten die Befürworter fragwürdiger
"Alternativen" die Regeln ändern, nach denen sie
beurteilt und behandelt wird. Die Befürworter dieser "Alternativen"
geben teilweise Lippenbekenntnisse dazu ab, daß sie sich
an diese Maßstäbe halten. Sie ziehen jedoch der Objektivität
und schlüssigen Beweisen die persönliche Erfahrung, subjektive
Urteile und die Zufriedenheit des Einzelnen vor. Statt wissenschaftliche
Studien durchzuführen, verwenden sie persönliche Geschichten
und Erfahrungsberichte, um ihre Praktiken zu vermarkten,
und agieren politisch, um Kontrollbehörden außer Gefecht
zu setzen.
Wenn
sich jemand nach der Verwendung eines bestimmten Produkts
oder nach einer bestimmten Therapie besser fühlt, tendieren
wir häufig dazu, das auf die Behandlung zurückzuführen,
worin sie auch immer bestanden haben mag. Das ist jedoch
unklug, denn die meisten Erkrankungen verschwinden von selbst,
und hartnäckige Krankheiten können sich durch verschiedene
Symptome äußern. Selbst schwere Erkrankungen können so wechselhaft
auftreten, daß wertlose Verfahren Auftrieb erlangen. Außerdem
kann bei jeder beliebigen Behandlung eine zeitweilige Besserung
eintreten, und zwar durch den Placeboeffekt. Dieser Effekt
bedeutet, daß sich der Gesundheitszustand einer Person als
Reaktion auf eine Behandlung bessert, die eigentlich pharmazeutisch
oder physiologisch unwirksam ist. Ein Glaube an die Wirksamkeit
der Behandlung ist zwar keine Voraussetzung, aber der Placeboeffekt
kann durch solche Faktoren wie durch den Glauben, durch
eine Sympathie für eine Methode, durch sensationelle Behauptungen,
durch Erfahrungsberichte sowie durch pseudowissenschaftliche
Tabellen, Geräte und Terminologie verstärkt werden. Ein
weiteres Argument, das gegen vereinzelte Erfolgsmeldungen
spricht, ist die fehlende Berücksichtigung der anteiligen
Mißerfolge. Wer diese Fakten nicht kennt, schreibt fälschlicherweise
"alternativen" Verfahren schnell eine Wirkung
zu.
Wenn
ein "alternatives" Verfahren möglicherweise einen
Placeboeffekt auslöst, heißt das noch lange nicht, daß seine
Anwendung gerechtfertigt ist. Behandlungen müssen daran
gemessen werden, inwieweit sie physiologische Störungen
beheben können, nicht aber daran, daß sie unberechenbare
Placeboeffekte auslösen. Eine Placebobehandlung bringt es
mit sich, daß man in die Irre geführt werden kannDie Behandlung
mit einem Placebo ist von ihrer Natur her eine Irreführung,
denn Patienten können dabei den Eindruck bekommen, daß etwas
wirksam ist, was gar keine Wirkung hat. Ohne kontrollierte
klinische Studien kann jeder Behandlung eine Heilwirkung
zugeschrieben werden, obwohl möglicherweise lediglich eine
Selbstheilung des Körpers stattgefunden hat.
Was
in der Medizin als "Tatsache" gilt, entscheidet
sich in einem Prozeß, an dem mehrere Hunderttausend Wissenschaftler
beteiligt sind, die sich über ihre Beobachtungen und Schlußfolgerungen
miteinander austauschen. Den Redakteuren und Redaktionen
von Fachzeitschriften kommt hierbei eine besondere Rolle
zu, denn sie entscheiden, ob Ergebnisse wissenschaftlichen
Standards genügen und somit veröffentlicht werden können. Auch
Experten-kommissionen, die von Behörden, Berufsverbänden,
eingetragenen Vereinen im Gesundheitswesen und anderen Organisationen
einberufen werden, leisten dabei ihren Beitrag. Wenn es
zu einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung kommt, können
weitere Forschungsmaßnahmen eingeleitet werden, um den Sachverhalt
zu klären. Allmählich entwickelt sich so eine gemeinsame,
wissenschaftliche Lehrmeinung.
Viele
"alternative" Ansätze sind im sogenannten Vitalismus
verwurzelt, der Vorstellung, daß Körperfunktionen von einem
Lebensprinzips oder einer "Lebenskraft" gesteuert
werden. Dieses Prinzip oder diese "Kraft" soll
angeblich nichts mit den Kräften, die durch die Gesetze
der Physik und Chemie erklärt und durch wissenschaftliche
Methoden erfaßt werden können, zu tun haben. Ärzte, deren
Behandlung auf der vitalistischen Philosophie basiert, behaupten,
man solle "die Selbstheilungskräfte des Körpers stimulieren"
und nicht "die Symptome behandeln". So meinen
etwa Homöopathen, daß es dann zu einer Erkrankung komme,
wenn die "Lebenskraft" des Körpers geschwächt
sei, und sie glauben, daß sie eine derartige Schwäche durch
spezielle Medikamente aufheben können. Viele Akupunkteure
hingegen behaupten, die Ursache für Krankheiten sei es,
daß die stets fließende "Lebensenergie" (Chi
oder Qi genannt) nicht im Gleichgewicht sei, was
sie durch das Einführen von Nadeln in die Haut beheben wollen.
Viele Chiropraktiker behaupten, sie stimulieren die "angeborene
Intelligenz" des Körpers, indem sie an der Wirbelsäule
des Patienten Handgriffe vornehmen. Naturheilkundler sprechen
von der "Vis Medicatrix Naturae", der Heilkraft
der Natur. Ayurvedische Ärzte reden von "Prana."
Und so weiter. Die "Energien", deren Existenz
die Anhänger des Vitalismus postulieren, können mit wissenschaftlichen
Verfahren nicht gemessen werden.
Auch
wenn diese Vitalismus-Befürworter oft vorgeben, wissenschaftlich
vorzugehen, lehnen sie doch die wissenschaftliche Methode
ab und leugnen all ihre Prinzipien, wie zum Beispiel, daß
die Realität materieller Natur ist, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge
existieren oder daß Hypothesen überprüfbar sein müssen.
Sie halten persönliche Erfahrungen, subjektive Urteile und
die Zufriedenheit des Patienten für wichtiger als Objektivität
und schlüssige Beweise.
Manche
Anhänger der "alternativen Medizin" sind ausgebildete
Ärzte, die vom wissenschaftlichen Denken abgekommen sind.
Die Gründe dafür können zum Beispiel Enttäuschungen sein,
Fehlinterpretationen von eigenen Erfahrungen, finanzielle
Erwägungen oder aber der Wunsch, sich einen Namen zu machen
bzw. bei den Patienten eine Gefolgschaft zu finden.
Die
Anhänger einer "alternativen Medizin" behaupten
häufig, ihr Ansatz sei gut für die allgemeine Gesundheitsvorsorge
und erweise sich besonders bei chronischen Krankheiten als
kostengünstig. So hat in einem kürzlich erschienenen Artikel
der Vorsitzende der Amerikanischen Vereinigung für Ganzheitliche
Medizin (American Holistic Association) behauptet, wenn
man sich "einige Grundregeln für die Gesundheit zur
Gewohnheit macht", könne "eine Quelle der Körperenergie
erschlossen werden, die man als Zustand entspannter Vitalität
wahrnimmt." [2] Außer Gymnastik, einer ausgewogenen
Ernährung und genug Schlaf zählt empfiehlt er die Bauchatmung,
die Einnahme "eines nahrungsmittelergänzenden Antioxydants
sowie anderer Ergänzungspräparate" sowie, "die
Fähigkeit des Körpers, Bioenergie zu empfangen und abzugeben,
zu stärken", was durch regelmäßige Akupunkturbehandlungen,
Akupressur, Gesundheits-Touch, Parasympathikustherapie,
Quigong und andere unkonventionelle Maßnahmen erreicht werden
soll. Soweit mir bekannt ist, ist bisher in keiner Veröffentlichung
der Beweis dafür erbracht worden, daß es "alternativen"
Medizinern besser gelingt als anderen Ärzten, ihre Patienten
davon zu überzeugen, ihre Lebensweise zu ändern. Ebenso
fehlt der Beweis für die Wirksamkeit der Ansätze der Vitalisten
und dafür, daß bei der Behandlung irgendeiner Erkrankung
Kosten gespart werden können.
Der
Vorsitzende des Amerikanischen Rats gegen Betrug im Gesundheitswesen
(National Council Against Health Fraud), William T. Jarvis,
Ph. D., hat auf folgendes hingewiesen:
Manche
Techniken, die als "alternativ" bezeichnet werden,
können im Rahmen einer Behandlung von Patienten sinnvoll
eingesetzt werden. Beispiele dafür sind Entspannungstechniken
und Massagen. Aber Verfahren, die auf Systemen von Vorstellungen
beruhen, innerhalb derer die Wissenschaft an sich abgelehnt
wird, haben mit einem verantwortungsvollen Umgang mit der
Medizin nichts zu tun. Unnütze Verfahren bringen kein therapeutisches,
sondern nur ein finanzielles Ergebnis.
In
den Nachrichten wurde häufig darüber berichtet, dass das
US-Gesundheitsamt (National Institutes of Health) kürzlich
ein Amt für Alternative Medizin (Office of Alternative Medicine,
kurz: OAM) eröffnet hat, und die Bedeutung dieses Amtes
wurde oft übertrieben. Die Einrichtung dieser Behörde wurde
von den Anhängern fragwürdiger Krebstherapien initiiert,
die auf ihre Verfahren stärker aufmerksam machen wollten.
Die meisten Mitglieder im ärzlichen Beirat des OAM sind
Anhänger "alternativer" Verfahren, und bisher
ist in keiner Veröffentlichung des OAM jemals ein Verfahren
kritisch überprüft worden. 1994 trat der erste Leiter des
OAM mit der Begründung zurück, man habe durch politische
Einflußnahme verhindern wollen, daß das OAM seine Aufgabe
mit wissenschaftlichen Methoden erfülle [2]. Das OAM hat
ungefähr 50 Studien zu "alternativen" Methoden
mit finanziellen Mitteln unterstützt. Es bleibt jedoch abzuwarten,
ob diese Studien zu brauchbaren Ergebnissen führen. Selbst
wenn das bei einigen der Fall sein sollte, wird dadurch
kein Ausgleich für die enorme Publicity, die fragwürdigen
Methoden zuteil wird, geschaffen.
Andere Tricks, auf die man leicht hereinfällt
Stephen Barrett, M.D.
Victor Herbert, M.D., J.D.
Übersetzung
durch Neurologen & Psychiater des Saarlandes, Berufsverband
der Niedergelassenen e.V.
Werber
für "alternative" Produkte sprechen die Gefühle
der Menschen an. Ihre Produkte werden nicht deshalb gekauft,
weil sie qualitativ hochwertig sind, sondern weil die Verkäufer
es gut verstehen, ihr Publikum zu beeinflussen. Ihre Taktik
besteht im wesentlichen darin, das Blaue vom Himmel zu versprechen
und die "Konkurrenz" schlechtzumachen. Sie versprechen
den Menschen ein gesünderes und längeres Leben. Sie bieten
Lösungen für praktisch alle gesundheitlichen Probleme an,
von denen sie manche selbst erfinden. Denen, die Schmerzen
haben, versprechen sie Linderung. Denen, die unheilbar krank
sind, machen sie Hoffnung. Den Ernährungsbewußten sagen
sie, "stellen sie sicher, daß ihr Körper alles bekommt,
was er braucht." Den Umweltbewußten sagen sie, "kaufen
sie Naturprodukte". Für Gebrechen, die von der wissenschaftlichen
Medizin behandelt werden, bieten sie "sicherere, giftfreie
Alternativen" an. Und sie haben eine Reihe von Tricks
auf Lager, um sich gegen Kritik zu wehren. Um sie für sich
zu gewinnen, muß ein Quacksalber sie nicht davon überzeugen,
daß alle unten genannten Behauptungen richtig sind. Es kann
schon genügen, wenn sie eine davon glauben.
"Wir kümmern uns wirklich um sie!"
Obwohl
es einem Patienten enormen psychischen Auftrieb geben kann,
wenn man sich "um ihn kümmert", wird dadurch ein
wirkungsloses Mittel nicht wirkungsvoller. Dieses Gefühl
kann zudem ein zu großes Vertrauen in eine nicht geeignete
Therapie zur Folge haben.
"Wir behandeln den ganzen Menschen."
Es
ist nichts Falsches daran, zusätzlich zu den physischen
Problemen eines Patienten auch seine Lebensweise und die
sozialen und emotionalen Umstände gebührend zu berücksichtigen.
Tatsächlich haben gute Ärzte das schon immer getan. Heutzutage
sind jedoch die meisten Praktizierenden, die sich als "holistisch"
ausgeben, Quacksalber, die von dieser Bezeichnung Gebrauch
machen, weil sie werbewirksam ist. Nur wenige davon behandeln
tatsächlich "den ganzen Menschen".
"Keine Nebenwirkungen"
"Alternative"
Heilmethoden werden oft als sicherer, sanfter und/oder frei
von Nebenwirkungen beschrieben. Wenn das wahr wäre - was
oft nicht der Fall ist -, dann wären diese "Heilmittel"
zu schwach, um überhaupt irgendeine Wirkung haben zu können.
Jedes Medikament, das stark genug ist, um zu helfen, ist
zwangsläufig auch stark genug, um Nebenwirkungen zu haben.
Damit ein Medikament von der FDA zugelassen wird, muß die
Wahrscheinlichkeit seiner positiven Wirkung nachweislich
wesentlich höher sein als die eventueller negativer Wirkungen.
"Wir bekämpfen die Ursachen der Krankheiten."
Quacksalber
behaupten, dass alles, was sie tun, nicht nur die Krankheit
beseitigt, sondern auch zukünftigen Beschwerden vorbeugt.
Diese Behauptung ist falsch. Krankheiten können viele Ursachen
haben, sowohl innere als auch äußere, von denen manche bekannt
sind und manche nicht. Wissenschaftliche medizinische Behandlung
kann bestimmten Krankheiten vorbeugen, und die Risiken,
an vielen anderen zu erkranken, verringern.
"Wir korrigieren die Fehler der Schulmedizin."
Häufig
wird angenommen, dass Menschen nach "Alternativen"
suchen, weil Ärzte grob mit ihnen umgehen, und dass mehr
Aufmerksamkeit der Ärzte den Patienten gegenüber sie von
Quacksalbern fernhalten würde. Es stimmt, dass das manchmal
passiert, aber Quacksalberei auf dem Gebiet der Ernährung
hat meist mit medizinischer Behandlung nichts zu tun. Die
Ärzte für die Quacksalberei verantwortlich zu machen ist
genauso, wie den Astronomen die Schuld an der Popularität
der Astrologie zu geben. Die Bedürfnisse mancher Menschen
übersteigen die Möglichkeiten der ethischen, wissenschaftlichen
Heilkunde. Manche Menschen haben eine tief sitzende Abneigung
gegen die Schulmedizin und den wissenschaftlichen Ansatz.
Der wichtigste Grund für die Erfolge von Quacksalbern ist
jedoch ihre Fähigkeit, ahnungslose, leichtgläubige oder
verzweifelte Menschen zu verführen. Vor ein paar Jahren
brachte eine in Neuseeland durchgeführte Studie ans Licht,
dass die meisten Krebspatienten, die "alternative"
Heilmethoden anwandten, mit ihrer ärztlichen Behandlung
zufrieden waren und die "alternative" Behandlung
lediglich als Ergänzung betrachteten. Die Einnahme von Vitaminen
zur "Abrundung der Ernährung", betrachten viele
Menschen als ein Spiel, bei dem sie kaum etwas verlieren,
aber viel gewinnen können.
"Denken sie positiv!"
Viele
Quacksalber versprechen einen geistig-seelischen Nutzen
ihrer Methode(n), der über die physische Wirkung ihrer Heilmittel
hinausgeht. Typische Schlagwörter hierfür sind "Interaktion
zwischen Geist und Körper", "Geist über Materie",
oder die Kraft des positiven Denkens. Eine positive Einstellung
kann Menschen eher dazu geneigt machen, sich nach einem
Programm für eine effektive Heilbehandlung zu richten. Für
die "Volksweisheit", daß Optimismus oder der Glaube
an eine Behandlung ein längeres Leben beschert oder die
Genesung von einer Krankheit beschleunigt, gibt es jedoch
kaum einen wissenschaftlichen Nachweis. Selbst wenn es so
wäre, die Gefahren unangebrachten Vertrauens könnten dadurch
nicht aufgewogen werden.
"Springen sie auf den fahrenden Zug auf."
Quacksalber
und Vitaminpillen-Verkäufer haben verschiedene Strategien,
um die Behauptungen zu untermauern, dass ihre Methoden populär
sind (was wahr sein kann oder auch nicht), dass ihre Popularität
ein Zeichen für die Wirksamkeit ihrer Methoden und Produkte
ist (was oft nicht stimmt), und daß sie sie deshalb probieren
sollten. Der Anspruch der Popularität wird manchmal durch
Bezugnahme auf Autoritäten oder Zeugnisse (die naturgegeben
irreführend sind), oder durch Statistiken (die normalerweise
übertrieben sind) belegt. Eine solche Statistik kann beinhalten,
wieviele Patienten angeblich von einer Methode Gebrauch
machen, wie lange die Methode schon angewendet wird, wieviele
Praktizierende sie anwenden, und/oder wie lange ein Praktizierender
oder eine Einrichtung schon auf dem Markt ist.
"Seit langer Zeit bewährt"
Dieser
Trick suggeriert, dass ein Mittel, das seit langer Zeit
angewendet wird, automatisch gut sein muss. Die, die es
anpreisen implizieren, dass das Mittel, wenn es nicht wirken
würde, schon vom Markt verschwunden wäre. Manche Quacksalber
behaupten, dass ihre Methoden von Generation zu Generation
weitergereicht wurden (was manchmal wahr ist und manchmal
nicht), dass sie von alter Volksweisheit durchdrungen sind,
alten Schriften entstammen o.ä. Dieser Trick ist leicht
zu durchschauen, wenn man bedenkt, dass die Astrologie Tausende
von Jahren überlebt hat, ohne dass jemals irgendein Beweis
für ihre Richtigkeit erbracht wurde. Bedenken sie auch,
dass viele wirksame Methoden im Laufe der Zeit durch effektivere
ersetzt werden.
"Durch wissenschaftliche Studien belegt"
Da
die meisten Menschen einen wissenschaftlichen Nachweis als
Pluspunkt werten, behaupten die Vertreter unwissenschaftlicher
Methoden, solche Nachweise zu haben, auch wenn das nicht
den Tatsachen entspricht. Manche ihrer Schriften führen
Dutzende oder gar Hunderte von Veröffentlichungen an, die
ihre Theorien angeblich stützen. Die angeführten Quellen
können jedoch unauffindbar, falsch interpretiert, überholt,
irrelevant oder nicht existent sein und/oder auf unzureichend
durchgeführten Untersuchungen beruhen. Ein klassisches Beispiel
hierfür ist das Buch "Let's Get Well" von Adelle
Davis, in dem 2.402 Quellen aufgelistet sind. Viele davon
stimmten mit den Standpunkten der Autorin gar nicht überein,
und manche hatten mit der Stelle, an der sie zitiert wurden,
nicht einmal etwas zu tun. Was wirklich zählen sollte ist
nicht die Quantität der Quellen, sondern ihre Qualität und
Relevanz - was der Durchschnittsleser nur schwer oder gar
nicht beurteilen kann.
"Nehmen sie ihre Gesundheit selbst in die Hand!"
Dies
ist wohl das überzeugendste Schlagwort aus der Trickkiste
der Quacksalber. Menschen haben gerne das Gefühl, ihr Leben
selbst in der Hand zu haben. Quacksalber nutzen dieses Gefühl
aus, indem sie ihren Kunden Aufgaben übertragen, wie z.B.
Vitaminpillen einzunehmen, bestimmtes Essen zuzubereiten,
zu meditieren o.ä. Diese Aktivität kann einen gewissen psychischen
Auftrieb bedeuten, an die falschen Dinge zu glauben fordert
jedoch meist einen hohen Preis. Dieser Preis kann finanzieller
Art sein, psychisch (wenn die Desillusionierung einsetzt),
physisch (wenn die angewandte Methode schädlich ist oder
der Patient seriöse Behandlung ablehnt), oder sozial (Ablenkung
von konstruktiveren Aktivitäten).
"Denken sie selbständig"
Quacksalber
halten die Menschen dazu an, wissenschaftliche Beweise (die
sie selbst nicht vorweisen können) zu ignorieren und stattdessen
persönlicher Erfahrung (der eigenen oder der des Quacksalbers)
zu vertrauen. Persönliche Erfahrung ist jedoch nicht der
beste Weg um herauszufinden, ob eine Methode wirkt. Wenn
man sich nach der Anwendung eines Heilmittels oder Heilverfahrens
besser fühlt, ist man natürlich geneigt, an die Wirksamkeit
der Behandlung zu glauben. Die meisten Gebrechen regulieren
sich jedoch selbst, und sogar unheilbare Leiden können sich
von Tag zu Tag ändern, das macht es Quacksalbern leicht,
mit ihren Methoden eine große Anhängerschaft zu gewinnen.
Zudem führen Behandlungen jeglicher Art oft zu vorübergehender
Abschwächung der Symptome (Placebo-Effekt). Um festzustellen,
ob ein Heilverfahren wirklich hilft, müssen deshalb für
gewöhnlich wissenschaftliche Experimente durchgeführt werden.
Beim individuellen Experimentieren ist es schwer, zwischen
dem Zufall und dem Prinzip Ursache - Wirkung zu unterscheiden.
Genauso kann man die Risiken einer wirksamen Behandlung
nur durch Patientenbeobachtungen im Rahmen professionell
durchgeführter Studien feststellen, wobei Erfolge und Mißerfolge
genauestens aufgezeichnet werden - was Quacksalber nicht
tun.
"Was haben sie denn zu verlieren?"
Quacksalber
und Vitaminpillen-Verkäufer wollen sie glauben machen, dass
ihre Methoden harmlos sind und sie deshalb nichts verlieren
können, wenn sie sie probieren. Wenn eine Methode wirkungslos
ist, spielen dann die Risiken negativer physischer Auswirkungen
eigentlich eine Rolle? Manche Quacksalber-Methoden sind
direkt schädlich, andere schaden dadurch, daß sie Menschen
von bewährten Methoden ablenken. Allen gemeinsam ist, dass
sie mit ihnen nur ihre Zeit und/oder ihr Geld verschwenden.
"Wenn sie doch nur früher gekommen wären."
Diese
Phrase ist sehr praktisch, wenn eine Behandlung mißlungen
ist. Sie hält den Patienten davon ab, sich bewusst zu machen,
daß es ein Fehler war, den Quacksalber aufzusuchen.
"Die Wissenschaft ist nicht allwissend"
Quacksalber
wollen mit diesem Trick den Eindruck erwecken zu durchschauen,
was die wissenschaftliche Medizin tatsächlich kann. Sie
drücken damit implizit auch aus, daß die Schulmedizin Grenzen
hat und sie diese sehr wohl auch haben dürfen. Die Schulmedizin
behauptet nicht, allwissend zu sein, aber ihre Effektivität
wird ständig größer. Der Gedanke, daß sich Patienten Quacksalber-Methoden
zuwenden sollten, wenn sie vom Unvermögen der Wissenschaft,
eine Krankheit zu bekämpfen, enttäuscht sind, ist irrational.
Die Quacksalberei bietet keine echten Lösungen und hat auch
kein Konzept, um diese zu finden.
"Haben sie keine Angst zu experimentieren."
Dieser
Ratschlag, der im Verzeichnis der holistischen Heilpraktiker
1993-1994 des New Age Journals erschien, beruhte auf dem
Klische, daß "eine Methode, die bei einer Person wirkt,
bei einer anderen Person mit dem gleichen Problem wirkungslos
sein kann." Diese Aussage ist zwar im Prinzip richtig,
die Wissenschaft hat jedoch Möglichkeiten festzustellen,
welche Methoden mit hoher Wahrscheinlichkeit wirksam sind
und von welchen man besser Abstand hält. Wenn man ein Faß
voll mit Äpfeln hat, die offensichtlich verdorben sind,
macht es dann Sinn, alle zu kosten, um zu sehen, ob einer
davon vielleicht doch schmeckt?
"Lassen sie uns zusammenarbeiten."
Mit
diesem Trick versuchen Quacksalber, sich als "nette
Jungs" darzustellen, womit sie gleichzeitig suggerieren,
dass ihre Kritiker das nicht sind. "Da die Wissenschaft
keine Lösungen bietet", so könnte ein Argument lauten,
"sollten wir unsere Differenzen beiseite schieben und
zum Wohle der Allgemeinheit zusammenarbeiten." Wenn
die Quacksalberei mehr zu bieten hätte als nur leere Versprechungen,
wäre das eine gute Idee. Die Befürworter der "komplementären
Medizin" behaupten, wissenschaftliche und "alternative"
Medizin zu vereinen und von beidem das Positive zu nutzen.
Bringt es irgendeinen Nutzen, effektive Methoden durch ineffektive
zu ergänzen? Macht es Sinn, sich an jemanden zu wenden,
der die "besten" ineffektiven Methoden anwendet?
Kann man von jemandem, dessen logisches Denkvermögen so
irregeführt ist, daß er an Homöopathie und ähnliches glaubt,
qualitative medizinische Behandlung erwarten? Machen Praktiker
der "komplementären Medizin" in dem Maße von zuverlässigen
Heilmethoden Gebrauch, wie sie es sollten? Nach unseren
bisherigen Erfahrungen lautet die Antwort auf jede dieser
Fragen "Nein".
"Seien sie wachsam."
Quacksalber
stellen sich selbst als Innovatoren dar und behaupten, daß
ihre Kritiker starrsinnig, elitär, voreingenommen und neuen
Ideen gegenüber verschlossen sind. Tatsächlich verdrehen
sie hiermit die Tatsachen. Die eigentliche Frage lautet,
ob eine Methode wirksam ist oder nicht. Die Wissenschaft
kennt Mittel und Wege, um unvernünftige Ideen zu beurteilen
und zu verwerfen. Die Schulmedizin entwickelt sich dadurch,
daß wenig effektive Methoden durch neue und bessere ersetzt
werden. Die Methoden der Quacksalber existieren so lange,
wie sie sich vermarkten lassen. Selbst nach ihrem Verschwinden
werden manche von ihnen immer noch glorifiziert.
"Warum fegt ihr nicht vor eurer eigenen Tür!"
Diese
Art von Argumenten taucht häufig in Debatten zwischen wissenschaftlichen
und "alternativen" Praktikern auf, vor allem dann,
wenn letzterer kein Arzt ist. Diese Argumentation zielt
darauf ab, den Kritiker als jemanden, der sich in alles
einmischt oder anderen ihre Erfolge nicht gönnt darzustellen.
Ein beliebter Trick ist die Frage:"Warum unternehmt
ihr nichts gegen unnötige chirurgische Eingriffe?"
Die einfache Antwort darauf lautet, dass die Unzulänglichkeiten
der Schulmedizin keine Rechtfertigung für jegliche Art von
Quacksalberei sind. Unnötige chirurgische Eingriffe sind
ein Mißbrauch von etwas, das funktioniert, mit Quacksalberei,
die den Gebrauch von etwas darstellt, das nicht funktioniert,
hat das nichts zu tun. Ein weiterer wesentlicher Unterschied
liegt darin, daß Quacksalberei organisiert ist. Es gibt
keine nationale Organisation von "Chirurgen für unnötige
chirurgische Eingriffe", wohl aber nationale Organisationen
der Quacksalberei. Zudem kritisieren Quacksalber, im Gegensatz
zu Wissenschaftlern, nur selten ihre eigene Methodik oder
die ihrer Kollegen.
"Beweist doch, dass ich unrecht habe!"
Quacksalber
versuchen, die Wissenschaft auf den Kopf zu stellen, indem
sie von ihren Kritikern fordern, sie zu widerlegen. Ein
Argument könnte beispielsweise auch lauten: "Woher
wollt ihr wissen, daß meine Methode nicht funktioniert,
wenn ihr sie nicht probiert habt?" Es gibt jedoch genügend
Möglichkeiten, um jede neue Idee zu prüfen. Aus diesem Grund
gehen Wissenschaftler nur solchen Ideen nach, die erfolgversprechend
sind. Nach den Regeln der Wissenschaft liegt die Beweispflicht
bei dem, der eine Behauptung aufstellt. Unerprobte Methoden,
die keine vernünftige, logische Grundlage erkennen lassen,
sollten als wertlos eingestuft werden, bis das Gegenteil
bewiesen ist. Persönliche Erfahrung ist kein Ersatz für
wissenschaftliche Untersuchung.
"Wir haben kein Geld für Forschung."
Auf
den Hinweis, dass das, was sie vertreten, nicht wissenschaftlich
bewiesen ist, reagieren Quacksalber meist mit der Behauptung,
dass sie für Forschungsarbeit kein Geld haben. Elementare
Untersuchungen kosten jedoch nicht viel Geld, und nicht
einmal viel Mühe. Grundvoraussetzungen dafür sind sorgfältige
nüchterne Beobachtung, detaillierte Aufzeichnung der Ergebnisse
und langfristiges "Am-Ball-Bleiben". Befürworter
"alternativer" Methoden tun meist nichts von all
dem. Ihr Schreien nach der Möglichkeit zur Forschung ist
meist nur ein Trick, um die Sympathie der Öffentlichkeit
zu gewinnen. Das letzte, was Quacksalber wollen, sind wissen-schaftliche
Untersuchungen, die sie widerlegen könnten. Wenn das Ergebnis
einer wissenschaftlichen Untersuchung negativ ist, dann
behaupten die Befürworter des untersuchten Gegenstandes
ausnahmslos, dass die Untersuchung unsachgemäß durchgeführt
wurde, oder dass die, die sie durchgeführt haben, voreingenommen
waren. Befürworter sogenannter "Naturprodukte"
(nahrungsergänzende Produkte und Kräuter) beklagen oft,
dass es für sie schwer oder ganz unmöglich ist, Fördergelder
zu bekommen, weil ihre Produkte nicht patentiert werden
und Arzneimittelhersteller deshalb wenig Interesse daran
haben, sich mit ihnen zu beschäftigen. Auf manche Produkte
mag das zutreffen, aber sicher nicht auf alle. Man denke
nur an das schlichte, einfache Aspirin. Obwohl es nicht
patentfähig ist, war und ist es doch Gegenstand von Tausenden
von veröffentlichten Studien.
"Ich bin zu sehr damit beschäftigt, kranke Menschen zu heilen."
So
antworten Quacksalber auf die Frage, warum sie ihre angeblich
guten Resultate nicht niederschreiben und wissenschaftlichen
Fachzeitschriften zur Veröffentlichung einreichen. Der Knackpunkt
ist natürlich die Frage, ob man ohne sorgfältiges Beobachten
und Notieren der Ergebnisse überhaupt wissen kann, ob eine
Methode funktioniert. Die richtige Antwort heisst nein.
Selbst die einfachste Art von Protokollführung kann wichtige
Informationen enthalten. 1983 besuchte ein Naturheilkundler
namens Steve Austin die "Gerson Clinic" und bat
ungefähr 30 Krebspatienten darum, die Entwicklung ihres
Zustandes verfolgen zu dürfen. Mit 21 von ihnen nahm er
einmal jährlich durch Briefe oder Telefongespräche Kontakt
auf. Nach fünf Jahren war nur noch einer am Leben (aber
nicht frei von Krebs), die anderen waren ihrem Leiden erlegen.
"Galileo wurde auch verfolgt!"
Die
Geschichte der Wissenschaft ist voll von Beispielen großer
Pioniere und ihrer Entdeckungen, die nicht akzeptiert wurden.
Bekannte Beispiele sind William Harvey (Entdeckung des Blut-kreislaufs),
Joseph Lister (Begründer der antiseptischen Wundbehandlung)
und Louis Pasteur (Entdeckung der Keime). Die zeitgenössischen
Quacksalber sind so dreist zu behaupten, sie seien ebenfalls
Wissenschaftler, die ihrer Zeit voraus sind. Gründliche
Untersuchungen werden jedoch beweisen, wie unwahrscheinlich
das ist. Galileo, Harvey, Lister und Pasteur besiegten ihre
Gegener durch die Vernünftigkeit ihrer Ideen.
"Jeder hat das Recht, seine medizinische Behandlung frei zu wählen."
Quacksalber
machen von diesem Slogan Gebrauch, um die Aufmerksamkeit
von sich selbst ab- und zu den Kranken hinzulenken, für
die man naturgegeben Mitleid empfindet. Quacksalber, die
darauf bestehen, dass "jeder die Freiheit haben sollte,
seine medizinische Behandlung selbst zu wählen" wollen,
dass wir zwei Dinge übersehen: Erstens will niemand betrogen
werden, und schon gar nicht, wenn es um Leben und Gesundheit
geht. Kranke lassen sich nicht von Quacksalbern behandeln,
um ihre "Rechte" wahrzunehmen, sondern weil man
sie davon überzeugt hat, dass diese Behandlung Hoffnung
verspricht. Zweitens sind die Gesetze, die nutzlose Mittelchen
verbieten, nicht gegen die Kranken gerichtet, sondern gegen
die, die sie verkaufen und Kranke damit ausnutzen wollen.
Die Gesetze fordern schlicht und einfach, dass auf dem Markt
angebotene Heilmittel sowohl sicher als auch effektiv sind.
Wenn es nur um Sicherheit ginge, dann könnte jede Substanz,
die einen Menschen nicht auf der Stelle tötet, ahnungslosen
Menschen angedreht werden.
"Wir bieten Alternativen"
Quacksalber
sind sehr geschickt im Umgang mit Werbeslogans und Schlagwörtern.
In den 70er Jahren wurde die Bezeichnung "natürlich"
zu einem magischen Werbeslogan gemacht. In den 80er Jahren
erlebte die Bezeichnung "holistisch" eine ähnliche
Entwicklung. Heute ist das gängigste Schlagwort "alternativ".
"Altenativ" bedeutet im eigentlichen Sinne, dass
eine Methode für einen bestimmten Zweck ebenso brauchbar
ist. (Ein Beispiel hierfür wären zwei verschiedene Antibiotika,
die den gleichen Organismus vernichten). Auf fragwürdige
Methoden angewandt ist dieser Terminus jedoch irreführend,
denn unsichere oder ineffektive Methoden können keine vernünftige
Alternative zu bewährter Behandlung sein. Wir setzen das
Wort "alternativ" deshalb in Anführungszeichen,
wenn es sich auf Methoden bezieht, die von der Wissenschaftlergemeinschaft
nicht allgemein akzeptiert sind und für die es keine plausible
Erklärung gibt.
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