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Die Inhaltsübersicht

-
Was ist die Hämophilie?
- Allgemeines
- Vererbung
- Häufigkeit


Was ist die Hämophilie?

Die Bluterkrankheit ist eine X-chromosomale Erbkrankheit, an der in Deutschland etwa 8 000 Menschen, in erster Linie Männer, leiden. Frauen sind auf Grund des zweiten, in der Regel unveränderten X-Chromosoms gesund, geben das kranke Gen jedoch weiter, d.h. sie sind Genträgerinnen. Man unterscheidet die Hämophilie A, die 80% der Fälle ausmacht und den Faktor VIII betrifft, und die seltenere Hämophilie B, die durch Faktor-IX-Mangel entsteht. Sowohl Faktor VIII als auch Faktor IX sind unersetzliche Bestandteile in der Blutgerinnung .

Die Beschwerden sind bei beiden Arten der Hämophilie die gleichen und sind umso dramatischer, je gravierender der Mangel des Gerinnungsfaktors ist. Bei schweren Formen kommt es schon nach Minimalverletzungen zu unstillbaren lebensbedrohlichen Blutungen nach außen, ins Gewebe oder in Gelenke. Bei milderen Formen ist vor allem bei chirurgischen Eingriffen mit Blutungen zu rechnen. Die Behandlung besteht in der intravenösen Verabreichung des fehlenden Gerinnungsfaktors, wobei die Dosis vom Blutungsrisiko abhängt, d.h. vor allem bei Kindern und vor Operationen entsprechend hoch sein muss. Diese Gerinnungsfaktoren werden aus Spenderblut hergestellt und sind heutzutage mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit virusfrei. An der gentechnischen und dadurch garantiert virusfreien Herstellung dieser Produkte zu einem vertretbaren Preis wird derzeit gearbeitet.


Allgemeines

Die Bluterkrankheit (Hämophilie) ist mit sehr schweren Versäumnissen bei der Qualitätskontrolle in der blutverarbeitenden Industrie verknüpft. Bis zum Ende der achtziger Jahre sind sehr viele Bluterkranke über ihre blutstillenden Medikamente, also Gerinnungsfaktoren, die aus Spenderblut hergestellt wurden, mit Aids infiziert worden. Viele der betroffenen Menschen sind mittlerweile verstorben. Zur öffentlichen Empörung kam es besonders in Frankreich und Deutschland. Mittlerweile sind die Produkte jedoch als sicher anzusehen.

Für historisch interessierte Menschen sei erwähnt, dass der Sohn des letzten Zaren von Russland Bluter war. Auf Grund der Erkrankung des jungen Zarensohns gewann im Laufe der Zeit der Wunderheiler Rasputin einen geradezu mystischen Einfluss auf die Zarenfamilie - vor allem auf die Mutter - und damit auch auf die Politik Russlands.


Vererbung

Bei der Bluterkrankheit handelt es sich um eine rezessive Erbkrankheit, die durch ein oder sehr selten zwei X-Chromosomen, also Geschlechtschromosomen, übertragen wird. Da Frauen zwei X-Chromosomen besitzen und für eine Erkrankung alle vorhandenen X-Chromosomen betroffen sein müssen, ist für Frauen die Wahrscheinlichkeit, an Hämophilie zu erkranken, erheblich geringer als für Männer, die in den Geschlechtschromosomen neben dem Y-Chromosom nur ein X-Chromosom besitzen.

Das menschliche Erbgut ist in normalen Körperzellen auf 46 Chromosomen verteilt. Davon sind die Chromosomen 1 bis 22 sogenannte Autosome, die jeweils zweifach vorhanden sind. Zudem gibt es noch die bereits erwähnten beiden Chromosomen, die das Geschlecht des Menschen bestimmen.

Das gesamte Erbgut - mit Ausnahme der Geschlechtschromosomen bei Männern - ist somit doppelt vorhanden. Kommt es nun zu einer Mutation eines Gens oder wird ein mutiertes Gen von den Vorfahren geerbt, gibt es normalerweise noch eine gesunde Kopie auf dem zweiten Autosom. Sofern ein mutiertes und ein nicht mutiertes Gen nicht zu einer Erkrankung der betreffenden Person führen, liegt eine rezessive Erbanlage vor. Von einer dominanten Erbanlage spricht man, wenn bei Vorliegen von nur einem mutierten Gen die Person erkrankt. Zeugen ein gesunder Vater und eine gesunde Mutter mit jeweils einem mutierten Gen ein Kind, so besteht eine 25%ige Wahrscheinlichkeit für das Kind, zwei mutierte Gene zu erhalten und damit zu erkranken.

In etwa 50% der Fälle sind die Mutationen auf dem X-Chromosom durch spontane Mutationen bei der Eltern- bzw. Großelterngeneration entstanden.

Es gibt zwei Formen der Bluterkrankheit, die Hämophilie A und die Hämophilie B. Die Hämophilie A beruht auf Grund einer Mutation auf einem Mangel an Gerinnungsfaktor VIII, die Hämophilie B auf einem Mangel an Gerinnungsfaktor IX. Beide Faktoren sind unersetzliche Bestandteile in der Blutgerinnung . Ungefähr 80% der Bluter leiden an der Hämophilie A. Die klinischen Erscheinungsbilder sind bei beiden Formen nahezu identisch.


Häufigkeit

Die Wahrscheinlichkeit, an der Hämophilie B zu erkranken, liegt bei etwa
1 : 20 000, die an der Hämophilie A zu erkranken bei etwa 1 : 5 000. In der Bundesrepublik leben derzeit rund 8 000 Menschen, die an dieser Krankheit leiden. Aus den bereits genannten Gründen sind dies praktisch nur Männer. Die Hämophilie ist bei Frauen extrem selten, da hierfür sowohl der Vater Bluter als auch die Mutter Trägerin des Gendefekts sein müssen.



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